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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Das Geheimnis des gelben Grabes (1972)
PostPosted: 28.09.2015 15:45 
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Alex Cord   Samantha Eggar   John Marley   in

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L'ETRUSCO UCCIDE ANCORA / DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES (I|D|JUG|1972)
mit Enzo Tarascio, Horst Frank, Calo de Mejo, Enzo Cerusico, Christina von Blanc, Vladan Holec sowie Daniela Surina und Nadja Tiller
eine Gemeinschaftsproduktion der CCC Filmkunst | Inex Film | Mondial Televisione Film | im Verleih der Cinerama
ein Film von Armando Crispino


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»Lieber schlafe ich mit einem Tier!«


Jason Porter (Alex Cord), Professor der Archäologie, erforscht in der Toskana Grabstätten und stößt dabei auf sehr gut erhaltene Wandmalereien, die den etruskischen Dämon Tuchulcha zeigen, als er gerade ein Liebespaar tötet. Kurz darauf wird in einer umliegenden Grabhöhle ein junges Paar ermordet aufgefunden und es scheint, dass die Szenen dieser Wandmalerei kopiert wurden. Die Opfer wurden schrecklich zugerichtet, allerdings finden sich einige Details, die komplett aus dem Zusammenhang fallen. Die junge Frau bekam von dem Mörder rote Ballettschuhe angezogen und es lief ein Tonband mit einer Verdi-Oper. Die Polizei tappt im Dunkeln und sucht verzweifelt nach einem Verdächtigen, den sie in Professor Porter gefunden zu haben scheint, zumal die Opfer mit einer von dessen Forschungssonden erschlagen wurden, jedoch finden sich im Umfeld von Jason noch einige andere Personen, die ein Tatmotiv haben könnten, wie beispielsweise der Dirigent Nikos Samarakis (John Marley). Die nächsten brutalen Morde lassen nicht auf sich warten und es scheint, als habe Tuchulcha wieder zugeschlagen...

Die Besonderheit bei Armando Crispinos "Das Geheimnis des gelben Grabes" lässt sich definitiv in den Bereichen Strategie und Struktur finden. Entstanden zu einer Zeit, in denen nahezu jeder Giallo versuchte noch gelber zu wirken, als viele der zahlreichen Konkurrenten, bewegt sich dieser Spielfilm eher in konventionellen Gefilden, was sicherlich wieder einmal der Tatsache geschuldet ist, dass man den Film in der Bundesrepublik unter dem Banner Bryan Edgar Wallace an den Start schickte. Dieses Gütesiegel wird immer wieder gerne zum Anlass für Kritik genommen, da auch dieser Beitrag als zu progressiver Fremdkörper in der langjährigen Reihe angesehen wird, doch auf der anderen Seite mutet er vielen Zuschauern paradoxerweise auch zu konventionell an. Betrachtet man den Film genau, so entfalten sich die besonderen Möglichkeiten dieses Schicht-Giallo, bei dem etliche Elemente präzise übereinander gelegt, und weitgehend einfallsreich miteinander verstrickt wirken. Der deutsche Arbeitstitel "Die Etrusker töten wieder" stellt sich letztlich als wesentlich prägnanter und vielversprechender als der tatsächliche Verleihtitel heraus, jedoch wurde so die Norm der Wallace-Filmtitel fortgeführt und publikumsfreundlich eingehalten. Neben der Intention, die Charaktere so präzise wie möglich erscheinen zu lassen, setzt Armando Crispino auch auf wohldosierte Schockmomente und eine minutiös geplante, und grausam wirkende Exposition, die in Verbindung mit dem regelrechten Aufbahren der Leichen, der dazu laufenden Musik und den Ballettschuhen für das jeweils weibliche Opfer frühe Rätsel aufgibt, aber einen interessanten Verlauf suggeriert. Hervorzuheben ist der malerische Ort des Geschehens, der in vollkommenen Kontrast zur wieder einmal unbehaglichen Prosa steht. Schönheit und Zerstörung bilden auch hier wie so oft eine denkwürdige Mischung, die dem Zuschauer langsam aber sicher an den Nerven zerren soll.



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Archäologie, Kunst und gemeinsame eine Vergangenheit bringen die beteiligten Personen zusammen, es wird schnell ersichtlich, dass der Ort des Geschehens, also die Gegenwart, einem brodelnden Vulkan gleicht. Aggressionen und hohe Widerstände bestimmen den Umgang, folglich auch die Szenerie, so dass man sich auf ein ungewöhnlich dichtes und interessantes Roulette charakterlicher Kapriolen gefasst machen kann. Doch wie könnte ein derartig brutaler und offensichtlich wahnsinniger Mörder wohl aussehen und von welchem Motiv ist er getrieben? Die Darsteller liefern hierfür sehr markante Gesichter und es bietet sich ein erfreulich breiter Kreis an Verdächtigen an, in dem selbst die Protagonisten nicht immer über jeden Verdacht erhaben zu sein scheinen. Die Hauptrollen liegen hierbei absolut stilsicher in internationaler Hand. Der Amerikaner Alex Cord und die schöne Britin Samantha Eggar stellen sich als ganz großer Besetzungscoup dieser Produktion heraus, man bekommt wesentlich mehr Intensität, Temperament und Glaubwürdigkeit geboten, als es in vergleichbaren Produktionen der Fall ist. Dabei steht die hauptsächlich impulsiv handelnde und weitgehend ambivalent wirkende Figur des Professor Porter im Mittelpunkt dieses Geschehens, das sich aus Vergangenheit und Gegenwart zusammensetzt, dabei vielleicht sogar einen entscheidenden Blick in die Zukunft werfen wird. Alex Cord füllt seinen Part beeindruckend aus, man nimmt ihn gerne als Protagonisten an, gerade weil er gegensätzliche Empfindungen hervorruft. So bekommt man als Zuschauer angenehmerweise keinen zur Schablone zurecht geschnittenen Helden serviert, da Alex Cord hier ausgiebig an einem markanten Profil feilen darf, wenn sich das Karussell der Emotionen dreht. Außerdem passiert es wie so häufig, dass er auf eigene Faust Ermittlungen anstellen muss, um sich von einem Verdacht zu befreien, der abwechselnd manchmal begründet, meistens aber völlig absurd wirkt.

Samantha Eggar als Myra stellt in dieser Geschichte buchstäblich das Licht dar, um das die Motten herumschwirren. Zunächst ist ihre enorme Wandlungsfähigkeit anzumerken, die sich vor allem im optischen Bereich zeigt, ungewöhnlicherweise nimmt man trotz ihrer beherrschten Leistung eine sehr starke Intensität wahr, die sich auf alle Beteiligten überträgt, sogar auf den Zuschauer. So begleitet man Myra beim eigentlich ziellosen Begehen eines neuen Lebensabschnitts, der ihr nicht viel zu geben scheint, aber dennoch das, wonach sie gesucht hat, nämlich Sicherheit. Ihre Beziehung mit Jason liegt zwar schon einige Zeit zurück, doch sie wirkt so aktuell und präsent wie nie. Dem Zuschauer und allen Personen aus dem direkten Umfeld ist klar, dass Myra und Jay zusammen gehören, die Frage ist nur, ob widrige Umstände beseitigt werden können, zu denen auch Mord und Gewalt gehören. Die Britin überzeugt jedenfalls mit einer unterschwellig leidenschaftlichen Darbietung, die mit zum Besten gehört, was man im zeitgenössischen Film finden kann. Bleibt man wahlweise bei den Damen des Szenarios, so sollte die Italienerin Daniela Surina erwähnt sein, die die Selbstaufgabe und krankhafte Loyalität ihrer Person präzise auf den Punkt bringt, auch Christina von Blanc sorgt für aufregende bis spektakuläre Momente. Egal wie man zu Stargast Nadja Tiller stehen mag, das Warten auf ihr Erscheinen sorgt hier für eine gewisse Spannung. Die ehemalige Frau von Myras jetzigem Mann Nikos darf in ihren wenigen Sequenzen ihre beeindruckenden Register ziehen, nachdem sie sich dem Zuschauer und Jason als lebendes Meisterwerk vorgestellt hat. Nadja Tiller nutzt ihre üblichen Kapazitäten der Selbstinszenierung hier effizient, weil untergeordnet aus, ihre Schlüsselfigur bleibt in bestechender Erinnerung. Weitere wichtige, und ebenso überzeugende Charaktere offerieren vor allem John Marley, Horst Frank und Enzo Tarascio.



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Wie so häufig in gleich gearteten Filmen ist die Arbeit der Polizei nicht gerade von bahnbrechendem Erfolg gekrönt, allerdings scheint es in diesem Szenario sogar so zu sein, dass es unter voller Absicht geschehen ist, da Inspektor Giuranna, alias Enzo Tarascio, seine Irrtümer und Holzwege gleich selbst einräumt. Dass die Hüter des Gesetzes eben auch nur Menschen sind, würzt den Verlauf sehr nachvollziehbar, besonders turbulent wird es, wenn Giuranna die Daumenschrauben anlegt, und sich dabei als giftiger Rhetoriker erweist, der zumindest einmal seine Schularbeiten gemacht hat. Gut, es mag an der überaus kruden Truppe liegen, die gleichzeitig auch den Kreis der Verdächtigen bildet, dass einfach kein Licht ins Dunkel zu bringen ist. Viele Personen rücken sich durch aggressive oder überspitzte Selbstinszenierungen in den Fokus, so zum Beispiel Horst Frank, vor allem aber ist es John Marley als Nikos Samarakis, der den Tanz auf dem Vulkan ganz offensichtlich inszeniert. Seine Star-Allüren sind berüchtigt, seine Wutausbrüche gefürchtet und die Präsenz, beziehungsweise die Kreation des Darstellers ist beeindruckend. Seine Untergebenen scheucht er herum und demütigt sie, falls sich die Möglichkeit bietet, es zeigt sich eine äußerst niedrige Hemmschwelle und der Weg zum Ausrasten ist geebnet, wahlweise wegen Kleinigkeiten und Belanglosigkeiten. Man hält also nach der ausgiebigen Selbstvorstellung einiger Personen so gut wie alles für möglich und im Bereich der Charakterzeichnungen ist der Verlauf unter Crispinos Führung sehr gelungen. Die Verbindungen untereinander werden sehr langsam, aber vollkommen deutlich geklärt, verschiedene Allianzen und Interessengemeinschaften aufgedeckt, und selbst Nebenfiguren wie Carlo de Mejo als verwöhnter Sohn des Majestro, oder Vladan Holec als kleiner Sadist bekommen die Chance ihre kleinen Rollen denkwürdig auszufüllen. Eine rundum überzeugende Besetzung!

Begleitet von Riz Ortolanis betörenden Klängen, ist es interessant mit anzusehen, wie ein Mosaik zusammengefügt wird, bei dem etliche Abgründe zur Schau gestellt werden. Hilfreich hierbei sind die immer wieder kurz integrierten Rückblenden, die beim Zuschauer und auch den Beteiligten des Szenarios für wichtiges Verständnis sorgen. Die hauptsächlich straffe Montage begünstigt den Erzählfluss und es sollte jeder selbst entscheiden, ob es im Verlauf Längen aufzuspüren gibt. "Das Geheimnis des gelben Grabes" bietet insgesamt eine interessante Geschichte, wieder einmal aus den dunklen Schluchten der menschlichen Psyche an, bei der die Integration eines womöglich übernatürlichen Elements für spannende Phasen sorgt, die teilweise sogar beängstigende Züge annehmen. Dass der Wahnsinn, oder wahlweise der Dämon Tuchulcha, hier hinter jedem Stein lauern könnte, wird ziemlich schnell klar, doch wie diese Grundvoraussetzungen geordnet werden, macht einen gelungenen Eindruck, zumal konventionelle und neuartige Elemente eine willkommene Allianz eingehen. Der eingeschlagene Weg wird durch die doch sehr unterschiedlichen Charaktere definiert und sie liefern stets genügend Zündstoff für Überraschungen, Kehrtwendungen, experimentelle Ansätze oder eben einfach nur reaktionäres Spektakel. Die eingearbeitete Brutalität stellt sich dabei tapfer gegen aufkommende Anflüge von längeren erklärenden Phasen, die hin und wieder zu sehr ausgereizt sind, allerdings bleibt der Weg zum Ziel unterm Strich sehr beeindruckend. Garniert mit einem spektakulären Finale tauchen hoch wirkungsvolle Bilder auf, die in Verbindung mit Nahaufnahmen, Slomo und absoluter Stille für großartige Giallo-Momente sorgen werden. Armando Crispino hat schlussendlich einen Film geschaffen, der gut an unterschiedliche Märkten angepasst war und sich trotzdem den Luxus erlaubt, ganz gezielt eigene Wege einzuschlagen.


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 Post subject: Dracula jagt Frankenstein (1970)
PostPosted: 07.10.2015 19:08 
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Michael Rennie   Karin Dor   Craig Hill   in

DRACULA JAGT FRANKENSTEIN

● LOS MONSTRUOS DEL TERROR / DRACULA JAGT FRANKENSTEIN / OPERAZIONE TERRORE (E|D|I|1970)
mit Patty Shepard, Ángel del Pozo, Paul Naschy, Manuel de Blas, Gene Reyes, Diana Sorel, Peter Damon, Ferdinando Murolo und Ella Gessler
eine Produktion der Producciones Jaime Prades | Eichberg-Film | International Jaguar Cinematografica | im Verleih der Columbia-Bavaria
ein Film von Hugo Fregonese, Tulio Demicheli und Eberhard Meichsner


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»Wäre es nicht einfacher sie auszurotten?«


Ummo, der Planet einer körperlosen außerirdischen Macht droht den Gefrierpunkt zu erreichen. Da man es nicht rechtzeitig schaffte, eine künstliche Sonne zu erschaffen, ist man gezwungen, nach einem geeigneten Ausweichplaneten zu suchen, so dass die Auswahl auf die 14 Lichtjahre entfernte Erde fällt. Um diese möglichst intakt in die Gewalt zu bekommen, verfolgt der Abgesandte der fremden Macht, Doktor Warnoff (Michael Rennie), einen teuflischen Plan. Mit Hilfe seiner Assistenten Maleva (Karin Dor), einer bei einem Autounfall tödlich verunglückten Biochemikerin, und Kirian (Ángel del Pozo), einem bei Kampfhandlungen getöteten Chirurgen, will er die Menschheit vernichten. Zu diesem Zweck bedient er sich einer weit verbreiteten Krankheit, dem Aberglauben. Nach und nach lassen die Wissenschaftler eine Reihe von Monstern wieder auferstehen. Ein Werwolf, Frankensteins Monster, Graf Dracula und die Pharaonenmumie sollen den tödlichen Plan verwirklichen, damit Doktor Warnoff selbst nicht unter Verdacht gerät...

Verwundert nimmt man bei "Dracula jagt Frankenstein" zur Kenntnis, dass sich offenbar gleich drei Herren den Regiestuhl teilen mussten, was zunächst für einen recht konfusen Eindruck sorgen möchte. So wird der Produktion gerne vorgeworfen, dass man diese unterschiedlichen Herangehensweisen in aller Deutlichkeit zu spüren und zu sehen bekommt, was die teilweise schnipselartigen Handlungsstränge ungeniert belegen werden. Aber was wäre das einschlägig bekannte Film-Universum ohne derartige Experimente der eigenwilligeren Sorte, die einfach nur hemmungslos den Unterhaltungssektor bedienen und insgesamt einen besonders eigenwilligen Charme zu vermitteln wissen? Von Beginn an hört sich die Geschichte ungemein interessant an und es entsteht der Eindruck, dass man es mit einer Art Aufschlüsseln des Aberglaubens, oder vielmehr mit dessen Anatomie zu tun bekommt, allerdings hält sich dieses Interesse zugunsten netter reißerischer Veranschaulichungen deutlich in Grenzen, und die Triple-Regie-Spitze konzentriert sich auf das Wesentliche, denn spätestens wenn man alle warnoff'schen Monster und dessen mordlüsterne Exemplare aus dem Labor zu Gesicht bekommen hat, weiß man, wohin die Reise geht, beziehungsweise gehen muss. "Dracula jagt Frankenstein" wirkt in vielerlei Hinsicht faszinierend und sogar über weite Strecken überzeugend, wenngleich dies auch an den immer wieder gerne vermittelten Inhalten der überzogenen Sorte liegen mag. Kurzweilig ist diese Expertise hastigen Inszenierens aber allemal, und man wird quasi immer wieder gerne dazu verleitet, sich diesen gut bekömmlichen Beitrag aus dem Schreckenskabinett anzuschauen, denn bei allem Gezeigten empfindet man eine ansprechende Dosierung, allerdings im Sinne einer vollen, prallen, überspitzten Dosis betäubender Bilder und verzerrter Charaktere.

Karin Dor hat einen eigenartigen Einstieg in das Szenario, nämlich als Leiche, die für die Zwecke der fremden Macht pracktischerweise reanimiert wird. Gleich nach dem Vorspann sieht man sie schön wie eh und je, wenngleich sie im Sinne der Geschichte etwas unterkühlt wirkt. Man darf sich zurecht fragen, wie eine Schauspielerin von Karin Dors Format in einem derartigen Experiment gelandet sein mag, vermutlich fragt sie sich das sogar selbst, aber besonders ihre späten Rollen und Charaktere bieten einen besonderen Reiz, da sie ein deutlich alternativ angelegtes Repertoire aus dem Hut zaubern konnte. Hier waren schauspielerische Exzesse bei Weitem eher nicht erforderlich, ihre Rolle ist jedoch alles andere als uninteressant, wenngleich auch nicht besonders schlüssig. Was solls, die Hauptsache ist schließlich, dass man sie auf ungewohntem Terrain begleiten darf. Karin Dor reicherte das düstere Geschehen mit viel Verve und diskreter Erotik an, man sieht sie sogar in zwei braven Liebes- und Bettszenen. Insgesamt zeigt die Deutsche eine gute Mischung im Wechsel von erforderlich-sparsamen Emotionen und ungewollt-temperamentvollen Zuständen, die ihre Ratlosigkeit und Unsicherheit gut herausarbeiten. In der Riege von Doktor Warnoffs gehorsamen Maschinen, wird sie im Verlauf noch indirekt die gefährlichste von allen werden. Insgesamt mutet die Rolle der Maleva oberflächlich an, und dieser Eindruck entsteht hauptsächlich durch eine im Geschehen relativ ausgeprägte screen time, die im Kontrast zu einer auffälligen Dialogarmut steht, wobei die sporadischen Dialoge in der Regel recht trivial ausgefallen sind. Eine besonders starke Szene hat sie vor allem, als sie an die skurrile Sequenz-Maschine angeschnallt wird, bis zum Wahnsinn herumschreit und in bizarrer Art und Weise die Augen verdreht. Letztlich erkennt man die wirklichen Fähigkeiten eines Künstlers vor allem in vermeintlich schwächeren Filmen, wenn man als Zuschauer trotzdem den Eindruck von einer guten Leistung vermittelt bekommt.



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Der Brite Michael Rennie als Dr. Warnoff überzeugt vor allem durch seine physische Erscheinung, denn darstellerisch hatte er gewiss andere Sternstunden, wie beispielsweise in dem Klassiker "Der Tag an dem die Erde stillstand". Sicher ist dies auch der Anlegung seiner Rolle geschuldet, man durfte sich schließlich keine Emotionen erlauben. So agiert er starr und größtenteils unempfindlich. Der unbeirrbare Herr erscheint in vielen Großaufnahmen, spätestens beim Zoom auf seine leeren, kalten Augen weiß man, dass er einem seiner Monster wieder telepathische Befehle erteilt. Bei seiner Figur fehlt leider ein bisschen der rote Faden und er hätte deutlich rücksichtsloser dargestellt werden müssen, um für zusätzlichen Schrecken zu sorgen. Craig Hill als Inspektor Tobermann liefert eine sehr diffuse Ermittlungsarbeit und kann schließlich größere Erfolge bei den Damen feiern, die schöne Patty Sheppard erweist sich dabei als geeignetes Objekt der Begierde. Bei den besonderen Leistungen wären schließlich noch die Monster des Dr. Warnoff zu erwähnen. Zunächst ist einmal zu betonen, dass die Maske in diesen vier Fällen bei einem Streifen geringeren Budgets ein ordentliches Ergebnis abliefern konnte. Abgesehen von zahlreichen Momenten, die zwischen Schrecken und Humor hin- und herspringen, und zwangsläufig von allen Exemplaren aus dem Schreckenskabinett Warnoffs ausgeht, sind sie im Endeffekt überzeugend hergerichtet und teils beunruhigend in Szene gesetzt, besonders die vertrocknete Pharaonenmumie sorgt für sehr starke Momente, wenn sie ihre Opfer mit versteinertem Blick anvisiert und unbeirrbar Befehle ausführt. Paul Naschy als verantwortlicher Drehbuchautor und unberechenbarer Werwolf Waldemar Daninsky löst seine Aufgabe angemessen, wenn auch obligatorisch, es macht letztlich jedenfalls Spaß, der Besetzung von A bis C zu folgen.

Das verlockende Spektakel kommt schnell auf Touren und man ist eigentlich über weite Strecken damit beschäftigt, die Monster ausfindig zu machen, sie zu reanimieren, zusammenzubasteln und sie natürlich an geeigneten Objekten zu testen. Warum, weshalb? Diese Frage beantwortet sich bei "Dracula jagt Frankenstein" entweder von selbst oder eben gar nicht. Leider wurde nach kurzer Zeit die Grundidee des Films rund um die die Absichten der außerirdischen Gefahr nach Nirgendwo abgeschoben und es geht nur noch darum, das Versprechen des Filmtitels möglichst reißerisch einzuhalten. Aber wen scherts? Dass sich Frankensteins Monster und Co. gegenseitig ohne Ende hassen, kommt dabei wie gerufen und man darf Zeuge von einigen halsbrecherischen bis amüsanten Vorstellungen werden, die glücklicherweise nicht unnötig in die Länge gezogen wurden, so dass die Geschichte nicht gestreckt wirkt. Pionierarbeit im Bereich Atmosphäre leistet dabei die bemerkenswert anpassungsfähige Musik, die jeder erdenklichen Situation zahlreiche Gesichter verleiht. Ansonsten sind alle nötigen Zutaten gegeben, die einen kurzweiligen Run ausmachen. Obskure Apparaturen vom anderen Stern, eine obligatorische Herz-OP, es wird laboriert und diesbezügliche Fragen werden einfach ignoriert, einige Folter-Kostproben und ein wahnwitziger Plan blicken durch, außerdem gibt es ein altes Schloss mit dunklen Gewölben, Särge werden geplündert und mit neuen Leichen ausstaffiert, kleine Kostproben von mörderischen Demonstrationen sollen den Zuschauer gruseln und bei Laune halten, und ein Bumerang-Effekt bahnt ein vorhersehbares Ende an. "Dracula jagt Frankenstein" ist und bleibt zu jeder Tages- und vor allem Nachtzeit gut bekömmlich und als Fazit lässt sich vielleicht sagen, dass es alleine schon bemerkenswert, beziehungsweise noch schöner ist, dass Filme in dieser Form überhaupt existieren.


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 Post subject: Eine einfache Geschichte (1978)
PostPosted: 09.10.2015 22:14 
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Romy Schneider   Bruno Crémer   Claude Brasseur   in

EINE EINFACHE GESCHICHTE

UNE HISTOIRE SIMPLE / EINE EINFACHE GESCHICHTE (F|D|1978)
mit Arlette Bonnard, Sophie Daumier, Éva Darlan, Francine Bergé, Roger Pigaut, Vera Schroeder und Madeleine Robinson
eine Produktion der Renn Productions | Rialto Film | Société Française de Production | im Verleih der Tobis Filmkunst
ein Film von Claude Sautet


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»Der Tag bricht an, man muss versuchen zu leben«


Die Modezeichnerin Marie (Romy Schneider) ist Mutter eines sechzehnjährigen Sohnes (Yves Knapp) und lebt seit längerem in Scheidung. Alles verändert sich als sie erfährt, dass sie von ihrem neuen Lebensgefährten Serge (Claude Brasseur) schwanger ist, mit dem sie jedoch bereits gedanklich abgeschlossen hat. Sie entscheidet sich für einen Schwangerschaftsabbruch ohne Serge etwas davon zu sagen, da sie von Zweifeln, die Männer generell betreffen, getrieben ist, außerdem möchte sie von nun an alleine und unabhängig leben. Marie findet Unterstützung von ihren vier engsten Freundinnen, doch auch deren Leben ist von Problemen des Alltags gezeichnet. In der Zeit der Selbstfindung reanimiert sie das Verhältnis zu ihrem geschiedenen Mann Georges (Bruno Crémer) wieder, doch schnell tauchen die gleichen Komplikationen auf, die die Ehe einst zum Scheitern brachten. Vor allem aber läuft das Leben, wie es vermutlich laufen muss...

Wie einfach kann eine Geschichte sein um dennoch genug Potential zu besitzen, den Zuschauer zu überzeugen, ihn womöglich zu berühren und unterm Strich einen relevanten oder bedeutsamen Eindruck zu hinterlassen? Claude Sautet beantwortet diese Frage mit überaus einfachen Mitteln und liefert eine weitere Expertise im Rahmen der Geschichten ab, die das wirkliche Leben zumindest schreiben könnte. Aufgegriffen werden Probleme des Alltags, Personen die sich eben mit diesem zurecht finden müssen, außerdem Situationen die einen klassischen Alltagstransfer bahnen. Wenn der Film die ruhigen Blüten seines Verlaufs langsam aber sicher offenbart, wird sich jeder bestenfalls irgendwo wieder finden können und diese Strategie ist vor allem lobend zu erwähnen, weil sie hier immer wieder aufgeht. Die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stellt in Sautets Beitrag die große Stärke dar, hinzu kommt eine schwer zu kreierende Dynamik, die letztlich überzeugt. Man braucht keinen Verlauf zu erwarten, der seine Stärken via Überzeichnung und Klischees zu übermitteln versucht, es bleibt ruhig, eigentlich eher still, dem Eindruck nach manchmal sogar schrecklich sachlich, wobei prosaisch in diesem Zusammenhang sicherlich die treffendere Vokabel darstellt. Aber es gibt auch sehr viele kleine Lichtblicke und diese Kombination reduziert diese simple Geschichte schließlich auf das, was nötig ist. Das Wesentliche. Claude Sautet macht kein Geheimnis daraus, wohin er gehen, und was er erreichen will, sein nahezu minimalistisches Prinzip erfährt einen deutlichen Kontrast in stilistischen Belangen. Die Sprache der Bilder ist atemberaubend und die teilweise pittoresken Situationen färben und fabrizieren Stimmungen, die empfundenermaßen sogar glücklich machen, bis der sterile Alltag wieder einziehen wird. Besondere Finessen zeigen sich erwartungsgemäß bei den eindringlichen Charakterzeichnungen.



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»Ich wollte unbedingt mit Romy drehen. Es ist eine biologische Tatsache, dass diese Frau mit vierzig Jahren schöner ist, als sie mit zwanzig war. Diese Frau, die ein wechselhaftes Leben geführt hat, erreicht jetzt diese Vollkommenheit, die sie anziehender als je zuvor macht. Ich habe niemals an jemand anderen für diese Rolle gedacht.« Aussagen wie diese dokumentieren die enorme Wertschätzung Sautets gegenüber seiner Hauptdarstellerin, aber auch gleichzeitig den (gegenseitigen) Input, der aus der häufigen Zusammenarbeit hervorging. Romy Schneider prägt ihre Marie so gekonnt, so präzise und beherrscht, dass man sich tatsächlich keine andere Darstellerin in dieser Rolle vorstellen möchte. Das zeichnen eines entscheidenden Lebensabschnittes, in dem es die einzige, und deshalb beste Lösung ist, die Seite umzudrehen, um weiterzublättern, erfolgt mit klassischer Intuition und beeindruckender Stärke, Romy Schneiders Spiel wirkt einfühlsam, umfassend und transparent. Mithilfe der männlichen Hauptdarsteller Claude Brasseur und Bruno Crémer entstehen die großen Reibungsflächen dieser einfachen Geschichte, da es sich um zwei Männer handelt, die schlussendlich für die Probleme von Marie verantwortlich sind, da sie keine Verantwortung übernehmen, oder weitreichende Verbindlichkeiten eingehen können. Die gezogenen Konsequenzen der Frau bleiben dabei weitgehend unbegreiflich, reagieren sie doch mit Unverständnis, Aggressivität, Selbstgefälligkeit, Angriff und Rückzug. Als Gleichgewicht zeigt sich das soziale Umfeld der Protagonistin wie eine versteckte Prognose, denn Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen und Fürsorge gewinnen in Phasen der schwierigen Entscheidungen eine bedeutende Gewichtung. Der Titel "Eine einfache Geschichte" charakterisiert den Verlauf bis ins Detail und erneut sieht man einen großen französischen Beitrag, der nicht nur ehrlich und nüchtern bleibt, sondern ein Lebensgefühl in präzisen, häufig auch bewegenden Bildern aus dem Frühsommer des Jahres 1978 näher bringt. Besonders angenehm wirkt die Tatsache, dass Sautet sich unangebrachte Wertungen angesichts der beteiligten Personen und deren Verhaltensweisen oder über ihren Lebenswandel aufgespart hat und man somit einen Verlauf erlebt, der an keinen verfälschenden Maßnahmen interessiert ist. Es kann tatsächlich so einfach sein!


