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 Betreff des Beitrags: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 07.01.2017 21:40 
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Produktionsland/Jahr: Italien 1961
Darsteller: Pietro Cammarata, Frank Wolff, Federico Zardi, Sennuccio Benelli, Nando Cicero, Salvo Randone
Drehbuch: Francesco Rosi, Suso Cecchi D'Amico, Enzo Provenzale, Franco Solinas
Produziert von: Franco Cristaldi
Musik: Piero Piccioni

05. Juli 1950 - auf dem staubigen Boden in dem kleinen sizilianischen Dorf Castelvetrano liegt die Leiche eines Mannes. Während die Carabinieri geschäftsmäßig die äußeren Umstände aufnehmen und erste Zeugen vernommen werden, wächst die mediale Aufmerksamkeit rasant an – bei dem Toten handelt es sich um Salvatore Giuliano, einem seit Jahren gesuchten Banditen, der sich in den sizilianischen Bergen versteckte und auf dessen Konto eine Vielzahl an Morden, besonders auch an Polizisten, geht. Allerdings fallen den herbei geeilten Journalisten einige Ungereimtheiten auf. Der bei einem angeblichen Schusswechsel von Carabinieri getötete, von den Einheimischen als Held verehrte Mann liegt in keiner Blutlache und Zeugen erinnern sich an zeitlich weit auseinander liegende Schüsse.

Sieben Jahre zuvor hatte Giuliano erstmals fliehen müssen, nachdem er nach einem Diebstahl einen Polizisten erschossen hatte, und war zu einem gefürchteten Bandenchef aufgestiegen, bevor er von der sizilianischen Separatistenbewegung zum Offizier ernannt wurde. Er und seine Männer fühlten sich als Freiheitskämpfer, aber als die Bewegung nach dem Krieg an Kraft verlor, wendete sich das Blatt für sie...
(Ofdb)

In semidokumentarischem Stil erzählt Rosi die Lebensgeschichte von Salvatore Giuliano.
Dabei ist er sehr darauf bedacht, möglichst realitätsnah zu bleiben, was sich alleine schon in der Auswahl der Drehorte und der Darsteller bemerkbar macht.
Gedreht wurde der Film an Originalschausplätzen in Montelepre, dem Geburtsort Giulianos, in Castelvertrano, wo seine Leiche gefunden wurde, in Portella della Ginestra, wo am 1. Mai 1947 ein Massaker stattgefunden hat und in Palermo.
Die Besetzung besteht überwiegend aus Laiendarstellern, die z.T. Giuliano noch persönlich gekannt haben sollen.
Für mich ist so etwas immer sehr reizvoll, wenn ein Regisseur mit Laiendarstellern arbeitet und versucht, möglichst nahe an der Realität zu bleiben, aber speziell bei Rosi kann das eben auch einen "trockenen" Film bedeuten.
Das funktioniert m.E. nicht immer einwandfrei und vorliegender Film ist genau ein solcher Fall.
Sicher, die Herangehensweise finde ich prinzipiell lobenswert und unterhaltsam ist der Film ja doch über die vollen 2 Stunden, aber wirklich beeindruckt war ich (zumindest größtenteils) nicht.
Als es dann zum Prozess gegen Gaspare Pisciotta (Frank Wolff) und einige andere kommt wird's aber doch besser.
Diese Sequenz ist wirklich gut gemacht, ist stellenweise recht emotional und wird eigentlich nur mehr vom Finale (also dem Ende von Pisciotta) getoppt.
Wenn man der italienischen Wikipedia glauben darf, hat sich Rosi hier auch wieder an den tatsächlichen Geschehnissen orientiert.
Zu dem sehr eigenartigen, nicht immer einfachen Inszenierungsstil von Rosi gesellt sich eine ebenso sperrige unmelodische Musik von Piero Piccioni, die vielleicht gerade deswegen bestens passt.
Schwächen sind zwar auch vorhanden, aber die haben keine besonderen Auswirkungen.
Somit kann ich den Film zwar nicht zu den besten Rosis zählen, aber es reicht für 8/10.

