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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 29.11.2009 01:00 
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Originaltitel: Fluchtweg St. Pauli - Großalarm für die Davidswache
Alternativtitel:
Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 1971
Regie: Wolfgang Staudte
Darsteller: Horst Frank, Christiane Krüger, Heinz Reincke, Klaus Schwarzkopf, Siegurd Fitzek, Heidy Bohlen, Ulrich Beiger, Andrea Rau

Inhalt:
Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein können, treffen in diesem Film aufeinander. Der Bankräuber Willy Jensen entkommt aus einer Hamburger Haftanstalt. Als er seine Beute holen will, muss er feststellen, dass das Haus in dem sie versteckt war, abgerissen wurde. Sein Bruder Heinz, ein Hamburger Taxifahrer, drängt ihn vergeblich, sich der Polizei zu stellen. Stattdessen tötet Willy bei einem Einbruch in Panik eine Frau und erpresst Heinz, weil er Geld braucht, um ins Ausland flüchten zu können. Aber bereits haben Kommissar Knudsen und sein Assistent seine Spur aufgenommen. Willy flieht in Richtung dänische Grenze und wird dabei von seinem Bruder und der Polizei verfolgt, denen er sich nur durch Selbstmord in einem Kieswerk entziehen kann.

Rezension von Christian Kessler in Splatting Image Nr. 62:

Im Taxi des rührigen Heinz Jensen (Heinz Reincke) trifft sich die Welt! Schon während des Vorspannes bekommt er es mit einer begüterten und angetüterten Dame namens „Glitzer-Lilly“ zu tun, die sich im Vollrausch der Kleider entledigt. Jensen liefert die betrunkene Trulla auf der Davidswache ab und quatscht noch nett mit den Beamten. Dabei hat er mit seinem Bruder Willy (Horst Frank) einen echten Galgenstrick in der Familie: Bei einem Banküberfall soll jener eine halbe Million erbeutet haben, die er irgendwo versteckt hat. Da der böse Jensen keine Lust hat auf schwedische Gardinen, türkt er mit Isoliermasse eine Vergiftung und nimmt bei der Überführung ins Krankenhaus Reißaus. Leider erweist es sich, daß die Penunze mittlerweile nicht mehr vorhanden ist. So muß sich Willy an Bruder Heinz wenden, der jetzt unglücklicherweise mit Willys Ehefrau Vera (Hardy Krügers Tochter Christiane) verbandelt ist. Es setzt Krach. Immerhin staubt Willy die Adresse der „Glitzer-Lilly“ ab, die eine steinreiche Fabrikantengattin ist. Sich als Heinz ausgebend, verschafft er sich Zugang zum Anwesen. Als die Dame des Hauses unvorhergesehen hereinschneit, bringt Willy sie kaltlächelnd um. Kann Kommissar Knutsen dem Wüten des Ruchlosen Einhalt gebieten? Wolfgang Staudte gehörte zu den großen Regisseuren des deutschen Nachkriegskinos. Während Filmen wie DIE MÖRDER SIND UNTER UNS von Kritikerseite allerhöchstes Lob zuteil wurde, war sich Staudte doch niemals zu schade für das Genrekino, wobei ihm scheinbar besonders der Krimi am Herzen lag. Auch für den kleinen Bildschirm fertigte er zahlreiche Folgen von Serien wie „Der Kommissar“ oder „Tatort“, und unvergessen sind natürlich seine London-Mehrteiler DER SEEWOLF und LOCKRUF DES GOLDES. Auch das St.-Pauli-Kino bereicherte er um einen echten Lattenkracher: FLUCHTPUNKT ST. PAULI – GROSSALARM FÜR DIE DAVIDSWACHE (1971)! Daß dabei kein Film von der Klasse eines ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT herauskommen würde, war klar, aber dafür einer der temporeichsten Actionkrimis jener Tage, der sich vor den bereits besungenen Erzeugnissen Jürgen Rolands oder Rolf Olsens keine Sekunde zu verstecken braucht. Wer Horst Frank und Heinz Reincke in seiner Besetzungsliste hat, braucht sich keine allzu großen Sorgen zu machen, aber in den fähigen Händen Staudtes wird selbst dieser sehr triviale Stoff zu einer spannenden Reise in die Abgründe des Kiez-Milieus – deutsche Psychotronik at its best! Dabei gibt es durchaus ein oder zwei ziemlich sleazige Sexszenen zu sehen, und auch Hardcore-Pornobilder flattern kurz vor die Kamera. Unbedingt erwähnenswert ist der wunderbare Klaus Schwarzkopf, den man noch aus alten „Tatort“-Folgen (Kommissar Finke) oder als erste und einzig wahre Stimme von Inspektor Columbo kennt. Mit gewohntem Understatement macht er aus seinem Kommissar Knutsen einen lakonischen Gesetzeshüter, der den Kiez und seine Bewohner kennt und mit Fingerspitzengefühl und Geduld seine Gegner zur Strecke bringt. („Die Technik hat auch ihre guten Seiten!“ meint er fast resignierend, als ihm Fahndungsergebnisse zugespielt werden.) Eine ausgesprochen gute Wahl ist auch Siegurd Fitzek als Willys Kompagnon Timpe, der ein kleiner Ganove ist, der spitzkriegt, daß er da mehr abgebissen hat, als er schlucken kann... Insgesamt gehört FLUCHTWEG zu den spannendsten und actionlastigsten Filmen seiner Zunft und serviert uns am Schluß eine exzellent gestaltete Verfolgungsjagd, dem der knallige Showdown zwischen den verfeindeten Brüdern folgt. Geschmiert wird das Ganze von der peppigen Beatmusik von Peter Schirmann. Auf dem schönen Sampler „St. Pauli Affairs“ sind drei Tracks enthalten.

