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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE GEISTERBEHÖRDE - Wilm Ten Haaf
PostPosted: 13.03.2020 17:19 
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"Die Geisterbehörde" (Deutschland 1979)
mit: Erik Ode, Herbert Fleischmann, Michael Hinz, Barbara Schöne, Kyra Mladeck, Manfred Lehmann, Rita Engelmann, Jürgen Draeger, Heinz Giese, Bettina Schön, Inge Wolffberg, Gerd Duwner, Henning Gissel u.a. | Drehbuch: Horst Pillau | Regie: Wilm Ten Haaf

Günter Nestrick wird dem Berliner Amt für Rationalisierung unter der Leitung von Rudolf Stortz zugeteilt. Der ehrgeizige Beamte fragt sich bald, womit sich seine Kollegen eigentlich den ganzen Tag über beschäftigen, da alle Aktenordner leer, die Schränke dafür jedoch mit Gesellschaftsspielen und alten Rätselzeitschriften gefüllt sind. Amtmann Stortz erläutert ihm, dass die Vorschläge zur Personaleinsparung in der öffentlichen Verwaltung, welche das Büro vor Jahren abgeliefert hat, niemals zur Anwendung kamen, weshalb die Beamten beschlossen, ihre Arbeitszeiten mit Schach, Halma und Kreuzworträtseln zu verbringen. Eines Tages wird der Büromitarbeiter Waldmann von einer Bekannten um eine Hilfeleistung in deren Firma gebeten, was ihn auf die Idee bringt, den unzufriedenen Nestrick dort als Unternehmensberater vorzuschlagen....

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Der satirische Roman aus der Feder des Erfolgsautors Horst Pillau, der nicht nur fürs Theater, sondern vor allem fürs Fernsehen gearbeitet hat, bildet die Grundlage für das Wiedersehen mit dem beliebten Erik Ode, der vier Jahre nach dem Ende der Kriminalserie "Der Kommissar" erneut an einem Schreibtisch Platz nimmt und die Anweisungen seiner vorgesetzten Dienststelle nach seinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit auslegt. Erstmals hat das Publikum wieder das Gefühl, Herbert Keller in Aktion zu sehen - die französische Vorabendserie "Sonne, Wein und harte Nüsse", in welcher er zum Ausstrahlungszeitpunkt seit zwei Jahren mitwirkte, konnte dafür nie einen Ersatz bieten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der schmutzig-graue Schnee am Straßenrand von Berlin oder München liegt, das nüchterne Ambiente vermittelt dem Zuschauer ein vertrautes Gefühl. Selbst die Büro-Hierarchie des alten Teams bleibt erhalten: Ode sitzt im eigenen Büro, während die Sekretärin im Vorzimmer an der Schreibmaschine arbeitet und der Neuzugang in Form eines jungen Kollegen mit Elan nach lohnenswerten Aufgaben sucht. Das Phänomen der beruflichen Unterforderung ist ein besonderes Reizthema, weil man sich im Land der Wirtschafts-Musterschüler gern mit Vollauslastung aller Kapazitäten und stolzen Exportrekorden brüstet. Jemand, der nichts zu tun hat, ist nach allgemeiner Meinung entweder nicht lebenstüchtig oder ein Bohemien. Im Dschungel der Bürokratie sollte für jeden Mitarbeiter ein Kraut gewachsen sein - eine zupackende Schlinge, die ihn voll und ganz vereinnahmt und in ein Hamsterrad einspannt, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die pure Existenz eines Amtes anzuzweifeln, gilt für Paragraphenreiter schon als Hochverrat.

Die Akteure vermitteln unbeschwerte Spielfreude, wobei der Spannungsbogen durch erotische Schlingerpfade intensiviert werden soll, was leider dazu führt, dass die Handlung mehrfach strauchelt und vom Hauptthema abweicht. Das Techtelmechtel zwischen Michael Hinz, der als humorlos und argwöhnisch eingeführt wird, und der emotional extrovertierten Barbara Schöne steht auf kurzen Beinen und verspricht weniger Zündstoff als die psychologisch reizvollere Komponente mit Bettina Schön. Mit seriösem Anstrich präsentiert sich Jürgen Draeger, der in einen Hintergrund platziert wird, der ihm gut zu Gesicht steht und den er mit dem ihm eigenen Ernst ausfüllt. Ebenso kann der immer gern gesehene Herbert Fleischmann für ein Gefühl der Kontinuität sorgen, das ein wesentliches Merkmal darstellt, wenn es um Behörden und ihre Struktur geht. Bevor die Handlung im Finale wieder in die Spur findet, leistet sie sich Augenblicke des Übermuts, die allerdings nicht übermäßig originell sind und eher zur Irritation führen. Der Grundgedanke des Drehbuchs - ein Versteckspiel im Sinne des Erhalts von unnütz gewordenen Arbeitsplätzen - reicht nicht aus, um einen abendfüllenden Fernsehfilm zu produzieren. Deshalb liegt es primär am Spiel der Mimen, den Zuschauer überzeugend zu unterhalten und ihm Momente der Erheiterung und der Parteinahme für die Figuren zu vermitteln. Der Amtsschimmel soll beim Galoppieren möglichst wenig Staub aufwirbeln und so lautet auch das Fazit für Wilm Ten Haafs Regiearbeit: Das ambitionierte Thema wird energisch angepackt und verzettelt sich bald in Nebensächlichkeiten, statt seiner Linie treu zu bleiben. Das Wiedersehen mit Ode, Fleischmann und Draeger lohnt jedoch in jedem Fall.


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