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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 01.11.2016 17:17 
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IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS
(Ot: Blood on Satans Claw aka Satans Skin)
Grossbritannien 1970

Patrick Wymark - LORD/RICHTER
Linda Hayden - ANGEL
Barry Andrews - RALPH

Regie : PIERS HAGGARD

Laufzeit ca. 92 min, in Farbe

FSK ab 16 Jahren


deutscher Alternativtitel: IN DEN KRALLEN DES SATANS

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England, in der Grafschaft Essex im 18 Jahrhundert
Ralph, ein Bauer findet beim umpflügen des Ackers eine Art Gesicht in der Erde. Er glaubt das es das Gesicht des Teufels sei, da es weder nach Mensch noch nach Tier aussieht und er berichtet es sogleich der Lordschaft, einem Richter davon. Der befindet sich gerade zu Gast in der Grafschaft. Der Richter will dies nicht glauben, aber auf das Drängen von Ralph geht dieser nun doch mit zur Fundstelle. Das Gesicht ist nicht mehr da. Der Richter tut es als Aberglaube ab, weil seiner Meinung nach Hexen, Teufelsglaube und die Zeiten der Hexenverfolgungen eh endgültig vorbei sind und es sowas eben nicht gibt!

Aber es geschehen seltsame Dinge in der Grafschaft. Ein Mädchen wird in ihrer Schlafkammer von einem Etwas heimgesucht, so das sie wahnsinnig wird und ihrem Freund ergeht es ähnlich, als er in der Schlafkammer übernachtet und von einer Kralle angegriffen wird. Er sticht auf die Kralle ein und schneidet sie ab. Allerdings stellt der hinzu geeilte Richter fest, das sich der junge Mann seine eigene Hand abgeschnitten hat. Irgendetwas scheint diese Grafschaft heimzusuchen und man will diesem Übel auf den Grund gehen, um es ein für alle mal auszurotten, wie der Richter meint. Nachdem er die Grafschaft verlassen hat hören derlei Geschehnisse nicht auf. Kinder und Jugendliche scheinen immer mehr von etwas besessen zu sein und fühlen sich zu einem Satanskult hingezogen, deren Anführerin Angel ist. Die Kinder werden zu Kindern des Teufels und weisen als Kennung plötzlich eine Kralle als Hand oder ein Stück Pelz irgendwo am Körper auf. Als von den Teufelskindern ein junges Mädchen bei einem sexuellen Ritual vergewaltigt und getötet wird, eskaliert die Situation und die Dorfbewohner beginnen eine regelrechte Hexenjagd. Aber auch der Richter kommt zurück und bringt Helfer mit.

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Regisseur Piers Haggard inszenierte einen eher ruhigen Film, der es aber hervorragend verstand ein Bild dieser Zeit zu entwerfen. Historisch und sehr stimmungsvoll bekommt man hier eine starke Geschichte seviert, die vom Widerstand gegen einen Satanskult erzählt und dabei macht man sich die eher beschauliche Landschaft zu nutze, die in der Tat wie aus dem 18 Jahrhundert erscheint. Hinzu kommen die exakten Kostüme jener Zeiten, inkl. des ländlichen Lebens, wie es in etwa damals war. Diverse Grausamkeiten, Sex und sonstige Krassheiten werden zwar nicht explizit gezeigt, sind aber in ihrer Deutlichkeit alles andere als harmlos. Auch das pelzige Etwas an den Körpern der Kinder und Jungendlichen sieht schon erschreckend aus und verfehlt seine Wirkung nicht und sowas kann mehr schockieren als wenn man hier mit drastischen Folter- und Splattereinlagen vorgegangen wäre. Trotz allem wirkt der Film eher hart, ist aber überhaupt nicht spekulativ und auch keine Exploitation. Der Unterschied zu den anderen vorigen Hexenjägerfilmen, wie beispielsweise DER HEXENJÄGER & HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT ist, das hier Satan als haarige Gestalt tatsächlich vorhanden ist und somit nicht als Sinnbild von irgendwelchen religiösen Fanatikern existiert. Damit rückt der Film ins Phantastische Filmgenre, verbindet dies aber mit der Hexenjäger-Thematik. Die Atmosphäre hier wirkt unheimlich und bedrohlich, gerade weil sich das Grauen schleichend und langsam ausbreitet.

