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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Verbrechen nach Schulschluss (1975)
PostPosted: 15.05.2015 10:40 
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● EPISODE I: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|1975)
mit Evelyne Kraft, Felix Franchy, Oliver Collignon, Pierre Franckh, Rita Waldenberger, Andras Nyiri, Angela Adams, Gary Parello
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Sie braucht ihn nur zu sehen und schon hat sie die Hand dazwischen«


Die 18-jährige Sabine ist der Renner in ihrer Klasse und für einige der aufmerksamen Mitschüler wird sie zur Projektionsfläche von erotischen Fantasien. Doch Sabine hat kein Auge für die unreifen Jungen aus ihrer Stufe, sie himmelt ausschließlich ihren Kunstlehrer Hannes Melzer (Felix Franchy) an. Weil sich insbesondere drei Klassenkameraden zurückgewiesen fühlen, wollen sie sich an ihr rächen. Unter einem Vorwand arrangieren sie ein Treffen in einer Villa, und setzen sie unter K.-o.-Tropfen, um Nacktfotos von der hübschen Schülerin zu machen, doch dann werden sie plötzlich gestört und die Situation gerät außer Kontrolle...

Wer bei dieser Produktion von 1975 etwa Parallelen zu Alfred Vohrers gleichnamigem Film aus dem Jahre 1959 erwartet, wird vielleicht nicht komplett enttäuscht sein, aber schließlich nicht sehr viele Gemeinsamkeiten ausfindig machen können. Thematisch gesehen bekommt der Zuschauer nur einige Erweiterungsmöglichkeiten aufgezeigt, und bezüglich des Produktionsjahres veranstaltete man natürlich ein vamp over, was im Klartext bedeutet, dass das Szenario mit ordentlich Zeitgeist angereichert wurde. Die Geschichte der ersten Episode wirkt wie ein guter Nährboden für ein potentielles Verbrechen und ist dem Empfinden nach deswegen auch schon dutzendfach abgehandelt worden. Allerdings darf man auch betonen, dass der Verlauf dieser ersten Episode durch seine Vorhersehbarkeit etwas statische und eintönige Formen annimmt, was den Eindruck zur Folge hat, dass einem die hier zum Tragen kommenden Schauwerte wie Augenwischerei vorkommen. Möglicherweise fällt "Verbrechen nach Schulschluss" auch vergleichsweise etwas ab, was jedoch nicht auf den gleichnamigen Vorgänger von Alfred Vohrer bezogen ist. Man stellt Vergleiche zu seinen vielen, hochinteressanten Produktionen der Vorjahre an und weist diesen Beitrag daher den schwächeren Gefilden zu. Nichtsdestotrotz bekommt man es mit absolut unterhaltsamem 70er-Jahre-Kino zu tun, welches auf seine ganz spezielle Art und Weise für viel Zustimmung sogen wird. Besetzungstechnisch hat man es für Vohrer'sche Verhältnisse definitiv mit einer zweiten Garnitur zu tun, jedoch offenbaren gezielte Blicke eine willkommene Präzision der Darsteller. Die aufregende Schweizerin Evelyne Kraft fungiert in Episode 1 als Auslöser für das "Verbrechen nach Schulschluss", wobei sie so inszeniert wurde, dass offensichtlich jeder auch während des Unterrichtes zu jedem Verbrechen bereit gewesen wäre.

Sie verbindet eine Art hautnahe Erotik mit dem Prinzip der Unschuld, und macht somit alle ihre Klassenkameraden verrückt und impulsiv. Aufgrund der knapp bemessenen Episoden-Spieldauer kommt es zu einem Blitzeinstieg sowie einem genau so schnellen Verlauf, in dem zwar alles Wichtige erklärt wird, aber wenig Raum für Feinheiten aller Art, aber vor allem tiefschürfendere charakterliche Zeichnungen ist. Aufgrund des aufkommenden Tempos wirkt dies nicht weiter störend, aber Vohrer fabrizierte somit auch nicht gerade einen Meilenstein. Der Plot wirkt für damalige Verhältnisse gut angepasst, oder besser gesagt recht aktuell, die wichtigen Momente werden von Charly Steinberger sehr spektakulär im Bilde festgehalten, so beispielsweise mit schönen Kaleidoskop-Einstellungen. Neben Evelyne Kraft als Zugpferd dieses ersten Teils, sieht man mit Felix Franchy einen guten alten Bekannten aus dem Reich der physischen Film-Expositionen, so dass er mit seiner bildschönen Partnerin auch glaubwürdige Arbeit leistet. Der persönliche, blanke Horror kommt in Gestalt eines wie üblich schrecklichen Pierre Franckh daher, der definitiv einer der Prototypen darstellte, um unwissend-unschuldige Schulmädchen glaubhaft zu belästigen. Der Verlauf ist stets darum bemüht, tragische Elemente zu fabrizieren, und diese tatsächlich entstehenden Fragmente auch zu transportieren, doch dass es letztlich kaum funktioniert, ist nicht der knapp bemessenen Zeit zuzuweisen, sondern einfach der vagen Bearbeitung. Lediglich die teilweise unter die Haut gehende, und immer gut abgestimmte Musik kann in dieser Beziehung deutlichere Akzente setzen. Die erste, ist also gemessen an den folgenden Episoden auch gleichzeitig die schwächste aus "Verbrechen nach Schulschluss" geworden, doch die hier vorhandene Oberflächlichkeit wird glücklicherweise von einem gierigen Monster namens Unterhaltungswert verlässlich aufgefressen.




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● EPISODE II: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|1975)
mit Teri Torday, Herbert Fleischmann, Achim Neumann, Maria Zürer
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Wir können doch auch rein freundschaftlich...«


Der Schüler Uli (Achim Neumann) trennt sich von seiner gleichaltrigen Freundin Betty (Maria Zürer), da er eine Affäre mit seiner wesentlich älteren Tante (Teri Troday) hat. Ihr Mann Gregor (Herbert Fleischmann) ahnt offenbar nichts davon, da ihn vollkommen andere Probleme quälen. Der Bankier hat sich verspekuliert und steht nun vor dem finanziellen Ruin. So kommt er auf die Idee, die Entführung seiner eigenen Frau inszenieren, die über sein Vorhaben eingeweiht wird. Auch seinen Neffen will er mit in die heikle Angelegenheit ziehen, doch plötzlich nimmt die Aktion eine fatale Wendung...

Episode II von Alfred Vohrers Spielfilm bewegt sich thematisch gesehen in eine vollkommen andere Richtung als der erste Teil. Genau betrachtet, hat die Angelegenheit um die Entführung und Lösegeldforderung kaum etwas mit dem Titel "Verbrechen nach Schulschluss" zu tun, denn es könnte sich auch um den Inhalt eines jeden beliebigen Kriminalfilms handeln. Lediglich die beteiligten Schüler stellen den nötigen Zusammenhang her. Muss man also sagen, dass dieses Plot-Fragment komplett deplatziert ist und thematisch versagt? Glücklicherweise kommt es nicht dazu, denn dafür wurde zu interessant inszeniert. Krimifreunde kommen hier sicherlich auf ihre Kosten, denn die Angelegenheit ist gut durchdacht und spannend geformt, auch wenn dieses Verbrechen sicherlich schon hundert mal abgehandelt wurde. Der große Vorzug von Episode zwei ist, dass sie am namhaftesten besetzt wurde und mit Herbert Fleischmann und der aus den "Frau Wirtin Filmen" in Deutschland sehr bekannten Ungarin Teri Torday die Zugpferde der Produktion präsentiert. Des Weiteren sieht man überzeugende Jungdarsteller, die trotz vielversprechender Leistungen unmittelbar im Anschluss wieder von der Bildfläche verschwanden. In diesem Teil bemerkt man am deutlichsten, dass Vohrer nicht nur Krimi-Spezialist war, sondern auch ein buchstäbliches Multitalent. Inszenierungsstil und Tenor wirken im Gegensatz zur vorhergegangenen und ebenso zur nachfolgenden Episode komplett unterschiedlich, sprechen folglich auch auf einer anderen Ebene, und mehrere Zuschauer gleichzeitig an. Vielleicht kann man trotz der kurzen Erotik-Einlagen davon sprechen, dass hier das konventionellste Stück entstanden ist, beinahe erinnern beispielsweise Handhabe oder Whodunit an seine späteren Arbeiten bei "Derrick". Auch hier ist zu sehen, dass aufgrund der bemessenen Spieldauer ein ordentliches Tempo entsteht.

Teri Tordays Star-Image war im Jahre 1975 sicherlich noch bedeutend mehr als eine Erinnerung, allerdings sieht man einen Einsatz unter verblassten, weil alternativen Umständen. Torday bringt im Grunde genommen gute Voraussetzungen für die glaubhafte Darstellung einer Upper-Class-Lady in den besten Jahren mit, gewürzt ist das Ganze mit Verve, aber auch Oberflächlichkeit, was man allerdings auch ihrem Repertoire vorwerfen kann. Als Größe des Erotik-Fachs durfte sie auch hier verhaltene Schauwerte zum Besten geben, was der Angelegenheit die nötige erotische Grundspannung verleiht. Alfred Vohrers Stammschauspieler Herbert Fleischmann interpretiert seine obligatorische Rolle als Geschäftsmann wie immer sehr überzeugend, und dem Zuschauer wird bei seinem kalkulierenden Wesen klar, warum sich seine gelangweilte Ehefrau nach alternativen Freizeitbeschäftigungen umschaut. Das schnell auftauchende Kompott zur Regulierung der angeschlagenen Finanzen wird von allen Beteiligten hastig angenommen, da sie ihren luxuriösen Lebensstandard in Gefahr sehen. Die auftauchenden Komplikationen sorgen für Tempo und begünstigen die Achtsamkeit des Zuschauers, so dass Episode zwei, die empfundenerweise irgendwie konträr zu Teil eins und drei abzulaufen scheint, versöhnlich verläuft, was ein willkommener Twist am Ende noch unterstreichen kann. Also hat man es im Endeffekt mit einem durchaus interessanten Fall zu tun, dessen straffe Inszenierung letztlich überzeugt. Dabei leisten die schön eingefangenen Bilder und die in der Erinnerung bleibende Musik erneut Basisarbeit. Abschließend ist zu sagen, dass diese Episode recht unterhaltsam ausgefallen ist, wenngleich sie den Titel wie erwähnt nur vage repräsentiert. Diese Tatsache ist aber nicht weiter schlimm, denn man hat es doch mit einem sehr schnörkellosen Vohrer zu tun, dessen Charakter manchmal sogar herrlich schäbig wirkt.




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● EPISODE III: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|1975)
mit Malte Thorsten, Sascha Hehn, Ute Willing, Janos Drapàl, Laszlo Peres
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Warum seid ihr alten Scheißer immer so vorlaut?«


Eine Motorradgang versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Die jungen Vandalen belästigen Leute, randalieren und sie reizt das Verbotene. Ihr Schreckensmonopol scheint jedoch eines Tages in Gefahr zu kommen, als sich ein vollkommen in rot gekleideter Motorradfahrer mit der Gang anlegt und Einzelne verfolgt. Hat der Unbekannte einen der Rocker gestellt, liefert er diesen der Polizei aus, nachdem er sie an ihre eigenen Motorrädern angekettet hat. Handelt es sich bei diesen Aktionen um einen privaten Rachefeldzug..?

Episode Nummer drei ist diejenige, die wohl am meisten an den damaligen Zeitgeist angeglichen wurde und vor allem die jüngere Generation angesprochen haben dürfte. Betrachtet man die verschiedenen Teile, so ist es wirklich begrüßenswert, dass sie sich komplett voneinander unterscheiden und somit Abwechslung innerhalb eines abgeschlossenen Films garantieren. Hier legte Alfred Vohrer vor allem Wert auf Action und Tempo, sowie reißerische Elemente, die das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers ansprechen sollen, und auch werden. Die Motorrad-Gang betreibt eine Schreckensherrschaft der Willkür, jeder der sie krumm anschaut oder etwas Kritisches anmerkt, wird Zielscheibe ihrer Zerstörungswut. Die Unberechenbarkeit geht insbesondere von ihrem Anführer aus, der von Vohrer-Schauspieler Malte Thorsten nicht uninteressant dargestellt wird. Insgesamt fallen die Halbstarken durch ihr Aggressionspotential und die Gewaltbereitschaft auf. Sie haben Zeit, und davon offenbar zu viel. Also wird der Langeweile mit Hochdruck entgegen gearbeitet, indem man Leute belästigt und fremden Eigentum, sowie fremde Gesichter zusammenschlägt. Die Regie legte hier offensichtlich großen Wert darauf, dass erst überhaupt kein Identifikationspotential aufkommt, und betreibt eine klassische Rollenverteilung in Gut und Böse. Der Sinn des Ganzen erschließt sich langsam und eine hohe Spannung wird bis zum überraschenden Finale aufrecht erhalten. Dem Empfinden nach ist die dritte Episode von "Verbrechen nach Schulschluss" am schwächsten besetzt, was möglicherweise an der ungewöhnlichen Rolle Malte Thorstens, und der naiv-glorifizierten Darbietung von Sascha Hehn liegt, der ohnehin ein spezieller Fall für sich ist. Es ist im Endeffekt schade, dass die Szenerie ansonsten nur von Laiendarstellern unsicher gemacht wird, die keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen können.

Glücklicherweise wurde im Gegenzug auf einen Hauch von Tiefe geachtet, damit diese Geschichte auch funktioniert. Kennt man die Vohrer-Filme "Und der Regen verwischt jede Spur" oder "Liebe ist nur ein Wort", in denen Malte Thorsten Hauptrollen übernommen hatte, so fällt es einem hier auf den ersten Blick schwer, ihn unmittelbar auszumachen, da in Sachen Optik quasi eine Kulturrevolution stattgefunden hat. Nichtsdestotrotz nimmt man dem Darsteller, der einst mit dem Filmband in Gold als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde, und der bereits 1977 seine Karriere beendete, seine ziemlich alternative Rolle in jedem Moment ab. In Sachen Tempo, Kamerafahrten und Bildgestaltung hat diese abschließende Episode sicherlich am meisten zu bieten, was man auch über die im Dunkeln liegenden Hintergründe der Taten sagen kann. Nimmt man hier schließlich alle drei Geschichten zusammen, hat man es richtiggehend mit einer kleinen Wundertüte zu tun, die allerdings durch Alfred Vohrer selbst ein wenig ausgebremst ist, da er seinen eigenen hohen, über lange Jahre gewohnten Qualitätsansprüchen nicht wie üblich genüge getan hat. Dies tut dem insgesamt und rundum gelungenen Spaß allerdings keinen Abbruch und fügt dem Reißer reinster Seele keinerlei Schaden zu. Auch hier kommen gut greifende Zutaten wie beispielsweise leichte Tragik zum Vorschein und runden ein anschauliches Gesamtergebnis ab. Wie nach jeder Episode hört man auch hier die mahnende Stimme des Gesetzes aus dem Off, die ganz in Manier der Justiz Gefängnisstrafen verhängt, somit gleichzeitig für eine deutliche Prognose sorgt. "Verbrechen nach Schulschluss" ist insgesamt ein hoch ansprechendes Sehvergnügen, bei dem es die vornehmste Aufgabe des Zuschauers bleibt, sich seinen persönlichen Lieblingsteil auszusuchen. Empfehlenswert; und für Freunde der Vohrer'schen Trickkiste sowieso!


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 Post subject: Jet Generation - Wie Mädchen heute Männer lieben (1968)
PostPosted: 16.05.2015 01:08 
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JET GENERATION

● JET GENERATION - WIE MÄDCHEN HEUTE MÄNNER LIEBEN (D|1968)
mit Dginn Moeller, Roger Fritz, Jürgen Draeger, Uta Levka, Isi ter Jung, Yella Bleyler, Lukas Ammann, Rainer Basedow, Elke Hart
und als Gäste Margot Trooger, Jürgen Jung, Werner Schwier
eine Roger Fritz Filmproduktion | im Alpha Filmverleih
ein Film von Eckhart Schmidt


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»Ob du mich liebst, willst du wohl nicht gefragt werden?«


Die Amerikanerin und Millionärstochter Carroll Buchheim (Dginn Moeller) reist nach München, um ihren Bruder Dirk zu besuchen. Vor Ort muss sie erfahren, dass er bereits seit einigen Monaten spurlos verschwunden ist und es fehlen bislang Anhaltspunkte über seinen Verbleib. Carroll begibt sich nun selbst auf die Suche nach ihrem Bruder und sie beginnt Leute zu befragen, die ihn gekannt haben. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf den bekannten Modefotografen Raoul Malsen (Roger Fritz), der ein Freund des Vermissten gewesen sein soll. Der selbstverliebte Raoul scheint etwas zu verbergen, doch gleichzeitig übt er auch eine hohe Anziehungskraft auf die hübsche Amerikanerin aus. Sie beginnen eine Affäre, doch Carroll ist nicht die einzige Frau in seinem Leben, denn er sucht sich Abwechslung, wo er nur kann. Liegt die Lösung des spurlosen Verschwindens von Dirk tatsächlich bei Raoul Malsen..?

Eckhart Schmidt inszenierte mit "Jet Generation" sein Spielfilmdebüt. Der Jung-Regisseur formte einen Beitrag, der über weite Strecken ambitioniert wirkt, man kann deutlich spüren, dass ein frischer Wind im Szenario weht, und insgesamt wirkt der vermeintlich kritische Blick auf die Münchner Schickeria einerseits sehr interessant und modern, andererseits allerdings auch ziemlich vermessen, da gesellschaftliche Konventionen hier nicht aufgeweicht werden können. Der Zusatz "Wie Mädchen heute Männer lieben" wird als kompletter Umkehrschluss dargestellt, da nichts anderes als der Blickwinkel des Mannes transportiert wird. Die Zeichnungen der Frau von heute wirken trotz frischer Bilder, teilweise alternativer Ansichten und nacheiferungswürdigen Darstellungen konventionell und vollkommen uniform. Gibt es also nichts Neues zu sehen? Mitnichten, denn der Verlauf ist auf ein permanentes Hin und Her angelegt, welches in der Tat so simpel und vorhersehbar angelegt ist, dass es trotzdem begeistern kann, vor allem auch, weil der Film so hervorragend fotografiert und ausgestattet ist. Die mit Abstand größte Faszination geht von der schönen Dginn Moeller aus, die man hier leider in ihrem ersten und einzigen Film bewundern kann. Moeller macht hier eine blendende Figur und sie vermittelt eine sehr hohe Glaubwürdigkeit, was kein Wunder ist, denn sie war tatsächlich professionelles Model. Die Suche nach ihrem verschwundenen Bruder gestaltet sich zunächst als sehr resolut, verkommt im weiteren Verlauf allerdings zur Nebensächlichkeit, da der Fokus auf die sich schnell anbahnende Beziehung zwischen ihr und Raoul gelegt wird. Dramaturgie und Regie degradieren alle beteiligten Damen insgesamt zu Staffage und schön anzusehenden Hüllen, so dass der Titel des Films einen beinahe ironischen Sinn bekommt. In diesem Zusammenhang fällt der ohnehin zynische Blick auf Jet Set und die oberflächliche Schickeria auf, ohne jedoch zu einem nachhaltigen Fazit zu kommen. Carroll jedenfalls, die anfangs wie ein personifizierter Vorwurf wirkte, mit versteinerter Mimik und einem kalten, observierenden Blick auffiel, wird durch Roger Fritz nicht nur aufgeweicht, sondern unglücklicherweise entzaubert.

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Sagen wir einfach, dass es für den glaubhaften Zusammenhalt der Konstruktion erforderlich war. Der Hauptdarsteller jedenfalls zieht hier einige Register, und konstruiert eine Art egozentrischen Mikrokosmos, den man ihm zu jeder Zeit abnimmt. Hin und her, Katz und Maus, Ja und nein; in seiner Unberechenbarkeit bleibt er jedenfalls absolut berechenbar. Als neue Gespielin hat er sich Carroll auserkoren, denn sie ist schön und das genügt. Sie ist sogar so anziehend, dass er sich unbequeme Fragen gefallen lässt und einige Kapriolen obendrein. Aber Spielzeuge langweilen den Modefotografen sehr schnell, so dass immer wieder neue herbeigeschafft werden müssen. So hört man ihn beispielsweise bald sagen, als er eine flüchtige Bekanntschaft treffen will: »Ich hab die Absicht mit ihr zu schlafen. Falls du nichts dagegen hast.« Carrolls Blick verrät, dass sie ganz offensichtlich etwas dagegen hat, doch die Beziehung hat erneut ein Stadium der Erniedrigung und Demütigung erreicht. Ist es die übliche Masche eines unverbesserlichen Playboys, oder möchte er die Frau mit den unbequemen Fragen nach dem Verbleib ihres Bruders nur loswerden? Der Verlauf wird jedenfalls um eine schleppende Erklärung bemüht sein. Weitere willkommene Darbietungen sieht man unter Anderem von Jürgen Draeger, der wie ein Lakai von Malsen agiert, oder agieren muss, auch Uta Levka sieht man erneut vollkommen in ihrem Element, als aufreizende Frau eines jeden anderen, außerdem bekommt man noch einen merkwürdigen Gastauftritt der großartigen Margot Trooger geboten, die man ungewöhnlicherweise fernab ihres typischen Rollenfachs als Frau aus dem bürgerlichen Milieu sieht. "Jet Generation" bietet so gut wie keine Schauwerte im expliziten Sinne, sondern beschäftigt sich vornehmlich mit dem Schein und Sein der affektierten Clique, die sich ganz offensichtlich selbst erfunden hat. Große Offenbarungen, hieb- und stichfeste Offensiven, oder gar Enthüllungen wird es hier letztlich leider nicht in Hülle und Fülle geben, auch wer auf einen kriminalistischen Inhalt spekuliert, wird nicht fündig, aber dennoch funktioniert Eckhart Schmidts Film einwandfrei im Sinne von kurzweilig-ansprechender Unterhaltung und feiner, visueller Berieselung. Ein aussagekräftiges Aushängeschild der späten Sechziger!


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 Post subject: Star Maidens - Begegnung zwischen den Sternen (1977)
PostPosted: 17.05.2015 12:23 
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DIE MÄDCHEN AUS DEM WELTRAUM - BEGEGNUNG ZWISCHEN DEN STERNEN

mit Christian Quadflieg, Pierre Brice, Gareth Thomas, Derek Farr, Christiane Krüger, Judy Geeson, Lisa Harrow und Dawn Addams
eine deutsch-britische Gemeinschaftsproduktion der Jost Graf Hardenberg & Co. | Portman Productions Ltd.
ein Programm der Werbung im Rundfunk
Regie: Freddie Francis


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Nach langen Verhandlungen zwischen den Behörden der Erde und den Verantwortlichen der Medora, wird der Austausch der Geiseln sowie der Flüchtige vorbereitet. Man will sich zwischen den Planeten treffen. Doch es kommt zu Turbulenzen da der Kontakt immer wieder gestört wird. Sowohl auf der Medora als auch auf der Erde kommen nicht zu identifizierende Funksprüche an, und auf beiden Seiten bestätigt sich der Verdacht, dass es sich um ein fremdes Raumschiff handeln muss. Ossrawa, die Hauptlenkerin für Sicherheit, ist genau wie die Hauptlenkerin für Allgemeines, Brisba, in großer Sorge, doch die Aktion muss unbedingt so schnell wie möglich durchgeführt werden, da es der große Rat angeordnet hat. In der Zwischenzeit bekommt Schemm beim Anhören der Funksprüche eine Art Anfall und prophezeit, dass man die Medora retten müsse. Während der gefährlichen Austauschaktion bewahrheiten sich die Befürchtungen: Der Erzfeind aus dem früheren Sonnensystem hat die Medora aufgespürt und möchte sie endgültig vernichten...

Die letzte, und dreizehnte Folge bedient sich einer einfachen Methode. Um die Annäherung zwischen den Welten, die bislang immer nur angedeutet wurde, perfekt zu machen, bediente man sich einer fremden Gefahr, die man gemeinschaftlich ausschalten muss. Schon früh konstruiert Freddie Francis hier eine sehr bedrohliche Atmosphäre, die visuell und akustisch gut funktioniert, letztlich tragen aber die Darsteller einen Großteil dazu bei, die Spannung zu transportieren, man kann die Gefahr in ihren Gesichtern buchstäblich ablesen. Das Interieur des feindlichen Raumschiffes wirkt sehr verspielt, unzählige Knöpfe und Signale blinken, es scheint, als sei die fremde Macht nicht nur wegen ihrer Angriffslustigkeit, sondern auch wegen ihres hoch technisierten Standards der Medora weit überlegen. Was dort abläuft wird sogar manchmal unfreiwillig komisch, da die Computer nicht nur alles analysieren und abhören, sie erteilen sich mit energischen Stimmen auch gegenseitig Befehle. Der Schrecken bekommt zwar kein bestimmtes Gesicht, aber die Darstellung zeigt sich auf hohem Niveau. Eine Person geht im feindlichen Raumschiff umher und führt die Befehle aus. In einen schwarzen Mantel gehüllt, sieht der Zuschauer nie das Gesicht, das Wesen trägt schwarze Handschuhe und hat nur drei Finger, weiß sich in seiner Silhouette ansonsten aber kaum von einem Menschen zu unterscheiden.

Darstellerisch bekommt der aufmerksame Zuschauer in "Begegnung zwischen den Sternen" wieder alles geboten, wie man es aus dem Gesamtgeschehen heraus gewöhnt war. Besonders Judy Geeson und Christiane Krüger stechen nochmals in ihrer Körpersprache hervor und zeichnen ihre Charaktere überaus glaubhaft bis zum Schluss. Allerdings ist nun auch endgültig erkennbar, dass es sich bei den überstarken Frauen auch nur um Menschen handelt, die bei dem bevorstehenden Angriff beinahe die Fassung verlieren und sich nicht zu helfen wissen, da Angriff und die damit verbundene Planung nicht in ihrer Natur liegen. Wie gut, dass schließlich Christian Quadflieg und Pierre Brice zur Hilfe eilen werden, um das Kommando zu übernehmen. Lange mussten sie warten, dürfen nun aber die Befehle erteilen. Ob die Operation unter diesen Voraussetzungen unter einem guten Stern steht, muss sich erst herausstellen, aber übrig bleiben schon einmal faszinierte und beeindruckte Frauen die sich, mit ihren eigenen Befehlen und der Art mit dem schwachen Geschlecht umzugehen, sicherlich mäßigen werden. Dawn Addams als oberste Lenkerin hat in der letzten Folge nur noch wenige Einstellungen, begeistert aber wieder einmal mit ihrem anmutigen, besonnenen Wesen und ihrer beeindruckenden Ausstrahlung. Tempo, Spannung und Gefahr, aber auch Sinneswandel, Kooperation und Lernen bilden diesen schönen Abschluss der Weltraummädchen und nach der Beendigung der Folge wird man den Eindruck nicht los, dass vielleicht noch Fortsetzungen geplant waren. Schade, dass dies nicht der Fall war, denn die Serie hat insgesamt wirklich großen Spaß gemacht. Das Fazit dürfte wohl folgendes sein: Woanders ist es vermutlich auch nicht leichter oder wesentlich besser als auf der guten alten Erde.


