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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: EIN FREMDER KLOPFT AN - Kurt Früh
PostPosted: 27.04.2020 14:41 
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"Ein Fremder klopft an" (Deutschland 1967)
mit: Gertrud Kückelmann, Heinz Bennent, Gudrun Thielemann, Edda Seipel, Karl-Georg Saebisch, Rudolf Krieg, Werner Siedhoff, Barbara Morawiecz | Nach dem Kriminalstück von Frank Vosper, basierend auf einer Erzählung von Agatha Christie | Deutsche Übersetzung und Bearbeitung von Peter Goldbaum | Regie: Kurt Früh

Cecily Harrington und ihre Freundin Mavis haben je 10.000 Pfund in der Lotterie gewonnen. Während sich Mavis einen ausgedehnten Urlaub gönnt und Cecily mit ihrem Verlobten auf Hochzeitsreise gehen will, soll die Wohnung untervermietet werden. Cecily hadert jedoch mit der Aussicht, ihren aus dem Sudan zurückgekehrten Nigel zu heiraten. Sie sehnt sich nach Freiheit und Abenteuer und fürchtet den Gedanken an eine beschauliche Routine, die täglich wiederholt wird. Als sich der Amerikaner Bruce Lovel für die Wohnung und seine Vermieterin interessiert, beendet Cecily ihre Verlobung. Sie heiratet den geheimnisvollen Fremden und zieht mit ihm in ein abgelegenes Landhaus. Gesundheitliche Probleme und die Launen ihres Gatten zeigen ihr plötzlich eine ganz neue Seite seines Charakters und machen ein Zusammenleben mit ihm zum Spießrutenlauf zwischen Wutausbrüchen und Versöhnung. Bald machen sich Misstrauen und Angst in dem idyllischen Häuschen breit....

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Cecily Harrington hat es satt, "sich in einer muffigen Ecke ihres Lebens zu verkriechen." Sie möchte etwas aus sich machen, sich über den Durchschnitt erheben und nicht länger jene Erwartungen erfüllen, die von allen Seiten an sie herangetragen werden. Der unerwartete Geldsegen bietet ihr die Gelegenheit, sich eine Auszeit aus ihrem Bürojob zu nehmen, der keine neuen Herausforderungen bietet, sondern an Gewohnheiten festhält. Als sie den sensiblen Bruce Lovel trifft, der seine Absichten frei heraus kund tut und sich einem abwechslungsreichen Leben ohne Zwänge verschrieben hat, wittert Cecily die Chance, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben. Es ist ein letztes Aufbäumen, bevor es zu spät ist und sie aus reiner Angewohnheit mit jenen Aktivitäten fortfährt, die bisher ihren Alltag bestimmten. Auf den ersten Blick wirkt Cecily wie eine typische Bürgerin des Mittelstands. Sie kleidet sich ihrem Beruf entsprechend, trägt eine Föhnfrisur und flache Schuhe. In ihren Ansichten ist sie liberal; sie spürt, dass sie noch nicht alles gesehen hat, was ein erfülltes Leben ausmacht und empfindet für den Fremden eine spontane Seelenverwandtschaft, die ihr die ruhige Freundschaft mit Nigel nie geben konnte. Die Aussicht, ihren Tagesablauf selbst bestimmen zu können, hat sie übermütig werden lassen. Sie wird unvorsichtig und betont ihre angeborene Heiterkeit und die Offenheit gegenüber allem Neuen noch mehr als zuvor. Selbstredend schmeichelt ihr auch das Kompliment, sie wäre nicht so wie die anderen. Wer möchte schon gerne hören, dass er nur durchschnittlich wäre?

Bruce gibt sich den Anschein eines freien Geistes, ist aber dennoch introvertiert und gehemmt. Er ist leicht reizbar und gibt gern die Marschrichtung vor, was Cecily von der ersehnten Freiheit bald in eine neue Abhängigkeit führt. Fühlte sie sich als künftige Ehefrau Nigels eingeschränkt, so hat sie sich mit der Entscheidung für den Individualisten Bruce ein neues Gefängnis geschaffen - ein geheimnisvolles zwar, aber im Prinzip ein viel restriktiveres als bei dem braven Staatsbürger Nigel. Bruce' Ansichten über Frauen, Macht und Geld sind weitaus aggressiver und konservativer als die seines biederen Rivalen. Heinz Bennent verkörpert den berechnenden Mann mit der ihm eigenen Verletzlichkeit, die Misstrauen und Mitleid gleichermaßen nährt und ihn für schwache, aber auch skrupellose Rollen prädestiniert. Seine Mischung aus Ungeduld und Lethargie, die Unzufriedenheit mit dem Provisorium des Lebens, das zu überwinden er sich zur Aufgabe gemacht hat, grenzt ihn zunächst von der geradlinigen Gertrud Kückelmann ab, die zwar hohe Ansprüche an ihre Vorstellung eines Erfolges stellt, deren Ausstrahlung jedoch weit von jener Schwermut entfernt ist, die ihrem Kollegen so oft ins Gesicht geschrieben steht. Sehr angenehm ergänzen Gudrun Thielemann und Karl-Georg Saebisch die Runde, mit ihrer Offenheit und Loyalität sind sie wichtige Unterstützer der weiblichen Hauptfigur. Edda Seipel spielt die aufdringliche Verwandte, deren Besuche stets unwillkommen sind. Sie gießt Öl ins ohnehin lodernde Feuer der Bedrohung und ist sich dessen nicht einmal bewusst.

Fazit: Das anheimelnde Krimivergnügen aus der erprobten Werkstatt von Agatha Christie vermag die Handlung schlüssig und spannend zu vermitteln, ohne sich falscher Sentimentalitäten hinzugeben oder den Vertrauensbruch romantisch zu verklären. Geschickt versteht es die weibliche Hauptdarstellerin, ihren Partner bei seiner Eitelkeit zu packen und die Selbstbeherrschung des kalten Mörders durch Beharrlichkeit und Mut zu zertrümmern. Chapeau!


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