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 Post subject: Madeleine Te. 13 62 11 (1958)
PostPosted: 11.10.2015 11:44 
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● MADELEINE TEL. 13 62 11 (D|1958)
mit Eva Bartok, Sabina Sesselmann, Alexander Kerst, Ilse Steppat, Heinz Drache, Edith Hancke,
Tilly Lauenstein, Alfred Balthoff, Stanislav Ledinek, Shari Kahn, Werner Stock und Kai Fischer
eine Produktion der Arca | im Verleih der NF
ein Film von Kurt Meisel




»Wer kennt die Tote?«


Ein junges Mädchen kommt bei einem Autounfall ums Leben, doch es stellt sich heraus, dass ihr Tod durch Gift herbeigeführt wurde. Die Recherchen ergeben, dass es sich bei der jungen Dame um ein einschlägig bekanntes Callgirl der besseren Gesellschaft handelt. Auch die attraktive Madeleine (Eva Bartok) ist gegen Bezahlung zu haben, die für eine skrupellose Kupplerin namens Clavius (Ilse Steppat) arbeitet, der die Polizei bereits auf den Fersen ist. Unterdessen trifft Madeleine ihre alte Freundin Karin (Sabina Sesselmann) wieder, die ihre Doktorarbeit zum Thema Prostitution schreiben möchte. Bewegt von Madeleines Geschichte, trifft sie die Entscheidung, diesen Fall weiterhin aufzurollen und bringt sich in unberechenbare Situationen...

Nachdem der rätselhafte Mordfall Rosemarie Nitribitt die Bundesrepublik im Jahr 1957 erschüttert hatte, nutzten zahlreiche Filmschaffende die Gunst der Stunde und griffen den Stoff Mord und Prostitution in irgend einer Form auf, so auch die mit Skandalfilmen erprobte Arca Film. Zwar wird es in "Madeleine Tel. 13 62 11" zu keiner namentlichen Erwähnung, und nur vagen Zusammenhängen kommen, aber einige Inhalte der Produktion schlagen doch sehr deutliche gedankliche Brücken. Für die Kino-Auswertung bekam die Produktion eine Altersfreigabe ab 18 Jahren und man darf schon sagen, dass hier mit ein paar ungewöhnlich expliziten Bildern jongliert wird, die für die damalige Zeit nicht gerade alltäglich waren, woraus gleichzeitig ein genauso schneller, als auch eigenartiger Eindruck entsteht, dass die Geschichte sich lediglich durch reißerische Inhalte interessant zu machen versucht, möglicherweise um das schwache Drehbuch nicht ganz so einfältig erscheinen zu lassen. Gleich zu Beginn wird man mit einem Unfall und dem damit verbundenen Todesfall eines Callgirls konfrontiert, was den weiteren Weg in die halbseidene Welt des Lasters ebnen wird. Schnell werden alle wichtigen Charaktere und die Titelfigur vorgestellt, die Auswahl der Darsteller wirkt dabei recht beeindruckend, was man allerdings von der eingeschlagenen Marschrichtung nicht gerade behaupten kann, denn Meisel gelingt es über weite Strecken leider nicht, Innovation und Provokation günstig miteinander zu verbinden. So wirkt die scheinbar brandaktuelle Geschichte nach wenigen Etappen bereits ungelenk, da sich aufreizende Inhalte und Bilder mit der im Grunde genommen biederen Seele des Films nicht so richtig vertragen möchten. Wie dem auch sei, zur damaligen Zeit dürfte der Film noch als willkommenes Spektakel angenommen worden sein.



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Eva Bartok sieht man in der Titelrolle und sie wurde ganz offensichtlich als Star der Produktion gebucht. Vergleicht man ihren Auftritt mit dem von Kollegin Sabina Sesselmann, bleibt einem beinahe nichts anderes übrig, nur noch von der nominellen Hauptrolle zu sprechen und überhaupt erscheint die gebürtige Ungarin hier nur mäßig gefordert gewesen zu sein. 1958. »Sie erhielt ein Filmangebot nach dem andern, sie, die sich noch vor einem Monat mit dem wahrscheinlichen Ende ihrer Karriere abgefunden hatte«, überzeugt zumindest mit einer eleganten und beherrschten Darbietung, wobei man dem Sinne des Films entsprechend schon wieder sagen muss, dass sie eigentlich zu kultiviert wirkt, und man ihr die Rolle letztlich eher nur verhalten abnimmt. Vielleicht liegt es auch am vereinnahmenden Spiel von Sabina Sesselmann, die einen durch und durch überzeugenden Eindruck hinterlässt, weil sie selbstbewusst und bodenständig agiert. So sieht man trotz ausbaufähiger, beziehungsweise unzureichender Charakterstudien eine willkommene Win-win-Situation. Bei den absolut überzeugenden Leistungen muss unbedingt Ilse Steppat als abgebrühte Kupplerin erwähnt werden, deren Anpassungsfähigkeit bei negativ gefärbten Charakteren immer wieder überraschend wirkt. Im Sinne der Freizügigkeit und der Geschichte des Films, leistet eine unbändig und buchstäblich entfesselt agierende Kai Fischer persönliche Karriere-Pionierarbeit, ihre Strategie geht im Rahmen von Provokation und Konfrontation vollkommen auf. Was man bei den Damen oftmals als zu viel des Guten interpretieren könnte, zeigt sich bei den männlichen Darstellern in vielerlei Hinsicht als deutlich zu wenig und man bekommt durchschnittliche Leistungen bis nahezu fehlbesetzte Parts vor die Füße geworfen.

Hierbei ist definitiv Alexander Kerst zu erwähnen, der Eva Bartok nicht im Griff hat, obwohl das augenscheinlich der Fall sein muss, außerdem ist es unwahrscheinlich und man nimmt es ihm zu keinem Zeitpunkt ab, dass er für bedeutende gedankliche Kehrtwendungen sorgen könnte, weil er zu unbeholfen und letztlich langweilig wirkt. Hier kann Heinz Drache einen wesentlich besseren Eindruck hinterlassen, erstens weil er wie so häufig von der schwächeren Leistung eines Kollegen profitiert, außerdem sieht man ihn angenehmerweise außerhalb seiner üblichen Schablone, obwohl er im Grunde genommen genau diese bedient. Man darf sich als Zuschauer beispielsweise genau auf eine Stufe mit ihm stellen, als er interessiert und heimlich eine Stripperin beobachtet, die angesichts des Produktionsjahres ungewöhnlicherweise tatsächlich oben ohne tanzt. Nie wieder hat man ihn so aufrichtig grinsen gesehen. Leider trägt er auch hier ein Korsett namens Drehbuch, das es ihm nicht erlaubte, bedeutende Akzente zu setzen. So bietet "Madeleine Tel. 13 62 11" in darstellerischen Belangen Licht- und Schattenseiten, obwohl die meisten Darbietungen als gut einzustufen sind. Schwächere Eindrücke entstehen allerdings durch die löchrigen Vorgaben des Scripts, so dass es kaum zu bemerkenswerten Charakterzeichnungen kommen kann. In diesem Zusammenhang wirkt die aufkommende Vorhersehbarkeit umso ärgerlicher, da insgesamt für wenige Ausgleiche gesorgt wurde. Die Regie lässt somit zahlreiche Fragen ungeklärt, vielleicht hat man sich schlussendlich doch zu sehr auf den potentiell unkonventionellen Charakter des Stoffes verlassen wollen. Unterm Strich bleibt ein Beitrag zurück, bei dem viele günstige Voraussetzungen verschenkt wurden, so dass er insgesamt als eher durchschnittlich zu bezeichnen ist. Dies gilt hier leider auch für den Aufhänger Eva Bartok.


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 Post subject: Ein kleines Luder (1981)
PostPosted: 16.10.2015 18:10 
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Jane Birkin   Michel Piccoli   in

EIN KLEINES LUDER

LA FILLE PRODIGUE / EIN KLEINES LUDER (F|1981)
mit Natasha Parry, René Féret, Audrey Matson und Eva Renzi
eine Produktion der Les Productions de la Guéville | Gaumont
ein Film von Jacques Doillon


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»Nimm deine Medikamente!«


Anne (Jane Birkin) flüchtet nach einem Streit mit ihrem Mann (René Féret) zu ihren Eltern (Michel Piccoli und Natasha Parry) ans Meer, um Abstand zu gewinnen. Annes Gemütszustand ist schwer angeschlagen und ihre Eltern stehen ihrer schlechten Konstitution und der kompletten Situation hilflos gegenüber. Als sie auch noch davon erfährt, dass sich ihr Vater in eine ehemalige Tänzerin (Eva Renzi) verliebt hat, und ihre Mutter verlassen will, bricht Anne innerlich komplett zusammen. Fortan bettelt sie förmlich um Liebe und Anerkennung und versucht ihrem Vater mit allen Mitteln näher zu kommen, doch dieser hält die emotionalen Kapriolen seiner Tochter nicht mehr lange aus...

Jacques Doillon inszenierte im Jahr 1979 den Film "La drôlesse", der in Deutschland unter dem Namen "Ein kleines Luder" vermarktet wurde, daher kommt es zu einigen Irritationen, da dieser Beitrag von 1981, ebenfalls inszeniert von Doillon, kurzerhand den gleichen Titel verpasst bekam. Betrachtet man die französischen Originaltitel, so handelt es sich um weitgehend freie Übersetzungen, die höchstens den Themen nahekommen, möglicherweise wollte man mit der identischen Namensgebung ein paar zusätzliche Zuschauer anlocken. Was die erneute Titelgebung betrifft, wurde die Sache zumindest im Kern getroffen, denn Jane Birkin leistet in dieser Beziehung sozusagen tatkräftige Unterstützung, die allerdings zwischen Überzeugung, sowie einer Art Gratwanderung hin- und herpendelt. Interessant ist, dass es der Film in der Bundesrepublik anscheinend zu keiner Kino-Auswertung gebracht hat, aber man muss es sagen wie es ist, dass der überaus schwermütige Tenor, und die lethargische Umsetzung der Geschichte nicht gerade massentauglich wirken, was allerdings nicht heißen soll, dass man es gleichzeitig mit einem vollkommen uninteressanten Beitrag zu tun bekommt. Das französische Kino muss man mit all seinen Reibungsflächen und Finessen global, oder vielleicht sogar bedingungslos zu schätzen wissen, um sich auch mit einem derart schwerfälligen Vehikel anzufreunden, denn wie erwähnt wird es phasenweise nämlich äußerst zäh und sogar anstrengend, insbesondere wenn die Dialoglastigkeit mal wieder abenteuerliche Formen annimmt. Wie könnte es anders sein, diese Eindrücke auch noch mit befremdlichen Handlungsweisen und Bildern auszuschmücken und schließlich festigt sich der Eindruck, dass sich die Geschichte in sich selbst verfängt. Nichtsdestotrotz ist der Einstieg und der anfängliche Verlauf sehr anschaulich und man kann dem Geschehen interessiert folgen. Feine zynische Spitzen sorgen für die nötigen Momente, bis Jane Birkin alles daran setzen wird, das sichere Terrain des dramatischen Kinos mutwillig in Stücke zu spielen.



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»Die bösen Dämonen sind alle unterwegs. Sie feiern ein Fest in meinem Kopf. Den Gedanken akzeptieren, dass ich verrückt bin, verwirrt, erschöpft von meiner eigenen Nichtigkeit.« Derartige Monologe und Dialoge wird man zuhauf um die Ohren gehauen bekommen und alle Wege führen in diesem Verlauf zu der diffusen psychischen Erkrankung, die alle Beteiligten, so auch den Zuschauer, im Würgegriff halten wird. Die Regie ist weniger an Thematisierung und Aufklärung, als an großspurig klingenden Worthülsen interessiert, die nach dem ersten Drittel plötzlich und ungehindert auftreten. Es wird schwer. Es wird ungemütlich. Es könnte unerträglich werden. Das Verhältnis zwischen Tochter und Vater wird hier zum Mittelpunkt hochstilisiert und Dank Jane Birkin fragt man sich etwa nach einer halben Stunde permanent, mit was für einem zutiefst zerrütteten Geschöpf man es denn eigentlich zu tun hat. Doillon, der zu dieser Zeit mit seiner Hauptdarstellerin liiert war, spielt zwar gezielt mit Befremdlichkeiten, dies allerdings vollkommen verzerrt und schließlich verhältnislos, in Verbindung mit Michel Piccoli entstehen Vater-Tochter-Sequenzen, die auf ihrer verschachtelten bis unterschwellig sexualisierten Basis weniger erschrecken und zum Nachdenken anregen, als dass sie einfach nur vollkommen widerwärtig sind. »Dass einem zwei Brüste wachsen geschieht nur, um die Väter abzustoßen.« Als Zuschauer sollte man sich besser weitere Fragen ersparen um zu versuchen, den Film nicht voreilig komplett abzuschreiben. Ein Vater erlebt seinen, naja, dritten Frühling, seine Frau reagiert mit hinnehmender Zurückhaltung und die Tochter konspiriert im Hintergrund, indem sie ihre Erkrankung als perfide Waffe einsetzt. In diesem Zusammenhang fallen einem die Allüren der angriffslustigen Protagonistin äußerst negativ auf, ihre unberechenbaren Kehrtwendungen entwaffnen sogar eine sonst so über die Maßen schlagfertige Eva Renzi. Die Regie und die Hauptdarstellerin arbeiten mit Hochdruck daran, den Zuschauer empfindlich zu treffen, doch leider geschieht dies nicht im Sinne von konstruktivem Fordern, sondern in Form eines unüberwindbaren Distanzaufbaus, der den Film schlussendlich zu dem degradiert, was er eigentlich ist: ein über weite Strecken überdramatisierter und überstilisierter Versuch, Alternativen zu bündeln, Schockmomente in der menschlichen Psyche zu präsentieren und verkrampft anders auszusehen, als es normalerweise üblich ist. So helfen auch die idyllischen Bilder und das pittoreske, beinahe familiär wirkende Setting nicht über die Querelen der verlorenen, um Aufmerksamkeit buhlenden Tochter hinweg. Ganz im Stil großer französischer Beiträge bleibt also nur folgender Alternativtitel: "Les téléspectateurs perdus".


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 Post subject: Der Wachsblumenstrauß (1963)
PostPosted: 26.10.2015 22:46 
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Margaret Rutherford   Robert Morley   Flora Robson   in

DER WACHSBLUMENSTRAUSS

● MURDER AT THE GALLOP / DER WACHSBLUMENSTRAUSS (GB|1963)
mit Katya Douglas, James Villiers, Robert Urquhart, Gordon Harris, Noel Howlett, Duncan Lamont sowie Stringer Davis und Charles Tingwell
eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer | George H. Brown Productions | im Verleih der Metro-Goldwyn-Mayer
ein Film von George Pollock


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»Es ist ungewöhnlich für eine englische Frau, lieber mit einem Buch auf dem Zimmer, als auf einem Pferd zu sitzen!«


Der zurückgezogen lebende und sehr wohlhabende Enderby (Finlay Currie) verstirbt plötzlich, was seine raffgierige Verwandtschaft auf den Plan ruft. Als sie bei der Testamentseröffnung zusammenkommen stellt sich für jeden einzelnen nur die Frage, wie es mit den Vermögensverhältnissen des alten Herrn bestellt ist, welcher Teil für jeden abfällt und die Trauer hält sich deutlich in Grenzen. Da das Ableben Enderbys einige Fragen offen gelassen hat, deutet Cora Lansquenet, die Schwester des Toten das an, was eigentlich alle denken. Es soll sich um Mord handeln. Kurz darauf findet der nächste Mord statt. Da Miss Marple (Margaret Rutherford) Mister Enderby tot aufgefunden hatte und einen Schuhabdruck eines Reitstiefels am Tatort gefunden hatte, ermittelt sie auf eigene Faust und ihr Weg führt sie in das Reithotel von Hector Enderby (Robert Morley), dem unscheinbaren Neffen des Verstorbenen...

Bei "Der Wachsblumenstrauß" handelt es sich um die zweite von vier "Miss-Marple"-Verfilmungen, die der britische Regisseur George Pollock jeweils umgesetzt hat. Wie üblich beginnen die Geschichten um die hartnäckige Hobby-Detektivin sehr atmosphärisch und als Zuschauer findet man sich unmittelbar im Geschehen wieder, da man durch einen rätselhaften Mord aufgeschreckt, und vor allem zum Miträtseln animiert wird. Bereits bei der Testamentseröffnung entstehen großartige Momente, da ein letzter Wille verlesen wird, der auch gleichzeitig die Beteiligten vom Prinzip her zu charakterisieren versucht. »Obwohl ich es sehr bedaure, die unersättliche Gier meiner Verwandten befriedigen zu müssen, bestimme ich hiermit nichtsdestoweniger, dass mein gesamtes Vermögen gleichmäßig verteilt wird, zwischen meinem Vetter vierten Grades, George Crossfield, damit er nicht länger auf das Geld seiner Kundschaft zurückzugreifen braucht. Meiner Nichte Rosamund Shane, um ihr die Möglichkeit zu geben, ihrem Mann ein Leben zu bescheren, wie er es gerne führen möchte. Meinem Neffen Hector Enderby, damit er in der Lage ist, jeden Tag auf die Jagd zu reiten, anstatt einmal in der Woche, und ihm damit mehr als bisher die Gelegenheit gegeben wird, sich den Hals zu brechen. Und schließlich, meiner Schwester Cora Lansquenet, in dankbarer Erinnerung, dass sie sich 30 Jahre im Ausland aufgehalten hat, und ich nicht von ihr belästigt wurde. Das hinterlassene Geld ist sofort allen betreffenden Parteien auszuzahlen, in der Hoffnung, dass es sie alle so unglücklich wie nur möglich machen möge!« Einfach herrlich! Im Bereich der Dialogarbeit wird man somit immer wieder sarkastische Spitzen und geschliffene Wortgefechte ausfindig machen können, die sogar eine Basis für feinfühligen Humor darstellen werden. Das Geschehen findet vor gewohnt provinziellem Hintergrund statt, die resolute Miss Marple ist dem Empfinden nach mit allen Wassern gewaschen und eine feste Größe in der Stadt, der die Leute mit Respekt und Vertrauen gegenüberteten. Lediglich mit der Polizei, sprich Inspektor Craddock, steht sie ein wenig auf Kriegsfuß, da gewisse Reibungsflächen entstehen, da sie dem kleinen Polizeiapparat stets einige Schritte voraus ist. So packt die umtriebige Dame ihre männlichen Kontrahenten gerne direkt an ihrer Eitelkeit, die weiblichen erfahren eine bestimmte Solidarität, allerdings ist im Zweifelsfall keine Schonung zu erhoffen.



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Die filmische Figur Miss Marple wird vollkommen zurecht hauptsächlich mit Margaret Rutherford assoziiert, die in ihren vier Auftritten in der Titelrolle nicht nur maßgeblich zu den Auflösungen der jeweiligen Fälle führte, sondern als Garant für den Erfolg der Filme steht. Rutherford präsentiert hier Darstellungskunst der alten Schule, ihre Figur wird mit feinen Facetten und einer Bandbreite ausgestattet, die Glaubwürdigkeit und Sympathie transportieren. Mord und Verbrechen rufen ihre Kombinationsgabe auf den Plan, sie kann verschachtelte Situationen entschlüsseln, Tathergänge mit Leichtigkeit skizzieren und ist den teilweise wenig logisch wirkenden Gedankengängen der Polizei in jeder Hinsicht überlegen. Rutherford glänzt vor allem in Szenen, in denen ihr weitere große Interpreten zur Seite stehen. Robert Morley zeigt sich beispielsweise in exzellenter Schauspiellaune und er setzt gezielte Pointen in Wort und Tat. Auch Flora Robson als verängstigt wirkende Miss Milchrest gibt ein Kabinettstückchen zum Besten, so dass der Zuschauer im Bereich der Hauptrollen hervorragende Leistungen geboten bekommt. Abgerundet wird dieses hochklassige Ensemble durch Charles Tingwell, James Villiers, natürlich Stringer Davis und vor allem durch die betörend wirkende Katya Douglas, die der hochmütig und verwöhnt wirkenden Nichte des Verstorbenen ein erstklassiges Profil gibt. »Wir haben anscheinend alle ziemlich schwache Alibis!«, hört man sie sarkastisch und beinahe amüsiert sagen und die Polizei ist insgesamt wenig erfreut von den Launen und Verschleierungsversuchen der versnobten Gesellschaft. Der Kriminalfall an sich ist sicherlich nicht gerade der ausgekochteste, vielleicht kommt es zu diesem Eindruck, weil Erbschaftsangelegenheiten in diesem Genre einen sehr hohen Wiedererkennungswert mit sich bringen, und der Vorgänger "16 Uhr 50 ab Paddington" hohe Maßstäbe gesetzt hatte, allerdings ist es Pollocks flexible und in weiten Strecken geistreiche Umsetzung, die bei Laune hält und einen spannenden bis kurzweiligen Verlauf garantiert. Die Inszenierung beinhaltet somit viele klassische Stilelemente, die zum Gruseln, Kombinieren und Staunen verleiten, der außerdem immer wieder angewandte Humor setzt angenehme Atempausen und ein sehr gelungenes Whodunit überzeugt in Verbindung mit einem beeindruckenden Finale auf ganzer Linie. "Der Wachsblumenstrauß" ist ein zeitloser Krimi-Spaß, dem man sich immer und immer wieder anschauen kann.


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 Post subject: Ein Toter sucht seinen Mörder (1962)
PostPosted: 02.11.2015 22:23 
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Peter van Eyck   Anne Heywood   Ellen Schwiers   in

EIN TOTER SUCHT SEINEN MÖRDER

● EIN TOTER SUCHT SEINEN MÖRDER / THE BRAIN (D|GB|1962)
mit Bernard Lee, Cecil Parker, Siegfried Lowitz, Hans Nielsen, Dieter Borsche, Jeremy Spenser, Jack MacGowran und Maxine Audley
eine Produktion der CCC Filmkunst | Raymond Stross Productions | im Europa Filmverleih
ein Film von Freddie Francis


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»Was wir hier tun, können wir medizinisch jederzeit vertreten!«


Der mächtige Geschäftsmann Max Holt verunglückt tödlich mit seiner Privatmaschine. Dieses schreckliche Unglück spielt sich ganz in der Nähe des kleinen Laboratoriums des Forschers Dr. Corrie (Peter van Eyck) ab, der mit seinen Assistenten Ella (Ellen Schwiers) und Dr. Shears (Bernard Lee) ein waghalsiges Experiment wagt. Die Wissenschaftler haben vor, das Gehirn des Verstorbenen so lange wie möglich extrakorporal am Leben zu halten, was ihnen schließlich auch gelingt. Da Dr. Corrie die These vertritt, dass ein Gehirn auch nach dem Tod eines Menschen für eine gewisse Zeit weiter arbeiten, und durch elektrische Ströme Gedanken, Erinnerungen und Emotionen weiter transportieren kann, erhofft er sich bahnbrechende Ergebnisse und er scheint Recht zu behalten. Max Holts Gehirn entwickelt eine Art Eigenleben und drängt den Wissenschaftler dazu, sich auf die Suche nach seinem Mörder zu begeben...

Zu einer Zeit, in der Kriminal- und insbesondere Edgar-Wallace-Filme in ihrer Blütezeit standen, nutzte Produzent Artur Brauner immer wieder die Gunst der Stunde, um mit diversen Konkurrenz-Produktionen bestenfalls für Aufsehen zu sorgen. Freddie Francis' Beitrag mit dem sehr vielversprechenden deutschen Titel "Ein Toter sucht seinen Mörder" versucht den Zuschauer gleich mit mehreren Kostproben unterschiedlicher Genres zu überzeugen, da beispielsweise leichte Horror- oder Science-Fiction-Elemente zum Tragen kommen, die in Verbindung mit einem über weite Strecken interessanten, und gut aufgebauten Kriminalfall für alternative Impulse sorgen können. Als großer Pluspunkt dieser gesamten Veranstaltung wird sich die europäische Star-Besetzung qualifizieren, die der Geschichte auch ihre Spannung diktieren wird. Interessant ist die Tatsache, dass der Film jeweils auf den deutschen und den britischen Markt abgestimmt wurde. Die signifikanten Unterschiede finden sich in der englischen Version bei der Täter-Auflösung, die einen wesentlich stärkeren Eindruck hinterlässt, als die deutsche, außerdem ist Dieter Borsche in der originalen Fassung nicht vertreten. Die jeweilige Orientierung an bestimmten Märkten brachte oftmals eine seichte Note in Filme, was man angesichts des Finales und der Auflösung auch hier sagen muss, denn der in Deutschland herausgekommenen Fassung geht zum Ende hin leider etwas die Luft aus. Nichtsdestotrotz bleibt Francis' Film einer der sehenswerteren Beiträge im einschlägig bekannten Kriminal-Orbit und man darf sich auf etliche krude Inhalte freuen, die durchaus charmant bis verspielt wirken, sodass man definitiv auf seine Kosten kommen wird. Der Verlauf erlaubt sich den Luxus von Freiräumen und kann den Eindruck aufrecht erhalten, dass er sich seiner zahlreichen Möglichkeiten bewusst ist. Trotz einer immer sichtbar festgelegten Marschrichtung wird somit der Eindruck von Dynamik vermittelt, nette Kehrtwendungen und kleinere Schocks tragen zu einem bemerkenswerten Atmosphäre bei, die Darsteller tun ihr Übriges dazu.



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Peter van Eyck, der sich in europäischen Produktionen längst etabliert hatte, stellt sich hier als tatkräftiges Zugpferd heraus und hinterlässt einen gewohnt soliden Eindruck. Obwohl er als Mediziner zum Teil recht zweifelhafte Auffassungen vertritt, spielt er seine Möglichkeiten als Protagonist und Sympathieträger klassisch aus. An seiner Seite sieht man eine vergleichsweise ungewöhnlich zurückhaltend agierende Ellen Schwiers, die sich eher mit halbseidenen Charakteren einen Namen gemacht hatte. Auch in diesem Fall bringt die Abwechslung einen Mehrgewinn für den Zuschauer, und man begleitet sie aufmerksam als loyale Assistentin von Dr. Corrie, deren Verhältnis ganz offensichtlich über eine berufliche Basis hinausgeht. Im Kreise der Vertrauten rundet Bernard Lee die Konstellation zufriedenstellend ab, besonders er wird es sein, der das Dilemma zwischen Fortschritt und Moral deutlich thematisieren wird. Der Kreis der potentiellen Verdächtigen wirkt in "Ein Toter sucht seinen Mörder" sehr überschaubar, allerdings bekommt man in diesem Zusammenhang auch sehr gute Leistungen geboten, die im Sinne nebulöser Eindrücke vollkommen aufgehen. Der Tote, der seinen Mörder sucht ist Max Holt, der mit fortschreitender Zeit als immer rücksichtsloser charakterisiert wird. Dafür verwenden sich seine eigenen Kinder mit großer Überzeugung und es stehen Hass, Verachtung und Egoismus im Raum, was von den engsten Vertrauten Holts nur noch verstärkt wird. Anne Heywood als Anna Holt macht in dieser illustren Runde den nachhaltigsten Eindruck, die vielseitige Britin punktet durch die dichte Zeichnung ihrer unterschwelligen Emotionen und sie wirkt geheimnisvoll. Besondere Darbietungen liefern Maxine Audley und Cecil Parker, außerdem sorgen Siegfried Lowitz, Dieter Borsche und vor allem Hans Nielsen nicht nur für Wiedersehensfreude, sondern ebenfalls überdurchschnittliche Auftritte. Die Mischung Schauspielerfilm und Kriminalfilm mit genreübergreifenden Blüten stellt sich hier als gute Mischung heraus, der Verlauf wirkt über weite Strecken spannend und durchgehend kurzweilig. Francis' Regie bleibt dabei unaufdringlich und zielgerichtet, leider fallen Täter-Auflösung und Finale in der deutschen Version wie gesagt ab und dennoch handelt es sich um einen Beitrag, der sich wegen seiner vielen guten Momente immer wieder gut anschauen lässt.


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 Post subject: Gegen jeden Verdacht (2000)
PostPosted: 09.11.2015 12:05 
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Daniel Baldwin   Claudia Schiffer   Coolio   in

GEGEN JEDEN VERDACHT

● IN PURSUIT / GEGEN JEDEN VERDACHT / GEJAGT UND BETROGEN (US|2000)
mit Sarah Lassez, Kim Rhodes, David Graf, Zina Ponder-Pistor, Cristos und Dean Stockwell
eine Produktion Life Productions Inc.
ein Film von Peter Pistor


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»Ich wuchs auf im Glauben an den amerikanischen Traum«


Das Leben des erfolgreichen Anwalts Rick Alvarez (Daniel Baldwin) gerät nach einer Affäre mit der schönen Catherine (Claudia Schiffer), der Frau des skrupellosen Geschäftsmannes Wells, aus den Fugen. Als dieser eines Tages ermordet wird gerät Rick selbst unter Mordverdacht und nur ein paar zufällig entstandene Fotos könnten seine Unschuld beweisen, dass er zur Tatzeit nicht am Ort des Geschehens gewesen sein kann. Doch sein Alibi zerplatzt, da die Fotos spurlos verschwinden. Um den wahren Täter zu finden, flieht Rick aus dem Gefängnis und begibt sich auf die gefährliche Suche nach Catherine, die ein Motiv für den Mord an ihrem Mann hatte...

