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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: HASS OHNE GNADE - Ralph Lothar
PostPosted: 07.11.2019 17:22 
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HASS OHNE GNADE

● HASS OHNE GNADE (D|1962)
mit Horst Frank, Maria Perschy, Dietmar Schönherr, Dorothee Parker, Demeter Bitenc, Otto Storr, Danilo Bezlaj, u.a.
ein Rapid Film | im Europa Filmverleih
ein Film von Ralph Lothar


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»So leide und arbeite!«

Aufgrund einer Gehbehinderung kompensiert Dirigent Saran (Horst Frank) seine Komplexe über Machtausübung im Berufsleben, indem er seinen Solistinnen alles und noch ein bisschen mehr abverlangt. So gehen seine maximalen Anforderungen auch über das Berufliche hinaus und es kommt zu Affären, da den Künstlerinnen suggeriert wird, ein potentieller Erfolg führe nur über ihn. Hinzu kommt, dass von Saran auch eine eigenartige Anziehungskraft auszugehen scheint, der vor allem eine Klavier-Solistin zum Opfer gefallen ist: Martina (Maria Perschy), die ihr Dasein seitdem in einem Sanatorium für psychisch Erkrankte fristet. Als ihre Zwillingsschwester Claudia (Maria Perschy), die ebenfalls Solistin unter Saran ist, sie eines Tages besucht, kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall...

Ralph Lothar konnte insbesondere in den 50er Jahren als Schauspieler in Erscheinung treten, bis er gegen Ende dieser Dekade ins Regiefach wechselte, um sich vor allem einen Namen als Initiator von TV-Produktionen machen. Im Spielfilmbereich stehen mit "Treibjagd auf dein Leben" und "Hass ohne Gnade" lediglich zwei Filme fürs Kino zu Buche, und dieses 1962 entstandene Drama kann sich in vielerlei Hinsicht sehen lassen, wenngleich die zeitgenössische Kritik sich dazu animiert fühlte, es überwiegend zur Schlachtbank zu führen. In einer Blase, bestehend aus Genie und Wahnsinn, bindet Lothar seine Hauptpersonen sehr effektiv in eine vom Eingangsthema des ersten Satzes aus Tschaikowskis 1. Klavierkonzert getragene Wucht und Intensität ein, die die bevorstehende Dramatik und nötige Brisanz unmissverständlich anbahnt. Bereits die ersten Szenen mit Horst Frank deuten darauf hin, dass dem Publikum kein leichter Weg bevorstehen soll, was schnell durch eine ungewöhnlich temperamentvoll und emotional agierende Maria Perschy in einer Doppelrolle angeheizt wird. Die Konstellationen werden unmittelbar nach den Vorstellungen der wichtigsten Personen auf einem Silbertablett serviert, auch zwischenmenschliche Kriegsschauplätze der Vergangenheit werden unverschachtelt thematisiert, sodass sich der Zuschauer nicht nur im Wesentlichen aufgeklärt, sondern auch an eine gewisse Vorhersehbarkeit erinnert fühlt, die allerdings ein nötiger Bestandteil dieser Geschichte sein muss. Unter normalen Umständen soll die Kunst erhaben und unantastbar über allem stehen, doch interessanterweise arbeitet sich ein unverbesserlicher Egomane alias Horst Frank in den Vordergrund, sodass es scheint, er arbeite mit Hochdruck an der Einleitung einer Art Götterdämmerung.

