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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: EMANUELA - Just Jaeckin
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Emmanuelle – Just Jaeckin

(Frankreich 1974)

Buch: 24.3.2019 – 31.3.2019: Louis-Jacques Rollet-Andriane: Emmanuelle oder Die Schule der Lust, Rowohlt, Hamburg 1971.
Film: 1.4.2019, DVD (Kinowelt, OmdU, 1,78:1 – falsches Bildformat)



Inhalt des Buches:

Auf dem Weg von London zu ihrem Mann Jean nach Bangkok hat die 19jährige Emmanuelle, die nur französisch spricht und seit einem Jahr verheiratet ist, Sex mit zwei Männern, der letzte Akt wird von 2 Kindern im Alter von „höchstens zwölf oder dreizehn Jahren“ mit „nichts als gebannter Neugier“ beobachtet. In Bangkok verbringt sie viel Zeit in einem Club, in dem es einen Swimmingpool gibt und wo sie die 13jährige Marie-Anne kennenlernt; Marie-Anne besucht Emmanuelle tags darauf und die beiden masturbieren zusammen, während sie sich über Sex unterhalten. Emmanuelle offenbart, dass sie von Jean entjungfert wurde, als sie 16 war, und dass sie, als er vor einem halben Jahr nach Siam versetzt wurde, ihr Mathematikstudium abbrach, um ihm nachfolgen zu können. Dass sie auf dem Flug Sex hatte, ist ihr peinlich zuzugeben und als Marie-Anne sich verabschiedet, verabreden sie sich, jede für sich allein um Mitternacht zu erneut zu masturbieren. Am selben Abend hat sie mit Jean Sex und offenbart ihm danach, dass sie sich noch selbst finden muss und sie sich wie eine „törichte Jungfrau“ fühle, „voller Vorurteile“. Um sich weiterzuentwickeln, gesteht sie Jean, möchte sie mit Marie-Anne schlafen, „das gehört dazu“, und als die Uhr Mitternacht läutet, „berühren ihre Finger die Klitoris“. Am nächsten Tag trifft sie im Club Ariane, eine Gräfin, die ihr erklärt, was man in Bangkok alles machen kann: Es gibt Kinos, Nachtlokale, „Amüsierbetrieb“, „man kann reiten, Golf, Tennis oder Squash spielen, auf dem Fluß Wasserski laufen oder auf den Kanälen romantisch dahinschaukeln“, die Pagoden besichtigen und das 150 km entfernte Meer besuchen. Im Laufe des Gesprächs gibt Ariane zu erkennen, dass sie sexuell an Emmanuelle interessiert ist, auf Emmanuelles Einwand, Arianes Mann könne Einwände haben, antwortet sie: „Ein guter Ehemann weiß zu schätzen, wenn seine Frau zufrieden ist.“ Sie besuchen einen Massagesalon und werden in getrennten Räumen massiert, Emmanuelle kommt unter den Händen der „jungen, schmächtigen Asiatin“ zum Orgasmus, den Ariane hört.

In den nächsten vier Tagen erhält Emmanuelle jeden Nachmittag Besuch von Marie-Anne, der sie gesteht, täglich bis zu 15mal zu masturbieren. Ihr wird bewusst, „dass ihr Geist und ihr Körper mehr Lustgewinn daraus zogen, einer andern den Anblick der Unzucht darzubieten, als wenn sie selbst Zuschauerin gewesen wäre.“ Schließlich wird Emmanuelle von Marie-Annes Mutter eingeladen, wo Marie-Anne ihrer Freundin heimlich erzählt, dass sie einen Mann für sie habe, ein „Italiener und sehr schön“, der wie sie selbst und Ariane im „Zeichen des Löwen geboren“ ist und 38 Jahre alt ist, allerdings sei nächstes Jahr Emmanuelle zu alt für ihn. Emmanuelle hat bei dem Beisammensein jedoch mehr Interesse für die 22jährige Bee, die eigentlich „einen dieser verrückten, skurrilen englischen Namen“ hat und von Marie-Anne „Bi“ genannt wird; beide sind beste Freundinnen. Einstweilen hat Emmanuelle mit Ariane Sex, verdreht Christopher, einem Freund ihres Mannes, den Kopf und verführt Bee unter der Dusche.

