Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 02.08.2010 21:58 
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Es geschah am hellichten Tag



In der Nähe eines kleinen Dörchens in der Schweiz, findet der Hausierer Jacquier eine Kinderleiche. Das 8 jährige Mädchen wurde mit einem Rasiermesser umgebracht. Er meldet es der Polizei und gerät schnell selbst in den Verdacht der Täter zu sein. Nur der aus dem Dienst scheidende Kommissar Matthäi, glaubt nicht so richtig daran und beginnt eine private Jagd auf den Mörder.

Vor über 50 Jahren arbeitete Friedrich Dürrenmatt mit Kollegen an der Drehbuchvorlage zu diesem Klassiker, während er gleichzeitig an seinem Roman, mit selbigen Inhalt schrieb. Die Film und die Buchversion sind zwar relativ identisch, aber schriftlich hinterließ er ein wesentlich unfreundlicheres Ende als in der Filmversion. Beide Varianten wissen allerdings zu gefallen, wobei der Roman erst nach der Kinoauswertung erschien und den Titel "Das Versprechen" trägt.

Neben der Düsternis und Ernsthaftigkeit, mit dem der Stoff in Szene gesetzt wurde, brillieren besonders die beiden Hauptdarsteller. Heinz Rühmann ist in einer etwas ungewohnten Rolle als Kommissar zu sehen. Er interpretiert die Rolle als selbstverliebten, allwissenden Oberbullen, der aber bald an sich zu zweifeln beginnt und mit drastischen Methoden ans Werk geht. Immerhin quartiert er eine junge Frau mit Kind bei sich ein, um einen lebendigen Lockvogel im Haus zu haben, den er zu kontrollieren glaubt. Dies ist natürlich ein großer Gewissenskonflikt, besonders als er merkt das der Täter immer näher kommt und das Kind in Lebensgefahr schwebt.

Gert Fröbe spielt den Kindermörder Schrott, der von seiner Frau terrorisiert wird und psychisch ziemlich gebrochen erscheint. Was er hier abliefert ist einfach nur unglaublich. Jede Facette seines Spiels ist oberste Weltklasse und sein Gesicht als er den Köder findet, verfolgt mich seit über 30 Jahren. Ich habe den Film als Kind gesehen und hatte viele Jahre dieses Gesicht vor Augen und den gleichzeitig ausgestoßenen Schrei in den Ohren. Zumindest hat der Film bei mir eine besondere Wirkung erzielt: Ich bin niemals mit einem Fremden mitgegangen. Wenn jemand unbekanntes angehalten hatte, war Fröbe sofort präsent und ich gleichzeitig weg. Er war für mich das personifizierte Böse. Nicht weil er von Natur aus so war, eher sogar Mitleid erregte, aber dadurch wurde klar das hinter jeder Fassade ein Mörder lauern kann. Durch diese Rolle hat er wohl auch internationales Interesse geweckt, weshalb er 6 Jahre später den wohl besten Bond Gegenspieler mimte.

Regisseur Ladislao Vajda hat ein sehr ausgewogenes Erzähltempo gewählt, sodaß er immer spannend bleibt und nie in Langeweile verfällt. Die Sets sind perfekt und durch das schwarz-weiß Bild, wirkt alles noch eindringlicher als es ohnehin schon ist. Über allem schwebt natürlich die Thematik des Kindermordes, deren Bedrohung allgegenwärtig ist. Und natürlich Gert Fröbe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Es geschah am hellichten Tag - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 02.08.2010 22:00 
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Da ich ein großer Fan des Films bin, habe ich eine alte Rezi von mir mal als Threadbeginn eingestellt. Es ist zwar kein "dirty picture" und vielleicht nicht 100%ig passend, aber ich dachte "Versuch macht kluch". Möglicherweise gibt es hier ja noch ein paar Fans des Films und möchten sich darüber ein wenig austauschen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Es geschah am hellichten Tag - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 02.08.2010 22:10 
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Schon gefühlte hundertmal gesehen - immer wieder ein Genuß. Eine Besetzung zum Niederknien und Darstellerleistungen vom Feinsten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Es geschah am hellichten Tag - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 02.08.2010 22:14 
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In der Tat einer der großen deutschen Genrefilme - es ist mir bis heute unbegreiflich, warum damals nicht mehr in dieser Art gedreht worden ist zumal der Film ja anscheinend recht erfolgreich war (was bei der Besetzung mit Rühmann, der hier ausnahmsweise einmal erträglich ist, aber auch keine Kunst darstellt).