Die Darsteller sind vorzüglich und tragen zum gelingen dieses ganzen Films bei. Patrick Wymark als Richter ist glaubhaft. Er ist ein klar denkender Mann seines Amtes, der nicht übereilt handelt. Er will das Übel erst verstehen, bevor er handelt und es bekämpft. Ein Richter in einer Zeit der Aufklärung, wo es keine willkürlichen Hexenprozesse mehr gab. Linda Hayden ist Angel. Sie und die übrigen Kinder nehmen hier eine Art Schlüsselrolle ein, denn diese Teufelskinder sind und werden zur Bedrohung der ganzen Grafschaft Essex. Kinder können grausam und gnadenlos sein, wie im Falle eines Jungen, den sie einfach so erschlagen oder Angel selbst, die erst den Priester mit ihrer Nackheit zu verführen sucht und als dieser standhaft bleibt, beschuldigt sie ihn später, das er sie vergewaltigt hätte und ihm darauf hin der Prozess droht. Barry Andrews ist Ralph, der im Laufe der Ereignisse den Tag verflucht, an dem er den Acker umgegraben hatte und er dieses unheimliche Gesicht zu sehen bekam, weil er somit den Teufel unwissend frei ließ. Aber er ist auch fortschrittlich im Handeln, wie im Falle eines Mädchens, das die anderen Dörfler bei ihrer Hexenjagd einfangen und diese ins Wasser schmeissen, nur um zu sehen, ob sie eine Hexe ist. Wenn sie oben schwimmt ist sie eine, wenn sie untergeht war sie eben keine. Eine der sogenannten damaligen "Hexenproben".

RALPH: "Wenn sie untergeht, dann habt ihr sie umgebracht!"

Die Dörfler schauen sich daraufhin gegenseitig an und irgendwie dämmert es ihnen, das Ralph ja doch irgendwie recht haben könnte. Ralph holt das Mädchen aus dem Wasser und rettet sie damit. Solche szenarischen Kleinigkeiten sind mir bei solchen Filmen extrem wichtig und ich finde das einfach nur genial, wenn sowas in der Tat vorkommt. Es zeigt aber auch, wie die Menschen damals gedacht und gehandelt
haben.

Die Filmmusik von MARC WILKINSON ist eine schöne und eher ruhige Musik und passt wunderbar zum filmischen Geschehen. Allein schon der schöne Main Title stimmt den Zuschauer auf ein besonderes Filmerlebnis ein. Erst im Jahre 2007 erschien diese Filmmusik beim Label Trunk Records auf CD. Hier das CD-Frontcover.

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Hier haben wir mal wieder einen kleinen feinen Film, der in seiner ganzen Inszenierungsart bis heute nichts von seiner Atmosphäre und Wirkung eingebüßt hat und das trotz der Tatsache, das hier weniger Gewalt gegen Frauen vonstatten ging und er sich somit von anderen Filmen dieser Art erheblich unterscheidet.

Der Film erschien damals auf Video beim Label VPS und wies den deutschen Kinotitel auf, aber er war damals aufgrund der gekürzten Kinofassung ebenfalls dort zensiert. Er erschien aber auch beim Label VMP und nannte sich dort IN DEN KRALLEN DES SATANS und hatte wohl eine andere Synchro und soll vollständig gewesen sein, was ich jetzt aber nicht mehr so genau sagen kann.

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Koch Media brachte ihn vor Jahren als DVD heraus. Er ist vollständig und hat die alte gute Kinosynchro. Vollständig war auch letztens die Ausstrahlung im TV Sender Arte, die ihn in ihrer Trashreihe zeigten. Dort war er allerdings nur im OmDU zu sehen. Da ich den Film gut kenne, schaute ich dort nur ein wenig rein. Film hatte ein gutes tolles Bild und wurde in HD präsentiert. Irgendwo las ich doch erst kürzlich, das der demnächst möglicherweise als Bluray erscheinen soll. In die Kategorie Trash würde ich den Film aber eher nicht einordnen wollen, denn dazu besitzt er trotz seiner Thematik einen gewissen Anspruch!

Graf von Karnstein Image

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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 27.12.2016 01:21 
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Laut ofdb ist die VMP-Fassung auch gekürzt, nur an anderen Stellen als das VPS-Tape.