Bei einem Empfang in der Botschaft, wo auch Marie-Anne und Ariane eingeladen sind, lernt Emmanuelle den erwähnten Italiener, den homosexuellen Kunstsammler Mario, kennen, der ihr sogleich erklärt, dass Kunst als für die Ewigkeit geschaffen nicht Kunst, sondern nur das Gefühl des Künstlers, während er sein Werk erschafft, Kunst und von Bedeutung ist. Mario lädt Emmanuelle zu sich nach Hause ein, wo sich bald noch Quentin, ein Freund Marios hinzugesellt, den er ebenfalls auf dem Botschaftsempfang kennengerlernt hatte. Als Mario Quentin ermuntert, Emmanuelle zu verführen, empfiehlt er gleichzeitig Emmanuelle, sich „ein Spiel daraus zu machen, sich zunächst nur im Detail hinzugeben.“ Emmanuelle ist jedoch zu Mario gekommen, um sich im „Genuß der Sinne“ zu üben, Mario erklärt ihr jedoch, dass Erotik in Emmanuelles Sinne nur das Befolgen eines gesellschaftlichen Leitfadens sei, nach dem man sich kanonisch amüsieren dürfe und die sich immer im Bereich der Vernunft bewege. Stattdessen sei die Schönheit und der Wille zur Schönheit die eigentliche Triebkraft des Menschen: Losgelöst von dem, was die Natur beabsichtigt (z. B. keine fleischliche Vereinigung von Frauen, zulassen der fleischlichen Vereinigung von Männern, unnatürlicher Liebesakt zu fünft) ist es jeweils schön, wenn es Menschen gelingt, über den natürlichen Plan zu triumphieren. „Erotik ist die Leidenschaft des Mutes. (…) Wo Natur ist, da ist keine Erotik.“ Erotik ist für Mario „das Gute“, während „das Böse“, die „Anti-Poesie“, „der Konformismus, die Achtung vor den Tabus, der Haß auf die Phantasie, die Ablehnung des Neuen, der Masochismus, die Böswilligkeit, der Neid, der Geiz, die Heuchelei, die Lüge, die Grausamkeit, die Schande“ ist. Erotik und Kunst seien das Gegenteil von Natur, da sie das Ergebnis von „Anstrengungen des Menschen sind, sich der Natur zu widersetzen.“ Damit widersetze man sich auch Gott als Schöpfer der Natur, und damit sei Liebe immer widernatürlich, Anti-Natur, „das Scheitern der Pläne Gottes“. Er offenbart Emmanuelle das „Neue Gesetz“: „Es ist schön und gut, die Kunst der Liebe zu beherrschen und sich ihr frei hinzugeben; daß die Jungfernschaft keine Tugend, freies Zusammenleben kein Verbrechen und die Ehe kein Gefängnis ist; daß es auf die Kunst des Genießens ankommt und daß es noch nicht genügt, sich nie zu verweigern, sondern daß man sich unablässig feilbieten, sich hingeben, seinen Leib mit einer immer größeren Anzahl Leiber vereinen und die Stunden, die man nicht in den Armen anderer verbringt, als verloren ansehen muß.“ Er stellt Emmanuelle eine Utopie vor, die das indische Volk der Muria in ihrem Erziehungssystem bereits verwirklicht hatte: Menschen von Kindheit an in Kunst der körperlichen Liebe einzuführen und sich „zwischen zwei Umarmungen“ mit Kunst zu beschäftigen. Diese Praxis endete nicht in einem „Sittenverfall oder einer moralischen Blindheit (…) sondern in Regel und (…) Ethik: dauerhafte Bindungen waren untersagt, Eifersucht sollte nicht entstehen. Nicht Diebstahl und Mord sind die schlimmsten Verbrechen, sondern Eifersucht, die Muria „kennen nicht das Mißtrauen und die Verzweiflung unserer Zivilisation. Sie leben auf der Seite des Glücks.“ Zur Liebe wird man nicht geboren, man lernt sie. Bis es zu dieser Utopie wieder kommt, müssen die alten Moralvorstellungen zertrümmert werden, indem man sich über die vorhandenen Sitten hinwegsetzt. Dies geschieht am Besten bei Befolgung Marios zweiten Gesetzes, der Asymmetrie: „Jeder Augenblick, den man mit anderem Verbringt als mit der Kunst, in einer immer größeren Anzahl von Armen zu genießen, ist verlorene Zeit.“ Dies führt gleichzeitig dazu, dass es Erotik ohne Exhibitionismus nicht (mehr) gibt. Erotisch sei nicht das „Happy-End“, sondern die Erektion und der Wille zur Wiederholung. Daraus leitet Mario das dritte Gesetz der Zahl ab: Die Beschränkung auf zwei muss aufgehoben werden, Sieg einer Frau muss sein, „zehntausend Leiber in sich empfangen“ zu haben, „Lust am Exzess“. Er wendet sich gegen den Drang, Liebespositionen ausprobieren zu müssen, wichtiger ist das Entstehen von Erotik durch Situationen.

