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 Betreff des Beitrags: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 15.02.2012 00:38 
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Dr. Mabuse Box von Universum Film


Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (Deutschland 1963, Originaltitel: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse)

Beyond the pale

Dr. Mabuse hat seine sterbliche Hülle verlassen, sein Geist ist in den Körper von Professor Pohland (Walter Rilla) gefahren. Inspektor Vulpius (Werner Peters) interessiert sich für das Testament des wahnsinnigen Superverbrechers, welches momentan noch von Experten genauestens untersucht wird. Leider bleiben Vulpius die erwünschten Einblicke verwehrt, per Bombenanschlag wird die schriftliche Hinterlassenschaft Mabuses endgültig vernichtet. Derweil lässt Pohland/Mabuse den zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilten Briten George Cockstone (Dieter Borsche) gewaltsam befreien, weil er den Burschen als wichtiges Puzzleteil eines teuflischen Plans benötigt. Cockstone soll eine Erfindung an sich bringen, eine Erfindung die in den falschen Händen unermeßlichen Schaden anzurichten vermag. Professor Laurentz (Alfred Braun) hat einen Apparat entwickelt, mit dem sich Menschen unter eine Art Hypnose zwingen lassen. Tatsächlich ist dieses Gerät bereits funktionsfähig, wenig später wird Professor Laurentz unter merkwürdigen Umständen ermordet. Kann der britische Ermittler Bill Tern (Peter van Eyck) den gefährlichen Umtrieben Einhalt gebieten? Sein deutscher Kollege Vulpius vermutet längst eine Verbindung zu Mabuse, doch bekanntlich weilt das bösartige Genie nicht mehr unter den Lebenden. Pohland/Mabuse treibt den Bau weiterer Hypnosegeräte voran, gibt es für seine Gegenspieler eine Möglichkeit sich vor dem Einfluß des Apparates zu schützen...???

Dr. Mabuse geht in die fünfte Runde! Auf dem Regiestuhl nahm diesmal Paul May Platz, der mir vor allem durch die sehr unterhaltsame "08/15-Trilogie" (1954/55) in guter Erinnerung geblieben ist. Ärgerlich für die Kriminalisten, der Schurke ist einfach nicht aus der Welt zu schaffen, übernimmt er doch frecherweise ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Bereits im vorherigen Film "Das Testament des Dr. Mabuse" agierte Mabuse durch Unterwerfung des Verstandes eines anderen Menschen. Hier geht der Grusel einen Schritt weiter, wir werden Augenzeugen wie Mabuses Geist gewissermaßen in sein Opfer fährt. Welche Marschrichtung schlägt die Reihe ein, driftet Mabuse in den Bereich Grusel/Horror? Nur ansatzweise, denn noch immer behalten Muster des Kriminalfilms die Oberhand, ergänzt durch Gruselelemente und Science-Fiction. Auf manchen Zuschauer mag diese Mixtur ein wenig unrund (vielleicht auch unentschlossen) wirken, meiner Meinung nach weht frischer Wind durch das Szenario, steht Mabuse noch immer unter Storm. Neu sind die klaren Ortsangaben, als Schauplatz in Deutschland wird Hamburg ins Feld geführt, auf dem Boden Englands dienen London und ländliche Gebiete als Handlungsorte.

