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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 24.06.2017 12:29 
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Der Fluch
Deutschland/Österreich 1988 - Directed by Ralf Huettner
Starring: Dominic Raacke, Barbara May, Romina Nowack, Ortrud Beginnen, Eva Ordonez, Tobias Moretti...


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"Die Kinder kommen wieder.
Der Wald wird schreien,
und die Herzen werden kalt sein.
Sie kommen wieder,
und dann...
und dann..."


Es geht in die Berge. Ein kleiner Ausflug in die idyllische Natur rund ums Silberhorn. Wandern, die frische Luft und den Ausblick genießen, dem Streß entfliehen, die Seele baumeln lassen. Vor einigen Jahren, im frühen Frühling ihrer Beziehung, waren Rolf (Dominic Raacke) und Rita (Barbara May) bereits einmal hier. Spazierten über die grünen Wiesen und durch die dichten Wälder, legten bei der alten, halb verfallenen Kapelle in den Bergen eine ausgiebige Pause ein, nutzten das heilige Fleckchen als Liebesnest. Vielleicht wurde ihre inzwischen sechsjährige Tochter Melanie (Romina Nowack) ja sogar damals gezeugt; zeitlich würde es in etwa passen. Leider scheint die kleine Bergtour unter keinem guten Stern zu stehen. Bei der Anfahrt umkurvt Rolf ungeschickt die geschlossene Schranke, um sich die zehn Mark Parkgebühr zu sparen, wobei sich Ritas Kaffee über ihr Shirt ergießt. Und Melanie hatte am Vorabend, als sie mit dem Rad nach Hause fuhr, eine Begegnung mit einer geisterhaften Erscheinung, welche sie widerstandslos passierte, bevor sie mit einer älteren Frau (Ortrud Beginnen) zusammenstieß, die ihr, als sie davonrannte, verwirrt und verängstigt hinterherrief: "Was ist das für ein Kind?"

Tatsächlich verhält sich Melanie, die sowieso ein aufgewecktes Mädchen ist und ihre unmittelbare Umgebung bisweilen furchtbar nervt, zunehmend seltsamer. Das Gebirge scheint sie magisch anzuziehen, anstatt umzukehren will sie weiter hinaufgehen, und obwohl sie noch nie in dieser Gegend war, scheint sie sich recht gut auszukennen. Außerdem manipuliert sie einen Wegweiser (sie dreht ihn frech in eine andere Richtung) und versteckt die Wanderkarte ihrer Eltern, woraufhin sie sich prompt verirren. Und sie stellt Fragen. Sonderbare Fragen, für ein Kind ihres Alters. Wie zum Beispiel:

"Warum bin ich auf der Welt?"
"Gibt es da oben jemanden, der auf uns aufpaßt?"
"Wo kommen eigentlich die toten Kinder hin?"


Als die Nacht hereinbricht und Rita aufgrund eines wundgescheuerten Fußes nicht mehr weitergehen kann, sucht die Familie Zuflucht in einer alten Hütte. Kurz darauf entdeckt Melanie in der Nähe ein totes, ihr frappant ähnelndes Mädchen, das offenbar vor vielen Jahren gestorben, im Gletschereis konserviert ("Im Eis gibt's keine Zeit") und eben erst wieder freigegeben wurde. Die folgenden Stunden und Tage entwickeln sich für die Drei zu einem Alptraum, zu einem Auf und Ab der Gefühle. Ein stetiges Schwanken zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Freude und Schrecken, zwischen Erleichterung und Ohnmacht.

Das Grauen kommt auf leisen Sohlen. Äußerst subtil, fast nicht bemerkbar, schleicht sich das Unheimliche ins Geschehen, wie ein heimtückischer Virus, der gesunde Zellen in kranke verwandelt. Ganz langsam wandelt sich die Stimmung, tatkräftig unterstützt vom oft seltsamen, unerklärlichen Verhalten einiger Figuren. Zwar tragen auch Erwachsene ihr Scherflein zur sonderbaren Atmosphäre bei, doch es sind vor allem die Kinder, die mit ihrem Handeln und ihren Wortmeldungen für ein zutiefst schauderhaftes, bedrückendes Flair sorgen. Die Drehbuchautoren Andy T. Hoetzel und Ralf Huettner halten sich mit Erklärungen für das Geschehen vorwiegend zurück, begnügen sich meist mit geschickten Andeutungen und stimulieren so die Phantasie des Publikums. Und Regisseur Huettner findet die richtigen doppelbödigen Bilder, um beim Zuschauer ein starkes Gefühl der Beunruhigung heraufzubeschwören. Die Berge, der Tunnel, der Wald, die Kapelle... einerseits wirkt dies alles harmlos, idyllisch und reizvoll, doch andererseits vermittelt es auch den Eindruck, als ob sich darunter gefährliche Abgründe auftun könnten, die nur auf einen günstigen Moment warten, um die nichtsahnenden Besucher zu verschlingen.