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 Post subject: Il medaglione insanguinato (1975)
PostPosted: 18.05.2015 11:42 
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IL MEDAGLIONE INSANGUINATO

● IL MEDAGLIONE INSANGUINATO - PERCHÉ / THE NIGHT CHILD (I|GB|1975)
mit Richard Johnson, Joanna Cassidy, Nicoletta Elmi, Edmund Purdom, Dana Ghia sowie Ida Galli und Lila Kedrova
eine Produktion der Italian International Film | Magdalena Produzione
ein Film von Massimo Dallamano


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»Where did you get that medallion?«


Michael Williams (Richard Johnson), ein englischer Journalist und Produzent von Dokumentationen, soll in Spoleto einen Film über die Darstellungen von Teufeln und Dämonen in der Kunst drehen. Er nimmt seine Tochter Emily (Nicoletta Elmi) und deren Kindermädchen Jill (Ida Galli) mit auf diese Reise. Emily soll den schrecklichen Tod ihrer Mutter (Dana Ghia) vergessen, doch die Dinge beginnen sich ganz merkwürdig zu entwickeln. Das Mädchen legt Verhaltensweisen an den Tag, die alle Beteiligten verwirren, nachdem Michael die Bekanntschaft mit der eigenartigen Contessa Cappelli (Lila Kedrova) gemacht hat. Fortan hat Emily eigenartige Visionen und Tagträume, die in Verbindung mit einem Medaillon stehen, das ihr Vater einst ihrer Mutter schenkte. Auch sieht sie sich selbst in Situationen der Verfolgung, allerdings liegen diese Szenen zwei Jahrhunderte zurück, und werden im Detail auf einer Malerei gezeigt, die für die Dokumentation ihres Vaters relevant ist. Die Contessa warnt Michael eindringlich, Spoleto so schnell wie möglich zu verlassen, da er das Unheil sonst nicht mehr aufhalten könne. Doch er reagiert zu spät, denn der erste Mord ist bereits geschehen...

Mit 'The Night Child' hat man es mit einem hochinteressanten Beitrag von Massimo Dallamano zu tun, welcher lange Zeit nicht preisgibt, in welche Richtung es genau gehen wird. Zunächst liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Art Exorzisten-Interpretation handeln könnte, und als Nicoletta Elmi nach geraumer Zeit ähnliche Zustände bekommt wie Linda Blair in "Der Exorzist", fühlt man sich schließlich bestätigt. Doch es handelt sich dabei nur um wenige Sequenzen und der Film Zeigt eindrucksvoll, dass er in eine völlig andere Richtung gehen möchte, und dies auch tun wird. Das übersinnliche Thema ist alles andere als uninteressant, und die geheimnisvolle Umsetzung macht insgesamt eine große Überraschung aus diesem traumwandlerischen Film, der vielleicht hin und wieder ein zu behäbiges Erzähl-Tempo mit sich bringt, aber seine relativ komplexen Inhalte langsam in kunstvoller Façon präsentiert. Es gibt keinen einzigen Tropfen Blut zu sehen, keine unnötigen Abartigkeiten, die sparsamen Effekte sind wohl dosiert und der Gesamteindruck vermittelt eine gewisse Raffinesse. Das Sahnehäubchen des kompletten Films ist das wunderschöne und idyllisch wirkende Musik-Thema von Stelvio Cipriani, das in verschiedenen Variationen jeden einzelnen Moment hervorragend unterstützt, und einen spürbaren Kontrast zum Geschehen darstellt. Nach dem Anschauen bleibt es noch Tage lang in den Gedanken hängen. Als solide Verstärker im Rahmen der Überzeugungskraft hat sich eine hervorragende Besetzung versammelt.



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Richard Johnson sieht man als Witwer, der sich offenbar mit Arbeit ablenkt, und für den es seit dem Tod seiner Frau nur noch seine Tochter gibt. Vielleicht fehlen ihm daher auch die Antennen für die stille Liebe von Emilys Gouvernante ihm gegenüber. Als er Joanna Morgan kennen lernt, die ihm für seine Dokumentation zur Verfügung steht, wendet sich das Blatt und die beiden beginnen eine überschnelle Affäre miteinander. Richard Johnson spielt mehr als solide, seine schöne Partnerin Joanna Cassidy sogar leichtfüßig, und als Hauptrollen hinterlassen die beiden einen sehr guten Eindruck, auch wenn sie im Geschehen immer wieder von einer omnipräsenten Nicoletta Elmi überlagert werden. Sie stellt ohne jeden Zweifel DAS böse und unberechenbare Gesicht des zeitgenössischen Genre-Kinos dar. Diese Mischung aus unschuldiger Erscheinung und potentieller Gefahr ist schon erstaunlich. Ein wirklich schreckliches Kind, das einen das Fürchten lehren kann, da man in keiner Sekunde ahnt, was sie als nächstes tun wird. Ihre Szenen sind hervorragend dargestellt und perfekt choreografiert worden. Ida Galli als Kindermädchen wirkt bieder und blutleer, es ist kein Wunder, dass sich ihr Chef nicht für sie interessiert. Die Italienerin spielt wie immer glaubhaft und erfreut besonders in ihren Szenen, in denen sie zu Temperament und Reaktion gezwungen wird. Die großartige Dana Ghia bekommt man lediglich in wenigen Momenten zu Gesicht, die als Rückblenden angelegt sind. Auffällig dabei ist die Optik, denn sie unterscheidet sich äußerlich kaum von ihrer Kollegin Ida Galli. Eine weitere großartige Figur stellt Lila Kedrova als mysteriöse Gräfin dar, die wie eine Botin des unabwendbaren Unheils wirkt. Ihre Vorahnungen schweben wie ein Fluch über der Geschichte, und über sie wird letztlich auch eine subtile Spannung aufgebaut. Ein ausgewogenes Ensemble!

'The Night Child' wird dank der unkonventionellen aber auch kompetenten Regie von Massimo Dallamano zu einem Volltreffer. Mangels Effekthascherei entsteht sogar manchmal die eigenartige Empfindung, die in Richtung Plausibilität des Ganzen geht, wenn auch nur im relativen Sinne. Die Inszenierung gleicht oft einem Traum, der sich einerseits kunstvoll präsentiert, andererseits aber auch aus dem Nichts seine bösen Hände nach den beteiligten Personen ausstrecken kann. Die dazu angefertigten Sequenzen können oftmals weder von den Protagonisten, noch vom Zuschauer richtig auseinander gehalten werden. Ein Labyrinth aus Traum und Wirklichkeit, was trotz mäßigen Tempos fesseln kann. Vom Prinzip her erinnert das Konzept an den unter der Regie von James Kelly, im Jahre 1972 entstandenen Film "Diabolisch", wobei sich angesichts einer Genre-Zugehörigkeit auch wieder nur schwer Parallelen finden lassen. Insgesamt erteilt "Il medaglione insanguinato" eine kleine Lehrstunde im Bereich der Optik, denn die Kamera-Arbeit ist ausgezeichnet und begünstigt immer wieder aufkommende Spannung, die selbst in Sequenzen der vermeintlichen Ruhe aufkommt. Viele Zooms lassen die Personen oder deren Emotionen hautnah erscheinen und ungewöhnliche Perspektiven sorgen für den kleinen Thrill. Des Weiteren kann es nicht oft genug betont werden, wie wichtig die Musik von Stelvio Cipriani für diese Produktion ist. Dass die Dialoge doch recht einfach ausgefallen sind, oder die Absturz-Szenen einiger Personen selbst für Mitte 70er Verhältnisse miserabel erscheinen, ist nicht weiter schlimm, denn es wird weitreichend versucht, höhere kognitive Ebenen anzusprechen. Ein Film voller Symbolik, Visionen und Metaphorik, voller Schönheit und Sinnlichkeit, aber auch brodelnder Gefahr und Nachdenklichkeit, darüber hinaus exzellent choreografiert und fotografiert, was will man eigentlich mehr? Ein Volltreffer der eindeutigsten Sorte!


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 Post subject: Ein toter Taucher nimmt kein Gold (1974)
PostPosted: 23.05.2015 14:25 
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EIN TOTER TAUCHER NIMMT KEIN GOLD

● EIN TOTER TAUCHER NIMMT KEIN GOLD (D|1974)
mit Horst Janson, Monika Lundi, Sandra Prinsloo, Marius Weyers und Hans Hass Jr.
eine Produktion der Rapid Film | Terra Filmkunst | TV 13 | im Constantin Filmverleih
nach dem gleichnamigen Roman von Heinz G. Konsalik
ein Film von Harald Reinl


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»30 Meter unter Wasser kann doch mal ein Unfall passieren...«


Die drei Deutschen Hans (Horst Janson), Peter (Hans Hass Jr.) und Ellen (Monika Lundi) geraten auf ihrer Suche nach Abenteuern in einen rätselhaften Mordfall. Die letzten Worte des Sterbenden führen die Freunde zu einer alten Karte, die den Weg zu einem unermesslichen Goldschatz, eines vor mehreren hundert Jahren gesunkenen, spanischen Segelschiffes weisen soll. Da keiner der drei über Tauchkenntnisse verfügt, geraten sie an den angeblichen Tauchlehrer René Chagrin (Marius Weyers) und dessen Freundin Pascale (Sandra Prinsloo), mit denen sie ein Geschäft aushandeln und gemeinsam in See stechen wollen, um den Schatz zu heben. Mit einem kleinen Bergungsschiff finden sie die markierte Stelle und das Abenteuer kann beginnen. Schnell kommt es allerdings zu einigen gefährlichen Zwischenfällen unter Wasser und Spannungen unter den Mitgliedern der Bordcrew, außerdem lauern auf hoher See Gefahren, mit denen keiner gerechnet hätte...

Dieser Spät-Reinl stellt thematisch eine recht gelungene Allianz zwischen Abenteuerfach und Kriminalgenre dar, dem zunächst einmal ein hoher Unterhaltungswert bescheinigt werden kann. Vergleichsweise fehlen jedoch obligatorische und charakteristische Feinheiten des Regisseurs, und selbst wenn man sich hier weitgehend dem Zeitgeist beugen wollte, ist die Geschichte um einen immensen Goldschatz, Mord und tödliche Gefahren eigentlich doch zu konservativ ausgefallen. Im Grunde genommen bekommt der Zuschauer eine gepflegte Erzählstruktur geboten, die mit diversen Action-Einlagen und einkopierten, beunruhigenden Bildern der ansässigen Fauna für Spannungsmomente und Steigerungen des Tempos sorgen kann. Leider bekommt man die Charakterzeichnungen, trotz sehr guter darstellerischen Leistungen, ohne Feinschliff auf einem Silbertablett serviert, so dass sich trotz einiger mühsam konstruierter Überraschungen eine ungünstige Vorhersehbarkeit im Schiffsbug breit macht. Also ist der geneigte Zuschauer letztlich eher gewillt, der ganzen Veranstaltung einen klaren Aufbau zu bescheinigen, der mit aussagekräftigen Bildern und insbesondere herausragenden Unterwasser-Aufnahmen ausstaffiert worden ist. Die Produktion transportiert von Anfang bis Ende einen gewollt prosaischen Charakter, was der Geschichte eigentlich ganz gut steht, allerdings gibt es in diesem Sinne auch keine wirklichen Überraschungen. Die Dramaturgie wirkt daher wie ein Diktat, der Verlauf wie vorprogrammiert. Diese Kritik soll bei "Ein Toter Taucher nimmt kein Gold" ruhig erwähnt sein, denn es gibt hier zahlreiche Erklärungen für den damaligen wirtschaftlichen Misserfolg von Harald Reinls Film. Möglicherweise kann man hierbei auch die Besetzung deutlicher unter die Lupe nehmen, die auf den ersten Blick einfach nicht ein Happening der Zugpferde versprechen möchte. Zu ihrer Verteidigung sei allerdings direkt vorweg genommen, dass die zwar nur relativ übersichtliche Anzahl an Schauspielern dennoch eine tadellose Vorstellung liefert.



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Mit Horst Janson und Monika Lundi, sowie den Südafrikanern Marius Weyers und Sandra Prinsloo, hatte man zwei Paare des realen Lebens mit an Bord, was sich im Sinne einer offensichtlichen Vertrautheit durchaus positiv bei der Interaktion äußert. Insgesamt gesehen, spielen sich die Darbietungen jedoch zu sehr in vorgefertigten Schablonen ab, der gerne gesehene Hans Hass Jr. reiht sich dabei bedingungslos in die Riege ein. Dennoch vermag es jeder Beteiligte, auf seine bestimmte Art und Weise überzeugend zu sein. Wo bei den Herren eine eher empfundene Gleichheit bezüglich der Stärke und Konturen innerhalb der Rollen besteht, vernachlässigte man die attraktive Monika Lundi zugunsten der ebenfalls bemerkenswert schönen Sandra Prinsloo, im Vorspann übrigens als Sandra Prinzlow angekündigt, die ein Fließband an Großaufnahmen anvertraut bekam. Schaut man sich die Südafrikanerin genau an, so handelt es sich bei ihr quasi um ein ganz klassisches Reinl-Gesicht, welches Merkmale aufweist, die in den Filmen des Regisseurs häufiger in Erscheinung treten sollten. Im Rahmen der Action-Einlagen sind es hier interessanterweise die Frauen, die mehr auf die Tube drücken dürfen, Monika Lundi und Sandra Prinsloo, lediglich ausgerüstet mit Bikinis und Maschinenpistolen, ziehen die Aufmerksamkeit in diesen Szenen schon mehr als fordernd auf sich. Musikalisch bekommt man einen Rundumschlag durch das Schacht-Musikarchiv geliefert, die Szenerie wird beispielsweise mit bekannten Klängen aus den Filmen "Der Schatz der Azteken", "Das siebente Opfer" oder "Das gelbe Haus am Pinnasberg" angereichert, was auf der einen Seite einen angenehmen Wiedererkennungswert mit sich bringt, aber andererseits auch nichts Neues offeriert und den Verdacht von Sparsamkeit aufkommen lässt. Nichtsdestotrotz ist die Angelegenheit insgesamt als wirklich gelungen zu bezeichnen, der komplette Verlauf leistet sich so gut wie keine nennenswerten Längen, die Dialoge bleiben im Ohr, aber vor allem die Bildgestaltung ist hervorragend geworden, die durch den Wechsel zwischen teilweise schäbigen Sets mit beispielsweise hochwertigen Unterwasseraufnahmen ein gelungenes Profil der Produktion hergeben. Ein Schuss verkappte Romantik und ein Spritzer Tragik runden "Ein Toter Taucher nimmt kein Gold" angemessen ab, und es bleibt zu betonen, dass man diesem recht ungewöhnlichen Reinl'schen Reißer durchaus einmal eine Chance einräumen darf.


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 Post subject: Das Rätsel des silbernen Halbmonds (1971)
PostPosted: 17.06.2015 19:38 
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Antonio Sabato   Uschi Glas   Marisa Mell   in

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DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS / SETTE ORCHIDEE MACCHIATE DI ROSSO / SEVEN BLOOD-STAINED ORCHIDS (D|I|1971)
mit Petra Schürmann, Ella Falk, Marina Malfatti, Renato Romano, Claudio Gora, Gabriella Giorgelli, Franco Fantasia, Bruno Corazzari und Pier Paolo Capponi
eine Co-Produktion der Rialto Film Preben Philipsen | Flora Film | National Cinematografica | im Constantin Filmverleih
ein Film von Umberto Lenzi


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»Vielleicht bist du es gewesen!«


Ein rätselhafter Mord erschüttert Rom. Eine junge Prostituierte (Gabriella Giorgelli) wird auf einem Parkplatz brutal ermordet, und am Tatort findet die Polizei in ihrer Hand das Medaillon eines silbernen Halbmonds. Zum Täter gibt es keine Hinweise. Kurz darauf geschehen weitere entsetzliche Morde an Frauen, und jedes Mal hinterlässt der Killer sein Markenzeichen. Welche Verbindung besteht zwischen den Ermordeten? Als auch Giulia (Uschi Glas) während ihrer Hochzeitsreise von dem Täter überfallen wird, tappt die Polizei vollkommen im Dunkeln da sich kein Zusammenhang herleiten lässt. Mario (Antonio Sabato), der Mann von Giulia, versucht dem Täter auf eigene Faust auf die Schliche zu kommen und kann nach kurzer Zeit bereits einige Zusammenhänge aufdecken, doch der Mörder ist gewarnt und attackiert auch Mario...

Eine Reihe von leichten Damen wartet auf einem Parkplatz auf gute Gelegenheiten, die Finanzen merklich aufzubessern, und plötzlich fährt eine schwarze Mercedes-Limousine vor, in die das erste Opfer des Halbmond-Mörders einsteigt. Unter einer Brücke soll das Geschäft stattfinden, und noch bevor sich die nichtsahnende Marcella vollkommen entblößen kann, gibt es ein böses Erwachen, beziehungsweise gar keins mehr. »Na, gefalle ich dir nicht?«, fragt sie ihren Kunden erwartungsvoll, doch dieser hat alles andere als sein Vergnügen im Sinn. Er massakriert sie mit einer Machete und lässt sein Markenzeichen, den silbernen Halbmond zurück. Bereits in den ersten Szenen präsentiert Regisseur Umberto Lenzi seinen Film in sehr eindeutigen, beziehungsweise prosaischen Bildern und setzt dabei auf konsternierende Erlebnisse. Da die Constantin Film diesen Beitrag unter dem Edgar-Wallace-Banner vermarktete, waren es der Schocks wohl doch ein bisschen zu viel für die empfindlichen Gemüter zahlreicher treuer Fans der Serie, so dass sich der Film, zumindest in der Bundesrepublik, keines großen Zuspruches erfreuen durfte. Das Konzept des Beitrags bietet mehrere Vorteile in einem. Der Zuschauer bekommt einen packenden Thriller geboten, darüber hinaus einen hervorragenden Giallo, außerdem handelt es sich um einen spannenden, mit neuen Impulsen angereicherten Überraschungscoup innerhalb der langjährigen Wallace-Reihe. Nimmt man "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" als Giallo, so fährt man vermutlich am besten mit dieser beklemmenden Angelegenheit. Umberto Lenzi legt den Fokus auf eine größtenteils unmissverständlich wirkende Bildsprache, die Geschichte an sich wirkt lange nicht so weit hergeholt wie in vergleichbaren Produktionen, auch der Aufbau ist sehr gut strukturiert und durchdacht worden, so dass Komponenten wie Spannung, Tempo und sogar Tragik deutliche Konturen liefern.



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Das Prinzip des Serienmordes garantiert eine lange, im Dunkeln liegende Geschichte mit tiefen Abgründen und ein regelrechtes Mitfiebern mit den Haupt- und Nebenpersonen, nach deren Leben ein Unbekannter trachtet. Die üppige Besetzungsliste und die recht ausgefeilte Dramaturgie liefern genügend Tatverdächtige, auch dass der Mörder hier offensichtlich keine unnötige Zeit verliert, vermittelt ein ganz klassisches Zeitdiktat. Lenzis Spielfilm hat im Gegensatz zu den im gleichen Jahr entstandenen "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" insbesondere im Rahmen der Crew kaum mehr Züge der obligatorischen, deutschen Herangehensweise zu bieten, was diesen Beitrag nicht nur zusätzlich von seinem Konkurrenten trennt, sondern ihn auch im Sinne der kriminalistischen Herangehensweise alternativ dastehen lässt, weil der Gerechtigkeit im Grunde genommen nicht Genüge getan wird. Dieser Spritzer Tragik tut dem Verlauf sehr gut und unterstreicht den Eindruck, dass man es mit sehr interessanten Charakteren zu tun hat, wobei man von einem Brillantschliff zugegebenermaßen weit entfernt ist. Das Prinzip, einen privaten Ermittler zu integrieren, erweist sich stets als gerne genommene Variante, da es sich in der Regel um einen der Sympathieträger der jeweiligen Produktion handelt, und diese Personen dem Zuschauer meistens näher sind, als sachlich und steril agierende Urgesteine der Polizei, deren Rolle auch hier zugunsten der Protagonisten untergeordnet wurde. Der Polizeiapparat und ganz Rom steht vor einem Rätsel, Anhaltspunkte werden mühsam wie in einem Puzzlespiel zusammengetragen, bis sich erste Erkenntnisse manifestieren. Jedoch wird diese verstreichende Zeit ihre Opfer fordern und die Mordszenen wurden spektakulär, und reichlich brutal in Szene gesetzt. Serienmord bedeutet nicht gleichzeitig, dass es sich immer um die selbe Vorgehensweise handeln muss, nur der silberne Halbmond wird als Markenzeichen hinterlassen um eine Kausalität zu demonstrieren.

Das Ziel ist der Tod, jedoch beinhaltet der Weg dort hin eine, für den Mörder wichtige Kleinigkeit. Er will seine Opfer vorher quälen, er möchte, dass sie vorher mit ihm konfrontiert werden. Der Halbmondmörder will die Todesangst sehen um im Rahmen der Rache Genugtuung verspüren zu können. In diesem Zusammenhang sind die sehr nüchtern, und nicht minder atmosphärischen Ermordungsszenen zu erwähnen und natürlich die beteiligten Schauspielerinnen. Umberto Lenzi beweist hierbei eine gute Dosierung im Spektrum der Vorgehensweise. Manche Morde werden nahezu exemplarisch auf einem Silbertablett serviert, gepfeffert mit einigen Gewaltspitzen und brutalen Details. Auf der anderen Seite sieht man bestimmte Tathergänge nicht, so dass sie sich in der Fantasie abzuspielen haben, was unter Umständen noch viel intensivere Blüten treiben wird. Die Chronologie des Todes eröffnet die Prostituierte Marcella, gespielt von der überaus attraktiven Gabriella Giorgelli, die ein ziemlich erbarmungsloses Ende finden wird. Die Tatsache, dass sie wenig später als einfaches Mädchen mit gutem Herzen charakterisiert wird, erzeugt Mitleid, außerdem entsteht eine globale Fassungslosigkeit wenn sich am Ende herausstellt, wer sein bitteres Ende überhaupt nicht verdient hatte. Kathy Adams, ein Party Girl, versehen mit dem passenden Gesicht von Marina Malfatti, wird genau wie die psychisch labile Elena Marchi, alias Rossella Falk, vor ihrem Tod gequält, die Mordmethoden sind eigentlich wahllos und daher stets unterschiedlich. Zwischendurch bekommt der Zuschauer eine rasant geschnittene Messer-Attacke auf Uschi Glas zu sehen, jedoch sind die Szenen von Petra Schürmann und Marisa Mell in diesem Zusammenhang die eindringlichsten geworden. Der Mord an Concetta di Rosa geschieht im Off-Screen, wirkt aber umso bestürzender aufgrund des Settings Kirche und Beichtstuhl, wenn man bedenkt, wie sich das Ganze wohl abgespielt haben muss. Maria Sartori hingegen muss genau wie der Zuschauer eine barbarische Bekanntschaft mit einer Bohrmaschine machen, und diese Aktion wird sich am nachhaltigsten in die Erinnerung einbrennen.



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Ein Frauenmörder wählt sich also seine Opfer anscheinend völlig zusammenhanglos aus, sie kannten sich nicht, sie hatten eigentlich nichts gemeinsam, doch der Schlüssel zur Lösung wird dem unfreiwilligen Ermittler-Duo Antonio Sabato und Uschi Glas zugespielt. Erneut steht die Polizei ziemlich hilflos im Gesamtgeschehen da, es geschehen tödliche Fehler, wohlgemerkt für die anderen, aber auch die Dramaturgie offeriert in dieser Richtung ein paar kleinere Ungereimtheiten. Geschenkt, kann man sich sagen, da sich der Film durchaus bemüht, einen realen, greifbaren Transfer herzustellen, denn Mörder, Opfer und Polizisten sind ja sozusagen auch nur Menschen. Die Rollenverteilungen wirken insgesamt strikt voneinander abgegrenzt und sind - wenn man so sagen darf - recht italienisch, angesichts des Aufbaus von männlich-weiblichen Konstellationen und der Unterteilung in Haupt- und Nebenrollen. Die meist kurzen Auftritte von vielen Schauspielern garantieren einen sehr flexiblen Erzählfluss, es entsteht der Eindruck, dass ständig etwas Neues passiert, auch wenn man den roten Faden der Geschichte stets vor Augen hat. "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" liefert insgesamt ein hervorragendes Gesamtbild, vor allem im stilistischen Sinne. Die aufmerksame Kamera wird in Verbindung mit der präzisen Montage zum Volltreffer und ist hauptsächlich an Prosa interessiert, verliert dabei allerdings auch nicht den Sinn für die Schönheit. Vor allem die bemerkenswerte musikalische Unterstützung von Riz Ortolani wird hierbei zum klassischen Verstärker und man bekommt ein sehr rundes, in sich abgeschlossenes Gesamtpaket geboten, dessen klarer Aufbau immer wieder überzeugend wirkt. Genau betrachtet, handelt es sich bei Lenzis Film um einen eher konservativen Giallo, aber auf der anderen Seite um einen progressiven Wallace, so dass man ihn - um allen Seiten gerecht zu werden - vielleicht Wiallo nennen kann.

Last but not least sind die Personen zu nennen, die hier ebenfalls wichtige Überzeugungsarbeit leisten. Antonio Sabato als Modezeichner Mario macht einen hervorragenden Eindruck. Sein junges Glück wird direkt von schwarzen Handschuhen bedroht, die Macheten, Messer, Telefonkabel oder Bohrmaschinen auswählen, um die Opfer damit zu beseitigen. Sabato wirkt souverän und agil und es besteht eigentlich kein Zweifel, dass er den Wettlauf gegen die Zeit nicht gewinnen könnte. Neben ihm sieht man eine Uschi Glas, die glücklicherweise in die Reihe hineinwachsen konnte und somit eine reife Leistung offeriert. Im Sinne einer italienischen Frauenrolle wirkt sie vielleicht etwas zu bourgeois, weiß aber insgesamt zu überzeugen, wenn nicht sogar zu gefallen. Viele Gegenspielerinnen im Sinne von Ausstrahlung und Exposition können ihr dennoch das Wasser nicht abgraben. Marisa Mells Auftritt ist kurz gehalten worden, aber aufgrund der Anlegung und Bedeutung ein wichtiges Puzzlestück für die Story, außerdem präsentiert sie einen regelrechten Rundumschlag aus ihrem ausgiebigen Repertoire. Pier Paolo Capponi als Inspektor zeichnet eine sehr überzeugende Variante des strebsamen Polizisten, dem man ansieht, dass ihn die Arbeit über all die Jahre desillusioniert hat, und dem trotz aller Planung und Organisation manchmal Fehler unterlaufen können. Die kurzen bis ultrakurzen Auftritte von beispielsweise Petra Schürmann, Claudio Gora, Renato Romano, Marina Malfatti oder Gabriella Giorgelli bescheren Wiedersehensfreude und Präzision. Insgesamt bietet "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" alle schmackhaften Zutaten, die ein überzeugender, kurzweiliger und packender Film braucht. Die Tatsache, dass sich alles, aber wirklich alles nur um eine Kettenreaktion tödlicher Irrtümer handelt, kann letztlich sogar etwas nachdenklich zurück lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Mein absoluter Lieblingsfilm!


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 Post subject: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1970)
PostPosted: 24.06.2015 21:10 
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Tony Musante   Suzy Kendall   Enrico Maria Salerno   in

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● DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE / L'UCCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO / THE BIRD WITH THE CRYSTAL PLUMAGE (D|I|1970)
mit Eva Renzi, Umberto Raho, Reggie Nalder, Renato Romano, Werner Peters und als Gast Mario Adorf
eine Gemeinschaftsproduktion der CCC Filmkunst | Seda Spettacoli | im Verleih der Constantin
ein Film von Dario Argento


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»Ich weiß nicht was ich seltsam daran fand, aber irgendwas kam mir merkwürdig vor«


Der amerikanische Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante) wird eines Abends zufällig Zeuge eines Verbrechens. In einer Kunstgalerie beobachtet er den Kampf zwischen einer schwarz gekleideten Gestalt und Monica Ranieri (Eva Renzi), der Frau des Galeriebesitzers (Umberto Raho). Dabei wird sie mit einem Messer attackiert und weil Sam sich bemerkbar macht wird Monica lediglich verletzt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich offenbar um einen lange gesuchten Serienmörder handelt, der Rom seit geraumer Zeit unsicher macht und junge Frauen tötet. Beim Verhör mit Inspektor Morosini (Enrico Maria Salerno) stellt sich heraus, dass der Amerikaner noch irgend etwas beim Tathergang gesehen haben muss, er aber nicht benennen kann um was es sich genau handelt. Da Sam in den nächsten Tagen wieder zurück in die USA fliegen möchte, der Inspektor auf ihn als wichtigen Zeugen aber nicht verzichten kann, behält dieser kurzerhand seinen Pass ein und Dalmas begibt sich selbst auf die Suche nach dem Mörder, bei der er und seine Freundin Julia (Suzy Kendall) in Lebensgefahr geraten. Unterdessen schlägt der Mörder erneut zu...

