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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE - Alfred Vohrer
PostPosted: 25.08.2011 20:21 
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Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktion: Horst Wendlandt
Erscheinungsjahr: 1968
Regie: Alfred Vohrer
Drehbuch: Alex Berg
Kamera: Karl Löb
Schnitt: Jutta Hering
Musik: Peter Thomas
Länge: ca. 92 Minuten
Freigabe: FSK 12
Darsteller:
Heinz Drache: Humphrey Connery
Karin Baal: Jane Wilson
Siegfried Schürenberg: Sir John
Horst Tappert: Douglas Fairbanks
Agnes Windeck: Lady Agathy Beverton
Ilse Pagé: Miss Finley
Mady Rahl: Catherine Wilson
Uta Levka: Dorothy Cornick
Hans Söhnker: Robert Jackson
Otto Stern: Kapitän
Alexander Engel: Doc Adams
Tilo von Berlepsch: Lord Henry Beverton
Harry Wüstenhagen: Ken Nelson
Kurd Pieritz: Edward Baldwin
Arthur Binder: Grimsby
Rainer Brandt: Tom Heyes
Kurt Waitzmann: Dr. Sheppard
Paul Berger: Hausknecht Jameson


Jane erbt, nach dem Ableben ihres Vaters, das Anwesen Blackwood Castle. Der anwesende Anwalt rät ihr zum Verkauf, welchen sie umgehend ablehnt. Es tauchen nach und nach immer mehr Fremde auf, die an dem Schloss interessiert sind, dass diese später auf mysteriöse Art und Weise zu Tode kommen, zwingt Scotland Yard zu Ermittlungen, in denen massig Verdächtige verstrickt sind.

Die 25. Wallace Verfilmung der Nachkriegszeit, ist ein Beitrag der sich zum Teil an Wallace orientiert und weiterhin an Arthur Conan Doyles, Der Hund von Baskerville. Eine Produktion, die neben einem schaurig schönen Ambiente, mit Nebelschwaden und alten Gemäuern, auch eine gehörige Portion Humor zu bieten hat. Eine Art Humor, der für machen übertrieben, aber für den geeigneten Zuschauer, absolut unterhaltsam ist. Für diesen Sachverhalt sorgen die ein oder anderen Darsteller und ihre manchmal beeindrucken Dialoge.

"Habt ihr nicht auch einen Hund gehört?"
"Einen Hund?"
"Du hörst doch, was ich sage. Ich sagte einen Hund."
"Ich hörte keinen Hund."
"Dann kann es nur daran liegen, dass du schwerhörig bist!"
"Und Sie, Doc?"
"Nein, Mylady, auch ich habe keinen Hund gehört."
"Dann hat Sie der Whisky taub gemacht. Es war ein... ein unheimliches Heulen... und kam direkt von Blackwood Castle herüber.

[AJUST]Einfach nur herrlich. Agnes Windeck als Lady Agathy Beverton, Gott habe sie seelig. Eine Art Humor, angesiedelt zwischen schwarzer, englisch Kost und dem Wirken des Hamburger Ohnsorg Theater. Ein Hauch der Ödipuss-Scrabble-Mentalität. Großartig.

Heinz Drache haut auch einen absoluten Brüller raus, im Stile von: „Ich ging spazieren und bin nun hier und oho dort liegt eine Leiche.“ Während er dieses ähnliche Zitat von sich gibt, betritt er unangemeldet das Schloss. Eine Eigenschaft, die fast Jeder in diesem Film mit sich bringt. Ständig taucht jemand neues in Schloss auf und vereinzelnd nicht nur durch die Haustür. Allerdings ist den Personen im weiteren Verlauf auch schon der Tod gewiss.

Host Tappert wirkt als Douglas Fairbanks, alles andere als kühl und überlegt. Er ist ein nervöser Hektiker, der mit jeder kleinen Situation überfordert ist. Weit entfernt von einem Oberinspektor Stephan Derrick. Aber auch dieser schauspielerische Part bereitet einiges an Vergnügen. Eben, Vergnügen… und wo bleibt das eigentliche Element, der Spannungsfaktor? Nun, dieser ist durchaus vorhanden, die Story ist gut angelegt und birgt eine akzeptable, wenn auch absehbare Lösung. Allerdings ist, der eigentliche Spannungsmoment eher rar gesät und unterwirft sich eher dem unterkühlten schwarzen und dem ebenfalls vorhandenen, eher ungewollten Humor. Wem so etwas gefällt, der wird sich köstlich amüsieren.



