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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 16.11.2013 12:38 
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The Lost Empire
(Drei Engel auf der Todesinsel)
USA 1985 - Written & Directed by Jim Wynorski
Starring: Melanie Vincz, Raven De La Croix, Angela Aames, Paul Coufos, Robert Tessier, Angus Scrimm...


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Geiselnehmer, mit Messer herumfuchtelnd: "Okay, Schwein, das waren sechs. Jetzt hast du keine Kugeln mehr!"
Angel zögert nicht lange, schießt ihm eiskalt in die Brust, steckt gelassen die Pistole weg, nimmt - zu jazziger Musik - den schwarzen Helm ab und sagt zum Sterbenden: "Solltest mal in die Schule gehen, Punk. Und besser zählen lernen, Kleiner."


Angel Wolfe (Melanie Vincz) ist die taffeste Polizistin der Stadt. Gangster haben gegen sie nicht den Hauch einer Chance und verlassen die Stätte ihres Wirkens meist liegend auf einer Bahre, von einem weißen Tuch bedeckt. Wie zum Beispiel die Mitglieder einer Bande, die sich in einer Schule verschanzt hatten und Kinder als Geisel hielten. Auch Angels Bruder Rob (Bill Thornbury) ist Polizist, allerdings nicht ganz so tüchtig, und so segnet er bei einer Ninja-Attacke auf einen Juwelier das Zeitliche. Angel setzt natürlich alles daran, seine Mörder zur Strecke zu bringen. Die Spur führt zum mysteriösen Dr. Sin Do alias Lee Chuck (The Tall Man himself, Angus Scrimm, aus Don Coscarellis Phantasm-Reihe), der auf einer kleinen, abgelegenen Insel ein Turnier veranstaltet, um seine kleine Armee zu verstärken. Allerdings darf man an dieser exotischen Kampfveranstaltung nur in Dreiergruppen teilnehmen (eine Maßnahme, um etwaigen Spionen das Einschleichen zu erschweren), und so holt Angel erst ihre Indianer-Freundin Whitestar (Raven De La Croix) und anschließend die Kleinkriminelle Heather McClure (Angela Aames) ins Boot, wobei sie letztere direkt aus dem Gefängnis rekrutiert (das gibt dem Regisseur Gelegenheit, einen tollen Catfight mit Schlammspritzbonus sowie Angelas üppige Rundungen zu präsentieren). Wie sich herausstellt plant Dr. Sin Do die Augen des Avatar, ein Paar legendenumrankter Juwelen, in welche das untergegangene Volk der Lemuren ihre Geheimnisse gepflanzt hat, wieder zusammen zu bringen. Denn wem dies gelingt, der wird mit absoluter Macht regieren, zumindest steht es so geschrieben. Na, wenn Angel, Whitestar und Heather da mal dem bösen Doktor nicht kräftig in die Suppe spucken...

Cowboy: "Ich bin sehr populär in meinem Fach."
Angel: "Warum gehst du nicht auf deine Farm deine Kühe pimpern?"

***
Heather: "Hey, du Tittenkönigin. Komm mal rüber und lass dich anfassen."
Whiplash (Angelique Pettyjohn): "Du schwimmst in deinem Blut, Scheißtier. Nicht umsonst nennt man mich Peitschen-Lilly!"