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 29.11.2009 18:50 
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Dem Christian ist nichts hinzuzufügen.


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 04.06.2011 12:02 
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Deutschland 1971

R: Wolfgang Staudte

D: Horst Frank, Heinz Reincke, Christiane Krüger, Klaus Schwarzkopf, Sigurd Fitzek, Horst Hesslein


Heinz Jensen (Reincke) ist Taxifahrer und aktuell hat er das Problem, die „Glitzer-Lilly“ zu befördern, eine Millionärsfrau von der Elbchaussee, zugedröhnt bis in die Haarspitzen, die sich noch in seinem Taxi vollständig entkleidet, bevor sie auf der Rückbank einschläft. Da Heinz eine ehrliche Haut ist und nicht weiß, wohin mit ihr (gibt man nicht beim Einsteigen in ein Taxi ein Fahrtziel an?), gibt Heinz kurzerhand die Schnapsleiche auf der Davidwache (ohne „s“!!) ab, wo die ehrenwerte Frau Berndorf bereits einschlägig bekannt ist.

Heinz hat auch einen Bruder namens Willi (Horst Frank), der nach einem Bankraub seit zwei Jahren im Knast befindet bzw. befunden hat, denn mit einem Trick gelingt es ihm, auszubrechen. Nun will er die Beute von 500.000 DM, die er damals versteckt hat, holen. Doch als er die Adresse erreicht, sieht er eben noch, wie das Gebäude abgerissen wird. Das Geld ist verloren.

So macht sich Willi auf zu seinem Bruder, den er schon als Kind nicht mochte. Doch der ehrliche Heinz hält seinen Bruder für unschuldig und hat sich 10.000 DM vom Mund abgespart, um einen Anwalt bezahlen zu können, um ein Wiederaufnahmeverfahren erwirken zu können. Als Willi bei Heinz aufkreuzt, muss er allerdings feststellen, dass seine Frau Vera (Christiane Krüger) sich mittlerweile Heinz zugewandt hat, und außerdem erfährt er von den Berndorfs, von denen Heinz noch das Geld für die Taxifahrt kassieren muss.

Zusammen mit seinem Komplizen, dem Taxifahrer Timpe (Fitzek), entführt Willi seine Frau und plant den Fischzug bei den Berndorfs, dem die „Glitzer-Lilly“ zum Opfer fällt. Beim Versuch, die geraubten Juwelen in Bargeld umzuwandeln, muss Willi allerdings feststellen, dass auf dem Kiez bei Mord die Freundschaft schnell aufhört. Heinz hat unterdessen das Problem, dass Kommissar Knutzen (Schwarzkopf) ihm nicht abnimmt, von dem Treiben nichts zu wissen. Außerdem hat Heinz die Gabe, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein…

Als Heinz erfährt, dass Willi mit Vera als Geisel sich nach Dänemark absetzen will, sieht er nur noch einen Weg: Er muss selbst seinen Bruder stoppen…

Ja, auch Wolfgang Staudte hat seinen Anteil an der Pauli-Welle um 1970 gehabt und präsentiert uns eine sehenswerte Krimigeschichte um zwei sehr ungleiche Brüder. Horst Frank brillierte bereits in Jürgen Rolands „Die Engel von St. Pauli“, Heinz Reincke zählte eh zu Olsens St. Pauli-Stamm-Besetzung. Leider muss man immer noch auf die alte königliche VHS-Kassette zurückgreifen, um den Film zu genießen, aber vielleicht sich ja doch mal ein DVD-Label der deutschen exploitativen Filmhistorie. Ach ja, Horst Hesslein, der eine kleine Rolle als betrunkener Koberer hat, hab ich bei den Darstellern nur erwähnt, um jetzt darauf hinweisen, dass er 1976 in einem sehr anderen Film aus dem Kiezmilieu eine weitaus tragendere Rolle hatte. Aber das ist eine andere Geschichte, und die erzähle ich ein anderes Mal…


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 18.07.2011 18:47 
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Ich kann mich hier dem Lobesreigen im Groben nur anschließen. Was mir jedoch besonders auffiel, ist Staudtes Qualität in Sachen der hier aufgeführten Nuditäten. Kaum hatte ich das Gefühl etwas Schlüpfiges zu sehen. Sein Blick ist von einem Milieu-Naturalismus, der nichts exploitativ vor die Kamera zerrt, sondern ganz gelassen Eindrücke widerspiegelt. Hier meine Kritik zum Film

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Last edited by Intergalactic Ape-Man on 27.04.2012 06:52, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 02.10.2011 17:56 
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Heinz Reincke einer meiner lieblings *Hamburg-Film* Schauspieler :mrgreen: Glaube habe ich schonmal irgendwo anders erwähnt. Er passt da einfach total rein , ihm nehm ich in Hamburg alles ab :lol: Film 9/10


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 26.09.2012 18:44 
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Der Film wird wohl demnächst aus Richtung Media Target kommen. Zumindest haben sie ihn bei der FSK prüfen lassen: *** The link is only visible for members, go to login. ***

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 26.09.2012 19:21 
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MMeXX wrote:
Der Film wird wohl demnächst aus Richtung Media Target kommen. Zumindest haben sie ihn bei der FSK prüfen lassen: *** The link is only visible for members, go to login. ***


post55980.html#p55980 ;)

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- Tim Lucas (im Zusammenhang mit diesem Artikel)

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 26.09.2012 20:25 
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Gestern Abend gerade zum ersten Mal gesehen und des Öfteren gedacht, dass der Filme eine DVD-VÖ verdient hätte! :lol:


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 27.09.2012 09:29 
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McKenzie wrote:
http://dirtypictures.phpbb8.de/post55980.html#p55980 ;)

Verdammt, nicht ordentlich genug gesucht. Aber so ist wenigstens klar, dass er wohl in absehbarer Zeit kommt.