7/10

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 Post subject: Re: DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE - Alfred Vohrer
PostPosted: 26.08.2011 19:45 
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Aus dem Filmtagebuch des Grauens:



Der Hund von Blackwood Castle (Deutschland 1968, Originaltitel: Der Hund von Blackwood Castle)

Jane Wilson (Karin Baal) wird auf das Anwesen Blackwood Castle bestellt, dem letzten Wohnsitz ihres Vaters. Vor Ort erfährt sie, dass ihr Vater -zu dem sie etliche Jahre keinen Kontakt mehr hatte- verstorben ist, sie ist die Erbin der alten Gemäuer, sonstige Sachwerte sind nicht vorhanden. Man rät der jungen Dame zum eiligen Verkauf von Blackwood Castle, doch Jane bittet sich Bedenkzeit aus. Sie belauscht zufällig ein äusserst verdächtiges Gespräch, in der Nacht wird sie von unheimlichen Vorfällen heimgesucht. Doch damit nicht genug, ein mordlüsterner Dobermann Pinscher durchstreift die Gegend und tötet scheinbar willkürlich Menschen. Die Opfer mieteten sich zuvor stets in der Pension von Lady Agathy Beverton (Agnes Windeck) ein, in deren Familienbesitz sich Blackwood Castle früher befand. Die bestialischen Tötungen rufen Scotland Yard auf den Plan. Der gestresste Sir John (Siegfried Schürenberg) hat momentan keinen freien Ermittler zur Verfügung. Ergo nimmt er sich höchstpersönlich der Sache an, seine treusorgende Sekretärn Miss Finley (Ilse Pagé) im Schlepptau. Es kommt zu weiteren Todesfällen, ein gewisser Donald Fairbanks (Horst Tappert) kann dem bösartigen Köter knapp entkommen. Er berichtet von riesigen Reisszähen, die regelrecht aus dem Maul der Bestie herausragen sollen, eine sehr abenteuerliche Darstellung. Neben Sir John scheint auch der rätselhafte Humphrey Connery (Heinz Drache) Ermittlungen anzustellen, der wie die Opfer in der Pension von Lady Beverton abgestiegen ist. Warum will man Jane das herrschaftliche Gemäuer mit aller Macht entreissen, welche Rolle spielt der Hund mit dem bizarren Gebiss...???

"Der Hund von Blackwood Castle" bietet Anlass die Sektkorken knallen zu lassen. Das Werk ist die 25. Edgar Wallace Verfilmung aus dem Hause Rialto! Regie führte erneut Alfred Vohrer, dem eine Menge bekannter "Wallace Schauspieler" für diesen Streifen zur Verfügung standen. Wie schon beim 24. Rialto Wallace, rückt die klassische Kriminalfilmunterhaltung ein wenig in den Hintergrund. Hier regiert eine leicht gruselige Atmosphäre, abgerundet durch bizarre Einfälle (wie die Zähne der Bestie), selbst vor dem Einsatz einer "Skelettmarionette" schreckt man nicht zurück. Schlangen dürfen bei Vohrer selbstverständlich ebenso nicht fehlen. Die Auftritte der Schauspieler werden zum mehr oder weniger grotesken Schaulaufen, doch auch für Überraschungen ist gesorgt. So hat mich z.B. Heinz Drache in der Tat sehr angenehm überrascht, der in seinem "Wallace-Farbfilm-Debüt" deutlich an Ausstrahlung, Profil und Lockerheit zugelegt hat (Den nicht von Rialto produzierten Wallace "Das Rätsel des silbernen Dreieck" (1966) lasse ich bei dieser Betrachtung aussen vor, zu dem Film werde ich in den nächsten Wochen ein paar Zeilen schreiben). In der Zeit zwischen "Neues vom Hexer" (1965) und "Der Hund von Blackwood Castle" ist Drache in jeder Hinsicht gefreift. Meiner Meinung nach überbietet er hier seine vorherigen Auftritte im Rahmen der Reihe deutlich! Siegfried Schürenberg hat einen seiner grössten und herrlichsten Auftritte. Diesmal pfuscht er nicht einem untergebenen Ermittler unqualifiziert ins Handwerk, er taumelt nun mit bedeutungsschwangerer Miene selbst der Aufklärung des Falles entgegen, wobei ihm Kommissar Zufall kräftig unter die Arme greift. Sir John greift auch selbst gerne zu, am liebsten auf den Popo seiner Sekretärin Miss Finley. Ilse Pagé darf ihren Chef nun in den Außendienst begleiten, gibt diverse Weisheiten von sich, greift gar entscheidend in das bunte Treiben ein. Horst Tappert feiert seinen Einstand in der Serie, er hat ein paar ganz wundervolle, angenehm bescheuerte Szenen. Karin Baal sorgt ansatzweise für weibliche Reize, hält sich aber in jeder Hinsicht sehr bedeckt, und geht im Verlauf der Handlung nach und nach fast ein wenig unter. Für etliche Schmunzler sorgt einmal mehr Agnes Windeck, die alte Dame muss man einfach mögen. Auch Uta Levka ist erneut an Bord, hier aber für ihre Verhältnisse eher bieder und zurückhaltend. Nebendarsteller wie Harry Wüstenhagen, Arthur Binder, Kurz Waitzmann und weitere bewährte Gesichter geben sich die Klinke in die Hand, was für diverse "Ahaaa-Momente" freudigen Wiedererkennens sorgt.

