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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DAS MONSTER VON TOKIO - George P. Breakston / Kenneth G. Crane
PostPosted: 21.08.2020 17:16 
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DAS MONSTER VON TOKIO / Originaltitel: THE MANSTER
USA/Japan 1959


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Regie: George P. Breakston, Kenneth G. Crane

Darsteller:
Peter Dyneley,
Jane Hylton,
Tetsu Nakamura,
Terri Zimmern



Der in Japan arbeitende US-amerikanische Journalist Larry Stanford sucht nach einer neuen großen „Story“, weshalb er Dr. Suzuki aufsucht – einen Wissenschaftler, der theoretische Evolutionsforschung betreibt. Allerdings ist die Forschungspraxis des Doktors gar nicht so theoretisch, und Larry wird bei seinem Besuch umgehend zum Forschungsobjekt. Denn anhand von chemischen Prozessen versucht Dr. Suzuki die Schaffung einer neuen Spezies nachzuweisen, die sich aus der alten mutiert. Stanford bekommt vom Wissenschaftler eine Injektion gespritzt, die umgehend in seinem Körper eine Mutation auslöst, welche mehr und mehr aus Stanfords Schulter „neues Fleisch“ (Cronenberg) wachsen lässt. Schließlich wird daraus ein Mund, ein Kopf – und zum Schluss spaltet sich das fleischgewordene neue „Ich“ vom alten ab. Aber schon vor der „Ich“-Abspaltung ist im Verhalten Stanfords eine starke emotionale Veränderung zu bemerken, indem der eigentlich recht gutmütige Journalist zunehmend egoistischer und gewalttätiger wird. Eine Mordserie ist letztlich die Folge, was verdeutlicht, dass die von Suzuki angestrebte Mutation eben nicht evolutionäre, sondern – ganz im Gegenteil davon – regressive Tendenzen zeigt. In einem großartigen Finale, das beinahe schon der Philosophie des Manichäismus zuzuweisen wäre, stehen die beiden Stanford-„Ichs“ sich gegenüber: der gutmütige, zivilisierte Larry und ein davon abgespaltenes Urwesen, das einem Affen ähnelt, blicken sich ins Auge. Aus dem titelgebenden MANSTER ist in dieser Szene wieder ein MAN und MONSTER geworden…


Der Science-Fiction-Film der 50er Jahre übernimmt zwar gerne die Horrorfilmmotive der Kino-Frühzeit, zugleich aber wurde das klassische Horrorgenre in die durchtechnisierte Gegenwart verlegt, wo Forscher mit neuester Wissenschaft der Menschheit „dienen“. Der tagesaktuelle Wille der Forschung zur absoluten Progressivität, welche das Ende der Geschichte einläuten soll, motiviert sodann auch Dr. Suzuki in THE MANSTER zu seinen Experimenten, die immer wieder gründlich fehlschlagen – aber was ist schon Moral, wenn es um das Wohl der gesamten Menschheit geht?! Die Utopie, den neuen und damit den perfekten Menschen zu schaffen, lässt jeden Widerspruch verstummen, was hier Suzukis Assistentin zu spüren bekommt, die die Menschenversuche des Doktors nicht mehr tolerieren kann und will. In diesem Sinne setzt THE MANSTER auf einen damals genretypischen Inhalt. Wobei der Film – zumindest in den USA – noch dadurch in seiner wissenschaftlichen Thematik Unterstützung fand, indem er zusammen mit LES YEUX SANS VISAGE in den Kinos als „double-bill“ lief. Geht es in Franjus Film doch um die medizinische Schaffung einer neuen „Identität“, welche sich in den Gesichtsoperationen widerspiegelt (sprich: um ein „neues Gesicht“). Im Genrefilm sind es wohl vor allem auch die Werke der 50er Jahre, in denen erstmalig die Schrecken des Zweiten Weltkriegs subtil reflektiert werden. Das Publikum wurde nicht zuletzt über das Science-Fiction-Genre dieser Zeit an die Schreckensthematik des Krieges „bilderreich“ herangeführt. Gleichwie bei THE MANSTER zu beachten wäre, dass der US-amerikanische Film eine Co-Produktion mit Japan darstellt. Diese Tatsache der Co-Produktion zwischen beiden Ländern macht es umso bemerkenswerter, dass der Forscher im Film Japaner wäre, der einen US-Amerikaner de-formiert, was eine allegorische Rache der Japaner an „Hiroshima“ und die atomaren Folgen bezeichnen könnte. Noch dazu ist auffällig, dass eine Japanerin – die Assistentin Suzukis – zum Liebesobjekt von Larry wird, worauf er seine Frau, die extra aus den USA anreiste, aufgibt. Dieser Liebessubplot, in dem es um sexuelle Begierden geht, schließt sodann aber den eigentlichen Kreis des hiesigen Films zum traditionellen Horrorfilm, der das Doctor-Jekyll-und-Mister-Hyde-Thema angeht: Denn die Janusköpfigkeit wird in THE MANSTER wortwörtlich genommen, und dem unbedachten, friedvollen „Jekyll“ (hier: Stanford) wächst tatsächlich auf seiner Schulter ein zweiter Kopf, der sein wildes Sein, seinen Hass und seinen destruktiven Gewalttrieb symbolisiert. Der mutierte zweite Kopf, der sich in ein „dunkles“ Ich von Larry transformiert, ist dann natürlich der klassische „Hyde“…





Trailer:
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