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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DIE RACHE DES HAUSES USHER - Jess Franco
PostPosted: 12.09.2020 17:36 
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DIE RACHE DES HAUSES USHER
NEUROSIS aka REVENGE IN THE HOUSE OF USHER


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Frankreich / Spanien 1985



Regie: Jess Franco
Darsteller:
Howard Vernon,
Linda Romay,
Antonio Mayans,
Françoise Blanchard





Dr. Alan Harker (Mayans) wird von seinem ehemaligen Professor Usher (Vernon) auf dessen Anwesen, eine Festung, eingeladen. Als der Wissenschaftler dort ankommt, trifft er auf einen anscheinend dementen alten Mann, den Wahnvorstellungen peinigen. Aber auch Harker selbst verfällt zunehmend in den Zustand, dass er seinen eigenen Sinnen nicht mehr trauen kann. Sind es nun Alpträume gewesen, oder hat er die gefangenen Frauen wirklich in einem Folterkeller des Professors gesehen. Zumal Usher merkwürdige Geschichten erzählt – so zum Beispiel, dass er Frauen ermordet, um an ihr Blut zu gelangen, damit er seine kranke Tochter Melissa (Blanchard) retten könne. Dr. Seward (Daniel White), der Leibarzt Ushers, diagnostiziert zwar eine fortgeschrittene geistige Erkrankung bei dem alten Mann, doch Harker ist sich über die Einordnung der Ereignisse im Hause Ushers nicht mehr sicher…


Als NEUROSIS liegt der Film heute vor – und damit beginnen die Probleme, will man das Werk einigermaßen fair einordnen. Denn die jetzige Version eines Poe-Projektes Jess Francos, welches aus dem Jahr 1983 stammte, erlebte mehrere Überarbeitungen, bei denen der Plot wesentlich verändert wurde. Die Publikumsreaktionen auf dem „Festival Internacional de Madrid de Cine Imaginario y de Ciencia-ficción“ fielen so niederschmetternd aus, dass der Produzent sich genötigt sah, 1984 eine neue Fassung anzufertigen; und NEUROSIS wäre nun eine weitere Version, die sich zentral von der intendierten Filmversion Francos entfernt. Francos „Usher“ imitiert jetzt quasi seinen berühmten „Orloff“-Charakter und begibt sich abermals auf Frauenjagd, um die kranke Tochter mit Blutinfusionen zu versorgen. Etwa 20 Minuten aus Francos Orloff-Film von 1961 werden als „Usher“-Rückblenden in NEUROSIS hineingeschnitten, die zeigen, wie Ushers Morden in der Vergangenheit begonnen hatte. Bedenkt man diese Umstände in der Produktion, dann weiß man nicht so recht, wie mit NEUROSIS umzugehen ist, weil der ursprünglich „poetische“ Ton Francos in der hiesigen Fassung ungemein beeinträchtigt wurde. Die Szenen mit der kranken Tochter, oder aber die Sequenzen im Keller, wo die gefangenen Frauen natürlich an Francos Frauengefängnisfilme erinnern, bringen „Realismus“ in die Inszenierung. Die Gestaltungsweise der neuen Szenen – auch wenn es schlussendlich ambivalent gehalten wird, ob Harkers Eindrücke im Hause Ushers tatsächlich wahr sind – drängt die expressionistisch inszenierten Handlungsverläufe um die zunehmenden Wahnzustände des Professors maßgeblich zurück. Die veränderten Einschübe machen das Filmerlebnis somit „alltäglicher“ und zerstören damit also den „filmischen Traum“ Jess Francos – was Tim Lucas in seinem Audiokommentar auf der Blu Ray von Redemption sehr anschaulich darstellt, indem er einen genauen Szenenvergleich zur Urfassung herstellt…