Nun befragt er Emmanuelle über ihr Liebesleben und erfährt von ihrer lesbischen Neigung. Dass Jean stets tiefausgeschnittene Kleidung für seine Frau aussucht, deutet Mario, dass er möchte, dass Emmanuelle sich anderen Männern hingibt, also „Zahl“ herstellt. Er stärkt sie in ihrer Annahme, dass Jean ihr deswegen erlaubt ihn zu „betrügen“, weil er weiß, dass er damit Emmanuelle glücklich macht, da er sie gelehrt hat zu erkennen, was schön ist. Mit Quentin und Emmanuelle begibt er sich auf eine Fahrt durchs nächtliche Bangkok, bis sie in einem heruntergekommenen Haus landen, wo sie Opium rauchen. Mario bittet die Eigentümerin, ihnen 12-15jährige Knaben zu besorgen, was diese verweigert. Während Quentin zurückbleiben will, streifen die Beiden weiter durch Bangkok, bis sie einen Tempel erreichen, wo sie einen gewaltigen Baum voller Phalli entdecken: Opfergaben für sexuelle Potenz und Fruchtbarkeit. Vier Männer gesellen sich zu ihnen und Emmanuelle berührt einen der Phalli und befriedigt Mario mit der Hand. Nach dessen Orgasmus winkt Mario einen der Jungen, näherzukommen und Emmanuelle befriedigt ihn auf Marios Wunsch hin, ohne von ihm oder den anderen angerührt werden zu wollen, oral, empfindet dabei aber Furcht und Abscheu, „dennoch hatte Emmanuelle nicht nur im Geist, sondern auch körperlich Einverständnis gezeigt“. Der Junge kommt in ihrer Vagina zum Orgasmus, Emmanuelle erst, als Mario ihre Klitoris berührt. In einem Sam-lo, einem Dreirad, treten sie ihren Heimweg an, befriedigen sich erneut und lenken die Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich. Mario philosophiert weiter, dass es eine internationale Freimaurerei der Schönheit gäbe und „manche Dinge nur Leuten gestattet sind, die schön sind.“ Nun lenken sie auch die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autos auf sich und schließlich in Marios Domizil angelangt, lädt er den Sam-lo-Fahrer ein, dringt von hinten in ihn ein, während dieser in Emmanuelle eindringt. Emmanuelle verspricht, das sei der erste Mann von vielen (dass sie im Flugzeug bereits mit zwei Männern schlief, hatte sich Mario verheimlicht) und schreit „über das schwarze Wasser, ohne daß jemand hätte sagen können, wem dieser Schrei galt: „Ich liebe! Ich liebe! Ich liebe!““


Inhalt des Films:

Die frisch verheiratete Emmanuelle reist ihrem Ehemann Jean nach Bangkok nach, wo bei einer Stadtrundfahrt plötzlich Unmengen an Kindern auftauchen, die die verängstigte Emmanuelle bedrängen und ihr Blumen verkaufen wollen. Nachdem Jean Emmanuelle in ihr neues, gemeinsames Domizil gebracht und ihr die Dienerschaft vorgestellt hat, schlafen sie miteinander und werden vom Dienstpersonal dabei beobachtet, auf das der Funke überspringt und daraufhin wilden Sex hat.

