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 Betreff des Beitrags: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 04.02.2012 00:54 
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Dr. Mabuse Box von Universum Film


Das Testament des Dr. Mabuse (Deutschland 1962, Originaltitel: Das Testament des Dr. Mabuse)

Gert hat Schmerzen

Mortimer (Charles Regnier) befehligt eine ruchlose Verbrecherbande, die für einen geheimnisvollen Chef ertragreiche Raubzüge durchführt. Stets verbirgt sich der Auftraggeber und tatsächliche Boss hinter einem Vorhang, keiner der Ganoven bekommt das Antlitz des finsteren Obermotzes zu sehen. Als ein bewaffneter Goldtransport von den Gangstern überfallen wird, erinnert die Vorgehensweise den leitenden Ermittler Lohmann (Gert Fröbe) an die Methoden des legendären Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss). Bei nüchterner Betrachung scheint eine Mitwirkung des Supergangsters unmöglich, immerhin fristet Dr. Mabuse sein tristes Dasein hinter den verschlossenen Türen einer Nervenheilanstalt. Der Leiter der Einrichtung Professor Pohland (Walter Rilla) gewährt Lohmann ohne Schwierigkeiten einen Blick auf Mabuse. Tatsächlich sitzt das wahnsinnige Genie entrückt in seiner Zelle herum, verbringt die Tage mit wirren Kritzeleien, mit unglaublicher Ausdauer füllt der durchgedrehte Dr. Mabuse zahllose Blätter Papier. Derweil kümmert sich Mortimer um die Rekrutierung eines neuen Mitstreiters, mit hinterhältiger Cleverness wickelt er den Boxer Jonny Briggs (Helmut Schmid) ein. Dessen Freundin Nelly (Senta Berger) zeigt sich zunächst sehr erfreut über das Ende der Boxerkarriere ihres Liebsten, wird aber bald von einem sehr unguten Gefühl ergriffen...

Einige Monate nach "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" erreichte der vierte Teil der von CCC-Film produzierten Reihe die deutschen Kinos. Fans freuen sich über die Rückkehr von Gert Fröbe, die Regie übernahm Werner Klingler. Besagter Klingler zeichnet für den recht durchwachsenen "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1962) verantwortlich, den ersten Film aus der Bryan Edgar Wallace Reihe von CCC-Film. An dieser Stelle kann sofort Entwarnung gegeben werden, der vierte Mabuse-Streifen reiht sich ohne nennenswerte Schwachpunkte neben seinen Vorgängern ein. Der geneigte Zuschauer wird mit den ersehnten Zutaten verwönht, der Treffpunkt der Gauner befindet sich gut gesichert unterhalb einer Gruft, die Überfälle der Bande sind launig ausgeführt, wohlige Atmosphäre macht sich breit. "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" erzeugte vor allem durch die unheimliche Präsenz unsichtbarer/schemenhafter Gestalten eine herrliche Gruselstimmung, nun sorgt Wolfgang Preiss für diese Momente, dazu mehr im nächsten Absatz.