Wir kommen nicht in den Genuss der Schauspielkunst des geschätzen Gert Fröbe, dessen ungeachtet muss sich das Ensemble keinesfalls verstecken. Peter van Eyck kehrt zurück, er war bereits im Erstling der Reihe (Die 1000 Augen des Dr. Mabuse, 1960) in einer Hauptrolle zu sehen, verkörperte damals jedoch eine andere Figur. In der Rolle des Ermittlers spielt sich van Eyck schnell in die Herzen der Zuschauer, vor allem die Szenen mit seiner Filmmutter Agnes Windeck sind allerliebst. Windeck mutet wie eine häuslichere Ausgabe von Miss Marple an, die ihren Sohn immer wieder mit ihrem messerscharfen Verstand beeindruckt, obendrauf gibt es eine warmherzige und humorvolle Schrulligkeit. Ja, Agnes Windeck sorgt für die besonders lustigen Momente dieses Films, sticht nebenbei alle Käuze (und manche Nervensäge) aus dem "Wallace, Mabuse und Co. Kosmos" aus, spielt sie mit ihrer Liebenswürdigkeit regelrecht an die Wand. War einleitend die Rede vom frischen Wind, trifft dies teilweise auch auf die dem "Stammpersonal" zugeteilten Rollen zu. So gibt Mondgesicht Werner Peters zur Abwechslung keinen schleimigen Bösewicht, er ist als engagierter und unbeugsamer Kriminalbeamter unterwegs. Ganz ohne Ausritt in die Finsternis kommt Peters nicht davon, ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Auch Klaus Kinski agiert anders als überwiegend üblich, freilich kommt er als Inspektor Joe Rank nicht ohne obskure Anflüge aus, bleibt dennoch recht bodenständig und erstaunlich "seriös". Walter Rilla fehlt die unheimliche Aura des "echten" Mabuse Wolfgang Preiss, ergo wird der Geist Mabuses gewissermaßen geerdet, gleichzeitig entgeht Rilla dem Vorwurf lediglich eine bemühte Kopie zu sein. Dieter Borsche wird zum wichtigen Helferlein des Geschöpfs Pohland/Mabuse. Die Nebenrollen geizen nicht mit bekannten Gesichtern, ein nahezu verschwenderischer Luxus, über den sich der Freund dieser Phase des deutschen Kriminalfilms freuen wird. Im Angebot haben wir Hans Nielsen als Yard-Boss, Wolfgang Lukschy als Gauner aus dem näheren Umfeld Mabuses, den knochigen Albert Bessler als Knallfrosch, Ady Berber macht uns den Galgentester. Fast hätte ich die Damen vergessen, da die wahre Dame Agnes Windeck ihre jüngeren Kolleginnen zur Randerscheinungen degradiert. Sabine Bethmann braucht Schutz, die kleine Liebesgeschichte an der Seite von Peter van Eyck war wohl unvermeidlich, Ruth Wilbert stellt eine entführte Prinzessin dar. Bethmann spielt hölzern, kann ihre schauspielerischen Schwächen leider nicht durch Sexappeal oder erhöhte Sympathiewerte ausgleichen. Zusammenfassend eine starke Truppe, kleinere Schwächen einzelner Darsteller sind unerheblich.

Sucht man nach einem Haar im schmackhaften Süppchen, könnte man dem Streifen wohl eine gewisse Unentschlossenheit anlasten. Mir gefällt die Sprengung des Genrerahmens, ebenso findet das abstruse Handlungskonstrukt meine Zustimmung. Auf den ersten Blick schmerzt die "entdämonisierung" der Figur Dr. Mabuse, doch letztlich verleiht der Film dem Superschurken einen frischen Anstrich. Die Atmosphäre packt mich, die Kulissen sind nach wie vor stimmungsvoll. Daher zeigt mein Daumen klar nach oben, das Ende macht Lust auf den nächsten Teil der Reihe, der übliche Kurzkommentar folgt nach der Sichtung. Repeat bis zur Ekstase: Wer die Wallace-Filme mag, der sollte sich auf jeden Fall auch mit den Dr. Mabuse-Sausen beschäftigen, wem die Wallace-Filme eine Spur zu humorig erscheinen, der sollte es ebenfalls mit Dr. Mabuse probieren. Mir liegt das "Dr. Mabuses Meisterwerk" getaufte Box-Set von Universum vor, welches alle sechs Mabuse-Streifen aus den sechziger Jahren enthält:

• Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)
• Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961)
• Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962)
• Das Testament des Dr. Mabuse (1962)
• Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963)
• Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964)