Auch sonst greift man auf altgediente Mitarbeiter zurück. Karl Löb bedient die Kamera, Eva Ebner dient Alfred Vohrer als Regiesklavin. Für die Musik zeichnet Peter Thomas verantwortlich, der Titelsong kommt reichlich abgefahren daher, was die (Achtung: Neudeutsch!) trashige Schlagseite der Vohrer Sause ganz vortrefflich unterstreicht. Eigentlich fehlt es lediglich ein wenig an einer Prise Sex, denn keine der Damen bietet in dieser Hinscht etwas für den gierigen Fan, lediglich Sir John sondert seine üblichen Schlüpfrigkeiten ab und gibt sich gewohnt zupackend. Ach ja, die liebenswerte Gestaltung des Vorspanns soll nicht ohne Erwähnung bleiben. Die "schwimmenden" Namen haben mir sehr gut gefallen!

Die DVD von Universum bietet gewohnt schöne Qualität, selbstverständlich ist das Boxset erneut den Einzelscheiben klar vorzuziehen. Die "Edgar Wallace Edition 7" enthält neben "Der Hund von Blackwood Castle" folgende Titel:

- Der Mönch mit der Peitsche
- Im Banne des Unheimlichen
- Der Gorilla von Soho

Die siebte Box der Reihe hat mit dem sehr unterhaltsamen "Der Mönch mit der Peitsche" einen starken Auftakt. "Der Hund von Blackwood Castle" kann nicht ganz zum "Mönch" aufschliessen, ist aber ein unterhaltsamer und kurzweiliger Beitrag zur Reihe. Ich freue mich auf die nächsten Filme! Welche Serie kann schon von sich behaupten, auch nach 25 Beiträgen noch zu begeistern, bzw. erreicht überhaupt eine solch mehr als stattliche Anzahl von Filmen!? Nun denn, es gibt insgesamt 32 Wallace Verfilmungen aus dem Hause Rialto, für weitere Filmnächte voller Freude ist also gesorgt!

Guter Stoff = 7/10

Lieblingszitat:

"Sie kommen wie die Schmeißfliegen ans Aas."
"Und sterben!"

