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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER WÜRGER VON LONDON - Walter Summers
PostPosted: 07.07.2019 13:34 
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"Der Würger von London" ("The Dark Eyes of London") (Großbritannien 1939)
mit: Béla Lugosi, Hugh Williams, Greta Gynt, Edmond Ryan, Wilfred Walter, Alexander Field, Arthur E. Owen, Julie Suedo, Gerald Pring, May Haliatt, Charles Penrose u.a. | Drehbuch: Patrick Kirwan, Walter Summers und John Argyle nach dem Roman von Edgar Wallace | Regie: Walter Summers

Innerhalb von einem Jahr verloren fünf Menschen ihr Leben durch Ertrinken in der Themse. Jeder von ihnen hatte eine Polizze bei der Greenwich Versicherungsgesellschaft abgeschlossen, die das Blindenheim unter der Leitung von Reverend Dearborn begünstigte. Dr. Orloff, der die Bewohner des Heimes medizinisch betreut, erregt die Aufmerksamkeit von Inspektor Holt, einem engagierten Beamten von Scotland Yard. Als die junge Diana Stewart in der Stadt eintrifft, um ihren Vater zu sehen, wird der blinde Jake auf Henry Stewart angesetzt, um eine Zusammenkunft zu vermeiden. Kurz vorher hatte der Mann Dr. Orloff als Nutznießer seines Todes bestimmt, weil er Geld benötigte....

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Die düstere Geschichte der "Toten Augen von London", die im englischen Original 1924 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, inspirierte die Filmemacher diesseits und jenseits des Kanals mehrfach zu Inszenierungen von intensiver atmosphärischer Dichte. Die Kombination aus heimtückischen Morden, die wie Unfälle getarnt werden und der Trostlosigkeit des Blindenheims, das dem unheimlichen Täter als Unterschlupf dient, betont das Ambiente, in dem Schauergeschichten ihren Nährboden finden. Der Ungar Béla Lugosi, dessen distinguiertes Auftreten ihn für geheimnisvoll-bedrohliche Figuren wie jene des blutsaugenden Grafen Dracula prädestinierte, stattet seinen Dr. Orloff mit jenen Eigenschaften aus, die Mediziner als Verbrecher so bedrohlich machen. Die Unberechenbarkeit des deformierten blinden Hausierers Jake, der als Werkzeug seines Meisters dient, fügt dem Film eine grausame Note hinzu. Durch die knappe Bemessung der Laufzeit auf 72 Minuten, erfährt das Buch eine Straffung und konzentriert sich auf die essentiellen Faktoren der Geschichte. In wenigen markanten Auftaktbildern eröffnet sich dem Zuschauer das Wesentliche der Handlung: von einer im morastigen Wasser der Themse liegenden Leiche wird zur Versicherungspolice übergeleitet, die für die Kriminalpolizei ein gewichtiges Mordmotiv liefert. Die bedrückende Enge, in der sich das Leben hinter den Mauern des Heimes abspielt, bildet das Pulverfass, in dem Misstrauen, Angst und Bosheit gedeihen und eine lähmende Hilflosigkeit die Menschen zu passiven Marionetten macht. Dabei wird die Thematik des Sehens in mehrfacher Hinsicht betont. Dr. Orloff fixiert seine künftigen Opfer mit einem hypnotischen Blick, der sie gehorsam und untertänig macht. Mit interessiertem Auge mustert Inspektor Holt am Bahnhof Miss Stewart, leicht belustigt reagiert hingegen sein amerikanischer Kollege auf den weiblichen Sergeant, verängstigt wartet Orloffs Sekretärin mit totem Blick auf neue Anweisungen. Die Anspannung im Umkreis des Blindenheims zieht eintreffende Personen in den Sog aus Melancholie, Verbitterung und Furcht, wobei die Tatsache, dass die Blinden dem einzigen Sehenden ausgeliefert sind, einen Freibrief für Machtmissbrauch liefert. Der Verbrecher, der aus Kalkül handelt, agiert dabei viel grausamer als der Mörder, der seinem Instinkt folgt. Das Schicksal von Lou Norris steht dabei exemplarisch für die gnadenlose Beseitigung eines Zeugen, nachdem zuvor bereits sein letztes Band zur Außenwelt durchtrennt wurde - sein Gehörsinn. Greta Gynt und Hugh Williams hellen die düstere Atmosphäre durch ihren jugendlichen Esprit auf, wobei sich ihr Zusammenspiel als stimmig erweist und dem Thriller eine positive Note hinzufügt. Die solide Polizeiarbeit schöpft ihren Erfolg aus dem Funktionieren der einzelnen Abteilungen, wobei Alleingänge von den Vorgesetzten nicht gern gesehen werden und somit wenig Platz für Heldentum bleibt. Der Täter wird deshalb durch eine konzertierte Aktion zur Strecke gebracht, was durchaus Spielraum für überraschende Wendungen bietet.

Fazit: Die Umsetzung eines der populärsten Bücher von Edgar Wallace im Heimatland des Autors vertieft den klassischen Gehalt des Thrillers, der seinen Schrecken aus unheimlich fotografierten Sequenzen, grotesken Figuren und einer präzisen Choreografie der Handlung gewinnt. Für Kenner der deutschen Verfilmung von 1961 bieten sich hier interessante Möglichkeiten zum Vergleich und eine kurzweilige Zerstreuung.


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