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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 29.10.2019 05:51 
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Prisma wrote:
Ich fürchte jedoch so langsam aber sicher, dass ich den bereits gesehen habe. :lol:

Wobei die Betonung eindeutig auf "den" liegt! :)


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 29.10.2019 13:47 
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"Frauenstation" (Deutschland 1976)
mit: Horst Buchholz, Lillian Müller, Stephen Boyd, Karin Dor, Marina Langner, Eva Berthold, Pirko Zenker, Sibylle Binder, Ina Lane, Brigitte Stein, Carina Kreisch, Alexandra Moser, Barbara Valentin, Veronika Faber, Herbert Fux, Alexandra Moser, Gerd Riegauer u.a. | Drehbuch: W.P. Zibaso und Ted Rose nach dem Roman von Marie-Louise Fischer | Regie: Rolf Thiele

Chefarzt Professor Overhoff gibt sich die Schuld am Tod seiner Frau, die vor wenigen Monaten bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes starb. Seitdem weigert er sich, Operationen zu leiten und delegiert mehr und mehr Aufgaben an seinen Oberarzt Dr. Schumann. Dieser hat ebenfalls private Probleme. Seine Frau Claudia wurde von ihrer reichen Mutter, die in den Vereinigten Staaten lebt, verwöhnt und jeder persönlichen Verantwortung enthoben, sodass sie nun unfähig ist, eine normale Ehe mit dem Gynäkologen zu führen. Sie hat panische Angst vor einer Schwangerschaft und nimmt ohne Wissen ihres Mannes die Pille, was diesem jedoch von Prof. Overhoff mitgeteilt wird. Es kommt zur offenen Konfrontation, die in eine Kurzschlusshandlung mündet....

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Rolf Thiele inszenierte seinen Film nach dem Romanbeststeller der Erfolgsautorin Marie-Louise Fischer und wollte nach eigenen Aussagen in der Darstellung des Alltags in einer Frauenstation so präzise wie möglich sein. Gedreht wurde an der Priener Thyssen- und Frauenklinik, ebenso erhielt das Filmteam fachliche Beratung durch Ärzte der Münchner Uni-Klinik. Neben dem rein technischen Aspekt achtete Thiele vor allem auf die Gewissenskonflikte, denen Ärzte tagtäglich unterworfen sind, wenn sie Entscheidungen über Leben und Tod fällen müssen. Um das Klischee der Ärzte-Romantik der "Halbgötter in Weiß" zu vermeiden, legte Thiele Wert darauf, auch operative Eingriffe zu zeigen, so u.a. einen Kaiserschnitt. Die FSK 18, die der Film von der Prüfstelle erhielt, liegt vermutlich im Realismus des Operationssaals begründet, statt in einer übermäßigen Freizügigkeit seiner Darsteller. Dabei sind die optischen Anreize durchaus vorhanden; Thiele verpflichtete gleich eine ganze Phalanx an attraktiven Damen für seinen vorletzten Film. Allen voran die Norwegerin Lillian Müller, amtierendes Playmate des Herrenmagazins Playboy. Wie das Presseheft zu "Frauenstation" betont, war es ihr wichtig, nicht nur als hübscher Blickfang verpflichtet zu werden: "Ich habe nichts dagegen, mich vor der Kamera auszuziehen, aber ich möchte gerne Schauspielerin bleiben und nicht als Sex-Symbol festgenagelt werden. (...) In "Frauenstation" war es glücklicherweise nicht so, da hatte ich eine sehr differenzierte und schwere Rolle." Lillian Müller wurde auch in Thieles letzter Kinoinszenierung "Rosemaries Tochter" verpflichtet, eine moderne Hommage an seinen Klassiker von 1958, der trotz seiner mittelmäßigen Qualität der wohl bekannteste Film des Regisseurs ist.