Die DVDs kommen in einem schicken Digipak ins Haus, das von einem nicht minder hübschen Schuber umhüllt wird. Ferner liegt ein Booklet bei, in dem Auszüge aus einem Buch des leider kürzlich verstorbenen Wallace-Experten #1 Joachim Kramp zu lesen sind. Der von Kriminalfilmfreunden (und nicht nur denen) sehr geschätzte Joachim Kramp, hinterlässt eine nicht zu schliessende Lücke im "Wissensgebiet Wallace und Co.". An der Qualität der DVD gibt es nichts zu meckern, Universum präsentiert auch den zweiten Beitrag zur Mabuse-Reihe in schöner Verfassung. Für Fans (und solche die es werden wollen) stellt diese Box einen unverzichtbaren Pflichtkauf dar! Während die vier zurückliegenden Werke im damals gängigen "europäischen Breitbild" 1,66:1 präsentiert wurden, kommen die beiden letzten Beiträge in 1,33:1 daher. Kein Grund zur Besorgnis, alle Filme liegen damit im Originalformat vor!

Weniger als 7/10 (gut) möchte ich nicht ziehen, ich mag den Film vor allem wegen seiner kleinen und grossen Seltsamkeiten.

Lieblingszitat:

"Sie brauchen nicht zu verstehen, nur zu gehorchen!"

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Blap V 3.0 regaining paradise

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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 15.02.2012 23:27 
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Guter Film mit einem ungewöhnlichen, aber coolen Ermittler-Duo van Eyck/Peters.

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"Wenn du mit mir sprechen willst, ruf die Nummer 6-6-6 an."
Luc Merenda in "A Man Called Magnum" zu einer minderjährigen weiblichen Zeugin von vielleicht 13 Jahren, nachdem diese ihm vorher einen Kuss auf die Wange gedrückt hat, nur weil er ihre Bilder lobte... :D


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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 07.11.2016 00:23 
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● SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (D|1963)
mit Peter van Eyck, Walter Rilla, Werner Peters, Dieter Borsche, Wolfgang Preiss, Agnes Windeck, Ruth Wilbert, Klaus Kinski,
Wolfgang Lukschy, Hans Nielsen, Albrecht Schoenhals, Jürgen Draeger, Ady Berber, Gert Wiedenhofen und Sabine Bethmann
eine Produktion der CCC Filmkunst | im Gloria Filmverleih
nach Motiven von Bryan Edgar Wallace
ein Film von Paul May


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»Der hat schon so viele Gesichter geändert, dass er selbst bald keins mehr haben wird!«

Der verstorbene Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss) hat von Professor Pohland (Walter Rilla) vollkommen Besitz ergriffen, der nun seine teuflischen Pläne ausführen will. Mithilfe einer neu entwickelten Apparatur zur Willensübertragung hat er vor, die Welt in Angst und Schrecken zu versetzen und jeder der sich ihm widersetzt, soll rücksichtslos beseitigt werden. Zunächst kommt es zu einem Anschlag in Hamburg, wo Inspektor Vulpius (Werner Peters) mit der Rekonstruktion des Testaments von Dr. Mabuse beschäftigt war, welches aber vollkommen zerstört wurde, damit keine Rückschlüsse auf zukünftige Verbrechen gezogen werden können. Professor Pohland, alias Doktor Mabuse, rekrutiert eine Reihe namhafter Verbrecher und die mittlerweile einsatzbereite Apparatur zum Hypnotisieren von Opfern bringt beängstigende Ergebnisse. Die deutsche Polizei nimmt unterdessen Kontakt mit Major Bill Tern (Peter van Eyck) von Scotland Yard auf, um gemeinsam eine Front gegen die perfiden Pläne zu bilden. Wird man Mabuse und seine Helfershelfer noch rechtzeitig stoppen können..?

