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SEXANDROIDE - Michel Ricaud
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Autor: Randolph Carter [ 10.02.2018 12:30 ]
Betreff des Beitrags: SEXANDROIDE - Michel Ricaud

Sexandroide
(La dagy de les Sexandroides / Les Sexandroides)
Frankreich 1987 - Directed by Michel Ricaud
Starring: Daniel Dubois...


Bild

Eine groteske Fleisch-und-Blut-Show in drei Akten (schade, daß der Titel The Flesh and Blood Show (Im Rampenlicht des Bösen, Pete Walker, 1972) schon vergeben war). Im ersten Segment (La Dagyde) sitzt ein Mann an einem Tisch und praktiziert ein fieses Voodoo-Ritual. Die gräßlichen Auswirkungen desselben bekommt eine hübsche junge Dame auf der Toilette in einer Bar zu spüren. Schauplatz der zweiten Episode (Les Sexandroïdes) ist ein karges, düsteres Gewölbe. Eine verängstigte Frau irrt vorsichtig durch die Gänge, bis sie zu einem durch Kerzenlicht erhellten Raum kommt. Die Frau beginnt mit dem Feuer zu spielen (ein verblüffender Effekt) und tanzt ausgelassen herum, bis ein häßliches Monster auftaucht und sie aufs Grausamste zu quälen beginnt. Unglaublicherweise mündet dieses grausige Folterszenario in ein Happy End. Im dritten und letzten Teil (Avec la Compagnine) besucht eine trauernde Witwe ihren toten, in einem Sarg liegenden Mann. Unvermittelt quillt Schleim aus dem Mund des Verblichenen, er erwacht zu neuem Leben, attackiert seine Frau, reißt ihr die Kleider vom Leib und verbeißt sich in ihrem Hals. Leblos sinkt die Frau zu Boden, doch auch sie kehrt von den Toten zurück. Nach einer wilden Tanzperformance steigt sie zu ihrem Mann in den Sarg und schließt den Deckel.

Sexandroide ist so etwas wie das französische Pendant zu den japanischen Ginî piggus (Guinea Pig, 1985 - 1988). Regisseur Michel Ricaud, der ansonsten fast ausschließlich im Hardcore-Porno-Bereich tätig war und 1993 bei Dreharbeiten auf den Seychellen ums Leben kam, verfilmte drei eindrucksvolle Horror-Set-Pieces, gänzlich befreit von solcherart "Ballast" wie einer Story, einer Dramaturgie oder einer Figurencharakterisierung. Das Opfer ist in allen drei Segmenten eine Frau, welche den Attacken des männlichen Aggressors hilflos ausgeliefert ist. Würde man sich zu einem vorschnellen Urteil hinreißen lassen dann könnte man glatt zu dem Schluß kommen, daß wir es hier mit einem frauenfeindlichen, unentschuldbaren, einfallslos hingerotzten Brutalo-Machwerk ohne jeglichen Sinn und Verstand zu tun haben. Quasi widerlicher Torture-Porn, lange bevor dieses zwiespältige Subgenre durch Filme wie Saw (2004) oder Hostel (2005) salonfähig wurde. Gut, zu dieser Einschätzung kann man natürlich auch nach reiflicher Überlegung gelangen, und es würde mir alles andere als leichtfallen, dagegen zu argumentieren. Und doch hebt sich Sexandroide aufgrund seiner unwirklichen, sexuell aufgeladenen Stimmung und des alptraumhaft-perversen europäischen Arthouse-Flairs stark von ähnlich gelagerten Produktionen ab.

Man wähnt sich in einem verstörenden Alptraum gefangen, der mit logischem, nachvollziehbarem Verhalten auf Kriegsfuß steht. Das verunsichert und irritiert gleichermaßen. Hinzu kommt, daß Ricaud sein Werk offensichtlich als Hommage an das Théâtre du Grand-Guignol konzipiert hat. Insbesondere das zweite (und längste) Segment wirkt, als wäre man in der Zeit zurückgereist und hätte eine jener berüchtigten Theateraufführungen abgefilmt, und zwar eine besonders abartige und blutrünstige. Was hier auf Video gebannt wurde, sollte selbst bei den abgebrühtesten Gorehounds für ein flaues Gefühl im Magen sorgen. Erstens, weil die ungenannte Aktrice in den entscheidenden Stellen verdammt glaubwürdig agiert, zweitens, weil das schonungslose Draufhalten der Kamera dem Szenario eine unangenehme Snuff-Qualität verleiht, und drittens, weil die Spezialeffekte von Daniel Dubois und Patrick Ventura ungemein realistisch wirken und deshalb vollauf überzeugen können. Darüber hinaus sind einige der (fetischisierten) Gewaltszenen offensichtlich echt. Ich vermute, daß es sich bei der Mimin um eine SM-Performerin handelt und daß Teile ihrer Show in die Folterszene integriert wurden. In einem waschechten WTF-Moment würgt sie sogar eine lebende Tarantel aus dem Mund hervor!

