Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 21.08.2019 00:55

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 10 posts ] 
AuthorMessage
 Post subject: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 26.04.2016 17:41 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 7587
Gender: None specified
Image

Produktionsland/Jahr: USA 1946
Darsteller: Rita Hayworth, Glenn Ford, George Macready, Joseph Calleia, Steven Geray, Joe Sawyer, Gerald Mohr, Mark Roberts, Argentina Brunetti, Eduardo Ciannelli
Drehbuch: Marion Parsonnet & Ben Hecht
Produziert von: Virginia Van Upp
Musik: Hugo Friedhofer

Der Film, der Rita Hayworth unsterblich machte! Sie spielte Gilda, eine temperamentvolle, verführerische Frau, die nur ein Ziel hat: so viele Männer wie nur möglich zu bezaubern und sie sich hörig zu machen. Auf einer Geschäftsreise lernt Ballin Mundson (George MacReady), der Boss eines illegalen Spielcasinos in Südamerika, Gilda kennen, heiratet sie und nimmt sie mit in seine tropische Heimat. In dieser Welt des Glückspiels, der Schmuggler und der Killer trifft Gilda auf Mundsons rechte Hand Johnny Farrell (Glenn Ford), mit dem sie früher mal eine kurze, aber stürmische Affäre hatte. Ausgerechnet Johnny erhält von Mundson den Auftrag auf Gilda aufzupassen. Johnny versucht, standhaft zu bleiben und erweckt dadurch Gildas Ehrgeiz, ihn erneut zu verführen. Das Satansweib macht ihm das Leben zur Hölle.
(Moviepilot; Covertext)

Dass das ein Klassiker des Film Noir ist, ist unbestritten.
Allerdings für mich einer, der von einem Meisterwerk doch noch ein ordentliches Stück entfernt ist.
Meines Erachtens liegt es nämlich alleine an Rita Hayworth, an ihrer Ausstrahlung in dem Film.
Davon lebt der ganze Film und alles andere drumherum ist (leider) gar nicht so interessant.
In dem Fall ist aber die Präsenz von Misses Hayworth allemal ausreichend, um den Zuschauer durchgehend zu unterhalten.
Ich finde, ihre Figur Gilda ist auch so ziemlich der einzige wirklich interessante Charakter.
Ihre Unberechenbarkeit ist es, was sie (abgesehen vom äußeren Erscheinungsbild) so interessant macht.
Alle anderen (einschließlich Glenn Ford) bleiben dagegen doch eher blass.
Das macht aber, wie gesagt, auch nichts.
Man darf ja auch den Gesangskünsten von Rita lauschen, also ich würde sagen, Gilda bügelt hier wirklich alles aus.
Im Großen und Ganzen ist es so sicher kein schlechter, aber meiner Meinung nach auch kein Über-Drüber-Film.
8/10

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Top
 Profile  
 
 Post subject: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 19:04 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Anmerkung: Ich habe das Thema jetzt mal aus dem Filmtagebuch hier rein kopiert. Zum einen weil ich einfach auf dem Schlauch stand, zu so einem Film kein eigenes Thema zu eröffnen. Und zum anderen weil die Beiträge von Howard Vernon hochinteressant sind und einfach in einen entsprechenden Thread zum Film gehören.

Gilda
Gilda
USA 1946
Regie: Charles Vidor
Glenn Ford, Rita Hayworth, George Macready, Joseph Calleia, Steven Geray, Joe Sawyer, Gerald Mohr, Mark Roberts, Ludwig Donath, Donald Douglas, Lionel Royce, Saul Martell


Image

*** The link is only visible for members, go to login. ***

Buenos Aires, 1945: Der Kasinobesitzer Mundson rettet dem Glücksspieler Johnny eines Abends das Leben. Johnny steigt daraufhin bei Mundson ein und arbeitet sich mit Stil und Härte schnell nach oben, bis zu Mundsons rechter Hand. Nach einer Reise kommt Mundson plötzlich verheiratet wieder: Gilda. Rothaarig. Sexy. Selbstbewusst. Freiheitsliebend. Schnell zeigt sich, dass Johnny und Gilda sich früher bereits kannten, und ihre damalige Liebe, die zu der jetzigen grundlegenden Abneigung geführt hat, gefährdet das feine Spiel Mundsons, der das Kasino nur als Tarnung für sehr viel größere Pläne führt. Mundson will auf keinen von beiden verzichten, doch als deutsche Spione seine Pläne gefährden eskaliert die angespannte Situation: Mundson begeht Selbstmord, Johnny wird sein Nachfolger, und Gilda …? Heiratet …