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"Wir haben zulange Menschen, denen Film als Kunstform nichts bedeutet, das Geschäft bestimmen lassen, und jetzt pissen sie ihm das letzte Fleisch von den Knochen."
- Tim Lucas (im Zusammenhang mit diesem Artikel)

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 Betreff des Beitrags: Re: Es geschah am hellichten Tag - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 02.08.2010 22:22 
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Ein großes Beispiel unübertroffener deutscher Filmkunst und eine mächtige Dampframme zugleich, gegenüber all den drögen und pseudo-sozialkritisch daherstolpernden "Viertel-Nach-Acht-Krimi-Thriller-Wundertütchen", die das ach so moderne TV heutzutage so verbricht.

Gruß, G.


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 Betreff des Beitrags: Re: Es geschah am hellichten Tag - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 00:04 
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Er scheint ja dann doch noch einige Fans zu haben, was mich sehr freut. Es ist ein Film den ich mir immer wieder ansehen kann und mich dabei niemals langweile. Für mich einer der besten deutschen Filme überhaupt. Das Remake mit Jack Nicholson kann meines Erachtens nicht mithalten.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 07:17 
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Ein stimmungsvoller Klassiker, bei dem Schauspiel, Regie und Kamera wunderbar zusammenlaufen. Zum Meisterwerk fehlt dem Film m. M. n. nur das grandiose Ende des Dürrenmatt-Romans, das dem Geschehen eine für die damalige Zeit einmalig böse Note verliehen hätte. Trotzdem ein Film, den man unbedingt einmal gesehen haben muss.

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 10:53 
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Ein grossartiger Film! Gert Fröbe ist Gott! Sogar Heinz Rühmann -den ich ansonsten kaum ertragen kann- stört mich hier nicht. Unfassbarerweise fehlt mir die DVD. Wie konnte das passieren?

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 15:58 
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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 16:44 
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Ich bin erstaunt, wie viele Leseratten es unter den Italo-Fans doch gibt!
Und dabei dachte ich immer, ich verschweige meinen Freunden lieber meine Filmleidenschaft für's derbe Italo-Genre, sonst ernte ich wieder nur bemitleidenswerte Blicke und niemand nimmt mich ernst :(

Nee, ehrlich, ein großartiger Film, der hier zu Recht drin steht. Er ist auf alle Fälle Kult. Und ist er nicht auch ein bischen dörtie, weil man - und da passt Rühman wie Faust auf's Gretchen - mit Rühman immer den lieben Netten verbindet, der niemandem etwas Böses kann? Und dann spielt er da so mit den Gefühlen der Mutter und dem Leben des Kindes! Da haut's einen erst Recht aus den Socken. Beim schmutzigen Nicholson kann man sowas schon eher erwarten.

Und Fröbe ist der Hit! Nie war er besser, selbst als Goldfinger nicht, obwohl er da auch eine seeehr gute Figur abgab. Aber so zwiespältig, weicheiig, weinerlich und gleichzeitig diabolisch, echt gönial!

Der Unfall hätte im Film schlechter rübergebracht werden können, geht im Buch einfacher - so aus der Rückblende erzählt es sich einfach, aber der Film braucht die zeitliche - ähm - (Wort entfallen, Alzheimer lässt grüßen) - Stringenz...


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:02 
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Sergio Paydes hat geschrieben:
Beim schmutzigen Nicholson kann man sowas schon eher erwarten.




Der es dann weit weniger tut als Rühmann. Nicholson spielt zwar klasse, aber seine Rolle ist nicht so stark wie die vom Heinz.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:07 
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AL NORTHON hat geschrieben:
@ Blap: schäm dich!