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Post subject: Re: DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE - Alfred Vohrer
PostPosted: 09.03.2019 21:56 
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"Der Hund von Blackwood Castle" (Deutschland 1967)
mit: Heinz Drache, Karin Baal, Siegfried Schürenberg, Horst Tappert, Agnes Windeck, Alexander Engel, Ilse Pagé, Uta Levka, Hans Söhnker, Mady Rahl, Tilo von Berlepsch, Otto Stern, Artur Binder, Rainer Brandt, Harry Wüstenhagen, Kurd Pierritz, Kurt Waitzmann, Peter William Koch, Paul Berger u.a. | Drehbuch: Herbert Reinecker frei nach Edgar Wallace | Regie: Alfred Vohrer

Jane Wilson kommt nach dem Tod ihres Vaters, der Kapitän auf dem Schiff "President Monroe" war, nach Blackwood Castle, dem alten Schloss, das ihr Vater vor Jahren erwarb. Bereits kurz nach ihrer Ankunft drängt der Anwalt von Kapitän Wilson auf einen schnellen Verkauf des Gebäudes, doch Jane entschließt sich zu bleiben. Nacheinander treffen mehrere Männer im Gasthof "Old Inn" ein, die sich für Blackwood Castle und das Vermächtnis des Kapitäns interessieren. Doch einer nach dem anderen findet im Moor einen gewaltsamen Tod. Das Heulen eines furchtbaren Hundes ist jedes Mal das Zeichen, dass wieder ein Todesopfer zu beklagen ist. Sir John und seine Sekretärin Miss Finley ermitteln in dem Fall, hinter dem mehr zu stecken scheint als nur eine unheimliche Mordserie. Welche Rolle spielt dabei Lady Agathy Beverton, der bis vor wenigen Jahren Blackwood Castle gehörte? Macht Humphrey Connery wirklich nur Spaziergänge an der frischen Waldluft? Und wer ist Douglas Fairbanks, der sich so auffallend für alle Vorgänge interessiert und selbst eine Heidenangst hat?

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"Der Hund von Blackwood Castle" war für den Produzenten Horst Wendlandt etwas Besonderes, markierte er doch einen Meilenstein in der erfolgreichen Rialto-Film-Reihe: es handelt sich hier nämlich um den fünfundzwanzigsten Edgar-Wallace-Film. Seine Entstehungsgeschichte war von Planänderungen geprägt, denn ursprünglich war "Engel des Schreckens" als nächster Streifen vorgesehen. Franz Seitz wurde beauftragt, eine Vorlage unter dem Titel "Der schwarze Hund von Blackwood Castle" zu schreiben, die dann von Herbert Reinecker in die richtige Struktur gebracht wurde und den nötigen Feinschliff erhielt. Der Vielschreiber war für seine Arbeitsdisziplin bekannt und reduzierte den Stoff auf eine nüchterne Kriminalgeschichte mit prosaischem Hintergrund, die dann von Freddy Vohrer und seiner engsten Mitarbeiterin Eva Ebner in für den Regisseur typischer Schauder-Schabernack-Weise ausgeschmückt wurde. Wieder einmal griff Vohrer dabei tief in seine Tier-Trickkiste und holte gleich mehrere Schlangen zur Abschreckung der Juwelensucher und des Publikums hervor. Ebenso gibt es wieder ein Skelett zu sehen, das schon zum Markenzeichen für seine Filme geworden ist. Die Substanz der Geschichte ist dem Kern des Conan Doyle-Klassikers "Der Hund von Baskerville" entlehnt und profitiert von den herbstlichen Farbaufnahmen auf der Pfaueninsel, die als stimmige Kulisse dient. Die weitgehend schäbig-rustikal wirkenden Interieurs bilden den passenden Rahmen für verkommene Charaktere, denen die Habgier aus den Augen schaut und deren hinterhältige Aktionen von Vohrer mit besonderer Dämonie eingefangen werden. Die Schauplätze liefern genügend Fallstricke, um einen nach dem anderen zu Boden zu reißen, wobei sich das Drehbuch an beliebten Motiven wie Moor, Nebel und Gewitternächten weidet. In dieser Hinsicht ist der Film sehr klassisch und orientiert sich an bewährten Zutaten, die im Allgemeinen erfolgversprechend sind. Noch einmal wurde dieser Geist mit dem nächsten Film der Reihe, "Im Banne des Unheimlichen", beschworen, bevor dann "Der Gorilla von Soho" die Wende einleitete. Für den Jubiläumsfilm setzte Vohrer auf eine Mischung des traditionellen Erfolgskonzepts, das seit 1959 Millionen Besucher in die deutschen Kinos gelockt hatte und neue Ideen, die sich vor allem in einer Abkehr der klassischen Botschaft, der Ermittler müsse die bedrohte Schönheit retten und werde sie dann bis ans Ende ihrer Tage beschützen, ausdrückt. In einer Referenz an die veränderten Sehgewohnheiten, wählte man vertraute Darsteller, die diesem Klischee ohnehin zu entfliehen suchten und unabhängige Figuren überzeugend spielen konnten.