Am 27.2.17 veröffentlicht NSM die ungekürzte Fassung als Mediabook.


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 31.12.2016 10:35 
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Ich habe diesen Film vor langer Zeit mal angeschaut gehabt und war damals nicht so wirklich überzeugt, wie ihr meiner nachfolgenden, damals geschriebenen Kritiik entnehmen könnt. Aber ich will ihn unbedingt nochmals sichten, und deshalb freue ich mich auf das Mediabook von NSM.

Inhalt:

Der junge Landarbeiter Ralph Gower (Barry Andrews) findet beim Umpflügen eines Feldes einen mit Fell besetzten Schädel. Er ist überzeugt dass er den Kadaver des Teufels gefunden hat und bittet den Londoner Lord-Richter (Richard Wymark), der zufällig auf Besuch bei Ralphs Arbeitgeberin Lady Isobal Banham (Avice Landone) befindet, um Hilfe. Als sie aber an den Fundort zurückkehren ist das makabre Objekt verschwunden. Dafür häufen sich kurz darauf unerklärliche Vorfälle: Rosalind (Tamara Ustinov), die Freundin von Peter Edmonton, dem Neffen von Lady Isobal, wird wahnsinnig als sie in der Dachkammer des Hauses übernachtet. Isobel verschwindet kurz darauf spurlos, nachdem sie von Rosalind angegriffen worden war und ein hohes Fieber entwickelt hatte. Peter hackt sich seine eigene Hand ab im Wahn, es handle sich um eine Dämonenpfote. Der Richter, ein aufgeklärter Zeitgenosse, glaubt jedoch nicht an den Teufel und reist zurück nach London. Derweil schart Angel Blake (Linda Hayden) die junge Dorfbevölkerung um sich. Sie ist dem Bösen verfallen, hat einen Satanskult gegründet und versucht, durch Menschenopfer dem Teufel wieder Gestalt zu geben. Peter sieht keinen Ausweg mehr und reist nach London, um den Richter um Hilfe zu bitten. Dieser kehrt zurück, bewaffnet mit Schwert und Kreuz, um das Böse endgültig zu vernichten……

Meine Meinung:

Dieser Film wurde von Tigon British Film Productions produziert, der dritten Kraft des britischen Horrorkinos nach Hammer und Amicus zu jener Zeit. Regisseur Piers Haggard präsentiert uns keinen Hexenjägerfilm im herkömmlichen Sinn. Vielmehr ist der Richter ein Realist, welcher längst vergessenes Grauen nicht wieder aufleben lassen und deshalb von Hexen und Teufelsanbetern auch nichts wissen will. Aber im Gegensatz zu den klassischen Hexen-Folterfilmen ist hier die Bedrohung real. Das Böse hat sich in dem Dorf eingenistet und verbreitet sich wie die Pest. Der reisserische deutsche Verleih-Titel schiesst denn auch einmal mehr weit übers Ziel hinaus. Dies ist sicher den exploitativen Hexenfilmen geschuldet, welche damals Hochkonjunktur hatten und von deren Popularität profitiert werden sollte. Vielmehr sehen wir einen ziemlich unausgegorenen Cocktail zwischen wenigen Hexenjäger-Elementen, Okkultismus und Dämonenkult. Dieser wird gewürzt mit einigen spärlichen harten Szenen wie z.B. einer Vergewaltigung. Ansonsten ist in Sachen Gore Fehlanzeige. Dieser hätte den Film vielleicht etwas aufwerten, aber keinesfalls retten können. Denn zu gemächlich plätschert die Handlung vor sich hin und verheddert sich immer wieder in lückenfüllende Nebenplots. Ein gutes Beispiel dafür ist als die besessene Angel versucht, den Dorf-Reverend Fallowfield (Anthony Ainley) zu verführen, indem sie ihren makellosen, nackten Körper zur Schau stellt. Solche Szenen wurden nur ins Skript hineingeschrieben um die zu jener Zeit obligate nackte Haut zeigen zu können. Aber trotzdem gelingt es dem Film, eine latent bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Dafür sorgen neben den stimmigen Sets auch der lyrisch-gruselige Score von Marc Wilkinson, der ein starkes Titelthema liefert und ansonsten die Stimmung niemals aufdringlich, aber stets auf der Höhe des Geschehens, begleitet. Auch die Kameraarbeit von Dick Bush ist Top. Er setzt sogar Zeitlupe ein, als der Richter wie ein wütender Rachegott über den Satanskult kommt und den Teufel höchstpersönlich, auf sein Schwert gepfählt, zur Hölle schickt. Diesen sieht man übrigens im ganzen Film nur andeutungsweise und wenig furchterregend. Und wenn man ihn sieht dann ist es ein zwar klauenbewehrtes, haariges Etwas, welches aber keinerlei Horror erzeugen kann. Schade.

