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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER ROTE KREIS - Jürgen Roland
PostPosted: 01.01.2013 21:54 
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Alternativer Titel: Den blodrøde cirkel
Produktionsland: Dänemark, Bundesrepublik Deutschland
Produktion: Rialto Film Preben Philipsen S/A (Preben Philipsen)
Erscheinungsjahr: 1960
Regie: Jürgen Roland
Drehbuch: Trygve Larsen, Wolfgang Menge
Kamera: Heinz Pehlke
Schnitt: Margot Jahn
Musik: Willy Mattes
Länge: ca. 92 Min.
Freigabe: FSK 12
Darsteller:
Renate Ewert: Thalia Drummond
Klausjürgen Wussow: Derrick Yale
Karl Georg Saebisch: Chefinspektor Parr
Thomas Alder: Jack Beardmore
Ernst Fritz Fürbringer: Sir Archibald Morton
Erica Beer: Mrs. Carlyle
Fritz Rasp: Froyant
Eddi Arent: Sergeant Haggett
Edith Mill: Lady Doringham
Ulrich Beiger: Leslie Osborne
Richard Lauffen: Felix Marles
Heinz Klevenow: Brabazon
Alfred Schlageter: Beardmore
Albert Watson: Sergeant Johnson
Panos Papadopulos: Matrose Selby
Richard Grupe: Diener James
Karl-Heinz Peters: Henker
Alf Marholm: Gefängnisdirektor
Günther Hauer: Schaffner
Jürgen Roland: Polizist



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In London treibt der "Rote Kreis" sein Unwesen. Eine angebliche Organisation von Verbrechern, die diverse Leute erpresst. Sollten diese der Aufforderung zu zahlen nicht nachkommen, so müssen sie mit dem Tod rechnen.

Nach der Reinl-Verfilmung „Der Frosch mit der Maske“ folgte mit „Der rote Kreis“ die zweite deutschsprachige Edgar Wallace Verfilmung. In beiden Fällen handelt es sich um eine deutsch/ dänische Coproduktion die in Kopenhagen und dessen Umgebung gedreht wurde.

Der Start des Films ist sehr viel versprechend und Jürgen Roland lässt in einer dunklen Umgebung, Schattenspiele und eine Guillotine dominieren. Dass der Henker sturztrunken ist, sei nur am Rande erwähnt. Nach dem Vorstellen dieses äußerst sympathischen Ambientes, wurde gleichermaßen auch die Vorgeschichte zum „roten Kreis“ demonstriert.

Der Aufbau der Story lässt sich Zeit und genehmigt somit dem Zuschauer eine gute Übersichtlichkeit und erleichtert dessen Einfühlvermögen. Es sei allerdings auch gesagt, dass sich der Film in seinem letzten Drittel zu einer gewissen Hektik hinreissen lässt. Die Informationen und Situationen überschlagen sich förmlich. Wer allerdings aufmerksam ist, der wird auch diese Hürde locker nehmen.



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Darsteller/ innen: Klausjürgen Wussow ist als Derrick Yale recht passabel, auch wenn sein vereinzelndes blödes Grinsen schon provozieren kann. Karl Georg Saebisch macht als Chefinspektor Parr einen besseren Eindruck als Wussow. Saebisch ist ein Taktiker, der kurz vor der Rente steht und diesen Fall zu einem würdigen Abschluss gestalten will. Den Part von Leslie Osborne verkörpert Ulrich Beiger, der in Prinzip eh eine Bank ist und dieses auch unter Beweis stellt. Das Highlight ist allerdings Renate Ewert als Thalia Drummond, die sich als attraktiver und undurchsichtiger Charakter präsentiert.

Auch wenn es sich hier um eine ernste Wallace-Verfilmung handelt, die auf Humor verzichtet, so muss man trotzdem anmerken, dass nach 20 Minuten ein gewisser Sergeant Haggett hinzukommt und dieser wird von Eddi Arent gespielt. Arent hält sich zwar relativ zurück, allerdings ist seine Präsenz auch ziemlich überflüssig.

Wer den Stimmen gut zuhört er wird leider schon früh wissen wer denn nun der rote Kreis ist (mir erging es jedenfalls so). Diese Lösung bringt meiner Ansicht nach auch eine gewisse Unlogik ein, auf die ich allerdings nicht näher (um ein Spoilern zu vermeiden) eingehen werde.

