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 Betreff des Beitrags: THE SIGNALMAN - Lawrence Gordon Clark
BeitragVerfasst: 23.12.2017 13:22 
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The Signalman
(Ghost Story for Christmas: The Signalman)
Großbritannien 1976 - Directed by Lawrence Gordon Clark
Starring: Denholm Elliott, Bernard Lloyd, Reginald Jessup, Carina Wyeth...


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Er hat einen verantwortungsvollen Job, der Bahnwärter (großartig, intensiv und zu hundert Prozent glaubwürdig: Denholm Elliott). Er checkt die Leuchtsignale, stellt Weichen, kontrolliert, ob die Stecke frei ist und achtet auf etwaige Meldungen aus der Zentralstelle. Ein übersehenes Signal könnte eine Katastrophe auslösen, eine falsch gestellte Weiche eine frontale Kollision verursachen. Nein, einen Fehler oder eine Unachtsamkeit kann und darf sich der völlig auf sich allein gestellte Mann nicht erlauben. Eines Abends kommt zufällig ein Wanderer (der Oscar-Preisträger Christoph Waltz ein wenig ähnelnde Bernard Lloyd) vorbei, erblickt den Bahnwärter unter sich (die Station liegt unmittelbar nach einem Tunnel in einer Talsenke) und ruft freundlich: "Hello! Below there!" Der Bahnwärter reagiert seltsam. Argwöhnisch und ängstlich, ja, beinahe erschrocken mustert er seinen Besucher. In der folgenden Konversation, die sich nur sehr langsam entwickelt, wird schließlich klar, wieso der Mann ein derart eigentümliches Verhalten an den Tag gelegt hat. Vor etwa einem Jahr zog eine geisterhafte Erscheinung vor dem Tunnel seine Aufmerksamkeit auf sich, welche ihn mit ähnlichen Worten und eindeutigen Gesten vor etwas warnte. Und tatsächlich kam es sechs Stunden später im Tunnel zu einem schrecklichen Zugunglück mit vielen Toten und Verletzten. Damit schien der Spuk vorbei zu sein, bis die mysteriöse Gestalt abermals auftauchte...

Für die sechste Episode der "A Ghost Story for Christmas"-Reihe der BBC, ausgestrahlt am 22. Dezember 1976, griff man erstmals nicht auf eine Story von M.R. James zurück. Stattdessen entschied man sich für Charles Dickens' unheimliche Erzählung The Signal-Man aus dem Jahre 1866, welche von Andrew Davies zu einem Drehbuch adaptiert wurde. Mit The Signal-Man versuchte Charles John Huffam Dickens (1812 – 1870), auf dessen Konto Klassiker wie Oliver Twist, A Christmas Carol und A Tale of Two Cities gehen, ein schweres Trauma zu verarbeiten, das ihn die letzten Jahre seines Lebens begleitete. Am 9. Juni 1865 überlebte er einen schweren Eisenbahnunfall in Staplehurst (Kent), bei dem zehn Menschen ums Leben kamen und zahlreiche weitere verletzt wurden. Zwar trug Dickens keine körperlichen Schäden davon, doch die psychischen Nachwirkungen des Unglücks verfolgten ihn bis zu seinem Tod. Die Verfilmung hält sich eng an die Vorlage und fängt sowohl deren düstere, skeptische Stimmung als auch deren altertümliches Flair nahezu perfekt ein. Wunderbar stimmig und mysteriös entfaltet sich das unheilvolle Geschehen, ist somit ein wahres Fest für Freunde des sanften, gediegenen Gruselfilms, der mehr andeutet als er letztendlich zeigt. Die nebelverhangene Bahnstation sowie die finstere Tunnelröhre sind phantastische Schauplätze (gedreht wurde vor Ort in Shropshire bzw. in Worcestershire), wie geschaffen für eine kleine, beklemmende Schauermär.

The Signalman hebt sich wohltuend von seinen Vorgängern ab, da die Art des Grauens eine gänzlich andere ist. Während es bei M.R. James üblicherweise die Schatten der Vergangenheit sind, die den Menschen der Gegenwart zum Verhängnis zu werden drohen, so ist es hier eine geisterhafte Wesenheit, welche die nahe Zukunft kennt und unseren Protagonisten auf eine unmittelbare Gefahr aufmerksam zu machen versucht. Und die den entnervten Bahnwärter damit in ein Dilemma stürzt, auch wenn die Warnung gut gemeint sein mag. Denn was kann er schon ausrichten? Im Grunde ahnt er ja nur, daß sich eine Tragödie anbahnt, ohne zu wissen, was, wann und wo es passieren wird. Das sich nahende Unglück ist viel zu diffus, als daß er es greifen oder gar verhindern könnte. Denholm Elliott spielt die verzweifelte Zerrissenheit der Figur dermaßen intensiv, daß er für ähnlich viel Gänsehaut sorgt wie die Spukgestalt, die nur zweimal kurz, aber dafür eindrücklich zu sehen ist. Ebenso hervorragend ist die fesselnde Regiearbeit von Lawrence Gordon Clark, der es nicht nur innerhalb weniger Sekunden schafft, eine angenehm ominöse, zum Schneiden dichte Grundstimmung zu etablieren, sondern dem es auch gelingt, die der Geschichte innewohnende Spannung und Dramatik fast die gesamten achtunddreißig Minuten bis zum starken Finale geschickt am Köcheln zu halten. Und am Ende schließt sich der Kreis und alles ergibt plötzlich Sinn.

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