Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 03:45 
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[Großbritannien/Italien/Deutschland][1969]

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Regie: Jesus Franco
Darsteller: James Darren, Klaus Kinski, Maria Rohm, Barbara McNair, Margaret Lee, Dennis Price, Paul Muller, Adolfo Lastretti, Jesus Franco,...



Jimmy [James Darren] spielt Trompete in einer Jazz-Kombo, ist aber nicht sonderlich zufrieden mit seinem Leben.
Bei einem seiner zahllosen Strandspaziergänge findet er eines Tages eine angespülte Frauenleiche [Maria Rohm]. Als er ihr Gesicht sieht, erschreckt er sich fast zu Tode, meint er doch, die Tote zu kennen. Einst wurde er auf einer Feier des türkischen Fürsten Ahmet [Klaus Kinski] zufällig Zeuge, wie eine Frau bei einem perversen Ritual von drei Männern zu Tode gepeitscht wurde. In einem spontanen Anfall von Feigheit wandte er sich ab, statt helfend einzugreifen. Nun scheint das Opfer vor ihm zu liegen.
Auf einer folgenden Tournee begegnet Jimmy der Frau plötzlich wieder – lebend! Obwohl er langsam beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln, fühlt er sich magisch zu der Fremden hingezogen und beginnt sogar eine Affäre mit ihr.
Doch auch die drei Mörder bekommen Besuch von der eigentlich toten Frau – und sterben keines natürlichen Todes...

Jess Franco soll angeblich mal gesagt haben, wenn er nur drei von seinen insgesamt über 180 Arbeiten für die Nachwelt erhalten müsste, gehörte PAROXISMUS auf jeden Fall dazu.
Das überrascht kaum, denn für einen Mann, der weltweit als Schundregisseur verschrieen ist, hat man es hier mit einem erstaunlich professionellen Werk zu tun.
Nun sollte man deswegen natürlich keinen perfekten Film erwarten oder gar einen, der der Masse gefallen könnte – Franco bleibt Franco. Auch PAROXISMUS ist verfilmte Merkwürdigkeit, und wirklich alles, was geschieht, zu erklären, ist nahezu unmöglich.
Und dennoch hat man dieses Mal den Eindruck, Franco hatte wirklich etwas mitzuteilen. Keine einfache Auftragsarbeit wollte er abliefern, sondern ein persönliches, ein ambitioniertes Werk, das ihm am Herzen lag und mit dem er etwas ausdrücken wollte.

PAROXISMUS ist eine rauschartige Erfahrung, die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen lässt. Die Emotionswelt des Protagonisten überträgt sich mit zunehmender Spielzeit mehr und mehr auf den Betrachter, ein Zustand der Verwirrung und Faszination, der Neugierde und des Erschreckens, das Gefühl, dem Verstand nicht mehr trauen zu können.

Die für den Regisseur typischen Merkmale sind auch hier vorhanden: So wandert die Kamera mal unruhig durch den Raum, ohne einen Fokus zu finden, um dann plötzlich auf den Gesichtern der Darsteller zu kleben und sich gar nicht mehr zu lösen.
Plötzliche Unschärfen, schräge Perspektiven, verwackelte und zappelig zusammenmontierte Bilder wechseln sich ab mit erstaunlich professionellen Einstellungen und originellen Licht- und Schattenspielen (man beachte die Anfangsszene, in welcher zunächst nur die Silhouette Jimmys am Fenster zu sehen ist) – mehr noch als in anderen Filmen Francos hat man das Gefühl, sich in einem psychedelischen Fiebertraum zu befinden, konform zur rätselhaften, losgelösten Handlung.
Es ist gewiss kein Zufall, dass die Hauptfigur ausgerechnet Jazz-Musiker ist. Denn wie auch der Jazz von Improvisation lebt, so scheinen auch die Ereignisse des Films sich rein zufällig und unabgesprochen zu entwickeln. So schaut man einfach fasziniert zu und harrt der Dinge, die da noch kommen mögen.