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 27.09.2012 09:58 
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MMeXX wrote:
McKenzie wrote:
http://dirtypictures.phpbb8.de/post55980.html#p55980 ;)

Verdammt, nicht ordentlich genug gesucht. Aber so ist wenigstens klar, dass er wohl in absehbarer Zeit kommt.


Stimmt. Als ich den Thread im GF noch editieren konnte, also vor etwa einem Jahr oder so^^, da hatte ich den schon eingetragen. Überhaupt braucht die Liste da noch einige Updates inzwischen. Magst du die mal nachtragen? :pray:

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 06.11.2012 23:59 
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Alternativer Titel: Heiße Spur St. Pauli
Produktionsland: Deutschland
Produktion: Heinz Willeg
Erscheinungsjahr: 1971
Regie: Wolfgang Staudte
Drehbuch: Fred Denger, George Hurdalek
Kamera: Giorgio Tonti
Schnitt: Renate Willeg
Musik: Peter Schirmann
Länge: ca. 84 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller:
Klaus Schwarzkopf: Kommissar Knudsen
Horst Frank: Willy Jensen
Heinz Reincke: Heinz Jensen
Christiane Krüger: Vera Jensen
Andrea Rau: Maggy
Sigurd Fitzek: Timpe
Gerhard Bormann: Kriminalassistent Löffler
Ulrich Beiger: Berndorf
Heidy Bohlen: Glitzer-Lilly
Curt Timm: Burkhard
Horst Hesslein: Jimmy
Ingeburg Kanstein: Polizistin Fiedler



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Der Bankräuber Willy Jensen ist aus dem Gefängnis ausgebrochen. Auf seine versteckte Beute kann er allerdings nicht zurückgreifen, da der Zufall ihm einen Streich spielt. Willi sucht demnach den Weg zu seinem Bruder um an Geld zu kommen. Dieser ist Willy jedoch nicht wohl gesonnen und ein Drama von Raub, Entführung und Mord ist vorhersehbar.

Mit einer vom Saxophon dominierten Musik macht sich Heinz Reincke in der Rolle des Taxifahrers Heinz Jensen auf den Weg durch Hamburgs Straßen und auf dem Rücksitz befindet sich eine volltrunkene Millionärsgattin. Ein erster Blick auf das nächtliche und sehr ruhig wirkende Hamburg der frühen 70er Jahre. Der erste größere Schwenk führt den Zuschauer in eine Haftanstalt in der sich unser Hauptbösewicht Willy Jensen (Horst Frank) befindet, der seinen Ausbruch plant und praktiziert. Die Flucht wird von einer Gitarrenlastigen Musik begleitet, welche durch die Drums zu einem treibenden Werk mutiert. Ein wirklich gelungener Soundtrack, der das fabelhafte 70er Jahre Flair welches Wolfgang Staudtes Film zweifelsohne bietet, begleitet.

Was die Besetzungsliste anbelangt, so haben wir mittlerweile zwei Charaktere kennen gelernt. Horst Frank und Heinz Reinke. Dazu gesellen sich allerdings auch noch weitere gern gesehene Gesichter. Christiane Krüger als Willy Jensens Frau Vera, die wie immer sehr nett anzuschauen ist. Klaus Schwarzkopf als Kommissar Knudsen und in einer kleinen Rolle Andrea Rau als die Animierdame bzw. Prostituierte Maggy. Alle Darsteller machen einen wirklich guten Job, müssen sich allerdings hinter Horst Frank einreihen. Horst verkörpert den Kriminellen Willy Jensen so wie man es von ihm erwartet, ein leichter Hang zum Psychopathen und immer unberechenbar.

Klaus Schwarzkopf ist der hingegen erwartet ruhige Pol des Films, so wie man ihn z.B. auch als Tatort Kommissar Finke kennt. Wo wir beim Thema Tatort sind sei noch erwähnt, das der Fluchtweg St. Pauli Regisseur Wolfgang Staudte einige Regiearbeiten innerhalb der Tatort-Reihe geleistet hat. Hier sei besonders die einst sehr zwiespältig aufgenommene Episode „Tote brauchen keine Wohnung“ angesprochen.

Doch nun zurück zum Film. Dieser ist von seiner Story her einfach gestrickt, kann aber mit einigen Wendungen immer wieder für sehr gute Unterhaltung sorgen. Dazu bietet der Film auch noch einiges an Wortwitz, der wirklich zum Schmunzeln animiert und sich äußerst angenehm niederlässt. Ein sozialkritischer Aspekt lässt sich ebenfalls im Ansatz erkennen. Die Kluft zwischen Arm und Reich in Hamburg, durch den Schwenk von der Reeperbahn zur Elbchaussee.

„Ich bin vielleicht wahnsinnig, aber du bist total besoffen.“

Im Punkto Action wird zum Ende eine Autoverfolgungsjagd präsentiert die in einen äußerst sandigen Ambiente endet. Optisch wie Kameratechnisch gibt es hier absolut Nichts auszusetzen.

Fazit. Wer sich gerne mal auf die Reise in die frühen 70er Jahre begeben und ein Telefon mit Wählscheibe betrachten möchte, der kann sich dem Reiseleiter Wolfgang Staudte ohne Zögern anschließen, denn in diesem Hamburg fühlt man sich von der ersten bis zur letzen Minute pudelwohl.

7,5/10


Die DVD-Umsetzung ist sehr gelungen. Ein sauberes und scharfes Bild, wie auch ein guter Ton. Dazu kommt eine hervorragende Aufmachung der Verpackung, sprich ein herrlich gestalteter Pappschuber.