Mitte der 1980er-Jahre schickte sich ein gewisser Jim Wynorski (Jahrgang 1950) an, den zu dieser Zeit regierenden König der B-Movies, Fred Olen Ray, vom Thron zu stoßen. Und aus meiner Sicht ist ihm dies auch gelungen, zumindest für einige Jahre. Wynorskis frühe Arbeiten beinhalten so ziemlich alles, was das B-Film-Herz begehrt, und The Lost Empire - der übrigens ursprünglich als 3D-Spektakel geplant war - bildet da keine Ausnahme. Sein 1985 veröffentlichter Debütfilm (das Copyright am Ende des Abspanns weist dem Streifen das Jahr 1983 zu) macht einfach einen Heidenspaß. Ernst nehmen kann man ihn zu keiner Zeit, und zwar deshalb, weil er nicht ernst genommen werden will. Die abstruse Handlung wird mit einem sehr sympathischen aber niemals aufdringlichen Augenzwinkern präsentiert, was dem Ganzen einen Charme verleiht, der dem Großteil der Konkurrenz abgeht. Außerdem drückt Wynorski vom Start weg so dermaßen aufs Tempo, daß die gute alte Langeweile komplett das Nachsehen hat. Immer ist was los, Aktion reiht sich an Aktion, und sollten tatsächlich alle Stricke reißen, läßt er seine leckeren Darstellerinnen einfach blank ziehen. Die schönste Nacktszene hat wohl die umwerfende Raven De La Croix, die 1976 als Margo Winchester in Russ Meyers Up! (Drüber, drunter und drauf) Exploitationfilmgeschichte schrieb. Hier gibt sie - in ihrem selbst entworfenem Kostüm - die schlagkräftige Indianerin Whitestar, die nicht nur Weisheiten für alle Lebenslagen parat hat, sondern auch einen übellaunigen Kampfgorilla mit einem Schlag in die Fresse und einem Tritt in die Eier wimmernd zu Boden schickt. Für die adäquate musikalische Untermalung des launigen Geschehens sorgt Alan Howarth, der als Co-Komponist u. a. auch für die Soundtracks der John Carpenter-Filme Escape from New York (Die Klapperschlange) und They Live (Sie leben!) verantwortlich zeichnet.

Dr. Sin Do: "Oh, Blut! Mein Lieblingsgetränk!"
***
Koro (Robert Tessier): "Ihr werdet ab sofort Alkohol, Drogen und Stimulationsmittel jeglicher Art entsagen!"
Heather, ihrer Freundin Whitestar zuraunend: "Ob das auch den Vibrator mit einschließt?"


Wie unschwer zu erkennen ist, bedient sich Wynorski recht frei sowohl bei dem Bruce Lee-Klassiker Enter the Dragon (Der Mann mit der Todeskralle) als auch bei der populären Fernsehserie Charlie's Angels (Drei Engel für Charlie), so nach dem Motto "gut geklaut ist halb gewonnen". Und was soll man sagen? The Lost Empire gewinnt nicht halb, sondern ganz. Die Rechnung geht einfach auf, weil sich Wynorski nicht damit begnügt, die Vorbilder lustlos und nach Schema F zu imitieren, sondern weil er diverse Ideen aufgreift und sie auf eine frische, vergnügliche Weise variiert. Man spürt, daß alle Beteiligten, egal ob vor oder hinter der Kamera, mit viel Elan und noch mehr Spaß bei der Sache waren, und das überträgt sich eins zu eins auf den Zuschauer. Das Ergebnis ist ein charmanter kleiner Kracher, wo der diabolische Schurke liebevoll eine Schlange streichelt, wo eine Tarantel weibliche Rundungen erkundet, wo Ninjas ihre Ninjasterne an Jo-Jo-Schnüren befestigt haben, wo keine einzige Frau unter Flachbrüstigkeit leidet, wo sich ein Widerling einen glatten Genitaliendurchschuß einfängt, wo Dr. Sin Dos Festung ein herrliches Matte-Painting ist, wo eine außer Kontrolle geratene, phallusförmige, unfaßbar knuffige Superlaserkanone ihre tödlichen Strahlen kreuz und quer verschießt, und wo unsere Heldinnen immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben, egal wie brenzlig die Situation gerade ist. The Lost Empire ist ein ungemein kurzweiliger Abenteuer-Action-Fantasy-Mix, angereichert mit einer großzügigen Portion Camp und serviert mit viel Energie und noch mehr Witz. Einfach ein großer, sympathischer Spaß, der jegliche Anspruchsuntiefen geschickt umschifft. Mit Chopping Mall (Shopping), Big Bad Mama II, Deathstalker II (Mystor - Der Todesjäger II), Not of This Earth (Der Vampir aus dem All), The Return of Swamp Thing (Das grüne Ding aus dem Sumpf), Transylvania Twist, Sorority House Massacre II und Hard to Die ließ Jim Wynorski weitere tolle B-Movies folgen, die allesamt seine ganz spezielle Handschrift tragen. Erst Anfang der Neunziger begann die Qualität seiner Filme rapide nachzulassen, und heutzutage dreht er hauptsächlich entweder Monstertrash fürs Fernsehen (Komodo vs. Cobra, Dinocroc vs. Supergator, Piranhaconda) oder Sexploitation für den Direct-to-DVD-Markt (The Breastford Wives, House on Hooter Hill, Busty Coeds vs. Lusty Cheerleaders).