Da ist er also wieder, der allseits geschätze und verehrte Gert Fröbe. Selbstverständlich lässt sich Fröbe nicht lumpen, seine energiegeladene Vorstellung packt diesmal sogar noch energischer zu, das Nervenkostüm des Kommissars ist durch die zurückliegenden Erfahrungen dünner geworden. So poltert Fröbes Lohmann immer wieder lautstark durch die Kulissen, gerät zu allem Überfluss in höchste Lebensgefahr! Klar, mit Lobgesängen auf Gert Fröbe könnte man noch viele Seiten füllen, ich will es beim Hinweis auf seine erwartungsgemäß hochklassige Darbietung belassen, der Mann war ein Naturereignis, ist durch seine Schauspielerei unsterblich geworden! Neben Fröbe haben mich drei weitere Mitwirkende sehr begeistert: Charles Regnier, Walter Rilla und Wolfgang Preiss. Regnier gibt den vornehmen Ganoven, der sich die Hände nicht gern selbst beschmutzt, im Ernstfall aber nicht vor Gewalt zurückschreckt. Während die untergebenen Bandenmitglieder sich im Sumpf des primitiven Knallschotentums suhlen, erspielt sich Regnier geschickt die Sympathie des Zuschauers, obwohl an der Haltung Mortimers nie Zweifel bestehen. Walter Rilla kommt zunächst als freundlicher und hilfsbereiter Mediziner daher, darf dem Part des Klinikchefs aber später ganz andere Facetten hinzufügen, die akute Spoilergefahr verbietet mir weitere Ausführungen. Ganz, ganz großartig Wolfgang Preiss, der nun nicht nur als kaum sichtbares Schreckgespenst mit minimaler Spielzeit agiert, er versprüht in seinen Szenen eine regelrecht dämonische Präsenz, eine fantastische Darstellung des Dr. Mabuse! Schaut euch das Duell zwischen Rilla und Preiss an, mehr verrate ich nicht. Die bereits genannten Herren sind vier verdammt gute Gründe den Film als Pflichtprogramm zu deklarieren, die Nebenfiguren sollen jedoch nicht ohne Würdigung bleiben. Harald Juhnke sorgt für einen (erträglichen) Anflug von Klamauk, er eiert als debiler Kriminalassistent namens Krüger um seinen Filmboss Gert Fröbe herum, nagt mit Ausdauer an dessen Geduld. Der Depp vom Dienst scheint quasi unvermeidbar, Juhnke zieht den starken Gesamteindruck glücklicherweise nicht runter. Helmut Schmid tappt als naiver Boxer in die Falle, Leon Askin mutet wie eine weniger wilde Ausgabe von Adi Berber an. Für Schmunzler sorgen die Namen der Gauner, wir haben z. B. "Augapfel-Rolf", "Lachgas-Frankie" und "Paragraphen-Joe" im Angebot. "Paragraphen-Joe" wird übrigens von Albert Bessler vortrefflich dargeboten, Rolf Eden ist als "Jeton-Eddie" am Start. Damen finden nur am Rande statt, Senta Berger gewinnt mit fortschreitender Handlung an Boden, Ann Savo hört in ihrer kleinen Rolle auf den Namen "Wackel-Heidi".

Wer durch die drei vorherigen Beiträge gut unterhalten wurde, der wird sich auch ohne Schwierigkeiten mit dem vierten Auftritt des schröcklichen Supergangsters anfreunden. Das Ensemble ist großartig, die Kulissen und Schauplätze sehr stimmungsvoll, die Handlung schreitet ohne Durchhänger dem Finale entgegen. Sicher sind die Zusammenhänge leicht durchschaubar, dennoch packt der Film den Zuschauer, rundum zufrieden und bei bester Laune lag ich nach kurzweiligen 85 Minuten auf dem Sofa. Repeat bis zur Ekstase: Wer die Wallace-Filme mag, der sollte sich auf jeden Fall auch mit den Dr. Mabuse-Sausen beschäftigen, wem die Wallace-Filme eine Spur zu humorig erscheinen, der sollte es ebenfalls mit Dr. Mabuse probieren. Mir liegt das "Dr. Mabuses Meisterwerk" getaufte Box-Set von Universum vor, welches alle sechs Mabuse-Streifen aus den sechziger Jahren enthält:

• Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)
• Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961)
• Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962)
• Das Testament des Dr. Mabuse (1962)
• Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963)
• Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964)


Die DVDs kommen in einem schicken Digipak ins Haus, das von einem nicht minder hübschen Schuber umhüllt wird. Ferner liegt ein Booklet bei, in dem Auszüge aus einem Buch des leider kürzlich verstorbenen Wallace-Experten #1 Joachim Kramp zu lesen sind. Der von Kriminalfilmfreunden (und nicht nur denen) sehr geschätzte Joachim Kramp, hinterlässt eine nicht zu schliessende Lücke im "Wissensgebiet Wallace und Co.". An der Qualität der DVD gibt es nichts zu meckern, Universum präsentiert auch den zweiten Beitrag zur Mabuse-Reihe in schöner Verfassung. Für Fans (und solche die es werden wollen) stellt diese Box einen unverzichtbaren Pflichtkauf dar!

Werner Klingler macht einen guten Job, im Vergleich zu den von Fritz Lang und Harald Reinl inszenierten Vorgängern fällt sein Beitrag nicht ab.

Zunächst belasse ich es bei dicken 7/10 (gut), aber da geht noch mehr...

Lieblingszitat:

"Verräter bestraft der Chef mit dem Tode!"