Eine nachdenkliche Stimme aus dem Off, einige Szenen im Gericht und ein Anwalt, der in Windeseile in Turbulenzen mit attraktiven Damen und plötzlich unter Mordverdacht gerät. So sieht die knappe Einführung in diesen Thriller in gut gemeintem TV-Niveau aus. Ob sich in Verbindung mit einer, auf den ersten Blick recht interessant klingenden Geschichte etwas Sehenswertes daraus basteln lässt, wird also im Verlauf noch geklärt werden, was dem Film eigentlich auch komischerweise als spannendste Frage vorauseilt. Der wenig erfahrene Regisseur Peter Pistor inszenierte mit "Gegen jeden Verdacht" jedenfalls seinen vierten und gleichzeitig letzten Film, was nicht viel heißen muss, wenn man diesem Beitrag seine Chance einräumt, die hier keinen anderen Namen tragen kann als Claudia Schiffer. Der Auftritt der Deutschen kommt wie aus dem Nichts, ihr Besuch im Knast verwandelt genau diesen in wenigen Augenblicken in einen brodelnden Vulkan, die schäbigen Gänge des Gefängnisses werden von ihr kurzerhand zu einem Catwalk umfunktioniert und sie hat sichtlich Spaß daran, dass ihr die grölenden Insassen Interesse sexueller Natur bekunden. »Wissen Sie, wie viele Männer heute Abend vergewaltigt werden, nur wegen Ihrem Outfit?« Coolio, der Wärter, weiß offensichtlich, wovon er spricht. Zunächst formt sich primär die Frage nach Claudia Schiffers schauspielerischen Kompetenzen, da man sie doch vor wenigen Augenblicken noch beim zügellosen Tête-à-Tête mit dem Hauptverdächtigen des Falles verfolgen durfte und es rückt in eine gewisse Ferne, was man eigentlich von diesem Film erwartet hat. Möglicherweise entsteht diese lapidare Einstellung auch nur, falls man ihn sich wegen der Schiffer ansieht, und man sie obendrein noch für eines der aufregendsten Geschöpfe überhaupt hält, ja, dann kann dieses auf einen zukommende, oder eher ausbleibende Spektakel einfach nur zufriedenstellen.



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Zum frühen Verlauf lässt sich neben diesem schweren Geschütz eines Ablenkungsmanövers schließlich sagen, dass die Dramaturgie holprig und konstruiert wirkt, man möchte beinahe sagen unwahrscheinlich, viele Szenen wirken schwach choreografiert und es ist daher schwer einzuschätzen, was nun eigentlich warum, weshalb oder gerade wieso passiert. Um für Aufsehen zu sorgen, gibt es neben den erwähnten Sex-Kapriolen der überaus aufreizenden Claudia Schiffer ein wenig Action, meistens leider der müderen Sorte, die spannend angelegten Szenen erreichen häufig nicht die anvisierte Intensität, nur Langeweile schleicht sich glücklicherweise so gut wie gar nicht ein. Der komplette Verlauf wimmelt zwar von Klischees und ausgeborgten Ideen aus anderen Filmen, allerdings lässt sich eine zumindest ambitionierte Bearbeitung herausfiltern, wenngleich es sich auch nach der Hälfte der Spielzeit noch nicht genau benennen lässt, wo der Film eigentlich genau hin möchte und hierbei wirkt die flache Dialogarbeit wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. Die nebulöse Geschichte wird von hinten aufgerollt, hin und wieder durch pyrotechnische Spielereien erhellt und wie ein Puzzle zusammengefügt, im Endeffekt lässt sich wohl sagen, dass einem diesbezüglich sicherlich schon schwächere Versuche aufgetischt wurden. Leider ist es so, dass der Protagonist auf ganzer Linie schwächelt, denn Daniel Baldwin wirkt nichtssagend und schleppt sich ungelenk von Szene zu Szene. Als Identifikationsfigur taugt der sich immer weiter in ein Mordkomplott verstrickende Rick daher nur wenig, es entsteht wenig Brisanz und gleichzeitig eine ärgerliche Vorhersehbarkeit, da die Geschichte nur zu dem Punkt, an dem sich alles hastig aufklären wird, zulaufen kann. Die angebotenen Wendungen sorgen zwar letztlich für eine gewisse Grundspannung und Aufmerksamkeit, jedoch wirkt die Angelegenheit unterm Strich vollkommen überfrachtet.



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Wendungen und Erklärungen, die vornehmlich aus der Vergangenheit stammen, sorgen für Verwirrung und das Spektrum der Wahrscheinlichkeit wird ein wenig überstrapaziert. Der Zuschauer ist also permanent mit dem Ordnen der Handlungsstränge beschäftigt, weil die Regie sich in dieser Beziehung als wenig fähig herausstellt. Für Freude sorgen schließlich zwei Schauspieler, die eigentlich gar keine sind, sozusagen Superstars die hier zu Laien degradiert wurden. Coolio überzeugt in seiner kurzen Rolle als Gefängniswärter, es besteht kein Zweifel daran, dass er sich im gefährlichen Männerknast durchzusetzen weiß, aber insgesamt führen hier tatsächlich wieder alle Wege zu Claudia Schiffer, der man tatsächlich eine überdurchschnittlich gute Leistung bescheinigen muss. Als Catherine Wells bringt sie Licht in das dunkle Geschehen, was man nicht im Sinne von Aufklärung, sondern einfach nur im Rahmen ihrer strahlenden Erscheinung deuten sollte. Sie wirkt zeitweise undurchsichtig, teilweise sogar gefährlich, aber stets anziehend und verführerisch. Hochinteressant ist, dass sie nicht mit ihrem hinlänglich bekannten Anstrich eines Supermodels zu sehen ist, wenn oft die Grenzen der Makellosigkeit gesprengt wurden, sondern man sieht in ihren Nahaufnahmen Konturen, die sonst im Verborgenen liegen, kleine Schönheitsfehler, ja, es scheint so, als habe sie eine ihrer vielen Masken für den Dreh abgenommen. Vielleicht klingt es daher paradox, aber Claudia Schiffer wirkt trotz ihrer präzisen und nahezu pedantischen Aufmachung natürlich und greifbar. Eine atemberaubende Frau, die hier über viele Unzulänglichkeiten hinwegtrösten wird. Das Finale hält selbstverständlich eine Überraschung bereit, die allerdings nur dazu gemacht zu sein scheint, um sie zur Kenntnis zu nehmen. "Gegen jeden Verdacht" stellt einen handelsüblichen B-(Action)-Thriller dar, dem es vom Prinzip her an Möglichkeiten fehlt, sich zu profilieren. Schön, falls Claudia Schiffer da Abhilfe leisten kann, ansonsten ist der Film kaum empfehlenswert für diejenigen, die sich hier eher mit der Frage: »Claudia wer?« herumquälen.


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 Post subject: Die Heimkehr (1985)
PostPosted: 10.11.2015 19:48 
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● Folge 1: DIE SCHWARZWALDKLINIK - DIE HEIMKEHR (1985)
in den Hauptrollen: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt und Heidelinde Weis
mit Eva Maria Bauer, Karl Walter Diess, Holger Petzold, Alf Marholm, Franz Rudnick, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Jochen Schroeder
als Gäste: Christiane Krüger, Maria Körber, Dirk Galuba, Marie-Luise Marjan, Werner Kreindl, Udo Thomer, Hans Paetsch, u.a.
eine Produktion der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH. im Auftrag von ZDF | ORF
Regie: Alfred Vohrer




»Wenns juckt und zwickt, dann heilts!«


Der Chirurg Professor Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) kehrt an seinen Geburtsort zurück um Chef der Schwarzwaldklinik zu werden. Mit seiner Haushälterin Käti (Karin Hardt) bezieht er sein Elternhaus, in dem momentan nur sein Sohn Udo (Sascha Hehn) wohnt, der ebenfalls Assistenzarzt in der Schwarzwaldklinik ist. Die Stimmung zwischen Vater und Sohn ist ohnehin sehr angespannt, doch als sich der Professor auch noch sehr gut mit Udos abgelegter Freundin Schwester Christa (Gaby Dohm) versteht, ist das Verhältnis noch mehr gereizt. Zum ersten Zwischenfall in der Klinik kommt es durch einen schweren Autounfall, verursacht von einem Betrunkenen namens Hensle (Dirk Galuba), der sich dabei nur ein Bein gebrochen hat, aber der Fahrer des anderen Wagens stirbt an seinen schweren Verletzungen in der Klinik. Professor Brinkmann erkennt den Unfallverursacher, der ihm zuvor mit einem riskanten Überholmanöver in Gefahr gebracht hatte. Was wird der Chefarzt der Schwarzwaldklinik unternehmen..?

Die Pilotfolge der "Schwarzwaldklinik" in Spielfilmlänge hatte seinerzeit eine beachtliche Einschaltquote von 24,53 Millionen Zuschauern. Unter der Regie von Alfred Vohrer geschieht die Einführung sehr mitteilsam und straff, charakterisiert zunächst Professor Brinkmann und seine Haushälterin Käti sehr gut, bis auch schon nach kurzer Zeit der Autounfall passiert, um die Folge thematisch anzubahnen. Alfred Vohrer beweist hier erneut sein Gespür für Spannungsaufbau und die Sache kommt schnellstens in Fahrt, ohne dabei diverse Nebenhandlungen zu vernachlässigen. Um einen Gesamteindruck zu liefern, werden immer mal wieder längere Sequenzen der herrlichen Landschaft gezeigt, die mit der Musik von Hans Hammerschmid, die so gut wie jeder kennen dürfte, untermalt sind. Thematisch sieht man neben der "Heimkehr" viele andere Plot-Fragmente und damit verbunden sind sehr präzise Zeichnungen der Haupt- und Nebencharaktere, sowie der Gastdarsteller. Brinkmanns Sohn Udo wird sofort als eine Art Schwarzwald-Casanova präsentiert, und das angespannte Verhältnis offeriert Wurzeln, die in der Vergangenheit liegen. Auch in der Klinik sieht man episodenhafte Schicksale wie das der schwangeren, betrogenen Frau, oder der jungen Geliebten mit Suizid-Absichten, das Verhalten des Mannes der dafür verantwortlich ist, oder die stille Verzweiflung der Frau, deren Diagnose ein Todesurteil geworden ist. Der Klinik-Betrieb wird mit seiner Komplett-Ausstattung authentisch dargestellt, die beteiligten Personen scheinen allesamt Originale zu sein.

Dass die Rolle des Professor Brinkmann mit Klausjürgen Wussow, und nicht wie ursprünglich geplant mit Armin Mueller-Stahl besetzt wurde, kann man rückblickend als Glücksgriff bezeichnen und Wussow zeigt sich von Anfang an wie geschaffen für diese Rolle. Vor Dienst-Antritt sondiert er bei der erstbesten Gelegenheit sein neues Territorium, da er sich an einem rostigen Nagel verletzt hat und in der Klinik als Patient auftaucht. Sein souveränes Auftreten kombiniert eine sachliche, aber auch menschliche Art im Umgang mit seinen Zeitgenossen, immer wieder kommt auch der Schalk im Nacken zum Vorschein und Professor Brinkmann wirkt sehr sympathisch als Zugpferd für die Serie. Die anderen Hauptrollen werden ähnlich markant aufgebaut, was sich sogar wie ein roter Faden bis in die Gast- und Nebenrollen zieht. Der Klinik-Alltag wird sehr eingängig und nachhaltig dargestellt und bei dem Durchleuchten diverser Patienten, beziehungsweise Schicksale entstehen brauchbare, und sehr eigenständig wirkende Geschichten für die Nebenhandlung, was diesen Pilotfilm sehr kurzweilig wirken lässt. Als beinahe revolutionär kann man die Sequenzen aus dem Operationssaal bezeichnen, die die tägliche Mechanik eines Klinikbetriebes verdeutlichen, überhaupt hat eine sehr professionelle fachliche Beratung stattgefunden, was sich nicht nur in den Bildern, sondern vor allem in den Dialogen und Erklärungen widerspiegelt. Der Grundstein ist also mit "Die Heimkehr" überaus günstig gelegt worden und Alfred Vohrer zeigt erneut sein Können in unterschiedlichsten Bereichen. Auf diesem hohen Niveau kann (und wird) es also weitergehen.


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 Post subject: Die Mörderklinik (1966)
PostPosted: 11.11.2015 13:12 
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William Berger   Mary Young   Françoise Prévost   in

DIE MÖRDERKLINIK

LA LAMA NEL CORPO / LES NUITS DE L'ÉPOUVANTE / DAS MONSTER AUF SCHLOSS MOORLEY / NIGHT OF TERRORS (I|F|1966)
mit Barbara Wilson, Philippe Hersent, Germano Longo, Harriet Medin, Massimo Righi, Rossella Bergamonti, Anna Maria Polani und Delfi Mauro
eine Produktion der Ci. Ti. Cinematografica | Leone Film | Orphée Productions | im Alpha Filmverleih
ein Film von Elio Scardamaglia


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»Ich freue mich auf die Erfahrung, die Geliebte eines Mörders zu sein!«


Dr. Robert Vance (William Berger) betreibt eine Heilanstalt, in der Patienten mit angeschlagener psychischer Konstitution betreut werden. Da die Einrichtung sehr abgeschieden liegt, sollen seine Schutzbefohlenen von der vorhandenen Ruhe profitieren, jedoch wird durch diese Voraussetzung auch ein unheimlicher Frauenmörder angelockt, der seine Opfer mit einem Rasiermesser tötet. Doch es scheinen sich noch weitere Geheimnisse in dem alten Gemäuer zu verbergen. Aus dem oberen Stockwerk sind sehr beunruhigende Geräusche zu vernehmen. Als man der Sache auf den Grund gehen will, kommt es zu einer schauerlichen Entdeckung. Derweil mordet das Phantom weiter und in der Klinik scheint es von Verdächtigen nur so zu wimmeln...

Bereits der Vorspann mit seinen nahezu verheißungsvollen Klängen erweist sich nicht nur als atmosphärische Einführung in Elio Scardamaglias Beitrag, sondern der Zuschauer bekommt auch gleichzeitig eine sehr charakteristische Einführung in das bevorstehende Szenario geboten, da es sich um eine karussellartige Führung durch das titelgebende Gemäuer handelt. Die abwechselnd eingeblendeten Lettern, die die beteiligten Darsteller groß ankündigen, stehen sinnbildlich für die bemerkenswerten Leistungen des Ensembles, sodass man sich entspannt und erwartungsvoll zurücklehnen darf. Blitzschnell kommt es zum ersten Mord, der in Verbindung mit der morbiden Atmosphäre für Aufsehen sorgen wird, auch die Konstellationen werden rasch durchleuchtet, damit man nach einer kurzen Einspielphase weiß, mit wem man es zu tun bekommt. Zumindest scheint es so. Dieser schnelle, und ebenso konsequente Einstieg legt die Vermutung nahe, dass man es mit einem erfahrenen Regisseur zu tun hat, jedoch zeigt sich beim Betrachten von Elio Scardamaglia, der eigentlich als Filmproduzent tätig war, dass "Die Mörderklinik" auch gleichzeitig seine komplette Filmografie darstellt. Solche Gegebenheiten kann man zwar skeptisch betrachten, doch hier sollte man nur das Naheliegende tun und sich einfach auf diese Wundertüte der Unterhaltsamkeit konzentrieren. Eine in Schwarz gehüllte Gestalt schleicht im prunkvollen Ambiente, beziehungsweise in einem Set umher, das sehr aufwendig und der Zeit entsprechend originalgetreu simuliert wirkt. Es entstehen sehr spannende Phasen, wenn beispielsweise die Zielscheiben des Mörders um ihr Leben rennen müssen. Generell fällt das gelungene Spiel mit Licht und Schatten auf, die entstehenden Kontraste sorgen für Stimmungen, meistens der unbehaglicheren Art.

Nach einiger Zeit kristallisiert sich deutlich heraus, dass die Regie auf ein gedrosseltes Erzähltempo setzt, zugunsten einer Art Detail-Verliebtheit und dichten Zeichnung der beteiligten Charaktere, so dass die Kulturgäste des Hauses auch hinlänglich vorgestellt werden, um sie im weiteren Verlauf kritisch und empfindlich durchleuchten zu können. Die Marschrichtung, beziehungsweise die allgemein angewandte Strategie wird diesem Beitrag einen nahezu kultivierten Charakter verleihen, das Aufsparen von Effekten und expliziten Gewaltspitzen kommt dem ruhigen Verlauf zugute, da unter diesen Voraussetzungen die Pointen viel klarer und in Reinkultur wirken können. In diesem Zusammenhang soll natürlich ebenfalls erwähnt werden, dass es sich bei Scardamaglias Beitrag um einen atypischen Giallo handelt, dessen Konturen sich mit etlichen anderen Genres verschmelzen, um gedankliche Brücken zu schlagen. Und aus dieser empfundenen Ausgewogenheit schöpft der Verlauf seine Kraft, da es mangels Spektakel viele einladende Alternativen geben wird, die den geneigten Zuschauer fesseln möchten. Die bunte und gefährliche Welt rund ums Sanatorium hat zahlreiche Abhandlungen erfahren, charakteristische bis interessante Beiträge stellen beispielsweise Fernando Di Leos "Das Schloss der blauen Vögel" oder Pierre Chenals "Die Schamlosen" dar, doch eines haben diese, meistens sehr streng ortsgebundenen Bonbons alle gemeinsam: nämlich, dass sie auf der Basis der angeschlagenen Psyche, der trüben Vergangenheit und dunklen Geheimnisse eine Absolution in sich darstellen, um die bizarrsten, abenteuerlichsten und verwirrendsten Blüten zu treiben. Zu diesem Zweck dreht sich das Karussell der angeschlagenen Gemütszustände in hohen Umdrehungen und die Insassen geben im Spektrum von Wahnvorstellungen bis Schizophrenie einige überzeichnete Vorstellungen zum Besten.



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So treten immer neue Personen auf, die Verwirrung stiften, viele von ihnen wirken geheimnisvoll und unberechenbar, ja eigentlich agieren die meisten von ihnen so, als seien sie dem Wahnsinn nah, oder als hätte er sie bereits längst eingeholt. In diesem Zusammenhang muss die Besetzungsliste erwähnt werden, die mit vergleichsweise wenigen großen Namen des Geschäfts aufwartet, sogar vielmehr mit Schauspielern, deren Filmografien nicht gerade üppig wirken. Wie dem auch sei, in solchen Fällen muss es eben zu einer gehörigen Portion Überzeugungsarbeit kommen, die hier glücklicherweise nicht ausbleibt. Das Sanatorium wird von keinem geringeren als William Berger, alias Dr. Robert Vance geleitet, alleine seine Präsenz sorgt für die nötigen Momente zwischen Skepsis und Vertrauen. An seiner Seite sieht man Mary Young, die hier in ihrem zweiten und letzten Film zu sehen ist. Sie entfaltet eine vereinnahmende Aura und jongliert dabei mit einem, dem Empfinden nach unüberwindbaren Distanzaufbau. Die Diskussionen über eheliche Rechte und Bürden mit ihrem Mann scheinen alltäglich zu sein. William Berger strahlt seine gewohnte Souveränität aus. Es scheint, als sitze er Probleme einfach aus, im Zweifelsfall kommt es kurzerhand zu naturwissenschaftlichen Betrachtungen. Diese Strategie provoziert Temperament und Emotionen seiner Gattin, die gerne giftig die Krallen ausfährt, sich in schwerwiegende Vorwürfe und Beschuldigungen hüllt. In diesen Situationen macht sich die teilweise präzise Dialogarbeit bezahlt, wenngleich der Film insgesamt durch seine Dialogarmut auffällt, und eher mit der opulenten Bildsprache zu punkten versucht. Durch seine tatkräftigen Darsteller bekommt "Die Mörderklinik" einen interessanten Schliff, vor allem weil sich bekannte und unverbrauchte Gesichter hier die Klinke in die Hand geben und zur Dynamik des Verlaufs beitragen.

In diesem Zusammenhang muss natürlich auch Françoise Prévost als die namhafteste weibliche Darstellerin der Produktion genannt werden, die sich mit William Berger die Funktion der Zugpferde teilt. Die verschlagen wirkende Französin bereichert jede, nach zweifelhaften Charakteren dürstende Geschichte ungemein. Hier wird sie nach der kurzen, aber schmerzvollen Trennung von ihrem Mann von Dr. Vance aufgelesen und wo könnte man sich schneller und nachhaltiger erholen als in seinem Sanatorium? Der neue Kurgast Gisèle lebt sich jedenfalls umgehend ein und damit erst gar keine Langeweile aufkommt, nimmt sie das alte Gemäuer und die Herrschaften des Hauses etwas genauer unter die Lupe, um aus purer Neugierde wenigstens noch Profit schlagen zu können, doch das Temperament der gewohnheitsmäßigen Erpresserin wird schnellstens ausgebremst. Prévost liefert eine beachtliche Leistung ab, genau wie beispielsweise Delfi Mauro, Philippe Hersent und vor allem Barbara Wilson, als umwerfend aussehende Krankenschwester des Etablissements. Der zentrale Punkt für Angst und Verbrechen ist und bleibt die Klinik, die neben den sorgfältig eingeführten Charakteren ein weiteres Geheimnis birgt. In der Anfangsphase des Films kommt es zu ersten Andeutungen in Verbindung mit Zuständen von Insassen, die auf den Zuschauer zunächst wie Wahnvorstellungen wirken. Es existiert eine obere Etage, für die der Zutritt strengstens untersagt ist. Man hört Geräusche, man nimmt Schritte wahr, doch wirken diese Hinweise lediglich wie Einbildungen der Patienten, bis sich der Verdacht bestätigt, dass sich dort ein Monster befindet. Die Karten werden mit jeder kruden Verhaltensweise der Personen neu gemischt, so dass der Verdacht auch mehr oder weniger auf jeden einzelnen gelenkt wird, doch die Hintergründe bleiben über lange Strecken nebulös.

Insgesamt wird das eigentliche Thema nie aus den Augen verloren. Man nimmt beobachtende Blicke wahr, weitere Existenzen steuern auf ein abruptes Ende zu, Leichen kommen, gehen und verschwinden und im Bereich der beunruhigenden Szenen bekommt man ein paar wenige Zero-Effekte geboten, wie beispielsweise das Experimentieren an einem Hamster, oder weitere Morde, bei denen das Blut jedoch nicht gerade in Fontänen sprudeln wird. Die Kamera hält sich dabei an die Gesetze des Ambientes und wirkt zwar interessiert, hinterlässt vielleicht sogar kultivierte Absichten, allerdings kommt es nicht zur exzessiven Experimentierfreudigkeit, da man hauptsächlich auf konventionelle Grusel-Zutaten setzt, die ihre Wirkung über Kontraste und Schattenspiele aufbauen. Das letzte Drittel des Films wird mit der Offenbarung des Monsters eingeleitet. Werden sich also nun die Effekte halsbrecherisch überschlagen? Die Antwort lautet nein, doch das Tempo wird über forcierter, direkter und geschliffener wirkende Dialoge gesteigert, außerdem wird das alte Gemäuer von immer lauteren Schreien durchzogen. Die permanent vorhandene atmosphärische Dichte erweist sich nicht nur als gelungenes Stilmittel, sondern vor allem als adäquates Gegengewicht zum manchmal zu behäbigen Tempo. Beim Thema Spannung kommt man ebenfalls durchgehend auf seine Kosten, da das ständig kursierende nervöse Element eine geheimnisvolle Grundstimmung schürt, außerdem kann man sich auf eine abwechslungsreiche Auflösung mit diskretem Whodunit freuen. "Die Mörderklinik" geht schließlich als Film in die persönliche Filmhistorie ein, der nicht zuletzt wegen seines klaren Aufbaus punktet und insgesamt sorgsam durchdacht wirkt. Zustande gekommen ist schließlich ein mörderischer, beziehungsweise klinischer Spaß, der in den Sphären der landläufig bekannten Gialli als nahezu aristokratisch wirkendes Exemplar in Erinnerung bleiben wird. Top!


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 Post subject: Der Hexentöter von Blackmoor (1970)
PostPosted: 14.11.2015 19:59 
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Christopher Lee   Maria Schell   in

DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR

● DER HEXENTÖTER VON BLACKMOOR / IL TRONO DI FUOCO / EL PROCESO DE LAS BRUJAS / THE BLOODY JUDGE (D|E|I|FL|1970)
mit Maria Rohm, Hans Hass, Margaret Lee, Peter Martell, Howard Vernon, Werner Abrolat, Milo Quesada, Diana Lorys und Leo Genn
eine Produktion der Terra Filmkunst | Fénix Film | Prodimex | im Verleih der Constantin
ein Film von Jess Franco


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»Warum gibst du nicht zu dass du eine Hexe bist? Dann wirst du nur verbrannt!«


1685. Die blinde Hellseherin Rosa (Maria Schell) sagt entsetzliche Zeiten und Schmerz voraus, den niemand ertragen kann. In England herrscht Angst und Schrecken, denn der fanatische Lord-Richter Jeffries (Christopher Lee) ist überall auf der Suche nach vermeintlichen Hexen, die er reihenweise aufspüren, foltern, und anschließend hinrichten lässt. Auch die junge Alicia Gray (Margaret Lee) wird trotz eines Gnadengesuches ihrer Schwester Mary (Maria Rohm) auf dem Scheiterhaufen verbrannt, da sie sich dem obersten Richter nicht hingeben wollte. Sie tut sich mit Harry Sefton (Hans Hass junior), dem Sohn des einflussreichen Earl of Wessex (Leo Genn) zusammen, um Jeffries das Handwerk zu legen, doch Mary wird von den Handlangern des Hexentöters entführt, und Harry für Vogelfrei erklärt. In der Zwischenzeit geht es weiter mit unmenschlichen Foltermethoden und Hinrichtungen, es scheint so, als könne niemand die Willkürherrschaft des Lord-Richters stoppen. Kann der Earl of Wessex seinen Einfluss geltend machen und seinem Sohn und seiner Geliebten Mary das Leben retten..?

Jess Francos "Der Hexentöter von Blackmoor" stellt einen nicht uninteressanten Hexen-Reißer dar, der mit vagen geschichtlichen Zusammenhängen und zusätzlichen erotischen Einlagen angereichert wurde. Der Film ist für die Verhältnisse des Spaniers vergleichsweise nahezu konventionell ausgefallen, präsentiert sich aber auf die damalige Zeit bezogen im Fahrwasser angesagter Formate. Der Reiz entsteht hier nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Bausteine des Films, die für eine gelungene Abwechslung innerhalb dieses weitgehend turbulenten Verlaufs sorgen, außerdem bedeuten Weltstarbesetzung und Franco-Würze naturgemäß eine überaus ansprechende Mischung. Schaut man sich die Exposition an, so hinterlässt sie einen zwiespältigen Eindruck. Wie gesagt wirken viele Bilder und Szenen für die Verhältnisse des Regisseurs verhalten, allerdings gefällt er sich auch im Schildern von einigen Folterszenen die versuchen, ein bisschen weiterzugehen als es vielleicht üblich war. So wird der weitgehend spekulative Charakter dieses Hexen-Beitrags zum unfreiwilligen Aushängeschild dieser Produktion. Starke Szenen entstehen im Rahmen der Haupt-Thematik, vor allem wenn man Howard Vernon in seinem Folterkeller begleiten darf. Seine beunruhigende Erscheinung macht hier einen Großteil der Atmosphäre aus und unter ihm wird es nicht lange dauern, bis die Schüreisen zischen, die Ketten rasseln und die gequälten Frauen vor Angst und Pein schreien. Gespickt ist das Ganze mit kleineren Brutalitäten nach Art des Hauses, sodass das Kunstblut fließen, und die anatomischen Attrappen purzeln können. Der Verlauf überzeugt durch seinen klaren Aufbau, es ist jederzeit zu sehen, wo der Film hinlaufen wird. Selbstverständlich schleichen sich auch einige Phasen des empfundenen Leerlaufs ein, allerdings wimmelt es in diesen geradezu von einer außergewöhnlichen Dichte an beliebten Darstellern, die diesen Eindruck glattbügeln werden und die es in späteren Jahren bei Jess Franco leider nicht mehr in dieser hohen Konzentration gegeben hat.



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Christopher Lee stattet die Titelrolle vor allem mit der erforderlichen Präsenz aus. Als unerbittlicher Lord-Richter Jeffries verbreitet er mit seinen willkürlichen Urteilsverkündungen wie etwa »Du kommst mit dem übrigen Pack an den Galgen!« Angst und Schrecken im Land, und hinter vorgehaltener Hand hört man sehr deutliche Aussagen über ihn. »Überall schnüffelt er nach Hexen rum«, und diejenigen, die unter dem Deckmantel des Gesetzes aus dem Weg geschafft werden müssen, macht er kurzerhand zu solchen. Seine rechte Hand Howard Vernon funktioniert dabei wie ein Uhrwerk und führt empfindliche Tests durch, die schließlich immer das gleiche Ergebnis hervorbringen werden. Als Gegenspieler und Sympathieträger werden beispielsweise Leo Genn und sein Filmsohn Hans Hass aufgebaut, die ihre Rollen routiniert bis überzeugend präsentieren. Dabei dient Hans Hass nebenbei, oder vielleicht sogar hauptsächlich dazu, um die eilig zusammengebastelte Liaison mit Franco- und Erotik-Expertin Maria Rohm aufgehen zu lassen. Die Österreicherin macht wie gewohnt eine ansprechende Figur im Rahmen universeller Anforderungen, genau wie ihre Filmschwester Margaret Lee, die hier zur Projektionsfläche für diverse praktische Veranschaulichungen auf der bestialischen Folter dient. Dann wäre da noch Maria Schell zu erwähnen, deren Rolle hier auf den ersten Blick vielleicht nicht allzu viel hergeben mag, allerdings wertet alleine ihr Star-Bonus jede Produktion pauschal auf. Als blinde Hellseherin fungiert sie quasi als Orakel, welches düstere Zeiten voraussagen, allerdings gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer in Aussicht stellen wird. Insgesamt ist in "Der Hexentöter von Blackmoor", dessen Titel verdächtig nahe an bekannte Kriminalfilme der vorangegangenen Jahre angelehnt zu sein scheint, ein interessanter Streifen mit vielen bunten Inhalten geworden, der trotz seiner deutlichen Vorhersehbarkeit eine Art Unterhaltungstechnikum geworden ist. Einen Jess Franco außer Rand und Band wird man hier jedoch vergeblich suchen, aber gerade diese soliden Arbeiten des Spaniers haben durchaus ihren Reiz.