Neben den eindrucksvollen Schicksalen, die im Krankenhaus nach einer neuen Weichenstellung verlangen, sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, auf denen der Fokus des Films liegt. Die Verwundbarkeit der Hauptprotagonisten durch herbe Enttäuschungen, eigenes Versagen oder unglückliche Fügungen greifen vom Privaten ins Berufsleben und drängen aus den vier Wänden hinaus an die Öffentlichkeit. Professor Overhoff und Dr. Schumann versuchen jeder auf seine Weise, mit diesen Schwierigkeiten fertig zu werden. Der Klinikchef und seine Tochter verhalten sich zueinander wie ein eingespieltes Ehepaar. Seit dem plötzlichen Tod der Ehefrau und Mutter hat Overhoffs Tochter Eva viele Aufgaben übernommen. Durch den Vertrauensvorschuss, die neue Verantwortung und die angebotene Belastbarkeit mit allen Sorgen der veränderten Situation, fühlt sie sich mehr Frau als ihre heimliche "Rivalin", die Kindfrau Claudia Schumann, die sie wegen ihrer Schönheit und Freiheit beneidet. Diese residiert zwischen Kissen und unzähligen Puppen, die ein Bollwerk zwischen ihr und der Welt der Erwachsenen bilden. Sie dienen als Wächter, Gesellschafter und Geheimnisträger, die unheimliche Aura der stummen Zeugen wird von Charly Steinberger bedrohlich und erdrückend in Szene gesetzt. Die geschlossenen Vorhänge schirmen Claudia von der Außenwelt ab. Wenn sie ihre Festung einmal verlässt, dann ist sie so kopflos, dass sie weder Türen abschließt, noch die Zeit im Auge behält. Ihre Hilflosigkeit erreicht den Höhepunkt, als sie wegen einer Autopanne in Tränen ausbricht. In ihrer exaltierten Mutter findet sie keine Hilfe, sondern nur eine Kritikerin, die ihr eigenes Werk mit zynischen Bemerkungen versieht.

Karin Dor gefällt sich in der Rolle der extravaganten Mutter, die den Altersunterschied zu ihrer Tochter durch auffallende Kleidung und schlagfertiges Auftreten wett macht. Sie ist fest entschlossen, die zarte Lillian Müller an die Wand zu spielen und legt durch ihr Handeln von Beginn an fest, wer hier den Ton angibt. Der Wechsel von der Haupt- zur Nebenrolle mag ihr schwergefallen sein, weswegen es durchaus denkbar ist, dass sie ihre Figur deshalb so schillernd gestaltete. Sie fürchtete wohl, dass sie neben den jüngeren Kolleginnen um Aufmerksamkeit buhlen müsse, um nicht unterzugehen und stattete ihre Rolle deshalb mit Attributen aus, die man befremdlich finden mag. Nicht von der Hand zu weisen ist die Frage, inwiefern Rolf Thiele seine Stars anleitete. Die Schwierigkeit, für jede Persönlichkeit die richtige Ausdrucksmöglichkeit zu finden, ohne dass eine Figur überzeichnet wirkt, stellte für den Regisseur mehrfach ein Problem dar, wie man am Ergebnis feststellen kann. Ebenso wie bei Kollege Brynych scheinen Szenen öfter mal aus dem Ruder zu laufen, was von wohlwollenden Kritikern dann gern als kreative Eingebung gedeutet wird. Immerhin scheint Thiele die Schraube bei den Patientenfällen heftiger angezogen zu haben, läuft es hier doch stringenter und ruhiger ab. Ungern legt sich der Regisseur fest und vermittelt Meinungen wie eine Ausgabe von Readers Digest, wobei viele Themen angeschnitten werden und dann kommentarlos im Raum schweben. Der Zuschauer bekommt laufend neuen Diskussionsstoff, während die Handlung weitergeht und bereits das nächste Schlachtfeld präsentiert. Zur Ruhe kommen die Personen selten. Selbst im Traum werden sie von düsteren Vorahnungen oder belastenden Erinnerungen verfolgt.