Eine in Schwarz gekleidete, und nicht zu erkennende Gestalt bedient eine Schreibmaschine, der kleine Raum vermittelt ein unbehagliches Vakuum. Alles dort scheint pedantisch geordnet, und tödlich korrekt durchdacht zu sein und die Intention dieser kurzen Szenen vermittelt eine unmissverständliche Deutlichkeit, noch bevor das Phantom zuschlagen wird. Eine junge Frau wird auf der Straße abfotografiert, die wunderbare Musik von Ennio Morricone entschärft die Situation für einen kurzen Augenblick, bevor es mit dem veranschaulichten Kurzpsychogramm des Mörders weitergeht. Ein Foto des Opfers wird mit einer Nummer markiert und eine Reihe bedachtsam angeordneter Messer sorgt für Gewissheit. Der Zuschauer steht unmittelbar vor dem ersten sichtbaren Mord und man weiß durchaus, dass es sicherlich nicht der letzte sein wird. Die Montur der sich geschmeidig bewegenden, und in schwarzem Leder gekleideten Gestalt, vermittelt einen offensichtlich autoerotischen Aspekt. Ein Schrei beendet die Szene und das Leben der vermutlich wahllos auserkorenen jungen Frau. Unmittelbar danach bekommt man den Protagonisten der Story vorgestellt. Sam Dalmas ist abwesend, gedanklich ist er womöglich schon längst wieder zurück in den USA. Sein Blick fällt durch die Panoramafenster einer hell ausgeleuchteten Kunstgalerie und er wird Zeuge eines Verbrechens. In dieser Schlüsselszene ist die Kamera aufmerksamer als der Protagonist und als jeder Beobachter es sein kann, obwohl sie den Zuschauer für einen kurzen Augenblick mit in das Innere der Galerie nimmt. Man sieht Monica Ranieri, ein blankes Messer ist wenige Zentimeter von ihr entfernt, es ist, als könne man sie berühren. Wie Sam den kompletten Film über beteuern wird, stimmt etwas an dieser Szene nicht mit den normalen Gesetzen einer solchen Situation überein, der aufmerksame Zuschauer ist der gleichen Ansicht, doch vorerst kann keiner den verschachtelten Fehler erkennen. Bereits hier zeigt Dario Argento, wo er mit seinem eigentlich kompliziert gestalteten Film hin möchte.



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Er trübt die Auffassungsgabe durch die Ferne, bietet aber gleichzeitig die Chance, diese Situation permanent wieder Revue passieren zu lassen, er offeriert Transparenz, die allerdings noch keine Allianz mit dem Vorstellungsvermögen oder der Kombinationsgabe eingehen kann. Der Augenzeuge wird vom Täter im Labyrinth der Glasfenster gefangen gehalten, trotz der Nähe entsteht eine unüberbrückbare Distanz, so dass die Zeit bleibt, jede Einzelheit dokumentieren zu können. Der Raum vermittelt eine beeindruckende Struktur, genau wie es übrigens der komplette Film tun wird, die Szenerie veranschaulicht Kontraste, die sich ebenfalls durch den Verlauf ziehen werden. Die Struktur dieser Situation wird durch die verletzte Monica Ranieri gestört, umgekehrt, da es zunächst niemandem möglich ist, zu intervenieren. Trotz ihres Kampfes, bleibt die unbequeme Möglichkeit, einige Gedanken weiter auszumalen, weil die Regie die verstreichende Zeit einem Diktat ähneln lassen wird. Wird Monica Ranieri rechtzeitig gerettet werden, wird sie Angaben zum Täter machen können, wird Sam Dalmas als dringend tatverdächtig eingestuft, ist er ab sofort selbst in Gefahr? Der Film nimmt seinen spektakulären, oder vielmehr intelligenten Lauf und es ist erstaunlich, welcher Meilenstein hier entstanden ist, wohlgemerkt mit einfachen und klassischen Mitteln. Erstaunlich vielleicht deswegen, weil man "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" aus damaliger Sicht einfach als das betrachten muss, was der Film vom Ursprung her sein sollte: Ein Beitrag, der in der Bundesrepublik unter der Trivialmarke Bryan Edgar Wallace vermarktet wurde. Die Vermutung liegt also nahe, dass sich zur Entstehungszeit vielleicht noch niemand so recht im Klaren darüber war, wie dieser Film ein komplettes Genre noch beeinflussen würde und welche Sensation man am schmieden war. Der Verlauf ist als Blick zurück nach vorn aufgebaut und ähnelt einem spröden Zusammentragen von vielen Mosaiksteinchen. Da Sam Dalmas und seine Freundin unfreiwillige Ermittler werden, und die Polizei bei der Lösung des Falles ebenfalls Schützenhilfe leisten kann, zeigt sich die bereits erwähnte, jedoch schleichende Transparenz für den Zuschauer.

Der Fall bereitet Kopfzerbrechen, und der Mörder schlägt immer wieder zu. Dies geschieht nicht in aller Diskretion, nein, er ist mittlerweile so weit, dass die Taten in einer vollkommen omnipotenten Art und Weise telefonisch bei der Polizei angekündigt werden. Die Gesetzeshüter spannen unterdessen Sam Dalmas als Lockvogel ein, da jegliche Anhaltspunkte fehlen. Die Taten folgen immer dem gleichen Muster. Schöne, alleinstehende Frauen werden bestialisch ermordet und es bleibt zu erahnen, dass der Geschichte ein psychologisches Motiv zu Grunde liegt. Betrachtet man die beteiligten Darsteller, so wirkt die Crew wie eine Bestätigung dafür, dass man nicht unbedingt von einem möglichen Überraschungscoup ausgegangen war, denn die Riege ist nicht mit den damaligen Top-Akteuren ausstaffiert worden. Dies soll weniger als Kritik, sondern eher als Feststellung angemerkt sein, denn die Darsteller wirken bis in die kleinsten Rollen perfekt besetzt. Tony Musante macht jeden Zuschauer aufgrund seiner wichtigen Beobachtung zum Verbündeten, bei dieser Variante entsteht eine noch intensivere Solidarität mit dem Protagonisten als im Normalfall. Auch dass die sympathische Suzy Kendall an seiner Seite mit recherchiert, rückt sie deutlich in den Kreis der Sympathieträger. Beide werden noch in äußerst gefährliche Situationen geraten, die sie trotz einiger persönlicher Warnungen des Mörders nicht scheuen. Tony Musante gefällt aufgrund seiner kantigen Art. Seine Alleingänge wirken vielleicht bezeichnend für seinen Charakter, da er im privaten Bereich nicht anders vorzugehen scheint. Suzy Kendall wirkt bodenständig und kann in den richtigen Situationen ihre Emotionen heraus lassen. Ihre besten Momente zeigt sie, als der Handschuhmörder sie in ihrer eigenen Wohnung bedroht, Kendall hat man nicht alle Tage so temperamentvoll und präzise gesehen. Beim Thema Präzision ist unbedingt auch Enrico Maria Salerno zu nennen, der den überforderten Polizeiapparat anführt. Seine ruhigen und überaus sachlichen Ermittlungen wissen zu gefallen, sie würden einem sogar imponieren, wenn unterm Strich die richtigen Ergebnisse stehen würden.



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Weitere bekannte Gesichter und willkommene Darbietungen liefern ein zweifelhafter Umberto Raho, ein ebenso schwer einzuschätzender Renato Romano und Reggie Nalder, als rechte oder linke Hand des Mörders, der wirklich für beängstigende Momente sorgen wird. Allround-Talent Werner Peters beeindruckt, gegenüber seiner sonst obligatorischen Auftritte, in einer vollkommen konträr angelegten Rolle, als an Sam interessierter Antiquitäten-Händler, die man zuvor noch nie von ihm gesehen hat. Schließlich rundet Mario Adorf das Geschehen als Gast ab, und zwar mit einer absolut irren Performance, die weniger für Aufklärung, als Auflockerung sorgen wird. In der Welt der Gialli sollte es insbesondere nach diesem Beitrag forcierter zugehen, so dass man hier im Rahmen von Gewaltspitzen und expliziten Szenen, auch im Sinne des Anvisierens der konstitutionellen Vorzüge der beteiligten Damen, noch gezügeltere Wege eingeschlagen hatte. Was allerdings immer schon ein Thema war, ist die Schönheit im allgemeinen, sowie im präziseren Sinne. Bleibt man bei diesem Schlagwort, so kommt man zu niemand anderem als zu der umwerfenden Eva Renzi, die hier in beeindruckenden Etappen eingesetzt, oder besser gesagt platziert wurde. "Das Lexikon der Deutschen Filmstars" bescheinigte ihr, sie konnte »ihre anspruchsvollen Rollencharaktere mit reifem Spiel und feiner Psychologie vertiefen«, eine Einschätzung, die hier wie der springende Punkt wirkt. Zugegebenermaßen ist "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" auf psychologischer Ebene ausbaufähig geblieben, so dass man anerkennen muss, dass Eva Renzi einen nicht unwichtigen Teil dazu beiträgt, dass diese eindrucksvolle Assoziationskette funktioniert, und sei es nur auf die darstellerischen Kompetenzen reduziert. Renzi formt Monica Ranieri tiefenbetont, sie wird Teil des Films, der Geschichte, eines Dekors, was den Zuschauer über die gesamte Spieldauer beschäftigen wird. So ging eine vereinnahmende Leistung der Deutschen in die Geschichte des Giallo ein, die auch heute noch einen gewissen Modell-Charakter vermittelt.

Die persönliche Quintessenz Eva Renzi hat im Grunde genommen keine weiteren Beschreibungen nötig, denn ein Blick genügt um zu begreifen, dass sie selbst Expertise genug darstellt. Der deutsche, klassische Krimi erlebte Mitte der 60er Jahre die Geburtsstunde des sogenannten "Melissa-Effekts", für die Gialli könnte man diese Erfindung vielleicht ab sofort "Monica-Ranieri-Effekt" nennen, denn dieses Modell sollte fortan noch häufiger Verwendung finden. Dario Argentos Beitrag beweist in nahezu allen Bereichen eine überdurchschnittliche Qualität. Zunächst ist die globale Stilsicherheit zu erwähnen, vor allem die erfinderische Attitüde, die dem Film seine unbeirrbare Richtung gibt, ist bemerkenswert. Im visuellen und bildsprachlichen Bereich kommt es zu vielen größeren und kleineren Highlights, insbesondere die subjektiven Kamerafahrten bei den Ermordungsszenen forcieren hochspannende Momente. Vereint mit Ennio Morricones abwechslungsreicher Musik, die ebenfalls Emotionen schürt, aber genauso für Atempausen sorgt, entstehen formvollendete Kreationen. Dario Argento beweist mit seinem Frühwerk, dass es sich bei ihm um einen Querdenker handelt, der mit formellen und stilistischen Kapriolen bestehende Grenzen und Gesetzte der Inszenierung aufweichen konnte. Die hier auftauchenden Stilelemente werden zur dichten Fusion für den Zuschauer, unterm Strich steht zwar die Ambition der Unterhaltung, allerdings der intelligenteren Sorte, obwohl sich auch viele Oberflächlichkeiten aufspüren lassen (könnten). Der Verlauf gibt die Besonderheit des Gesamtwerkes lange nicht her, das Finale wird gleich in mehreren Etappen eingeleitet und etliche Twists tragen zum besonderen Sehvergnügen, beziehungsweise Erstaunen bei. Das echte Finale erweist sich schließlich als einer der überraschendsten Momente überhaupt und das abrupte Ende lässt eine nüchterne Prognose zurück, die fehlende Erklärungen weg dividiert. Wenn der Film schließlich zu Ende ist, kommt eigentlich immer wieder der selbe Wunsch zum Vorschein, nämlich "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" noch einmal als Erstansicht wahrnehmen zu können. Ein prägendes Erlebnis!


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 Post subject: Fünf Freunde geraten in Schwierigkeiten (1978)
PostPosted: 04.07.2015 19:04 
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● Folge 15: FÜNF FREUNDE GERATEN IN SCHWIERIGKEITEN (2) / FIVE GET INTO TROUBLE: CONSPIRACIES (2) (1978)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz
Gäste: Stephan Chase, Leon Lissek, Brian Croucher, Grant Bardsley, Peggy Ledger, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: Sidney Hayers




Als die Kinder in das Herrenhaus einsteigen, in dem Dick gefangen gehalten wird, werden sie von einigen zwielichtigen Gestalten überrascht. Zur Sicherheit werden die ungebetenen Gäste ebenfalls in Verwahrung genommen, bis die Gauner ihren nächsten Coup gelandet haben wollen. Am nächsten Tag bemerkt Rooky, der ehemalige Leibwächter von Richard Kents Vater, dass der falsche Junge entführt wurde. Nun wird es für die 5 Freunde und Richard sehr gefährlich, denn das Anwesen gleicht einem Käfig ohne Ausweg, doch die Kinder können einen Plan schmieden, der die Ganoven schließlich in große Bedrängnis bringen soll. Wird diese waghalsige Aktion gut ausgehen?

Folge 15 legt direkt einiges an Tempo vor und lässt Spannung und Nervenkitzel entstehen. Als Gefangene in einem großen, unheimlich wirkenden Haus, müssen die Protagonisten notgedrungen die Nacht verbringen, nebenbei den verschleppten Dick finden und sich eine Möglichkeit ausdenken, wie sie die Gangster überlisten können, da diese den wahren Richard Kent nicht entlarven sollen. Zunächst sieht alles so aus, als habe diese List auch funktioniert, denn sie dürfen das Anwesen verlassen. Doch in letzter Sekunde begreift Rooky, dass er ausgetrickst wurde. Obwohl es nur noch wenige Schritte bis in die Freiheit waren, schließt sich das elektrische Tor erneut, und die Falle schnappt zu. Der anfänglich so unsympathisch wirkende Richard Kent, macht einiges an Boden in der Gunst beim kleinen Zuschauer gut, und es darf mitgefiebert werden, ob der nächste Plan, der sicherlich kommen wird, auch aufgeht. Aber die Gefangenen zeigen sich trickreich und beweisen erneut Übersicht.

Im diesem zweiten Teil fügen sich einige Hintergründe, die zu dieser Situation geführt haben, zusammen. Auch was die Verbrecher tatsächlich schon alles auf dem Konto haben, findet einige Erklärungen. Sie wirken für die Zielgruppe bedrohlich genug, um voller Spannung auf die weiteren Geschehnisse zu warten, und als Rooky dann auch noch handgreiflich gegen Julian wird, verlangt man die möglichst höchste Strafe für diese Lumpen. Es geht dieses Mal um erbeutete Juwelen, einen verborgenen Dieb und den potentiellen Einbruch bei der reichen Familie Kent. Da die Polizei natürlich im Dunkeln tappt, beziehungsweise die Flöhe noch nicht einmal husten hört, hat man es mit den erweiterten 5 Freunden genau mit der richtigen Crew zu tun. Das interessante an dieser fünfzehnten Folge ist die Cleverness und die aufgezeigte Weitsicht der Kinder. Auch das alte, verschachtelte, dunkle Haus, durch das ständig eine dubiose Person herumschleicht, oder der durch Starkstrom gesicherte, für eine Flucht viel zu hohe Zaun, sorgen für latente Spannung und Wachsamkeit. Auch diese Folge ist wie immer lehrreich, und plädiert für Zusammenhalt und Achtsamkeit, dem Gerechtigkeitsempfinden dürfte daher auch hier wieder zum Sieg verholfen werden. Eine gelungene Folge mit turbulentem Einschlag und originellen Ideen.


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 Post subject: Tätowierung (1967)
PostPosted: 13.07.2015 13:22 
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TÄTOWIERUNG

● TÄTOWIERUNG (D|1967)
mit Helga Anders, Christof Wackernagel, Alexander May, Tilo von Berlepsch, Heinz Meier, Heinz Schubert und Rosemarie Fendel
ein Houwer-Film | im Eckelkamp Verleih
ein Film von Johannes Schaaf


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»Jugend muss sich austoben können!«


Das Fabrikantenehepaar Lohmann (Alexander May und Rosemarie Fendel) adoptieren den sechzehnjährigen Benno (Christof Wackernagel), der bislang in einem Heim untergebracht war. Trotz bester gesellschaftlicher Voraussetzungen in der gut situierten Familie, beginnt für Benno eine sehr schwere Zeit, da er das rücksichtsvolle Zusammensein nicht gewöhnt, und ihm die Nachgiebigkeit seines Adoptivvaters zuwider ist. Schnell beginnt für den Jungen eine Art Resozialisierung, indem er in Ausbildungen gesteckt wird und mit Herrn Lohmann seinen wohl größten Lehrer gefunden zu haben scheint. Auch wenn Benno es im Heim eigentlich schwerer hatte, da ihm von seinen Kameraden schwer zugesetzt wurde, fühlte er sich doch sicher in diesem Rahmen, da er für ihn berechenbar war. Schnell wendet er sich von den Lohmanns ab und fühlt sich zu deren Adoptivtochter Gaby (Helga Anders) hingezogen. Allerdings ist er auf ihre perfiden Spielchen nicht gefasst, so dass alle Rahmenbedingungen schließlich zu einer Katastrophe führen werden...

Bereits seit Jahren brachte das Eckelkamp-Verleihprogramm »Filme für den anspruchsvollen Besucher« in die Kinos und Johannes Schaafs Beitrag befindet sich hierbei natürlich in guter Gesellschaft. Die Strategie, beziehungsweise die Mechanik der Inszenierungen des Stuttgarter Regisseurs kann sowohl mit Vorbehalt, als auch mit großer Vorfreude erwartet werden, weiß man doch genau, was man auf gar keinen, und auf jeden Fall geboten bekommen wird. Innerhalb dieser Gewissheiten bleibt die Regie erwartungsgemäß stilgetreu, bei der eingeschlagenen Marschrichtung jedoch ein Stück weit unberechenbar. Schaaf erzählt eine Geschichte, die mit einem Zielfernrohr bestehende Normen der Gesellschaft anvisiert, seine Protagonisten bedienen dabei sowohl Schablonen, als auch Vandalen, die sich gegen jegliche Konventionen auflehnen. Doch 1967 war man bereits in einer Zeit angekommen, in der sich die Zeitebenen und vor allem die Bewertungskriterien längst am vermischen waren. Was normal ist und was nicht, wurde zwar noch gerne von der Masse diktiert, allerdings war sie als Ganzes schon längst nicht mehr befähigt dazu. Der Einstieg in die Geschichte ist genau wie der weitere Verlauf beinahe schleppend, es macht sich ein bitterer Beigeschmack breit doch man kann nicht benennen, wo er eigentlich herkommt. Sind es die beteiligten Personen die dazu beitragen, weil sie auf Hochtouren daran arbeiten, den Zuschauer zu verwirren, anzuziehen, abzustoßen, zu belehren, alleine zu lassen oder zu packen? Die Gewissheit, dass ein Paukenschlag in der Luft liegen muss, fördert die Aufmerksamkeit und begünstigt den unscheinbaren Erzählfluss, die exzellenten darstellerischen Leistungen tragen ihren Teil dazu bei, die intelligente Konstruktion aufzubauen, zusammenzuhalten und im Sinne der im Film allgegenwärtigen Mosaiksteinchen in Stücke zerfallen zu lassen. In diesem Zusammenhang zeigt sich vor allem die Kamera daran interessiert, eine zumindest optische Struktur zu kreieren, indem sie sich einer beeindruckenden Symmetrie bedient. Natürlich sieht es im praktischen und übertragenen Sinne komplett anders aus, da die Geschichte viele konträr wirkende Zutaten in Wort und Tat aufweist. Benno wird adoptiert, quasi befreit, und alles soll gut werden, weil es gut werden muss. Der Weg dort hin wird mit seichtem Verständnis, verkappter Milde und Laissez-Faire zementiert. Wer könnte also auf den Gedanken kommen, dass sich der Junge, der doch eigentlich dankbar sein muss, aus dieser engen und vor allem unbekannten Zwangsjacke befreien möchte.



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Der Film an sich spielt also diskret mit den Grenzen der Vorstellungskraft, indem er sich an die Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft hält. Christof Wackernagel verleiht dem Protagonisten Benno ein nahezu schmerzhaft präzises Gesicht, seine scheinbare Ziellosigkeit könnte fast mit Einfalt verwechselt werden. Doch kann man jemanden als ziellos bezeichnen, der zwar nicht genau weiß, was er will, dafür aber genau benennen könnte, was er absolut nicht will? Wackernagel liefert eine sehr greifbare und überzeugende Leistung ab, die aufgrund seines jungen Alters umso beeindruckender wirkt. Der permanente Showdown des Films schleicht in Form von Helga Anders als Gaby umher, genau wie eine Katze, die ihre Beute aufspüren will, um sie vergnüglich kaputtzuspielen. Das A und Ω hierbei ist Helga Anders' unverwechselbare Körpersprache, die ihre gesamte Karriere noch diktieren sollte. In "Tätowierung" kann man sich daher keine andere Darstellerin vorstellen, die Weg und Ziel so unmissverständlich in Perfektion und Präzision glaubhafter hätte vermitteln können. In den Kreis der besonderen Darbietungen reihen sich Alexander May als treffsicherer Provokateur eines Fiaskos, und Rosemarie Fendel als duldende Zuschauerin einer unerträglichen Situation ein, die beide eine gefährliche Ruhe kolportieren, die zum Himmel schreit. Ab einem gewissen Zeitpunkt kommt es zu einer kompletten Wende und der Film zeigt sich von seiner trügerischen Sonnenseite. Gabys Sekundär-Beute hat kapituliert, die sich angestauten Emotionen und Triebe aller Beteiligten finden ihr Ventil, auch fernab von der auffordernden, jungen Dame. Alle sind glücklich, zufrieden und jung wie tatsächlich oder einst. Was ist geschehen fragt man sich, ist es letztlich denn wirklich so einfach wie man hier sieht? Der allgegenwärtige Irrglaube, dass man ein Gefühl wiederholen oder es gar fabrizieren könnte, zerfällt schneller in Stücke, als man diesen Eindruck überhaupt gewinnen konnte. Schnellstmöglich machen gute alte Bekannte wie beispielsweise Illusionen der zerplatzten Art wieder an Boden der Tatsachen gut und der Film spart sich ganz im Sinne seiner Intention ein vorgefertigtes Fazit auf, so dass es die vornehmste Aufgabe des Zuschauers bleiben wird, eine weitreichende Prognose zu formen, die Johannes Schaaf hervorragend ebnen konnte. "Tätowierung" bleibt in seiner bewussten, nüchternen, oder sogar unscheinbaren Herangehensweise überaus beeindruckend und bei genauerer Überlegung viel bewegender, als der erste Blick vielleicht hergeben möchte. Ein wirklich sehenswertes Stück deutscher Filmkunst, das seinerzeit mit dem Prädikat »besonders wertvoll« ausgezeichnet wurde.


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 Post subject: Der Kommissar - Die andere Seite der Straße
PostPosted: 16.07.2015 22:23 
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● Folge 37: DIE ANDERE SEITE DER STRASSE (D|1971)
mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Helma Seitz
Gäste: Gisela Dreyer, Bruno Hübner, Christine Ostermayer, Gerd Baltus, Kurt Beck, Klaus Höhne, Hans Brenner, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Auf offener Straße wird ein Mann erschossen, der zuvor in panischer Angst umher lief, und Kommissar Keller geht davon aus, dass der Fall schnell geklärt werden kann, da es genügend Augenzeugen zu geben scheint. Doch zu seiner Verwunderung will niemand der Befragten etwas gesehen haben. Egal wie die Verhöre ablaufen, es herrscht Schweigen. Auch gutes Zureden oder verschärfte Befragungen führen bei den Ermittlungen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Es scheint, als seien alle Aussagen gut abgesprochen worden zu sein, doch was steckt wirklich dahinter? Erst als ein weiterer Mord geschieht, kann der Kommissar dem Mörder eine Falle stellen...

"Die andere Seite der Straße" ist eine der erstaunlichsten Folgen der gesamten Kommissar-Reihe. Erstaunlich deswegen, weil sich innerhalb von nur 90 Sekunden deutlich herausstellt, dass es für den ersten Mord eigentlich nur zwei Verdächtige geben kann. Ein inszenatorischer, respektive akustischer Patzer par excellence. Nach zehn Minuten ist dann auch schon völlig klar, dass nur noch eine in Frage kommende Person übrig bleiben wird. Also musste noch ein zweiter Mord her. Schnell findet man sich in einem heruntergekommenen Viertel wieder, in dem es von zwielichtigen Gestalten nur so zu wimmeln scheint, die man vorzugsweise in der nahe gelegenen Nacht-Bar finden kann. Es ist wirklich unglaublich, dass man das Potential dieser Folge im Handumdrehen verplemperte. Die Idee, dass alle die den Mord gesehen haben schweigen, ist vom Prinzip her ganz originell, da es unter diesen Umständen einige Möglichkeiten gibt, den Fall aufzurollen und das Warum exponiert in Erscheinung treten zu lassen. Doch Theodor Grädler kam erst gar nicht auf diesen Dreh, und er inszenierte von Anfang bis Ende unspektakulär und entsetzlich langweilig. Eintönige, schrecklich oberflächliche Wischi-Waschi-Dialoge, ermüdende Befragungen von stummen Zeugen und weitgehend uninteressante Charaktere machen Folge 37 zu einer Geduldsprobe. Selbst die permanenten Ortswechsel wirken hier wie eine Katze die sich in den Schwanz beißt, und auch die modernere Musik sorgt nicht für eine gewünschte, erfrischende Note.

Die Rollenverteilungen wirken wie ein russisches Roulette an Klischees. Da es wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, die schwachen Eindrücke zu schildern, sollen die soliden Auftritte lobend erwähnt werden. Kurt Beck wirkt überzeugend und agiert angemessen, ihn hätte man tatsächlich gerne häufiger in derartigen Rollen oder Serien gesehen, ansonsten ist unbedingt Gisela Dreyer zu erwähnen, die sich von allen anderen Beteiligten in Darstellung und Anlegung abheben kann. Mit ihrer Traurigkeit und Resignation zieht sie immer wieder versteckte, mitleidige Blicke auf sich, sie stellt eine besonders authentisch wirkende Schlüsselfigur im Dickicht der verkommenen Kneipe dar. Ansonsten hat man es reihenweise mit gescheiterten Existenzen zu tun, oder solchen, die auf dem besten Wege dazu sind. Der zweite Mord bringt nochmal eine gewisse, vage Spannung in die Geschichte und stiftet bestenfalls zunächst Verwirrung. Was man jedoch im Finale für Erklärungen aufgetischt bekommt, ist nicht unbedingt logisch, geschweige denn wahrscheinlich. Überhaupt lassen sich zahlreiche Mosaik-Steinchen finden, die etwas absurd anmuten, aber es ist dem gelangweilten Zuschauer schließlich auch irgendwie egal, da man sich das qualvolle Ende buchstäblich herbeiwünscht. Aufgesetzte Tragik, unbeholfene gesellschaftskritische Färbungen und ein im Endeffekt langatmiger Fall, machen "Die andere Seite der Straße" zu einem deutlichen Tiefpunkt der Serie. Mit Theodor Grädlers konservativer Regie ist der Jahrmarkt der Langeweile und der Unwahrscheinlichkeiten also wieder einmal eröffnet gewesen.


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 Post subject: Nebelmörder (1964)
PostPosted: 01.08.2015 14:55 
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● NEBELMÖRDER / DER NEBELMÖRDER (D|1964)
mit Hansjörg Felmy, Ingmar Zeisberg, Elke Arendt, Wolfgang Büttner, Wolfgang Völz, Karlgeorg Saebisch,
Berta Drews, Hilde Sessak, Alfred Balthoff, Herbert Knippenberg, Benno Hoffmann und Ralph Persson
eine Waldemar Schweitzer-Produktion | im Nora Filmverleih
ein Film von Eugen York


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»Ich kann doch nicht dauernd lügen!«


In dem kleinen Städtchen Hainburg treibt ein Serientäter sein Unwesen, der seine Opfer blutrünstig ermordet und anschließend beraubt. Um unerkannt zu bleiben schlägt er stets bei dichtem Nebel zu, so dass es keine Zeugen gibt. Bei der erschütterten Bevölkerung und bei der Kriminalpolizei nennt man ihn deswegen nur noch den Hainburger Nebelmörder. Kommissar Hauser (Hansjörg Felmy) versucht das Phantom vergeblich zur Strecke zu bringen, doch es gibt lange keine sachdienlichen Hinweise. Erst beim dritten Mord ergeben sich neue Ansatzpunkte, da bei diesem Anschlag auf ein Ehepaar, die beteiligte Frau schwer verletzt überlebt und glaubt, den Täter erkannt zu haben. Es kommt zu einer Verhaftung, doch in der Zwischenzeit gerät Hausers Kollegin Hilde Kment (Ingmar Zeisberg), die lange Zeit vergeblich als Lockvogel unterwegs war, in Lebensgefahr, denn das Phantom schleicht ihr hinterher...

Der im Jahre 1964 entstandene Spielfilm "Nebelmörder" wurde von Regisseur Eugen York inszeniert und besticht bereits in den ersten Sequenzen durch eine überragende Atmosphäre, die den Titel des Films klassisch hervorzuheben weiß. Hierbei fällt besonders die eingängige Musik von Herbert Jarczyk unterstützend auf. Die Thematik um einen Serienmörder, der den Schutz des Nebels sucht und wie ein Phantom erscheint und wieder verschwindet, ist wie eine Garantie für klassische Krimi-Unterhaltung. Es stellt sich schnell heraus, dass der Ausgangsstoff sehr interessant ist, und es wurde eine nicht minder interessante Parallelhandlung mit eingearbeitet, die im Verlauf nicht isoliert wirkt und später unmittelbar in die eigentliche Geschichte mündet. Die Thematisierung der Jugend von heute sorgt für Abwechslung, wenn sie für heutige Verhältnisse auch schon etwas angestaubt wirkt. Der Film beginnt mit den erklärenden Worten einer Erzählstimme, und sorgt damit für eine schnelle Orientierung des Zuschauers, der erst den dritten Mord miterleben darf. Hierbei ist die Inszenierung großartig. Durch eine Straßensperre wird das Paar mit ihrem Wagen in ein abgelegenes Waldstück gelockt, bis schließlich das maskierte Phantom mit einem Messer auftaucht. Es entsteht eine extrem unheimliche Atmosphäre, da es tatsächlich aus dem Nichts kommt, man plötzlich von der Seite ein Messer in die Kamera einschießen sieht und den entsetzlichen Schrei der Frau hört. Synchron dazu gibt es die Handlung rund um die Jugendlichen, die sich auf sogenannten Scheunen-Partys amüsieren und auf deren Belange und Probleme eingegangen wird. Das Gerüst der Handlung ist gut strukturiert und als sehr klar aufgebaut zu bezeichnen, der Mix aus dieser Thematik und der Kriminalgeschichte wirkt manchmal etwas eigenartig, aber irgendwie genauso erfrischend.

Angeführt wird dieser Film von Hansjörg Felmy, der in der Rolle des idealistischen und sachlichen Ermittlers immer sehr gut aussieht. Er passt sich seinem jeweiligen Gegenüber stets an, dabei versucht er allerdings auch, sich in die andere Lage zu versetzten. Wenn es sein muss, kann er auch einige Gänge zulegen, was hin und wieder in seiner Verhör-Taktik deutlich wird. Es wirkt fast schon wie eine Ausnahme, dass schließlich er es ist, der den Fall auflösen wird, denn die Rolle der Polizei war ja in vielen Produktionen unterm Strich quasi manchmal vollkommen irrelevant. Das Team wird durch Ingmar Zeisberg erweitert, die den Lockvogel für den Mörder gibt, der allerdings im völlig falschen Moment anbeißt. Ich muss es sagen wie es ist, Ingmar Zeisberg hatte definitiv bessere Rollen und gerade hier tritt sie wenig exponiert in Erscheinung. Was schließlich wie ein Segen wirkt ist, dass man ausnahmsweise mal nicht versuchte, eine krampfhaft konstruierte Romanze bei den beiden Hauptfiguren zu kreieren, daher wirken beide sehr autonom und schließlich mehr oder weniger überzeugend. Die eigentliche Hauptrolle neben Felmy spielt Ralph Persson, laut Booklet damals wie ein heißes Eisen gehandelt, der es karrieretechnisch aber leider nicht schaffte, sich zu etablieren. Seine Darstellung des oftmals kaum richtig einzuschätzenden jungen Mannes geht auf, er wirkt leichtfüßig und als sei er in exzellenter Spiellaune gewesen. Elke Arendt, die in ihren meisten Einstellungen an keine geringere als Maria Perschy erinnert, spielt schnörkellos und wirkt letztlich etwas klischeebehaftet, jedoch passen Persson und sie richtig gut zusammen und bilden eine überzeugende Einheit. Die weiteren, teils spektakulären Rollen sind im Bezug auf Auftrittsdauer beinahe verschwenderisch verteilt worden. So sieht man beispielsweise Berta Drews, Wolfgang Büttner oder Karlgeorg Saebisch nicht übermäßig lange oder gar oft, sie hinterlassen allerdings einen angenehmen Eindruck, auch Hilde Sessak, die mal keine Aufseherin zu geben hatte, erfreut in ihrem Mini-Auftritt als Zeugin. Was diese Produktion auszeichnet ist die dichte Atmosphäre. Viele unterschiedliche Charaktere lenken den Verdacht mal mehr, mal weniger geschickt auf sich und schon alleine in dieser Beziehung wird Eintönigkeit verbannt. Dennoch hatte ich bei "Nebelmörder" nicht immer den Eindruck von Geradlinigkeit, da sich hochspannende und stilsichere Sequenzen oftmals mit, dem Empfinden nach eigenartigen oder manchmal sogar deplatziert wirkenden Inhalten abwechselten, was rückblickend aber gar nicht mal so uninteressant wirkt, wenn es sich gesetzt hat. Die Überführung bekommt man in einem guten Finale serviert, leider bleibt es (mir zumindest) weitgehend unklar, welche Motivation der Mörder hatte. Der Gesamteindruck geht schließlich in Richtung einer eigenständigen und überzeugenden Angelegenheit, der Film konnte sich in vielerlei Hinsicht von Artgenossen abheben. Gelungen!


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 Post subject: Todestrommeln am großen Fluss (1963)
PostPosted: 02.08.2015 15:30 
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● DEATH DRUMS ALONG THE RIVER / TODESTROMMELN AM GROSSEN FLUSS (GB|D|1963)
mit Marianne Koch, Richard Todd, Albert Lieven, Vivi Bach, Jeremy Lloyd, Robert Arden, Bill Brewer, Simon Sabela und Walter Rilla
eine Produktion der Big Ben Films | Constantin Film Produktion | Hallam Productions | im Verleih der Constantin
nach Motiven von Edgar Wallace
ein Film von Lawrence Huntington


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»Schlechte Nachrichten verbreiten sich immer schnell«


Ein kleiner Diamantenschmuggler ersticht einen Polizisten als er verfolgt wird und Inspektor Sanders (Richard Todd) nimmt die Ermittlungen auf. Schnell kann er herausfinden, woher dieser Dolch stammt und welche Personen mit den kriminellen Aktivitäten in Zusammenhang stehen könnten. Die Spur führt in die Klinik des bekannten Arztes Dr. Schneider (Walter Rilla), auf dessen Anwesen sich einmal Diamantenminen befunden haben. Dort lernt er die attraktive Ärztin Dr. Inge Jung (Marianne Koch) kennen, die ihm bei der gefährlichen Jagd nach den Hintermännern des Schmugglerrings behilflich ist. Als sie selbst in Gefahr gerät, setzt Sanders zum entscheidenden Schlag an...

Dann war es schließlich so weit mit dem letzten verbleibenden Edgar-Wallace-Film auf dem Speiseplan, jedoch hielt sich die Vorfreude stark in Grenzen, lag doch die Befürchtung nahe, dass es sich um eine ähnlich langweilige und zähe Angelegenheit wie bei "Sanders und das Schiff des Todes" handeln könnte. Überraschend und angenehm zugleich ist es, dass dieser erste Afrika-Wallace nicht den selben uninteressanten Verlauf offeriert und einen ordentlichen Unterhaltungswert transportiert. Im Vordergrund bei diesem Farbfilm stehen natürlich die herrlichen Aufnahmen der Landschaft, doch leider schwächelt der Krimi-Faktor erheblich. Obwohl immer wieder Spannung aufkommt und ein gutes Tempo vorgelegt wird, ist es die Vorhersehbarkeit, die dem Verlauf schwer zusetzt und den Whodunit-Effekt alles andere als spektakulär erscheinen lässt. Diamantenschmuggel, Mord und einige zwielichtige Gestalten sind zwar vorhanden, auch die Einheimischen werden so dubios und bedrohlich gezeichnet, wie es nur möglich ist, aber "Todestrommeln am großen Fluss" ist eben den Vergleichen mit konventionellen Wallace-Adaptionen ausgesetzt, wobei diese eigentlich hinken müssten, da Setting und Personen gemäß der literarischen Vorlage von Edgar Wallace komplett andere sind, und man eine angenehme Exotik wahrnehmen kann. Stilistisch gesehen, bewegte man sich dennoch eher in konservativen Gefilden, allerdings ist die ausgewogene und ziemlich geradlinige Bearbeitung anzuerkennen.



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Mit einer doch beachtlichen Zahl von 1,5 Millionen Kinogängern braucht sich diese Produktion sicherlich nicht komplett vor der Konkurrenz zu verstecken, auch mit den Darstellern kann man sich sehr gut anfreunden, wenngleich es sich für Serien-Verhältnisse quasi nur um die zweite Garnitur handelt. Richard Todd ist in der Rolle des Sanders gut bekömmlich, selbst Marianne Koch wirkt nicht so spröde wie üblich. Albert Lieven und Walter Rilla sieht man in obligatorischen Rollen, die sie aus dem Stand prägen können und Vivi Bach ist hier erneut ein Thema für sich. Angenehm ist, dass sich Koch, Lieven und Rilla für die deutsche Fassung selbst synchronisiert haben. Innerhalb der Konstellationen sieht man kaum ein größeres Bemühen sich voneinander abzuheben oder sich gar durchzusetzen, so dass der komplette Verlauf oftmals ziemlich gemütlich dahinplätschert. In Spannungsmomenten bediente man sich ausgiebig an vorhandenem Archivmaterial der hiesigen Fauna, hungrige Krokodile bedrohen Liebe und Leben, gemütliche Flusspferde schauen interessiert dabei zu, angriffslustige Schlangen kriechen umher und als kleine Schreckensmomente sind diese einfach gelösten Szenen einigermaßen dienlich. Musikalisch orientierte man sich sowohl an gängigen Wallace-Klängen, als auch an der einheimischen Music-Box, aber insgesamt wirkt das alles sehr stereotyp. Insgesamt gesehen ist "Todestrommeln am großen Fluss" wesentlich interessanter ausgefallen als sein Afrika-Nachfolger und als Abenteuer-Krimi mit leichten Action-Einlagen bleibt der Film recht unterhaltsam, jedoch hat man es unterm Strich mit keiner wirklichen Offenbarung zu tun. Um zu gefallen, verlässt sich Lawrence Huntington Beitrag daher hauptsächlich auf seine weitgehend imposante Bildsprache und die verlässliche Besetzung, die man ganz offensichtlich vor jeden Wagen spannen konnte. Ein weitgehend kurzweiliger Wallace-Exkurs.


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 Post subject: Die Pagode zum fünften Schrecken (1967)
PostPosted: 09.08.2015 22:58 
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● DIE PAGODE ZUM FÜNFTEN SCHRECKEN / FIVE GOLDEN DRAGONS (D|GB|FL|1967)
mit Robert Cummings, Maria Perschy, Margaret Lee, Maria Rohm, Rupert Davies, Klaus Kinski, Sieghardt Rupp, Roy Chiao, Yukari Itô
und als Gäste Christopher Lee, Dan Duryea, George Raft, Brian Donlevy
eine Produktion der Constantin Film Produktion | Blansfilm | Sargon | im Verleih der Constantin
ein Film von Jeremy Summers


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»Das sind fünf Bestien!«


Eine Verbrecherorganisation beherrscht den weltweiten, schwarzen Goldmarkt und sie nennen sich "Die fünf goldenen Drachen". Jeder von ihnen operiert für sich alleine, und die Männer, die sich hinter Masken verbergen, kennen sich nicht persönlich. Es kommt zu einem geheimen Treffen in der sogenannten "Pagode zum fünften Schrecken", wo man den immensen Gewinn der jahrelangen Geschäfte aufteilen möchte. Im Vorfeld dieses Handels ereignen sich allerdings eine Reihe mysteriöser Todesfälle, die sich schon bald als Morde herausstellen. Stehen sie etwa in direktem Zusammenhang mit diesem Geheimbund? Der Reporter Bob Mitchell (Robert Cummings) sucht nach Spuren und gerät bei seinen Ermittlungen in bedrohliche Situationen, außerdem wird er von der Polizei eines Mordes verdächtigt, den er nicht begangen hat. Um seine Unschuld zu beweisen, schmiedet er einen gefährlichen Plan. Maskiert will er an den Konferenztisch der "goldenen Drachen" gelangen, um ihnen das Handwerk zu legen...

"Die Pagode zum Fünften Schrecken" ist einer von vielen Spielfilmen jener Zeit und dieser Form, die vor beeindruckenden Kulissen an Originalschauplätzen spielen. In diesem Fall findet die weitgehend unterhaltsame Geschichte in Hongkong statt und fällt durch eine sehr ansprechende Bildgestaltung, satte Farben und eine pralle Ausstattung ins Auge. Regisseur Jeremy Summers orientiert sich an gängigen Formaten, allerdings nicht ohne der Veranstaltung etwas Individualität mitzugeben. Besonders gut arbeiten die zur Verfügung gestellten Charaktere in diesen Eindruck hinein, beliebte Stars sorgen für einen markanten Schliff, so dass man insgesamt von einer kurzweiligen Reise quer durch das Kriminal-, Action- und Abenteuerfach sprechen darf. Das Tempo wird von Mord und Erpressung diktiert, die Zusammenhänge um die Geheimorganisation der fünf gefürchteten Drachen werden langsam aber sicher zusammengetragen, so dass sich der geneigte Zuschauer auf einen immer wieder mit Spannungsmomenten und kleineren Schocks angereicherten Verlauf freuen darf. Sicherlich hat es schon ausgefeiltere, oder besser gesagt, konsequenter gelöste Geschichten gegeben, aber hier muss wirklich lobend erwähnt werden, dass man insbesondere im stilistischen Bereich eine gute Arbeit geboten bekommt. Die Geheimorganisation operiert im Hintergrund und es werden deren rücksichtslose Handlanger sein, die unterschiedliche Interessen und Leben bedrohen werden. Für eindeutige Blickfänge fernab der Kulissen ist ebenfalls gesorgt, und zwar in Form eines nahezu atemberaubenden Dreiergespanns an Damen, und gleichzeitig beliebten Darstellerinnen dieser Zeit, die zu einem gelungenen Eindruck beitragen werden. Die Hauptfigur, der Protagonist und (un)freiwilliger Ermittler Bob Mitchell kann dabei so oder so aufgefasst werden, also im Sinne eines willkommenen Zugpferdes oder weniger erfreulichen Pferdefußes.



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Robert Cummings wurde also vor diese Schreckenspagode gespannt und unabhängig davon, wie man seine Interpretation letztlich auffasst, darf man von einem Helden sprechen, der zumindest alternative Wege einschlagen kann, um die zahlreiche Konkurrenz immer wieder leicht in die Schranken zu weisen. Sicher, er ist bestimmt kein Joe Walker, aber eben auch kein nüchterner Sanders, folglich weiß der selbstironisch agierende Amerikaner unterm Strich doch zu gefallen. In diesem Sinne sollten gleich die bereits angesprochenen Damen erwähnt werden, von denen eine schöner als die andere aussieht. Maria Perschy begeistert mit Stil und Eleganz, aber auch Ambivalenz und Folgewidrigkeit, letzteres allerdings eher im Sinne ihrer gut konstruierten Rolle. Maria Rohm als Stammbesetzung in Filmen ihres Ehemannes Harry Alan Towers, der auch "Die Pagode zum fünften Schrecken" produzierte, zeigt sich anmutig und gut aufgelegt, genau wie die immer schöne Margaret Lee, deren Rolle auch noch mehr hergeben kann, als es zunächst den Anschein hat. Die Schurkenrollen sind in Reinform durch Klaus Kinski und Sieghardt Rupp in Perfektion abgedeckt, und es macht nicht viel aus, dass sich diese Auftritte im Bereich der für sie üblichen Schablonen wiederfinden. Lediglich Rupert Davies als ermittelnde Figur bekam wenig Raum zugedacht und bleibt daher hinter seinen Möglichkeiten zurück. In Summers' Beitrag sollte man nicht auf einen großartigen Whodunit spekulieren, wenngleich es im Finale zu einer mehr oder weniger gelungenen Überraschung kommt, oder zumindest kommen könnte, falls man die Strukturen des Verlaufs nicht komplett durchschauen konnte. Bedeutende Spannungsmomente, waghalsige Effekte und außergewöhnliche Überraschungen gibt es im Endeffekt nicht, höchstens in gebündelt-dosierter Form, jedoch kann man das angebotene Paket als gelungenen Ausflug in die Gefilde konspirativer Machenschaften vor asiatischer Kulisse nennen. Die größten Vorzüge hält schlussendlich die prominente und international gefärbte Besetzung bereit, denn sie vermag im Spaziergang über die volle Distanz zu fesseln.


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 Post subject: Lohngeld (1977)
PostPosted: 11.08.2015 09:47 
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Folge 8: LOHNGELD (D|1977)
mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Xenia Pörtner
Gäste: Sigmar Solbach, Karl Lieffen, Brigitta Furgler, Klaus Dierig, Friethjof Vierock, Horst Sachtleben, u.a.
Eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
Regie: Dietrich Haugk




»In unserem Beruf ist fast nie was klar, ist das klar?«


Helmut Staufen, ein strebsamer junger Mann, arbeitet als Prokurist in der Baufirma Ströbel. Sein Chef hält sehr große Stücke auf ihn, denn er erledigt seine Aufgaben zuverlässig und gewissenhaft. Als eine bessere Stelle zu vergeben ist, hofft Helmut auf einen weiteren Aufstieg in der Firma, doch er kann es kaum glauben, als die Stelle extern vergeben wird, und er plötzlich einen Fremden vor sich sitzen hat, der weisungsbefugt ist. Ab diesem Zeitpunkt wendet sich das Blatt für ihn und alles scheint schief zu laufen. Auch Eva, die Tochter des Chefs, mit der er sich eine engere Beziehung erhofft hat, meidet ihn neuerdings. Als Helmut eines Tages die Lohngelder für den Betrieb abholen soll, kommt ihm eine waghalsige Idee und er inszeniert einen Überfall, der ihm ab sofort die Rolle eines Helden einbringen wird. Doch diese Rolle wird er nicht lange spielen, da die Situation einen Toten fordert...

Eine Folge von Krimi-Spezialist Dietrich Haugk verspricht in der Regel sehr interessant zu werden und es stellt sich bereits nach kurzer Zeit heraus, dass es auch in dieser achten Folge der Fall sein wird. Der Zuschauer bekommt es mit einer absolut greifbaren Episode zu tun, da die Charaktere nicht sehr weit weg zu sein scheinen und auch diverse Reaktionen und Emotionen gehören mitunter zum Tagesgeschäft, da der Schauplatz Arbeit einen großen Teil der Woche in Anspruch nimmt. Man befindet sich im Arbeitermilieu, quasi in der bürgerlichen Mitte, und es zeigt sich ein breites Spektrum an unterschiedlichen Verhaltensweisen. Kleinkriege finden statt, Frustration baut sich auf, man sieht falsche Erwartungen, hört deutliche Worte, allerdings nur von denjenigen, die sie sich erlauben können, Solidarität, Hilfe, Vertrauen, aber auch hinterhältige Aktionen, Neid und Hass, sprich, eine Liste, die sich viel weiter fortführen ließe. Begleitet wird der beinahe stumpfe Charakter dieser Folge durch eine eigenartige Orgelmusik von Hermann Thieme, die verheißungsvoll und seltsam zu gleich wirkt. Begrüßenswert ist auch das straffe Tempo des Verlaufs, auch der fast exemplarische Aufbau kann durchaus für Aufsehen sorgen. In den frühen Beiträgen von "Der Alte" hatten "Whodunit"-Effekte noch so gut wie keinen Raum zugedacht bekommen und man kann dem jeweiligen Täter dabei zusehen, wie er vorgeht, wie er strauchelt, wie er von Köster in die Falle gelockt wird. Besonders in "Lohngeld" zeigt der störrische Ermittler seine angriffslustige, sarkastische und gerne auch seine zynische Seite. Dies zeigt sich nicht nur im Umgang mit dem zweifelhaften Protagonisten, den er ganz offenkundig verabscheut oder vielleicht sogar bereits bemitleidet, sondern auch bei Verdächtigen aller Couleur, oder beispielsweise auch bei Millinger, Kösters Chef.

Herrlich ist in diesem Zusammenhang die Szene, als Millinger nach der kleinen Verletzung fragt, die Köster sich privat zugezogen hatte: »Was haben se denn mit Ihrem Finger gemacht?« Trocken und wie aus der Dienstwaffe geschossen kontert er nur: »Den hab ich durchgescheuert, als ich mein Gehalt gezählt habe!« Die im kriminalistischen Sinne interessante Person ist in Haugks Folge Sigmar Solbach, ein von Ehrgeiz und Geltungsbedürfnis zerfressener Mann, der seine Komplexe durch den diffusen Angriff zu kaschieren versucht. Er arbeitet zwar hart, aber er neigt auch dazu, nach den kleineren Sternen zu greifen. Solbach formt diesen Emporkömmling präzise und sorgt für dichte Momente, seine Kreation wirkt nach fortlaufender Zeit widerwärtig und irgendwann einfach nur noch bemitleidenswert. Das spektakuläre Aufzeigen einer unvermeidbaren Kettenreaktion macht Folge 8 zu einem sehr interessanten, und nicht minder intensiven Exkurs, in dem "Der Alte" seinem Gegenüber immer wieder unmissverständlich zu verstehen gibt, was er von ihm hält. Im Verlauf zieht er die Schlinge immer weiter zu und wartet auf Fehltritte des jungen Mannes, der in seinem Kaff trotz, oder gerade wegen seines Verbrechens gefeiert wird wie ein Held. Alle zeigen sich solidarisch, er kommt aus dem Schulterklopfen der Anderen nicht mehr heraus, junge Mädchen feiern ihn wie einen Star und wollen Autogramme, das Leben könnte ab sofort so angenehm für Helmut Staufen sein, wenn Erwin Köster nicht solch penetrante Ermittlungen durchführen, und seiner Intuition folgen würde. Der Gerechtigkeit verhilft schließlich das Drehbuch auf recht tragische Art und Weise zum Sieg, und unterm Strich kann man sagen, dass sich diese Episode der noch jungen Reihe immer wieder lohnt, da sie im Endeffekt sehr unkonventionell ausgefallen ist.


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 Post subject: Leichen pflastern seinen Weg (1968)
PostPosted: 13.08.2015 16:48 
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Jean-Louis Trintignant   Klaus Kinski   in

LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG

● IL GRANDE SILENZIO / LE GRAND SILENCE / LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (I|F|1968)
mit Frank Wolff, Luigi Pistilli, Mario Brega, Carlo D'Angelo, Marisa Merlini und Vonetta McGee
eine Produktion der Adelphia Compagnia Cinematografica | Les Films Corona | im Verleih der Centfox
ein Film von Sergio Corbucci


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»Er darf nicht begraben werden bevor ich das Geld kassiert habe!«


Utah, gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In der kleinen Stadt Snowhill herrscht unter den ärmsten Bürgern Hunger und Elend, denn die kalten Temperaturen bedrohen ihr Leben. Um nicht umzukommen, überfallen diese mittlerweile organisierten Banden wohlhabende Leute, woraufhin sie zu Gesetzlosen deklariert wurden, auf die man hohe Kopfgelder ausgesetzt hat. Snowhill zieht seitdem zahlreiche Kopfgeldjäger an, die die gesuchten Leute nun mit der Absolution des Gesetzes jagen, aufspüren und töten dürfen. Der unerbittlichste unter den Kopfgeldjägern ist Loco (Klaus Kinski), der auch den Mann von Pauline (Vonetta McGee) getötet hat. Sie sinnt auf Rache und heuert Silence (Jean-Louis Trintignant) an, der Loco erledigen soll. Doch die Angelegenheit verläuft für den stummen Einzelgänger nicht so leicht wie gedacht, denn seine Zielscheibe lässt sich nicht so einfach von ihm provozieren...

Der Einstieg in Sergio Corbuccis Film geschieht schnell, eindeutig, brutal und ebnet daher eine unmissverständliche Marschrichtung. Bereits in den ersten Szenen wird die Dialogarbeit von schnell gezogenen Colts übernommen und es kommt zunächst nur eine entscheidende Frage auf: wer zieht zuerst, wer stirbt zuerst? Eigenartig und beeindruckend zugleich sind die mit Schnee überhäuften Schauplätze, die von der ersten Minute an Stimmungen fabrizieren und quasi buchstäblich den kalten Charakter dieser Geschichte und der meisten Charaktere unterstreichen. Ennio Morricones wunderbare Musik leistet bestimmende Schützenhilfe, es ist, als hallen die verheißungsvollen, nahezu feierlichen Klänge wie ein Echo aus den Bergen, genau aus jenen Bergen, die die Kopfjäger erst anlocken, da sich dort ihre Zielscheiben verbergen. Bevor dieses Ziel erreicht wird, gibt es auf dem Weg dorthin noch genügend Opfer zu erledigen und die angewandte, unempfindliche Brutalität ist erschreckend, wenn auch zugleich notwendig für den weiteren Ablauf. Die beiden Hauptpersonen sind mit Silence und Loco schnell gezeichnet, und ohne Klimmzüge entsteht eine merkliche Grundspannung, da man jetzt schon an den bevorstehenden Clash denken muss. Vieles, das in aller kürze aufgezeigt wird, wirkt möglicherweise verstörend für den Zuschauer, vielleicht ist man sogar noch damit beschäftigt, erst einmal die gegensätzlichen Grundvoraussetzungen der Schauplätze oder des rapiden Aufbaus zu ordnen. Der stumme Einzelgänger Silence verwendet eine Sprache, die bei jedermann verständlich ist - er benutzt seinen Colt. Sein Antagonist Loco strahlt in zynischer Härte und beide erscheinen komplett gegensätzlich zu sein, jedoch sprechen sie eigentlich die gleiche Sprache. Der Aufbau zeigt sich hier dennoch ganz klassisch an einer Unterteilung zwischen Held und empfundenem Abschaum interessiert.



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»Wir haben nichts getan, was ungesetzlich ist!« Derartige Parolen wird man in ungefähr der gleichen Façon gebetsmühlenartig von Klaus Kinski hören, der aus Loco eine unglaublich beeindruckende Figur formt. Er wirkt hier wie der Wolf, der Kreide gefressen hat um im nächsten Moment ein Happening der exzessiven Brutalität zu veranstalten. Die Menschenjagd stellt zwar ein einträgliches Geschäft dar, aber beinahe möchte man deuten, dass es sich lediglich um einen willkommenen Nebeneffekt handelt, da es ihm ums Hetzen, Töten und Vernichten geht. Die beschriebene Unempfindlichkeit wird von Klaus Kinski auf den Punkt gebracht und der Tod der Anderen wird zur einzigen Rechtfertigung für das eigene Überleben. Doch sind es eben stets die anderen, die nicht überleben, sondern es ist Loco, der dadurch ein Stück weit unbezwingbar und noch gefährlicher wirkt. Diese Grundvoraussetzung setzt dem Bild des eigentlichen Protagonisten indirekt schwer zu, da er gegen eine, dem Empfinden nach omnipotente Person zu kämpfen hat. Lediglich die aus der Erfahrung resultierende Gewissheit, oder vielleicht eher gesagt Hoffnung, dass Helden nicht einsam, oder eben gar nicht sterben, überlagert diesen Eindruck weitgehend sicher. Hass und Gefühle der unendlichen Rache bäumen sich auf, so dass eine Katastrophe unausweichlich zu sein scheint. Wie wird sie jedoch aussehen? Wird der Gerechtigkeit am Ende Genüge getan, Raum für mögliche Gefühlsduseleien zur allgemeinen Entschärfung der harten Marschrichtung geschaffen, oder wird ein Phantom, das sich Überraschung nennt, triumphieren? Interessante Fragen der Erstansicht, die der Verlauf, oder viel mehr Sergio Corbucci konsequent klären wird, ohne jedoch größere Hoffnungsschimmer und Atempausen aufkommen zu lassen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand vorbei schießen wird, erscheint so gut wie ausgeschlossen.

Bei den darstellerischen Leistungen gibt es keine unpassenden Kapriolen und sehr stilsichere Leistungen. Ohne sich Übertreibungen hinzugeben, übertreffen sich Jean-Louis Trintignant und Klaus Kinski selbst, Frank Wolff und Liugi Pistilli färben ihre Charaktere weitgehend unkonventionell und die schöne Vonetta McGee erweist sich als einer der großen Überraschungscoups der Besetzungsliste. In, und um Snowhill herum, scheint es also nur so von Barbaren zu wimmeln. Schüsse durchziehen immer wieder das winterliche Szenario, Menschen (oder besser gesagt die Handelsware) erlegt man wie Vieh, die Leichen werden zusammengeschnürt, zum Frischhalten im Schnee verscharrt und abtransportiert, die Kopfjäger arbeiten ihre Liste mit einer buchstäblichen Bürokratie des Grauens ab. Hilfreich ist in allen Belangen die ausgezeichnete Bildsprache, die Dialoge verlaufen angemessen und sparen sich kleinere Ausrufezeichen nicht auf, musikalisch erlebt man die stets abgestimmte Crème de la Crème eines feinfühligen, aber auch demonstrativ fordernden Ennio Morricone, willkommene kurze Rückblenden tragen zum Verständnis bei und das Geschäft mit dem Tod wird durchweg mit drastischen Bildern garniert. Der große Showdown in Form eines perfide gestalteten, aber ebenso in atemberaubenden Bildern festgehaltenen Finales kommt einer ordentlichen Western-Kulturrevolution gleich und besitzt absolut das Potential, sprachlos zurückzulassen, denn die dem Genre oft vorgeworfene Oberflächlichkeit wird hier zum Ende hin sozusagen bereitwillig aufgehoben. Ganz im Sinne der internationalen Verleihtitel, die sich mit der Stille beschäftigen, kann man schon sagen, dass sie den Nagel auf den Kopf treffen und vielleicht nur Shakespeare noch passender gewesen wäre, denn der Rest ist (hier tatsächlich) Schweigen. Ein wirklich hochklassiger Beitrag.


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 Post subject: Hasse deinen Nächsten (1968)
PostPosted: 16.08.2015 10:31 
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HASSE DEINEN NÄCHSTEN

● ODIA IL PROSSIMO TUO / HASSE DEINEN NÄCHSTEN (I|1968)
mit Clyde Garner, George Eastman, Nicoletta Machiavelli, Ivy Holzer, Robert Rice, Franco Fantasia und Horst Frank
eine Produktion der Cinecidi
ein Film von Ferdinando Baldi


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»Auf das Gesetz können Sie hier scheißen!«


Der Bruder von Ken Dakota (Clyde Garner) wurde ermordet, da er Hüter eines lukrativen Geheimnisses war. Er besaß eine Karte, die den Weg zu einer versteckten Goldmine beschreibt, doch Gary Stevens (George Eastman) konnte ihn aufspüren, ihm die Karte entwenden und ihn schließlich für immer zum Schweigen bringen. Ken schwört Rache. Da Gary finanzielle Mittel fehlen, um das Gold bergen zu können, schlägt er dem berüchtigten Bankier Chris Malone (Horst Frank) ein Geschäft vor und die beiden werden Partner. Doch Malone vertritt die Meinung, dass Partner zu kostspielig sind und er lässt ihn in eine Falle laufen, die ihn an den Galgen bringen soll...

Im Dunstkreis gängiger Rache-Geschichten stellt Ferdinando Baldis "Hasse deinen Nächsten" einen Beitrag der unterschiedlichen Qualitätsebenen dar. Zunächst sollte einmal das ohne jeden Zweifel vorhandene Potential erwähnt werden, welches unterm Strich allerdings ungenutzt blieb. Leider schwächelt der Film an einer zu inkonsequent bearbeiteten Story, die sich dem Empfinden nach zu sehr dahin streckt und sicherlich straffer hätte gelöst werden können. So wird man den Eindruck nicht los, dass sich die Jagd nach der Schatzkarte unnötig zieht und sie hätte kompakt in der Hälfte der benötigten Zeit zusammengefasst werden können. Auch das Motiv der Rache wird durch den nicht gerade temperamentvoll wirkenden Hauptdarsteller Spiros Focás, hier unterwegs als Clyde Garner, zu einer mittelschweren Geduldsprobe, da er insgesamt eine besondere Strategie vermissen lässt. Fairerweise muss man betonen, dass er sicherlich zusätzlich in einem schwächeren Licht steht, weil seine Antagonisten ganze Arbeit leisten und durch George Eastman und Horst Frank markant Gestalt annehmen. Gut, der unheimlich wohlklingende deutsche Titel lässt schon einmal auf ein Spektakel hoffen, und in diesem Bereich sind diverse Einfälle zu betonen, die vielleicht weniger brutal daherkommen, als dass sie unkonventionell erscheinen. Horst Frank delegiert Kämpfe seiner sogenannten Sklaven, seine Herzdame darf hier beiwohnen und schildert eine perverse Lust am Zuschauen. Die Action-Anteile sind zum größten Teil ansprechend gelöst und sorgen für Abwechslung, ein wenig mehr Schock hätte der Angelegenheit hier oder da sicherlich gut getan, zumal das Szenario immer wieder mit ungünstigen humorigen Untertönen aufgelockert wird, wobei man auf dieser Ebene nahezu vollkommen versagt hat und die halbherzigen Sprüche eher störend als förderlich wirken.

Andere Töne schlägt hier ein wieder einmal glänzend aufgelegter Horst Frank an, der Skrupellosigkeit, Zynismus und ebenfalls eine Art Perversion miteinander zu vereinen scheint. Der Luxus und das Plaisir sind sein Leben, und um sich diese Annehmlichkeiten zu verschaffen, müssen andere für ihn bluten und im Zweifelsfall eben auch sterben. Seine Frau bekommt ein reizvolles Gesicht von Ivy Holzer verliehen, mehrere Akzente in der Dialogarbeit wären begrüßenswert gewesen. Spiros Focás bleibt wie bereits erwähnt leider schwach, so dass er die Hauptrolle nur notdürftig prägen kann, weil er als Held eigentlich zu selten Akzente setzt. Unter diesen Voraussetzungen ist es dann immer geradezu verdächtig, wenn man sich gedanklich lieber auf die Seite der Bösewichte schlägt, und ihnen hinter vorgehaltener Hand gutes Gelingen wünscht. Nicoletta Machiavelli bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten, was man von der wie üblich imposanten Erscheinung George Eastmans glücklicherweise nicht behaupten kann. Die Rolle des, von der Grundhaltung her rücksichtslosen Bösewichtes, der mit den großen Hunden pissen gehen will, aber das Bein nicht gehoben bekommt, steht ihm ausgezeichnet und man bekommt eine seiner besseren Performances geboten. Also auch hier gibt es wie eigentlich überall Licht- und Schattenseiten, jedoch vermittelt Ferdinando Baldis Beitrag einen insgesamt recht hohen Unterhaltungswert. Stilistische Höhen und Tiefen sind innerhalb der schwachen Dramaturgie inklusive, die Bildgestaltung ist durchgehend sehr überzeugend, leider ist die Kamera in den wichtigen Momenten zu starr, oder besser gesagt zu vorsichtig, um diesen Eindruck gebührend in den Fokus zu rücken. Musikalisch gesehen geschieht hier nichts Erstaunliches, die Dialoge und die Ausstattung befinden sich jedoch im annehmbaren Bereich. So bleibt "Hasse deinen Nächsten" ein eher durchschnittlicher Vertreter, dem das lange Hinauszögern möglicher Höhepunkte nicht besonders gut bekommt, außerdem löst sich das mühsam erwartete Finale durch ein unwillkommen seicht konstruiertes Happy-End zugunsten diverser Gutmenschen buchstäblich in Luft auf.


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 Post subject: Eine Frau namens Harry (1990)
PostPosted: 18.08.2015 13:20 
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Thomas Gottschalk   in

EINE FRAU NAMENS HARRY

● EINE FRAU NAMENS HARRY / HARRY AND HARRIET (D|1990)
mit Fiona Fullerton, Mandy Perryment, Heinz Hoenig, Daniel Friedrich, Heinz Marecek, Maria Perschy, Andrea Schober
Julia Kent, Robert Dietl, Jochen Busse, Eddi Arent, Sabi Dorr sowie Charles Gray und als Gast Stephanie Beacham
ein Produktion der K.S. Film | Lisa Film | Monaco Film | Roxy Film | im Verleih der Tivoli
ein Film von Cyril Frankel


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»Ich weiß, das Leben ist absurd!«


Harriet (Mandy Perryment) möchte ihrem Leben ein Ende setzen, da sie ohne Selbstbewusstsein ist, und von Niemand ernst genommen wird. Bevor sie sich eine Überdosis Schlaftabletten verabreichen will, lautet ihr letzter Satz wie folgt: »Ich würde meine Seele geben, um ein Mann zu sein!«, doch bevor sie ihrem Dasein ein Ende setzen kann, ruft sie damit den Teufel (Charles Gray) aus den Pforten der Hölle zu sich. Dieser bietet ihr einen ungewöhnlichen Deal an, so dass sie am nächsten Tag schließlich als Mann aufwacht, der aber immer noch weibliche Gedanken hat und sich ab sofort Harry (Thomas Gottschalk) nennt. Die Mitbewohnerin Katharina (Fiona Fullerton) nimmt sich ab sofort dem verwirrten Geschöpf an und beide arbeiten daran, das zu erreichen, wonach Harriet ihr ganzes Leben gesucht hat. Doch auch auf der Erfolgsschiene gibt es so manchen Stolperstein...

Das Durchforsten von Maria Perschys Filmografie hält also auch derartige Ausrutscher bereit, womit zwar nicht ihr kurzer, recht passabler Gastauftritt gemeint ist, sondern es ist der Film, der das Potential besitzt, unangenehm zu berühren. Um es daher sofort auf den Punkt zu bringen: Cyril Frankels Klamauk-Trickkiste wirkt hier nicht nur äußerst angestaubt, sondern man bekommt einen Film serviert, der eine ebenso kurze Halbwertszeit besitzt, wie die Witze, die man um die Ohren gehauen bekommt. Auf der Welle von Thomas Gottschalks vorhergegangenen Filmen mit Mike Krüger, sieht man ihn hier in einem äußerst impulsiven Alleingang und das Vehikel kann heute nur noch vage unterhalten, wenn überhaupt. Platter Humor, stumpfsinnige Dialoge, eine magere Ausstattung, ein internationales Aufgebot an Stars, das hier mit einem aufgesetzten Lächeln permanent ins Messer läuft und sich am laufenden Band selbst brüskiert, ja, die Angelegenheit ist nur noch sehr schwer bekömmlich. Obwohl die Thematik anfangs zwar eine Handvoll amüsante Ansätze transportiert, driftet die Geschichte schnell in ein Perma-Joke-Festival der kaum erträglichen Sorte ab, so dass die wenigen gelungenen Intervalle absolut uninteressant werden. Während man sich noch über die international bekannten Darsteller freut, schlägt dies leider schnellstens in Verwunderung um, da sie sich wirklich alle diesem Kampf gegen Windmühlen beugen. Gut, zeitbezogen darf man die Angelegenheit auch wieder relativ betrachten, schließlich ist man im Kindesalter selbst in derartige Filme mitgegangen und man stellt sich schließlich die Frage, ob solche Filme früher eigentlich tatsächlich lustiger waren? Nicht wichtig, denn Humor hat heute definitiv andere Gesichter.



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Die Liste der Darsteller ist in "Eine Frau namens Harry" insgesamt beeindruckend, man kann es nicht anders sagen. Mit Fiona Fullerton und Charles Gray hatte man Interpreten an Bord, die sogar "James Bond"-Erfahrung vorweisen konnten, dies jedoch hier bei Weitem nicht gebraucht haben. Auch Stephanie Beacham, die kurz zuvor noch als "Denver Clan"-Kratzbürste zu sehen war, wirkt genau wie ihre Kollegen überzeugend. Etliche bekannte Gesichter schließen sich an, doch natürlich bleibt es hier die Frage, inwiefern das Drehbuch und die Dialoge den Schauspielern schwer zusetzen, oder sie verschonen. Zum Thema Thomas Gottschalk sollte vielleicht nur erwähnt sein, dass er seinen damaligen Status als amüsanter Kerl keineswegs in die heutige Zeit übertragen konnte. Ein großes Staraufgebot für einen kleinen Film, das sind ja Voraussetzungen die funktionieren können, allerdings versteht man hier manchmal die Welt nicht mehr wenn man sich immer und immer wieder fragt, ob einige Geschütze vor 25 Jahren denn überhaupt lustig gewesen sind. Um nochmals auf die Geschichte zurückzukommen, der Verlauf offeriert wenige Überraschungen und ist daher ziemlich vorhersehbar, bietet allerdings ein paar turbulente Szenen, die möglicherweise vor dem Abschalten bewahren. Für den feinfühligen Harry bieten sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten, die Frauen liegen ihm reihenweise zu Füßen und der Verlauf setzt auf ein Verwirrspiel von Emotionen und Reaktionen. Für Cyril Frankel war es die letzte Arbeit als Regisseur und er setzte sich nach den schlechten Kritiken über seinen Film zur Ruhe. Insgesamt gesehen, sieht man in dieser Komödie nichts weiter als aufgewärmte Inhalte, die man andernorts schon dutzendfach gesehen hat, die Geschichte bleibt unterm Strich schwerlich originell und wer hier zuletzt lacht, muss wohl erst noch gefunden werden. Seht selbst und weint!


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 Post subject: Fünf Freunde im alten Turm (1978)
PostPosted: 23.08.2015 18:44 
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● Folge 16: FÜNF FREUNDE IM ALTEN TURM / FIVE GET INTO A FIX (1978)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz
Gäste: Maurice Kaufmann, Catherine Brandon, Aimée Delamain, Martin Potter, Maureen Morris, Samantha Weysom, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: David Pick




Die Fünf Freunde wollen ihre Ferien auf der Farm von Mrs Jonas verbringen. Auf dem Weg dort hin verfährt sich Onkel Quentin, und sie gelangen zu einem ungemütlichen Haus namens Old Towers, wo plötzlich auch der Wagen streikt und nicht mehr von der Stelle kommt. Auf der Farm werden die Besucher vor diesem seltsamen Ort gewarnt. Es heißt, dass die alte Mrs Thomas in diesem Haus von ihrem eigenen Sohn Albert wie eine Gefangene gehalten wird. Nachts hört man unheimlichen Donner, Lastwagen fahren ein und aus, und die Spur führt tatsächlich zum alten Turm. Als sie auch noch ein kleines Mädchen kennen lernen, das einen Hilferuf der alten Frau bei sich hat, beschließen sie, das Geheimnis zu lüften. Die Kinder ahnen noch nicht, in welche Gefahr sie sich begeben.

Nummer 16 gehört zu den Folgen, die ich als Kind nie gesehen habe, und erst vor Jahren zu Gesicht bekam. Sie war immer eine meiner Lieblingsfälle auf MC und die Sichtung bestätigte schließlich, dass ich mir das Setting in Gedanken in etwa genau so vorgestellt hatte, außer dem alten Turm, der hier eher ein altes Landhaus ist. So gehört auch diese Episode der Serie zu meinen Favoriten, obwohl sie einige verworrene Elemente beinhaltet. Der Einstieg ist stark, als man vor dem unheimlichen Haus hängen bleibt. Quentins Ford Cortina 2.3 Ghia (das Modell kam hierzulande als Ford Taunus auf den Markt) ist wie am Boden angesaugt und in letzter Sekunde bekommt er das Auto wieder in Gang, bevor ein schwer bewaffneter Mr Thomas, mit bissigen Hunden auftaucht. Besonders die Fahrzeuge der Serie wecken immer wieder Erinnerungen, da wir damals in der Familie immer sowohl Ford Granada, als auch Taunus gefahren sind. Die deutsche Fassung wurde für die damalige TV-Ausstrahlung gekürzt und zeigt ein viel zu abruptes Ende. Glücklicherweise sind diese entfernten Szenen mit Original-Ton wieder eingefügt worden, da es sich um eine Schlüssel-Szene handelt. Leider wird insgesamt dennoch nicht genau erklärt, was sich hinter diesen alten Mauern abgespielt hatte. Bei einer Folge mit derartiger Reizüberflutung für junge Zuschauer aber auch nicht weiter tragisch.

Erneut bekommt man in dieser Episode sehr charismatische Bösewichter präsentiert, und allen voran steht der britische Schauspieler Maurice Kaufmann, der nach dieser Performance durchaus von sich behaupten kann, dass er einen der bedrohlichsten Verbrecher dargestellt hat, der seine Wirkung voll entfaltet. Für die deutsche Fassung wurde er auch noch mit der Stimme von J.R. Ewing versehen, was den Eindruck des rücksichtslosen Fieslings perfekt macht. Er hält seine arme alte Mutter in ihrem eigenen Haus gefangen und geht unbehelligt seinen kriminellen Aktivitäten nach. So hetzt er Hunde auf die Kinder und bedroht Eindringlinge mit einer Schrotflinte, auch vor einer Sprengung in der Mine unter dem Haus schreckt er nicht zurück, als sich die Kinder noch dort befinden. Für den jungen Zuschauer garantiert dies schon einmal Hochspannung. Die entfernten Szenen mit den Männern in Schutzanzügen, die seltsame Steine wegschaffen, ergibt für die Geschichte keinen greifbaren Sinn, da sie kaum eine schlüssige Erklärung findet. Für Kinder sind derartige Inhalte jedoch hochinteressant, und wenn auch nur im optischen Sinne. Selten waren die 5 Freunde in so großer Gefahr wie hier, selten ging es so rabiat zu wie rund um den alten Turm, und selten konnten diese Komponenten die eklatanten Schwächen einer Folge der laufenden Serie so ausgezeichnet kaschieren.


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 Post subject: Die Hinrichtung (1976)
PostPosted: 24.08.2015 14:44 
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DIE HINRICHTUNG

● DIE HINRICHTUNG / NÉ POUR L'ENFER / E LA NOTTE SI TINSE DI SANGUE / BORN FOR HELL (D|F|I|CDN|1976)
mit Matthieu Carrière, Debbie Berger, Christine Boisson, Eva Mattes, Leonora Fani, Myriam Boyer,
Carole Laure, Ely de Galliani, Andrée Pelletier, Paul Edwin Roth, Gerda Gmelin, Eva Brumby, u.a.
eine Produktion der Studio Film | TIT Filmproduktion | Filmel | Compagnia Cinematografica Champion |
Cinévidéoim | Les Productions Mutuelles Ltée | im Verleih der Nobis
ein Film von Denis Héroux


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»Die Armee hat festgestellt, ich sei völlig normal«


Der Amerikaner Cain Adamson (Matthieu Carrière) kehrt aus dem Vietnamkrieg zurück. Auf dem Weg nach Hause gehen ihm die finanziellen Mittel aus, so dass er einen zwangsläufigen Zwischenstopp in Belfast einlegen muss. Ziellos schleicht er in der von Gewalt geprägten Stadt umher, bis ihm ein Schwesternwohnheim ins Auge fällt. Von einer der dort untergebrachten jungen Frauen bekommt er etwas Verpflegung und einige nette Worte, doch bei dem vom Krieg gezeichneten Mann löst dieses Aufeinandertreffen eine nicht vorauszusehende Kurzschlussreaktion aus. Bei Nacht kehrt er in das Wohnheim zurück und nimmt die jungen Frauen als Geiseln. Doch damit nicht genug, denn Cain manövriert sich in einen regelrechten Rausch und richtet ein entsetzliches Massaker an, das die Stadt erschüttern wird...

Betrachtet man die internationalen Verleihtitel dieses absolut packenden Psycho-Dramas, so stellt sich ungewöhnlicherweise heraus, dass jeder einzelne diesen Beitrag doch unmissverständlich charakterisieren wird. Entstanden unter der Regie des kanadischen Regisseurs Denis Héroux, sieht man einen Verlauf, der sich einer schonungslosen Bildsprache bedient, die überdies das Potential besitzt, den Zuschauer nachhaltig schockieren zu können. Interessanterweise wird der vollkommen real wirkende Transfer über die Stadt Belfast hergestellt, die durch die Aktivitäten der IRA einem trostlosen Kessel aus Gewalt gleicht. Für die tragische Hauptfigur spielt es also keine Rolle, wo er sich gerade befindet, wohin er gerade flüchtet, denn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bestehen aus Gewalt, Verderben und Tod, oder es wird mit aller Wahrscheinlichkeit immer wider darauf hinauslaufen. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich hier doch einige gedankliche Querverbindungen zu dem kurz zuvor entstandenen "Parapsycho - Spektrum der Angst" herstellen lassen, die sich nicht nur in den Bereichen Stab oder Besetzung finden lassen, sondern vor allem in der kalten, sterilen und unkonventionellen Machart. In beiden Produktionen sah man beispielsweise Debbie Berger und Matthieu Carrière agieren, oder die deutsche TIT war als Produktionsgesellschaft beteiligt, manche Szenen, beziehungsweise Selbstinszenierungen wirken nahezu identisch. Der Einstieg in den Film geschieht schnell und unmissverständlich, man begleitet die Hauptperson in Form eines erneut absolut beunruhigenden Matthieu Carrière und man lässt sich voller Skepsis und Widerstand an die Hand nehmen. Ihm zu folgen ist nicht gerade einfach, denn es wird in immer extremer werdenden Handlungen zu Szenen kommen, die auf ihre Art und Weise rücksichtslos sein werden und jeglichen Hoffnungsschimmer ausschließen.



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Matthieu Carrière, sozusagen der Coup einer jeden Besetzungsliste, kann erneut demonstrieren, wie man die Zuschauer nachhaltig das Fürchten lehrt. Dieser Effekt geht zunächst auch vollkommen ohne drastische Szenen auf, denn man sieht ihm einfach ganz deutlich an, dass es sich um eine gescheiterte Existenz handelt, sei es von Grund auf, oder durch bestehende Rahmenbedingungen. Was man sieht, wirkt eher erschreckend als bemitleidenswert, denn die Prognose liegt ungeschönt auf der Hand. Ein junger Mann der innerlich vollkommen ziellos, verwirrt und apathisch zu sein scheint. Was darf man angesichts der verschiedenen, aber eindeutig klingenden Titel des Films also schon anderes erwarten, als eine Odyssee ins Verderben? Klingt dieser Umstand noch schwer nach einer möglichen Vorhersehbarkeit, so erteilt die Regie in diesem Zusammenhang eine deutliche Abfuhr, denn hier wird nicht das Ziel von entscheidender Bedeutung sein, sondern der brutale Weg, der sich Gewaltspitzen und eine sozusagen psychologische Schraubzwinge nicht aufspart. Cain kommt also in einem Pulverfass an, welches die Stadt Belfast repräsentiert. Im Umkehrschluss kann man ihn aber genau mit diesem unruhigen, nervösen und gewaltbereiten Umfeld gleichsetzen, in vielen Situationen sieht man eine Unempfindlichkeit, eine Emotionslosigkeit und fehlende Anteilnahme, die verstörend ist. Cain agiert mit Ruhe und sogar empfundener Höflichkeit. Nur in Situationen, in denen er sich unbeobachtet fühlt, mit jemandem alleine ist, kommen seine angestauten Aggressionen ungeniert zum Vorschein. Er wirkt schmerzunempfindlich, kann folglich den Schmerz von anderen nicht mehr einschätzen, er erniedrigt seine Opfer und zwingt sie schließlich, ihm sogar schmeichelhafte Dinge zu sagen. Die Mischung zwischen Verletzbarkeit und Dominanz wirkt widerwärtig und abstoßend, eine großartige Leistung des Mannes mit den vielen Gesichtern.

Die Situation im Schwesternwohnheim gleicht nach kurzer Zeit immer mehr einem unerträglichen Vakuum, oder vielmehr dem letzten Gang von verängstigtem Schlachtvieh. Die Perversion in dieser Falle entsteht gleichermaßen durch den Peiniger, als auch durch die Mädchen, denn von der Situation scheint zunächst nicht die tödliche Gefahr auszugehen, die dort lauert. Das vorsichtige Agieren und die höflichen Kommentare Cains, das Versprechen dass, wenn sie sich ruhig verhalten, nichts passieren wird, der Kontrast zwischen Unschuld und Zerstörung wirkt niederschmetternd. Glaubhafte, und gleichzeitig auch zauberhafte Gesichter bekommt man von diversen Schauspielerinnen verschiedener Nationalitäten geboten, über die harte Schocks gesetzt werden, weil der Tod im Endeffekt nicht genug ist. Die Regie spart sich eine derbe Veranschaulichung nicht auf, zusätzlich wird die Tragödie noch sexualisiert und gewinnt durch den überaus spekulativen Charakter weiterhin an Hoffnungslosigkeit. Stilistisch gesehen, geht Regisseur Denis Héroux vielleicht hin und wieder ein paar Schritte zu weit und spielt zu empfindlich mit den Nerven des Zuschauers, allerdings ist die drastische Marschrichtung für das stimmige Gesamtbild durchaus erforderlich gewesen. Im Rahmen der Charakterzeichnungen ist es nicht nur die Dramaturgie, die für besonders dichte Gesamtbilder sorgt, sondern es ist vor allem jeder einzelne der Darstellerinnen und Darsteller zu nennen, die die außergewöhnlich schwere Anforderung perfekt und glaubhaft meistern. Allen voran steht Matthieu Carrière, der sich hier wieder einmal selbst übertroffen hat. Insgesamt ist "Die Hinrichtung" auf allen Ebenen gelungen, im übertragenen Sinne sogar ernstzunehmen, da das brisante Thema nichts an Aktualität verloren hat. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem »Warum?« bleibt mit voller Absicht weitgehend ungeklärt, da es sich ohnehin so gut wie immer um eine rhetorische Frage handelt. Ein vielschichtiger, irgendwie bewegender, trostloser aber auch fordernder Film, der Genie und Wahnsinn ineinander vereint.


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 Post subject: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964)
PostPosted: 25.08.2015 12:00 
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Peter van Eyck   O.E. Hasse   in

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● DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE / LES RAYONS DE LA MORT DU DOCTEUR MABUSE / I RAGGI MORTALI DEL DR. MABUSE (D|F|I|1964)
mit Walter Rilla, Valéry Inkijinoff, Ernst Schröder, Claudio Gora, Dieter Eppler, Gustavo Rojo, Robert Beatty sowie Rika Dialina und Yvonne Furneaux
als Gäste Leo Genn und Yôko Tani
eine Gemeinschaftsproduktion der CCC Filmkunst | Franco London Films | Critérion Film | Serena Film | Anglo Italia Film | im Verleih der Gloria
ein Film von Hugo Fregonese


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»Ich war es nicht. Es war Mabuse. Er benutzte mein Gehirn!«


Major Anders (Peter van Eyck) erhält den Auftrag, Professor Pohland (Walter Rilla) zu verhören, von dem Dr. Mabuse einst Besitz ergriffen hatte. Nach dessen Schreckensherrschaft leidet der Professor an Wahnvorstellungen, doch Major Anders ist sich sicher, dass er noch entscheidende Hinweise liefern könnte. Gerade als Pohland anfängt zu sprechen, und das Wort »Todesstrahlen« stammelt, verschwindet dieser spurlos. Anhand dieses Ansatzpunktes reist Major Anders nach Malta, da dort der bekannte Wissenschaftler Professor Larsen (O. E. Hasse) eben genau an dieser Erfindung arbeitet, einem Spiegel, der jeden beliebigen Ort auf der Erde zerstören könnte. Man vermutet Spionageaktivitäten und befürchtet, dass die Erfindung in die falschen Hände geraten könnte. Oder lebt Dr. Mabuse tatsächlich noch und greift in seinem Wahnsinn erneut nach der Weltherrschaft..?

Mit "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" erlebte die erfolgreiche Reihe vor Artur Brauners CCC Filmkunst ihr Ende, obwohl noch weitere Fortsetzungen geplant waren, und in diesem, von Hugo Fregonese inszenierten sechsten Teil, muss man sich als Zuschauer schon auf diverse Abweichungen und Neuerungen einstellen, die seinerzeit, und überhaupt sehr verhalten aufgenommen wurden. Bei genauer Betrachtung handelt es sich allerdings um einen sehr gelungenen Spionage-Krimi, der in den Bereichen Ausstattung und Besetzung weitaus mehr zu bieten hat, als mancher der zuvor ins Rennen geschickten "Mabuse"-Konkurrenz, jedoch gibt es in diesem Abschlussbeitrag zahlreiche Anpassungsschwierigkeiten, denen man innerhalb der laufenden Reihe offensichtlich nicht vergeben wollte. Zum Kinostart wurde der Spielfilm noch recht positiv aufgenommen, das Anfangsgeschäft wurde als passabel beschrieben, doch wenig später kam bereits der Einbruch. Das Kino-Publikum konnte der Produktion offensichtlich eines nicht verzeihen, nämlich dass es sich um einen "Mabuse" ohne die diabolische Titelfigur handelte. Obwohl Wolfgang Preiss im Vorspann bei den größeren Nebenrollen eine namentliche Nennung zugedacht wurde, wartet man auf seinen Auftritt über den gesamten Verlauf leider vergeblich. Es gab schon zahlreiche Filme, die sich den Vorwurf von »Etikettenschwindel« anhören mussten, und dabei rückte die jeweilige Betrachtung des Ergebnisses oftmals pauschal in den Hintergrund. Hier sind mehrere wohlwollende Blicke jedoch durchaus angebracht, denn die Produktion transportiert neben seinem alternativen Charakter zahlreiche Berührungspunkte, und bleibt deshalb der persönliche Geheimtipp der Reihe. Fregonese setzt auf eine neue, anders aufgebaute Atmosphäre und verbindet nur noch recht wenige bekannte Plot-Fragmente mit seinem Spielfilm, um letztlich ein eigenständiges Konzept anzubieten.



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Die Besetzung baut nur noch wenige Brücken in die Vergangenheit, lediglich Peter van Eyck sieht man in seinem bereits dritten Auftritt, wie in jedem Teil allerdings in einer unterschiedlichen Rolle, Wolfgang Preiss schaffte es wie erwähnt nicht über eine Ankündigung hinaus, so dass nur noch Walter Rilla als Professor Pohland seinen Charakter weiterführen darf, allerdings auch nur in einem Kurzauftritt. Dies sollen nur Anmerkungen sein und keine Kritik, denn "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" vereint eine internationale Star-Besetzung, die im Serien-Kontext bis dahin beispiellos war. Die vielen, verschiedenen Nationen der Schauspieler zeigen eine internationale Orientierung am Markt, jedoch ging dieses Konzept leider nicht auf. Peter van Eyck als sympathischer und ebenso resoluter Held der Geschichte zeigt neben aller Routine mehr, als man es für "Mabuse"-Verhältnisse gewöhnt war, sein Widersacher Professor Larsen wird mit voller Spiellaune vom großartigen O. E. Hasse geformt. Überhaupt ist zu sagen, dass es in dieser Geschichte von Gegenspielern nur so wimmelt, jeder ist verdächtig, beinahe jedem wird kriminelles Potential unterstellt, was einen guten Whodunit-Effekt bahnt. Die Frage, wer der berüchtigte Verbrecher ist, beziehungsweise, von wem er dieses Mal Besitz ergriffen hat, wird leider unzureichend gelöst, da die Zusammenhänge nicht erklärt werden. Eher hat man rückwirkend den Eindruck, dass sich eine Verbrecherorganisation lediglich den furchteinflößenden Namen dienstbar gemacht hat. Daher wäre es tatsächlich ein Clou gewesen, Wolfgang Preiss erneut zu sehen, meinetwegen reinkarniert, oder wenigstens Professor Pohland bei relevanten Machenschaften. Dies alles geschieht hier jedoch nicht, so dass man sich darauf konzentrierte, so viele Verdächtige und unterschiedliche Interessengemeinschaften wie möglich aufzubauen, die Verwirrung stiften, und Brutalität verbreiten sollten.

Nichtsdestotrotz, der Zuschauer wird in diesem Zusammenhang mit sehr ansprechenden Leistungen von beispielsweise Leo Genn, Valéry Inkijinoff, Claudio Gora, Yôko Tani und Yvonne Furneaux belohnt, in der Riege der Besetzung findet man so gut wie keine signifikanten Schwächen. Der Vorwurf, dass man solche in der Dramaturgie und der Inszenierung an sich aufspüren kann, muss sich der Film sicherlich stellenweise gefallen lassen. Über allem steht, dass das Haupt-Thema zu sehr aufgeweicht wurde, Major Anders nennt seinen Gegenspieler, den schwarzen Schatten, einfach "Dr. Mabuse", ohne dass handfeste Beweise auf dem Tisch liegen. Des Weiteren ist man als Zuschauer zu intensiv damit beschäftigt, die Motivation einzelner Personen herauszufiltern, außerdem wirken derbe Schnitte im Verlauf nicht besonders förderlich beim Erzählfluss. Wie dem auch sei, die Vorzüge dieser Produktion sprechen eine unterhaltsame Sprache, und lassen sich in nahezu allen Bereichen ausfindig machen. Im Besonderen ist die bemerkenswerte musikalische Allianz von Carlos Diernhammer und Oskar Sala zu nennen, die dem Film ein besonderes Profil gibt, für Flair sorgen sowohl die Unterwasseraufnahmen, als auch die Einstellungen vor sommerlicher Kulisse, sowie viele düstere Szenen mit sprechendem Schatten in einem Beichtstuhl. Das Thema, dass der Superverbrecher erneut die Weltherrschaft mithilfe einer unvorstellbaren Erfindung erlangen will, wirkt eigentlich weniger überholt, als abwegig, aber das Verderben per Knopfdruck war schließlich immer schon ein beliebtes Mittel, um den geneigten Zuschauer zu beunruhigen. Am Ende ist alles aus, und das leider viel zu abrupt, jedoch ist das hastig inszenierte Finale auf der anderen Seite ein sehr atmosphärischer, und vor allem fantasievoller Coup geworden. Für viele Fans bleibt schließlich nur ein durchschnittlicher Krimi zurück, jedoch stellt "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" den persönlichen Geheimtipp der Reihe dar. Warum? Ich weiß es nicht. Es war Mabuse. Er benutzte mein Gehirn!


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 Post subject: Der Kommissar - Grau-roter Morgen (1971)
PostPosted: 26.08.2015 18:59 
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● Folge 38: GRAU-ROTER MORGEN (D|1971)
mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz
Gäste: Lilli Palmer, Hans Caninenberg, Sabine Sinjen, Fritz Schmiedel, Fred Haltiner, Michael Hinz, Annemarie Wendl, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Ein Spaziergänger findet Am Ufer der Isar ein junges Mädchen, das erschossen wurde. Bei den Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass die Ermordete namens Billie drogensüchtig war. Bei den Befragungen lernt Kommissar Keller Frau Larasser, die Mutter der Toten kennen, die ihre Tochter fast zwei Jahre in der Sucht betreute, und die zum Erstaunen aller Dinge aus dieser Zeit mit ihrer Tochter schildert, die nur schwer zu verstehen sind. Die Familie fiel in dieser Zeit auseinander. Es gibt viele Tatverdächtige im einschlägigen Milieu und auch im Umfeld von Billie finden sich Motive, doch die Klärung des Falles gestaltet sich nicht so einfach, wie der Kommissar zunächst vermutet hat...

Folge 38 stellt innerhalb der Kommissar-Reihe einen Klassiker dar, vor allem weil die Thematik, beziehungsweise die Schilderung um Drogensucht und Mord eben alles andere als konventionell ausgefallen ist. Der Kriminalfall an sich wird hier eher wie eine Nebensächlichkeit abgehandelt, und der Fokus liegt auf dem Durchleuchten eines erdrückenden Scherbenhaufens und den dazugehörenden, gescheiterten Personen, die wegen einer Kettenreaktion kapitulieren mussten. Im Grunde genommen wirkt allerdings auch das alles untergeordnet, denn die konsequente Zwangszentrierung liegt im Endeffekt nur auf einer bestimmten Person, nämlich auf Stargast Lilli Palmer, die das komplette Szenario von Anfang bis Ende - für Kommissar-Verhältnisse nahezu beispiellos - dominieren wird. Dem Zuschauer wird eine Geschichte der empfundenen Befremdlichkeiten offeriert, man kann beinahe sagen zugemutet, und der Verlauf zeigt einen bizarren, gewollt verzerrten, aber auch teils ambitioniert erschreckenden Blick auf eines der vielleicht unzähligen Gesichter der Co-Abhängigkeit, des Leidensdruckes und der Verzweiflung. Theodor Grädler inszenierte sehr interessant, nicht zuletzt weil man Lilli Palmer die große Bühne überließ, die in dieser Folge wirklich alle Register zieht. Die Geschichte ist wie gesagt nicht besonders außergewöhnlich, aber es sind die unerwarteten Verhaltensweisen der Beteiligten, die für Aufsehen sorgen. Wo man zu Beginn, beziehungsweise in Rückblenden noch die üblichen Parolen und Sorgen einer Mutter gegenüber ihrer Tochter sieht, wirkt die mittlerweile tief verwurzelte Resignation in Verbindung mit den manchmal unbegreiflichen Hilfsaktionen der Frau Larasser wie ein kontraproduktiver Schlag ins Gesicht. Die indirekte Frage nach der Schuld stellt schließlich die Hauptwertung dieser Episode dar, auch wenn sie dem Zuschauer eher diffus präsentiert wird.

Es gibt wohl keine andere Kommissar-Folge, in der es so viele, und derartig ausgiebige Großaufnahmen gegeben hat. Jedes Mal wenn Lilli Palmers versteinertes Gesicht angezoomt wird, um damit Rückblenden einzuleiten, entsteht eine besonders dichte Atmosphäre, die hin und wieder sogar unangenehme Formen annimmt. Man kann sagen, dass es sich um Lilli Palmers Erzähl-Folge handelt, die eben nichts anderes brauchte, als ihre Dominanz und ihre Präzision. So liefert sie nicht nur erneut eine Lehrstunde in Sachen herausragender Schauspielerei, sondern sie verwirrt den Zuschauer förmlich mit ihren eigenartigen Auffassungen und Thesen, um ihre Filmtochter zu kurieren. Dabei stellt sich allerdings schnell heraus, dass Frau Larasser völlig falsche Ansatzpunkte gewählt hat, und erschreckend konsequent in die Abhängigkeit ihrer Tochter hineinwirkte. Diese seltsamen Formen sind allerdings keineswegs Produkte der späten Verzweiflung und Resignation, die sich langsam aber zielstrebig aufgebäumt haben, sondern diese Frau hat die Katastrophe, womöglich schon viele Jahre zuvor, fabriziert und provoziert, so dass sie nun hilflos vor ihrem eigenen Werk stehen muss. Es sind keine Tränen mehr übrig, die Beteiligten reagieren nüchtern und beinahe beruhigt auf die Todesnachricht. Nur dass es sich um Mord handelt, sorgt für stille Hysterie. Erwähnenswert sind auch die Leistungen von Sabine Sinjen, die der süchtigen jungen Frau eine authentische Aura verleihen konnte, auch Hans Caninenberg zeigt sich wieder einmal sehr überzeugend. Die Schilderung des Milieus und der dazu passenden Leute wirkt vielleicht ein wenig überzeichnet, erweist sich dennoch als nötige Zutat für diese Folge, die im Endeffekt ohne falsche Sentimentalitäten von seiten des Drehbuches auskommt, jedoch im Zweifelsfall das Potential besitzt, diese beim Zuschauer hervorzurufen. Theodor Grädler hat den schwierigen Stoff mit seiner nüchternen Arbeitsauffassung sehr ansprechend und interessant umsetzen können.


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 Post subject: Die Formel (1980)
PostPosted: 28.08.2015 17:48 
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George C. Scott   Marthe Keller   Marlon Brando   in

DIE FORMEL

● THE FORMULA / DIE FORMEL (US|D|1980)
mit John Gielgud, G.D. Spradlin, Beatrice Straight, Richard Lynch, John Van Dreelen, Ike Eisenmann, Marshall Thompson,
Robin Clarke, Wolfgang Preiss, Werner Kreindl, Dieter Schidor, Jan Niklas, Ferdy Mayne, Reinhard Kolldehoff, u. a.
eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer | CIP Filmproduktions GmbH | im Verleih der CIC
ein Film von John G. Avildsen


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»In business, we're all Swiss, aren't we?«


Der Polizeibeamte Liutenant Barney Caine (George C. Scott) hat einen Mordfall in Los Angeles zu untersuchen, bei dem Tat und Motiv zunächst im Dunkeln liegen. Die weiteren Ermittlungen erweisen sich auch nicht gerade als ergiebig, jedoch kommt es zu weiteren Todesfällen, die zeigen, dass er offensichtlich auf der richtigen Spur ist. Der Codemane "Genesis" führt Caine schließlich aus den Vereinigten Staaten nach Berlin und die Zusammenhänge gewinnen endlich Gestalt. Es handelt sich um eine wiederentdeckte Formel, die seinerzeit von den Nazis entwickelt wurde, mit der man synthetischen Treibstoff herstellen kann. Im Interesse eines mächtigen Ölkonzerns soll dieses Geheimnis jedoch nicht an die Öffentlichkeit geraten, da die Existenz der Ölindustrie dadurch generell gefährdet wäre. Der Kampf um die Formel beginnt, bei dem Mitwisser, zu denen Caine nun auch gehört, zum Abschuss freigegeben werden...

Chaotische Szenen aus dem Krieg dominieren den Anfang von John G. Avildsens Spielfilm, so dass dieser Einstieg auch gleichzeitig den Tenor des gesamten Verlaufs charakterisieren wird. Zwar ändern sich die Schauplätze radikal, und die dazu gehörende Szenerie vermeintlich zum Guten, doch das perfide Spiel wird das selbe bleiben, es gibt zu diesem Zweck lediglich andere Schachfiguren. Dieser Zeitsprung aus Berlin heraus, lässt die anfänglichen Sequenzen verblassen, aber nicht in Vergessenheit geraten, da ohnehin immer wieder gedankliche Brücken in die dunklen Jahre gebaut werden. Wo zunächst noch Bomben fielen, Häuser brannten, Elefanten aus dem Tiergarten flüchteten und einige hohe Offiziere drauf und dran waren, das sinkende Schiff zwar endgültig, aber erhobenen Hauptes zu verlassen, befindet man sich plötzlich in den Vereinigten Staaten und wird Zeuge bei den Ermittlungen rund um einen rätselhaften Mordfall. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass die Regie diese Eindrücke noch spektakulär miteinander verknüpfen wird und man lässt sich gespannt auf den weiteren Verlauf ein. Die Thematik rund um Macht, Profit und Mord erweist sich hier, und generell auch, als guter Nährboden für mitreißende Geschichten, die nach dem Wort Ende meistens nur noch bedingt einen Märchencharakter vermitteln, vorausgesetzt, dass die Inhalte tatsächlich von dieser Welt ausgeliehen sind. Die Vorstellung der einzelnen Hauptpersonen geschieht zügig und nachhaltig, da sie diese Aufgabe ganz markant selbst übernehmen. Um den mittlerweile ruhigen Verlauf etwas anzuheizen, taucht plötzlich das Codewort "Genesis" auf, und da in dieser Story alle Wege zurück nach Deutschland führen, findet sich der Zuschauer im zweigeteilten Berlin wieder. Generell bleibt zu sagen, dass man in dieser Großproduktion schon einiges an Aufgebot geboten bekommt, sei es in den Bereichen Ausstattung oder auch beispielsweise bei der Besetzung, jedoch muss man sich auf einen empfundenermaßen schleppenden, und überwiegend geschwätzigen Verlauf einstellen, in dem es mehrere, oder besser gesagt offensichtlichere Finessen hätte geben dürfen.



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Die beteiligten Schauspieler haben dem Vernehmen nach Unsummen an Gagen verschlungen, die bei gewissen Stars von gestern allerdings in keiner Relation mehr zur knappen Auftrittsdauer stehen. Der große Vorzug dieser Star-Besetzung ist und bleibt ein scheinbar alles ausfüllender George C. Scott, den man hier bereits ein paar Monate nach den besten Jahren begleiten darf. Er färbt seine Figur sehr individuell und überzeugt durch eine resolute Performance, genau wie ein weiterer Headliner der Besetzungsliste, Marlon Brando. Es ist nahezu erstaunlich wie unkenntlich der Amerikaner hier zurecht gemacht wurde, und dementsprechend auch wirkt, so dass man vielleicht ein bisschen ketzerisch denken könnte, dass er nun selbst in seiner persönlichen "Endstation Sehnsucht" angekommen war. Seine kurze Auftrittsdauer füllt er jedoch hervorragend aus, so dass die beiden Hauptdarsteller die halbe Miete durch Schauspiellaune und Präzision zusammenbringen. Für besondere Freude sorgt wie immer die schöne Schweizerin Marthe Keller, die stets einen optimalen Weg bezüglich ihrer Darstellung einzuschlagen wusste. Abgerundet, oder eher gesagt ausstaffiert wurde das Ganze mit namhaften amerikanischen Stars und guten alten Bekannten aus Deutschland, die hauptsächlich in ihren Paraderollen zu finden sind. Regisseur Avildsen gelingt es in "Die Formel" immer wieder sehr geschickt, Brücken in die Vergangenheit zu schlagen, allerdings präsentiert der Verlauf zu wenige Schlüsselmomente, so dass ein eher zähes Erzähltempo zu Stande kommt. Die Atmosphäre bleibt düster und vor allem verschwörerisch, gelungene Überraschungen und ein überzeugendes Finale bleiben nicht aus, doch man vermisst den ganz großen Paukenschlag. Schade ist, dass die Öl-Industrie, oder deren ausführende Arme, nicht gewichtiger ins Geschehen mit einbezogen wurden, aber das sagt auch nur ein alter "Dallas"-Crack, der den Film im Großen und Ganzen doch recht überzeugend und unterhaltsam gefunden hat. John G. Avildsens Beitrag bleibt trotz einer Thematik, die laut aufschreien möchte, aber am Ende verstummt, in sicherem Fahrwasser zwischen Unterhaltungsmodus und subtilen bis kritischen Ambitionen. Der große Wurf ist daher leider nicht gelungen, was bei diesen üppigen Grundvoraussetzungen mehr als schade ist.


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 Post subject: Das Grauen kam aus dem Nebel (1970)
PostPosted: 29.08.2015 17:17 
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DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL

● LA MORTE RISALE A IERI SERA / DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL (I|D|1970)
mit Frank Wolff, Raf Vallone, Gabriele Tinti, Helga Marlo, Gillian Bray, Beryl Cunningham, Gigi Rizzi,
Marco Mariani, Wilma Casagrande, Checco Rissone, Stefano Oppedisano, Elsa Boni und Eva Renzi
es singt Mina
eine Produktion der | Lombard Films | Filmes Cinematografica | CCC Filmkunst | im Verleih der Cinerama
ein Film von Duccio Tessari


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»Ich hoffe nicht dass ihr vorhabt mich moralisch umzukrempeln!«


Nach dem Tod seiner Frau lebt Amanzio Berzaghi (Raf Vallone) alleine mit seiner Tochter Donatella (Gill Bray), die bereits 25 Jahre alt ist. Der Alltag der beiden ist nicht immer leicht, da Berzaghis Tochter oligophren ist, und dementsprechend viel Zeit in Anspruch nimmt. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, ist Donatella spurlos verschwunden und niemand aus der Nachbarschaft will etwas gesehen haben. Verzweifelt wendet sich der Vater an Kommissar Lamberti (Frank Wolff), der sich gemeinsam mit seinem Assistenten Mascaranti (Gabriele Tinti) des rätselhaften Falles annimmt. Nach kürzester Zeit wird allerdings klar, dass man gegen viele Widerstände zu kämpfen hat, und die Angelegenheit bleibt nebulös. Um weiter zu kommen, nimmt sich das Duo den einschlägig bekannten Zuhälter Salvatore (Gigi Rizzi) vor, der sich in kriminellen Kreisen auskennt. Der grausame Verdacht bestätigt sich, dass das Verschwinden von Donatella mit einem Mädchenhändlerring zusammen hängen muss...

Hüllt man um den unsäglichen deutschen Titel so schnell wie möglich den Nebel des Schweigens, bekommt man mit Duccio Tessaris Beitrag eines der ganz großen, zeitgenössischen Filmerlebnisse geboten. Der weitreichende, oder vielmehr genreübergreifende Charakter von "Das Grauen kam aus dem Nebel" lässt sich nur schwer beschreiben, doch es ist, als haben viele Verschmelzungen von Teilbereichen stattgefunden, die allerdings auch autonom voneinander funktionieren. Umso besser, kann man sich daher als Zuschauer sagen, denn man bekommt etliche geschliffene Inhalte geboten, die das Wahrnehmen auf mehreren Ebenen ermöglicht. Die Thematik orientiert sich an scheinbar ganz gewöhnlichen Begebenheiten, doch erstaunlicherweise gibt der Film auch sein volles tragisches Potential preis. Reißerische Tendenzen schließen in diesem Verlauf zahlreiche bewegende Momente nicht aus, Szenen, Sorgen und Emotionen des alltäglichen Lebens lassen das naturgemäß weit entfernte Thema greifbar erscheinen, so dass der Weg nicht nur gleichzeitig das Ziel, sondern auch der Erfolg sein wird. Tessari legt angesichts der ausgiebig vertretenen Film-Konkurrenz großen Wert auf feine Unterschiede in der Strategie seiner Inszenierung. Ein lautes Thema mit Diskretion versehen, Abstoßendes durch Stil und feinfühlige Untertöne entschärfen, die Nervosität niemals in Hysterie umschlagen zu lassen, es ist schon erstaunlich, welch seriöses Gewand der Schock hier tragen darf. Pionierarbeit leisten dabei die sorgsam integrierten Personen unter denen regelrechte Allianzen zu Stande kommen, wobei es paradoxerweise die empfundenermaßen weite Entfernung zueinander sein wird, die wirklich interessant wirkt. Ein Verlauf, in dem derartig dichte Charakterzeichnungen zu Stande kommen, sollten nicht unbedingt als selbstverständlich angesehen werden, und in diesem Zusammenhang sind insbesondere die Leistungen von Frank Wolff, Eva Renzi und Raf Vallone hervorzuheben.

Der Aufbau geschieht verblüffenderweise über das große Thema Arbeit, die sich hier wie ein roter Faden durch das Geschehen zieht und bei der mehrere Seiten durchleuchtet werden. Berzaghi war zum Zeitpunkt der Entführung seiner Tochter am arbeiten, die Verbrecher nennen ihre Tätigkeiten sicherlich auch Arbeit, und genau eine solche soll die zurückgebliebene Donatella nun auch bei ihrer solventen und perversen Kundschaft übernehmen. Kommissar Lambertis Betätigung scheint sein Leben zu sein, obwohl er die hässlichen Seiten und die abscheulichen Beteiligten dieses, sich täglich wiederholenden Zustandes kaum noch ertragen kann. Seine Frau bildet in dieser Kategorie einen herben Kontrast, da sie sich entfalten, jeden Moment und jeden Fingergriff rechtfertigen kann und die volle Überzeugung vertritt, dass sie etwas bewirkt. Die Rückschläge und Enttäuschungen kommen bei anderen vor. Das Umfeld Berzaghis ist durch die arbeitende Klasse geprägt, hier werden für die Lösung des Falles möglicherweise noch wichtige Mosaiksteinchen zu finden sein. Sieht man die Privatpersonen an, so wird das tägliche Geschäft mit in den Feierabend getragen. Frank Wolff und Eva Renzi diskutieren lange darüber, anscheinend permanent, da sich diese Auseinandersetzung sogar bis in die nähere Zweisamkeit mit hineinzieht, aber sie reden aneinander vorbei. Er nimmt ihr Wirken nicht besonders ernst, sie verabscheut seinen Umgang mit Mördern, Zuhältern und Nutten, den er zwangsläufig haben muss. Donatellas Vater Arbeit scheint ebenfalls nie aufzuhören. Nach Feierabend geht sie weiter, da er sich um seine Tochter kümmern muss und der sich anbahnende, eigentlich bereits trostlose Gesamteindruck wird schließlich durch eine abscheuliche Tat und ein grausames Verbrechen verschärft. Interessant gestaltet wurden auch die männlich-weiblichen Rollenverteilungen.



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In diesem Szenario sind es hauptsächlich die Männer, die emotionalere, impulsivere, tragischere und vielleicht greifbarere Züge bekommen, als es bei den Damen den Anschein hat. Sie wirken wesentlich mehr angreifbar, werden aus diesem Grund im Gegenzug aber auch massiver angreifen. Lediglich Eva Renzi bedient beide Seiten ganz großartig und es sieht so aus, als habe sie eine Rolle gefunden, die vollkommen ihren Ansprüchen genügt, und ihrer persönlichen Auffassung einer Frauenrolle entspricht. Im Zusammenspiel mit Frank Wolff entstehen sehr subtile Momente, die den Zuschauer sehr tief blicken lassen können. Er prägt das Szenario ganz bemerkenswert, da es zu öffentlichen und privaten Intervallen kommt. Im Beruf fühlt er sich dem Empfinden nach sicherer, er weiß genau, was zu tun ist, wie sein Klientel anzupacken ist, wo die potentiellen Enttäuschungen liegen könnten. Aus dieser Unberechenbarkeit entsteht für ihn sozusagen die Berechenbarkeit, die er im Privatleben nicht auf dem Silbertablett serviert bekommt. Zu diesem Zweck bekommt man eines der schönsten Gesichter von Eva Renzi offenbart, die rückblickend, und aus persönlichem Empfinden, als die größte verpasste Chance des italienischen Kinos zu benennen ist. Tolle Momente entstehen überdies in der Zusammenarbeit von Kommissar Lamberti und seinem ungehobelt wirkenden, aber gerade heraus agierenden Assistenten Mascaranti. Ein eingespieltes Team, eine Einheit in guten, wie in schlechten Zeiten. Doch meistens überwiegen eben die schlechten Zeiten, da die Stadt ganz offensichtlich einem Sumpf aus Verbrechen, Nötigung, Prostitution und Erpressung gleicht. Weitere interessante Darbietungen sieht man beispielsweise von Gigi Rizzi, Beryl Cunningham und der Deutschen Helga Marlo, die hier unter ihrem Pseudonym Elga Machaty zu sehen ist. Schließlich muss noch Raf Vallone erwähnt werden, welcher der im Grundtenor traurigen Geschichte am meisten Emotion und Temperament geben wird, das nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, auszubrechen.