So oder so: NEUROSIS verfälscht einerseits Jess Francos Urversion des Poe-Films, aber andererseits bleibt für den Zuschauer, welcher für Francos Kino eine Leidenschaft besitzt, dennoch ein positiver Eindruck zurück. Wie gesagt: eine echte Franco-Leidenschaft müsste man schon mitbringen, wenn man NEUROSIS wirklich genießen will. So fällt zunächst einmal die ungemein ruhige Erzählweise auf, die seit den frühen 80ern – vor allem bei den rein spanischen Produktionen – für Francos Werke zunehmend typischer wird. Die Einstellungen sind in der Regel lang gewählt, werden nur durch kurze Inserts unterbrochen; und begleitet wird das Ganze von einem intim melancholischen Soundtrack. Bereits die ersten Sequenzen veranschaulichen dies, wenn Harker (ein Charakter aus DRACULA) zu Ushers Festung reitet. Landschaftsaufnahmen und Panoramaschwenks, die eine menschenverlassene Topographie zeigen, weisen subtil auf die Isolation der Figuren hin. Nach dieser landschaftlichen Öde gibt es einen Schnitt auf die brüchigen Mauern der Usher-Lokalität, wobei das Mauerwerk sodann – in einer genialen Einstellung – den Blick in die Landschaft verstellt. Angedeutet wird so eine Art „Endpunkt“, da sich hier, in der Festung, das Schicksal der Figuren entscheidet. Man könnte in NEUROSIS eine Hommage Jess Francos an Jean Epsteins LA CHUTE DE LA MAISON USHER (Frankreich 1928) sehen, wo ebenfalls zahlreiche Motive Poes im Film wild durcheinandergemischt werden. Und damit kommen wir zu einer recht wichtigen Stil-Strategie Francos, die in NEUROSIS sich zeigt: Francos Bezüge zum Stummfilm sind nicht zu übersehen, auch wenn es ein Farbfilm ist – und es gesprochene Dialoge gibt. Mich hat die ganze Inszenierung an Murnaus NOSFERATU (1922) erinnert, wo nicht in einem Berliner Studio, sondern in der freien Natur und in einer richtigen Stadt die Aufnahmen gedreht worden waren. Francos Verehrung für Murnau und das Weimarer Kino ist hinreichend bekannt. Und gerade hier, in NEUROSIS, wird diese Verehrung des spanischen Regisseurs überdeutlich: Bei Usher und anderen Figuren ist das Gesicht kalkweißgeschminkt – wie im expressionistischen Kino / im Stummfilm der damaligen Zeit üblich. Die Dialoge gleichen eher einer Monologisierung, gleichwie die Agierenden stummfilmartig gestikulieren – fast wie die aufgezogenen Automaten aus einer Geschichte E. T. A. Hoffmanns, könnte man meinen. Überhaupt das Licht: die Lichtsetzung umgeht es zumeist, natürlich zu erscheinen. Es gibt einzelne Spots, die bestimmte Figuren und Dinge betonen, ansonsten dominiert in der Festung Ushers die Dunkelheit. Geradezu phantastisch ist die Szene zu beschreiben, in der Harker mit einer Lampe die Finsternis im Keller „besiegt“; oder wir denken daran, wie Usher die Treppe herunterschreitet, um Harker die Türe zu öffnen – Expressionismus pur! Darüber hinaus: In der Figur „Harker“ könnte die männliche Entsprechung von „Christina“ erkannt werden, dem weiblichen Hauptcharakter aus Francos VIRGIN AMONG THE LIVING DEAD. Christina wird dort ebenso in ein Haus eingeladen, wobei man nicht sicher sein kann, ob es sich bei den Bewohnern um Lebende oder Tote handelt – Wahnsinn und Realität spielen sich gegenseitig aus. Es bleibt an dieser Stelle wirklich zu hoffen, dass es eines Tages eine rekonstruierte Fassung des Franco-Films geben wird – bis dahin bleibt NEUROSIS…





Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be



Überblick über die Schnittfassungen:

There are three different versions of this film:
The first one, which is considered the original cut of director Jesús Franco, is called "The Hundimiento de la Casa Usher" ("The Fall of the House of Usher"), and was shown only once on his premiere on Imagfic - Festival Internacional de Madrid de Cine Imaginario y de Ciencia-ficción, on 23 March 1983. Due to the bad reception from the audience - who laughed and booed from start to finish -, Franco could not get commercial distribution of the film. This version is now alleged to be a lost film.
In 1984, the director filmed three new scenes showing the actor Howard Vernon murdering three victims (among them, actresses Flavia Hervás and Helena Garret, who did not appear in the original cut). He then added these scenes to the film, considerably altering the original plot, and creating the second version, called "Los Crímenes de Usher" ("The Crimes of Usher"). It had a very limited release in some Spanish cinemas in 1986.
Finally, the third version was produced by Eurocine and is the only one that had commercial video release with the title "Neurosis/Revenge in the House of Usher". This version eliminates all the scenes shot for "Los Crímenes de Usher" and inserts new scenes shot with other actors (Françoise Blanchard, Olivier Mathot, Valerie Russell and Jean Tolzac, among others), creating a new plot that turns Usher in a mad doctor who keeps his daughter alive with the blood of innocent victims. Also, this cut reused about 15 minutes of footage from an old Franco movie, Der schreckliche Dr. Orloff (1962), as flashbacks of the main character. "Revenge in the House of Usher" is the version that has less in common with the original cut, or even with the short story by Edgar Allan Poe that inspired the film.

(Quelle: imdb.com)



Franco in einem Interview zur Urfassung (englische UT einblendbar):
youtu.be Video from : youtu.be


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 Post subject: Re: DIE RACHE DES HAUSES USHER - Jess Franco
PostPosted: 12.09.2020 19:28 
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Oh, sehe gerade, dass zum Film schon etwas geschrieben wurde, sorry...

eurohorror-f4/die-rache-des-hauses-usher-jesus-franco-t411.html

bitte zusammenfügen...


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