Von der Schauspielerriege gibt’s nicht viel Spektakuläres zu vermelden. Richard Wymark als Richter starb kurz nach Ende der Dreharbeiten und hinterlässt einen ziemlich blassen Eindruck. Viel blasser als seine Vorstellung als Cromwell im legendären „Der Hexenjäger“. Barry Andrews als Ralph dürfte den geneigten Hammerhorror-Fans noch in Erinnerung sein als Paul aus „Draculas Rückkehr“. Er sieht übrigens immer noch aus wie Roger Daltrey von „The Who“ und spielt seinen Part wenig imponierend sondern eher zweckdienlich. Linda Hayden ist zweifellos das Glanzstück. Sie meistert die Verwandlung vom braven Landei zur seelenlosen Teufelsbraut mit Bravour. Auch sie dürfte den Hammer-Fans für ihre Performance als Alice in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ bekannt sein.

Fazit: Routiniertes Genrekino das zu unterhalten weiss. Aber weit entfernt von den wirklich bedeutenden Genrebeiträgen jener Zeit. 5/10


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 02.03.2017 16:17 
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Ich habe das Mediabook von NSM gekauft. Ich mag den Film sehr.

Der AK der Herrn Peree und Erdmann war okay, auch wenn er manchmal in den Fakten was schwächelte, vor allem bei Themen wie Hammer. Aber sie waren voll auf den Film konzentriert.

Der AK von Regisseur Haggard ist ganz interessant. Linda Hayden und Drehbuchautor Wynne-Simons sind auch dabei, halten sich aber ziemlich zurück. Manchmal waren sie auch akustisch nur schwer verständlich.

Es gibt noch ein Interview mit dem Regisseur zum Film, das gelungen ist. Hat mir eigentlich am Besten gefallen. Das Interview mit Hayden ist leider dasselbe wie auf der Severin-Veröffentlichung von "House of Straw Hill". Es ist relativ alt. Witzig ist, dass man es etwas bearbeitet hat. Ein paar von Haydens wenig schmeichelhaften Bemerkungen über "House" und die dazugehörigen Ausschnitte sind rausgeflogen, dafür gibt es jetzt Ausschnitte aus "Blood". Was natürlich verständlich ist, schließlich geht es um den Film. Ist aber geschickt gemacht, wenn man es nicht weiß, bemerkt man es nicht.

Das Booklet mit den Beiträgen von Giesen und Huber ist okay, bleibt aber an der Oberfläche. Kein Vergleich zu den analytischen Beiträgen von zb. Pelle Felsch oder Martin Beine.

Zur Bildqualität der BD will ich mich nicht äußern. Ich kenne mich mit den Feinheiten nicht aus, und vielleicht kommt sie auf einem moderneren Bildschirm als ich ihn habe ja besser rüber.

Unter dem Strich bin ich etwas enttäuscht. Da wäre mehr machbar gewesen. Aber vermutlich bin ich einfach nur verwöhnt von Labels.


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 03.03.2017 12:26 
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Wentworth wrote:

Das Interview mit Hayden ist leider dasselbe wie auf der Severin-Veröffentlichung von "House of Straw Hill". Es ist relativ alt. Witzig ist, dass man es etwas bearbeitet hat. Ein paar von Haydens wenig schmeichelhaften Bemerkungen über "House" und die dazugehörigen Ausschnitte sind rausgeflogen, dafür gibt es jetzt Ausschnitte aus "Blood". Was natürlich verständlich ist, schließlich geht es um den Film. Ist aber geschickt gemacht, wenn man es nicht weiß, bemerkt man es nicht.