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 Post subject: Playgirl (1966)
PostPosted: 16.11.2015 09:41 
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Eva Renzi   in

PLAYGIRL

● PLAYGIRL - BERLIN IST EINE SÜNDE WERT (D|1966)
mit Harald Leipnitz, Paul Hubschmid, Elga Stass, Rudolf Schündler, Ira Hagen, Narziss Sokatscheff, Hans Joachim Ketzlin, Barbara Rath und Umberto Orsini
als Gäste Don Antonio Espinosa, Georg und Elizabeth Wertenbaker, Dimitri und Helen Cosmadopolous, Ricci, Monika Scholl-Latour, Ellen Kessler, u.v.a.
es singen Marie France und Paul Kuhn
eine Produktion der Will Tremper Film GmbH | im Verleih der UFA International
ein Film von Will Tremper


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»Ich könnte ihr den ganzen Tag zugucken!«


Das Model Alexandra Borowski (Eva Renzi) ist es gewöhnt, dass ihr die Männer zu Füßen liegen und ihr die Zeit vertreiben, außerdem benutzt sie ihre schnell wechselnden Bekanntschaften, sie beruflich weiterzubringen. Angekommen in Berlin, sucht sie den erfolgreichen Bauunternehmer Joachim Steigenwald (Paul Hubschmid) auf, den sie von einem Aufenthalt in Rom kennt, denn eine erneute Affäre mit ihm würde ihrer Ansicht nach Vorteile mit sich bringen. Um sie schnell abzuwimmeln, schickt er allerdings kurzerhand seinen Bürovorsteher Siegbert Lahner (Harald Leipnitz) vor, der sich Hals über Kopf in Alexandra verliebt. Für sie wird es jedoch weitere männliche Etappen in Berlin geben, so beispielsweise den Mode-Fotografen Timo (Umberto Orsini), mit dem sie in der Abwesenheit von Steigenwald zusammenarbeitet, doch im Endeffekt findet Alexandra nichts anderes als kurze Affären und ist sich nicht im Klaren darüber, wie sie ihre Gefühle ordnen soll, falls denn überhaupt welche vorhanden sind...


Will Tremper wrote:
Eva Renzi war der absolute Star des Films Playgirl, und sie wusste das. Nie hat ein anderes Mädchen mit einem einzigen Film im Rücken eine so raketenartige Karriere gemacht - und sich selbst auch wieder ruiniert.

Will Trempers vierter, und gleichzeitig vorletzter Film sollte unter dem Namen "Playgirl", beziehungsweise unter dem Arbeitstitel "Berlin ist eine Sünde wert" in die deutsche Filmlandschaft eingehen, und wurde heute, auf den Tag genau am 16. November 1965 fertig gestellt. Seine 50 Jahre sieht man diesem pulsierenden und vereinnahmenden Beitrag allerdings zu keiner Minute an. Interessant und vollkommen logisch zugleich erscheint hierbei die Tatsache, dass die komplette Geschichte mit deren gesamtem Verlauf um niemand anders als Eva Renzi herumkonstruiert wurde, die Tremper dem Vernehmen nach bereits zu den Dreharbeiten zu "Die endlose Nacht" als Evelyn Renziehausen kennenlernte. In seinem Buch "Die große Klappe" ist diesem Film ein großes Kapitel gewidmet, das weit blicken lässt und viele interessante Hintergrundinformationen liefert, vor allem über den neuen Star der Produktion. Bereits der Einstieg in den Film offenbart sich wie eine kleine Liebeserklärung an die Stadt, die doch dem Titel nach eine Sünde wert sein sollte, aber vor allem wird Eva Renzi in nahezu atemberaubenden Bildstrecken präsentiert. Wenn das Spektakel beendet ist, fragt man sich zurecht, wie es dramaturgisch zu einigen offensichtlichen Qualitätsunterschieden kommen konnte, doch Will Tremper räumt in seinem Buch mit allen Spekulationen auf und nennt das Kind beim Namen. Es heißt wieder einmal und eigentlich immer wieder Eva Renzi. Die Schilderungen des Regisseurs zu seiner Hauptdarstellerin gleichen einem strapaziösen Wechselbad der Ansichten. Einerseits spürt man die weitreichende Anerkennung bezüglich ihrer fulminanten Leistung, andererseits nimmt man aber auch ein quasi nervenaufreibendes Tauziehen wahr, bei dem es sich nicht gerade so anhört, als habe es eine Verjährungsfrist gegeben. Wie dem auch sei, zurück bleibt ein Ergebnis, das eines der visuell schönsten und aussagekräftigsten Aushängeschilder des jungen deutschen Films geworden ist. Die Verbindung mit gesellschaftskritischen Aspekten geht, um ehrlich zu sein, nicht immer auf, da man empfundenermaßen eine unwillkürliche Oberflächlichkeit ausfindig macht, die sich bei genauerem Hinschauen jedoch als ein nötiges Mosaiksteinchen herausstellt, um Tiefe zu bahnen.



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Eine Frau sucht ihr Glück in der Großstadt, die ihr bereits nach den ersten kleinen Schritten zu Füßen zu liegen scheint. Damit gemeint ist natürlich hauptsächlich die Männerwelt, die, wie es aussieht, auf die Lichtgestalt Alexandra Borowski gewartet hat. Das schöne Fotomodell wartet erst gar nicht darauf, dass man an sie herantritt, sie nimmt sich das was sie will, was ihr zusteht, was sie braucht. Was sich nach einem Spiel anhört, wird im Verlauf immer wieder Tendenzen bitteren Ernstes bekommen, und es geht schließlich darum, wer die besseren Karten haben wird. Betrachtet man Eva Renzi, so dürfte sie es sein, die stets die bessere Ausgangsposition inne haben wird und man kann es nicht anders sagen, dass es herrlich ist, ihr bei ihrem episodenhaften Tanz durch Berlin zuzusehen. Der komplette Film schöpft seine Dynamik aus ihrem Spiel, dabei ist es absolut erstaunlich und gleichzeitig erfrischend, diese Seltenheit miterleben zu dürfen. Eigentlich steht es außer Frage, dass "Playgirl" ohne Eva Renzi niemals funktioniert hätte und man kann sogar ein Stück weiter gehen und behaupten, dass das Gerüst in seine Bestandteile zusammengefallen wäre. Laut Tremper wusste es jeder, auch er selbst, aber vor allem wusste es seine Hauptdarstellerin, die durch diverse Kapriolen während des Drehs, davor und danach für Atemlosigkeit sorgte. Alexandra Borowski beschäftigt sich und den Zuschauer insgesamt mit der Suche, oder vielmehr mit einer unbestimmten Suche, die zwar durch die dazu gehörenden Bilder transparent gemacht wird, aber den Kern der Sache eigentlich nicht verraten möchte. Das Finale des Films schafft keine Abhilfe angesichts offener Fragen, der Regisseur widmet diesem sogar ein Kapitel in seinem Buch unter dem Namen "Der schlechte Schluss", benutzt Wendungen wie »scheißegal« und betrachtete das »Unternehmen Eva Renzi« sogar als gescheitert. Es ist überaus spannend und ernüchternd zugleich, wenn man eine Ahnung davon bekommt, was hinter den Kulissen abgelaufen sein muss, und die Produktion bei all seiner Bildgewalt und Poesie plötzlich einen merklich faden Beigeschmack vermittelt. Eine gewisse Unschlüssigkeit bleibt dem Zuschauer somit gleichermaßen nicht erspart.

Was die Schauspieler angeht, so bleibt zu sagen, dass sich bekannte und etablierte Stars aus TV und Kino hier lediglich im Licht einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten, aber nicht unbegabten Eva Renzi sonnen. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass sie ein regelrechtes Diktat vorgibt und dadurch bei Anderen fokussiertere Leistungen abruft. Harald Leipnitz und Paul Hubschmid stoßen in diesem Becken aus Flexibilität und Kehrtwendungen hin und wieder an ihre Grenzen, da ihre Routine neben der aufkommenden darstellerischen Spontaneität wie ein alter Hut wirkt. Man bekommt auf einem langen Weg schließlich empathische und regelrecht abgestimmte Leistungen geboten, oftmals wirkt es so, als versuchten diese, und schließlich alle Herren, aufkommende Unruhen glattzubügeln und eine nicht vorhandene, oder zumindest gestörte Struktur wieder herzustellen, weil diese systematisch von der Hauptperson umgekehrt wird, die in ihrem Auftreten absolut unberechenbar, aber genauso mitreißend wirkt. Das große Plus sind ohne jeden Zweifel die teilweise überwältigenden Schauplätze des Szenarios, die Alltägliches, Spektakuläres und Traumhaftes widerspiegeln und charakterisieren. Die vorhandene Ziellosigkeit des Films verkommt bei aller sicht- und hörbaren Information zur Nebensächlichkeit und man verlässt sich auf den außergewöhnlich guten Instinkt der Regie, welcher unterm Strich wie eine Offenbarung wirkt. Was zählt, ist also wieder einmal die Liebe, doch hartnäckige Antagonisten wie beispielsweise Oberflächlichkeit, Misstrauen oder Eifersucht stören dieses schwierige Unterfangen sogar in Berlin. Schlussendlich ist es recht verwirrend, dass man einem Film, der dramaturgisch sicherlich ausbaufähig gewesen ist, einen derartig hohen Stellenwert einräumt, aber unbefangen oder auch nicht bleibt nur zu sagen, dass hier alle Wege zu der schönen, fordernden, voller Leben und Energie steckenden Eva Renzi führen, die einen einfach nicht unberührt lassen wird, auf welcher Ebene auch immer. "Playgirl" ist daher vielleicht eher ein Film für notorische Genießer und diejenigen die es schätzen, wenn ein Film einem sein beinahe zeitloses Flair verführerisch um die Ohren Augen schlägt. Trotz gewisser Ungereimtheiten einfach nur toll!


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 Post subject: Der Kampf auf der Insel (1962)
PostPosted: 20.11.2015 17:41 
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Romy Schneider   Jean-Louis Trintignant   in

DER KAMPF AUF DER INSEL

LE COMBAT DANS L'ÎLE / DER KAMPF AUF DER INSEL (F|1962)
mit Henri Serre, Diana Lepvrier, Robert Bousquet, Jacques Berlioz, Armand Meffre, Maurice Garrel und Pierre Asso
eine Produktion der Nouvelles Éditions de Films | im Pallas Filmverleih
ein Film von Alain Cavalier


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»Pas de discours, pas d'explication!«


Clément Lesser (Jean-Louis Trintignant) und seine junge Frau Anne (Romy Schneider) sehen schweren Zeiten entgegen. Die Ehe steht vor einer Zerreißprobe, da Clément Mitglied der rechtsgerichteten Geheimorganisation »Gruppe der Dreizehn« geworden ist und sich immer mehr in ideologischen Gedanken verfängt. Es geht sogar soweit, dass er sich in ein politisch motiviertes Attentat verwickeln lässt. Doch es gibt eine undichte Stelle innerhalb der Gruppierung und er wird von einem seiner Kumpanen verraten, sodass er mit Anne zu seinem Jugendfreund Paul (Henri Serre) aufs Land fliehen muss. Die beiden Männer sind allerdings grundverschieden und Anne fühlt sich zu den pazifistisch veranlagten Paul hingezogen, was genügend Zündstoff für eine Katastrophe darstellt...

Positif wrote:
»Dieser Film reflektiert zum erstenmal seit dem Kriege exakt das politische Dilemma, das, obwohl es für uns eine Frage von Leben und Tod bedeutet, bisher nie seinen Platz auf unseren Leinwänden gefunden hat«

Im Jahr 1961 stellte ihre Rolle der Annabella in dem Theaterstück "Schade, dass sie eine Hure ist" einen bedeutenden Wendepunkt in Romy Schneiders Karriere dar, für das die Perfektionistin täglich sechs bis acht Stunden Unterricht bei einer Französischlehrerin nahm. Der Erfolg war immens und sie wurde als Sensation gefeiert, sodass sie gleich in der Sommerpause in "Der Kampf auf der Insel" für die weibliche Hauptrolle verpflichtet wurde, gleichzeitig ihre erste Rolle neben Trintignant übernahm, die sie außerdem erstmalig in Französisch sprach. Bleibt man bei Romy Schneider, so bekommt man nicht nur eine Metamorphose, um nicht zu sagen eine Kulturrevolution zu sehen, sondern man wird Zeuge einer beeindruckenden Skizzierung der Französin, wie man sie sich vielleicht vorstellt. Alain Cavaliers Film offenbart sich ganz im unkonventionellen Stil junger, französischer Filmemacher und um es gleich vorweg zu nehmen, man bekommt es mit einem bemerkenswert dichten Beitrag zu tun, der allerdings nicht für jeden Zuschauer geeignet sein dürfte, da die brisante Thematik nicht gerade Sinnbildlich für leichtes Unterhaltungskino steht. Der Film fiel daher in Frankreich durch, ein Schicksal, das einige der nahezu überqualifizierten Filme dieser Art teilen mussten. "Der Kampf auf der Insel" schildert ein schweres Thema, das absolut beeindruckend umgesetzt wurde. Die Stärke entfaltet sich in den angebotenen Intervallen, die einen Wechsel zwischen Alltag und Leben, sowie Ideologie und Gegensätzlichkeit mit sich bringen. Vor allem die Sequenzen den Alltags, die dynamisch und wie aus dem Leben gegriffen wirken, überzeugen auf ganzer Linie und die Hauptdarsteller bewegen sich im Rahmen von Gratwanderungen auf zwei vollkommen unterschiedlichen Seiten, obwohl permanent Berührungspunkte geschildert werden. Alain Cavalier kreiert regelrecht eine stilistische Pracht, die den Zuschauer in einem Moment klassisch umarmt, um ihn in der nächsten wieder kalt abzuweisen.



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Schwarz- und Weiß-Kontraste charakterisieren die gegenwärtige Lage im Spektrum der Emotionen, Gesinnungen, Neigungen, und Ängste und die Hauptdarsteller leisten hier Pionierarbeit. Romy Schneider beeindruckt mit einer reifen Leistung, die alle bisherigen Darbietungen mehr oder weniger in ihren eigenen Schatten stellt. Es entstehen Wechselspiele, die permanent in Atem halten und den ruhigen Erzählfluss mit leiser Dramatik zusätzlich anheizen. Die integrierte Liebesgeschichte wurde häufiger kritisiert, da sie den ernsten Charakter möglicherweise zu entschärfen versucht, allerdings kann man sie genauso gut als Verstärker deuten, da zwischen Glück und Zufriedenheit immer wieder herbe Schocks gesetzt werden, die die Marschrichtung des Films nur forcieren. Das Gespann Romy Schneider und Jean-Louis Trintignant stellt unterm Strich nichts anderes als das klassische Dilemma zwischen Agonist und Antagonist dar, großer Vorteil des Verlaufs ist die diplomatische Haltung seinen Charakteren gegenüber, Wertungen und Positionen wird es zwar geben, aber keineswegs auf einem Silbertablett. Der normale Alltag, soziale Kontakte und das französische Lebensgefühl vermitteln die greifbaren Komponenten für den Zuschauer, außerdem entsteht der Eindruck, dass es sich diese Geschichte eben durch diese Nähe tatsächlich abspielen könnte. Hier greift das Zusammenspiel zwischen Trintignant und Schneider ganz bedeutend, die Finessen eröffnen sich durch Dynamik, Natürlichkeit und großes Einfühlungsvermögen. Clément wirkt trotz teilnahmslosen, impulsiven und sogar brutalen Tendenzen zerrissen und nahezu fragil, da er keinen Mittelweg findet zwischen dem Kampf für die Sache und dem Kampf gegen seine eigenen Emotionen. Anne hingegen entwaffnet ihn immer wieder mit Temperament und macht seine Versuche, sich neben ihr zu behaupten, mit für ihn schleierhaften Gefühlen zunichte, die er nicht ordnen kann.



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Eine Katastrophe ist also vorprogrammiert, doch die spannende Frage im französischen Kino richtet sich erfahrungsgemäß eher in die Richtung, in welcher Fa­çon man sie letztlich zu Gesicht bekommt. Der Verlauf formt langsam jedoch unausweichlich eine wenig hoffnungsvolle Prognose und man fühlt sich gefesselt, nicht zuletzt durch die besonderen darstellerischen Leistungen, die ja nicht bei Romy Schneider und Jean-Louis Trintignant aufhören. Insbesondere Henri Serre, Diana Lepvrier und Pierre Asso bleiben mit guten Interpretationen im Gedächtnis und prägen den Verlauf jeweils auf ihre Weise sehr verständlich und angenehm. Obwohl der komplette Film insgesamt einen visuellen Höhepunkt nach dem anderen liefert, sind solche im Sinne von reißerischen Anwandlungen so gut wie gar nicht vorhanden, alles wirkt wohldosiert, trotz aller Dynamik minutiös eingesetzt, sodass sich Alain Cavaliers Beitrag ohne größere Intervention zu einer Art Selbstläufer entwickelt, wobei diese Beschreibung bei einer derartig präzise durchdachten und klar aufgebauten Geschichte sicherlich nicht ganz korrekt sein mag. Was in Erinnerung bleiben wird sind vor allem die gestochen scharfen Charakterzeichnungen, die dichte Atmosphäre und die Bildgewalt, die sich abwechslungsweise morbide und greifbar offenbart. "Der Kampf auf der Insel" erarbeitet sich einen Prestigeplatz unter anerkennungswürdigen französischen Beiträgen und man nimmt durchaus zur Kenntnis, dass es sich Regie und alle Beteiligten dabei nicht gerade leicht gemacht haben. Dennoch ist diese Produktion leider in Vergessenheit geraten, vielleicht weil sie unterm Strich wenig massenkompatibel ausgefallen ist. In Romy Schneiders Filmografie ist allerdings ein dezenter Meilenstein entstanden, der nicht nur nationale Konventionen gesprengt, sondern die internationalen Kompetenzen der Schauspielerin offenkundig zutage gebracht hat, außerdem vermittelt diese Darbietung Mut und Weiterentwicklung. Großes französisches Kino!


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 Post subject: Angst essen Seele auf (1974)
PostPosted: 22.11.2015 22:55 
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Brigitte Mira   El Hedi ben Salem   in

ANGST ESSEN SEELE AUF

● ANGST ESSEN SEELE AUF (D|1974)
mit Irm Hermann, Elma Karlowa, Anita Bucher, Gusti Kreissl, Doris Mathes, Margit Symo, Katharina Herberg, Lilo Pempeit und Barbara Valentin
und Peter Gruhe, Marquard Bohm, Walter Seldlmayr, Hannes Gromball, Hark Bohm, Karl Scheydt, Kurt Raab sowie Rainer Werner Fassbinder
eine Tango Film Produktion | im Verleih Filmverlag der Autoren
ein Film von Rainer Werner Fassbinder


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»Ach, sowas verläuft sich!«


Die verwitwete Putzfrau Emmi Kurowski (Brigitte Mira) lernt in einer Bar den wesentlich jüngeren Gastarbeiter Ali (El Hedi ben Salem) kennen, der sie zum Tanz auffordert und anschließend nach Hause begleitet. Aus diesem zufälligen Treffen entwickelt sich eine Liaison, bis sich die beiden entschließen zu heiraten. Während die über 60jährige Frau ihr spätes Glück kaum fassen kann, wird sie zusehends mit der massiven Ablehnung ihres Umfeldes konfrontiert, die von Vorurteilen und Beleidigungen geprägt ist. Ob aus der eigenen Familie, unter Kollegen oder aus der Nachbarschaft, es gibt nur zu kritische Blicke und verletzende Worte für das frisch verheiratete Paar. Obwohl der externe Druck nach einer gewissen Zeit nachlässt, entstehen neue Probleme, denn Ali lässt sich wieder mit seiner alten Affäre Barbara (Barbara Valentin) ein und alle Außenstehenden scheinen die Lage insofern richtig eingeschätzt zu haben, dass die Ehe von vorne herein zum Scheitern verurteilt gewesen ist...

Nach über zwanzig Filmen von Rainer Werner Fassbinder entstand dieses Melodram mit dem Arbeitstitel "Alle Türken heißen Ali", das schließlich unter dem bekannten Titel "Angst essen Seele auf" internationale Beachtung erlangte und mit mehreren Preisen bedacht wurde. Die Geschichte mit der beeindruckenden Erzählstruktur rund um die Putzfrau jenseits der 60 beginnt auf der Basis von Neugierde und nimmt einen Verlauf, auf den man abwechselnd gerührt, aber auch immer wieder schockiert blicken wird, denn die Dinge werden ungeschönt und in erschütternder Prosa dokumentiert, obwohl Brigitte Mira immer wieder für eine feinfühlige Poesie ganz nach ihren eigenen Regeln sorgen kann. Bei der ersten Begegnung mit Ali, den viele aufgrund seines komplizierten Namens lediglich nur so nennen, findet man sich als Zuschauer zunächst bei den Gästen der Bar wieder, die das ungleiche Paar mit ihren ungläubigen und spöttischen Blicken beim Tanz mustern. Auch die nahezu einfältige Art, und die damit verbundene Sicht auf die Dinge Brigitte Miras, verführt einen für einige Momente dazu, in klassischen Klischees zu denken, sich an bestehende Vorurteile heranzuhängen, doch wenn sich alles erst einmal gesetzt hat denkt man sich, ob die Welt und der Umgang untereinander nicht um ein Vielfaches besser wäre, wenn doch nur alle so einfältig wären. Fassbinder setzt auf eine merklich kritische Geschichte, insbesondere im Rahmen der Dialoge und Kommentare, Verhaltensweisen und Stereotype, um aber schließlich wieder alles durch die entwaffnende Darbietung von Brigitte Mira zu neutralisieren. Das Thema ist brisant, um nicht zu sagen zeitlos und aus diesem Grund auch leider immer aktuell. Dieser Beitrag schildert einige Facetten der Angst, der Qual, der bevorstehenden Resignation, und wird zu einem der unzähligen Gesichter der Vorurteile und des Hasses. Dass es sich dem Vernehmen nach ja stets lohnen soll, für sein persönliches Glück zu kämpfen, wird hier mit schweren Steinen im Weg gestört, sodass Emmi und Ali drohen, unter dem Druck von außen und unter der schweren Last, die sich aus dem Zusammensein entwickelt, zusammenbrechen.



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Man mag zu Brigitte Miras üblicher Auffassung zu interpretieren stehen wie man will, aber in Fassbinders Beitrag läuft die 1910 in Hamburg geborene Wahl-Berlinerin zur Höchstform auf und präsentiert feinfühlige Facetten ihres manchmal doch zu festgelegten Repertoires. Die Kamera sucht Nahaufnahmen von Emmis offensichtlich vom Leben gezeichneten Gesichts, ihre Augen sagen in vielen Situationen mehr als alle Worte, aber sie demonstriert auch Stärke und Kampfwillen. Diese Eigenschaften sind mehr als nötig, da sie es gewöhnt ist, funktionieren zu müssen, ob auf der Arbeit oder im Rahmen ihrer Familie. Plötzlich wirft sie die Gesetze ihres bisherigen Lebens über den Haufen und stößt daher auf hohe Widerstände. In der eigenen Familie erntet sie beispielsweise Verachtung und Verständnislosigkeit, ihre drei Kinder reagieren dem Augenschein zwar unterschiedlich, unterm Strich allerdings vollkommen gleich. Als sie ihren Kindern eröffnet, dass sie geheiratet habe, und vor allem wen, zuckt man nervös bei den folgenden Reaktionen zusammen und als ihr eigener Sohn sie auch noch eine »alte Hure« nennt, mit der er nichts mehr zu tun haben will, kann man es als Zuschauer kaum fassen. Es werden viele Tränen fließen, bis die Protagonistin keine mehr zu haben scheint. Fast unbemerkt kommt es zu gedanklichen Kehrtwendungen, die der Auffassung des Umfeldes angepasst sind, sodass sie ihren Mann wieder in die Arme seiner ehemaligen Affäre treibt, die grandios von Barbara Valentin gezeichnet wird. El Hedi ben Salem reiht sich in den Kreis der besonderen Leistungen ein, man bekommt allerdings keinen makellosen Helden der Tragik geboten, sondern einen Mann der wie jeder andere auch seine Fehler hat. Diese Tatsache kommt dem Verlauf sehr zugute, da man nicht den Eindruck vermittelt bekommt, dass es sich lediglich um eine Fließbandgeschichte über die armen Opfer der Gesellschaft handelt. "Angst essen Seele auf" will in dieser Beziehung eindeutig mehr, und beide Seiten der Medaille durchleuchten. Fassbinder setzt auf Stammschauspieler wie beispielsweise Irm Herrmann, die hier Christa, die Tochter von Emmi spielt.



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Mit ihrem Mann, gespielt von Rainer Werner Fassbinder himself, lebt sie in einer Art gesellschaftlichen Steinzeihöhle, in der man zwischen »hol mir ein Bier« und »gleich fängste dir eine« nicht viel zu hören bekommt. Irm Hermann liefert sich nette Wortspitzen mit ihrem Regisseur und sie glänzt wie immer durch ihre Anpassungsfähigkeit. Walter Sedlmayr gibt wie so oft den engstirnigen Bajuwaren aus dem Klischee-Bilderbuch, der Vorurteile nicht nur lauthals weiter trägt, sondern sie obendrein auch noch permanent neu zu erfinden scheint. Elma Karlowa als neugierige Nachbarin mit ausländerfeindlichen Parolen überrascht in einer Charakterrolle, vor allem da man sie eher aus dem leichten Unterhaltungssektor kennt, und diese Beispiele stellen mit den restlichen Darstellern eine Auslese dar, die dem Film einen zusätzlichen Schliff geben werden. Als sich das Umfeld an die ihrem Empfinden nach unmögliche Situation gewöhnt hat, kommt es zu Kehrtwendungen, was der Normalität entspricht. Wenn die Leute an den Punkt kommen, an dem sie merken, dass sie mit ihrer Strategie nicht weiter kommen, muss aus dieser Duldung der Gegebenheiten wenigstens noch ein wenig Profit geschlagen werden. So kriecht zum Beispiel ein Sohn von Emmi zu Kreuze, da sie ja vielleicht auf die kleine Tochter aufpassen könnte, weil seine Frau nun wieder arbeiten geht. Der Ladenbesitzer von Nebenan nimmt das Hausverbot zurück, da sie ihm als kauffreudige Kundin dann doch besser gefallen hat und die Nachbarinnen sprechen wieder mit der Frau, die bis vor kurzem noch gemieden wurde, da sie den größten Stellplatz im Keller besitzt, den man sich ja eventuell teilen, und ihr starker Mann die Möbel gleich herunterschleppen könnte. Auf der Arbeit sieht man das gleiche Prinzip und Emmis Kolleginnen schneiden sie nicht mehr, da ja ab sofort eine Ausländerin das Team bereichert, die nun wichtigeren Gesprächsstoff liefert. Kleinbürgertum deluxe, und Reiner Werden Fassbinder bringt es erneut sehr präzise auf den Punkt. "Angst essen Seele auf" ist Charakterstudie und Appell in einem geworden, und man empfindet es so, als sei die Geschichte nicht nur simuliert worden zu sein, daher wirkt der Beitrag wie ein Stück kalte Realität, außerdem wie ein Beleg dafür, dass man doch wesentlich mehr auszuhalten vermag, als man sich eigentlich vorstellen kann.


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 Post subject: Ich, Dr. Fu Man Chu (1965)
PostPosted: 28.11.2015 11:24 
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Christopher Lee   Tsai Chin   Nigel Green   in

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● ICH, DR. FU MAN CHU / THE FACE OF FUMANCHU (GB|D|1965)
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Howard Marion Crawford, James Robertson Justice, Peter Mosbacher und Walter Rilla
eine Gemeinschaftsproduktion der Hallam Productions Ltd. | Constantin Film Produktion | im Verleih der Constantin
ein Film von Don Sharp


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»Eifersucht und Neid. Das wird uns einen großen Schritt weiter bringen!«


Den asiatischen Superverbrecher Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) treibt nur ein Gedanke an. Er will die Weltherrschaft übernehmen und ist zu jedem Mittel bereit, sei es noch so drastisch. Ob mit Mord, Folter, Erpressung, Hypnose oder demonstrativer Härte, sein willenloses Gefolge steht hinter ihm, genau wie seine Tochter Lin Tang (Tsai Chin). Um ein Massenvernichtungsmittel entwickeln zu können, benötigt er die Hilfe von Professor Merten (Walter Rilla), der sich zunächst weigert mit ihm zusammen zu arbeiten. Als aber seine Tochter Maria (Karin Dor) entführt und als Druckmittel benutzt wird, beugt er sich dem Willen des Schurken. Dr. Fu Man Chus Erzfeind Nayland Smith (Nigel Green) und der Assistent des Professors, Karl Janssen (Joachim Fuchsberger), nehmen die Verfolgung auf und stellen sich der tödlichen Gefahr. Doch in der Zwischenzeit wird ein Exempel statuiert, indem alle Einwohner einer Stadt mit dem neu entwickelten Gift getötet werden. Ist die Weltherrschaft bereits in greifbarer Nähe und wie weit wird der besessene und rücksichtslose Fu Man Chu noch gehen...?

