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 Betreff des Beitrags: THE DAY OF THE TRIFFIDS - Ken Hannam
BeitragVerfasst: 18.11.2017 12:23 
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The Day of the Triffids
Großbritannien 1981 - Directed by Ken Hannam
Starring: John Duttine, Emma Relph, Maurice Colbourne, Jonathan Newth, Perlita Neilson...


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Man schrieb das Jahr 1951, als sich die Triffids das erste Mal anschickten, die Welt zu erobern. Die unheimlichen, fleischfressenden Pflanzen, deren rasante Ausbreitung zur Auslöschung der gesamten Menschheit führen könnte, entsprangen dem Gehirn des britischen Autoren John Wyndham (voller Name: John Wyndham Parkes Lucas Beynon Harris), der in den Folgejahren auch für die Romane The Kraken Wakes (Wenn der Krake erwacht/Kolonie im Meer?, 1953) und The Midwich Cuckoos (Kuckuckskinder/Es geschah am Tage X..., 1957) verantwortlich zeichnete. Seine apokalyptische Triffids-Vision erschien unter den Titeln The Day of the Triffids (Großbritannien), Revolt of the Triffids (Amerika) bzw. Die Triffids (Deutschland) und avancierte rasch zum populären Klassiker der Science-Fiction-Literatur. Insofern ist es kaum verwunderlich, daß der Stoff im Laufe der Zeit fürs Radio, fürs Fernsehen und auch fürs Kino bearbeitet wurde.

Leider entpuppte sich der 1963 veröffentlichte Kinofilm The Day of the Triffids (Blumen des Schreckens) nicht nur bei Triffids-Schöpfer John Wyndham als große Enttäuschung, nicht zuletzt, weil sich die Drehbuchautoren viele Freiheiten in Bezug auf die Vorlage herausgenommen hatten und man diese Verfilmung somit nicht wirklich als werkgetreue Umsetzung des Buches bezeichnen kann. Wie man es richtig macht sollte der am 11. März 1969 verstorbene Schriftsteller nicht mehr erleben. Anfang der 1980er-Jahre sicherte sich die BBC die Rechte am Roman und beauftragte Douglas Livingstone mit der Erstellung eines Drehbuches. Man entschied sich letztlich für eine Adaption in Form einer sechsteiligen TV-Mini-Serie, wobei jede Episode eine knappe halbe Stunde laufen sollte. Um das benötigte Budget aufzubringen, holte die BBC zwei weitere Partner mit an Bord, nämlich die Australian Broadcasting Commission (ABC) sowie die Produktionsgesellschaft RCTV Inc.

Die gelungene wenn auch - aus heutiger Sicht - altbackene Mini-Serie hält sich nicht nur eng an die Buchvorlage, sondern atmet auch - obwohl die Geschichte von den Fünfzigern in die Achtziger-Jahre verlegt wurde - deren Geist. Bill Masen (John Duttine) erwacht eines Morgens in seinem Krankenzimmer. Heute sollen ihm die Bandagen abgenommen werden, die nach einer Operation seine Augen bedecken. Doch alles ist ruhig, viel zu ruhig. Keine geschäftig umhereilenden Krankenschwestern, keine Ärzte, kein Verkehr, keine Alltagsgeräusche. Lediglich eine Uhr schlägt zur vollen Stunde, und irgendwo zersplittert krachend eine Glasscheibe. Da auch nach längerem Warten und auf seine Rufe hin niemand erscheint, entledigt sich Bill selbst der Verbände. Und erlebt eine bittere Überraschung. Die Welt, wie er sie kannte, existiert nicht mehr. Nach einer Nacht, in der unzählige Sternschnuppen den Himmel erhellten, sind die Menschen, die dem Spektakel beiwohnten, erblindet. Und die umherirrenden Blinden sind leichte Beute für die Triffids.

"The trouble with triffids is what we don't know. Some scientists bred a very special plant to produce a very special oil. Well, we got the special oil and we're lumbered with a very special plant."