_________________
Blap V 3.0 regaining paradise

***
Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 15:08 
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Im Vergleich zu anderen Beiträgen der sechsteiligen Reihe fällt "Das Testament des Dr. Mabuse" deutlich, wenn nicht sogar am deutlichsten ab, denn der Film muss sich mit einer überaus hölzernen Inszenierung herumquälen, für die einmal mehr Werner Klingler verantwortlich ist. Zwar hat auch dieser Teil seine Vorzüge, da in etlichen Szenen eine angemessene Atmosphäre aufkommt, dennoch hält sich die Spannung im durchgehenden Sinn leider in Grenzen. Besetzungstechnisch hat die bereits vierte "Mabuse"-Adaption einiges zu bieten und insbesondere Gert Fröbe, Walter Rilla, Charles Regnier und Wolfgang Preiss wissen zu überzeugen. Am schwächsten inszeniert Klingler erneut seine Hauptdarstellerin Senta Berger, die genau wie in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" unter seiner Führung absolut verschenkt wirkt. Da bietet die aparte Ann Savo in ihren zwei Minuten wesentlich mehr. Insgesamt vielleicht - nach persönlichem Ermessen aber bestimmt - der schwächste Beitrag der Reihe, der altbacken und ungelenk in der Präsentation bleibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 15:24 
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So verschieden können die Geschmäcker sein. Ich finde den Film spitzenmäßig, und dass die Berger nicht besser - aber doch akzeptabel - zur Geltung kommt, liegt am Drehbuch. Von der Rasanz her besser als das Orginal, nach IM STAHLNETZ der zweitbeste Mabuse-Film, der nicht von Fritz Lang stammt.

_________________
FILM MÄG, Print-Fanzine im 11. Jahrgang

"Danach kam ja nur noch der subventionierte Staatsfilm."
(Herbert Fux. Er meinte die Zeit ab Mitte der 70er.)


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 15:36 
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Ein schwaches Skript kommt da sicherlich erschwerend hinzu, aber für mich liegts in erster Linie eindeutig an Werner Klingler, dessen Regie-Arbeiten ich meistens nicht besonders schätze. Ich fand "Das Testament des Dr. Mabuse" früher auch mal besser, vielleicht liegt es auch am Vergleich. Heute sehe ich ihn mir nicht mehr so gerne an, da greife ich lieber zu anderen wie "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" oder "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse". Bei mir persönlich wird er wohl das unumstrittene Schlusslicht bleiben, ich finde den einfach lau.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 16:13 
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Was mir auffällt, ist die Titelgleichheit zwischen diesem Film und dem Lang-Film. Basieren beide Filme vielleicht auf einem Drehbuch? Wenn ich mich recht erinnere, so haben die zwei Filme - außerdem dem Doktor - ja keine weiteren Gemeinsamkeiten... war der Film dennoch als Remake gedacht?...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 17:33 
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Das Drehbuch wurde meines Wissens modifiziert und beim Film handelt es sich eher um ein Titel-Remake.
Aber den Lang-Film habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 18:37 
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Prisma hat geschrieben:
Das Drehbuch wurde meines Wissens modifiziert und beim Film handelt es sich eher um ein Titel-Remake.
Aber den Lang-Film habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.


Danke für Deine Rückmeldung - "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" ist ja auch kein eigentliches Remake des vorausgegangenen Mabuse-Zyklus, sondern Lang wollte direkt auf die damalige (politische) Bundesrepublik eingehen, und somit etwas völlig neues aus seinem Film-Stoff machen, ein quasi neues "Bild der Zeit"...

- die darauf folgende "Mabuse"-Reihe hat dann wohl ähnlich agiert, wenngleich man nicht umhinkommt, in der damaligen Zeit ein "Lang"-Revival festzustellen: "Mabuse" = "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" von Lang selbst gedreht; Langs "Nibelungen" kamen dann 1966 von Reinl, und Langs "M" kam - allerdings von Hossein in Frankreich - als "Der Mann, der Peter Kürten hieß"... und vorher gab es schon "Der Verlorene" von Lorre, der "M" neu interpretiert...
und Fritz Lang hatte ja mit "Das indische Grabmal" dann endlich den Film gemacht, den er in der Weimarer Zeit nicht drehen durfte...

