Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 26.11.2018 23:40 
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Produktionsland/Jahr: USA 1984
Darsteller: Clint Eastwood, Geneviève Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jenny Beck, Marco St. John, Rebecca Perle, Regina Richardson, Randi Brooks, Jamie Rose
Drehbuch: Richard Tuggle
Produziert von: Clint Eastwood & Fritz Manes
Musik: Lennie Niehaus

Clint Eastwood spielt den Privatdetektiv Wes Block. Er ist einem psychopathischen Frauenmörder auf der Spur, der im berüchtigten French Quarter von New Orleans Angst und Entsetzen verbreitet. Aber nicht nur die Ermittlungsarbeit, sondern auch sein eigener Trieb führen Block immer wieder ins Prostituiertenmilieu. Die Sache wird für ihn zum tödlichen Spiel, als er merkt, dass der Killer sich in seinem Privatleben bestens auskennt - Der sadistische Mörder spannt sein Netz, der Jäger wird zum Gejagten: Wes Block und seine Familie geraten in höchste Lebensgefahr.
(Moviepilot)

Grundprämisse: Sex and Crime, das Ganze verpackt in einem Großstadtthriller in den 80ern, wiedermal mit Clint Eastwood als schlagfertigem Polizisten.
Atmosphärisch nicht zu verachten, mit der ganzen Bandbreite von trist und verregnet bis grell und verrucht.
Dazu die Musik von Lennie Niehaus, der uns durch den Film bluesed und jazzed, dass es besser nicht mehr geht.
Der Film wird ja oft und gerne sogar als inoffizielle Dirty-Harry-Fortsetzung bezeichnet, was die Erwartungen zusätzlich erhöht.
Ich hatte mich eigentlich schon gefreut, vielleicht (oder hoffentlich) einen Film zu bekommen, der die offiziellen Dirty-Harry-Fortsetzungen übertrifft, aber schafft er das wirklich?
Ja, aber knapp, viel knapper, als ich es mir unter diesen Voraussetzungen erhofft habe.
Der Film ist gut, aber er schöpft in zumindest einer Hinsicht kaum sein Potenzial aus.
Nämlich in Punkto Darstellung und Umgang mit Gewalt, denn tatsächlich ist DER WOLF HETZT DIE MEUTE beinahe blutleer und geht mit Gewalt und sonstiger Action sehr sparsam um.
Jeder offizielle Dirty-Harry-Film geht diesbezüglich weiter und zeigt mehr.
Es wäre aber, denke ich, gerade bei dem Film, bei dieser Thematik, auch sehr wichtig gewesen, da nicht so zaghaft zu sein.
Sämtliche Morde passieren off-screen, wir sehen immer nur die Ergebnisse und genau darin liegt die große Schwäche.
Dazu kommt, dass Motivation, Hintergründe und das Ganze drumherum um den Killer fast vollständig im Dunkeln bleibt und nie näher erklärt wird.
Der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über ihn oder seine Vergangenheit, bekommt somit auch keinen Anreiz zum Miträtseln.
Dadurch büßt der Film doch sehr an Intensität und Spannung ein, denn wenn wir den Killer selbst kaum sehen, immer nur sein "vollendetes Werk" und die längste Zeit absolut nichts über ihn wissen, wovor sollten wir uns dann fürchten?
So hat dieser Killer dann auch keinerlei Ausstrahlung und dem Film fehlt das bedrohliche Element, das in einem solchen Film essenziell wäre.
Also in der Hinsicht ist TIGHTROPE vollkommen danebengegangen, das hätte man von Anfang an ganz anders anlegen und ausarbeiten müssen.
Aber wir haben Clint Eastwood, wir haben eine wunderbare Atmosphäre, wir haben den coolen Score zwischen (hauptsächlich) Blues und Jazz und wir haben sogar ein bisschen Humor.
Mit annähernd 2 Stunden vielleicht zwar auch etwas zu lang (20 Minuten weniger wären nicht schlecht gewesen), aber der die Meute hetzende Wolf kann letztendlich doch mit Dirty-Harry-Fortsetzungen mithalten.
7,5/10

Trailer:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 16:48 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Der Film wird ja oft und gerne sogar als inoffizielle Dirty-Harry-Fortsetzung bezeichnet, was die Erwartungen zusätzlich erhöht.

[...] DER WOLF HETZT DIE MEUTE [ist] beinahe blutleer und geht mit Gewalt und sonstiger Action sehr sparsam um.
Jeder offizielle Dirty-Harry-Film geht diesbezüglich weiter und zeigt mehr.