Mit "Ich, Dr. Fu Man Chu" setzte Regisseur Don Sharp einen stilvollen Grundstein für die fünfteilige Reihe und inszenierte gekonnt einen Beitrag, bei dem man von internationalem Flair sprechen kann. Für die Titelfigur stand mit Christopher Lee eine Traumbesetzung zur Verfügung, die dem boshaften Oberschurken ein unverwechselbares Gesicht und die nötige Präsenz geben konnte. Bereits der Einstieg vermittelt eine bemerkenswerte Atmosphäre, als man die vermeintliche Hinrichtung des Doktors miterleben kann und frühe Rätsel über den weiteren Verlauf aufgegeben werden. Punkten kann der Start in die Reihe außerdem wegen der überzeugenden Kulissen, das unterirdische Versteck verbreitet beispielsweise einen angenehmen Grusel, die Festung und die Außenaufnahmen wirken sehr authentisch und sorgen für einen gelungenen Start, der nicht nur neugierig auf weitere perfide Machenschaften des Dr. Fu Man Chu macht, sondern einen auch diesen Fall aufmerksam verfolgen lässt. Zur Entstehungszeit waren derartige Formate en vogue, dem Superverbrecher Dr. Mabuse war mit dem Ende der sechsteiligen Reihe gerade das Handwerk gelegt worden, sodass man beinahe meinen könnte, die Produzenten wollten die Zuschauer nicht ohne einen derartigen Verbrecher zurücklassen. Action und Tempo wurden dem Empfinden nach zwar an das Zeitfenster angepasst, allerdings zeigt Don Sharp nette Kostproben aus dem Kabinett der kleinen Brutalitäten, die hier selbstverständlich über den größenwahnsinnigen Doktor und seine devote Tochter gesetzt werden. Die Besetzung ist mit einer erlesenen Auswahl aus deutschen und internationalen Stars recht spektakulär ausgefallen.

Christopher Lee verleiht der Titelfigur sein weltbekanntes Gesicht und er wirkt alleine durch seine Erscheinung schon überaus glaubhaft. Dr. Fu Man Chu ist von Grund auf bösartig und unberechenbar, wer sich seinem Willen nicht freiwillig beugt, wird mit außerordentlichen Mitteln dazu gezwungen. Er strahlt Dominanz und Stärke aus, seine unerbittliche Härte pflastert seinen Weg mit unzähligen Leichen. Wenn jemand prädestiniert für diese Rolle war, dann bestimmt Christopher Lee. Sein Gegenspieler und Erzfeind Nayland Smith wird von dem in Südafrika geborenen Briten Nigel Green sehr einprägsam interpretiert. Ihm ist buchstäblich anzusehen, dass er nicht eher ruhen wird, bis der rücksichtslose Superverbrecher zur Strecke gebracht ist. Dabei agiert er meistens sehr sachlich und überlegt, es kommt kein Zweifel bezüglich seiner Kompetenz auf. Mit dieser Art verweist er sogar Joachim Fuchsberger in die zweite Reihe, der zwar in gewohnt überzeugender Manier zu gefallen weiß, aber dem augenscheinlich die Mittel gegen ein Kaliber wie Fu Man Chu fehlen, aber schließlich ist er ja auch Naturwissenschaftler. Man hat oftmals den Eindruck, dass Smith ihm permanent suggeriert, dass er derjenige ist, der bereits einschlägige Erfahrung mit dem teuflischen Verbrecher hat und man sich besser auf seine Arbeit verlassen sollte. Insgesamt werden sie sich aber durchaus noch ergänzen können, denn alleine scheint niemand den Hauch einer Chance gegen Fu Man Chu und sein Netzwerk zu haben. Howard Marion Crawford gefällt als sympathischer Ermittlungshelfer und James Robertson Justice spielt ebenfalls eine Paraderolle als knurriger Zeitgenosse. Walter Rilla als Professor Merten vermittelt Kompetenz und eine weltmännische Erscheinung, außerdem überzeugt er nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als besorgter Vater.



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Seine Tochter Maria bekommt von der schönen Karin Dor, die hier leider etwas zu bieder wirkt, überzeugende Facetten mit auf den Weg, bestaunenswert sind wieder einmal ihre dargebotenen Gefühlszustände bei Erpressung, Bedrohung und Abschreckung durch Mord. Dass man mit ihr und Joachim Fuchsberger ebenfalls eine Traumbesetzung des deutschen Marktes zur Verfügung hatte, gibt der Geschichte einen angenehmen, verlässlichen und letztlich überzeugenden Schliff. Des Weiteren muss natürlich Tsai Chin Erwähnung finden. Die 1936 in Shanghai geborene Schauspielerin, die auch heute noch als Darstellerin und Schriftstellerin aktiv ist, leiht ihr zerbrechlich wirkendes, wenn auch boshaftes Gesicht der Tochter des Fu Man Chu. Lin Tang wirkt beinahe noch beängstigender und rücksichtsloser als ihr großes Vorbild. Da auch sie im Grunde genommen nur eine Untergebene ist, wenn auch mit gewissen Privilegien, kann sie sich nicht nach Herzenslust austoben. Ihre sadistische Ader kommt stellenweise zum Vorschein, beispielsweise als sie ihren Vater bittet, eine Verräterin zu Tode foltern zu dürfen. Sie schwingt die Peitsche und man sieht eine eigenartige perverse Lust in ihren Augen. Ansonsten wirkt sie als rechte Hand des Doktors durchweg überzeugend. Die kleine Person hat etwas Bedingungsloses in ihrem Wesen, ihr Porzellangesicht birgt eine steinerne Miene, sie wirkt wie eine angriffslustige, hochgiftige Kobra die nur darauf wartet, ihre Opfer genüsslich und qualvoll zu töten. Diese Tsai Chin hätte durchaus eine eigene Fu-Man-Chu-Reihe verdient gehabt, durch ihre eiskalte Präsenz lässt sie einem das Blut in den Adern gefrieren.

Der Auftakt der Reihe überzeugt also, und es macht Spaß, diesen ersten Fall mit aufzulösen. Die Tatsache, dass Dr. Fu Man Chu nicht nur laut bellt, sondern auch gnadenlos zur Tat schreitet, unterscheidet ihn von vielen seiner kriminellen Kollegen. Anders als bei Dr. Mabuse zum Beispiel, liefert er schreckliche Kostproben seiner Macht und eindeutige Demonstrationen; er geht einen Schritt weiter. Die Story, einen Wissenschaftler zur Kooperation zu zwingen, erscheint zwar alles andere als neu zu sein, doch die Figuren wirken äußerst glaubhaft und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Ein wenig Action und eine solide Grundspannung helfen dem Film, in einem dosierten Ausmaß zu funktionieren, Ausfälle oder gar Leerlauf bleiben dem Zuschauer weitgehend erspart. "Ich, Dr. Fu Man Chu" stellt sich im Endeffekt bestimmt nicht die glücklichste Titelwahl heraus, aber die Einführung in die Serie ist mit dem ersten Versuch, die Weltherrschaft zu erlangen geglückt. Das Titelthema von Gert Wilden ist erstklassig, die Bildgestaltung und die Schauplätze geben ein rundes, als auch angemessenes Bild ab. Die Synchronisation und die Dialoge mit ironischen Untertönen, insbesondere zwischen Christopher Lee und Tsai Chin, erweisen sich als nahezu perfekt. Die deutsche Fassung hat im Gegensatz zur internationalen Fassung das Nachsehen, da sie ein schwächeres, mit diversen Kürzungen versehenes Gesamtbild vermittelt. Insgesamt ist dieses erste Aufbäumen, die Menschheit zu unterjochen, nicht nur wegen der Besetzung sehenswert, sondern außerdem wegen der gut simulierten Atmosphäre. Es bleibt also abzuwarten, was Dr. Fu Man Chu und Lin Tang noch für unmenschliche Pläne schmieden werden.


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 Post subject: Die Hindenburg (1975)
PostPosted: 29.11.2015 14:28 
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George C. Scott   in

DIE HINDENBURG

● THE HINDENBURG / DIE HINDENBURG (US|1975)
mit Anne Bancroft, William Atherton, Roy Thinnes, Gig Young, Burgess Meredith, Charles Durning, Richard A. Dysart, u.a.
eine Produktion der Universal Pictures | im Verleih der CIC
ein Film von Robert Wise


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»Die neue Königin der Lüfte!«


Der Luftwaffenoberst Franz Ritter (George C. Scott) wird von der Gestapo beauftragt, eines der prestigeträchtigsten Symbole des Deutschen Reiches, das Verkehrsluftschiff LZ 129 "Hindenburg", als Sicherheitsoffizier auf der Fahrt in die Vereinigten Staaten zu begleiten. Gleichzeitig schleust er einen weiteren Agenten in die Passagierliste ein. Obwohl das Gerücht der Sabotage umgeht, sagt man den Flug aus propagandistischen Gründen nicht ab. Nach einigen Nachforschungen bestätigt sich Ritters Befürchtung, dass sich eine Bombe an Bord befindet, die den Zeppelin 90 Minuten nach der Landung in Lakehurst vernichten soll. Während des Fluges kann er die Zeitbombe jedoch nicht ausfindig machen und als sich die Landung am Zielort verzögert, ist das Schicksal der "Hindenburg" besiegelt...

Robert Wises oscarprämierter Katastrophenfilm aus dem Jahr 1975 kann durchaus zu den visuell beeindruckenderen Ausstattungsfilmen gezählt werden und zunächst ist man in vielen Momenten nahezu überwältigt wegen der aufwändigen Inszenierung. Unter Verwendung eines sieben Meter langen Zeppelin-Modells entstehen formvollendete Momente, die Bilder wirken über weite Strecken nicht nur authentisch, sondern geradezu real. Aufgrund des limitierten Schauplatzes liegen der Handlung mehrere Verschwörungstheorien zum Spannungsaufbau zugrunde, begrüßenswert ist vor allem die Tatsache, dass die Regie im großen und Ganzen diplomatisches Feingefühl innerhalb des bestehenden Zeitfensters beweist, charakterliche Schablonen zwar andeutet und auch diskret ausmalt, aber sich letztlich in seinen Wertungen zurückhält. Die Produktion wird unter der Leitung von Robert Wise zu einem Prestigeprojekt und unter mithilfe dokumentarischer Sequenzen lehnt man sich geschickt an die Realität, sodass der teilweise spekulative Charakter quasi in jene einverleibt wird. "Die Hindenburg" steuert in eine Katastrophe und um diese zu begründen, werden gleich mehrere Thesen in den Raum geworfen, die sich sogar im Rahmen der Plausibilität bewegen. Gegen Ende bezieht die Geschichte jedoch eindeutig Stellung und wird mit beeindruckenden Originalaufnahmen in ein fulminantes Finale münden. Der Verlauf an sich vermittelt größtenteils genau die gleiche Ruhe, mit der "Die Hindenburg" durch die Lüfte gleitet und trotz des von vorne herein bekannten Ausganges entstehen genügend Sequenzen, die Spannung und Nervenkitzel transportieren. Die Aufnahmen im Zeppelin selbst wurden originalgetreu nachempfunden und vermitteln eine Ahnung der tatsächlichen Größenverhältnisse und der luxuriösen Ausstattung an Bord. Zu einem ordentlichen Beitrag dieser gehobenen Kategorie gehört selbstverständlich auch eine prominente Besetzung.



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George C. Scott scheint im kompletten Verlauf allgegenwärtig zu sein und er tut alles, um seine Rolle mit zahlreichen Facetten auszustatten. Obwohl er ein Sicherheitsoffizier im Dienste des Nazi-Regimes ist, nimmt man ihn als Helden und Sympathieträger an, wohl auch, weil sein Verhalten genaue Einblicke zwischen Loyalität und Gewissen gewährt. Franz Ritter ist als nicht gerade linientreu zu bezeichnen, allerdings weiß er auch, dass er bei derartigen Hoheitsaufgaben zu funktionieren hat. Trotz des historischen Ausgangs der Geschichte, die ja allgemein bekannt ist, fiebert man eigenartigerweise mit ihm mit und hofft bis zuletzt, dass er die Katastrophe vielleicht verhindern könnte, beziehungsweise dass damit gleichzeitig eine simple Lösung für die Katastrophe aufs Tableau kommt. Anne Bancroft steht für Vergangenheit und Gegenwart zugleich, denn die beiden kennen sich offensichtlich sehr genau. Die italienischstämmige Amerikanerin garniert ihre solide Leistung zusätzlich mit angenehmem Sarkasmus, sodass stimmige Pointen innerhalb der Dialogarbeit zu finden sind. Alle übrigen Darsteller hinterlassen ebenfalls einen überdurchschnittlichen Eindruck, doch jeder einzelne der Besetzungsliste bekommt den Rang von der wahren Hauptrolle abgelaufen, nämlich vom Luftschiff selbst, das in jeder der unterschiedlichen Einstellungen gebannte Blicke auf sich ziehen wird. Nicht nur das Exterieur, sondern auch das Interieur überzeugt auf ganzer Linie, man bekommt es definitiv mit einer der spektakulärsten Kulissen im erlesenen Kreis des Katastrophenfilms zu tun. Die Strategie, den Film so spannend wie möglich zu gestalten und ihn in Tatsachen münden zu lassen, wurde von Robert Wise bemerkenswert gelöst. Zum bitteren Ende hin verliert der Film seine Farbenpracht und beugt sich den Originalaufnahmen des Unglücks, diese Sequenzen, bestehend aus Archivmaterial und zusätzlich gedrehten Szenen, zeichnen ein minutenlanges Inferno und hallen noch sehr lange nach. "Die Hindenburg" setzt als Film insgesamt sehr akribische Maßstäbe und die auf höchstem Niveau vorhandene Bildgewalt lässt einige Längen als weniger schwerwiegend erscheinen. Durchaus sehenswert!


Zum Schluss noch einige Eindrücke der » Königin der Lüfte« in Glanz & Gloria, sowie in Schutt & Asche:

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 Post subject: Erkältung im Sommer (1978)
PostPosted: 30.11.2015 15:28 
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● Folge 10: ERKÄLTUNG IM SOMMER (D|1978)
mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter
Gäste: Anaid Iplicjian, Helmuth Lohner, Christian Quadflieg, Charlotte Kerr, Werner Schnitzer, u.a.
Eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
Regie: Alfred Vohrer




»Also wann bringst du mich um?«


Rolf und Renate Assenau, ein anscheinend über Jahre glücklich verheiratetes Ehepaar und ehemalige Turniertänzer, leiten eine renommierte Tanzschule. Das geregelte Leben der beiden ändert sich jedoch eines Tages, als ein Unbekannter auf das Ehepaar schießt. Doch wem galt der Schuss? Noch während Hauptkommissar Köster sich des rätselhaften Falles annimmt, gehen bei den Assenaus telefonische Morddrohungen ein, doch die Ermittlungen laufen zunächst zu keinem Punkt. Als eines unschönen Tages dann tatsächlich ein Mord geschieht, entsteht eine große Verwirrung, denn offenbar fiel die falsche Person dem tödlichen Anschlag zum Opfer. Kommissar Köster muss sich zunächst eingestehen, dass er in die falsche Richtung ermittelt hat...

Mit Folge 10 der erfolgreich angelaufenen Serie bekommt man es gleichzeitig mit einem von Alfred Vohrers Klassikern der Frühphase zu tun, der ganz unscheinbar mit der Vorstellung der Hauptpersonen in einer Talkshow beginnt. Die Antworten und das Zusammenspiel von Rolf und Renate Assenau wirken genau wie die Schrittfolgen beim Tanzen genau durchchoreografiert, man sieht ein eingespieltes Team, das sich ganz offensichtlich aufeinander verlassen kann. Wenig später wird dieses nahezu makellose Bild durch einen Mordanschlag getrübt, bis die Marschrichtung auch schon sehr schnell eingeleitet wird. Gerne verwendet, aber mit zahlreichen Gesichtern versehen, wird der Zuschauer mit einem Komplott konfrontiert, das seinen spannenden Reiz dadurch gewinnt, weil es nicht so laufen wird, wie zunächst geplant. Der Titel der Folge bezieht sich auf Hauptkommissar Köster, den man dick eingepackt und erkältet sieht, sodass sich der Eindruck breit macht, er könne ausnahmsweise beim Aufrollen des Falles in irgend einer Form gehandicapt sein. Die Tatsache, dass es ihm momentan vermutlich nicht gerade gut geht, lässt ihn unhöflich und wesentlich ungeduldiger als sonst wirken, ja, man sieht ihn insgesamt misstrauisch wie es noch nicht dagewesen war. Bevor es zum Showdown kommt, werden die Abgründe der Ehe und des menschlichen Zusammenseins aufgezeigt, man nimmt die Kehrseite des Erfolges und die Gier nach mehr wahr, außerdem die Gefahren von unangebrachten Sentimentalitäten. Es bleibt insgesamt im Raum stehen, ob das alte Sprichwort, dass Gelegenheit (im übertragenen Sinne) tatsächlich Diebe macht, als ernüchternde Faustregel ihren Bestand hat. In diesem Fall schon und eigentlich auch in vielerlei Hinsicht, denn die verletzte Eitelkeit und das missbrauchte Vertrauen der Frau wird einen äußerst interessanten Schlüssel liefern. Herz, und zugleich schwarze Seele dieser Episode, stellt die wie immer großartig aufspielende Anaid Iplicjian dar, die aus einem langjährigen Traum wachgerüttelt wird, um in einem Alptraum aufzuwachen.

Resignation und Aufgabe liegen allerdings nicht in der Natur dieser Frau, und mit Hilfe ihres potentiellen Mörders kreiert sie eine perfide Umkehrreaktion, die zwar die ganze Folge über auf der Hand liegt, aber durch ihre Finessen für willkommene Überraschungen sorgt. Die kühle Frau verteilt dabei zunächst noch einige Chancen, reagiert dann bei jeder erneuten Abfuhr immer unerbittlicher. Kalkül und Berechnung nehmen deutliche Konturen an und sie wird sich für die naheliegendste Lösung entscheiden, nämlich sich die Männer um sie herum dienstbar zu machen. Helmuth Lohner, prädestiniert für Rollen Jenseits aller Sympathien, zeigt erneut eine hervorragende Leistung und veranschaulicht ebenso transparent, wie es zugehen kann, wenn man sich verrechnet hat. Das hochinteressante Experiment mit dem Aufzeigen, wie man Täter und Opfer zugleich werden kann, geht in dieser Folge also nicht zuletzt wegen der besonderen Interpretationen seiner Gastdarsteller auf, und selbst Christian Quadflieg legt dem Empfinden nach eine bedeutende Schippe an Überzeugungskraft drauf. Die zehnte Episode spielt empfindlich mit Emotionen, und zwar aller Beteiligten. Die erwähnten Herrschaften sind in diesem Kontext als Musterbeispiele zu erwähnen, aber auch Köster, der seine Abneigung gegen Frau Assenau in kaum einer Situation verbergen kann. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um Vorbehalte, die von Natur aus entstehen, sondern es ist der kalte Widerstand und die hochmütige Überlegenheit dieser Frau, die ihn an seine Grenzen bringt. In den Gesprächen der beiden kommt es also neben den üblichen vehementen Fragen zu nichts anderem, als lapidar abgespulten Höflichkeiten und im Zweifelsfall hört man nicht einmal mehr das. Alfred Vohrer lieferte mit "Erkältung im Sommer" eine hervorragende Unterhaltungsfolge, die Spannung, Drama und Charakter miteinander vereint und außerdem keine konventionelle Auflösung verdient hatte. Das offene Ende steht diesem Verlauf daher besonders gut und hätte dutzende Folgen später eine fulminante Fortsetzung liefern können!


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 Post subject: Strandgut (1972)
PostPosted: 05.12.2015 13:27 
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● Folge 19: TATORT - STRANDGUT (D|1972)
mit Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth und Klaus Höhne
Gäste: Ingeborg Schöner, Wolfgang Kieling, Rolf Zacher, Dieter Kirchlechner und Heidy Bohlen
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem O.R.F | eine Sendung des NDR
Regie: Wolfgang Petersen




Auf Sylt betreiben die Brüder Helmut und Karli Possky (Dieter Kirchlechner und Rolf Zacher) ein sehr lukratives Geschäft, indem sie solvente Herren in ihrem Urlaub erpressen. Zu diesem Zweck setzen sie die beiden attraktiven Damen Christa (Heidy Bohlen) und Manuela (Ingeborg Schöner) auf lohnende Objekte an, um in eindeutigen Situationen kompromittierende Fotos zu schießen. Als sich Christa mit dem angehenden Staatssekretär Warrlau (Ulrich Matschoss) einlässt, sich aber in ihn verliebt, beschließt sie, aus dem Geschäft auszusteigen, sehr zum Unmut der beiden Brüder, zumal Manuela sich mit dem selben Gedanken trägt, da sie mittlerweile mit dem Arzt Dr. Kühne (Wolfgang Kieling) liiert ist. In der Zwischenzeit reist Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) mit seinem Assistenten Jessner (Wolf Roth) nach Sylt, um die Erpressungsserie aufzudecken, und als nach einem Discobesuch auch noch die Leiche von Christa am Strand angespült wird, beißen sie bei den ohnehin schon schwierigen Befragungen endgültig auf Granit...

Wolfgang Petersen inszenierte in den Jahren von 1971 bis 1977 sechs "Tatort"-Fälle, die mir seinem Klassiker "Reifezeugnis" ihren Abschluss fanden. Der Kommissar-Finke-Fall "Strandgut" war bereits der zweite Beitrag des Emdener Regisseurs und kann zunächst mit dem herrlichen Schauplatz Sylt auftrumpfen, der in dieser neunzehnten Episode nicht nur für Nötigung und Erpressung, sondern auch für Mord dienen wird. Der Einstieg wird mit der klassisch gefärbten, und der trügerisch-einladenden Musik von Nils Sustrate geebnet, man sieht den Tatort Strand und die Wellen des Meeres, die verheißungsvoll das repräsentieren, was in diesem teilweise kraftvollen Verlauf alles noch zutage gebracht werden wird. Das Thema wird schnell durch zwei vermeintliche Voyeure eingeleitet, die sich in den Dünen verbergen, um eine pikante Situation, die allerdings selbst von ihnen konstruiert wurde, im Bilde festzuhalten. Die Bildgewalt entsteht nicht nur durch das besondere Setting, sondern vor allem durch die atemberaubende Heidy Bohlen, die wie so oft ohne Textilien auszukommen hatte, um ihre Strandgüter präsentieren zu können. Petersen gelingt es trotz der Zurschaustellung dieser Angelegenheit blendend, eine gewisse Intimität und Ruhe zu vermitteln. Hinzu kommt, dass in dieser dennoch überaus exponierten Situation nahezu spürbare Eindrücke zu greifen beginnen, die für Atmosphäre sorgen. Man hört den Wind, glaubt ihn beinahe zu spüren, die charakteristische Geräuschkulisse wird lediglich durch die beiden Fotografen gestört, die hin und wieder fluchen, wenn ihr Lockvogel Christa das Bild verdeckt und die Kamera gewährt insgesamt eine bemerkenswerte Nähe, vor allem im Zusammenhang mit Heidy Bohlen. Der Dialog mit ihrem wesentlich älteren Liebhaber diktiert eine nervöse Marschroute, die von Besorgnis und Angst durchzogen ist und bereits nach kürzester Zeit ahnt der Zuschauer nichts Gutes.

In der Anfangsphase wird man daher Zeuge eines recht straffen Tempos, bis es zu den Nachforschungen durch Kommissar Finke und seinen Assistenten Jessner kommt. Die Inszenierung erlaubt sich den Luxus der breit gefächerten Ermittlungsarbeit, die auch den Löwenanteil dieser Folge mit einer überdurchschnittlichen Länge ausmachen wird. Es ist daher nicht zu leugnen, dass sich gewisse Aussetzer in diesem bewusst detaillierten Verlauf breit machen, der phasenweise etwas zu behäbig im Erzählfluss wirkt, jedoch die Aufmerksamkeit glücklicherweise mit gelungenen Ergebnissen und Kehrtwendungen immer wieder forcieren kann. Hierzu trägt zunächst weniger der Kriminalfall, als der Kreis der Schauspieler bei, der durch die Bank mit dynamischen Leistungen überzeugen kann. Klaus Schwarzkopf als Kommissar vermittelt eine Ruhe und Besonnenheit, die in wichtigen Situationen allerdings auch dominante Formen annehmen kann. Wolf Roth als seine rechte Hand wirkt wie das eigentliche Pendant zu ihm, als welches er sich vermutlich mit viel diplomatischen Verstand an die Bedürfnisse seines Chefs angepasst hat. Da beide diese Episode so gut wie tragen werden, ist es als Glücksfall zu bezeichnen, dass dieses Duo so gut miteinander harmoniert und schließlich auch funktioniert, denn die darstellerischen Leistungen offerieren Finessen und Fingerspitzengefühl. Als weiteres erwähnenswertes Gespann verfolgt man Rolf Zacher und Dieter Kirchlechner mit kritischem Auge, beide geben den schmierigen Kleinkriminellen mit der lukrativen Geschäftsidee die passenden Gesichter. Wolfgang Kieling und Klaus Höhne erfreuen ebenfalls mit Interpretationen des gehobeneren Niveaus und überhaupt stellt "Strandgut" einen der frühen Besetzungsknüller der laufenden Serie dar. Die heimlichen Stars der Episode nehmen schlussendlich durch Ingeborg Schöner und Heidy Bohlen Gestalt an, und man sieht mit ihnen Charaktere, die das Schicksal von Täter und Opfer zugleich teilen.

Die beiden Frauen, und attraktiven Zugpferde für Erpressung, wollen endgültig aussteigen. Allerdings stellt sich in Windeseile heraus, dass es leichtere Vorhaben gibt. Ingeborg Schöner konnte man insbesondere innerhalb dieses Zeitfensters in für sie alternativ angelegten, und tiefgründigeren Rollen sehen, was ihre schauspielerischen Fähigkeiten in einem beeindruckenden Licht erscheinen ließ. Heidy Bohlen hingegen beobachtet man sehr interessiert in einer ihrer obligatorischen Rollen, doch man vernimmt auch bei ihr deutliche Unterschiede. Als sie am Strand angespült wird, entstehen ganz bemerkenswerte, beziehungsweise empfunden authentische Szenen, als die Wellen die Bewegungen ihres leblosen Körpers choreografieren und zweifellos sieht man eine von Bohlens bestechendsten Leistungen in ihrer leider so übersichtlichen Filmografie. Das anfängliche Gaunerspiel weicht somit zugunsten der Frage, ob es sich um Mord gehandelt hat oder nicht, und es entstehen interessante Verstrickungen, bei denen man die unterschiedlichsten Personen kennenlernt. Kommissar Finke und Jessner haben ab sofort alle Hände voll zu tun, daher teilt man sich die Arbeit auf, für ein synchrones Ablaufen der Ermittlungen. Die unterschiedlichen Richtungen transportieren ein breites Spektrum und die vielen Möglichkeiten der verschiedenen Plot-Fragmente werden in ein überzeugendes Finale münden. Diese späte Twist-an-Twist-Strategie kann sicherlich als etwas zu konstruiert bezeichnet werden, allerdings gibt es Überraschungsmomente, die nachhaltig in Erinnerung bleiben, nicht zuletzt aufgrund eines verwirrenden Elements. Insgesamt stellt Wolfgang Petersens "Tatort"-Beitrag einen elegant und sicher inszenierten Kriminalfall mit Weitsicht und Raffinesse dar, der unterhaltend, überraschend und tragisch zugleich wirkt. Die herrliche Kulisse lässt zusätzlich eine bedeutende Atmosphäre entstehen, sodass sich bei diesem Fall abschließend nur sagen lässt, dass er sehr gelungen ist.


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 Post subject: Playback oder die Show geht weiter (1974)
PostPosted: 22.12.2015 09:48 
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● Folge 38: TATORT - PLAYBACK ODER DIE SHOW GEHT WEITER (D|1974)
mit Heinz Schimmelpfennig, Peter Bongartz, Frank Strecker, Johann Adam Oest und Werner Schumacher
Gäste: Heidi Brühl, Udo Vioff, Alexander Hegarth, Eckart Dux, Arthur Brauss, Nino Korda und Christiane Krüger
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem O.R.F | eine Sendung des SWF
Regie: Rolf von Sydow




Am Stuttgarter Flughafen kommt es unmittelbar nach der Ankunft des Gesangsstars Heidi Brühl zu einem Zwischenfall. Ein Koffer stürzt von einer Empore und verletzt einen Mann schwer, der sich in der Nähe der Sängerin aufgehalten hat. Kommissar Lutz (Werner Schumacher) geht zunächst von einem Unfall aus, doch diese These wird schnell wieder ausgeschlossen, da Harry May (Alexander Hegarth) von einem Anschlag auf die Sängerin ausgeht. Heidi Brühl reist zu Vorbereitungen für einen Auftritt nach Baden-Baden, wo Kriminalhauptkommissar Gerber (Heinz Schimmelpfennig) den mysteriösen Fall übernimmt und ein weiterer Anschlag lässt nicht lange auf sich warten. Für Gerber ist klar, dass der Attentäter im unmittelbaren Umfeld der Künstlerin zu suchen ist, doch die Ermittlungen erweisen sich nicht gerade als einfach, da die Entourage durch hohe Widerstände auffällt, um mögliche Motive zu verschleiern. Schließlich geht eine telefonische Geldforderung über 100.000 DM ein, doch May macht die Angelegenheit in Eigenregie auf einer Pressekonferenz öffentlich, sehr zum Missfallen Gerbers. Was wird der Täter als Nächstes tun..?

