Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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S.O.S. - Der Käpt'n spinnt (Mario Amendola, 1973)

Ok, ok, ich geb's ja zu, das ist wieder eine dieser Komödien, die ich nur eingefleischten Fans empfehlen würde. Der Humor ist dabei meist total behämmert, ein paar Lacher gab's dann aber doch oder ich hab mich einfach mit der Zeit an das Niveau gewöhnt.
Die Story ist: Ein neu angeschaffter Computer stiftet allerlei Verwirrung bei der Marine und wählt den falschen zum Kapitän, dazu noch eine chaotische Truppe von Rekruten und fertig ist der Klamauk.

Regie geführt hat Mario Amendola, ein Name, den manch einer sicher schonmal im Zusammenhang mit Bruno Corbucci gelesen hat - zusammen haben sie viele Drehbücher geschrieben. Auf die Besetzung kann man auch mal einen Blick werfen: Da wäre zum einen Ninetto Davoli, der in vielen Pasolini-Filmen zu sehen war, Tano Cimarosa (auch kein Unbekannter!) und weiterhin Mario Carotenuto, der von den 50ern bis in die 80er in unzähligen Komödien zu sehen war, sowie Renato Baldini und Sal Borgese. Ebenfalls hat Jose Jaspe, der sonst eher in Western zu Hause war, einen kurzen Auftritt als Motorrad-Verkäufer. Ach ja, und natürlich wurde auch wieder eine Möglichkeit gefunden, noch ein paar Frauen unterzubringen, da wäre zum Bsp. die aus den HALLELUJA-Filmen bekannte Agata Flori (ich finde ja, die Frau hat was!).

Ganz nett sind auch der gezeichnete Vorspann und dazu der schmissige Titelsong.



Andrea - Wie ein Blatt auf nackter Haut (Hans Schott-Schöbinger, 1968)

Jetzt habe ich mir den Film nochmal angesehen und ich bin immer noch der Meinung, dass man es hier mit einem Kleinod des dt. Kinos zu tun hat. Das ist genau die Art von Film, der es perfekt gelingt, die Brücke zwischen Kunst und Exploitation zu schlagen.

Ich glaube, ich habe noch keinen Film gesehen, bei dem Dagmar Lassander so im Mittelpunkt steht (inklusive zahlreicher freizügiger Szenen). Und auch Herbert Fux spielt seine Nebenrolle als Macho-Gangster mal wieder perfekt.
Zur Handlung will ich nur grob einen Umriss geben:
Andrea ist eine junge Frau, die ziemlich einsam auf einem großen Anwesen lebt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit lässt sie sich auf Affären ein, irgendwann kommt dann auch noch ein entflohener Sträfling ins Spiel und das Ende betont noch mal die mystisch-geheimnisvolle Seite des Films.

Wirklich interessant ist aber vor allem die Inszenierung. Denn die biedere Art, die einigen dt. Filmen aus dieser Zeit anhaftet, weicht hier einem Stil, der vielleicht nicht zufällig stark ans italienische Kino erinnert. Die herbstlichen Bilder und die prachtvolle Ausstattung sind schon ein Augenschmaus, dazu fängt die Kamera immer wieder interessante Perspektiven und Farbspiele ein und auch der Score von Hans Hammerschmid ist ein echtes Meisterstück. Sehr atmosphärisch, sehr schwelgerisch!

Wie gesagt, speziell für Fans von Dagmar Lassander ist der Film äußerst lohnenswert, aber er hat eben sogar noch andere Qualitäten.

Wenn's um Deutschploitation geht, reden die Meisten immer nur von Rolf Olsen. Es wird zeit das Augenmerk auch mal auf Hans Schott-Schöbinger zu legen - der Mann hat einige geniale Filme gedreht!
Vielleicht merken das die Labels ja auch irgendwann mal. Ich hab die Filme schon immmer mal in diversen Foren vorgeschlagen, aber bisher hat sich rein gar nichts getan. Könnte natürlich auch mit rechtlichen Schwierigkeiten zusammenhängen, aber ich hab eher das Gefühl, das Interesse ist einfach nicht da.

Selten war das Prädikat "unterschätzt" so passend wie in diesem Fall!

Wäre meiner Meinung nach ein idealer Film für Labels wie Camera Obscura oder Subkultur.



Foltergarten der Sinnlichkeit (Joe D'Amato, 1975)

Wow! So viel vorweg: Das war mal wieder so ein seltener Fall, in dem meine eh schon recht hohen Erwartungen noch locker übertroffen wurden. Ja, ich würde sogar sagen, man kann hier von einem Ausnahme-Werk in D'Amato's Schaffen sprechen!

Francoise (Patrizia Gori ) wird von ihrem Freund Carlo (George Eastman), von dem sie sehr abhängig war, verlassen, daraufhin ist sie so deprimiert, dass sie sich das Leben nimmt. Ihre Schwester schwört auf Rache, nähert sich ihm verführerisch, worauf er auch gleich anspringt, nicht ahnend, was für Pläne sie wirklich mit ihm hat. Zwischendurch wird in Rückblenden immer wieder gezeigt, welche Demütigungen, die Verstorbene hat durchmachen müssen.

Von Beginn an fällt D'Amatos tolle Kamera-Arbeit auf, auch die eigenartige Musik, die sich von den typischen Italo-Scores abhebt, passt perfekt. Überhaupt, wenn man es nicht wüsste, würde man hier wahrscheinlich erstmal gar nicht auf die Idee kommen, dass der Regisseur Joe D'Amato heißt. Der Film wirkt ungewöhnlich professionell gemacht und schafft es schnell, eine einzigartige Atmosphäre zu kreieren. Gleichzeitig auch beachtlich, wie immer wieder die tragischen Aspekte der Story betont werden. Die Hauptdarstellerin Rosemarie Lindt bringt dies auch wirklich überzeugend rüber, ich denke, es war eine gute Wahl, diese Rolle von einer etwas reiferen Frau spielen zu lassen.
Wer jetzt aber glaubt, D'Amato wäre mit diesem Film vollkommen ins seriöse Fach gewechselt, der liegt dann doch nicht richtig. An nackter Haut wird nicht gespart und der Film hat auch ein paar wahrlich krasse Sequenzen zu bieten, die Halluzinations-Szene sei an dieser Stelle mal erwähnt. Die typischen Zutaten, für die D'Amato berühmt und berüchtigt ist, sind also alle da, aber selten hat er sie so meisterhaft zusammengefügt und ins Gesamtbild eingebettet. Und auch das Ende hält dann noch ein paar garstige Überraschungen parat. Wirklich interessant, wie hier mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt wird, so kommt z.B. der Vorspann noch locker-flockig daher und umso zupackender ist dann die düstere Seite des Films.

Ich war eigentlich noch nie so schlecht auf D'Amato zu sprechen, wie das manch andere sind (es soll ja sogar Italo-Fans geben, die seine Filme komplett meiden). Aber so einen Film hätte ich ihm trotzdem kaum zugetraut. Also nochmal eine dicke Empfehlung und wer immer noch meint, D'Amato hätte kein Talent, der weiß jetzt, was er schauen muss.

Ich habe die DVD von Simpel Movie - exzellente Qualität, ungekürzt, sehr empfehlenswert.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 01:19 
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Forbidden Affairs (Joe D'Amato, 1990)

Ein Typ, gerade aus dem Knast entlassen, ist per Anhalter unterwegs und trifft auf eine verführerische Blondine. Als die ihn wieder aus dem Auto schmeißt und er bei seinem Bruder unterkommt, muss er feststellen, dass genau diese Frau, die er eben getroffen hat, mit seinem Bruder verheiratet ist...

Was dann folgt, ist eine Dreiecks-Beziehung mit viel hin und her, die Frau ist unglücklich in ihrer Ehe, da kommt die neue Bekanntschaft gerade recht, dann zögert sie doch wieder, dann will er sie eifersüchtig machen, dann will sie ihn eifersüchtig machen - und so weiter und so fort. Im Finale spielen dann noch zwei Gangster eine Rolle und der Sinn des Endes hat sich mir auch nicht wirklich erschlossen. Wirklich spannend ist das alles natürlich auch nicht, aber ich hab auch schon noch Übleres gesehen. Immerhin sind die beiden Hauptdarstellerinnen ganz ansehnlich und die Dialoge sind so klischeehaft, dass es fast schon wieder amüsant ist. Übrigens hat Laura Gemser (die hier auch für Kostüme und Set-Design verantwortlich war) einen ganz kurzen Auftritt als Prostituierte, auch sie sieht noch ganz passabel aus.
Das Beste am Film, und das schreibe ich durchaus D'Amato zu, ist aber, dass das Ganze zumindest stellenweise recht stimmig fotografiert ist und doch ein wenig Stilempfinden verrät, wie gesagt, in ein paar Szenen. Selbst die kitschigen, aber eingängigen Pop-Songs passen da gut dazu. Sicher wird kaum jemand bestreiten, dass D'Amato auch einiges an Schund gedreht hat, aber ich bin ja der Meinung, dass selbst in seinen schwächeren Filmen oft noch eine gewisses filmisches Gespür durchscheint, das vielen Regisseuren in dem Genre vollkommen fehlt.

In Anbetracht der Entstehungszeit also noch ein ganz ansehbarer Film, aber auch nichts, was man wirklich gesehen haben muss.



Die Verführung (Fernando Di Leo, 1973)

Ein Journalist kehrt nach vielen Jahren in seinen italienischen Heimatort zurück, um eine Freundin von früher wiederzutreffen. Schnell entflammt die alte Liebe wieder, doch auch zwischen ihrer Tochter (Jenny Tamburi) und ihm scheint sich etwas anzubahnen...

Ich muss sagen, obwohl ich Fernando Di Leo sehr schätze, hatte ich etwas Bedenken, der Film könne vielleicht zu sehr in Richtung schwerfälliges Drama gehen. Umso überraschender fand ich die eher lockere Gangart zu Beginn, verbunden mit einer guten Portion Humor (keine Sorge, nicht zu klamaukig). So stellt z.B. einer der Charaktere einen absoluten Bilderbuch-Macho dar, der ständig große Reden über die Frauen schwingt - sehr unterhaltsam. Auch in Verbindung mit den einfühlsameren Passagen findet der Film eine gute Balance und trifft meist die richtigen Töne. Gegen Ende steigert sich dann die Dramatik der Geschichte und kulminiert im Finale. Komischerweise empfand ich diesen Schlussteil als etwas zu hysterisch und gar nicht mehr so beeindruckend. Trotzdem insgesamt ein Film, der gut demonstriert, dass sich Di Leo auch auf anderen Genres verstand. Was die Inszenierung betrifft, so kann der Film vor allem von dem Bacalov-Score profitieren und Franco Villa an der Kamera ist natürlich auch ein Meister seines Fachs.

Alles in allem also ein sehenswerter Film, der aber den anfangs noch sehr guten Eindruck bei mir nicht ganz halten konnte.



Die nackte Bovary (1969, Hans Schott-Schöbinger)

Emma Bovary (Edwige Fenech) lebt unzufrieden in der Ehe mit einem armen Arzt; sie hat das langweilige Landleben satt, fängt bald eine Affäre mit einem anderen Mann an und erhofft sich damit ein anderes Leben...

Im Vorspann liest man gleich den Verweis auf den Roman "Madame Bovary" von Gustave Flaubert. In wie fern sich der Film nun wirklich an diese Vorlage hält, ist mir dabei mal herzlich egal.Im Grunde handelt es sich hier aber trotzdem um einen recht typischen Historien-Streifen mit viel Melodramatik, aber außerdem auch einigen Nackt-Szenen, die für die Handlung sicher nicht unbedingt nötig wären (wer wird sich darüber schon ernsthaft beschweren?). Die klassische Ausstattung ist nett anzusehen, Schott-Schöbingers Regie wirkt aber nur selten so inspiriert wie bei ANDREA - WIE EIN BLATT AUF NACKTER HAUT. Der große Star und auch der wirkliche Grund, sich den Film anzusehen, ist natürlich Edwige Fenech. Ja, sie sieht mal wieder umwerfend aus, trägt die schönsten Kostüme und legt sie ab und zu auch mal ab und beherrscht einfach jede Szene, in der sie zu sehen ist. Da man es hier mit einer dt./ital. Produktion zu tun hat, sieht man auch noch ein paar andere aus Italo-Filmen bekannte Gesichter, so hat zum Bsp. Franco Ressel ein recht gewichtige Rolle.

Wer sich also Fan von Edwige Fenech nennt, der bekommt genug Eyecandy geboten und ich würde ich hier auch von einer passablen schauspielerischen Leistung sprechen, ansonsten ist der Film aber einfach eine Spur zu konventionell.

Leider fällt das falsche Bildformat bei der VHS-Fassung (Original müsste 2.35:1 sein) stark auf, so sind z.B. Personen öfters nur zur Hälfte o. gar nicht im Bild.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 01:25 
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The Bloodsucker Leads the Dance (Alfredo Rizzo, 1975)

Vielen Dank nochmal für den Tipp! War genau nach meinem Geschmack, ist doch immer schön, wenn ein Film perfekt die Erwartungen erfüllt. Wer Batzella und Polselli schätzt, sollte sich auch diesen Film nicht entgehen lassen.

Ein Graf lädt ein paar Theater-Darstellerinnen auf sein Schloss ein, bald geschehen Morde...

Ähm ja, mehr kann ich zur Handlung nicht sagen. Ein absoluter Brüller ist auch die engl. Synchro, insbesondere die Stimme von Giacomo Rossi Stuart (da kann man in vielen Sätzen schon froh sein, wenn man wenigstens ein WOrt versteht!). Die Frauen sind schön, die schaupielerischen Leistungen rangieren zwischen akzeptabel und höchst amüsant und die Story ist, wie schon gesagt, kaum existent. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die zahlreichen und oft total unmotivierten Nudity- und Sex-Einlagen. Man könnte also meinen, Trash-Fest deluxe, aber...
Im krassen Gegensatz dazu - und genau diese Mischung liebe ich an den ital. Gothic-Streifen dieser Zeit - steht die prachtvolle Inszenierung. In Punkto Ausstattung und Setting verdient sich der Film bei mir locker Bestnoten. Location ist mal wieder dieses Schloss, in dem schon unzählige Filme dieser Art gedreht wurden (wird dem einen oder anderen bestimmt bekannt vorkommen). Sehr gut gefällt mir auch die Musik von Marcello Giombini, der sich hier mal wieder ordentlich in Zeug gelegt hat. Luciano Pigozzi hat übrigens auch wieder seine typische Rolle als Schloss-Diener. Ein Film, bei dem sich der Italo-Fan also gleich zuhause fühlt.

Und genau diese sympathische Kombination aus Inkompetenz und Könnerschaft ist es doch, was das Italo-Kino oft auszeichnet und so lässt sich dieses obskure Werk vielleicht auch am besten beschreiben. Sicher mag's Leute geben, die den Film als langweilig bezeichnen würde, von mir gibt's aber eine ganz klare Empfehlung.

Die Bildqualität der DVd sieht gut aus, der Ton knistert und knackt immer mal, aber das sollte nun wirklich niemanden vom Kauf abhalten.


Juni 2010



The Perfume of the Lady in Black (Francesco Barilli, 1974)

Das erste was mir auffiel waren der tolle Score und die stilvolle Inszenierung. Von einem Giallo würde ich hier gar nicht sprechen, der Film hat doch nun echt so gut wie keine der genre-typischen Zutaten. Mystery/Horror-Thriller trifft es wohl eher und genau in den unwirklich, surreal wirkenden Momenten kann der Film dann auch voll punkten, wenn z.B. unerwartet Rückblenden auftauchen oder Realität und Fiktion undurchschaubar verschwimmen. Wenn man etwas ankreiden könnte, dann sicher die sehr gemächliche Erzählweise, welche zwar ihren Teil zur Atmosphäre beiträgt, aber gleichzeitig auch Geduld erfordert. Auch mit zuviel Logik sollte man nicht an den Film rangehen (sagt Barilli im Interview ja auch selber). Da wird der Zuschauer erstmal sehr lange im Dunkeln gelassen und auch das Ende kann man nicht wirklich als Auflösung bezeichnen, da noch sehr viele Fragen offen bleiben. Aber sowas sehe ich bei einem Film dieser Art nicht so eng, so lange er zu faszinieren weiß und das schafft er mühelos.

Ein ganz guter Vergleich scheint mir MALASTRANA zu sein, der hat eine sehr ähnliche Stimmung und, wenn ich mich richtig erinnere, auch ein paar sehr ähnliche Szenen. Komisch, dass diese Parallelen hier noch keiner erwähnt hat.

Naja, wie dem auch sie, beides sehr außergewöhnliche Filme, die mit dem typischen Giallo aber kaum vergleichbar sind.

PS: Die Aufregung über Mimsy ist völlig übertrieben, ich fand sie sogar sehr passend in der Rolle.



Robin Hood und die Dämonen des Satans (Alfio Caltabiano, 1970)

Diesen Film wollte ich schon länger mal sehen. Erstens weil der Genre-Mix aus Abenteuer, Gruselfilm und Komödie interessant klang und zweitens weil Karin Schubert mitspielt.

Der Anfang macht mit seiner Gothic-Atmosphäre auch erstmal einen nicht schlechten Eindruck. Dazu Karin Schubert in einem knappen Outfit, die von ein paar finsteren Gestalten bedroht wird, bis Robin Hood sie rettet und irgendein Geheimbund von Dämonen hat wohl auch noch seine Finger im Spiel. Leider geht dem Film dann schnell die Puste aus und was bleibt ist harmlose Abenteuer-Unterhaltung garniert mit langweiligen Prügeleien und misslungenen Witzchen. Karin Schubert hat deutlich zu wenig Screentime, Carlo Rustichelli kann mit seiner Musik auch kaum Akzente setzen und bis auf ein paar ganz ansehnliche Kulissen wirkt die Inszenierung auch reichlich uninspiriert.

Ein klein wenig Kuriositätenwert möchte ich dem Film ja noch zusprechen, aber ansonsten ist er selbst als anspruchslose Unterhaltung kaum zu gebrauchen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 01:31 
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Julia und die Geister (Federico Fellini, 1965)

Unglaublich! Fellinis absolutes Meisterwerk?

Was ich bisher von Fellini gesehen habe, fand ich zwar oft interessant, aber vollkommen überzeugen konnte mich es dann doch meist nicht. Doch bei diesem Film habe ich das Gefühl, er bietet die Fellini-typischen Qualitäten in geballter Form, ohne dabei allerdings so unzugänglich zu sein wie beispielsweise SATYRICON.

Schon die Welt, die der Film präsentiert, wirkt absolut unwirklich und wie beherrscht von Luxus und Extravaganz. Dies kombiniert mit dem an Einfallsreichtum überbordenden Inszenierungstil sorgt für eine schier unfassbare Bilderflut, ein Farbenrausch, der beinah im Sekundentakt auf den Zuschauer einprasselt und sich ständig zu übertreffen scheint. Die Ausstattung und die Kostüme - vor allem der Frauen (u.a. Sylva Koscina!) - sind ebenfalls von überwältigender Pracht. Und auch Nino Rotas Musik, die ich in anderen Filmen, meist nicht besonders erinnerungswürdig fand, ist hier sehr präsent und untermalt das Geschehen perfekt. Der Grusel-Anteil, den der Titel ja schon andeutet,ist natürlich kaum mit herkömmlichen Horrorfilmen vergleichbar, trotzdem gelingen Fellini aber auch in dieser Hinsicht ein paar subtile, aber umso wirkungsvollere Sequenzen.

Was soll ich sagen? So einem Film wird man mit Worten kaum gerecht werden, genauso wie eine Inhaltszusammenfassung hier keinen Sinn macht. Aber wer sich in irgendeiner Weise für skurille Bilderwelten begeistern kann, dem möchte ich diesen Film ausdrücklich ans Herz legen. Wer meint Regisseure wie Mario Bava und Dario Argento seien die visuellen Künstler, der hat zwar sicherlich Recht, aber was Fellini hier schon im Jahre 1965 geschaffen hat, ist absolut ebenbürtig. Was für eine wunderbare Vielfalt an hochtalentierten Künstlern das italienische Kino doch bietet!

Also nicht abschrecken lassen, nur weil der Film unter Arthouse läuft. Ohne jetzt zu überschwenglich klingen zu wollen, möchte ich doch sagen, dass man es hier mit einem einzigartigen Ausnahme-Werk zu tun hat.


PS: Ich fände es echt interessant, wenn jemand hier, der von Fellini noch nichts gesehen hat oder nicht viel mit ihm anfangen konnte, mal diesen Film antestet und dann hoffentlich genauso begeistert ist wie ich.



Komm, wir machen Liebe (Marino Girolami, 1975)

Valentina (Edwige Fenech) und Giovanni (Ray Lovelock) sind ein frisch verheiratetes Paar mit einem akutem Problem: Im Bett regt sich bei ihm rein gar nichts. Schwiegermutter (Carroll Baker) und Onkel (Renzo Montagnani) stehen dem Armen mit Rat und Tat zur Seite, doch nichts scheint zu helfen...

Edwige Fenech hat schon so manchen Film erträglich gemacht und das klappt auch hier wieder ganz gut. Denn wirklich ergiebig ist die Geschichte nicht, dramaturgisch recht holprig und auch der Humor zündet nur selten. Immerhin spart der Film nicht an Nudity und auch ein paar kuriose Einlagen können das Geschehen etwas auflockern, so campiert z.B. in der Nähe eine Gruppe von amerikanischen (!) Nudisten, Edwige Fenech betreibt zu klassischer Musik Gymnastik und Ray Lovelock verführt seine Angebetete in einer Traumsequenz im Superman-Kostüm. Auch die Auflösung ist dann etwas, ähm, seltsam. Und um das Gesamtbild noch einigermaßen abzurunden, sind auch das Setting und die Musik recht nett ausgefallen und Fans des typischen 70er-Looks dürften ebenfalls auf ihre Kosten kommen.

Hab mir zwar etwas mehr von dem Film versprochen, aber so schlimm wie anfangs noch befürchtet war's dann letztendlich doch nicht.



