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 Betreff des Beitrags: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 22.11.2015 22:48 
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Brigitte Mira   El Hedi ben Salem   in

ANGST ESSEN SEELE AUF

● ANGST ESSEN SEELE AUF (D|1974)
mit Irm Hermann, Elma Karlowa, Anita Bucher, Gusti Kreissl, Doris Mathes, Margit Symo, Katharina Herberg, Lilo Pempeit und Barbara Valentin
und Peter Gruhe, Marquard Bohm, Walter Seldlmayr, Hannes Gromball, Hark Bohm, Karl Scheydt, Kurt Raab sowie Rainer Werner Fassbinder
eine Tango Film Produktion | im Verleih Filmverlag der Autoren
ein Film von Rainer Werner Fassbinder


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»Ach, sowas verläuft sich!«


Die verwitwete Putzfrau Emmi Kurowski (Brigitte Mira) lernt in einer Bar den wesentlich jüngeren Gastarbeiter Ali (El Hedi ben Salem) kennen, der sie zum Tanz auffordert und anschließend nach Hause begleitet. Aus diesem zufälligen Treffen entwickelt sich eine Liaison, bis sich die beiden entschließen zu heiraten. Während die über 60jährige Frau ihr spätes Glück kaum fassen kann, wird sie zusehends mit der massiven Ablehnung ihres Umfeldes konfrontiert, die von Vorurteilen und Beleidigungen geprägt ist. Ob aus der eigenen Familie, unter Kollegen oder aus der Nachbarschaft, es gibt nur zu kritische Blicke und verletzende Worte für das frisch verheiratete Paar. Obwohl der externe Druck nach einer gewissen Zeit nachlässt, entstehen neue Probleme, denn Ali lässt sich wieder mit seiner alten Affäre Barbara (Barbara Valentin) ein und alle Außenstehenden scheinen die Lage insofern richtig eingeschätzt zu haben, dass die Ehe von vorne herein zum Scheitern verurteilt gewesen ist...

Nach über zwanzig Filmen von Rainer Werner Fassbinder entstand dieses Melodram mit dem Arbeitstitel "Alle Türken heißen Ali", das schließlich unter dem bekannten Titel "Angst essen Seele auf" internationale Beachtung erlangte und mit mehreren Preisen bedacht wurde. Die Geschichte mit der beeindruckenden Erzählstruktur rund um die Putzfrau jenseits der 60 beginnt auf der Basis von Neugierde und nimmt einen Verlauf, auf den man abwechselnd gerührt, aber auch immer wieder schockiert blicken wird, denn die Dinge werden ungeschönt und in erschütternder Prosa dokumentiert, obwohl Brigitte Mira immer wieder für eine feinfühlige Poesie ganz nach ihren eigenen Regeln sorgen kann. Bei der ersten Begegnung mit Ali, den viele aufgrund seines komplizierten Namens lediglich nur so nennen, findet man sich als Zuschauer zunächst bei den Gästen der Bar wieder, die das ungleiche Paar mit ihren ungläubigen und spöttischen Blicken beim Tanz mustern. Auch die nahezu einfältige Art, und die damit verbundene Sicht auf die Dinge Brigitte Miras, verführt einen für einige Momente dazu, in klassischen Klischees zu denken, sich an bestehende Vorurteile heranzuhängen, doch wenn sich alles erst einmal gesetzt hat denkt man sich, ob die Welt und der Umgang untereinander nicht um ein Vielfaches besser wäre, wenn doch nur alle so einfältig wären. Fassbinder setzt auf eine merklich kritische Geschichte, insbesondere im Rahmen der Dialoge und Kommentare, Verhaltensweisen und Stereotype, um aber schließlich wieder alles durch die entwaffnende Darbietung von Brigitte Mira zu neutralisieren. Das Thema ist brisant, um nicht zu sagen zeitlos und aus diesem Grund auch leider immer aktuell. Dieser Beitrag schildert einige Facetten der Angst, der Qual, der bevorstehenden Resignation, und wird zu einem der unzähligen Gesichter der Vorurteile und des Hasses. Dass es sich dem Vernehmen nach ja stets lohnen soll, für sein persönliches Glück zu kämpfen, wird hier mit schweren Steinen im Weg gestört, sodass Emmi und Ali drohen, unter dem Druck von außen und unter der schweren Last, die sich aus dem Zusammensein entwickelt, zusammenbrechen.