Unterm Strich ging es damit also vor allem um die großen deutschen Kino-Mythen "im Titel": Mabuse, Nibelungen usw. - komisch, dass niemand "Metropolis" in den 60-er Jahren neu drehen wollte... war wohl "CCC" zu teuer...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 19:22 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Mabuse, Nibelungen usw. - komisch, dass niemand "Metropolis" in den 60-er Jahren neu drehen wollte...
In den 80ern gab es zumindest ein von David Mallet inszeniertes Quasi-Remake zu bestaunen, dessen Gesamtlaufzeit dann aber auch recht überschaubar war :) ;)
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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 19:26 
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Howard Vernon hat geschrieben:
war wohl "CCC" zu teuer...

Brauner gilt ja immer schon als Sparfuchs, da könnte ich mir schon vorstellen, dass es vielleicht daran gelegen hat.
Aber Großprojekte hat er ja durchaus (mit)finanziert; man muss ihm schon lassen, dass er sich den aktuellen Zuschauerwünschen oder dem Zeitgeist oft gut anpassen konnte.
So hat vielleicht auch die "Mabuse"-Reihe Form angenommen, anfänglich als Konkurrenz und Variation zu Wallace, wobei die cCc Filmkunst ja nachher mit Bryan Edgar Wallace da noch deutlicher agiert hat.
Die ersten vier "Mabuse"-Filme kam seinerzeit durch den Constantin-, beziehungsweise Langs Adaption durch den Prisma Filmverleih (eine Constantin-Tochter) in die Kinos.
Somit konnten sogar die Starttermine abgestimmt werden, um sich auf dem Krimi-Markt nicht noch größere Konkurrenz zu machen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 19:32 
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Nicht nur METROPOLIS ist in den 80-ern aufgenommen worden:

youtu.be Video From : youtu.be


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 10.05.2018 19:42 
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Prisma hat geschrieben:
Howard Vernon hat geschrieben:
war wohl "CCC" zu teuer...


Die ersten vier "Mabuse"-Filme kam seinerzeit durch den Constantin-, beziehungsweise Langs Adaption durch den Prisma Filmverleih (eine Constantin-Tochter) in die Kinos.
Somit konnten sogar die Starttermine abgestimmt werden, um sich auf dem Krimi-Markt nicht noch größere Konkurrenz zu machen.


Da hast Du recht, es ist wirklich heute unglaublich wie groß (quantitativ) damals gerade auch das deutsche Genre-Kino gewesen war; und da habe ich noch nicht einmal die Co-Produktionen mitbedacht - große Blockbuster - wie METROPOLIS einer hätte werden müssen - sind überhaupt nicht nötig gewesen, auch solche "kleinen" Krimis haben den Markt bestens bedient...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 11.05.2018 23:05 
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Nachdem ich mir den Film jetzt noch einmal angeschaut habe, kann ich schon sagen, dass das TESTAMENT wohl tatsächlich als (freies) Remake der Lang-Fassung angesehen werden kann (in den Credits steht dann auch, dass Thea von Harbou Ideengeberin gewesen sei);
die inhaltlichen Ähnlichkeiten kann man besonders in den Klinikszenen erkennen (und im Ende), auch wenn sich hier natürlich der Stil fundamental von Langs Expressionismus unterscheidet; vor allem auch das hektische Spiel von Langs Lohmann-Charakter, gespielt von Otto Wernicke, wird von Fröbes "Lohmann" sehr gut adaptiert; auch die Maske des neuen "Mabuse" soll wohl auf die des Lang-Films anspielen...

als Fazit würde ich sagen, dass Klinglers TESTAMENT durchaus die Vorlage erkennen lässt, sich letztlich aber - natürlich - an der neuen Mabuse-Reihe orientiert...

hier muss ich allerdings auch zustimmen:

Prisma hat geschrieben:
Am schwächsten inszeniert Klingler erneut seine Hauptdarstellerin Senta Berger, die genau wie in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" unter seiner Führung absolut verschenkt wirkt. Da bietet die aparte Ann Savo in ihren zwei Minuten wesentlich mehr.


gegen die vorausgegangenen love-interests ist im vierten "Mabuse" der 60-er-Jahre wirklich nicht so viel aus der Rolle gemacht worden; dennoch gefällt mir der Film recht gut...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 12.05.2018 02:04 
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Howard Vernon hat geschrieben:
gegen die vorausgegangenen love-interests ist im vierten "Mabuse" der 60-er-Jahre wirklich nicht so viel aus der Rolle gemacht worden