Whitestar, den glatzköpfigen Koro kommentierend: "Eine alte indianische Weisheit sagt: Trau niemals einem Vogel ohne Federn."
Angel erwidert: "Ich kenne auch eine! Wer vögelt, kann auch fliegen."

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Zuletzt geändert von Randolph Carter am 17.09.2016 11:32, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 16.11.2013 15:25 
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Den hab ich mal vor laaaanger Zeit auf RüttelPlus gesehen, und damals gar aufgenommen. Fand den auch nicht übel. ;) Das Tape ist aber dann irgendwann verschollen. :(


Soweit ich weiß, haben Freddy und Jimmy dann aber ja auch so einiges gemeinsam gemacht, wie z.B. "Die Insel der Riesen-Dinosaurier"


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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 16.11.2013 19:13 
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Der Film ist wirklich n Knaller! Ich mag den auch sehr!
Das ist für mich perfekter Trash! Diese arg überstrapazierte Genre-Bezeichnung trifft hier imho voll und ganz zu. Alle Zutaten, die Mr. Carter wieder mal meisterlich aufführte, sind vorhanden. Serviert mit entsprechender Synchro und einem gewissen unaufdringlichem Augenzwinkern.

Tip! Und ich scheue auch nicht hier (strikt genrebezogen!) die Höchstnote zu zücken:


12 / 12

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"Ein Tittchen hier, ein Fötzchen da, und die Welt sähe wieder rosiger aus." anti
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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 17.09.2016 11:36 
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Soll am 1. Dezember 2016 von Schröder Media auf DVD und Blu-Ray erscheinen. :wie-geil:

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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 21.03.2017 22:44 
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Ich weiß eigentlich gar nicht recht, was ich davon halten soll.
Wynorski liefert feinsten Trash mit hohem Spaßfaktor, der durch die Synchro noch zusätzlich erhöht wird, aber irgendwie bleibt am Ende auch ein Gefühl der "Unvollständigkeit".
Die knappen 80 Minuten sind doch sehr schnell - für meinen Geschmack zu schnell - wieder um.
Vieles wirkt viel zu schnell abgehandelt, der Film hätte von mir aus gerne locker noch 20 Minuten dauern können.
Gerade ist man so schön mittendrin und genießt dieses Kleinod des Trashfilms, da ist es auch schon wieder vorbei.
Schade, schade...
Auf der anderen Seite könnte man natürlich auch sagen, besser als gar nichts.
Die Damen erfreuen das Auge, Kostüme, Frisuren und Musik sind unverkennbar 80er, die Geschichte komplett bescheuert, der Film als Ganzes Trash in Reinkultur.
So kurz er auch sein mag, für Trashfans ist das ein Fest - ein Film zum Jubilieren.
Und wenn man die absolut grandios-beknackte Synchro auch noch dazurechnet, kann es wohl doch nur mehr eine Wertung geben:
10/10


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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 22.03.2017 10:27 
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Ganz so euphorisch war ich zwar nicht, aber ist ein ganz launiges Filmchen.
Kann man sich durchaus mal geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL - Jim Wynorski
BeitragVerfasst: 16.05.2017 16:52 
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DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL
[THE LOST EMPIRE][USA][1984]

