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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER FUẞGÄNGER - Maximilian Schell
PostPosted: 18.02.2019 13:45 
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DER FUẞGÄNGER

● DER FUẞGÄNGER (D|CH|ISR|1973)
mit Gustav Rudolf Sellner, Peter Hall, Alexander May, Elsa Wagner, Gila von Weitershausen, Ruth Hausmeister,
Dagmar Hirtz, Maximilian Schell, Angela Salloker, Norbert Schiller, Herbert Mensching, Christian Kohlund, u.a.
als Gäste: Peggy Ashcroft, Elisabeth Bergner, Françoise Rosay, Käthe Haack, Johanna Hofer und Lil Dagover
eine Produktion der Franz Seitz Film | Alfa Film | MFG Film | Zev Braun | im Constantin Filmverleih
ein Film von Maximilian Schell


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»Hast du jemals vom Tod geträumt?«

Für den Großindustriellen und das Landtagsmitglied Heinz Alfred Giese (Gustav Rudolf Sellner) soll sich nach einem selbstverschuldeten Autounfall alles ändern, denn sein Sohn Andreas (Maximilian Schell) kommt dabei ums Leben. Obwohl ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt wird, durchleuchtet eine bekannte Boulevardzeitung in diesem Zusammenhang Gieses bisheriges Leben und stößt auf sensationelle Erkenntnisse, die sich in seiner Vergangenheit finden. Chefredakteur Rudolf Hartmann (Peter Hall) verwickelt den Industriellen in einen handfesten Skandal, da Recherchen ergeben haben, dass Giese im Zweiten Weltkrieg in Exekutionen gegen griechische Zivilisten verwickelt gewesen sein soll. Nach einem reißerischen Aufhänger auf der Titelseite, der über ein Massaker und Mord spekuliert, kommt es zu öffentlichen Anfeindungen und Tumulten in Gieses Firma...

Maximilian Schells Beitrag mit dem vollkommen unscheinbaren Titel "Der Fußgänger" wurde nach Erscheinen mit nationalen und internationalen Preisen überhäuft, unter anderem erhielt der Film 1974 den Golden Globe, als bester fremdsprachiger Film, außerdem war er bei der Oscar-Verleihung des gleichen Jahres ebenfalls in dieser Kategorie nominiert. In der Summe erhielt "Der Fußgänger" bemerkenswerte 49 Preise, was eindeutig für die Qualität dieses Dramas spricht. Maximilian Schell inszenierte neben der Schauspieltätigkeit, seinem Hauptgeschäft, nur wenige Spielfilme, doch seine Arbeiten fürs Kino stellen innerhalb der unterschiedlichen Bearbeitung von ernstzunehmenden Stoffen definitiv Klassen für sich dar. Im Vordergrund stehen künstlerische Ansätze, die zusammen mit Realität und Fiktion wie ein Blick durch ein Kaleidoskop wirken. Zusammenhänge ergeben sich innerhalb gerne verwendeter Trugbilder, Irrungen und Wirrungen eine plausible Einheit, die sich wie in diesem Verlauf spät, beziehungsweise in Etappen erschließt, wenngleich die Geschichte alles andere als eine Erfindung zu sein scheint. Schell betrachtet einen Einzelfall, der aber bestimmt keinen isolierten Fall darstellt. Eine beliebige Person, die zu dieser Zeit überall existent hätte sein können und es sicherlich auch gewesen ist, führt ein unbehelligtes Leben in äußerst gut situierten Verhältnissen. Ansehen und Integrität stehen außer Frage; die Verdienste für die Allgemeinheit ebenso. Plötzlich und unerwartet nimmt die latent vorhandene Angst des hier als für schuldig gesprochenen Protagonisten Gestalt an und bringt den Zuseher in offensiv herbeigeführte Konflikte, da die geschilderten Eindrücke nicht nur in Schwarz oder Weiß geschildert werden. Der Regisseur, der sich auch gleichzeitig für das Drehbuch verantwortlich zeigte, achtet akribisch auf Ausgewogenheit und wirft die Vergangenheit, Gegenwart und auch Zukunft in eine unübersichtliche Waagschale.