Tags darauf lernt sie in einem Club, in dem es einen Swimmingpool gibt, andere Frauen kennen und wird von diesen für verhältnismäßig brav gehalten, eine von ihnen, Ariane, erklärt ihr, dass man in Bangkok nur vor der Langeweile Angst zu haben braucht und das Gegenmittel gegen die Langeweile Liebe sei. Am Nachmittag erhält die schlafende Emmanuelle Besuch von Marie-Ange, die sie streichelt und sie damit aufweckt. Marie-Ange wohnt bei ihren Eltern, ist sehr direkt und liebt es, Lollis zu lutschen, um damit ältere Männer heiß zu machen, auch Emmanuelles Mann, der 32 ist. Auf der Terrasse masturbiert Marie-Ange zu einem Bild Paul Newmans: „ich mache es, seit ich 12 bin“ und Emmanuelle, die sich anfangs unwohl fühlt, streichelt sich auch und berichtet von ihrem Erlebnis im Flugzeug, das sie auf der Reise nach Bangkok hatte und wo sie Sex mit zwei Männern hatte, der Zweite war anfangs Zuschauer.

Mit Jean spricht sie über Liebe und Eifersucht, und Jean zerstreut ihre Befürchtungen: „Du bist nicht mein Eigentum. Du bist nicht meine Schönheit, du bist DIE Schönheit.“ Emmanuelle strebt jedoch nach mehr: „Ich denke, dass es in der Liebe noch Wichtigeres geben muss. Leuchtender als nur Technik.“ Und sie beschwert sich, dass man in Gesellschaft nicht offen über Sex sprechen kann. Später spielt sie mit Ariane Tennis und lässt sich von ihr verführen; Marie-Ange stellt Emmanuelle Abends auf einer Party Mario vor, dessen erste Worte an sie gerichtet Emmanuelle ob ihrer Direktheit verärgern: „Sie haben einen wunderbaren Körper.“ Später erzählt sie Marie-Ange, dass es sie stört, dass Mario sich selbst zu gerne reden hört und zu viele Phrasen drischt – und sie möchte lieber Bee kennenlernen, die als Archäologin nicht zur Upper-Class gehört und deswegen ausgeschlossen wird. Sie verabredet sich mit ihr und gibt dieser Verabredung auch dann noch den Vorzug, als sie einen Brief von Mario empfängt, der sich Abends mit ihr treffen will. Emmanuelle sieht in ihr eine Frau, die die Langeweile nicht zur Kunst stilisieren will wie die anderen Frauen. Gemeinsam reiten sie in den Sonnenuntergang, genießen eine romantische Zeit an einem Wasserfall und essen zusammen mit Stäbchen, wo sich Emmanuelle etwas ungeschickt anstellt und haben schließlich Sex. Sie spürt jetzt, dass es mehr als Sex und „die unaufhörliche Suche nach Genuss“, wie ihr Mann sagt, gibt: „Ein Wasserfall ist nur schon, wenn jemand dabei ist, den man liebt.“

Jetzt regt sich in Jean die Eifersucht, da seine Frau den Abend nicht mit ihm verbringen will, ein Freund erklärt ihm, er wolle anscheinend gar nicht, dass seine Frau frei ist, sondern nur frei über sie verfügen. Er besucht ein Bordell, wo er sich den Tanz einer Asiatin ansieht, die mit ihrer Vagina Zigarette rauchen kann. Als ein Bekannter ordinär Emmanuelles Brüste lobt, schubst er ihn wütend weg und wird daraufhin von ihm niedergeschlagen. Er besucht, noch immer rasend vor Eifersucht, Ariane, die ihm entgegenhält, dass diese Eifersucht mittlerweile schon anderen aufgefallen ist und belächelt wird. Sie empfiehlt ihm stattdessen, Emmanuelle von Mario erziehen zu lassen – „Ariane, sie sind eine Schlampe!“ – „Also dann, worauf warten Sie noch?“ Er nimmt sie so hart, dass Ariane später sagt: „Er hat mich fast vergewaltigt. Fast.“