Sexual-Terror der entfesselten Vampire (Jean Rollin, 1971)

Ein Pärchen ist auf der Hochzeitsreise, die Frau möchte in einem Schloss ihre Cousins besuchen. Doch sie ahnen nicht, dass dort Vampire ihr Unwesen treiben...

Mit Rollin tue ich mich immer noch etwas schwer. Immerhin kann ich aber sagen, dass dieser Film mir schon mehr zugesagt hat als DIE EISERNE ROSE und DIE NACKTEN VAMPIRE.
Beginnen wir also mal mit den positiven Seiten. Die Kulissen und Locations sind wirklich stimmungsvoll gewählt, was in Verbindung mit dem Feuerwerk an grellen Farben für einige grandiose Bilder sorgt. Leider war der Soundtrack gar nicht mein Fall - Rock-Gedudel und E-Gitarren-Einlagen sind nun wirklich das letzte, was ich in so einem Film hören will, ja teilweise zerstören sie sogar die Atmosphäre. Aber einige Momente, in denen Musik und Bilder harmonieren, gab es dann zum Glück doch noch. Trotzdem bin ich der Meinung, dass beinah jeder zweit- oder drittklassige Komponist aus Italien hier was Schöneres hätte abliefern können.
Das nächste Problem ist: Bei Rollin hab ich manchmal das Gefühl, dass er dem Zuschauer relativ nüchtern abgefilmte Szenen als Atmosphäre verkaufen will und die "Tiefgründigkeit" in den Dialogen und in der ungewöhnlichen Herangehensweise an die Vampir-Thematik erschließt sich mir auch nicht so ganz. Bedeutungsschwanger und bemüht - so wirken diese Filme teilweise auf mich.
Aber versteht mich nicht falsch, ich möchte ihn jetzt nicht vollkommen schlechtreden, von den drei Rollin-Filmen, die ich bisher gesehen habe, fand ich diesen, wie gesagt, trotzdem am unterhaltsamsten. Und zumindest visuell ist er in vielen Szenen ein Hochgenuss! Dass ich noch zum großen Rollin-Fan werde, bezweifel ich aber langsam doch.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 01:36 
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Die Frau vom heißen Fluss (Jose Maria Forque, 1978)

Eine Frau (Laura Gemser) und ein Mann (Stuart Withman), die sich beide nicht kennen, fahren im Anhänger eines Autos mit. Dies bildet allerdings nur die Rahmen-Handlung, die keine große Rolle spielt. Im Mittelpunkt stehen die Gespräche der beiden, wie sie ihre Liebesbeziehungen, Schicksalsschläge und Enttäuchungen auswerten, was dem Zuschauer in Rückblenden präsentiert wird...

Was sich jetzt sicher nicht besonders interessant anhört, ist tatsächlich auch oft langatmig und geschwätzig. Wer auf der Suche nach sleazigem Erotik-Schund ist (bin ich natürlich nicht ), wird schnell merken, dass er hier an der falschen Adresse ist, denn der Film gibt sich alle Mühe, tiefsinnig zu erscheinen. In dieser Hinsicht gibt es ein paar ganz wenige gelungene Ansätze, aber meist wirkt das alles schon sehr unbeholfen und bemüht, und dass auf Klamaukszenen dann doch nicht ganz verzichtet wurde, steht auch im Widerspruch zu der sonst betont ernsten Gangart. Zumindest das Ende ist dann noch ganz interessant gemacht.
Die Darsteller (Gabriele Tinti ist auch dabei) machen ihre Sache solide, wie Laura Gemser zum Sexsymbol werden konnte, muss ich mich aber doch immer mal wieder fragen, so toll ist sie nun auch nicht.
Carlo Savinas Score kommt sehr italo-typisch und EasyListening-mäßig daher, der hätte ruhig noch öfter zum Einsatz kommen können.

Bleibt also ein Film, der zwar eine ungewöhnliche Herangehensweise bietet, aber dann doch oft an seinem eigenen Anspruch scheitert, und es damit dem Zuschauer schwer macht.



Von Haut zu Haut (1969, Hans Schott-Schöbinger)

Die Geschichte handelt von zwei Zwillingsschwestern, die sich auf seltsame Weise miteinander verbunden fühlen. So erlebt zum Bsp. die eine mit, wenn die andere mit ihrem Mann schläft. Weiterhin spielen auch noch ein geheimnisvoller Antiquitäten-Händler (keine Ahnung, in wie fern die Ähnlichkeit mit Hitler beabsichtigt ist) und ein nicht minder merkwürdiger Typ, der scheinbar dessen Handlanger ist, eine Rolle...

Seltsam, merkwürdig und geheimnisvoll - möchte man den Film beschreiben, kommt man an diesen Begriffen kaum vorbei. Noch stärker als bei seinem ein Jahr eher entstandenen ANDREA - WIE EIN BLATT AUF NACKTER HAUT geht Schott-Schöbinger hier in eine herrlich verschrobene, obskure, ja teilweise sogar leicht psychedelische Erotik/Mystery-Richtung. Dieses verschlafene Städtchen mit seinen dunklen, verwinkelten Gassen ist dafür der ideale Schauplatz. Mal wieder ist auch die Musik von Hans Hammerschmidt über jeden Zweifel erhaben und pendelt zwischen dem typischen damals zeitgemäßen Stil und fast schon klassischen Anflügen. Und neben anderen nicht zu verachtenden Damen hat die bezaubernde Dagmar Lassander wieder eine interessante Rolle.

Letztlich fällt es bei Filmen dieser Art immmer schwer, die Faszination in Worte zu fassen, daher sag ich nur nochmal ausdrücklich: Unbedingt ansehen und staunen, was für Filme mal in Deutschland entstehen konnten!



Die Geliebte des Vampirs (Renato Polselli, 1960)

Eine Gruppe von Ballett-Tänzerinnen ist in einer Villa in wäldlicher Gegend untergebracht. Da es in letzter Zeit öfter zu Angriffen auf junge Frauen kam, geht die Legende von einem Vampir rum. Als die Gruppe eines Tages einen Ausflug in den Wald macht und ein Unwetter aufzieht, finden sie in einem nur scheinbar verlassenem Schloss Unterschlupf und geraten schnell in den Bann der dort hausenden Kreaturen...

Ein Frühwerk von Ausnahme-Regissseur Renato Polselli, in dem er natürlich noch nicht so über die Stränge schlägt wie in seinen späteren Filmen. Im Grunde eine typische Vampir-Geschichte, wie man sie so ähnlich schon öfters gesehen hat. Das Erzähltempo ist dabei recht schleppend, Überraschungen gibt es kaum, aber immerhin sind die kontrastreiche Schwarzweiß-Fotografie und die stimmigen Locations für einige gelungene Aufnahmen gut. Die Idee, eine Ballet-Gruppe in den Mittelpunkt zu rücken, ist vielleicht noch mit das Beste am Film, denn damit ist für viele schöne Frauen gesorgt, was auch die teils recht ausgedehnten Tanz-Szenen erträglich macht. Ansonsten kommt der Film aber einfach eine Spur zu gemächlich und ideenlos daher, um wirklich überzeugen zu können, auch wenn es immer wieder gute Ansätze gibt.

Für Freunde klassischer Gruselstreifen sicher trotzdem nicht ganz uninteressant.

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The Child - Die Stadt wird zum Alptraum (Aldo Lado, 1972)

Ein recht ungewöhnlicher Giallo, so wie man es von Aldo Lado gewöhnt ist. Bei der Handlung fallen sofort einige Paralleln zu WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN auf. Allerdings würde ich das nicht zwangsläufig als Nachteil sehen, nur weil sich zwei Film ähneln, bedeutet das ja nicht, dass sie nicht trotzdem jeweils auf ihre Weise überzeugen können.
Für solche düsteren, mysteriösen Geschichten bietet Vendedig natürlich die perfekte Kulisse, aber auch in gestalterischer Hinsicht, was z.B. Ausleuchtung u. Bildkompositionen angeht, nutzt der Film sein Potential sehr gut. Morricones Score ist dafür etwas gewöhnungsbedürftig geraten, etwas was ich wirklich selten sage, über die Arbeiten des Meisters. Ganz ohne Schwachstellen kommt der Film dann auch nicht aus. Während der langsame Aufbau der Geschichte anfangs noch interessant wirkt, schleicht sich dann im weiteren Verlauf schon manchmal etwas Trägheit ein, auch die Auflösung wirkt für Giallo-verhältnisse und vor allem auch im Vergleich zum Rest des Films schon fast zu konventionell. Da hätte ich mir noch etwas mehr erhofft.
Widerum sehr beachtlich ist die Besetzung. Auf weiblicher Seite können u.a. Anita Strindberg und Dominique Boschero nicht nur optisch beeindrucken. George Lazenby hat mich zwar nicht 100%ig überzeugt, macht seine Sache aber solide. Und dafür spielt Nicoletta Elmi ihre Rolle umso überzeugender, da möchte man am liebsten mit allen Mitteln verhindern, dass ihr sowas Schreckliches zustößt.



Abendessen mit anschließendem Frühstück (Giorgio Capitani, 1977)

Bruno (Enrico Montesano) ist total am Durchdrehen da ihn seine Frau verlassen hat. Auf der Suche nach einem Telefon, um sie zu erreichen, landet er in einer WG von Frauen, die sich eigentlich geschworen haben, nichts mehr mit Männern anzufangen, für ihn machen sie dann aber doch eine Ausnahme. Und das turbulente Treiben nimmt seinen Lauf...

Giorgio Capitani hatte bei seinen Komödien mit Enrico Montesano (der auch am Drehbuch beteiligt war) echt den Dreh raus. Den drei Jahre später entstandenen und vom gleichen Team stammenden ICH HASSE BLONDINEN hab ich ja auch schon ein paar mal lobend erwähnt. Was eigentlich recht beachtlich ist, da diese Filme aus einer Zeit sind, als die Italo-Komödien schon immer schwächer wurden. Nur selten ist der Humor etwas zu laut und überdreht, meistens funktioniert er aber prächtig und hat ein paar wirklich amüsante Einfälle auf Lager. Die Wohnung, in der ein Großteil des Films spielt, ist schön extravagant gestaltet, aber es gibt auch ein paar Location-Wechsel, damit es nicht zu eintönig wird. Außerdem sind in Nebenrollen Jacques Herlin und Adolfo Celi zu sehen, Letzteren hab ich kaum erkannt (siehe mittleres Bild).

Kann man auf jeden Fall zu den gelungeneren Italo-Komödien zählen. Ich find's ja immer noch schade, dass diese Filme so ein Schattendasein fristen. Aber was will man machen, außer in einem feinen Forum wie diesem Threads zu eröffnen und zu hoffen, dass ein paar wenige Leute vielleicht doch aufmerksam werden.



Spasmo (Umberto Lenzi, 1974)

Vor allem zu Beginn schon ein regelrechtes Verwirrspiel, das mit all seinen Merkwürdigkeiten dann doch mein Interesse wecken konnte. Angefangen bei den undurchschaubaren Charakteren, dann diese bizarr anmutenden Puppen im Wald, die verschwundene Leiche, der Einbruch in das Haus, die seltsamen Bewohner, und und und. Auch inszenierungstechnisch alles im grünen Bereich, auch wenn Lenzi sicher nicht zu den ganz großen Künstlern im Genre zählt. Dazu liefert Morricone einen soliden Score und an den Darsteller/innen habe ich auch nichts auszusetzen. Robert Hoffmann bringt den Wahnsinn recht überzeugend rüber, Ivan Rassimov und Guido Alberti sind immer gern gesehen und Suzy Kendall finde ich ja auch irgendwie sehr attraktiv.

Sicher liegt es zum Großteil auch einfach an meiner Vorliebe für den Giallo, aber ich bin immer noch der Meinung, dass Lenzis Arbeiten in dem Genre einfach noch einen Tick überzeugender sind als seine Poliziescos.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Teenager lieben heiß (Mario Imperoli, 1975)

Also eins ist mal klar, spätestens nach dem Vorspann weiß man, was Gloria Guida für einen tollen Hintern hat, denn da kann man sich die titelgebenden Blue Jeans erstmal pausenlos in Nahaufnahme ansehen. Überhaupt ist sie in diesem Film absolut bezaubernd. Auch die Inszenierung im besten 70s-Style weiß zu gefallen. Das Schloss bietet ein ungewöhnliches Setting für so einen Film und sorgt für ein nettes Flair. Auf die Ohren gibt's Nico-Fidenco-Sound vom Feinsten. So weit also alles sehr gelungen. Das Problem ist, dass der Film etwas unentschlossen wirkt: So ganz ernst nehmen kann man ihn als Drama nicht, als Komödie ist er aber auch nicht angelegt. Das Ende ist dann sogar überraschend dramatisch und tragisch, was, wie ich finde, dann auch wieder zu überzogen und daher etwas deplatziert wirkt. Aufgrund der schönen Inszenierung und der schönen Gloria Guida, fallen diese Schwachpunkte aber nicht so negativ ins Gewicht.

Wer also Gloria Guida mal in einer ihrer vielleicht besten Rollen sehen will und keine Lust auf zu argen Klamauk hat, der dürfte mit dem Film gut bedient sein.



Death Falls Lightly (Leopoldo Savona, 1972)

Als Giorgio nach Hause kommt findet er seine Frau ermordet vor. Da er kein Alibi hat, kommt er auch als Täter in Frage. Außerdem ist er in Drogengeschäfte mit hohen Persönlichkeiten verwickelt, die ebenfalls daran interessiert sind, dass die Polizei nicht auf ihn aufmerksam wird. Aus diesem Grund bringt ein Bekannter Giorgio und seine Freundin in einem leerstehenden Hotel unter, in dem er sich erstmal für ein paar Tage verstecken soll...

Da hat Leopoldo Savona hier doch einen waschechten Giallo inszeniert, der es durchaus wert ist, wiederentdeckt zu werden. Während der Film anfangs noch etwas geschwätzig daher kommt, wird es schon bald interessanter. Denn die beiden stellen fest, dass sie in dem Hotel wohl doch nicht so alleine sind wie sie dachten und die mysteriösen Vorfälle häufen sich und nehmen immer bizarrere Formen an. Ein paar kurze Traumsequenzen und eine schön düstere Atmosphäre gibt es ebenfalls zu bestaunen. Zu viel möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, da das die Spannung nehmen würde. Interessant ist auch die Musik, das gesungene Main Theme kommt ungewöhnlich rockig daher und der Rest von Lallo Goris teilweise etwas westernmäßig anmutendem Score passt zwar nicht immer 100%ig, kommt aber trotzdem ganz cool rüber. Stelio Candelli liefert eine passable Leistung in der Hauptrolle, die Darstellerinnen sagen mir diesmal nichts, können aber auch überzeugen und Fernando Cerulli und Tom Felleghy dürften Gesichter sein, die jeder Italo-Fan schon mal gesehen hat.

Das letzte Quentchen, um vollends überzeugen zu können, fehlt dem Film dann zwar, aber Giallo-Fans sollte das nicht davon abhalten, hier mal einen Blick zu riskieren.



Sklaven ihrer Triebe (Ottavio Alessi, 1969)

Diese ganze Geschichte um den Sohn hat ja eigentlich einen recht tragischen Aspekt, nur kann man den beim besten Willen nicht ernstnehmen. Dafür ist Machart einfach zu absurd. Das kombiniert mit der Brachial-Psychologie, den widerlich dekadenten Charakteren, den haarsträubenden Dialogen und überhaupt skurillen Einlagen am laufenden Band, bietet wahrlich ein Filmerlebnis der besonderen Art. Edwige Fenech ist schön wie eh und je, Rosalba Neri kann als Sadistin auftrumpfen und das erste Auftauchen von Beba (Ewa Thulin) und die Annäherung mit Tony, sind ja wohl herzzerreißende Szenen (man beachte auch die sowieso großartige Musik!), das Ende nimmt dann ja aber einen ganz und gar nicht romantischen Verlauf. :o Die Versammlung von schönen Frauen wird lediglich etwas durch Maud Belleroche gestört, wäre doch der Hammer gewesen, wenn man für diese Rolle noch jemanden wie Nieves Navarro engagiert hätte. :D

Was den Filmgenuss aber wirklich stört ist diese unsägliche Bastelfassung des deutschen Verleihs (?). Diese Szenen mit den Polizisten sind ja mal absolut sinnentleert, selbst wenn sie für sich genommen zwar auch Amusement bieten, so wirken sie hier doch wie Fremdkörper. Ich nehme ja mal an, dass der Film ansonsten nur auf der Yacht und der Insel spielen würde, fast wie in seiner eigenen, abgeschlossenen Welt regiert von Dekadenz und Irrsinn. Da dachte man vielleicht, dass man das dem Zuschauer nicht zumuten kann und wollte daher noch ein paar "normale" Szenen mit einbringen. Und ich vermute, genau das raubt dem Film einen Teil seiner beabsichtigten Wirkung.
Das nächste Ärgernis ist dann das stümperhaft montierte und sinnentstellende Ende.

Also, ein Film mit viel Potential, den ich gerne mal in seiner ursprünglichen italienischen Fassung sehen würde (falls sowas überhaupt noch existiert) und dann vielleicht auch lieber mit originalgetreuen Untertiteln anstatt der zwar amüsanten, aber auch ziemlich bekloppten Synchro. Das Label, das diese Fassung veröffentlicht (die dt. Fassung kann ja als Kuriosität auch mit drauf), hat ein Denkmal verdient!

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Totentanz der Hexen 2 (Umberto Lenzi, 1989)

Luke (Andy J. Forest - ein Edelmime ganz besonderer Güte :lol: ) hat einen immer wiederkehrenden Albtraum: er läuft in ein Landhaus und sieht dort wie eine alte Frau seinen Kopf in einen Kessel wirft. Als er aus einer psychatrischen Einrichtung entlassen wird, schlägt seine Frau zur Erholung einen Trip auf's Land vor. Doch der Aufenthalt entpuppt sich als Schrecken, denn wie sich schnell herausstellt, handelt es sich dort um genau das Haus aus seinen Träumen und die mysteriösen Ereignisse lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten...

Eigentlich ja eine ziemlich plakative Aneinandereihung von Horrorfilm-Versatzstücken, da darf die schwarze Katze ebenso wenig fehlen wie ein alter Hexenfluch, und das Ganze verläuft dann meist schon recht vorhersehbar. Lediglich gegen Ende wird es etwas interessanter, selten gibt es auch mal einen überraschenden Einfall und der Schluss beweist mit seiner konsequenten Drastik zumindest Mut. Zugestehen muss man dem Fim außerdem, dass er durchaus bemüht wirkt, Gruselstimmung zu erzeugen und manchmal gelingt ihm das sogar, die Aufnahmen des nebligen Gartens oder der plötzliche Schnee-Einfall im Keller zum Bsp. können stimmungsmäßig echt überzeugen. Vielleicht hilft es ja doch ein bisschen, dass mit Lenzi ein erfahrener Regisseur am Werke war und Kameramann Giancarlo Ferrando konnte sein Talent ja auch schon in den goldenen 70ern beweisen. Ebenfalls an diese Zeit erinnert das Mitwirken von Paul Müller und Tom Felleghy. Im allgemeinen sorgen die Darstellerleistungen und Dialoge (bzw. Synchronsprecher) aber eher für Trash-Charme, so dass man ständig zwischen unfreiwilliger Komik und Grusel hin und her gerissen ist.

Wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine TV-Produktion von 1989 handelt, dann ist der Film allerdings schon fast erstaunlich gut goutierbar. Zumindest wirkt er nicht völlig uninspiriert und ist auch handwerklich solide in Szene gesetzt. Wenn man weiß worauf man sich einlässt und nicht zu hohe Erwartungen hat, also durchaus ein Film, der brauchbare Unterhaltung bieten kann.

Das Label CCI hat den Film unter dem Titel TOTENTANZ DER HEXEN 2 veröffentlicht. Die DVD ist ungeschnitten, sehr günstig zu haben und damit kann man sich auch die Hartbox von X-Rated sparen.



Die Gruft (Lamberto Bava, 1987)

Ein paar Teenager überfallen einen Supermarkt (ok, eigentlich lassen sie nur ein paar Kleinigkeiten mitgehen). Auf der Flucht vor der Polizei verfahren sie sich im Wald und schließlich macht dann auch noch ihr Wagen schlapp. Als sie nun ihren weiteren Weg zu Fuß bestreiten, stoßen sie plötzlich auf düstere Vorzeichen: ein alte Pferdekutsche kreuzt ihren Weg und im Dickicht schleicht eine finstere Gestalt umher. Schlussendlich finden sie dann doch noch einen Gasthof, in dem noch Licht brennt, doch eine wirklich anheimelnde Stimmung herrscht auch dort nicht und der Wirt verspricht der Gruppe einen Schatz als Belohnung, wenn sie es schaffen, eine Nacht in der Gruft zu überstehen...


Der erste Eindruck ist 80er-Schund der übelsten Sorte. Die Knallchargen von Darstellern nerven mit neunmalklugen, pseudocoolen Sprüchen. Wo in den 70ern oft noch ein sympatischer Charme herrschte, regiert hier ein uninspirierter Billiglook. Die ganze Einleitung bringt weder die Handlung voran noch sonst irgendwas. Mit Ankunft in dem Gasthof hofft man dann auf Grusel-Atmophäre und auch wenn der Film in dieser Hinsicht vielleicht noch am ehesten was zu bieten hat, so hat auch das nicht viel zu heißen. Denn letztendlich beschränkt sich der Grusel-Anteil auf ewiges Hin- und Her-Gerenne in dunklen Gruften und die paar schrägen Gestalten (von Zombies und Werwölfen ist öfters mal die Rede?) und billigen Effekte, die da immer mal wieder auftauchen, dürften nun wirklich niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken. Lediglich eine Szene, in der ein paar der "Zombies" ganz edel am Esstisch Platz nehmen und dort allerlei ekliges Viechzeug verspeißen, verbreitet auf fast schon überraschende Weise etwas surreales Flair. Aber sich nur dafür durch den Rest des Films zu quälen, lohnt nun nicht nicht unbedingt.

