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 Betreff des Beitrags: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 10.01.2015 13:59 
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Originaltitel : Peeping Tom

Herstellungsland- Jahr : Großbritannien , 1960

Darsteller : Karlheinz Böhm, Moira Shearer , Nigel Davenport

Inhalt :

Mark Lewis ( Karlheinz Böhm) arbeitet hauptberuflich als Kameraassistent in einem kleinen Filmstudio, als Nebenjob macht er freizügige Aufnahmen von Damen, der Fotos dann in einem Kiosk unterm Ladentisch verkauft werden. Aufgrund eines Langzeitexperiments welches sein Vater an ihm unternommen hat ( die filmische lückenlose Aufzeichnung der Entwicklung eines Menschen ab dem Moment der Geburt) hat Mark auch eine größeres psychologisches Problem : das Festhalten des "perfekten" Blicks beim Eintritt des Todes.
So beginnt auch der Film in der Ich-Perspektive. Wir begleiten Mark durch den Blick seiner Kamera zu einer Prostituierten, welche auch dann das Zeitliche segnen wird. Die Methode, die sich Mark zum Morden ausgedacht hat, ist genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten und sehr ungewöhnlich ( selber schauen:-) ) .

Als Mark schließlich die Tochter einer Mitmieterin kennenlernt kommt sein Entschluß schließlich ins Schwanken und er beginnt sich ihr langsam anzuvertrauen- bis zum bitteren Ende.

Ich möchte hier nicht zuviel verraten, da dieser Film einfach so viel vorweggenommen hat, was heute schon fast wieder ein alter Hut ist. Komplette, dauerhafte Überwachung durch Kameras und Mikrofone im Haus, den Snuff-Film, das zwanghafte Filmen- und Fotografieren-Müssen das Sich-Selbst-In-Szene-Setzen, die Handkamera und bestimmt noch einiges mehr. Ich war auch schwer am überlegen, ob der Film bei den Gialli nicht besser aufgehoben wäre, da er doch schon einige Anleihen an das Genre hat. Viele Kameraeinstellungen, das Spiel mit den Farben - das hat schon schon was von den italienischen Meistern.

Man merkt schon, ich bin schwer begeistert und immer noch verblüfft, was 1960 in GB alles möglich war. Böhm spielt den verklemmten, verzweifelten Mark absolut glaubwürdig, die Morde kommen recht unspektakulär daher, aber die Idee einen Mord in einem Filmstudio spielen zu lassen , sozusagen als Film im Film, ist schon großartig.

Damals ein Flop und ein Skandalfilm ( Busen! Mord! Prostituierte! Und dann noch das Ende!!!!) heute ein Kultfilm und für mich in die Top Ten gerutscht.

9/10


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 10.01.2015 14:57 
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Dieser Klassiker hatte noch keinen Thread? Unfassbar! Danke für die Vorstellung des Streifens! Was ebenso ungeheuerlich ist, in meiner Sammlung fehlt das Teil ... :shock:

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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 10.01.2015 15:17 
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Wirklich ein hervorragender Film, der in den Bereichen Spannung und Beklemmung ganz eigenwillige Register ziehen kann.
Ich erinnere mich noch, dass ich mich hier anfangs schwer mit Karlheinz Böhm anfreunden konnte, weil er so aus seiner vorgerfertigten Rolle fällt.
Dafür klage ich "Sissi" an! :lol:
Das hat sich allerdings schnell gelegt und der Mut dieser Rolle wurde dann mit Respekt und Anerkennung wahrgenommen.
Danke für die Vorstellung und gleichzeitig für den Tipp - den sollte ich mir nämlich unbedingt noch einmal vornehmen!


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 10.01.2015 19:02 
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Ein toller Film. Sehr unterschätzt.

Der hat in der Tat soviel vorweggenommen. Und es gibt so viele interessante Details. Es gab Pamela Green zu sehen, Muse und Mitstreiterin des britischen Aktfotopioniers George Harrison Marks.

Und Böhm hat er die Karriere verhagelt. So etwas könnte heute auch nicht mehr passieren. Da ist Romy steil an ihm vorbeigezogen.