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Regie: Jim Wynorski
Darsteller: Melanie Vincz, Raven De La Croix, Angela Aames, Paul Coufos, Robert Tessier, Angus Scrimm, Blackie Dammett, Linda Shayne, Kenneth Tobey, Tom Rettig, Angelique Pettyjohn


„In einer Zeit vor der Geschichtsschreibung existierte eine vergessene Kultur, ein seltsames Volk. Sie wurden die Lemuren genannt. Um ihre große Macht zu schützen, pflanzten sie ihre Geheimnisse der Wissenschaft in ein paar unglaubliche Juwelen ein – schimmernde Steine, die ein völlig eigenes Leben besaßen: die Augen des Avatara. Dann wurden die Lemuren bei einer Schlacht im Weltall, bei der die Erde beinahe vernichtet wurde, besiegt und die Augen voneinander getrennt. Es steht geschrieben, dass, wer immer die Juwelen wieder zusammenbringt, mit absoluter Macht regieren wird. Danach trachtete ein skrupelloser, teuflischer Geist. Er wollte sich durch nichts und niemandem in seinem Plan stören lassen. Und so ist es – bis heute.“

[grammatikalisch holprig, inhaltlich wirr – so müssen gesprochene Einleitungen sein!]

Inhalt:

Super-Bullette Angel [Melanie Vincz] verliert ihren Bruder, ebenfalls im Polizeidienst, als dieser versucht, einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft zu verhindern. Angel dürstet es nach Vergeltung und versucht herauszufinden, wer für das Verbrechen verantwortlich ist. Die Spur führt schnell zum geheimnisvollen Dr. Sin Do [Angus Scrimm], der auf einer Insel haust und dort regelmäßig Kampfsport-Turniere veranstaltet. Angel beschließt, sich als Teilnehmerin einzuschleusen, allerdings kann sie das nicht allein tun, da sich aus Sicherheitsgründen immer nur Dreiergruppen anmelden dürfen. So holt Angel erst ihre indianische Gefährtin White Star [Raven De La Croix] ins Boot, mit welcher sie sich dann aufmacht, um eine weitere Kandidatin für die Mission zu rekrutieren: die Kleinkriminelle Heather [Angela Aames], die allerdings erst aus dem Knast geholt werden muss. Dermaßen formiert gelingt es den drei Grazien tatsächlich, sich Zugang zu Dr. Sin Dos Festung zu verschaffen. Schnell zeigt sich, dass der kriminelle Doktor auf die magischen Steine aus dem Einleitungstext scharf ist, um damit – logisch! - die Welt zu beherrschen. Die drei Engel versuchen das zu verhindern, müssen dafür aber ihre gesamten Kräfte mobilisieren.

Kritik:

In der Wissenschaft heißt es, die große Kunst eines jeden guten Films läge darin, dessen Thematik bereits innerhalb der ersten Szenen symbolisch auf den Punkt zu bringen. So beginnt Sam Peckinpahs Western-Abgesang THE WILD BUNCH mit einer Sequenz, in der spielende Kinder ein paar Ameisen per Lupe und Sonnenstrahl grausam über den Jordan schicken, während George Lucas Sternen-Oper STAR WARS mit dem Bild eines kleinen Rebellenschiffs eröffnet wird, das sich auf der Flucht vor einem übergroßen imperialen Sternenkreuzer befindet. DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL beginnt mit dem von James Bond bekannten weißen Kreis auf schwarzem Untergrund, in welchem dann, während er immer größer wird und bald die ganze Leinwand ausfüllt, das erste Filmbild zu sehen ist - nur, dass das erste Filmbild hier aus den überdimensionalen Hupen einer klassischen 80er-Jahre-Dauerwellen-Blondine besteht, die gerade im Begriff ist, sich ein Diamant-Collier zuzulegen. Man kann also unmöglich behaupten, dass Autor und Regisseur Jim Wynorski seine Hausaufgaben nicht gemacht hätte, denn haargenau das erwartet einen in den nun folgenden 80 Minuten: altbewährtes Agenten-Allerlei mit großzügigem Atomtitten-Bonus. Den Rest an Assoziation besorgt dann der deutsche Titel, der das Werk nicht nur rein zufällig in die Nähe der bis in die 80er Jahre erfolgreichen TV-Serie DREI ENGEL FÜR CHARLIE rückt, in der drei attraktive Privatdetektivinnen dem Bösen regelmäßig in den Allerwertesten traten.