Der unangenehm schmerzhafte Realismus dieses expliziten, höchst effektiven Folter-Set-Piece wird etwas abgefedert durch das theatralische, fast schon surreale Drumherum, was aber wenig daran ändert, daß die Sequenz selbst gleichermaßen schockiert wie aufwühlt. Insofern ist man als Zuschauer regelrecht erleichtert zu sehen, daß die blutüberströmte Frau am Ende wieder aufsteht, wohlauf ist und zusammen mit ihrem Peiniger das Gewölbe verläßt. Fans blutiger Körperhorror-Exzesse kommen auch beim ersten Segment auf ihre Kosten, wobei Ricaud das perfide Voodoo-Ritual mit einer gehörigen Prise sexueller Ekstase vermischt. Die nackte Frau windet sich und stöhnt vor sich hin, als würde sie von unsichtbaren Händen liebkost (und nicht grausam malträtiert) werden. Die letzte Episode wiederum ist sehr freizügig (aufgrund der dichten Schambehaarung gibt es allerdings nicht viel zu sehen) und kaum blutig und könnte glatt als Kopfgeburt von Jean Rollin oder Jesús Franco durchgehen. Immerhin ist die erotische Tanzperformance - in der ursprünglichen Version reibt sich die Vampirin die Schamgegend zu Tina Turners What's Love Got to Do with It - schön anzusehen. Für die einen ist das bestimmt unpackbar langweilig, für die anderen vermutlich ein sinnlicher Festschmaus.

Ob man Sexandroide nun als guten oder als schlechten Film klassifiziert, liegt mehr denn je im Auge des Betrachters. Die derbe SOV-Anthologie fasziniert mich einerseits sehr, stößt mich andererseits aber auch wieder ab. Was den Film - für mich - bemerkenswert und außergewöhnlich macht, ist das ausgesprochen schräge, bisweilen (alp)traumhaft surreale Flair, das sich unaufhörlich durchs Geschehen zieht und in dem sich die drei rohen, sonderbar theatralischen Sex-und-Gewalt-Phantasien entfalten. Die technisch akzeptabel umgesetzte Obskurität aus dem Land der Baguettes und Croissants hat einfach eine extrem heftige, eigentümliche Wirkung. Und das macht Sexandroide zu einem ziemlich einzigartigen und richtig starken Stück Exploitation.

Autor: trebanator [ 12.02.2018 04:21 ]
Betreff des Beitrags: Re: SEXANDROIDE - Michel Ricaud

..... direkt mal die US- DVD geordert. 8-) Danke für den Tip. Das Filmchen war mir bis dato unbekannt ;)

Autor: Randolph Carter [ 12.02.2018 18:17 ]
Betreff des Beitrags: Re: SEXANDROIDE - Michel Ricaud

trebanator hat geschrieben:
..... direkt mal die US- DVD geordert. 8-) Danke für den Tip. Das Filmchen war mir bis dato unbekannt ;)


Die US-DVD hat dem Vernehmen nach bei der letzten Episode eine andere Musik als die französische VHS. Tina Turner konnte oder wollte man sich wohl nicht leisten. :lol:

Hoffe, du kannst mit dem was anfangen; die Meinungen gehen da ziemlich auseinander. ;)

Autor: trebanator [ 13.02.2018 17:00 ]
Betreff des Beitrags: Re: SEXANDROIDE - Michel Ricaud

Randolph Carter hat geschrieben:
trebanator hat geschrieben:
..... direkt mal die US- DVD geordert. 8-) Danke für den Tip. Das Filmchen war mir bis dato unbekannt ;)


Die US-DVD hat dem Vernehmen nach bei der letzten Episode eine andere Musik als die französische VHS. Tina Turner konnte oder wollte man sich wohl nicht leisten. :lol:

Hoffe, du kannst mit dem was anfangen; die Meinungen gehen da ziemlich auseinander. ;)

...... Filme können gerne so abseitig und abstrus als möglich daherkommen. Dafür hab ich immer ein offenes Auge ;)
.......... nur das mit der Mucke von Tinapopina ist natürlich Mist :(

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