Besessen von der Perfektion der Kunst und Unvollkommenheit der eigenen Person, zwingt er sein von ihm streng isoliertes Umfeld dazu, für Ausgleich zu sorgen. Natürlich sind die dazu ausgewählten Werkzeuge bei einer vollkommen egoistisch denkenden Person wie ihm dazu nicht imstande, sodass das erste schwache Glied der Kette bereits gebrochen ist, wahrscheinlich sogar brechen musste. Horst Frank jedenfalls glänzt mit einer Performance, die ihm wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint, und in dieser Hinsicht ist es nicht zu leugnen, dass eine ganz eigenartige Aura von ihm ausgeht, wegen der es zumindest verständlich ist, dass sich Menschen in seinen persönlichen Würgegriff nehmen lassen. So bilden Musik, Zurückweisung und Anziehungskraft eine gefährliche, auslaugende Mischung, der zunächst die halbe Doppelrolle in persona von Maria Perschy zum Opfer gefallen ist. Die Sequenzen, in denen Perschy gleich doppelt zu sehen ist, wurden technisch mehr als einwandfrei gelöst und deuten eine düstere Geschichte an, die allerdings von der Österreicherin selbst erzählt und sehr glaubwürdig ausgestaltet wird. Als Interpretin war Maria Perschy eher bekannt für reserviert agierende Personen, die ihr Temperament in eleganter Zurückhaltung entschärfen zu versuchten, sodass es hier umso erstaunlicher wirkt, dass die vielbeschäftigte Schauspielerin nicht nur in zweifacher Potenz zu sehen ist, sondern gleichzeitig doppelt ausdrucksstark wirkt. Ihr Zusammenspiel mit Horst Frank gestaltet sich der Thematik entsprechend sehr intensiv und verheißungsvoll, zumal die Regie bereits recht früh für Paukenschläge sorgt. Ein klassisches Abhängigkeitsverhältnis mit inszenatorischen und darstellerischen Konturen beginnt den Film ganz für sich zu vereinnahmen, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis weitere Opfer zu beklagen sein dürften.

Die Wegbereitung hierfür geschieht jedenfalls recht offensichtlich und mit zielsicherem System, sodass man sich trotz aller Unsicherheit in Sicherheit zu wiegen glaubt. Empfand man Martina, die psychisch erkrankte Schwester und Insassin eines Sanatoriums schon als sehr labil und unberechenbar, wird es schwierig, sich des Eindrucks zu verwehren, dass Claudia ebenfalls mit derartig übersteigerten und hysterischen Verhaltensweisen auffällt, oder zumindest auf dem besten Weg dazu ist, die Fassung zu verlieren. Immerhin schwingt ein unerbittlicher Dirigent seine Peitsche in Form eines Taktstocks, und dies in immer kürzer werdenden Intervallen, was die Geschichte mit einem anschaulichen Tempo versieht. Gute Leistungen von Dorothee Parker und Dietmar Schönherr runden dieses in den hinteren Reihen eher ökonomisch besetzte Geschehen wohltuend ab, denn die zweite Solistin Sybil und Dr. Elmer sorgen für Atempausen im Dunstkreis von Geltungssucht, Rücksichtslosigkeit, Hass, Rachsucht und möglicherweise Wahn. Dass es im Ausgleich daher zu ganz obligatorischen Inhalten wie Liebeleien und leicht sentimentalen Anwandlungen kommt, ist sicherlich dem Zeitfenster geschuldet, kommt aber auch keineswegs schlecht an. Dennoch gibt es in "Hass ohne Gnade" keine anderen Größen neben Horst Frank und Maria Perschy, die das Drama perfekt choreografieren und ausbuchstabieren, dem Film außerdem eine fundamentale Art der psychologischen Spannung verleihen. So wartet die Geschichte gegen Ende mit einem Twist auf, der im Grunde genommen gar keiner ist, weil er im Sinne der Verwirklichung des deutschen Titels offensichtlicher als üblich angelegt wurde. Dies tut dem Vergnügen an "Hass ohne Gnade" in keinster Weise einen Abbruch, da der interessierte Zuschauer mit wirklich beeindruckenden darstellerischen Leistungen versorgt wird, die in dieser Fasson möglicherweise nicht zu erwarten gewesen wären.


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 Post subject: Re: HASS OHNE GNADE - Ralph Lothar
PostPosted: 09.11.2019 21:23 
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"Pjotr Iljitsch Tschaikowski ist seit siebzig Jahren tot. Er starb, ehe Sie geboren wurden. Was hat er Ihnen getan, dass Sie sein Werk vernichten wollen?"