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Man mag zu Brigitte Miras üblicher Auffassung zu interpretieren stehen wie man will, aber in Fassbinders Beitrag läuft die 1910 in Hamburg geborene Wahl-Berlinerin zur Höchstform auf und präsentiert feinfühlige Facetten ihres manchmal doch zu festgelegten Repertoires. Die Kamera sucht Nahaufnahmen von Emmis offensichtlich vom Leben gezeichneten Gesichts, ihre Augen sagen in vielen Situationen mehr als alle Worte, aber sie demonstriert auch Stärke und Kampfwillen. Diese Eigenschaften sind mehr als nötig, da sie es gewöhnt ist, funktionieren zu müssen, ob auf der Arbeit oder im Rahmen ihrer Familie. Plötzlich wirft sie die Gesetze ihres bisherigen Lebens über den Haufen und stößt daher auf hohe Widerstände. In der eigenen Familie erntet sie beispielsweise Verachtung und Verständnislosigkeit, ihre drei Kinder reagieren dem Augenschein zwar unterschiedlich, unterm Strich allerdings vollkommen gleich. Als sie ihren Kindern eröffnet, dass sie geheiratet habe, und vor allem wen, zuckt man nervös bei den folgenden Reaktionen zusammen und als ihr eigener Sohn sie auch noch eine »alte Hure« nennt, mit der er nichts mehr zu tun haben will, kann man es als Zuschauer kaum fassen. Es werden viele Tränen fließen, bis die Protagonistin keine mehr zu haben scheint. Fast unbemerkt kommt es zu gedanklichen Kehrtwendungen, die der Auffassung des Umfeldes angepasst sind, sodass sie ihren Mann wieder in die Arme seiner ehemaligen Affäre treibt, die grandios von Barbara Valentin gezeichnet wird. El Hedi ben Salem reiht sich in den Kreis der besonderen Leistungen ein, man bekommt allerdings keinen makellosen Helden der Tragik geboten, sondern einen Mann der wie jeder andere auch seine Fehler hat. Diese Tatsache kommt dem Verlauf sehr zugute, da man nicht den Eindruck vermittelt bekommt, dass es sich lediglich um eine Fließbandgeschichte über die armen Opfer der Gesellschaft handelt. "Angst essen Seele auf" will in dieser Beziehung eindeutig mehr, und beide Seiten der Medaille durchleuchten. Fassbinder setzt auf Stammschauspieler wie beispielsweise Irm Herrmann, die hier Christa, die Tochter von Emmi spielt.



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Mit ihrem Mann, gespielt von Rainer Werner Fassbinder himself, lebt sie in einer Art gesellschaftlichen Steinzeihöhle, in der man zwischen »hol mir ein Bier« und »gleich fängste dir eine« nicht viel zu hören bekommt. Irm Hermann liefert sich nette Wortspitzen mit ihrem Regisseur und sie glänzt wie immer durch ihre Anpassungsfähigkeit. Walter Sedlmayr gibt wie so oft den engstirnigen Bajuwaren aus dem Klischee-Bilderbuch, der Vorurteile nicht nur lauthals weiter trägt, sondern sie obendrein auch noch permanent neu zu erfinden scheint. Elma Karlowa als neugierige Nachbarin mit ausländerfeindlichen Parolen überrascht in einer Charakterrolle, vor allem da man sie eher aus dem leichten Unterhaltungssektor kennt, und diese Beispiele stellen mit den restlichen Darstellern eine Auslese dar, die dem Film einen zusätzlichen Schliff geben werden. Als sich das Umfeld an die ihrem Empfinden nach unmögliche Situation gewöhnt hat, kommt es zu Kehrtwendungen, was der Normalität entspricht. Wenn die Leute an den Punkt kommen, an dem sie merken, dass sie mit ihrer Strategie nicht weiter kommen, muss aus dieser Duldung der Gegebenheiten wenigstens noch ein wenig Profit geschlagen werden. So kriecht zum Beispiel ein Sohn von Emmi zu Kreuze, da sie ja vielleicht auf die kleine Tochter aufpassen könnte, weil seine Frau nun wieder arbeiten geht. Der Ladenbesitzer von Nebenan nimmt das Hausverbot zurück, da sie ihm als kauffreudige Kundin dann doch besser gefallen hat und die Nachbarinnen sprechen wieder mit der Frau, die bis vor kurzem noch gemieden wurde, da sie den größten Stellplatz im Keller besitzt, den man sich ja eventuell teilen, und ihr starker Mann die Möbel gleich herunterschleppen könnte. Auf der Arbeit sieht man das gleiche Prinzip und Emmis Kolleginnen schneiden sie nicht mehr, da ja ab sofort eine Ausländerin das Team bereichert, die nun wichtigeren Gesprächsstoff liefert. Kleinbürgertum deluxe, und Reiner Werden Fassbinder bringt es erneut sehr präzise auf den Punkt. "Angst essen Seele auf" ist Charakterstudie und Appell in einem geworden, und man empfindet es so, als sei die Geschichte nicht nur simuliert worden zu sein, daher wirkt der Beitrag wie ein Stück kalte Realität, außerdem wie ein Beleg dafür, dass man doch wesentlich mehr auszuhalten vermag, als man sich eigentlich vorstellen kann.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 23.11.2015 07:12 
Der allereinszige Fassbinder Film den ich richtig gut finde. Ein unglaublich geiler Film.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 23.11.2015 18:46 
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italo hat geschrieben:
Der allereinszige Fassbinder Film den ich richtig gut finde. Ein unglaublich geiler Film.

