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 Post subject: HELP ME I AM DEAD - DIE GESCHICHTE DER ANDEREN - Andreas Bethmann
PostPosted: 30.10.2013 12:30 
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Alternativer Titel: Die Geschichte der Anderen
Produktionsland: Deutschland 2013
Produktion: Neue Bertuccifilm
Erscheinungsjahr: Ende 2013
Regie: Andreas Bethmann
Drehbuch: Andreas Bethmann
Kamera: Andreas Bethmann
Schnitt: Andreas Bethmann
Spezialeffekte: Olaf Ittenbach
Länge: noch unbekannt
Darsteller: Margarethe von Stern, Antonio Mayans, Carsten Frank u.a.

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Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Review:

Andreas Bethmann, ein Regisseur und Labelchef der aus der deutschen Filmszene nicht mehr weg zu denken ist. 2013 stellt für ihn sein 25 jähriges Filmjubiläum dar und was kann man sich selber besseres schenken als einen neuen Film. Help me I am Dead, ist eben jener Film geworden. Aber was genau versteckt sich hinter dem recht interessanten Titel? Werden die Fans sich genauso über seinen nunmehr 30. Film freuen?

Die Geschichte ist recht schnell erklärt. Jennifer ist Psychologie Studentin und sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Während den Arbeiten für ihr Psychologieprojekt, entdeckt sie ein altes Haus, von welchem sie magisch angezogen wird. Die Geschichte des Hauses und ihre Erlebnisse, werden ihr und dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen. Mehr sei an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn der Film lebt von seiner Geschichte, die sich behäbig entfaltet und einen immer tiefer in ihren Bann zieht.

Der Film schafft es von der ersten Sekunde an, eine sehr melancholische, kalte Atmosphäre zu verbreiten. Dies gelingt ihm durch die äußerst stilistische Farbgebung. Alles ist in ein kaltes, fast unwirkliches blau getaucht. Man fühlt sich allein, verängstigt und hofft, dass irgendetwas diese Stimmung durchbrechen kann, nur um immer wieder aufs Neue feststellen zu müssen, dass es kein Entrinnen gibt. Besonders die Szenen im Haus, erzeugen jedes Mal eine Atmosphäre, wie in einem alten Gruselfilm. Alles ist still und nur mit Hilfe von einigen Geräuschen schafft es Bethmann den Zuschauer mit einer unwirklichen Angst zu konfrontieren. Die Nerven sind angespannt, der Blick geht nervös von links nach rechts, genau wie bei Jennifer, die von ihrer Angst gefangen ist. Auch der Zuschauer verliert eben jenes Gefühl den ganzen Film über nicht. Die Musik von Morgan Latte, welch interessanter Wortwitz, ist äußerst gelungen umgesetzt worden und hilft der ohnehin grandiosen Stimmung noch mehr. Ein sehr gutes Beispiel dafür findet sich bereits recht früh im Film, als Jennifer beschließt eine Nacht in dem Haus zu verbringen. Außer dem melodischen Score wird man hier als Zuschauer nur mit den toll eingefangenen Bildern verzaubert. Die Nerven spannen sich an, erwarten mit Furcht was als nächstes passiert, doch es passiert nichts. Das sind die Momente, in denen der Film einen auf die ganz falsche Fährte führt. Dadurch glaubt man, man sei wieder sicher, nur um dann in seiner Sicherheit überrumpelt und mit dem nächsten Schockmoment konfrontiert zu werden.