Dass "nachgebesserte" Hayden-Interview ist auch auf der BD-Veröffentlichung aus GB drauf (kommt wohl von da) - ich finde den Film ziemlich gelungen, da er das Schema des Vorgängerfims - wie bereits Graf von Karnstein in seiner Besprechung erwähnt - variiert, indem er - anders wie bei WITCHFINDER GENERAL - die klare Gut/Böse-Zuweisung zwischen Hexenjäger (gesellschaftliche Ordnung?) und Verfolgte (Symbol für die damalige Hippie-Bewegung? Gegenkulturen?) aufweicht; auch kann man sich fragen, ob und inwieweit BLOOD ON SATAN'S CLAW dann vielleicht ein Vorbild für THE WICKER MAN sein könnte, wo ja auch ein paganer Kult im Vordergrund steht, der sich gegen den Status quo auflehnt...


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 12.03.2017 08:24 
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Bei caps-a-holic.com wurde nun die NSM Records Blu-ray hinzugefügt.
Interessanterweise ist die Bitrate hier für NSM Verhältnisse sehr hoch gewählt und zu dem wurde nichts gefiltert.
Hierfür kann man NSM Records nur ein Lob aussprechen.

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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 29.09.2019 16:44 
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BLOOD ON SATAN’S CLAW

Für mich zählt der Film zu den besten Werken, die in der damaligen „esoterischen“ Horrorfilmwelle der frühen 70er Jahre entstanden sind. Sicherlich muss hier als zentrales Vorbild der HEXENJÄGER von 1968 genannt werden, zumal ja auch SATAN’S CLAW eine britische Produktion wäre. Und gleichwie Michael Reeves‘ stilbildendes Werk, so trägt auch Piers Haggards Film seine historische Inszenierung, die sich um einen Satanskult in einer ländlichen englischen Gegen des 17. Jahrhunderts dreht, äußerst „realistisch“ vor. Vor allem das zumeist eingesetzte Tageslicht und die dunklen Räume, die nur von Kerzen erhellt werden, schaffen dieses „realistische“ Bild – und manche Szenen werden dann gleich ganz im natürlichen Lichtstil eines Genregemäldes des 17. Jahrhunderts nachgebildet. Diese offensichtlichen kunsthistorischen Anspielungen auf den barocken Zeitstil kommen vielleicht nicht von ungefähr, denn es verwundert dann schon etwas, dass SATAN’S CLAW eine Teufelsgestalt wirklich auftreten lässt. Damit entfernt sich SATAN’S CLAW unmittelbar vom vorbildlichen HEXENJÄGER, der jede Metaphysik vermeidet, und reiht sich wiederum (zum Beispiel) in die Hammer-Film-Tradition ein. Insofern fühlt man sich möglicherweise bei SATAN’S CLAW dann auch an THE DEVIL RIDES OUT erinnert, wo in einer Szene ebenso „Baphomet“ während eines Ritus erscheint. Zumal die satanischen Rituale in Piers Haggards Film eben sehr authentisch wiedergegen scheinen; sie wirken etwa so pagan wie im späteren WICKER MAN…

