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 Betreff des Beitrags: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 05.02.2019 17:12 
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DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR
Originaltitel: LONG MEN KEZHAN, englischsprachiger Titel: DRAGON INN aka DRAGON GATE INN
Taiwan 1967

Regie: King Hu
Darsteller:
Polly Ling-Feng Shang-Kuan,
Chun Shih,
Ying Bai,
Feng Hsu

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Mitte des 15. Jahrhunderts in China: Ein ranghoher General des Kaisers wird zum Tode verurteilt. Gleichsam sollen dann auch seine Kinder ihm in den Tod folgen. Zwar werden sie zunächst nur aus dem Land verbannt; doch der kaiserliche Eunuch befiehlt letztendlich deren Ermordung. Eine kleine Truppe von Soldaten wartet deshalb in einer abgelegenen Herberge darauf, dass die zu tötenden Kinder dort auftauchen werden. Allerdings hat die Truppe nicht mit Widerstand gerechnet – denn der Besitzer der Herberge, ein einsamer Schwertkämpfer und ein weiterer Kämper sowie dessen ebenso kampfbereite Schwester stellen sich dem drohenden Unrecht entgegen. Können die bedrohten Kinder gerettet werden?...

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Dass das Phänomen „Kino“ vor allem ein sinnliches Erlebnis darstellt, macht King Hus DRAGON INN bereits mit der Eingangssequenz fest: Der aus der Stadt heraustretende Zug mit kaiserlichen Beamten und Soldaten, die vor dem Stadttor den General hinrichten wollen, wird dazu genutzt, um räumliche Dimensionen aufzuzeigen. Der Zuschauer erlebt quasi den Filmraum in seiner Dreidimensionalität, die zwischen Fern- und Naheinstellungen oszilliert. Dabei wird auch viel Wert auf symmetrisch harmonische Kompositionen gelegt, die den Film dann auch in seiner weiteren Laufzeit begleiten. Überhaupt: Die Natur selbst scheint ein wesentlicher Protagonist in DRAGON INN zu sein. Wir sehen öde Landschaften, aber auch grüne Bergstreifen, welche zur „Bühne“ für die Schauspieler werden. Und natürlich haben wir die Herberge als Raum, wo die Figuren miteinander interagieren (sei es beim Essen oder beim Kampf). Dabei fährt die Kamera nahe an die Protaginsten heran, oder aber auch von ihnen weg. Die Montage dramatisiert die Szenen, indem Zwischenschnitte die psychische Verfasstheit der Figuren explorieren. Insgesamt haben wir also bei DRAGON INN einen extrem artifiziellen Ansatz des Erzählens vor uns, der die einfache Geschichte (Unrecht soll durch ein paar Gerechte verhindert werden) filmästhetisch mythologisiert. Dieses Mythologisieren erfolgt auf inhaltlicher Ebene durch Archetypen, welche sich zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ aufteilen. Wobei der Typus der Schwertkämpferin schon in King Hus COME DRINK WITH ME (1966) vorgekommen ist – sie dort sogar ein Alleinstellungsmerkmal als Heldin verbuchen konnte. In DRAGON INN kämpft sie, die Schwertkämpferin, nun an der Seite ihres Bruders, aber auch neben einem mysteriösen Schwertkämpfer, von dem die Aura des einsamen Helden ausgeht. Sicherlich ist ein solcher Outlaw auch in der panasiatischen Literatur und im dortigen Film anzutreffen, doch musste ich bei dieser Figur vor allem an das Westerngenre denken. Möglicherweise spielt hier sogar Leones Konzeption des „namenlosen Fremden“ mithinein, wobei Hus einsamer Schwertkämpfer allerdings einen Namen hat und dabei keinerlei Zynismus an den Tag legt. Und wo es den sozialengagierten Helden gibt, da gibt es natürlich auch dessen Gegenteil. Hier ist es der kaiserliche Eunuch, der über eine unglaubliche, ja, übermenschliche Kampfkunst verfügt – und der deshalb nur gemeinschaftlich, im Team, besiegt werden kann. Der moralische Plot fächert sich sodann in zahlreiche Kampfszenen auf, die schlussendlich – ausgehend von den anonymen Soldaten, die bekämpft werden – zum brutalen Bösewicht führen. Insofern ist DRAGON INN spannendes Unterhaltungskino, welches auch außerhalb seines kulturellen Raums ohne Probleme „verstanden wird“ – DRAGON INN führt dahingehend Rollenmodelle vor, die sich in einen großen trans-nationalen Kinodiskurs einschreiben. Und auch die Musik ist zum Teil asiatisch verwurzelt, gleichwie aber auch orchestral „international“. Was DRAGON INN jedoch vor allem ist: das Werk liefert sensorisch schöne Bilder, einen wunderbaren Filmästhetizismus, der einerseits ruhig harmonisch sich ausdrückt, gleichwie aber auch – in den Kampfszenen – dramatisch dynamisch wirkt. In einem Satz: DRAGON INN ist meisterlich…