Bei den Triffids handelt es sich um etwa zweieinhalb Meter hohe Pflanzen, die sich langsam über den Grund bewegen und die aus ihrer Blüte einen langen, giftigen, tentakelähnlichen Stachel herausschnellen lassen können, dessen bloße Berührung ihre Beute in der Regel binnen Sekunden tötet. Sie scheinen eine gewisse Intelligenz zu besitzen und können vermutlich mit klackenden Geräuschen, die sie mit ihren klobigen Wurzelstümpfen erzeugen, kommunizieren. Vom Aussehen her erinnert ein Triffid ein wenig an einen mutierten Vogel Strauß, mit einem breiten, entfernt kugelförmigen Unterteil, einem langen "Hals" mit dem "Kopf" in Form einer sich öffnenden Blüte und dem tödlichen Stachel als "Zunge". Der untere, in Form einer Ginseng-Wurzel modellierte Teil bestand aus Latex, Sägespänen, Hanfsträngen und echten Wurzelstücken, während man den fragil erscheinenden Hals aus Fiberglas gestaltete. Und die Blüte selbst stellte man schließlich aus Kautschuk her.

The Day of the Triffids ist ein schönes Beispiel dafür, wie man aus wenig viel macht. Das Budget war recht bescheiden, das ist nicht zu übersehen. Aber das spielt keine Rolle, weil die Geschichte unheimlich fesselt, weil die Kreaturen immens faszinieren, weil die Figuren sehr interessant sind und weil es gewisse, geschickt platzierte Schlüsselszenen gibt, welche die Glaubwürdigkeit des Szenarios unterstreichen. Seien es die teils wie ausgestorben wirkenden Straßen, die sich zusammenrottenden Blinden (in ihrer verzweifelten Suche nach Menschen, deren Augenlicht noch intakt ist, ähneln sie nach Menschenfleisch gierenden Zombies), die vergeblichen Versuche, Ordnung ins Chaos zu bringen, oder die vereinzelt herumliegenden Toten, das sorgt für eine düstere Atmosphäre, die überaus beklemmend und stimmig ist. Und als ob die Menschheit mit dem Verlust der Sehkraft und den gefährlichen Triffids nicht schon genug gestraft wäre, kommt es auch noch zum Ausbruch einer tödlichen Seuche, die viele weitere Menschen dahinrafft.

Die düstere BBC-Miniserie schildert die über die Welt fegende Apokalypse im kleinen Rahmen, anhand einer kleinen, clever zusammengestellten Figurenkonstellation, deren Mitglieder unterschiedliche Interessen respektive Meinungen vertreten, wodurch einige heikle Fragen angerissen werden. Wie geht man mit der auf den Kopf gestellten Realität am besten um? Welche Lösungsansätze sind moralisch vertretbar? Wie weit kann (bzw. darf) man gehen, um das Überleben der Menschheit zu sichern? Und unwillkürlich nimmt man als Zuschauer die Fäden auf. Wie würde man wohl selbst handeln, befände man sich an der Stelle von Bill? Unser Held wird unaufhörlich dazu gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Und eine falsch getroffene Entscheidung kann sich fatal auswirken. Im Zentrum von The Day of the Triffids stehen weder aufwändige Spezialeffekte, noch spektakuläre Actionszenen (was aber keineswegs bedeuten soll, daß die sporadischen Attacken der Triffids nicht beängstigend und denkwürdig wären). Nein, im Zentrum steht die Gruppe glaubhaft charakterisierter und stark gespielter Figuren, die in einer neuen, feindlich gesinnten Umgebung um Überleben und Zusammenhalt kämpft. Und das ist so gut und packend umgesetzt, daß man deren Erlebnisse gebannt verfolgt.

P.S.: Im Jahre 2009 legte die BBC die faszinierende Geschichte erneut auf, in abgewandelter und natürlich stark modernisierter Form, mit Dougray Scott (Taken 3) in der Hauptrolle. Diese dreistündige Miniserie bewegt sich auf leicht überdurchschnittlichem Niveau, kann der 1981er-Version jedoch nicht das Wasser reichen.

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