Diese bereits angesprochene ruhige Erzählweise, steht dem Film sehr gut und man ist immer wieder gespannt, welche Wendung Bethmann als nächstes parat hält. Gegen Ende erklärt sich der Titel des Films dem Zuschauer selbst und genau solche Momente zeichnen dieses Werk aus. Man erlebt förmlich einen Aha-Moment, in dem sich einem das große Ganze offenbart und man spürt so etwas wie eine Genugtuung. Genau so wie es auch Jennifer ergeht. Diese Verbindung zwischen Jennifer und dem Zuschauer ist es auch, die dazu führt, dass man, in der von Margarethe von Stein gespielten Figur, einen Bezugspunkt sieht. Alle anderen Charaktere können ihr dabei nicht annähernd das Wasser reichen und bleiben im Vergleich zu ihr recht blass. Das dies allerdings nicht weiter schlimm ist fällt einem im Verlauf immer mehr auf. Die Mimik von von Stein ist wahrlich atemberaubend. Sie wirkt so zerbrechlich auf Grund ihrer Behinderung und ihres makellosen Gesichtes, das man mit ihr leidet und sie in sein Herz schließen will. Dennoch agiert auch der restliche Cast auf hohem Niveau.
Die Effekte stammen diesmal von einem weiteren Altmeister der deutschen Filmszene, Olaf Ittenbach und diese sind wirklich sehr gut geworden. Auch wenn der Name vielleicht etwas anderes vermittelt, aber man sollte trotz der Arbeit von Herrn Ittenbach hier keinesfalls ein Splatterfeuerwerk erwarten. Auch wenn der geneigte Gorehound hier in einigen Szenen sicherlich Freudentränen vergiesen wird, so sind die Effekte stets nur als Hilfsmittel für die unheilvolle und fast tragische Story anzusehen. Der Film lebt viel eher von dieser nicht greifbaren Präsenz die sich schon während des sehr düsteren Vorspannes breit macht. Und auch danach immer wieder für ein mulmiges Gefühl im Magen sorgt. Man erlebt hier einen Bethmann wie man ihn selten zuvor gesehen hat. Sein Jubiläumswerk schlägt einen Weg ein, der seinen Zuschauer in die Abgründe der Menschheit führt und ihm das Grauen im Dunkeln präsentiert.

Fazit: Help me I am Dead zeigt Bethmann in Höchstform. Langsam erzählt, mit einer stets zum Bersten gespannten Stimmung, die auf Grund der überragenden Performance von Margarethe von Stein zu einer Gruseltour der Extraklasse wird. Gespickt mit sehr gut gemachten Effekten bekommt man hier einen Film präsentiert, der sich als Jubiläumswerk wirklich sehen lassen kann. Für Horrorfans und Bethmann Jünger eine ganz klare Empfehlung.

Zur VÖ: Der Film ist nicht, wie man vielleicht vermuten würde, vom Label X-Rated, sondern vom neuen Label LFG veröffentlicht worden. Dies in einem sehr schön gestalteten 2 Disc Mediabook, welches sowohl den Film auf einer Bluray, sowie eine Bonusdisc beinhaltet. Die Bluray hat ein gestochen scharfes HD Bild und den deutschen Ton inkl. Englischer Untertitel an Bord. Als Bonus bekommt man auf der Bonusdisc Trailer, Entfernte Szenen aus der Rohfassung, Interviews mit Darstellern, einen alternativen Vorspann, sowie ein 65 minütiges Making-Of präsentiert. Darüber hinaus kann der geneigte Fan sich über ein sehr informatives Booklet, welches von Andreas Bethmann selber verfasst wurde und die Entstehung des Films sehr interessant dokumentiert, freuen. Eine wirklich gelungene Fassung, für den neusten Streich von Andreas Bethmann.

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 Post subject: Re: HELP ME I AM DEAD - DIE GESCHICHTE DER ANDEREN - Andreas Bethmann
PostPosted: 10.03.2014 21:14 
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Alternativer Titel: Die Geschichte der Anderen
Produktionsland: Deutschland 2013
Produktion: Neue Bertuccifilm
Erscheinungsjahr: Ende 2013
Regie: Andreas Bethmann
Drehbuch: Andreas Bethmann
Kamera: Andreas Bethmann
Schnitt: Andreas Bethmann
Spezialeffekte: Olaf Ittenbach
Länge: noch unbekannt
Darsteller: Margarethe von Stern, Antonio Mayans, Carsten Frank u.a.



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Der Bauer Jonathan Friedberg erhofft durch eine Denunzierung seine von den Nazis deportierte Familie zu retten. Doch seine Hoffnung erweist sich als nicht erfüllbar und er muss seinen Verrat an einem Freund auch noch mit dem Leben bezahlen. 75 Jahre später kommt die Psychologiestudentin Jennifer in das Dorf in dem sich die Gräueltaten ereigneten und wird dort mit einem alten verfallenen Haus konfrontiert in dem es angeblich spuken soll. Jennifer quartiert sich in das Haus ein und will der Sache auf den Grund gehen.