Das erwähnte Dilemma für den Zuschauer ergibt sich nicht zuletzt aus der Tatsache, dass mit Heinz Alfred Giese eine Person zu sehen ist, die vom Schicksal mit einen unerbittlichen Vergeltungsschlag konfrontiert ist, da Gleiches mit Gleichem abgegolten wird. Da die sensationslustige Boulevardzeitung die Vergangenheit des Großindustriellen aufs Tableau gebracht hat, die sich mit einem Massaker in einem griechischen Dorf befasst, bei dem auch Kinder exekutiert wurden, Giese außerdem seinen eigenen Sohn in einen tödlichen Autounfall verwickelt hat, tut man es der feinfühligen, aber schocklustigen Dramaturgie gleich und geht nicht so hart mit dem ohnehin gebrochenen, beinahe schwermütig wirkenden Mann ins Gericht, wie es wahrscheinlich sonst der Fall wäre. So zeigen sich beispielsweise Sequenzen, die Giese als liebevollen Großvater zeigen, der seinen eigenen Enkel allerdings selbst zum Halbwaisen gemacht hat. Außerdem irritiert die Ruhe und Nachdenklichkeit dieses Mannes enorm, sodass man als Zuschauer vor allem eine abwartende Haltung einnehmen muss, die deutlichen Positionierungen aus dem Weg zu gehen versucht. Diese Aufgabe übernimmt ohnehin die gierige Sensationspresse, für die der Zweck schließlich alle Mittel zu heiligen scheint, solange höhere Auflagen in Aussicht stehen. Der Tod - egal ob vergangen, aktuell, oder potentiell - wird hier in brutaler Art und Weise näher gebracht und mit prosaischen Bildern ausstaffiert, was wohl am meisten schockiert. So macht sich eine breite Trostlosigkeit breit, die sich trotz lichter Momente nicht zerschlagen lässt. »Je näher man kommt, desto weniger sieht man...« Dieser im Film verwendete Satz bleibt vor allem so präsent und vehement bestehen, weil er in vielerlei Hinsicht die Eindrücke des Zusehers widerspiegeln kann und möglicherweise wird, da diese unvorhersehbare Achterbahnfahrt aufgrund ihrer stakkatoartigen Bildeinspielungen strapaziert, da der Tod immer wieder neue Gesichter bekommt.

Letztlich sorgen zahlreiche erschreckende Phasen, aber auch etliche Chraraktere für derartige Eindrücke, außerdem kommt die Vergangenheit wie ein dunkler Schatten zurück, sodass "Der Fußgänger" von Pessimismus und bösen Vorahnungen dominiert wird. Im darstellerischen Bereich sind durch die Bank hervorragende Leistungen zu sehen und es ist in diesem Zusammenhang ganz offensichtlich, dass Maximilian Schell im Rahmen der Regie-Arbeit selbst einen halben Schauspieler mit dessen Erfahrungswerten mit einfließen ließ. Der Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und Theaterleiter Gustav Rudolf Sellner besticht innerhalb seiner unbegreiflichen Ruhe und Lethargie, denn man erwartet gegenteilige Impressionen von diesem Mann, der eine schwere Schuld auf sich geladen hat. Diese scheint sich aufgrund der damaligen Ausnahmesituation zwar zu rechtfertigen, doch seine Gewissensbisse verjähren nicht. Die Verantwortung wäre sicherlich nur halb so schlimm, wenn man sie nicht plötzlich ans Tageslicht befördert hätte. Sowohl er als auch die Hyänen der Presse erfahren kaum sympathische Zeichnungen, wenngleich gerade Sellner es immer wieder schafft, ein eigenartiges Mitgefühl zu provozieren, das sich jedoch immer wieder weg dividiert, wenn entsprechende Rückblenden zu sehen sind. In einer ebenfalls interessanten Rolle ist Regisseur Maximilian Schell zu sehen, der wie ein nicht abzuschüttelndes Mahnmal wirkt. Generell bleibt zu sagen, dass man es in "Der Fußgänger" mit exzellenten bis denkwürdigen Interpretationen zu tun bekommt. Vor allem die angekündigten Gäste in Form einer illustren Runde von berühmten Alt-Stars sorgt für Furore, wenn wild in Deutsch, Englisch und Französisch umher gesprochen wird. Maximilian Schell beweist erneut, dass er seine Regie-Arbeiten mit wesentlich mehr als nur Routine ausstatten konnte, und unter seiner Bearbeitung scheint die Medaille sogar mehr als nur zwei Seiten zu haben; allerdings stolpert sein Film ein wenig über die Barrieren der Massentauglichkeit.


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