Wieso sollte er das? Heinz Rühmann ist normalerweise ekelhaft, man möchte ihm pausenlos aufs Maul hauen. Noch schlimmer als John Wayne... :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:12 
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Ja der John Wayne war ne Luftpumpe,das seh ich genauso,aber den Rühmann in "Es geschah am..." find ich gut!
Den Film sollte man doch besitzen,schon aus Prinzip. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:31 
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Kommt schon, Rühman war für einige Filme eine ideale Besetzung, ohne ihn wären sie vielleicht längst vergessen worden. Man denke nur mal an DIE DREI VON DER Tankstelle oder DIE FEUERZANGENBOWLE, ebenfalls Kultfilme, wenn auch nicht unbedingt bei den Anhängern des italienischen Films, wie mir scheint.
Ich weiß noch, dass der Film FEUERZANGENBOWLE jedes Jahr im Studentenkino in der Vorweihnachtszeit lief, er immer übervoll war (man musste lange vorher sich um die Karten kümmern), der ganze Saal konnte fast jede Textzeile mitsprechen.
Und auch John Wayne hat einige gute Western gedreht. (Überflüssig, sie hier alle aufzuzählen.) Gut, er war meist die Vaterfigur, der Gute, die anderen hatten die Rollen, die eher im Gedächtnis blieben, aber so ist das nunmal. In allen Batman-Filmen spricht man auch nur über die Rollen der Bösewichter - von Nicholson bis Ledger - Batman selbst bleibt blass. Und wie gut ist Keaton in BEETLEJUICE!


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:35 
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Ich sag lieber nichts zu Wayne :lol:

Aber zum Rühmann, den fand ich eigentlich immer klasse... Am meisten hab ich erinnerung an einen Film den ich mal als Kind sah, indem er das Lied "Lalelu, der Mann im Mond schaut zu" :lol: singt!

Und wenn man bedenkt was der Rühmann alles durchmachen musste in Hitler Deutschland und so, könnte man meinen der ist wirklich so wie der spielt....

Diesen Film hier hab ich auch schon gesehen, Fröbe ist ne wucht, ist aber schon ewig her....

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:51 
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Sergio Paydes hat geschrieben:
Kommt schon, Rühman war für einige Filme eine ideale Besetzung...


Das mag ja sein. Trotzdem kann ich Rühmann nicht leiden. Das ist eine rein subjektive Angelegenheit. Mir war dieser Mensch immer suspekt, irgendwie verschlagen und unangenehm. :|

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 18:56 
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reggie hat geschrieben:

Und wenn man bedenkt was der Rühmann alles durchmachen musste in Hitler Deutschland und so, könnte man meinen der ist wirklich so wie der spielt....




Meines Wissens war er ein Schulfreund von Hitler und hatte es jetzt nicht ganz so schwer wie andere im Land.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:08 
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Das kann nicht stimmen, Rühmann ist erst nach 1900 geboren, Hitler müsste dann mindestens 10, 11 mal sitzengeblieben sein. Außerdem ist Rühmann meines Wissens in Essen im Ruhrgebiet geboren, wieso sollte er dann in Österreich zur Schule gehen?

Nein, kann nicht sein. Rühmann ist sicher auch kein Nazi, wohl eher ein typischer Schauspieler, der einfach mitgemacht hat. Ideologisch sind seine Filme nicht immer einwandfrei, vor allem die Quax-Dinger nicht. Er trat auch im Wunschkonzert auf, aber was solls, Schwamm drüber.


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BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:12 
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Sergio Paydes hat geschrieben:
Das kann nicht stimmen, Rühmann ist erst nach 1900 geboren, Hitler müsste dann mindestens 10, 11 mal sitzengeblieben sein. Außerdem ist Rühmann meines Wissens in Essen im Ruhrgebiet geboren, wieso sollte er dann in Österreich zur Schule gehen?




