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 Post subject: SCHWARZER TOD - Sheldon Larry
PostPosted: 08.09.2014 19:59 
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SCHWARZER TOD

● BLACK DEATH / QUIET KILLER / SCHWARZER TOD (US|F|CDN|1992) [TV]
mit Kate Jackson, Al Waxman, Jeffrey Nordling, Jerry Orbach, Chip Zien, Barbara Williams, David Hewlett und Howard Hesseman
eine Produktion der CTV Television Network | Saban | Sunrise Films | Téléfilm
ein Film von Sheldon Larry


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»Entfernen Sie so schnell wie möglich die Organe!«

Die junge Sara (Kathleen Robertson) tritt die Heimreise nach New York an, da sie sich nicht sehr wohl fühlt. Bereits während ihres Rückfluges verschlechtert sich ihr Zustand und zu Hause kommt es neben permanentem Reizhusten nach zwei Tagen zu blutigem Auswurf und Exanthemen. Mit letzter Kraft schleppt Sara sich in ein Krankenhaus wo man sie nur anonym behandeln kann, bis sie wenig später verstirbt. Die Gesundheitsbehörde wird informiert und deren Chef-Epidemiologin Dr. Nora Hart (Kate Jackson) veranlasst alles Nötige. Bei der Obduktion der Leiche kommt es zu einer grauenhaften Gewissheit: Sara war mit dem Erreger Yersinia pestis infiziert worden. Fortan entsteht eine verzweifelte Suche nach den Personen, die mit dem Mädchen in Kontakt waren und Dr. Hart empfiehlt dem Bürgermeister der Stadt (Al Waxman) den Ausnahmezustand zu verhängen. Doch er und sein Berater (Tom Mardirosian) spielen die Situation zunächst als isolierten Fall herunter, außerdem steht der Wahlkonvent vor der Tür, vor dem man sich unter keinen Umständen einen unnötigen Skandal erlauben kann. In der Zwischenzeit kommt es zu immer mehr Fällen von Infizierungen und Toten, so dass es unmöglich erscheint, die Gefahr der potentiellen Ansteckungen einzudämmen. Als auch noch die Presse auf die Pest-Toten aufmreksam wird, spitzt sich die nervöse Spannung zu und es gibt erste Ausschreitungen...

Gemessen daran, dass es sich bei Sheldon Larrys "Der schwarze Tod" lediglich um eine TV-Verfilmung handelt, muss man diesem kleinen Medizin-Thriller nicht nur große Ambitionen bescheinigen, sondern es handelt sich um einen wirklich ernstzunehmenden Beitrag im Dunstkreis derartiger Genre-Vertreter. Die Regie setzt auf eine durchgehend nervöse Grundspannung und vergisst dabei nie, dem Zuschauer eine variantenreiche Abhandlung zu bieten. Man wird mit einer buchstäblichen Horror-Version konfrontiert, die hier ohne großartige Effekte auszukommen hat und eher im Bereich der Emotionen zahlreicher Protagonisten greifbare Gesichter bekommt. Die harten Schocks werden daher über beteiligte Personen gesetzt und sporadisch in drastisch wirkenden Szenen festgehalten. Die Arbeit der Gesundheitsbehörde wird packend und überaus eindringlich geschildert, so dass das Zeitdiktat der Regie nahezu schraubzwingenartig zuschnappt. Ein junges Mädchen ist in der Klinik verstorben und dort ahnt man nicht, welche Katastrophe sich aufzubäumen droht. Auch der Weg dort hin wird ziemlich eindringlich geschildert, man sieht wie sich die Konstitution des Mädchens von Tag zu Tag verschlechtert, bis es schließlich zu blutigem Auswurf kommt. In der Notaufnahme behandelt man sie wie einen der üblichen, bedauerlichen Drogen-Fälle und der Kreis der Kontaktpersonen wird immer größer. Zum ersten großen Schockmoment kommt es bei der Sektion der Leiche, als die Pathologen, die sich bei der anwesenden Chef-Epidemiologin Dr. Hart noch lauthals über die unbequeme Schutzkleidung beklagen, einige Knoten feststellen und zu dem Schluss kommen, dass es sich nur um einen einzigen Knoten handeln muss, der den Körper der Toten durchzieht. Dr. Hart ordnet die weitere Vorgehensweise an und der Verlauf kommt in Schwung. Es entsteht ein spannungsgeladenes Tempo, da man mit vielen Widerständen, und unterschiedlichen Interessengemeinschaften zu kämpfen hat. In der Zwischenzeit wird der schnelle Ablauf mit vielen weiteren Pest-Kranken forciert, und die Stadt steht vor der Katastrophe. Interessant ist, dass es im Produktionsjahr in den USA tatsächlich noch wenige Pest-Erkrankungen gegeben hat, zumal es sich um eine Epidemie handelt, die man hauptsächlich im Mittelalter lokalisiert.

"Der schwarze Tod" greift binnen kürzester Zeit nach immer mehr Opfern, was in beunruhigenden Bildern gezeigt wird. Die Brisanz des Themas wird durch die Ignoranz gewisser Personen herunter gespielt, die sich angesichts des bevorstehenden Wahlkonvents in Manhattan keinen unbequemen Skandal erlauben können. Dr. Hart und ihr Team arbeiten unermüdlich, Tag und Nacht, Stunde um Stunde, doch die Situation scheint immer mehr außer Kontrolle zu geraten. Kate Jackson macht in der Rolle der Verantwortlichen eine überaus ansprechende Figur, sie wirkt versiert, kompetent und resolut, aber auch besorgt, zerbrechlich und menschlich. Von offizieller Seite muss sie der Öffentlichkeit und der Presse eine hochgradig infektiöse Lungenentzündung auftischen, um Panik, Eskalationen oder schlicht und einfach Unannehmlichkeiten zu vermeiden. In vielerlei Hinsicht stoßen die Beteiligten an ihre physischen und mentalen Grenzen was von der Regie sehr eindringlich in Szene gesetzt wird. Vor allem die tragische Komponente macht diesen Film nicht nur zu einem beunruhigenden, sondern auch zu einem authentischen Beitrag. Auch gibt es offen zur Schau getragene Kritik an bestimmten gesellschaftlichen und politischen Strukturen, sowie an rücksichtslosen Interessengemeinschaften, so dass ein sehr hoher Realitäts-Transfer vermittelt wird. Die Dokumentation der medizinischen Aspekte wird von der Regie recht exponiert in den Vordergrund gestellt und man bekommt demnach verständliche und versierte Erklärungen geboten, die als Hintergrundinformationen für die Bekämpfung der potentiellen Epidemie vollkommen ausreichen, ohne allerdings zu weit zu führen. Die Atmosphäre ist stets dicht und es macht sich ein Gefühl von Unberechenbarkeit und schleichender Ohnmacht breit, was die Spannung garantiert und das Tempo begünstigt. Da der Film klar auf ein bestimmtes Ziel hin aufgebaut wurde, kommt es natürlich auch zu einem packenden Finale, das den ohnehin positiven Gesamteindruck nur bestätigt. Insgesamt ist "Schwarzer Tod" einer der besseren Medizin- oder Katastrophen-Thriller geworden, der sein TV-Gewand zwar nicht verbergen kann, aber etliche Konkurrenten in die Schranken verweisen darf. Das Ganze ist insgesamt sehr gelungen und hat nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren.


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