Ein Minimum an Atmosphäre möchte ich dem Film zumindest in ein paar Szenen bescheinigen, ansonsten fällt mir aber kein Grund ein, der das Ansehen rechtfertigen könnte.



Die Liebeshexen vom Rio Cannibale (Edoardo Mulargia, 1980)

Schauplatz ist ein Gefangenenlager für Frauen irgendwo tief im Dschungel. Schikanen, Misshandlungen und Mord von Seiten der sadistischen Wärter sind an der Tagesordnung. Der Einzige, der sich noch etwas Menschlichkeit bewahrt hat, ist der alkoholabhängige Arzt, der dann bei einem Fluchtversuch helfen soll...

Dem Film mangelt's schlicht und einfach an Spannung. Die Sleaze-Messlatte liegt stellenweise doch erstaunlich hoch, da gibt es z.B. ausgiebige Sexszenen, die teils schon an Hardcore grenzen. Doch die sonstige Machart ist eher trist und nicht wirklich mit vielen Einfällen gesegnet, immerhin in einigen Momenten passt der dreckige Look ganz gut zur hitzigen Atmosphäre. Luciano Pigozzi spielt den Oberwiderling auf eindrucksvoll schmierige Weise und das Interessanteste am Film ist eigentlich noch Anthony Steffens Rolle als gute Seele und Arzt des Camps, mit Vorliebe für Alkohol und klassische Musik. Und Marcello Giombinis Scores mag ich ja auch meistens, hier durfte er sich mal wieder etwas am Synthesizer austoben.

Sleaze + Dschungelabenteuer hört sich im Prinzip nicht schlecht an, doch zu einer wirklich unterhaltsamen Sause reicht's nicht, dafür bietet der Film zu wenig Drive. Für Freunde schundiger Italo-Auswüchse trotzdem ein brauchbarer Zeitvertreib.

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Susanna, süß wie Sahne (Steno, 1957)

Susanna arbeitet in einer Konditorei und ist eine der wenigen, die das streng gehütete Rezept für die Torte "Susanna tutta panna" kennt. Als sie das Rezept eines Tages in einer Torte versteckt, sorgt eine Verwechslung für eine turbulente Kettenreaktion. Denn neben ihrem extrem eifersüchtigen Verlobten, der dahinter einen Liebesbrief vermutet, gibt es noch viele Interessenten an der geheimen Rezeptur. Auch drei tollpatschige Ganoven, die einen Einbruch im Stil von Rififi planen, kommen noch mit in's Spiel und schlussendlich mündet dann alles in einem Shakespeare-Theater...

Das Problem bei Komödien ist, selbst wenn sie mich, wie in diesem Fall, absolut begeistert haben, fällt mir oft nicht viel ein, was ich dazu schreiben soll, da es ja nicht viel Sinn macht, Handlungsstränge und Gags, die auf Situationskomik beruhen, nachzuerzählen.
Ich möchte aber so viel sagen: hier handelt es sich um Slapstick vom Feinsten, italienischer Humor, wie er schöner kaum sein kann. Keine schwermütige Gesellschaftskritik, keine tragischen Liebesdramen, hier steht schlichtweg der Spaß an Verwechslungen, Verwicklungen und schrägen Charakteren gewürzt viel italienischem Temperament im Mittelpunkt. Und selten wurde das so gelungen umgesetzt! Der gesamte Cast strotzt nur so vor Spielfreude und nebenbei weiß die Hauptdarstellerin auch optisch in einigen, für die 50er-Jahre sicher gewagten Szenen, zu gefallen.

Ein wunderbares Beispiel für die These, die ich hier schon oft rauf- und runtergebetet habe, dass die Italo-Komödien der 50er und 60er die besten sind!



Zeig mir das Spielzeug des Todes (Mario Gariazzo, 1971)

Ein Mann kehrt nach Hause zurück und findet seine Frau und seinen Sohn ermordet und sein Haus niedergebrannt vor. Einzig eine kleine Trommler-Figur findet er in den Trümmern und er macht sich auf den Weg, um die Schuldigen aufzuspüren...

Wie man an der Inhaltsangabe unschwer erkennen, handelt es sich hier einmal mehr um eine typische Rachegeschichte. Am Anfang knallt es da auch erstmal Schlag auf Schlag, ständig tauchen neue Särge auf, die darauf warten, gefüllt zu werden. Sehr simpel und straight-forward ist der Eindruck, den der Film macht, aber das muss ja kein Nachteil sein, denn ansonsten ist das ein Western genau nach meinem Geschmack. Ich liebe diese Drehorte: die grünen Wiesen und herbstlichen Wälder sorgen für ein unverkennbar italienisches Flair, auch die berühmten Wasserfälle sind mal wieder dabei und dass diese früh-70er-Western oft einen trashigen Einschlag haben, macht die Sache nur noch unterhaltsamer. Ein paar interessante Aspekte gibt es abseits der Simpel-Geschichte dann doch noch, so machen z.B. die Rückblenden einen recht bizarren Eindruck und die Idee mit dem Aufzieh-Männchen, das immer zum Einsatz kommt, bevor jemand dran glauben muss, ist auch mal was anderes (auch wenn man Ähnliches natürlich schon in anderen Western gesehen hat). Die Musik ist nicht besonders auffällig, passt aber ebenfalls. An dieser Stelle muss man aber erwähnen, dass hier teilweise Morricones Score aus DIE GRAUSAMEN recyled wurde, diese beschleunigte Version zu Beginn hört sich auch etwas merkwürdig an. An bekannten Gesichtern kann der Italo-Fan u.a. Gordon Mitchell, Bruno Corazzari und Giuseppe Castellano in Nebenrollen erblicken und Ty Hardin trägt seinen fetten Schnäuzer in der Hauptrolle zur Schau. Nur schade, dass Rosalba Neris Rolle sehr klein ausgefallen ist.

Wie reggie ja schon näher beschrieben hat, ist die dt. DVD-Version gekürzt, bis auf ein paar Ungereimtheiten und unsaubere Szenenübergänge ist die Fassung aber ansehbar. Das Bild geht auch in Ordnung und dürfte annähernd Originalformat haben.


Wer, wie ich, mit glattgebügelten Ami-Western-Klonen nicht viel anfangen kann und stattdessen eher die dreckigen und trashig angehauchten 70s-Western bevorzugt, der kann ruhig die paar Euro in die LP-DVD investieren.



Tödlicher Ritt nach Sacramento (Giuseppe Vari, 1967)

Idaho-Kent (Mike Marshall) ist Kurierreiter und soll einen Brief, der den zukünftigen Senator belastet, überbringen. Da das dessen politische Karriere beenden würde, setzt dieser alles daran, dass der Reiter sein Ziel nicht erreicht...

Über diesen Genrebeitrag von Giuseppe Vari habe ich bisher nicht viel gelesen und wenn, dann kaum was Positives, daher war die Überraschung umso größer. Zugegeben, der Film hat ein paar kürzere Durststrecken, z.B. die Szenen, in denen der Held auf eine Goldgräber-Familie trifft, sind etwas lahm geraten, aber der Gesamteindruck ist doch ein sehr kurzweiliger. Wirklich gut gefällt mir, dass hier viele lebendige Außenaufnahmen mit eingebunden wurden - fleißig wird da durch die schönen Landschaften geritten. Das Ganze unterlegt von dem durchaus netten Score Lallo Goris, auch wenn ich eines der Stücke schon in mindestens einem anderen Western gehört habe.
Der gelackte Senatoranwärter (Andrea Bosic) mit krimineller Vergangenheit und seine nicht weniger durchtriebene Frau (Helene Chanel) geben auch eine ganz interessante Konstellation ab. Ebenso wie ich den Einfall, ein Duell mit einem Klavierstück zu timen, recht gelungen fand. Am Script soll übrigens auch Fernando Di Leo beteiligt gewesen sein. Die Synchro hat ein paar Kalauer auf Lager, hält sich aber in Grenzen und hat mich in dem Fall nicht gestört.

Zu einem echten Überflieger reicht's zwar nicht, aber dieser grundsolide, schön inszenierte und auch mit ein paar gelungenen Einfällen gespickte Film sollte Westernfans gute Unterhaltung bieten.

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Grimms Märchen von lüsternen Pärchen (Rolf Thiele, 1969)

Müsste ich eine Rangliste der unglaublichsten Filme, die mir bisher untergekommen sind, aufstellen - diesem wäre einer der vorderen Plätze sicher! Im Grunde handelt es sich hier um eine Verquirlung verschiedenster Märchenmotive, von "Schneewittchen" über "Hans im Glück" bis "Aschenputtel", alles dabei. Aber wie das umgesetzt wurde, das kann man nur mit einem Wort beschreiben: PSYCHEDELISCH!

Da tummeln sich sprechende Tiere im Wald, die über Schneewittchen herfallen wollen, eine Hexe mit grell-blauen Haaren treibt ihr Unwesen, in einer Szene reiben die sieben Zwerge das nackte Schneewittchen mit Farbe ein und überhaupt gibt es so viele kleine und große Skurrilitäten, die man sich kaum alle merken kann. Auch überraschend drastisch wird es stellenweise, wenn z.B. die böse Königin (die widerum mit grell-roten Haaren) die "Drüsen" ihrer Stieftochter verspeist, Aschenputtels Stiefschwestern mal eben in Großaufnahme an ihren Füßen rumsäbeln, damit sie in den Schuh passen und sogar Kannibalen spielen eine Rolle (da wird es dann wirklich erstaunlich düster). Man sagt ja nicht umsonst, dass Märchen auch ziemlich brutal sein können. Dass diese Szenen zum großen Teil aber eher augenzwinkernd präsentiert werden, hat scheinbar sogar die FSK verstanden, die den Film ab 16 freigegeben hat.
Die damals 19-jährige Marie Liljedahl, die ja ein Jahr später auch in einem von Jess Francos besten Streifen dabei war, spielt das Schneewittchen. Die musikalische Untermalung des bizarren Treibens ist ebenfalls ein kleines Highlight für sich, bei dem mir wieder kein passenderer Begriff als "psychedelisch" einfällt, in diesem Zusammenhang wirken selbst die schlagermäßigen Lieder, die da geträllert werden, richtig surreal. Inszenatorisch ist das ebenfalls voll auf der Höhe der Zeit, da gibt's beispielsweise schräge Kameraperspektiven, wie sie Jess Franco auch gerne mal in seinen Filmen verwendet hat. Beachtlich ist außerdem, dass das Geschehen nie zu sehr in Richtung dümmlichen Klamauk abdriftet, sondern trotz oder gerade wegen seiner höchst-merkwürdigen und obskuren Machart eine interessante Balance findet.

Eigentlich eine Riesenschande, dass so ein Film kaum bekannt ist und es immer noch nicht zu einer DVD-VÖ geschafft hat. Toppic hat damals mehrere Auflagen rausgebracht, meine VHS trägt den Titel "Schneewittchen ...doch ein Flittchen?".

Eine wahre Sternstunde des deutschen Kinos!



Provinz ohne Gesetz (Mario Bianchi, 1978)

Es geht um eine Organisation, die hohe Persönlichkeiten mit freizügigen Bildern, die sie vorher heimlich in einer schmierigen Absteige aufnehmen, erpresst und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Doch ein knallharter, aufgrund seiner Methoden vom Dienst suspendierter Polizist heftet sich an ihre Fersen...

Ja, dieser Lino Caruana ist schon richtig liebenswert anzusehen, wie er da verzweifelt versucht, den harten Ermittler zu verkörpern. Ergänzt von einer schundigen Synchro, die in dem Fall perfekt ins Gesamtbild passt. Ein riesiges Trash- oder Sleaze-Feuerwerk sollte man nicht erwarten, dafür ist der Film doch etwas zu gemächlich und trist. Aber gerade diese akute Ereignislosigkeit und die kargen Kulissen entwickeln zusammen mit dem auf seltsame Weise dann doch charismatischen Hauptdarsteller einen ganz eigenen Charme. Mario Bianchi wäre aber nicht Mario Bianchi, wenn er hier vollkommen auf Sleaze verzichtet hätte: Da wird bei Nacktaufnahmen schon gerne mal etwas länger draufgehalten und einige der Morde sind auch recht derb. Al Cliver und Richard Harrison dürfen da natürlich ebenfalls nicht fehlen und die Cipriani-Musik sorgt sogar noch für ein Fünkchen Klasse.

Och ja, also ich würde mal sagen, als Italo-Fan mit Hang zum Außergewöhnlichen ist es fast unmöglich, diesem Film gar nichts abgewinnen zu können.



Die Todesgöttin des Liebescamps (Christian Anders, 1981)

Die Tochter eines Politikers gerät im Urlaub in die Fänge einer Sekte, die zwar fleißig Liebe predigt, aber, wie sich herausstellt, auch ihre dunklen Seiten hat..

Das nenne ich mal Unfug der gehobenen Sorte. Wer denkt sich sowas aus? Die Anwort: Christian Anders! Das Ganze ist schön farbenfroh und extravagant vor idyllischer Mittelmeerkulisse in Szene gesetzt. Und ich muss echt mal anmerken, selten sah Laura Gemser besser aus! Herr Anders hat sich scheinbar voll reingehangen in seine Rolle und greift, wenn es sein muss, auch mal auf Karate zurück. Wo die Gemser ist, ist natürlich auch Gabriele Tinti nicht weit, und der restliche Cast besteht aus größtenteils recht ansehnlichen Frauen, die leichtbekleidet in der Gegend rumlaufen.
Das Coolste sind aber definitiv die abgefahrenen Musikeinlagen!

Was es nicht alles für schräge Filmchen gibt... als Kuriosität aber allemal das Anschauen wert.

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Im Rausch der Sinne (Juan Logar, 1971)

Alexa (Rosalba Neri) hat neben zahlreichen Affären noch einen älteren Mann (Curd Jürgens) wegen seinem Geld geheiratet, doch für diesen war es die wahre Liebe. Als er von ihren Liebhabern erfährt, schmiedet er einen teuflischen Racheplan, was im Klartext heißt, er sperrt seine Frau und einen ihrer Freunde in einem speziell präparierten Raum seines Hauses ein...

Rosalba Neri ist wirklich gut in der Rolle der Nyhmphomanin und diese Outfits, die sie da teilweise trägt, sind ebenfalls ein Augenschmaus. Die Musik von Piero Piccioni groovt auch ordentlich. Die Schwächen liegen dafür in der Story, denn auch wenn die Grundvoraussetzung recht extravagant ist, einen ganzen Film damit zu füllen, ist dann doch nicht so einfach. So gibt es dann auch einige Rückblenden, die mir fast schon zu ausgedehnt waren. Und nur selten kommt die klaustrophobische Stimmung wirklich zum Tragen. Immerhin das konsequent düstere Ende hinterlässt einen Eindruck. Insgesamt mangelt es aber etwas an wirklich einfallsreichen und atmosphärischen Kniffen.

Ein nicht uninteressanter Film, dem aber ein paar Funken Genialität fehlen.



Patrick lebt! (Mario Landi, 1980)

Im Prinzip mal wieder die "10 kleine Negerlein"-Story. Ein paar Leutchen werden, ohne zu wissen warum, in eine Art Wellness-Hotel eingeladen. Was sie ebenfalls nicht ahnen, ist, dass auch ein gewisser Patrick in dieser Einrichtung liegt, dieser ist nach einem Unfall ins Koma gefallen und richtet nun mit seinen telekinetischen Kräften allerlei Grausiges an...

Regisseur Mario Landi ist mir nicht wirklich ein Begriff, seinen berüchtigten GIALLO A VENEZIA kenne ich auch noch nicht, in DIE RACHE DES PATEN spielt er allerdings auch mit. Und Gabriele Crisanti hat ebenfalls bei vielen Filmen von Andrea Bianchi als Produzent fungiert. Diese Vergleiche sollten verdeutlichen, in welche Richtung es hier geht. Und gerade mit dem Regie-Stil der Bianchis fallen einige Parallelen auf. Da gibt es durchaus Sequenzen, die Inspiration und Stilempfinden verraten, dann passiert aber auch lange Zeit schlichtweg gar nichts, nur um kurz darauf wieder mit einem over-the-top Sleaze-Moment in die Vollen zu gehen.
Das Anwesen, in dem gedreht wurde, macht einen halbwegs stimmungsvollen Eindruck und einige Aufnahmen beweisen, wie gesagt, wirklich Sinn für Atmosphäre. Was dem Film dann aber wieder schadet, sind die Spannungsszenen, die oft ewig in die Länge gezogen werden, bis auch wirklich die letzte Spannung erloschen ist und überhaupt ist mir das Geschehen eine Spur zu abstrus (im negativen Sinne). Was kann man nun in Punkto Sleaze erwarten? Die Gore-Effekte sind eher rar gesät, aber drastisch. Vor allem die arme Mariangela Giordano muss mal wieder einen extrem wüsten Filmtod sterben, sieht ansonsten aber, wie immer, umwerfend aus. Und da wären wir auch schon bei der Besetzung, die auf der Habenseite außerdem noch Carmen Russo verzeichnen kann, ebenfalls ständig willens, sich ihrer Klamotten zu entledigen. Bleibt nur noch zu sagen, dass Berto Pisano mit seinem Score diesmal leider keine besonderen Akzente setzen kann.

Aufgrund der genannten Schwächen, nicht ganz der Knaller, den ich mir erhofft hatte, und Leute, die hier einen reinen Horrorfilm erwarten, dürften auch äußerst enttäuscht werden. Wer aber die Langweiligkeit eines DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES zu schätzen weiß, der kann sich auch mal an diesem thematisch zwar anderen, aber sonst sehr ähnlich gelagerten Filmchen versuchen.

Die ShriekShow-DVD bietet Top-Qualität, engl. Untertitel und zwei interessante Interviews mit Gianni Dei und Gabriele Crisanti. Man sollte aber darauf achten, dass man die Version mit dem Vermerk "Uncut Release" kauft.



Toy (Fernando Di Leo, 1979)

Entflohener Häftling setzt sich in ein Haus in den Bergen ab und drangsaliert die dort eintreffenden Gäste...

Extrem low-budget und extrem minimalistisch - diese Attribute beschreiben den Film wohl am Besten. Fernando Di Leo gelingt es leider kaum, aus der simplen Geschichte besonders viel Spannung rauszuholen und Überraschungen sind auch eher rar gesät. Lediglich gegen Ende geht es dann nochmal in eine etwas andere Richtung und das Geschehen wird auch unvorhersehbarer und so sind die letzten zehn Minuten dann der stärkste Teil des Films. Angereichert ist das alles mit einer großen Portion Erotik bzw. Sleaze (je nach Kontext) und wie so oft im italienischen Kino, sind es gerade die sexuellen Spannungen die für das Salz in der Suppe sorgen. Die Musik ist auch gut (da stört es auch nicht, dass Bacalov wieder einmal sein Theme aus MILANO KALIBER 9 verwendet) und aufgrund des begrenzten Schauplatzes und den wenigen Protagonisten (2 Männer, 2 Frauen) entwickelt der Film dann doch eine recht eigentümliche Atmosphäre und kann damit zumindest das Interesse halten.

Kein Vergleich zu den großen Werken Di Leos, dafür ein kleiner Film, der auf seine Weise gar nicht so schlecht funktioniert.

Auf DVD von Raro mit engl. UTs erhältlich, besonders berauschend ist die Bildqualität nicht, aber was soll's.

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Django - Melodie in Blei (Giovanni Fago, 1969)

Einer der schlechtesten Italowestern, die mir je untergekommen sind. Da ist jeder Fidani unterhaltsamer.
Null Flair, null Atmosphäre und vor allem null Spannung - dazu George Hilton als kalauernder und dauergrinsender Frauenheld. Nichts gegen Klamauk, aber aber das ist in diesem Fall mal völlig unpassend und beinah schon unerträglich. Die zweite Hälfte des Films ist dann düsterer, aber genauso langweilig und uninteressant.
Ich rate ganz stark ab.



The Lady of the Lake (Luigi Bazzoni, 1965)

Ein Schriftsteller fährt in ein Hotel, um dort eine bestimmte Angestellte wiederzutreffen. Als er von ihrem Selbstmord erfährt ist er geschockt und stellt eigene Ermittlungen an...

Viel abgewinnen konnte ich dem Film leider nicht. Die Kriminalgeschichte ist geheimnisvoll und bedeutungsschwanger aufgebaut, schwermütig wirken die Dialoge und Monologe der Protagonisten und dazu ertönt ein wuchtiger Soundtrack. Nur fesseln konnte mich das Geschehen kaum - immer wenn man denkt, jetzt könnte es interessant werden, verliert sich der Film wieder, und die ständig heraufbeschworene Mystery-Komponente konnte mich dann letztendlich auch nicht so recht überzeugen.

Ich liebe es, rare Filme zu entdecken, aber in dem Fall beschleicht mich eher das Gefühl, dass zum Teil auch einfach der Seltenheitswert ausschlaggebend für die überragenden Kritiken ist. Mir hat sich die Genialität dieses Streifens zumindest nicht erschlossen.



Das zehnte Opfer (Elio Petri, 1965)

Der Film erzählt von einer Zukunft, in der echte Menschenjagden zur Unterhaltung der Zuschauer inszeniert werden...

Gerade zu Beginn, als die Theorien der "Big Hunt" präsentiert werden gibt es ein paar herrlich abstruse und auch satirische Seitenhiebe ("one enemy a day, keeps the doctor away"). Leider empfand ich den restlichen Film dann als ziemlich planlos, da gibt's immer mal wieder kritische Einschübe, dann plätschert er wieder leichtfüßig vor sich hin und am Ende entwickelt sich noch eine Liebesgeschichte. Da fragt man sich schon: Was will der Film nun sein? Eine gelungene Satire sieht für mich jedenfalls anders aus, denn das wirkt mir zu bemüht auf clever und hip getrimmt. Und das Schlimmste ist, dass dabei Unterhaltung und Spannung weitestgehend auf der Strecke bleiben. Da nützt auch die aufwendige Ausstattung nicht viel, wobei ich von solchen futuristischen Designs eh noch nie ein besonderer Fan war, sowas wirkt oft sehr schlecht gealtert. Und wenn selbst eine Traumpaarung wie Marcello Mastroianni und Ursula Andress (die wirklich verdammt gut aussieht) seltsam blass bleibt, dann liegt irgendwas im Argen. Piero Piccioni meint's auch etwas zu gut mit seiner Hammond-Orgel, daher kann die Musik ebenfalls kaum was retten.

