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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: PLÖTZLICH UND UNERWARTET - Thomas Engel
PostPosted: 10.06.2019 12:56 
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"Plötzlich und unerwartet" (Deutschland 1983)
mit: Michael Degen, Monika Peitsch, Jutta Speidel, Udo Vioff, Kerstin de Ahna, Franz Rudnick, Christina Moheden, Jan Groth und Tommi Piper | Drehbuch: Maria Weiser und Thomas Engel nach dem Theaterstück "Suddenly at home " von Francis Durbridge | Regie: Thomas Engel

Glenn Howard plant, seine vermögende Ehefrau Maggie zu töten. Mithilfe seiner Geliebten, der Schauspielerin Sheila Wallis will er die Tat so umsetzen, dass der frühere Verlobte von Maggie, der Schriftsteller Sam Blaine, in Verdacht gerät. Helen Tenby, die Schwester der Ermordeten, befallen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Schilderungen ihres Schwagers. Sie und Sam stellen eigene Nachforschungen an, die für eine weitere Person eine tödliche Gefahr bedeuten....

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Ein klassisches, tödliches Dreieck mit überraschenden Wendungen zeichnet sich zunächst im angenehmen Plauderton ab und geizt auch nicht mit Spitzen gegen vermeintliche oder tatsächliche Rivalen. So erhält jede Figur die Gelegenheit, sich relativ rasch zu profilieren und ihre kriminelle Energie auszuspielen. Michael Degen ist der Organisator des heimischen Verbrechens, das er perfektionieren möchte, um künftig ein finanziell sorgenfreies und von den Wünschen seiner Frau unabhängiges Leben führen zu können. Sein maliziöser Charme, der die Weiblichkeit seiner Umgebung über seine wahren Absichten hinwegtäuscht, macht ihn zusammen mit seiner Intelligenz zu einem gefährlichen Verbündeten und Gegenspieler zugleich. Hat man seine Gunst verloren, steht es schlecht um einem. Die drei Damen könnten verschiedener nicht sein, was bereits in der Optik betont wird. Monika Peitsch ist unnahbar und emotional geschwächt, was durch ihre Abhängigkeit von Narkotika zusätzlich unterstrichen wird. Sie ist die Schwachstelle im Mordplan und von ihrer Contenance scheint zunächst alles abzuhängen. Im Vergleich zu der ausgezehrten Brünetten kommt Jutta Speidel wie ein Sonnenstrahl daher. Ihre positive Energie, ihr diplomatisches Geschick und ihre Eleganz betonen ihre Unabhängigkeit in allen Lebensbereichen. Kerstin de Ahna stattet ihre Figur mit neckischen Elementen aus, zeigt sich großzügig in Geld- und Herzensdingen und wähnt sich allein durch ihre finanzielle Freiheit in Sicherheit.


Brisante Themen werden mit leichter Hand en passant abgehandelt und zeigen die Gleichgültigkeit in den Beziehungen zu anderen. So befindet sich in dem in rosa Geschenkpapier gewickelten Päckchen für Sheila kein französisches Parfüm, sondern eine Ration Heroin und es wird von Glenn auch noch zur Beruhigung gegen Aufregung empfohlen. Ebenso verhält es sich im Umgang mit Sam Blaine, der zum Sündenbock gemacht wird. Udo Vioff zeigt die nötige Distanz, um das Komplott schnell zu erfassen und konsequent dagegen vorzugehen. Sein kantiger Schriftsteller mit Pfeife steht im Kontrast zum aalglatten Gesellschaftsmann Glenn Howard und gewinnt das Vertrauen des Zusehers. Sehr positiv hebt sich der ständige Wechsel der Schauplätze hervor. Obwohl es keine Außenaufnahmen gibt, sehen wir nicht weniger als fünf verschiedene Kulissen: das Arbeitszimmer von Sam Blaine, die Wohnung der Howards mit mehreren Zimmern, das Wohnzimmer von Sheila, das Wohnzimmer von Helen und Alec Tenby, sowie Helens Kunstgalerie. Durbridge zeigt sein Geschick für raffinierte Mordpläne. Der Ablauf gestaltet sich spannend und wird kontinuierlich durch äußere Einflüsse bedroht, welche die Handlung jedoch nicht verzögern, sondern vorantreiben. Franz Rudnick als ruhiger Ermittler hat wenig mehr zu tun, als im Finale für die Anwesenheit einer offiziellen Autorität zu sorgen. Der Mann mit der angenehmen Stimme dämpft die Wirrungen in den Minuten der Entscheidung und ist - ebenso wie in "Der Besuch"- als Polizeivertreter abwesend, wenn der Verantwortliche zur Strecke gebracht wird.

Die Geschichte büßt auch bei Mehrfachsichtung nichts von ihrem Reiz ein. Besonders das intensive Spiel von Jutta Speidel und Monika Peitsch fügt dem Fernsehspiel zahlreiche Farbschattierungen hinzu, die ihre Figuren zu Repräsentanten von Warm und Kalt werden lassen. Dabei könnten ihre Charaktere unterschiedlicher nicht sein. Hier das blühende Leben in elegantem Blau, mit scharfem Verstand und präziser Beobachtungsgabe und dort die nervöse, unsichere Dame in Brünett, deren Angst sie labil und fremdbestimmt agieren lässt. Bei den Herren punkten Michael Degen als berechnender Vabanquespieler und Udo Vioff als Ermittler in eigener Sache. Franz Rudnick bleibt als Inspektor nicht viel mehr zu tun, als den Dingen ihren Lauf zu lassen und auf die Eigendynamik der konkurrierenden Personen zu vertrauen. Stilvoll, ausdrucksstark und überraschend, eine klare Empfehlung auch für jene, welche die klassischen Durbridge-Fernsehspiele für verstaubt und bieder halten! Das elegante Stück aus der Upper Class zeigt die Entwicklung eines ausgeklügelten Mordplans, der durch die Unberechenbarkeit von Emotionen ins Wanken gerät und das wahre Gesicht der Personen hinter ihren Masken von Blasiertheit und Unverbindlichkeit zeigt. Die guten Darstellerleistungen und die Identifikation mit dem Plot sorgen für ein Krimivergnügen der alten Schule.


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