Der Fluch geizt nicht mit angenehm stimmigem Lokalkolorit, was dem Szenario eine sehr authentische Note verleiht. Auch die verschiedenen Figuren erwecken den Eindruck, aus dem Leben gegriffen und damit echt zu sein. Hoetzel und Huettner vermeiden Klischees, lassen Aberglauben, Mythen und Folklore in die Geschichte einfließen und stellen schließlich die heile Welt des Heimatfilmes so dermaßen auf den Kopf, daß man ihr Werk - wie übrigens auch den im folgenden Jahr entstandenen Sukkubus - Den Teufel im Leib - durchaus als Anti-Heimatfilm klassifizieren kann. Im letzten Drittel steigert Huettner sukzessive den Horror, schickt die Gefühle unserer Protagonisten (und auch die des Zusehers) auf eine schwindelerregende Achterbahnfahrt, in der eine gehörige Portion Traurigkeit und Melancholie mitschwingt. Ohne zu viel zu verraten... das eindringliche, in dieser Form nicht erwartbare Ende kann man nur als genial bezeichnen. In schauspielerischer Hinsicht gibt es nichts zu bemängeln. Raacke, May und Nowack glänzen mit einer erfrischenden Natürlichkeit, sodaß man rasch vergißt, daß sie "nur" eine Rolle spielen. In kleinen Nebenrollen sind außerdem der blutjunge Tobias Moretti sowie Barbara Valentin zu sehen.

Mit Der Fluch ist dem am 29. November 1954 in München geborenen Ralf Huettner, der in den darauffolgenden Jahren so unterschiedliche Filme wie Babylon - Im Bett mit dem Teufel (1991), Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993), Voll Normaaal - Asozial und Spaß dabei! (1994), Die Musterknaben (1997), Vincent will Meer (2010) und Burg Schreckenstein (2016) drehte, ein grandioses Mystery-Horror-Drama mit mächtig großem Nachhall gelungen, welches man mit Fug und Recht als ganz großen Klassiker des deutschsprachigen Genrekinos bezeichnen kann. Tatsächlich zählt der denkwürdige Film mit zum Besten, was hierzulande je entstanden ist. Insofern ist es zu gleichen Teilen peinlich, traurig und unverständlich, wie stiefmütterlich - Der Fluch wurde bis dato weder auf Video, noch auf DVD oder Blu-Ray veröffentlicht - diese glitzernde, einzigartige Genreperle behandelt wurde - und leider immer noch behandelt wird.

"Es ist ein Land verloren,
da wächst ein Mond im Ried.
Es ist mit uns erfroren,
es glüht umher und sieht."

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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 26.10.2018 17:47 
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Dank Richie Pistilli durfte ich den Film gestern erstmals sichten.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten. War immer auf der Hut vor dem was kommen könnte und werde vorerst nicht mit dem Auto durch einen Tunnel fahren.

Was in Erinnerung bleibt: ist ein sehr stimmiger, teilweise unheimlicher Film, der einen größeren Bekanntheitsgrad redlich verdient hätte.

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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 27.10.2018 12:43 
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OFDb

Filmportal

Schattenlichter

Eskalierende Träume



"Liebe Zuschauer, einen Mysterythriller nannte der Regisseur Ralf Huettner seinen Spielfilm DER FLUCH, zu dem wir Ihnen jetzt spannende Unterhaltung wünschen. Die Geschichte handelt von einer Wanderung in den Alpen, die für eine junge Familie zu einem wahren Alptraum wird. Sie mischt auf originelle und optisch faszinierende Weise Elemente des Berg- und Heimatfilms mit Fantasie und Horror"

(Einleitung der ARD-Programmansagerin Susanne Grimm)


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Habe diese außergewöhnliche Inszenierung auch gerade erst vor knapp einer Woche zum allerersten Mal gesehen, wobei mich der Film auf Anhieb umgehauen hat. Ralf Huettner ist es mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm gelungen, ein einzigartiges Schauermär auf die Beine zu stellen, das mir nach und nach das Blut in den Adern gefrieren ließ. Eingebettet in eine schaurig-schöne Gebirgsidylle erzählt Huettner die Geschichte einer Familie, der eine Wanderung in den Alpen schlussendlich zum Verhängnis wird. DER FLUCH versprüht durchweg eine alptraumhafte Atmosphäre, die mich obendrein bereits nach wenigen Minuten in ihren Bann ziehen konnte. Alleine schon das unheilvoll und unheimlich wirkende Bergpanorama jagte mir bereits einen Schauer über den Rücken. Neben Barbara May und der minderjährigen Romina Nowack glänzt auch Dominic Raacke in seiner Rolle, wobei ich mit den Schauspieler -den ich vordergründig nur als Tatort-Kommissar Till Ritter kenne- eigentlich nie richtig warm wurde. Um so überraschender entpuppte sich für mich seine vorliegende Darbietung, mit der er die gesamte Spieldauer über tadellos überzeugen konnte. Und das erbarmungslose Finale versetzte mir dann den absoluten Schlag vor den Bug. Ein phantasievolles und zugleich mitreißendes Schauermär aus unseren Breitengraden, dass erst einmal seinesgleichen sucht.