Es kommt selten vor, dass ich das US-Pendant einem Italo-Film vorziehe, aber da hab ich den RUNNING MAN echt besser in Erinnerung (ist allerdings eine ganze Weile her, dass ich den gesehen habe).

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Fünf blutige Stricke (Antonio Margheriti, 1968)

Durchweg gelungener B-Western, der die übliche Rächerstory geschickt mit einer großen Rückblende und einer interessanten Wendung erzählt.
Auch über die effektive Inszenierung gibts nur Gutes zu sagen, Margheriti hats hier wirklich gut raus, Szenen atmosphärisch umzusetzen, vor allem das Finale ist in dieser Hinsicht ein echtes Meisterstück, da fühlt man sich fast an Bava erinnert. Die Darsteller machen ihre Sache auch gut und Carlo Savinas gitarrenlastiger Score untermalt das Geschehen perfekt. Was die Drehorte angeht, dominieren hier größtenteils karge Landschaften, welche die Kamera toll einfängt und auch durch das geringe Budget entstandene Unzulänglichkeiten sind dem Flair des Films eher noch zuträglich, als dass sie schaden würden.
Ehrlich gesagt fand ich das Meiste was ich von Margheriti bisher gesehen habe (was noch nicht so viel ist) eher durchschnittlich, insofern hat mich der Film überrascht.
Mal wieder ein gutes Beispiel, was es alles für kleine, sehenswerte Perlen im Italowestern-Genre gibt.



In the Folds of the Flesh (Sergio Bergonzelli, 1970)

Hab ihn nun zum zweiten Mal gesehen und bin immer noch der Meinung, dass es sich hier um einen der unfassbarsten Gialli handelt. Oder vielleicht trifft es Psycho-Thriller besser, da der Film mit den typischen Genre-Konventionen nicht viel am Hut hat.

Die Handlung wiederzugeben, ist mir jetzt echt zu anstrengend, aber wer gut aufpasst, sollte einigermaßen folgen können.

Was hier dann in groovigen Bildern (man beachte auch die Klamotten!) und psychedelischen Rückblenden erzählt wird, ist im Grunde eine Familientragödie der äußerst bizarren Sorte. Die Figuren wirken größtenteils wie angetrieben von wirren Obsessionen, der Wahnsinn scheint ständig präsent zu sein und Verhältnisse und Zusammenhänge werden nach diversen Wendungen immer wieder auf den Kopf gestellt. Eine Art Sub-Plot ist die Rolle von Fernando Sancho: Er spielt einen Gangster, der die Familie bedroht und erpressen will, da er Kenntnisse hat, die sie belasten könnten, allerdings kommt dann alles anders, wie man in einer unglaublichen Szene betrachten kann. Auch sonst gibt es einige krasse Einlagen, ich sage nur soviel: der Titel DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE wäre für diesen Film viel passender. Gleichzeitig gibt es aber auch Passagen, die eher ruhig, jedoch ebenfalls seltsam entrückt daherkommen.
Wenn man dann noch bedenkt, dass wir es hier mit einem Film von 1970 zu tun haben (und nicht etwa mit einem experimentellen Spätwerk), dann kann man Bergonzelli wirklich zu einem Ausnahmewerk, das seiner Zeit voraus war, gratulieren.

Kein Sleaze-Feuerwerk im üblichen Sinne, aber die volle Bandbreite obskuren, italienischen Kinos, angesiedelt irgendwo zwischen Exploitation und Arthouse. Von mir eine Empfehlung, auch wenn der Film sicher nicht jedem gefallen wird. Bei der Severin-Disc sollte man zuschlagen, so lange sie noch problemlos erhältlich ist!



Das Schlitzohr von der Sitte (Michele Massimo Tarantini, 1979)

Edwige Fenech spielt diesmal eine Polizistin, die zusammen mit ihrem Partner (Alvaro Vitali) beim Sittendezernat für allerlei Verwirrung sorgt, aber auch einer Bande von Mädchenhändlern auf die Spur kommt...

Polizei-Klamauk, der stellenweise doch überraschend gut funktioniert. Die Story ist dabei natürlich nur Vorwand für bekloppte Gags und nackte Haut. Vielleicht sollte ich mir auch Sorgen machen, dass ich Alvaro Vitali inzwischen oft richtig lustig finde, aber es ist wirklich er, der hier die Lacher auf seiner Seite hat. Edwige Fenech weiß trotz gewöhnungsbedürftiger Frisur zu gefallen, hat die obligatorische Duschszene und eine sogar ganz stimmungsvoll umgesetzte Nachtclub-Gesangseinlage. Nur als toughe, wild um sich schlagende Polizistin passt sie nicht wirklich. Aber das ist Klamauk, da kann man sowas verschmerzen. Und am Ende gibt's dann noch ein große Verfolgungsjagd, wie man sie auch eher selten in solchen Komödien sieht.
Überhaupt könnte man sich einbilden, dass der Film etwas stimmiger und professioneller inszeniert ist als viele seiner Genre-Kollegen, vielleicht liegt es daran, dass sowohl vor als auch hinter der Kamera zahlreiche bekannte Namen dabei sind. Da wären z.B. Lino Banfi als Kommissar, Franco Diogene und Sal Borgese als Gangster und ein Kurzauftritt des unvergleichlichen Jimmy il Fenomeno darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Giancarlo Ferrandos Kamera rückt Signora Fenech oft sehr ansprechend ins Bild und für die zumindest teilweise gelungene Musik war Gianfranco Reverberi verantwortlich.

Im Großen und Ganzen ein spaßiges Teil, das jeder, der dem typischen Italo-Klamauk nicht völlig abgeneigt ist, mal ansehen kann.

Enthalten ist der Film in der vierten "Flotte Teens Box".

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One-Sided Passion (Gianni Siragusa, 1986)

Andrea - ein junger, auf den Rollstuhl angewiesener Mann - verbringt sich auf dem Landgut seiner Eltern die Zeit damit, seinen Vater dabei zu beobachten wie er es mit den Dienstmädchen treibt. Als sein Vater plötzlich ums Leben kommt, hofft nun Andrea auf eine Chance bei den Angestellten des Hauses, doch er wird nur abgelehnt und als Krüppel verspottet. Allerdings beginnt er auch, immer mehr Interesse an seiner attraktiven Mutter (Malisa Longo) zu entwickeln...

Sleazy Stuff! Denn trotz seiner im Grunde tragischen Geschichte, scheint sich der Film höchstens am Rande für die Motivationen seiner Charaktere zu interessieren, stattdessen werden schmierige Sexszenen am laufenden Band präsentiert. Der Inzest-Aspekt der Story sorgt in dieser Hinsicht natürlich für eine besonders anrüchige Note und während es am Anfang bei Andeutungen bleibt, hinterlässt das Ende dann schon einen ziemlich verstörenden Eindruck.
Formal ist der Film unspektakulär umgesetzt, dadurch dass sich das ganze Geschehen komplett auf dem Anwesen abspielt, entsteht zwischen den ganzen Ausschweifungen und Begierden dann aber eine recht dichte Atmosphäre, die auf seltsame Weise doch das Interesse halten kann. Dazu dudelt schmalzige 80er-Mucke, die gar nicht mal so unpassend wirkt und ein paar Italo-Stars wie Gabriele Tinti und Malisa Longo geben sich die Klinke in die Hand. Der Regisseur sagt mir zwar gar nichts, aber die Story soll von Piero Regnoli stammen und dieser Name sollte einem schonmal aufgefallen sein. Wer sich mal seine Filmographie anschaut, wird allerlei Sleaziges und Trashiges finden.

Zumindest kein uninteressanter Film, so viel steht mal fest und das ist schon deutlich mehr als man über viele Erotikstreifen aus dieser Zeit sagen kann.

Vom Label EAGLE PICTURES auf VHS erschienen und diese hab ich eher zufällig günstig bei ebay gefunden.



Honigmund (Gianfranco Angelucci, 1981)

Eine Schriftstellerin zwingt mit vorgehaltener Waffe einen Verleger, ihr neues Werk vorzulesen. Damit beginnt auch die eigentliche Handlung des Films: Eine junge Frau checkt in ein geheimnisvolles Hotel ein, das von exzentrischen und merkwürdigen Personen, die vor allem ihren sexuellen Gelüsten fröhnen, bewohnt wird...

Ursprünglich bin ich auf diesen Film nur aufmerksam geworden, da es einer der letzten mit Nieves Navarro ist, doch die Inhaltsangaben und Kritiken, die ich dazu finden konnten, haben mein Interesse noch verstärkt.
Der Film gibt sich alle Mühe, eine traumartige, seltsame Stimmung aufzubauen, was aber leider nur selten wirklich überzeugend gelingt. Denn dafür hinterlässt die Skurillität der Ereignisse oft einen zu aufgesetzten und forcierten Eindruck. Was den Erotikanteil angeht, gibt es größtenteils zurückhaltende, aber durchaus reizvoll arrangierte Szenen. Nett anzusehen, viel besser machen sie den Film aber auch nicht. Die gesamte Rahmenhandlung und das Ende wirken dann auch eher uninspiriert.
Immerhin über die Besetzung kann man was Positives sagen. Die kurzen Auftritte von Nieves Navarro sind zwar nicht besonders lohnenswert, dafür halte ich Donatella Damiani, die in viel zu wenigen Filmen mitgespielt hat, für eine absolute Augenweide (auch, aber nicht nur wegen ihrer zwei gewaltigen Argumente). Außerdem dabei: Luc Merenda, Fernando Rey und nicht zu vergessen, in der Hauptrolle Clio Goldsmith. Dazu ein solider, wenn auch nicht überragender Score von Riz Ortolani.

Letztlich fehlt es dem Film einfach an einer konsequenteren Linie und so bleibt's bei einer interessanten Grundidee sowie hin und wieder ambitionierten Momenten, der Gesamteindruck aber riecht leider nach verschenktem Potential. Wer sich für solche surreal angehauchten "Alice im Wunderland"-Variationen interessiert, der kann vielleicht mal einen Blick riskieren, falls ihm der Film mal irgendwo in die Hände fällt. In dieser Hinsicht empfehle ich jedoch eher den ähnlich gestrickten, aber insgesamt weitaus stimmigeren WAS? von Polanski.



A Man for Emmanuelle (Cesare Canevari, 1969)

Emmanuelle (Erika Blanc) ist verzweifelt, scheinbar wegen einem Mann. Anschließend stürzt sie sich in diverse Abenteuer, die allerdings auch nicht für die ersehnte Erfüllung sorgen...

Ein nicht uninteressantes, aber stellenweise auch äußerst anstrengendes und unzugängliches Stück Film, das Cesare Canevari hier dem Zuschauer vorsetzt. Der Inhalt bleibt immer sehr vage, so dass man nur vermuten, was nun wie geschehen ist, was die Charaktere antreibt und was das alles bedeuten könnte. Auch die zahlreichen ausgiebigen Dialoge und Monologe sind da keine große Hilfe. Auf einige Themen, die gerade Ende der 60er-Jahre brisant waren (Stichwörter: Kommunismus, die Rolle der Frau), wird mal deutlich und mal eher beiläufig Bezug genommen, auch Soldaten scheinen eine besondere Rolle zu spielen. Aber auch in diesen Punkten, liefert der Film keine klaren Antworten, sonder überlässt dem Zuschauer die Deutung. Adolfo Celi als temperamentvoller Journalist ist noch eine ganz interessante Erscheinung, schon alleine deswegen, da der Mann einfach ein beeindruckende Leinwandpräsenz hat.
Die Inszenierung ist dabei mal nüchtern, mal schwelgerisch, hin und wieder auch mit ungewöhnlichen Kniffen gesegnet, die schon fast in eine surreale Ecke deuten und ebenfalls nicht zu verachten ist der loungige Score von Gianni Ferrio (insbesondere der Titelsong).

Ich denke, wer schonmal was von Canevari gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, was ihn hier erwartet. Von daher auch nur eingeschränkt empfehlenswert.

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Nude for Satan (Luigi Batzella, 1974)

Ein Arzt ist auf dem Weg zu einem Notfall, allerdings erreicht er sein Ziel nicht, da er auf einer einsamen Landstraße in einen Unfall mit einer geheimnisvollen Frau verwickelt wird. Im nahgelegenen Schloss hofft er auf Hilfe...

Schauspielleistungen, Kohärenz, Logik - alles irrelevant. Denn mit Ankunft in diesem Schloss (ausnahmsweise mal nicht das Balsorano Castle) entwickelt sich eine unbeschreibliche Atmosphäre, die in dieser Form selbst im Italo-Horror selten zu finden ist. Da tauchen Figuren plötzlich doppelt auf, seltsame Gestalten kommen und gehen, Gemälde erwachen zum Leben, Zeit und Raum spielen keine Rolle mehr und das war noch lange nicht alles. Natürlich kann man nicht ganz abstreiten, dass das mitunter auch etwas schleppend inszeniert ist und daher Geduld erfordert, aber es ist der ständig präsente Weirdness-Faktor, der ungemein bei Laune hält. Das Finale fährt dann auch nochmal sämtliche Schauwerte auf, tja, das ist doch tatsächlich mal ein Film, der hält was der Titel verspricht. Alberto Baldan Bembo liefert dazu eine monotone, beinah hypnotische Musik, die Kamera ist wild entfesselt und wird gerne mal in den unmöglichsten Perspektiven positioniert und Rita Calderoni, ja was soll man zu ihr noch sagen? Vielleicht ihre beste Rolle?
Für den größten Teil halte ich die Bezeichnung "Trash" hier übrigens für unangebracht, die Spinnenszene ist da natürlich eine Ausnahme und ein netter Schenkelklopfer für zwischendurch. Fakt ist aber, wer einen so stimmungsvollen Film realisieren kann, der hat Talent, Punkt. Zeigt mir bitte einen der heutigen, sogenannten Trash-Regisseure, die sowas draufhaben.

Ein Film, den ich ganz voreingenommen bewerten muss, da alleine schon der Name Luigi Batzella wie Musik in meinen Ohren klingt - solche Leute machen für mich das Italo-Kino erst zu dem, was es ist. Für die volle Ladung ultra-obskuren italienischen Grusels empfehle ich ein Double-Feature mit THE REINCARNATION OF ISABEL, wobei das wäre vielleicht schon fast zu viel des Guten.



Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon (Rolf Olsen, 1981)

Am Anfang war ich noch skeptisch, aber dann wurde es doch sehr unterhaltsam. Nonstop-Klamauk gewürzt mit manchmal sogar erstaunlich treffsicheren Seitenhieben in Richtung Doppelmoral, Politik und bayerische Klischees. Nebenbei auch ein amüsanter Blick auf die Modewelt der 80er und Jürgen Drews war mir eh schon immer sehr sympathisch.



Mein Bruder Kain (Brian De Palma, 1992)

Da der Film mich bei der ersten Sichtung positiv überrascht hat, ist er jetzt mal wieder im Player gelandet. Diesmal fand ich ihn etwas schwächer, aber von einem soliden Thriller mit einigen herausragenden Momenten kann man hier immer noch sprechen.
John Lithgow, der ja oft in De Palmas Filmen anzutreffen ist, hat hier gleich mal 5 (!) Rollen übernommen, neigt dabei sicherlich etwas zum Overacting, aber das lässt sich wohl kaum vermeiden, wenn man so viele derangierte Charaktere spielt.
Die Story wirkt ein bisschen überladen und nicht immer ganz nachvollziehbar, aber wie das auch bei den Gialli ist (um diesen Vergleich mal wieder zu ziehen), rückt diese eh bald in den Hintergrund und macht Platz für die ausgefeilte Inszenierung, die edelste Steadycam-Fahrten und einen tollen Score zu bieten hat. Und auch an einigen geschickt gesetzten Schockmomenten und seltsam surreal anmutenden Szenen mangelts dem Film nicht.
Im Vergleich zu De Palmas früheren Thrillern sicher etwas schwächer, aber wer diese mochte, der sollte auch hier mal reinschauen.

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Reflections of Light (Mario Bianchi, 1988)

Federico (Gabriele Tinti) vegetiert nach dem tragischen Tod seiner großen Liebe (Laura Gemser) deprimiert und antriebslos in seiner Villa vor sich hin. Er meint, dass seine neue Frau (Pamela Prati) nur aus Mitleid bei ihm bleibt, da er inzwischen im Rollstuhl sitzt. Seinen Sohn hält er für einen Träumer, der sich nur für seine Pferderennen interessiert und als seine Sekretärin, die ebenfalls mit im Haus wohnt, und seine Frau beginnen, sich näher zu kommen, spitzt sich die Situation erst richtig zu...

Im Grunde ein ganz typischer, gelackter Softerotik-Streifen, wie sie in den 80ern zu Hauf produziert wurden. Da dürfte es auch keinen großen Unterschied machen, dass der Regisseur in dem Fall Mario Bianchi heißt. Trotzdem, ganz ohne Punkte von Interesse ist der Film nicht. Die Story ist zwar äußerst dünn und mühsam auf Spielfilmlänge gestreckt, dafür entwickeln die betont tiefsinnigen Dialoge schon fast rührende Qualitäten . So dass man sich fragt, hatte Mario Bianchi hier tatsächlich Ambitionen, eine ernsthafte Geschichte zu erzählen. Und wie das dem Film dann meist nur auf sehr holprige und unbeholfene Weise gelingt, macht ihn schon fast wieder sympathisch.
Ansonsten kommt natürlich auch die (hüstel) Erotik nicht zu kurz: Die beiden Damen des Hauses lungern gerne am Pool rum, wie sie sich mit dem Gartenschlauch ihre Shirts durchweichen, musste der Kameramann sogar in Zeitlupe festhalten und bei der ersten Annäherung ertönen stilechte, schwüle Saxophonklänge. Die Klavierpassagen des Scores von Gianni Sposito haben mir aber wirklich gut gefallen, generell ist die weibliche Besetzung sehr nett anzusehen und Bianchi inszeniert zumindest nicht völlig ohne Stilempfinden.

Letzlich krankt der Film halt an seiner nicht vorhandenen Dramaturgie und der arg behäbigen Gangart, ansonsten lautet hier aber die Devise: Wer 80er-Kitsch erwartet, bekommt auch 80er-Kitsch.

In den USA von einem Label namens Sinful Mermaid erschienen, Bildqualität ist okay, engl. Untertitel sind dabei. Von der Aufmachung her ist alles genauso wie bei der einen Scheibe von Televista, die ich habe. Dürfte wohl aus dem gleichen Hause stammen.



Play Motel (Mario Gariazzo, 1979)

Das Play Motel ist eine miese Absteige für alle, die ein extravagantes Schäferstündchen suchen. Allerdings ahnen die Kunden nicht, dass im Hintergrund eine Organisation agiert, die heimlich kompromittierende Fotos für Epressungszwecke macht. Und als ob das nicht schon genug wäre, geschehen bald auch noch Morde...

Den Anfang fand ich ja gleich richtig klasse! Da werden einem schon in den ersten 5 Minuten zwei absolute Knallersongs um die Ohren gehauen und der erste Gast bestellt an der Bar selbstverständlich gleich mal einen J&B.
Natürlich ist Spannung mal wieder Mangelware und die Handlung kann man wohl auch eher als Mittel zum Zweck ansehen, was in dem Fall heißt: reichlich Sexszenen, teils recht skuriller Art (z.B. im Teufels - u. Nonnenkostüm!) und freizügige Fotoshootings (Anna Maria Rizzoli lediglich in High Heels bekleidet - sehr lecker!). Außerdem geben besagte Dame und Ray Lovelock ein launiges Hobbyermittler-Duo ab, was auch noch etwas Humor in den Film bringt. Die Szene, in der die beiden in der Motellobby rumschnüffeln, sie mit schwarzer Perücke und er mit angeklebtem Schnurrbart, fand ich da echt putzig. Nicht zu vergessen, die immer wieder sehr eingängigen Songs, die das Geschehen perfekt untermalen (ihr seht schon, die haben's mir richtig angetan).
Außerdem dabei sind Enzo Fisichella, der sich schon bei THE SISTER OF URSULA in sleazigem Terrain erprobt hat, Anthony Steffen, hölzern wie fast immer und auf weiblicher Seite möchte ich Patrizia Webley noch hervorheben.

Wie gesagt, besonders aufregend ist das alles nicht, aber das Teil hat Charme und kann mit seiner schundigen Art doch angenehme Unterhaltung bieten.

Würde ich liebend gerne mal in guter Qualität sehen, denn die Fassung, die ich gesehen habe, hat mit ihren verblassten Farben teilweise fast an einen Schwarzweiß-Film erinnert.



Im Auftrag der Cosa Nostra (Steno, 1971)

Ich weiß nicht so recht...
Der Film ist ansprechend in Szene gesetzt, macht auch einen hochwertigeren Eindruck als man das von billigen Klamotten gewöhnt ist und beim Cast gibt's ebenfalls kaum einen Grund zur Beschwerde (höchstens, dass mir Carlo Giuffre nicht gerade besonders sympathisch ist). Der Humor konnte bei mir allerdings nicht wirklich zünden, die guten Gags sind leider zu selten, dafür herrscht zu viel Leerlauf und vor allem kommt einfach nie so richtig Schwung in die Angelegenheit. Auch dieser Kompromiss zwischen zumindest halbwegs ernsthafter Geschichte und dann doch wieder klamaukiger Gangart passt nicht immer. Die Auftritte von Vittorio De Sica haben mir noch gefallen, die Musik geht gut ins Ohr und Pamela Prati ist ebenfalls eine Schönheit.
Trotzdem, insgesamt hab ich mir mehr versprochen, da weiß ich bei den reinen Klamaukstreifen besser woran ich bin.

