Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Die Rache des Vampirs (Roberto Mauri, 1962)

Ein junges Pärchen quartiert sich zusammen mit einigen Freunden in einem alten Schloss ein. Bei einem Fest erscheint plötzlich ein mysteriöser Unbekannter (Dieter Eppler), dem die Frau (Graziella Granata) sofort verfällt. Als sich daraufhin aus unerklärlichen Gründen ihr Gesundheitszustand drastisch verschlechtert, liegt die letzte Hoffnung bei Dr. Nietzsche (Luigi Batzella), dessen Spezialisierung auf Vampire in dem Fall sehr hilfreich zu sein scheint...

Gothic-Grusel in Reinkultur, mit dem die Italiener mal wieder beweisen, dass sie den HAMMER-Produktionen in nichts nachstehen.
Praktisch ein Film, in dem man sich wohlfühlt, selbst wenn über weite Strecken gar nichts sonderlich Aufregendes passiert. Denn obwohl die Story relativ überraschungsfrei bleibt und die Inszenierung ohne spektakuläre Höhepunkte auskommt, weiß die konstant dichte Atmosphäre doch sehr zu gefallen. Zudem werden die stimmungsvollen Bilder äußerst stilvoll von Aldo Pigas wuchtigem, klavierlastigen Score untermalt. Roberto Mauri, der in seiner späteren Laufbahn, auch vor Trash-Abgründen nicht zurückschreckte, zeigt hier also, dass er auch grundsolide, handwerklich mindestens kompetente Werke abliefern konnte. Während einer meiner liebsten Italo-(Schund)-Regisseure, Luigi Batzella, als Schauspieler gar keine schlechte Figur macht. Und dass das italienische Kino fast schon standardmäßig immer die schönsten Frauen zu bieten hat, muss man ja auch langsam nicht mehr extra erwähnen.

Somit bleibt ein im besten Sinne altmodisches Filmerlebnis, das ich jedem Freund klassischer Gruselstoffe guten Gewissens ans Herz legen kann.

Die US-DVD des Labels Dark Sky (Titel: SLAUGHTER OF THE VAMPIRES) enthält die engl. Synchro, außerdem, was ich immer vorteilhaft finde, stehen zusätzlich engl. Untertitel zur Wahl (diese werden auf dem Cover nicht erwähnt). An der Qualität gibt's nichts zu meckern und ein Interview mit Dieter Eppler findet sich auf der Scheibe auch noch.



Die Mühle der versteinerten Frauen (Giorgio Ferroni, 1960)

Ein Student (Pierre Brice) reist nach Amsterdam, um eine Arbeit über die in einer Mühle ausgestellten Frauenstatuen zu verfassen. Vom Professor, dem die Mühle gehört, erhält er eher widerwillig Unterstützung, doch dessen Tochter (Scilla Gabel) fällt ihm dafür umso mehr ins Auge. Als diese kurz drauf an einer seltsamen Krankheit stirbt, wenig später jedoch wieder lebendig erscheint, beginnt er langsam an seinem Verstand zu zweifeln, denn zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nichts von den schrecklichen Vorgängen in der Mühle...

Anfänglich hatte ich noch Zweifel, denn der Film lässt sich erstmal etwas altbacken an, was zusammen mit der betulichen Erzählweise, doch ein wenig Geduld erfordert. Die Ausstattung und die gesamte visuelle Gestaltung sind jedoch beinah in jeder Einstellung eine wahre Pracht, so dass man sich sofort an - na wen wohl? - Mario Bava erinnert fühlt. Ungefähr ab der zweiten Hälfte kommt die Geschichte dann auch endlich in Fahrt und gibt dem Film damit nochmal einen enormen Schub. Weiterhin gesellen sich zu der bis dahin eher nostalgisch-harmlosen Atmosphäre einige für die damalige Zeit erstaunlich makabre Einlagen. Und Puppen sorgen doch einfach immer wieder für schaurige Momente. Selbst das hölzerne Spiel von Pierre Brice fügt sich da recht passend in die allgemein sehr künstlich wirkende Inszenierung ein. Und da es einem bei Scilla Gabel schnell mal die Sprache verschlagen kann, fällt mir jetzt auch gar nichts mehr ein, was ich noch schreiben soll.

Insgesamt fehlt zu einem echten Meisterwerk vielleicht noch der letzte Schliff, aber als faszinierendes Kleinod ist er doch höchst-sehenswert.




Oktober 2010




Destinazione Piovarolo (Domenico Paolella, 1955)

Hunderten von Bahn-Mitarbeitern werden neue Stellen zugeteilt, Antonio La Quaglia (Toto) wird dabei in einen kleinen Ort namens Piovarolo versetzt. Was sich in der Beschreibung noch recht idyllisch anhört entpuppt sich allerdings schnell als mieses Kaff - statt Sonne herrscht ständig Dauerregen, die Einheimischen sind verschlossen und überhaupt fühlt sich der pflichtbewusste Schaffner nur unterfordert und genervt von seinem neuen Arbeitsplatz. Somit liegt seine ganze Hoffnung darauf, der Einöde zu entfliehen und eine Stelle in einer größeren Stadt zu ergattern...

"Toto" ist das Stichwort, mit ihm steht und fällt der Film! Während er in Italien sicher zu den bekanntesten Komikern zählt, konnte er auf den deutschen Leinwänden nie so Fuß fassen, wie beispielsweise ein Louis De Funes (ist der beste Vergleich, der mir im Moment einfällt). Verdient hätte er es aber allemal, denn alleine was dieser Mann schon mit Mimik und Gestik leistet, ist eine wahre Freude. Die großen Schenkelklopfer sind da zwar eher selten, doch an charmanten Einfällen mangelt es nicht, so dass für gute Unterhaltung gesorgt ist. Da der Film beginnend in den 20er-Jahren angesiedelt ist, gibt es auch ernstere Untertöne in Hinblick auf die politischen Entwicklungen der kommenden Jahre und dabei gelingt erstaunlich gut das Kunststück, einerseits kritische Seitenhiebe einfließen zu lassen, aber andererseits gleichzeitig den (mitunter tragik-)komischen Aspekt der Situation nicht aus den Augen zu verlieren.

Wer schon an anderen Filmen mit Toto Gefallen gefunden hat, der dürfte also auch hier eine gute Wahl treffen. An meine Favoriten unter den italienischen Komödien kommt er allerdings doch nicht ganz ran.

Vom italienischen Label CRISTALDI FILM mit sehr guter Bildqualität und englischen Untertiteln erschienen.

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Murder Obsession (Riccardo Freda, 1981)

Der Schauspieler Michael bekommt bei einem Dreh einen Anfall und erwürgt beinah eine Darstellerin. Dies weckt bei ihm sofort Erinnerungen an seine Kindheit, denn ihm wird nachgesagt, er habe seinen Vater getötet. Um sich von dem Zwischenfall zu erholen, fährt er zu seiner Mutter (Anita Strindberg), die in einer abgelegenen Villa zusammen mit einem Butler lebt. Doch lange währt die Ruhe nicht...

Wenn man eines gleich feststellen kann, dann, dass Subtilität nicht gerade die Stärke des Films ist. Das größere Problem ist jedoch, dass es mit Spannung auch eher schlecht aussieht und die Handlung anfangs so gar nicht in Gang kommen will. Doch gerade als ich den Film schon beinah abgeschrieben hatte, kommt Freda mit einer Traumszene um die Ecke, die es wahrlich in sich hat. Die Nähe zum Gothic-Horror wird ja schon durch die Location deutlich, aber wie er in dieser Sequenz die für das Genre typischen Elemente in höchst-grotesker Weise auf die Spitze treibt, dazu surreale Visuals zaubert und das Ganze auch noch mit klassischer Musik unterlegt, das kann sich schon sehen lassen und hätte ich in dieser Form kaum noch erwartet. Weiterhin folgen ein paar brachiale Mordszenen und auch der giallo-typische, haarsträubende Schluss-Twist darf nicht fehlen. Erwähnenswert ist außerdem die psychologische Komponente, die besonders durch das schicksalhafte Verhältnis zwischen Mutter und Sohn verdeutlicht wird, aber auch sonst über den Ereignissen schwebt.
Der Cast hat bekannte Gesichter wie Laura Gemser und Silvia Dionisio zu bieten, wobei Anita Strindberg schon besonders heraussticht.

Kantiges Spätwerk von Riccardo Freda, bei dem die visuellen und erzählerischen Überraschungen am Ende doch fast die offenkundigen Schwächen aufwiegen.



Zwölf plus eins (Nicolas Gessner, 1969)

Der in New York lebende Italo-Amerikaner Mario (Vittorio Gassmann) bekommt in seinem Frisörgeschäft eines Tages die Nachricht überbracht, er habe von einer angeblich reichen Tante aus England ein Haus geerbt. Guter Dinge macht er sich auf den Weg, findet jedoch dort lediglich eine baufällige Bruchbude vor. Ein paar Stühle bringt er noch zu einem Antiquitätenhändler, doch als er durch eine hinterlegte Nachricht herausfindet, dass in einem der 13 Stühle etwas sehr Wertvolles versteckt ist, sind sie schon weiterverkauft, und so geht die turbulente Jagd von England über Paris bis nach Italien, und mittlerweile haben auch schon ein paar mehr Leute von der Sache Wind bekommen...

Scheinbar ein recht unbekannter Film, was angesichts der Starbesetzung doch verwundert. Meistens wird er in dem Zusammenhang erwähnt, dass Sharon Tate hier ihren letzten Auftritt hatte, was dem Ganzen natürlich ein tragische Note gibt.
An sich hat man es jedoch mit einer Slapstick-Komödie zu tun, wie sie im Buche steht. Vittorio Gassmann und Sharon Tate (die auch öfters ihre Reize einsetzen darf) geben in den Hauptrollen ein Traumgespann ab, das mit seiner Spielfreude wirklich Laune macht. Orson Welles hat einen reichlich skurillen Part, als Leiter eines Gruseltheaters. Außerdem dabei sind Therry Thomas, Vittorio De Sica und John Steiner, plus weitere bekannte Gesichter, denen ich gerade keine Namen zuordnen kann. Und so kann man zur beschwingten Musik von Stelvio Cipriani, dabei zusehen, wie die Verwicklungen ständig zunehmen, jeder jeden hintergeht und in den unmöglichsten Situationen Stühle aufgeschlitzt werden, immer in der Hoffnung, nun endlich das große Los zu finden.
Einige Zusammenhänge wirken dabei etwas abgehackt, auch zündet nicht jeder Gag, aber insgesamt macht diese Sause gerade mit ihren vielen Schauplatz-Wechseln schon viel Spaß.

Mit Komödien-Klassikern wie DAS GROSSE RENNEN RUND UM DIE WELT oder EINE TOTAL, TOTAL VERRÜCKTE WELT kann sich der Film sicher nicht ganz messen. Dafür sind jedoch der Camp-Faktor und die große Portion italienisches Flair nicht zu verachten.



Toto, Peppino und das leichte Mädchen (Camillo Mastrocinque, 1956)

Antonio (Toto) und Peppino (Peppino De Filippo) leben auf dem Land, sind chronisch pleite und stellen ständig irgendwelchen Unsinn an. Ihr Neffe jedoch ist ein engagierter Medizin-Student, der wegen den Prüfungen nach Mailand fährt. Als seinen Onkeln allerdings zu Ohren kommt, dass er dort eher an Frauen als am Lehrstoff interessiert ist, beschließen die beiden, sich auf den Weg in die Großstadt zu machen, um nach dem Rechten zu sehen...

Die ständigen Kabbeleien der beiden Brüder um dubiose Geldgeschäfte sind köstlich. Ebenso herrlich, als die beiden Provinzler in Winterklamotten in Mailand ankommen (ein verfeindeter Nachbar hat ihnen weisgemacht, es sei dort eiskalt!), ein Nobelrestaurant aufmischen oder für südamerikanische Agenten gehalten werden.
Verschwinden Toto und Peppino jedoch von der Bildfläche, dann lässt der Film stark nach, denn interessant ist die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen der Nachtclub-Sängerin und dem Studenten kaum. Immerhin sind aber selbst die eher belanglos anmutenden Szenen einigermaßen stimmig umgesetzt und mit netter Musik untermalt (womit jetzt nicht unbedingt die desöfteren eingesträuten Gesangsdarbietungen gemeint sind), so dass die Durststrecken nicht zur allzu schlimmen Geduldsprobe werden.

Zu einer echten Meisterkomödie fehlt hier jedenfalls noch ein ganzes Stück, einige gelungene Gags gibt's jedoch zweifellos und das ansprechende, mit 50er-Jahre-Erotik aufgeladene Flair, macht das Ganze doch zu einer recht angenehmen Angelegenheit.

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Bloody Psycho (Leandro Lucchetti, 1989)

Dr. Vogler ( nicht Voegler, wie es auf dem Cover steht!), Spezialist für Parapsychologie, soll mit seinen Fähigkeiten einer gelähmten Frau helfen. Direkt bei der Ankunft in der Kleinstadt wird er jedoch von einem Säufer gewarnt, dass es in dem Schloss spuken soll und tatsächlich findet er nach kurzen Nachforschungen heraus, dass in einem jetzt unbewohnten Flügel des Gebäudes vor einigen Jahren eine Frau unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist...

Was man nicht alles über sich ergehen lassen muss... Italo-Horror der späten 80er ist ja eh ein Fall für sich, hier dürfte es sich jedoch mit Leichtigkeit um einen der übelsten Vetreter dieser Gattung handeln.
Das fängt schon bei den total schwachsinnig dargestellten Charakteren an, die statt Identifikation oder wenigstens Amusement eigentlich nur Kopfschütteln hervorrufen. Weiterhin werden, wenn nicht gerade Leerlauf herrscht, planlos irgendwelche kruden Szenarien aneinandergereiht, die nur ganz selten ein wenig Ambitionen erkennen lassen. Oder was soll man davon halten, wenn der "Held" einem Penner eine Puppe abkauft, eine Frau mit seinen magnetischen Händen (?) heilen will oder einer anderen Dame lasziv Milch/Pudding (?) über die Mundwinkel gießt und anschließend genüsslich abschleckt? Aber wir sind ja in einem Horrorfilm und so dürfen Visionen ebensowenig fehlen wie vereinzelt ein paar Splattereffekte, alles so richtig plakativ und meist ohne jeglichen Sinn für Atmosphäre umgesetzt. Über Hauptdarsteller Peter Hinz sollte man sowieso lieber den Mantel des schweigens hüllen, wobei die restlichen Knallchargen ebenfalls kaum besser sind. Lediglich Paul Müller und Vasilli Karis können einem leid tun, dass sie sich für einen solchen Murks hergegeben haben. Wofür diese allerdings auch nichts können, ist die absolut unterirdsche deutsche Synchro, die dem Streifen endgültig den Schubs in Richtung Jauchegrube gibt. Das Beste ist da insgesamt noch der Synthie-Score, selbst wenn er mitunter arg dick aufträgt.

Letztendlich ein Filmchen, an dem alles schaurig ist - und damit ist garantiert nicht der Gruselfaktor gemeint. Ganz unerschrockene Trash-Fans können trotzdem mal einen Blick riskieren - allzu teuer ist die dt. DVD ja nicht.



Die unglaublichen Abenteuer des hochwohllöblichen Ritters Branca Leone (Mario Monicelli, 1966)

Ein Bande von Räubern tötet einen Ritter und findet in seinem Gepäck eine Urkunde. Dem Überbringer verspricht das Schreiben ein großes Stück Land und weitere Besitztümer. Was ihnen nun noch fehlt, ist allerdings ein Ritter, der in die Rolle des Verstorbenen schlüpft, dafür findet sich jedoch schnell der tollpatschige Branca Leone (Vittorio Gassmann), mit dem zusammen sie sich nun auf den mit zahlreichen bizarren Hindernissen gespickten Weg zur allesentscheidenen Festung machen...

Italienische Komödien funktionieren immer dann am Besten, wenn sie nicht nur halbherzigen Klamauk präsentieren, sondern gerade die für den Humor dieses Landes oft so typische Albernheit konsequent ins Absurde übersteigern - und genau dieser Ansatz wird hier genüsslich zelebriert. Dabei muss man jedoch auch anmerken, dass der Film meist gar nicht durch vordergründige Gags zum Lachen anregt, sondern der Witz eben wirklich zum großen Teil aus den grotesken Situationen entsteht, und diese Herangehensweise ist mitunter auch etwas gewöhnungsbedürftig, gerade wenn es zu Beginn noch erstaunlich blutig zugeht. Auf ganzer Linie überzeugen kann jedoch die Besetzung, allen voran Gian Maria Volonte und Vittorio Gassmann, wobei besonders letzterer einfach großartig ist, wie er da ständig zwischen großen pathetischen Gesten und totaler Dummdusseligkeit schwankt. Ungewöhnlich und überraschend wirkt auch die Vielzahl an skurillen Einfällen, die in den Bilderwelten nicht selten schon surreale Dimensionen annimmt. Kleinere Unstimmigkeiten muss man sicher auch der deutschen Fassung anlasten, denn gerade bei der Übersetzung der verschiedenen ital. Dialekte, die ja einen großen Teil des Humors ausmachen sollen, dürfte wahrscheinlich die ein oder andere Feinheit unter den Tisch gefallen sein.

Interessante Inszenierung, tolle Darsteller und viele, auf ihre eigentümliche Weise, wirklich witzige Momente sorgen für ein Paradebeispiel an italienischem Humor, der stellenweise für den deutschen Zuschauer vielleicht schon fast zu italienisch ist. Die Zweitsichtung folgt bestimmt!



Carnival of Souls (Herk Harvey, 1962)

Drei Frauen liefern sich mit ein paar Halbstarken ein Autorennen, dabei stürzt ihr Wagen von einer Brücke. Während die anschließende Rettungsaktion erst wenig Erfolg zeigt, steigt eine der Insassinnen plötzlich aus dem Wasser, doch sie wirkt verwirrt und sieht sich schon bald mit immer merkwürdigeren, angsteinflössenden Eindrücken konfrontiert...

Oft in den höchsten Tönen gelobt, musste ich doch mal schauen, was der Film nun wirklich zu bieten hat.
Das amerikanische Kleinstadt-Flair, das wie direkt aus einem typischen 50er-Jahre-Streifen wirkt, sorgt sofort für die surreale Komponente, die ich bei Gruselfilmen immer wieder faszinierend finde. Dazu baut sich eine subtile, unheilvolle Spannung auf, die sich in Verbindung mit dem Musikeinsatz und den visuellen Einfällen zu einem durchaus atmosphärischen Gesamtbild zusammenfügt. Doch schnell wird klar, dass sich der Film gar nicht lange an vordergründigen Mystery- oder Schock-Elementen aufhalten will (auch wenn einige Szene ihre Wirkung nicht verfehlen), sondern der Fokus viel mehr auf dem Seelenleben seiner Protagonistin liegt, deren Einsamkeitkeit und Zurückgezogenheit immer stärker thematisiert werden. Dies gibt dem Geschehen zusätzlich eine sehr tragische Note, doch komischerweise fand ich diese psychologischen Aspekte nach einer Weile gar nicht mehr so interessant, da sie irgendwann auch nicht mehr sonderlich viel Neues bieten. Auch bleiben am Ende ein paar Ungereimtheiten, wobei ich aber, wie schonmal gesagt, meine, sowas sollte man bei phantastischen Stoffen nicht überbewerten.

Sehenswert also auf jeden Fall, doch um mich vollkommen zu überzeugen, fehlt mir hier irgendwie der letzte Funken Genialität, der einen zeitlosen Klassiker ausmachen sollte.

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November 2010


Nero (Giancarlo Soldi, 1992)

Federico will sich eigentlich nur einen gemütlichen Abend mit seiner neuen Freundin machen. Doch als diese bemerkt, dass Sie ihre Cellulites-Creme bei ihrem Ex-Freund vergessen hat, verlangt Sie von ihrem neuen Freund, er solle sie doch holen, als Liebesbeweis. Widerwillig lässt er sich darauf ein, dabei findet er in der Wohnung jedoch eine Leiche vor! Da er es für keine gute Idee hält, die Polizei zu kontaktieren, beschließt er, den Toten in einer Reisetasche verschwinden zu lassen. Doch damit beginnt der Schlammassel erst richtig, denn nicht nur wechselt die Leiche im Verlauf der Ereignisse desöfteren den Besitzer, auch wird er kurz darauf von einem äußerst schmierigen Privatdedektiv erpresst...

Hier hat man im Grunde wieder die typische "Date Gone Wrong"-Ausgangssituation, die auch schon bei Filmen wie AFTER HOURS oder MIRACLE MILE als Aufhänger diente. Genremäßig trifft es wohl "Krimi-Groteske" am besten, wobei der schwarze Humor doch sehr in den Hintergrund gedrängt wird - von einer Comedy, wie oft zu lesen ist, kann da nicht wirklich die Rede sein. Stattdessen ist alles ein paar Nummern düsterer, greller und abstruser. An schrägen Ideen mangelt es also wahrlich nicht, einige davon wissen wirklich zu überraschen, andere wirken dann mit der Zeit wiederum eher selbstzweckhaft. Gerade was die visuellen Einfälle betrifft, sieht manches auch einfach zu sehr nach neumodischen Mode-Mätzchen aus. Auch der Hauptcharakter ist gewöhnungsbedürftig: zwar passt er mit seiner seltsamen, von Neurosen geprägten Art gut in das allgemein sehr merkwürdige Geschehen, gleichzeitg fällt eine Identifikation (die man als Zuschauer ja meist doch zumindest ansatzweise braucht) mit dieser Figur doch recht schwer. Das Ende ist auch so eine Sache für sich - da wusste ich dann gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Wer schaurig-skurillen "Nacht-Filmen" (wie ich sie immer nenne, da mir kein besserer Begriff einfällt) was abgewinnen kann, der dürfte auch hier nicht ganz falsch liegen, wird aber eventuell auch die von mir angesprochenen Kritikpunkte nachvollziehen können.

Mir lag die deutsche VHS vor, gibt jedoch auch eine italienische DVD mit engl. UT.



Sieben Tote in den Augen der Katze (Antonio Margheriti, 1973)

Die junge Corringa (Jane Birkin) besucht ihre Verwandtschaft, doch auf dem düsteren Anwesen gerät sie schnell in ein Netz aus Familienflüchen, Aberglauben und Morden...

Antonio Margheriti verlagert den giallomäßigen Plot wirklich gekonnt in ein stimmiges Gothic-Setting. Die typischen Locations, wie nebelverhangene Gärten, dunkle Keller und Gruften, Friedhöfe etc. werden von der Kamera atmosphärisch eingefangen und auch auf ein paar ansprechend in Szene gesetzte Farbspielereien muss man nicht verzichten, dazu ertönt Riz Ortolanis Score nur manchmal ein wenig zu aufdringlich. Die Geschichte beleuchtet die verschiedenen exzentrischen Charaktere eigentlich recht gelungen, bietet auch die ein oder andere Wendung, echte Überraschungen werden erfahrene Genrefans hier jedoch kaum finden. Was den Cast betrifft, musste Luciano Pigozzi scheinbar wieder einmal den Part übernehmen, der in den Corman-Vehikeln oft Peter Lorre zu Teil wurde. Zusammen mit Venantino Venantini, welcher einen Priester gibt, hätte man hier also schonmal zwei wohlbekannte Gesichter des Italo-Kinos. Für die restlichen Rollen hat man u.a. aus den Ko-Produktions-Ländern Frankreich und Deutschland noch ein paar Leute rangeholt, die ihre Sache durchweg gut machen.

Alles in allem ein Streifen, bei dem man so ziemlich genau das bekommt, was man erwartet, insgesamt durchaus überzeugend, auch wenn's ein wenig am Überraschungsfaktor mangelt. Jedenfalls merke ich jetzt langsam immer mehr, dass ich Margheriti wohl doch etwas unterschätzt habe, wenn ich ihn bisher eher unter die Auftragsregisseure, die sich halt in jedem populären Genre mal versucht haben, eingeordnet habe - hier spürt man nämlich trotz aller Genrekonventionen doch eine gewisse eigenständige, persönliche Note.



Elf Tage, elf Nächte (Joe D'Amato, 1986)

Michael (Joshua McDonald) hat auf der Fähre nach Manhattan ein heißes Liebesabenteuer mit einer unbekannten Schönen (Jessica Moore), der er von da an absolut verfallen ist. Das Problem dabei ist, dass er nicht ahnt, dass er ihr nur als Inspiration für ihr Buch dient, das sich um ihre sexuellen Erfahrungen dreht, und außerdem will der gute Mann in 12 Tagen eigentlich eine andere heiraten. Somit bleiben ihm noch elf Tage und elf Nächte...