Unfreiwillige Komik, fast schon Standard bei einem Film diesen Kalibers, gibt es hier vergleichsweise selten. Am Albernsten wirkt noch die Tracht Klaus Kinskis, die aussieht, als hätte er sich sein Kostüm in der Garderobe schnell noch selbst gebastelt – ne alte Gardine umgeworfen, nen Haarreif aus der 'Wendy' aufgesetzt, und fertig ist der türkische Fürst.

Einzig wahrlich hassenswert: der penetrante Off-Kommentar der Hauptfigur. Nicht nur, dass dieser Monolog oftmals affig gestelzt wirkt, er erklärt auch häufig einfach nur Dinge, die man selbst gerade mit eigenen Augen sieht. Das ist nicht nur nervtötend, sondern zerstört auch die Aura des Geheimnisvollen und Unnahbaren in beträchtlichem Ausmaß.

Die Darsteller – allen voran Klaus Kinski – wirken manchmal etwas weggetreten, was aber zum surrealen Ganzen des Films passt.
Maria Rohm gibt eine überzeugende Vorstellung als geheimnisvolle Fremde. Margaret Lee in der Rolle einer lesbischen Fotografin sei noch erwähnt, die nicht nur durch ihr attraktives Äußeres, sondern auch durch ihr frisches, sympathisches Spiel besticht.

Nackte Haut, eines der Steckenpferde Francos, macht sich dieses Mal rar, doch ist unterschwellige Erotik permanent spürbar.

PAROXISMUS ist ein sehenswerter psychedelischer Trip, nach dessen Abspann man das Gefühl hat, aus einem sehr merkwürdigen Traum erwacht zu sein. Schade, dass es gerade diesen Film nicht in deutscher Sprachfassung gibt.

6,5/10

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 09:56 
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Sehr treffende Rezension, mit ein paar Sätzen (z. B. Stichwort Jazz) ist Francos Stil m. E. wirklich gut erfasst.

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 11:28 
Ein Meisterwerk und das meine ich nicht nur unter Francos Filmen!

10 von 10 Punkten eher noch mehr


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 17:33 
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:shock: den kenn ich noch garnicht!!!

Danke für den Tip! Muss ich unbedingt nachholen!

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 17:50 
Malastrana wrote:
:shock: den kenn ich noch garnicht!!!

Danke für den Tip! Muss ich unbedingt nachholen!



Das ist ein unglaublich guter Film, mit fantastischer Musik!
Maria Rohm war in keinem Film so heiß wie in VENUS IN FURS!

Die BU Scheibe ist Code 0 und hat eine Top Qualität. Das Englisch ist sehr leicht zu verstehen.

Der Film hat was traumartiges, was man in David Lynch Nähe ansiedeln kann und alles in allem sehr hochwertig gemacht.

Ein Meisterwerk! 10/10


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 17:52 
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Ihr habt mich wiedermal an der Angel... ;)

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 17:56 
Malastrana wrote:
Ihr habt mich wiedermal an der Angel... ;)



Ich habe den Film bestimmt 50x gesehen!


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 18:09 
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Na dann werde ich mir den heute wohl auch mal geben... 8-)

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 18:36 
TRAXX wrote:
Na dann werde ich mir den heute wohl auch mal geben... 8-)



Hast Du den noch nie gesehen? :o


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 22:23 
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italo wrote:
TRAXX wrote:
Na dann werde ich mir den heute wohl auch mal geben... 8-)



Hast Du den noch nie gesehen? :o

Nö. :oops:

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 25.10.2011 23:24 
TRAXX wrote:
Nö. :oops:



In letzter Zeit waren wir im Bezug auf Filme oft derselben Meinung, deswegen könnte es sein, dass Du VENUS IN FURS richtig klasse findest. Bin gespannt auf Deine Meinung! :)