Aha, das ist also ein Klassiker. Einer der ganz großen Noirs, der das Genre wenn schon nicht mitbegründet, so doch auf jeden Fall mit geprägt hat. Auch auf die Gefahr hin, dass ich viel Schelte bekomme und gute Freundschaften verliere: So doll war das jetzt nicht, was ich da gesehen habe. Klar, Rita Hayworths Handschuh-Striptease ist megasexy, und klar, Schwarz und Weiß sind hervorragend gesetzt, gerade zu farbig, und wunderschön anzuschauen. Aber kann das denn schon alles sein? Die Kulissen waren voluminös überhöht und gerade dadurch bemerkenswert in ihrer Künstlichkeit. Artifiziell Kulissen, in denen Charaktere sich bewegen, die genauso wie das Außenrum immer nur so tun als ob. Die nie das sind was sie zu sein vorgeben, und deren Handlungen und Beziehungen untereinander immer einen doppelten Boden haben und sich ins Gegenteil verkehren (können). Die künstlich sind.
Johnny und Mundson: Johnny verehrt Mundson und wäre gerne wie er, aber es ist auch klar, dass Mundson Johnny nur ausnutzt. Sieht Johnny das wirklich nicht?
Mundson und Gilda: Selten eine Beziehung gesehen die auf so tönernen Füßen steht, und bei denen die Beteiligten sich gleichzeitig sicher sind, dass dieses Kartenhaus bis in alle Ewigkeit hält. Wer bitte glaubt ernsthaft, dass eine nach einem Tag Bekanntschaft geschlossene Hochzeit etwas taugt?
Johnny und Gilda: “Ich hasste sie so sehr, dass sie mir keine Minute aus dem Kopf ging.“ Hassliebe at its very best.
Johnny und Onkel Pio: Auch so eine Art Hassliebe. Pio empfindet Johnny als bäuerisch und studiert dessen Werdegang, so wie er ein Insekt unter einem Mikroskop studieren würde.
Und da kommen wir dann zu den doppelten Böden der Charaktere: Onkel Pio rettet Johnny das Leben. Gilda gibt die promiskuitive Lebedame, die sie in Wirklichkeit gar nicht ist. Stattdessen tut sie so, als ob sie Johnny leidenschaftlich hasst (“Ich hasse dich so ungemein, dass ich sogar mich selbst zerstören würde, um dich kaputt zu machen.“), nur um ihn eigentlich zurückzugewinnen. Johnny wiederum eifert Mundson nach und wird auch tatsächlich wie sein großes Vorbild, und doch bittet er Gilda darum, dass sie ihn mitnimmt zurück nach Hause. Statt mondänem Nachtleben im Kasino in Buenos Aires, lieber braves Eheleben in Kleinstadt City?

Ich weiss nicht, mir sind da einfach zu viele Wendungen und Drehungen in den Personen und in ihren Handlungen, die aber nicht im Sinne eines Handlungstwists überraschend kommen, sondern künstlich und aufgesetzt wirken. Nur ausgerechnet Mundson ist genau das, was er zu sein vorgibt: Ein eiskalter Gangster, dessen einziges Ziel die Weltherrschaft ist. Die anderen Personen sehen alle aus wie Janusköpfe, die aus verschiedenen Blickwinkeln verschiedene Eigenschaften besitzen. Der ganze Film ist so ein Januskopf, sieht er doch manchmal aus wie ein Gangsterfilm, und ist doch “bloß“ ein gut fotografiertes Melodram mit einem tollen Ohrwurm und einer wirklich im Gedächtnis bleibenden Szene. Was mir persönlich einfach etwas zu wenig ist. Aber wahrscheinlich war es eh nur wieder mal die Sache mit der Erwartungshaltung, und eine irgendwann erfolgende Zweitsichtung liefert mehr Aufschluss …