Fazit: Eine sehr gute Wallace-Verfilmung von Jürgen Roland, der zwischen Stahlnetz und Tatort auch ein paar Goldjungen in Zinksärge verpackte. Lockere 8 Punkte.

8/10

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 Post subject: Re: DER ROTE KREIS - Jürgen Roland
PostPosted: 01.11.2019 02:32 
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Diese zweite Wallace-Verfilmung steht in der Liste der internen Klassiker meistens ganz weit oben, und das nicht zu Unrecht. Jürgen Roland ist es in diesem über weite Strecken düster und bedrohlich wirkenden Verlauf gelungen, einen atmosphärisch dichten und einwandfreien Kriminalfilm mit leichten Thriller-Elementen in schöner Schwarzweiß-Fotografie zu konzipieren, der den Zuschauer gerne und oft aufs Glatteis zu führen versucht. Dass der Titelschurke mit Friedrich Schütters markanter Stimme versehen wurde, gibt Rätsel über die Identität des Mörders und Erpressers auf, schließlich gibt es mehrere Kehrtwendungen und die Strategie ist insgesamt als sehr clever zu bezeichnen, da man den üblichen Verdächtigen und denen, die es eigentlich nicht sind, alles zutrauen würde. Die Besetzung ist hier absolut bemerkenswert, vor allem Renate Ewert überrascht in einer über weite Strecken schwierig zu deutenden Rolle, die für die Reihe übrigens Pionier-Charakter haben sollte, schließlich hat man eine derartig selbstbewusste und eigenständig agierende Dame nicht mehr alle Tage zu sehen bekommen. Klausjürgen Wussow, Karlgeorg Saebisch, Eddi Arent oder Fritz Rasp leisten hier besonders gute Schützenhilfe und Regisseur Roland hält die Spannung bis zum überraschenden Finale problemlos aufrecht, ohne an Intensität einzubüßen. "Der rote Kreis" ist zweifellos ein Top-Beitrag, den sich der Krimi-Fan immer wieder anschauen kann.


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 Post subject: Re: DER ROTE KREIS - Jürgen Roland
PostPosted: 12.11.2019 15:19 
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"Der rote Kreis" (Den blodrøde cirkel) (Deutschland / Dänemark 1959/60)
mit: Renate Ewert, Klausjürgen Wussow, Karl-Georg Saebisch, Fritz Rasp, Thomas Alder, Erica Beer, Ernst-Fritz Fürbringer, Eddi Arent, Ulrich Beiger, Edith Mill, Richard Lauffen, Alfred Schlageter, Heinz Klevenow, Alf Marholm, Panos Papadopolus, Albert Watson u.a. | Drehbuch: Trygve Larsen nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace | Regie: Jürgen Roland

Londons High Society zittert vor den Erpresserbriefen des Roten Kreis: Wer den Zahlungsaufforderungen nicht nachkommt, stirbt eines gewaltsamen Todes. Chefinspektor Parr von Scotland Yard spürt den Druck seines Vorgesetzen und des Innenministers, den unheimlichen Mörder endlich zur Strecke zu bringen. Auf Empfehlung von Sir Archibald zieht der routinierte Ermittler einen jungen Privatdetektiv zu Rate, Derrick Yale. Als der alte Beardmore von einem Bogenschützen getötet wird, fällt der Verdacht auf seinen Neffen, der seit geraumer Zeit mit der undurchsichtigen Sekretärin Thalia Drummond in Verbindung steht. Welches Interesse könnte die junge Frau an der Mordserie haben? Warum nimmt sie nach ihrer Entlassung bei Mr. Froyant einen Auftrag von einem Unbekannten an? Und weswegen versteckt der Rote Kreis den Bankier Brabazon in einem alten Lagerhaus an der Themse?