Jean ist von seiner Eifersucht jedenfalls gereinigt und verspricht Emmanuelle zu helfen, da sie traurig ist, dass Bee abreisen musste. Und Ariane empfiehlt ihr nachdrücklich, Mario aufzusuchen: „Alte Männer sind Schatztruhen der Erotik.“ Als sie ihn schließlich trifft, stellt er ihr sein „Gesetz“ vor: „Liebe ohne Grenzen ist herrlich. Jungfräulichkeit ist keine Tugend. Zweisamkeit hat keine Grenzen. Man muss seine Grenzen erweitern, bis es keine mehr gibt. (…) Man muss seine Angst abschaffen. Angst vor Gedanken, glücklich zu sein. Alle Ängste kreieren eine falsche Tugend, Konformität, Lebensverweigerung. In Wirklichkeit: Lügen“ Sie streifen durch Bangkok und Mario lenkt die Aufmerksamkeit eines Passanten auf Emmanuelle: „Siehst du diese Beine? Nimm sie, ich schenke sie dir.“ – Er berührt sie daraufhin. Mario erreicht mit seiner Gefährtin das Ziel seiner Wanderung: Ein Opiumhaus, wo sie zusammen rauchen, damit Emmanuelle die Grenze ins Land des Erotismus überschreiten kann. Erotismus ist für Mario kein „Kult der Sinnesfreuden“, sondern „eine Übung der Sinne, eine Seelenbewegung. Es ist eine Kunstform, eine Schule, um Sex und alle Akte zu humanisieren. Es ist Ablehnung von Scheingründen. Es ist Offenheit zu sich selbst. (…) Es ist ein Versuch, mit dem alltäglichen Leben zu brechen. Es ist der Sieg der Träume über die Natur. Liebe machen zählt nicht, sondern wie man sie macht.“ Dabei sind nicht die „32 Stellungen“ wichtig und sich vom asiatischen Gedanken von der Bedeutung von Technik zu lösen, auch wenn der Körper wichtig ist: „Man muss sich befreien. Zerstöre alle bestehenden Werte. Fülle deinen Kopf mit Sensationen, die dir niemand gegeben hat.“ Emmanuelle wird daraufhin von 2 Männern vergewaltigt, während Mario rauchend zusieht. Er erklärt ihr später, dass er Sammler ist, und Situationen sammelt: „Echte Liebe kämpft immer gegen die Natur. Echte Liebe ist Erektion, nicht Orgasmus. Das Paar als solches sollte illegal sein. Immer eine dritte Person erzwingen.“

Sie besuchen schließlich ein traditionelles Musikhaus, wo auch Thaiboxen stattfindet. Mario lobt Emmanuelle als Preis für den Sieger aus und diese lässt sich vom späteren Sieger nehmen und fühlt sich befreit. Mario führt sie nach Hause: „Tageslicht ist nichts für uns“ und beschließt, auf eine spätere Emmanuelle zu warten, eine, die es noch nicht gibt. Emmanuelle nimmt auf einem Rattansessel platz und schminkt sich, während ihre Stimme und die Marios verschmelzen: „Ehepaare sollten illegal sein. Immer eine dritte Person erzwingen.“


Review:

Louis-Jacques Rollet-Andriane veröffentlichte den Roman „Emmanuelle oder Die Schule der Lust“ 1959 unter Pseudonym; jahrelang nahmen Leser und Kritik an, dass seine Frau Marayat Rollet-Andriane die Autorin der Emmanuelle-Romane sei. In der Konsequenz ist amüsant, dass Vorwürfe, „Emmanuelle“ sei frauenfeindlich, stets mit der weiblichen Verfasserschaft entkräftet wurde. Möglicherweise ist Marayat Rollet-Andriane Co-Autorin der teils autobiographisch gefärbten Romane, die neben explizitem Sex, Tabubrüchen und Provokationen auch tief in der europäischen Geistesgeschichte verwurzelte philosophische Gedanken beinhalten. Der Erstling wurde in Frankreich 1970 neu aufgelegt, nachdem vorher nur Undergroundexemplare heimlich verkauft wurden; die guten Verkaufszahlen und der glückliche Zufall, dass die Verfilmungsrechte kurzzeitig verfügbar waren sorgten dafür, dass Just Jaeckin „Emmanuelle“ 1973 verfilmen konnte. Die meisten Szenen des Films wurden in Thailand gedreht und von oberster Stelle protegiert, trotzdem bekam die Filmcrew Probleme mit den Behörden, da an einem öffentlich zugänglichen Wasserfall eine erotische Szene gedreht wurde. In Frankreich löste der vollendete Film eine Zensurdebatte aus und wurde verboten, nach einem Regierungswechsel mit liberaleren Ansichten wurde er ungeschnitten in den Kinos gezeigt und 1975 ab 16 freigegeben. Trotzdem wandelte sich der Zeitgeist schnell, und 1976 wurde eine sehr hohe Sondersteuer auf mit einem „X“ klassifizierte Filme erhoben und verboten, dass sie in den gleichen Kinos wie Großproduktionen laufen, was dafür sorgte, dass kaum noch internationale Erotik-, Sex-, und auch Horrorfilmer der härteren Gangart importiert wurden und die Fortsetzung von „Emmanuelle“ erst 2 Jahre nach dem internationalen Start in Frankreich gezeigt werden konnte. In Deutschland löste der Film den Zorn der Staatsanwaltschaften einiger Städte in Schleswig-Holstein auf sich, die dem Film Pornographie vorwarfen, obwohl im selben Jahr Pornographie erlaubt worden war. Wie das Buch landete der Film auf dem Index für jugendgefährdende Schriften, aus dem er erst 2008 gestrichen wurde, obwohl er bis dahin schon mehrmals im deutschen Fernsehen ungekürzt gezeigt wurde (einige Quellen nennen eine Kürzung der Vergewaltigungsszene in der Opiumbar).