Vom einzigen würde ich bei mir jetzt zwar nicht sprechen, aber sicherlich auch vom besten, den ich bislang von Fassbinder gesehen habe. Ich dachte ja, dass ich nach diesem erneuten Einstieg in die Materie ein paar weitere Filme anschauen könnte, doch nach "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" ist jetzt erst einmal wieder Schluss. Schlecht war der jetzt zwar nicht, aber ich finde zahlreiche RWF-Filme eigentlich ziemlich anstrengend, nicht zuletzt wegen der Serialität. Vielleicht liegen deswegen noch so viele seiner Filme ungesehen hier herum, sogar noch aus VHS-Zeiten. :lol:



Hier noch ein Trailer zu "Angst essen Seele auf", fan-made und sehr gelungen, wie ich finde!

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 23.11.2015 22:54 
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Prisma hat geschrieben:
Ich dachte ja, dass ich nach diesem erneuten Einstieg in die Materie ein paar weitere Filme anschauen könnte, doch nach "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" ist jetzt erst einmal wieder Schluss.
Vielleicht auch ein relativ anstrengender Film zum (Wieder-)Einstieg. Aber es gibt schon eine ganze Reihe von sehr sehenswerten Werken:

WELT AM DRAHT: Science-Fiction-Zweiteiler mit bombiger Besetzung
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


FAUSTRECHT DER FREIHEIT: Armer Schlucker wird reich und von der schwulen
High Society ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Im Anschluss an ANGST
ESSEN SEELE AUF zu empfehlen und auch ein eher "einfacher" Film:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


LOLA: Satire auf die Fünfzigerjahre mit einem herrlich aufspielenden Mario Adorf.
Müsste hier im Forum eigentlich auch Anhänger finden, schon seines Stils wegen
(Farben wie bei Bava/Argento), aber ist halt ein RWF, also quasi "verboten" ;)
www.youtube.com Video From : www.youtube.com



CHINESISCHES ROULETTE: Das reinste Kamera-Festspiel, bei dem sich Michael
Ballhaus mal so richtig ausleben durfte. Die Story: Mann und Frau treffen sich
ungewollt mit ihren Liebhabern auf ihrem Landsitz (was die behinderte Tochter
arrangiert hatte). Artifizielles, ganz großartiges Drama mit der Ausstrahlung
eines Kühlschranks. Gewisse Plot-Ähnlichkeiten könnten als Experiment ein
Double Feature mit der KOMMISSAR-Folge "Blinde Spiele" lohnen. Mit Anna
Karina (ALPHAVILLE) und Macha Meril (MÄDCHEN IN DER KRALLEN ...).
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


DESPAIR: Ebenfalls sehr künstlerisch, aber u.a. wegen Dirk Bogarde absolut
sehenswert. Deutsche und französische Blu-ray mit Top-Bonusmaterial!
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 23.11.2015 23:37 
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Viele Italofans fangen ja mit "Whity" an, weil das ja quasi ein "Italowestern" von Fassbinder war. Ich weiß aber immer nicht, ob das so eine gute Idee ist. Er ist neben seinen deutlich späteren Filmen, mit einer der filmischsten Produktionen (etwas weniger gefilmtes Theater), aber dennoch ganz schön anstrengend. Ich empfehle immer ganz gerne "Die Ehe der Maria Braun", das ist für mich so eine Art Meta-Fassbinder, der alles Gute an seinen Filmen zusammenfasst.