Einen Film, der die 80er mit so viel naiver Hingabe zum Kino auf der Leinwand ausbreitet, muss selbst ich als Fan der 70er einfach gerne haben! D'Amato inszeniert hier natürlich ganz klar im Stil der amerikanischen Hochglanz-Erotik-Streifen, was ihm auch ganz gut gelingt - erfreulicherweise kann man sich in einigen Szenen aber doch einbilden, dass seine typische Handschrift bzw. ein gewisser italienischer Charme durchscheint. Finde ich, nebenbei gesagt, meist interessant, wenn nichtamerikanische Regisseure in den USA drehen. Die Geschichte ist letztendlich zwar sehr simpel gehalten, dafür macht es aber echt Spaß dabei zusehen, wie hier genüsslich Genre-Klischees zelebriert werden, so dass man stellenweise beinah glauben könnte, eine Parodie vor sich zu haben. Das Sahnehäubchen ist dann eindeutig der schwülstig-dick aufgetragene Score, speziell die schmissigen Pop-Songs, welche die gelackt-durchgestylten Bilder perfekt untermalen. Und so eindimensional die Charaktere auch sein mögen, die Handlung ist zumindest so effektiv umgesetzt, dass sie einem nicht vollkommen egal sind, und dazwischen dann öfters die halbnackte Jessica Moore - das passt schon!

Somit bleibt einmal mehr die Feststellung, dass D'Amatos 80er-Output längst nicht so schlecht ist, wie oft behauptet wird. Probiert's einfach mal aus, vielleicht springt die Faszination auch auf euch über!

Die Qualität der UK-Scheibe kann sich wirklich sehen lassen, daher nochmal der Hinweis auf die sehr preiswerte "Joe D'Amato Collection".

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Afternoon - Stunden der Leidenschaft (Joe D'Amato, 1987)

Der Journalist Courtney ist an einer Story dran, die sich um eine Frau dreht, deren Mann von einer Voodoo-Sekte umgebracht wurde. Deshalb macht er sich auf den Weg nach New Orleans, um vor Ort Näheres in Erfahrung zu bringen, doch die Probleme in seiner eigenen Beziehung erschweren sein Vorankommen, besonders als seine Frau (Valentine Demy) eine Affäre mit einem geheimnisvollen Typen beginnt...

Ok, hier haben wir es abermals mit einem vermutlich äußerst preisgünstig produzierten Softsex-Streifen aus der FILMIRAGE-Schmiede zu tun. Allzu zahlreich sind die Sexszenen nicht, noch halbherziger kommt die Voodoo-Thematik daher und überhaupt hat die dünne Story arge Probleme, in Fahrt zu kommen. Was den Film allerdings rettet und mitunter sogar richtig sehenswert macht, ist der "Style over Substance"-Ansatz: einfach herrlich, wie da sämtliche Szenen, egal wie belanglos sie auch sein mögen, zu großem Kino hochstilisiert werden - in dieser Art zu inszenieren war Joe D'Amato ein verkannter Meister! Man kann das sicher überflüssig finden oder als Kitsch abtun, aber gerade im Zusammenspiel mit der prägnanten Musik von Piero Montanari funktioniert das oft prächtig. Schönes Beispiel dafür ist die Szene in der schummrigen Billiard-Halle, welche den Film überhaupt nicht voranbringt, jedoch von D'Amato äußerst stimmungsvoll ausgeleuchtet ist und sehr passend mit einem lasziv schmachtenden Song unterlegt ist. Und genau dieses Zelebrieren der puren Ästhetik unter Vernachlässigung der filmischen Kohärenz, gehört doch zu den elementaren Eigenschaften des Italo-Kinos. Aber um wieder zurück zum Film kommen: Valentine Demy ist für mich nun nicht gerade der Inbegriff von Schönheit, spielt ihre Rolle aber ganz passabel. Auch muss man zugeben, dass sich nach einer Weile doch ein wenig Ermüdung einstellt - da nützt es dann auch nicht mehr viel, dass die Atmosphäre gegen Ende, wenn man kaum noch damit rechnet, doch tatsächlich noch etwas düsterer wird.

Also letzten Endes am ehesten eine Bühne für D'Amatos Inszenierungsstil, welcher - ich wiederhole mich - selbst einem nicht sonderlich aufregenden Erotikstreifen wie diesem noch einen Hauch "Großes Kino" verleiht, was so viel heißen soll, dass in der allgemeinen Ereignislosigkeit doch stellenweise ein erstaunlicher Gestaltungswille zum Vorschein kommt.



Die Zeit nach Mitternacht (Martin Scorsese, 1985)

Der Programmierer Paul Heckett (Griffin Dune) lernt in einem Cafe eine nette Frau kennen, die er spät abends in ihrer Wohnung im Stadtteil SoHo besuchen will. Doch dieses Rendezvous wird zu einer bizarren Reise duch die Nacht, bei der scheinbar alles und jeder gegen den armen Mann, der eigentlich nur noch nach Hause will, gerichtet ist...

Die Frage, die ich mir stelle: Wie soll man diesem bezaubernden, einzigartigen, unvergleichlichen Prachtstück von einem Film jemals mit Worten gerecht werden?
Die wundervolle, nachtschwärmerische Grundstimmung verdichtet sich zu einer Atmosphäre, die oft zur gleichen Zeit anheimelnd und verstörend ist, so dass einem zwar der Protagonist ständig leid tun kann, aber man trotzdem mal amüsiert, mal erschreckt, jedoch immer fasziniert dem unaufhaltsamen Fluss der Ereignisse beiwohnt und sich wünscht, der Film würde nie enden. Wahrlich meisterhaft wird hier eine eigene kleine Welt aufgebaut, bestehend aus finstern Häuserschluchten, unaufhörlich darniederprasselndem Regen; besiedelt von verlorenen Seelen, eigentümlichen Gestalten und Skulpturen, die beinah zum Leben zu erwachen scheinen. Das alles so geschmeidig eingefangen von Michael Ballhaus' Kamera und von dem Score und den perfekt ausgewählten Liedern so stimmig untermalt, dass man tatsächlich von einem Wohlfühlfilm im ganz speziellen Sinne sprechen kann.

Von mir von ganzem Herzen eine Empfehlung und ich hoffe, dass jeder, der noch die Chance hat, dieses Meisterwerk zum ersten Mal zu erleben, meine Begeisterung zumindest ansatzweise nachvollziehen können wird, oder vielleicht sogar, so wie ich, einen neuen Lieblingsfilm findet!



The House of Pleasure (Joe D'Amato, 1994)

Ein reiches Ehepaar möchte in China einen Geschäftspartner besuchen. Auf seinem Anwesen angekommen treffen sie allerdings nur dessen inzwischen erwachsenen Sohn an, der ihnen mitteilt, dass sein Vater vor wenigen Monaten gestorben ist, jedoch verspricht ein ihm würdiger Nachfolger und guter Gastgeber zu sein - und nun ratet mal, um wen er sich besonders hingebungsvoll kümmert...

Die inspirierten Momente, die selbst in D'Amatos Spätwerken aus den 80ern oft noch zu finden sind, lassen sich hier höchstens noch mit ganz viel gutem Willen erahnen. An Versuchen, eine Geschichte zu erzählen, hält sich der Film gar nicht erst lange auf, sondern setzt schlichtweg auf Soft-Porno in Reinkultur. Dass er dabei nicht vollkommen in belanglose Niederungen dieses Genres abdriftet, ist lediglich der halbwegs stilvollen Kameraführung und dem stellenweise anhörbaren Score (wieder einmal von Piero Montanari) zu verdanken, welche dem schäbigen Ambiente noch ein klitzekleines Fünkchen Klasse verleihen.

Deshalb und dank der nicht unattraktiven Hauptdarstellerin Irina Kramer nicht völlig unerträglich, insgesamt aber doch ein recht dröges und lustloses Unterfangen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 03:54 
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Dirty Love (Joe D'Amato, 1988)

Terry Jones (Valentine Demy) hat eine große Leidenschaft - das Tanzen. Deshalb geht sie in die Großstadt, um dort an einer Akademie ihr Glück zu versuchen. Doch dies gestaltet sich schwieriger als angenommen, zudem gerät sie an einen schäbigen Typen, der ihr ebenfalls keine große Hilfe ist...

Oha, D'Amato versucht sich im Fahrwasser von DIRTY DANCING an einem Tanzfilm - was soll man da erwarten?
Nun bin ich ja von seiner 80er-Periode jedoch eh gerade recht angetan und in dieser Hinsicht bildet auch dieser Streifen keine Ausnahme! Ich wurde kurzweilig und angenehm unterhalten und wieder muss ich den Kopf schütteln, dass diese Filme meist so niedergemacht werden. Wobei ich mich doch immer noch frage, warum das alles so gut funktioniert bzw. worin die Faszination liegt. Ich versuche, auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, es mal so zu erklären: D'Amato kopiert hier vordergründig erstmal (recht clever) das amerikanische Kino der 80er, aber der Reiz liegt gerade darin, dass er einerseits jedes noch so ausgelutschte Klischee mit sympatischer Naivität zelebriert, jedoch andererseits dann gelegentlich doch wieder mit eigenen Wegen überrascht. Auch in diesem Fall mag das Gesamtwerk vielleicht zu Wünschen übrig lassen, aber wenn ich mir das Zusammenspiel von Bildern und Musik, oder selbst die Charakterzeichnung, ansehe, dann hab ich das Gefühl, da versteht jemand was von den klassischen Kino-Mechanismen. So albern oder rührselig es auch klingen mag, aber da wünscht man sich dann wirklich, dass die süße Provinzmaus (Valentine Demy habe ich jetzt mit diesem Film irgendwie liebgewonnen) es auf die große Bühne schafft, oder leidet mit, wenn ihre Freundin in die Drogenabhängigkeit rutscht. Bevor man jedoch vergisst, wer hier auf dem Regie-Stuhl saß, gibt's dann doch noch ein paar leichte Anflüge von Schmierigkeit. Die Tanzszenen sind übrigens gar nicht mal so schlecht umgesetzt und der Soundtrack, die Klamotten und der allgemeine Look sind natürlich wieder die ultimative Zeitreise in die 80er.

Gute Unterhaltung auf der Schwelle zwischen tatsächlichem Können und liebenswürdigem Schund. Hiermit hoffe ich, einen kleinen Beitrag zur längst überfälligen Wiederentdeckung von Aristide Massaccesis Spätwerk geleistet zu haben.



Casanova 70 (Mario Monicelli, 1965)

Andrea (Marcello Mastroianni) sitzt beim Psychoanalytiker (klasse: Enrico Maria Salerno), da er sich für impotent hält. Doch dieser stellt schnell fest, dass sein eigentliches Problem ein anderes ist, nämlich, dass er nur in Stimmung kommt, wenn er Frauen unter größten Gefahren erobern kann. Der Arzt rät dem "Casanova" daraufhin demnächst kürzer zu treten, über seine Erlebnisse Tagebuch zu führen oder am besten auf Frauen ganz zu verzichten. Der Kampf gegen die inneren Dämonen gestaltet sich jedoch äußerst schwierig...

Dieser feine Film hat nicht nur meine Erwartungen ziemlich genau erfüllt, sondern bestätigt auch den Eindruck, den ich nach "Branca Leone" vom Regisseur Monicelli hatte: Wieder ergeht sich der Humor in einem Reigen aus grotesk überspitzter Situationskomik, die meist tatsächlich funktioniert, da sie nicht so lärmend, sondern eher verschmitzt-verschroben daherkommt, und wieder haftet der Inszenierungsweise etwas sehr Pittoreskes an. Gerade dieses visuelle Gefühl und den Hang zum Surrealen, finde ich für einen Komödienregisseur besonders beachtlich und interessant. Die Struktur des Films ist durchweg episodenhaft und dadurch auch angenehm kurzweilig. Man begleitet diesen großartig von Mastroianni dargestellten Titel-"Helden" halt auf seinen Irrwegen, von einer Frauenbekanntschaft zur nächsten, verkörpert von u.a. Marisa Mell, Virna Lisi, Michele Mercier sowie den Peplum-Göttinnen Liana Orfei und Moira Orfei - und alleine diese Damen lohnen schon das Ansehen! Nebenbei kann man noch die prachtvollen Drehorte bestaunen und in einer recht skurillen Nebenrolle als Graf Marco Ferreri (DAS GROSSE FRESSEN) erspähen.

Damit wird auch wieder deutlich, dass so etwas wie die "typisch italienische Komödie" gar nicht gibt, sondern Mario Monicelli hier einem ganz eigenen Stil folgt, dem man ruhig mal eine Chance geben sollte, selbst wenn man mit dem Genre allgemein nicht so viel anfangen kann.

Schön, dass sowas auf dem deutschen DVD-Markt noch möglich ist und auch die Qualität nicht zu Wünschen übrig lässt!


Dezember 2010



Die Villa der Unersättlichen (Alex Damiano, 1989)

Eva (Valentine Demy) hat einen Teil ihres Lebens in einem edlen Bordell verbracht. Nachdem sie jedoch von einem reichen, schon etwas betagten Kunden, der sie kurzerhand heiraten wollte, ein Villa erbt, lebt sie in eben dieser alleine vor sich hin. Auf Dauer wird das natürlich langweilig und so gabelt sie in der Umgebung drei junge Landstreicher auf, um die sie sich großzügig kümmert und die sich dafür ebenfalls voller Leidenschaft bei ihr erkenntlich zeigen. Alles scheint perfekt zu laufen, bis ein vierter Mann und, wenig später, ein Mordplan ins Spiel kommen, und die Harmonie schlagartig ein Ende hat...

Hier haben wir es definitiv mit einem kleinen Highlight des italienischen Erotik-Kinos der späten 80er zu tun. Manche Filmchen dieser Zeit sind ja wirklich höchstens unter Trash-Gesichtspunkten goutierbar, aber im Gegensatz dazu wurde hier doch Einiges richtig gemacht.
Schön zum Bsp. die Atmosphäre, bei der immer so ein leicht-phantastisches Element mitschwingt, da die Geschehnisse in der Villa wie losgelöst von der alltäglichen Realität wirken. Auch diesem roten Sofa, das im Laufe der Handlung eine spezielle Rolle spielt, haftet etwas Mystisches an. Weiterhin verbreiten Bilder und Kameraführung in Verbindung mit der noblen Ausstattung ein ungewöhnlich stilvolles Flair, ohne dabei allerdings auf die bemüht pseudo-kunstvolle Schiene zu geraten. Die Sexszenen fügen sich gut ins Ganze ein, der Score von Paolo Rustichelli (der Sohn von Carlo) liefert genau die schwülstig-melodischen Klänge, die ich bei dieser Art von Film so schätze, und ein Detail möchte ich noch besonders hervorheben: Eine der großen Italo-Göttinnen, namentlich bekannt als Nieves Navarro oder auch Susan Scott, hat hier ihren (bisher) letzten Filmauftritt. Wie erwartet, sieht sie immer noch mehr als passabel aus und zudem ist ihre wenn auch kurze Szene wahrscheinlich die bizarrste des ganzen Films - und zwar schleppt sie da ihren 28-jährigen und noch jungfräulichen Sohn ins Bordell, woraufhin dieser total von Sinnen ist und wie wahnsinnig rumspringt (muss man gesehen haben!). Ansonsten steht hier aber Valentine Demy im Mittelpunkt und die ist ja ebenfalls nicht zu verachten.

Ich hab's ja schon öfters gesagt, diese Italo-Streifen aus den späten 80ern üben auf mich mitunter eine ganz besondere Faszination aus, und dieses überraschend ambitionierte Werk ist da bisher eine der schönsten Entdeckungen. Somit gibt's von mir in dem Fall eindeutig eine Empfehlung für jeden, der sich für solche Stoffe zumindest ansatzweise interessiert.

Nachdem ich in letzter Zeit ein paar Mal über diesen Titel gestolpert bin, war ich ganz überrascht als ich vor kurzem von der Existenz der UK-DVd erfahren habe (zu finden unter dem Titel DIRTY LOVE 2 - THE LOVE GAMES INTRIGUE). Diese musste natürlich gleich geordert werden (günstig zu haben bei Amazon) und wie ihr seht, hat es sich gelohnt - guter Film, engl. Ton, klasse Bildqualität und ungeschnitten soll die Fassung auch sein.

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Ghosthouse (Umberto Lenzi, 1988)

Ein Computerexperte empfängt übers Radio seltsame Hilferufe. Als er sich daraufhin mit seiner Freundin auf den Weg macht, um den Ursprung der Signale zu finden, gelangen sie zu einem Haus, in dem sich vor Jahren schreckliche Todesfälle ereignet haben und auf dem immer noch ein Fluch lastet...

Trotz meines in letzter Zeit entwickelten Faibles für Late-80s-Horror fand ich das diesmal nicht sonderlich überzeugend. Dass die Schauspielleistungen und überhaupt die gesamte Aufmachung desöfteren nah an der Grenze zur unfreiwilligen Komik liegen, zähle ich eher zu den erheiternden Qualitäten solcher Filme, daher würde ich an dieser Stelle nicht die Kritik ansetzen. Jedoch ist die typische Mixtur aus Holzhammer-Dramaturgie, grob gestrickten Spannungseinlagen, derben Effekten und gelegentlichen stimmungsvollen Momenten in dem Fall einfach nicht atmosphärisch genug und ein wenig zu vorhersehbar.

Kann man über sich ergehen lassen, aber den gewissen Schuss Kreativität, der sich z.B. in Fulcis Spätwerken noch findet, den sucht man hier vergeblich.



Malombra (Bruno Gaburro, 1984)

Der verarmte Hausherr (Maurice Poli) eines Landsitzes erhält Besuch von seinem Neffen - viel zu sagen haben sich die beiden nicht, doch der junge Mann hat sowieso mehr Interesse an den Damen des Hauses. Da wäre zum einen die Schwester der verstorbenen Frau seines Onkels (Paola Senatore), zu der dieser aufgrund der Ähnlichkeit ein ganz spezielles Verhältnis zu haben scheint. Außerdem ein zeigefreudiges Dienstmädchen und so weiter und so fort...

Puh, gar nicht so einfach, eine Inhaltsangabe zu schreiben, wenn es storymäßig kaum Entwicklungen gibt. Umso mehr überzeugen kann dafür die schwelgerische Atmosphäre, die den Streifen zu einem echten Geheimtipp in Sachen Italo-Erotica macht! Kostüme und Setting erinnern sofort an einen typischen Gothic-Grusler, nur mit dem Unterschied, dass es hier, abgesehen von etwas Mystery, die sich um die verstorbene Frau ränkt, halt eher erotisch zugeht. Der reizvolle Kontrast dabei ist, dass der Film sich zwar betont stilvoll gibt, gleichzeitig jedoch kaum eine Gelegenheit für Sex/Nudity-Szenen auslässt, seien sie auch noch so unmotiviert. Und was ist einer der Hauptgründe, weshalb ich das Italo-Kino so liebe? Richtig, die grandiosen SOundtracks! Hier waren Guido & Maurizio De Angelis sowie der mir völlig unbekannte Michele Zanoni am Werk und deren betörend schöne Känge tronen quasi ständig über dem zugegebenermaßen nicht immer so spannenden Geschehen. Die stimmigen Bilder dazu liefert Pasquale Fanetti, der in den 80ern und 90ern selber auch als Regisseur tätig war (und nun ratet mal, was ich mir demnächst vornehmen werde...).

Rundum gefälliger Erotikstreifen, der besonders in den Bereichen Atmosphäre und Soundtrack auftrumpfen kann, so auch aus den 70ern stammen könnte und eine beinah perfekt abgestimmte Mischung aus Klasse und Sleaze zu bieten hat. Schade, dass Erotikfilme, ähnlich wie Komödien, hier scheinbar nicht so hoch im Kurs stehen - ihr verpasst da so einiges!

Zu der UK-DVD muss ich noch ein paar Worte loswerden: DVD-würdige Qualität sieht ganz klar anders aus, was einem hier geboten wird, erinnert eher an eine stellenweise schon etwas abgenudelte VHS, jedoch bin ich, ehrlich gesagt, einfach froh, den Film nun auf diesem Wege überhaupt mal gesehen zu haben.



Love Web - Die Liebesfalle (1988, Mario Gariazzo)

Ein paar frustierte Frauen vertrauen sich einem Aktphotographen an, um mit freizügigen Bildern wieder Schwung in ihre Ehen zu bringen. Dabei geraten sie an einen recht schmierigen Vertreter seiner Zunft, der ständig Affären mit seinen Kundinnen hat - doch steckt er auch hinter den erpresserischen Machenschaften?

Schon wieder ein Knaller aus den 80ern! Valentine Demy verblasst diesmal völlig neben Milly D'Abbraccio (Mann, ist die heiß!). Der eh schon geile 80s-Look wird von Aldo Ricci (der, wie ich eben gelesen habe, sogar schon bei FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR hinter der Kamera stand!) gekonnt durch ungewöhnliche Perspektiven und kleine visuelle Spielereien aufgewertet. Der schwüle Saxophonsound setzt auf den Punkt genau zu jeder Sexszene ein, dazwischen gibts feinen 80s-Pop auf die Ohren. Ach ja, und irgendwo hat der Film auch noch ne Handlung versteckt, außerdem gibt er sich in den Dialogen teilweise richtig (hüstel) philosophisch. Und wenn's auch meist vorhersehbar zugeht - die düstere Wendung, die in letzter Sekunde hervorgezaubert wird, hätte ich so nicht erwartet.

Die 80er waren doch kein so schlechtes Jahrzehnt, wie ich eine Zeit lang gedacht habe.

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Bridge to Hell (Umberto Lenzi, 1986)

Ein Amerikaner, ein Italiener und ein Österreicher fliehen aus einem Gefangenenlager und versuchen, sich mit einer ehemaligen Nonne, die sich den Partisanen angeschlossen hat, durch das von den Feinden besetzte Gebiet zu schlagen. Besonders hellhörig werden sie zudem, als die ehmalige Ordensschwester, von einem in ihrem damaligen Kloster versteckten Schatz berichtet...

Wie so oft bei diesen billigen Italo-Kriegsstreifen (in dem Fall kann man auch guten Gewissens von Trash sprechen) ist der historische Hintergrund natürlich kaum ernstnehmbar, als anspruchsloser Actioner funktioniert die Chose jedoch halbwegs. Und, nebenbei gesagt, bin ich ja immer noch der Ansicht, dass diese Filme auch nicht dümmer sind, als so manches was sich "Anti-Kriegsfilm" nennt.
Die Knallchargen um Andy J. Forest, der auch schon in der Ghosthouse-Reihe anzutreffen war, rennen halt diesmal durch die jugoslawische (?) Landschaft - hier ein paar dumme Witzchen, da ein bisschen ödes Geballer - Massenszenen scheinbar großzügig aus dem Stockfootage-Fundus angereichert und die Frisur der holden Maid sitzt selbstverständlich immer perfekt. Spannung kommt dabei nur in den seltensten Momenten auf, allzu unerträglich langweilig wird's aber auch nie, denn zumindest das Synthie-Geleier des von mir sehr geschätzten Fabio Frizzi hat was, auch wenn es deutlich mehr Abwechslung vertragen könnte.

Wenn man die Erwartungen etwas runterschraubt, also durchaus ansehbar, aber ein besonderer Grund für eine Empfehlung fällt mir auch gerade nicht ein.

Finden kann man das Filmchen in der zweiten Kriegsfilm-Box von MIG.



Sindbad und der Kalif von Bagdad (Pietro Francisci, 1973)

Sindbad (Robert Malcolm) kehrt von der Seefahrt nach Bagdad zurück, wo inzwischen ein herrschsüchtiger, geisteskranker Kalif das Sagen hat. Aus seinem Haus wird er bei seiner Ankunft vertrieben und von seinen Besitztümern ist ebenfalls kaum was übrig, abgesehen von einem Schriftstück, dem allerdings eine Hälfte fehlt. Somit macht sich Sindbad zusammen mit zwei Trotteln, die seine Helfer darstellen sollen, auf die Suche nach der zweiten Hälfte und schlittert dabei in einige turbulente Abenteuer...

Was haben wir denn hier? Ein typischer, exotisch angehauchter Abenteuerstreifen, wie sie sonst jedoch eher 10 Jahre früher entstanden sind. Nun ja, der Film bietet nette Bilder, eine sogar ganz ansehnliche Ausstattung, schöne Italienerinnen in orientalischer Aufmachung und einen Score von Alessandro Alessandroni, der gut ins Ohr geht. So weit zu den positiven Punkten - die Story jedoch plätschert dünn und episodenhaft vor sich hin und dazu gibt es gelegentlich unsägliche Klamaukeinlagen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie einfach nur nerven oder ob sie das Geschehen trotz ihrer Dümmlichkeit doch ein wenig auflockern.

Ganz angenehm anzuschauende, letztendlich aber doch nur seichte Unterhaltung, ohne besondere Höhen oder Tiefen.



Teufelskerle mit Schwert und Degen (Leopoldo Savona, 1963)

Drei Brüder (hab nur Giacomo Rossi-Stuart erkannt) legen sich mit dem Herzog an, um ihren Vater zu rächen und der Unterdrückung der armen Bevölkerung ein Ende zu machen...