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 24.11.2012 10:16 
Da manch gute Veröffentlichung in der momentanen Masse etwas untergeht, will ich schnell noch mal diesen Thread nach oben holen. Gestern gesehen. FLUCHTWEG hat mir noch ein bißchen besser gefallen als WENN ES NACHT WIRD. :D Die DVD hat ein super Bild und lohnt auf jeden Fall.
Bin schon gespannt auf den Bonus!


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 24.11.2012 13:17 
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Einer der besten St. Pauli Streifen überhaupt. Was Horst Frank da abliefert gehört absolut zu den Highlights seiner Filmkarriere. Der Film steht Eurocrime Klassiker aus Frankreich oder Italien oder Groß Britanien in Nichts nach ausser das er etwas schmieriger rüber kommt was ihn gut tut. Somit kann er sich einreihen mit Filmen wie " Sitting Target" *** The link is only visible for members, go to login. *** oder Villian *** The link is only visible for members, go to login. *** Revolver *** The link is only visible for members, go to login. *** z.B.
Einer der deutschen Gangsterfilme der 70er Jahre der absolut mehr internationale Anerkennung verdient hat.

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Blu Ray und DVD Holzkistenverpackungen sind Sondermüll....
und echte Filmfans brauchen sowas nicht !!!


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 03.01.2013 12:07 
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Bereits am 22. Februar erscheint für ca 10€ bei Dynasty - Film (Intergroove) eine abgespeckte Version des Films in der Reihe DEUTSCHE KRIMI - KLASSIKER.
Wenn ich gewußt hätte das schon nach 4 Monaten eine Vanilla-Edition nachgereicht wird hätte ich mit dem Kauf gewartet weil Extras wie Audiokommentare und Soundtrack für mich nicht so wichtig sind...


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 03.01.2013 16:59 
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jomei2810 wrote:
Bereits am 22. Februar erscheint für ca 10€ bei Dynasty - Film (Intergroove) eine abgespeckte Version des Films in der Reihe DEUTSCHE KRIMI - KLASSIKER.
Wenn ich gewußt hätte das schon nach 4 Monaten eine Vanilla-Edition nachgereicht wird hätte ich mit dem Kauf gewartet weil Extras wie Audiokommentare und Soundtrack für mich nicht so wichtig sind...


Diese Edition wird allerdings nicht von Media Target nachgereicht. Die Rechte an diversen unterlizensierten Titeln von Studio Canal sind am 31.12.2012 ausgelaufen. Aufgrund dieser Situation sind von verschiedenen Labels in den letzten Wochen noch schnell diverse davon betroffene Titel veröffentlich worden. Es ist nun natürlich möglich, dass Dynasty kurzfristig noch mehr Filme bringt, die erst vor kurzem anderweitig erschienen sind.

Dynasty ist das Label des neuen Lizenzinhabers Fernsehjuwelen und bringt nun demnächst eine eigene Scheibe. Es muss sich erst noch zeigen, wie die Qualität von deren Veröffentlichungen wird.

Link zu Fernsehjuwelen/Dynasty: *** The link is only visible for members, go to login. ***

Edit: Ich sehe grad, das wurde parallel schon im Subkultur-Forum ausdiskutiert ...


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 03.01.2013 17:24 
Jeroen wrote:
jomei2810 wrote:
Bereits am 22. Februar erscheint für ca 10€ bei Dynasty - Film (Intergroove) eine abgespeckte Version des Films in der Reihe DEUTSCHE KRIMI - KLASSIKER.
Wenn ich gewußt hätte das schon nach 4 Monaten eine Vanilla-Edition nachgereicht wird hätte ich mit dem Kauf gewartet weil Extras wie Audiokommentare und Soundtrack für mich nicht so wichtig sind...


Diese Edition wird allerdings nicht von Media Target nachgereicht. Die Rechte an diversen unterlizensierten Titeln von Studio Canal sind am 31.12.2012 ausgelaufen. Aufgrund dieser Situation sind von verschiedenen Labels in den letzten Wochen noch schnell diverse davon betroffene Titel veröffentlich worden. Es ist nun natürlich möglich, dass Dynasty kurzfristig noch mehr Filme bringt, die erst vor kurzem anderweitig erschienen sind.

Dynasty ist das Label des neuen Lizenzinhabers Fernsehjuwelen und bringt nun demnächst eine eigene Scheibe. Es muss sich erst noch zeigen, wie die Qualität von deren Veröffentlichungen wird.

Link zu Fernsehjuwelen/Dynasty: *** The link is only visible for members, go to login. ***

Edit: Ich sehe grad, das wurde parallel schon im Subkultur-Forum ausdiskutiert ...



Ist Dynasty ein Fernsehjuwelen Label? Ich denke nein. Fernsehjuwelen veröffentlicht doch unter seinem eigenen Label.


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 04.01.2013 08:30 
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Um das hier richtig zu verstehen, handelt es sich da um die gleiche Scheibe bzw. Master
wie bei der VÖ von Subkultur :?: ( Die ich natürlich besitze )

Das Cover der Amary schaut übrigens sehr gut aus, finde ich.


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 04.01.2013 09:08 
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Mit Sicherheit. Die rippen die EDV Scheibe und haben ohne großen Aufwand das fertige Master daliegen. Keine Leihgebühren bei Taurus und so gut wie keine Kosten.


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 04.01.2013 11:30 
Armitage wrote:
Mit Sicherheit. Die rippen die EDV Scheibe und haben ohne großen Aufwand das fertige Master daliegen. Keine Leihgebühren bei Taurus und so gut wie keine Kosten.



Das glaube ich bei Fernsehjuwelen nicht. Die haben aber bestimmt dasselbe Master vom Lizenzgeber bekommen und werden wohl noch ein bißchen daran rumfeilen. Ich denke nicht, dass die DVD viel schlechter wird. Trotzdem ist für einen Sammler der Subkultur allein aufgrund des Bonus und der Aufmachung der Vorzug zu geben.