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Nach dem furiosen Auftakt der Rialto-Edgar-Wallace-Reihe mit "Der Frosch mit der Maske" begann man im Spätherbst 1959 mit den Dreharbeiten zu einem zweiten Film, der von Beginn an geplant war, egal wie die Einspielergebnisse des Debüts ausgefallen wären. Statt jedoch auf Nummer Sicher zu gehen und das gleiche Team zu engagieren, wurde bereits in der Frühphase der späteren Reihe auf jenes Rezept gesetzt, das die Serie so lange am Leben erhalten sollte: Abwechslung und Überraschung. Als Gegenentwurf zum vielbeschäftigten Harald Reinl sollte der Hamburger Regisseur Jürgen Roland, der für seinen trockenen Realismus und ein intensives Gespür für Milieus bekannt war, dem zweiten Film nach einem Roman von Edgar Wallace ein klares Profil verleihen. Das größte Plus stellt die Besetzung dar, die vom Experimentiergeist des deutsch-dänischen Teams zeugt und durch eine Auswahl an Schauspielern abseits der legendären Populär-Garde nachhaltige Akzente setzen kann und deshalb innerhalb der Reihe fast ein Alleinstellungsmerkmal genießt. Bereits die Tatsache, dass mit Renate Ewert erstmals ein weiblicher Name die Besetzungsliste anführt, ist in den Fünfziger Jahren, als vorwiegend auf eine traditionelle Geschlechterrollenzuweisung geachtet wurde, nicht selbstverständlich. Es entspricht jedoch dem Mut von Rialto Film Preben Philipsen, dem Publikum laufend neue Impulse geben zu wollen und sich nicht nach dem ersten Applaus der Massen auf den Lorbeeren auszuruhen. Das Genre des Kriminalfilms muss den Erwartungen des Zuschauers vorgreifen und durch ein dichtes Netz an Indizien, Verdachtsmomenten und Possibilitäten Spannung erzeugen und sie auch halten können. Versagt das Drehbuch in seiner Absicht, eine Geschichte mit Hand und Fuß zu erzählen, so kann es sich auch nicht auf den künstlerischen Ausdruck herausreden wie beispielsweise ein Drama, das sich mit den Emotionen seiner Akteure beschäftigt und in jenem Zusammenhang viel mehr Raum für Interpretationen bietet. An den Grundfesten einer klassischen Kriminalhandlung kann nicht gerüttelt werden; wer hier vage bleibt und den Zuschauer durch mangelnde Stringenz langweilt, hat sein Glück verspielt. Eine solide Basis in Form einer starken Vorlage sorgt für ein stabiles Gerüst, an dem sich die handelnden Personen orientieren und zu einer tiefen, authentischen Identifikation mit den jeweils gegebenen Voraussetzungen gelangen können. Wenn man berücksichtigt, wann "Der rote Kreis" entstanden ist, so kann man guten Gewissens sagen, dass seine Handwerkskunst die Jahre unbeschadet überdauert hat.

Das Ensemble zeigt sich in glänzender Spiellaune, wobei einige Namen besonderes Augenmerk verdienen, obwohl die Rollen bis in die hinteren Reihen treffend und anschaulich besetzt sind. Mit Karl-Georg Saebisch hält ein erfahrener Mann die Zügel der Ermittlungen in der Hand, ohne sich auf abgenutzte Muster zu versteifen oder routiniert Abläufen zu gehorchen, die im traditionellen Kriminalfilm so oft für gepflegte Langeweile sorgen. Trockener Humor, Hintergründigkeit und Wagemut zählen zu den Pfunden, mit denen er wuchern kann. Ihm zur Seite und doch konträr zu seinen Methoden agiert Klausjürgen Wussow, der den flinken und intelligenten Derrick Yale zu einem smarten Helden der Frühphase der Edgar-Wallace-Reihe macht; einer Figur, die unter anderen Voraussetzungen gern in Serie gehen hätte können und deren Kokettieren mit der eigenen Unfehlbarkeit von einer unwiderstehlichen Arroganz geprägt ist. Ein Sympathieträger in der Rolle des Privatdetektivs hätte kaum die selbe Faszination entwickeln können wie der selbstgefällige Mime mit dem spöttischen Lächeln. Wenn Derrick Yale ein Meister darin ist, mit Freund und Feind Katz und Maus zu spielen, so ist ihm Renate Ewert mehr als ebenbürtig. Die Eigenständigkeit von Thalia Drummond resultiert aus einer lange gelebten Unabhängigkeit, die weder Pflicht, noch Tradition kennt, sondern nur das eigene Wohl im Auge behält. Die Fähigkeit, neue Chancen schnell zu erkennen und alte Gewohnheiten abzustreifen, verhilft ihr mit einer Prise ironischem Humor über manches böse Wort hinweg, das ihr Neider missgünstig entgegenbringen. Statt sich auf die Unterstützung eines männlichen Beistands zu verlassen, geht Thalia keine Allianzen oder Kompromisse ein, sondern gehorcht nur dem eigenen Verstand, der ihr oft den Mut zum Risiko empfiehlt und sie handeln lässt, bevor andere das für sie tun. Thomas Alder, der als junger Erbe jene Rolle bekleidet, die in den meisten Edgar-Wallace-Filmen jungen Frauen vorbehalten ist, lässt sich dementsprechend gern von Thalia beeindrucken. Er bewundert die Tatkraft und das Selbstvertrauen, die ihm fehlen, obwohl es ihm nach dem Tod des dominanten und knarzigen Alfred Schlageter besser gelingt, sich aus seiner Passivität zu befreien. Renate Ewerts Figur entwickelt einen Beschützerinstinkt für den beschäftigungslosen Mann, der sein Leben erst ordnen muss und sich gern von einer starken Frau an die Hand nehmen lässt, obwohl er glaubt, veraltete Denkmuster fortführen zu müssen. Mit diplomatischem Geschick lässt ihn Thalia im Glauben, seine Männlichkeit durch die Aussicht auf ein finanziell sorgenfreies Leben beweisen zu müssen.