Die fröhliche Unbekümmertheit, mit welcher dieser hochgradige Blödsinn an den Mann (beziehungsweise 'an die Männer', denn diese dürften die Hauptzielgruppe gewesen sein) gebracht wird, ist dabei ziemlich ansteckend und sorgt von Beginn an für gute Laune. Denn THE LOST EMPIRE, wie die Nummer ein wenig langweilig im Original heißt, zögert nicht lang und präsentiert bereits nach wenigen Minuten eine Kette angenehm kurioser Verrücktheiten, was mit ein paar Ninjas beginnt, die in ihrer Maskerade eher so aussehen, als wären sie gerade aus einem Sadomaso-Schuppen geflohen, und einen Juwelierladen derart überfallen, dass sie stocksteif in der Gegend herumstehen und ihre Wurfsterne wie Jo-Jos an Schnüren baumeln lassen, bevor sie sie dem per Schusswaffengebrauch energisch dagegen protestierenden Ladenbesitzer beherzt in den Schädel treiben. Auch nachfolgend verzichtete man auf alles, was irgendwie Langeweile verbreiten könnte, und führt mit Angel (!) den ersten titelgebenden Engel ein, welche eine Geiselnahme in einem Schulgebäude dadurch beendet, dass sie mit dem Motorrad durch die Eingangstür brettert und so lang in der Gegend herumballert, bis nur noch einer der Gangster übrig ist. „OK, Schwein, das waren sechs. Jetzt hast du keine Kugeln mehr“, bemerkt der Überlebende, bevor er sich eine tödliche Kugel von der Angesprochenen einfängt. „Solltest mal in die Schule gehen, Punk! Und besser zählen lernen“, entgegnet diese, während ihr Gegenüber auf dem Lehrerpult verreckt. Besser kann man einen Charakter kaum etablieren - auch, wenn die Anleihe bei DIRTY HARRY mehr als nur offensichtlich ist.

Ungleich bizarrer geriet hingegen die Einführung des zweiten Engels, White Star genannt, die so komisch heißt, weil sie eine Indianerin ist, die erst irgendwie aus irgendeiner parallelen Geisterwelt herbeigerufen muss, aus welchem sie, von einem zünftigen Sternchen- und Funkenregen begleitet, ehrfurchtgebietend und mit stolz geschwellter Brust (wobei eine Brust dieses Ausmaßes streng genommen gar nicht ungeschwollen sein kann) hervorreitet und dabei ein schickes pseudoindianisches Faschingskostüm spazierenträgt, das ihre enorme Oberweite nochmals zusätzlich herausarbeitet. Und das dritte Mitglied der Truppe, Heather gerufen, muss erstmal aus dem Knast befreit werden, wo sie sich allerdings gerade – welch Zufall! - ein Schlammcatch-Match mit einer Mitgefangenen liefert, die sich allen Ernstes Peitschen-Lilly nennt. „Hey, du Tittenkönigin! Komm mal rüber und lass dich anfassen!“ heißt es da nur wenig galant, während die Gegnerin antwortet: „Du schwimmst in deinem Blut, Scheißtier! Nicht umsonst nennt man mich Peitschen-Lilly.“ Die anschließende Rekrutierung des Engels Nummer 3 findet natürlich – wie es eigentlich bei jedem diplomatischem Gespräch der Fall sein sollte! - unter der Dusche statt.