Ich könnte mir vorstellen, dass der familiäre Hintergrund, den der Eastwood-Charakter hier hat, es verhindert hatte, dass "Der Wolf..." in die Dirty-Harry-Reihe aufgenommen wurde - das Drehbuch wollte hier offenbar schon so eine harte Rächer-Figur, doch sollte sie nicht eindimensional sein...

was die Gewaltdarstellung betrifft: gerade zu dieser Zeit wurde dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA stark kritisiert - ein Actionfilm musste aber unbedingt - um kommerziell erfolgreich zu sein - zumindest ein R-Rating haben; möglich, dass die Produzenten des Films sicher sein wollten, ein solches R-Rating problemlos zu bekommen, so dass sie bereits im Drehbuch das Graphische abgemildert haben (im damaligen Horror-Film hatte man es ja oftmals mit Ironie oder Humor versucht, um so die "Zensoren" bezüglich der Gewalt milder zu stimmen)...

wenn Du inoffizielle "Dirty-Harry"s magst, dann möchte ich Dir die Charles-Bronson-Filme aus dieser Zeit empfehlen: beispielsweise könnte Dir hier "Ein Mann wie Dynamit" gefallen, wo der "Dirty-Harry"-artige Polizist einen Killer jagt, der ausschließlich hüllenlos tötet (warum habe ich allerdings nie verstanden)...


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 18:16 
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Howard Vernon hat geschrieben:
was die Gewaltdarstellung betrifft: gerade zu dieser Zeit wurde dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA stark kritisiert - ein Actionfilm musste aber unbedingt - um kommerziell erfolgreich zu sein - zumindest ein R-Rating haben; möglich, dass die Produzenten des Films sicher sein wollten, ein solches R-Rating problemlos zu bekommen, so dass sie bereits im Drehbuch das Graphische abgemildert haben (im damaligen Horror-Film hatte man es ja oftmals mit Ironie oder Humor versucht, um so die "Zensoren" bezüglich der Gewalt milder zu stimmen)...

Wie sind denn dann der 4. und 5. Dirty Harry durchgegangen?
Beim 5. Teil könnte man von einer versuchten humorigen Kontrastierung ausgehen, weil ja offensichtlich trashige Elemente eingearbeitet wurden und es bei den Slasher-Elementen funktioniert haben könnte, durch den trashigen Anstrich und den ironisch-parodistischen Ansatz (Horrorfilmregisseur wird selbst zum psychopathischen Killer).
Aber im 4. Teil gibt's keine ironische oder humorige Kontrastierung zu dem Rachefeldzug der Vergewaltigten und der fällt auch deutlich graphischer und blutiger aus.
Ich weiß zwar jetzt nicht, welches Rating die zwei bekommen haben, aber gar so schlecht dürften die jedenfalls nicht angekommen sein (zumindest der 4., da er ja noch einen Teil nach sich zog).


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 18:53 
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laut imdb.com hatte "Dirty Harry IV - Dirty Harry kommt zurück" in den USA ein R-Rating - der fünfte Teil ist natürlich vollgepackt mit postmoderner Ironie, so dass es hier überhaupt kein Problem war (= R-Rating)...

dennoch haben sich die Produzenten - besonders bei eher teuren "B-Filmen" - damals wohl lieber zurückgenommen, als dass sie sich der Gefahr ausgesetzt hätten, dass kein "R" herausspringt - in zahlreichen Interviews beklagen sich vor allem die FX-Leute (meisten von Horror-Filmen) heute darüber, dass damals deren Ideen entweder nicht umgesetzt wurden (wegen der Zensurgefahr) oder letztlich der Schere zum Opfer fielen...

allerdings war das mit der Zensurangst nur eine Spekulation von mir - möglich ist natürlich auch, dass der Regisseur den Film tatsächlich eher unspektakulärer angehen wollte (so dass er sich vom typischen "Dirty Harry" abhob) - weniger Gewaltspektakel, dafür aber mehr Emotionen...


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 19:33 
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Howard Vernon hat geschrieben:
allerdings war das mit der Zensurangst nur eine Spekulation von mir - möglich ist natürlich auch, dass der Regisseur den Film tatsächlich eher unspektakulärer angehen wollte (so dass er sich vom typischen "Dirty Harry" abhob) - weniger Gewaltspektakel, dafür aber mehr Emotionen...