6/10

www.youtube.com Video from : www.youtube.com

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Last edited by Schmutziger_Maulwurf on 06.05.2019 19:11, edited 2 times in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 19:05 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Aha, das ist also ein Klassiker. Einer der ganz großen Noirs, der das Genre wenn schon nicht mitbegründet, so doch auf jeden Fall mit geprägt hat. Auch auf die Gefahr hin, dass ich viel Schelte bekomme und gute Freundschaften verliere: So doll war das jetzt nicht, was ich da gesehen habe. Klar, Rita Hayworths Handschuh-Striptease ist megasexy, und klar, Schwarz und Weiß sind hervorragend gesetzt, gerade zu farbig, und wunderschön anzuschauen. Aber kann das denn schon alles sein? Die Kulissen waren voluminös überhöht und gerade dadurch bemerkenswert in ihrer Künstlichkeit. Artifiziell Kulissen, in denen Charaktere sich bewegen, die genauso wie das Außenrum immer nur so tun als ob. Die nie das sind was sie zu sein vorgeben, und deren Handlungen und Beziehungen untereinander immer einen doppelten Boden haben und sich ins Gegenteil verkehren (können). Die künstlich sind.



Das ist heute natürlich das große "Problem", dass mit dem Schlüsselbegriff "film noir" sich eben eine ganz bestimmte Art von Ästhetik (die dunklen Räume und Straßen mit ihren reflektierten Lichtkanten und den gitterartigen Schattenwürfen) wie auch eine konkrete Handlungsanlage (beispielsweise: der private Ermittler, der einen Kriminalfall lösen muss, wobei eine "tödliche" Frau sein Schicksal wird) verbinden; der Begriff - und somit das Genre - ist ja nicht zeitgemäß entstanden (die Regisseure wussten damals ja nicht, dass sie "Noirs" drehen würden), sondern der Terminus ist eine nicht-historische Konstruktion, die den Filmen "nachträglich" aufgesetzt wird (ähnlich wie bei den "Gialli", aber das wäre eine andere Diskussion); insofern kann man schon überrascht werden, dass sich etwa in den 50er Jahren die "Noirs" - beispielsweise von "Columba" - nur noch selten des typisch dunklen "Look"s der 40er Jahre bedienen, da die Filme (im Hinterkopf der Produzenten) schon für eine spätere TV-Ausstrahlung geplant waren und deshalb "heller" ausfallen sollten; oder die andere Verwirrung (wegen des Vorurteils "Noir"): es gibt "Noir"-Filme, die überhaupt keine Thriller wären, sich aber trotzdem dem "Noir"-Stil bedienen (sogar wesentlich intensiver, als die klassischen Thriller-"Noirs" selbst); schau Dir einmal THE OX-BOW INCIDENT oder THE DAY THE EARTH STOOD STILL an, die sind stilistisch gesehen extrem "Noir"isch nach dem heutigen Verständnis...

da ich ja grundsätzlich eher für ein "Kino" bin, das auch durch seine "Fehler" lebt, nicht literarisch wäre und somit vielmehr "Kinomomente" durch seine Gesten oder mit bestimmten Plot-transzendenten Augenblicken schafft, bin ich jetzt auch nicht der große Fan vom gut-produzierten und Star-besetzten Film GILDA; was die Qualität des Films aber wohl ausmacht und seinen "Noir"-Kult bestimmt, wäre dann wohl die sadomasochistische Handlungsebene, die sich in der Handlung durch eine (Zensur-bedinge) Symbolsprache ausdrückt; die Dreiecksposition zwischen Johnny, Ballin und Gilda ist dahingehend schon - für die Zeit - bemerkenswert eindeutig: alleine die mögliche Deutung für den Stock von Ballin, der augenscheinlich Gilda ja sexuell nicht befriedigen kann, ist hier interessant, während Johnny aus einer masochistischen Perspektive agiert - und eben nicht mit Gilda schläft (wohl auch nach deren Hochzeit); Gilda wiederum wäre sadistisch gegenüber Johnny, indem sie ihn ständig verführen will, während sie Ballin - auch wenn sie objektiv gesehen durch ihn unterdrückt wird - ihre Liebe entzieht; dieses Zusammenspiel der verschiedenen emotionalen Bestimmtheiten (rein symbolisch im Film implementiert) machen GILDA dann schon - nach meinem Empfinden - sehr sehenswert... so ist GILDA zwar ein "Noir"-Melodrama mit Freudscher Ebene - aber kein reiner Thriller, den man heute zumeist bei einem "Noir" erwartet...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 19:06 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Natürlich hast Du recht, lieber Howard Vernon, wenn Du sagst, dass Noir normalerweise mit Krimi assoziiert wird. Ich mache da auch keine Ausnahme, erst BRIEFE AUS DEM JENSEITS und DAS SCHWARZE BUCH haben mir gezeigt, dass da, wie so oft, noch mehr geht, und dass der Begriff “Noir“ weiter gefasst werden muss als üblicherweise gedacht. Das Buch Film Noir von Paul Werner ist schon viele Jahre her, und wenn ich da so reinblättere ist das Teil dermaßen trocken, dass es wohl auch bei der einen Lesung von vor gefühlten 100 Jahren bleiben wird.