Horst Frank verkörpert im vorliegenden Film den machtbesessenen Dirigenten Saran, der mit seiner unnachahmlichen Art bereits seine erste Solistin in den Wahnsinn getrieben hat. Dabei legt er nicht nur eine beeindruckende Performance an den Tag, denn er scheint in seiner Rolle voll und ganz aufzugehen, sondern harmoniert auch bestens im explosiven Zusammenspiel mit Maria Perschy, die obendrein auch noch in einer Doppelrolle ihr Bestes gibt. Zum einen verkörpert sie die Solistin Martina, die infolge der bösartigen Machtspiele Sarans in einer Nervenheilanstalt landete, und zum anderen deren Zwillingsschwester Claudia, die zwischenzeitlich nicht nur am Klavier, sondern auch privat den Platz des eingewiesenen Geschwisterteils eingenommen hat. Als sich Martina aber kurz darauf völlig unerwartet suizidiert, beginnt auch Claudia allmählich dem Irrsinn zu verfallen, was wiederum zu dem explosiven Zusammenspiel mit Horst Frank führt, welches den von Hass und Wahnsinn durchtränkten Film von da an maßgeblich bestimmt. Dietmar Schönherr und Dorothee Parker liefern zwar ebenfalls tadellose Darbietungen ab, die aber letzten Endes dem dargebotenen Wahnsinn der beiden Hauptdarsteller in keinster Weise das Wasser reichen kann. Was bleibt, ist ein wahnsinnig guter Film, der in erster Linie durch die außerordentlichen Darbietungen seiner beiden Hauptdarsteller getragen wird.


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 Post subject: Re: HASS OHNE GNADE - Ralph Lothar
PostPosted: 10.11.2019 10:22 
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Prisma wrote:
Unter normalen Umständen soll die Kunst erhaben und unantastbar über allem stehen, doch interessanterweise arbeitet sich ein unverbesserlicher Egomane alias Horst Frank in den Vordergrund, sodass es scheint, er arbeite mit Hochdruck an der Einleitung einer Art Götterdämmerung.

Die Vorstellung, dass sublime künstlerische Leistungen mit selbstzerstörerischem Verhalten einhergehen, gibt es an verschiedenen Fronten und wurde z.B. im Jahr 1984 von Milos Forman in "Amadeus" aufgegriffen, wo es zwischen dem fleißigen, aber wenig kreativen Antonio Salieri und dem exaltierten Wolfgang Amadeus Mozart zu einem menschlichen und musikalischen Konkurrenzkampf kommt, der darin mündet, dass das österreichische Genie durch die Aussicht auf dringend benötigtes Geld angestachelt wird, sich selbst an den Rande der schöpferischen Auslaugung zu bringen. Der Gedanke, dass sich Künstler völlig in ihrem Werk verlieren und dadurch an Empathie einbüßen, wird in der Person des Dirigenten Saran auf die Spitze getrieben.

Prisma wrote:
Ein klassisches Abhängigkeitsverhältnis mit inszenatorischen und darstellerischen Konturen beginnt den Film ganz für sich zu vereinnahmen, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis weitere Opfer zu beklagen sein dürften.

Maria Perschy bringt sowohl die passive Aufnahmebereitschaft für Horst Franks Visionen, als auch den unbändigen Willen, sich durch übersteigerten Einsatz zu behaupten, mit. Ihre Zerrissenheit zwischen dem Bedürfnis, in perfekter Harmonie zu funktionieren und sich eine Eigenständigkeit abseits ihrer Leistung zu bewahren, wird durch die fragile Schauspielerin sehr gut ausgedrückt. Der Eindruck, sie strebe nach der definitiven Selbstbeherrschung, verstärkt sich mit jedem weiteren Film, in dem man die Mimin bewundern darf und resultiert aus ihrer speziellen Mischung aus Unnahbarkeit und Verwundbarkeit.


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 Post subject: Re: HASS OHNE GNADE - Ralph Lothar
PostPosted: 15.03.2020 16:23 
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"Hass ohne Gnade" (Deutschland 1962)
mit: Maria Perschy, Horst Frank, Dorothee Parker, Dietmar Schönherr, Otto Storr, Danilo Bezlay, Dimitrij Bitenc u.a. | Drehbuch: Franz Höllering, Leo Lania | Regie: Ralph Lothar

Der exzentrische Dirigent Saran ist ein besessener Musikfanatiker, dem die Zwillingsschwestern Martina und Claudia, zwei talentierte Pianistinnen, nacheinander verfallen. Als Martina sieht, dass Saran Claudia bevorzugt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und wird in einem Sanatorium untergebracht. Währenddessen probt Saran mit Claudia und der jungen Sibyl für ihr erstes großes Konzert. Als Claudia ihre Schwester Martina in der Nervenklinik besucht, gelingt es Martina, den Schlüssel zum Gartentor an sich zu nehmen und flieht. Claudia läuft ihr bis zu einem Steinbruch nach, wo es zu einem tödlichen Zwischenfall kommt. Nur eine der beiden Schwestern wird zu Saran zurückkehren....