Trailer:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 10.12.2017 10:56 
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"Salvatore Giuliano" war mein erster Film von Francesco Rosi und ich wusste nicht, auf was ich mich eingelassen habe :D Hatte etwas in Richtung der politischen Filme Damiano Damianis erwartet.
Die dokumentarische Erzählweise mit den zahlreichen Zeitsprüngen, oftmals ohne Kennzeichnung hat mich in Kombination mit dem fehlenden Wissen zur sizilianischen Geschichte doch sehr verwirrt. Zum Glück bietet die Arrow Academy BD exzellentes Bonusmaterial, das Licht ins Dunkel bringt. Vor allem auch die detaillierte und kommentierte Zusammenfassung der Geschehnisse im Booklet hat mir sehr beim Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge geholfen.


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 10.12.2017 17:00 
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Mac Gyver hat geschrieben:
"Salvatore Giuliano" war mein erster Film von Francesco Rosi und ich wusste nicht, auf was ich mich eingelassen habe :D Hatte etwas in Richtung der politischen Filme Damiano Damianis erwartet.

Ja, das kenne ich.
Bei mir war es einst genauso.
Als ich damals tiefer in die Materie des italienischen Politkinos bzw. generell des italienischen Kinos eintauchen wollte, habe ich aus dem Politbereich nur ein paar Filme von Damiani gekannt.
Das hat mir damals schon gefallen und da habe ich eben von Rosi ähnliches erwartet, als ich gemerkt habe, dass er wohl einen ähnlichen Stand in dem Bereich hat.
Schwerer Fehler!
Nie und nimmer habe ich mit einer solchen "Sperrigkeit" gerechnet, war daher auch entsprechend enttäuscht von den ersten Rosis, die ich gesehen habe.
Mein erster Rosi war DIE MACHT UND IHR PREIS, der war im Vergleich zu den Damianis, die ich bis dahin gekannt habe... nun ja, sagen wir, anstregend.
Der erste Rosi, der mich wirklich sozusagen vom Hocker gerissen hat, war folglich auch keiner seiner Politfilme, sondern sein Kriegsdrama BATAILLON DER VERLORENEN.


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 10.12.2017 20:59 
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Ich finde Rosi generell interessanter als Damiani.


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 10.12.2017 22:32 
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Stanton hat geschrieben:
Ich finde Rosi generell interessanter als Damiani.

Das kommt halt auch immer darauf an, was einem selbst mehr liegt.
Wenn dir trockene analytische Filme lieber sind, als, sagen wir mal, "greifbare" emotionale Genrestorys, bitte.
Rosi hat aus meiner Sicht bei seinem Stil immer das Problem der emotionalen Distanz zum Zuschauer.
Seine Filme können mich unterhalten, dringen aber gefühlsmäßig nicht so zu mir durch, wie es Damiani in den meisten Fällen schafft.
Ich kann mich an keinen Rosi erinnern, der mich so aufgewühlt, mich so "in den Sessel gedrückt" hätte, wie es Damiani mit z.B. DAS VERFAHREN IST EINGESTELLT geschafft hat.


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 11.12.2017 11:14 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Wenn dir trockene analytische Filme lieber sind, als, sagen wir mal, "greifbare" emotionale Genrestorys, bitte.


Nein, die sind mir nicht lieber.


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 Betreff des Beitrags: Re: WER ERSCHOSS SALVATORE G.? - Francesco Rosi
BeitragVerfasst: 11.12.2017 15:40 
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Stanton hat geschrieben:
Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Wenn dir trockene analytische Filme lieber sind, als, sagen wir mal, "greifbare" emotionale Genrestorys, bitte.


Nein, die sind mir nicht lieber.

Dann verstehe ich aber nicht, warum Damiani nicht so interessant sein soll.
Rosi macht ja eben genau das, nämlich eher trockene, meist system-analytische Filme, die dir anscheinend doch nicht lieber sind.
Damiani ist zwar dann vielleicht von den Geschichten her konventioneller, geht aber den emotionaleren Weg.
So wie ich dich jetzt verstehe, liegt dir ja doch das Emotionale mehr, aber dann verstehe ich wiederum nicht, warum Rosi insgesamt interessanter sein soll.


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