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 02:52 
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So, gerade eben goutiert.
Wow, was für ein geiler Rausch von Film. Sehr zu empfehlen auch für Franco-Skeptiker.
Wäre VENUS IN FURS Made in Italy, dann könnte man ihn locker als Supernatural Giallo on Acid bezeichnen. Schön werden hier auch Hard-Boiled-Elemente mit eingebaut, wie zb der jazzy score und natürlich auch der Off-Kommentar des Hauptdarstellers (den ich überhaupt nicht unpassend fand - das manchmal was kommentiert wurde, was man gerade sah... so what).
Besonders cool fand ich diesen catchy Ohrwurm, der wie aus dem Nichts auf Bild geklatscht wird, wenn einer kalt gemacht worden ist: "Venus in Furs will be smiling!" Sehr geil! 8-)

Interessant fand ich auch die Tatsache, dass ursprünglich ein schwarzer Jazz-Musiker die Hauptrolle übernehmen sollte, doch einer der über 60 (sic!) Geldgeber, die us-amerikanische AIP, war aus rassistisch motivierten Gründen dagegen - race mixing on the big screen, no way!! Auch Ende der 60s wollte man dem US-Publikum nicht solch eine 'Rassenschade' (Schwarzer Mann + Weisse Frau) zumuten. Der Kompromiss (Weisser Mann + Schwarze Frau) hingegen ging klar.

Zu den filmischen Qualitäten wurde ja schon alles geschrieben ... von daher ... abschließend kann auch ich nur dringend dazu raten sich den Film zu geben!! Franco at its best!


10 / 12

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 19:51 
TRAXX wrote:
So, gerade eben goutiert.
Wow, was für ein geiler Rausch von Film. Sehr zu empfehlen auch für Franco-Skeptiker.
Wäre VENUS IN FURS Made in Italy, dann könnte man ihn locker als Supernatural Giallo on Acid bezeichnen. Schön werden hier auch Hard-Boiled-Elemente mit eingebaut, wie zb der jazzy score und natürlich auch der Off-Kommentar des Hauptdarstellers (den ich überhaupt nicht unpassend fand - das manchmal was kommentiert wurde, was man gerade sah... so what).
Besonders cool fand ich diesen catchy Ohrwurm, der wie aus dem Nichts auf Bild geklatscht wird, wenn einer kalt gemacht worden ist: "Venus in Furs will be smiling!" Sehr geil! 8-)

Interessant fand ich auch die Tatsache, dass ursprünglich ein schwarzer Jazz-Musiker die Hauptrolle übernehmen sollte, doch einer der über 60 (sic!) Geldgeber, die us-amerikanische AIP, war aus rassistisch motivierten Gründen dagegen - race mixing on the big screen, no way!! Auch Ende der 60s wollte man dem US-Publikum nicht solch eine 'Rassenschade' (Schwarzer Mann + Weisse Frau) zumuten. Der Kompromiss (Weisser Mann + Schwarze Frau) hingegen ging klar.

Zu den filmischen Qualitäten wurde ja schon alles geschrieben ... von daher ... abschließend kann auch ich nur dringend dazu raten sich den Film zu geben!! Franco at its best!


10 / 12



In letzter Zeit stimmen wir in Filmen ziemlich überein. Endlich mal einer, der weiß was gut ist unter diesen Banausen. :mrgreen:


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 19:52 
Malastrana wrote:
Ihr habt mich wiedermal an der Angel... ;)



Jetzt wirds aber langsam Zeit oder willst Du zu den Banausen gehören, die nicht wissen, was gut ist? :)


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 19:54 
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Dirty Pictures hat meinen Geschmack versaut!!! :o :shock: ;)

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 20:03 
TRAXX wrote:
Dirty Pictures hat meinen Geschmack versaut!!! :o :shock: ;)



Starke Übereinstimmungen hatten wir in jüngster Zeit bei:
FROZEN - EISKALTER ABGRUND (Einer der allerbesten Survival Thriller)
THE DEAD (Lucio Fulci lässt grüßen)
VENUS IN FURS (Meisterwerk)
JULIA`S EYES (Argentos bester Film der 2000er, der leider nicht von ihm ist. Spanischer Giallo.)
Bis auf Venus in Furs habe ich zu den genannten Filmen Threads eröffnet. Vielleicht mach ich das bei Top Filmen, die irgendwie zum Forum passen in Zukunft häufiger. :)


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 27.10.2011 22:34 
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Nicht zu vergessen auch das grandiose Ende! :shock: Komisch, dass das noch keiner angesprochen hat. Näheres sollte dazu aber natürlich keinesfalls verraten werden.