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(Bildquelle: imdb.com)

Trailer:
youtu.be Video From : youtu.be


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 12.02.2019 00:31 
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Dieser Film war eine sehr interessante Erfahrung, zunächst daheim (BD gibt's bei Rapid Eye Movies) und dann nochmals im Kino (im Verleih von Rapid Eye Movies, als digitale 4K-Kopie). Nicht immer leicht zu schauen, bleibt doch ziemlich viel hängen. Nicht nur das Finale.

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Wiederaufführung | Alte Filme. Neu entdeckt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 12.02.2019 16:04 
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MMeXX hat geschrieben:
Nicht immer leicht zu schauen, bleibt doch ziemlich viel hängen. Nicht nur das Finale.


Auf welche Weise hatte Dir der Film das Seherlebnis dann doch etwas erschwert? Ich finde, dass der Film - vergleicht man ihn mit dem späteren A TOUCH OF ZEN und seinem buddhistisch angehauchten Subplot am Ende - wesentlich zugänglicher für "westliche" Augen ist und sich damit eher für den internationalen Kinomarkt eignet - wie ich oben geschrieben habe, musste ich eigentlich ständig an einen Western denken (die Szene mit dem ersten Auftauchen des "einsamen" Schwertkämpfers in der Herberge, wenn er von den Soldaten beäugt wird etc. - eigentlich wie in einem zeitgleichen [Italo-]Western, wenn der fremde Outlaw in irgendeine Stadt ankommt)...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 12.02.2019 16:40 
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Eventuell verwechselt MMeXX gerade A TOUCH OF ZEN mit der HERBERGE? Von letzterem gibt es nämlich keine BD von REM. Bei ATOZ könnte ich das "nicht immer leicht zu schauen" auch noch eher nachvollziehen, als bei der HERBERGE.

Die HERBERGE finde ich schlichtweg großartig- wie alles, das ich bis jetzt von King Hu gesehen habe.

Alleine die Landschaftsaufnahmen und die Inszenierung von Personen in Landschaften rauben mir nicht selten den Atem. Auf großer Leinwand würde das wohl schon in den Bereich von lebensgefährlich für mich fallen. :D


Bei aller Schönheit darf man aber nicht vergessen, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. ;)
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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 12.02.2019 17:38 
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Pa_Nik hat geschrieben:
Die HERBERGE finde ich schlichtweg großartig- wie alles, das ich bis jetzt von King Hu gesehen habe.

Alleine die Landschaftsaufnahmen und die Inszenierung von Personen in Landschaften rauben mir nicht selten den Atem. Auf großer Leinwand würde das wohl schon in den Bereich von lebensgefährlich für mich fallen. :D



Deine Einschätzung kann ich nur unterschreiben (besonders der Bezug Figur und Landschaft ist kompositorisch genial inszeniert); wobei ich bislang auf drei Hu-Titel komme ("Das Schwert der gelben Tigerin", "Die Herberge zum Drachentor" sowie "Ein Hauch von Zen" - von den dreien würde ich dann "Zen" als den allerbesten einschätzen)... "Legend of the Mountain" kommt dann als nächster Titel bei mir dran...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 13.02.2019 10:54 
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"Legend of the Mountain" ist gerade auf dem Weg zu mir. Ich habe etwas "Angst" vor gut drei Stunden OmeU, aber es hilft ja nix.
Der gesehene Trailer verspricht auf jeden Fall Schnappatmung in stärkster Ausprägung.

Hast du "Regen in den Bergen" schon ins Auge gefasst?
Soweit ich informiert bin, gibt es von dem weiterhin leider nur DVD-Auflagen. Zumindest meine dt. Version kann nur als Übergangslösung fungieren. Vielleicht kommt dieser Hu auch noch über UK. Zu wünschen wäre es.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE HERBERGE ZUM DRACHENTOR - King Hu
BeitragVerfasst: 13.02.2019 14:55 
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Pa_Nik hat geschrieben:
"Legend of the Mountain" ist gerade auf dem Weg zu mir. Ich habe etwas "Angst" vor gut drei Stunden OmeU, aber es hilft ja nix.

Hast du "Regen in den Bergen" schon ins Auge gefasst?


Vor den drei Stunden musst Du bestimmt keine Angst haben, die werden sicherlich - wegen den zu erwarteten großartigen Kompositionen- extrem schnell vergehen, meine BD von EUREKA! ist noch unterwegs...


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