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 Betreff des Beitrags: MACHO MAN 2 - Davide Grisolia
BeitragVerfasst: 13.10.2017 15:41 
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Macho Man 2 – Davide Grisolia

(Deutschland, 2017)

27.9.201; Kino (Cinecitta Nürnberg: Filmpremiere; OV; 1,85:1)



Inhalt:

Der Karatechampion Andreas und der Boxer Danny sind auch nach über 30 Jahren befreundet, werden allerdings von der jüngeren Generation an Sportlern nicht mehr ganz ernst genommen. Als sie während eines Trainingslaufes pausieren vernimmt Andreas die Hilfeschreie einer Frau, die sich den Zudringlichkeiten eines Mannes erwehrt und schlägt ihn nieder, muss aber sogleich feststellen, dass die Situation einvernehmlich war und es sich bei dem Niedergeschlagenen um den Yogalehrer Sophies, dem vermeintlichen Opfer, handelt. Im Krankenhaus lädt Andreas die Beiden als Wiedergutmachung zum Fight of the Night ein.

Derweil machen sich finstere Italienisch-russisch-türkische Organhändler auf in die Frankenmetropole Nürnberg, verlieren jedoch alle Organe in ihrem Kleinbus, als der russische Fahrer Sascha kurz von vorbeilaufenden Chicas abgelenkt wird, ihnen zujohlt und mit dem Wagen von der Straße abkommt. Trotz dem Verlust und obwohl das Auto explodiert ist, findet Sascha die Situation nicht besonders schlimm, da „Nürnberg eigentlich ganz schön“ ist. Ersatz versuchen sie im nahegelegenen Krankenhaus zu finden, wo sich just Andreas, Dany und deren gemeinsamer Freund Markus befinden. Letzterer wird bei dem Versuch, die Organhändler zu stellen, niedergeschossen, woraufhin – ohne Zweifel fähiger als die Polizei – Andreas und Dany ohne zu tändeln die Ermittlungen aufnehmen, auch nicht davor zurückschrecken, unkooperativen Informanten „a Schelln“ anzudrohen, sogar Ruggero Deodato befragen und schließlich den Schlingeln immer dichter auf die Pelle rücken.

Da die Organhändler dumme Organhändler sind, haben sie im Krankenhaus jedoch nur Schweineherzen erbeutet. Unerwartete Hilfe erhalten sie von dem irren wie hasserfüllten Arzt Dr. De Masi, dessen Vorschlag, die Organe lebenden Sportlern zu entnehmen, bei Finsterling Azhar Zustimmung findet. So werden beim Fight of the Night nach und nach unauffällig 12 Kämpfer ab- und ausgeschlachtet; Polizei und Medien rufen daraufhin die Bevölkerung Nürnbergs zur Mithilfe auf – und Andreas und Danny lassen sich da natürlich nicht lange bitten. Doch Azhar gelingt es, Sophie, mit der Andreas mittlerweile eine Affäre begonnen hat, zu entführen und behandelt sie ganz entgegen dem morgenländischen Gebot: Mit einer Blume nur zu schlagen ein Frauenbild, nicht sollst du wagen!, - Keine Frage, Azhar ist kein Macho Man, sonst würde er Sophie behandeln wie Andreas, der sein „Schnuffi“ schließlich aus dessen Fängen rettet und Azhar zeigt, wo der Bartel den Most holt. Nach einer bewegenden Trauerfeier für Markus müssen Andreas und Danny nur noch die Frage klären, ob Boxen oder Karate der bessere Sport ist.


Review:

32 Jahre nach „Macho Man“ (1985) und nach etwa 3 Jahren Vorbereitungs- und Drehzeit ist nun „Macho Man 2“ erschienen, wieder mit den damaligen Stars Peter Althof und René Weller, hinter der Kamera jedoch mit gänzlich anderer Besetzung. Der Spielfreude Althofs mitsamt dem amüsanten Drehbuch, das treffsicher mit dem richtigen Timing inszeniert wurde verdankt man es, dass der Zuschauer über den ganzen Film hinweg merkt, dass der Film mit viel Herzblut gemacht wurde und man sich über die ganze Laufzeit des Films gut unterhalten fühlt. – Das war beim ersten Teil nicht so! „Macho Man“ verdankt seinen Kultstatus viel mehr dem Unvermögen, eine etablierte Filmsprache und –dramaturgie zu nutzen und verwendet z. B. zwei Drittel seiner Laufzeit für die Exposition, den 1. Von 3 Akten; sowie dem Campcharakter der 80erjahremode, deren Wirkung sich dem zeitgenössischen Zuschauer wohl noch nicht in seiner Fülle offenbarte, jetzt jedoch desto mehr für Eighties-Feeling sorgt. Da die Autoren und der Regisseur der Fortsetzung wussten, dass „so ein 80erjahre Machoscheiß“ nicht mehr zieht, legte man diesmal mehr Wert auf ein Drehbuch, das seine klassische Heldenreise witzig und temporeich erzählt – und damit völlig entgegen dem ersten Teil, ohne sich aber über diesen lustig zu machen oder den Zuschauer ärgerlich zu stimmen, weil man sich etwa zu weit vom Ur-Macho-Man entfernt habe. So gibt es 2 Videoclipartige Szenen, eine Bordellszene und eine Liebesszene zwischen Andreas und Sophie, die man als zu lang und unpassend kritisieren könnte, allerdings genau die Anti-Funktionalität der Breakdanceszene mit Tony Dasson-Harrison (Captain Hollywood) übernehmen. Und die Liebe zwischen Andreas und Sophie wird ebenso schwach wie unfreiwillig komisch erzählt wie die Liebesgeschichten im ersten Teil.

Obwohl laut Davide Grisolia die Technik neben dem Alter der Helden den Unterschied zum ersten Teil ausmachen und der Trashcharakter und die Kultelemente desselben übernommen wurden, finden sich in der Fortsetzung diverse klassische Trashstilelemente: So gibt es einen Vorspann und in diesem Vorspann ist der jeweilige Filmcharakter zu sehen, während man den Namen des Darstellers liest, und die Filmmusik erinnert teils an den Score Brad Fiedels zu „The Terminator“ (1984). Andererseits ist die Kameraarbeit ganz in unserer Zeit verankert und keineswegs so verwackelt, wie es der Trailer zum Film befürchten lies: In den Szenen der „Fight-of-the-Night“ ist jeder Boxschlag so inszeniert, als würde die Kamera ebenfalls von einem Schlag getroffen werden.

Großartige Szenen, wie die mit dem verrückten Arzt Di Masi, der 12 Fight-of-the-Night-Kämpfer einerseits blutig, andererseits slapstickartig tötet und deren Organe ausschlachtet hätten leicht daneben gehen können bei geringerem Inszenierungstalent und leicht zu brutal geraten können; und jene mit Saschas Diskussion mit dem Tankwart oder die selbstironisch-traurige Rede von Pfarrer Bembers lassen sich nur mit „Schnuffis“ Worten beschreiben: „Ey, mit dir machd mer echd was mid, aber es macht Spaß“.


Fazit:

Ob sich um „Macho Man 2“ wie um den ersten Teil ein Kult bilden wird, wird sich wie beim ersten Teil wohl erst in 1-2 Jahrzehnten herausstellen, wenn der Camp des Jahres 2017 sich einer neuen Sehgeneration offenbart.


Wertung:

7,5 / 10


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