Nach vier mehr oder weniger gelungenen "Mabuse"-Reißern sollte das Gesetz der Serie durch Regisseur Paul May vollstreckt werden, allerdings musste es zu einigen Brüchen innerhalb der laufenden Reihe kommen. Hauptsächlich anzumerken ist hierbei, dass sich die Titelfigur selbst für diese Änderungen verantwortlich zeichnete, da sie im Vorgängerfilm "Das Testament des Dr. Mabuse" in einem Sanatorium verstorben war. Allerdings sieht man Wolfgang Preiss hier dennoch wieder als größenwahnsinnigen Superverbrecher, wenn auch nur zu Beginn und am Ende des Films. Die Idee der Willensübertragung und Fremdsteuerung wird auch in Beitrag Nummer 5 wieder verwendet und "Dr. Mabuse" ergreift von Professor Pohland, seinem ehemaligen Psychiater, Besitz. Da die 1000 Augen eines ehemaligen Nazi-Spitzel-Hotels, willenlos machende Drogen, Apparate die unsichtbar machen und Hypnose inklusive Willensübertragung bislang nicht die gewünschten Erfolge zur Ergreifung der Weltherrschaft erbracht hatten, bekommt der ungläubige Zuschauer nun eine Apparatur aufgetischt, mit der ein fremder Befehl leicht auf einen anderen übertragen werden kann und alle Zielscheiben zu willenlosen Spielbällen des Doktors machen soll. Wie immer hat man die Rechnung ohne die aufmerksamen Ermittler gemacht, die in den verschiedenen Teilen der Reihe immer variiert wurden. Paul May inszeniert von vorne herein reißerisch und versucht auf Tempo zu setzen, dennoch sind die offensichtlichen Veränderungen spürbar und reichen diesen Beitrag in die zweite, oder besser gesagt, fünfte Reihe. Abnutzungserscheinungen innerhalb einer laufenden Reihe sind naturgemäß schwer zu vermeiden, also kommt es auch zu einer Vielzahl neuer Ideen, so abstrus sie auch sein mögen. Interessant ist, dass hier ganz offensiv mit brutaler Härte vorgegangen wird, die man nicht in jedem Beitrag in der gleichen Konzentration finden konnte.

Artur Brauners Idee, Bryan Edgar Wallace mit Norbert Jacques' Figur zu kreuzen, bringt einen recht eigenartigen Eindruck zustande, aber zunächst lässt sich diesem Film ein ganz ausgeklügelter Aufbau bescheinigen, der auch nach fünf Teilen noch bei der Stange zu halten weiß. Die unsentimentale Brutalität aus Harald Reinls "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" scheint von Paul May wieder konsequenter aufgegriffen worden zu sein, was der alten Titelfigur mit neuem Gesicht sehr gut stehen will. Um an die Weltherrschaft zu gelangen braucht es nicht nur das unausschöpflich wirkende, kriminelle Potential des Doktors, sondern vor allem einen gnadenlosen Vollstrecker, der hier mit Walter Rilla, alias Professor Pohland, gefunden war. Die Apparatur zur Übertragung eines fremden Willens wird sehr eindringlich zur Schau gestellt, töten doch letztendlich Menschen einen Anderen, die niemals im Traum auf diese Idee gekommen wären, und das ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Tatsache wirkt natürlich beängstigend und birgt genügend Potential, die Welt zu erschüttern. Ein ahnungsloser Postbote erschlägt beispielsweise Proffessor Laurentz, den Entwickler dieser Höllenmaschine, ein Henker richtet sich selbst und das nur, weil er per fremdem Befehl dazu gezwungen wurde. Da die Welt sich allerdings nicht so einfach in die Tasche stecken lässt, wurden auch hier einige Stolpersteine mit eingestrickt, sodass es zu einem konsequenten Tauziehen zwischen Gut und Böse kommen kann. Die Dichte von Verbrechen, Mord und Totschlag ist in der ersten halben Stunde derartig hoch, dass der Verlauf Probleme bekommt, diese Stringenz aufrecht zu erhalten. Auch dass sich die Geschichte mit ihren allzu merkwürdigen Auswüchsen ein wenig selbst auszumanövrieren scheint, kommt dieser Angelegenheit nicht zugute. Wie in dieser Reihe üblich, wartet die Produktion mit beliebten Darstellern und Veteranen der Reihe auf.