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 11.09.2013 18:55 
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FLUCHTWEG ST. PAULI – GROSSALARM FÜR DIE DAVIDSWACHE
[BRD][1971]

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Regie: Wolfgang Staudte
Darsteller: Horst Frank, Heinz Reincke, Klaus Schwarzkopf, Christiane Krüger, Siegurd Fitzek, Heidy Bohlen, Ulrich Beiger, Andrea Rau, Gerhard Bormann, Ingeburg Kanstein, Horst Hesslein


"... er macht rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch!"

Der brutale Bankräuber Willi Jensen [Horst Frank] bricht aus dem Gefängnis aus. Doch als er die vor seiner Inhaftierung versteckte Beute an sich nehmen möchte, wird er fassungsloser Zeuge, wie das Haus, welches dieser als vermeintlich sicheres Lager diente, gerade eingerissen wird. Das Geld ist futsch. Doch nicht nur das: Als er seinen Bruder, den rechtschaffenden Taxifahrer Heinz [Heinz Reincke], aufsucht, stellt er fest, dass seine Frau Vera [Christiane Krüger] inzwischen dessen Geliebte ist. Bebend vor Zorn plant er seinen nächsten Coup: einen Einbruch in die Villa des Millionärs Berndorf [Ulrich Beiger]. Doch nachdem Willi wie geplant eingestiegen ist, wird er von Liliane [Heidy Bohlen], der Frau des Beraubten, überrascht. Willi wird zum Mörder. Mit Vera als Geisel versucht er nun, sich ins Ausland abzusetzen. Doch nicht nur sein Bruder, auch Kommissar Knudsen von der Hamburger Polizei [Klaus Schwarzkopf] ist ihm bereits dicht auf den Fersen.

FLUCHTWEG ST. PAULI läuft noch nicht einmal zwei Minuten, da ist bereits der erste blanke Busen im Bild. Es ist also eindeutig ein guter Film.

Dennoch sollte man sich davor hüten, aufgrund dieses sehr enthüllenden Auftakts falsche Erwartungen an die folgenden 80 Minuten zu hegen: Trotz gelegendlich aufblitzender nackter Tatsachen und des marktschreierisch im Titel drapierten Wörtchens „St. Pauli“, handelt es sich bei Wolfgang Staudtes routiniert in Szene gesetztem Genrewerk nämlich nicht etwa um ein die Triebe spekulativ ausschlachtendes Schmuddelstück, sondern um einen mit jeder Menge Lokalkolorit ausgestatteten und von schmissigem Easy Listening Sound begleiteten Polizei- und Gangsterkrimi, der das Rotlichtmilieu lediglich als attraktive Kulisse nutzt für seine fast schon biblisch anmutende Geschichte zweier Brüder, die dermaßen übertrieben gegensätzlich gezeichnet wurden, dass sich glatt die hanseatischen Balken biegen:

Auf der einen Seite steht Willi Jensen [Horst Frank], der auf seiner Jagd nach Reichtum selbst vor Entführung und Mord nicht zurückschreckt und sich, wenn es denn sein muss, noch nicht einmal scheut, seinem angetrauten Eheweib eine saftige Ohrfeige zu verpassen – ganz eindeutig ein böser Kerl. Auf der anderen Seite hingegen steht sein Bruder Heinz [Heinz Reincke], der als durch und durch anständiger Taxifahrer nicht mal auch nur im Ansatz auf die Idee käme, sich an seiner volltrunkenen Kundin, die sich gerade in seinem Dienstfahrzeug entblättert hat, in irgendeiner Art und Weise unzüchtig zu vergreifen, und sogar, neben besagter Dame, auch ihren prall gefüllten Geldbeutel brav mit auf der Wache abgibt. Und als wäre das nicht bereits genug der guten Taten, spart er sich von seinem schmalen Gehalt auch noch ein erklekliches Sümmchen zusammen, um seinem gefallenen Bruder nach dessen Knastaufenthalt ein neues Leben ermöglichen zu können.

Das vorzeitige Aufeinandertreffen beider Parteien führt allerdings trotzdessen zu allerlei gewalttätigen Auseinandersetzungen, die der für den Fall zuständige Kommissar Knudsen [Klaus Schwarzkopf], welcher in der Regel eher durch Zufall als durch gekonnte Ermittlungsarbeit an den Orten des Geschehens zugegen ist, mehr oder weniger gleichgültig zur Kenntnis nimmt. Als Jensen seine Frau Vera [Christiane Krüger] zur Geisel nimmt, zieht Knudsen nur schulterzuckend von dannen, nicht ohne zuvor seinen jungen Kollegen zu rüffeln, der doch tatsächlich auf die alberne Idee kam, eine Fahnung nach Jensen einzuleiten. Und auch der Rest der Polizei glänzt hier nicht gerade mit Engagement und Cleverness, sondern wartet bevorzugt einfach ab, bis sich die Unterwelt gegenseitig ans Messer liefert. Damit stemmt sich FLUCHTWEG ST. PAULI, ob nun gewollt oder ungewollt, gegen das vor allem im Ausland propagandierte Bild des stahlharten Superpolizisten und präsentiert stattdessen ein eher kumpelhaftes Verhältnis zwischen Beamten und Bürger, welche hier quasi auf Augenhöhe miteinander agieren.

Die Vorzüge ihres Schauplatzes Hamburg immer wieder gekonnt ins Bild rückend, tauscht die zwar realitätsferne, doch hoch unterhaltsame Räuberpistole dabei Glaubwürdigkeit und ausgeklügelte Spannungsdramaturgie gegen eine Extraportion nordisches Flair ein. Als Jensens Flucht vor dem Gesetz ihn, von wabernden Klangteppichen begleitet, auf und über die Dächer der Stadt führt, fängt die Kamera nicht nur ihn, sondern auch das monströs anmutende Hafengebiet im Hintergrund ein. Die geschäftige Metropole wird zum permanenten Nebendarsteller, zur siedenden Kulisse für Niedertracht und Missetat.