Mal wieder ein typischer Fall von italienischem Unterhaltungskino, das nicht allzu schlimm langweilt, allerdings auch kaum irgendwie in Erinnerung bleibt. Die Handlung kommt ohne große Umschweife in Schwung, die Hauptdarsteller präsentieren sich gut aufgelegt, doch nach dem gelungenen Beginn versandet jegliche Art von Spannung irgendwo zwischen den Actioneinlagen, die sogar recht einfallsreich daherkommen, aber trotzdem nur selten was rausreißen können. Der schelmenhafte Humor, der nie zu sehr auf die Klamaukschiene abrutscht, nette Damen wie Scilla Gabel und der solide Score von Francesco De Masi können da noch eher überzeugen. Die Idee mit dem Eremiten, der Erfindungen von Leonardo da Vinci nachbaut und damit den drei Helden unter die Arme greift, klingt ja auch ganz spaßig (das meinte ich mit "einfallsreich"), aber zu einem stimmigen Ganzen will sich hier einfach nichts so wirklich zusammenfügen.

Handwerklich passable, launig gespielte, jedoch wenig mitreißende und damit letzten Endes durchweg mittelmäßige Fließbandware.

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Die nackte Gräfin (Kurt Nachmann, 1971)

Ein Kommissar untersucht im ausschweifenden Umfeld eines Grafen einen seltsamen Todesfall...

Selten war ich so hin und her gerissen: Einerseits begeistert von dem schier unendlichen gestalterischen Einfallsreichtum, andererseits (vor allem zu Beginn - nach einer Weile gewöhnt man sich daran) angenervt von der prätentiösen Selbstgefälligkeit, mit der der Film in seinem Nichts an Handlung schwelgt. Wenn man sich zwischendurch allerdings immer mal wieder bewusst macht, dass man es hier mit einem deutschen (!) Erotikfilm zu tun hat, die ja nicht selten etwas zur Biederheit neigten, dann ist das hier Gezeigte doch schon von einem ganz anderen Kaliber. So stört es dann doch nicht so sehr, dass Franz Xaver Lederle fast schon ein bisschen zu demonstrativ die unmöglichsten Kamera-Winkel zelebriert, während die Story hinter der allgegenwärtigen Dekadenz zurückstecken muss.

Visuell und auch was die Musik betrifft (dieses Lied!) also durchaus ein eindrucksvoller Schmaus für die Sinne, dem stellenweise höchstens sein eigener Anspruch im Wege steht.



Door into Silence (Lucio Fulci, 1991)

Ein Mann wohnt einer Beerdigung bei, fährt relativ planlos in der Gegend rum, begegnet einer geheimnisvollen Frau und wird auf seinem Weg immer wieder von einem Leichenwagen bedrängt...

Das ist sie nun also, Lucio Fulcis letzte Regie-Arbeit, und man hat doch das Gefühl, er wollte hier nochmal was Besonderes schaffen (zumindest soweit das im Rahmen der Produktionsbedingungen dieser Zeit möglich war). Diejenigen, die Fulci immer noch nur für einen Splatter-Regisseur halten, dürften einmal mehr enttäuscht sein, denn auf Gore verzichtet er hier vollkommen. Stattdessen bekommt man im Grunde ein mysteriöses Roadmovie, das in den besten Momenten mit einer surrealen Stimmung zu verzaubern weiß. Leider bleibt die Story in Punkto Effektivität jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück, denn auch wenn der Zuschauer lange im Dunkeln gelassen wird, so lassen sich doch schnell bestimmte Vermutungen anstellen, die sich dann letztendlich auch als nicht so abwegig herausstellen (ich hoffe, damit hab ich einen Spoiler umschifft). Wiederum überzeugen können allerdings die vielen prägnanten Aufnahmen der zugewachsenen, sumpfigen Landschaften Louisianas (Brücken scheinen auch eine besondere Rolle zu spielen), die in Verbindung mit dem jazzigen Score eines gewissen Franco Piana, einen äußerst stimmigen Hintergrund bilden. Zudem stand mit Giancarlo Ferrando jemand hinter der Kamera, der sein Handwerk versteht, während Joe D'Amato das Ganze produziert hat und Laura Gemser für die Kostüme zuständig war - man sieht also, hier sind einige bekannte Namen versammelt.

Auf jeden Fall ein würdiger und angenehm eigenwilliger Abschluss einer langen, vielseitigen Karriere, selbst wenn das Potential der interessanten Grundidee nicht ganz ausgeschöpft wird.

Mir liegt die Scheibe von SEVERIN vor und an der ist mir nichts Unrechtes aufgefallen, außer, dass der engl. Ton manchmal etwas schwer zu verstehen ist, besonders viel geredet wird in dem Film aber eh nicht.



Black Emanuelle (Bitto Albertini, 1975)

Emanuelle (Laura Gemser) reist im Namen einer Zeitung nach Afrika zu einer befreundeten Kollegin (Karin Schubert) und gibt sich den Ausschweifungen der reichen Oberschicht hin...

Jepp, anders kann man es nicht ausdrücken, denn die Tatsache, dass Emanuelle ja eigentlich eine Journalistin darstellen soll, spielt hier lediglich minimal am Rande eine Rolle. In den Fortsetzungen hatte sie ja dann meist gefährliche Missionen zu erfüllen oder Skandale aufzudecken, aber hier geht's inhaltlich nur um "Freie Liebe" vs. Eifersucht, vermischt mit etwas Kulturschock. Scheinbar war man sich aber bewusst, dass man keine besondere Story zu erzählen hat, und so werden die oft wirklich grandios anzusehenden Drehorte bis auf's Äußerste ausgereizt, und was für eine Schlaftablette der Film ohne den perfekt maßgeschneiderten Score von Nico Fidenco geworden wäre, will ich mir gar nicht vorstellen. Somit gibt's auf der inszenatorisch-ästhetischen Ebene doch einige gelungene Passagen - die Poolszenen und der Safari-Ausflug sind z.B. klasse umgesetzt. Auch den Erotikszenen gelingt manchmal eine gewisse Dynamik, die allerdings durch die überflüssigen HC-Inserts gestört wird, die schon deshalb völlig fehl am Platz sind, da Albertini im Allgemeinen eher zurückhaltend inszeniert (zudem ist das Body Double von Laura Gemser deutlich als solches zu erkennen). Die Schluss-Szene ist in ihrer beunruhigenden Ruppigkeit dann jedoch wieder ein Kuriosum, das nicht nur einen fragwürdigen Nachgeschmack hinterlässt, sondern auch nicht so recht ins Gesamtbild passen will - vielleicht aber auch gerade deswegen den Hauch seltsamer Fazination bietet, den der Film sonst öfters vermissen lässt (ich hatte ja vermutet, die Szene wird als (Alb-)Traum aufgelöst).

Wer ein Faible für solche Streifen hat, macht hier nicht so viel falsch, kann mir aber auch vorstellen, dass einige den stinklangweilig finden. Vielleicht eben doch der Beweis, dass D'Amato der fähigere Mann für solche Stoffe war.

Was die VÖs angeht, dürfte die ital. DVD des Label STORMOVIE die beste Wahl darstellen - engl. Ton, uncut und gutes Bild!

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Der Divisionstrottel (Mariano Laurenti, 1975)

Seit der Ankunft des Feldwebels Pfeifenwichs (Franco Franchi) geht es in einer italienischen Kaserne drunter und drüber und für zusätzliche Verwirrung sorgt zudem die hübsche Tochter des Chefkochs...

Mit dem Schlimmsten gerechnet und doch wieder positiv überrascht worden. Franco muss diesmal ohne Ciccio an seiner Seite auskommen - ob das die Sache nun besser oder schlechter macht, sei mal dahingestellt - Fakt ist aber, er schlägt sich hier durchaus wacker, was aber auch an der sehr, ähm, ambitionierten dt. Synchro, die keinen Kalauer auslässt, liegen könnte. In Nebenrollen gibt es einige bekannte Gesichter zu entdecken, wie z.B. Enzo Andronico, Luciano Pigozzi und George Wang. Letzterer darf nicht nur dem Feldwebel ein paar Karate-Moves beibringen (und ihn damit in den Ganzkörpergips befördern), sondern ist auch stolzer Besitzer einer neapolitanisch-chinesischen Pizzeria. Ansonsten sorgen halt dumme Sprüche, sinnlose Wortspiele und stellenweise auch ganz anhörbare Musik von Ubaldo Continiello für Kurzweil. Nur gegen Ende gingen scheinbar die Ideen aus und man muss, wie schon in zig anderen solcher Militär-Klamotten, mal wieder die missglückte Präsentation einer neuen Wunderwaffe anschauen (gähn!).

Insgesamt aber solide runtergekurbelter, zwar gnadenlos alberner, jedoch erstaunlich genießbarer Italo-Klamauk.



Stau (Luigi Comencini, 1979)

Vor den Toren Roms legt ein gigantischer Stau für über 36 Stunden den Verkehr lahm...

Die verschiedensten Typen von Menschen, größere und kleinere Dramen, diverse Macken und Psychosen - all das präsentiert der Film zu Beginn noch mit grotesker Situationskomik. Im weiteren Verlauf schaukeln sich die Agressionen jedoch immer weiter hoch, ein beinah apokalyptisches Feeling stellt sich ein, der Wahnsinn greift bei einigen langsam um sich und entlädt sich schießlich in einer schrecklichen Vergewaltigungs-Sequenz. Dabei schwingt natürlich immer eine große Portion Gesellschaftskritik mit, am deutlichsten wird das zum Bsp. als ein paar zwielichtige Typen bei ein paar singenden Jugendlichen gleich mit der Waffe dazwischengehen wollen, dann jedoch bei der Vergewaltigung lediglich wegsehen. Und von solchen meist pessimistischen Beobachtungen wimmelt es in dem Film.
Wirklich sehen lassen kann sich der Cast: Annie Girardot, Marcello Mastroianni, Fernando Rey, Ugo Tognazzi, Gerard Depardieu, Stefania Sandrelli, Miou Miou oder auch Alberto Sordi, als großkotziger Politiker, der selbst in dieser Extremsituation noch Champagner schlürft und sich dann beschwert, dass der seinen Durst nicht stillt.

Wie so oft auf der Schwelle zwischen Drama und Komödie, kommt man hier in ein echtes Wechselbad der Gefühle, aber sehenswert ist das allemal.

Bei den deutschen Tapes kursieren die verschiedensten Längen, gekürzt dürften sie aber alle sein. Da wäre eine vernünftige DVD doch mal wirklich wünschenswert!



Unerbittlich bis ins Grab (Gianni Crea, 1971)

Als ein Pistolero seine Eltern umgebracht und seine Farm niedergebrannt vorfindet, schwört er auf Rache und macht sich auf die Suche nach den Verantwortlichen...

Ihr werdet's vermutlich schon ahnen, ein Western der genau meinen Geschmack getroffen hat! Schöne Grüße auch nochmal an den freundlichen User, dank dem ich nun auch ein stolzer Besitzer des deutschen Tapes bin.
Das Reizvolle an diesen 70er-Western ist für mich unter anderem, dass sie sich storymäßig und stellenweise auch in der Inszenierung oft am US-Western-Kitsch zu orientieren scheinen (der rührselige Anfang ist da ein gutes Beispiel), dabei aber gleichzeitig die italowesterntypische Dreckigkeit ordentlich hochschrauben, wenn auch wahrscheinlich eher unfreiwillig aufgrund des kaum vorhandenen Budgets. Wenn man so will, dann schlägt sich diese Mischung auch in den Locations nieder, bei denen sich grüne Idylle mit den üblichen Steinbrüchen und einer Westernstadt abwechselt. Schwachpunkt sind die anfangs zu sehr in die Länge gezogenen Schießereien und Prügeleien, da die einfach den Drive zu sehr ausbremsen. Wenn dann allerdings endlich Gordon Mitchell und Femi Benussi auftauchen, dann wird die Sache doch schon wieder viel interessanter. Zumal bei dem feinen Soundtrack von Stelvio Cipriani von Trash nun wirklich keine Rede sein kann - das ist, wie schon x-mal gesagt, das Schöne am Italo-Kino: selbst beim übelsten Schund ist auf gute Musik (fast) immer Verlass! Ansonsten erheitern natürlich noch diverse kleinere und größere Unzulänglichkeiten, so hatte ich das Gefühl, dass einige missglückte Szenen einfach im Film geblieben sind, wenn z.B. jemand stolpert und, zumindest in der dt. Synchro (die überhaupt einige amüsante Highlights zu bieten hat), dazu irgendeine sinnlose Bemerkung abgelassen wird, oder auch ganz zu Beginn als unserem Helden bei einem kleinen Sprung erstmal der Hut, den er eh schon in der Hand trägt, wegfliegt (irgendwie witzig anzusehen!). Und die Schlusspointe erstmal - ganz schön ausgefuchst, der alte Plot-Twister Crea!

Da kann ich nur sagen, wer Italowestern im allgemeinen nicht abgeneigt ist und gleichzeitig noch ein Herz für liebenswerten Schund hat, der sollte hier gut bedient werden. Und am Ende war ich sogar überrascht, wie kurzweilig dieses charmante Vergnügen nach den Startschwierigkeiten über den Bildschirm geflimmert ist!

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PostPosted: 14.10.2012 04:26 
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Januar 2011



Der Ritt zur Hölle (Gianni Crea, 1975)

Pistolero will die Mörder seiner Schwester finden und legt sich dabei mit einer Bande, die das ganze Städtchen kontrolliert, an...


Also das erwartete große Trash-Vergnügen wollte sich irgendwie nicht so recht einstellen, obwohl gerade die Synchro mitunter Unglaubliches zu Tage fördert. Besonders wenn sich die Charaktere in moralische Streitgespräche verstricken, die zu allem Überfluss oft auch noch total asynchron laufen, dann wirds schon sehr abenteuerlich und die nächsten Lacher lassen nicht mehr lange auf sich warten. Leider stören ein paar dröge Durstrecken den Filmfluss erheblich, speziell die Endlos-Kloppereien im Dunkeln sind ganz übel. Da freut man sich dann richtig, wenn es wieder hell wird und ein wenig durch die rustikalen Landschaften geritten wird. Gordon Mitchell läuft ebenfalls nicht zur üblichen Form auf und Mario Brega als chronisch unlustiger Sidekick macht die Sache nun auch nicht unbedingt besser. Genauso wie der Score von Cipriani diesmal nicht so viel rausreißen kann, auch wenn er gelegentlich ambitionierte Ansätze zeigt. Das putzige Ende, mit der immer wieder bezaubernden Femi Benussi, hat mich dann jedoch immerhin noch gut gelaunt aus dem Streifen entlassen.

Selbst mit Kuriositäten-Bonus ein etwas schwerfälliges Unterfangen - da hat mir UNERBITTLICH BIS INS GRAB doch ne ganze Ecke besser gefallen.



Die Diamantenpuppe (Maurizio Lucidi, 1973)

Kaum aus dem Knast entlassen, in dem er für Autodiebstahl einsaß, begeht Floyd (Fabio Testi) zusammen mit einem Komplizen (Eli Wallach) eine Juwelenraub, bei dem entgegen der Planung auch die Waffen zum Einsatz kommen. Nachdem die beiden mit der Beute gerade noch der Polizei entfliehen können, trennen sie sich und Floyd soll die Ware über die Grenze schaffen, doch der sitzt schon bald wegen einer Autopanne in einem abgelegenen Motel fest. Und von da an wird die Situation nur noch verzwickter...

Nach dem flotten Einstieg herrscht erstmal etwas Flaute, doch auch wenn der Film insgesamt nie übermäßig mitreißend ist, so entwickelt sich in der kammerspielartigen Atmosphäre doch eine recht beständige innere Spannung. Wobei es sicher von Vorteil ist, dass die Rollen mit Ursula Andress, Fabio Testi, Eli Wallach, Barbara Bach und Massimo Girotti praktisch durchweg namenhaft besetzt sind und dazu ertönt von Luis Bacalov ein zwar nicht sonderlich erinnerungswürdiger, aber doch stimmiger Score. Sehr gut gefallen hat mir auch die Szene, in der Testi zu einer schönen, gesungenen Soul-Nummer lässig durch die verschneite Landschaft Kanadas cruist. Andress ist als undurchschaubare Femme Fatale ebenfalls nicht schlecht. Was mir ansonsten jedoch ein wenig fehlt, ist diese geschmeidige Schmierigkeit, mit der viele Italo-Produktionen punkten können - stattdessen gehts hier schon fast einen Tick zu seriös zu.

Im Grunde in allen Belangen solide Unterhaltung. Nicht langweilig, aber vermutlich auch nichts, was ich mehr als einmal sehen muss.



Sieben Jungfrauen für den Teufel (Antonio Margheriti, 1968)

Mordserie versetzt ein Mädcheninternat in Angst und Schrecken...

Antonio Margheriti schaffts in letzter Zeit, mich immer wieder aufs Neue zu begeistern! Gerade was die visuelle Seite betrifft ist das vielleicht gar nicht mal so weit von einem Mario Bava (der auch an der Story beteiligt war) entfernt. So wird die stimmungsvolle Gegend um das College in kräftige Farben getaucht und in Verbindung mit dem im spaßigen Sinne schablonenhaften Charakteren entwickelt sich ein schön comichafter Touch, während gelegentlich leichte Gothic-Grusel-Anklänge daran erinnern, in welchem Genre Margheriti auch desöfteren tätig war. Kurzum, die Location wird beinah perfekt genutzt. Dass es dabei im allgemeinen noch relativ zurückhaltend zugeht, ist zum Teil sicher der frühen Entstehungszeit geschuldet, wirkt andererseits aber auch schon wie ein bewusst eingesetztes Stilmittel und wird somit zugleich zur Stärke und Schwäche des Films. Wenn sich da die Mädchen nachts aus ihren Zimmern schleichen und vor allem eine, die Krimi-Fan ist, ihre eigenen Ermittlungen anstellt, dann ist das genau der naive Charme, der hier auch den Reiz ausmacht. Das Problem ist nur, dass das ewige Rumgeschleiche mit der Zeit dann etwas ermüdend wird, doch glücklicherweise strafft die Regie die Zügel immer noch im richtigen Moment und so gibt es bis zur gelungenen finalen Konfrontation kaum störende Längen, was auch den augenzwinkernden Humor-Einlagen zu verdanken ist. Und natürlich wäre so ein Film nichts ohne ein markantes Ensemble - in dieser Hinsicht können besonders Mark Damon als gelackt-charmanter Reitlehrer und Frauenschwarm, und Luciano Pigozzi als schmieriger Hausmeister, der die Mädels beim Duschen begafft, überzeugen. Unbedingt erwähnenswert ist außerdem die tolle Musik von Carlo Savina, die nicht nur einen kultigen Titesong zu bieten hat, sondern sich auch den verschiedenen Stimmungen bestens anpasst.

Ich merke schon, vielleicht gerate ich jetzt wieder zu sehr ins Schwärmen, aber ich denke, wer hier keine falschen Hoffnungen auf ausufernde Exploitation-Exzesse hegt, der wird an diesem sympathischen Frühwerk des Genres sicher Gefallen finden.

Wer keine Lust auf X-Rated hat und nicht unbedingt den dt. Ton braucht, dem empfehle ich ganz stark die US-Scheibe von DARK SKY (Titel: "Naked you Die"), die den Film in exzellenter Qualität mit engl. UT präsentiert.

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PostPosted: 14.10.2012 19:26 
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Wir, die Trottel vom 12. Revier (Giorgio Simonelli, 1965)

Franco und Ciccio hat es diesmal zur Zeit der Prohibition in den Polizeidienst verschlagen, wo sie sich als Gangster ausgeben sollen, um sich so in die Bande von Al Capone einzuschleusen...

Es musste ja soweit kommen - jetzt finde ich doch langsam aber sicher immer mehr Gefallen an dem Humor der beiden. Klar gibts da immer noch genug Einlagen, die einfach nicht funktionieren wollen, oder Gags, die vielleicht hauptsächlich von der dt. Synchro profitieren, doch teilweise finde ich es auch genial, wie hier selbst noch der infantilste Klamauk, den man sich vorstellen kann, gewissermaßen zur Kunst erhoben wird. Eine der besten Szenen ist, als die wahre Identität der beiden Trottel auffliegt, Franco sich zur Tarnung als Rudolpho Valentino ausgibt und mit seinem Charme die Frauen reihenweise in Ohnmacht fallen lässt. Amüsant auch die Szenen mit den Verlobten der beiden (eine davon Moira Orfei), die unter der strengen Fuchtel ihres Vaters stehen, sich dann aber doch nicht nehmen lassen, sich in ein sündiges Lokal zu wagen, um nachzusehen, was ihre zukünftigen Ehemänner denn so treiben. Dabei sehen Sets und Ausstattung gar nicht mal ganz billig aus, wobei es bei diesen Parodien, soweit ich weiß, oft üblich war, gleich die Kulissen von größeren Produktionen nochmal zu verwenden.

Sicher immer noch ein "acquired taste", aber doch einer der besseren Filme des Duos.



Das verrückteste U-Boot der Welt (Mariano Laurenti, 1982)

Ein italienischer Kahn und ein amerikanisches U-Boot liefern sich einen Wettstreit, doch auf Seiten der Italiener wählt der Supercomputer anstelle der Spezialisten lediglich die größten Trottel aus...

Oh mein Gott! Hier ist endgültig der Punkt erreicht, an dem der Klamauk surreale Formen annimmt - und ich liebe es!
Da gibt sich eine Frau als Matrose aus, damit ihr Mann nicht eingezogen wird (wer bitte soll das Anna Maria Rizzoli abnehmen?), als dieser dann allerdings doch Sehnsucht bekommt, nimmt er in einem kleinen Ruderboot die Verfolgung auf und bekommt dabei Gesellschaft von ein paar biblischen Figuren, die auf dem Weg nach Betlehem sind. Weiterhin wird beim Startschuss Superman vom Himmel geschossen; auf hoher See schippert mal eben Columbus vorbei; ein Heiliger, der zu Hilfe gerufen wird, will nicht beim Fernsehen gestört werden; eine Vefolgungsjagd führt nicht nur durch diverse Schlafzimmer, sondern auch einen Kühlschrank (!); und dann wäre da noch ein englischer Gentleman der sich an Bord schmuggelt. Außerdem bizarre Traumsequenzen (immer wieder ein Highlight in solchen Filmen), dämliche Sprüche (der dt. Synchro sei dank!), die nette Kulisse eines Hafenstädtchens und beschwingte Musik von Cipriani.

Mariano Laurenti gehörte mit Sicherheit zu den erfahreneren Regisseuren der italienischen (Erotik-)Komödie, und hat scheinbar verstanden, dass man die Albernheiten, wenn schon dann richtig auf die Spitze treiben muss. Bitte mehr davon!



Blutige Magie (Mario Siciliano, 1975)

Ein lebenslustiger Playboy (Jorge Rivero) wird von schrecklichen Albträumen heimgesucht, die zudem immer reellere Formen anzunehmen scheinen. So dass er sich bald fragen muss, ob er wahsinnig wird oder tatsächlich ein Killer ist...

Mario Siciliano mag nicht zu den ganz großen Künstlern des Italo-Kinos gehören, aber ist es genau die Mischung aus charmanter Schundigkeit und inspirierten Eingebungen, die Regisseure wie ihn besonders interessant macht. Außerdem handelt es sich hier auf jeden Fall um eines seiner ambitioniertesten Werke!
Was man sich heutzutage unter dem typischen 70er-Flair vorstellt, wird hier, vermutlich sogar unbewusst, in regelrechter Perfektion zelebriert: man beachte das Lebensumfeld der Charaktere (diese Partys!), die Klamotten, den superben Score von Stelvio Cipriani und nicht zuletzt die deutsche Synchro - so sieht Wohlfühl-Kino aus. Dass es dagegen um den Spannungsbogen schon deutlich schlechter bestimmt ist, finde ich dabei gar nicht mal so störend, denn die fluffige Vor-sich-hin-Dümpelei wird ab und zu von äußerst bizarren Auswüchsen unterbrochen. Denn was ein echter Visionär wie Siciliano ist, der hält doch nicht am üblichen Giallo-Schema fest, sondern lässt auch munter Übersinnliches auf den ungläubigen Zuschauer einprasseln, was dann in einem nicht minder wirren Finale kulminiert. Da braucht man sich nicht wundern, wenn Aschenbecher sich plötzlich wie wild im Kreis drehen, Gewehre ein Eigenleben entwickeln oder jemand sogar eine Kröte ausspuckt - und das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Als ob das noch nicht genug wäre, gibt oben drauf auch noch einen recht erlesenen Cast: Jorge Rivero, der wohl in Mexiko (=Koproduktionsland) damals als Sexsymbol galt, füllt die Hauptrolle durchaus passabel aus; Anthony Steffen als Kommissar ist versteinert wie fast immer; und Richard Conte, Luciano Pigozzi und Eduardo Fajardo sind doch ebenfalls gern gesehene Gesichter.