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 10.01.2015 19:52 
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Auch wenn ich aus der Reihe tanze. Ich konnte mit den Film nichts anfangen :shock: , dabei bin ich ein Fan von Filmen aus dieser Zeit.
Hab die DVD gleich nach dem ersten anschauen wieder verkauft.


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 11.01.2015 09:10 
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U4000 hat geschrieben:
Auch wenn ich aus der Reihe tanze. Ich konnte mit den Film nichts anfangen :shock: , dabei bin ich ein Fan von Filmen aus dieser Zeit.
Hab die DVD gleich nach dem ersten anschauen wieder verkauft.


Liegt vielleicht daran, daß man der DVD mal wieder eine Neusynchro verpaßt hat.


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 11.01.2015 12:00 
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Hatte den Film bisher erst einmal gesehen und zähle mich seitdem zu den Bewunderern dieses großartiges Machwerks :good:

Weiß zufällig jemand etwas konkreteres, ob hier ggf. auch irgendwann eine BD-VÖ angedacht ist? :unknown:
Wollte mir den Film schon seit längerer Zeit unbedingt mal zulegen, aber sollte demnächst eine BD vor der Haustüre stehen, dann würde ich diese natürlich lieber abwarten. Aber egal wie, über kurz oder lang muss dieses Meisterwerk noch den Weg in meine Sammlung finden ;)

ps: Das mit der Neusynchronisation bei der DVD wusste ich gar nicht, aber vielen Dank für diese erhellende Info :)


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 11.01.2015 18:54 
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Bisher konnte ich nur die englische BD ausmachen, die hat immerhin englische Untertitel ( wenn dir das nichts ausmacht). Ansonsten gibts es auf deutsch nur die Arthouse-DVD, die ist aber recht günstig zu bekommen. Bezüglich Zensur bzw. bzgl. der Neusnychro gibt es hier ein paar erhellende Worte, enthält aber auch ein paar Spoiler.

Wie fandet ihr denn die Giallo-Anleihen? =der habe die da die knallgelbe Brille aufgehabt??


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 31.01.2015 11:59 
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Anleihe würde ja bedeuten daß er sich bei Gialli bedient hat, wenn dann war es ja umgekehrt.

Schöner Film, aber Powell hat bessere gedreht, und Psycho ist auch der klar bessere Film für mich.

Daß Peeping Tom auf fast allen Top 100 Listen zu finden sie stimmt auch nicht, genau so wenig wie daß Powell ein US Regisseur bis in die 50er war. Er hat alle, oder fast alle seiner Film ein England gedreht. Und die Neubewertung von Peeping Tom setzte auch schon weit früher ein.
Die Geschichten wie verheerend Peeping Tom auf Grund seines Inhalts für die Karrieren von Powell und Böhm war halte ich ohnehin für maßlos übertrieben. Powell hat 1961 noch einen Film in England gedreht, und Böhm hat auch nach Peeping Tom noch in weiteren englischsprachigen Filmen mitgespielt.
Der kommerzielle Mißerfolg war da vielleicht eher ein Problem.


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 31.01.2015 15:04 
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Stanton hat geschrieben:

Die Geschichten wie verheerend Peeping Tom auf Grund seines Inhalts für die Karrieren von Powell und Böhm war halte ich ohnehin für maßlos übertrieben. Powell hat 1961 noch einen Film in England gedreht, und Böhm hat auch nach Peeping Tom noch in weiteren englischsprachigen Filmen mitgespielt.
Der kommerzielle Mißerfolg war da vielleicht eher ein Problem.


Also bei Böhm ist es natürlich die Frage, ob seine amerikanische "Karriere" überhaupt auf einen grünen Zweig gekommen wäre. Das hat doch eh keiner Deutscher geschafft. Aber nach diesem Film hat er abgesehen von Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm nur noch ein paar TV-Gastrollen in den USA bekommen. Das war zu der Zeit ein echter Absturz.

Aber Augen der Angst hat man richtig niedergemacht.