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August 2010



Die Vampire des Dr. Dracula (Enrique Lopez Eguiluz, 1968)

Das ist er nun also, der erste Film, in dem Paul Naschy in die Rolle des Waldemar Daninsky schlüpft und sich gegen Werwölfe und Vampire behaupten muss...

Und im Grunde bekommt der Fan nostalgischen Grusels hier alles, war er erwartet. Die Geschichte ist natürlich recht vorhersehbar und im positiven Sinne altbacken. Bedenken muss man außerdem, dass der Film aus den Anfangstagen des spanischen Horrors ist und so geht es was Gewaltdarstellungen angeht noch zurückhaltend zu, vieles wirkt eher putzig als gruselig und auf nackte Haut braucht man auch nicht zu hoffen, da muss man sich mit schönen Dekolletes zufriedengeben. Aber das wichtigste ist ja die Umsetzung, die Atmosphäre und die weiß zu gefallen. Die Kulissen und Locations verbreiten sofort ein wohliges Flair und das kombiniert mit den grob montierten Farbspielereien und Kunstnebeleffekten sorgt für stimmungsvolle Bilder von rauem, urigem Charme.

Sympathisches, kleines Filmchen, nicht der ganz große Wurf, aber für Genrefans allemal einen Blick wert.

Gesehen via der ShriekShow-DVD (Titel: FRANKENSTEIN'S BLOODY TERROR) : uncut; korrektes Format (2,35:1); wechselhafte Bildqualität, meist aber okay; engl. Synchro erträglich u. verständlich. Kann man empfehlen!



Der Idiotenzwinger (Mariano Laurenti, 1980)

Schauplatz ist diesmal eine Nervenklinik, in der vor allem verrückte Typen, die sich für historische Figuren wie Napoleon oder Rommel halten bzw. einen Militär-Tick haben, für Durcheinander sorgen. Der Chef (Lino Banfi) wirkt kaum weniger wahnsinnig und außerdem hat es ein Gangster-Pärchen noch auf wertvolle Gemälde, die angeblich in der Klinik zu finden sein sollen, abgesehen...

Das ist selbstverständlich alles extrem albern, das Setting passt aber zumindest in so fern, dass man bei Italo-Komödien ja sowieso oft das Gefühl hat, im Irrenhaus zu sein, echte Lacher sind aber selten. Ein paar amüsante Figuren und nette Einfälle findet man jedoch fast immer in diesen Filmen. Gut gefallen hat mir mal wieder Alvaro Vitali, in der Rolle eines Malers, der sich in der Klinik ein kleines Atelier eingerichtet hat ("ich male nur nackte Frauen, in allen Lebenslagen"). Jimmy il Fenomeno, der sonst immer den Verrückten gibt, spielt hier den Portier, der immer wieder betont, dass er nicht verrückt ist, sondern nur der Portier. Und Lino Banfi zieht halt seine übliche Show ab. Wirklich beachtenswert ist aber die Besetzung der weiblichen Rollen, während sonst meist ein oder zwei Darstellerinnen für den Erotikanteil zwischen dem Klamauk sorgen müssen, gibt es hier gleich vier! Die da wären: Nadia Cassini, Nieves Navarro, Karin Schubert und Carmen Russo. Na dafür kann man doch auch etwas Stumpfsinn in Kauf nehmen.



Jetzt treibt sie's auch noch mit dem Pauker (Mariano Laurenti, 1979)

Italo-Komödien können doch manchmal so schrecklich sein! Ja, dass muss selbst ich zugeben, denn hier hat man es mit einem ganz üblen Exemplar zu tun.
Gloria Guida verdreht mal wieder sämtlichen Typen die Köpfe, performt nebenbei noch zwei Songs (einer davon gar nicht ganz schlecht) und sieht dabei natülich toll aus, noch besser gefällt mir allerdings die wunderbare Donatella Damiani. Aber beim besten Willen, selbst diese beiden Grazien können in diesem Schlamassel kaum was retten. Die gelungenen Gags kann man locker an einer Hand abzählen, ansonsten regiert Klamauk der ganz uninspirierten, dümmlichen Sorte und von Inszenierung kann keine Rede sein - hingeschluderte Aneinanderreihung von zusammenhanglosen Szenen trifft es wohl eher. Nicht mal Alvaro Vitali, den ich inzwischen schon etwas liebgewonnen habe, kann diesmal zu üblicher Form auflaufen. Die Musik von Gianni Ferrio ist noch anhörbar, aber ansonsten ist hier echt Hopfen und Malz verloren.

Also seht diesen Kommentar am besten als Warnung an, sonst kommt nach "Genuss" dieses Streifens wohlmöglich noch jemand auf die Idee, alle italienischen Komödien seien so schlecht.

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Die heiße Nacht der Killer (Juan Bosch, 1974)

Ein in London angesiedelter Giallo, der von einer jungen Frau handelt, in deren Umfeld sich die seltsamen Ereignisse plötzlich häufen. So meint sie z.B. ihren Freund in der Stadt gesehen zu haben, obwohl der eigentlich in Vietnam ist, ein mysteriöser Fremder gibt sich als ihr neuer Untermieter aus, diverse Taschen mit scheinbar wichtigem Inhalt sind im Umlauf und die ersten Todesfälle lassen auch nicht lange auf sich warten...

Da begrüßt einem zu Beginn gleich mal ein schönes, klassisch angehauchtes Musikstück von Marcello Giombini, doch der gute Eindruck währt nicht lange. Denn über Mittemaß kommt der Film nie hinaus. Die Motive und Hintergründe der Personen bleiben lange im Dunkeln, so dass zumindest einigermaßen das Interesse aufrecht erhalten wird, von Spannung kann aber kaum die Rede sein. Die Inszenierung ist dabei schlicht, farblos - man könnte fast sagen bieder - und weit von der für das Genre bekannten visuellen Brillanz entfernt. Auch als trashiges Sleaze-Spektakel funktioniert der Film nicht, da er dafür einfach zu zurückhaltend und lahm ist. Lediglich die skurillen Figuren sind sehr Giallo-typisch und konnten bei mir am ehesten noch Punkte sammeln. Als da wären: Bruno Corrazzari in einer zwielichtigen Rolle, ausschließlich mit Sonnenbrille unterwegs; ein exzentrischer Nachbar mit Vorliebe für's Kontrabasspielen und Katzen; und ein kauziger Hausmeister, der sich auch mal noch spät nachts um die Pflanzen kümmert und unter dem Pantoffel seiner Frau steht.

Keine völlige Zeitverschwendung, aber insgesamt einfach zu durchschnittlich, um wirklich fesseln zu können, daher nur was für Giallo-Komplettisten. Das war nun der zweite Film von Juan Bosch, den ich gesehen habe und ein besonderer Könner schien er wohl wirklich nicht zu sein, aber was soll's, als unbelehrbarer Fan zieht man sich halt auch sowas rein.



Sodomas tödliche Rache (Lucio Fulci, 1988)

Eine Gruppe von Ausflüglern muss nach einer Panne in einem Haus mit düsterer Nazi-Vergangenheit übernachten und als sie am nächsten Tag aus unerklärlichen Gründen nicht mehr aus dem Waldstück rausfinden, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als wieder zu dem Haus zurückzukehren...

Da die Kritiken zu Fulcis Spätwerken üblicherweise vernichtend ausfallen, habe ich die Erwartungen ganz niedrig angesetzt und wurde doch ein wenig überrascht.
Ungewöhnlich fand ich den hohen Anteil an nackter Haut, sowas findet man im 80er-Grusel doch eher selten, man könnte fast sagen, damit schlägt der Film die Brücke vom Horrorschund zum Erotikschund der 80er. Gerade diese einigermaßen bizarr arrangierte Nazi-Orgien-Rückblende (inkl. einem koksschnupfenden Al Cliver) zu Beginn, hätte ich in dieser Form nicht erwartet. Nach dem Sprung in die Gegenwart folgt dann die x-mal durchgekaute "Haunted House"-Masche, mit viel einschläferndem Leerlauf, in den besten Momenten aber tatsächlichen auch etwas surrealem Flair. Horror-Fans dürften wohl enttäuscht werden, da der Film bis auf einen, eigentlich auch überflüssigen Matsch-Effekt, sich eher für die körperlichen Annäherungen seiner Protagonisten interessiert, allerdings in sogar halbwegs stimmigen Ambiente.
Verschweigen sollte man auch nicht, dass die Darsteller sowie Dialoge unter aller Kanone sind, wer aber ein paar von diesen Filmen gesehen hat, den schockt auch in dieser Hinsicht kaum noch was.
Was das nun alles bedeuten soll? Fragt mich nicht - genauso wie das Ende bei mir eine Mischung aus Fragezeichen und Schulterzucken hervorgerufen hat.

Aber irgendwie war's nach Startschwierigkeiten in der ersten Hälfte, dann doch brauchbare Unterhaltung, im zwar schäbigen, aber gerade deswegen auf seltsame Weise schon wieder charmanten 80s-Style und nicht ganz ohne Sinn für Atmosphäre.



Love Spaghetti Love (Sergio Martino, 1981)

Der Rechtsanwalt Savino (Lino Banfi) wird von seiner Frau (Barbara Bouchet) ständig zum Joggen gescheucht und darf nur Diätfraß essen, da er abnehmen soll. Beide haben Affären, von denen der jeweils andere nichts weiß. Und als sich bei der Einweihungsparty ihres neuen Landhauses alle versammlen und die extravagante Haustechnik verrücktspielt, ist das Chaos perfekt...

Italo-Klamauk (fast) in Perfektion. :mrgreen: Außerdem vielleicht Lino Banfis beste Leistung, denn hier ist er tatsächlich mal witzig. Wie er da unter seiner diätbesessenen Frau leiden muss und von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, kann er einem schon richtig leidtun. Dummerweise wird er dann auch noch in irgendwelche Mafia-Machenschaften verwickelt, was dazu führt, dass auf der Party ein Killer auftaucht, der dann allerdings selber schnell als Leiche endet und sich als äußerst lästig herausstellt. Dazu passend ein kauziger, sensationslüsterner Reporter, der eh schon ständig erzählt, wie sich um ihn herum immer die dramatischsten Todesfälle ereignen, aber nachdem ihn alle für verrückt halten, sich doch lieber dem Alkohol widmet. :lol: Mittendrin die verschiedenen Liebschaften, Eifersüchteleien und immer wieder Pannen mit der Haustechnik. Gerade letzteres erinnert sehr an DER PARTYSCHRECK, mag sein, dass man sich da die ein oder andere Inspiration geholt hat, aber der Film macht trotzdem auf seine ganz eigene Weise Spaß. Schöne Frauen (zu Barbara Bouchet muss man wohl nichts mehr sagen :schilder_hschild:) dürfen da natürlich ebenso wenig fehlen wie eingängige Musik und nach dem netten Happy-End versteht man dann auch den italienischen Titel.

Finde ich interessant, dass gerade Anfang der 80er nochmal ein paar echt gelungene Italo-Komödien entstanden sind und Sergio Martino hat hier alles richtig gemacht - so muss Klamauk aussehen, dann ist er auch lustig! :D

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PostPosted: 14.10.2012 03:17 
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Der Bumsladen-Boß (Hans D. Bornhauser, 1973)

Die 19-jährige Melanie möchte eigentlich in eine vornehme Hostessenschule, landet stattdessen aber in einem miesen Strip-Schuppen, schnell merkt sie, dass sie nicht die Einzige ist, die unter falschen Versprechungen dorthin gelockt wurde. Als ihre Familie von der Sache Wind bekommt, schnappen sich der älteste Bruder und der Onkel kurzerhand ihre Flinten und ziehen los, um im Puff ordentlich aufzuräumen und die Mädels zu befreien...

Wie kann es sein, dass man über diesen höchst kuriosen Auswuchs der deutschen Sexfilm-Welle kaum was liest?
Was Bornhauser hier geschaffen hat, ist Erotik der ganz deutschtümeligen Sorte, gepaart mit unübersehbaren Italowestern-Einflüssen (!) und einer überraschend großen Portion Sleaze. Was den letzten Punkt betrifft, reißen's vor allem die behämmerten Dialoge und Sprüche raus (da wüsste ich gar nicht, wo ich mit Zitaten anfangen soll). Dazu gesellt sich eine in den besten Momenten ambitioniert wirkende Regie, die z.B. auch psychedelische Tanzeinlagen a la Jess Franco und passend dazu coole Musik zu bieten hat, überhaupt hat man das Gefühl, Bornhauser ist ein Regisseur, der ein Gespür für's Genre-Kino hat (etwas, was den Heimatfilmern, die sich im Erotikfach versuchten, oft völlig abgeht). Aber ich muss nochmal auf die Western-Elemente zurückkommen: Das fängt schon, als ein Kellner im Puff ein Bild von Clint Eastwood und Lee Van cleef anstarrt und daraufhin wild um sich ballert, ab und an wird auch mal ein Steinbruch ins Bild gerückt und die Gangster/Zuhälter engagieren dann auch noch einen Killer ("den Sarg habe ich schon, nur der Inhalt fehlt noch"), der den Störenfried, der ihnen das Geschäft vermiest hat, erledigen soll. Wenn man dem Film etwas ankreiden könnte, dann höchstens, dass der Grundton gegen Ende etwas zu albern wird. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen, denn ansonsten gibt's hier reichlich Skurilles, bisweilen sogar richtig Faszinierendes zu entdecken.

Absolut kein Vergleich zum üblichen Lederhosen-Klamauk und definitiv sehenswert, wenn man was für's Obskure (das Wort hat noch gefehlt) übrig hat!

Von e-m-s in erstaunlich guter Qualiät unter dem Titel ORGIEN IN DER LEDERHOSE auf DVD verewigt.



Die Uhr des Grauens (Lucio Fulci, 1989)

Ein exzentrisches altes Ehepaar lebt in einer abgeschiedenen Villa, besonders der Mann scheint einen seltsames Verhältnis zu haben. Als sich eines Abends drei junge Räuber an dem Haus zu schaffen machen wollen, eskaliert die Situation und endet in einem Blutbad. Die Hausbesitzer sind tot, doch für die Eindringlinge beginnt der Alptraum erst...


Ich habe so langsam das Gefühl, dass gerade im ital. Horror-Kino der späten 80er und frühen 90er so eine Art Rückbesinnung auf den klassischen Gruselfilm stattfand, dieses Vorhaben wird zwar durch die teils billige Inszenierung und 80er-Stilblüten erschwert, gleichzeitig sorgen diese Einwände aber auch für einen trashig unterhaltsamen, unter Umständen sogar interessanten Kontrast, so dass gelungene Momente und unfreiwillige Komik oft nah beieinander liegen.
Die Inhaltsangabe habe ich bewusst knapp gehalten, denn ehrlich gesagt konnte ich am Ende auch nicht mehr ganz folgen, was da nun in welcher Reihefolge passiert ist, was real und was geträumt ist usw. Aber solche Logikschwächen sehe ich bei Horrorfilmen immer entspannt. Auf Setting und Atmosphäre kommt es an und in den Punkten hat der Film doch was zu bieten. Die Villa mit den Uhren ist an sich schon ein ungewöhnlicher Schauplatz, der in Verbindung mit den größtenteils arg gestörten Charakteren, die kaum Identifikationsmöglichkeiten zulassen, schnell für eine unheilsschwangere Stimmung sorgt. Als dann die Teenager anrollen und erstmal im Supermarkt klauen gehen, hat man wieder den erwähnten Stilbruch. Die Aktion mit der Katze fand ich erst richtig blöd, aber während ein anderer Film so eine Szene vielleicht aus Dummdusselei ohne tieferen Sinn präsentieren würde, wird sie hier sogar zum handlungstragenden Element und das Ende ist dann auf seine Weise ja wirklich versöhnlich (Fulci war halt doch ein Tierfreund!). Ein weiterer Kontrast zur sonst eher auf Atmophäre setzenden Inszenierung sind die derben Effekte, die ich zwiespältig sehe - einerseits intensivieren sie sicher manche Szenen, andererseits denke ich aber auch, sie wären nicht nötig gewesen. Aber auch wenn der Film oft sein Potential nicht voll nutzt, so gibt es auch immer wieder Szenen, die auf ihre verschrobene Weise (ob das nun Unvermögen oder Absicht war, kann man manchmal nur rätseln) doch tatsächlich funktionieren.

Also, erklären kann ich diesen Charme, diese Faszination, immer noch nicht so wirklich, aber trotz seiner offenkundigen Schwächen ein interessantes Produkt seiner Zeit. Gerade ich als Fan der 70er, hätte nicht gedacht, dass ich mich für sowas mal so begeistern kann!



Nightmares Come at Night (Jess Franco, 1970)

Anna wird von schrecklichen Alpträumen, in denen sie jemanden tötet, geplagt. Kann ihr Psycholge ihr helfen? Welche Rolle spielt ihre Mitbewohnerin, die sie in einem Nachtclub kennengelernt hat? Und was führt das junge Pärchen, das sie vom Nachbarhaus aus beobachtet, im Schilde?

Hier werden die Franco-typischen Eigenheiten, so auf die Spitze getrieben, dass man schon fast von einem Experimentalfilm sprechen kann. Der Erzählfluss wirkt unglaublich zerdehnt und die an sich schon äußert unklare Handlung rückt immer wieder in den Hintegrund, um der Inszenierung Platz zu machen. Diese bietet dann zweifellos atmosphärische Einlagen, sämtliche Szenen werden aber so scheinbar gar nicht enden wollend in die Länge gezogen, dass auf Faszination dann bald Ermüdung folgt. Dazu gibt es die typisch ausschweifenden, poetisch angehauchten Monologe. Im Grunde trägt der Film auch deutliche Giallo-Züge, aber letztendlich ist er doch Franco pur, auf eine sehr eigenwillige und oft nicht leicht zugängliche Weise.
Die greifbareren Faktoren sind da die durchweg sehr attraktiven Aktricen (u.a. Soledad Miranda), die fast den kompletten Film entweder nackt oder leicht bekleidet verbringen und das Männerherz erfreuen, die Franco-Regulars Paul Müller und Jack Taylor und die Musik von Bruno Nicolai, die zwischen grandios und nervenzerrend pendelt.

Auf jeden Fall ein Film, der es dem Zuschauer nicht einfach macht. Zu Francos besten Werken würde ich ihn nicht zählen, in den gelungensten Momenten kommt er aber zumindest in deren Nähe. Für Fans des Regisseurs also definitiv einen Blick wert, ansonsten mit Vorsicht und vor allem viel Geduld zu genießen.

Wieder mal war es Shriek Show, die den Film in annehmbarer Qualität und mit engl. untertiteln auf DVD rausgebracht haben.

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Die Herrenreiterin (Mario Lanfranchi, 1976)

Eine Witwe (Senta Berger) muss nach dem Tod ihres Mannes ihr Anwesen verkaufen. Als Käufer finden sich ein grobschlächtiger Unternehmer (Maurizio Arena) und sein zurückhaltender Sohn ein und schon nach kurzem gemeinsamen Zusammenleben in dem Haus, in dem die vorherigen Bewohner nun zur Miete wohnen, erliegen beide den Reizen der attraktiven Frau...

Ok, die Geschichte ist vielleicht nicht besonders aufregend und ab und zu schleichen sich auch ein paar kleine Längen ein, doch ich mag den Film! Zwar kann sich Regisseur Mario Lanfranchi (DJANGO - UNBARMHERZIG WIE DIE SONNE) nicht so ganz zwischen Drama und Komödie entscheiden, aber gerade weil der Humor nie zu albern und die ernsteren Aspekte nie zu schwermütig werden, entwickelt sich eine irgendwie rührende, unbeschwerte Stimmung. Diese wird besonders begünstigt durch die ländlichen Locations und die wunderbare Musik von Stelvio Cipriani. Alles sehr angenehm anzusehen und anzuhören! Und ein wenig knisternde Erotik plus leichte Anflüge von Sleaze gibt's obendrein. Auch der Cast kann sich sehen lassen: Senta Berger ist einfach eine tolle Frau, hier in der Blüte ihrer Jahre. Maurizio Arena liefert eine total überzogene, zu seiner Rolle aber sehr gut passende Performance ab. Und auch Erika Blanc ist mal wieder ein Augenschmaus.

Am naheliegendsten ist da wohl eine Empfehlung für Fans von Senta Berger (und sind wir das nicht alle? :D ), aber der Film, der sicher zu ihren freizügigsten zählen dürfte, hat durchaus auch noch andere Qualitäten und funktioniert dabei gar nicht mal schlecht.

Auf DVD erschienen ist er von e-m-s in der Filmpalast-Collection. Wer sie noch haben will, sollte schnell zuschlagen, bevor die Preise noch mehr anziehen!



Die unerbittlichen Fünf (Aldo Florio, 1966)

Ein Amerikaner hat sich auf einer Hazienda eine Existenz aufgebaut. Einem mexikanischen Clan, der sich durch ihn in seinen Geschäften gestört fühlt, ist er allerdings ein Dorn im Auge. Die Situation eskaliert als die Mexikaner, einen Killer engagieren, der einen Freund des Gringos und kurz danach auch ihn umbringt. Doch schon bald finden sich fünf Pistoleros in dem Städtchen ein, die fest entschlossen sind, den Mord an ihrem alten Freund zu rächen...