Wunderbar abstruse Giallo/Horror-Kuriosität mit den üblichen liebenswerten Schwächen.

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Ein nacktes Mädchen weiß zuviel (Franco Bottari, 1979)

Als eine junge Witwe (Rosa Fumetto), deren Mann bei einem Feuerwerk verunglückt ist, beschließt, in ihrer Kleinstadt wohnen zu bleiben, ist sie der zumindest vorgeblich sittenstrengen Gemeinde sofort ein Dorn im Auge, sowie Hauptgesprächsthema und nicht selten auch Objekt der Begierde...

Ok, inhaltlich ist da nicht viel zu holen und auch die halbherzigen Humor-Versuche gehen allesamt gründlich daneben. Was dem Film allerdings ein gewisse Qualität verleiht, ist das provinzielle Flair, das zusammen mit ein paar seltsamen Einfällen - wenn der Witwe z.B. ihr toter Mann erscheint oder ein Professor in dem Städtchen eintrifft, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht - für eine recht eigentümliche Atmosphäre sorgt. Und wenn Stelvio Cipriani in den Erotik-Szenen mit der hübschen Rosa Fumetto auch noch seine herzallerliebsten Klaviermelodien ausbreitet, dann bin ich dem Charme dieser Produktion doch schon fast wieder hoffnungslos verfallen. Letztendlich ist das aber einfach zu wenig, wenn selbst die bewährten Mimen wie Renzo Montagnani und Mario Carotenuto ihr Programm so lustlos abspulen.

So bleibts dann bei einer unlustigen Komödie, die sich jedoch durch das Setting und die stellenweise wirklich schöne Inszenierung etwas aus der Masse hervorheben kann.

Die deutsche DVD kann sich bildtechnisch abgesehen vom falschen Format wirklich sehen lassen und sollte auch noch zu einem angemessenen Preis erhältlich sein.



The Lover (Pasquale Fanetti, 1990)

Eine Frau in der Blüte ihrer Jahre (Malu) lebt zusammmen mit ihrem alten, gebrechlichen Mann (Anthony Steffen) auf einem imposanten Landsitz. Die Situation ändert sich jedoch schlagartig, als ein Bekannter aus früheren Zeiten, mit dem die Hausherrin schonmal ein Verhältnis hatte und der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, bei ihnen unterkommt und es nicht lange dauert, bis die alte Begierde wieder entflammt...

Klassisches, italienisches Erotik-Kino, das mit seiner angenehm direkten Art klar macht, gar nichts anderes sein zu wollen. Den einzigen erzählerischen Clou gibt es ganz zum Schluss, als man in einer recht geschickt arrangierten Montage über die Vorgeschichte des Ex-Sträflings aufgeklärt wird (in diesem Zusammenhang muss die sonst verträumt-romantische Stimmung auch einem eher düsteren Ton weichen). Davon abgesehen regieren hier aber eindeutige Annäherungen und ausgedehnte Sexszenen, die allerdings wirklich mit ausgesprochen viel Sinn für Atmosphäre und Ästhetik inszeniert sind. Besonders profitieren kann der Film dabei von seinem tollen Setting, das mitunter grandiose Bilder wie direkt aus einem Werbeprospekt für Italienurlaube liefert, und der zuckersüßen Musik, die nur manchmal ein bisschen zu seicht daherkommt. Folgendes wird mir bei solchen Film jedenfalls ständig bewusst: Es gibt einen riesigen unterschied zwischen grellen Reizen und erotischer Spannung. Erstere findet man häufig in Pornos und ich sage gar nicht, dass das zwangsläufig immer was Schlechtes sein muss, nur verliert diese stumpfe Sexualisierung doch schnell ihren Reiz. Während letztere im besten Fall auf fantasievolle Weise eine emotionale Bindung zum Geschehen aufbaut (und genau das schafft Fanetti in den gelungensten Momenten!) und damit auf Dauer viel interessanter ist. Anthony Steffen ist hier übrigens in seiner letzten Rolle zu sehen und auch wenn er seine besten Tage sicher schon lange hinter sich hatte, schlägt er sich gar nicht so schlecht.

Das ist genau die Sorte von Film, die ich gerne mal öfters im Nachtprogramm sehen würde, wenn man einfach mal Lust auf nicht mehr und nicht weniger als stilvolle, aber dennoch nicht komplett weichgespülte Soft-Erotik hat. Verglichen mit dem Mist, der da größtenteils läuft, muss man eben doch anerkennen, dass es die Italiener einfach besser können!

Der Film ist unter dem engl. Titel auch in Deutschland auf Video erschienen. Was ich da an Laufzeitangaben gefunden habe rangierte zwischen unglaublichen 47 und 60 Minuten, somit dürfte die 80-minütige US-DVD ("Scrambled Sex Collection") die deutlich bessere Wahl darstellen, Bildquali ist auch okay.



Liebe auf Asphalt (Giovanni Amadei, 1990)

Nachdem die Sekretärin (Valentine Demy) eines Buchhalters, der für eine brisante Diskette verantwortlich ist, einen Mord beobachtet hat, sieht sie sich schon bald von einem roten Geländewagen verfolgt und entgeht wenig später nur knapp einer Vergewaltigung...

Eins vorweg: Als Referenz an Spielbergs DUEL scheitert der Film kläglich, denn Spannungsaufbau war wohl wahrlich keine Stärke des Regisseurs Giovanni Amadei. Worauf stattdessen der Fokus liegt, dürfte nicht schwer zu erraten sein. Der Rest ist jedenfalls so ziemlich genau wie erwartet. Da gibt es lässig-langweiliges Roadmovie-Flair, Gossen-Atmo, diesmal nicht sonderlich appetitliche Erotik und dann aber doch wieder die Momente, die einen Hauch von Stilempfinden verraten. Und genau das ist das Faszinierende - die Kunst im vermeintlichen Schund zu finden! Wenn da z.B. eine coole Disco-Szene mit einem saftigen Synthie-Beat aufwartet oder mal unvermutet ein schönes Klavierstück ertönt (könnte was aus der Klassik bekanntes oder zumindest davon inspiriertes sein), dann blitzt in der drögen Tristesse eines billigen Sexploitation-Filmchens doch tatsächlich sowas wie Kino-Magie auf. Bevor ich allerdings in Lobhudelei verfalle, muss ich doch anmerken, dass diese Ambitionen hier sehr rar gesät sind, während sich über weite Strecken Einfallslosigkeit und wirre Eingebungen (besonders am Ende) die Hand reichen. Ach ja, ich sollte noch darauf hinweisen, dass in der Hauptrolle ein bezauberndes Geschöpf namens Valentine Demy zu sehen ist - sicher keine große Mimin (ich gucke keine Filme, um Schauspieltalent zu analysieren!), auf den ersten Blick auch nicht unbedingt die typische Schönheit, aber von einer so liebenswerten Aura umgeben, dass man doch Sympathie für diese oft unplausible Protagonistin entwickelt, und das macht die reichlich 70 Minuten schon um einiges erträglicher.

Da sind mir im Bereich der Italo-Spät-80er-Erotik jedoch in letzter Zeit schon weitaus stimmigere Werke untergekommen, somit lediglich gerade noch empfehlenswert für Fans der Hauptdarstellerin und /oder 80er-Schund-Fanatiker.

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Februar 2011



Die verrückteste Armee der Welt (Marino Girolami, 1981)

Unfassbar! Da glaubt man, nun so langsam die Grenzen des italienischen Klamauks ausgelotet zu haben, und dann kommt da so ein Film um die Ecke, der beinah alles bisher Gesehene in den Schatten stellt. Mit Begriffen wie "albern" oder "klamaukig" kommt man diesem undefinierbaren Wahnsinn kaum noch bei. Nicht zuletzt die Schier-Synchro schießt das Geschehen dann in vielleicht nie zuvor erreichte Sphären. Ich weiß nicht, wie man das hier Gezeigte auch nur annäherend vernünftig beschreiben soll... Oft gibts schon was zu lachen, einige Gags werden aber auch einfach zu sehr überstrapaziert. Wenn ich in der Vergangenheit gesagt habe, dass in anderen Italo-Komödien der Klamauk auf die Spitze getrieben wurde, dann wird hier jedenfalls der Irrsinn in kaum vorstellbare Regionen katapultiert - groteske Einfälle noch und nöcher, die für einen Humor sorgen, den man, sähe man ihn hier nicht vor sich, wohl nie für möglich halten würde.

Danach hat mir zwar der Schädel gebrummt, aber alleine schon um mal zu sehen, wie weit Italo-Humor wirklich gehen kann, ist diese hammerharte filmische Tour de Force eigentlich unverzichtbar!



Dein Vergnügen ist auch mein Vergnügen (Claudio Racca, 1973)

Kurz zum Inhalt der Episoden:

- Eine Frau wünscht sich ein Kind, doch bei ihrem schon etwas in die Jahre gekommenen Ehemann regt sich gar nichts mehr, somit sucht sie nun nach Möglichkeiten auf außerehelichen Wegen ihren Wunsch zu erfüllen, ohne dabei zu sündigen...

- Ein König wird in einem Turm in Madrid gefangen gehalten, was ihm an der Situation allerdings am meisten zu schaffen macht, ist die Abwesenheit seiner geliebten französischen Frauen. Doch sein treu ergebener Diener weiß Abhilfe...

- Eine Frau muss aufgrund seines Geldes einen alten Knacker heiraten, lässt ihn aber nicht ran - nicht mal in der Hochzeitsnacht. Deshalb will er nun mit einer geschickten List endlich zu seinem "ehelichen Recht" kommen...

- Ein junger Mönch will bei einer Hure, bei der sonst nur die großen Kardinäle ein und aus gehen, sein Glück versuchen. Doch obwohl sie auch gleich ein Auge auf ihn wirft, gestaltet sich der Weg zu seinem Ziel recht schwierig, da noch Konkurrenten von höherem Rang anwesend sind...

Das sind die Handlungsstränge, wie sie mir so grob im Gedächtnis geblieben sind, und die doch recht originalgetreu von der literarischen Vorlage übernommen worden (ein paar von diesen Geschichten hab ich vor kurzem erst gelesen). Auch wenn ich nicht ganz schlüssig bin, wie gut der Humor nun in den Film übertragen wurde... - einige Episoden wirken etwas langwierig und schwerfällig, stellenweise ist's aber auch ganz amüsant. Die Darstellerinnen können da natürlich noch einiges rausreißen, speziell Fans von Femi Benussi dürften auf ihre Kosten kommen, und Ewa Aulin und Barbara Bouchet sind auch mal wieder äußerst bezaubernd. Aber in Punkto Inszenierung wäre ein bisschen weniger Bemühung um Authentizität und ein paar mehr schwungvolle 70s-Anachronismen vielleicht der bessere Weg gewesen. Trotzdem, die Ausstattung überragt die übliche Klamauk-Komödien-Standards mit Leichtigkeit haushoch, und dass man das Ganze nicht mit einer zotigen Synchro verschandelt hat, ist dann doch lobenswert.

Für mich nicht ganz das Highlight, das ich erwartet hatte, aber auch kein Ärgernis.



The Fourth Victim (Eugenio Martin, 1971)

Arthur Anderson (Michael Craig) war dreimal verheiratet, alle seine Frauen hattne eine Lebensversicherung und alle sind unter merkwürdigen Umständen gestorben. Als nun seine vierte Frau eines Tages leblos im Pool schwimmt, steht er schnell als Hauptverdächtiger vor Gericht, doch beteuert beständig seine Unschuld. Er wird freigesprochen, doch dafür hat eine ihm unbekannte Frau (Carroll Baker) plötzlich ein recht undurchschaubares Interesse an ihm. Es kommt wie es kommen muss und nur wenig später wird sie seine fünfte Ehefrau, ohne zu ahnen, in was für seltsame Verstrickungen er sich damit begibt...

In England angesiedelter, spanisch koproduzierter Giallo, der mich überraschend gut unterhalten, ja stellenweise sogar begeistern konnte. Bei der zähen Gerichtsverhandlung zu Beginn hatte ich noch arge Bedenken, aber anschließend nimmt die Geschichte flott an Fahrt auf. Das visuelle Feuerwerk, das so manche Oberliga-Gialli zu bieten haben, sollte man hier sicher nicht erwarten, aber die schlichtere, gleichzeitig jedoch überzeugend düstere Umsetzung weiß durchweg zu gefallen. Zumal im weitern Verlauf ein paar wirklich gelungene Mystery-Schlenker eingeflochten werden, mit denen ich in dem Maße nicht gerechnet hätte. Außerdem erleben wir hier mal wieder die konsequente Aufwertung eines Filmes durch seine Musik - Piero Umiliani hat erstklassige Arbeit geleistet und liefert einen ohrenschmeichelnden, abwechslungsreichen, ständig präsenten und nicht zuletzt perfekt giallotypischen Score. Ganz große Klasse! Zudem hat auch die immer gern gesehene Marina Malfatti eine interessante Rolle abgekriegt.

Giallo-Fans sei dieser grundsolide und in den besten Momenten auch faszinierende Genre-Beitrag ausdrücklich empfohlen. Ein kleiner Geheimtipp!

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Die heißen Nächte der Lucrezia Borgia (Luciano Ercoli, 1974)

Bei den Machtkämpfen konkurrierender Familien spielt die ausschweifend lebende Lucrezia Borgia (Simonetta Stefanelli) ein besondere Rolle...

Ich muss es bei dieser relativ nichtssagenden Inhalts-Andeutung belassen, denn ehrlich gesagt ist mir nicht so ganz klargeworden, was für eine Story bzw. welche geschichtlichen Hintergründe dem Zuschauer hier nun aufgetischt werden sollen - das wirkt alles eher fragmentarisch. Erfreulicherweise fällt dieses Manko aber gar nicht sonderlich negativ ins Gewicht, denn der Film findet einen guten Mittelweg zwischen Historiendrama und Sexploitation-Light, so dass es nicht zu dröge und seriös zugeht, aber gleichzeitig auch Leute, die nicht so auf den "Erotik-Kram" stehen mal reinschauen können. Setting und Ausstattung machen durchaus was her und der schön großzügig eingesetzte Score von Franco Micalizzi geht sofort gut ins Ohr. So bleiben dann also oft leichtbekleidete Damen vor historischer Kulisse, plus eine solide bis gelegentlich ambitionierte Inszenierung, die über den wirren Inhalt schon fast hinwegsehen lässt.

Ich glaube ja langsam, Ercoli konnte gar keine schlechten Filme drehen! Der große Knaller ist das hier zwar nicht, aber eine vorsichtige Empfehlung möchte ich doch mal aussprechen.

Von STARMEDIA in VHS-Qualität auf DVD erschienen.



Le Porno Killers (Roberto Mauri, 1980)

Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht, denn gesehen hab ich das gute Stück auf italienisch (Pech, wenn man kein italienisch kann) und in grauenhafter Bildquali, doch flux waren jegliche Zweifel wie weggeblasen. Okay, so viel hab ich mitgekriegt: Es geht wohl um zwei amerikanische Agentinnen (Carmen Russo und Cintia Lodetti), die irgendeine Gangstertype (Vassili Karis) aus Italien dingfest machen sollen. Da geht's auch gleich zünftig zur Sache, denn besagter Schlingel hat bei einem dubiosen Deal gerade wieder einen seiner Geschäftspartner ins Jenseits befördert - es folgt eine Überblendung auf die Skyline von New York - ah Danke, jetzt weiß ich auch, wo dieser geile Pool zu finden ist, in dem wir Carmen Russo und ihre vollbusige Kollegin das erste mal zu Gesicht bekommen... Wie es sich für so ein fluffiges Pool-Szenario gehört (bin ich der einzige der solche Szenen liebt?) ist das natürlich stilecht mit einer lasziv hauchenden Frauenstimme untermalt, doch lange währt die Idylle nicht - die beiden bekommen nämlich einen Anruf von ihrer Auftraggeberin, anschließend wird noch kurz ein Nümmerchen mit den am Poolrand wartenden Goldkettchenträgern geschoben und dann heißt es, auf zum Flughafen. Angekommen in Italien wird erstmal ausgiebig miteinander geduscht und gegenseitig die üppigen Rundungen eingeseift, dann gehts ab zum Strand ein paar Machos und Gauner vermöbeln (scheinen ein paar gute Kampftechniken drauf zu haben, die Ladies), bis dann irgendwann auch mal ihr eigentliches Ziel auftaucht. Ach ja, zwischendurch wird entweder mit ihrem flotten Sportflitzer in der Gegend rumgefahren, oder es werden Körper entblößt und aneinander gerieben. Spätestens jetzt dürfte auch deutlich werden, dass der Crime-Plot nur eine notdürftig zusammengeflickte Nebensächlichkeit ist, aber hey, wenn's dafür so viel Carmen-Russo-Nudity gibt, wie ich es bisher in keinem anderen ihrer Filme gesehen habe, dann werde ich mich doch nicht beschweren. Die nächste Offenbarung ist der hammermäßig groovende Score, der munter 70s-Lounge und 80s-Synthies in einen Topf wirft, ein paar mal kräftig umrührt und das Ganze dann in sämtlichen Szenen - egal, ob's gerade passt oder nicht - volle Kanne aufdreht. Außerdem im Angebot: eine beinah psychedelische Tanzeinlage an den Monte-Gelato-Wasserfälllen. Und am Ende landet der Obergauner dann noch mit den beiden heißen Miezen im Bett (sieht so die Strafe aus?). Roberto Mauri hat sich jedenfalls nicht lumpen lassen und zum Abschluss seiner Filmographie mit stilsicherer Schundigkeit ein echtes Paradebeispiel an wonniger Italo-Goodness aus dem Ärmel geschüttelt.

Ich warte jetzt auf den Tag, an dem dieses Meisterstück italienischer Trash-Kunst in 1a-Qualität inkl. Soundtrack-CD auf DVD verewigt wird. Das ultimative Triple-Feature zusammen mit PLAY MOTEL und DELITTO CARNALE!



Bel Ami 2000 (Michael Pfleghar, 1966)

Die Zeitschrift Bel Ami hat sich "SEX" ganz groß auf die Fahnen geschrieben und kürt gerade wieder den Playboy des Jahres. Doch diesmal macht der Computer bei der Auswertung einen Fehler und so fällt die Wahl auf den braven Buchhalter Peter Knolle (Peter Alexander). Um die vornehmlich weibliche Leserschaft nicht zu enttäuschen, muss das zukünftige Aushängeschild des Magazins nun kurzerhand zum Frauenheld hochstilisiert werden...

Biederer deutscher Klamauk? Weit gefehlt! Denn zumindest die Inszenierung sprüht nur so vor internationalem Flair, der Titelsong ist ein Knaller, bei den Frauen ist eine schöner als die andere und dazu gesellen sich ein paar neckische visuelle Spielereien. Klar kann der Film seine deutschtümelige Ader nicht ganz verbergen, aber das erhöht den Spaßfaktor eher noch. Schön auch die vielen Locationwechsel: angefangen bei Paris, geht's weiter nach Tokio, was vielleicht den schwächeren Teil des Films darstellt, auch wenn man's mit den üblichen Asien-Klischees zum Glück nicht übertrieben hat. Der Schlussakt im geliebten Rom macht dann aber wieder mehr Spaß - dort trifft der falsche Bel Ami auf eine Filmdiva (Scilla Gabel - auch so eine Wahnsinnsfrau!) und erlebt viele weitere Abenteuer. Wie gesagt, alles farbenfroh und extravagant in Szene gesetzt, begleitet von Heinz Kiesslings flotter Musik und die witzigen Einfälle kommen auch nicht zu kurz. Wenn dem vermeintlichen Playboy z.B. diverse Bettabenteuer angedichtet werden ( "Peter Knolle liebt gefährlich!","Liebt Bel Ami Knolle zwei Frauen?", "Gibt es eine Liebe zu dritt?") oder die Sexwelle aufs Korn genommen wird (im Flugzeug: "Den Passagieren der ersten Klasse zeigen wir jetzt den Farbfilm SEX MACHT LAUNE") hab ich prächtig amüsiert.

Ist mir mal wieder unbegreiflich, warum man über den Streifen fast nur Schlechtes liest... Ich sage, alleine die Schauwerte rechtfertigen mindestens einen Blick!

Ärgerlich ist lediglich die DVD von CENT-ENTERTAINMENT, die mit seltsamen Bilddefekten und Tonausfällen daherkommt. Hab aber gerade bei Amazon gelesen, dass die MCP-Scheibe diese Fehler nicht hat!

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Der Polyp (Ovidio G. Assonitis, 1977)

Seltsame Todesfälle in der Küstenregion Kaliforniens geben Behörden sowie Ozean-Experten Rätsel auf. Stehen die Aktivitäten einer bösen Tunnelbau-Gesellschaft wohlmöglich im Zusammenhang mit den Vorfällen oder treibt ein unbekanntes Monster aus den Tiefen des Meeres sein Unwesen?

Uff! Wo akute Ereignislosigkeit herrscht, da ist Langeweile meist nicht weit. Normalerweise hab ich ja nichts gegen gediegene Beschaulichkeit, zumal wenn sie in jeder Einstellung so schön den Zeitgeist der 70er atmet, aber was zu viel ist, ist zu viel! Einige der Angriffsmanöver sind nicht schlecht umgesetzt, speziell bei den Szenen rund um die Segel-Regatta (natürlich keine gute Idee, wenn gerade ein Riesenkrake die Gewässer unsicher macht!) kann dann auch endlich Stelvio Cipriani mit teilweise schon bekannten, aber immerhin effektiv wiederverwendeten Stücken älterer Scores auftrumpfen. Ansonsten kann man die Lichtblicke jedoch mit der Lupe suchen und das obwohl mit John Huston und Henry Fonda doch sogar richtig Starpower an Bord ist. Ob für diese beiden Herren schon 90% des Budgets draufgegangen sind und es deshalb im Showdown nur noch für unspektakuläres Unterwasser-Gekröse und -Gefauche im Halbdunkeln gereicht hat? Ich weiß es nicht, sicher bin ich mir nur, dass dieser Streifen nicht der große Wurf war.
Übrigens ist auch der wahrscheinlich voluminöseste Darsteller des ital. Genre-Kinos, Franco Diogene, wieder mit am Start - der Arme wird getriezt, er solle doch um abzunehmen mal ein bisschen Schwimmen gehen (again, not a good idea!). Weiterhin konnte ich mir auch ein Schmunzeln nicht verkneifen, als der eine Typ seine beiden handzahmen Killerwale auf den Krake abrichtet.

Trotz alledem fürchte ich, hier brauchen selbst eingefleischte Tierhorror-Fans (zu denen ich mich nicht unbedingt zähle) eine große Portion Geduld.

Wer's dennoch mal probieren will, muss für die Scheibe von e-m-s nicht sonderlich tief in die Tasche greifen.



Crow (Gianni Crea, 1973)

Ein Goldtransport wird überfallen und zwei Brüder, die zudem noch ihre Schwester im Schlepptau haben, wollen der Sache wohl irgendwie auf den Grund gehen...

Also die Story, wenn man sie denn überhaupt so nennen kann, ist echt mal ein Witz: da werden Charaktere oft kaum eingeführt und Handlungsstränge mühsam zurechtgebogen, so dass es wohl zumindest den Anschein haben soll, sie würden einen Sinn ergeben. So gesehen ist es dann wohl nur logisch, dass auch die Dialoge von äußerst haarsträubender Natur sind und der grenzdebile Humor, sich nicht vor Fidanis Nonsens-Einfällen zu verstecken braucht. Kostprobe gefällig? Das Dreier-Gespann hat sich in einem noblen Hotelzimmer einquartiert, die Streitfrage ist jedoch immer, wer im Bett schlafen darf - entweder die beiden Brüder oder die Schwester. Letztendlich muss die Schwester dann meist mit dem Fußboden vorlieb nehmen. Eines Abends haben sie ihr jedoch eine Hängematte gebaut, doch diese ist wohl nicht besonders solide und so landet das Schwesterchen bald schon wieder auf dem Boden, was den Brüdern Anlass gibt, erstmal ohne Ende abzufeiern. Ist aber auch ein echter Schenkelklopfer, oder etwas nicht?
Nun ja, ansonsten wird recht viel in Saloons abgehangen und geprügelt, und leider wird der dreckige Billig-Look, den ich so mag, hier durch einen eher biederen Billig-Look ausgetauscht. Man soll ja aber die Hoffnung nie ganz aufgeben und die Geduld wird tatsächlich belohnt. Mit dem Auftauchen der "Krähe" (William Berger) so ca. in der letzten halben Stunde (Zeit wird's!) rappelt sich der Film tatsächlich nochmal auf. Die Musik wird plötzlich besser, Franco Villa versucht sich an schrägen Kamerawinkeln und die "Krähe" schleicht finster umher. Doch lange hielt die Inspiration nicht an und so geht es mit dem überlangen, öden Finale, das mir zu allem Übefluss zum großen Teil auch schon aus einem anderen Crea bekannt vorkam, schnurstracks wieder bergab.