„Emmanuelle“ ist das Regiedebut Just Jaeckins, der sich in den nächsten Jahren noch häufiger dem Erotikgenre widmen sollte und seinem Ruf als großer Stilist treu blieb. Die Kamera, die mit ihrer geringen Tiefenschärfe eine „typisch französische“ Optik schafft, stammt von Richard Suzuki, unter dessen wenigen Arbeiten sich auch „Leidenschaftliche Blümchen“ findet. Pierre Bachelet, der den äußerst erfolgreich verkauften Soundtrack komponierte, wirkte in „Emmanuelle V“ (1987), „Digital Love“ (1993, dem siebten Teil), und der TV-Reihe mit Marcela Walerstein und Sylvia Kristel als gealterte Emmanuelle mit (1993), sowie in den Jaeckin-Filmen „Die Geschichte der O.“ (1975) und „Gwendoline“ (1984). Die Niederländerin Sylvia Kristel startete erst ein Jahr vor den Dreharbeiten von „Emmanuelle“ ihre Karriere und war 21 Jahre alt; Christine Boisson, die Darstellerin der Marie-Ange, 17 und sollte bereits ein Jahr später in „Das Spiel mit dem Feuer erneut mit Kristel gemeinsam vor der Kamera stehen.. Ursprünglich wollte man einen anderen Frauentyp, doch ihre frische und unprätentiöse Ausstrahlung, sowie ihr schauspielerisches Talent überzeugten die Produzenten – die jedoch nicht gänzlich von dem weichgezeichneten, edlen Stil Jaeckins und dem Drehbuch, das viel Zeit für philosophische Gespräche und relativ harmlos vorgesehene Sexszenen beinhaltete. So setzten sie durch, dass z. B. die Szene, in der in einem Striplokal oder Bordell ein asiatisches Mädchen mit ihrer Vagina eine Zigarette raucht, gedreht wurde (Regisseur für diese Szene war der Kameramann, da sich Jaeckin weigerte, die Intention des Films zu verraten), und auch die Szene, in der Emmanuelle in der Opiumbar vergewaltigt wird – also einen insgesamt exploitativeren Charakter. Trotzdem wurde der Film ein Erfolg beim weiblichen Publikum, wurde in Paris 8 Jahre lang gespielt und von den USA wegen der Beliebtheit bei Frauen importiert.