Durch die Darstellung der Filmtochter Gillian Bray, bewegt man sich hin und wieder auf recht dünnem Eis, doch die Regie liefert niemals den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Vordergrund steht der besorgte, sich aufopfernde Vater, der durch eine bewegende Performance von Raf Vallone Gestalt annimmt, obwohl er im Mittelteil des Films so gut wie gar nicht zu sehen ist. Er nimmt die Dinge des Lebens so an, wie sie eben sind. Das Funktionieren ist selten leicht, aber im Endeffekt erfüllend. Plötzlich wird ihm der Mittelpunkt seines Leben genommen, so dass das Dasein für ihn eigentlich keinen Sinn mehr hätte, wenn da nicht sein eigenes Verlangen nach Aufklärung, Genugtuung und möglicherweise Rache wäre. So gut wie alle offerierten Psychogramme der Haupt- und Nebendarsteller siedeln sich im überdurchschnittlichen Bereich an, viele gehen sogar einige Schritte weiter und präsentieren beinahe ungeahnte Sphären. Einfach überragend! Die Kombination Schauspielerfilm und packende Story, im Sinne einer in allen Bereichen hochklassigen Produktion, lässt "Das Grauen kam aus dem Nebel" zu einem nicht nur sehenswerten, sondern vor allem auch fordernden Genre-Polygamisten werden, der stilistisch und inszenatorisch einwandfrei ist. Die Bildsprache ist ernüchternd, wenige Lichtblicke werden geschildert, so dass man eigentlich schnell weiß, wohin der eingeschlagene Weg gehen wird. Lediglich das Ziel, sprich das Warten auf ein angemessenes Finale, lässt eine zusätzliche Spannung aufkommen, die trotz fehlender Hysterie und bestehender Lethargie durch und durch wahrzunehmen ist. Im Übrigen handelt es sich um eine der besseren Assoziationsketten des damaligen Kinos. Duccio Tessaris Werk ist als eine, in allen Bereichen funktionierende Allianz zu beschreiben, bei der beispielsweise die musikalische Untermalung mit den wohlklingenden Stücken der italienischen Sängerin Mina, oder die sehr gute Montage zu nennen ist, die verständnisfördernd Rückblenden einleitet. Mit Tessaris Film war es keine Liebe auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten, so dass es seine Zeit gedauert hat, diesen Beitrag besonders schätzen zu lernen, der einem Intention und Wirkung nicht lieblos vor die Füße wirft.


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 Post subject: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961)
PostPosted: 01.09.2015 17:10 
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● IM STAHLNETZ DES DR. MABUSE / LE RETOUR DU DOCTEUR MABUSE / F.B.I CONTRO DOTTOR MABUSE (D|F|I|1961)
mit Gert Fröbe, Lex Barker, Daliah Lavi, Rudolf Fernau, Fausto Tozzi, Werner Peters, Rudolf Forster, Laura Solari,
Joachim Mock, Henry Coubet, Jean-Roger Caussimon, Ady Berber, Albert Bessler und Wolfgang Preiss
eine Produktion der CCC Filmkunst | Critérion Film S.A. | S.P.A. Cinematografica | im Verleih der Constantin
ein Film von Harald Reinl


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»Der Teufel betet nicht. Er will angebetet werden!«


Kommissar Lohmann (Gert Fröbe) erhält die Benachrichtigung, dass Oberst Haag (Erik Radolf), ein Mitarbeiter der Interpol ermordet wurde, der Belastungsmaterial gegen das berüchtigte Verbrechersyndikat von Chicago mit sich führte. Von der Aktentasche mit dem vertraulichen Material fehlt allerdings jede Spur. Wenig später geht bei der Polizei die Meldung ein, dass das Syndikat eine weibliche Kontaktperson abgesandt hat, um mit einer ansässigen Organisation Kontakt aufzunehmen, doch noch während Kommissar Lohmann in diesem Zusammenhang den Auftragsmörder Alberto Sandro (Ady Berber) im Zuchthaus verhört, wird die Dame auf bestialische Art und Weise liquidiert. Lohmann hat in ein Wespennest gestochen und als er in der Handtasche der Ermordeten ein rätselhaftes Buch findet, in dem unverhofft der Name Dr. Mabuse auftaucht, weiß er, mit welchem unsichtbaren Gegner er es erneut zu tun hat...

Bei "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" handelt es sich nicht nur um eine sehr gelungene Fortsetzung innerhalb der "Mabuse"-Serie, sondern vermutlich auch um den ausgereiftesten Beitrag der sechsteiligen Reihe. Sehr gut herausgearbeitet ist hier die Frage, ob "Dr. Mabuse" wirklich noch lebt, denn im Vorgänger sah man ja bereits sein vermeintliches Ende, so dass alleine dadurch schon einmal eine solide Grundspannung aufgebaut wird. Der Film bedient sich angesichts des Produktionsjahres einer ungewöhnlich exzessiven Härte, man bekommt ziemlich brutale Ermordungsszenen zu Gesicht, die aber die Strategie des Superverbrechers am treffendsten charakterisieren. Das war in keinem anderen Film der Reihe in diesem Ausmaß der Fall. Immer wieder fallen Quervergleiche mit der Figur des, oder eines Teufels, denn das ständig präsente Buch "Die Anatomie des Teufels", in dem der "Mabuse"-Mythos abgehandelt wird, liefert eindeutige Hinweise auf einen unmenschlichen Größenwahnsinnigen. Es kommt zu hochinteressanten Ansätzen, denn zunächst wird dieses Buch als heiße Spur in eine bestimmte Richtung eingesetzt und wirft später auch gewisse Verdachtsmomente auf, ob der Doktor selbst am Werk ist, oder ob jemand sein Erbe angetreten hat. Erwähnenswert ist das sehr straffe Tempo der Geschichte, ein bestialischer Mord jagt den nächsten, ein Hinweis fällt wie der nächste zusammen wie ein Kartenhaus, bis es schließlich zu handfesten Erfolgen kommt. Die beteiligten Charaktere werden gut in das Geschehen integriert, noch besser werden die jeweiligen Beziehungen der Personen langsam aufgerollt und stellen sich als passend und vor allem förderlich für einen klaren Aufbau der Geschichte heraus. Vor allem aber hatte Harald Reinl eine Star-Besetzung zur Verfügung, die in allen Bereichen wie ein Uhrwerk zu funktionieren scheint.



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Gert Fröbe als Kommissar Lohmann ist ein sachlicher und höchst misstrauischer Ermittler, der den Personen stets unmissverständlich direkt und eisern gegenübertritt. So entsteht der Eindruck, dass er von seinem anscheinend übermächtigen Gegenspieler und dessen Katz und Maus-Spiel an die Grenzen der Geduld und seiner Kompetenzen gebracht wird. Lex Barker gab in "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" sein deutsches Filmdebüt. Er schafft es zwar kaum, seinem Charakter das gewünschte doppelte Gesicht zu geben und irgendwie verdächtig zu erscheinen, spielt seine Rolle aber der Anforderung nach recht passabel und eigentlich sympathisch. Daliah Lavi zeigt sich hier lediglich im gehobenen Rahmen der Anforderungen. Für eine rasende Reporterin fehlt ihr letztlich ein bisschen mehr Eigenständigkeit und Schlagfertigkeit. Allerdings wird ihre Maria Sabrehm, und die Beziehungen zu anderen Personen, recht gut in das Gesamtgeschehen integriert, es bleibt also unterm Strich nicht nur der Eindruck der bedrohten, hilflosen jungen Frau zurück. Andere Akzente kann hier Rudolf Fernau als lange zwielichtig wirkender Pfarrer Briefenstein setzen, er zeigt schauspielerische Finesse auf höchstem Niveau. Der Autor von "Die Anatomie des Teufels" ist auch gleichzeitig als Geistlicher im Gefängnis tätig, dem Umschlagplatz für Mord und Verbrechen, so dass das Umfeld Kirche, in die der Teufel scheinbar beten kommt, nur zusätzliches Misstrauen schürt. Fausto Tozzi als Gefängnisdirektor Wolf stellt sich als Glücksgriff für die Besetzung heraus, der ebenfalls nicht gut einzuordnen ist, Werner Peters, der sich innerhalb dieser Reihe in unterschiedlichsten Rollen austoben durfte, wirkt da vergleichsweise etwas schwach, aber doch sehr vertraut. Rudolf Forster steigt erst sehr spät in das Szenario ein, seine für die Handlung doch sehr wichtige Rolle verliert sich aufgrund der kurzen Anwesenheitsdauer leider in gefühlter Belanglosigkeit, auch in schauspielerischer Hinsicht setzte er schon ganz andere Ausrufezeichen. Im Gesamtgeschehen wimmelt es nur so von Verdächtigen und zwielichtigen Personen, so dass man als Zuschauer ausgiebig damit beschäftigt ist, dieses Puzzle mitzuverfolgen und zusammenzufügen.

Laura Solari, Henry Coubet und Ady Berber interpretierten äußerst eindrucksvolle und harte Ermordungsszenen. So wirken diese Bilder, wie beispielsweise das Verbrennen der Mrs. Pizarro, das Zerquetschen des Blinden durch einen Lastwagen und das Hinausspringen von Alberto Sandro aus einem der oberen Stockwerke des Polizeigebäudes, überaus authentisch und brutal. Nicht unerwähnt bleiben sollten hier noch Albert Bessler, der mit seiner Rolle in Erinnerung bleibt, und selbstverständlich Wolfgang Preiss, dessen kurzer Auftritt in einem spektakulären Wiedersehen gipfelt. Es bleibt eine fast rundum gelungene Besetzung, die hier an der Überzeugungskraft tatkräftig mitwirkt. "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" überzeugt durch seinen strukturierten Aufbau und wegen des hohen Tempos, außerdem wird der Film durch eine ernste und harte Grundstimmung geprägt. Der Zuschauer bekommt innerhalb kurzer Intervalle viele Informationen und Geschehnisse geboten, die nicht überladen, sondern fast durchgehend spannungsfördernd wirken. Hier unterstützt die eher klassische, aber schwer eingängige Musik von Peter Sandloff den Film sehr angemessen. Die Umschlagplätze für Verbrechen und Planung in Form des Gefängnisses und der Kirche überzeugen, insgesamt fängt die Kamera viele beeindruckende Bilder ein, die sich wie ein roter Faden durch Reinls Beitrag ziehen. Das Finale ist, wie für diese Reihe üblich, sehr spektakulär ausgefallen. Lediglich die Idee, dass man mit einem Verbrechersyndikat kooperieren will, wird zu schwach herausgearbeitet und es scheint, dass gerade die Aspiranten aus Chicago nur mangelhaft vorbereitet waren. Auch das Sedieren durch eine neue, unbekannte Droge, die Personen gefügig macht und sie zu Robotern werden lässt, ist eher abenteuerlich. Was diesen zweiten "Mabuse"-Reißer auszeichnet, ist die deutliche Konzentration auf "Dr. Mabuse", der von Anfang bis Ende überall und nirgends zu sein scheint. Obwohl er nicht im Bild eingefangen ist, bemerkt man seine unheilvolle Präsenz doch überall. Das Finale erweist sich schließlich noch als Knüller und es bleibt einfach nur festzuhalten, dass der Zuschauer hier in allen Bereichen hervorragend unterhalten wird. In diesem Sinne: »Ich habe nur einen Herrn und Gebieter, Dr. Mabuse!«


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 Post subject: Schlussakkord (1960)
PostPosted: 06.09.2015 13:20 
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Christian Marquand   Eleonora Rossi Drago   in

SCHLUSSAKKORD

● SCHLUSSAKKORD / FESTIVAL (D|I|F|1960)
mit Viktor de Kowa, Mario Del Monaco, Marion Michael, Christian Wolff, Adeline Wagner, Hans Reiser, Ljuba Welitsch, u.a.
ein Produktion der Tele-Film | Les Filmes Modernes | Cosmos Film | im Verleih der Gloria
ein Film von Wolfgang Liebeneiner


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»Für eine Ehefrau ist die doch viel zu schön!«


Das musikalische Projekt "Peon Messias" soll das Großereignis der Salzburger Festspiele werden und die Arbeiten daran laufen auf Hochtouren. Treibende Kraft hierbei ist die Journalistin Linda Valore (Eleonora Rossi Drago), doch ihr ambitioniertes Vorhaben droht durch unklare Verhältnisse und private Ressentiments zu scheitern. Der Dirigent Alexander van Barkin (Viktor de Kowa) versucht die alte Liebschaft mit Linda wieder aufleben zu lassen, und auch Frank Leroux (Christian Marquand), ein alkoholkranker Komponist, der gerade aus der Entziehungskur zurückgekommen ist, versucht Linda zu schaden, da er glaubt, von ihr dorthin abgeschoben worden zu sein, damit sie ihren Liaisons nachgehen kann. In der Vorbereitungsphase tauchen immer mehr Widersacher auf, die das Projekt torpedieren könnten...

Die schnelle Vorstellung der sehr unterschiedlichen Charaktere bewirkt, dass man in Wolfgang Liebeneiners Film eine schnelle Marschrichtung wahrnehmen kann, so dass man förmlich auf Komplikationen wartet. Förderlich für die Aufmerksamkeit ist zunächst einmal das sehr beeindruckende europäische Star-Aufgebot, in dessen Reihen man auch schnell einige Selbstinszenierungen aufspüren kann, außerdem sind diverse Darsteller mit ihren üblichen Aufgaben durchaus vertraut gewesen, was eigentlich nur heißt, dass man sich auf Rollen der Schablone gefasst machen darf. "Schlussakkord" ist Ausstattungsfilm, Drama und Romanze in einem geworden, der hierbei angewandte Aufbau ist recht klar, aber ebenso vorhersehbar, so dass Überraschungen leider auf sich warten lassen. Untermalt ist die Szenerie immer wieder mit Sequenzen aus der Oper, man vernimmt sogar Schlager-Einlagen, so dass es sich letztlich um ein Format handelt, das seinerzeit handelsüblich war. Der Verlauf stellt sich schnell als recht kopflastig heraus, da wenig Pointen innerhalb der Dialoge gesetzt werden, die Darsteller zunächst angehalten sind, sich zu beherrschen und man insgesamt einfach nur ein sanftes Plätschern ohne bedeutende Etappen wahrnimmt. Im Reich der Künste dürfen selbstverständlich die Gefühle nicht fehlen, so dass schnell heimliche Liebschaften, Eifersucht, Neid und weitere Finessen aus der emotionalen Mottenkiste als Verstärker dienen sollen. Leider etabliert sich der nachhaltige Eindruck, dass bei der Geschichte niemals die Lunte gezündet wurde und das Große Spektakel, das man hier auf die Beine zu stellen versucht, kann den Zuschauer nicht als solches tangieren. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die bekannten und beliebten Stars der Szenerie bewähren werden, und sie nicht nur durch Routine auffallen, sondern auch durch Präzision und dem Thema des Films entsprechend, vielleicht sogar durch etwas Explosion und Feuer.



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Die Darsteller versuchen ihr Bestes um den bleibenden Eindruck zu kaschieren, dass der Ofen bereits aus war, bevor er überhaupt Feuer gefangen hatte. Mit Christian Marquand und Eleonora Rossi Drago standen zwei markante Mimen zur Verfügung, die Tendenzen zeichnen und Routine vermitteln, mehr aber leider nicht. Insbesondere die Italienerin lässt ihre übliche Überzeugungskraft im Rahmen dichter Charakterzeichnungen vermissen, so dass beinahe alles seicht und oberflächlich bleibt. Die mit leichter Spannung erwarteten Reibungsflächen bleiben nahezu unsichtbar, kein Wunder dass der Verlauf im letzten Drittel fast ausschließlich mit einem musikalischen Rundumschlag gestreckt wurde. Viktor de Kowa muss man vermutlich mögen, um ihm sein selbstgefälliges Auftreten zu verzeihen, Marion Michael schließt Sympathien und Schauspielkunst dem persönlichen Empfinden nach kategorisch aus, Christian Wolff spielt eine Rolle, in die er zu jener Zeit gerne hineingezwängt wurde und der Rest der Besetzung bleibt vollkommen unauffällig bis belanglos. Unterm Strich entpuppt sich der Film also als verkappte Schmonzette, die mit dem Blick auf die ausgiebig vorhandene Konkurrenz mit gleichen Voraussetzungen deutlich das Nachsehen hat. Die schwache Dramaturgie erfährt leider in keinem Bereich nennenswerte Aufwertungen, was ziemlich schade ist, weil es stets schade ist. Ob die Premiere nun stattfindet, wird dem Zuschauer seit Beginn als Frage aller Fragen aufgetischt, doch spätestens nach einer Stunde interessiert das leider niemanden mehr. Insgesamt bleibt "Schlussakkord" aufgrund der genannten Schwächen unauffällig, langatmig, vielleicht sogar uninteressant, und auch die vielen schönen Bilder und die nahezu kultivierte Bearbeitung können nicht von einem Flop reinster Seele ablenken. Wolfgang Liebeneiners Beitrag bleibt somit wohl ein Schock für Kunstbanausen und vielleicht ein noch wesentlich größerer für Freunde der Künste, und selbst für das Produktionsjahr 1960 wirkt "Schlussakkord" letztlich noch viel zu konservativ und überholt. Für die Akten!


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 Post subject: Nachtblende (1976)
PostPosted: 07.09.2015 21:33 
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Romy Schneider   in

NACHTBLENDE

● L'IMPORTANT C'EST D'AIMER / L'IMPORTANTE È AMARE / NACHTBLENDE (F|I|D|1976)
mit Fabio Testi, Jacques Dutronc, Claude Dauphin, Michel Robin, Roger Blin, Nicoletta Machiavelli und Klaus Kinski
eine Produktion der Albina Productions S.a.r.l. | Rizzoli Film | TIT Filmproduktion GmbH | im Verleih der Cinerama
ein Film von Andrzej Żuławski


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»Ich liebe dich, das bedeutet überhaupt nichts!«


Die Schauspielerin Nadine Chevalier (Romy Schneider) sieht sich mit dem Tiefpunkt ihrer Karriere konfrontiert. Ohne seriöses Engagement und ohne Nachfrage, dreht sie Pornofilme um sich und ihren Mann Jacques (Jacques Dutronc) über Wasser halten zu können. Während eines Drehs lernt sie den Fotografen Servais Mont (Fabio Testi) kennen, der sich sofort in die attraktive Schauspielerin verliebt. Er fasst den Entschluss, ihr aus der beruflichen Misere zu helfen, und kauft sich in einer drittklassigen Theater-Produktion ein, in der er Nadine ohne deren Wissen eine Rolle verschafft. Um das Geld dafür aufzutreiben, geht Servais zu seinem ehemaligen Arbeitgeber Mazelli (Claude Dophin) zurück, für den er einst kompromittierende Fotos zu Erpressungszwecken im Pornosektor anfertigte, um seine eigenen Schulden begleichen zu können...

Andrzej Żuławski lieferte mit "Nachtblende" einen der ganz großen Progressiv-Klassiker des französischen Kinos, und darüber hinaus einen absolut bedeutenden Film ab, der sich gegen jeden Modell-Charakter stellt. Seine Strategie, hier eigentlich aus Stroh Gold zu machen, geht hier schließlich vollkommen auf. Er bearbeitete den Film und die dazu gehörenden Psychogramme mit einem Seziermesser und spielt dabei empfindlich mit den Emotionen und angeschlagenen Nerven der Zuschauer. Motor und Projektionsfläche für all dies ist die Ausnahmeerscheinung Romy Schneider, für deren Leistung hier erst Superlative erfunden werden müssten. Ihr Weg durch den Film soll nachweislich äußerst hart gewesen sein, da Regisseur Żuławski sie immer wieder an die Grenzen des Möglichen, und kurz vor den Zusammenbruch brachte, aber ihr Lohn war der César in der Kategorie Beste Weibliche Hauptdarstellerin, vor allem schuf sie eine der bedeutendsten Interpretationen des zeitgenössischen Kinos. "Nachtblende" - was sagt dieser vage klingende Einheitstitel aus? Eigentlich nichts, oder zu wenig, um die schwierige Intention des Films konkret zu beschreiben, beziehungsweise ihr ansatzweise gerecht zu werden. Der französische Titel bringt die Bedeutung kurz und schmerzhaft auf den Punkt, denn so unscheinbar "L'important c'est d'aimer" im Endeffekt auch klingen mag, "Was zählt ist die Liebe" sagt als Rückschluss alles aus, was vermittelt werden soll. Im Kontrast dazu stehen allerdings die gezeigten Bilder, die widerwärtig und auf eine unbestimmte Weise brutal sind, überdies wirken die Hauptpersonen verlockend, grotesk, bizarr, faszinierend und werden nur im Spektrum hinlänglich bekannter Reaktionen und Emotionen greifbar, zumindest hat es hin und wieder den Anschein. Das Leitmotiv Liebe wird dem Zuschauer mit inszenatorischen Peitschenhieben richtiggehend eingeprügelt, oftmals scheint alles ein Stück weit über die mentalen Kapazitäten aller Beteiligten hinauszugehen, eine Strategie, die der Regisseur fahrlässig verfolgte und die darüber hinaus vollkommen aufgeht.



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Was wirklich zählt ist hier zunächst einmal nur Romy Schneider. Der Film beginnt, man sieht eine Frau am vielleicht tiefsten Punkt ihres Daseins, denn sie bekommt in dieser Film-in-Film-Szene aggressive Anweisungen ihrer Regisseurin, da sie beim Dreh des Pornofilms nicht so funktioniert, wie es verlangt wird. Sie hat Hemmungen und alles in ihr wehrt sich, allerdings vielleicht noch nicht einmal wegen der Sache an sich, sondern weil sie ihrem Filmpartner nicht »Ich liebe dich!« entgegen stöhnen möchte. Die bereits verzweifelte Nadine Chevalier wird immer mehr unter Druck gesetzt und an ihren Vertrag erinnert, eine verzweifelte Anspannung macht sich breit, Tränen laufen ihr an den Wangen herunter, sie will nicht noch tiefer unter die Erniedrigung sinken und sich vor der Kamera zur letzten Hure machen lassen. Während man das alles noch am ordnen ist, entsteht plötzlich und wie aus dem Nichts eine der größten, auf vielen Ebenen bedeutendsten und nach persönlichem Empfinden bewegendsten Szenen der bislang bekannten Filmgeschichte, als sie von Fabio Testi abfotografiert wird. Ein fragender, versteinerter Blick, eine Frau die selbst zum kompletten Vorwurf wird und eine Rechtfertigung unter Tränen, dass sie Schauspielerin sei, und wirklich etwas leisten könne. Vielleicht ist die erfolgte Glorifizierung dieser Szene rückwirkend durch den Mythos Romy Schneider entstanden, daher auch zu erklären, weil sie genau das beschreibt, was sie nach eigenen Angaben ihr Leben lang verfolgte. Das nackte Auge der Presse und die rücksichtslose Instrumentalisierung ihrer Person eben durch diese. Żuławskis Beitrag scheint sich also auf den ersten Blick mit einer recht simplen Thematik zu beschäftigen, allerdings ist es der überaus unkonventionelle Bearbeitungsstil, der dem Film seine außergewöhnliche Note verleiht. Die einfachen Voraussetzungen werden zunächst strikt voneinander getrennt. Auf der einen Seite muss die Liebe herausgefiltert werden, da man auf der anderen Seite ausschließlich mit der, ja, förmlich unerbittlichen Mechanik dieses Themas konfrontiert wird, und immer noch ein Stückchen mehr.

Die Regie lotet Grenzen immer wieder zielstrebig aus, um sie mutwillig und provokant zu überschreiten. Die Thematik wird im Eiltempo vollkommen sexualisiert und in diesem Zusammenhang mit Personen angereichert, die strapazieren, verwirren und abstoßen. Die denkwürdigen Momente entstehen vor allem dadurch, dass keine von ihnen karikiert wird und es zu vollkommen ernstzunehmenden Zeichnungen kommt, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie nicht nur im Film oder im Märchen, sondern auch in der Realität existieren könnten. Was bekommt man also zu sehen? Personen die moralisch, psychisch und physisch am Ende sind, gescheiterte Existenzen die eine Achterbahn zwischen Lethargie und Impulsivität anbieten, Gestalten, die ihre eigene Großmutter verkaufen würden, wenn sie denn jemals eine gehabt hätten und traurige, bemitleidenswerte Geschichten, die das Leben schreibt. Das alles klingt nun alles andere als erbaulich, erweist sich aber hier als genau die richtige Strategie, um das Wesentliche herauszuarbeiten. Es ist zugegebenermaßen schwierig, sich im Gefühlswirrwarr der vielen unterschiedlichen Personen zurechtzufinden, der Verlauf ist durchsetzt mit teilweise schwierig zu ordnenden Verhaltensweisen, Dialogen und verstörenden Bildern. Wilde Gefühlsausbrüche lassen dem Zuschauer den Atem stocken und einem beinahe das Blut in den Adern gefrieren. Man merkt also immer wieder hautnah, dass die Regie dem Zuseher den Weg zum Ziel alles andere als leicht machen will. Letztlich bekommt man mit "Nachtblende" einen der unkonventionellsten, aber womöglich auch ehrlichsten Liebesfilme geboten, wobei man diese Umschreibung auch schon wieder im erweiterten Sinne betrachten sollte. Andrzej Żuławskis Beitrag gibt mehr her, als man generell vom Kino erwarten kann, und mit dieser kurzen Einführung sei nochmals auf einen der bedeutendsten französischen Filme hingewiesen, der vor allem in den Bereichen der Schauspielerführung und überragender darstellerischer Ausnahmeleistungen überzeugen wird. Eine Sternstunde des französischen Kinos!


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 Post subject: Caesar und Cleopatra (1945)
PostPosted: 20.09.2015 08:03 
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Vivien Leigh   Claude Rains   in

CAESAR UND CLEOPATRA

● CAESAR AND CLEOPATRA / CAESAR UND CLEOPATRA (GB|1945)
mit Stewart Granger, Flora Robson, Francis L. Sullivan, Basil Sydney, Cecil Parker, Michael Rennie, Leo Genn, u.v.a.
eine Produktion Gabriel Pascal Productions | Independent Producers | im Verleih der J. Arthur Rank Film
nach dem gleichnamigen Theaterstück von George Bernard Shaw
ein Film von Gabriel Pascal


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»Nein, nicht dass ich mich überschätze. Ich weiß, dass die Anderen dumm sind!«


Im Jahr 48 bis 45 vor Christus. Der alternde Herrscher über das römische Reich, Julius Caesar (Claude Rains), befindet sich auf seinem Feldzug in Ägypten und dringt dort mit zwei Legionen ein. Dort trifft er auf die erst sechzehnjährige, und unter starker Kontrolle stehende Cleopatra (Vivien Leigh), die sich mit ihrem Bruder Ptolemäus (Anthony Harvey) im Machtkampf um die Pharaonen-Herrschaft im Land befindet. Caesar findet schnell Gefallen an der frühreifen, aber vor allem schönen Cleopatra und weiht sie in die Geheimnisse der Staatskunst ein, als die Römer aufgrund eines Verrats für einige Monate gezwungen sind, sich im alexandrischen Palast zu verbarrikadieren. Cleopatra hingegen spielt gerne mit ihren Verführungskünsten und stellt ihren Mentor ziemlich häufig auf die Probe...

Diese, für damalige Maßstäbe sehr aufwändige Großproduktion des ungarischen Regisseurs Gabriel Pascal basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des irischen Dramatikers George Bernard Shaw, der auch eigenhändig das Drehbuch verfasste, und wurde zur Entstehungszeit als bis dato kostspieligstes Projekt der damaligen Zeit gehandelt. Das internationale Renommee des Regisseurs stützt sich insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Shaw und der Inszenierung einiger seiner Stücke, doch leider konnte er mit "Caesar und Cleopatra" nicht an alte Erfolge anknüpfen und der Film gilt trotz seiner besonders günstigen Voraussetzungen als wirtschaftlicher Misserfolg. Als Zuschauer muss man sich erst einmal mit den nicht unbedingt zu erwartenden Gegebenheiten dieser Adaption zurechtfinden, da es sich um einen äußerst dialoglastigen, verspielten und federleichten Stoff handelt. Letzteres bezieht sich nicht etwa auf mangelnden Anspruch, sondern auf eine vollkommen konträre Marschrichtung im Aufbau, da man vielleicht eher einen der ganz großen dramatischen Stoffe des Kolossalfilms erwartet. Die transportierte Grundstimmung ist genau wie der komplette Verlauf durchzogen mit feinen sarkastischen Spitzen, subtilen erotischen Botschaften und recht fantasievollen gedanklichen Kapriolen des Ausgangsmaterials, das von den zur Verfügung gestellten Interpretationen des großartigen Star-Aufgebots bemerkenswerte Konturen bekommt. Das Fehlen von Dramatik und Theatralik erteilt der möglicherweise erwarteten Prosa eine deutliche Abfuhr, so dass sich in einem sehr diskreten Rahmen sogar komödiantische Tendenzen offenbaren. Wie gesagt müssen diese Voraussetzungen erst einmal akzeptiert und geordnet werden, damit der Film seine eigentümliche Pracht entfalten kann. Aufgrund der Entstehungszeit darf man womöglich von eher widrigen Produktions-Umständen ausgehen und dadurch wirkt das erzielte Ergebnis umso beachtlicher.



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Die Titelrollen stellen zwei international bekannte Schauspiel-Größen und beleben diese Rollen mit viel Raffinesse. Vivien Leigh als Cleopatra wirkt aufgrund der infantilen Anlegung ihrer Rolle weniger gebieterisch, sondern vielmehr beinahe leichtfertig im Umgang mit ihren außergewöhnlichen darstellerischen Ressourcen. Im Sinne der Vorlage und ihrer offensichtlichen Anpassungsfähigkeit, wird mit Cleopatra keine große Reibungsfläche oder gar Theatralik und Drama entstehen. Letzteres zeigte sich eher im Rahmen der Drehpausen, da Allüren und bedauerliche Zwischenfälle übermittelt sind. Letztlich nimmt man der damals bereits über Dreißigjährigen die Rolle der jungen Regentin doch sehr gerne ab, da sie im Rahmen des Geforderten zumindest hervorragend aufspielt, wenngleich so manche Szene eben aufgrund ihres Alters nicht immer gerade authentisch wirkt. In dieser Beziehung kann ihr Partner Claude Rains, alias Julius Caesar, eher überzeugen und der Interpret bringt die geforderte Gelassenheit und Weitsicht mit Leichtigkeit auf den Punkt. Ihr Zusammenspiel gestaltet sich schließlich glaubhaft, wirkt gut abgestimmt und vielleicht sogar symbiotisch, als Zugpferde der Produktion können sie so gut wie ohne Abstriche überzeugen. Das Szenario ist überdies sozusagen vollgestopft mit bekannten Größen aus den Sphären von Kino und Bühne, ein Heer an Statisten zeigt einen Bruchteil des immensen Aufwands. Hervorragend temperamentvoll agiert beispielsweise Flora Robson, mitreißend Stewart Granger oder überraschend anders Cecil Parker, in unerwähnten Nebenrollen findet man damals bereits gängige, oder zukünftige Größen wie Cathleen Nesbitt, Roger Moore oder Jean Simmons. Dem Szenario sieht man den inszenatorischen Aufwand zu jeder Zeit deutlich an, jedoch entstehen die Akzente nicht nur über die farbenprächtige Bildgewalt, sondern auch insbesondere über die sichere Dialogarbeit, so dass man sozusagen Unterhaltungskino und Bühne in einem geboten bekommt. »Haben wir Zeit für die Launen Cleopatras?« Diese im Film gestellte Frage muss sich der Zuschauer im Endeffekt selbst beantworten, nach persönlichem Empfinden war diese abwechslungsreiche Reise in die Antike sehr unterhaltsam und daher auch geglückt.


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 Post subject: Kampf um Rom (1968/69)
PostPosted: 21.09.2015 20:48 
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Laurence Harvey   Orson Welles   Sylva Koscina   Harriet Andersson   Honor Blackman   in

KAMPF UM ROM

● KAMPF UM ROM / KAMPF UM ROM - DER VERRAT / LUPTA PENTRU ROMA / LA CALATI DEI BARBARI (D|RUM|I|1968/69)
mit Robert Hoffmann, Ingrid Boulting, Lang Jeffries, Ewa Stroemberg, Emanoil Petruț, Friedrich von Ledebur,
Dieter Eppler, Mircea Anghelescu, Ion Dichiseanu, Adela Marculescu sowie Florin Piersic und Michael Dunn
eine Produktion der CCC Filmkunst | Studioul Cinematografic Bucuresti | Documenta Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Robert Siodmak


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»Die Stunde der Rache wird kommen!«


Um 500 nach Christus bricht das einst so mächtige römische Reich auseinander und wird machtpolitisch aufgeteilt. Herrscher über den Osten ist Kaiser Justinian (Orson Welles) in Byzanz, im Westen hat der Gotenkönig Theoderich Italien in die Knie gezwungen. Nach dessen plötzlichem Tod entfacht sich zwischen seinen Töchtern Mathaswintha (Honor Blackman) und Amalaswintha (Harriet Andersson) ein unerbittlicher Machtkampf um den Thron. Der Kronrat macht Mathaswintha zur Königin und ihre Schwester schwört Rache aus der Verbannung. Unter diesen unruhigen Bedingungen sieht der römische Adelige Cethegus (Laurence Harvey) seine Zeit gekommen und versucht sich mit List und Intrigen Macht zu verschaffen, indem er nicht nur die neue Königin der Goten zu beeinflussen, sondern auch den byzantinischen Kaiser zu einem Krieg gegen die Goten zu bewegen versucht. Bei Hofe hat er in Kaiserin Theodora (Sylva Koscina) eine hilfreiche Verbündete gefunden...

Robert Siodmaks Geschichtsepos "Kampf um Rom" besteht aus zwei Teilen in Spielfilmlänge und mit einem Produktionsbudget von rund 15 Millionen D-Mark handelt es sich um die bis zum damaligen Zeitpunkt kostspieligste deutsche Kino-Produktion. In den Bereichen Aufwand und Ausstattung lässt sich durchaus erkennen, dass man insgesamt nicht besonders kleinlich war, obwohl man aus Kostengründen in Rumänien drehte. Das Star-Aufgebot und die Komparserie sind überwältigend, so dass man es schon einmal mit günstigen Voraussetzungen zu tun bekommt. Der geschichtliche Kontext wurde durch die Dramaturgie stark verändert, was ganz konkret heißt, dass Schicksale frisiert, Personen hinzu erfunden, und Gegebenheiten komplett anders dargestellt wurden, außerdem konnten viele Inhalte trotz der doppelten Spielfilmlänge nur angerissen werden, was ein Kritikpunkt, aber auch gleichermaßen ein Vorteil sein kann, je nachdem was man gerne sehen möchte. Falls man es schafft, die Geschichte mit all ihren reißerischen bis romantischen Auswüchsen anzunehmen, bleibt unterm Strich Unterhaltungskino der unterhaltsamen Sorte. Sucht man eher nach dem geschichtlichen Konsens, wird die Nadel im Heuhaufen möglicherweise Enttäuschung heißen. Fakt ist, dass Siodmak sein Epos so weit wie möglich zuschauerfreundlich gestaltet hat, da man beispielsweise in den Bereichen Spektakel, Darstellkunst oder Dramatik etliche Hingucker geboten bekommt, die für einen soliden, hin und wieder sogar überdurchschnittlichen Eindruck sorgen. Lediglich die Spannungskurve geht im zweiten Teil deutlich nach unten, zumal es im Verlauf effektiv immer weniger Personen geben wird, die zuvor mitreißen konnten. Die Bildgestaltung und die Kulissen sind größtenteils beachtlich und es kommt zu einem empfunden authentischen Transfer, Riz Ortolanis bombastische Klänge verhelfen dem Spektakel in den richtigen Momenten dazu, in Verbindung mit rasanten Einstellungen auch als solches wahrgenommen zu werden, ja, und die internationale Star-Riege weiß zu begeistern, obwohl viele Parts sehr kurz, wenngleich auch hoch präzise ausgefallen sind.



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Der gebürtige Litauer Laurence Harvey spielt die Rolle des machthungrigen Präfekten Cethegus sehr glaubwürdig, auch wenn es sich um keine historisch belegbare Figur handelt. Sein Schachspiel und das Konspirieren gegen so gut wie alle Lager macht ihn gefährlich, ebenso wie seine Intelligenz, die von Gegnern zwar gefürchtet, aber womöglich unterschätzt wird. Lediglich die Figur des General Narses, gespielt von einem wie immer bemerkenswerten Michael Dunn, scheint ihm und allen anderen Personen überlegen zu sein. Narses setzt auf ein indirektes Schach dem König, doch der Weg dorthin führt über ein perfides Gardez la dame, allerdings ohne Ankündigung. Zuvor wartet er jedoch geduldig ab und sieht mit Vergnügen dabei zu, wie seine Pläne aufgehen, er sitzt Gefahren einfach aus, und lässt die Beteiligten schließlich gegeneinander antreten, um später ihre Reste aufsammeln zu können. In diesem Zusammenhang kommen die großartigen Leistungen von Sylva Koscina als Kaiserin Theodora und Orson Welles als Justinian zum Tragen, die sich in ihren wenigen Sequenzen Präzisionsauftritte zur vornehmsten Aufgabe machen und die Macht in Byzanz eindrucksvoll repräsentieren. Im gotischen Lager weiß der erbitterte Kampf um den Thron zu gefallen, den sich Honor Blackman und Harriet Andersson liefern. Es wird eine große Bühne für Theatralik und Fantasie geschaffen, beide Interpretinnen zeigen Leistungen der Spitzenklasse mit Feuer und Temperament. Die romantische, beziehungsweise verklärte Seite bedienen vor allem Robert Hoffmann und Ingrid Boulting, hier als Ingrid Brett, sowie Florin Piersic und Ewa Stroemberg in einer ihrer wenigen Charakterrollen als Rauthgundis. So trägt das Drehbuch im Kampf um Emotionen und gewissen Rührseligkeiten manchmal recht dick auf, um sicher im Unterhaltungssektor punkten zu können. Die größte Unterstützung hierbei stellt Riz Ortolanis melancholisch und minutiös angepasste Musik dar, wenn es weniger um geschichtliche Fakten, als um Spektakel geht.

Im cineastischen Sinne gipfelt "Kampf um Rom" in einem Kampf um die Gunst des Zuschauers, die genannten Vorteile lassen den doppelten Verlauf oft spannend und auch mitreißend erscheinen. Leider geht dieser ambitionierten Großproduktion die Luft im zweiten Teil "Der Verrat" an vielen wichtigen Stellen aus, es kommt zu immensen Zeit- und Gedankensprüngen und unzureichenden Erklärungen, so dass lange Strecken bis zum Finale eher eilig heruntergekurbelt wirken und sich empfindliche Längen einschleichen. Es kommen gestreckte Phasen und dramaturgische Aussetzer auf, die dem Gesamtbild leider schaden und wenn sich die Ereignisse schließlich überschlagen, merkt man eben nicht mehr sehr viel von der ziemlich bedachten Strategie und dem recht intelligent konstruierten Aufbau des ersten Teils, der ja schließlich den Weg für den Nachfolger geebnet hat und ein möglicherweise fulminantes Finale suggeriert. Die große Stärke der Angelegenheit ist die hochwertige Dialogarbeit, die alles zwischen großen Worten und der zynischen Peitsche offeriert, es entstehen mitunter doch sehr starke Momente. In diesem Zusammenhang sind einige Wölfe im Szenario aufzuspüren, die buchstäblich Kreide gefressen haben, außerdem ist die deutsche Synchronisation mehr als gelungen. Eine große Schwachstelle präsentiert sich allerdings im Bereich der Montage, denn harte, oder eher ungenaue Schnitte durchziehen den Verlauf wie ein roter Faden, was zu einem handwerklich unrunden Ergebnis führt. Über allem steht glücklicherweise der hohe Unterhaltungswert und es lässt sich schließlich wesentlich mehr Ambition herausfiltern, die von gewissen Ungereimtheiten nicht bedeutend gestört werden kann. "Kampf um Rom" erweist sich mit seinen zwei Teilen insgesamt als gelungenes Unterhaltungspaket und es ist selbst beim mehrmaligen Anschauen leicht möglich, Siodmaks Film nachhaltig faszinierend zu finden. Sehenswert!


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 Post subject: Das Verhör (1981)
PostPosted: 25.09.2015 11:11 
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Lino Ventura   Michel Serrault   Romy Schneider   in

DAS VERHÖR

● GARDE À VUE / DAS VERHÖR (F|1981)
mit Guy Marchand, Didier Agostini, Patrick Depeyrrat, Pierre Maguelon, Annie Miller, Serge Malik, u.a.
eine Produktion der Les Films Ariane | TF1 Films Production | im Concorde Filmverleih
ein Film von Claude Miller


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»Eine Frau die Blumen liebt, tötet man nicht!«


Zwischen Silvesterabend und Neujahrsmorgen findet ein ungewöhnliches Verhör statt, dass von Routinier Inspektor Gallien (Lino Ventura) geführt wird. Zusammen mit seinem Assistenten Belmont (Guy Marchand) befragt er den angesehenen Notar Martinaud zu den schrecklichen Vorfällen, die jüngst in Cherbourg stattgefunden haben, bei denen zwei Mädchen vergewaltigt und ermordet aufgefunden wurden. Zunächst sieht man in Martinaud einen möglichen Zeugen, der eventuell entscheidende Hinweise im Zusammenhang mit den Gewaltverbrechen liefern könnte, doch die überhebliche Art des Juristen kommt bei den Beamten nicht gut an, außerdem verstrickt er sich zusehends in Widersprüche. Als auch noch seine eigene Frau Chantal (Romy Schneider) im Präsidium auftaucht und als Belastungszeugin gegen ihren Mann auftritt, eskaliert die Situation in vielerlei Hinsicht...

31. Dezember. Silvesternacht. 21 Uhr. Draußen regnet es in Strömen, das Szenario wirkt vom ersten Moment an ungemütlich. Durch einen schnellen Ortswechsel wird der Zuschauer an den Ort des Geschehens geführt und man befindet sich im Polizeirevier, welches die widrigen Verhältnisse von draußen beinahe zu übertrumpfen versucht. Auf dem Revier herrscht trotz des bevorstehenden Champagner-Ereignisses ein reger Betrieb, Protokolle werden aufgenommen, Angaben gemacht, das Tagesgeschäft scheint tatsächlich immer das gleiche zu sein. Maître Martinaud wartet, ganz offensichtlich gab es bereits zuvor verborgene Spannungen zwischen ihm und Inspektor Galliens Assistenten, die Atmosphäre ist nervös und gleicht nach kürzester Zeit einem Vakuum. Das Büro vermittelt eine ernüchternde Eintönigkeit, in diesen vier Wänden sind ganz offensichtlich schon viele Fassaden gefallen und Schicksale besiegelt worden, doch auf dem Stuhl vor Inspektor Galliens Schreibtisch sind letztlich alle gleich, egal, welcher Gesellschaftsschicht der jeweilige Gast entstammt. Dieser am Anfang transportierte, kammerspielartige Aufbau wird die Basis der Geschichte bleiben und Regisseur Claude Miller verfolgt eine ganz konsequente Strategie bei der Inszenierung und einen nahezu chronologischen Aufbau, der im Verlauf mit kurzen Rückblenden angereichert wird. Es wird wenige buchstäbliche Lichtblicke geben, das Büro vermittelt eine Eintönigkeit, die Viele auf Dauer sicherlich verrückt machen würde, es herrscht eine Struktur, eine stumpfsinnige Ordnung, die man besser nicht hinterfragen möchte, lediglich das Pinup-Girl der Woche an der Wand wirkt wie ein versteckter Ausbruchsversuch von diesem Fließband, das offenbar 365 Tage im Jahr gleich zu laufen scheint. Noch bevor man die alles dokumentierende Schreibmaschine zu hören bekommt, befindet man sich unmittelbar in einem Gespräch, das aus empfundenen Belanglosigkeiten besteht, um allerdings plötzlich und Unerwartet immer mehr zum Kern der Sache zu kommen. Zwei bestialische Morde liegen auf dem Tisch und es muss ein Verantwortlicher gefunden, aber vor allem präsentiert werden.



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Das Verhör und die damit verbundenen Gesprächsinhalte entwickeln eine unberechenbare Eigendynamik, obwohl man routiniert und ganz im Prinzip von zahlreichen Dienstjahren agiert. Diese versteckte Unberechenbarkeit geht vor allem von Maître Martinaud, aber auch von Inspektor Galliens Assistenten aus, denn beide repräsentieren unterschiedliche gesellschaftliche Herkünfte und sie veranstalten zunächst ein indirektes Tauziehen um die bessere Position und um die persönliche Größe in dieser Arena. Lediglich die Sachlichkeit und augenscheinliche Neutralität Galliens wirken immer wieder in den richtigen Momenten gegen ein aus dem Ruder laufen der Situation, da er sich am besten im Griff zu haben scheint. Noch. »Sie kennen meine Frau nicht. Sie spricht niemals etwas direkt aus, immer in Windungen.« Nicht zum ersten Mal hört man eine derartige Bemerkung, denn offensichtlich scheinen tatsächlich alle Wege immer wieder zu Madame Martinaud zu führen, die genau wie der Mädchenmörder wie ein Phantom über der Angelegenheit zu schweben scheint. Doch auch wenn es so aussieht, aneinander vorbeigeredet wird hier nicht und die vielen Mosaiksteinchen des überaus intelligenten Aufbaus formen sich immer mehr zu einem hässlichen Bild zusammen. In diesem Zusammenhang verlieren die Beteiligten des Verhörs auch immer mehr an Souveränität und Geduld, der Raum wird wahlweise von Zynismus, Arroganz, Überheblichkeit und Verachtung, immer ordinärer ausgedrückten Zwischenmeldungen und schließlich empfindlicher platzierten Torpedos gefärbt. Die ohnehin angespannte Stimmung droht also endgültig überzukochen, doch kurz vor dem erwarteten Knall kommt es zu einer überraschenden Unterbrechung und eines der zentralen Phantome taucht auf. Chantal Martinaud wird dem Inspektor angekündigt, es sieht beinahe so aus, als würde er ihr vorgeführt, dies geschieht in einem separaten Raum. Der Zuschauer erhofft sich gerade von ihr Rückendeckung für den mutmaßlichen Angeklagten, obwohl ihr eigener Mann ein sehr bedenkliches und beinahe schon niederschmetterndes Profil von ihr erstellt hat. Doch es kommt anders als erwartet.

Auf Madame Martinauds eigenen Wunsch findet das Zusammentreffen nicht im gewohnten Setting statt. Eine elegant, aber ebenso eiskalte Frau dreht sich der Kamera zu, der verdunkelte Raum hüllt sie wie in einen nicht zu durchschauenden Schleier und die Situation behält den Standard der Unberechenbarkeit. Zum Erstaunen Galliens und des Zuschauers nimmt man wahr, dass sich die Schilderungen des Maître nicht mit der soeben vorgestellten Person decken, nein, trotz der immer dichter gewordenen Charakterisierung bekommt man die Gewissheit, dass man ihr offensichtlich geschmeichelt hat. Diese zutiefst verbitterte, aber beherrschte Frau bekommt ein bemerkenswertes Profil von Romy Schneider, die man hier in ihrem vorletzten Film sieht. Hemmungslos gestaltet sie eine kompromittierende Berichterstattung über eine Ehe, die einem Alptraum gleicht. Es kommt zu schweren Vorwürfen und Anschuldigungen, die über eheliche und zwischenmenschliche Belange hinausgehen, so dass sich die erhoffte entlastende Instanz zur unerbittlichen Zeugin der Anklage entwickelt. Ein Präzisionsauftritt im Bereich Rhetorik! Natürlich müssen in diesem Zusammenhang ebenfalls die außergewöhnlichen Leistungen des Dreiergespanns Lino Ventura, Guy Marchand und Michel Serrault und genannt werden, die den kompletten Verlauf spektakulär prägen. Die unfreiwillige Zusammenkunft bekommt ihren Reiz durch die unterschiedlichen Typisierungen. Lino Ventura bemüht sich um Ruhe und Sachlichkeit, wenngleich man Verachtung wahrnehmen kann, jedoch hat er sich besser im Griff als sein Kollege. Der Verlauf schüttelt Umgangsformen und Höflichkeiten durch die präzisen Auftritte von Ventura und Marchand sozusagen ab und der Ton wird rauer. Michel Serrault hält mit einer Art unempfindlichen Hochmut dagegen, allerdings wittert man eine mögliche Kapitulation, da ihm die Situation naturgemäß zu profan ist, und er auch über das Verhör hinaus längst resigniert hat. Wenn schließlich alle Vorhänge gefallen, und alle Hosen heruntergelassen sind, betrachtet man eine eigentlich unfassbare Geschichte, die an sich den größten Twist in sich darstellt. Claude Millers depressiver Thriller sichert sich mit Leichtigkeit seinen Platz im Kreis der ganz großen französischen Beiträge und wurde in der laufenden Saison in acht Kategorien für den César nominiert, darin viermal ausgezeichnet. Dieses in allen Belangen überragende Ergebnis sollte man gesehen haben!


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 Post subject: Verena & Annabelle (1977)
PostPosted: 27.09.2015 19:40 
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● Folge 9: VERENA UND ANNABELLE (D|1977)
mit Siegfried Lowitz, Michael Ande
Gäste: Krista Keller-Di Cerami, Paul Hoffmann, Heinz Drache, Werner Pochath, Günther Tabor, Thomas Braut, u.a.
Eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
Regie: Alfred Vohrer




»Eintritt für Lebende verboten!«


Die Literaturkritikerin Verena Moldau lebt in panischer Angst, da bereits drei Mordanschläge auf sie verübt wurden. Zuerst wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, da sie einen vergifteten Likör getrunken hatte, wenige Tage später war ihre Dusche mit elektrischem Strom präpariert und anschließend wurde auch noch an ihrem Wagen manipuliert, so dass sie einen Unfall verursachte. Kommissar Köster untersucht diesen rätselhaften Fall ohne greifbare Ansatzpunkte und er kann das Vertrauen des potentiellen Mordopfers gewinnen. Sie berichtet ihm schließlich von ihrem schwerwiegenden Verdacht, der ihre Zwillingsschwester Annabelle belastet, doch diese ist bereits seit fast zehn Jahren untergetaucht. Da eine große Erbschaft bevorsteht und ihre Schwester sie angeblich hasst, scheint für Verena kein anderes Motiv in Frage zu kommen...

Gerade Folge 9 der noch jungen Serie ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, was zunächst daran liegen mag, dass Alfred Vohrer den Zuschauer mit einer auffälligen Unruhe und Hysterie zu provozieren versucht. Im weiteren Sinne könnte man diese Episode sogar den Giallo dieser Serie nennen, da sich diesbezüglich ungewöhnlich viele genretypische Parallelen finden lassen, wenn auch im weiteren Sinn. Vohrer setzt hier auf Verwirrung und Täuschung, und auch wenn Zufall und Realität hier mehr als unwahrscheinlich konstruiert wurden, geht eine Faszination von der Geschichte aus, die immer nur zu dem gleichen Punkt führen wird, und zwar zu der nahezu halsbrecherisch agierenden Krista Keller-Di Cerami, eine der zweifellos unbändigsten Damen der deutschen Krimi-Landschaft. Praktischerweise mit einer Doppelrolle betraut, legt sie ihr Können in einem bemerkenswert breiten Spektrum dar, das manche vielleicht ganz simpel nur Overacting nennen würden, aber bei den richtigen Antennen für Furore sorgen wird. Der Einstieg wird durch einen Mordanschlag geebnet, der in seiner Darbietung verstören wirkt. Ein unbestimmtes Gefühl zwischen Mitleid und Besorgnis, aber gleichzeitig auch Skepsis und gewolltem Sicherheitsabstand kommt beim Betrachten der halben Titelrolle auf, doch man weiß nicht genau warum. Direkt kocht eine nervöse Spannung hoch, die Folge 9 genau wie die vermiedene Struktur sehr stark prägen wird, alles scheint möglich, aber nichts wirkt wahrscheinlich. Köster, der letztlich noch jeden Fall bändigen konnte, sieht sich eigentlich nicht mit der Gefahr konfrontiert, es hier nicht auch schaffen zu können, eher gestaltet sich seine Ermittlungsarbeit als holprig, da er die Frau(en) nicht in den Griff bekommt. Nach zahlreichen unberechenbaren Kapriolen der eigentümlichen Protagonisten glaubt man als Zuschauer schließlich selbst, dass man sich lediglich in einer massiven Wahnvorstellung der stimmungslabil, und äußerst angeschlagen wirkenden Verena befindet, bis es schließlich zu einer großen Überraschung kommt.

Die Tatverdächtige taucht auf und steht plötzlich vor der Tür eines ihrer abgelegten Liebhaber, der gleichzeitig auch der ehemalige Verlobte ihrer Schwester war, alias Heinz Drache, der den Begriff abgelegt in vielerlei Hinsicht neu definieren wird. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist Annabelle selbstbewusst, frech bis auffordernd und direkt in ihren Kommentaren, außerdem mondän im Auftreten. Geschickt spielt sie mit der uralten Angriffsfläche Eitelkeit, und packt ihr Gegenüber in Windeseile, um postwendend an Informationen zu gelangen. Heinz Drache schimmert auch hier ganz in seinem obligatorischen Stil, Arroganz und Herablassung, die sich zuvor im Gespräch mit Köster auf dem Tenniscourt zeigten, wirken unsympathisch und auch hier ungebrochen, was es einem zusätzlich nicht gerade leicht macht, ihm den schweren Fauxpas zu verzeihen, als er als Schiedsrichter »30:30 - Einstand« gezählt hatte. In der Zwischenzeit bekommt man noch den reichen Onkel der Zwillingsschwestern vorgestellt, bei dem Verena weitere Verschwörungstheorien ausbreitet und die Irritation komplett macht. Kommissar Köster versucht zu deuten, zu ordnen, allerdings scheint es so, als jage er lediglich Schimären nach. Dass man es mit keinem normalen Fall zu tun haben kann, oder besser gesagt haben darf, wird bei "Verena & Annabelle" von der ersten Minute an geebnet. Diese erfrischende Strategie birgt selbstverständlich auch die Gefahr, dass die Episode aufgrund ihrer vollkommen konträr angelegten Strategie einfach nicht punkten kann. Alfred Vohrer war es offenbar gleich, und es bleibt ein Unikat der Serie zurück, dass für seine Verhältnisse üblich verspielt, aber gleichzeitig selbstbewusst genug wirkt, um sicher bestehen zu können. Über all dem steht jedoch die atemberaubende Krista Keller-Di Cerami in zweifacher Potenz, die mit einer von Nähe und Distanz geprägten Selbstinszenierung in die Irre leitet, die für "Der Alte" so gut wie beispiellos geblieben ist. Der kleine Giallo, oder vielmehr kleine Psycho-Thriller unter den Folgen der Lowitz-Ära wird mit den richtigen Antennen schon sehr viel Freude bereiten.


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