Nee, hier macht's einem der Crea wahrlich nicht leicht. Ein spaßiger Trash-Western sieht für mich anders aus!



Lady Emanuelle (Pasquale Fanetti, 1989)

Emanuelle (Malu) ist total besessen von Lady Chatterley's Tagebuch, in ihrer Ehe kriselt's allerdings heftig. Passenderweise bekommt sie jedoch gerade Besuch von einer Schriftstellerin und die versteht ihre Gefühle eh viel besser als ihr grobschlächtiger Mann...

Ja ja, die bösen Männer denken alle nur an Sex, während die Frauen noch richtig was von Liebe und Zärtlichkeit verstehen - so und ähnlich tönt es desöfteren in den Dialogen. Nun erwarte ich ja keine tiefenpsychologischen Abhandlungen, wenn ich einen Erotikstreifen einlege, aber solche arg simplen Strickmuster werden dann mit der Zeit doch etwas anstrengend. Gut, ich will nicht unterschlagen, dass im weiteren Verlauf noch die eine oder andere zwar unerwartete, aber auch unglaubwürdige Wendung folgt, doch obwohl gerade auch diese aufgesetzte, schwülstige Dramatik den Reiz solcher Filme ausmacht, will der Funke diesmal einfach nicht so recht überspringen. Immerhin kann jedoch Fanetti wieder beweisen, dass er in Punkto Erotik sein Handwerk versteht. So sind dann die (zum Glück häufigen) Szenen, in denen er seine Hauptdarstellerin in perfekt durchgestylten Bildern präsentiert, das Ganze mit einem stimmigen Score unterlegt, und auf unnötiges Geschwafel verzichtet, die wahren Höhepunkte des Films.

Letztendlich läuft's dann also wieder auf das alte Lied vom "Style over Substance" hinaus. Und auch wenn hier die Schwächen schon stärker hervortreten, bin ich im Allgemeinen doch immer noch recht angetan, von der ital. Spät-80er/Früh-90er-Erotik und diesem sehr typischen Vertreter dieser Gattung.

Ist in den USA von EXPLOITATION DIGITAL erschienen: top Bildquali, ital. Ton + engl. UT. Lediglich ein paar Szenenübergänge wirken etwas seltsam abgehackt, die Sexszenen machen jedoch einen kompletten Eindruck, daran sollte es also nicht liegen - keine Ahnung, was da los war.

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Tödliches Erbe (Vittorio Sindoni, 1968)

Irgendwo in der französischen Provinz wird ein Mann vom Zug überrollt. Doch dieser Todefall bleibt nicht der letzte, denn die Verlesung des Testaments, welches ein stattliches Erbe in Aussicht stellt, sorgt für allerlei Zündstoff im Umkreis der Familie. Von den drei schönen Töchtern (u.a. mal wieder Femi Benussi) bis zum behinderten Adoptivsohn (Ernesto Colli) - alle hängen sie mit drin...

Kurze, knackige Krimi-Unterhaltung der rundum gelungenen Sorte. Mit dem klassischen Giallo hat das sicher erstmal nicht soviel zu tun, doch spätestens, wenn dann gegen Ende Twist auf Twist folgt, fühlt man sich unweigerlich an die mediterrane Spielart des Thrillers erinnert. Insgesamt entfaltet sich das Geschehen auf ruhige, aber unterschwellig doch konstant brodelnde Weise. Wüste Action- oder Sleaze-Einlagen sollte man hier natürlich nicht erwarten und hat der Film auch gar nicht nötig, denn genau so wie er ist, funktioniert er prima. Sehr gefällig sind auch das 60s-Flair (die Szene in dem Tanzschuppen!) und dazu passend die Beat-Mucke von Stefano Torossi. Vom Cast können besonders Ernesto Colli (ein Gesicht, das kein Italo-Fan vergisst!) und Ivo Garrani, der auch einen recht zwielichtigen Burschen gibt, überzeugen. Für dunkelhaarige Schönheiten wie Femi Benussi hab ich ja eh eine Schwäche und immerhin darf die Gute hier sogar mal ein bisschen mehr schauspielern.

War eines der ersten Tapes, das ich mir gekauft habe, nachdem mir langsam bewusst wurde, dass es einfach zu viele interessante Filme (noch) nicht auf DVD gibt. Und es hat sich gelohnt - der Film hat mir damals, vor ein paar Jahren, schon gefallen und ich finde ihn immer noch absolut sehenswert!



The Long Hair of Death (Antonio Margheriti, 1964)

Eine Frau wird für einen Todesfall in der Familie eines angesehenen Adelsgeschlechts verantwortlich gemacht und landet als Hexe gebrandmarkt auf dem Scheiterhaufen. Auch eine ihrer wenigen Verbündeten, die von ihrer Unschuld überzeugt ist, wird kurz darauf für immer zum Schweigen gebracht, doch so einfach sollen die wahren Schuldigen nicht davonkommen...

Die genretypischen Zutaten sind versammelt und so gehen in einem alten Gemäuer mörderische Intrigen und schleichender Wahnsinn mal wieder eine unheilvolle Symbiose ein. Besonders zu gefallen wissen Barbara Steele als verführerischer Rache-Engel und George Ardisson in der Rolle des durchtriebenen Grafen, der langsam aber sicher immer mehr den Verstand verliert. Überraschend fand ich auch, wie die körperlichen Begierden schon in den Vordergrund gerückt werden - sicher, auch in Bavas vier Jahre früher entstandenem Gothic-Klassiker DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMMT lassen sich schon sexuelle Untertöne deuten, aber ein blanker Busen war 1964 sicher noch nicht die Norm und es ist wohl auch kein Zufall, dass die bezaubernde Barbara Steele in diesen beiden Filmen dabei ist. Was die Atmosphäre betrifft, sorgt der schlichtere, raue Look erstmal dafür, dass die wohlige Gruselstimmung etwas auf sich warten lässt. Stattdessen setzt der Film eher auf phasenweise Höhepunkte, in denen die Inszenierung dann voll auftrumpfen kann. Etwas Bedenken hatte ich auch bei der Story, die sich manchmal ein klein wenig zieht, dann aber doch immer noch rechtzeitig die Kurve kriegt und am Ende sogar nochmal ordentlich zulegt.

Somit fallen die Kritikpunkte also nicht zu arg ins Gewicht und ich kann den Streifen guten Gewissens im soliden Mittelfeld einordnen. Und jeder, der weiß, dass er auf gediegenen Gothic-Grusel steht, wird sich von meinen jetzt nicht ganz so überschwänglichen Ausführungen sicher sowieso nicht beirren lassen.

Das Bild der Raro-Disc ist nicht perfekt, aber Schwamm drüber - Alternativen dürfte es ja eh kaum geben.



Der Mordfall Matteotti (Florestano Vancini, 1973)

Der Abgeordnete Giacomo Matteotti (Franco Nero) wirft der faschistischen Partei vor, unter Androhung von Gewalt die Wahlen zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Als er nur kurze Zeit später totgeprügelt wird, die Öffentlichkeit allerdings erstmal nur von seinem Verschwinden erfährt, dauert es jedoch nicht lange, bis die Faschisten als Urheber des Verbechens verdächtigt werden. Vor diesem Hintergrund erhoffen sich die antifaschistischen Bewegungen, wieder an Stärke zu gewinnen, doch die Rivalitäten zwischen den verschiedenen Lagern der Linken, erschweren das Vorgehen gegen Mussolinis Gewaltherrschaft...

Mit der Beurteilung solcher historisch-politisch aufgeladenen Filme tue ich mich meist ein bisschen schwer, da man ja nie so ganz sicher sein kann, was nun tatsächlich auf geschichtlich überlieferten Begebenheiten beruht und was vielleicht eher zu den künstlerischen Freiheiten im Rahmen eines Unterhaltungsfilms gehört (oder jedenfalls müsste man sich mehr informieren, wenn man auf solche Details adäquat eingehen möchte). Ein anderes Thema sind natürlich solche Filmchen, die man eh von vornherein nicht ernstnehmen kann, was auf diesen aber nicht zutrifft, denn leichte Berieselung sieht dann doch etwas anderes aus. Der Film präsentiert sich mit einer recht nüchternen Inszenierung, die, getragen von den überzeugenden Schauspielleistungen, es versteht, das Interesse über die gesamte Laufzeit einigermaßen aufrecht zu erhalten. Inhaltlich natürlich sowieso ein wichtiges Thema, das sich immer lohnt, im Hinterkopf zu behalten - aber aus filmischer Sicht fand ich's jetzt einfach nicht so übermäßig reizvoll, spannend, fesselnd (wie auch immer man es nun nennen könnte) umgesetzt. Nun ja, Renzo Montagnani (sonst ja eher bekannt aus unzähligen Erotik-Komödien) mal in einer ernsthaften Rolle zu sehen ist immerhin auch mal eine interessante Abwechslung. Weiterhin ist auch Mario Adorf als Mussolini im ersten Moment ein sehr ungewohnter Anblick.

Kann man sich schonmal angucken, aber so wirklich beeindruckt war ich dann doch nicht.

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Schmutziges Wochenende (Dino Risi, 1973)

Ein reicher, erzkonservativer Industrieller (Marcello Mastroianni) will sich zusammen mit seiner jungen Geliebten (Carole Andre) ein nettes Wochenende machen, doch damit ist es prompt vorbei als die beiden in die Hände anarchistischer Bankräuber fallen...

Schon ein ziemlich geiler Streifen - genauso gut wie ich ihn in Erinnerung hatte!
Zu Beginn könnte man noch meinen, man hat es mit einer typischen Komödie all' Italiana zu tun, dann schwenkt das Ganze jedoch schnell um. Denn mit der Geiselnahme lässt Dino Risi eine scharfzüngige Satire von der Leine, die auf recht clevere Weise, teils hintergründig, teils offensiv, aber immer genüsslich gegen alle Seiten ätzt - rechts, links, Anarchisten, Kapitalisten, Kommunisten, Patrioten, sensationsgeile Journalisten - jeder bekommt sein Fett weg. Das coole Roadmovie-Feeling hält den Film gut auf Trab und macht außerdem schön deutlich in welchem Jahrzehnt man sich hier befindet. Das Highlight ist für mich jedoch die bizarre Sequenz, die sogar mit surrealen Qualitäten aufwarten kann, als die Flüchtenden in einer regnerischen Nacht in der Villa eines alten Generals (Lionel Stander) unterkommen, der dort wie losgelöst von der Außenwelt zusammen mit seiner Frau haust. Seltsam und überraschend ist dann auch das Ende, das - mal ganz platt formuliert - zum Nachdenken anregt.

Italo-Kino der feinsten Sorte! Und da der Film vermutlich nicht allzu bekannt ist, sage ich jetzt einfach mal, dass er es verdient hätte, von viel mehr Leuten gesehen zu werden.



Intime Affären (Salvatore Bugnatelli, 1989)

Die cineastische Offenbarung schlechthin!
Meisterregisseur Salvatore Bugnatelli (wer kennt ihn nicht!) eröffnet ein wahres Kaleidoskop der Leidenschaften, bei dem dem Freund anspruchsvoller Erotik Hören und Sehen vergeht. In den Boutiquen einer "malerischen italienischen Stadt" (Covertexte lügen nie!) geht es heiß her, besonders wenn die scharfe Verkäuferin höchstpersönlich die verführerischen Dessous vorführt, verliert die männliche Kundschaft schnell mal den Verstand. Selbst der tölpelhafte Akademiker, der sich sein Handgelenk beim Anheben des Schreibtisches verstaucht hat (!), geht aufs Ganze und flirtet mutig mit der hübschen Apothekerin. Dass angesichts solcher Verlockungen so manche Ehe ins Wanken gerät, liegt auf der Hand, und wenn noch nicht mal ein Paar High Heels und eine reizvolle Korsage das eingeschlafene Sexleben wieder in Schwung bringen können, tja, was bleibt dann noch übrig, außer sich in Affären zu stürzen. Doch nicht nur die Männer betrügen ihre Frauen, nein, auch die Frauen holen sich ihre Befriedigung anderweitig!
Signore Bugnatelli nähert sich diesen brisanten Themen mit einer Einfühlsamkeit, dass sich die Balken biegen - mit traumtänzerischer Sicherheit pendelt er zwischen Bildern unverfälschter Romantik und hitziger sexueller Begierden. Für den nötigen Feinschliff sorgen die exzellenten Synchronsprecher, die mit der derben Sinnlichkeit eines Telefonsex-Werbespots immer den richtigen Ton treffen. Komponist Aldo Salvi hat Keyboard, Saxophon, Klavier und Synthesizer versammelt und legt sich heftig ins Zeug, um das sündige Geschehen mit seinen süffisanten Klängen noch weiter zu veredeln. Ja selbst Kameramann Alberto Livraghi will dem in nichts nachstehen und versinnbildlicht mit gewagten Einstellungen die innere Zerissenheit der Protagonisten.

Ein unverzichtbares Kleinod für jeden ernstzunehmenden Filmkenner, der in der Vitrine neben Fellini, De Sica und Visconti noch ein Plätzchen frei hat!

Ich empfehle vorerst die deutsche DVD von VZM, auch wenn es nicht mehr lange dauern dürfte, bis der Film auch in der Criterion Collection gewürdigt wird!



Django - Der Tag der Abrechnung (Sergio Garrone, 1971)

Der frischgebackene Doktor George Benton (George Eastman) kehrt auf die Farm seines Bruders zurück, nur um festzustellen, dass aufgrund des angeblichen Goldvorkommens in einem nahegelegenen Fluss immer mehr zwielichtige Gestalten die Gegend unsicher machen. Als die Familie, wie viele andere vor ihnen schon, sich gerade entschlossen hat, das Land nun doch zu verlassen, eskaliert die Situation...

Schon die ersten Minuten machen die Gangart und die damit einhergehenden Schwächen deutlich. Im Klartext heißt das: angekitschte Dialoge wechseln sich mit rauem, italo-typischen Charme ab. Gerade in den Momenten, wenn absolute Italowestern-Bilderbuch-Schurken wie Bruno Corazzari und Federico Boido ihrem dreckigen Handwerk nachgehend durch die Sets stapfen und wenig später auch noch Nello Pazzafini hinzustößt, könnte man meinen, der Film schlägt endlich die richtige Richtung ein. Jedoch nimmt Garrone zwischendurch immer wieder das Tempo raus und setzt uns den nächsten Familienkonflikt vor, was handlungstechnisch zugegebenermaßen zwar durchaus Relevanz hat, allerdings doch einen Tick zu ausführlich ausgewalzt wird. Einiges wettmachen kann dafür immerhin die für die 70s-Western charakteristische Inszenierungsweise, für die ich ja eh ein ganz besonderes Faible hege - da werden die prächtigen grünen Landschaften (ya know I love it!) wieder ausgiebig beritten und wenn dann auch noch ein phasenweise recht schöner Score von Francesco De Masi ertönt, dann ist doch fast schon wieder alles in Butter in der Italowestern-Welt!

Für mich bleibt trotz des teilweise ungenutzten Potentials ein Genre-Vertreter der guten, gehobenen Mittelklasse.

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Giovannona Long-Thigh (Sergio Martino, 1973)

Eine große Käse-Fabrik verschmutzt mit ihrem verseuchten Abwasser die Umwelt. Um einen Skandal abzuwenden, beschließt man eine einflussreiche, ehrenhafte Persönlichkeit auf seine Seite zu holen. Als man dann einen zukünftigen Minister (Vittorio Caprioli) gefunden hat, der für den Job wie gemacht zu sein scheint,ist das Problem, dass dieser ein wenig zu ehrlich an die Sache rangeht (denn bestechlich soll er ja schon sein). Wie sich jedoch nach einiger Recherche herausstellt, hat der Abgeordnete eine Schwäche für verheiratete Frauen. Da die eigene Frau des Firmenbesitzers (Gigi Ballista) allerdings viel zu frigide ist, um den "Ehrenmann" um den Finger zu wickeln, muss nun also jemand anderes für diese Rolle gefunden werden und so fällt die Wahl letztendlich auf eine Prostituierte (Edwige Fenech), deren Reize unschlagbar zu sein scheinen. Doch die Aktion gestaltet sich weitaus turbulenter als angenommen...

Da ist sie wieder, eine dieser mit Liebe zum Detail und wohl auch etwas höherem Budget geschaffenen Italo-Komödien aus der ersten Hälfte der 70er, bei denen man sich nur wundern kann, weshalb ihnen eine Auswertung in Deutschland oft verwährt geblieben ist. So hat man dann leider gelegentlich das Gefühl, dass die englischen Untertitel den Wortspielen aus dem Italienischen nicht wirklich gerecht werden. Trotzdem schön, dass der Film wenigstens so erschienen ist! Denn ansonsten bietet sich hier nicht der ganz niedere Klamauk a la FLOTTE TEENS, sondern recht spaßige Verwechslungen und Verwicklungen, die in zwei großen Sequenzen kulminieren: Erstens die Fahrt im Schlafzug, bei der die ersten Annäherungsversuche zwischen der vorgeblichen Gattin des Firmenchefs und dem Abgeordneten unternommen werden, und bereits alles drunter und drüber geht. Und zweitens, das Finale in der Villa des Abgeordneten, bei dem wieder nichts als Chaos herrscht. Sicher zündet nicht jeder Gag, aber insgesamt doch guter, vergnüglicher Slapstick der alten Schule. Stelvio Massi zeigt sich an der Kamera wieder recht experimentierfreudig, die Musik der De-Angelis-Brüder geht angenehm ins Ohr und neben den bereits genannten gibt sich eine ganze Reihe bekannter "Italo-Gesichter", wie Riccardo Garrone und Francesca Romana Coluzzi, die Klinke in die Hand. Tja, und dann ist da natürlich noch eine gewisse Edwige Fenech - schaut euch die Bilder an, mehr sag ich nicht!

Witzige, visuell ansprechend umgesetzte Unterhaltung, mit der Sergio Martino einmal mehr sein sicheres Händchen für verschiedenste Genres unter Beweis stellen kann. Auf jeden Fall einen Blick wert, auch wenn's nicht ganz für den Olymp der Italo-Komödien reicht.



Nacktes Entsetzen (Rafael Romero Marchent, 1974)

Der Direktor (Ray Milland) eines Knaben-Internats gibt einen Mord in Auftrag. Als er von seinem Komplizen jedoch erfährt, dass dieser dafür ein ganzes Flugzeug in die Luft gesprengt hat, tötet er den Attentäter im Affekt.
Entsetzt bemerkt er, dass er dabei von einer Person, die er nicht mehr erkennen kann, beobachtet wurde. Der einzige Anhaltspunkt ist ein verlorener Schuh mit der Größe 32 und somit versucht er nun krampfhaft herauszufinden, welcher von den Internats-Schülern der unliebsame Zeuge ist. Und je mehr Licht in die ganze Sache kommt, desto ungeheuerlichere Konsequenzen ergeben sich...

Ok, ich will's nicht zu reißerisch formulieren. Insgesamt ist die Handlung zwar gar nicht so ungeschickt aufgebaut und auch auf den einen oder anderen unerwarteten Einfall muss man nicht verzichten, doch genauso hat man desöfteren das Gefühl, der Film hält sich einfach zu sehr an Nebensächlichkeiten auf. So versucht der zwielichtige Direktor mit verschiedensten Methoden, den Zeugen zu finden - macht z.B. Gesundheits-Checks, um zu sehen wer von den Schülern vielleicht besonders aufgeregt ist, oder probiert mit gezielten Fragen und Assoziations-Spielen den Vermeintlichen "Mitwisser" zu entlarven. Nicht gerade furchtbar spannend, aber auch nicht völlig uninteressant umgesetzt. Zumindest können der nette Score (Cipriani!) sowie Ray Milland und Sylva Koscina noch über so manche Durststrecke hinwegtäuschen. Und gerade der gelungene Schlussteil, mit seiner 10-minütigen Verfolgungsjagd rund um einige Pariser Sehenswürdigkeiten und der stimmigen Auflösung, sorgt dann dafür, dass man den Film besser in Erinnerung behält als er insgesamt wahrscheinlich war.

Solide Thriller-Unterhaltung, die trotz ihres makabren Ansatzes nicht allzu sehr über die Stränge schlägt, jedoch hier und da schon mit ungewöhnlichen Kniffen aufwarten kann.



Der Sexbomber (Luigi Russo, 1979)

Als Germano (Christian Borromeo) im Bett mit dem Dienstmädchen erwischt wird, schicken ihn sein Eltern zur Strafe in die Pension der Oma, wo er die Ferien über aushelfen soll. Und tatsächlich schafft er es, das Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Wie das? Tja, nachdem sich herumgesprochen hat, dass der Bursche ein gigantisches Teil in der Hose und sagenhafte Fähigkeiten im Bett hat, erlebt die kleine Pension schon bald einen Ansturm an Besucherinnen wie nie zuvor. Erst als eines Tages nach totaler Überanstrengung seine Manneskraft versagt und nicht mal mehr die speziell gemixten Eiweiß-Drinks helfen, steht er vor einem echten Problem...

Ein Paradebeispiel für die Faszination Italo-Sleaze! Wahrscheinlich äußerst preiswert abgedreht, teilweise auch reichlich dümmlich, aber trotzdem mit so viel, ich möchte fast sagen, unbeschreiblichem Charme gesegnet, dass die Sause einfach Laune macht. Den Leuten, die sich vor Italo-Komödien fürchten, kann ich schonmal Entwarnung geben, denn der Klamaukanteil beschränkt sich hier doch auf ein annehmbares Maß, während in Punkto Nudity & Erotik keineswegs gespart wurde. Nun klingt das vermutlich erstmal nach einem handelsüblichen, schundigen Schmuddelstreifen, wenn da nicht Stelvio Cipriani wäre - der Mann, der mit seinen funky Grooves und wunderschönen Klaviermelodien (im Ernst, ich würde mir sofort eine Soundtrack-CD kaufen!) selbst noch die schäbigste Billig-Atmo und die schmierigsten Sexszenen zu einem abstrakten Gesamtkunstwerk verschmelzen lässt. Ich liebe diese scheinbaren Gegensätze, die - wie das Italo-Kino ständig beweist - eben gar kein Widerspruch sein müssen! Bei so viel Schwärmerei könnte man fast vergessen zu erwähnen, dass neben den ganzen anderen meist leichtbekleideten Damen auch Ajita Wilson diesen Streifen wieder mit ihrer exotisch-eigenwilligen Schönheit bereichert. Und für den letzten Schliff sorgt dann gewissermaßen die derbe Synchro, bei der Kopfschütteln und Lachen so nah beieinander liegen wie nur selten.

Unendlich sympathisches, irgendwie doch ambitioniertes Produkt seiner Zeit, empfohlen nicht nur für Freunde feiner Klaviermusik!

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Il Solco di Pesca (Maurizio Liverani, 1975)

Ein Fotograf (Alberto Terracina), bei dem sich alles um Hinterteile dreht, durchlebt eine schwere moralische, seelische und sexuelle Krise...

Literatur-Zitate, (prätentiös) geistreiche Dialoge, psychedelische Theater-Aufführungen, religiöse Zwiegespräche surreale Einlagen und nicht zuletzt nackte Hintern in den verschiedensten Zusammenhängen - das alles, angereichert mit ein paar appetitlichen Sleaze-Häppchen, bietet diese intellektuell aufgeladene und gleichzeitig durch und durch fetischistische Erotik-Kömödien-Groteske. Wer jetzt noch Zweifel hegt, den kann ich absolut verstehen! Selbst in den ersten Minuten hatte ich angesichts des schrecklich hochgestochenen Geschwafels noch arge Bedenken, was das werden soll. Dann folgte jedoch der erste Lichtblick: Gloria Guida streift sich in einer prächtig in Szene gesetzten Sequenz langsam ihre halterlosen Strümpfe über - da wird einem doch warm um's Herz! Und dann dauerte es auch nicht mehr lange bis sich mir die ganze Faszination dieser hochgradig skurillen, abstrus pointierten, aber meist vergnüglich-heiteren Verschrobenheit erschlossen hat. Ich könnte jetzt noch auf die seltsamen Figurenkonstellationen, überhaupt die schrägen Charaktere, eingehen, versuchen, angemessen die visuellen Feinheiten zu würdigen oder den Inhalt auf tiefergehende Aussagen hin untersuchen, aber ich fürchte, damit würde ich diesem unvergleichlichen, ungewöhnlich kreativen Endresultat niemals gerecht werden (oder vielleicht bin ich auch einfach nur ein klein wenig zu faul). Ach ja, wenigstens der schöne Score von Teo Usuelli sollte aber doch noch Erwähnung finden, und Martine Brochard ist ebenfalls toll.

