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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Run, Angel, Run! - Jack Starrett
PostPosted: 17.05.2020 07:22 
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Joined: 07.2013
Posts: 2000
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Run, Angel, Run!
Run, Angel, run!
USA 1969
Regie: Jack Starrett
William Smith, Valerie Starrett, Jeb Stuart Adams, Wally K. Berns, William Bonner, Eugene Cornelius, Lee de Broux, Earl Finn, Ann Fry, Paul Harper, Dan Kemp, Margaret Markov


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OFDB


Für 10.000 Dollar hat Angel seine Kumpels vom Motorradclub verraten – an eine Zeitschrift. So richtig mit Interview und Fotos und allem drum und dran. Das stößt den Brüdern natürlich böse auf und sie wollen ihm ans Leder. Zusammen mit seiner Freundin Laurie flüchtet Angel, bis er in Nordkalifornien zur Ruhe kommen kann. Auf ernsthaftes Drängen Lauries mieten sie sich ein Häuschen, und Angel nimmt eine Stelle als Farmarbeiter bei Dan an, der selber früher Motorrad gefahren ist. Und mal ganz abgesehen davon, dass Angel nach wie vor von Freiheit und Abenteuer träumt, abgesehen davon könnte alles in bester Ordnung sein. Die Rocker allerdings haben die Suche nicht aufgegeben, und auf einer Tanzveranstaltung lernen sie die Tochter von Dan kennen. Und lecken Blut, im wahrsten Sinne des Wortes …

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Eigentlich könnte RUN, ANGEL, RUN! richtig nett sein. So mit Rockern die einen früheren Bruder jagen, mit einer gewissen Anzahl halbnackter Mädchen, mit schweren Maschinen, und mit dem Geruch von Benzin und Freiheit in der Nase. Eigentlich. Uneigentlich ist Angel erstmal ein dämliches Schwein, das viel zu schade und vor allem zu dumm ist für die feine und opferbereite Laurie. Womit die Akzeptanz seitens des Zuschauers schon mal auf eine harte Probe gestellt wird. Die Rocker sind zwar auch keine reinen Kuschelmonster, haben aber mit ihrer unverblümten und raubeinigen Art beim Sympathiewettbewerb eher die Nase vorn. Dumm nur, dass die Typen als Bösewichter charakterisiert werden, was zumindest mir die Entscheidung, wem ich denn nun die Daumen drücken soll, ein wenig schwer gemacht hat.

Noch viel schwerer allerdings wiegt die Entscheidung des Regisseurs, mehr als die Hälfte der Laufzeit mit der Sozialisierung Angels zu füllen. Zuerst fällt der Schnäuzer (offensichtlich hat der Klebstoff nicht gehalten, der Lippenmopp hing eh ein paar mal schief durch die Gegend …), dann gibt es ehrliche und anständige Arbeit, und erst bei den Spießerklamotten, die Laurie ihm schenkt, ist dann der Ofen aus. Essen will er, etwas Ordentliches essen, und nicht so ein Scheiß wie das hier, und mit diesen männlichen Worten nimmt er das neue Kofferradio für Achtzehndollarfuffzig und schmeißt es an die Wand. „Soll ich das hier etwa essen?“
Aber ich schweife ab. Genauso, wie das Drehbuch abschweift und uns erzählt, wie aus einem Rocker ein mehr oder weniger vollwertiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft werden kann: Durch ehrliche und anständige Arbeit (hatten wir das nicht schon mal?) auf einer Farm, durch kräftiges Essen und durch eine glückliche und heile Familie (nämlich die Familie von Dan, in der Angel vollauf integriert wird). Damit der Zuschauer nicht flieht oder die Grundhandlung vergisst, sieht man dann ab und zu wieder die Rocker durch die Gegend fahren, aber das Programm wird dann immer schnell wieder unterbrochen von ehrlichen und anständigen, hart arbeitenden Menschen …

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Was an ANGEL wirklich gefällt ist die Schnitttechnik, die aus dem Film mehr rausholt als eigentlich drin ist: Die Verfolgungsjagd am Bahnhof findet im Split Screen mit bis zu 4 Bildern gleichzeitig statt, und die dadurch entstehende Dynamik ist richtig … dynamisch halt. Szenenwechsel werden fast immer durch schnelle und kurze Schnitte auf die nächste Szene eingeleitet. Nutzt sich nicht ab, und macht als Spannungsmerkmal ordentlich was her. Selbst der Vorspann läuft als Split Screen. Aber mit zunehmender Laufzeit und abnehmender Freiheit Angels wird auch die Filmtechnik immer konservativer, was zwar perfekt zueinander passt, aber leider auch den Spaß etwas einschränkt.
Und trotz aller fortgeschrittener Filmtechnik gibt es dann halt auch Szenen, wo man ebenfalls ganz schnell fortschreiten möchte: Wie schafft man sich eine große Gruppe Rocker vom Hals, die hinter einem her fahren? Man erklärt einem(!) Motorrad-Cop, dass man sich belästigt fühlt, und prompt wird die Biker-Kavalkade von dem Chip sauber in Schach gehalten. Wahnsinn! Wenn das so einfach geht!! Und wer bitte schön kam auf die Idee, das Verhältnis zwischen Chrom, Benzin, Leder und Freiheit durch eine Schmuseballade von Tammy Wynette musikalisch zu untermalen …?

Bleibt als Fazit, dass ANGEL durchaus unterhält, aber der große Wurf ist das nicht. Zu viel Leerlauf, zu wenig Action, und zu viel Biedermeiertum, um ein zweites Mal im Player zu landen. Im Kino allerdings wäre der, bedingt durch die Split Screens, wahrscheinlich ein echtes Erlebnis.

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5/10

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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