Nichtsdestrotrotz bin ich erstmal von einem Krimi ausgegangen, und war, Achtung Erwartungshaltung, eher irritiert. Oder enttäuscht, je nachdem. Anschließend habe ich den sehr guten Eintrag in der deutschen Wikipedia gelesen um herauszubekommen, was ich alles verpasst habe. Welchen Subkontext ich kennen muss, um den Film zu verstehen. Welcher Art die Beziehungen zwischen den Figuren sind, usw. Alles gut, und was Du schreibst sind ebenfalls spannende und richtige Details, aber trotzdem: Wenn ich mir das Verständnis eines Filmes im Nachhinein anlesen muss, dann bin entweder ich die falsche Zielgruppe, oder ich bin zu dumm, oder der Regisseur wollte zuviel. Das ist dann das, was ich immer mit Bauch und Kopf meine: Wenn ein Film den Kopf anspricht ist das hervorragend und gut und wichtig und wasweißichnoch. Ich liebe Woody Allens ZELIG über alles, und bei Werner Herzogs NOSFERATU weiß ich gar nicht wie oft ich den mittlerweile sah und darin versunken bin. Aber der Bauch ist mir ehrlich gesagt etwas wichtiger. Ich will von einem Film bei den Eiern gepackt werden, weswegen ich ZWEI GLORREICHE HALUNKEN alleweil bevorzuge. Und FOOTSOLDIER ebenfalls. Im günstigsten Fall halten sich diese Elemente die Waage, was dann so in etwa zu IRREVERSIBLE führt …

GILDA hat mich nicht bei den Eiern gepackt (das meine ich jetzt durchaus im doppeldeutigen Sinne). Zuviel Kopf, zu wenig Bauch, und der Striptease reißt es einfach nicht raus. Sorry, Film ist für mich halt in erster Linie Eskapismus, und nicht Philosophie …

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 19:08 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Howard Vernon wrote:
Schmutziger_Maulwurf wrote:
GILDA hat mich nicht bei den Eiern gepackt (das meine ich jetzt durchaus im doppeldeutigen Sinne). Zuviel Kopf, zu wenig Bauch, und der Striptease reißt es einfach nicht raus. Sorry, Film ist für mich halt in erster Linie Eskapismus, und nicht Philosophie …


Volle Zustimmung - auch für mich muss ein Film erst einmal "unmittelbar" wirken, das Mittelbare (also das Reflektieren über den Film[inhalt]) wäre auch für mich, was "danach" erst kommt; allerdings ist ein Film ein Medium, das "laufende Bilder" zeigt und folglich einen Fluss von "Bildzeichen" anbietet, die dann durchaus interpretiert werden können (so käme dann die Philosophie, die Didaktik, die Moral, die moralische Überschreitung etc. hinzu); das "Problem" von GILDA, das Du beschreibst, ist möglicherweise eines, welches eben den historischen Kontrast zwischen der damaligen Aufführung und der heutigen Rezeption beschreibt; ich bin überzeugt, dass das damalige Publikum diese verschleierte Zeichencodierung mit den sexuellen Anspielungen (die Du Dir und ich mir im Hier und Heute erst anlesen musst) "unmittelbar" entschlüsseln konnte, da die Zensur - oder genauer der "Produktionskode" - deutlicheres Darstellen nicht zugelassen hat; es war somit quasi problemlos für die Regisseure gewesen, solch (eigentlich "verbotenen") Themen (der klassische Hollywoodfilm sollte Familien-tauglich sein) in den Filmen unterzubringen (im "Noir": solch ein Code-Wort für "Streetwalker" = Prostituierte, oder "Frauenhasser" = für Homosexueller - siehe beispielsweise Lorres Figur in "The Maltese Falcon"); insofern ist das Ausziehen der Handschuhe in GILDA natürlich ein Code für das komplette Nackt-Sein von Gilda auf der Bühne, was dann auch die übertriebenen Zuschauerreaktionen im Publikum erklärt, die beim Anblick der ausgezogenen Handschuhe ja regelrecht den Verstand verlieren; dem damaligen Zuschauer war dies sicherlich gänzlich klar, während der heutige Zuschauer - der täglich von Nackten im TV etc. umgeben ist - sich erst einmal über dieses merkwürdige Verhalten wundert; ich denke, dass gerade der "Noir" - und ich mag hier vor allem auch die reinen Thriller - ungemein von diesem zeitgenössischen "Filmcode" lebt, aber trotzdem dann auch weiterhin rein an der "Oberfläche" bis in die heutige Zeit hineinwirken kann...