Was mich immer fasziniert, er war ja schon ein ziemlicher Chaot und lebte als gäbe es kein Morgen. Wenn er aber bei den Dreharbeiten war, muss er unglaublich diszipliniert gewesen sein. Ganz akkurate Vorbereitungen, viele Filme unter Budget und unter geplanter Drehzeit fertig gestellt.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 00:39 
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tomasmilian hat geschrieben:
Aber es gibt schon eine ganze Reihe von sehr sehenswerten Werken

Dann danke ich dir zunächst mal für die Tipps, von den vorgestellten Filmen kenne ich nämlich noch keinen, aber die "Lola" habe ich schon einmal ungesehen hier herumliegen. :D

Michael hat geschrieben:
Ich empfehle immer ganz gerne "Die Ehe der Maria Braun", das ist für mich so eine Art Meta-Fassbinder, der alles Gute an seinen Filmen zusammenfasst.

Den Film habe ich auch auf DVD hier und dreimal darf geraten werden... Auch noch nicht gesehen. Ist sogar noch eingeschweißt! :lol:

Ich denke mal, dass ich mir zumindest die beiden in absehbarer Zeit noch anschauen werde, immerhin sind in beiden Filmen einige Schauspieler dabei, die ich ja sehr gerne sehe, wie beispielsweise Mario Adorf, Karin Baal, Ivan Desny, Christine Kaufmann oder Gisela Uhlen. Ist vermutlich auch der Grund gewesen, warum ich mir die Filme überhaupt angeschafft habe. Da werde ich die Hanna Schygulla und Barbara Sukowa schon irgendwie verkraften können, mit denen ich wirklich überhaupt nichts anfangen kann. Generell kann ich aber sagen, dass ich etliche Filme von Fassbinder zumindest potentiell auf meiner Tagesordnung sehe, weil mich der deutsche Film eben sehr interessiert, und ich mir daher auch alles gerne anschaue, auch wenn es bei ihm bislang nur ein paar Stichproben waren.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 00:49 
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Michael hat geschrieben:
Viele Italofans fangen ja mit "Whity" an, weil das ja quasi ein "Italowestern" von Fassbinder war. Ich weiß aber immer nicht, ob das so eine gute Idee ist.
Nein, das wohl eher nicht. Kann man auch im Doppelpack mit WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE sehen, der die Dreharbeiten zu WHITY als Vorlage nahm. Ohne Hintergrundlektüre dazu (am besten durch Bücher von Weggefährten wie Harry Baer oder Peter Berling) wird das Verständnis aber gerade für Neueinsteiger eher spärlich bleiben.

Michael hat geschrieben:
Wenn er aber bei den Dreharbeiten war, muss er unglaublich diszipliniert gewesen sein. Ganz akkurate Vorbereitungen, viele Filme unter Budget und unter geplanter Drehzeit fertig gestellt.
Dem Vernehmen nach mit einem phänomenalen Gedächtnis ausgestattet sowie der Fähigkeit, beim Drehen schon in Bild- und Schnittfolgen zu denken. Nachdem das Koks Einzug hielt, müssen diverse Dreharbeiten allerdings teilweise schon sehr gelitten haben (BOLWIESER, MARIA BRAUN).

Fassbinder plante übrigens mit "Dingus" auch noch einen zweiten Western, aus dem allerdings nichts wurde – ebenso wie aus einem TATORT-Krimi, der im Bundesliga-Milieu spielen sollte. Zur Lektüre würde ich (auch aus Italo-/Euro-Perspektive) das Buch "Die 13 Jahres des Rainer Werner Fassbinder" von Peter Berling empfehlen – das ist der Mann in der Hängematte aus dem Bonusmaterial der DVD von DAS SYNDIKAT (falls der Name jemandem nichts sagen sollte).

Berling erzählt darin nicht nur viel von Fassbinder, sondern auch einiges von seinen eigenen Erlebnissen beim Film. In Italien ebenso wie im südamerikanischen Dschungel mit Herzog und Kinski. Er berichtet, wie Fassbinder-Lebensgefährte Armin Meier während einer Italienreise mit Florinda Bolkan (wenn ich mich korrekt erinnere) in der Küche einer Nobelvilla Joints baut, und andere Anekdoten aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ein sehr unterhaltsames Buch, kann ich nur empfehlen.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 09:26 
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Danke für den thread.
Wollte den Film schon immer mal sehen und immer wieder vergessen.
Gestern Abend zum ersten mal geschaut und ich war überwältigt.
Der Film ging mir richtig nah. Vor allem wegen Brigitte Mira die einfach klasse spielt.