Jürgen Roland inszeniert im wahrsten Sinne des Wortes einen runden Film, der vom Aufbau her immer wieder semidokumentarisch wirken möchte und damit für tragische Elemente sorgt, die der Geschichte einen düsteren Anstrich verleihen. Der Herbst als Zeit des Niedergangs unterstreicht in atmosphärischen Bildern - die durch das ländliche Ambiente Dänemarks an Ausdruck gewinnen - das perfide Spiel eines gerissenen Verbrechers, dessen Organisation viel subtiler agiert als jene seines "Kollegen" aus dem Vorgängerfilm "Der Frosch mit der Maske". Eiskalte Morde, die durch ihre kompromisslose Härte den unbedingten Realismus der Frühphase der Erfolgsserie betonen, erhalten unter der modernen Regie des Hamburgers Glaubwürdigkeit. Der Humor als Katalysator für den latent im Publikum vorhandenen Schrecken, den die Gruselkrimis nach Edgar Wallace auslösen, wird die Kinoreihe erst später in plakativer Ausprägung ergänzen. Noch ist alles ernst gemeint, was der Zuschauer in kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern serviert bekommt. Selbst Eddi Arent, der im Rückblick mit seinem Part als spaßiger Stichwortgeber assoziiert wird, übt sich in britisch-vornehmer Zurückhaltung. Der Rätselfaktor ist hoch und wird durch permanent neue Drohbriefe fortwährend angeheizt, was im Zusammenspiel mit den individuell facettenreich agierenden Figuren für ein stimmiges Gesamtbild sorgt. Charaktergesichter wie Ulrich Beiger, Richard Lauffen, Fritz Rasp und Heinz Klevenow verleihen der zweiten Reihe einen sinisteren Glanz, der die Doppelbödigkeit aufzeigt, die den Film gleichmäßig durchzieht. Die Identität des Verbrechers wird durch elegant gesetzte Kunstgriffe erfolgreich verschleiert, wobei die Auswahl an dubiosen Gestalten angemessen scheint und immer wieder auf den Prüfstand gestellt wird. Die spannungsfördernde Musik von Willy Mattes begleitet den Erzählfluss auf angenehme Weise, weil sie die Bildsprache unterstreicht, ohne ein akustisches Alleinstellungsmerkmal verbuchen zu wollen, wie es die auffallenden Musikstücke von Komponisten wie Peter Thomas oder Martin Böttcher oft im Sinne hatten. Durch die Kombination mit ikonischen London-Aufnahmen erhalten die authentisch gewählten Schauplätze eine Glaubwürdigkeit, die sich harmonisch mit der Handlung verbindet. Der gute Eindruck, den die Produktion hinterlässt, setzt sich vor allem bei jenen Zuschauern, die Wert auf eine solide, stringente und klassische Kriminalgeschichte legen, die ihre Effekte punktgenau platziert, ohne sich vordergründig primär auf ein optisches Feuerwerk zu verlassen wie es später manchmal in Ermangelung einer überzeugenden Vorlage geschah.


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