Der schnelle Blick auf die Grundvoraussetzungen dieses achtunddreißigsten "Tatort" weckt schon alleine wegen der zunächst interessant klingenden Geschichte und der Stabsangaben recht hohe Erwartungen. Verfolgt man den Einstieg ins Szenario, fühlt man sich umgehend bestätigt, dass man etwas Besonderes zu sehen bekommen wird, denn nachdem die Lufthansa-Maschine gelandet ist, und man die Clique um Heidi Brühl zu Gesicht bekommt, steigt die Spannung, da man einen Unbekannten in abwechselnden Sequenzen begleiten kann, der reines Unbehagen provoziert. Man sieht ihn und die Truppe um Heidi Brühl in abwechselnden Szenen, wobei man den potentiellen Täter nicht erkennt, allerdings verheißt dieser zielstrebige Gang nichts Gutes, da er einen Gepäckwagen mit einem schweren Koffer vor sich herfährt, den er ganz offensichtlich als Waffe einsetzen möchte. Diese spannenden und hoch-atmosphärischen Momente werden mit einer sehr guten Akustik untermalt und dann geschieht auch schon der Anschlag. Anschließend werden sich die Mitglieder der Gruppe bei dieser Gelegenheit in Kurzvorstellungen noch hemmungslos selbst charakterisieren. In dieser Manier darf es ruhig weiter gehen, denkt sich der interessierte Zuschauer, doch was dann der unmittelbar folgende Verlauf offeriert, ist ziemlich ernüchternd. Die Hauptkonzentration liegt plötzlich auf den Launen und Zicken einer nervösen Truppe, die sich dem Empfinden nach schon längst nicht mehr gegenseitig ertragen kann, und sich um einen Star versammelt hat, welcher sich als so normal wie möglich zu präsentieren versucht. Die Regie verzettelt sich mit dieser Strategie des Distanzierens ganz früh im Verlauf und scheitert an der eigenen Konstruktion, die man hier Heidi Brühl nennen muss. Es ist daher erstaunlich dass Rolf von Sydow, bekannt als Routinier und Krimi-Spezialist, die Show einfach weitergehen, und sie sich quasi selbst überlässt.

Die vermeintlichen Stärken der Produktion entwickeln sich nun relativ zügig zu massiven Hemmschuhen, allen voran ist leider tatsächlich Heidi Brühl zu nennen, um nicht zu sagen, groteskerweise. Zunächst wird man Zeuge davon, dass es eben doch ein gewaltiger Unterschied ist, eine andere Person, oder sich selbst zu interpretieren. Die Dramaturgie lässt der so überaus geschätzten und gerne gesehenen Heidi Brühl effektiv keine andere Wahl, als sich zu entscheiden. In dieser ungelenk wirkenden Geschichte bekommt sie nicht die Möglichkeiten eingeräumt, natürlich oder befreit zu wirken, also blieb offensichtlich nur eines übrig, als Heidi Brühl im doppelten Sinne zu spielen. Diese exzellente Schauspielerin, die jede Anforderung mit links lösen konnte, scheitert an der vermeintlich einfachsten Bedingung, nämlich sie selbst zu sein. Regelrecht eingeschnürt in ein Korsett aus dumpfen Klischees und stumpfsinnigen Dialogen, hat sie sichtlich Mühe sich gegen ihre Kolleginnen und Kollegen durchzusetzen, die von der Geschichte die Absolution erteilt bekommen, im zügellosen Gebrauch einfach das zu tun was sie wollen. Weitaus angenehmer wirken hier Brühls Gesangsnummern, die den Verlauf allerdings in überaus repetetiver Weise strecken müssen. Es kann schließlich nicht geleugnet werden, dass diese Folge mit ihrem Elixier, ihrer Basis, ihrem Zugpferd, ihrem Aufhänger leider überhaupt nichts anzufangen wusste. Bei dieser verschenkten Chance betrachtet man sich die anderen Darsteller umso intensiver, und bekannte Namen sind hier auch sehr schnell ausfindig gemacht. Christiane Krüger, die übrigens zusammen mit Heidi Brühl ungewöhnlicherweise im Abspann zuerst, also noch vor den ermittelnden Personen namentlich erwähnt wird, wirkt solide und überrascht mit mehr Temperament als sonst, dem Empfinden nach wirkt sie gelöster. Möglicherweise handelt es sich dabei aber nur um den Versuch, sich von den mäßigen Voraussetzungen freizuspielen.

Udo Vioff, Arthur Brauss und insbesondere Alexander Hegarth zeigen ihre verlässliche Routine in jeder Szene, sodass die Darbietungen nicht nur angemessen, sondern auch förderlich erscheinen. Trotzdem ist es hier so, dass man quasi mit umgekehrten Voraussetzungen konfrontiert wird. Die Hauptfigur wird vom Verlauf merklich geschwächt, die Nebenfiguren werden gestärkt, obwohl einige von ihnen nur oberflächliche Parts zugeteilt bekamen. So liegen alle Hoffnungen auf den ermittelnden Personen, doch was geschieht, wenn eigentlich nur in Belanglosigkeiten herumgestochert wird? "Playback oder die Show geht weiter" wird es jedenfalls dokumentieren und insbesondere Heinz Schimmelpfennig als beliebig in seiner Arbeit, und farblos im Erscheinen zurücklassen, obwohl er hin und wieder mit seiner ungeduldigen Art und subtilem Humor aufzutrumpfen versucht. Die Tatsache, dass dieses »oder« aus dem Titel der Folge eigentlich nicht existiert, lässt diesen Fall doppelt zäh erscheinen, da nicht nur die aufgesetzte Show weitergehen wird, sondern es darüber hinaus auch noch genügend Playback zu hören geben wird. Der Verlauf büßt mit jeder weiteren Minute an Spannung ein, und das, obwohl sich die Situation immer mehr zuspitzt, allerdings ist es das fadenscheinige Motiv in einem vor Ziellosigkeit strotzenden Fall, das einen relativ ratlos zurücklassen wird. Leider untermauert das Finale und die damit aufgetischte Auflösung diesen Eindruck zusätzlich und man wundert sich spätestens ab diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr, dass aus dieser Folge nichts Besonderes geworden ist, günstige Voraussetzungen hin oder her. Abschließend bleibt daher nur zu sagen, dass Rolf von Sydow mit "Playback oder die Show geht weiter" leider einen Beitrag unter dem Durchschnitt inszeniert hat. Um das eindeutige Fazit letztlich noch halbwegs mit Shakespeare aufzupolieren: Der Rest ist... Ein Ohrwurm.


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 Post subject: Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? - Prismas Filmtagebuch
PostPosted: 23.12.2015 14:03 
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● IM BANNE DES UNHEIMLICHEN / EDGAR WALLACE - IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (D|1968)
mit Joachim Fuchsberger, Siw Mattson, Wolfgang Kieling, Claude Farell, Pinkas Braun, Edith Schneider, Peter Mosbacher,
Siegfried Rauch, Otto Stern, Renate Grosser, Hans Krull, Ilse Pagé sowie Lil Lindfors und Hubert von Meyerinck
ein Rialto Film Preben Philipsen | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Man wird mir erst glauben wenn man mich tot aufgefunden hat!«


Sir Oliver Ramsey kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und bei seiner Trauerfeier ereignet sich ein eigenartiger Zwischenfall. Während man ihn zur letzten Ruhe in die Familiengruft trägt, ertönt aus seinem Sarg ein schauerliches Lachen. Für seinen Bruder, Sir Cecil Ramsey (Wolfgang Kieling), besteht kein Zweifel daran, dass sein toter Bruder aus dem Jenseits zurück gegehrt ist, zumal man seitdem eine unheimliche Gestalt in Form eines Skeletts um das Familienanwesen herumschleichen sehen konnte. Als auch noch sein Anwalt Dr. Merryl (Otto Stern) durch einen mit Gift präparierten Skorpionring ermordet wird, der Sir Oliver gehörte, ist es für den hinterbliebenen Bruder klar, dass er noch lebt und auf Rache sinnt. Inspektor Higgins (Joachim Fuchsberger) versucht die Motive herauszufinden und stößt langsam aber sicher auf mehrere perfide Zusammenhänge. Gemeinsam mit der Journalistin Peggy Ward (Siw Mattson), die für ihre Zeitung die »lachende Leiche« erfunden hat und Higgins bei den Ermittlungen oftmals einen Schritt voraus zu sein scheint, wird nach dem Mörder gesucht, der immer wieder zuschlägt...

Im Jahr 1968 befand sich die Edgar-Wallace-Reihe in einer von Regisseur Alfred Vohrer dominierten Phase, die bereits ein Jahr zuvor eingeläutet wurde. Nach "Der Hund von Blackwood Castle", dem Jubiläums-Wallace der Rialto-Film, der nebenbei erwähnt weit hinter den geschäftlichen Erwartungen zurückblieb, schickte Vohrer mit "Im Banne des Unheimlichen" wieder einen frischeren Beitrag ins Rennen, der Neuerungen und bewährte Zutaten miteinander vereinen konnte. Beim Publikum wurde dieser Kriminalfilm wieder wohlwollender angenommen, was im Rahmen einer sich anbahnenden Übersättigung verschiedene Gründe gehabt haben kann. Sicherlich spielt die Vielzahl an Darstellern eine nicht unmaßgebliche Rolle, ohne dabei allerdings die üblichen Maxime zu vernachlässigen. Hinzu kommt, dass dieser Fall durchaus extravagante Tendenzen offenbaren kann, und man neben klassischem Krimi zusätzlich Spuren von gepflegtem Thrill, bis hin zu Horror-Elementen wahrnehmen kann. Die Geschichte um Verrat und Rache ist kurzweilig und einfallsreich ausstaffiert worden, dennoch handelt es sich natürlich um ein weiteres Vohrer-Märchen, dessen Wahrscheinlichkeit erst gar nicht hinterfragt werden sollte. Spannung und Tempo werden in diesem bereits einunddreißigsten Wallace-Film ganz groß geschrieben, zusätzlich bekommt der Zuschauer nette Kniffe des Drehbuches angeboten, die Überraschungen und Wendungen bereit halten. Eine lachende Leiche treibt also ihr Unwesen und mordet sich systematisch durch das Umfeld des zwielichtigen Sir Cecil Ramsey, der nur eine von vielen Personen ist, die einen Schlüssel zu diversen Geheimnissen verbergen. Somit hat der erfahrene Routinier Inspektor Higgins alle Hände voll zu tun, um langsam aber sicher etwas Licht in den Londoner Nebel zu bringen. Obwohl die meisten bewährten Teile der Besetzung hier fehlen, entsteht ein sehr guter Gesamteindruck.

Als bekannte Wallace-Veteranen in gleichen Rollen sieht man in diesem Beitrag lediglich noch Joachim Fuchsberger und Ilse Pagé als Sekretärin Miss Finley, die ihrem Chef stets gehörig den Kopf verdrehen konnte. Weitere beteiligte Darsteller wie beispielsweise Pinkas Braun, Hubert von Meyerinck oder Otto Stern hatten die Reihe hier und dort zuvor schon bereichern können, stellen aber höchstens aufgrund der Anlegungen ihrer Rollen einen Wiedererkennungswert her. Die größten Neuerungen stellen schließlich die neuen Gesichter als einmalige Wallace-Gäste dar, vor allem sind hier Siw Mattson, Wolfgang Kieling, Peter Mosbacher und Claude Farell zu nennen. Aber zunächst zu den Hauptrollen. Joachim Fuchsberger sieht man in seinem zwölften und gleichzeitig vorletzten Auftritt in der Serie, seine Erfahrung scheint allgegenwärtig zu sein. Dennoch bekommt man nicht nur den Eindruck von Routine vermittelt, nein, es war ihm stets möglich, sich quasi neu zu erfinden. Auffällig agil und schlagfertig, nimmt er den Fall ganz nach Art des Hauses Fuchsberger in die Hand, und es macht erneut Spaß ihm zu folgen. Nach einer verständlichen amourösen Auszeit wegen Uschi Glas in "Der Mönch mit der Peitsche" darf er nun wieder Augen für die Damen haben und beweist dabei Geschmack. Ob es sich um die aufreizende Ilse Pagé, die bezaubernde Ewa Stroemberg oder die buchstäblich entwaffnende Siw Mattson handelt, Higgins hat die Augen offen und die Luft darf angenehm knistern. Rückblickend ist es als großes Ereignis und gleichsam großes Glück zu bezeichnen, dass Produzent Horst Wendlandt das Risiko einging, die damals vollkommen unbekannte Schwedin Siw Mattson für die weibliche Hauptrolle zu verpflichten, die mit viel Verve, Chic und Charme durch die Geschichte flanieren darf. Sucht man nach einer Definition für Spiellaune oder intuitive Gestaltung, muss man sich nur ihre Peggy Ward anschauen, was einen riesigen Spaß mit sich bringt.

Die Konstellation Fuchsberger und Mattson passt wie angegossen, denn man sieht sowohl Hund und Katze, als auch Harmonie und eine erotische Spannung. In dieser Beziehung hatte sich die Serie definitiv schon längst weiter entwickelt, hier nimmt man sogar einen Feinschliff wahr. Was Arbeit und Ermittlungen angeht, so ergänzt man sich eigentlich weniger, aber das gleiche gilt für den neuen Scotland-Yard-Chef Sir Arthur. Leider muss man betonen, dass Siegfried Schürenberg durch Hubert von Meyerinck ersetzt wurde, was sich schnellstens als einer der größten Kardinalfehler der gesamten Reihe herausstellt. Ein Ballett tanzender Vorgesetzter mit Entscheidungsgewalt über einen riesigen Polizeiapparat und haufenweise klamottigen Witzeleien kommt nicht unbedingt gut an, es sei denn, man ist für derartigen Haudrauf-Humor zugänglich. Insgesamt stellt von Meyerinck nach persönlichem Ermessen allerdings die einzige Fehlbesetzung in diesem Film dar, sodass die restlichen Darsteller mitunter für Furore sorgen können. Wolfgang Kielings einzige Verpflichtung bei Wallace stellt sich nach schnellster Zeit als kleines Kabinettstückchen heraus und man kann ihn dabei beobachten, wie er präzise zwischen Nervosität, Angst, möglicherweise Wahn und Berechnung hin und her pendelt. Garniert mit einigen hysterischen Anwandlungen und wütenden Ausbrüchen, bleibt diese Darbietung in lebhafter Erinnerung. Das gleiche kann man von seiner Gegenspielerin Claude Farell behaupten, die von ihrer Art her mit subtileren Mitteln operieren wird, um Sir Cecil seine gerechte Strafe zuzuführen. Dabei setzt sie alles daran, ihn wahlweise in einer Anstalt unterzubringen und es entsteht ein klassisches Tauziehen mit gepfefferten Dialogspitzen. Pinkas Braun als der Fremde wirkt von Anfang bis Ende undurchsichtig, allerdings hat man bei Edgar Wallace schon interessantere Darbietungen von ihm sehen können.

Das Ensemble wird mit sehr guten Leistungen von beispielsweise Siegfried Rauch, Peter Mosbacher und Synchron-Veteranin Edith Schneider abgerundet, ja, die Besetzung ist hier aufgrund ihrer besonderen Dichte sehr überzeugend. Neben Siw Mattson und Ewa Stroemberg sieht man eine weitere Skandinavierin, die sich hier für die fulminante Gesangsdarbietung verantwortlich zeigt. Unter dem Spezialisten Peter Thomas entstand ein Soundtrack, der in all den Jahren zweifellos einer der hartnäckigsten Ohrwürmer geblieben ist. Die musikalische Begleitung bei den Kriminalfilmen war in der Regel eine ausschließlich instrumentale Angelegenheit, daher ist es umso erfrischender, abwechslungsweise einmal einen gesungenen Beitrag in den Titel-Credits zu hören, der darüber hinaus perfekt zum Geschehen passt. Der turbulente Verlauf wird ganz im Sinne der Geschichte mit zahlreichen Leichen gepflastert und von Alfred Vohrer abwechslungsreich und spannend inszeniert, wenn das Phantom immer wieder zuschlägt. Für den lautlosen Tod ist ein Skorpionring verantwortlich, dessen Schwanz mit einem Gift präpariert ist, das Herzthrombosen verursacht, die praktischerweise so gut wie gar nicht nachgewiesen werden können. Zumindest ist dieser Einfall mal wieder etwas Neues gewesen und bedient eine spürbare Grusel-Komponente. Wie es bei Vohrer üblich war, sieht man hin und wieder recht krude Einfälle, die mal mehr, mal weniger gelungen anmuten, und eine Fülle an Details. Dabei wirkt die Kamera sehr aufmerksam und spielt mit vielen interessanten Einstellungen, die Schauplätze wirken aussagekräftig und es entstehen glücklicherweise zahlreiche Ortswechsel, inklusive eines spannenden Finales mit sehr gutem Whodunit, das praktischerweise direkt in einer Gruft stattfindet. Insgesamt gesehen hat dieser echte Edgar Wallace Einiges zu bieten und ist innerhalb der kurzweiligen Gesetze der Serie ein überdurchschnittlicher Verfechter der Spätphase geworden.


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 Post subject: Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? - Prismas Filmtagebuch
PostPosted: 24.12.2015 12:19 
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● DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR (D|1964)
mit Heinz Drache, Ingmar Zeisberg, Paul Klinger, Judith Dornys, Mady Rahl, Friedrich Joloff,
Dieter Eppler, Stanislav Ledinek, Friedrich Schoenfelder sowie Kai Fischer und Ralf Wolter
eine Produktion der Arca Winston Films Corp. | im Constantin Filmverleih
ein Film von Rudolf Zehetgruber


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»Glaubst du, ich will hier mit dir in diesem Sumpf leben?«


In der Nähe des Zuchthauses von Dartmoor befindet sich ein Wirtshaus, in dem sowohl ehemalige Sträflinge, als auch Beamte des Gefängnisses ein und aus gehen. Da es in den letzten Jahren mehreren Sträflingen gelingen konnte, aus dem Zuchthaus über das Moor zu fliehen, und von ihnen außer ein paar Ansichtskarten aus dem Ausland bislang jede Spur fehlt, glaubt Inspektor Cromwell (Paul Klinger) Hinweise im Wirtshaus von Dartmoor finden zu können, das von dem ehemaligen Aufseher Simmons (Friedrich Joloff) geführt wird. Auch der angesehene Londoner Anwalt Gray (Dieter Eppler) gerät unter Verdacht, da alle der entflohenen Männer Mitglied in seinem Verein namens Schmetterling waren. Bei den Ermittlungen stößt Cromwell auf falsche Fährten und heiße Spuren, außerdem kommt ihm ein Fremder namens Anthony Nash (Heinz Drache) in die Quere, der sich ebenfalls für den Fall interessiert...

Im Zuge der seit 1959 sehr erfolgreich angelaufenen Edgar-Wallace-Reihe entstanden in den Folgejahren zahlreiche Epigonen, die sich alternativer Romanvorlagen bedienten, im Programm anderer Produktionsfirmen für Konkurrenz sorgen, und in diesem Fahrwasser auch selbstverständlich für wirtschaftliche Erfolge sorgen sollten. Die Ergebnisse zeigen, dass es manchmal mehr und manchmal weniger geglückt ist und "Das Wirtshaus von Dartmoor" stellte den Constantin Filmverleih zur damaligen Zeit nicht zufrieden, da man mit einem wesentlich besseren Geschäftsergebnis gerechnet hatte. Aus diesem Grund wurden auch keine weiteren Adaptionen von Victor Gunn verfilmt. Die Gründe liegen auf der Hand, handelt es sich eben doch nur um eine Kopie bekannter Formate, außerdem hatte sich das Konzept handelsüblicher Krimis bereits reichlich abgenutzt. Mit dem Wiener Regisseur Rudolf Zehetgruber hatte man einen ambitionierten Herrn auf dem Regiestuhl, allerdings trägt der Verlauf, und alles was dazu gehört, auch seine typische Handschrift, was einerseits Grund zur Kritik sein, andererseits aber auch für Wiedersehensfreude sorgen kann. Generell lässt sich sagen, dass "Das Wirtshaus von Dartmoor" kein uninteressanter Beitrag geworden ist, hebt er sich thematisch und stilistisch doch von vielen seiner Konkurrenten ab. Was den Stab und die Besetzung angeht, so sieht man eine Riege, die ausschließlich Krimi-, beziehungsweise Wallace-Erfahrung vorzuweisen hatte, was man schon einmal zu den günstigen Voraussetzungen zählen darf. Die Geschichte rund um die Ausbruchsserie und potentielle Morde wirkt frisch, wenngleich auch nicht immer wahrscheinlich, allerdings können Tempo, Spannung und diverse Wendungen für genügend Aufmerksamkeit beim Zuschauer sorgen. Auch dass das Szenario mit vielen unterschiedlichen und sehr überzeugenden Charakteren angereichert wurde, entwickelt sich zur großen Stärke des Verlaufs, unter Garantie sieht man jedenfalls eine der am besten besetzten Epigonen dieses Zeitfensters.

Sicherlich reicht Zehetgrubers Beitrag nicht an den zuvor entstandenen Arca-Film "Die weiße Spinne" heran, was man im qualitativen und inszenatorischen Sinne einfach anmerken muss, und auch wenn die Darsteller über weite Strecken identisch sind, haben die Hauptrollen hier eindeutig das Nachsehen. Heinz Drache muss sich Vergleichen zu namhaften Kollegen aus persönlicher Ansicht immer wieder beugen, wenngleich man ihn hier wesentlich agiler und sympathischer sieht, als bei seinen meisten Krimi-Auftritten. Seine Routine verhilft ihm zu einer überzeugenden Präsentation seiner gewollt ambivalent angelegten Rolle, wobei hier unterm Strich einfach einige Feinheiten im Rahmen der Dramaturgie fehlen. Ein interessantes Zusammenspiel entsteht vor allem mit Ingmar Zeisberg, die sich offensichtlich entgegen ihrer Maxime zu ehrlichen Empfindungen hinreißen lässt und genau solche Darstellerinnen machten sich stets gut neben Drache, beziehungsweise eher umgekehrt. Ein derartiges Beispiel liefert leider Judith Dornys, die ein Musterbeispiel im Rahmen dieses Beuteschemas darstellt, aber im Vergleich mit ihren eigenen Darbietungen dennoch eine sehr ansprechende Leistung abliefert. Allerdings braucht man sich nichts vorzumachen, weil es ihr gerade gegen ihre Kontrahentin Ingmar Zeisberg nicht gerade leicht gemacht wird, sich durchzusetzen. Paul Klinger sorgt insgesamt für Augenhöhe und verleiht dem Ermittler ein sehr angenehmes und glaubhaftes Profil, das von Durchsetzungsvermögen und Erfahrung geprägt zu sein scheint. Erfreuliche Auftritte liefern wie immer Mady Rahl als neugierige Wirtin des "Dartmoor Inn", Dieter Eppler als krimineller Anwalt in der Gestalt eines aalglatten Gentleman, Stanislav Ledinek, Friedrich Joloff und Kai Fischer runden das gut aufgelegte Ensemble ab, sogar Ralf Wolter, der für die humorigen Einlagen in der Pflicht steht, überrascht mit einer angenehmen Dosierung. Haupt- und Nebenrollen funktionieren also in perfekter Manier, sodass die halbe Miete dem Empfinden nach bereits steht.

Das Werbematerial verkündete seinerzeit, dass man bei diesem Beitrag »eine neue Variation der Krimi-Unterhaltung« präsentiert bekommen würde, was im Grunde genommen gar nicht einmal so weit hergeholt zu sein scheint, unterscheidet sich der Film vor allem im Rahmen seiner Gangart von ähnlichen Beiträgen. Die Stärke entfaltet sich mit der dichten Atmosphäre, die durch die aussagekräftigen Schauplätze transportiert werden. Die bedrohlich wirkende Moorlandschaft die zu atmen scheint, das schäbige Wirtshaus das ganz offensichtlich so manches Geheimnis verbergen möchte und das unbehagliche Zuchthaus als Umschlagplatz für Verbrechen und geplanten Mord. Leider passen viele Plot-Fragmente nicht so wirklich in die Realität, beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, doch man übt mit diesem alternativ angelegten Verlauf Nachsicht, da der Unterhaltungswert hier erfreulicherweise ganz groß geschrieben wird. Tempo und insbesondere Spannung hingegen, bleiben unterm Strich leider ausbaufähig und das vorhandene Potential scheint nicht effizient genug ausgeschöpft worden zu sein. Im musikalischen Bereich liefert Peter Thomas sehr originelle Klänge, der abgewandelte Titeltrack des bekannten englischen Volksliedes "Greensleeves" bleibt im Ohr, außerdem untermalt er die Moorlandschaft und die Kulissen mit weiteren passenden akustischen Alternativen. Auffällig ist die angewandte Brutalität, mit der die Handlanger des unbekannten Drahtziehers agieren, hierbei sieht man vereinzelt recht beeindruckende Szenen, die als kleinere Schockmomente sehr gut greifen. Der Verlauf, der sich mit ein paar Durchhängern auseinandersetzen muss, mündet in ein solides Finale, dessen Überraschungsmoment nicht hauptsächlich in der Entlarvung des Haupttäters besteht, sondern darin, dass es durch extravagante Einfälle gepflastert wird. Insgesamt ist "Das Wirtshaus von Dartmoor" ein gelungener Abstecher in die Sphären atmosphärischer Dichte geworden und ist daher auch immer wieder sehr gerne gesehen.


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 Post subject: 12 Stunden Angst (1959)
PostPosted: 25.12.2015 20:26 
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Eva Bartok   Hannes Messemer   Gert Fröbe   Lino Ventura   in

12 STUNDEN ANGST

DOUZE HEURES D'HORLOGE / IHR VERBRECHEN WAR LIEBE / 12 STUNDEN ANGST / ...AUCH TOTE ZAHLEN DEN VOLLEN PREIS (F|D|1959)
mit Laurent Terzieff, Ginette Pigeon, Guy Tréjean, Gil Vidal, Lucien Raimbourg, Jacques Bézard, Annick Allières und Suzy Prim
eine Produktion der Estela Film | Transocean Film |im Stella Filmverleih
ein Film von Géza von Radványi


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»Auch die Toten zahlen den selben Preis!«


Den drei Sträflingen Serge (Hannes Messemer), Fourbieux (Lino Ventura) und Kopetzky (Laurent Terzieff) gelingt es, aus einer Strafanstalt bei Nizza zu fliehen. Ihr Ziel ist ein kleiner, unauffälliger Ort am Meer, von wo aus sie mit einem Schiff verschwinden wollen. Doch für das Vorhaben fehlt das nötige Startkapital, außerdem hat keiner der drei Männer einen Pass. Schließlich liegt die Idee nahe, Kopetzkys ehemalige Freundin Barbara (Eva Bartok) aufzusuchen, die vor der Verhaftung dreihunderttausend Francs von ihm erhalten hatte und Serge soll den Betrag eintreiben. Wie sich allerdings herausstellt, wurde Barbara das Geld von ihrem jähzornigen Mann, dem Fotografen Blanche (Gert Fröbe) abgenommen. Um den Männern dennoch helfen zu können, lässt sich Barbara auf eine Erpressung ein, indem sie einem ihrer Verehrer die Pistole auf die Brust setzt. Dieser Schritt wird fatale Folgen haben...

Der ungarische Regisseur Géza von Radványi war über Jahre hin eine bekannte Größe beim Inszenieren von Filmen, die oftmals einen guten Mittelweg zwischen Unterhaltung und gehobenem Anspruch fanden. Sein Beitrag "12 Stunden Angst" behandelt eine Kriminalgeschichte, die sowohl dramaturgisch als auch stilistisch überdurchschnittlich ausgefallen ist. In diesem Sinne erspart sich der Verlauf so gut wie jedes reißerische Element, vor allem wurde sehr großer Wert auf charakterliche Finessen gelegt, die in Verbindung mit einem hervorragenden Ensemble Gestalt annehmen dürfen. Des Weiteren ist die hochwertige Bildkomposition zu erwähnen, die der Geschichte ein aussagekräftiges Profil verleiht. In diesem Zusammenhang wird das Umfeld von zahlreichen Kontrasten dominiert, die Stimmungen und damit verbundene Schwankungen fabrizieren. Radványis exzellente Schauspieler-Führung bewirkt erneut, dass man als Zuschauer mitfühlen, sich teilweise sogar in die Charaktere hineinversetzen kann, jedoch bekommt man nur wenige Möglichkeiten geboten, Sympathien und Berührungspunkte aufzubauen. Also liegt das Hauptaugenmerk auf inneren Abgründen, Kalkül und massiven Widerständen, was wesentlich reizvoller wirkt als bei vielen der seinerzeit entstandenen Geschichten mit beispielsweise handelsüblichem Happy-End. Die wunderbaren Aufnahmen an Original-Schauplätzen an der französischen Riviera stellen sich gegen den brisanten Tenor der Geschichte. Im Inneren der Häuser spielen sich mitunter Schicksale, Tiraden und Tragödien ab. Die zur Verfügung stehende Starbesetzung prägt diese Voraussetzungen sehr individuell, sodass man von ganz besonderen Leistungen sprechen darf, was vor allem auf die weibliche Hauptrolle zutrifft.

Um die Figur Barbara so überzeugend wie möglich zu präsentieren, legte Eva Bartok ihren bekannten Charme für die Rolle ab und überrascht auf vollkommen anderen, da greifbaren Ebenen, und das im Sinne einer völig desillusionierten Frau. Verheiratet mit einem Choleriker und in einem Vakuum sitzend, schleppt sie sich durch den Alltag, bis sie von der Vergangenheit heimgesucht wird. Dies kommt ihr wie es scheint gar nicht so ungelegen, da sie die Möglichkeit aufspürt, ihrem Gefängnis endgültig entfliehen zu können. Ihren Mann spielt Gert Fröbe in eindeutiger und gleichzeitig unverwechselbarer Manier. Vor allem überzeugt er im Rahmen seiner temperamentvollen Ausbrüche, die zwar hin und wieder etwas unmotiviert wirken, beim Blick auf die Gesamtsituation dennoch verständlich sind. Hannes Messemer, Laurent Terzieff und Lino Ventura stellen das Ausbrecher-Gespann und sie verleihen ihren Rollen unterschiedlich angelegte Profile, aber jeder einzelne beweist die Fähigkeit tiefenbetonter Interpretationen. Überhaupt ist der Film bis in die Nebenrollen aussagekräftig besetzt. Zu erwähnen ist noch die Französin Ginette Pigeon, die den Beobachter mit präziser Überheblichkeit irritiert. "12 Stunden Angst" ist unterm Strich ein guter Film geworden, der vor allem durch seine stille, beziehungsweise fast schon sterile Tragik mitreißen kann. Géza von Radványi spart sich bei der Abhandlung weitgehend laute Aufschreie und schildert die Thematik begreiflich und ohne Windungen. Hin und wieder leidet das Tempo zugunsten breit angelegter Dialoge, die im Allgemeinen aber sehr hochwertig ausgefallen sind. Unterm Strich liefert dieser Beitrag sehr gute, bei aller Konfrontation sogar sensible Momente und kann durchgehend für Aufmerksamkeit sorgen. Weniger Spektakel und ein gesunder Anspruch lassen diesen Film zu den hochwertigeren Kollaborationen der deutsch-französischen Filmkunst werden. Sehenswert!