Horst Buchholz spielt zum ersten Mal einen Arzt, was ihm laut den Angaben im Presseheft zu "Frauenstation" großes Vergnügen bereitete: "In meiner frühen Schauspielerzeit, als ich noch nicht den schlagenden Erfolg hatte, stand ich mehrmals vor beruflichen Entscheidungen. Immer in solchen Augenblicken dachte ich: sollte ich nicht lieber doch Medizin studieren? Es kam nicht dazu, aber bis heute unterhalte ich mich immer gern mit Ärzten." Horst Buchholz' Biograf Werner Sudendorf schreibt hingegen in "Verführer und Rebell" (Aufbau- Verlag): "Es ging Buchholz um die hohe Gage. 450 000 DM waren vereinbart, davon 50 000 DM bis zum letzten Drehtag; der Rest sollte aus den Einnahmen des Films bezahlt werden. Aber Einnahmen gab es nicht. Der Film war erkennbar spekulativ, er schielte auf den Starbonus von Buchholz und die körperlichen Reize der weiblichen Erotikdarstellerinnen, war zugleich aber viel zu verklemmt, um auf der Softpornowelle des deutschen Kinos zu segeln." Die Interaktion mit seinen attraktiven Kolleginnen wirft die Frage auf, wo sich der Berliner innerhalb des Films positioniert. Primär sieht man ihn in seiner Verantwortung als Arzt, wenn noch Zeit übrig bleibt, muss er mit den Launen seiner Frau fertig werden, zudem verlangt die Schwiegermutter, dass er im Umgang mit ihrer Tochter endlich durchgreifen und Tacheles reden soll. Sein Spiel ist solide und unaufgeregt, man merkt, dass er den Fokus auf die Mehrfachbelastung des Arztes legt, weswegen sein Intermezzo mit Marina Langner nur Randnotiz bleibt und nur ein weiterer Punkt in dem Verwirrspiel um die Ehe des Dr. Schumann ist. Die stärksten Szenen hat Buchholz ohnehin im Alleingang - ohne die holde Weiblichkeit.


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 29.10.2019 17:59 
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Percy Lister wrote:
Ebenso wie bei Kollege Brynych scheinen Szenen öfter mal aus dem Ruder zu laufen, was von wohlwollenden Kritikern dann gern als kreative Eingebung gedeutet wird.

Meines Erachtens lässt Zbyněk Brynych zumindest seine drei mir bekannten Glanzleistungen (ENGEL, DIE IHRE FLÜGEL VERBRENNEN, DIE WEIBCHEN und OH HAPPY DAY) ganz bewusst aus dem Ruder laufen, denn gerade die eskalierende Inszenierungsweise gepaart mit der entfesselten Fotografie machen doch die Faszination aus, die von diesen einzigartigen Filmen ausgeht. Bei Herrn Thiele hingegen scheint mir das ständige 'aus dem Ruder laufen' weniger gewollt zu sein.


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 02.11.2019 14:50 
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Du denkst also, dass Rolf Thiele einfach schlecht inszeniert hat, obwohl er ernsthafte Arbeiten vorlegen wollte, während Zbynek Brynych das Chaos zur Kunstform erhoben hat und damit dem Leben den Ernst nehmen wollte?


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 02.11.2019 17:13 
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Dass Rolf Thiele 'einfach nur schlecht inszeniert hat', habe ich mit keiner Silbe geschrieben, sondern mich lediglich auf Deine Formulierung 'aus dem Ruder laufen' bezogen - was Zbyněk Brynych inszenatorisch wiederum bewusst (und bestimmt auch in ernsthafter Absicht) auf die Spitze getrieben hat. Vielmehr fällt es mir schwer, sowohl die beiden doch völlig unterschiedlich agierenden Regisseure als auch deren völlig different ausfallenden Filme überhaupt miteinander zu vergleichen.