PS: DAS SCHWARZE BUCH finde ich auch ganz hervorragend; der Film vermittelt eine unglaublich bedrückende Stimmung durch seine schattenreichen Bilder...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 22:19 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 7587
Gender: None specified
Dazu habe ich vor 3 Jahren schon einen Thread eröffnet:

https://dirtypictures.phpbb8.de/american-cinema-f38/gilda-charles-vidor-t10586.html

Habe ihn jetzt aber über Google auch nicht gefunden und musste wieder einmal das Forum durchwühlen.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 06.05.2019 23:51 
Offline
User avatar

Joined: 11.2009
Posts: 9126
Location: Liquid Eyes in Cologne
Gender: Male
Verschoben :!: Danke, Sbirro :!:

_________________
"Ein Tittchen hier, ein Fötzchen da, und die Welt sähe wieder rosiger aus." anti
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 07.05.2019 09:58 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Vielen Dank, Sbirro! Google hatte leider nichts ausgespuckt ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 07.05.2019 16:44 
Offline
User avatar

Joined: 03.2011
Posts: 967
Location: zu Hause
Gender: None specified
Mochte den Film beim ersten Sehen auch nicht (obwohl ich auch damals schon Film Noir Fan war), und erkannte auch "nur" einen ordentlichen Studio/Starfilm.
Bei späteren Begegnungen hat sich das aber gewandelt, und es ist inzwischen einer meiner Lieblingsfilme.

Es passiert auf den ersten Blick nicht wirklich etwas (oder gar viel) in dem Streifen, auf den zweiten oder dritten, merkt man aber eventuell doch, dass permanent etwas passiert. Und zwar in den Figuren, die wir beobachten. Da geht es zu wie auf dem Schlachtfeld, auch wenn sie nach außen versuchen möglichst wenig davon zu zeigen.

Der Film Noir kann auch sehr introvertierte Filme hervorbringen, und dies wäre dann einer der zahlreichen, "klareren" Melodramen (wenn auch meiner Meinung nach jeder Noir zunächst einmal und immer ein Melodram ist).

Interessant ist es vielleicht, sich den Film einmal aus der Perspektive anzuschauen, dass Gilda eine ganz normale, harmlose junge Frau ist, und fast alles "an ihr" eine Projektion der Männer um sie herum ist (und bleibt!). Sicher nicht die einzige Perspektive auf diesen Film, aber eine, die die vermeintlichen Twists und Wendungen der Handlung (die ja - wie sich viele zu recht beschweren - eigentlich kaum der Rede wert sind) als Vorstellungswelt der männlichen Figuren entlarvt.

_________________
To please the majority is the requirement of the Planet Cinema. As far as I'm concerned, I don't make a concession to viewers, these victims of life, who think that a film is made only for their enjoyment, and who know nothing about their own existence.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: GILDA - Charles Vidor
PostPosted: 07.05.2019 21:14 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1698
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Dr. Zombi wrote:
Es passiert auf den ersten Blick nicht wirklich etwas (oder gar viel) in dem Streifen, auf den zweiten oder dritten, merkt man aber eventuell doch, dass permanent etwas passiert. Und zwar in den Figuren, die wir beobachten. Da geht es zu wie auf dem Schlachtfeld, auch wenn sie nach außen versuchen möglichst wenig davon zu zeigen.

[...]

Interessant ist es vielleicht, sich den Film einmal aus der Perspektive anzuschauen, dass Gilda eine ganz normale, harmlose junge Frau ist, und fast alles "an ihr" eine Projektion der Männer um sie herum ist (und bleibt!). Sicher nicht die einzige Perspektive auf diesen Film, aber eine, die die vermeintlichen Twists und Wendungen der Handlung (die ja - wie sich viele zu recht beschweren - eigentlich kaum der Rede wert sind) als Vorstellungswelt der männlichen Figuren entlarvt.

Zwei interessante Ansätze. Vielen Dank für die Inspiration!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 10 posts ] 

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker