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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Jungfrauen-Report)
PostPosted: 16.03.2019 12:10 
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roother wrote:
#25: Robinson und seine wilden Sklavinnen (1972)

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Auf den ersten Blick haben wir es hier mit einer durchschnittlich frivolen Sex-Komödie zu tun, welche durch ihre typischen Charaktere an italienische Genre-Filme der 70er und 80er Jahre erinnert: Wir haben den unterdrückten kleinen Mann, die frigide Ehefrau, die kratzbürstige Schwiegermutter und das unbekannte Objekt der Begierde.

Doch Franco wäre nicht Franco, wenn er selbst aus solch trivial anmutenden Grundkonstellationen nicht etwas Besonders erschaffen könnte. Das gelingt ihm durch die eine oder andere surreal anmutenden Szene, wie beispielsweise die Alptraum-Sequenz, welche neben Robinsons Schwiegermutter auch den Einsatz einer merkwürdigen Affenmaske beinhaltet.
Francos Stammschauspieler Howard Vernon schafft es selbst in seiner sehr undankbaren Rolle als Stammeshäuptling eines Urvolks zu brillieren.

Robinson flüchtet aus der in seinen Augen unbefriedigenden Lebenssituation in seine Tagträume von einem paradisischen Leben auf einer zivilisationsfernen Insel – quasi als Neuinterpretation des klassischen Robinson Crusoe Motives. Angekommen auf dieser Insel erlebt er nun seinen Traum, inklusive erotischen Abenteuern mit lüsternen, unbekleideten Schönheiten, die sehnsüchtig auf den befriedigungsbringenden Robinson gewartet haben. Doch statt seinen Traum in vollen Zügen zu genießen, zeigt sich schnell die Kehrseite dieses Paradises.
Die Aussage, dass man sein Leben lieber in die Hand nehmen und versuchen soll seine Träume dort zu verwirklichen, anstatt sich in idealisierte Wunschsituation zu flüchten, gefällt mir. Franco zeigt uns, dass wir durch diese Flucht uns selbst die Möglichkeit nehmen im Hier und Jetzt zu leben, nur um später vielleicht feststellen zu müssen, dass das Ideal, welches uns das Perfekte suggerierte vielleicht sogar mehr Probleme in sich trägt als die Situation, vor der man versuchte zu entkommen.
Kann es ein, dass Franco hier die traumatisierende Erfahrung des Todes von Soledad Miranda vor einem Jahr zu verarbeiten versuchte? Immerhin „rettet“ Robinson das Objekt seiner Begierde vor einer Karriere als Schauspielerin.

Natürlich steht bei „Robinson und seine wilden Sklavinnen“ das erotische Spiel des Hautdarstellers mit dem bezaubernden Trio aus Ingeborg Steinbach, Anne Libert und Andrea Rau im Mittelpunkt - und dieses weiß auch zu gefallen. Besonders die wunderschöne Andrea Rau versprüht durch ihre beeindruckende Präsenz eine Erotik, welche alleine schon die Sichtung wert ist.

Franco liefert hier zwar eine klassische Sex-Komödie, die aber eingefärbt durch die francosche Eigenheit zu weit mehr geworden ist, als ein unterhaltsames Lustspiel.





roother wrote:
Besonders die wunderschöne Andrea Rau versprüht durch ihre beeindruckende Präsenz eine Erotik, welche alleine schon die Sichtung wert ist.


Ja, das sehe ich auch so. Andrea Rau ist schon ein Wahnsinns-Schnuckelchen!

Gerade zu Beginn fand ich den Film in seinen Charakteren und Schauspiel ja sehr gut getroffen und zum kugeln lustig. Wer kann da nicht zumindest ein Stück weit mitfühlen? :mrgreen:


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 19.03.2019 00:51 
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#26: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies (1972)

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Franco liefert nach einer eher seicht anmutenden Sex-Komödie ein echtes Highlight ab: ein düster-poetisches Schauer-Mähr um ein unschuldiges Mädchen, welches auf einem alten Schloss mehr entdeckt, als sie zu suchen gewagt hätte.

Die Geschichte mag auf den ersten Blick recht dünn sein, bietet aber bei genauer Betrachtung eine Menge Stoff für Interpretationen. Um der Testamentverkündung ihres verstorbenen Vaters beiwohnen zu können, verschlägt es die junge, unschuldige Christina auf das abgelegene Familienschloss Monserat. Dort angekommen macht sie eine Vielzahl an morbiden Erfahrungen, um letztlich zu entdecken, dass die vermeintliche Verwandtschaft aus Untoten besteht, welche sich zum Ziel gemacht haben, Christina mit ins Reich der Toten zu ziehen.

So zumindest der erste Eindruck. Denn die latent aufkeimende Erotik in Francos Erzählung lassen einen anderen Schluss zu. Mich erinnert der Film eher an Jaromil Jireš „Valerie – Eine Woche voller Wunder“, in dem die Hauptprotagonistin ihre aufkeimende Sexualität zu verarbeiten versucht. Auch Christina wird als unschuldige, ihrer Sexualität unbewusstes Mädchen dargestellt. Sie läuft Nachts nur mit einer transparenten Unterhose bekleidet durch die Pension, in der sie übernachtet, schläft bei offenem Fenster völlig nackt und geht auch gerne mal nackt baden. Sie scheint sich nicht im Klaren zu sein, wie ihr bereits erwachsener Körper auf Andere zu wirken scheint. Carmencé spricht sie sogar direkt darauf an, was bei Christina zu völligem Unverständnis führt.
Christina als ein Mädchen auf der Schwelle zur Frau. Dies erklärt auch die surreale Szene in der Christina einen großen Phallus in ihrem Zimmer vorfindet, sich interessiert nähert und ihn berühren möchte, ihn in der letzten Sekunde aber wegschlägt. Die in ihr aufkeimende Sexualität bahnt sich langsam seinen Weg. So wird z.B. die Beobachten eines sinnlichen Liebesspieles zwischen Carmencé und Linda zu einer grotesk-morbiden Vampir-Orgie. Und wenn man bedenkt, welche Rolle der Vater in der frühkindlichen Sexualität hat, kann die Rolle von Paul Müller als einzig männlicher Ankerpunkt im Leben eines Mädchens verstanden werden.

Ich sehe in der Geschichte von „Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies“ weniger ein Horrorfilm um Untote, die eine unschuldige Seele für sich gewinnen wollen, als eher eine Comig-of-age-Geschichte um das Erwachen der Sexualität eines Mädchens. In diesem Zusammenhang ist dann der Schuss, das Eintauschen ins Wasser, nicht als Motiv in Anlehnung an Goethes "Faust", als dem Zurückkehren zum Ursprung des Lebens zu verstehen, sondern vielmehr als Motiv der Reinigung und des Neubeginnes, im Sinne der Taufe. Das Mädchen Christina ist tot und wird als Frau wiedergeboren.

In grandios anmutenden Bildern inszeniert Franco hier ein poetisches Meisterwerk, welche man sich immer wieder ansehen kann und auch beim 10. Mal Neues entdeckt. Die Szenen mit Paul Müller sind beeindruckend gefilmt und enorm atmosphärisch ausgeleuchtet. Dass Franco auf wilde Jazz-Klänge verzichtet und einen eher orchestralen Soundtrack verwendet, unterstreicht die morbide-gotische Atmosphäre noch weiter.

Für mich ist „Eine Jungfrau…“ eindeutig eines der bisherigen Highlights in Francos Filmografie. Schade, dass er nicht weiter mit Christina de Blanc arbeitete, denn ihre Unschuld und Zerbrechlichkeit, gepaart mit der enorm erotischen Ausstrahlung werten dieses Meisterwerk noch weiter auf.

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 19.03.2019 15:37 
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roother wrote:
#26: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies (1972)

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So zumindest der erste Eindruck. Denn die latent aufkeimende Erotik in Francos Erzählung lassen einen anderen Schluss zu. Mich erinnert der Film eher an Jaromil Jireš „Valerie – Eine Woche voller Wunder“, in dem die Hauptprotagonistin ihre aufkeimende Sexualität zu verarbeiten versucht. Auch Christina wird als unschuldige, ihrer Sexualität unbewusstes Mädchen dargestellt. .


roother, wirklich eine tolle Interpretation; den Vergleich mit "Valerie" finde ich auch geglückt: also der fantastische Stoff als Metapher für das "Erwachen" zur Frau - so gesehen, hätte Franco hier seine "Weltgeschichte" der Defloration aus dem "Jungfrauen-Report" in eine surreale Schauergeschichte gepackt - vielleicht könnte man auch an "Alice im Wunderland" denken, da in "Eine Jungfrau..." nicht nur stark mit "Wirklichkeit" und "Traum", sondern auch mit den Zeitebenen gespielt wird; ein Element für die mögliche Deutung des Films scheint dann auch der Schlüssel (sowohl als konkreter Gegenstand als auch als Symbol) zu sein, der das Geheimnis der "Jungfrau" (ihr Bezug zum Vater) aufschließt - das Eintauchen ins Wasser zum Schluss kehrt als Motiv häufig bei Franco wieder, vielleicht bedeutet es hier auch, dass die Geister (die Angst vor der eigenen Sexualität - in einer Szene schlägt Christina ja den "bedrohlichen" Phallus fort) letztlich besiegt worden sind... so oder so: wohl einer meiner liebsten "Franco"s, der durch seine enig­ma­tische Erzählweise sehr viele Möglichkeiten der Analyse lässt und dabei durch seine vielen "Kinomomente" beeindruckt...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 22.03.2019 23:22 
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Danke Howard Vernon, für die zustimmenden Worte. War mir in der Tat nicht sicher, ob ich da zuviel rein interpretiert habe, aber deine Analyse passt hier perfekt dazu.

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 23.03.2019 09:11 
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roother wrote:
#26: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies (1972)

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Ein Film, den ich mir seinerzeit wegen Hauptdarstellerin Christina von Blanc angesehen hatte, die ich nach wie vor einfach nur umwerfend finde. Damals hatte ich mit Franco noch recht wenig Berührungspunkte und "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie ich überhaupt verstärkt zu Jess Franco gekommen bin - über bestimmte Schauspieler. Hier muss man es ihm ja wirklich lassen, dass er temporär gesehen schon einen recht privilegierten Zugriff auf manche Darsteller hatte, was sicherlich daran gelegen hat, dass der Regisseur einfach oft gebucht wurde, vor allem auch in Co-Produktionen. Naja, zum hier angesprochenen Film habe ich eigentlich kaum mehr konkrete Erinnerungen, außer die tolle Performance von Christina von Blanc. Ist aber auch Jahre her, und bevor ich mir ein loses Urteil aus dem Ärmel schüttle, sollte ich mir ihn doch noch einmal anschauen. Ist sicherlich lohnenswerter als damals, da ich jetzt auch andere Dinge achten werde.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 23.03.2019 09:34 
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Prisma wrote:
roother wrote:
#26: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies (1972)

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Ein Film, den ich mir seinerzeit wegen Hauptdarstellerin Christina von Blanc angesehen hatte, die ich nach wie vor einfach nur umwerfend finde. Damals hatte ich mit Franco noch recht wenig Berührungspunkte und "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie ich überhaupt verstärkt zu Jess Franco gekommen bin - über bestimmte Schauspieler. Hier muss man es ihm ja wirklich lassen, dass er temporär gesehen schon einen recht privilegierten Zugriff auf manche Darsteller hatte, was sicherlich daran gelegen hat, dass der Regisseur einfach oft gebucht wurde, vor allem auch in Co-Produktionen. Naja, zum hier angesprochenen Film habe ich eigentlich kaum mehr konkrete Erinnerungen, außer die tolle Performance von Christina von Blanc. Ist aber auch Jahre her, und bevor ich mir ein loses Urteil aus dem Ärmel schüttle, sollte ich mir ihn doch noch einmal anschauen. Ist sicherlich lohnenswerter als damals, da ich jetzt auch andere Dinge achten werde.


Ja, Christina ist wirklich eine wunderschöne Frau. Mein Zugang zu Franco in der Vergangenheit fand auch meistens über die Erotik der Darstellerinnen statt - dies ändert sich natürlich jetzt durch mein Projekt.

Mein erstes Erlebnis mit "Jungfrau in den Krallen von Zombies" dürfte so Ende der 90er gewesen sein. Ich war noch recht jung und voll im Zombie-Fieber. "Hölle der lebenden Toten", "Dawn of the Dead" etc. Und dann bekam ich eine abgenudelte VHS dieses Filmes in die Hand. Da taucht ja auch das Wort "Zombies" auf. Es war die Rollin-Version. Damals war ich weder für die morbide Atmosphäre von Franco zu begeistern noch könnte mich diese völlig luslos inszenierte Zombie-Farce voin Rollin packen. Deshalb war der Film für mich für über ein Jahrzehnt tabu. Gott sei Dank hat sich das ja mittlerweile geändert

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 23.03.2019 09:43 
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roother wrote:
Mein erstes Erlebnis mit "Jungfrau in den Krallen von Zombies" dürfte so Ende der 90er gewesen sein.

Bei mir war das ganz genauso. Mein weg zu diesem Film führte mich allerdings über "Das Geheimnis des gelben Grabes", von dem ich mir die Toppic-VHS gekauft hatte. Christina von Blanc hat dort ja auch eine kleinere Rolle und anschließend habe ich mir alles bestellt, was mit ihr zu finden war. Ist leider nicht ganz so viel gewesen, da ihre Filmografie sehr übersichtlich ist. Aber sie ist eine der Schauspielerinnen gewesen, die mich sofort faszinieren konnte. Ich mag ihre Aura.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Robinson und seine wilden Sklavinnen)
PostPosted: 24.03.2019 16:19 
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Prisma wrote:
roother wrote:
Mein erstes Erlebnis mit "Jungfrau in den Krallen von Zombies" dürfte so Ende der 90er gewesen sein.

Bei mir war das ganz genauso.


Da kann ich mich auch einreihen (Anfang der 90er); bei mir war es die GB-VHS mit diesem "schönen" Cover:

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Bildformat: 1,33:1 - was das Besondere an Francos Werk ist, konnte ich damals natürlich auch nicht einschätzen, zu merkwürdig war der Film mit den komischen Zombie-Szenen; dennoch hatte mich auch damals schon die typische Franco-Atmosphäre (nicht-linearer Plot, Kameraperspektiven -und Montagen, die Figuren-Hierarchien verhindern / erschweren, und natürlich die Musik, die gerade in "Jungfrau..." stellenweise richtig experimentell ist) bereits erfasst, so dass ich den Film doch irgendwie mochte...
als dann schließlich die Redemption-VHS kam, konnte man das Werk dann endlich richtig einordnen, so dass er heute einer meiner liebsten "Franco"s ist...

ach, Prisma, solltest Du Dir den Film noch einmal anschauen, bitte nur in der französischen Sprachfassung, die die poetische Ebene von "Jungfrau..." auch auf der sprachlichen Seite ausspielt... Du kannst den Film nicht ganz in seiner surrealen Intensität erleben, wenn Du eine andere Sprachfassung wählst...




Ich möchte noch auf ein kleines Detail aufmerksam machen, welches im Film auf Francos Dauer-Thema "Voyeurismus" wunderbar spielerisch aufmerksam macht, beziehungsweise den Zuschauervoyeurismus und somit den Mechanismus des "Kinos" reflektiert:
ich meine die Szene, wenn die Figur von Christina von Blanc ein Bad im See nimmt und dabei von den zwei Männern heimlich beobachtet wird. Meiner Ansicht nach wird damit auf die biblische Episode von Susanna im Bade angespielt, in der es ja vor allem auch um sexuelle Begierde durch das Zuschauen geht - das Interessante ist nun, dass auch in PSYCHO vor dem Loch, durch das Norman Bates schaut, ein Gemälde mit diesem biblischen Motiv hängt...

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und wenn Norman dann das Gemälde herunternimmt, schaut er selbst - in Nachfolge der biblischen Männer - eine nackte Frau voller Begierden an...

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In PSYCHO zeigt sich die Szene in einer späteren Phase, als nämlich die beiden Alten die Frau beobachtet haben und sie nun vergewaltigen wollen, was ein Vorbote auf den kommenden Duschmord in PSYCHO ist; bei Franco beschränkt es sich dann konkret auf das Baden schlechthin, wo die beiden Alten im Film durch die junge Frau sexuell stimuliert werden, was wiederum ein Film-interner Platzhalter für den Kinozuschauer wäre, der seinerseits genüsslich (so wird die Szene ja inszeniert) beim Nacktbaden zuschaut...

ein Gemäldebeispiel zum biblischen Voyeur-Thema:
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Francos Badende...
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...und die Voyeure...
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das sind alles so kleine Details, die Franco immer ganz nebenbei einfügt, und die sein Kino so unglaublich interessant machen...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 24.03.2019 22:04 
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Christina von Blanc mag ja recht liebreizend sein, ihr Lieben, aber ich kann wohl erst in Frieden sterben, wenn ich weiss, dass sich die wunderbare Britt Nichols während meiner Trauerzeremonie die Fußnägel lackiert.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 25.03.2019 12:49 
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Pa_Nik wrote:
Christina von Blanc mag ja recht liebreizend sein, ihr Lieben, aber ich kann wohl erst in Frieden sterben, wenn ich weiss, dass sich die wunderbare Britt Nichols während meiner Trauerzeremonie die Fußnägel lackiert.


Nee nee, da kommen wir nicht zusammen. An Christina reichen weder Britt nch ihre Füße auch nur annähernd ran ;-)

Howard Vernon wrote:
das sind alles so kleine Details, die Franco immer ganz nebenbei einfügt, und die sein Kino so unglaublich interessant machen...


Das mit dem Voyeurismus haben wir ja schon häufiger bei Franco erlebt. Finde deine Ausführungen zu diesem Thema äußerst interessant.

BTW: Da ich jetzt Besitzer des zweiten Throwers-Bandes bin, bereite ich mich schon mal auf das Einkaufen der Filme aus Francos zweiter Filmografie-Hälfte vor. Aber diese Golden Films bereiten mir arge Kopfschmerzen. Legal scheint es gänzlich unmöglich zu sein, alle diese Film zu erwerben. Und die Versionen, welche im Netz umherschwirren, sind teilweise von so miserabler Qualität, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich das tatsächlich ansehen kann (zumal ich weder spanisch noch französisch spreche).

Für Tipps und Empfehlungen bin ich jederzeit dankbar.

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 25.03.2019 13:28 
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roother wrote:

BTW: Da ich jetzt Besitzer des zweiten Throwers-Bandes bin, bereite ich mich schon mal auf das Einkaufen der Filme aus Francos zweiter Filmografie-Hälfte vor. Aber diese Golden Films bereiten mir arge Kopfschmerzen.
Für Tipps und Empfehlungen bin ich jederzeit dankbar.


Ja, leider kenne ich auch nur wenige Exemplare von der "Golden-Films"-Phase und die, die ich kenne, gefallen mir sehr gut; vor allem wegen der neuen "Häutung", die Franco hier wieder stilistisch vorgelegt hat (der Plot besteht eigentlich nur noch aus Figurentypen und bekannten Motiven, die dann bei jedem Film wie eine Collage jedes Mal andersartig zusammengesetzt wird)...

glücklicherweise konnte ich in den Mitte-90er-Jahren einige spanische Kauf-VHS-Tapes erwerben, denn in Spanien sind so einige in den 80er Jahren veröffentlicht worden - also nur in spanischer Sprache, was ich allerdings kaum / eigentlich nicht verstehe, so dass wirklich nur der Film visuell "zu mir spricht"; dann gibt es ein paar Veröffentlichungen von "Severin" auf DVD (in sehr guter Bildqualität) aus den USA und wohl auch in GB...

ich würde Dir raten, auf jeden Fall die "Severin"-Veröffentlichungen im Auge zu haben...

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 25.03.2019 13:35 
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Ja, die von dir genannten Filme habe ich mir bereits besorgt. Ich denke, dass ich einfach nehme, was ich kriegen kann. Egal ob spanisches Tape. Möchte ja wirklich alles sehen.

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 26.03.2019 11:34 
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Howard Vernon wrote:
ach, Prisma, solltest Du Dir den Film noch einmal anschauen, bitte nur in der französischen Sprachfassung, die die poetische Ebene von "Jungfrau..." auch auf der sprachlichen Seite ausspielt... Du kannst den Film nicht ganz in seiner surrealen Intensität erleben, wenn Du eine andere Sprachfassung wählst...

Ja, das sollte ich dann tatsächlich mal tun und ich verstehe auch, was Du meinst. Wie ich gesehen habe, ist die letzte Sichtung nämlich fast 10 Jahre her. Damals kannte ich nicht viel von Franco; hauptsächlich seine konventioneller wirkenden Arbeiten wie beispielsweise "Der Todesrächer von Soho" oder "Der Hexentöter von Blackmoor". Natürlich war ich eher auf derartig gestrickte Beiträge aus, deswegen fielen gewisse Flicks auch recht schnell und ohne weitere Betrachtung durch. Was die Sprachfassung angeht, bin ich generell und immer schon etwas anderer Meinung. Nichts ersetzt die Muttersprache, beziehungsweise eine Sprache, die man fließend spricht und lückenlos versteht. Im Französischen merke ich mittlerweile nämlich durchaus, dass ich streckenweise nur doch die Kohärenz erfasse, aber wichtige Worte oder Aussagen untergehen, da das Vokabular ohne Pflege einfach abbaut.

Weiß nicht, ob ich das verständlich ausdrücken konnte, aber ich empfinde das schon seit Jahren so. Außerdem ist ja nicht immer eine deutsche Synchro in Reichweite, deswegen schaue ich natürlich oft querbeet. Selbst bei platten eingedeutschten Dialogen können Bilder, wie sie bei Franco zu finden sind, einen tieferen Sinn preisgeben, falls denn einer angeboten wird. Ich weiß, dass ich mit dieser Ansicht weitgehend alleine dastehe, aber bei mir hat die Methode der Originalfassungen unterm Strich nicht den immer wieder kolportierten Aha-Effekt gehabt. Im Englischen ist das übrigens völlig anders. Vielleicht, weil diese Sprache aufgrund ihrer Immanenz nie einzuschlafen droht, obwohl man sie nicht täglich spricht. Meistens bringen mich gerne gehörte Originalstimmen oder gekürzte Szenen dann doch häufig in originale Sprachfassungen. Interessehalber schaue ich dann aber gerne mal in die französische Fassung rein, um die Unterschiede wahrnehmen zu können.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 26.03.2019 14:00 
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Wie mir der auf der X-Rated-BD enthaltenen Audiokommentar von Keßler/ Felsch verraten hat, ist die Straße, die am Anfang von "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" befahren wird, jene, auf der Soledad Miranda in einen Autounfall geriet.

Der Titel "La nuit des étoiles filantes" deutet auch noch mal auf Soledad Miranda hin.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 26.03.2019 18:22 
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Prisma wrote:
Interessehalber schaue ich dann aber gerne mal in die französische Fassung rein, um die Unterschiede wahrnehmen zu können.[/align]


Dass die französische Sprachfassung unbedingt zu bevorzugen wäre, bestimmt sich hier - meiner Meinung nach - weniger durch den genauen Inhalt der Dialoge; sondern ich meine mehr die "Sprachmagie", die sich durch die französische Sprache entfaltet und somit wunderbar mit den surrealen Bildern zusammenspielt - Du musst also weniger Sinnhaftes verstehen, als dass Du wortwörtlich durch die Lautmalerei der französischen Sprache in den filmischen Sog gezogen werden kannst... dass Franco in "Jungfrau..." gewisse Sprach- und Wortassoziationen durch seine Bilder erreicht, kann man beispielsweise an der kleinen Szene sehen, wo Francos Diener-Charakter der verschreckten "Jungfrau" einen toten Hahn vor die Augen hält - der Diener selbst fällt ja völlig aus dem "Sprachsystem" heraus, da er sich mit Worten nicht verständlich machen kann (nur Gesten und Blicke werden angewendet), deshalb zeigt er Christina von Blancs Figur den toten Hahn, damit sie die Angst vor dem "Phallus" verlieren soll... wie Tim Lucas in seinem großartigen AK der Redemption-BD aufzeigt, verweist Franco so auf das Wort "cock" - oder in der französischen Sprache: "coq" - was umgangssprachlich dann auch "Schwanz" bedeuten kann... das tote Tier wird dadurch zum Symbol für die "Männlichkeit", die jetzt keine Gefahr mehr darstellt - über solche Assoziationsketten "funktioniert" dann der gesamte Film, wobei dann die Wortsemantik eher zunehmend "bedeutungsloser" wird, die Reise ins Unbewusste setzt sich über Bildsymbole fort... die französische Sprachmagie - wie in einem Gedicht von Stéphane Mallarmé - schafft sich hier ihre eigene Welt...

Prisma wrote:
Was die Sprachfassung angeht, bin ich generell und immer schon etwas anderer Meinung. Nichts ersetzt die Muttersprache, beziehungsweise eine Sprache, die man fließend spricht und lückenlos versteht. Im Französischen merke ich mittlerweile nämlich durchaus, dass ich streckenweise nur doch die Kohärenz erfasse, aber wichtige Worte oder Aussagen untergehen, da das Vokabular ohne Pflege einfach abbaut.[/align]


Mir geht es da auch ganz ähnlich: Italo-Western schaue ich mir eigentlich lieber in der deutschen Synchro an, auch wenn sich da durchaus "Inhalt" verliert; bei aktuellen Filmen sind mir allerdings die originalen Sprachfassungen zumeist lieber, da ich die deutschen oftmals als zu überbetont "authentisch" empfinde... aber natürlich auch eine Geschmackssache...

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 27.03.2019 12:59 
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Howard Vernon wrote:
Prisma wrote:
Interessehalber schaue ich dann aber gerne mal in die französische Fassung rein, um die Unterschiede wahrnehmen zu können.[/align]


Dass die französische Sprachfassung unbedingt zu bevorzugen wäre, bestimmt sich hier - meiner Meinung nach - weniger durch den genauen Inhalt der Dialoge; sondern ich meine mehr die "Sprachmagie", die sich durch die französische Sprache entfaltet und somit wunderbar mit den surrealen Bildern zusammenspielt - Du musst also weniger Sinnhaftes verstehen, als dass Du wortwörtlich durch die Lautmalerei der französischen Sprache in den filmischen Sog gezogen werden kannst...


Nicht zu vergessen, dass man in der deutschen Fassung auf den kongenialen Soundtrack von Bruno Nicolai verzichten muss, bei dessen Einspielung Jess Franco wohl sogar als Musiker beteiligt war.

Die Wirkung des Films ist hier je nach Fassung schon extrem unterschiedlich. Die alte deutsche Videofassung (mit den Rollin-Inserts) bekommt von mir etwa 2/10 Punkte, für die französische (soweit wie möglich rekonstruierte) Fassung ziehe ich 10/10, wobei sich meine Bewertung da mit jedem Ansehen gesteigert hat. Die rekonstruierte Fassung mit der deutschen Synchro kommt bei mir auf 7/10. Ich hab's normalerweise nicht so mit Punktebewertungen, aber hier ist's als Vergleichswert mal interessant.


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 27.03.2019 13:14 
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samgardner wrote:
Nicht zu vergessen, dass man in der deutschen Fassung auf den kongenialen Soundtrack von Bruno Nicolai verzichten muss, bei dessen Einspielung Jess Franco wohl sogar als Musiker beteiligt war.


Die Soundtrack-Unterschiede hatte ich doch glatt vergessen (da ich mir die deutsche Fassung wirklich nur einmal ansehen wollte); die stark experimentelle Musik macht wirklich extrem viel für die stimmungsvolle Wirkung des Films aus...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 31.03.2019 23:52 
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#27: Die Nacht der offenen Särge (1972)

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Im Originaltitel kämpft hier Dracula gegen Frankenstein. Davon ist in der deutschen Version unverständlicherweise nichts mehr übrig geblieben, denn der böse Wissenschaftler heißt hier Exorcio, während der Fürst der Finsternis auf den Namen Sartana hört. So reiht sich Howard Vernon, wenn man es genau nimmt, mit in die Reihe der Sartana-Darsteller Gianni Garko und George Hilton ein. ;-)

Zum zweiten Mal widmet sich Franco klassischem Grusel-Stoff, auch wenn dieser hier deutlich weniger ernst daher kommt wie noch drei Jahr zuvor „Nachts, wenn Dracula erwacht“, denn die Geschichte um Professor Frankenstein, der eine Armee Untoter mithilfe des hypnotisierten Dracula befehligen möchte und es neben einem Profession Seward auch mit einem Werwolf zu tun bekommt, ist deutlich trashiger angelegt.

Dennoch fängt Franco auch hier wieder beeindruckend atmosphärische Bilder ein: nebelverhangene Burgen, kalte Verliese, düstere Gänge, gotische Bauten. Die Tatsache, dass „Die Nacht der offenen Särge“ sich jeglicher Form der zeitlichen Einordnung entzieht, macht das Ganze noch interessanter. Während die ganzen Kulissen eher an das 15. Jahrhundert erinnern und auch Professor Seward nur mit Pferdekutsche unterwegs ist, kommt Professor Frankenstein mit einem Auto aus den 70ern an und in der alten Dorfschenke steht neben dem Kerzenleuchter, eine Jukebox.

Mag das simultane Existieren mehrerer Zeitebenen vielleicht eine Aussage über Klassik versus Moderne sein? Prüfet alles und behaltet das Gute! Ein Transfer der zeitgenössischen Lebenssituation in den Handlungszusammenhang der alten Universal-Grusel-Filme ohne dabei parabolisch vorzugehen. Diese Idee halte ich für eine sehr interessante, denn schon immer standen die alten Grusel-Romane von Merry Shelly oder Bram Stoker als Abbild der Gesellschaft, in der sie geschrieben wurden, in denen moralisch-ethische Fragestellungen aufgeworfen wurden, deren Beantwortung auf die aktuelle Zeit verwies. Warum also nicht direkt diese Elemente 1:1 mit in die Geschichte nehmen?
Brian Helgeland hat dies in „A Knight’s Tale“ auch schon gemacht, indem er die Stimmung auf den Ritterspielen zu Zeiten des 100jährigen Krieges durch moderne Musik versucht hat zu übersetzen. So brüllten dort die Zuschauer um 1300 „We will rock you“.

Franco scheint hier völlig frei von inszenatorischen Zwängen zu sein, was den Film auch deutlich einzigartiger macht, als es „Nachts, wenn Dracula erwacht“ war. Der ganze Film ist zum einen sehr trashig, verliert aber nie den Blick auf seine Vorbilder, die Klassiker aus dem Hause Universal bzw. aus der Stummfilmzeit. Der Film selbst wirkt fast wie einer solcher Stummfilm, denn abgesehen von dem Off-Kommentar, welchen es nur in der deutschen Version gibt, wird sehr wenig gesprochen.

Auch wenn „Die Nacht der offenen Särge“ sehr zahm daher kommt, kann er auf der reinen Handlungsebene durch seine Absurdität und auf der inszenatorischen aufgrund seiner Einzigartigkeit überzeugen.

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies)
PostPosted: 03.04.2019 17:35 
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roother wrote:
Franco scheint hier völlig frei von inszenatorischen Zwängen zu sein, was den Film auch deutlich einzigartiger macht, als es „Nachts, wenn Dracula erwacht“ war. Der ganze Film ist zum einen sehr trashig, verliert aber nie den Blick auf seine Vorbilder, die Klassiker aus dem Hause Universal bzw. aus der Stummfilmzeit. Der Film selbst wirkt fast wie einer solcher Stummfilm, denn abgesehen von dem Off-Kommentar, welchen es nur in der deutschen Version gibt, wird sehr wenig gesprochen.



Da hätten wir dann auch wieder die Verbindung zum expressionistischen Stummfilm der Weimarer Zeit und zur stilistischen Fortsetzung im US-amerikanischen Horrorfilm-Kino der Universal-Studios der 30er und 40er Jahre, wie man sie gerade in diesem Film besonders dezidiert findet; Markt-strategisch wäre vielleicht noch zu vermuten, dass die Paul-Naschy-Filme der damaligen Zeit - die ja recht erfolgreich im europäischen Kino waren - möglicherweise dabei ebenso eine Rolle für die Produktion dieser Franco-Monster-Parade gespielt haben könnten (ich denke dabei vor allem an "Die Vampire des Dr. Dracula", wo im Finale die Vampire auf den Werwolf treffen)...

dass Franco mit diesem Film - und den folgenden - sich von der klassischen Ikonographie des gotischen Horrorfilms (besonders von den Werken der Hammer-Studios) distanzieren wollte, hat er in vielen Interviews ja häufig betont - besonders der "nüchterne" Stil Fishers wurde von Franco abgelehnt...

so ist es dann auch kein Wunder, dass sich Francos Dracula-Figur weg von der Lugosi- oder Lee-Interpretation bewegt - und dafür das "Image" von John Carradines "Dracula" aus "House of Dracula" (USA 1945) als Referenzpunkt zu erkennen wäre...

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man könnte hier in Francos "Dracula" dann natürlich aber auch einen "vampirisierten" "Dr Orloff" sehen...

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Nacht der offenen Särge)
PostPosted: 19.11.2019 00:36 
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#28: Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren (1972)

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Ein Film, der mit ziemlich Sicherheit im Dunstkreis der Produktion von „Die Nacht der offenen Särge“ entstanden ist. Thematisch auf den ersten Blick ähnlich gelagert, präsentiert er sich jedoch eher als Giallo-Variation und weniger als klassischen Horror. Allein der Beginn, welcher aus der point-of-view des Täters sein Opfer beim Baden beobachtet oder die unbekannte Person im schwarzen Lederoutfit erinnern an klassische Gialli von Bava und Co.

Der Film selbst zeigt sich hierbei doch sehr ambivalent. Auf der einen Seite überzeugt Francos Inszenierung durch seine wunderschönen Landschaftsaufnahmen und das erotisch höchst interessante Spiel der bezaubernden Britt Nicols und Anne Libert. Auf der anderen Seite verliert sich Franco hier in völlig unnötigen, exzessiven Zooms und out-of-focus Nahaufnahmen, die teils so dicht an den Protagonisten sind, dass man überhaupt nichts mehr erkennt.

Man merkt dem Script natürlich die schnell heruntergekritzelte Art an, auch will die musikalische Untermalung hier nicht wirklich passen. So raubt die klimpernde Kindergartenmusik dem Auftritt des Grafen jegliche Bedrohung und wirkt eher lächerlich.
Was übrig bleibt ist eine für francosche Verhältnisse fast schon bodenständige, wenn nicht sogar etwas langweilige Inszenierung, die neben den tollen Landschaftsaufnahmen besonders durch die erotische Erscheinung der beiden Hauptdarstellerinnen noch einiges zu bieten hat

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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Nacht der offenen Särge)
PostPosted: 22.11.2019 16:20 
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Lieber roother,

schön, dass es mit der Franco-Werkschau jetzt weitergeht...

bei Deinem Urteil zu EINE JUNGFRAU... muss ich Dir recht geben; insgesamt "funktioniert" der Film nur wenig, wobei aber einige schöne Szenen (für mich besonders der Schluss in der Vampirgruft) dennoch vorzufinden sind...


roother wrote:
[align=center]#28: Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren (1972)

[...] Thematisch auf den ersten Blick ähnlich gelagert, präsentiert er sich jedoch eher als Giallo-Variation und weniger als klassischen Horror. Allein der Beginn, welcher aus der point-of-view des Täters sein Opfer beim Baden beobachtet oder die unbekannte Person im schwarzen Lederoutfit erinnern an klassische Gialli von Bava und Co.



Gerade bei der anfänglichen Szene hat sich Franco recht stark an Robert Siodmaks "The Spiral Staircase" orientiert, nämlich: immer beim Gegenschnitt, wenn das Auge im "close-up" zu sehen ist; ansonsten ist hier quasi ein Remake von "La mano de un hombre muerto" ins Drehbuch integriert worden, wobei einige Szenen (vor allem die "Giallo"-Sequenzen) zum Teil 1:1 übernommen werden sollten; die "Idee" war wohl, den Franco-Thriller mit einer Horrorfilm-Atmosphäre der Universal-Studios zu kreuzen (siehe etwa Universals DRACULA'S DAUGHTER!!!), was dann beim fertigen Film nicht geglückt ist, so dass die einzelnen Genre-Elemente sich nicht verbinden...

der Mörder beobachtet im Siodmak-Film...
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mein Tipp: bitte unbedingt den neuveröffentlichten "Cartes sur table", den es jetzt von Kino Lorber als BD gibt, anschauen...


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 Post subject: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren)
PostPosted: 30.11.2019 13:54 
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Hey Howard Vernon, schön wieder was von dir zu lesen. Deine Beiträge schätze ich nämlich sehr, da sie meinen Revies immer einige interesante Sichtweise hinzufügen.

"Cartes sur table" ist auf jeden Fall notiert

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