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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: KARTEN AUF DEN TISCH - Jess Franco
PostPosted: 20.09.2019 18:05 
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KARTEN AUF DEN TISCH
Originaltitel: CARTES SUR TABLE
USA-Verleihtitel: ATTACK OF THE ROBOTS
Frankreich 1966

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Regie:
Jess Franco
Darsteller:
Eddie Constantine,
Françoise Brion,
Fernando Rey,
Sophie Hardy

Mehrere Attentate geschehen in der Weltpolitik. Auffällig ist dabei, dass die Mörder stets eine gräulich bronzene Hautfarbe aufweisen; darüber hinaus wäre den Tätern allesamt eine seltene Blutgruppe eigen. Der ehemalige Geheimagent Al Pereira (Eddie Constantine) besitzt diese betreffende Blutgruppe, weshalb ihn seine früheren Chefs in den Dienst zurückbeordern. Al Pereira, der eigentlich mehr an Glückspiel, an schönen Frauen und an Alkohol interessiert ist, lässt sich daraufhin von der Geheimorganisation der Attentäter entführen. In Alicante treffen Al Pereira, die unheimlich bronzenen Robotermörder, eine chinesische Bande sowie die gesuchte Geheimorganisation schließlich aufeinander. Doch Pereira wird mit seiner süffisant lässigen Art auch dieses Abenteuer überstehen…


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KARTEN AUF DEN TISCH von Regisseur Jess Franco ist zum damals trendigen Euro-Spy-Genre zu zählen. Wobei mit Eddie Constantine ein Schauspieler die Hauptrolle besetzt, der ebenso zu dieser Zeit ein äußerst „markantes“ Gesicht im zeitgenössischen europäischen Thriller- und Agentenfilm aufwies – diesbezüglich sollte Constantines Charakter „Lemmy Caution“ in einer französischen Kinoreihe besetzt werden. In Jess Francos KARTEN AUF DEN TISCH spielt Constantine allerdings „Al Pereira“, der einstmals einen „Vogel“ zur Strecke gebracht habe – zwei Figuren, die mehrmals in Francos Filmkosmos vorkommen. Wenn wir Jess Francos KARTEN AUF DEN TISCH nun den Euro-Spy-Movies zurechnen, dann stellen wir fest, dass hier bereits die parodistischen Züge überwiegen – heißt: wir erleben eher die Genreparodie. Jedoch werden grobe Albernheiten meistenteils umgangen. Vor allem in den Dialogen von KARTEN AUF DEN TISCH werden die erfolgreichen Bond-Filme ironisiert, so dass unterm Strich ein zwar „leichter“ Film bleibt, der indes aber niemals seinen Plot vernachlässigt, um in Slapstick-Episoden abzudriften, wie etwa Mario Bavas DR.-GOLDFOOT-Agentenfilmparodie mit seinem brachialen Situationshumor (Franco selbst sollte später eine ähnliche Parodie mit seinem LUCKY M. FÜLLT ALLE SÄRGE abliefern)…


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Die kontrastreiche Schwarzweißfotographie gibt KARTEN AUF DEN TISCH eine gewisse Seriosität, die mit Francos Stilsicherheit in den Kompositionen gepaart ist. Dahingehend kann man hier einen schön gedrehten Genrefilm entdecken, der nicht zuletzt durch Constantines Präsenz eine wohlige Euro-Spy-Filmstimmung zu schaffen vermag. Ebenso sind in KARTEN AUF DEN TISCH eine Vielzahl an Anspielungen an Francos eigenes Werk zu finden. So wäre gleichfalls hier, in KARTEN AUF DEN TISCH, eines von Jess Francos zentralen Motiven anzutreffen, nämlich die autoritäre Machtfigur, die geheim und manipulativ „lenkt“. Doch statt des einzelnen „Dr. Orloff“, der in GRITOS EN LA NOCHE seinen Diener missbraucht, ist es hier eine ganze Geheimorganisation, die – statt „Morpho“ – eine Armee von menschlichen Robotern für die eigenen Zwecke steuert. Diese durch ein Computerprogramm gesteuerten Menschenroboter werden dann später, in Francos Werk, durch „gehirnlose“ Bodybuilder abgelöst, wie dies beispielsweise noch im Spätwerk FACELESS (F 1988) als eingestreutes Filmzitat vorkommt…


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Und auch Francos Nachtclubszenen, ein weiteres wesentliches Motiv seines Kinos, kommen in KARTEN AUF DEN TISCH vor. Das Handlungsdetail des Nachtclubs dient ebenso hier Franco dazu, seinen / den „Film“ als geschaffene Illusion zu enthüllen. Beim erotischen Show-Act in der Nachtbar – der in KARTEN AUF DEN TISCH noch sehr zurückhaltend vorgetragen wird – vertritt wiederum der filminterne Zuschauer den filmexternen. Diese „Shows“ gehören zur festen Inszenierungsstrategie Francos, welche sein filmisches Credo ausmacht, um so seine Werke als inszenierte „Täuschung“ und somit als „Unterhaltungsdarbietungen“ vorzuführen. Diese metafiktive Ebene wäre zum Beispiel auch beim Trickspiegel zu bemerken, durch den in Al Pereiras Hotelzimmer hineingeschaut werden kann. Einige Jahre später wird Franco das Trickspiegelmotiv wieder „aktiveren“. In DOWNTOWN blickt dann allerdings Franco höchstselbst in der Rolle des „Al Pereira“ durch den Spiegel, und er gibt dabei – wie ein Regisseur – Anweisungen wie das „Spiegelbild“ zu inszenieren sei…

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Jess Francos Liebe zum Kino – und vor allen Dingen seine Hinwendung zu seinen zwei großen Vorbildern Fritz Lang und Orson Welles – konkretisiert sich zahlreich in seiner Inszenierungsweise von KARTEN AUF DEN TISCH. Besonders Langs „innere Rahmungen“, seine typischen geometrischen Anordnungen und Reihungen werden von Franco als Kompositionsprinzip eingesetzt…


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Gleichwie Francos „mise en scène“ an Welles‘ Kino erinnert…


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(Bildquelle: *** The link is only visible for members, go to login. ***)


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