Karin Baal bringt bei ihrem zweiten Wallace-Auftritt die nötige Gelassenheit mit, welche die Rolle der Jane Wilson erfordert. Wenn die verschlagenen Männer des Schlosses ein schreckhaftes Püppchen erwartet hatten, so beißen sie nun auf Granit, wenn sie den Fehler begehen, die zarte Person zu unterschätzen. Nüchtern und pragmatisch will sie sich selbst ein Urteil bilden, statt sich von anderen belehren zu lassen, zumal sie jahrelang ohne den Rückhalt wohlmeinender Vertrauenspersonen auskommen musste. Die Berliner Schauspielerin läutet jene Ära ein, in der die weibliche Hauptfigur ihren eigenen, prosaischen Weg geht, ohne dass sie vom männlichen Hauptdarsteller erfolgreich umworben wird. Dadurch wird Jane Wilson glaubhaft und unabhängig von den diversen Interessensgruppen, von denen jede auf eigene Rechnung arbeitet. Da das Geld der treibende Motor ist, der die Personen zum Handeln motiviert, bleiben auch menschliche Bindungen aus und es kommt allerhöchstens zu Zweckgemeinschaften. In die Riege der Einzelgänger fällt auch Heinz Drache. In "Der Hund von Blackwood Castle" wirkt er gesetzter und die weltmännische Attitüde steht ihm hier besser zu Gesicht als in seinen Inspektoren-Rollen, weil er durch sein Image innerhalb des Wallace-Œuvres für eine positive Autorität gehalten wird. Inmitten der verschroben oder gehetzt wirkenden Figuren des Zwielichts bildet er eine seriöse Ausnahme, der zweifellos ausnutzt, dass ihm so viel unbegründetes Vertrauen entgegengebracht wird. Selbst ein geheimes love interest wird dem Hagestolz Connery unterstellt, was angesichts der bisherigen sachlich-schnoddrigen Performances wie die Traumfantasie seiner biederen Ermittlerfiguren anmutet. Doch da ihn Uta Levka im Halbdunkel abfängt, wird Drache nicht übermäßig in Verlegenheit gebracht bzw. muss er sich nicht den Anschein geben, plötzlich für einen Frauentypen gehalten zu werden. Als schlagfertiger, unsentimentaler Rechner weiß er weit mehr zu überzeugen und kann das Vorschieben der Unterlippe und seinen süffisanten Spötterblick besser kultivieren. Als durchaus positiv ist das Gespann Schürenberg-Pagé zu werten, dessen Elan das Fehlen eines klassischen Ermittlers vergessen lässt und sich besonders gut in diffizilen Outdoor-Situationen macht. Der Humor ist fein getüncht, die Darsteller sympathisch und der gute Wille ersetzt manche Lücke in der Kombinationskette. Als personifiziertes Klischee einer tüchtigen Sekretärin steht Ilse Pagé ihrem auf Gemütlichkeit und Wahrung der Dienstvorschriften bedachten Chef Siegfried Schürenberg treu zur Seite, was später bei Hubert von Meyerinck nicht mehr so überzeugend wirkte.