Wenig überraschend dabei, fast schon obligatorisch, dass auch die Gutbetuchten nicht wirklich mehr Moral am Leibe haben, als der gemeine grobschlächtige Unterweltvasall: Als Millionär Berndorf, mit abstoßend unterschwelliger Verschlagenheit verkörpert von Ulrich Beiger [→ DER FROSCH MIT DER MASKE], die Leiche seiner Frau entdeckt, ruft er, nach pflichtbewusster Verständigung der Polizei, unverzüglich und mit sichtlich zufriedener Miene seine Geliebte an, um ihr die frohe Botschaft mit süffisanter Freude zu verkünden, während man die Verblichene im Hintergrund auf dem teuren Teppich liegen sieht.

Der Mord an der Gattin Berndorfs ist dann auch eine der gelungensten Szenen FLUCHTWEG ST. PAULIs: Aus heiterem Himmel beginnt das noch ahnungslose alkoholgeschwängerte Opfer zu grandios psychedelischem Schrammelrock eine merkwürdig-ungelenke Tanznummer zu zelebrieren, bevor es von Jensen hinterrücks erdrosselt wird. Während sich die Frau im Todeskampf windet und die Musik dazu unerbittlich weiterschrammelt, gilt Jensens Blick im selben Moment einzig und allein den auf dem Tisch platzierten Juwelen – ein fabelhaft zynischer Augenblick, der an die italienischen Gialli der 70er Jahre erinnert, welche den Tötungsakt als stilvolle Kunstform zu inszenieren wussten.

Willi Jensen wird vom damaligen Publikumsliebling Horst Frank [→ DJANGO – DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON] in bewährt ruppiger Art als phänomenal garstiger Schmierlappen zum Leben erweckt, dem auf fast schon krankhafte Weise Geld und Gold über alles gehen. Werte, die nicht materieller Natur sind, scheinen ihm hingegen vollkommen gleichgültig zu sein. Der ebenso rabiate wie feige Ganove ist geradezu eine Bilderbuchrolle für den bärbeißigen Frank, der erneut einige große darstellerischen Momente für sich verbuchen kann. Seine Mimik, als ihm klar wird, dass die versteckte Beute für immer verloren sein wird, ist unschlagbar. „Dann war das ja alles umsonst, Mensch!“ jammert er mit brüchiger Stimme, den Tränen nah, doch verzweifelt um Fassung ringend.

Mit Heinz Reincke [→ WENN ES NACHT WIRD AUF DER REEPERBAHN] castete man als Sympathieträger ebenfalls eine waschechte Type, die einem klassischen Hollywood-Helden unähnlicher nicht sein könnte. Weder attraktiv, noch sonderlich gewitzt, erscheint Reincke stattdessen wie der dufte Kumpel von nebenan. Vorurteile hegt er gegen nichts und niemanden, und mit den Prostituierten der Roten Meile plaudert er nicht minder kameradschaftlich und respektvoll als mit den Autoritätspersonen vom hiesigen Polizeirevier. Als ihm seine missliche Situation über den Kopf zu wachsen scheint und er sich aufgrunddessen hemmungslos in einer Bar besäuft, möchte man ihn glatt selbst in den Arm nehmen und ihm zum Trost einen Kaffee zu spendieren.

Aufgrund seiner geerdeten Figuren voller Kanten und Konturen gelingt FLUCHTWEG ST. PAULI dann auch die emotionale Involvierung seines Publikums. Die Charaktere wirken hier nicht etwa wie realitätsferne Gestalten aus wildfremden Sphären, mit denen eine Identifikation quasi unmöglich erscheint, sondern wie authentische Personen, von denen man sich vorstellen könnte, dass sie tatsächlich existieren, was FLUCHTWEG ST. PAULI, zusammen mit seinem glaubwürdig gezeichneten Schauplatz, an manchen Stellen sogar einen dokumentarischen Touch verleiht. Die Handlung hingegen ist nicht selten ernüchternd unplausibel, und das von Zufällen und gnadenlos konstruierten Verhaltensweisen beherrschte Skript besticht auch nicht gerade durch ausgemachte Pfiffigkeit.

Dennoch ist FLUCHTWEG ST. PAULI ein lohnendes Abenteuer für all jene, die schon längst vergessen haben, dass das deutsche Kino mehr zu bieten hat als Liebeskarussells und Vergangenheitsbewältigung. Reeperbahn und Elbchaussee bilden die Kulisse für ein wunderbar leichtes, erstaunlich unbiederes Ganovenstück, das weder belehren, noch moralisieren, sondern lediglich 80 Minuten anspruchslose Zerstreuung bieten möchte. Die mit etwas Erotik und einer Prise Action (im Finale liefern sich Auto und Motorrad eine fetzig gefilmte Verfolgungsjagd) versetzte Mischung aus Groschenroman, Bruderdrama und Gangsterkrimi funktioniert prächtig und der jazzig-beschwingte Soundtrack lädt zum rythmischen Mitschnippen ein. Einen „Hintertreppen-Krimi“ nannte das konservative 'Lexikon des internationalen Films' Staudtes Werk in gewohnt abschätziger Art und Weise und übersah dabei völlig, dass auch auf Hintertreppen ganz tolle Dinge passieren können. Titten nach nicht mal zwei Minuten - was soll da noch schiefgehen?

s. auch: FLUCHTWEG ST. PAULI - GROSSALARM FÜR DIE DAVIDSWACHE

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 14.09.2014 18:51 
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Vorgestern mal angeschaut, via TV Aufnahme. Ist schon ein gelungener film, kann mich den Rezessionen hier nur anschliessen. Reincke und auch Frank gefällt wie immer. Am kultigsten fand ich die Szene wo Reincke besoffen in der Tittenbar war. Guter Crime Film aus deutschen Landen! 8/10

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 14.09.2014 19:05 
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Wobei die nette Tour mit Glitzer-Lilly auch nicht schlecht ist. :lol:
Den müsste ich mir auch nochmal anschauen!