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 Post subject: Das Narrenschiff (1965)
PostPosted: 27.12.2015 11:23 
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DAS NARRENSCHIFF

● SHIP OF FOOLS / DAS NARRENSCHIFF (US|1965)
in den Hauptrollen Vivien Leigh, Simone Signoret, José Ferrer, Lee Marvin, Oskar Werner, George Segal, José Greco, Michael Dunn und Heinz Rühmann
mit Elizabeth Ashley, Charles Korvin, Lilia Skala, Barbara Luna, Alf Kjellin, Christiane Schmidtmer, Werner Klemperer, John Wengraf, Olga Fabian, u.a.
eine Produktion der Stanley Kramer Productions | im Verleih der Columbia-Bavaria
nach dem gleichnamigen Roman von Katherine Anne Porter
ein Film von Stanley Kramer


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»Glauben Sie wirklich, dass dieses Schiff ganz Deutschland repräsentiert?«


Das deutsche Passagierschiff "Vera" nimmt Kurs von Vera Cruz nach Bremerhaven, kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland. Diese Tatsache dominiert die Stimmung an Bord und es kommt zu diversen Spannungen innerhalb der internationalen Passagierliste, die sowohl aus hohen Tieren mit Rang und Namen, als auch aus ganz kleinen Fischen besteht. Aufgrund der örtlichen Begrenzung entsteht nicht nur genügend Raum für Reibungsflächen und Zündstoff zwischen den Personen, man bemerkt in gewissen Situationen auch ein solidarisches Zusammenrücken in jenen schwierigen Zeiten. Die "Vera" führt allerdings auch eine Zweiklassengesellschaft mit sich, da im Zwischendeck einige hundert verarmte Plantagenarbeiter aus Kuba einpfercht sind, die einenherben Kontrast zur wohlbehüteten Luxusklasse darstellt. Bevor das Schiff in seinem Zielhafen einläuft, werden sich noch einige schicksalhafte Episoden auf hoher See abspielen...

»Und wer weiß? Wenn Sie nahe genug hinsehen, vielleicht finden Sie sich sogar selber an Bord!« Mit diesem Schlusssatz der einführenden Worte von Michael Dunn, der einen direkt, durch einen frontalen Blick in die Kamera anspricht, werden die vielen verschiedenen Charaktere mit ihren Spleens, Selbstinszenierungen, Ressentiments, Gefühlsausbrüchen, Aggressionen, Sehnsüchten und Ängsten gleich zu Beginn angekündigt, die dem Zuschauer hier nahezu auflauern werden. Eine bunte Mischung der zusammengewürfelten Nationalitäten, Ansichten und Überzeugungen kristallisiert auf schnellstem Wege Allianzen und Sicherheitsabstände heraus, Konstellationen bilden sich, trennen sich und entstehen dem Empfinden nach unter überaus grotesken Voraussetzungen. Regisseur Stanley Kramer inszenierte mit seinem mehrfach preisgekrönten Spielfilm einen bemerkenswert dichten, und mit günstigen Voraussetzungen ausgestatteten gesellschaftlichen Diskurs, der sich in Episoden, aber vor allem auf verschiedenen Ebenen abspielt. Die Basis stellen hierbei die Romanvorlage, die besondere Ausstattung und das überwältigende Star-Aufgebot dar, wohin das Auge in aller Begrenzung reicht, man nimmt nur überdurchschnittliche Anteile wahr. Mit seinen 143 Minuten Laufzeit liegt die Überlegung nahe, dass dieser Beitrag aufgrund seiner örtlichen Gebundenheit Längen aufweisen könnte, allerdings besteht die Abwechslung darin, dass sich das Personenkarussell unaufhörlich dreht, man permanent neue Eindrücke ordnen muss, die meistens recht banale, oder besser gesagt menschliche Gründe haben. Ob politischer, amouröser, wirtschaftlicher, kalkulativer oder emotionaler Natur, der Verlauf deckt so gut wie alles breitgefächert und vor allem verständlich ab. Besondere Maßstäbe wurden außerdem bei den Dialogen und den subtilen Botschaften gesetzt, die manchmal sogar recht laute Formen annehmen werden, auch für Humor bis Dramatik ist ausreichend gesorgt und es entsteht ein beeindruckendes Gesamtbild.

Die Kritik war seinerzeit zwiegespalten und dem Film wurde eine zu schablonenhafte Ausarbeitung vorgeworfen, was vielleicht im Sinne von zu vereinfacht zu verstehen ist. Verfolgt man den Verlauf, so stellt sich gerade diese Tatsache, die sicherlich manchmal zutrifft, allerdings als große Stärke heraus, denn menschliche Niedertracht, Missgunst und Vorurteile müssen keine komplizierte Verpackung erhalten, da diese Komponenten in Reinkultur wesentlich greifbarer und verständlicher erscheinen und somit in viel intensiverem Ausmaß einen Spiegel vorhalten können. So bleibt "Das Narrenschiff" eine immer aktuelle Parabel, die man in jede Zeit versetzen, sie außerdem mit allen möglichen anderen Charakteren ausstatten könnte, und sie trotzdem ihre Brisanz und Aktualität beibehalten würde. Kontraste und eindeutige Denkanstöße entstehen unter stark verzerrten Voraussetzungen im Rahmen überspitzter Stilmittel. Der Hund des Schweizer Ehepaares, der mit am Tisch beim Diner sitzt, wo hingegen der deutsche Geschäftsmann jüdischer Abstammung und sein kleinwüchsige Landsmann die einzigen Deutschen sind, die nicht mit am Kapitänstisch speisen dürfen, außerdem wird genau dieser Hund unter den unempfindlichen Augen der Besitzer noch ein Menschenleben fordern, die kultiviert spielende und ebenso hochmütige Amerikanerin, der wegen Platzmangels ein ungehobelter Sexprotz beiseite gesetzt wird, auf diesem Schiff scheinen zumindest in der oberen Etage trotz himmelschreiender Unterschiede viele aus gleichem Holz geschnitzt zu sein. Auf der anderen Seite nimmt sich der Verlauf auch die Zeit, zwischenmenschliche Belange abzuhandeln, die von wahrer Zuneigung über Hörigkeit, bis hin zu käuflicher Liebe und Verweigerung viele Varianten präsentieren. Dass der Wert eines Menschen hier mit Vorliebe nach der Nationalität bestimmt, oder wahlweise in Währungen aufgewogen wird, ist nur eine Komponente dieses Jahrmarkts der Unzulänglichkeiten, den man in herrlicher Schwarzweiß-Bildkomposition zu sehen bekommt.

Für die glaubhafte Veranschaulichung dieser und weiterer Inhalte steht eine Weltstarbesetzung der Extraklasse zur Verfügung, die ein außergewöhnliches Sehvergnügen diktieren wird. Der größte Star in der Manege stellt die zur damaligen Zeit immer noch zauberhafte Vivien Leigh dar, die man in Kramers Adaption leider bereits in ihrem letzten Film sieht. Um diese außergewöhnliche schauspielerische Leistung präzise zusammenzufassen, sollte vielleicht nur gesagt werden, dass Leigh nichts von ihrer faszinierenden Ausstrahlung und der damit verbundenen, überragenden darstellerischen Kompetenz verloren hatte. Überhaupt sprengt es den Rahmen, auf jeden der Darsteller gesondert einzugehen, da die Stars auf dem Schiff von Bug bis Heck in höchster Konzentration herum flanieren. Besondere Eindrücke hinterlassen vor allem Simone Signoret, Oskar Werner, Lee Marvin, José Ferrer und Michael Dunn, es ist eine wahre Pracht diese ungleiche Passagierliste beobachten zu dürfen. "Das Narrenschiff" behält sich Kritik selbstverständlich nicht vor, besonders im Rahmen gesellschaftspolitischer Belange, und daher ist es umso angenehmer, dass keine voreiligen Urteile gesprochen werden. Je mehr die einzelnen Personen versuchen, sich voneinander abzuheben, oder sich in ein besseres Licht zu rücken, umso gleicher werden sie bei den elementarsten Grundvoraussetzungen. Im Grunde genommen ist hier für alles zwischen Gut und Böse gesorgt, auch Alltägliches und recht alberne Kapriolen finden ihre Veranschaulichung, jedoch ist es unterm Strich der augenzwinkernde Tenor, der einen selbst, aber vor allem die Passagiere wieder zurück auf den Boden der Tatsachen bringt. Falls der Eindruck entsteht, dass der Humor mit all seinen geistreichen Ausführungen für ein Verwässern der in jedem Fall ernsten und letztlich ernüchternden Thematik führt, wird vom Regisseur und seiner Entourage eines Besseren belehrt. Was bleibt sind schließlich die einführenden Worte von Michael Dunn und die rhetorische Frage, ob man sich anteilsmäßig tatsächlich irgendwo selbst ausfindig machen konnte. Brillant!


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 Post subject: Hotel der toten Gäste (1965)
PostPosted: 29.12.2015 16:12 
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● HOTEL DER TOTEN GÄSTE / EL ENIGMA DE LOS CORNELL (D|E|F|1965)
mit Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Renate Ewert, Gisela Uhlen, Hans Nielsen, Frank Latimore, Monika Peitsch, Claus Biederstaedt,
Enrique Guitard, Ady Berber, Manuel Collado, Rafael Cortes, Hans Epskamp, Panos Papadopulos und Gus Backus sowie Wolfgang Kieling
als Gäste singen Hannelore Auer und Elke Sommer
eine Music House Produktion | Cooperativas Cinematograficas | Carthago Films | im Ceres Filmverleih
ein Film von Eberhard Itzenplitz


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»Wo sollen wir die nächsten zehn Jahre wohnen?«


Der Reporter Barney Blair (Joachim Fuchsberger) erwartet seinen Kontaktmann Janos Kovacs (Panos Papadopulos), der ihm brisante Informationen verkaufen möchte. Doch bevor das Treffen stattfinden kann, wird Kovacs ermordet. Da er sich zuvor in Sanremo aufgehalten hatte, wo im Hotel Atlanta in den nächsten Tagen ein Schlagerfestival stattfinden wird, reist Blair dort hin, um Recherchen anzustellen, zumal er selbst unter Mordverdacht geraten ist. Vor Ort trifft er seine Kollegin Gilly Powel (Karin Dor), die ihn mit den neusten Informationen versorgt. Schnell stellt sich heraus, dass die Luft bereits am brennen ist, da die Chefin der Plattenfirma Phonomac, Ruth Cornell (Gisela Uhlen), eine empfindliche Vertragskündigung mit ihrem Star Lucy Balmore (Renate Ewert) ankündigt und mit ihrer Art ohnehin die Missgunst mehrerer Personen auf sich zieht. Schließlich findet man sie tot in ihrem Zimmer auf, auch sie wurde ermordet und außerdem ist ihr wertvolles Collier verschwunden. Inspektor Forbesa (Hans Nielsen) stellt die Ermittlungen an und es stellt sich in Windeseile heraus, dass sich die Trauer bei zahlreichen Personen in Ruth Cornells Umfeld stark in Grenzen hält...

Nachdem das Projekt "Hotel der toten Gäste" bereits 1964 vom Constantin-Filmverleih abgelehnt worden war, mussten zahlreiche Umbesetzungen im Stab vorgenommen werden, bevor der Film realisiert werden konnte. Ursprünglich war Krimi-Experte Alfred Vohrer für den Regiestuhl vorgesehen gewesen, bis man schließlich den Fernseh-Regisseur Dr. Eberhard Itzenplitz mit der Umsetzung betraute. Diese Tatsache stellt rückblickend häufig einen der größten Kritikpunkte bei dieser Produktion dar, immerhin hatte Itzenplitz keinerlei Erfahrung bei der Inszenierung von Kinofilmen, doch gerade aus dieser Tatsache lässt sich ein beachtliches Ergebnis herleiten. In diesem Zusammenhang wird diesem Kriminalfilm dennoch eine Art TV-Silhouette vorgeworfen, auch die Geschichte um das Schlagerfestival wird häufig als wenig originell erachtet, wobei sich dieses Plot-Fragment relativ leicht herleiten lässt, denn der Verantwortliche, Karl Heinz Busse, war mit seiner Produktionsfirma Music House ausschließlich bei Schlagerfilmen und Lustspielen in Erscheinung getreten. "Hotel der toten Gäste" bleibt im Endeffekt einer der am effektivst besetzten Kriminalfilme dieser Zeit und hat deutliche Vorteile zu bieten, die sich aus der Variation ergeben. Der Plan der Inszenierung geht mit einer alternativ angehauchten Geschichte innerhalb bestehender Gesetze der Krimi-Unterhaltung sehr gut auf, im Besonderen fallen die beteiligten Charaktere auf, auf deren dichte Zeichnungen glücklicherweise sehr großer Wert gelegt wurde, befinden sie sich angesichts der räumlichen Limitierung doch schließlich alle in einem Boot. Zu dieser Zeit war Edgar Wallace das Maß aller Dinge im Krminalfilm-Bereich und daher ist es erfreulich, eine Vielzahl an Epigonen zu haben, die sich als Konkurrenzprodukte naturgemäß von dieser hohen Messlatte abheben mussten. Ob unter dem Banner Bryan Edgar Wallace, Louis Weinert-Wilton oder wie in diesem Fall Heather Gardiner, es wurden Profile kreiert, die manch echtem Wallace-Streifen mitunter deutlich vorgezogen werden können.

Genau das gleiche gilt für diese Adaption, die bei den richtigen Antennen für Aufsehen sorgen kann. Die Besetzungsriege setzt sich bis auf wenige Ausnahmen aus bekannten Gesichtern der jeweiligen Produktionsländer zusammen, allen voran agieren Joachim Fuchsberger und Karin Dor, die schon seit langem eine der beliebtesten Konstellationen im Kriminalfach darstellten. Beide liefern hier mehr als nur Routine, man sieht ein bereits seit langem eingespieltes Team, das Vertrautheit und Flexibilität anbietet. Fuchsbergers Funktion wurde über Jahre immer wieder variiert, in zahlreichen Filmen war er als Hüter des Gesetzes zu sehen, hier abwechslungsweise einmal als unter Mordverdacht stehender Journalist, wenngleich diese Beschuldigung lediglich die Funktion hat, ihn so schnell wie möglich an den Ort des Geschehens, und zum co-ermitteln zu bekommen. Praktischerweise trifft er dort nicht nur das Who is Who der Musikszene, in deren Reihen sich vermutlich weitere Leichen und der Mörder finden werden, sondern auch Karin Dor, seine reizende Kollegin. Beide gestalten das Zusammenspiel sehr angenehm und glaubwürdig, die Luft darf knistern und Joachim Fuchsberger ist bereit für eine Mehrfachanforderung aus Mördersuche, Lösung eines dunklen Geheimnisses und natürlich die logische Romanze. Karin Dor, die insbesondere zu dieser Zeit schön wie selten ausgesehen hat, wirkt frisch und agil, wie immer stellt sie eine der großen Bereicherungen in einer Produktion dar, weil sie den Zuschauer unmittelbar, oder eher unmissverständlich, auf einer Art Gefühlsebene ansprechen kann. Schnell lassen sich Widersacher ausfindig machen, die das private Glück der beiden hintertreiben wollen, lediglich die Beweggründe sehen unterschiedlich aus. Man hat es allerdings nur mit einer angenehmen Randerscheinung zu tun und der Kriminalfall und die involvierten Personen stehen im Mittelpunkt dieses undurchsichtigen Falles.

Besonders ins Auge fallen die vornehmlich bissigen Gäste in Wort und Tat, und in diesem Zusammenhang entfalten sich die Stärken in der Schauspieler-Führung und bei den, zum größten Teil, gelungenen Dialogen. Bleibt man bei diesen Faktoren, die ja schließlich jedem Film zugute kommen, kann niemand anders als Renate Ewert und Gisela Uhlen genannt werden. Ewert sieht man hier bereits in einem ihrer letzten Filme vor ihrem frühen Tod und die zierliche Schauspielerin überzeugt auf ganzer Linie. Man darf sogar so weit gehen und behaupten, dass sie im Dunstkreis der Kriminal-Geschichten eine der anerkennungswürdigsten Leistungen abliefern konnte, da der eingeschlagene Mittelweg zwischen Sympathie und Skepsis stimmt. Ihr Mordmotiv wird, wie bei vielen anderen auch, auf einem Silbertablett serviert, auch die Tatsache, dass sie in außerordentlichen Situationen recht rücksichtslos agieren kann, macht sie zu einer der interessantesten Damen im Hotel, deren Türe den eigenen Angaben nach nie verschlossen sei. Ihre Kontrahentin ist auch gleichzeitig ihre finanzielle Grundlage, die sie für das Leben auf der Überholspur braucht. Gisela Uhlen beeindruckt in der Rolle der berechnenden Geschäftsfrau, leider ist ihre Rolle ziemlich kurz ausgefallen. Dennoch reicht es für ein paar Wortgefechte und giftige Spitzen, sodass sie den Unmut aller Beteiligten schnell auf sich ziehen kann, aber für den anstehenden Mord kein eindeutiges Motiv liefert, da man eigentlich den ganzen Verlauf über keine Verbindung zu dem ersten Opfer herstellen kann. Die geheimnisvolle, und nahezu fragil wirkende Monika Peitsch rundet das stutenbissige Gespann ausgezeichnet ab, auch sie wird sich hier für einen echten Edgar-Wallace-Auftritt ein Jahr später empfehlen. Zu erwähnen sind noch Hannelore Auer und Elke Sommer als singende Gäste, die man aufgrund der Thematik rund um das Festival als weniger exotisch einordnet.

Für Abwechslung sorgt dieses Mal der ermittelnde Kommissar, nicht nur, weil er durch seine teilweise unorthodoxen Kapriolen auffällt, sondern vor allem weil er entgegen üblicher Strickmuster Hans Nielsen besetzt wurde. Nun klingt diese Anmerkung vielleicht zunächst etwas kritisch oder verhalten, doch dieser Eindruck soll erst gar nicht entstehen, bekommt man es doch mit einem hervorragenden Besetzungscoup zu tun. Nielsen, der insbesondere in seiner Krimi-Karriere so gut wie jede Rolle vom Mörder bis zum Ermittler abgedeckt hatte, überrascht mit neuen Tendenzen und erfrischender Arbeitsauffassung. Inspektor Forbesa wird dem Zuschauer als Denker und Analytiker präsentiert, der seine eigenen Erkenntnisse gerne kurz bis zum Überlaufen des Fasses zurückhält. In gewissen Situationen ist es allerdings auch so, dass er den Tropfen dafür liefern wird und seine Verhör-Methoden können vehemente, und für die Verdächtigen sehr unangenehme Formen annehmen. Insbesondere Renate Ewert wird in seinen Würgegriff geraten und man sieht ihm leicht erstaunt, aber genauso interessiert dabei zu, wie er die Daumenschrauben anlegen kann. Personen hingegen, die mit offenen Karten spielen und Zusammenarbeit, oder zumindest Kompromissbereitschaft anbieten, haben weniger von ihm zu befürchten. Eine interessante Darbietung des Hamburgers, der noch im gleichen Jahr an Leukämie verstarb. Des Weiteren liefern der Amerikaner Frank Latimore, Gisela Uhlens Ex-Ehemann Wolfgang Kieling und Claus Biederstaedt sehr ansprechende Leistungen ab, auch die spanische Besetzung überzeugt mir gut angepassten Performances und über die Auftritte von Gus Backus und Ady Berber lässt sich vielleicht ein wenig streiten, wobei sie nach persönlicher Ansicht auch nicht wegzudenken sind. Insgesamt kann "Hotel der toten Gäste" den Anspruch erheben, eine der besten Besetzungen im Bereich der damaligen Kriminalfilme zur Verfügung gehabt zu haben.

Betrachtet man die Dramaturgie, so lassen sich sicherlich ein paar Schwächen ausfindig machen, die allerdings weniger Anlass zu ausgiebiger Kritik darstellen, sondern eher ein Aufzeigen der Möglichkeit, wie man das Effizienteste aus dieser Geschichte herauskitzeln konnte. Das Tatmotiv ist dem Anschein nach vielleicht auch nicht stark genug für Verbrechen und Mord, allerdings verstärken die Nebenhandlungen einen soliden Eindruck, vor allem weil am Ende alles ineinander münden wird. Außerdem ist es unterm Strich wohl so, dass es für einen Mord schon zu weniger gereicht hat. Bemerkenswert ist die musikalische Doppelspitze, bestehend aus Federico Moreno Torroba, der sich für die spanische Version verantwortlich zeigt und dessen Musikstücke auch in der deutschen zu hören sind, und Gert Wilden. So unterscheidet sich der jeweilige Vorspann der Produktionsländer voneinander, wobei die Titelmusik von Wilden eindeutig den Vorzug bekommt, zumindest aus persönlicher Sicht. Seine schweren und dunklen, richtiggehend verheißungsvollen Klänge sind mitunter das Beste, was man im zeitgenössischen Kriminalfilm finden kann. Das Setting Hotel wurde häufiger wegen seiner mangelnden Variabilität kritisiert, wobei man andererseits auch von einer willkommenen Abwechslung sprechen kann, da dieses Haus schon bald einem erdrückenden Vakuum gleicht, woraus der Verlauf seine Hauptspannung zieht. Unterm Strich bleibt ein Kriminalfilm, der zwar nach üblichen Mustern funktioniert, aber einige neue Impulse mit auf den Weg geben wird, außerdem sieht man eine Besetzung die nur schwer zu überbieten ist, und diese auch noch in allerbester Spiellaune. Dieses Experiment von Eberhard Itzenplitz ist insgesamt geglückt und stellt eine sehr kurzweilige Angelegenheit dar, welches beim mehrmaligen Anschauen etliche Schritte über die ohnehin volle Entfaltung hinausgehen kann. Einer meiner langjährigen Favoriten.


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 Post subject: Flug in Gefahr (1964)
PostPosted: 31.12.2015 08:39 
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FLUG IN GEFAHR

● FLUG IN GEFAHR (D|1964) [TV]
mit Hanns Lothar, Ingmar Zeisberg, Benno Sterzenbach, Heinz Weiss, Klaus Schwarzkopf, Günther Hoffmann,
Wolfgang Stumpf, Wolfgang Jansen, Willy Semmelrogge, Rose Renée Roth, Dieter Groest und Günther Neutze
eine Produktion des Süddeutschen Rundfunk
ein Film von Theo Mezger


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»Lammkotelett oder gegrillten Heilbutt?«


Auf einem Charterflug kommt es zu einem gefährlichen Zwischenfall. Nachdem das Essen serviert wurde, klagen plötzlich mehrere Passagiere über Übelkeit und Schmerzen im Bauchraum, bis sie schließlich das Bewusstsein verlieren. An Bord befindet sich der Arzt Dr. Baird (Benno Sterzenbach), der eine ernüchternde Diagnose stellt: Lebensmittelvergiftung! Die kranken Passagiere müssen umgehend in eine Klinik, da er sonst für ihr Leben nicht garantieren könne. Zwischenzeitlich werden der Co-Pilot (Günther Hoffmann) und der Pilot (Heinz Weiss) ebenfalls ohnmächtig und die Maschine hält ihren Kurs nur aufgrund der automatischen Steuerung. Die Stewardess Janet (Ingmar Zeisberg) findet unter den Passagieren den ehemaligen Kampfpiloten George Spencer (Hanns Lothar), den einzigen Gast an Bord mit Flugerfahrung. Er soll das eigentlich Unmögliche schaffen und das Flugzeug mithilfe von Janet landen. Instruktionen für diesen einzigen Ausweg gibt es aus dem Tower in Vancouver, wo Captain Treleaven (Günther Neutze) dem unfreiwilligen Piloten en détail die weiteren Schritte erklären muss. Kann eine Katastrophe noch verhindert werden..?

Die Tatsache, dass noch keine einzige Maschine oben geblieben ist, stattet derartig angelegte Thriller oder Katastrophenfilme naturgemäß mit einer ordentlichen Portion Spannung aus. In Theo Mezgers Fernsehspiel kommt es schließlich auch noch so, dass der Protagonist höchstpersönlich auf der Suche nach einem Flug ist und als er spontan ein Ticket für die kleinere Charter-Maschine erhält, zeigt er sich sichtlich erleichtert. Der Film nimmt seinen ruhigen Verlauf und integriert einige der Hauptpersonen bis es relativ zügig zum ersten Krankheitsfall kommt. Da sich glücklicherweise ein Arzt an Bord befindet, ist zumindest eine provisorische Hilfe vorhanden, doch es wird auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass die Zeit drängt. Bevor die Personen an Bord wissen, dass auch das Cockpit sich für das Fischgericht entschieden hatte, ahnt der Zuschauer bereits nichts Gutes. Da der Co-Pilot und der Pilot ihre Gerichte nach allen Passagieren serviert bekommen hatten, verzögert sich ihr Ausfall um einen längeren Zeitraum, bis es dann schließlich geschieht. Die Tatsache, dass man in einem führerlosen Flugzeug sitzt, gleicht einem Alptraum und die anfänglich geschilderte Laune des Schicksals, dass mit George Spencer ein Mann mit Flugerfahrung an Bord ist, ebnet den weiteren Verlauf mit nervöser Spannung und Zerreißproben. Rein inszenatorisch, ist unter den Gegebenheiten einer TV-Produktion ein sehr ansehnliches Ergebnis auf die Beine gestellt worden, alles wirkt authentisch und auch gut erklärt, der Verlauf wird flüssig erzählt und erspart sich verwunderlicherweise beinahe vollkommen eine, unter diesen Umständen, erwartete Hysterie. Für die glaubhafte und stilsichere Vermittlung hatte man allerdings auch die richtige Crew mit an Bord, die größere und kleinere Ausrufezeichen setzen kann.

Der Mann der Stunde ist in dieser kompakten Spieldauer niemand anders als Hanns Lothar, der wie immer einen souveränen Eindruck hinterlassen kann. Der heiklen Situation trotzend, behält er die Übersicht und gibt sich verhältnismäßig sachlich, wartet aber auch mit schlagfertigen Kommentaren auf um die Situation mit dem Mut der Verzweiflung aufzulockern. An seiner Seite sitzt die reizende Ingmar Zeisberg als unfreiwillige Co-Pilotin, der man die Anspannung zwar ansehen kann, jedoch schaltet auch sie auf Funktionsmodus um und vermittelt dadurch zumindest eine äußerliche Ruhe. Aber wer sitzt schon freiwillig in diesem Cockpit? Als Team funktionieren beide besonders gut, sie demonstrieren Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen. Benno Sterzenbach konnte in vielen unterschiedlich angelegten Rollen sein breites Können beweisen, so auch hier als Arzt, dem aufgrund der ungenügenden medizinischen Ausstattung und der Ortsgebundenheit weitgehend die Hände gebunden sind, der aber zu keinem Zeitpunkt kapituliert. Weitere gute alte Bekannte wie Heinz Weiss oder Klaus Schwarzkopf runden das Geschehen angemessen ab, überhaupt ist diese TV-Produktion sehr gut besetzt gewesen. Einen besonderen Auftritt bietet noch Hanns Lothars Bruder Günther Neutze an, der ihm per Funk, vom Tower aus Anweisungen erteilt. Dem Empfinden nach ergibt sich in den Gesprächen der beiden tatsächlich eine besondere Vertrautheit, es entsteht einfach ein sehens- und hörenswerter Umgang miteinander. Besetzungstechnisch gewinnt der Zuschauer schließlich auf ganzer Linie, denn Disziplin und Flexibilität geben sich hier tatkräftig die Klinke in die Hand. Insgesamt ist Theo Mezger ein spannender Fernseh-Thriller gelungen, der sich mit seiner feinfühligen Inszenierung sogar häufig gegen die bestehenden Gesetze eines derartigen Plots stellt. Ein sehenswertes Stück Nostalgie!


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 Post subject: Sechs Stunden Angst (1964)
PostPosted: 03.01.2016 17:54 
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SECHS STUNDEN ANGST

● SECHS STUNDEN ANGST (D|1964) [TV]
mit Paul Dahlke, Hans Söhnker, Alexander Kerst, Herbert Tiede, Wolfgang Völz, Wera Frydtberg,
Christiane Schmidtmer, Claude Vernier, Hermann Lenschau, Gisela Fackeldey, Renate Schacht, u.a.
eine Produktion des Südwestfunks
ein Film von Eugen York


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»Die Maschine ist zum Tode verurteilt!«


Ein Flug von Paris nach Montréal soll nach der planmäßigen Zeit sechs Stunden in Anspruch nehmen. Als sich die Maschine mit vierzig Passagieren jedoch mitten über dem Atlantik befindet, geht der Anruf eines Unbekannten ein. Er behauptet, es sei eine Zeitbombe an Bord. Kriminalkommissar Bignon (Paul Dahlke) muss die Ermittlungen gegen einen Sekundenzeiger führen, und der Polizeiapparat arbeitet auf Hochtouren am Zusammentragen irgendwelcher Informationen. Doch wer ist der Unbekannte? Ist er überhaupt ernstzunehmen? Währenddessen spitzt sich die Lage an Bord zu, da einige der Passagiere die Nerven verlieren. Flugkapitän Humphrey (Alexander Kerst) hat nun alle Hände voll zu tun, um die Situation vor der Eskalation zu bewahren und niemand weiß, ob die Maschine ihr Ziel jemals erreichen wird...