Alter schützt vor Torheit nicht - oder vor Popularität. Agnes Windeck erfuhr ab den Fünfziger Jahren zunehmende Beliebtheit in der Darstellung schrulliger alter Damen und lieh auch für eine Miss-Marple-Verfilmung ("16 Uhr 50 ab Paddington") der ebenso rüstigen Margaret Rutherford ihre Stimme. Innerhalb der Edgar-Wallace-Reihe wirkte sie stets unverwüstlich und behielt meist als Einzige Humor und Nerven, während um sie herum gemordet wurde. In "Der Hund von Blackwood Castle" sieht man erneut eines ihrer Kabinettstückchen als alte Lady, welche Verbrechen als unerhörte Abweichung von der Norm empfindet und mit diesem gewöhnlichen Handwerk nichts zu tun haben möchte. Eine Reihe von alten Bekannten und solchen, die es noch werden sollten, gibt sich die Klinke in die Hand. Harry Wüstenhagen, Kurd Pierritz und Hans Söhnker setzen durch ihr zurückhaltendes Spiel Akzente, während sich Horst Tappert nervös-überdreht geben darf und sich klarer Worte bedient, was ihm ab Mitte der Siebziger Jahre der Rolle seines Lebens wegen nach und nach verwehrt wurde. Seine Agilität profitiert vom temporeichen Drehbuch, das sogar einen fight mit einer Dame einbaute. Freilich handelt es sich bei der von Mady Rahl verkörperten Figur um eine weitere Variante der ihr gern mit zunehmendem Alter auf den Leib geschriebenen "Frau mit Vergangenheit", deren Schminke und gefärbte Haare auf ein Milieu hinweisen, das sie schon lange satt hat, das jedoch die letzte Stufe auf dem langsamen Weg nach unten darstellt. Ihre markante Stimme und ihr Temperament fügen sich bestens in die Mischpoke aus Gaunern, Galgenvögeln und Gierschlunden. Uta Levka laviert unauffällig zwischen den Seiten, kann sich allerdings nur wenig einbringen, weil ihre Rolle relativ dialogarm gestaltet wurde. Der Rätselfaktor, ob sie nun auf Seiten der Guten oder der Bösen steht, wurde in dem vollgepackten Drehbuch vernachlässigt, was auch zuungunsten Uta Levka geht, die nicht nur ansprechend fürs Auge ist, sondern gern eine betont geheimnisvollere Funktion ausfüllen hätte können. Tilo von Berlepsch und Alexander Engel sind die Regisseure am Schachbrett und fühlen sich wie die Beherrscher ihrer kleinen Unterwelt, was sich ebenso treffend in die Handlung fügt wie der garstige Artur Binder mit seiner Menagerie und sein optischer Zwilling Paul Berger. Das Ensemble formiert sich zu einer passgenauen Mischung unter der sicheren Führung von Spielleiter Alfred Vohrer, der seinen Film mit einem Augenzwinkern zu kommentieren scheint und auf die Kontinuität der Serie setzt, die bisher schöne Erfolge einfahren konnte.


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 Post subject: Re: DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE - Alfred Vohrer
PostPosted: 28.10.2020 23:16 
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Bei "Der Hund von Blackwood Castle" hatte man sich seinerzeit bestimmt einen größeren Zuschauer-Zuspruch in den Kinos erhofft, immerhin wurde er in vielversprechender Verpackung als 25. Jubiläumsbeitrag der Rialto Film ins Rennen geschickt. Vielleicht handelt es sich bei Alfred Vorhrers bereits elfter Wallace-Inszenierung um einen absoluten Scorer der Erstansicht, da er durchaus für vielfältige Überraschungen sorgen kann, insbesondere im gut aufgebauten Finale. Beim mehrmaligen Anschauen mag diese Euphorie hier und da womöglich ein bisschen verblassen, weil sich der blutrünstige Hund samt Schloss dann doch ein bisschen zu sehr im Vohrer'schen Märchenwald befindet, aber um einen sehenswerten Vertreter handelt es sich allemal. Die Story wird vor allem durch die atmosphärischen Schauplätze in ein unheimliches Licht gerückt und nimmt durch allerlei geistreiche Einfälle rasante und actionreiche Züge an, die immer wieder ansprechend durch Situationskomik und Humor entschleunigt werden. In diesem Zusammenhang spielen sich vor allem Siegfried Schürenberg und Ilse Pagé immer wieder gegenseitig den Ball zu und es kommt sehr gut an, dass diesem Duo hier wesentlich mehr Raum als üblich eingeräumt wird. Bekannte Wallace-Veteranen wie Heinz Drache, Karin Baal, Agnes Windeck, Uta Levka oder Mady Rahl machen eine gute Figur, wie übrigens die komplette Besetzungsliste, die sehr ausgewogen ausgewählt wurde. So bleibt "Der Hund von Blackwood Castle" ein charakteristischer, augenzwinkernder und häufig verspielt wirkender Vertreter der Wallace-Spätphase, der seine Stärken immer wieder aufs Neue ausspielen kann.


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