Wens interessiert: Habe bei Wikipedia gelesen, dass der Darsteller von "Ali" schon 3 Jahre nach den Dreharbeiten im Gefängnis starb, nachdem er einen Juwelier ausgeraubt hatte. Er war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten der Lover von Fassbinder.

_________________
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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 18:14 
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tomasmilian hat geschrieben:
Zur Lektüre würde ich (auch aus Italo-/Euro-Perspektive) das Buch "Die 13 Jahres des Rainer Werner Fassbinder" von Peter Berling empfehlen – das ist der Mann in der Hängematte aus dem Bonusmaterial der DVD von DAS SYNDIKAT (falls der Name jemandem nichts sagen sollte).

Berling erzählt darin nicht nur viel von Fassbinder, sondern auch einiges von seinen eigenen Erlebnissen beim Film. In Italien ebenso wie im südamerikanischen Dschungel mit Herzog und Kinski. Er berichtet, wie Fassbinder-Lebensgefährte Armin Meier während einer Italienreise mit Florinda Bolkan (wenn ich mich korrekt erinnere) in der Küche einer Nobelvilla Joints baut, und andere Anekdoten aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ein sehr unterhaltsames Buch, kann ich nur empfehlen.

Vielen Dank für den Tipp!! Peter Berling fasziniert mich schon seit Jahren, nicht nur wegen seiner Romane, sondern auch gerade wegen seiner Filmarbeit (u.a. mit Werner Herzog). Das Buch werde ich gleich mal bestellen ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 20:30 
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Belmondo hat geschrieben:
Danke für den thread.
Wollte den Film schon immer mal sehen und immer wieder vergessen.
Gestern Abend zum ersten mal geschaut und ich war überwältigt.
Der Film ging mir richtig nah. Vor allem wegen Brigitte Mira die einfach klasse spielt.

Wens interessiert: Habe bei Wikipedia gelesen, dass der Darsteller von "Ali" schon 3 Jahre nach den Dreharbeiten im Gefängnis starb, nachdem er einen Juwelier ausgeraubt hatte. Er war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten der Lover von Fassbinder.



Der Film spielt perfekt auf der Klaviatur der Gefühle. Ganz grosses Kino! RWF soll El Hedi ben Salem wohl etwas unschön 'abserviert' haben, woraufhin er abgestürzt ist . . . so sagt man . . .

Noch etwas besser gefällt mir "Martha", der auch "Neueinsteigern" ins Fassbinderuniversum sehr zu empfehlen ist. :burns:


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 20:38 
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tomasmilian hat geschrieben:
Dem Vernehmen nach mit einem phänomenalen Gedächtnis ausgestattet sowie der Fähigkeit, beim Drehen schon in Bild- und Schnittfolgen zu denken. Nachdem das Koks Einzug hielt, müssen diverse Dreharbeiten allerdings teilweise schon sehr gelitten haben (BOLWIESER, MARIA BRAUN).

Also zumindest "Berlin Alexanderplatz" lief wohl wie am Schnürchen.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 24.11.2015 23:30 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Vielen Dank für den Tipp!! Peter Berling fasziniert mich schon seit Jahren, nicht nur wegen seiner Romane, sondern auch gerade wegen seiner Filmarbeit (u.a. mit Werner Herzog). Das Buch werde ich gleich mal bestellen ...

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Berling hat für den Leser den unschätzbaren Vorteil, dass er gerne ungeniert auch das erzählt, was andere ausblenden. Er ist einfach eine wandelnde Sammlung von Anekdoten. Anbei ein Scan: Berling besucht "RWF" in München, Udo Kier spielt das Hausmütterchen und darf kochen, bis Berling das Weite sucht und lieber bei Dieter Geissler (MALASTRANA) zum Forellenessen vorbeischaut. Mahlzeit! ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 30.11.2015 15:47 
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So, ich habe mich mal an den Empfehlungen orientiert und mir zunächst "Die Ehe der Maria Braun" angeschaut. Der Film hat mir ziemlich gut gefallen, selbst Hanna Schygulla fand ich wider erwarten ja nahezu beeindruckend. Es bleibt jedoch so, dass ich mir nicht viele Fassbinder-Beiträge hintereinander ansehen kann. "Die Sehnsucht der Veronika Voss" habe ich unmittelbar danach zwar angefangen, dann aber lieber auf irgendwann verschoben, auf einen Zeitpunkt der günstig ist, also wenn ich mal wieder wirklich Lust drauf habe. "Angst essen Seele auf" hingegen könnte ich mir direkt nochmal anschauen. Der hatte irgendwas, was ich bei den bislang gesehenen Beiträgen vermisst habe.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 30.11.2015 19:17 
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Prisma hat geschrieben:
[align=justify]So, ich habe mich mal an den Empfehlungen orientiert und mir zunächst "Die Ehe der Maria Braun" angeschaut.


