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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: FANNY HILL - MEMOIREN EINES FREUDENMÄDCHENS - Gerry O´Hara
PostPosted: 02.05.2017 19:12 
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Fanny Hill – Memoiren eines Freudenmädchens – Gerry O´Hara

(Großbritannien 1983)

Film:
24.4.2017, DVD (Universum Film, OV, 1,85:1)
Buch (1. Fassung):
Anfang April 2017 (Cleland, John: Die Abenteuer der Fanny Hill, area Verlag, Erftstadt 2005.)



Inhaltsbeschreibung des Buches:

Siehe einen Eintrag im Filmtagebuch weiter oben oder hier:
http://dirtypictures.phpbb8.de/post265352.html#p265352


Inhaltsbeschreibung des Films:

Fanny ist ein Mädchen vom Lande, das gleich nach seiner Ankunft in London ausgeraubt wird. Mit nur noch wenigen Schillingen in der Tasche sucht sie ein Stellenvermittlungsbüro auf, wo sie für sich wirbt: „Ich bin aber sehr willig, ich würde alles tun, was man von mir verlangt. (…) Ich würde alles tun, um andere glücklich zu machen.“ Daraufhin wird sie an Mrs. Brown vermittelt, die Besitzerin eines Freudenhauses ist. Phoebe, die dort schon länger lebt und arbeitet, führt Fanny sehr bald in die Freuden der lesbischen Liebe ein, weniger Freude bereitet ihr jedoch wenig später der Händler Mr. Croft, der sich Fanny mit Gewalt nehmen will, aufgrund eines plötzlichen Schwächeanfalls aber nicht zum Vollzug kommt.

Fanny hat nun durchschaut, wo sie lebt und verliebt sich in den jungen Gast Charles, der sie küsst und anschließend mit ihr schläft. Mit Hilfe des Anwalts Mr. Widdlecomb, der wie Charles Stammgast in Mrs. Browns Etablissement ist, gelingt es Charles, Fanny aus dem Bordell zu befreien und Fanny zieht bei ihm ein. Sie schlafen dreimal die Woche zusammen und Fanny wird bald schwanger, doch Charles Vater spinnt eine Intrige, so dass Charles nach Indien entführt wird; Fanny verliert daraufhin ihr Kind.

Der nächste Freier Fannys ist Mr. H. der sie mit seinem Spazierstock schlägt, was sie sehr erregt. Mr. H. nimmt sie daraufhin mit auf sein Landgut, wo sie nach kurzer Zeit den Stallburschen William verführt. Danach kehrt Fanny nach London zurück und arbeitet nun in dem Bordell Mrs. Coles. Dort wird eines Abends eine erotische Theaterinszenierung vor Publikum gegeben, darunter auch eine Auspeitschung. Im Mittelpunkt der 3. Szene steht Fanny. Mrs. Cole beauftragt Fanny später, Mr. Norbert einen Besuch abzustatten, den sie oral befriedigt; und anschließend zu zwei Schwulen, wobei einer der Beiden sie erst für einen Mann hält und versucht, sie zu verführen, dann aber enttäuschst von ihr ablässt. Mr. Barville, ihr nächster Freier, lässt Fanny, die er für tugendhaft hält und von der er glaubt, sie sei noch Jungfrau, zu sich holen, damit sie ihm im Bett Gesellschaft leistet und wo er sie küsst, dann aber gleich einschläft. Fanny besucht ihn regelmäßig und beginnt ihn zu mögen, er stirbt jedoch nach einiger Zeit. Er hinterlässt ihr sein ganzes riesiges Vermögen. Nun kehrt Charles zurück, alles wendet sich zum Guten und Fanny lobt den „süßen Zauber der Tugend“.


Review:

„Fanny Hill“ ist nach der Verfilmung Russ Meyers und Albert Zugsmith von 1964 und „Fanny Hill auf schwedisch“ (1968) von Mac Ahlberg die dritte Verfilmung von John Clelands skandalumwitterten Roman. Ungeachtet der mir unbekannten Verfilmung von 1968 ist die Version von 1983 wesentlich werkgetreuer als die von 1964, wenn auch alles in allem nicht unbedingt besser.