Sehe ich genauso. Dawn Addams, Daliah Lavi und Karin Dor wurden wesentlich besser inszeniert und integriert, was man von Senta Berger leider nicht sagen kann. Aber auch im Nachfolgefilm "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" kann Sabine Bethmann noch weniger ausrichten, sowohl darstellerisch als auch von den dramaturgischen Voraussetzungen her. Bei "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" ist es nochmal etwas anders, denn hier werden mit Rika Dialina und Yvonne Furneaux zwei unterschiedliche Frauentypen angeboten, die quasi gegen ein gemeinsames Happy End mit dem Helden konspirieren dürfen. Wirkt um einiges erfrischender.

Was Senta Berger generell betrifft, hatte ich zunächst keinen besonderen Draht zu ihr, was den einfachen Grund hat, dass ich die falschen Filme mit ihr gesehen hatte. Der deutsche Kriminalfilm der frühen 60er Jahre wusste oft nicht viel mit ihr anzufangen und das waren leider meine ersten Eindrücke. Glücklicherweise konnte sich das ändern und heute weiß ich sie als vielseitige und vor allem kultivierte Vertreterin mit einem sehr breit gefächerten Rollenspektrum zu schätzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 12.05.2018 11:47 
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Prisma hat geschrieben:
Bei "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" ist es nochmal etwas anders, denn hier werden mit Rika Dialina und Yvonne Furneaux zwei unterschiedliche Frauentypen angeboten, die quasi gegen ein gemeinsames Happy End mit dem Helden konspirieren dürfen. Wirkt um einiges erfrischender.
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Hier würde ich ebenso sagen, dass die Frauentypen wirklich fast schon "selbstständig" - im Sinne von Plot-aktiv - handeln; besonders beim Charakter von Yvonne Furneaux ist das so; und der Charakter von Rika Dialyna wirkt aufgrund seiner stark aufgeladenen Se­xu­a­li­sie­rung (die Figur hat augenscheinlich viel Spaß am Sex und lässt ihn nicht nur [passiv] über sich ergehen) ebenfalls recht eigentümlich, ohne gleich „femme fatale“ zu sein...
Senta Berger, um noch einmal auf TESTAMENT zurückzukommen, wirkt in ihrer Rolle ungemein "bossy", so wie sie ihren armen kriminellen Freund behandelt und ihm ständig Fragen stellt...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 13.05.2018 10:03 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Hier würde ich ebenso sagen, dass die Frauentypen wirklich fast schon "selbstständig" - im Sinne von Plot-aktiv - handeln; besonders beim Charakter von Yvonne Furneaux ist das so; und der Charakter von Rika Dialyna wirkt aufgrund seiner stark aufgeladenen Se­xu­a­li­sie­rung (die Figur hat augenscheinlich viel Spaß am Sex und lässt ihn nicht nur [passiv] über sich ergehen) ebenfalls recht eigentümlich, ohne gleich „femme fatale“ zu sein...

Ich finde das im sechsten Teil ohnehin sehr fortschrittlich, wenngleich sicherlich an "James Bond"-Schablonen angelehnt. Yvonne Furneaux kämpft klassisch mit den Waffen einer Frau, verfolgt dabei aber nur ihre eigenen Ziele und denkt erst gar nicht daran, sich von einem Mann beschützen lassen zu müssen, wie es bei ihren "Mabuse"-Kolleginnen der Fall war. Sie steht selbst ihren Mann und nimmt die Gefahr in Kauf. Das hat man in keinem anderen Teil so gesehen und Sabine Bethmann in Teil 5 stellt sicherlich den größten Rückschritt dar. Auch Rika Dialyna kommt als Alternative gut an, wenn ich auch gestehen muss, dass ihre Figur und die kokettierende Art erst bei mir wachsen musste.



Howard Vernon hat geschrieben:
Senta Berger, um noch einmal auf TESTAMENT zurückzukommen, wirkt in ihrer Rolle ungemein "bossy", so wie sie ihren armen kriminellen Freund behandelt und ihm ständig Fragen stellt...