Nur auf die Schnelle im Netz gefunden:

In München ließen beide ihr schauspielerisches Talent von ein und demselben Lehrer schulen, dem nationalistischen Staatsschauspieler Friedrich Basil. Die Münchner Männerfreundschaft datiert auf den Anfang der zwanziger Jahre. Heinz war gerade zwanzig, und Adolf, zehn Jahre älter, seiner politischen Karriere keineswegs sicher.

Ich hatte nur irgendwas in der Richtung im Hinterkopf. Nichts genaues und kann dir damit auch nicht sagen inwieweit das zitierte stimmt. Allerdings ist es auch nicht wirklich wichtig.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:17 
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Hitler wurde 1889 geboren, in Braunau am Inn/Österreich. Rühmann wurde 1902 geboren in Essen/Ruhrpott.

Aber:

"Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 äußerte sich Rühmann nicht öffentlich zur Politik in Deutschland, sondern verhielt sich weitestgehend neutral. Von seiner jüdischen Frau ließ er sich 1938 scheiden."

"In den Kriegsjahren ließ sich Rühmann zunehmend von der Propaganda des Dritten Reichs vereinnahmen. In der NS-Zeit war er Darsteller in insgesamt 37 und Regisseur von vier Filmen. Die Rolle als Quax, der Bruchpilot spielte er in einem Komödienfilm, der die Bevölkerung vom Kriegsgeschehen ablenken sollte. 1941 spielte er unter der Regie des Präsidenten der Reichsfilmkammer, Carl Froelich, in Der Gasmann einen Gasableser, der der Auslandsspionage verdächtigt wird. 1944 wurde die Erstaufführung des Films Die Feuerzangenbowle zunächst von der nationalsozialistischen Filmzensur wegen „Respektlosigkeit gegen Autoritäten“ verboten. Durch gute Beziehungen zum Regime konnte Rühmann dennoch die öffentliche Aufführung des Films durchsetzen. Er brachte den Film selbst ins Führerhauptquartier Wolfsschanze, wo eine Privatvorführung unter anderem für Hermann Göring stattfand, der daraufhin die Aufhebung des Filmverbots durch Hitler erreichte."

"Im August 1944 wurde er von Josef Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der unverzichtbaren Schauspieler für die Filmproduktion aufgenommen."


Vielleicht war er kein Nazi, aber gewiss war er auch kein glühender Widerstandskämpfer. Was ich nicht pauschal verurteile, nicht jeder lässt Haus, Hof und Heimat im Stich und setzt sich in die USA ab, um dem Regime zu entkommen.
Ich halte ihn für einen Opportunisten, was sicherlich die meisten sind, wenn es zu Extremsituationen kommt, bei denen man Farbe bekennen muss.

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BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:19 
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Ne die waren nie zusammen in der schule, irgendwann wurden sie mal freunde...
Später bereuhte er aber diese Freundschaft und war überhaupt nicht einverstanden mit den Handeln der Nazis. Er musste aber öfters mal zu Propgandazwecken für die Nazis posen, zb. mit nem Flieger fliegen, das man dann so auslegte das er im Kampf mittgeflogen wäre usw. Das hat ihm überhaupt nicht gepasst und sehr zugesetzt, deswegen lebte er abseits des Filmes auch sehr zurückgezogen...

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:22 
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Ich würde das Rühmann auch niemals anlasten. Erstens kann er nicht wissen was sein Kumpel einige Jahre später so alles vor hat und zweitens können wir absolut nicht beurteilen was wir in der gleichen Situation gemacht hätten.
Ich wollte auch lediglich darauf hinweisen, das er in dieser Zeit nicht unbedingt die allerärmste Sau war.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:43 
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Eine kritische Betrachtung über Heinz Rühmanns Rolle als ein Zugpferd der Nationalsozialistischen Film-Propaganda-Maschinerie scheint jedoch angemessen. Einer von Goebbels Lieblingen, immer mal gerne klein geschwiegen, wenn mal wieder der beliebteste Schauspieler aller Deutschen gewählt wird...