Nach einer ca. 5 Jahre langen Pause im Bereich des Filmekreierens, drehte Andreas Bethmann im Jahre 2013 den Film „Help Me I Am Dead - Die Geschichte der Anderen“. Die Story die der Film zu bieten hat, zeigt sich als durchaus ansprechend und nutzt auch dessen Potential aus. Was ich dem Film jedoch eher negativ ankreiden muss, ist dessen zu lange Laufzeit. Auf Grund dieses Sachverhalts wird man mit einigen Längen konfrontiert, die schlichtweg unnötig sind. Auch das Einsetzen von sexuellen Elementen schließt sich nach meinem Dafürhalten dem Unnötigen an. Somit wäre der negative Teil des Films erwähnt, denn ansonsten bekommt man innerhalb „Help Me I Am Dead“ durchaus gute deutsche Horrorkost geboten. Hierbei stellt sich die Grundidee und dessen Storybezogene Entwicklung in den Vordergrund. Dort werden die Elemente vom Spuk- Gruselkino, sowie dem dazu gehörigen Schauplatz in Form eines alten Hauses ausgenutzt. Das Szenario orientiert sich an einem Haus im Wald, was natürlich in die Gedankentendenz „Evil Dead“ driften lässt. Hierbei ist allerdings nur das Objekt in seiner Eigenschaft gemeint und natürlich nicht die Eigenschaft des „Raimi Teufelstanz“.

Die Kulissen sind gut gewählt und es gelingt mit der Situation von Dunkelheit und der entsprechenden Musik in der zweiten Filmhälfte für den ein oder anderen kleinen Schockmoment zu sorgen. Auch die gute Schnitttechnik trägt hier zu einem erfolgreichen Resultat bei.

Innerhalb der Besetzung wird der Hauptpart von Margarethe von Stern (wie bereits weiter oben angerissen) viel zu ausführlich dargestellt. Natürlich sind der Gemütszustand und dessen Weiterentwicklung ein Kern des Films, allerdings wird dieses zu sehr ausgereizt. Die schauspielerische Leistung sehe ich hier eher als sekundär an und möchte mich jetzt auch nicht an Kleinigkeiten hochziehen, da aus meiner Sicht die Kamerabezogene Präsentation des Charakters Jennifer erfolgreich in den Vordergrund gerückt wird. Das gesundheitliche Handicap des Charakters Jennifer erweist sich als guter Schachzug und bringt somit die Möglichkeit der übersinnlichen Fähigkeiten, die innerhalb des Hauses und seiner nahen Umgebung gelten zum Tragen. Margarethe von Stern wird den ganz hart besaiteten aus „Melancholie der Engel“ bekannt sein. Da ich zur Engelmelancholiemeidenden Fraktion zähle, war mir Frau von Stern unbekannt.

Bekannt hingegen ist mir natürlich Antonio Mayans, den man auf der einen Seite aus einigen Franco-Vehikeln und Italo-Western, sowie auf der anderen Seite aus Kurzauftritten in Kassenschlagern wie „El Cid“ oder „König der Könige“ kennt. Die Spielzeit von Antonio Mayans (der mir in Francos „Neurosis“ am besten gefällt) hält sich bei „Help Me I Am Dead“ leider in Grenzen. Des weiteren ist Antonio Mayans scheinbar der Einzige der mit dem Öffnen eines Eisentors vertraut ist, alle Anderen meinen sie müssten leichtathletische Fähigkeiten an den Tag legen um die Barriere zu überqueren. Carsten Frank hat damit die größten Probleme, macht jedoch ansonsten als Antonios Kumpane Kralle, einen recht ordentlichen Eindruck, auch wenn Kralles Absichten innerhalb des Films eher unordentlich bzw. unanständig sind.

Das Highlight des Films ist das Duo Markus Hettich/ Carsten Weissenberg in den Rollen von Rudolf Eichmann und Erich Speer die sich als sadistische Nazis zum Praktizieren der Goreeffekte anbieten. Der Blick in die Vergangenheit welcher zur Erklärung führt und welcher Rudolf und Erich wüten lässt, wird zum Teil in Schwarz/ Weiß Bilder dargestellt. Obwohl die innerhalb dieser Phase eingesetzten Effekte recht hart und gelungen sind, so tut es dem Film gut, dass er sich andere Maßgaben zum Ziel setzt und ansonsten mehr auf die Entwicklung seiner Geschichte anstatt auf weitere Gore-Orgien setzt.