Hier hatte ich immer schon einen anderen Eindruck. "Bossy" vielleicht hinter verschlossenen Türen und im Privaten, aber effektiv ohne Konsequenz. Für eine Frau, die sich Sorgen um ihren Mann macht, ist das ja völlig normal, ihn mit unbequemen Fragen zu konfrontieren und ihm helfen zu wollen. Aber ihre Strategie bleibt vollkommen ergebnislos, denn sie lässt sich abwürgen und wird zusehends resignierter. Unterm Strich kolportiert sie schließlich genau das immer noch bestehende, viel zu biedere Frauenbild der frühen 60er Jahre. Senta Berger wird daher von der Dramaturgie sowie der Regie degradiert: und zwar zur bloßen Stichwortgeberin, die natürlich die willkommene Funktion erfüllt, im Dickicht der Kriminalität und schweren Jungs für angenehme (optische) Akzente zu sorgen. Die Kritik kommt aber vielleicht auch nur auf, weil man häufiger sehen konnte, dass es auch anders möglich war, selbst in diesem Zeitfenster.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 13.05.2018 13:48 
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Prisma hat geschrieben:
Ich finde das im sechsten Teil ohnehin sehr fortschrittlich, wenngleich sicherlich an "James Bond"-Schablonen angelehnt.



Auch für mich wirken die TODESSTRAHLEN - im Vergleich zu den anderen Titeln der Reihe - am "modernsten", gerade was jetzt unser hier diskutiertes Frauenbild betrifft (Du hast recht, im TESTAMENT bleibt die "Aktivität" von Bergers Charakter dann auch nur auf den häuslichen Bereich beschränkt, der Plot wird dadurch - durch dieses "bossy"-Sein - in keinster Weise beeinflusst), was in den TODESSTRAHLEN eben wesentlich anders ist...
überhaupt kommen mir die TODESSTRAHLEN "internationaler" vor; das liegt wohl vor allem an den Regisseur Hugo Fregonese, der jegliche "Deutsch­tü­me­lei" vermeidet - und sei es nur im Dialekt...
- selbst Langs AUGEN würde ich da als "typisch deutsch grundierten" Genre-Film einordnen wollen, in dem man in jeder Sekunde merkt, dass es sich um eine deutsche Produktion handelt; dies ist natürlich von Lang so beabsichtigt gewesen, da der Film in Deutschland spielt und sich direkt auf die Nazivergangenheit bezieht, die er durch die Überwachungsstrategien des Mabuse-Re­gime wohl fortgesetzt sieht...

eine Sache möchte ich gerne noch anschneiden, nämlich die Stilentwicklung in der Reihe: Langs Film wirkt hier auf mich wie ein typischer 50-er-Jahre "crime"-Film, wie er von "Columbia" hätte produziert sein können, heißt: die Kontrastspiele mit Licht und Schatten (eines "Noirs") sind größtenteils verschwunden; die Montagen sind zumeist sehr zweckdienlich (= Plot-zentriert), dennoch bemerkt man einen Symbolismus in den Kompositionen...
Der Teil "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" besitzt für mich die interessanteste Inszenierung, die ganz klar in Kontrast zu Langs Film steht; man bekommt hier quasi eine "dämonische Leinwand" präsentiert, wo das Schicksal der Figuren schon alleine durch die Bildsprache besiegelt scheint - das betrifft auch deren Charakterisierung... ganz vorzüglicher Film, den ich nicht besser oder schlechter als Langs Beitrag finde, sondern ungemein eigenständig und ergänzend...
"Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse", ebenso von Reinl, setzt diesen Weg dann fort, ist aber nicht mehr so effektiv, eher routiniert... ob die Tricks mit dem Unsichtbaren nun eine Hommage an den Whale-Film darstellen sollen, darüber kann man sicherlich streiten, denn sie erschienen wohl bereits damals antiquiert...
"Das Testament des Dr. Mabuse" nimmt meiner Meinung nach die Inszenierung von Langs AUGEN wieder auf, wobei besonders in den Klinikszenen dieses mehr steril Saubere durchaus angebracht ist, und die TODESSTRAHLEN - wie oben gesagt - schielen wohl am stärksten auf den internationalen Markt, wobei ich so eine richtige Stil-Beurteilung hier gar nicht ansetzen kann, da die DVD in der Box doch recht dunkel daherkommt...