Möglich ist es natürlich, dann wäre es aber m.E. der völlig falsche Ansatz gewesen.
"Serienkiller treibt im Rotlichtmilieu sein Unwesen und hat es dabei bevorzugt auf Damen abgesehen, mit denen der Inspektor selbst kurz zuvor noch verkehrt hat", das ist nichts für einen "Gefühlsfilm".
Gefühlsbetonter Aufbau und Inszenierung steht der Thematik nur im Weg, da gehört knallharte Action her.
Und, ich denke, abgesehen von dem familiären Aspekt (alleinerziehender Vater mit zwei Kindern) spricht auch nichts (oder sehr wenig) dafür, dass es kein Actionfilm hätte werden sollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 20:01 
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Was TIGHTROPE auf der einen Seite an Gewalt vielleicht zurückhält, haut er auf der anderen mit Sex & Kink aber wieder voll raus.
In keinem HARRY war Eastwood so dirty wie hier! ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 20:08 
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TRAXX hat geschrieben:
Was TIGHTROPE auf der einen Seite an Gewalt vielleicht zurückhält, haut er auf der anderen mit Sex & Kink aber wieder voll raus.
In keinem HARRY war Eastwood so dirty wie hier! ;)

Ja, das mag stimmen, aber: was er an Gewalt zurückhält, haut er mit Sex & Kink wieder voll raus?
Teilweise vielleicht, voll wohl kaum, denn wenn es mal zur Sache gehen würde, folgt sehr schnell ein Schnitt und aus der Schmaus - da wäre sicher auch mehr möglich gewesen.
Alles bleibt angedeutet, wirkt somit halbgar...


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 22:12 
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Du darfst dabei aber auch nicht übersehen, dass Mitte der 80er die Zeiten wieder ziemlich prüde wurden. Mitten in der Reagan-Phase wurde Amerika ausgesprochen puritanisch, da hätten Sexpraktiken wie die von Wes Block niemals im Mainstreamkino gezeigt werden können, und mehr wäre definitiv nicht möglich gewesen. Ich fand ihn damals im Kino mit zarten 18 Jahren jedenfalls ausgesprochen schwül und ... ja eben kinky, auch wenn es das Wort damals noch nicht gab.

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 27.11.2018 22:40 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Du darfst dabei aber auch nicht übersehen, dass Mitte der 80er die Zeiten wieder ziemlich prüde wurden. Mitten in der Reagan-Phase wurde Amerika ausgesprochen puritanisch...


Das "Problem" Sexualität / erotische Anziehungskraft etc. hatte man dann ja auch versucht zu umgehen, indem die Hauptfiguren vor-pubertär werden sollten: zum Beispiel "Die Goonies" oder später noch "Kevin - Allein zu Haus" - das Coolsein des Hauptcharakters, wie es etwa noch in den 50er Jahren der Fall war, wo die "Sex-besessenen" Halbstarken als Identifikationsfiguren für das jugendliche Publikum aufgetreten sind, war dann unter Reagan erst einmal vorbei...


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 00:25 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Du darfst dabei aber auch nicht übersehen, dass Mitte der 80er die Zeiten wieder ziemlich prüde wurden. Mitten in der Reagan-Phase wurde Amerika ausgesprochen puritanisch, da hätten Sexpraktiken wie die von Wes Block niemals im Mainstreamkino gezeigt werden können, und mehr wäre definitiv nicht möglich gewesen. Ich fand ihn damals im Kino mit zarten 18 Jahren jedenfalls ausgesprochen schwül und ... ja eben kinky, auch wenn es das Wort damals noch nicht gab.

Mitte der 80er schon?
Also wenn ich sowas wie DESERT HEARTS sehe, kann ich mir das nicht vorstellen.
Ich hatte immer das Gefühl, das wäre erst in den 90ern so richtig losgegangen...
Gut, DER WOLF HETZT DIE MEUTE ist kein ausgewiesener Erotikthriller, aber was das zeigbare betrifft, wie weit man gehen durfte, da zeigt DESERT HEARTS, der nur ein Jahr später entstanden ist, dass prinzipiell schon noch mehr möglich gewesen wäre.
Zwar geht's da "nur" um normale Lesben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das in den damaligen USA weniger "gefährlich" gewesen ist, als SM.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 14:38 
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Um das noch mal zu sagen, möglich im Kino ist nach wie vor fast alles, und das was in den USA früher möglich war, das ist es grob gesagt auch heute noch, aber nur weil vieles möglich ist, heißt das nicht das es auch dauernd gemacht wird. Jedenfalls nicht regelmäßig, da war früher auch ein größeres Interesse dran vorhanden, als alles noch neu war, und man mit Sex und Gewalt Tabus brechen konnte.
Jedenfalls die Möglichkeiten Sex und Gewalt im Kino zu zeigen haben sich auch in den USA nicht zurück entwickelt. Stattdessen ist auch in dortigen TV Produktionen heute vieles möglich was früher ein Riesenproblem gewesen wäre.