Wer es zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht begriffen hat, dem ist nicht mehr zu helfen: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL ist Quatsch im Quadrat, will aber auch gar nicht mehr sein als eben dieses. Kleine-Jungs-Träume werden wahr, wenn die drei Engel, zwar ohne Charlie, dafür aber mit reichlich Holz vor der Hütte, gegen ein kriminelles Superhirn antreten müssen, das auf einer einsamen Insel in einer (eindeutig nur gemalten) Festung haust und es für eine gute Idee hält, regelmäßig attraktive Frauen in einem mörderischen Wettkampf aufeinander zu hetzen, um die Siegerinnen im Anschluss der privaten Haus- und Hofarmee einzuverleiben. Wer es dennoch schafft, dem Unhold zu nah auf die Pelle zu rücken, muss dann noch an allerlei abstrusem Getier wie Roboterspinnen, Kampfgorillas und grobschlächtigen Killerglatzen vorbei. So kostengünstig dieser herrliche Unfug in der Herstellung auch gewesen sein mag - Jim Wynorski [→ DIE INSEL DER RIESEN-DINOSAURIER], welcher später der tiefergelegten Unterhaltung treu blieb, inszenierte sein launiges Debüt mit der nötigen Kompetenz und kreierte zusammen mit Kameramann Jacques Haitkin [→ NIGHTMARE] durchaus ansprechende Bilder, die sich - bis auf wenige Ausnahmen – hinter seriösen Produktionen dieser Epoche nicht zu verkriechen brauchen. Die musikalische Untermalung Alan Howarths [→ HALLOWEEN 4] lädt zum Mitwippen ein, ist für einen Beitrag dieser Kategorie allerdings eher ungewöhnlich und erinnert eher an die Soundtrack-Kompositionen John Carpenters (mit welchem Howarth allerdings auch oft zusammenarbeitete). Die Darsteller liefern im Rahmen des Benötigten ebenfalls zufriedenstellend ab. Zwar hapert es in den Hauptrollen auffallend an behaupteter Kampfkunst, dennoch machen die drei Damen tüchtig Dampf und dürfen im Finale besagten Kampfgorilla mit einem beherzten Tritt in die Klöten auf die Matte schicken.

Kurzum: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL wird seiner Intention voll und ganz gerecht und ist haargenau die kalkulierte Spaßbombe geworden, die er auch sein wollte. Die pubertäre Polizistinnen-Posse ist eine wilde Mische aus DREI ENGEL FÜR CHARLIE, DIRTY HARRY, DER MANN MIT DER TODESKRALLE und JAMES BOND (die Tarantelszene ist ein direkter Verweis auf 007 JAGT DR. NO und statt einer Katze streichelt der Oberschurke hier zärtlich eine Schlange), abgeschmeckt mit Mega-Möpsen, SM-Ninjas und einer kleinen Portion Fantasy-Firlefanz. Und selbst ausgemachte Emanzen dürften trotz der eindeutigen Fixierung auf nackte Haut und große Oberweiten nur wenig zu meckern haben haben, immerhin wird hier die geballte Ladung Frauen-Power geboten, gegen welche die Herren der Schöpfung nicht mal im Ansatz eine Chance haben. So kommt Angels Geliebter Rick zwar ziemlich sympathisch daher, ist ohne sie jedoch reichlich hilflos und holt sich selbst beim schmusigen Techtelmechtel mit seiner Angebeteten eine blutige Nase. Die deutsche Sprachfassung mogelt dem Ganzen dann abschließend noch ein gutes Dutzend dummer Sprüche unter ("Eine alte indianische Weisheit sagt: Trau niemals einem Vogel ohne Federn." - "Ich kenne auch eine: Wer vögelt, kann auch fliegen."), fertig ist die Gute-Laune-Laube! Ab auf die Insel!

s. auch: DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL

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