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 Betreff des Beitrags: NUDE ON THE MOON - Doris Wishman
BeitragVerfasst: 09.10.2018 16:43 
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NUDE ON THE MOON
USA 1961
Regie: Doris Wishman
Darsteller:
Marietta,
William Mayer,
Lester Brown
sowie zahlreiche „Moon Dolls“

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Jeff und ein befreundeter Professor, zwei passionierte Hobbyastronauten, planen eine Reise zum Mond. Glücklicherweise hat Jeff gerade 3 Millionen Dollar geerbt, um das Projekt in sechs Monaten zu finanzieren. Schließlich kommt der große Tag der Reise – und nach nur wenigen Filmminuten kommen die beiden Freizeitargonauten tatsächlich auf dem fernen Mond an. Allerdings ist es eine gänzlich unbekannte Stelle, wo sie landen, die die Forschung so noch nicht gekannt hatte: dort gibt es Bäche und Seen, es gibt grüne Landschaften mit Bäumen, vom typischen Kratergestein ist dagegen nichts zu sehen. Auch entdecken sie eine Stadt, die von einer hohen Mauer umkreist ist; und als Jeff mit seinem älteren Professorenfreund über die Mauer blickt, da kann er es nicht fassen, denn alle Mondbewohner – zumeist weibliche Wesen – sind (semi-)nackt…

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NUDE ON THE MOON ist der zwei Spielfilm Doris Wishmans; und wie ihr erster, HIDEOUT IN THE SUN (1960), so ist auch der zwei dem Genre der „nudist films“ zuzurechnen. „Nudist films“ waren eine damals erfolgreiche Sparte des Sexploitation-Kinos, welche in den 1950er Jahren vor allem durch den Film THE GARDEN OF EDEN (USA 1954) wiederbelebt worden war. Bereits bis in die 1930er Jahre waren die „nudist films“ überaus beliebt im „adults only“-Filmmarkt gewesen, und dies sowohl im Kurzfilmformat als auch als Langfilm. Doch änderte sich bei der zweiten Welle dieses Erwachsenenfilmgenres nun die Repräsentationsstruktur wesentlich. Diesbezüglich marginalisierte sich der dokumentarisch didaktische Darstellungsaspekt der (weiblichen) Nacktheit, der zuvor maßgeblich wichtig gewesen ist, um derartige Filme durch die Zensur und damit in die Kinos zu bringen. Das Sonnenbaden, wie es auch das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall getätigt hatte, musste nicht mehr als „gesundheitsfördernd“ durch eine aufklärerische Erzählstimme aus dem Off legitimiert werden. All diese erzieherischen Elemente konnten nun wegfallen. Dies aber führte einerseits dazu, dass der „nudist film“ der 50er Jahre deutlich züchtiger in seiner Darstellung von Nacktheit wurde – im Vergleich zu den Vorgängerfilmen; andererseits aber fügte sich der „nudist film“ jetzt stärker in ein narratives Raster ein. Heißt: Die Nacktfilme bekamen einen fiktionalen Plot, sie „funktionierten“ wie ein „richtiger“ Erzählfilm – und nicht mehr als „Aufklärungsfilm“. Solche „nudie-cuties“ mussten also Geschichten entwickeln, die ihnen die Möglichkeit gaben, die (halb-)nackten Damen narrativ „vorzuführen“ – wozu sich ein FKK-Club und ähnliche Orte dann ganz hervorragend geeignet hatten…