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 14.09.2014 20:05 
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Wenn man da nun die schöne VHS gekauft hätte... :lol:


Aber noch isse verfügbar. ;)


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 16.01.2015 13:04 
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Gestern verschlug es mich mal wieder nach Hamburg, einmal mehr wurde ich allerbestens unterhalten. Betrachte ich die vier größten deutschen Städte, so haben tatsächlich nur Hamburg und München wirklich Flair und meine Sympathie, Berlin taugt immerhin zum Hassobjekt und über das Millionendorf am Rhein verliere ich lieber keine Worte mehr ...

Ähm, worauf wollte ich hinaus? Der Film, der Film, der Film. Horst Frank und Heinz Reincke spielen großartig, Reincke stiehlt fast ein wenig die Show. Dazwischen Christiane Krüger, damals sah sie noch nicht so kalbsköpfig wie in den späteren Jahren ihrer Karriere aus, Klaus Schwarzkopf geht immer, Ulrich Beiger macht uns die nobel-kaltherzige Sau, Heidi Bohlen und Andrea Rau sorgen für eine kleine Dosis Eyecandy.

Das Drehbuch schlägt teils befremdliche Wege ein, dem Unterhaltungswert ist das nicht abträglich. Schmissige Mucke und viel, viel Hamburg. Was will man mehr?

Schöne DVD aus dem Hause Subkultur, die Beigaben werde ich noch würdigen. Gleich folgt der Griff zur Lesebrille, ich freue mich auf das Booklet des werten Pelle.

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PostPosted: 16.01.2015 16:43 
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Ein toller Film.

Die DVD von Dynasty Film würde mir nicht genügen und ich bin froh, dass ich die feine Auflage der EDITION: DEUTSCHE VITA (mit vielen schönen Extras) habe.

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PostPosted: 16.01.2015 21:40 
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Blap wrote:
und über das Millionendorf am Rhein verliere ich lieber keine Worte mehr ...

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 16.01.2015 23:04 
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Aber warum? Die Bezeichnung "Millionendorf am Rhein" stammt von Herrn Niedecken, immerhin einer der bekanntesten Söhne der Stadt. :)

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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 18.01.2015 23:41 
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FLUCHTWEG ST. PAULI

● FLUCHTWEG ST. PAULI - GROSSALARM FÜR DIE DAVIDSWACHE (D|1971)
mit Horst Frank, Christiane Krüger, Heinz Reincke, Klaus Schwarzkopf, Sigurd Fitzek, Ulrich Beiger, Andrea Rau und Heidy Bohlen
eine Gemeinschaftsproduktion der Allianz Filmproduktion | Terra Filmkunst | Walter Koppel Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Wolfgang Staudte


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»Ist ja schon kriminell was die Dame da treibt!«


Durch einen raffinierten Trick kann der verurteilte und kaltblütige Bankräuber Willi Jensen (Horst Frank) aus dem Zuchthaus entkommen. Jensen, der während des Prozesses immer wieder seine Unschuld beteuerte, will die Beute nach zwei Jahren Haft aus seinem Versteck holen, doch das alte Haus, das dafür diente, wurde abgerissen. Alles scheint umsonst gewesen zu sein und der Sträfling muss andere Pläne schmieden. Er taucht bei seinem Bruder Heinz (Heinz Reincke) auf, den er mit seiner eigenen Frau Vera (Christiane Krüger) bei ihm vorfindet, da die beiden mittlerweile zusammen leben. Die Situation eskaliert und Vera wird als Geisel genommen. Um an Geld zu kommen, schreckt Willi Jensen nun vor Raub, Erpressung und schließlich auch Mord nicht zurück. Kommissar Knudsen (Klaus Schwarzkopf) verfolgt die Spur des unberechenbaren Verbrechers quer durch Hamburg. Wird er ihn stoppen können..?

Regisseur Wolfgang Staudte inszenierte mit "Fluchtweg St. Pauli" einen soliden, vor allem aber einen charakteristischen Kiez-Krimi, der eine breit gefächerte Unterhaltung bietet. Dabei wirkt die turbulente Geschichte von Anfang bis Ende gut konstruiert. Die Handlungsstränge gehen nahtlos und ganz geschickt ineinander über, verstehen es daher eine glaubhafte Geschichte zu schildern, die insgesamt dem Empfinden nach auf dem Boden der Tatsachen bleibt und die Anteile von Krimi, Milieu-Studie und Unterhaltungsfilm liefern eine ausgewogene Mischung. Man bekommt es nicht mit dem perfekten Verbrecher aus dem Bilderbuch zu tun, vielmehr hat Jensen mit immer wieder neu auftauchenden Komplikationen zu kämpfen. Die Beute, und somit der Sinn der ganzen Strapaze, ist verloren. Der weitere Weg den er dabei gezwungenermaßen einschlagen muss, offenbart langsam aber sicher eine auf ihn und alle Beteiligten zukommende logische Konsequenz, und zur wichtigsten Frage wird, wie oder ob man seine Zerstörungswut schließlich ausbremsen kann. Die Inszenierung verläuft hierbei ohne größere Kapriolen, Spannung und Anteile von Action machen den Film mit dessen stichhaltigen Charakterzeichnungen sehr sehenswert und überzeugend, auch der dosierte Humor kam hier glücklicherweise nicht zu kurz.