Ob man den entfesselnden Inszenierungsstil Brynychs letztendlich mag oder nicht, ist doch wie immer eine Frage des persönlichen Geschmacks - und über den lässt sich bekanntlich nicht streiten ;)


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 02.11.2019 20:58 
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Über Meister Brynych und seine Wandlungsfähigkeit habe ich an anderer Stelle folgendes geschrieben:

"Stand Regisseur Brynych in den ausgehenden Sechziger bzw. den Siebziger Jahren oftmals für krude Experimente mit urplötzlichen Gefühlsausbrüchen (z.B. "Der Kommissar"), so setzte er in seinen späteren Inszenierungen für "Derrick" und "Der Alte" gebündelte Akzente, die statt eines aggressiven roten Fadens nur seine blassblaue Handschrift zeigen. Feinfühlig, fast wie betäubt verharren die Protagonisten in gefrorenen Emotionen. Brynych zeigt die vornehmen Kreise mit gebührlicher Distanz und fokussiert ihre schockerstarrten Gefühle wie unter einer Glasglocke."

Der böhmische Regisseur war ähnlich wie Kollege Alfred Vohrer fähig, diszipliniert und stringent zu inszenieren, wenn es für einen Fernsehauftrag verlangt wurde. Bei Rolf Thiele hege ich Zweifel, ob er jemals Vorgaben erhielt bzw. sich soweit in einen seriösen Rahmen zwängen ließ, dass er sein Soll erfüllte.


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 02.11.2019 22:22 
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Ok, seine TV-Arbeiten kenne ich leider nicht - daher auch mein vorausgegangener Hinweis, dass ich mich explizit nur auf seine drei experimentellen "Spielfilme" beziehe. Es kann natürlich gut möglich sein, dass seine sehr explizite Herangehensweise weniger für etablierte TV-Serien geeignet war, aber für seine drei einzigartigen Spielfilme umso mehr. Schätze mal, dass Brynych ein schwer zu bändigender Freigeist war, der weniger fürs engmaschige Vorgaben erfüllen geschaffen war, als vielmehr fürs unbevormundete Herumtollen. Dass seine späteren TV-Serienbeiträge nicht richtig rund laufen sollen, habe ich übrigens auch schon häufiger gehört.


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 Post subject: Re: FRAUENSTATION - Rolf Thiele
PostPosted: 02.11.2019 23:42 
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Gemeinsamkeiten bei Thiele und Brynych sehe ich eigentlich auch keine, höchstens, dass mir weder der eine, noch der andere Stil zusagt. Die Vergleiche mit den TV-Serien fallen außerdem mit der simplen Tatsache, dass Rolf Thiele für derartige Formate nicht zur Verfügung stand und sich alleine deswegen keine Parallelen feststellen lassen. Zbyněk Brynych trieb später in bekannten Serien sein Unwesen, was für Fans bestimmt ein Hochgenuss und für Kritiker oft ein Schock ist. Falls der Eindruck entsteht, dass Szenen aus dem Ruder laufen, halte ich es bei beiden für eine fast ausschließliche Sache der Planung, immerhin dürften beide ihr Handwerk auf ihre Art und Weise verstanden haben. Für mich sind eher zahlreiche Gesamtergebnisse misslungen, und das bei beiden. Sowohl bei Thiele als auch bei Brynych kann ich nicht viele Inszenierungen finden, die mich beeindrucken konnten. Und hier sind wir tatsächlich wieder beim persönlichen Geschmack. Ich mag weder das übertrieben Parodistische oder die fast schon kabarettistische Bieder-Erotik, noch das übertrieben Zugeschnittene auf plumpe Emotionen, bei denen die Regie offenbar glaubte, sie bis zur Unkenntlichkeit entstellen zu müssen, damit der Zuschauer es auch ja verstehen kann. Vielleicht kann man sagen, dass beide nicht viel davon hielten, subtil vorzugehen. In "Frauenstation" wurde es ja beispielsweise wieder einmal hinlänglich dokumentiert.


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