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Zurück zu Wishman: Ihr Erstling HIDEOUT IN THE SUN greift dahingehend das Genre des Gangsterfilms auf. Zwei Bankräuber nehmen eine junge Frau als Geisel, wobei sich herausstellt, dass die Frau eine glühende Anhängerin des FKK-Kults ist; natürlich wird dieser Umstand sofort von den Gangstern genutzt, indem der Freikörperklub zu ihrem Unterschlupf wird. Dass solche Filme natürlich eine Männerdomäne waren, was sowohl die Produzenten- als auch die Rezipienten-Seite betrifft, dies zeigt sich bei NUDE ON THE MOON schon alleine darin, dass Wishman sich hinter dem Pseudonym „Anthony Brooks“ verstecken musste. Dass dieser Deckname dann wohl aber nicht Scham der Regisseurin signalisiert, sondern sicherlich andere Gründe hatte, zeigt sich in der ersten Szene des Films: Wishman tritt in einem Hitchcock-artigen Cameo als Passantin auf und läuft kurz durchs Kamerabild. Auch schien Doris Wishman auf ihr Filmdebüt durchaus stolz gewesen zu sein, denn bei der Fahrt der beiden Hobbyastronauten zu ihrem Raumschiff fährt das Auto an einem Kino vorbei, das gerade HIDEOUT IN THE SUN – sicherlich sehr erfolgreich – präsentiert…

Doch was ist mit der Erzählstruktur in NUDE ON THE MOON? Wie der Titel es bereits evoziert, so wendet der Film sich dem Science-Fiction-Genre zu. Vor allem das erste Drittel ist mit der Konzeption und mit den Reisemodalitäten beschäftigt, was umgehend an Fritz Langs DIE FRAU IM MOND (D 1928) denken lässt, die zwar nicht nackt wäre, wie diejenigen Frauen in Wishmans Film, dafür prägte Langs Werk eine gewisse Inszenierungsform des Raumschiffinterieurs vor (und nicht nur das), welche von unzähligen Filmen in ähnlicher Weise nachgestellt wurde – so auch in Wishmans Film. Wishman nutzte dafür das Cockpit eines Flugzeugs mit seinen unzähligen Schaltern und Knöpfen, wobei durch kluge Bildausschnitte die Illusion eines technisch fortgeschrittenen Weltraumschiffs erzeugt wird. Allerdings: Gerade das Weglassen – das Nicht-Zeigen der Dinge, die Budget-mäßig in ihrer Darstellung natürlich utopisch gewesen wären – durchzieht die Inszenierung von NUDE ON THE MOON, weshalb dann auch die beiden Astronauten aus ihrem Raumschiff steigen und dabei nur die Türöffnung wahrzunehmen ist (man sieht nur den Rahmen einer Flugzeugtür in Nahsicht). Überrascht war ich dennoch von den liebevoll gestalteten Miniaturmodellen, die beim Start der Rakete zu sehen sind – doch möglicherweise wurden diese aus einem anderen Film übernommen. Dahingehend gestaltet sich die Reise zum Mond nicht so spektakulär, wie man das von anderen zeitgenössischen Filmen, etwa Haskins FROM THE EARTH TO THE MOON (USA 1958), gewohnt wäre, aber sicherlich hatte diese Weltraumreise den damaligen Zuschauer von NUDE ON THE MOON denn eh nur sehr wenige interessiert…