Wie es in den sechs Teilen üblich war, variierten die Rollen und deren Namen trotz gleicher Darsteller. So spielen Peter van Eyck und Werner Peters hier komplett andere Typen, was allerdings nicht störend wirkt, im Gegensatz zu diversen Spielereien, die sich das Drehbuch mit dessen Akteuren erlaubt. In diesem Zusammenhang ist leider die Hauptrolle zu erwähnen, die Peter van Eyck weder mit Präsenz und übermäßigem Charme, noch seiner Routine retten kann. Es ist unglaublich aber wahr, doch dieses Abdriften der Rolle liegt an keiner anderen als Agnes Windeck, hier zuständig für den Humor der unbequemsten Sorte. Von Wallace bis Mabuse hatte es bislang immer einen humoristischen Gegenpart bei so viel Prosa gegeben und viele der Variationen zeigten sich mehr oder weniger als gelungen, beziehungsweise in einem Maße förderlich, dass es zu keinen Störungen kam. Auch bei vorhergegangenen Vertretern konnte man etliche Darsteller sehen, die diesen Part bereits übernommen hatten, doch hier lässt sich nichts machen, denn die Anlegung zwischen Protagonisten und der kombinationstüchtigen Mutter schwächt den eigentlichem Held in besonderem Maße ab, dass gleich alles unglaubwürdig, tendenziell sogar schwer auszuhalten sein wird. So klammert man sich an andere Auftritte, die nachhaltig überzeugen, wenn nicht sogar begeistern können. Hier ist vor allem Walter Rilla zu nennen, der eine beeindruckende Metamorphose für die Geschichte und den Zuschauer durchmacht. Aufgrund der Synchronisation durch Schauspiel-Kollege O.E. Hasse schwingt in seiner Ausstrahlung mehr Aggressivität und Vehemenz mit. Überhaupt bleibt zu sagen, dass es sich vielleicht um die beste Darstellung der Titelfigur handelt, wenn auch in anderer Hülle. Walter Rilla stellt für die Geschichte eine der großen Eckpfeiler dar, denn man weiß, dass es sich bei seinen Plänen nicht nur um bloße Drohungen handelt, da er gleich unerbittlich zur Tat schreitet.

Eine gute Performance gibt es des Weiteren von Werner Peters, der bereits in seinem vierten Auftritt bei Mabuse dabei ist, und er transportiert wie immer eine hohe Glaubwürdigkeit, stellt dabei auch seine Variabilität unter Beweis. Dieter Borsche, Wolfgang Lukschy, Albrecht Schoenhals oder Hans Nielsen zeigen sich mehr von ihrer soliden, als von ihrer aufopfernden Seite, aber das bunt zusammengewürfelte Ensemble passt und führt den Film auch durch schwierige inszenatorische Zeiten. Am Rande sei noch erwähnt, dass insbesondere Klaus Kinski und Agnes Windeck eher schwache Profile zeichnen, was bei dem Einen zu wenig ist, ist bei der Anderen viel zu viel. Die weibliche Hauptrolle, der Windeck auch noch versucht, den Rang abzulaufen, wurde mit Sabine Bethmann unspektakulär besetzt. Leider gestattet die Story ihr zu wenig Raum und sie steht außerdem stellvertretend für ein gewisses Rollen-Klischee des damaligen Kriminalfilms, hat somit einige Schwierigkeiten, sich von einheitlichen Darbietungen abzugrenzen. Unter der Regie von Paul May kommt es zu vielen herkömmlichen Zutaten die üblich waren, allerdings nimmt man auch eine Art Wendepunkt wahr, der gut oder eben weniger gut ankommen kann. Von echten Stilbrüchen kann trotzdem keine Rede sein. Das Gesamtbild wird geprägt von weniger bedeutenden Schauplätzen und Kulissen und Beitrag Nummer 5 hat somit sicherlich das Nachsehen, wenn man mit der internen Konkurrenz vergleicht. Auffällig ist und bleibt die gesteigerte Kaltblütigkeit, die man im Rahmen der Apparatur zur Hypnose erreicht, was sehr gut ankommt und "Dr. Mabuse" genau das größenwahnsinnige und kompromisslose Profil einhaucht, die diese Figur auch nötig hat. Im Großen und Gazen lässt sich "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" recht gut anschauen, denn der kurzweilige Verlauf mit seinen turbulenten Tendenzen ist unterhaltsam, wenngleich er in der persönlichen Rangliste weiter hinten rangiert.