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 28.10.2011 00:09 
Das Ende ist wirklich grandios. Speziell die letzten paar Minuten habe ich unzählige Male angesehen.


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 28.10.2011 02:40 
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Ja, das Ende ist natürlich grandios, wollte allerdings nicht in Versuchung kommen zu spoilern. ;)

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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 22.03.2014 00:18 
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Weiss zufällig jemand was es mit dem Regie-Credit von Hans Billian auf dem italienischen Plakat auf sich hat? Filmportal.de führt ihn auch als zweitregisseur.
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Please consider the cultural significance of 35mm film, and don’t take it away from the cinephiles to whom it means so much.
Thank you.


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 25.06.2018 16:37 
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Maria Rohm   James Darren   Barbara McNair   in

VENUS IN FURS

● PAROXISMUS / VENUS IN FURS / SCHWARZER ENGEL / VENUS IM PELZ (GB|I|D|1969)
mit Dennis Price, Margaret Lee, Adolfo Lastretti, Manfred Mann, Paul Muller und Klaus Kinski
eine Produktion der Towers of London Productions | Cinematografica Associati | Terra Filmkunst
ein Film von Jess Franco


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»I'm supposed to be very cool about these things!«

Jimmy (James Darren) ist Trompeter in einer angesagten Jazz-Combo, doch sein Dasein ist gezeichnet von Unzufriedenheit und Lethargie. Als er wie üblich am Strand spazieren geht, um über sich nachzudenken, macht er eine grauenvolle Entdeckung: er findet eine Tote (Maria Rohm). Da er glaubt die Frau zu kennen, ist der Schrecken umso größer, schließlich erinnert er sich an eine Situation auf einer Feier des türkischen Fürsten Ahmed (Klaus Kinski), als eine Frau in einer Art Ritual zu Tode gepeitscht wurde. Nun scheint es so, als liege genaus diese Frau tot vor ihm. Eine anschließende Tournee lässt wieder Gras über die Sache wachsen, doch Jimmy zweifelt immer mehr an seinem Geisteszustand, zumal er der Toten wieder begenet, aber dieses Mal lebendig...

Anders als der Titel dieses Films vermuten lässt, stützt sich Jess Francos Beitrag nicht auf die gleichnamige Novelle des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch, die im Produktionsjahr 1968 als Basis für Massimo Dalamanos "Venus im Pelz" herangezogen wurde. Durchaus inspiriert von der Tatsache, dass angesichts des Titels eine Art Fetischisierung stattfindet, ist es hier die Protagonistin Wanda, die Projektionsfläche der Erotik und - man muss es sagen - Ästhetik wird. In jenen Jahren kebam der Zuschauer noch einen anderen Franco angeboten, was sich einige Zeit später schon drastisch ändern sollte. Hier zeigt sich ein Hauptaugenmerk bezüglich der erotischen Erzählstruktur und man kommt in den Genuss von beinahe poetisch angehauchten Bildern, die mit erstaunlich starker musikalischer Untermalung zu einer besonderen Gesamtkomposition werden. Sicherlich ist es auch zusätzlich der Tatsache geschuldet, dass renommiertere Produktionsfirmen als Co-Financiers mit das Sagen hatten, wie beispielsweise die Constantin-Tochter Terra Filmkunst, sodass es naturgemäß zu einem Ergebnis kommen konnte, das nicht immer gerade Franco-typisch aussieht, aber buchstäblich exemplarisch offenlegt, welch großes Talent eigentlich im spanischen Regisseur gesteckt hat, allerdings viel zu häufig keinen optimalen Abruf fand. Nichts wirkt hier schnell heruntergekurbelt oder eilig zusammengebastelt, ganz im Gegenteil: es entfaltet sich ein Gesamtbild, das sich durchaus sehen lassen kann. Die Darsteller-Riege ist für Franco/Towers-Verhältnisse altbekannt, aber ebenso einladend ausgefallen. Die Reise durch dieses ansprechende Produkt der Fantasie gibt sich von vorne herein traumwandlerisch, aber auch auffallend verzerrt. Intensive visuelle und akustische Eindrücke fordern die Aufmerksamkeit enorm und die zugegebenermaßen manchmal seicht anmutende Geschichte bleibt unheimlich spannend und faszinierend bis zum Ende. Was insgesamt sehr gut ankommt ist, dass man es inszenatorisch gesehen mit einem wirklich einwandfreien Jess-Franco-Film zu tun hat.