Dahingehend wollte ich folgende Frage in die Runde werfen: Es mutet ja schon sehr kontrastreich an, dass in Haggards Film, der ansonsten so extrem realistisch gestaltet wäre (sprich: natürliche Lichtquellen, historische Kostüme, Bauten sowie Interieurs etc.), dann plötzlich doch das „Böse“ wirklich „Gestalt“ annimmt. Das könnte einerseits bedeuten, dass das Teufelswesen „tatsächlich“ in den Alltag einbricht, was ja durchaus eine lange Tradition in der phantastischen Literatur und im Horrorfilm besitzt; oder jedoch: die „Teufelserscheinung“ wäre möglicherweise auch anders zu interpretieren, nämlich als suggerierte Projektion, die so von den dargestellten Figuren – und damit auch vom Zuschauer – gesehen wird, aber eigentlich dann doch nicht in der wirklichen Welt empirisch existiert. So fällt beispielsweise auf, dass der „Teufel“ vor allem während der Rituale erscheint (als Randerscheinung, die in einer dunklen Ecke der verfallenen Kirche steht). Auch beim Finale, wenn der Richter das Wesen zerstört, findet gerade solch eine satanistische Feier statt, so dass ebenso die anrückenden Bauern am Ritus indirekt teilnehmen. Dass sich die Vorstellung des „Teufels“ sowohl bei den Sektenmitgliedern als auch beim Richter und bei den gläubigen Bauern so exakt gleicht, dies könnte möglicherweise damit zusammenhängen, dass diese Vorstellung durch Bücher und Druckvorlagen (Holzschnitte u. ä.) den damaligen Menschen auf diese dargestellte Weise vermittelt worden ist. Letztlich bekam ja auch der eigentlich „aufgeklärte“ Richter vom „abergläubischen“ Arzt ein Buch, durch das er sich hinsichtlich des Kults gebildet hatte. Meine These wäre also, dass Haggard seinen Film auch weiterhin in der „realistischen“, nicht-metaphysischen Erzählweise des HEXENJÄGERS verortet, dennoch aber ein übersinnliches Wesen durch Suggestion auftreten lässt. Diese Teufelssuggestion könnte durch zeitgenössische Bildwerke etabliert worden sein, so dass während des Kults, wenn demzufolge erwartet wird, dass dort Satan „leibhaftig“ erscheint, die Menschen (sowohl die Eingeweihten als auch jene, die sich vor Satan fürchten) das angerufene Wesen tatsächlich sehen. Hinsichtlich dieser Deutung wäre vielleicht die erste Kultszene interessant, wenn das junge Mädchen von einem jungen Eingeweihten vergewaltigt und dann umgebracht wird – sprich: als Stellvertretung für den Teufel! Mit anderen Worten: der Junge nimmt die „Rolle“ des Teufels hier als „Verkörperung des Teufels“ an / ein. Und erst danach, in den nachfolgenden Riten, tritt der Teufel höchstselbst als „Gestalt“ auf, nachdem die Anrufungen erfolgt sind. Diesbezüglich würde auch im Finale ein Eingeweihter möglicherweise den „Teufel“ als Person „verkörpern“ – und da diese „Verkörperung“ während des Ritus geschieht, sehen alle Beteiligten (und folglich auch der Zuschauer) nicht diese menschliche Person, sondern dessen „Rolle“: den Teufel selbst…

Wie gesagt, mir kamen diese Gedanken bei SATAN’S CLAW, nachdem ich das tatsächliche Auftreten des Teufels in der ansonsten sehr authentischen Inszenierung des Zeitkontextes doch als ein recht ungewöhnliches empfunden habe. In Hesslers CRY OF THE BANSHEE etwa, der voll und ganz im „Realismus“ des HEXTENJÄGERS aufgeht, werden die Kultzeremonien dann klar als inszeniertes „heiliges“ Spiel deutlich gemacht. Und in dem Film THE WITCH von 2015 möchte ich eine ähnliche Strategie wie in SATAN’S CLAW erkennen, denn auch dort ist man sich nie ganz sicher, ob die übersinnlichen Ereignisse nun die psychologischen Auswirkungen des damaligen Aberglaubens sind – oder wirkliche Hexerei. Was meint Ihr? Könnte man eine solche Betrachtungsweise bei SATAN’S CLAW anwenden? Oder liegt hier doch eher traditionelles Horrorkino mit einem „wirklichen“ Teufel vor?...


Kultrituale in SATAN'S CLAW...
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...bei denen dann auch Satan ganz "leibhaftig" erscheint...
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...wobei dessen Erscheinung durchaus an die Ikonographie historischer Darstellungen zu erinnern mag...
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...was so beispielsweise auch schon in Jacques Tourneurs NIGHT OF THE DEMON gezeigt wurde...
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Offenbar liegt von dem Film seit eingier Zeit auch eine neue Abtastung auf BD vor:

"The Blood on Satan's Claw": Limited Restored from 4K...

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die deutsche BD hat diese 4k-Abtastung nicht, oder?...


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 02.10.2019 16:00 
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Howard Vernon wrote:

die deutsche BD hat diese 4k-Abtastung nicht, oder?...


Nein :cry:


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 Post subject: Re: IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS - Piers Haggard
PostPosted: 02.10.2019 16:14 
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franchise wrote:
Howard Vernon wrote:

die deutsche BD hat diese 4k-Abtastung nicht, oder?...


Nein :cry:


Danke Dir, franchise - ich habe selbst die BD-Veröffentlichung von ODEON, die für meine Begriffe wirklich eine tolle Bildqualität aufweist, aber vielleicht gibt es von einem deutschen Label später einmal die 4K-Fassung...

auch das Cover von ODEON gefällt mir wesentlich besser, als das von der neuen BD...

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