Überraschend starker Western, der in Anbetracht seiner frühen Entstehungszeit schon sehr eigenständig, italotypisch und auch erstaunlich brutal daherkommt. Die Inszenierung lebt von ihren Außenaufnahmen (für mich bei Western immer ein großer Pluspunkt!), kommt ansonsten jedoch eher schnörkellos und rustikal rüber, was aber gar nicht schlecht zum Gesamteindruck passt. In dem Zusammenhang vielleicht interessant: als Camera Operator hat Joe D'Amato fungiert, in einigen wenigen Einstellungen könnte man sich einbilden, dass sein typischer Stil hier schon durchscheint, von seinen ambitionierteren späteren Arbeiten war hier aber wohl noch weit entfernt.
Wie anfangs schon erwähnt, legt der Film auch eine erstaunliche Härte vor - blutige Einschüsse, durchgeschnittene Kehlen und auch einen entblößten Busen sieht man in Western doch eher selten. Ganz interessant fand ich auch, wie an einer Stelle der Sadismus sogar thematisiert wird, als am Ende einer der Revolverhelden den Oberbösewicht noch eine ganz Weile zappeln lässt während der sich schon qualvoll am Boden windet und ein anderer darauf meint, dass er doch wahnsinnnig sei und er ihn endlich umbringen solle. Ich bin ja der Meinung, dass stumpfe Gewaltszenen alleine einen Film nie sehenswerter machen, aber hier fügen sie sich doch gut in die allgemein raue Gangart ein.
Die riesige Spannung sollte man von der Geschichte freilich nicht erwarten, doch der Film wirkt in sich stimmig und weiß, das Interesse zu halten.
Der Cast hat als ganz bekanntes "Western-Gesicht" Jose Manuel Martin zu bieten, außerdem Guy Madison und Vassili Karis. Und die Musik von Franco Salina mag zwar nicht besonders erinnerungswürdig sein, untermalt das Geschehen aber ebenfalls sehr passend.

Natürlich bei weitem kein Kandidat der ersten Liga, aber so ein ruppiger B-Western hat doch auch was und unter dem Gesichtspunkt kann ich eine Empfehlung aussprechen.



Hochkarätiger Einsatz (Aldo Florio, 1968)

Ein Flugzeug, das Diamanten transportiert, stürzt durch einen Sabotageakt ab. Ein Agent (Richard Harrison) wird damit beauftragt, die wertvollen Stücke wiederzubeschaffen und stößt dabei auf ein Netz aus schwer durchschaubaren Verstrickungen...

GÄHN! Wie kann ein Film nur so grauenvoll langweilig sein? Selten war ich so oft versucht, die Sichtung abzubrechen, doch ich habe mich bis zum Ende durchgequält. Wenn dieses Machwerk wenigstens richtig schlecht wäre, könnte man's ja noch unter Trash verbuchen, stattdessen bleibt es aber im unendlich drögen Mittelmaß stecken. Nichts, aber auch gar nichts ist irgendwie von Interesse - weder der Verbleib der Diamanten, noch die lahmen Ermittlungen, von den wirren Motivationen der Charaktere ganz zu schweigen. Teilweise nimmt es ja schon absurde Züge an, wie die Figuren da mit bierernster Miene durch dieses hanebüchene Nichts von einem Film stapfen. Man sollte jetzt aber nicht den Fehler machen zu glauben, das wäre auf irgendeine Weise unterhaltsam.

Ich als großer Fan des Italo-Kinos bin ja oft gewillt, auch dem größten Schund noch einen positiven Aspekt abzugewinnen, aber hier ist echt alles zu spät! Die mitwirkenden Damen sind ja noch ganz nett anzusehen, aber abgesehen davon, hab ich doch langsam das Gefühl, Eurospy ist ein äußerst schnarchiges Genre.

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Black Emanuelle und die letzten Kannibalen (Joe D'Amato, 1977)

Reporterin Emanuelle ist diesmal an einer Kannibalen-Story dran und macht sich daher zu einer riskanten Expedition in den Amazonas auf...

Das dünne Handlungsgerüst ist selbstverständlich hauptsächlich Vorwand, um in den exotischen Kulissen zu schwelgen und zahlreiche Sexszenen zu präsentieren, aber gerade Letztere sind doch mit außergewöhnlich viel Gefühl für Dynamik und Rhythmus umgesetzt - diese Art zu inszenieren hatte D'Amato definitiv drauf wie kaum ein anderer. Der Kannibalen-Quatsch nimmt zum Glück nicht allzu viel Raum ein, ein paar wüste Splattereinlagen mussten dann aber doch sein. Nebenbei werden noch sämtliche Abenteuerfilm-Standards abgegrast (Leute werden von Schlangen angegriffen, versinken im Schlamm etc.), immerhin die Dschungel-Locations sorgen jedoch in den besten Momenten für eine recht dichte Atmosphäre. Gefallen hat mir auch das nachdenkliche Ende, weil es so bemüht, aber doch sympathisch wirkt.
Der große Star des Films soll natürlich Laura Gemser sein, wobei Nieves Navarro (die hier wirklich fantastisch aussieht!) ihr in einigen Szenen locker die Show stiehlt. Ebenfalls mit von der Partie ist Gabriele Tinti, und Nico Fidencos schwül groovender Score passt wieder einmal wie die Faust aufs Auge.

Im Grunde die ganze Schmuddel-Palette, die man von D'Amato erwartet, aber dessen inszenatorischen Fähigkeiten ist es zu verdanken, dass hier alles etwas aufwändiger und gewaltiger wirkt, und man daher schon fast von einem Sleaze-Epos sprechen kann.



Leichen muss man feiern, wie sie fallen (Sergio Corbucci, 1978)

Raffaele (Marcello Mastroianni) verdient in einem Restaurant mit Mandolinespielen mehr schlecht als recht seinen Lebensunterhalt, außerdem sorgt er sich noch um seinen vielleicht etwas zu lebenslustigen Vater, der ständig sein Geld verspielt. Daher nimmt er eines Tages einen geheimnisvollen Auftrag an, um seine Schulden zu begleichen: er soll um 5 Uhr morgens unter einem Fenster ein bestimmtes Stück spielen. Und gerade als er eben dies tut, stürzt jemand vom Balkon. Schnell stellt sich heraus, dass der Verstorbene ein Verwandter eines berühmten Dirigenten war, welcher unter großzügigen Versprechungen auf die Hilfe des Mandolinenspielers bei der Aufklärung der Umstände setzt. Dabei scheint eine Kassette eine besondere Rolle zu spielen und bald stürzen auch schon die Nächsten aus dem Fenster...

Eine im positiven Sinne äußerst merkwürdige Mischung aus Giallo und Komödie, die Sergio Corbucci hier geschaffen hat. Vielleicht kann man den Film auch als Giallo-Parodie verstehen - denn gerade in der Art, wie die für das Genre typischen, skurillen Figuren und Situationen hier auf die Spitze getrieben werden, entwickelt sich oft ein herrlich absurder Humor. Das Ganze ist angereichert mit einem durch und durch italienischen Flair, angesiedelt in einem Neapel, in dem scheinbar nur exzentrische Existenzen ihr Dasein fristen und welches manchmal fast schon in surrealem Licht schimmert. Die Spannung oder überhaupt das Interesse an der Handlung halten sich dabei in Grenzen, aber der Film hält bei Laune mit seinen abstrusen Überraschungen, die immer wieder wie im Vorbeigehen aus dem Ärmel gezaubert werden. Diese hier zu verraten, würden aber den Filmgenuss trüben, daher möchte ich mich damit zurückhalten. Die Auflösung ist dann auch eine Klasse für sich und strapaziert ordentlich die Gehirnwindungen.
Mastroianni ist großartig in der Rolle des naiv-liebenswürdigen Musikers, der in etwas hineingerät, das er nur langsam beginnt zu verstehen. Michele Piccoli als großspuriger Dirigent und Zeudi Araya (ROBINSON JR.) als seine leichtlebige Frau sind ebenfalls eine interessante Konstellation. Ornella Muti darf nicht nur toll aussehen, sondern gibt auch eine überzeugende Femme Fatale ab, und komplettiert wird der Cast mit Capucine und Komödien-Urgestein Peppino De Filippo (hier in seiner letzten Rolle). Riz Ortolanis Score bietet sowohl Mandolinen-Klänge als auch elektronische Elemente und komödientypische Musik - hört sich komisch an? - ist es auch und passt damit perfekt ins Gesamtbild!

Erfrischend andersartiger und konsequent seltsamer Giallo, mit erstaunlich treffsicherem humorvollen Gespür für übersteigerte, schräge Situationen. Auf seine Weise vielleicht sogar beinah einzigartig und sicher eine von Sergio Corbuccis ambitioniertesten Arbeiten außerhalb des Western-Genres.



Die Nacht der Entscheidung (Steve De Jarnatt, 1988)

Harry hat gerade seine Traumfrau kennengelernt und sich mit ihr für ein Rendezvous um kurz nach Mitternacht verabredet. Er will sich bis dahin nochmal hinlegen, da es in seinem Hotel jedoch einen Stromausfall gibt, klingelt sein Wecker nicht und er wacht erst gegen 4 Uhr auf. Sofort macht er sich auf den Weg zu dem Imbiss, wo sie sich treffen wollten, doch sie ist schon weg, stattdessen klingelt aber in der dortigen Telefonzelle das Tefefon - er nimmt ab und es meldet sich eine verwirrte Stimme, die erzählt, dass Amerika sich im Nuklear-Krieg befindet und in weniger als einer Stunde Atomraketen Los Angeles treffen werden. Er berichtet den paar Nachtschwärmern, die in dem Imbiss noch anzutreffen sind, davon, diese halten ihn natürlich erst für verrückt, doch als er einen Code erwähnt, von dem in dem Telefongespräch die Rede war, meint eine anwesende Frau, die in dieser Richtung mal Kontakte hatte, die ganze Aktion könnte tatsächlich mehr als ein schlechter Scherz sein. Als sie dann auch noch erfahren, dass einige Regierungsbeamte schon auf dem Weg in die Antarktis sind, packt sie die nackte Angst und schnell fassen sie den Plan, an einen Hubschrauber zu kommen, um mit diesem zum Flughafen zu gelangen und ebenfalls Reißaus zu nehmen. Gleichzeitig sucht Harry allerdings auch immer noch panisch nach seiner Freundin. Währenddessen ist es in der Stadt anfangs beinah noch gespenstisch ruhig, da sonst niemand davon zu wissen scheint, doch bald bricht das absolute Chaos aus - viele versuchen zu fliehen, andere drehen vollkommen durch und fangen an zu vergewaltigen und zu morden...


Wow, es gibt nur wenige Film, die es schaffen, so den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Mit Katastrophen- oder Verschwörungs-Filmen kann ich im Allgemeinen gar nicht so viel anfangen, aber dieser ist anders! Da man als Zuschauer genauso ahnungslos ist, wie die Figuren, baut sich schnell eine packende Atmosphäre auf, die eine faszinierende Identifikation mit den Charakteren erlaubt. Denn der Fokus liegt auf den Einzelschicksalen dieser nächtlichen, von Irrsinn und Paranoia bestimmten Odyssee, während die eigentliche Bedrohung mehr im Hintergrund brodelt. Speziell interessant dabei finde ich, dass MIRACLE MILE oft mit Scorseses AFTER HOURS / DIE ZEIT NACH MITTERNACHT (einer meiner absoluten Lieblingsfilme - Geheimtipp!) verglichen wird, was ich anfangs kaum glauben konnte, das sie sich bis auf die Ausgangssituation (also dem Date) inhaltlich doch stark unterscheiden. Doch es stimmt, in Punkto nächtliche Großstadt-Atmosphäre, die in Verbindung mit den teils skurillen Charakteren und haarsträubenden Situationen, oft schon surreale Dimensionen annimmt, dürften diese beiden Film fast einzigartig sein. Vielleicht könnte man im ersten Moment denken, die Geschichte ist etwas weithergeholt oder konstruiert, doch gerade in Zeiten, wo Atomenergie und Atomwafffen immer wieder in der Diskussion stehen, kann so ein Film schon für ein sehr mulmiges Gefühl sorgen. Ich denke, die Botschaft dahinter ist klar!

Fesselndes, sicher nicht perfektes, aber in vielen Momenten großartiges Filmerlebnis! Am besten gleich zusammen mit DIE ZEIT NACH MITTERNACHT bestellen.

In Deutschland gibt es ihn leider nicht auf DVD, somit bleibt die Wahl zwischen der dt. VHS, die mir vorliegt und welche es auch noch recht günstig im Amazon-Marketplace gibt, und der US-DVD.

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PostPosted: 14.10.2012 03:31 
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La Califfa (Alberto Bevilacqua, 1970)

In einer großen Fabrik kommt es zum Streik und der Konflikt zwischen den Arbeitern und den reichen Unternehmern nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Besonders im Mittelpunkt steht dabei eine junge Frau (Romy Schneider), die sich auf ein Verhältnis mit dem Fabrikbesitzer (Ugo Tognazzi) einlässt...

Bemüht um seine ernsten Themen wirkt der Film ja, vielleicht aber eben zu bemüht, denn genau da liegt das Problem. Der Funke will einfach nicht überspringen, eine Identifikation mit den Charakteren gelingt nur selten und das ist für jeden Film schonmal eine schlechte Ausgangsvoraussetzung. Ja, vereinzelt gibt es gelungene Szenen, an diesen trägt vor allem auch Morricones herausragender Score einen großen Anteil. Dem gegenüber stehen dann allerdings wieder schablonenhafte Zusammenhänge und mitunter gar ziel- und belanglos anmutende Einfälle. Ganz interessant ist immerhin noch, dass in Nebenrollen einige Darsteller, die man eher aus dem Exploitation-Fach kennt, dabei sind, wie Franco Ressel, Ernesto Colli, Massimo Serato und Guido Alberti.
Ansonsten denke ich aber, genau solche schwerfälligen Filme sind die Ursache, warum viele Italo-Fans nicht ganz zu Unrecht oft Berührungsängste mit dem "seriöseren" italienischen Kino haben, wobei man mit dieser Herangehensweise natürlich auch ein paar echte Perlen verpasst.

Jedenfalls kann ich in dem Fall eigentlich nur Morricones Musik wirklich loben, denn der Rest wirkt zwar ambitioniert, aber gleichzeitig auch unausgegoren.

Auf DVD von Kinowelt erhältlich.



Delitto Carnale (Cesare Canevari, 1983)

Einige Leute finden sich in einem Hotel ein, da der Besitzer gestorben ist und es nun um's Erbe geht. Von Trauer ist jedoch kaum eine Spur, stattdessen betrinken sich die Meisten und machen miteinander rum. Und als dann ein Mord geschieht, werden sie aufgrund der Ermittlungen gezwungen, noch länger in dem Hotel auszuharren...

Wahrlich kein leichter Film! Man hat das Gefühl, als ob die Geldgeber nur ein schnelles Produkt, das sich als Softcore und Hardcore vermarkten lässt, wollten, während Canevari auf verlorenem Posten teilweise doch versucht, eine künstlerische Handschrift einfließen zu lassen.
Der Beginn plätschert erstmal ziemlich belanglos vor sich hin - eine lesbische Liebelei verzerrt durch eine leere Whisky-Flasche (mit dem sich die beiden Damen vorher genüsslich übergossen haben) gefilmt und eine kurze Vision, die sogar recht überraschend und erschreckend daher kommt, sind da schon das höchste der Gefühle. Schnell merkt man, die Handlung ist eher ein Zustand als eine Geschichte. Wenn Canevari dann aber die Lieblingsbeschäftigungen der Protagonisten (siehe Inhalt) in einer gar nicht enden wollenden Sequenz in flackerndem Licht und mit eingängigen Songs in Szene setzt, dann wandelt sich die Belanglosigkeit schon fast zum Rausch. Aber eben nur fast, denn so ganz konsequent wirkt der Film dann doch nicht. Im letzten Drittel kommt die Krimi-Handlung unter immer bedrohlicher werdender Musik wieder zum Vorschein, für eine gelegentliche Sex-Szene muss aber trotzdem noch Platz sein und die Auflösung ist zwar schön abstrus, aber hat mich auch nicht wirklich vom Hocker gerissen. Immerhin, Ambitionen in Richtung Bildgestaltung sind nicht ganz von der Hand zu weisen und dass man es auch noch geschafft hat, einen Shakespeare-Bezug mit einzubauen, sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Auch die Musik ist meist gelungen, wobei Mimi Uva hier teilweise sein Haupt-Thema aus THE SISTER OF URSULA recycled.

Schön obskur und nicht ohne Kuriositätenwert, aber eben auch sehr ereignislos und daher von, sagen wir mal, schwierigem Unterhaltungswert.



Terror aus dem Weltall (Mario Gariazzo, 1978)

Ein Fotograf und ein Model machen im Wald ein Foto-Shooting, plötzlich spüren sie eine seltsame Aura - wenig später sind die beiden verschwunden und in der Gegend häufen sich merkwürdige Vorfälle. Ein Journalist (Robert Hoffmann) versucht, Licht ins Dunkel zu bringen...

Leider liest sich diese Story viel interessanter, als es letztlich ist. Hanebüchen und uninspiriert zusammengeschustert - das trifft's wohl am besten.
Die in blaues Licht getauchten und mit piepsiger Geräuschkulisse unterlegten subjektiven Aufnahmen der Außerirdischen hämmern ab den ersten Minuten in regelmäßigen Abständen auf den Zuschauer ein und zerstören damit jegliche Mystik, die so eine Geschichte potentiell bieten könnte. Ganz zu Beginn hatte ich ja noch Hoffnung, denn gerade Szenen wie das Foto-Shooting versprühen einen herrlichen 70s-Charme, der Rest ist dann aber so dröge und uninteressant abgespult, dass selbst bewährte Mimen wie Robert Hoffmann und Martin Balsam kaum was retten können.

Sicher habe ich schon Manches gesehen, das noch quälend langweiliger war, aber der Film ist regelrecht an mir vorübergezogen, so dass einmal Anschauen (und wahrscheinlich in kürzester Zeit wieder vergessen) wirklich mehr als genug ist.

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Emanuela - Alle Lüste dieser Welt (Joe D'Amato, 1977)

Emanuelle (Laura Gemser) reist wieder einmal in der Weltgeschichte herum und kommt dabei einem international organisierten Ring von Mädchenhändlern auf die Schliche. Los geht's in New York, wo sie den Auftrag bekommt, nach Indien zu reisen, da dort eine Story um einen Liebes-Guru (George Eastman!), der in Kursen den ultimativen Orgasmus lehrt, lockt. Enttäuscht von der Zusammenkunft (kann man durchaus wörtlich verstehen) mit dem Guru, findet sie jedoch Hinweise auf eine Organisation, die in Rom junge Touristinnen entführt, was sie also nach Italien führt. Dort angekommen stürzt sie sich mit Hilfe einer befreundeten Journalistin (Karin Schubert) in gefährliche Ermittlungen, die sie bald bis nach Hong Kong führen. Und letztendlich gerät sie in New York an höchste Politiker, die schmutzigen Zeitvertreiben nachgehen...

Sexploitation-Kino der Königsklasse!
D'Amato lässt alles wieder größer und teurer aussehen, als es wahrscheinlich war, ist sich aber auch für schmuddelige Abgründe nicht zu schade. Dabei schwankt der Film manchmal fast im Sekundentakt zwischen harmlos-exotischer Travelogue-Footage, ansprechend inszenierten Erotikszenen und grimmigem Sleaze. Immer begleitet von der exzellenten Kamera-Arbeit D'Amatos und den pulsierenden Klängen Nico Fidencos, die sich wie ein roter Faden durch's filmische Geschehen ziehen. Dabei gibt es hin und wieder auch mal halbwegs kritische Anklänge, wenn z.B. Emanuelles Verleger gar nicht wirklich an ihren dramatischen Entdeckungen interessiert ist, sondern eigentlich nur ein paar "Ärsche und Titten" für seine Zeitung haben will oder der religiöse Guru sich hauptsächlich erstmal nur um's Geld kümmert. Auch das Thema Mädchenhandel wird nicht nur klischeehaft als Problem der Dritte-Welt-Länder deklariert, sondern auch die reichen, ach so zivilisierten Nationen haben Dreck am Stecken. Aber ich schrieb "halbwegs kritisch", da man diese Ansätze auch nicht allzu ernst nehmen kann, wenn D'Amato dann im nächsten Moment wieder heiter in nackter Haut schwelgt. Das ist halt genau der Widerspruch, der das Exploitation-Kino, aber eben oft auch so interessant und unterhaltsam macht. Sicher kann man das mitunter auch mal fragwürdig finden, aber die Unterstellung, dass solche Film immer vollkommen dümmlich seien, will ich nicht akzeptieren. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich auch gleich mal den D'Amato oft gemachten Vorwurf, er würde Vergewaltigungen verharmlosen, entkräften. Denn zumindest in diesem Fall werden die gewaltvollen sexuellen Übergriffe zum Teil auch mit ihren schrecklichen Auswirkungen präsentiert und sind im starken Kontrast zu den einvernehmlichen Sex-Darstellungen inszeniert. Von Verharmlosung oder Verherrlichung kann da nicht wirklich die Rede sein.
Jetzt aber genug mit diesem moralischen Ausflug, der aber auch mal sein muss.

Fakt ist: Der Film zeigt D'Amato auf der Höhe seines Könnens, Laura Gemser sieht klasse aus und ihre Begegnung mit Karin Schubert dürfte zu den erotischen Höhepunkten der Reihe gehören.
Kurzum, eine Empfehlung für jeden Freund sleaziger Italo-Filmkost.

Die Severin-Scheibe ist in der "Black Emanuelle's Box Vol. 1" oder inzwischen auch einzeln erhältlich, die Qualität bietet keinen Grund zur Beschwerde, man hat die Wahl zwischen engl. Synchro oder ital. Ton + engl. UTs und als Bonus gibt's noch ein sehr sympathisches Interview mit Nico Fidenco.



Eine Superpolizistin in New York (Michele Massimo Tarantini, 1981)

In New York bekriegen sich diverse Gangsterbanden. Daher schickt die römische Polizei zwei Doppelgänger nach Amerika, die dort einen der Bosse dingfest machen sollen...

Eine Italo-Komödie, mit Edwige Fenech und Alvaro Vitali in Doppelrollen und noch dazu in Amerika angesiedelt - das klingt doch ganz reizvoll. Natürlich ist das albern, natürlich kann man die Story getrost vergessen, aber dafür ist diesmal alles eine Nummer größer, der Klamauk actionreicher, einfallsreicher und, was ja am wichtigsten ist, vor allem tatsächlich lustiger! Edwige Fenech hat eine ungewöhnlich schlagfertige Rolle, in der sie auch austeilen darf und man mal mehr von ihrem komödiantischen Talent zu sehen bekommt, da schadet es dem Film auch nicht, dass sie nur eine kurze Topless-Szene hat. An ihrer Seite zeigt Alvaro Vitali einmal mehr, dass er manchmal auch richtig witzig sein kann und der restliche Cast um u.a. Aldo Maccione und Renzo Montagnani ist ebenfalls bestens aufgelegt. Obendrein gibt's noch einen schmissigen Score von Berto Pisano und On-Location-Shooting im New York der 80er. Na, wenn das nix is...