"Sie kennen mich nicht? Seien Sie froh." Dieses Zitat von Maria Perschy ließe sich auf mehrere Figuren des Films übertragen. Er lebt von Distanz und Abscheu gleichermaßen. Wegen seines für die damalige Zeit gewagten Themas ("Populär-Psychologie, Künstler-Dämonie und Krüppel-Komplex", Hamburger Abendblatt vom 28. Juli 1962 ) erhielt der im Jahr 1961 in der slowenischen Stadt Laibach gedrehte Film eine Freigabe ab 18. Freilich finden die wirklich pikanten bzw. kriminalistisch relevanten Szenen größtenteils im Off und in der Vorstellung des Zuschauers statt, was den Film allerdings nicht weniger reizvoll macht. Die Voraussetzungen für ein verhängnisvolles Dreieckskarussell in wechselnden Varianten sind gegeben und nehmen immer wieder an Fahrt auf. Die Atmosphäre ist aufgeladen mit Emotionen unterschiedlicher Couleur und zeichnet sich durch das eiskalte Spiel Horst Franks und das diametrale Agieren seiner Kollegin Maria Perschy aus, deren Charaktere wie Feuer und Wasser sind. Ihre Hochbegabung drückt sich in übersteigertem Egoismus, demonstrativer Verachtung und überreizten Nerven aus, was die beiden gegeneinander ausspielt, jedoch nicht verhindert, dass es immer wieder zu hitzigen Konfrontationen und kühlem Abservieren des anderen kommt. Das Kräftemessen zwischen der totalen Konzentration auf die Musik und der Ablenkung durch den menschlichen Faktor, führt zu einem Verlust der Balance, was letztendlich in gefährliche Ausnahmesituationen mündet. Der Kontrollverlust ist bereits eingetreten, als der Vorspann einsetzt und so dominiert das ungute Gefühl, dass es auf diesem Weg kein Zurück in die Normalität gibt, die Vorahnung des Zuschauers. Der seltsame Kontrast zwischen dem barschen Umgangston während der Proben und der privaten Beziehung, die immer nur dann gestattet ist, wenn es Horst Frank als Saran erlaubt, macht das Dilemma sichtbar, in dem Maria Perschy in ihrer Doppelrolle als Claudia und Martina gefangen ist. Mit Dorothee Parker als zweiter Pianistin und dem hartnäckigen Dietmar Schönherr als Arzt, erhält das Trio furioso in der Verkörperung durch Frank/Perschy einen bürgerlichen Rahmen, der den Wahnsinn der Hauptfiguren betont und unterstreicht. Vom ersten Augenblick an wird der Zuschauer Zeuge eines zerstörerischen Kampfes um Vorherrschaft und Selbstbehauptung.