Gedreht wurde in Niedersachsen und meines Wissens auch einmal im Ruhrgebiet. Das Haus in dem sich der Spuk ereignet befindet sich in einem Vorort von Hannover, wurde 1871 errichtet und steht mittlerweile seit 40 Jahren leer. Demnach eine hervorragende Schauplatzauswahl. Die Außenaufnahmen im Wald sind gelungen und können gerade zum Auftakt, als eine junge Frau vor den Rabauken Rudolf und Erich- Richtung Morgennebel flüchtet, einen guten Eindruck hinterlassen. Weiterhin erwähnenswert ist die Präsentation der Anfangs-Credtits, die im Hintergrund unterschiedliche Standbilder und diverses Filmmaterial aus der NS Zeit übereinander gelegt darstellen.

Fazit: So wie ich persönlich nun wahrscheinlich ein wenig zu viel geschrieben habe, so hält sich „Help Me I Am Dead“ meines Erachtens in der ein oder anderen Situation zu lang an Kleinigkeiten auf. Subtrahiere ich dieses jedoch aus dem Film heraus so bleibt ein gelungenes Gesamtbild mit einer guten Story, das ich mit gutem Gewissen und ohne zu Hilfenahme möglicher Sympathieboni oder Ähnlichem mit knappen sieben Punkten honorieren kann.


7/10

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 Post subject: Re: HELP ME I AM DEAD - DIE GESCHICHTE DER ANDEREN - Andreas Bethmann
PostPosted: 14.01.2020 22:26 
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Help Me I Am Dead – Die Geschichte der Anderen (Andreas Bethmann, 2013) 4/10

Die gelähmte Jennifer stellt fest, dass sie in der Umgebung eines alten und heruntergekommenen Hauses laufen kann! Aber nur ab dem Gartentor, dann ist sie wieder auf den Rollstuhl angewiesen. Natürlich möchte sie dem Geheimnis auf die Spur kommen und bleibt ein paar Tage im Haus. Zumindest ist das der Plan, doch sie merkt sehr schnell, dass sie nicht allein im Haus ist. Und dass das andere Wesen, welches offensichtlich auf dem Dachboden lebt, nicht von dieser Welt ist, das merkt sie auch recht schnell. Doch dieses Wesen scheint Jennifer wohl gesonnen zu sein. Als zwei Gangster in das Haus einbrechen um sich zu verstecken ändert sich das allerdings rapide.

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Das war jetzt also mein erster deutscher Indie-Film: Jennifer guckt. Jennifer rollert. Jennifer schläft. Jennifer isst. Jennifer spricht. Jennifer fickt. Jennifer schaut. Die erste Stunde passiert nicht viel anderes mehr, und wenn ich ehrlich sein darf: Ein klein wenig mehr hätte es gerne sein dürfen. Es ist schön, dass Bethmann sich viel Zeit für die Story nimmt, aber das ist dann doch ein wenig zu viel Zeit. Erst wenn die Gangster (Carsten Frank überdreht-komisch, abgeklärt und cool Antonio Mayans) ins Haus kommen und der Geist ein wenig handfester wird passiert überhaupt mal etwas. Eine romantische Geisterstory mit Gore-Effekten? A Lüneburger Heide Ghost Story? Die Szenen aus der Vergangenheit sind dicht und atmosphärisch eingefangen, die Angst von Peter und Karina in dem einsamen Haus ist deutlich zu spüren, aber alles was in der Gegenwart spielt ist irgendwie etwas, was man, wenn man böse sein möchte, auch mit dem Wort lahmarschig beschreiben könnte.
Ich mag aber nicht böse sein, deswegen schiebe ich einen Gutteil der Enttäuschung mal auf die grottige Synchro, die ein, sagen wir, VHS-Niveau locker unterbietet. Mit guten Sprechern dürfte HELP ME I AM DEAD sicher für erheblich mehr Freude sorgen. Aber so kann ich den Film, aufgrund eigener Erfahrung, am ehesten empfehlen wenn man Schlafprobleme hat ...

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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