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Die Besetzung dieser Produktion steht durchgehend für Glaubwürdigkeit. Horst Frank demonstriert hier ziemlich eingängig, wie schnell kriminelles Potential nicht nur abgerufen, sondern auch schnellstens multipliziert werden kann. Zwei Jahre saß er im Gefängnis um endlich die Früchte seiner kriminellen Aktivitäten ernten zu können, doch alles kommt anders. Das Schicksal zeigt sich äußerst launisch und Willi Jensens weiteres Vorgehen gleicht einer klassischen Sisyphusarbeit. Dass die Gelegenheit nicht nur Diebe macht, sondern auch Mörder, lässt vermuten, wohin die Reise gehen wird. Horst Frank spielt jedenfalls großartig auf, der sonst so abgebrühte und kaltschnäuzige Mann kann seine Emotionen in vielen Situationen nicht mehr unterdrücken und seine Verteidigung wird der lediglich diffus vorbereitete Angriff. Heinz Reincke als sein jüngerer Bruder liefert ein überzeugendes Kontrast-Programm. Er, der sich nicht einmal traut die 23 DM Fahrgeld aus Liliane Berndorfs, mit Tausendern vollgestopfter Tasche zu nehmen, die er lieber wahlweise in die Ausnüchterungszelle als nach Hause chauffiert, ist anständig, ehrlich und wie es meistens sein muss, wirkt er eben dadurch etwas einfältig. Das Duell der beiden Brüder gestaltet sich daher recht glaubhaft. Christiane Krüger spielt abwechslungsweise einmal eine sehr sympathische Rolle des unschuldigen, zu beschützenden Opfers mit Anflügen von Tiefgang recht überzeugend, wenn die Rolle der Vera jedoch letztlich etwas untergeordnet wirkt. Klaus Schwarzkopf stattet seinen Kommissar mit Ruhe und Logik aus, so dass man bei den vielen unterschiedlichen Zeichnungen verschiedenster Gesetzeshüter hier den Eindruck bekommt, dass er etwas Neues geliefert hat. Mit Sigurd Fitzek, Ulrich Beiger und Andrea Rau wird die Angelegenheit abschließend perfekt.

Der Vorspann des Films zeigt gleichzeitig einen von Heidy Bohlens absolut besten Knallern. Man kann sie als Liliane Berndorff bestaunen und man traut seinen Augen kaum, als sie sich Juwelen behangen und vollkommen rack auf dem Rücksitz des Taxis von Heinz Jensen nach einer durchzechten Nacht nach Hause fahren lässt, sich unter großer Mühe entkleidet und ihn schließlich noch anweist, ihren Mann morgen früh zu wecken, da sie offenbar glaubt, mit ihrem Hausmädchen zu sprechen. »Die Nutten nennen sie die Glitzer-Lilly« heißt es in Anlehnung an ihre Juwelen, und dieser Auftritt, der sich ja quasi vollkommen wortlos abspielt, ist wirklich eine ganz besonders große Freude. Zu Hause bekommt sie eine, ihr wohl bereits vertraute Predigt von ihrem Gatten Henry gehalten, der von Ulrich Beiger übrigens eine sehr elegante Fassade bekam, sie jammert und fühlt sich schrecklich unpässlich. Ansonsten hat Madame Berndorf den lieben langen Tag anscheinend nicht viel zu tun, außer für das Plaisir zu leben, doch auch das langweilt sie offenbar sehr. Die schöne Heidy Bohlen, deren Filmografie mit einem guten Dutzend Kino- und TV-Produktionen leider nicht besonders viel hergibt, und die schon drei Jahre später ihren letzten Film machte, sehe ich stets unheimlich gerne zu, bei dem was sie treibt. Unglücklicherweise verliert sich ihre Spur bereits Mitte der Siebziger Jahre.

"Fluchtweg St. Pauli" zählt für mich persönlich zu den gelungensten Beiträgen seiner Gattung und er verzichtet fast vollkommen auf übliche, reißerische Elemente. So wird beispielsweise Brutalität eigentlich kaum im Bild gezeigt, sondern geht ausschließlich und meistens nur potentiell von Horst Frank aus. Hauchdünne Erotik-Einlagen liefert Heidy Bohlen, die man hier trotz Nackt-Szene vergleichsweise schon zugeknöpft nennen darf, und Andrea Rau, ebenfalls Expertin auf diesem Gebiet, darf ausnahmsweise nur die Fantasie anregen. Besonders positiv fallen die erstklassige Bildgestaltung und die tollen Schauplätze auf, originelle Kamerafahrten und die eingängige Musik von Peter Schirmann liefern ein rundes Komplettpaket, inklusive halbseidenem Nachtleben und einem packendem Finale. Eigenartig erscheint allerdings die weniger exponiert in Erscheinung tretende Rolle der Polizei, da man sich hauptsächlich auf das Tauziehen der Gebrüder Jensen konzentrierte. Die Strategie von Regie und Drehbuch geht mit ihrem Weniger-ist-mehr-Prinzip vollkommen auf und es macht immer wieder Spaß, sich diesen überdurchschnittlichen Film von Wolfgang Staudte anzuschauen, und das nicht nur wegen der hochkarätigen Besetzung.


➥ Vera


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 27.09.2015 19:00 
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Ja ich schäme mich habe es jetzt erst geschaft mir die subkultur dvd zu bestellen, ich freue mich auf den audiokommentar und dadrauf schön die soundtrach cd zu lauschen 8-)


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 Post subject: Re: FLUCHTWEG ST. PAULI - Wolfgang Staudte
PostPosted: 27.09.2015 19:10 
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Der Soundtrack ist ein Sahnewölkchen. Funk made in Germany.
Wird dir mit Sicherheit gefallen.


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