Somit bleibt mir nur mein Spruch: Für solche (und viele andere) Filme liebe ich das Italo-Kino! Und die Hoffnung, dass sich jemand diese Worte zu Herzen nimmt und genauso viel Spaß an dem Streifen hat wie ich.

Die Raro-DVD bietet absolut zufriedenstellende Qualität und hat Gott sei Dank engl. UT an Bord!



Untreue (Mario Monicelli/Steno, 1953)

Ein wohlhabender Fabrikant wendet sich ans Detektivbüro, da er vermutet, seine Frau betrügt ihn. Nachdem die Nachforschungen jedoch keine Ergebnisse bringen, stellt sich heraus, dass die Sachlage etwas anders ist - der Klient sucht nämlich lediglich einen Vorwand, sich von seiner Frau scheiden zu können. Diese soll nun zur Untreue verführt werden, doch als der der junge Mann, der für diesen Job engagiert wurde, erstmal Zutritt zur Welt der Reichen und Schönen erhalten hat, findet er schon bald einen Weg, durch geschickt fingierte Erpressungen auf eigene Faust an weitaus mehr Geld zu kommen...

Film noir made in Italy? Könnte man meinen - da steht melodramatischen und tragischen Momenten anfangs zwar noch eine leichte Prise Humor gegenüber und doch hat man das Gefühl, dass die dunklen Seiten schon im Verborgenen lauern. Das Problem nur: man wartet und wartet, sieht überzeugende Schauspielleistungen, wohnt einer durchaus sorgfältig ausgearbeiteten Geschichte bei, jedoch mit der Spannung will's einfach nicht so recht klappen. So braucht es dann jedenfalls nochmal eine ganze Portion Geduld bis gegen Ende tatsächlich ein paar Einfälle von unerwarteter Drastik kurzzeitig für gehobene Augenbrauen sorgen. Einen einigermaßen stimmigen Abschluss stellt dann immerhin noch das pessimistische, eher offen gehaltene Ende dar.

Gelegentlich hab ja selbst ich als bekennender Fan der farbenfrohen 70er Lust auf einen stimmungsvollen Schwarzweiß-Streifen, aber auch wenn der Film nicht übermäßig langweilt, so verbleibt er doch auf einem etwas drögen, unspektakulären Level.

Auf DVD erhältlich von Schröder Media - gutes Bild, akzeptabler Ton.



Provokation (Piero Vivarelli, 1988)

Vanessa (Moana Pozzi) bewohnt, nachdem ihr Ehemann überraschend verstorben ist, ein abgelegenes Haus zusammen mit ihren Stieftöchtern. Für diese ruft sie einen Privatlehrer, der sie auf ihr Examen in "höherer Philosophie" (!) vorbereiten soll. Doch als die beiden merken, dass zwischen dem charmanten Professor und ihrer verhassten Stiefmutter noch mehr läuft, denken sie sich: was die kann, können wir schon lange - und wollen ihn unter vollen Einsatz ihrer Reize aus der Reserve locken...

Da legt man nichts ahnend ein Erotik-Streifen aus den 80ern ein und was hört man als erstes? Einen Dialog über Schopenhauer! Hach ja, ist doch immer noch am besten, wenn diese Filmchen trotz ihrer ungeniert zur Schau gestellten, jedoch mit Stilempfinden arrangierten Schundigkeit auch noch versuchen, sich einen intellektuellen Anstrich zu geben. Im Vorspann ertönt zudem ein recht schmissiger Song, bei dem eine bluesige Stimme ständig was von "Provocation" trällert, und die in Meeresnähe gelegene Villa verspricht erstmal ein nicht ganz unattraktives Setting. So weit so gut also. Tatsächlich treten dann auch schnell wieder die für "diese Filme" (ihr wisst schon: spät-80er, Italo-Erotik) typischen Qualitäten hervor. Ja ich bin sogar der Ansicht, dass sich hier und in vergleichbaren Produktionen in den besten Momenten die pure Essenz des Filmemachens und der Kino-Magie, nämlich schlichtweg die stimmungsvolle Verschmelzung von Bildern und Musik, offenbart. Da braucht es keine komplexe Story und selbst die nackte Haut spielt eine eher untergeordnete Rolle, sondern was zählt ist das Durchinszenieren hinsichtlich Atmosphäre, Flair und "Gefühl". So sind es dann das sommerlich schwüle Ambiente, die beschwingte Leichtigkeit (mal wieder gefolgt von einer düsteren Wendung) und natürlich auch die stilisierten Erotikszenen, die besonders im Gedächtnis haften bleiben. Die spätere Porno-Aktrice Moana Pozzi ist hier ganz klar der Blickfang, wobei auch der restliche Cast eine gute Figur macht, und der heimliche Star ist, wie so oft, der Score - in diesem Fall von einem gewissen Roberto Ciotti, der nicht nur eingängige Songs auf Lager hat, sonder auch sonst mit sanft groovenden Rhythmen immer den richtigen Ton trifft.
Ein echtes Ärgernis ist lediglich die deutsche VHS-Fassung von Arcade, die mir vorliegt. Mir war zwar bewusst, dass bei einer Laufzeit von 71 Minuten einiges fehlen würde, doch obwohl es anfangs noch erträglich schien, so nervte es dann doch mit der Zeit gewaltig, dass jede Sexszene kurz nachdem sie begonnen hat schon wieder abrupt endet, und die Story zum Schluss kaum noch Sinn ergibt.

Ich denke, es spricht für den Film und das Potential, das in ihm steckt, wenn er trotz dieser Müllfassung einen so positiven Eindruck hinterlässt. Deshalb tendiere ich jetzt stark dazu, mir noch die italienische DVD zu bestellen (wenn die Angabe bei Kultvideo stimmt, dann läuft die reichlich 30 Minuten länger!).

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Hilfe, meine Frau geht wieder zur Schule (Giuliano Carnimeo, 1981)

Valentina (Carmen Russo) hat genug von ihrem primitiven Ehemann (Renzo Montagnani), der mit seinen Fleisch- und Käse-Waren zwar ordentlich Kohle scheffelt, aber mit Kultur nichts am Hut hat. Deshalb beschließt sie, nicht mehr nur zu Hause auf ihren Mann zu warten, sondern etwas für ihre Bildung zu tun...

Nun könnte man sich erstmal fragen, was das überhaupt für eine Einrichtung darstellen soll, in die es sie da verschlägt - auf jeden Fal scheint's in dieser Schule/Universität, die wohl gleichzeitig noch eine Art Internat ist, nie Ausgang zu geben, und so versucht ihr notgeiler Mann, in diversen Verkleidungen ständig dort Zutritt zu erhalten. Die männlichen Schüler werfen natürlich auch gleich ein Auge auf den kurvenreichen Neuzugang, so dass in all dem Chaos an Bildung kaum noch zu denken ist. Dann ist da noch eine sexuell ausgehungerte Rektorin, die nicht nur die Charaktere im Film, sondern auch den Zuschauer, gehörig nervt. Weitere, ohne Ende überstrapazierte Gags, drehen sich um den Hausmeister, der sich mit verschiedenen Gefälligkeiten und Spezialdiensten, für die er immer gesalzen abkassiert, eine goldene Nase verdient. Humor-mäßig geht's hier also selbst für Italo-Klamauk-Verhältnisse reichlich platt und dümmlich zu und das Overacting überschreitet jegliche Schmerzgrenzen. Doch der Film wird vor dem totalen Absturz gerettet, und das hat er einzig und allein Carmen Russo zu verdanken! Diese Frau ist einfach geballter Sex-Appeal pur und so wird jede Szene, in der sie auftritt, (und zum Glück hat sie viel Screentime) zur Augenweide.

Insgesamt also weitestgehend unlustige Albernheiten, versüßt von der unglaublich scharfen Carmen Russo - es gibt schlechtere Wege 80 Minuten zu verbringen.



März 2011



Fäuste, Bohnen und Karate (Tonino Ricci, 1973)

Sam (Dean Reed) und Pudding (Cris Huerta) streunern ohne Geld und mit leerem Magen durchs Land. Bis sie den Auftrag bekommen, die entführte Tochter eines Bankiers zu retten, und eben diesen wollen sie zusätzlich noch mit Falschgeld hinters Licht führen...

Nun auszuklamüsern, ob und in wie fern das alles Sinn ergibt, scheint mir die Mühe nicht wert zu sein. Viel eher sollte man sich fragen, wie viele verdammt unlustige Dialoge übers Fressen man in einen Film packen kann. Dean Reed und Cris Huerta sind da sozusagen das Buddy-Duo des Grauens, bei dem die Chemie hinten und vorne nicht stimmt. Doch es kommt noch schlimmer, denn wenig später zerrt auch noch ein unglaublich dämlich synchronisierter Klischee-Japaner an den Nerven (waren diese Karate-Western eigentlich je eine gute Idee?). Dabei gibt es sogar nette Locations zu sehen, die Inszenierung ist nun auch nicht absolut unterste Schublade und zumindest Fernando Sancho zieht seine übliche Show durchaus vergnüglich ab. Viel hilft das jedoch auch nicht, wenn der Inhalt so ein magerer Quark ist und die ganze Chose fast völlig witzbefreit daherkommt. Beste Szene: die Gerichtsverhandlung im Saloon, bei der nicht nur der Galgen schon direkt bereitsteht, sondern auch der Richter schnell mal ein Machtwort sprechen muss ("Ruhe im Puff!"), da die trinkfreudigen Gäste ebenfalls mit abstimmen können, ob die Angeklagten schuldig sind.

Ricci war aber eben doch kein Carnimeo und wenn der Film nicht zu schlimm langweilt, dann auch nur weil sich Einfallslosigkeit und enervierende Exzentrik ungefähr die Waage halten.

Die deutsche DVD bietet überraschend gute Qualität, bis das Bild dann in den letzten 7 Minuten seltsamerweise auf einmal deutlich schlechter wird.



Müssen Männer schön sein (Sergio Martino, 1976)

Vier Episoden (die fünfte fehlt in der dt. Fassung):

Die feurige Cavallona

Sobald die Cavallona (Edwige Fenech) durch die Straßen stolziert, lassen die Männer alles stehen und liegen, um sich voll dem Gaffen hinzugeben. Nur ein komischer Kauz (Tomas Milian) meint, dass ihm solche Verlockungen nichts anhaben können, doch wie sich herausstellt belästig er die Stadtschönheit ständig mit Anrufen, bei denen er ihr von seinem Träumen, in denen sie natürlich immer vorkommt, erzählt. Als die beiden sich mit ihren Telefonaten dann in immer absurdere Fantasien reinsteigern, beschließt man sich real zu treffen, um die Sache ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, doch am Ende kommt alles anders als geplant...

Ein teurer Flirt

Ein Mann (Enrico Montesano) mit einem Koffer klingelt eines Tages bei einer Frau (Barbara Bouchet) und bietet ihr 20 Millionen Lire für ein Liebesstündchen. Sie lehnt anfangs noch vehement ab, doch irgendwie schafft er dann doch, sie ins Bett zu kriegen. Das Spielchen wiederholt sich noch ein paar Mal und immer wieder kriegt sie dafür ihre 20 Millionen. Erst als ihr Mann (Franco Diogene) von einer Geschäftsreise zurückkehrt, klären sich die Zusammenhänge auf überraschende Weise auf...

Der eifersüchtige Othello

Ein Mann (Aldo Maccione), der gerade eine neue Wohnung besichtigt, trifft auf eine Beinah-Selbstmörderin (Sydne Rome). Nach einer kurzen Schrecksekunde kommen sich die beiden allerdings schnell näher und wollen direkt in Richtung Schlafzimmer, doch wie schon bei allen vorherigen Verehrern der Frau funkt auch diesmal ihr extrem eifersüchtiger Hund massiv dazwischen...

Der Leibwächter

Ein Mann hat für die Zeit seiner Abwesenheit den zuverlässigsten Bodyguard der Welt (Marty Feldman) für seine Frau (Dayle Haddon) engagiert und dieser nimmt seinen Job auch wirklich überaus ernst und folgt ihr praktisch in jeder Lebenslage...


Die schlechte Nachricht gleich vorweg: ich sage es ja nicht gerne, aber der Film ist über weite Strecken einfach kaum lustig. Die Geschichtchen, vor allem die erste und die letzte, nehmen teilweise recht skurille Formen an, ein paar überraschende Ideen sind auch dabei, aber eine gelungene Komödie sieht auf jeden Fall anders aus. Dass das alles trotzdem ziemlich kurzweilig und angenehm vorbeirauscht, dürfte naheliegenderweise erstmal an der Episodenstruktur liegen, aber auch die Besetzung spielt keine unwichtige Rolle. Was die Frauen angeht, weiß natürlich die liebe Edwige einmal mehr besonders zu begeistern, aber auch sonst besteht kein Grund zu Klage. Während auf männlicher Seite Tomas Milian sich mal wieder in eine ganz seltsame Verkleidung geworfen hat und Marty Feldman ebenfalls voll aufdreht.

So ist es dann letztendlich mal wieder die Mischung aus flotter Musik, entzückender 70s-Atmosphäre und nett in Szene gesetzten Euro-Schönheiten, die noch für solide Unterhaltung sorgt, aber in Punkto Humor ist hier leider nicht viel zu holen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.10.2012 20:19 
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Torso (Sergio Martino, 1973)

Im Umfeld einer Uni geht ein maskierter Sadist um. Als vier Studentinnen einen Wochenendausflug in ein abgelegenes Landhaus machen, spitzt sich die Situation zu...

Ja, mehr Handlung gibt es hier wirklich kaum, aber egal. Was ich an den Gialli im Gegensatz zu diesen nüchtern-ernsten Thrillern immer wieder schätze ist die coole Mucke, schöne Frauen en masse, sonnig italienisches Flair und im Kontrast dazu, Sequenzen, die fast schon Horror-Qualitäten aufweisen. Gut gefallen mir ja auch die skurillen Nebencharaktere, die unweigerlich für schrägen Humor sorgen. Ernesto Colli als schmieriger Händler (natürlich mit Schmuddelheftchen am Start!) und der Milchmann (Vincenzo Crocitti) sind doch klasse! Weitere Highlights natürlich diese Hippie-Kommunen-Einlage, die Verfolgung in den Sümpfen und überhaupt die Szenen in der Villa, wenn Martino dann langsam eine klaustrophobische Atmosphäre etabliert sowie Spannung und Drastik ordentlich hochschraubt. Nur die Auflösung finde ich selbst für Verhältnisse des Genres immer noch etwas weit hergeholt, aber von solchen Unglaubwürdigkeiten lasse ich mir den Gesamteindruck nicht verderben.

Zwar etwas anders gelagert, aber für mich beinah gleichauf mit DER KILLER VON WIEN. Immer wieder sehenswert!



Madame - Schamlos und mannstoll (Lorenzo Onorati, 1988)

Eine berühmte Fashion-Designerin erzählt einem Journalisten ihre Lebensgeschichte, mit all den Höhen und Tiefen aus der Welt der Tänzerinnen und Models und den dunklen Abgründen, die hinter der glitzernden Fassade lauern (endlich wissen wir's!)...

Hier lautet die Devise wieder einmal: zurücklehnen und das routinierte Handwerk der italienischen Meister genießen!
Lorenzo Onorati dürfte zwar nicht zu den namenhaften Größen gehören, aber im Erotik-Genre hatte er zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre Erfahrung auf dem Buckel und das macht sich halt bezahlt. Inmitten der schönen Schmuddeligkeit versteht der Mann dann eben doch noch was davon, wie man eine Szene halbwegs stimmungsvoll ausleuchtet und wenn dazu fast konstant anschmiegsam-seichtes Jazz-Pop-Gedudel den Gehörgängen schmeichelt, dann weiß ich wieder, was ich an diesen Filmen hab. Was gibt's noch? Einen Schuss Dramatik, eine Prise Tragik, nackte Damen, schmierige Typen, kinky Photo-Shootings (ein gern gesehener Standard des Genres) und einen expliziten (simulierten?) Blowjob, der als Schatten an der Wand zu sehen ist (gewagt, gewagt - zählt das schon als HC?). In diesem Zusammenhang irritierend: die Laufzeit von gerade mal 68 Minuten - offensichtliche Kürzungen sind mir jetzt aber nicht unbedingt aufgefallen.

Wer sich wirklich vollends davon überzeugen will, dass die "italienische Inszenierung" auch in den späten 80ern noch funktioniert hat, kommt an diesen Filmchen nicht vorbei. Und auch wenn sich's in diesem konkreten Fall sicher nicht um die erste Wahl handelt - eine konsequente Wiederentdeckung des Genres im größeren Stil ist definitiv überfällig!

Da gibt's ein Scheibchen von VZM und das ist bis auf ein paar arg dunkle Passagen noch einigermaßen ansehbar.



Erste Klasse (Salvatore Samperi, 1980)

Da seine Frau in Ruhe mit ihrem neuem Lebenspartner verreisen will, soll ihr Mann (Enrico Montesano) sich zur Abwechslung auch endlich mal um seinen dreijährigen Sohn kümmern. So machen die beiden ebenfalls einen Ausflug und gerade als der Papa im Zug mit einer netten Dame (Sylvia Kristel) anbändeln will, stellt sich der Sohnemann als riesige Nervensäge heraus...

Der Film bestätigt exakt den Eindruck, den ich von Salvatore Samperi bisher hatte! Was so viel heißt wie: der Mann hatte irgendeine besondere Vision, die aber ziemlich schwer zugänglich bzw. nachvollziehbar ist - interessant ist's aber allemal. Wo sonst koexistiert billigster Klamauk neben nachdenklichen Anklängen und Einfällen, die man nur noch als surreal bezeichnen kann? In den ersten Minuten hatte ich noch die allerschlimmsten Befürchtungen: da ertönt ein nerviger Titelsong, bald folgen Gags über vollgeschissene Windeln und auch die Charaktere wirken total unsympathisch. Die Faszination entsteht dann aber dadurch, dass Samperi das Geschehen, welches sich fast ausschließlich im Zug abspielt, mit der Zeit auf immer skurillere Weise hochkochen lässt. Das beginnt noch verhältnismäßig harmlos mit einem Ehepaar, das sich ständig in den Haaren hat, da der Mann nur noch an's Rauchen denkt und sich eine Kippe nach der anderen dreht. Außerdem tummeln sich diverse Junkies im Zug, der Schaffner hat auch nicht alle Tassen im Schrank (einmal macht er den Vorschlag, man könne einen Todkranken doch einfach aus dem Fenster schmeißen!) und eine sturzbetrunkene Blaskapelle sorgt für Chaos. Weiterhin versucht eine Gruppe fanatischer Emanzen ständig, Männer zu verprügeln, und im Gepäckwagen sitzt ein Wachmann (Luc Merenda), der immerzu drauf und dran ist, irgendwelche Leute mit Blei vollzupumpen, aber eigentlich davon träumt, ein Filmstar zu werden ("alle sagen, ich sehe aus wie Alain Delon und ein bisschen wie Luc Merenda... aber sicher kennt ja wieder niemand diesen Merenda-Arsch"). Zwischendurch fallen gelegentlich noch drastische Seitenhiebe in Richtung Politik und Gesellschaft, ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich beinah geglaubt, ich sehe einen Bunuel-Film, und am Ende weiß man gar nicht mehr, was man sagen soll. Trotz alledem möchte ich nochmals betonen, dass einige Passagen, vor allem zu Beginn, echt hart an der Grenze des Erträglichen sind.

Ich fürchte, das ist so ein Italo-Streifen, an den sich kaum einer rantrauen wird (und das nicht ganz zu Unrecht). Falls es aber doch jemand wagen sollte, wäre ich sehr gespannt auf eine zweite Meinung. Wer ist so mutig?

Ich denke, mit der Qualität der dt. KNM-Scheibe (Titel: "Erste Klasse Sex") kann man zufrieden sein, solange man nicht zu viel erwartet, speziell das Bild fand ich überraschend gut.

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Der Superbulle in der Formel 1 (Bruno Corbucci, 1984)

Sabotage und ein Mordfall im Rennfahrer-Millieu - keine Frage, Nico Giraldi (Tomas Milian) muss ran...

Okay, besonders zielstrebig geht's dabei nicht zur Sache, Spannung eher Mangelware und auch die ein oder andere kleine Länge schleicht sich ein. Bringt nun mal die Handlung kaum voran, wenn Tony Marroni beim Aerobic-Kurs zu einer geilen 80s-Pop-Nummer von Fabio Frizzi ausgiebig seine Tanzkünste vorführt, aber das ist wohl mal eine der coolsten Szenen und ich bin ja sowieso der Letzte, der sich über solchen Klamauk beschwert. Überhaupt schnoddert sich Milian mit seiner derben, aber doch nicht unsympathischen Art auf unvergleichliche Weise durch's Geschehen und trägt nebenbei die schärfsten Strickwaren auf. Bombolo gibt den Grimassenschneider vom Dienst, der diemal sogar Strichliste über die kassierten Ohrfeigen führt, während Dagmar Lassander bei ihren kurzen Auftritten nicht viel zu tun hat, aber zumindest immer noch ein netter Anblick ist. In den Reihen der Gauner sind einige fiese Fratzen zu finden, aber irgendwie fehlt's an einem markanten Bad Guy. Dieses Manko und der schwächelnde Storyaufbau verhindern dann doch das große Filmvergnügen, so dass nicht mal mehr die finale Verfolgungsjagd, bei der mit Rennsport-Karren durch die Innenstadt geheizt wird, viel rausreißen kann.

Alles in allem eine etwas halbgare Mixtur aus Komödie und Poliziesco, die man aber immer noch mit den Attributen "nett", "sympathisch" und "charmant" beschreiben kann und die phasenweise wirklich Spaß macht.

Kann man nur hoffen, dass es die restlichen SUPERBULLEN auch noch auf DVD schaffen.



Brancaleone auf Kreuzzug ins heilige Land (Mario Monicelli, 1970)

Eine Pilgerschaft von Christen ist auf dem Weg nach Jerusalem, um den "Ungläubigen" zu Leibe zu rücken. Nachdem sie jedoch bemerken, dass sie statt des Meeres lediglich einen See überquert haben, werden sie zudem auch noch in ein verlustreiches Gefecht verwickelt. So dass nur ein armseliges Heer zurückbleibt, welches unter der stolzen Führung von Branca Leone (Vittorio Gassman) die Reise fortsetzt. Später schließt sich der illustren Truppe außerdem eine Hexe an, die gerade noch vor dem Flammendtod gerettet werden konnte, und unterwegs lesen sie auch noch den Sprössling eines Königs auf, welcher Hoffnung auf eine saftige Belohnung weckt...

Wer den ersten Teil kennt, dem dürften jetzt schon die ersten Parallelen auffallen, und tatsächlich geht es hier insgesamt sehr ähnlich zu. Doch die Mischung aus vergnüglichem Klamauk, hintersinnigen Seitenhieben und grotesken Szenarien funktioniert auch diesmal wieder. Da schimmern die tollen Landschaften im unwirklichen Licht, seltsame Gestalten kreuzen den Weg und mittendrin albert sich Vittorio Gassman um Kopf und Kragen. Kosten und Mühen hat man bei der Produktion scheinbar kaum gescheut, denn da schwingt schon immer recht viel Bombast mit. Vielleicht sind die 123 Minuten auch etwas zu viel des Guten, aber bei der Flut an bizarren Einfällen und dem launig aufspielenden Ensemble stören etwaige Längen oder anstrengende Exzentriken den Gesamteindruck nur geringfügig.

Wer also am ersten Teil Gefallen gefunden hat, der dürfte auch hier gut bedient werden.



Waves of Lust (Ruggero Deodato, 1975)

Ich hab mich ziemlich schwer getan mit dem Streifen.
Klar, Silvia Dionisio ist toll, John Steiner ist mir in seiner eklig dekadenten Rolle nach einer Weile aber etwas auf die Nerven gegangen, auch wenn er den Part recht überzeugend spielt. An sich ist die Hochsee-Atmosphäre ja ganz stimmig, wobei dann Giombinis anfangs noch gefälliger Score mit der Zeit auch ein bisschen sehr penetrant quietscht. Die Story gibt leider nicht allzu viel her: auf der Yacht schaukeln sich die Emotionen dann stetig hoch und man ahnt schon, dass es auf irgendeine Weise eskalieren wird, aber wirklich beeindrucken konnte mich das Finale dann nicht und bis es soweit ist, passiert über weite Strecken fast gar nix. An sich sollte das zwar noch kein Problem sein, denn gerade solche erotisch aufgeladenen Stoffe leben ja oft eher von der Stimmung, aber selbst diese Szenen werden fast schon lieblos und knapp abgehandelt. Deodato sagt ja auch selbst im Interview, dass er mehr Wert auf den Thriller-Aspekt legen wollte (bloß: viel kommt in dieser Hinsicht auch nicht). Nicht auszudenken, was ein D'Amato aus so einer Vorlage gemacht hätte...