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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 07.08.2018 13:56 
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BEWERTET: "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" (Deutschland 1963)
mit: Peter van Eyck, Walter Rilla, Dieter Borsche, Sabine Bethmann, Werner Peters, Wolfgang Lukschy, Klaus Kinski, Agnes Windeck, Hans Nielsen, Ruth Wilbert, Albrecht Schoenhals, Jürgen Draeger, Alfred Braun, Albert Bessler, Ady Berber u.a. | Drehbuch: Ladislas Fodor nach dem Roman "The Device" von Bryan Edgar Wallace | Regie: Paul May

Nachdem Dr. Mabuse in der Klinik von Professor Pohland gestorben ist, weilt dieser an einem unbekannten Ort, um die Pläne aus dem Nachlass Mabuses umzusetzen und seinen Wirkungsbereich nach England zu verlegen. Mithilfe des vorbestraften George Cockstone erschleicht er sich die Erfindung eines Hamburger Wissenschaftlers, dem es gelungen ist, ein Gerät zu entwickeln, das fremden Menschen seinen Willen aufzwingt. Major Bill Tern wittert bald den Erben Dr. Mabuses hinter der einsetzenden Mord- und Entführungsserie und arbeitet eng mit seinen Kollegen Inspektor Vulpius und Inspektor Rank zusammen. Doch bald geraten auch sie unter den Einfluss der unheimlichen Macht....

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Rasant läuft die Handlung ab und ebenso hurtig wurde offensichtlich das Drehbuch umgeschrieben, denn wie ließe es sich sonst erklären, dass der legendäre englische Postraub, der in der Nacht auf den 8. August 1963 stattfand, filmisch ausgewertet wird, obwohl die Dreharbeiten vom 19. Juni bis zum 15. August 1963 dauerten? Jedenfalls merkt man der Produktion an, dass viele gute Einfälle integriert wurden - erfolgreich, wie man dem Film zugestehen muss. Der eindrucksvolle, minimalistische Vorspann ist kaum vorbei, da beginnt eine Reihe von Verbrechen abzulaufen, die in ihrer knappen Präzision beeindrucken und Fragen nach der Logik schnell zerstreuen. Es macht zu viel Spaß, der Umsetzung einer neuen Idee zur Weltherrschaft zu folgen und die eiskalte Skrupellosigkeit der Bande in schockierenden Momentaufnahmen sozusagen in der ersten Reihe mitzuerleben. Das Spiel mit den Identitäten wird diesmal auf die Spitze getrieben und manifestiert sich auch in der Besetzungsliste. So finden sich auf Seiten der Guten viele Namen wieder, die sonst gern als Bösewichte verpflichtet werden. Umso effektvoller gelingen die raschen Wechsel, die unter dem Einfluss der diabolischen Gedanken- und Willensübertragung stattfinden. Die einzige Person, deren Integrität untadelig erscheint, ist die männliche Hauptfigur. Alle anderen können gekauft oder beeinflusst werden und machen die Welt unsicher und gefährlich. Das Gesellschaftsgefüge muss mit allen Mitteln zum Einsturz gebracht werden, um Mabuses Schreckensherrschaft errichten zu können. Dabei spielen die Schauplätze, das hanseatisch korrekte Hamburg und das traditionsbewusste britische Empire, der Geschichte in die Hände. Wenn die Unterminierung der Ordnung an diesen Orten gelingt, dauert es nicht mehr lange und Dr. Mabuse wird alles beherrschen. Mittlerweile hat Artur Brauners CCC das Publikum schon so weit, dass ihm bei dem Gedanken an Mabuse wohlige Schauer über den Rücken laufen - ganz ohne Hypnotisiermaschine. Das Schurkentrio Rilla-Borsche-Lukschy hat seinen Anteil am Gelingen dieser schaurigen Behaglichkeit und gibt sich alle Mühe, noch rabiater, unbarmherziger und raffgieriger als der selige Wolfgang Preiss zu wirken.