Theo Lingen ließ sich meines Wissens nach von seiner Frau jüdischer Herkunft niemals scheiden, durchstand die dunkle Zeit des Dritten Reiches meines Erachtens nach mit mehr Würde, vielleicht hatte er aber auch einfach nur mehr Glück?

Hans Albers hatte es ebenfalls nicht leicht, trennte sich nach massiver Druckausübung durch die Nazis von seiner Frau jüdischer Herkunft, lebte aber mit ihr weiterhin zusammen, ging somit große Verdienstausfälle durch Nichtbeschäftigung und ein weitaus größeres Risiko ein.

Gruß, G.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 19:57 
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... und um zurück zum Thema zu kommen: Ich habe eigentlich (musste det Janze noch mal durchdenken) niemals eine Rolle von Gert Fröbe als eindringlicher empfunden, als diesen eingeschüchterten, wütenden ambivalenten Kindermördercharakter.... große Kunst!
Muss mir den Film demnächst unbedingt wieder mal ansehen.

Gruß, G.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 03.08.2010 20:02 
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G. Rossi Stuart hat geschrieben:
Ich habe eigentlich (musste det Janze noch mal durchdenken) niemals eine Rolle von Gert Fröbe als eindringlicher empfunden, als diesen eingeschüchterten, wütenden ambivalenten Kindermördercharakter.... große Kunst!


Zustimmung! Der Mann ist in dieser Rolle brachial! (... und als Räuber Hotzenplotz! :mrgreen:)

Zustimmung auch was deine Ausführungen zu Rühmann angeht.

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 18.06.2018 11:01 
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Nach Ladislao Vajdas "Die Schatten werden länger" von 1961 habe ich mir zum Vergleich noch einmal seinen drei Jahre früher entstandenen "Es geschah am hellichten Tag" angeschaut und bin wie immer begeistert und gleichermaßen schockiert von diesem düsteren Klassiker. Zwar kann das spätere Werk diesen Anspruch nicht für sich erheben, aber auch hier wurde deutlich, dass der Regisseur sehr viel Wert auf atmosphärische Dichte und die Konstellationen der Charaktere untereinander gelegt hat. Auch wenn Heinz Rühmann bestimmt nicht jedermanns Fall sein dürfte, macht er als Dr. Matthäi eine sehr gute Figur. Ohnehin zehrt jede Einzelheit in diesem Beitrag vom klaren Aufbau und die Darsteller reihen sich hier ausnahmslos ein und sorgen für eine bemerkenswerte Struktur. Gert Fröbe übertrifft sich hier definitiv selbst und seine denkwürdige Leistung bleibt wohl am meisten in Erinnerung. Auch Berta Drews als seine boshafte Frau lehrt einen beinahe das Fürchten. Die unverbrauchten Leistungen von Anita von Ow und María Rosa Salgado sind eine wahre Freude; ohnehin sitzt jede der im Film angebotenen Charakterzeichnungen sehr gut. Die Geschichte stimmt wie immer nachdenklich und der beinahe unaufgeregte Verlauf steht vollkommen konträr zu bestimmten Handlungssträngen. "Es geschah am hellichten Tag" ist in so gut wie allen Belangen hervorragend inszeniert worden und auch leider nach 60 Jahren immer noch brandaktuell.


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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 18.06.2018 17:41 
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Den habe ich ca. im Alter von 10 Jahren erstmals geschaut. Das war ein Event der Angst. Angst vor dem Zauberer. Angst von seiner Frau. Angst den Mund aufzumachen. Angst zu atmen... und Wälder waren erst einmal tabu.

Obwohl ich diese Intensität heute nicht mehr in einer solch extremen Art erleben kann, wirkt der Film bis dato und auch zukünftig extrem unbequem.

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 Betreff des Beitrags: Re: ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG - Ladislao Vajda
BeitragVerfasst: 20.06.2018 03:50 
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Und Schokotrüffel (Igel....) hat man auch nie mehr unbelastet essen können, wenn man diesen Film in jungen Jahren gesehen hat. In der Tat, ein Event der Angst!


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