Gelandet: Wie wir aus zahlreichen Science-Fiction-Filmen dieser Jahre wissen, so hatte sich die Begegnung mit den Bewohnern auf dem Planeten des Kriegsgottes Mars zumeist weniger friedlich abgespielt. Der mit Weiblichkeit assoziierte Mond stellt sich diesbezüglich anders dar, wesentlich friedvoller. Eine Ausnahme bildet hier vielleicht Richard Cuhnas MISSILE TO THE MOON (USA 1958), wo es neben einem amazonenhaften Frauenbund auch eine monsterhafte Spinne gibt. Doch das eigentliche Erzählmodell für NUDE ON THE MOON scheint mir der Plot aus Papsts Film DIE HERRIN VON ATLANTIS (D 1932) – und damit die Romanvorlage SHE – zu sein: so gibt es denn auch in Wishmans Film eine Königin, die über den unbekannten Teil des Mondes herrscht und in die sich Jeff unsterblich verliebt. 1958 hatte schon Edward Bernds mit seinem Werk QUEEN OF OUTER SPACE die She-Geschichte in den Weltraum verlagert. Indes verzichtet Doris Wishman in ihrem Film gänzlich darauf, einen Geschlechterkonflikt vorzutragen, was Bernds in seinem Film beabsichtigt hatte. Denn dass NUDE ON THE MOON von einer völligen Unschuld gezeichnet ist, könnte bereits die Mauer verdeutlichen, die den paradiesischen Garten mit den unschuldig Nackten umschließt, dies: ein möglicher Verweis auf den „hortus conclusus“, welcher die mariologische Unschuld symbolisiert (bei Wishmans Anlage im Film handelt es sich um Coral Castle in Florida). Und diese symbolisierte Unschuld in NUDE ON THE MOON bedeutet eben eine, die frei von sexueller Spannung zwischen den Nackten wäre. Erst als Jeff sich in die Königin verliebt, taucht diese sexuelle „Spannung“ auf, wird aber sofort dadurch unterbrochen, dass der Sauerstoff der beiden Astronauten sich erschöpft, weshalb sie die Heimreise antreten müssen. Bevor dies aber geschieht, setzt NUDE ON THE MOON jene bekannten Genreformeln in Gang, die den „nudist film“ damals so erfolgreich gemacht hatten: Jeff schreitet mit seiner Fotokamera den Nacktbereich ab, um die unterschiedlichsten Aufnahmen zu machen. Dabei sieht er die nackten Frauen beim Sonnenbaden, sie machen Gymnastik, tanzen und betätigen sich auch sonst sehr sportlich (das obligatorische Volleyballspielen, wie man es sonst in dieser Art von Film vorfindet, fehlt indes hier). Jeffs Figur wird somit zum innerfilmischen Platzhalter des Zuschauers, der parallel dazu vor der Kinoleinwand der Beobachter der Frauen wäre. Interessant ist diesbezüglich wiederum der „wissenschaftliche“ Anspruch: so macht Jeff seine Fotos doch nur aus Forschungsgründen; die „Nacktbilder“ dienen ausschließlich nur dem wissenschaftlichen Beweis, dass es Leben auf dem Mond gibt – eine schöne Referenz Wishmans an die ursprüngliche Legimitationsstrategie des hier dargestellten Genres – Stichwort: Aufklärung! Insofern ist Doris Wishmans NUDE ON THE MOON genau das geworden, was auch ein Trailer einer ihrer besten Filme, nämlich BAD GIRLS GO TO HELL, propagiert: „SEE SEX WITHOUT SHAME!“… schöne Reise zum Mond…

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Trailer:
youtu.be Video From : youtu.be


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 Betreff des Beitrags: Re: NUDE ON THE MOON - Doris Wishman
BeitragVerfasst: 10.10.2018 06:53 
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Vielen Dank für diese schöne Vorstellung.
Das Ganze klingt nach einem sehr charmanten Unfug :)


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 Betreff des Beitrags: Re: NUDE ON THE MOON - Doris Wishman
BeitragVerfasst: 10.10.2018 17:46 
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Richie Pistilli hat geschrieben:
Das Ganze klingt nach einem sehr charmanten Unfug :)


Das ist der Film mit Sicherheit - während Wishmans "roughies" ausgesprochen rabiat und zynisch sind, sind ihre "nudies" dagegen umso charmant liebevoller...

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 Betreff des Beitrags: Re: NUDE ON THE MOON - Doris Wishman
BeitragVerfasst: 10.10.2018 19:46 
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Howard Vernon hat geschrieben:
während Wishmans "roughies" ausgesprochen rabiat und zynisch sind, sind ihre "nudies" dagegen umso charmant liebevoller...

Daher bin auch schon schwer auf den anstehenden SOMMERWIND gespannt, denn die Filmwelt von Frau Wishman ist für mich quasi noch Neuland ;)


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