Der Roman bedient sich einer sehr direkten, allerdings poetischen und nie derben Sprache, wenn er Sex schildert, bereits das erste Kapitel mit den beiden Flugzeugbegegnungen macht keine Zugeständnisse an den Leser, den man in einem anderen, ähnlichen Roman langsam in einen Strudel der Leidenschaft gefangen genommen hätte. Den sechs Kapiteln vorangestellt sind stets einige Zitate berühmter Poeten und Philosophen; unter ersteren befinden sich Goethe und Pierre Louys´ „Les Chansons de Bilitis“, unter letzteren Ovid („Liebeskunst“) und Friedrich Nietzsche. Sein Zitat „Rate ich euch, eure Sinne zu töten? Ich rate euch zur Unschuld der Sinne“ („Also sprach Zarathustra I, Von der Keuschheit“, 1884) gibt das Programm des Romans vor, der immer im Sinne Nietzsches bleibt: Umwertung der Werte, Weiterentwicklung des Individuums zum werteschaffenden Menschen (Übermenschen) die Verschränkung von Kunst, Wissenschaft und Genuss, sowie Angriffe auf die christliche Moral. Ovid, im alten Rom ebenfalls ein Tabubrecher – er wurde verbannt, da er in der „Liebeskunst“ die Ehegesetze Kaiser Augustus´ unterminierte, also zur Polygamie („Zahl“) aufrief – wird zitiert: „Viele gibt´s der Arten der Lust; die leichteste und die bequemste, wenn halb rücklings gelehnt rechts auf der Seite sie liegt.“ Was im Verlauf des Romans schließlich den Sinn ergibt, dass der Autor zu erkennen gibt, nicht Stellungen und Liebestechniken, aus dem Kamasutra etwa, seien in der Erotik interessant, sondern das exhibitionistische Element. Und dazu braucht es keine sportlichen Techniken und schmerzhaften Verrenkungen…

Eine Einbettung in die Kunstgeschichte muss ein Film auf andere Weise leisten als mit Hilfe von Zitaten, die er höchstens sparsam einsetzen kann, oder platonischen Dialogen, die im fünften Kapitel zwischen Mario und Emmanuelle ausgiebig stattfinden. Letztere wurden reduziert auf die Kerninhalte: Polygamie leben, selbstbewusst exhibitionistischen Neigungen nachgeben, Auftrag zur Überwindung bürgerlicher Moralvorstellungen und Entlarvung jener Moralvorstellungen als Lügengebilde, die aus einem Angstempfinden geschaffen wurden. Der Film „Emmanuelle“ schafft eine eigene erotische Ästhetik, um sich selbst in die Reihe der im Buch zitierten Poeten zu stellen und die hier noch weit von Postkartenkitsch und Bangkoktourismuswerbung späterer, ähnlich gearteter Filme und Fortsetzungen entfernt ist, da die exotische Schönheit des Landes vom Filmzuschauer genauso emotional wie von der Protagonistin wahrgenommen wird Stimmungen erzeugt (Angst vor der Kinderhorde zu Beginn, Langeweile am Pool, Hitze…) und den Zuschauer sich mit Emmanuelle identifizieren lässt. Eine wichtige Voraussetzung, um ihn auf Emmanuelles Odyssee mitzunehmen und ihn für seine finalen philosophischen Inhalte zu begeistern, auch wenn sie im Film etwas sentenzenhaft erscheinen und nur verschränkt mit der literarischen Vorlage wirkliche Sprengkraft haben – und die haben sie heute wie in den Fünfzigern, als das Buch erschien und den Siebzigern, als der Film erschien, denn obwohl ein Großteil der westlichen Welt ihre Zeit, die sie im Internet verbringt, überwiegend auf Pornoseiten verbringt, sorgt die aufgebrachte Prüderie für Aufschreie in Serie, wenn etwa eine Fahrradhelmwerbung zu freizügig und nicht nach ihrem Geschmack ist und verbietet Grid Girls im Motorsport, weil diese Tradition nicht mehr den gesellschaftlichen Normen entspräche.

Erfreulich ist zudem die Komplexität, die der Film entfaltet, indem er nicht nur auf das Buch in begrenztem Zusammenhang interpretiert werden kann, sondern auch der Titelsong und die Filmplakate inhaltlich etwas beisteuern: In Bachelets Song wird eine Emmanuelle beschrieben, deren Körper sich mit ihrem Herzen noch nicht im Einklang befindet. Um Einklang zu finden, muss sie auf eine lange Reise gehen und wird auf ihrem Weg die Liebe erleben. Das erste für „Emmanuelle“ geschaffene Filmplakat zeigt eine listig lächelnde grüne Schlange, die sich aus den Schalen eines Apfels fortsetzt. Der auf der unteren Hälfte bereits geschälte Apfel hat die Farbe und Form eines menschlichen Hinterns. Das Plakat weist hier klug auf die tabubrechende Sprengkraft der Erkenntnisse, die der Film verbreitet, hin, verhält sich dem Christentum gegenüber provokativ, indem es seine wichtigsten Bilder übernimmt und ironisiert und weist vielleicht sogar erneut auf Nietzsche hin, für den die Schlange „das klügste Tier“ ist, schließlich lächelt die Schlange sehr weise. Das zweite Filmplakat, das heute das bekanntere ist, zeigt Emmanuelle auf dem Rattansessel (dem luftigen Korbsessel), auf dem sie auch in der letzten Szene des Films platznimmt, während ihre und Marios Stimme verschmelzen. Dieses Bild – Emmanuelle schminkt sich im Film, während sie im Sessel sitzt – markiert das Ende dieser besungenen Reise: Emmanuelle hat zu sich selbst und die Liebe gefunden und ist eins mit ihrem Meister, der Erotik selbst.