Die Interaktion der einzelnen Charaktere ist stimmig und die oft gehörten Vorwürfe, Figuren wären überzeichnet (Gwendolyn Tern) oder unterfordert (Nancy Masterson), lassen sich widerlegen. Die rührige Agnes Windeck erweist sich als Sparringspartner ihres Sohnes, den Peter van Eyck mit lässiger Nonchalance spielt, während er Sabine Bethmann den Umständen entsprechend zurückhaltend begegnet. Bereits das erste Aufeinandertreffen des Paares wird vom Tod ihres Vaters überschattet, sodass Bethmann wenig Möglichkeiten hat, ihren Charme auszuspielen und wegen ihrer Gefangenschaft bei Mabuse auch später physisch und psychisch eingeengt ist. Dieter Borsche gibt den glatten Assistenten des Willens zur Macht mit eisiger Entschlossenheit, während Walter Rilla ganz hinter sein Werk zurücktritt und seine Mission konsequent vorantreibt. Er wirkt unheimlich und weitaus gefährlicher als es sein Vorgänger in seinen letzten Auftritten sein durfte. Trotz der finsteren Machenschaften der Bande strahlt der Film streckenweise eine fast heitere Atmosphäre aus, was der Drehzeit und vielen ländlichen Schauplätzen geschuldet ist. So bewegt sich der Superverbrecher nicht im Moloch der Großstadt, sondern hat sich auf sein Landgut zurückgezogen; die Mutter von Major Tern verbringt ihren Tag im Garten und Professor Mastersons Haus liegt ebenfalls im Grünen. Die Recherchen in muffigen Polizeilabors und die Konferenzen mit dem Chef von Scotland Yard werden immer wieder durch Ausflüge in die Natur aufgebrochen, wo Geld- und Vermögensaneignungen stattfinden oder wichtige Persönlichkeiten in den Einflussbereich des geheimnisvollen Gangsters gebracht werden. Die sprühenden Einfälle, mit denen das Drehbuch in den anderthalb Stunden aufwartet, machen den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen, wobei man Mabuse mehr Zielstrebigkeit und Stringenz bei der Umsetzung seiner Ideen wünscht. Kaum im Besitz der bahnbrechenden Erfindung, nutzt er sie nur im Kleinen, zaudert und zögert zu lange und ermöglicht der Polizei deshalb zunehmende Erfolge. Die guten Ansätze der vielen Eisen, die Mabuse im Feuer hat, bleiben oft ungenutzt und erweisen sich als Schwachstellen in seiner Organisation.

Prominent besetzter Country-Mabuse der alten Schule, in der sich der legendäre Verbrecher ein letztes Mal aufbäumt und sich dabei genialer und brachialer Methoden bedient. 4,5 von 5 Punkten


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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 07.08.2018 20:37 
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Hier ein paar Screenshots von mir, die ich vor längerer Zeit gemacht habe (in nicht allzuguter Qualität):

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Bei dem Zeitungsbild merkt man an der Typographie, daß das Hamburger Abendblatt etwas „zurechtgemacht“ wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 10.08.2018 16:57 
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An das zweite Bild kann ich mich garnicht erinnern...


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 Betreff des Beitrags: Re: SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE - Paul May
BeitragVerfasst: 10.08.2018 21:50 
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mikafu hat geschrieben:
An das zweite Bild kann ich mich garnicht erinnern...


Ich glaube, das Bild ist aus der Hinrichtungsszene, wo sich der Scharfrichter (Ady Berber) selbst erhängt.

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