Wer Maria Perschy vornehmlich als kühle Blondine in "Der Henker von London" (1963) kennt, wird überrascht sein, wie entfesselt sie in "Hass ohne Gnade" agiert. In der anspruchsvollen Rolle der braven Claudia und der sanguinischen Martina ficht sie eine Partie gegen alles und jeden und vor allem auch gegen sich selbst. Anfangs noch um die Wahrung eines förmlich-korrekten Erscheinungsbildes bemüht, bricht das mühsam konstruierte Gerüst nach und nach zusammen und die Fassade kann schon bald nicht mehr aufrecht erhalten werden. Obwohl nie ausgesprochen wird, was außerhalb der Sanatoriums-Mauern geschah, kombiniert der Zuschauer den wahren Sachverhalt anhand der untrüglichen Beweise, die das von Hektik, Ungeduld und Bosheit dominierte Spiel Perschys liefert. Leider gibt es kaum Großaufnahmen ihres Gesichts, was man Kameramann Georg Krause anlasten muss. Dramaturgisch hätte es die Intensität von Perschys Aktionen um ein Vielfaches gesteigert, hätte Krause die Schauspielerin öfter exklusiv in den Fokus gerückt und ihr damit die Möglichkeit gegeben, die Nuancen ihrer Mimik nachhaltiger zu inszenieren. Im allgemeinen muss man also feststellen, dass der Schwerpunkt auf ihren Aktionen liegt und weniger auf ihrem Fühlen. Die "Hölle der Erfahrungen" zu vermitteln, wie es z.B. Kollegin Romy Schneider mit einem Ausdruck in ihren Augen oder einem Zucken um ihren Mund gelingt, bleibt Maria Perschy durch die ungünstigen Kamerapositionen teilweise verwehrt und man fragt sich, wer dafür verantwortlich ist. Lag es an Vorgaben des Produzenten Wolf C. Hartwig, der seine Lebensgefährtin Dorothee Parker gern prominent und gefällig in Szene setzen wollte (Parker hat in der Tat sehr viele Nahaufnahmen)? Oder lag es an Regisseur Lothar, der den Wahnsinn der Martina durch die Spiegelung in Saran bändigen und ihm seine Alleinstellung nehmen wollte? Maria Perschy reduziert ihre Rolle nicht auf hysterische Ausbrüche, sondern lenkt ihre bohrenden Gedanken und abgewürgten Emotionen in Taten, die ihr helfen, einen Ausweg zu finden und sich dabei an jenen Personen zu rächen, die sie für ihre Situation verantwortlich macht.

Allen voran der Egomane Saran, dessen Beweggründe Horst Frank mit eleganter Gleichgültigkeit verschleiert, welche jedoch durch Dr. Elmer aufgedeckt und offen angesprochen werden. Während sich Frank leidenschaftlich für seine Passion, die Musik, engagiert, liegen dem Humanisten Schönherr die Probleme der Menschen näher und er avanciert zu einem entschiedenen Gegner der Lebenseinstellung Sarans. Saran kultiviert eine distinguierte Aura der Unnahbarkeit, obwohl er die Grenzen zu anderen immer dann überschreitet, wenn dies unerwünscht ist und nur seinem eigenen Bedarf an Ausübung von Macht dient. Horst Frank agiert mit präziser Distanz und passgenauem Einsatz, während sich Dietmar Schönherr unermüdlich um Menschlichkeit bemüht und emotionale Schadensbegrenzung bei den weiblichen Figuren betreibt. Dorothee Parker bleibt streckenweise unbeteiligt und taut erst im Verlauf der Handlung langsam auf, steht sie doch im Schatten des exaltierten Duos Frank/Perschy und müht sich, Akzente zu setzen und sich mit eigener Duftnote profilieren zu können. Die Karriere der Darstellerin erfuhr nach der Trennung von Hartwig eine neue Wendung, als sie sich vom Filmgeschäft abwendete und in Hamburg eine renommierte Modelagentur aufbaute. Zuvor hatte sie u.a. in den Filmen "Der Satan lockt mit Liebe", "Endstation Rote Laterne" und "Das Mädchen mit den schmalen Hüften" mitgewirkt. Durch die Konzentration auf eine Handvoll Darsteller erhält die Produktion atmosphärische Dichte, die durch die Musik von Tschaikowsky und Chopin intensiviert wird. Ein Ausbrechen aus der klaustrophobisch anmutenden Lage ist unmöglich, weil es den Sturz in ein Vakuum bereithält, weswegen letztendlich nur eine radikale Lösung ein Minimum an Befreiung bedeuten kann. Freilich täuscht sich der Betreffende damit selbst, weil die Verzweiflung bereits so weit vorangeschritten ist, dass sie nur durch Sedierung kurzzeitig eingedämmt werden kann. Am Ende schließt sich der Kreis, wobei die Kamera in der Umklammerung der Restriktion verharrt und nur jene aus ihrem Blickfeld entlässt, die sich nichts zuschulden kommen lassen haben.


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