Hier fehlt's letztendlich sowohl am Thrill als auch an der Erotik und übrig bleibt konfliktgeladene Berieselung der etwas sehr ereignislosen Sorte.

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Blue Angel Cafe (Joe D'Amato, 1989)

Raymond Derek (Richard Brown) ist ein aufstrebender Politiker, der mehr und mehr der verführerischen Nachtclub-Sängerin "Blue Angel" (Tara Buckman) verfällt. Es dauert nicht lange bis daraus eine handfeste Affäre wird und spätestens als die Story auf den großen Titelseiten die Runde macht, drohen sowohl ihre Karriere als Sängerin als auch seine politische Laufbahn, steil bergab zu gehen...

So sieht das also aus, wenn sich der gute Joe den Marlene-Dietrich-Klassiker DER BLAUE ENGEL (von 1930) vornimmt und seine eigene Versionn davon dreht. Ambitionierte Homage oder doch nur eine Masche, um mit Verweis auf einen namenhaften Titel ein paar schnelle Lire in die Kassen zu spülen? Tja, die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl irgendwo dazwischen. Fest steht für mich, dass die Geschichte trotz ihrer Vorhersehbarkeit und gerade aufgrund ihrer vertraut-sympathischen Kino-Klischees zu einem effektiven, teilweise gar anrührenden Ganzen verschmilzt. Sleaze steht diesmal nicht auf dem Programm, auch wenn D'Amato in gewohnter Manier natürlich noch ein Plätzchen für diverse Sexeinlagen gefunden hat und auch seine Hauptdarstellerinnen nicht unattraktiv in Szene setzt. Ohne mich ständig wiederholen zu wollen, muss ich mich auch wieder fragen: Was wären diese Filme nur ohne die unermüdlichen Komponisten? Mit Hilfe von Luigi Ceccarellis schönem Sound und einem Altmeister, der sein Handwerk versteht, auf dem Regiestuhl ist hier jedenfalls tatsächlich stimmiges Low-Budget-Kino entstanden, dem es gelingt Gefühle zu transportieren, wenn man sich mit der richtigen Erwartungshaltung darauf einlässt.

Immer wieder bemerkenswert, dass selbst in der Phase des letzten Aufbäumens der ital. Filmindustrie, unter sicher alles andere als idealen Bedingungen, noch solche fast schon liebevoll gemachten Werke möglich waren. Vielleicht sollte man meine Lobpreisungen auch mit Vorsicht genießen, denn wenn ich mir so die kursierenden Reviews ansehe, dann scheinen die Meisten meine Meinung nicht zu teilen - aber wie auch immer, ich persönlich kann nicht anders, als eine Empfehlung auszusprechen.



Die Lust (Joe D'Amato, 1985)

Gerard (Gabriele Tinti) ist nach dem Tod seiner Frau niedergeschlagen und verbringt viel Zeit damit, andächtig den Tonbändern zu lauschen, auf denen die Verstorbene ihre lustvollsten Momente festgehalten hat. Als seine Stieftochter und sein Stiefsohn jedoch zu ihm zurückkehren ändert sich einiges im Haus. Die Tochter findet die geheimen Tagebücher ihrer Mutter und beschließt, an deren Stelle zu rücken, ihr Stiefvater lehnt diese fragwürdigen Annäherungen allerdings ab, obgleich er aufgrund der offensichtlichen Ähnlichkeit beinah in Versuchung kommt. Als Stieftochter und -sohn eines Tages von dem Anwesen flüchten, bittet Gerard die Behörden um Hilfe, doch bei denen hat er einen schlechten Stand, da sein Vater auf Seiten der Antifaschisten gekämpft hat - schnell spricht sich allerdings rum, dass die beiden in einem Bordell gelandet sind...

Angesiedelt ist die Geschichte im Italien der 30er-Jahre, was inhaltlich zumindest ein bisschen zum Tragen kommt (siehe Inhaltsangabe), sich vordergründig aber erstmal in der Ausstattung und den Kostümen niederschlägt. In dieser Hinsicht hat D'Amato durchaus Sorgfalt und Aufwand walten lassen, ja stellenweise wirkt der Film sogar unerwartet "kühl" und opulent. Tatsächlich hatte ich wohl etwas die falschen Erwartungen, denn statt schmierig-reißerischem Sexploitationer hat man hier eher das Gefühl, einem derben Sitten-Gemälde beizuwohnen, das sich doch weitestgehend ernsthaft gibt. Sicher liegt dabei ständig eine anrüchige Atmosphäre in der Luft und diverse Sleazigkeiten lässt D'Amato sich dann doch nicht nehmen, aber insgesamt werden diese Szenen nie übermäßig ausgewalzt. Nicht nur in der Inszenierung, sondern auch was den Cast betrifft geht es hier also noch einen Tacken hochkarätiger zu. Immerhin sieht man in kleineren Parts Laura Gemser und Dagmar Lassander, während in den Hauptrollen besonders Gabriele Tinti und Lilli Carati in Erinnerung bleiben. Lediglich der Score eines gewissen "Cluster" (wer oder was ist das?) kann nicht sonderlich viel reißen, aber ist zumindest noch auf solidem Niveau.

Auf jeden Fall abzugrenzen von den Werken aus den späten 80ern (die ich ja ebenfalls schätze), wenn man sich jedoch erstmal an die untypische Gangart gewöhnt hat, kann man doch von einem weiteren interessanten Eintrag in D'Amatos Filmographie sprechen.



Inferno in den Ardennen (Alberto De Martino, 1967)

Drei Amerikaner fliehen 1945 aus einem Gefangenenlager in Amsterdam und verbünden sich mit Widerstandskämpfern und der Frau eines deutschen Generals, die in Wirklichkeit Jüdin ist. Ihr Ziel: wichtige Dokumente und Diamanten aus einem Wehrmacht-Stützpunkt zu entwenden...

Handwerklich solider, glattgebügelter, vor allem aber grottenlangweiliger Caper vor Kriegshintergrund. Genau bei solchen Machwerken lernt man den sogenannten Trash erstmal wieder richtig zu schätzen. Wenn nicht gerade Leerlauf herrscht, dann nerven dick aufgetragener Pathos und Kitsch-Einlagen. Selbst Größen wie Adolfo Celi hinterlassen kaum einen Eindruck und als ich die Namen Ennio Morricone und Bruno Nicolai im Vorspann gelesen habe, hätte ich wenigstens auf musikalischer Ebene deutlich mehr erwartet.

Ich liebe das Italo-Kino und beurteile daher, ob ich nun will oder nicht, wahrscheinlich meistens sehr wohlwollend, aber bei solchen Graupen kommt jedes Schönreden zu spät.

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Pudelnackt in Oberbayern (Hans Albin, 1969)

Die fesche Irene (Ini Assmann) kommt gerade frisch von der Hotelfachschule und tritt eine Stelle in einem bayrischen Gasthaus an. Tatsächlich bringt sie das eingerostete Geschäft auf Anhieb auch wieder zum Laufen, denn bei diesen Aussichten stehen die Lustmolche des Dorfes natürlich prompt Schlange - doch die erbosten Ehefrauen drohen, dem vergnüglichen Treiben ein Ende zu bereiten...

Der knackige Titel und die kurze Nacktszene zu Beginn wecken leider falsche Hoffnungen. Statt deftigen Lederhosen-Nuditäten oder künstlerischen Ambitionen (die in dieser Früh-Phase des Genres ja noch häufiger anzutreffen waren) stehen größtenteils Lustspiel-Klamauk und Heimatfilm-Idylle auf dem Speiseplan, versetzt mit wenigen, ganz zaghaft angedeuteten Erotikeinlagen. Der Humor rangiert zwischen biederen Schenkelklopfern und selten auch mal einem amüsanten Schmunzler. Die eingängige Titelmelodie muss schon bald volkstümlicher Blasmusik weichen und einen Schnellkurs in bayrischer Mundart gibt's gratis dazu. Würden da nicht öfter mal ein paar nette Mädels durch's Bild huschen, ich hätte die Sichtung wohl verzweifelt abgebrochen. Stellenweise liegt immerhin ein Hauch von Genre-Kino in der Luft und völlig unatmosphärisch ist das Geschehen auch nicht eingefangen, aber diese Ansätze gehen immer wieder in der allgemeinen, deutschtümeligen Harmlosigkeit unter.

Sollte es hier also doch heimliche Heimatfilm-Fans geben, dann können diese vielleicht mal einen Blick riskieren - allen anderen rate ich: loasst's bleiben!



Ab morgen sind wir reich und ehrlich (Franz Antel, 1976)

Schauspieldiva (Carroll Baker) versucht, einen Gangsterboss davon zu überzeugen, seine Lebensgeschichte zu verfilmen, und will dabei auch gleich eine der Hauptrollen übernehmen. Die Aktion artet jedoch zum Chaos aus, denn die einen glauben, es wird tatsächlich ein Film gedreht, während andere damit nur ihren echten Coup tarnen wollen...

Klingt ja erstmal nach einer amüsanten Idee, doch Franz Antel hat ganze Arbeit geleistet, das Unternehmen trotz tollen Cast gnadenlos in den Sand zu setzen. Weder als Komödie noch als Satire aufs Filmgeschäft will hier der Funke überspringen. Was soll man über einen Film sagen, bei dem die Slapstick-Verfolgungsjagden noch das Einzige sind, was halbwegs Laune macht... Vor und hinter der Kamera ist größtenteils italienisches Personal vertreten und, wie gesagt, die Besetzung kann sich sehen lassen: Carroll Baker und Silvia Dioniso machen keine schlechte Figur und Vittorio Caprioli ist eh einer der coolsten Typen unter der Sonne des Italo-Kinos! Die Musik von Armando Trovajoli ist ab und zu auch recht nett, ansonsten fragt man sich aber ständig:

Was zum Teufel ist hier schiefgelaufen? Nicht völlig ohne Unterhaltungswert, aber insgesamt doch ein mittelschweres Desaster.



Violenza - Objekt der Begierde (Vincenzo Salviani, 1988)

Laura (Kathy Shower) schreibt erotische Liebesgeschichten, außerdem ist sie total vernarrt in einen gewissen Paul (Brett Halsey), ein äußerst zwielichtiger Zeitgenosse, der schon auch mal zwei "Einbrecher" dafür bezahlt, dass sie über seine Freundin herfallen. Doch die wirkliche Frage ist: was davon gehört tatsächlich zur Lebensrealität der Autorin und was sind Dämonen ihrer fiktiven Gedankenwelten...

In der Tat sehr komplexe Handlungsstrukturen, die höchste Aufmerksamkeit erfordern und doch nur Verwirrung zurücklassen (MEMENTO is ein Scheißdreck dagegen!). Also doch lieber auf den exzellenten Soundtrack konzentrieren, denn Claudio Natili erfüllt mit einer schmissigen Nummer, einem schön schmalzigen Schmachtfetzen, überzogenen Synthie-Sounds und romantischem Klaviergeklimper die übliche Palette vortrefflich. Jepp, das Italo-Kino lebt für mich zum großen Teil von der Musik und das ist bei diesen Softcore-Ergüssen aus den seligen 80ern wohlmöglich sogar zutreffender denn je. Ich mag mir zumindest nicht vorstellen, wie erbärmlich dröge diese mal mehr und mal weniger inspirierten Schund-Monumente ohne die süffisant-aufdringlichen Klänge vor sich hin plätschern würden. Nun aber mal ans Eingemachte - was bietet der Streifen dem Freund oder der Freundin sleaziger Erotik-Kost? Also, da wären zwei Sequenzen, in denen Sex und Gewalt die Grenzen zwischen Lust und Abscheu verschwimmen lassen, abgesehen von solchen Grimmigkeiten gewinnt aber weitestgehend die typische (nicht wirklich glänzende) Hochglanz-Erotik die Oberhand. Mein Favorit: die Busen-Kneterei in einem schwülen Massage-Salon! Brett Halsey und Kathy Shower machen ihre Sache jedenfalls nicht schlecht (oder soll ich mich jetzt ernsthaft über eventuell mangelnde Schauspielqualitäten beklagen?). Abschließend sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass bei der Produktion neben den Italienern auch die Spanier mitgemischt haben - einen Unterschied macht das jedoch kaum.

Einfach mal ranwagen an diese Streifen! Wenn es erstmal "Klick" gemacht hat, eröffnet sich ein ganz neues Spektrum italienischer Filmkunst, das gerade aufgrund seiner offenkundigen Schwächen an Faszination gewinnt.

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To be Twenty (Fernando Di Leo, 1978)

Die Freundinnen Tina und Lia (Lilli Carati und Gloria Guida) haben zwar kein Geld, aber wissen sich unter gezieltem Einsatz ihrer Reize durch's Leben zu schlagen. Die Kommune, der sie sich anschließen, entspricht jedoch nicht wirklich ihren Erwartungen und auch die neuen Freiheiten der Frauen schmecken längst nicht jedem...

WOW, wurde mir doch mal wieder bewusst, was für ein großartiger Regisseur Fernando Di Leo ist! So muss es ausssehen, wenn ein Intellektueller Exploitation-Filme dreht. Wobei, "Exploitation" trifft es sicherlich nicht ganz, aber im Gegensatz zur nüchternen Herangehensweise mancher Kollegen scheut sich Di Leo zumindest nicht davor, auch mal minutenlang der atmosphärischen Inszenierung den Vortritt zu lassen, ja das typische 70s-Flair wird hier regelrecht perfektioniert! Gleichzeitig hagelt es jedoch fast pausenlos Anspielungen, Kommentare und Seitenhiebe - öfters auch so plakativ, dass man sich fragt, was man hier überhaupt ernstnehmen kann, aber ich meine, spätestens am Ende kristallisiert sich doch eine zentrale Botschaft heraus. Eben dieses Ende ist es, das hier für einen radikalen Stimmungsumschwung sorgt, welcher allerdings eigentlich schon mit dem Zitat im Vorspann ("I was twenty years old. I will never allow anyone to say that these are the best years of my life" (Paul Nizan)) angedeutet wird.
Was will uns der Film also sagen? Nun, im Mittelpunkt stehen zwei junge, attraktive, unabhängige Frauen, die sich, ihrer sexuellen Reize bewusst, auf teils auch recht dreiste Weise den ein oder anderen Vorteil verschaffen und ansonsten hauptsächlich ihren Spaß haben und ihre Freiheiten genießen wollen. Während das düstere Ende einem dann die schlimmstmögliche Rache-Aktion der frustrierten Männlichkeit vor Augen führt. Auch wenn ich nicht glaube, dass Di Leo hier nur eine bestimmte Message rüberbringen wollte (dafür ist der Film zu vielschichtig und zugleich auch zu beliebig), sind es dann letztendlich doch das Machotum und die Misogynie, die hier überdeutlich bloßgestellt werden. Ausgehend von dem Eindruck, dass sich an solchen Denkweisen und Mechanismen bis in die heutige Zeit nichts geändert hat, ein nach wie vor brisantes Thema und nebenbei zugleich auch einer von vielen Gegenbeweisen für die schwachsinnige Behauptung, das italienische Genre-Kino sei per se frauenfeindlich. Weiterhin könnte man sich auch fragen, ob der Film nun einen Abgesang auf die Hippie-Bewegung darstellt oder doch eher mit ihr sympathisiert (wahrscheinlich beides).
Aber zurück zu den formaleren, greifbareren Qualitäten. Da wäre der angenehme Score von Franco Campanino, welcher zusammen mit schönen, ohrwürmelnden Songs das Gesamtbild perfekt abrundet. Die beiden Hauptrollen könnten gar nicht besser besetzt sein, mein geliebter Vittorio Caprioli hat wieder einige sehr coole Auftritte und ansonsten sticht zwischen den vielen bekannten Gesichtern besonders Vincenzo Crocitti (der Milchmann aus TORSO!) heraus.

Ein Glücksfall von einem Film, der sich über weite Strecken als unendlich charmantes, beschwingtes Zeitbild der 70er genießen lässt und zudem noch mit tieferem Wert aufwartet - mehr kann man doch wirklich nicht verlangen. Ich finde, den sollte jeder gesehen haben, und zwar NUR IN DER URSPRÜNGLICHEN VERSION! Oder warum sollte man sich freiwillig eine aus kommerziellen Gründen sinnentstellte Murks-Fassung antun? Aber Vorsicht: bei mir waren die Discs verkehrt beschriftet (keine Ahnung, ob es verschiedene Auflagen gibt). Nicht, dass da jemand aus Versehen anfängt, die falsche Fassung zu gucken - das wäre doch sehr ärgerlich!



Games of Desire (Pasquale Fanetti, 1990)

Da ist sie mal wieder, die Geschichte von der vernachlässigten Ehefrau (Malú). Ihr Mann hat angeblich Tag und Nacht in seinem Museum zu tun, während sie alleine zu Hause im riesigen, palastähnlichen Anwesen sitzt und darüber sinniert, ob ihr Gatte nun impotent ist oder wohlmöglich eine Geliebte hat. Doch für Abwechslung sorgt immerhin das Hausmädchen, mit dem zusammen sie immer öfter Ausflüge in eine gewisse Villa macht und sich dort aus Rache mit diversen Liebhabern vergnügt. Erst später wird ihr jedoch bewusst, dass in diesem Liebesnest heimlich jemand Fotos von den Abenteuern macht...

Malú ist schon irgendwie genau der Typ von Frau nach meinem Geschmack, von daher kann ich mich über die Besetzung der Hauptrolle nicht beschweren. Fanetti, der von den 70ern bis in die 90er bei unzähligen soften und harten Erotik-Streifen hinter der Kamera stand, versteht auch was von seinem Handwerk. Hier gerät man aber doch ein wenig ins Zweifeln, ob er für die Regie wirklich der richtige Mann war. Da umkreist die Kamera im Schleichtempo die edlen Sets und die Musik klimpert zart vor sich hin, was zu Beginn ohne Frage noch reizvoll wirkt, aber dann leider so nach dem immer gleichen Strickmuster überstrapaziert wird, dass sich doch leichte Ödniss einstellt. Zum Bsp. gibt's da einen ziemlich extravagant ausgeleuchteten Raum und in dem finden tatsächlich fast alle Sexszenen statt - nun ja, zu viel Aufwand sollte es dann wahrscheinlich doch nicht sein. Die Auflösung der Ehekrise inklusive Bilderbuch-Happyend reißt ebenfalls nicht vom Hocker. Ach ja, "freely adapted from FLORENTINE, a novel by Guy De Maupassant" soll das Ganze auch noch sein (watch out for ART and CULTURE!)

Erfüllt noch knapp die Mindestvoraussetzungen für ansehbare Italo-Erotik, gibt aber schon noch wesentlich Besseres, Interessanteres in dem Genre.

In England auf DVD erschienen: nur engl. Ton, Quali ok.



Dreieck der Lust (Beppe Cino, 1987)

Laura (Simonetta Caro) lebte in einer Beziehung mit dem brutalen Marcello (Al Cliver), der sie erniedrigt und misshandelt hat. Inzwischen ist sie den Typen los und verdient ihr Geld als Edelhure, doch schon bald holt sie ihre Vergangenheit wieder ein, denn sie wird von ihrem Ex-Mann als Callgirl engagiert, das seinen "verklemmten" Sohn, der nur in seine Bücher vertieft ist, endlich zum "richtigen Mann" machen soll. Obwohl sie anfangs noch fest entschlossen ist, den Auftrag auszuführen, scheinen bei dem Burschen selbst die offensivsten Verführungskünste nicht zum Ziel zu führen, und bald kommen auch noch echte Gefühle ins Spiel...

Bei dieser Storyline und als ich dann im Vorspann auch noch gelesen habe, dass Sleaze-Meister Piero Regnoli hier ebenfalls wieder seine Finger im Spiel hatte, rechnete ich schon mit einem Schmierspektakel der Extraklasse, doch es kommt alles etwas anders. Einige wenige Einstellungen gehen schon annähernd in Richtung Hardcore, ansonsten halten sich die sexuellen Ausschweifungen aber fast schon überraschend in Grenzen, auch wenn die Synchro ein paar deftige Stilblüten parat hält ("ran an die Möpse von der Gnädigen"). Ob diese Zurückhaltung nun vorteilhaft oder nachteilig ist, hängt sicher immer davon ab, was ein Film sonst noch zu bieten hat. Ausgesprochen gut gefallen haben mir jedenfalls die schönen, am Meer gelegenen Drehorte, der Trademark-Saxophon-Score sorgt für die adäquate Untermalung und hey, so schlecht ist die Story gar nicht umgesetzt. Wie so oft bei solchen Filmen, finden sich neben diversen kruden Einfällen, die natürlich auch irgendwie das Salz in der Suppe darstellen, tatsächlich auch liebenswürdig erdachte Handlungsstränge - beim bittersüßen Ende hatte ich ungelogen Tränen in den Augen! Dieses Gefühl habe ich aber beim Italo-Kino oft: egal wie sleazig gerade wieder über die Stränge geschlagen wird, die Sympathien sind doch meist richtig verteilt - während der "kalte Mainstream" zwar vordergründig zurückhaltender ist, aber dafür auch die Warmherzigkeit vermissen lässt. Von der Hauptdarstellerin (ich nehme an, dass das diese Simonetta Caro ist) sieht man laut IMDB leider nur was in diesem Film oder in anderen Worten: sehr lecker! Al Cliver passt auch in der Rolle des anzüglichen Machos, während der Rest des Casts mir nichts sagt.

Nicht der Oberhammer, dafür geht es streckenweise einfach einen Tick zu gemächlich zur Sache, aber aufgrund der erwähnten Qualitäten bleibt mir trotzdem mal wieder die Feststellung: Wäre schade, wenn das Genre vollkommen in Vergessenheit gerät!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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7 dreckige Teufel (Mario Siciliano, 1969)

Ein Gruppe von Söldnern fällt in Afrika in die Hände von Rebellen, lediglich der Anführer kann sich retten, indem er der Gegenseite wichtige Papiere überreicht. Zusammen mit einem neuem Trupp soll er nun die Dokumente wiederbeschaffen und eine Gefangene befreien, wobei schon die Tatsache, dass die Leitung diesmal ein Schwarzer übernimmt, für gehörige Spannungen sorgt...

Dass nun gerade der oft als Trash-Dilettant verschrieene Mario Siciliano so vordergründig die Rassismus-Thematik in den Mittelpunkt seines Söldner-Streifens rückt, ist doch gleich mal ein interessanter Ansatz. Ein paar reißerische Einlagen verwässern zwar ein wenig die Ernsthaftigkeit, dafür unterstützen sie die dreckige, vor Schweiß nur so triefende Atmosphäre jedoch umso besser und gleichzeitig wirken selbst die tiefsinnigeren Anklänge nicht deplatziert. Ja, der Film schafft es tatsächlich, Kriegs-Gräuel, kernige Söldner-Action und Rassismus-Drama auf meist stimmige Weise zu vereinen. Der Cast um Ivan Rassimov, Sieghardt Rupp und Angelica Ott bietet keinen Grund zur Klage, die Kamera fängt hin und wieder ungewöhnliche Perspektiven ein und besonders gut gefallen hat mir auch der zupackende Score von Gianni Marchetti. Aufgefallen sind mir außerdem diverse Parallelen zu Sicilianos Quasi-Remake HÄUTET SIE LEBEND, der dann noch um einiges drastischer und schmieriger daherkommt, aber ganz ähnlich wie dieser, hinter der grobschlächtigen Fassade auch so eine Art nachdenkliche Aussage zu bieten hat. Eine legitime Frage wäre nun sicher, wie glaubwürdig diese Ambitionen sind, einen Rassismus-Vorwurf kann man in diesen Fällen aber zumindest kaum machen (also, was die Gesamtbotschaft angeht).

Ruppiges, hintersinniges Söldnerfilmchen, bei dem in reichlich 80 Minuten keine Längen aufkommen. Dürfte wohl zum Besten zählen, was ich in dem Genre bisher gesehen habe - auf jeden Fall einen Blick wert!



Die sündigen Mädchen vom Lande (Mario Siciliano, 1976)

Eine bedepperte Kompanie macht einen Ausflug in die ländliche Provinz Italiens, um dort das Verhältnis zwischen Armee und Bevölkerung zu verbessern, doch in dem Dorf geht es eigentlich auch ohne die trotteligen Uniform-Träger schon drunter und drüber, was man durchaus wörtlich nehmen kann...