Ein kleiner Höhepunkt der Poliziotta-Reihe und somit eine glasklare Empfehlung für Fenech-Fans, die nicht völlig allergisch auf Italo-Klamauk reagieren.



Eine total verrückte Kompanie (Luciano Salce, 1979)

Ein paar gestandene Männer werden aus dem Alltagsleben rausgerissen und sollen für 40 Tage nochmal zum Militärdienst antreten. Nach körperlicher Arbeit ist ihnen jedoch gar nicht zu Mute und so pflegen sie lieber alte Männerfreundschaften und Frauenbekanntschaften...

Viel habe ich von Luciano Salce zwar leider noch nicht gesehen, doch ich würde ihn bei den fähigeren Komödienregisseuren verorten. So wurde hier auf die abgrundtiefen Albernheiten, die diese Militär-Klamotten sonst oft zu bieten haben, glücklicherweise weitestgehend verzichtet. Am Anfang hatte ich noch etwas Bedenken, denn echte Lacher sind da erstmal rar gesät. Doch schnell schält sich ein feiner, treffend zwischen nettem Klamauk und hintergründigeren Tönen ausbalancierter Humor heraus, der meist wirklich Spaß macht und selbst die ungewöhnlich lange Laufzeit von knapp zwei Stunden kurzweilig erscheinen lässt.
Der Cast bietet bekannte Gesichter wie Renzo Montagnani, Venantino Venantini, Aldo Maccione, Carlo Giuffre, wobei ich gerade bei Komödiendarstellern wie Montagnani oft das Gefühl habe, dass ihre Leistungen sehr variieren, je nach dem, wie es der jeweilige Regisseur versteht, das Potential aus ihnen herauszukitzeln. Hier spielen sie jedenfalls durchaus überzeugend. In den weiblichen Rollen sieht man u.a. Silvia Dionisio, Anna Maria Rizzoli und Sandra Milo, die sonst öfters mit Fellini gearbeitet hat. Außerdem haben Nello Pazzafini und Carmen Russo noch kurze Auftritte. Und abgerundet wird das alles von einem solide Score von Piero Piccioni, der auch ein paar schöne Klänge zu bieten hat.

Italo-Komödie der etwas gehobeneren, geistreicheren, aber - keine Angst - trotzdem unterhaltsamen Sorte. So gefällt mir das!

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September 2010


Sei helle - bleib Junggeselle (Giorgio Bianchi, 1958)

Marcello (Walter Chiari) widersetzt sich dem Rat des "Professors" (Vittorio De Sica), dass Männer sich niemals in die Fänge einer Ehefrau begeben sollten, und will seine Gina heiraten. Doch kurz nach der Hochzeit überschlagen sich die Ereignisse und Marcello landet angeklagt wegen Mordes vor Gericht, wo sich dann alle Beteiligten versammeln und die Geschehnisse aus ihren jeweiligen Perspektiven wiedergeben, wobei sich die Versionen des Angeklagten und der Schwiegermutter doch sehr unterscheiden. Währenddessen ist der Richter nur daran interessiert, die Verhandlung möglichst lange auszudehnen (genauer gesagt: von 12 Uhr mittags bis nach abends 9 Uhr), um so einen Vorwand zu haben, nicht mit seiner Frau in den Urlaub fahren zu müssen, da er für den Abend auch schon andere Pläne hat...

Wann bekommt das sträflich vernachlässigte Genre der klassischen Commedia all'italiana endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient? Die amerikanischen Screwball-Comedies gelten doch heutzutage auch als Klassiker, wieso wird den ebenso gelungenen italienischen Genre-Kollegen nicht die gleiche Anerkennung zu teil?
In diesem Exemplar findet sich jedenfalls ein toll gespielter, spritziger und pointierter Humor, der mitunter sympathisch nostalgisch, aber nie antiquiert daherkommt. Auch wenn natürlich klar sein sollte, dass man bei einem Film aus den 50ern die Sehgewohnheiten geringfügig umstellen muss, den Spaß schmälert das jedoch keineswegs. Macht wirklich Laune, wie der Film mit den typischen Männer/Frauen-Klischees jongliert, diese dann wieder auf den Kopf stellt, nebenbei noch ein paar Überraschungen aus dem Ärmel zaubert und das alles mit viel italienischem Charme würzt. Auch hat man auf den Schwermut, der den Vertretern des Neorealismus oft anhaftet, verzichtet.

Und wer auf meinen Ratschlag hört und sich diese wundervolle Komödie anschaut (macht ja eh keiner), der kann auch kurz Fernando Sancho in einer frühen Rolle sehen.

Gehörte zu den ersten VÖs von Mya (bei denen meist noch alles in Ordnung war), dort ist er unter dem Titel THE INVETERATE BACHELOR auf ital. mit engl. Untertiteln erschienen. Würde mich ja sehr freuen, wenn ich von dem mal eine deutsche Fassung finden würde - weiß zufällig jemand, ob da außer der Kino-Aufführung, die in der OFDB eingetragen ist, irgendwas existiert?



Mit Frack und Glacehandschuhen (Nanni Loy, 1957)

Ein Meisterdieb erschleicht sich das Vertrauen eines Juweliers, um auf diesem Wege an einen wertvollen Diamanten zu gelangen...

Edel und stilsicher in Szene gesetzte Gaunergeschichte, mit allerdings etwas zu zurückhaltendem Humor, so dass die großen Lacher leider ausbleiben. Trotz alledem nicht ohne Charme, von markanten Darstellern getragen und somit letztlich doch recht kurzweilige Unterhaltung. Die Musik ist auch auffallend gut.

Eher leichtgängiges Heist-Movie als komödiantisches Feuerwerk, aber wenn man sich erstmal an die Gangart gewöhnt hat, gut ansehbar.



Engel sind nackt am schönsten (Aldo Grimaldi, 1979)

Barbara erwischt ihren Freund Sergio (Vassili Karis) mit einer Anderen im Bett und stürzt sich daher, um Rache zu nehmen, ebenfalls in sexuelle Abenteuer. Ein schüchterner Tollpatsch, der es eh auf sie abgesehen hat, bietet dazu gleich die erste Gelegenheit...

Ähm ja, die Story ist 1. kaum existent und 2. ein Witz, soviel ist mal sicher. Eigentlich sind Protagonisten ständig nur mit irgendwelchen Seitensprüngen, die mal und mal weniger erfolgreich verlaufen, beschäftigt. Der Gipfel der Sinnlosigkeit ist der Subplot um einen reichen Schnösel, der ebenfalls an Barbara interessiert ist ("Willst du nicht doch meine fünfte Frau werden?"). Zugegeben, sonderlich spannend ist das alles nicht, ein wenig überrascht hat mich der Film aber doch - warum?
Erstens mal machen die unglaublich behämmerten Dialoge, die fast ununterbrochen auf den Zuschauer einprasseln wirklich Freude. Der Inszenierung bietet in all ihrer Schmierigkeit sogar auch einige stimmungsvolle Momente, denn Fabio Frizzis schöne Klavier- und Saxophon-Klänge verleihen selbst dem schäbigsten Ambiente noch eine große Portion Klasse, während einem in den Disco-Szenen wiederum ein paar echte Groove-Hammer um die Ohren geknallt werden. Herrlich, wie hier die Gegensätze aufeinander prallen und genau das macht auch den Reiz des Films aus, der sonst eher schlecht als recht funktioniert. An bekannten Gesichtern ist mir nur Vassili Karis aufgefallen, dieser darf sich dafür aber auch ausgiebig mit diversen Damen in den Laken wälzen.

Für die einen sicher reiner Schrott, für mich ein sympathisches Stück italienischen 70er-Zeitgeistes, dem ich gerne seine eklatanten Schwächen verzeihe.

Von X-Rated als TEENAGER SIND NACKT AM SCHÖNSTEN erschienen, dürfte zu den besseren VÖs des Labels zählen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Meine Frau ist eine Hexe (Franco Castellano/Giuseppe Moccia, 1981)

Die vor über 300 Jahren als Hexe verbrannte Finnicella (Eleonora Giorgi) taucht im Italien der 80er wieder auf, um sich an einem Börsenmakler - ein Verwandter ihres damaligen Peinigers - auf ihre ganz persönliche Weise zu rächen...

Zu Beginn bekommt man eine verhältnismäßig düstere Rückblende wie aus einem Gruselfilm zu sehen, die ich so in einer Komödie nicht unbedingt erwartet hätte - es folgt ein Zeitsprung ins moderne Italien, wo die Hexe natürlich erstmal Probleme hat, sich zu recht zu finden, doch sich mit ihren Zauberkünsten zu helfen weiß und damit allerlei Verwirrung stiftet. Was im ersten Moment noch etwas amüsant ist, wird dann leider sehr schnell sehr vorhersehbar und hat nur gelegentliche Schmunzler zu bieten. Einigermaßen erträglich machen das die schöne Eleonora Giorgi, das 80er-Flair und die beschwingte Musik von Detto Mariano, insgesamt aber ein Film, auf den man auch gut verzichten kann. Dass Helmut Berger den Teufel spielt, kann da auch nichts mehr retten.



Hexen von heute (1967)

5 Episoden von 5 Meisterregisseuren und alle mit Silvana Mangano in der Hauptrolle!

In dieser Reihenfolge:

HEXEN VERBRENNT MAN LEBENDIG von Luchino Visconti

Ein illustre Gesellschaft trifft sich einer Berghütte in Kitzbühel, plötzlich taucht in der Runde eine berühmte Filmdiva auf und sorgt bei den Frauen und vor allem auch bei den Männern für viel Aufregung...

Zwar ein nicht uninteressanter Einstieg, aber letztendlich die Geschichte, mit der ich am wenigsten anfangen konnte.


PRAKTISCHE HILFSBEREITSCHAFT von Mauro Bolognini

Nach einem Unfall nimmt eine Frau eine verletzten Mann mit, doch statt, wie er hofft, ihn ins Krankenhaus zu bringen fährt sie mit ihm erstmal durch die halbe Stadt...

Ein sehr kurzer Einspieler, mit skurillem (dieses Wort dürfte noch öfter fallen) Humor und einer bitterbösen Pointe.


DIE ERDE VOM MOND AUS BETRACHTET von Pier Paolo Pasolini

Ein Witwer sucht für sich eine neue Frau und für seinen Sohn eine neue Mutter, dabei geraten die beiden an eine Taubstumme...

Wer hier von Pasolini schwermütige Kost erwartet, liegt falsch! Schon das Erscheinungsbild der beiden wirkt sehr bizarr: Toto mit Halbglatze und riesigen Locken an den Seiten und Ninetto Davoli mit rot gefärbten Haaren. Dazu strotzt die Geschichte nur so vor abstrusen Einfällen und surrealen Eindrücken. Definitiv die überraschendste und stimmigste Episode!


DIE SIZILIANERIN von Franco Rossi

Ein Vater zettelt einen blutigen Krieg mit einer anderen Familie an, um die Ehre seiner Tochter zu verteidigen...

Die düsterste Episode, wieder sehr kurz und ebenfalls in recht skuriller Weise umgesetzt. Schwer zu sagen, was man davon halten soll.


EIN ABEND WIE JEDER ANDERE von Vittorio De Sica

Ein von ihrem Ehemann gelangweilte Frau flüchtet sich in diverse Fantasie-Welten...

Recht amüsant, wie Clint Eastwood als braver Ehemann gegen sein damaliges Westernhelden-Image anspielt. Eine gerade im Gegensatz zur vorherigen Episode wieder deutlich leichtere Geschichte, mit viel ausschweifendem 60s-Chic in den Traumsequenzen. Ein guter Abschluss.


Fazit:

Gar nicht so leicht, diesen Film angemessen zu beschreiben. Diese skurillen Elemente, die mal mehr und mal weniger im Vordergrund stehen, geben dem Ganzen auf jeden Fall ein interessanten Touch und der wuchtige, jazzig groovende Score von Piccioni und Morricone tut das Übrige. Insgesamt eine deutlich zugänglichere und kurzweiligere Angelegenheit, als ich bei den Regisseuren befürchtet hätte. Kann man sich ruhig mal ansehen, wenn er vielleicht mal wieder im TV läuft. Besonders die Pasolini-Episode, die man als das Herzstück des Films bezeichnen könnte, lohnt wirklich!



Highway Inferno (Robert W. Stringer, 1972)

Der erfolgreiche Rennfahrer Paul Tunney kehrt in seine Heimat zurück und ist kurz darauf bei einem Rennen an einem tödlichen Unfall beteiligt. Daraufhin denkt er ans Aufhören, zudem erhält er von Verwandten des Opfers noch Morddrohungen. Schon bald befindet er sich jedoch wieder hinterm Steuer, allerdings läufts nicht mehr so toll und so lässt er sich zu Drogengeschäften überreden, um sich nebenher noch etwas zu verdienen...

Weit von einem Highlight entfernt, aber besser als anfangs befürchtet.
Hauptdarsteller George Montgomery verkörpert genau die Art von Mann, wie man sie in solchen Filmen oft antrifft: Seine Leidenschaft gilt seinem Wagen, zu Alkohol sagt er nie nein, überhaupt scheint er die Hälfte seiner Lebenszeit in schummrigen Bars zu verbringen, na und die Frauen fliegen natürlich auch auf ihn - wer braucht da schon sowas wie Mimik? Die Renn-Szenen selbst sind allerdings ziemlich langweilig, eine nächtliche Verfolgungsjagd und die finale Hatz machen da am ehesten noch was her. Visuell kann der Streifen auch nicht viel, die Musik ist ebenfalls nicht besonders prägnant, zumindest einen gewissen rustikalen Charme kann man dem Geschehen aber nicht absprechen. Oberflächlich wird auch die Rassismus-Thematik angeschnitten, denn der Verunglückte war der erste schwarze Teilnehmer des Rennens. Dieser Ansatz wird aber nicht weiter vertieft, sondern spielt nur insofern eine Rolle, dass Rennfahrer Tunney dann langsam ständig Panik kriegt, sobald er irgendwo einen Schwarzen sieht, nachdem die ihm schon ein Totenhemd zur Anprobe zukommen lassen haben.

Tja, was soll man sagen, trotz vereinzelt obskuren Einfällen, kann der Film nie wirklich überzeugen, aus irgendeinem Grund ist er letztendlich aber doch fast schon erstaunlich kurzweilig. Genre-Fans können einen Blick riskieren.

Ist als Bonusfilm in der "Car Crash Collection No. 2" von KNM enthalten, was die Qualität angeht, die Erwartungen ganz niedrig ansetzen!

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La Pretora (Lucio Fulci, 1976)

Das soll, wie manche sagen, die beste Fenech-Komödie sein? Niemals!

Fulci halte ich ja eigentlich für einen fähigen Komödienregisseur und gegen eine nackte Edwige hab ich auch nichts einzuwenden, aber so schön sie auch ist, ein Film muss doch trotzdem noch was anderes zu bieten haben, um zu funktionieren und in dieser Hinsicht hat er mich auf ganzer Linie enttäuscht. Besonders nervig fand ich die Handlung, die im Grunde ja recht simpel ist, aber total überkompliziert präsentiert wird. Die Charaktere gingen mir nach einer Weile richtig auf den Geist und die Gags wirken irgendwie sehr bemüht, nebenbei verpuffen dann auch die Seitenhiebe in Richtung Doppelmoral.

Keine Ahnung, was mit Fulci los war, aber ich hatte das Gefühl, dass ihm hier jegliches Gespür für Timing und witzige Momente abhanden gekommen ist.

Für bessere Fulci-Komödien empfehle ich insbesondere THE MANIACS (der ist wirklich klasse!), außerdem MIT DAMENBEDIENUNG und DER LANGE SCHWARZE MIT DEM SILBERBLICK (dämlicher Titel). Und für bessere Fenech-Komödien sollte man lieber zu UBALDA, ALL NAKED AND WARM; WEHE, WENN DIE LUST UNS PACKT oder GIOVANNONA LONG-THIGH greifen.



Heiß über Afrikas Erde (Mino Loy, 1969)

Nach einem verlustreichen Gefecht schließen sich fünf Engländer und zwei Deutsche zusammen, um gemeinsam den Weg durch die Wüste zu bestreiten...

Bei Kriegsfilmen finde ich es weitaus interessanter, wenn sie sich auf die zwischenmenschlichen Konflikte konzentrieren, anstatt auf ewig ausgewalzte Schlacht-Szenen. Und genau in dieser Hinsicht kann der Film punkten. Denn obwohl die Protagonisten in dieser Notsituation mit immmer knapper werdendem Wasser eigentlich auf einander angewiesen sind, sorgen Misstrauen und Feindseligkeiten ständig für Zündstoff. Zusätzlich werden die Charaktere durch zahlreiche kurze Rückblenden noch etwas vertieft. Das Wüsten-Setting sorgt gerade in Verbindung mit Bruno Nicolais Musik für eine recht dichte Atmosphäre, allerdings muss man auch sagen, dass der Film nicht gerade an Einfällen übersprudelt - da hat man Einiges schonmal so ähnlich gesehen - doch diese minimalistische, eher auf's Innenleben der Figuren fixierte Herangehensweise funktioniert in dem Fall nicht schlecht, was wohl zum großen Teil am Cast liegt. Dieser bietet viele bekannte Gesichter, besonders heraus stechen George Hilton, Ivano Staccioli und Frank Wolff, die beiden Letzteren in Rollen mit ziemlich psychopathischen Anwandlungen.


Solider, leicht über dem Durchschnitt angesiedelter Italo-Kriegsstreifen, der aber auch nichts wirklich Neues zu bieten hat. Kann man sich ansehen!

Zu finden in der ersten Kriegsfilm-Box von MIG.



Ein Fischzug für 300 Millionen (Salvatore Samperi, 1971)

Zwei Gelegenheitsgauner bekommen von einem alten Bekannten den Auftrag, auf seine verwöhnte Tochter aufzupassen und schlittern dabei unvermutet in eine Entführungsgeschichte, die einige Überraschungen bereithält...

Ein wahrlich sonderbarer Film! Die Komik will nicht so ganz in Gang kommen. Zwischendurch werden auch mal ernstere Töne angestimmt, besonders gegen Ende wird es unerwartet düster, und man merkt dass man es hier nicht mit einer reinen Komödie zu tun hat. Zusätzlich sorgt auch die ländliche Einöde, in der sich das Geschehen abspielt, für eine triste Stimmung. Andererseits regiert aber auch ein ziemlich derber Humor, recht makaberer Einfall z.B.: Senta Berger als Comtessa, die sich mit ihren Liebhabern in der Gruft ihres verstorbenen Mannes vergnügt. Das Ende hält, wie gesagt, noch eine Überraschung parat und rückt den Film damit schon eher in die Crime-Ecke, da verwundert's dann auch nicht mehr, dass Aldo Lado (ja eher bekannt für finstere Stoffe) hier auch seine Finger im Spiel hatte. Mario Adorf sehe ich immer ganz gerne und dass Senta Berger wieder einmal toll aussieht, muss man eigentlich auch nicht extra erwähnen.

Insgesamt also ein seltsame Mischung, weder besonders lustig, noch übermäßig spannend, aber auch nicht völlig uninteressant (ja, ja, ich weiß, so kann man sich auch alles schönreden, aber es ist nun mal so).

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Black Magic (Cesare Canevari, 1976)

Die Prinzessin (Ajita Wilson) eines afrikanischen, diktatorischen Staates reist nach Mailand, um über Geschäftsbeziehungen zu verhandeln. Doch während sie zu keiner Gefühlsregung im Stande ist, sind ihre Vetragspartner nur an ihren erotischen Reizen interessiert und ein Journalist (Luigi Pistilli) versucht, sie in einen Sexskandal zu verwickeln...

Polit-Parabel trifft Sexploitation-Kino, und wenn dann auch noch Cesare Canevari Regie führt, dann kann man sich auf ein Feuerwerk an Ideen gefasst machen. Ein perfektes Beispiel für einen Grenzgänger auf dem manchmal schmalen Pfad zwischen Sleaze und Arthouse. Schon der Anfang zeigt die Richtung auf - man sieht einen Striptease zwischengeschnitten mit Mord und Randale in einer nächtlichen Fußgängerzone. Den Großstadt-Dschungel setzt Canevari wortwörtlich mit entsprechender Geräuschkulisse um: anfangs noch harmlos, wenn das Verkehrschaos auf diese Weise dargestellt wird; später drastischer, wenn in einem düsteren Park Menschen wie wilde Bestien übereinander herfallen. Doch das wird noch getoppt von einer schier unglaublichen Szene: Der Prinzessin werden bei einer Art Modenschau einige Typen anhand ihrer Penisgröße (!) vorgestellt (ein Kleinwüchsiger hat natürlich den Längsten), sie soll sich für einen entscheiden, doch stattdessen mündet es in einer ausufernden, surreale Ausmaße annehmenden Orgien-Sequenz unterlegt mit psychedelisch anmutender Musik. Das hört sich jetzt sicher alles sehr sleazig an, ist es teilweise auch, aber gleichzeitig kommen die politischen Untertöne auch immer wieder überdeutlich zum Vorschein. Wenn zum Bsp. eine Rede gehalten wird, dass im Heimatland der Prinzessin inzwischen die Menschenrechte respektiert werden, und man gleichzeitig die Hinrichtung von eingepferchten Gefangenen sieht. In solchen Momenten merkt man doch, dass Canevari wohl deutlich mehr im Sinne hatte, als einen Sexploitationer von der Stange zu drehen und selbst wenn diese Absichten manchmal eher vage bleiben, so ist es doch gerade diese abenteuerliche Mixtur, die den Reiz ausmacht. Dabei fängt die lebendige Kamera ständig ungewöhnliche Perspektiven ein und auch die Musik von Detto Mariano ist auf teils seltsame Weise stimmig. Ajita Wilson wirkt mal richtig passend besetzt und ansonsten kann vor allem Luigi Pistilli als versoffener, arroganter, aber doch charismatischer Journalist überzeugen.