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE - Werner Klingler
BeitragVerfasst: 14.05.2018 15:45 
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Howard Vernon hat geschrieben:
die Stilentwicklung in der Reihe

Das ist schon recht interessant, wenn man die Stilentwicklung in der "Mabuse"-Reihe betrachtet, da kann ich Deinen Erläuterungen nur zustimmen. Fritz Langs Adaption merkt man schon an, dass der Umbruch aus der alten in die neue Dekade zwar anvisiert war, aber nicht restlos geglückt ist. Vielleicht kommt wirklich hinzu, dass Lang ja schon gleichnamige Filme inszeniert hat. In Teil I ist jedenfalls die Marschrichtung am deutlichsten unterschiedlich. Das Erlangen von Macht und das Durchsetzen von Terror geschieht hier über Manipulation und Überwachung, dem Empfinden nach aber eher etwas im Kleinen; also eher örtlich begrenzt auf das Hotel Luxor.

In "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" entwickelt sich die Titelfigur zu einer größeren Gefahr, schließlich will man eine Machtdemonstration zwecks der Sprengung von Atommeilern erreichen. Außerdem steht die Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Verbrechersyndikat im Raum. Reinl denkt globaler und inszeniert dementsprechend auch so. Die Themen Manipulation und Terror werden expliziter veranschaulicht, vor allem aber ist es die gewählte Brutalität, die "Dr. Mabuse" als wesentlich gefährlicher dastehen lassen, wenngleich er ja in keinem der sechs Teile wirklich Oberhand gewinnen kann.

"Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" sind wesentlich Science-Fiction-lastiger, was wieder in Teil 5 & 6 aufgegriffen wird, im "Testament des Dr. Mabuse" aber weitgehend fehlt, da sich dieser Beitrag mehr wissenschaftlich darstellen möchte. Harald Reinl inszenierte wohl insgesamt gesehen am solidesten und eindringlichsten, was vor allem angesichts der Abwesenheit der Titelfigur bemerkenswert ist, die ja jeweils nur gegen Ende wieder auftaucht. So gesehen hat Werner Klingler die beste Ausgangsposition gehabt, da Wolfgang Preiss eine tragende Rolle im "Testament" hatte. Lang hatte diese Grundvoraussetzung zwar auch, aber da durfte man die Katze ja noch nicht aus dem Sack lassen. Insofern ist es erstaunlich, dass Klingler das Potential nicht ausnutzen konnte und obendrein einen Kriminalfilm mit durch und durch an den heimischen Markt angepassten deutschem Flair drehte.

Nur Hugo Fregonese hatte andere Möglichkeiten da er internationaler inszenieren konnte, wegen Schauplätzen und Besetzung, was auch sehr gut gelungen ist. Zwar soll "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" teils in England spielen, aber das nimmt man Paul Mays Bearbeitung in keiner Phase ab. Und anders herum betrachtet: Fregonese hätte auch einen dieser absolut heimisch wirkenden Krimis offener gestalten können, Klingler und May hingegen hätten meiner Meinung nach auch bei den "Todesstrahlen" nicht viel herausholen können.

Teil 5 - der ja noch ein ganz ordentliches Geschäft gewesen sein soll - und der letzte Teil der Reihe hatten insgesamt aber ein nicht zu unterschätzendes Problem: das Fehlen von Wolfgang Preiss, sprich Dr. Mabuse. Zwar ist er im fünften Teil noch in Überblendungen zu sehen, die über Walter Rilla gelegt werden, aber es besteht keine weitere Funktion mehr. Gelungen ist das zwar schon, denn Walter Rilla macht das bemerkenswert, aber dem Kinogänger war es sicherlich nicht egal und das selbe ist es eben nicht, dass Preiss in Teil 2 und 3 auch nur ähnlich kurze Auftritte hatte. Der Unterschied ist der Cliffhanger-Charakter gewesen, der zufrieden stellen kann. Im letzten Teil griff Artur Brauner sogar zu der List, Wolfgang Preiss auf das Kinoplakat zu drucken und im Vorspann zu erwähnen, obwohl er überhaupt nicht mehr im Geschehen dabei war. Letztlich lösen die Teile 2, 3, 5 und 6 das weitgehende Fehlen allerdings ganz gut, da der Name "Mabuse" allgegenwärtig ist und schließlich wie ein Schatten über den Szenarien schwebt.


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