Harry Alan Towers, der zwischen 1983 und 1985 mehrere Erotikfilme (darunter „Black Venus“, 1983 und „Die Karriere der Francis B.“, 1984) und auch einen Porno („Christina y la reconversión sexual“, 1984) produzierte und ein bekannter Haudegen des Eurocult-B-Films ist, er produzierte unter anderem 9 Jess-Franco-Filme Ende der 60erjahre. Wie später bei „Die Karriere der Francis B.“ war das Playboymagazin Geldgeber und sorgte für einen für das Magazin typischen Look des Films, den man trotz eines völlig anderen Stabes vor und hinter der Kamera deutlich erkennen kann und nicht alleine auf einen „Eightieslook“ zurückzuführen ist. Der Regisseur Gerry O´Hara war meist Regieassistent größerer Filme und wirkte manchmal fürs englische Fernsehen oder Videoproduktionen als Regisseur (2 Folgen von „The Avengers“, 1965 und 1966, „Mumie – Tal des Todes“, 1993), „Fanny Hill“ dürfte jedoch sein größter Film sein. Der Komponist Paul Hoffert schuf einen passenden Sore für den Film, der sich am Festivalbarock orientiert, manchmal aber auch an den Werken von Komponisten der Romantik. Er wirkte zuvor in der Towersproduktion „Delta III“ (1979) und 1982 in „Das blaue Paradies“, einem „Die-blaue-Lagune“-Epigonen, der dem Original allerdings überlegen ist.

Vor der Kamera ist der Film zudem mit Wilfrid Hyde-White („Der dritte Mann“, 1949; „My Fair Lady“, 1964) als Mr. Barville, Oliver Reed („Die drei Musketiere“, 1973, „Gladiator“, 2000) als Anwalt und Freund Mr. Barvilles und Charles´ und Shelley Winters („Lolita“, 1962) als Mrs. Cole prominent besetzt, während Lisa Foster in der Titelrolle sich dieser Klasse nicht anschließen kann und 1984 in Joe D´Amatos „Ator“ die weibliche Hauptrolle spielte.

Während die Komposition zeitgemäß passend und die Ausleuchtung edel und besonders in den Nachtszenen schön ist, gerieten Frisuren und Make-up leider völlig daneben und präsentieren dem Zuschauer im typischen 80er-Stil frisierte Frauen. Dem schließt sich die deutsche Synchronisation an, die den Film witzig „aufgepeppt“ hat:

DF: „Tja, um mich erstmal vorzustellen“
OV: „My name is Fanny Hill“

DF: “Also zieh los und viel Glück!”
OV: „Off you go“

DF: „Kommt rein, meine Matratzen!“
OV: „Girls“


Während einen die deutsche Fassung also „so richtig zusülzt“ mit Spontisprüchen der 80er, bemüht sich der Film im Original sogar, die Sprache des 18. Jahrhunderts wiederzubeleben.

Diese Verfilmung von Fanny Hill hatte es im Gegensatz zu der von 1964 nicht mehr nötig, in vorauseilendem Gehorsam den Stoff zu zensieren und zeigt Fanny tatsächlich als Freudenmädchen, das sehr schnell und wie in der literarischen Vorlage erkennt, wo es lebt und als was es arbeitet und diese Arbeit mit Genuss verrichtet. Die Geschichte bleibt sehr dicht am Buch, allerdings verändert er teilweise die Namen, so ist im Buch der reiche Gönner, der Fanny sein Vermögen hinterlässt, namenlos, im Film heißt er Mr. Barville, der im Buch in etwa die Funktion innehat, die im Film Mr. H. ausübt. Dabei ist diese Verfilmung nicht nur Neuverfilmung des Romans, sondern in zumindest einer auffälligen Szene auch Remake der Fassung von 1964, wenn Fanny zu Beginn im Stellenvermittlungsbüro angibt, sie sei „sehr willig“ – das kommt so im Buch nicht vor! Auch Sex zeigt der Film reichlich, und teilweise für einen mittlerweile ab 16 freigegebenen und im TV ausgestrahlten Film überraschend explizit; die in der Theatersequenz etwas ausufernde Länge dieser Szenen nimmt jedoch Tempo aus dem Film und funktioniert in diesem dramatischen Medium schlechter als im Literaturepos.


Fazit:

Schön bebilderter erotischer Reigen mit einigen Vor- und Nachteilen werkgetreuer Verfilmungen.


Wertung:

6,5 / 10


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