Ich will nicht aufdringlich erscheinen, möchte hier aber noch mal "Martha" anbringen. Ich nehme an, dass du den schon gesehen hast?! Dieses Portrait einer unselbstständigen Frau, die langsam dem Wahnsinn verfällt, ist für mich ein absoluter Höhepunkt deutschen "Horrorkinos". Karlheinz Böhm spielt begnadet widerlich - unglaublich! Die Kameraarbeit von Ballhaus ist legendär - "360 - Kamerafahrt"!
Witzig ist die Angabe, die Margit Carstensen auf die Frage zu ihrer Adresse macht: Detlef Sierk Strasse . . . ;)


Zuletzt geändert von Jimmy Stewart am 01.12.2015 12:20, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 30.11.2015 20:35 
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Jimmy Stewart hat geschrieben:
Prisma hat geschrieben:
[align=justify]So, ich habe mich mal an den Empfehlungen orientiert und mir zunächst "Die Ehe der Maria Braun" angeschaut.


Ich will nicht aufdringlich erscheinen, möchte hier aber noch mal "Martha" anbringen. Ich nehme an, dass du den schon gesehen hast?! Dieses Portrait einer unselbstständigen Frau, die langsam dem Wahnsinn verfällt, ist für mich ein absoluter Höhepunkt deutschen "Horrorkinos". Karlheinz Böhm spielt begnadet widerlich - unglaublich!

Der Sonnenbrand! :o

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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 30.11.2015 21:54 
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Als vor einiger Zeit die 2 DVD-Sets der Fassbinder-Collection von E-M-S für durchschnittlich 3 € verramscht wurden, war "Angst", so schien es mir, der beliebteste Titel, den alle Interessenten haben wollten.
Der Film ist wohl in den Köpfen vieler Filmbegeisteter verankert - auch wenn sie normalerweise mit RWF nicht soviel anfangen können. Aber der Filmtitel, die Hauptdarstellerin und weitere Elemente machen ihn "unvergesslich".

Persönlich gefällt mir "Die Sehnsucht der Veronika Voss" (1982) noch etwas besser. Nicht ganz unschuldig daran ist meine Faszination für die legendäre UFA-Schauspielerin Sybille Schmitz (Vampyr), welche hier die ultimative Hommage erfährt.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 30.11.2015 23:45 
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Jimmy Stewart hat geschrieben:
Ich will nicht aufdringlich erscheinen, möchte hier aber noch mal "Martha" anbringen.

Na gut, dann werde ich mich auch noch dieser Empfehlung beugen. :D
Habe ich nämlich noch nicht gesehen, wie eben die meisten Fassbinder-Filme.
Klingt deiner Beschreibung nach aber recht vielversprechend.


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 01.12.2015 17:35 
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"Händler der vier Jahreszeiten" ist mein Fassbinderfavorit (9/10)! Auch nicht also anstrengend; für RWF Einsteiger sehr zu empfehlen! AeSa kommt bei mir auf Platz 2. Ein Klassiker, den man immer wieder anschauen kann (8.5/10).


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 Betreff des Beitrags: Re: ANGST ESSEN SEELE AUF - Rainer Werner Fassbinder
BeitragVerfasst: 01.12.2015 19:38 
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Bin jetzt kein besonderer Fassbinder-Fan, habe aber dennoch so um die 20 Filme von ihm gesehen. Finde eigentlich immer wieder sehenswerte und auch tolle Sachen bei ihm. Jeden Tag wuerde ich die aber auch nicht gucken wollen.

Meine bisherigen Favoriten:

01. Satansbraten
02. Effi Briest
03. Haendler der Vier Jahreszeiten
04. Martha
05. Die Ehe der Maria Braun
06. Angst vor der Angst

_________________
To please the majority is the requirement of the Planet Cinema. As far as I'm concerned, I don't make a concession to viewers, these victims of life, who think that a film is made only for their enjoyment, and who know nothing about their own existence.


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