Eugen Yorks Fernsehspiel "Sechs Stunden Angst" kann zunächst einmal eine sehr straffe Gangart bescheinigt werden, was zunächst an dem Umstand liegen mag, dass die Spieldauer lediglich eine gute Stunde beträgt. Allerdings liegt es aber vor allem an der gewählten Erzählstruktur, denn Spannung, Tempo und Nervosität werden nicht zuletzt wegen des effizienten Drehbuches forciert und es gibt dem Empfinden nach keine einzige Szene, die sich als Staffage herausstellt. Zu Beginn werden die Passagiere am Flughafen vorgestellt und man erahnt bei dieser Gelegenheit, dass es neben der eigentlichen Geschichte noch viele emotionale Verstrickungen untereinander gibt, oder geben wird. Ausgestattet mit einer großartigen Besetzung, kann die Maschine also in ihren Schreckensflug starten, bis auch schon die Bombendrohung des Unbekannten eingeht. Etwas schade hierbei ist, dass der aufmerksame Zuschauer, oder besser gesagt das geschulte Ohr, die Stimme des Täters am Telefon erkennen kann, was jedoch verblüffenderweise nicht großartig ins Gewicht fällt, weil die Auflösung ohnehin recht früh präsentiert wird, um sich auf ein langes, spannendes und ausgekochtes Finale zu konzentrieren. Wieder einmal sind es die charakteristischen Veranschaulichungen, die für Atmosphäre sorgen werden. Ob im Cockpit oder an Bord, in den muffigen Räumen der Polizei oder am Flughafen selbst, es gibt viel Lokalkolorit zu sehen, an dem sich der interessierte Zuschauer erfreuen kann. Als der bedrohliche Anruf eingeht, und man Kriminalkommissar Bignon unverzüglich verständigt, beziehungsweise aus dem Bett wirft, wird einem die Brisanz vor Augen gehalten, die im Vakuum Flugzeug entstehen kann, aber ebenso im Polizeibüro.

Beliebte Stars des deutschen Films werden ab sofort ihr Bestes tun, um für Glaubwürdigkeit zu sorgen. Paul Dahlke auf Seiten von Recht und Ordnung liefert eine präzise Färbung des routinierten Beamten, der sowohl mit Fingerspitzengefühl, als auch mit Daumenschrauben agieren kann. Entgegen seines gemütlich wirkenden Wesens scheint es hier so zu sein, als ob der Motor auf Hochtouren läuft und es entsteht kein Zweifel, dass der ausgefuchste Herr diese zunächst aussichtslos wirkende Angelegenheit klären kann. Alexander Kerst als Pilot demonstriert Verlässlichkeit und so weit es geht auch Sicherheit, obwohl er mit brisanten Aufgaben an Bord konfrontiert wird, vor allem, wenn die Nerven plötzlich blank liegen. Besondere Leistungen zeigen noch Hans Söhnker, der erneut mit einer weltmännischen Note überzeugen kann, was in puncto Arroganz und Zynismus nur von Wolfgang Völz übertroffen wird. Bei den Damen tun sich insbesondere Wera Frydtberg als Stewardess, die die Ruhe bewahren kann, und die reizende Christiane Schmidtmer hervor, außerdem sind die restlichen Leistungen aller Akteure sehr gelungen. Ein Film, in dem die Zeit derartig drängt, wird naturgemäß eine gewisse Grundspannung zu Teil, doch es sind vor allem die hinzugegebenen Finessen, die einen runden Gesamteindruck fabrizieren. Eugen York konzentriert sich in dieser Geschichte nicht nur einseitig, sondern behandelt auch kleinere Nebensächlichkeiten, die einfach an Bord einer Maschine nicht fehlen werden. Das große Plus bleibt allerdings das lange andauernde Finale, in dem es zu Wendungen, Überraschungen, kleineren Paukenschlägen und sogar tragischen Momenten kommt, sodass "Sechs Stunden Angst" im Sinne eines klassischen Unterhaltungsfilms in jeder Hinsicht geglückt ist. Wieder etwas für Nos­t­al­gi­ker und wieder einmal sehenswert!


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 Post subject: Ludwig Thoma's Lausbubengeschichten (1964)
PostPosted: 09.01.2016 15:27 
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● LUDWIG THOMA'S LAUSBUBENGESCHICHTEN (D|1964)
mit Hansi Kraus, Käthe Braun, Renate Kasché, Heidelinde Weis, Friedrich von Thun, Georg Thomalla, Harald Juhnke,
Michael Verhoeven, Carl Wery, Willy Rösner, Michl Lang, Rudolf Rhomberg, Beppo Brem und Elisabeth Flickenschildt
eine Franz Seitz Filmproduktion | im Verleih der Columbia-Bavaria
ein Film von Helmut Käutner


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»Saubua!«


Bayern, etwa im Jahr 1886. Ludwig Thoma (Hansi Kraus) ist bekannt für seine Lausbubenstreiche und er lässt keine Gelegenheit aus, sich neue auszudenken, sehr zur Sorge seiner Mutter Therese (Käthe Braun), die seinetwegen schon viel Ärger einstecken musste. Ludwigs Zielscheiben haben es aber auch nicht gerade leicht, so zum Beispiel seine Tante Frieda (Elisabeth Flickenschildt), die sich wieder einmal für mehrere Wochen angekündigt hat. Er wird nichts unversucht lassen, sie so schnell wie möglich wieder aus dem Haus zu treiben. Auch den Pfarrer und Religionslehrer Falkenberg (Rudolf Rhomberg) bringt er mit seinen Streichen beinahe vom Glauben ab und die Liste der Personen, die kurz vor der Verzweiflung stehen, ist sehr lang. Verständnis findet Ludwig bei seinem Patenonkel, dem Landtagsabgeordneten Josef Filser (Michl Lang), der häufig versucht, die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen...

Helmut Käutners "Lausbubengeschichten" legt den Grundstein für eine Reihe von Geschichten über den Protagonisten Ludwig Thoma, der jeweils alles daran setzen wird, die Personen in seinem Umfeld zur Verzweiflung zu treiben. Seine Zielscheiben sind dabei mit namhaften deutschen Volksschauspielern besetzt, die dem bunten Treiben Charakter und aussagekräftige Gesichter verleihen. Für Hansi Kraus war es der Startschuss für zahlreiche derartig angelegte Rollen, übrigens sieht man ihn hier in seinem ersten Film. Neben der Familie Thoma bekommt der Zuschauer etliche waschechte Bajuwaren und Preußen zu sehen, die den Humor teilweise pointiert, aber auch mit dem Holzhammer präsentieren. Insgesamt wirkt der Verlauf erfrischend und geistreich genug, um für angemessene Unterhaltung zu sorgen. Da sich die ersten Szenen des Films in einer Schulklasse abspielen, in der einem Schüler das Buch von Ludwig Thoma vom unterrichtenden Pfarrer abgenommen wird, dieser aber später genüsslich darin liest, ist der Verlauf genau in diese Kapitel eingeteilt. Diese episodenhafte Aufteilung kommt dem groben Verlauf sehr zugute, da sie für Abwechslung und Turbulenzen sorgt und auch die charmante Zeichnung durch Hansi Kraus verleitet stellenweise zum herzhaften Lachen. Das Stilmittel der Wahl stellt hier vor allem die hemmungslose Überzeichnung der meisten Personen dar, was allerdings überhaupt nicht negativ ins Gewicht fällt, ist es doch sozusagen die Voraussetzung für diesen Spaß aus der urbayrischen Mottenkiste. Die Regie zeigt des Weiteren ein gutes Gespür in den Bereichen Ausstattung, Musik und Atmosphäre, sodass sich der geneigte Zuschauer bedenkenlos und vor allem auch mehrmals auf diese heitere Geschichte einlassen kann. Bei den Darstellern findet man nur Präzisionsauftritte.

Hansi Kraus erweist sich für die Titelrolle als die richtige Wahl und darüber hinaus als guter Jungdarsteller, der neben all den etablierten Größen kein Lampenfieber zu haben scheint. In der Geschichte ist so gut wie niemand vor ihm sicher und seine augenzwinkernde Berechnung sorgt für die vielen, mit Humor und Situationskomik aufgeladenen Momente, die diesen Film ausmachen. In diesem Zusammenhang sind selbstverständlich die Kollisionen mit Pfarrer »Kindlein« zu nennen, der von Rudolf Rhomberg eine beinahe aberwitzige Aura verliehen bekommt. Vor allem bleibt aber die großartige Elisabeth Flickenschildt als unbequeme Tante Frieda in Erinnerung, die einen Film später sogar für die Titelrolle Verwendung finden sollte. Die Konfrontation mit ihr scheint für alle Richtungen und alle Tage auszureichen, sodass es kein Wunder ist, sie so schnell wie möglich wieder los werden zu wollen. Ganz angenehme Leistungen liefern die in diesem Set so zauberhaft wirkenden Damen Heidelinde Weis und Renate Kasché. Man sieht viele weitere, vertraute Gesichter der üblichen Franz-Seitz-Entourage. Erwähnenswert ist überdies noch die solide Leistung von Käthe Braun, die der sich immer um ihren Sohn sorgenden Mutter Thoma eine frappante Silhouette mit auf den Weg gibt. Die Darsteller funktionieren in dieser Edel-Posse also jeweils wie ein Uhrwerk und tragen zu einem wirklich gelungenen Gesamtergebnis bei. "Ludwig Thoma's Lausbubengeschichten" lässt sich aufgrund der kurzweiligen Unterhaltung auch mehrmals, oder sogar immer wieder anschauen, sicherlich sollte man dafür aber auch gewisse Antennen mitbringen. In der persönlichen Liste der Filme, die ein ausgiebiges Schmunzeln provozieren, ist Käutners Beitrag über all die Jahre zu einem immer wieder gerne gesehenen Dauerbrenner geworden, der mit einem Humor jongliert, der keine Verjährungsfrist besitzt.


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 Post subject: 48 Stunden bis Acapulco (1967)
PostPosted: 10.01.2016 18:44 
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48 STUNDEN BIS ACAPULCO

● 48 STUNDEN BIS ACAPULCO (D|1967)
mit Dieter Geissler, Christiane Krüger, Alexander Kerst, Charly Kommer, Manuel Rivera und Monika Zinnenberg
und als Gäste Ilse Pagé, Michael Maien, Teddy Stauffer, Rod Carter
eine Produktion der Seven Star Film | im Verleih der Cinema Service
ein Film von Klaus Lemke


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»Macht mit eurem Stoff was ihr wollt. Meinetwegen raucht ihn selber!«


Frank Murnau (Dieter Geissler) träumt von einem unbeschwerten Leben, das ihm die Heirat mit der reichen Fabrikantentochter Laura Gruner (Christiane Krüger) ermöglichen könnte. Doch Frank will mehr. Mit seiner Geliebten Monika (Monika Zinnenberg) schmiedet er einen Plan und setzt sich nach Acapulco ab, um sein Wissen über die dunklen Geschäfte seines designierten Schwiegervaters Gruner (Alexander Kerst) zu Geld zu machen. In Mexiko angekommen, stößt der mehrgleisig fahrende junge Mann allerdings schnell an seine Grenzen, da er sich im Vorfeld nicht ausmalen konnte, mit welchen Leuten er sich anlegt. Innerhalb von 48 Stunden wird sich sein Schicksal, und das einiger Anderer, entscheiden...

Klaus Lemke lieferte mit seinem subtilen Thriller "48 Stunden bis Acapulco" ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt ab. Der Verlauf wird dabei in auffälliger Weise von eingängiger Musik, exzellenten Bildern und außergewöhnlichen Typen getragen, die Geschichte orientiert sich offensichtlich an amerikanischen Vorbildern, ohne sich jedoch dabei als lose Kopie abzuqualifizieren. Derartige Anläufe des Jungen Deutschen Films warten mit zahlreichen Neuerungen auf, die sonst in höherer Konzentration eher nicht zu finden waren und man stellt sich hier selbstbewusst gegen herkömmliche Erzählstrukturen. So findet das Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit ihre Verwendung in einer straff aufgezogenen Kriminalgeschichte, die versucht, ihre Kraft aus der Grunderneuerung zu ziehen. Ins Auge dabei fällt zunächst die Sprache der Bilder und deren moderne Gestaltung, Kontraste und rasche Ortswechsel fabrizieren die Spannung, die sich zunächst nicht aus der Story ableiten lässt. Allerdings bleibt zu betonen, dass Lemkes auf vielen Ebenen anlockender Film kein handelsüblicher Reißer sein möchte. So konzentriert man sich also auf das vermeintlich Wesentliche und der Verlauf erscheint derartig kompakt inszeniert zu sein, dass weder Längen aufkommen, noch der Eindruck entsteht, dass auch nur eine Minute als Füllmaterial herhalten musste. Diese Strategie lässt sich vor allem aus der Dialogarbeit herausfiltern, die manchmal im regelrechten Telegrammstil vonstatten geht. Die Personen sprechen miteinander, liefern dem Zuschauer dabei aber nur eine Grundversorgung an Informationen und reden hin und wieder sogar aneinander vorbei, sodass die Bildgewalt ihr Überholmanöver starten darf. Wortkarge Typen, schöne Frauen und ein paar unberechenbare Personen bilden die übersichtlich angelegte Besetzungsliste, die beim genauen Hinschauen durch die Bank für beeindruckende Momente sorgen kann.

Dieter Geissler stattet seine Rolle nach einem minimalistischen Prinzip aus, was hier aber durchaus erforderlich erscheint. Man sieht kaum eine Regung von ihm und seine Ruhe steht in vielen Situationen ziemlich konträr zum Grundtenor des Geschehens, in dem man dennoch keine Hysterie finden wird. Seinen großen Traum nimmt man ihm auch ohne ausladende Erklärungen sofort ab, in Einstellungen, in denen er sich insgeheim schon am lang ersehnten Ziel sieht, fällt eine spürbare Last von ihm ab. In seinem Sport-Cabriolet fährt er mit "Summer in the City" seinen Wünschen, ja, dem anvisierten neuen Leben entgegen und es bleiben Sequenzen in Erinnerung, die vor allem in Verbindung mit der exzellenten und hoch-atmosphärischen Musik des Österreicher Jazz-Musikers Roland Kovac gebracht werden können. An seiner Seite befinden sich attraktive Frauen, die sich von ihrer Optik her kaum voneinander unterscheiden werden, was die charakterlichen Eigenschaften nur mehr in den Fokus rückt. Christiane Krüger sieht man erstmalig in einem Spielfilm, außerdem so schön wie nie, und was sie und die Kamera betrifft, darf man ohne jeden Zweifel von einer Liebe auf den allerersten Blick sprechen. Christiane Krüger gewährt dem Zuschauer vor allem einen oberflächlichen Blick auf ihre makellose Hülle, jedoch findet man zwischen den Zeilen einige Momente, die eine Art Intimität zu vermitteln wissen. Es bleibt ein fulminanter Einstieg in die Filmwelt und angesichts ihrer Karriere sogar eine Basis im Sinne eines Modell-Charakters. Monika Zinnenberg darf man erneut auf ihrem sichersten Terrain begleiten, denn sie sorgt für Unruhe, Skepsis und Unfrieden wo sie nur kann. Dabei ist erneut das grundeigene Potential zu sehen, dass sie in bestimmten Situationen sehr giftig und bestimmend werden kann.

Zwar handelt es sich bei ihr quasi um ein Rollen-Abonnement, aber um ehrlich zu sein liefert sie genau unter dieser Voraussetzung das ab, was sie ab besten kann. Im Endeffekt entsteht nicht zuletzt wegen der immer wieder beeindruckenden Monika Zinnenberg ein spürbares Tauziehen, bei dem sich schließlich herausstellt, dass eigentlich nur der Mann als Tauwerk dienstbar gemacht wird. Weitere Auftritte die für Wiedersehensfreude sorgen liefern Routinier Alexander Kerst, mit seiner gewohnt weltmännischen bis zwielichtig-berechnenden Note, und einige der angekündigten Gäste des Geschehens. Sie werden ohne größere Ankündigungen und Erklärungen auftauchen und ihre Aufgaben minutiös übernehmen, doch im Endeffekt dreht sich alles um die unaufdringliche Hauptperson Frank Murnau, die dem Anschein nach versucht, seine unaufgeregte Art auf den Zuschauer übertragen zu wollen. Vielleicht lässt sich diese Tatsache hin und wieder mit Spannungsarmut verwechseln, ist dem Konzept und dem linearen Aufbau der Geschichte allerdings perfekt angepasst worden und charakterisiert überdies die Sinnhaftigkeit des Titels dieser Produktion. Klaus Lemke ebnet einen Weg bei dem es von vorne herein eigentlich außer Frage steht, dass groß angelegte Überraschungen auftauchen könnten. Die Geradlinigkeit der Geschichte offenbart eine Effizienz, bei der es den Anschein hat, dass sie von vorne herein en détail geplant gewesen sein wird. Somit ist ein sehr schönes und noch viel mehr aussagekräftiges Exemplar des Jungen Deutschen Films entstanden, das viele Stärken ohne halsbrecherische Kapriolen zu bieten hat und mit einer beinahe genialen Einfachheit auftrumpfen möchte. Die These, dass man Ideen auch ohne ein Mammut-Budget in eine besondere Gestalt bringen kann, wird von Klaus Lemke mit "48 Stunden bis Acapulco" in eindrucksvoller Manier belegt. Ein edles Sehvergnügen!


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 Post subject: Via Mala (1961)
PostPosted: 16.01.2016 22:07 
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VIA MALA

● VIA MALA (D|1961)
mit Gert Fröbe, Joachim Hansen, Christine Kaufmann, Christian Wolff, Edith Schultze-Westrum, Anita Höfer,
Joseph Offenbach, Anne-Marie Blanc, Rudolf Forster, Paul Henckels, Heinrich Gretler, Alexa von Parembsky
eine Produktion der CCC Filmkunst | im Gloria Filmverleih
nach dem gleichnamigen Roman von John Knittel
ein Film von Paul May


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»Dein ganzes Unglück kommt vom Saufen!«


In der Nähe der Gebirgsschlucht Via Mala lebt der Sägewerksbesitzer Jonas Lauretz (Gert Fröbe), der einen zweifelhaften Bekanntheitsgrad als Tyrann genießt. Seine Familie zittert vor seinen unberechenbaren Launen, denn er neigt zu gewalttätigen Übergriffen und Alkohol-Exzessen, was die ohnehin gefährdete Existenz der Familie täglich aufs Spiel setzt. Aufgrund mehrerer Anzeigen landet Lauretz schließlich vor Gericht und er wird wegen mehrerer Vergehen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In dieser friedlichen Zeit arbeitet die Familie ihre Schulden ab, doch Fleiß und Optimismus scheinen sich nicht auszuzahlen, weil der Hausherr plötzlich wieder auf der Türschwelle steht und das Regiment in bekannter Manier übernimmt. Schnell wird ersichtlich, dass er sich überhaupt nicht verändert hat und bei einem erneuten Übergriff auf seine älteste Tochter Hanna (Anita Höfer), kommt es zu einem folgenschweren Entschluss...

Betrachtet man die ersten Szenen von Paul Mays Literaturverfilmung, so wird umgehend klar, dass man es nicht mit einem konventionellen Heimatfilm zu tun bekommen wird. Gleich zu Beginn nimmt man die nervöse Spannung wahr, die sich wie ein schwarzer Schatten über das Szenario legt. Hierfür zeigen sich die Eskapaden Gert Fröbes zuständig, den man selten so abstoßend und widerwärtig gesehen hat. Angesichts des Entstehungsjahres ist die geschilderte Offenheit in Wort und Tat mehr als erstaunlich. Immer wieder kommt es zu Szenen, in denen einem buchstäblich der Atem stockt, weil sie kaum zu fassen sind. Der Regie gelingt es in vielerlei Hinsicht, weit über übliche Skizzierungen hinauszugehen, und die Geschichte um eine Familie die unter einem Tyrannen zu leiden hat, nimmt viele packende Formen an. Spätestens wenn man diesen stadtbekannten Trunkenbold und cholerischen Randalierer vor Gericht erlebt, weiß man, mit wem man es zu tun hat. Die Liste der Anklage ist lang und es lässt sich kein einziges Kavaliersdelikt herausfiltern. Viel eher noch scheinen die Vorwürfe über die sieben Todsünden hinauszugehen. Von Randalen bis Belästigung, Ehebruch und Unzucht scheint tatsächlich alles vertreten zu sein und Gert Fröbes Präsentation ist dabei von einer primitiven Arroganz, dass nur zu sagen bleibt, welche beeindruckenden Momente entstehen, wenn er das Gericht mit all seinen ausführenden Organen missachtet und verhöhnt, wo er nur kann. Als man ihn schließlich für neun Monate ins Gefängnis wirft, kann die Familie, die seit Jahren in Schande lebt, aufatmen und einem geregelten Leben ohne Komplikationen nachgehen, doch der Tag X bleibt dem Zuschauer im Gedächtnis. Über Szenen der wechselnden Jahreszeiten verstreicht dieser Zeitrahmen in Windeseile, sodass das alte Problem in neuer Potenz bereits wieder nach wenigen Minuten vor der Tür steht, um die Familie in gewohnter Manier zu erniedrigen und zu demütigen.

Gert Fröbe konnte in zahlreichen Filmen unter Beweis stellen, dass er der richtige Mann für derartig angelegte Rollen und unbequeme Charaktere war. Was er allerdings hier zum Besten gibt, stellt so manche seiner auch noch so fiesen Performaces in den Schatten. Sein Pferd geht er ebenso derb mit der Peitsche an, wie seinen eigenen Sohn, was nur eine seiner Demonstrationen darstellt, sein Umfeld zum Spuren zu bringen. Das sauer verdiente Geld, für das wohlgemerkt nur die anderen arbeiten, bringt er in Wirtshäusern und bei Dirnen durch. Wenn er wie üblich vollkommen betrunken nach Hause wankt, muss seine Familie das Schlimmste befürchten. In diesen Zuständen geht es dann sogar so weit, dass er vor seiner eigenen Tochter nicht zurückschreckt und versucht, sie in seinen Zuständen der puren Geilheit gefügig zu machen. Eine beängstigend dichte Zeichnung des Schauspielers, die noch länger nachhallen wird. Seine bemitleidenswerten Opfer werden von Edith Schultze-Westrum, Christian Wolff, Anita Höfer und Christine Kaufmann dargestellt, die seine Familie bilden und hervorragende Eindrücke hinterlassen. Um für Verschnaufpausen zu sorgen, wurde eine romantische Nebenhandlung integriert, die allerdings unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Der Grundtenor der Geschichte bleibt dramatisch und über weite Strecken packend, wenngleich sich am Ende doch noch ein leicht sentimentaler Eindruck ausbreitet. "Via Mala" lebt insgesamt von den hervorragenden schauspielerischen Leistungen, die bis in die kleinsten Nebenrollen überdurchschnittlich ausgefallen sind, und der geneigte Zuschauer blickt gebannt auf einen Verlauf, der mit viel Qual und Schicksal angereichert wurde. Die kompetente Umsetzung der Regie beweist viel Fingerspitzengefühl in den Bereichen Atmosphäre und eindringlicher Bildgestaltung, sodass im Endeffekt ein Klassiker des düsteren, aber vor allem untypischen Heimatfilms entstanden ist. Hochwertig in der Inszenierung, packend bei der Charakterzeichnung und phasenweise sogar unter die Haut gehend. Wirklich sehr sehenswert.


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 Post subject: Nachtmusik (1978)
PostPosted: 17.01.2016 18:55 
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● Folge 11: NACHTMUSIK (1978)
mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter
Gäste: Hellmut Lange, Maria Sebaldt, Alexander Kerst, Kornelia Boje, Horst Naumann, Emely Reuer, Andreas Seyferth, Katerina Jacob, u.a.
Eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
Regie: Helmuth Ashley




»Wir verdächtigten schon die Putzfrau!«


Bankier Kerner hat das Haus voller Gäste, denn er gibt einen seiner beliebten Kammermusikabende, die in der besseren Gesellschaft sehr beliebt sind. Während die Kunstfreunde der klassischen Musik frönen, schleicht sich Arno, der Sohn des Hauses, davon, um sich mit seiner Freundin Bea zu treffen. Wie üblich wollen sie die günstige Gelegenheit nutzen, in irgend eine der Villen von Kerners Gästen einzusteigen. Bei diesen Einbrüchen werden in der Regel Wertgegenstände und Bargeld erbeutet. Doch an diesem Abend kommt es zu Komplikationen, da das junge Gaunerpaar auf einen anderen Mann trifft, der in das gleiche Haus eingestiegen ist und nach Beute sucht. Es kommt zum Kampf, der Konkurrent wird niedergeschlagen und verletzt zurückgelassen...

In der elften Folge beschäftigt sich Neuankömmling Helmuth Ashley mit einer immer wieder gerne genommenen Geschichte im Kriminalfach, denn es geht um die bessere Gesellschaft, um deren Launen, Spleens und vor allem um die schwarzen Schafe, die unter ihnen weilen. Bei derartigen Bearbeitungen liegt meistens ein identisches Schema zugrunde, sodass es auf neue Ideen ankommt. Ob der österreichische Regisseur dabei das Rad neu erfinden konnte, wird sich noch herausstellen, aber zunächst klingt die Story schon einmal ziemlich interessant und verspricht Überraschungen. Die Zugabe von bewährten Zutaten steigert den Wiedererkennungswert gleich zu Beginn, außerdem sieht man einige Darsteller, deren darstellerische Fähigkeiten es durchaus zugelassen haben, auch die unverbesserlichsten Snobs glaubhaft zum Besten zu geben. Der gesellschaftliche Status und die Reputation ist im Zweifelsfall ein Kartenhaus, insbesondere wenn die nachkommende Generation, die gerne in Zuständen der Lethargie und Desorientierung dargestellt wird, im Hintergrund zu rebellieren oder zu konspirieren beginnt. Wie es die Gesetzmäßigkeit erfordert, kommen die nächtlichen Aktivitäten des Bankierssohnes irgendwann ans Tageslicht, da es dem wohlbehüteten jungen Mann offensichtlich an Nerven fehlt und der alte Kerner die Karre selbst aus dem Dreck zeihen muss. Da es sich um einen Einstieg in die Villa eines Freundes handelte, kommt es kurzerhand auch zu einer kleinen Erpressung in aller Freundschaft, denn der Bankier soll seinen Kreditausschuss für einen Geschäftspartner, der die Machenschaften des Sohnes durchschaut hat, zu seinen Gunsten beeinflussen. Verachtung und Enttäuschung liegen in der Luft, aber die Maske darf um keinen Preis fallen. Da es lästigerweise einen Toten zu beklagen gibt, kommt Kommissar Köster aufs Tableau und der erfahrene Zuschauer ahnt bereits, dass ihn Fälle aus diesem Milieu eher strapazieren, weil er die Mechanismen aller Couleur in ausreichendem Maße kennt.

Warum wirkt Köster eigentlich stets so bissig, wenn er sich in diesen Kreisen bewegt? Vermutlich ist es seiner langjährigen Erfahrung zuzuschreiben, denn im Zweifelsfall hält man nicht nur zusammen wie Pech und Schwefel, sondern versucht, gleich Vertuschungen im großen Stil zu betreiben. Auch weil er um die Möglichkeiten gewisser Herrschaften weiß, die ihm große Schwierigkeiten machen, und Ermittlungen blockieren könnten, sieht man ihn wenig erfreut. Daher sind Geduld, Taktgefühl und zu erwartende Höflichkeiten eher Mangelware, aber dem geneigten Zuschauer wird die oftmals gereizte, und leicht zynische Art und Weise des "Alten" mittlerweile vertraut sein, wenn nicht sogar Spaß machen. Der Fall verliert nach seinem recht schnellen und gut aufgebauten Einstieg leider an Tempo und Intensität, sodass man von einer eher ausgebremsten Folge der Serie sprechen muss, zumal eine aufbereitete Abhängigkeitsgeschichte hinzukommt, die nicht besonders gut ankommen will. Geld für Drogen, Drogen für Zuwendung, Zuwendung für nichts und wieder nichts. Ein altes Chanson der Krimi-Hitparade. Folge 11 wartet mit einer Reihe bekannter Stars auf, die markante Eindrücke hinterlassen. Männer von Welt und erfolgreiche Geschäftsleute waren mitunter die Domänen von Hellmut Lange, Horst Naumann und Alexander Kerst, genau wie die kultivierten Damen gerne von Maria Sebaldt oder Kornelia Boje dargestellt wurden. So groß die Wiedersehensfreude bei den Schauspielern auch sein mag, die meisten kommen über Schablonen und Skizzierungen nicht hinaus, was für Andreas Seyferth und insbesondere für Ellen Schwiers' Tochter Katerina Jacob gilt. Der Kriminalfall wird durch eine rivalisierende Einbrecher-Bande etwas angeheizt, jedoch wird es leider die zementierte Vorhersehbarkeit sein, die diesen Fall nur als durchschnittlich in Erinnerung bleiben lässt. Die größte Überraschung stellt schließlich nur eine noble Geste am Ende dar, was insgesamt etwas zu wenig ist. Durchschnitt.


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