Intellektuell stimulierendes Exploitation-Kino, wie es nur von Canevari stammen kann und zugänglicher als der kürzlich von mir gesehene A MAN FOR EMANUELLE ist der Film auch - Interessierte können sich also ruhig rantrauen.

Die X-Rated-Scheibe ist qualitativ wirklich brauchbar und noch dazu ist sie im Gegensatz zu den massiv gekürzten dt. VHS-Versionen ungeschnitten!



Die Aasgeier kommen (Joe D'Amato, 1978)

Hab gestern zum ersten Mal dieses Söldner-Filmchen von D'Amato gesehen und war doch recht überrascht.

Erstmal ist er ganz stimmungsvoll in Szene gesetzt (D'Amato war hier auch an der Kamera) und es sollte ja auch nicht das letzte Mal sein, dass er in der Dominikanischen Republik gedreht hat. Für gute Locations ist also gesorgt und diese hitzige Atmosphäre, wenn die Söldner schweißgebadet durch die Landschaft rennen, wurde auch gut umgesetzt.
Mag sein, dass der Film auf den ersten Blick ziemlich menschenverachtend erscheint, was besonders diverse rassistische Äußerungen der Figuren betrifft. Aber das würde ich nicht als politische Unkorrektheit feiern, wie es ja heutzutage gerne oft gemacht wird, denn gerade am Ende merkt man, dass D'Amato damit andere Absichten hatte. Sicherlich wurde diese Kritik nicht besonders feinsinnig eingefädelt, aber trotzdem geht der Film damit über übliche Exploitation-Strickmuster hinaus. Auch die Darstellung der Verrohung der Söldner, die gegen gute Bezahlung jeden Auftrag ausführen und sich wohlmöglich auch gegenseitig umbringen, da so das Geld nur noch unter weniger Leuten aufgeteilt werden muss, unterstreicht diesen Eindruck.
Natürlich sollte man nun keinen besonders sozial -oder gesellschaftskritischen Film erwarten, zum großen Teil ist es auch einfach ein routiniert runtergekurbelter Action/Abenteuer-Streifen, aber er hat halt doch seine Momente, in denen man merkt, dass die Macher hier auch mal etwas nachgedacht haben. Und auch auf den Helden-Pathos, den man in vergleichbaren US-Produktionen oft findet, wurde hier zum Glück verzichtet. Mit Luc Merenda ist die Hauptrolle gut besetzt und der vielbeschäftigte Stelvio Cipriani war auch wieder am Werke und liefert ganz passende Synthie-Sounds.

Also, wer mal sehen will, was D'Amato fernab jeglicher Erotik-Streifen fabriziert hat, der dürfte mit diesem Film eine gute Wahl treffen.

Nur so als Empfehlung: im Amazon-Marketplace wird das Video schon ab 1 Cent plus Porto angeboten.



Schatten und Nebel (Woody Allen, 1991)

Der unbescholtene Buchhalter Kleinmann (Woody Allen) wird mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen und aufgefordert, sich einer Bürgerwehr anzuschließen, die einen Killer schnappen will, der schon länger die Straßen unsicher macht und schon einige Menschen auf dem Gewissen hat. Jedoch teilt niemand Kleinmann seine genaue Aufgabe mit und so irrt er ahnungslos durch die dunklen Gassen und trifft dabei auf einige skurille Gestalten...

Ich liebe schräge "Nacht-Filme" und unter dem Aspekt schien mir dieser einen Blick wert.
Was zu erst auffällt: die stark stilisierte Schwarzweiß-Photographie ist auf jeden Fall eine Pracht für sich und sorgt für eine sehr atmosphärische Grundstimmung. Trotzdem ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Denn einerseits bietet der Film wirklich interessante Anflüge von Philosophie, auch der lakonische Humor weiß zu gefallen, andererseits verfängt er sich aber manchmal auch zu sehr in seiner Geschwätzigkeit und wirkt dann etwas zu gewollt "künstlerisch". Auch bei dem eher offen gehaltenen Ende beschlich mich ein wenig das Gefühl, dass man zum Schluss genauso schlau ist wie am Anfang. Dies ändert aber nichts daran, dass einige Szenen auf ihre Weise auch vollkommen gelungen und faszinierend sind.

Oft wird der Film auch mit Kafka und dem deutschen Expressionismus verglichen - das beschreibt's vielleicht am besten. Ansonsten definitiv ein unkonventionelles Werk, aber nur "Anderssein" ist eben auch erst die halbe Miete, und so bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck.

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Vampire's Kiss (Robert Bierman, 1988)

Peter (Nicolas Cage) verbringt seine Nächte mit flüchtigen Bekanntschaften, doch alles nimmt eine schicksalhafte Wendung, als er auf eine besonders temperamentvolle Frau trifft, die ihn im Rausch der Leidenschaft in den Hals beißt. Daraufhin verfällt er immer mehr dem Wahnsinn, bis er sich schließlich sogar einbildet, ein Vampir zu sein...

Dass man es hier mit keinem "normalen" Vampirfilm zu tun hat, wird schnell klar, auch die Genre-Zuordnung fällt schwer. Die Tatsache, dass Joseph Minion (der auch an AFTER HOURS beteiligt war!) das Drehbuch verfasst hat, ist da schon eher ein erhellender Hinweis. Der Wahnsinn der Hauptfigur überträgt sich auf den ganzen Film und so sitzt man als Zuschauer vor einer seltsamen Mixtur aus skurillem Humor und abgründigen, düsteren Elementen. Vielleicht sollte ich mal ein paar Szenen beschreiben, um einen Eindruck zu geben:
Peter bedrängt schon regelrecht manisch eine seiner Angestellten immer wieder damit, eine bestimmte Akte zu suchen, die aber gar nicht weiter wichtig ist (dass in seinem Büro ein Bild von Franz Kafka hängt, ist sicher auch kein Zufall). Eines nachts fliegt eine Fledermaus in seine Wohnung, später berichtet er seiner Psychologin, dass er sich davon sexuell erregt gefühlt hat. Eine Weile nach dem Biss in seinen Hals, beginnt er, alle Spiegel in seiner Wohnung kaputt zu schlagen (da er meint, sein Spiegelbild nicht mehr sehen zu können) und die Fenster zu verdecken (Vampire vertragen natürlich kein Tageslicht), außerdem will er sich noch ein paar Vampirzähne holen, hat aber nur wenig Geld und so muss er zur billigsten Plastikversion greifen, mit der er aber trotzdem eine Frau in einer Disco zu Tode beißt. Später schleppt er sich auf Erlösung hoffend mit einem Holzpfahl in der Hand durch die Straßen New Yorks.
Wie schon gesagt, zum Teil kann man über diese schrägen Einfälle wirklich lachen, doch mit den psychopathischen Anwandlungen des Protagonisten kippt die Stimmung oft auch ganz schnell wieder ins Gegenteil. Die Häuserschluchten von New York geben dafür auf jeden Fall ein stimmiges Setting ab. Nicolas Cage neigt stark zum Overacting, aber anders kann man so eine Rolle wohl kaum rüberbringen, daher würde ich ihm das nicht zum Vorwurf machen.

Freunde von skurillen Filmerlebnissen können einen Blick riskieren, auch wenn ich mir am Ende immer noch nicht sicher war, was ich nun davon halten soll.



In den Krallen des Unsichtbaren (Pierre Chevalier, 1971)

Ein Arzt wird zum Schloss von Professor Orloff (Howard Vernon) gerufen, da ihm die abergläubischen Dorfbewohner aber keine große Hilfe sind, muss er sich alleine auf den Weg machen. Dort angekommen wird er von verwirrten, verängstigten Bewohnern empfangen und wenig später weiht ihn der verrückte Wissenschaftler auch noch in sein derzeitiges Experiment - die Erschaffung ein unsichtbaren Kreatur - ein. Doch in der darauffolgenden Nacht geht einiges schief...

Ich kann mich noch erinnern: vor einigen Jahren, als ich gerade begonnen habe, mich richtig für's Eurokult-Kino zu interessieren, habe ich mir diesen Film zusammen mit Francos DAS GRAUEN VON SCHLOSS MONTSERRAT bestellt. Damals habe ich etwas in Richtung der HAMMER-Grusler erwartet und war dann natürlich total enttäuscht. Nachdem mir der Franco-Streifen jedoch inzwischen schon besser gefällt, sollte auch IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN nun mit deutlich mehr Trash-Erfahrung meinerseits seine zweite Chance bekommen.
Der Anfang macht ja erstmal gar keinen so schlechten Eindruck. Die Drehorte und Kulissen (hauptsächlich ein Wäldchen und ein heruntergekommenes Schloss) sorgen mit ihrem rustikalen Charme sofort für eine wohlige Gruselstimmung. Wenn Chevalier nur nicht so unglaublich einschläfernd inszenieren würde, so dass man sich ständig fragt, wie lang 76 Minuten eigentlich sein können! Da werden belanglose Szenen ewig in die Länge gezogen, die Darsteller schlafwandeln durch den Film und sondern ihre meist wenig interessanten Sätze wie in Trance ab und dazu ertönt ein nervtötender Score, der fast ausschließlich aus dissonanten Geräuschen besteht. Eine schöne Szene gibt es, als den Filmemachern scheinbar eingefallen ist, dass man noch etwas Nudity braucht - da legt eine der Darstellerinnen so richtig demonstrativ ihre Klamotten ab, schlüpft in ein Nachthemd, nur um sich kurz darauf wieder umzuziehen. Auch die Auftritte des unsichtbaren Monsters, insbesondere die Attacke auf das Dienstmädchen, sind an Dilettantismus kaum zu überbieten und als er dann auch noch mit Mehl sichtbar gemacht wird... ach, schaut's euch am besten selber an!
Im Grunde hat man das Gefühl, man befindet sich in einem Franco-Film, aus einer seiner ganz uninspirierten Phasen, und dafür war Pierre Chevalier scheinbar der richtige Mann. Zumindest passt es daher gut ins Gesamtbild, dass Howard Vernon hier auch mit von der Partie ist, neben Fernando Sancho und einigen meist recht ansehnlichen Damen.

Trash-Fans, denen es gar nicht schundig und "geil langweilig" genug sein kann, brauchen die Kritikpunkte selbstverständlich nicht allzu ernst zu nehmen, genauso wie Leute mit Schlafproblemen hier an der richtigen Adresse sind.

Ich rate zur US-DVD von Image Entertainment, diese bietet abgesehen von den typischen, altersbedingten Defekten eine Bildqualität, die sich wirklich sehen lassen kann, und zudem hat sie sogar eine deutsche Tonspur (!). Gibt es einzeln oder in der "Orloff Collection", die außerdem noch DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF, DR. ORLOFFS MONSTER und DIE RACHE DES HAUSES USHER enthält, und sehr preiswert zu haben ist.



Das Spukschloss in der Via Veneto (Antonio Pietrangeli, 1961)

In einem alten Palast im Herzen Roms lebt ein gealterter Prinz alleine bzw. zusammen mit Gespenstern. Als der alte Mann plötzlich stirbt, reist sein Neffe an, um das Haus zu verkaufen (da an der Stelle ein Supermarkt entstehen soll) doch die Geister setzen alles daran, dies zu verhindern...

Was sich in der Inhaltsangabe sicher etwas albern anhört, ist tatsächlich ein überraschend charmanter Film.
Statt grobem Klamauk findet man hier einen feinen Humor, der oft zum Schmunzeln anregt und auch treffsichere satirische Seitenhiebe bereithält. Dazu eine fantasievoll ausgefallene Ausstattung und Bildgestaltung, die für eine angenehm unwirkliche Atmosphäre sorgt. Marcello Mastroianni sieht man gleich in drei Rollen, besonders Vittorio Gassman als aufbrausender Maler (der allerdings auch schon im Reich der Geister weilt) weiß zu gefallen und Sandra Milo ist doch immer eine Augenweide.

Heutzutage würde man das wohl "Fantasy-Komödie" nennen, gerade dieses Genre wurde aber nur selten so stilvoll UND unterhaltsam umgesetzt, daher möchte ich eine Empfehlung für diese Italo-Komödie der etwas anderen Art aussprechen. Solche Filme verdienen eine vernünftige DVD-VÖ, damit man sie in ihrer ganzen visuellen Pracht genießen kann!

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Kika (Pedro Almodovar, 1993)

Eine Inhaltsangabe erscheint mir in diesem Fall nicht besonders sinnvoll und ist mir ehrlich gesagt auch zu kompliziert, daher will ich darauf verzichten. Zumindest möchte ich aber sagen, dass der Film auf unvergleichliche Weise (was ich erstmal wertfrei meine) düstere Familien-Tragödie, schrille Groteske und derbe Medien-Satire vereint. Präsentiert in meist knallbunten Bildern und getragen von teilweise arg derangierten Charakteren. Die erwähnten Stilrichtungen wechseln manchmal im Sekundentakt, so dass einem desöfteren das Lachen im Hals stecken bleibt, und mit zunehmender Laufzeit tun sich in der Geschichte immer weitere Dimensionen auf.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sowas wohl nie zu meinen Lieblingsfilmen gehören wird, aber ich es trotzdem lobenswert und interessant finde, dass es noch Regisseure gibt, die den Mut haben, auf Konventionen zu pfeifen und stattdessen ihren eigenen Ideen gewissermaßen freien Lauf lassen. Das ist europäisches "Anything goes"-Cinema, bei dem man - gäbe es nicht solche Gegenbeweise - denken könnte, dass es nur in den wilden 70ern möglich war.



Das Haus des Bösen (Lucio Fulci, 1989)

Nachdem ihre Eltern brutal von einem Einbrecher ermordet wurden, leben zwei Kinder zusammen mit Onkel und Tante in dem Haus, in dem das Unglück geschah, doch sie finden einfach keinen Draht zueinander, stattdessen kommt es zu immer merkwürdigeren Ereignissen und das Haus scheint regelrecht ein Eigenleben zu entwickeln...

Nicht weniger als ein verkanntes Meisterwerk! (zugeben, etwas überspitzt formuliert)
Der Vorspann präsentiert eine verschwommene Aufnahme einer alten Villa, dazu ertönen finster dräuende Synthie-Klänge. Bis dahin also erstmal recht vielversprechend (wobei, fangen diese Filme nicht immer so an?). Dann folgte bei mir erstmal Skepsis, denn die nachfolgenden Splattereinlagen kann man eigentlich nur als Zugeständnis an die Leute, die den Namen Fulci lediglich mit blutigem Zombie-Gemetzel verbinden, deuten, während sie in diesem ganz anders angelegten Film doch eher unnötig, wenn nicht sogar fehl am Platz wirken. Viel interessanter ist da schon die experimentell gefilmte Beerdigungs-Zeremonie, bei der - man glaubt es kaum - sogar ein äußerst skuriller Humor zum Vorschein kommt. Eins ist klar, an Einfallsreichtum mangelt es hier nicht und selbst wenn einige Ideen nicht wirklich schlüssig wirken, wer wird denn bei phantastischen Filmen ständig auf nüchterne Logik pochen? - das verdirbt doch nur den Filmgenuss. Gerade dieser tragische Aspekt - der Tod der Eltern - wird dabei sogar überraschend feinfühlig dargestellt und der Geisterthematik haftet eine rührende Unschuld an. Dabei ist die Nähe zum Märchenhaften deutlich spürbar, was auch durch die surreal anmutenden Weichzeichner-Aufnahmen, die für eine seltsam verwunschene Stimmung sorgen, unterstrichen wird.

Diese Entfernung von gängigen Horrorfilm-Mustern, düfte wohl auch dafür verantwortlich sein, dass der Film oft so schlecht wegkommt. Ich meine aber, wer ihm aufgeschlossen und möglichst unvoreingenommen eine Chance gibt (vielleicht auch eine zweite), wird wohlmöglich doch auf die faszinierenden Qualitäten dieses ungewöhnlichen (gar einzigartigen?) Fulci-Werkes aufmerksam werden.



The Black Cat (Lucio Fulci, 1981)

In einem englischen Dorf kommt es zu seltsamen Todesfällen, bei denen immer eine Katze eine besondere Rolle zu spielen scheint...

Fulci nimmt sich eine Geschichte von Edgar Allen Poe vor - das klingt doch erstmal interessant. Leider ist der Film hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Dass die Story ein recht lahm konstruierter Hokuspokus ist und nie so recht in Gang kommt, könnte man ja noch verschmerzen. Doch auch die erhoffte Gruselatmosphäre kann trotz der bewährten Standards (alte Villa, nebliger Friedhof, düstere Geheimnisse, etc.) nur in wenigen Momenten überzeugen und macht meist eher einen bemühten Eindruck. Pluspunkte sammeln kann auf jeden Fall die schön eingängige Titelmusik von Pino Donaggio und auch der Cast liest sich ja erstmal nicht schlecht. Wobei Dagmar Lassander in ihrer Rolle ziemlich verschenkt wirkt und Mimsy Farmer dafür umso mehr Screentime hat (andersrum wär's mir lieber gewesen). In einer Nebenrolle kann man aber immerhin Bruno Corazzari entdecken.
Ach ja, die deutsche Synchro ist echt übel und nicht in dem Sinne, dass sie Spaß macht.

Insgesamt nicht wirklich schlecht, aber wenn man weiß, wozu Fulci im Stande war, dann hat man hier doch ständig das Gefühl, da wäre noch einiges mehr drin gewesen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Über dem Jenseits (Lucio Fulci, 1981)

Gestern zum ersten Mal gesehen, und ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum dieser Film oft so gefeiert wird.

Die überaus simple Story hangelt sich langatmig von einem Gore-Effekt zum nächsten, unterlegt von dem ewig gleichen Musikstück, nebenbei gibt's noch etwas Holzhammer-Mystik, während man die wirklich atmosphärischen Momente mit der Lupe suchen kann. Ich habe nichts generell gegen drastische Horror-Streifen (falls das jetzt so rüberkommen sollte), nur sollten solche Effekte in ein einigermaßen stimmungsvolles Umfeld eingebettet sein und genau daran mangelts hier an allen Ecken und Enden. Dagegen schäumen Fulcis vielgescholtene Spätwerke wie DAS HAUS DES BÖSEN oder DIE UHR DES GRAUENS ja förmlich vor Inspiration (das meine ich ernst!).

Ich will dem Film seine eventuellen Qualitäten nicht vollkommen absprechen (vielleicht kriegt er ja irgendwann auch nochmal ne zweite Chance), aber seine Popularität hat er zu großen Teilen wohl auch eher anspruchslosen Gore-Bauern zu verdanken. Oder wie ist es zu erklären, dass Fulcis hervorragenden Gialli bei weitem nicht diese Aufmerksamkeit zukommt?

Fazit: Fulci kann viel mehr! Da hat ja selbst Andrea Bianchis DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES mehr Flair und Unterhaltungswert.



Komm, liebe Maid und mache (Josef Zachar, 1969)

Auf einem verschlafenen Schlösschen geht's rund, als die von ihren Männern vernachlässigten Frauen in der hauseigenen Bibliothek auf ein gar sündiges Werk von Honore De Balzac stoßen. Zu weiteren Verwicklungen kommt es bei einem Fest anlässlich der Weinernte...

Wie man auch am Alternativtitel DIE TOLLDREISTEN GESCHICHTEN NACH HONORE DE BALZAC sieht, schmückt man sich hier ein wenig mit Verweisen in Richtung Weltliteratur - allzu weit mag es damit nicht her sein, doch das Schöne bei diesen Kostümschinken ist, dass sie optisch schonmal deutlich mehr zu bieten haben, als vergleichbare, in der Gegenwart angesiedelte Erotikklamotten. Und so plätschert der Film ganz angenehm und unaufgeregt (ein Schelm, wer das "langweilig" nennen würde) vor sich hin und gibt sich in den oft zweideutigen Dialogen betont geistreich, was aber nur selten wirklich amüsant ist. Letztendlich müssen Edwige Fenech und Co. mit ihren freizügigen Auftritten halt mal wieder retten, was noch zu retten ist, und halbwegs gelingt das sogar. Ein kleiner Höhepunkt ist dabei der psychedelisch angehauchte "Tanz im Weinbottich", unterlegt mit Musik von Gerhard Heinz. Positiv hervorheben muss man außerdem, dass dem Ralf Wolterschen Klamauk nicht zu viel Raum gegeben wurde.

Um einen Exploitation-Knaller handelt es sich hier natürlich nicht wirklich, doch als leichtgängige Kostüm-Erotik-Farce mit Starbesetzung ist der Film allemal ansehbar.



Die Mörderklinik (Elio Scardamaglia, 1966)

In einer im tiefsten Wald gelegenen psychiatrischen Privatklinik geschehen Morde. Außerdem dringen seltsame Geräusche aus der obersten Etage, die nicht betreten werden darf, und der Oberarzt geht undurchschaubaren Machenschaften nach...

Ausgesprochen interessanter, im Gothic-Ambiente angesiedelter Früh-Giallo, bei dem eigentlich alles stimmt!
Ausufernde Gewaltexzesse sollte man hier natürlich noch nicht erwarten, aber das hat der Film auch gar nicht nötig. Denn Regisseur Scardamaglia inszeniert einfallsreich, ohne größere Längen und vor allem mit viel Sinn für Atmosphäre, Locations und visuelle Kniffe. So ein Schauplatz ist dabei freilich prädestiniert für schräge Nebenfiguren, so gibt's zum Beispiel eine Patientin, die mit einer ausgestopften Katze schmust, und einen anderen, der öfters gefährliche Anfälle hat, aber im Mittelpunkt steht doch eindeutig die Story, welche einige Wendungen bietet und damit gut die Spannung hält. William Berger ist perfekt in der Rolle des zwielichtigen Arztes, die Frauen sind schön und die Musik begleitet die Geschehnisse äußerst effektiv.

Da kann man doch tatsächlich von einem kleinen Juwel sprechen, das einen weitaus höheren Bekanntheitsgrad verdient hätte.

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