Fazit:

Ästhetisch und inhaltlich überzeugender Erotikfilm, dem man irrtümlicherweise oft Oberflächlichkeit vorwirft und den man neuerdings für verstaubt hält.


Wertung:

9 / 10


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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 11.05.2019 15:41 
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Ergänzung zur Zensurgeschichte des Buches: "Emanuela" wurde, ebenso wie "Die Geschichte der O" in Deutschland folgeindiziert und ist es immernoch.

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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 11.05.2019 17:17 
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Sartana wrote:
Ergänzung zur Zensurgeschichte des Buches: "Emanuela" wurde, ebenso wie "Die Geschichte der O" in Deutschland folgeindiziert und ist es immernoch.


Von Geschichte der O. ist sowohl das Buch als auch der Comic von Guido Crepax folgeindiziert. Bei Emanuelle ist es aber lediglich der Comic. Das Buch nicht.


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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 11.05.2019 17:33 
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Ragory wrote:
Sartana wrote:
Ergänzung zur Zensurgeschichte des Buches: "Emanuela" wurde, ebenso wie "Die Geschichte der O" in Deutschland folgeindiziert und ist es immernoch.


Von Geschichte der O. ist sowohl das Buch als auch der Comic von Guido Crepax folgeindiziert. Bei Emanuelle ist es aber lediglich der Comic. Das Buch nicht.


Mein Fehler, gerade nochmal nachgeschlagen :shock:

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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 30.07.2019 00:28 
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Das Buch "Die Geschichte der O." von Pauline Reage kann man aber ganz offiziell erwerben, wird auch bei Amazon über einen Zwischenhändler angeboten. Der Titel dürfte dann eigentlich nicht indiziert sein. Wie lautet denn der Titel des Crepax-Comics? Auch "Die Geschichte der O."?

PS: Soeben nachgeschaut: Justine und die Geschichte der O. von Crepax waren bis vor kurzem auch in einer deutschen Ausgabe erhältlich, diese ist leider vergriffen. Kann man für allerdings viel Geld auch über den Amazon-Marktplatz kaufen. Kann folglich auch nicht indiziert sein.

Die Verfilmung ist ebenfalls erhältlich.


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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 30.07.2019 15:06 
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dr.freudenstein wrote:
Das Buch "Die Geschichte der O." von Pauline Reage kann man aber ganz offiziell erwerben, wird auch bei Amazon über einen Zwischenhändler angeboten. Der Titel dürfte dann eigentlich nicht indiziert sein. Wie lautet denn der Titel des Crepax-Comics? Auch "Die Geschichte der O."?

PS: Soeben nachgeschaut: Justine und die Geschichte der O. von Crepax waren bis vor kurzem auch in einer deutschen Ausgabe erhältlich, diese ist leider vergriffen. Kann man für allerdings viel Geld auch über den Amazon-Marktplatz kaufen. Kann folglich auch nicht indiziert sein.

Die Verfilmung ist ebenfalls erhältlich.


Doch, die wurden damals folgeindiziert und sind bis heute drauf. Bei Printmedien wird das offensichtlich nicht so eng gesehen, evtl. auch, weil jede Übersetzung etwas anders ist und es dadurch vielleicht an "Inhaltsgleichheit" fehlt. - Nur 'ne Vermutung.
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 Post subject: Re: EMANUELA - Just Jaeckin
PostPosted: 31.07.2019 13:42 
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Aha! Da schaut wohl keiner so recht hin :o
Erotik zwischen rechtem Gedankengut! Das passt ja zusammen! :D Endsieg Nr. 2 :lol:


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