"Ja ja, wen der Berg mal hat, den gibt er nicht mehr so schnell her"


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"Die Kinder kommen wieder, der Wald wird schreien und die Herzen werden kalt sein. Sie kommen wieder, und dann... und dann...."







Randolph Carter wrote:
Tatsächlich zählt der denkwürdige Film mit zum Besten, was hierzulande je entstanden ist. Insofern ist es zu gleichen Teilen peinlich, traurig und unverständlich, wie stiefmütterlich - Der Fluch wurde bis dato weder auf Video, noch auf DVD oder Blu-Ray veröffentlicht - diese glitzernde, einzigartige Genreperle behandelt wurde - und leider immer noch behandelt wird.

Das sehe ich übrigens genauso! Es ist einfach nur unfassbar, dass dieser Filmperle immer noch kein adäquates Release zugesprochen wurde. Könnte mir diesen phantasievollen Alpen-Horror auch bestens in der EDV- oder Bildstörungsreihe vorstellen.
:pray:


sid.vicious wrote:
Dank Richie Pistilli durfte ich den Film gestern erstmals sichten.

Der Dank gebührt vielmehr demjenigen, der den ARD-Mitschnitt dieser wunderbaren Genreperle in die 'Tube' gestellt hat ;)

sid.vicious wrote:
War immer auf der Hut vor dem was kommen könnte und werde vorerst nicht mit dem Auto durch einen Tunnel fahren.

Ach komm, so eine beschauliche Fahrt durch den "Silberhorn Tunnel" sorgt doch erst für den richtigen Nervenkitzel und regt zudem den Kreislauf an.... Wer benötigt da noch Horrorfilme? :? :)

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Last edited by Richie Pistilli on 27.10.2018 15:25, edited 2 times in total.

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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 27.10.2018 13:17 
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Habe den Film auch vor vielen Jahren abends zweimal in der ARD sehen können und glücklicherweise einmal aufgenommen. Wirklich absolut unverständlich das es
keine vernünftige VÖ gibt :schilder_bitte:


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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 27.10.2018 21:40 
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Richie Pistilli wrote:

sid.vicious wrote:
Dank Richie Pistilli durfte ich den Film gestern erstmals sichten.

Der Dank gebührt vielmehr demjenigen, der den ARD-Mitschnitt dieser wunderbaren Genreperle in die 'Tube' gestellt hat ;)



Stimmt, dem youtube-Einsteller sei herzlich gedankt.

Kurz zum FLUCH: Der Film besticht mit seiner Unheimlichkeit wie DER IRRE VOM ZOMBIEHOF mit seiner exzessiven Bösartigkeit.

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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 28.10.2018 00:20 
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Richie Pistilli wrote:
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Ist das ein Ford Granada? Muss ich sehen! :lol:

Nein ernsthaft, sieht alles sehr interessant aus und hört sich doch ziemlich spannend an.
Da werde ich die Tage auch mal einen Blick riskieren.


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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 28.10.2018 12:57 
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Prisma wrote:
Ist das ein Ford Granada? Muss ich sehen! :lol:


Yep! :)

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Schätze mal, dass Dir diese feine Film aber auch ohne die Mitwirkung eines Ford Granadas zusagen würde.
Bin schon sehr gespannt auf Dein Feedback.


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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 28.10.2018 14:56 
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Richie Pistilli wrote:
Schätze mal, dass Dir diese feine Film aber auch ohne die Mitwirkung eines Ford Granadas zusagen würde.

Klar, das mache ich doch nicht von einem Auto abhängig. Ist ja auch nur ein Granada Turnier. :mrgreen:
Aber ich freue mich tatsächlich immer, wenn ich in Filmen Autos sehe, zu denen ich einen Bezug habe, oder sie schön finde.
Weiß ja nicht, ob das bei anderen auch so ist...


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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 28.10.2018 20:18 
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Mir sind die Autos egal. Ich rege mich höchstens auf (70er Jahre und davor), dass sie aufgrund ihrer eckigen Form so viel Windwiderstand hatten und damit der Spritverbrauch unnötig hoch war :mrgreen:


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 Post subject: Re: DER FLUCH - Ralf Huettner
PostPosted: 29.10.2018 07:50 
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Zumindest waren das damals noch 'Autos'... ;)


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