Haha, Mario Siciliano hat's einfach drauf! Fängt schon gut an mit einem herrlich überzeichneten Vorspann, in dem man dralle, luftig bekleidete Bäuerinnen bei der, ähm, Ausübung ihrer Tätigkeiten bewundern kann. Deftig geht es weiter mit einer Misswahl in einer runtergekommenen Scheune, bei der gerade die Dorfschönste gekürt werden soll (als Hauptpreis gibt's ein Kalb!) und die Oberhäupter der christlich-demokratischen Partei in der Jury besonders enthusiastisch bei der Sache sind. Jawoll, und wenn die feinen Herrschaften, die selber hinter jedem kurzen Rock her sind, sich über die Hure des Dorfes (bezaubernd: Femi Benussi) ereifern, entlarvt Siciliano so richtig schön brachial die miefige Doppelmoral. Der Humor ist dabei natürlich alles andere als feinsinnig, aber gerade diese platten Verwicklungen, die meist durch Schlafzimmer bzw. Heuböden führen, verdichten sich schnell zu einem regelrecht comichaften Reigen, der von Carlo Savinas beschwingt-lieblicher Musik angenehm auf Trab gehalten wird. Hier gilt das Motto: dümmlich und doch gutmütig, albern und doch vergnüglich! Der Armee-Kram hat dabei handlungstechnisch kaum Relevanz und somit handelt es sich hier glücklicherweise auch um keine dieser typischen Militär-Klamotten (wie der Alternativtitel SCHLITZOHREN IM MANÖVER noch vermuten lassen könnte). Der Cast bietet erstaunlich wenig von den üblichen Klamauk-Hanseln, na gut, Riccardo Garrone und Enzo Andronico drehen ordentlich auf, Ezio Marano war auch schon in Sicilanos Westernkomödien dabei, dann noch Gianni Dei und Femi Benussi ist sowieso ein Traum - das war's allerdings auch schon mit den mir bekannten Namen.

Bei mir hat's zwei Anläufe gebraucht, um die "Qualitäten" (hehe) so richtig schätzen zu lernen. Wer nimmt die Herausforderung an?



Exorcism (Juan Bosch, 1975)

Nach einem drogengeschwängerten, rituellen Zusammentreffen am Strand rast Leila zusammen mit ihrem Freund einen Abhang runter. Beiden überstehen den Unfall relativ unbeschadet, doch bei der jungen Frau machen sich seltsame Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar, die medizinisch nicht erklärbar sind. Welche Rolle spielen dabei die folgenden Todesfälle und die düsteren Konflikte, die über ihrer Familie schweben?

Nach der ausschweifenden Strand-Sequenz zu Beginn, schlägt der Film einen deutlich bodenständigeren, man könnte auch sagen "drögen" Weg ein. An stimmungsvollen Sets mangelt es zwar nicht, aber Bosch schafft es nur selten, daraus eine wirklich dichte Atmosphäre zu kreieren, wobei ihm einzelne Höhepunkte, wie die Satanisten-Party in dem verlassenen Schloss, absolut klasse gelingen. Immer wenn man jedoch denkt, jetzt geht's endlich in die richtige Richtung, gewinnt auch schnell wieder die Geschwätzigkeit die Oberhand. Hier fehlt es insgesamt also hauptsächlich an Drive und Konsequenz. Der Cast kann dafür überzeugen. Naschy als sympathischer, fortschrittlicher Priester, zur Abwechslung mal auf Seite der Guten, weiß echt zu gefallen. Die Mutter (Maria Perschy) und ihre beiden Töchter (Maria Kosty u. Mercedes Molina), welche im Mittelpunkt der Handlung stehen, bieten ebenfalls eine angenehme Symbiose aus zweckmäßigem Schauspiel und Schönheit. Der finstere Bedienstete des Hauses (Luis Induni - den ich überhaupt nicht erkannt habe), der heimlich Nacktaufnahmen macht, bringt noch eine kleine Prise Sleaze ins Spiel und auch sonst ist in den Nebenrollen noch das ein oder andere markante Gesicht zu finden. Zu guter Letzt hab ich mich dann nur noch gefragt, warum die beste Musik erst im Abspann verwendet wurde.

Gepflegte Langeweile, die mit solidem Charme und netten Dekors doch für gar nicht so schlecht eträgliche 90 Minuten sorgt. Fans von Euro-Horror, Naschy und Co. können einen Blick riskieren.

Sehr schöne VÖ von BCI wieder!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Der weiße Scheich (Federico Fellini, 1952)

Ivan (Leopoldo Trieste) und Wanda (Brunella Bovo) sind auf Hochzeitsreise in Rom, doch während der ordnungsliebende Gatte den Aufenthalt beinah minutiös durchgeplant hat, die Verwandtschaft voller Erwartungen ist, ja sogar eine Audienz beim Papst ansteht, hat seine Frau andere Pläne. Kurz nach der Ankunft schleicht sie sich davon, um Fernando Rivoli (Alberto Sordi), der "weisse Scheich" aus ihren heißgeliebten Fotoromanen, in seiner Agentur, welche ganz in der Nähe des Hotels liegt, anzutreffen. Und ehe sie es sich versieht sitzt sie auch schon mitsamt der Crew in einem Lastwagen gen Meer, wo gerade neue Aufnahmen entstehen sollen und sie ihrem Star nun endlich auch mal für einen Moment näher kommen will - während ihr Mann nun mächtig in die Bredouille gerät...

Im Gegensatz zu späteren Werken, wie ROMA oder gar SATYRICON, lässt Fellini hier bei seinem Regie-Debüt seine Visionen noch nicht in exzentrischer, epischer Breite von der Leine, was ich vor allem erstmal als ziemlich erholsam empfand. Ausgehend von dieser neckischen Grundidee (von Antonioni) nimmt stattdessen ohne große umschweife eine nett-skurille Geschichte ihren Lauf, der es gelingt ohne Kitsch anrührend zu sein. Wirklich herzzereißend wie die süße Wanda da mit großen, leuchtenden Augen von ihrem heimlich angebeteten Helden schwärmt, nur um dann natürlich von der bitteren Realität des Show-Geschäfts enttäuscht zu werden. Aber nicht falsch verstehen - hier handelt es sich nicht um schwermütige, melodramatische Kost, sondern über weite Strecken läuft auch einfach eine charmante Komödie ab, die kurzweilig unterhält, im Vorbeigehen noch ein paar bissige Seitenhiebe austeilt und auch bei den tragischen Anklängen den richtigen Ton trifft.

Allzu viel habe ich von Fellini zwar noch nicht gesehen, aber diesem Frühwerk, das oft als untypisch für den Regisseur bezeichnet wird, dürfte einer der vorderen Plätze unter meinen Fellini-Favoriten schon jetzt sicher sein. Selbst wenn nicht jeder Einfall 100%ig sitzt, konnte mich das Gesamtergebnis doch gewissermaßen verzaubern. Ein Film, bei dem ich nur mal kurz auf die Uhr geschaut habe und dann erstaunt war, wieviel Zeit schon vergangen ist - das ist immer ein gutes Zeichen.

DVD ist vor kurzem von Kinowelt/Arthaus erschienen. Ich denke, mit der Qualität kann man zufrieden sein, zudem ist auch ein ganz interessantes Feature mit drauf, das Fellinis Werdegang allgemein und diesen Film speziell beleuchtet.



Urlaubsgrüße aus dem Unterhöschen (Walter Boos, 1973)

Der Bürgermeister eines kleinen bayrischen Örtchens betreibt mit seinen beiden hübschen Töchtern eine Pension, die allerdings mehr schlecht als recht läuft. Jede Saison sind nämlich immer die gleichen knausrigen Stammgäste da. Dieses Jahr soll jedoch alles anders werden und so sorgen zwei dynamische Marketing-Profis dafür, dass die alten Langweiler verscheucht werden und kurz darauf eine Busladung vergnügungssüchtiger Touristen aus ganz Deutschland anrollt...

Dachte ich anfangs noch, die Zeichen stehen auf spaßigen Lederhosen-Klamauk, war's denn letztendlich doch wieder extrem peinlich, dümmlich und nur ganz selten zum Lachen. Wo meine geliebten Italo-Erotik-Klamotten die Albernheiten noch recht geschmeidig präsentieren, regiert hier nur bieder und ungelenk vorgetragener Stumpfsinn, der einen beinah jegliche Klischees über deutschen Humor glauben lässt. Immerhin können die Unmengen an Sexeinlagen und eine ganze Reihe nett anzusehender Frauen noch ein bisschen was retten.

Dank dieser Schauwerte gerade noch ein erträgliches Unterfangen, mehr aber auch nicht. Da bleibe ich doch lieber bei den Erotik-Komödien all'italiana.

DVD von WVG.



Die zwei Gesichter einer Frau (Dino Risi, 1981)

Der gut situierte Anwalt Nino Monti (Marcello Mastroianni) trifft eines Tages eine alte Frau, die sich ihm als seine Jugendliebe Anna (Romy Schneider) vorstellt. Von ihrem Äußeren, das stark unter einer Krankheit gelitten hat, ist er zwar abgestoßen, doch die Begegnung und die wieder erwachenden Erinnerungen an längst vergangene Tage gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf und so treibt ihn seine Sehnsucht zu weiteren Recherchen. Umso erstaunter ist er als er von einem befreundeten Arzt erfährt, dass diese Frau angeblich schon vor Jahren gestorben ist. Damit jedoch nicht genug, denn ein weiterer Mordfall erschüttert die Gegend...

Phantastisch angehauchter Liebesfilm der etwas anderen Art. Immer wieder werden Erinnerungen, Sehnsüchte, das Altern und überhaupt die große Liebe thematisiert. Während Tonino Delli Colli mit nebelverhangenen Bildern die Mystery-Komponente der Handlung ansprechend betont. Die beinah schon gialloeske Einlage hätte ich auch nicht unbedingt erwartet und auch wenn man dann ab einem gewissen Zeitpunkt ahnt, in welche Richtung es geht, tut das der Faszination nur wenig Abbruch. Es sind wirklich diese düsteren Geheimnisse, die ständig über den Charakteren zu schweben scheinen, und die bisweilen bizarren Einfälle, die hier für die richtige Würze sorgen, und aus der Geschichte mehr machen, als nur einen weiteren melancholischen Tränendrücker. Mastroianni ist sowieso einer meiner persönlichen Favoriten und die schöne Musik von Riz Ortolani verdient sich ebenfalls ein Lob.

Insgesamt sicher nicht ganz große Wurf, aber doch ein eigenwilliges Werk, das recht geschickt zwischen verschiedenen Ebenen hin und her springt und es dabei meistens versteht zu fesseln.

DVD von Kinowelt/Arthaus.

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Ator - Herr des Feuers (Joe D'Amato, 1982)

Ator (Miles O'Keeffe) wird als Sohn des Thorn geboren und damit ist sein Leben von Anfang in Gefahr, denn zwischen diesem Thorn und dem "Großen Geist" besteht seit jeher ein erbitterter Kampf um die Macht. Als Ator zu einem Mann herangewachsen ist, überfallen Schergen des Feindes sein Dorf, töten seine Adoptiveltern und entführen seine zukünftige Frau - somit beschließt er, den Kampf aufzunehmen und sich als erster in den Tempel seiner Widersachers zu wagen...

Hab ich nun also auch mal einen Fuß ins Barbaren-Genre gesetzt und gehofft, D'Amato wird's schon richten. Und Tatsache: nach einem schwachen Beginn mit viel lustlos abgefilmten Gerangel im Halbdunkeln, entfaltet sich ein kurzweiliges und auch einigermaßen phantasievoll geratenes Trash-Spektakel, dass mit seiner naiven Herangehensweise erstaunlich gut bei Laune hält. Ator verbündet sich immerhin nicht nur mit einer toughen Kriegerin (Sabrina Siani), sondern muss auch verschiedenste Gefahren bestehen - so bekommt er es z.B. sogar mit einer Armee von Untoten zu tun (atemberaubende Make-Up-Effekte!) oder gerät in den Bann einer verführerischen Hexe, dargestellt von Laura Gemser, die hier deutlich schärfer aussieht als in vielen früheren Rollen. Für einige Schmunzler sorgt auch der kleine putzige Bär, der dem muskelbepackten, gut geölten Helden und seiner Begleiterin, ständig hinterherhoppelt. Noch liebreizender sind da nur der furiose Endkampf mit einer Riesenspinne und das wundervoll kitschige Happy-End. Generell sorgen auch die italienischen Wälder für ein angenehmes Flair, das mich sehr an die schönen Billig-Western erinnert - nur das hier eben alle lustige Kostüme tragen.

Mit der nötigen Trash-Toleranz eine spaßige Angelegenheit und ein weiterer Sympathie-Punkt für D'Amato. Die anderen Streifen aus der MIG-Barbaren-Box können gerne kommen - ich glaube, an dem Genre könnte ich Gefallen finden!



Papaya - Die Liebesgöttin der Kannibalen (Joe D'Amato, 1978)

Einige Mitarbeiter einer Firma, die sich für den Bau eines Atomkraftwerkes auf Santo Domingo einsetzt, haben schon auf seltsame Weise den Tod gefunden. Auch der Ingenieur Vincent (Maurice Poli) ist im Auftrag dieses Unternehmens unterwegs, während seine Freundin (Sirpa Lane) die Thematik mit kritischeren Augen sieht. Doch auch die beiden werden von der ebenso schönen wie geheimnisvollen Einheimischen Papaya (Melissa Chimenti) in einen gefährlichen Bann aus unbekannten Ritualen und Voodoo-Zauber gezogen...

Hach ja, der D'Amato und seine Karibik-Filmchen. Die traumhaften Drehorte lassen ja über so manche Schwäche hinwegsehen, aber leicht macht's einem der Streifen dennoch nicht. Wenn da im örtlichen Schlachthof (?) zwei Schweine ausgenommen werden und ewig in irgendwelchen bemüht rauschhaften Opfer-Zeremonien geschwelgt wird, dann bringt das den Film einfach kaum ein Stück voran. Stimmiger sind schon die Versuche, in der menschenleeren Stadt sowas wie eine unheimliche Atmosphäre zu etablieren, inklusive mysteriös wippendem Schaukelstuhl, herrenloser Pferdekutsche und Gruselpuppe. Allzu langweilig fand ich's insgesamt gar nicht mal und zum Glück halten sich die kruden Gedärm-Matschereien letztendlich auch in Grenzen, aber egal, welche Richtung auch eingeschlagen wird, es wirkt hier alles etwas halbherzig. Von den typischen Sexszenen (auf die ich eigentlich die ganze Zeit gewartet habe!) gibt's dann in der zweiten Hälfte des Films endlich mal was zu sehen und das kann immerhin wieder überzeugen. Man kann es drehen und wenden wie man will: D'Amatos Kamera, pulsierende Cipriani-Mucke und exotische Kulissen - damit kann in Punkto schwülstiger Soft-Erotik kaum was schiefgehen. Nicht zu vergessen, kommt hier nebenbei noch das hochaktuelle Atomenergie-Problem zur Sprache, was erwartungsgemäß simpel, aber nicht unintelligent abgehandelt wird. Ich bin ja sowieso der Ansicht, dass D'Amato oft geistreicher bei der Sache war, als ihm viele zutrauen.

Trotzdem bleibt's dabei: die eigentlich bewährte Mixtur wirkt diesmal unausgewogen und so haben vergleichbare Werke, wie ORGASMO NERO, doch die Nase vorn.



April 2011



Der Mafiaboss (Fernando Di Leo, 1972)

Ein mächtiger Gangsterboss aus den Staaten schickt zwei Profikiller (Strode und Silva) nach Mailand, da dort Heroin von stattlichem Wert abhanden gekommen ist. Als Schuldiger gilt der kleine Zuhälter Luca Canali (Adorf) und der weiß gar nicht wie ihm geschieht als ihn auf einmal der allesbeherrschende Don Vito Tressoldi (Celi) und dessen Schergen gnadenlos in die Zange nehmen. Irgendwas scheint an der Sache allerdings faul zu sein...

Puh, wo fängt man? Während manch andere Regisseure solcher Stoffe langwierig in verklärten Gangster-Mythen schwelgen, legt Di Leo ohne große Umschweife los und präsentiert einen filmischen Kosmos, der irgendwo zwischen Karrikaturen, stilsicheren Überzeichnungen und einem Hauch Realismus liegt, und genau damit ziemlich gut fährt. Mario Adorf klappert in Windeseile sämtliche Gefühlslagen ab und bewahrt seinem hier dargestellten Schmalspurganoven doch eine gewisse Aura des Mysteriösen, so dass man sich bald fragt, ob er denn wirklich so unbescholten ist, wie er vorgibt. Die Action ist hart, wobei speziell die rasante Verfolgungsjagd sicher über Genre-Standard anzusiedeln ist. Femi Benussi, Sylva Koscina und Luciana Paluzzi liebe ich ja sowieso, lediglich der Score hätte ruhig noch etwas präsenter sein können, auch wenn der Funk-Groove von Trovajoli gut ins Ohr geht. Dafür beweist Di Leo bei den Szenen in der Disco und der Hippie-Kommune wieder, was für ein begnadeter Ästhet er doch war.

So geflasht wie bei der ersten Sichtung war ich diesmal nicht, aber immer noch solider, stellenweise genialer, Italo-Crime.

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Ein Amerikaner in Rom (Steno, 1954)

Nando Moriconi (Alberto Sordi) ist ein Römer, der sein Leben voll und ganz dem "American Way of Life" bzw. dem, was er dafür hält, verschrieben hat. Nicht nur seine Eltern, sondern sein gesamtes Umfeld treibt er mit dieser Obsession zur Weißglut und eines Tages klettert er sogar aufs Kolosseum und droht, sich in die Tiefe zu stürzen, wenn er nicht die Chance bekommt, nach Amerika zu gehen...

Was Alberto Sordi hier für eine Show als italienischer "Amerikaner" abzieht, ist schon köstlich und stellenweise zum Brüllen komisch. Sein englisches Vokabular besteht hauptsächlich aus "okay", "alright", "boy", "girl" und vor allem "Kansas City", was ihn aber nicht davon abhält, mit heftigem Ami-Akzent unverständliche Songs zu schmettern. Der Rotwein und die Spaghetti werden ebenfalls verschmäht, zumindest so lange bis er dann feststellt, dass Milch, Marmelade und Senf doch keine so gute Kombination sind. Der selbstgebastelte Wasserspender in seinem Zimmer (den man in Amerika in jedem Büro findet!) ist auch eher nur Vorführobjekt und auf das Bild einer gewissen Betty, hat er sich selbst eine Widmung für sich draufgeschrieben. Außerdem sitzt er natürlich auch immer bis spät abends im Kino und rennt anschließend wie angestochen, seine Helden imitierend, durch die nächtlichen Straßen.
Da hat Komödien-Spezi Steno doch wirklich saubere Arbeit geleistet. Zwischen leichten satirischen Einschüben und reichlich vergnüglichem Klamauk, sind es vor allem die ausgefallene Grundidee und Sordis überdrehtes Spiel, die hier für viele herzhafte Lacher sorgen. Lediglich der Handlungsstrang, der die Vorgeschichte beleuchet, wie der Titelheld während der Kriegszeit das erste Mal mit den Amerikanern in Kontakt kam, will nicht so recht zünden.

Insgesamt aber eine ziemlich feine Komödie, die schleunigst hierzulande erscheinen muss, auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie das Sprachen-Wirrwarr in der dt. Fassung funktioniert (ich hab ihn mit engl. UT gesehen).



Sartana kommt (Giuliano Carnimeo, 1970)

Sartana (Gianni Garko) lässt sich vorsätzlich einbuchten, nur um kurz darauf zusammen mit einem gewissen Grand Full (Piero Lulli) wieder zu entfliehen, dieser soll nämlich etwas über den Verbleib eines Goldschatzes wissen. Tatsächlich gestaltet sich die Aktion jedoch weitaus schwieriger, als angenommen, denn Sartana kriegt es mit einer ganzen Reihe von geheimniskrämerischen Gestalten zu tun, die ihm alle eine andere Geschichte auftischen, während hinter der nächsten Ecke schon wieder jemand den Finger im Abzug hat...

Giuliano Carnimeo auf der Höhe seiner Western-Kunst, Gianni Garko noch cooler als sonst und im Hintergrund zieht unter anderem Ernesto Gastaldi die Fäden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die verworrene Twisterei nicht erst im Finale eher Erinnerungen an typische Giallo-Erzählstrukturen weckt, als an einen handelsüblichen Western-Plot. Mag sein, dass genau diese Story, die in den relevanten Momenten, nicht selten etwas überfrachtet wirkt, gleichzeitig auch die Schwäche ist. Aber da der Unterhaltungswert konstant auf hohem Level bleibt, fällt dieser Makel kaum ins Gewicht. Was hebt dieses Werk also über Genre-Durchschnitt? Nun, zum einen ist Garkos verschmitzter, mit feinem Zwirn behangener Gunman, dem hier Gott sei Dank keine platten Brandt-Sprüche in den Mund gelegt wurden, ein Hochgenuss. Weiterhin liest sich der Supporting-Cast wie das Who's Who des italienischen Genre-Films - da wären beispielsweise Massimo Serato als hinterlistiger Sheriff, Franco Pesce mit einer ganz besonderen Erfindung, Giuseppe Castellano als Gefängnisdirektor, Jose Jaspe als durchgeknallter General und sozusagen als Sahnehäubchen, Nieves Navarro in der Rolle der ausgefuchsten sowie natürlich wunderschönen Witwe. Carnimeo komponiert die Inszenierung in unnachahmlich comichafter Weise straff durch. Julio Ortas ergeht sich in edel gleitenden Kamerafahrten, dann wieder abrupten Schwenks und Zooms, während Bruno Nicolais Score sich dem filmischen Rhythmus wahlweise schwelgerisch und stakkato-artig ideal anpasst. Doch damit nicht genug, denn dann ist da ja noch die Fülle an gimmickhaften Spielereien, die für ein paar nette Schmunzler und gehobene Augenbrauen gut sind (in wie vielen Western nimmt sich der Pistolero schon einen Roboter zu Hilfe oder nutzt eine Orgel als tödliches Geschoss?).

Ich war nie der klassische Western-Fan, aber diese an Einfallsreichtum, Coolness und dreckiger Eleganz überbordende Wildwest-Vision, wie sie nur aus Italien stammen kann, ist die reinste Wonne (so lange man sich nicht zu arg den Kopf über die Story zerbricht). Von mir eine ganz dicke Empfehlung!



Teuflisches Spiel (Dino Risi, 1972)

Antonia (Silvana Mangano) und Peppino (Alberto Sordi) fristen ihr klägliches Dasein in einer Armensiedlung am Rande von Rom. Zugang zu einer anderen Welt erhalten sie nur, wenn eine alte Dame (Bette Davis), die gelegentlich im Lande ist, sie in ihre nahgelegene Luxusvilla zum Kartenspielen einlädt. Dies ist nämlich die große Leidenschaft der stinkreichen Kosmopolitin, für die sie eben noch ein paar Mitstreiter benötigt hat. So hat es sich zur Tradition entwickelt, dass das vom Leben benachteiligte Ehepaar sich Jahr für Jahr auf nervenaufreibende Spiele um riesige Summen einlässt, nur um am Ende immer als Verlierer dazustehen. Die Beiden geben die Hoffnung allerdings nicht auf, "die Alte" (anders wird sie nie bezeichnet) irgendwann mal so richtig auszunehmen. Als es dann eines Abends für die beiden Unglücksraben auf wundersame Weise tatsächlich mal besser läuft, stellt sich jedoch schon bald die Frage, wie sehr man sein Glück herausfordern sollte und was womöglich die Konsequenzen sind...

Es ist ein Jammer, dass großartigen Regisseuren wie Luigi Comencini, Dino Risi oder auch Mario Monicelli wohl nie die verdiente Anerkennung zu Teil werden wird. Aber was will man machen, wenn für die selbstgerechten Arthouse-Wichtigtuer lediglich Fellini, Pasolini und Bertolucci existieren, und das auf reißerische Exploitation fixierte Publikum ebenfalls nur desinteressiert die Nase rümpft. So verschwinden dann unterhaltsame und völlig unprätentiös faszinierende Unikate, wie dieses, in der Versenkung. Schon die Einordnung in ein Genre macht hier Probleme, aber so eine Frage sollte man sich bei einem Film, der auf seine Weise so schön funktioniert, vielleicht einfach mal gar nicht stellen.
Ein wirklich interessanter Kontrast entsteht, wenn Comencini sich mit warmherzigem Charme und reichlich gesundem Humor den Sorgen und Hoffnungen der armen Schlucker nähert - dann jedoch wieder in abgehobenen Luxus umschwenkt, diese Welten aufeinander prallen lässt, und dem ganzen Setting sowie der an sich schon seltsamen Konstellation obendrein eine mystische Aura verleiht. Da fiebert die ganze Siedlung mit, wenn Anto und Peppi im hellerleuchteten Palast bis spät in die Nacht um den langersehnten Reichtum kämpfen. Und am Ende kulminiert es in einer Partie, die wahrlich extreme Ausmaße annimmt.

Piero Piccioni haut dazu angenehm in die Tasten, Sordi und Mangano geben ein bezauberndes Paar ab, Bette Davis und Joseph Cotton sorgen für mehr als nur einen Hauch internationaler Star-Power - was will man mehr?

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