Die Hauptfigur der Produktion bekam von Maria Rohm, der Ehefrau des hier verantwortlichen Produzenten Harry Alan Towers, ein sehr passendes und vertrautes Gesicht mit auf den Weg und es ist immer wieder eine besondere Freude, die attraktive Österreicherin agieren sehen. Wie so oft mit der eigentlichen Hauptrolle vertraut, reichte man sie wie beinahe ebenso üblich in den Titelcredits etwas nach hinten. Ihre durchaus vorandene Ausstrahlung ist hin und wieder nur schwer zu beschreiben. Da sie oft in Rollen zu sehen war, die nicht besonders viel herzugeben wussten, ist man vielleicht hin und wieder dazu geneigt, die Darstellerin mit den tiefen Augen zu unterschätzen, spielte sich doch gut ⅓ ihrer Karriere unter dem teilweise einseitig inszenierenden spanischen Regisseur ab. Hier sieht man sie definitiv in einer ihrer besten und vor allem effektivsten Interpretationen unter Jess Franco, und es kommt zu vielen sinnlichen Phasen, die nicht zuletzt ihrem Gespür, die Szenerie vereinnahmen zu können, zu verdanken ist. Geheimnisvoll und verführerisch liefert sie regelrechte Bildstrecken der Ästhetik, präsentiert jedoch auch eine nahezu gespenstische Aura. Ihre britische Kollegin Margaret Lee, die nach Angaben von Maria Rohm auch privat mit ihr befreundet gewesen sein soll, arbeitet in diesem Zusammenhang sehr gut in dieses Gesamtbild hinein, wobei Barbara McNair, die hier den Titelsong beisteuerte, deutlich das Nachsehen hat, insbesondere beim Vermitteln und Übertragen spürbarer Emotionen, von denen "Paroxismus" über die Maßen lebt. Interpreten wie Dennis Price und Klaus Kinski runden das Geschehen gekonnt ab, ohne jedoch prominent in Erscheinung zu treten. Jess Franco inszenierte seinen Film phasenweise wie einen Traum in surrealren Bildern und obwohl die Eindrücke schemenhaft zurückbleiben, ordnet sich das Gesamtbild wie von selbst. Hier ist es ausnahmsweise nicht die Geschichte an sich, die Akzente versetzen kann, sondern die wirklich ambitionierte Verfilmung eines Stoffes, der innerhalb und außerhalb der Jess-Franco-Welt einen gehobenen Standard veritteln kann. Aus diesen Gründen und nicht zuletzt wegen Maria Rohms Performance ein sehr faszinierender Film.


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 Post subject: Re: PAROXISMUS - VENUS IN FURS - Jess Franco
PostPosted: 25.06.2018 18:01 
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Blue Underground bringt ja fast alle DVD Veröffentlichungen der 2000er auch in HD aber warum der Film und auch "Bloody judge" nicht auf Blu-ray kommt, wundert mich schon.
Einer der allerbesten Franco Filme.


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