Desert Hearts war ein Außenseiterfilm, diese Art von Filmen gab es seitdem immer wieder, und gibt es auch heute noch. Aber auch im Mainstream jenseits von PG13 ist immer noch viel möglich. In den angesprochenen 90ern wurde ja auch Basic Instinct ein größerer Erfolg.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 15:54 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Mitte der 80er schon?



Natürlich darf man hier nicht verallgemeinern, so dass dies auf jeden Film zu übertragen wäre - gerade die Pornoindustrie blühte in dieser Zeit in den USA wegen dem Videozeitalter ja auf (die Nachfrage nach sexueller Darstellung ist selbstverständlich da gewesen);
dennoch ist dieser Trend in den USA in den 80er Jahren zu beobachten, der vor allem im damaligen Mainstream-Kino verwurzelt gewesen sein dürfte - dies hing wohl einmal - wie Schmutziger_Maulwurf bereits angeführt hat - mit dem "cealen" Zeitgeist unter Reagan zusammen, und andererseits gab es zu dieser Zeit erstmals das Thema AIDS, weshalb insbesondere in Filmen, die ein jugendliches, ein pubertäres Publikum anvisiert hatten, der "Sex" weitgehend vermieden werden sollte; Thomas Doherty bringt es in seinem Buch "Teenagers and Teenpics", S. 200, so auf den Punkt: "To eliminate sexually transmitted audience discomfort, Hollywood's teen-targeted films covered up the nudity and closed down the sex play." - Heißt: diese neue "Sex-Feindlichkeit" im Kino der USA der 80er Jahre ist zwar nicht zu verabsolutieren, aber wäre dennoch als Trend zu diagnostizieren...


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 16:16 
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Sowas findet ja immer in Wellen statt, und die Gesellschaft wird auch immer ein Bedürfnis nach Zensur haben, aber trotzdem verschieben sich die Grenzen dessen was in bestimmten Medien möglich ist immer ein wenig weiter.

Ab den 80ern hat sich im Übrigen das Kino ja auch verstärkt an ein jugendliches Publikum gewendet, und dafür dann sehr "saubere" Filme produziert. Aber Filme wie Tightrope oder Desert Hearts hätte man auch in jedem Jahrzehnt danach drehen können, und könnte man auch heute noch drehen, wenn man will. Und ich denke heutzutage sogar problemloser als damals.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 19:03 
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Stanton hat geschrieben:
In den angesprochenen 90ern wurde ja auch Basic Instinct ein größerer Erfolg.

Super Beispiel. :roll:
Das Teil musste in den USA für ein R-Rating mächtig Federn lassen, was Sex und Gewalt betrifft:

"The European release is much more explicit than the American release (which had to be submitted seven times to the MPAA in order to avoid an NC-17 rating). [...] The US version uses alternate, less explicit takes of several scenes to tone down the sex content.

- The murder of Johnny Boz in the opening scene is more graphic; we see the killer stabbing him in his neck, stabbing him repeatedly in the chest, in the face and we see the ice-pick passing through his nose.

- The scene where Nick almost rapes Beth is severely cut in the US version (we see ripping off her underwear and forcing her over the couch, then there's a cut to the two of them lying in bed). In the uncut version Nick pulls down his pants, penetrates Beth from behind and she has an orgasm.

- The scene where Nick and Catherine make love after going to the disco is longer much more explicit in the uncut version (Nick is seen burying his face between her legs)
."
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 Betreff des Beitrags: Re: DER WOLF HETZT DIE MEUTE - Richard Tuggle
BeitragVerfasst: 28.11.2018 20:22 
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Na und?

Er ist trotzdem da gedreht worden, und die Amis haben sich schon immer mehr angestellt was Sex betrifft als die Europäer, da war in Europa in den 50ern, 60ern, 70ern auch jeweils deutlich mehr möglich.

Für Eyes Wide Shut wurde ja z.B. auch einiges geändert, und Basic Instinct wäre mit NC 17 ja (wahrscheinlich) auch uncut möglich gewesen.

Ich bin mir sicher auch in den 70ern wurden Filme für die kommerzielle Auswertung bearbeitet. Bei Uhrwerk Orange war da doch z.B. auch was, aber ich weiß keine Details mehr.


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