Ich habe zufällig gerade über den Film gelesen, und da es eine gute Webseite über Powell gibt, die viel Material zu dem Film sammelte, hier ein paar nette Pressestimmen aus der Zeit.

"Nichts, wirklich gar nichts, nicht einmal die hoffnungslosen Leprakolonien Ostpakistans, die Hintergassen Bombays oder die Gossen von Kalkutta lösten in mir eine derartige Übelkeit und Bedrückung aus wie dieser Film." Leonard Mosley – Dailey Express

"Schaufelt ihn schnell in die nächste Gosse. Und selbst dann würde der Gestank bleiben."
The Tribune

"Es ist lange her, dass mich ein Film so anwiderte wie Peeping Tom … Ich werde die Namen der Schauspieler dieses ekelhaften Films nicht nennen."
C.A. Lejeune – The Observer

Der Produzent Nat Cohen nahm den Film wohl laut Powell nach 5 Tagen aus den Kinos. Jahre später behauptete der damalige Vorsitzende der ABPC, sie hätten Cohen so lange unter Druck gesetzt, bis er "diese Pornografie" los wurde. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Schließlich wurde Cohen später ja Produktionschef von EMI. Da haben ihm seine Bridgekumpel wohl verziehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 31.01.2015 16:27 
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Stanton hat geschrieben:
Aber Augen der Angst hat man richtig niedergemacht.

Ich habe zufällig gerade über den Film gelesen, und da es eine gute Webseite über Powell gibt, die viel Material zu dem Film sammelte, hier ein paar nette Pressestimmen aus der Zeit.

"Nichts, wirklich gar nichts, nicht einmal die hoffnungslosen Leprakolonien Ostpakistans, die Hintergassen Bombays oder die Gossen von Kalkutta lösten in mir eine derartige Übelkeit und Bedrückung aus wie dieser Film." Leonard Mosley – Dailey Express


Das ist doch eigentlich eher ne positive Kritik, oder?

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 Betreff des Beitrags: Re: AUGEN DER ANGST - Michael Powell
BeitragVerfasst: 31.01.2015 18:29 
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Wentworth hat geschrieben:
Stanton hat geschrieben:

Die Geschichten wie verheerend Peeping Tom auf Grund seines Inhalts für die Karrieren von Powell und Böhm war halte ich ohnehin für maßlos übertrieben. Powell hat 1961 noch einen Film in England gedreht, und Böhm hat auch nach Peeping Tom noch in weiteren englischsprachigen Filmen mitgespielt.
Der kommerzielle Mißerfolg war da vielleicht eher ein Problem.


Also bei Böhm ist es natürlich die Frage, ob seine amerikanische "Karriere" überhaupt auf einen grünen Zweig gekommen wäre. Das hat doch eh keiner Deutscher geschafft.

Genau.
Auf der Wiki Seite sind in den nächsten 5 Jahren jedenfalls noch diverse Rollen in englischen und französischen Filmen verzeichnet. Das sieht nicht nach einem totalen Absturz aus. Aber das ein Totalflop für einen deutschen Schauspieler in England nicht unbedingt weitere Hauptrollen nach sich zieht ist doch wohl klar.

Auch bei Powell müsste man erst mal sehen was er in den Jahren zuvor gemacht hat. Er hat seine große Zeit bis 1951 gehabt, aber die letzten 4 Filme hatten zum Teil problematische Produktiosgeschichten, und floppte auch teils. Danach kamen dann 4 Jahre keine Filme, dann 1955 und 56 wieder 3 Stück schnell hintereinander, die aber heute nicht mehr so bekannt sind. Danach kam dann die Trennung von Emeric Pressburger, mit dem er bei Regie und Drehbuch eine langjährige und intensive Partnerschaft gepflegt hatte.

Peeping Tom war dann sein erster Film in wiederum 4 Jahren, und auch der Nachfolger The Queen's Guards war ein Totalflop. Und da wäre die Frage ob der fehlende Kassenerfolg nicht doch der Hauptgrund war daß Powells Karriere danach zum Erliegen kam.


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