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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Vier Frauen und ein Mord (1964)
BeitragVerfasst: 20.07.2016 19:39 
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Margaret Rutherford   Ron Moody   in

VIER FRAUEN UND EIN MORD

● MURDER MOST FOUL / VIER FRAUEN UND EIN MORD (GB|1964)
mit Charles Tingwell, Stringer Davis, Andrew Cruickshank, Francesca Annis, Alison Seebohm, Ralph Michael und Dennis Price
eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer | Lawrence P. Bachmann Productions | im Verleih der Metro-Goldwyn-Mayer
ein Film von George Pollock


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»Ich habe ja gewusst, dass so etwas passieren würde«

Die Bardame und ehemalige Schauspielerin Margaret McGinty wird von einem Polizisten erhängt in ihrer Wohnung aufgefunden. Der Fall scheint auf der Hand zu liegen, da der mögliche Täter direkt mit am Tatort vorgefunden wird. Bei der Gerichtsverhandlung kommt es allerdings zu einem Eklat, da Miss Marple (Margaret Rutherford) unter den Geschworenen ist und sich gegen den einheitlichen Willen der anderen sperrt, sodass die Verhandlung ergebnislos abgebrochen werden muss. Eigene Nachforschungen in diesem Fall führen Miss Marple an zu der Theatergruppe rund um Driffold Cosgood (Ron Moody), der die Hobbydetektivin beitritt. Doch bereits während des ersten Treffens mit Cosgood im Theater bricht einer der Darsteller tot vor beiden zusammen...

Morde im Schauspieler-Milieu stellten seit jeher eine sehr interessante Variante der kriminalistischen Unterhaltung dar, muss der aufmerksame Zuschauer doch davon ausgehen, dass sich der Täter im Schutze einer eingeschworenen Clique verbirgt. Außerdem kommt hinzu, dass es sich eben um Darsteller handelt, die im Zweifelsfall eine Rolle spielen können, um Ermittler und Publikum zusätzlich an der Nase herumzuführen. George Pollocks dritte von vier "Miss-Marple"-Adaptionen mit Margaret Rutherford in der Titelrolle führt die Tradition der bereits erschienenen Teile stilsicher fort und es kommt zu interessanten Erweiterungen, die der Routine und Erfahrung entsprechen. Stilbrüche wird man in der vierteiligen Reihe keine Finden, vielleicht kann man sogar sagen, dass dieses strikte Beibehalten des charakteristischen Profils eigens für die treuen Zuschauer gemacht zu sein scheint. Also fallen der quirligen Hobbydetektivin die Mordfälle wie üblich in den Schoß, hier sieht man sie zunächst als Geschworene vor Gericht, die das Urteil verhindert, da sie sich gegen die Meinung der andren elf sperrt. Bereits hier entstehen herrliche Szenen, die nicht nur einen gelungenen Start ebnen, sondern auch feinen Humor transportieren. Selbstverständlich lässt "Miss Marple" den Vorwurf, sie habe falsch entschieden nicht auf sich sitzen, außerdem möchte sie einen Unschuldigen vor dem Galgen bewahren, und startet ihre Welle an eigenen Ermittlungen, die sie schließlich ans Theater führen, wo es Schlag auf Schlag geht. Nachdem ihr Vorsprechen auf der Bühne, nach Driffold Cosgoods Einschätzung ein totaler Reinfall war, wird sie dennoch aus dem Stand engagiert, nicht zuletzt weil sie erwähnte, dass sie finanziell unabhängig sei. Solche Szenen zwischen Margaret Rutherford und Ron Moody sind nicht nur welche der vielen Prunkstücke der Veranstaltung, sondern machen immer wieder aufs Neue einen mörderischen Spaß, was das nächste Stichwort wäre.

Kaum ist der Deal perfekt, bricht auch schon ein Mitglied des Ensembles tot auf der Bühne zusammen und alles nimmt seinen forcierten Lauf. Gleichzeitig werden die anderen Personen des Theaters vorgestellt und man bekommt es mit einer sehr ungleichen Truppe zu tun, in der es nicht nur von Verdächtigen wimmelt, die sich sondern auch gerne gegenseitig in der Luft zerreißen. In diesem Zusammenhang ist die hochwertige Dialogarbeit zu erwähnen, die für die deutsche Version eine ausgezeichnete Synchronisation erfahren hat, man wird hautnah Zeuge von Emotionen, Allianzen oder Feindschaften. Die besonderen darstellerischen Fähigkeiten lassen sich nicht nur beim Stamm-Personal ausfindig machen, Margaret Rutherford, Stringer Davis und Charles Tingwell laufen erneut zu Höchstleistungen auf, sondern es sind ebenfalls die exzellent aufspielenden Gäste, wie insbesondere ein Ron Moody, der sich in bestechender Schauspiellaune präsentiert, Andrew Cruickshank als mürrischer Richter oder beispielsweise Alison Seebohm als personifiziert-mysteriöse Aura, und es wird für ein Fließband an tollen Momenten gesorgt, in denen der Zuschauer durchweg auf seine Kosten kommt. Der Fall wird immer weiter aufgerollt, mit Fragmenten aus der Vergangenheit sehr nachvollziehbar rekonstruiert, natürlich auch adäquat gelöst, jedoch stellt sich das Motiv ein wenig selbst in Frage, wenngleich es eine einfache Faustregel bei Verbrechen und Mord gibt die besagt, dass es sicherlich schon für weniger gereicht hat. Aber der klare Aufbau, die vielen spannenden, sehr abwechslungsreichen und geistreichen Phasen würzen den Verlauf sehr angenehm, der erneut von seiner Titelfigur nach belieben dominiert wird. "Vier Frauen und ein Mord" ist immer wieder gerne gesehen und besitzt eine klassische Färbung sowie einen unumstößlichen Unterhaltungswert ohne Verjährungsfrist, sodass er es in den erlesenen Kreis der Filme schafft, die schon unzählige Male mit der gleichen Begeisterung gesehen werden konnten.


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 Betreff des Beitrags: Dites-le avec des fleurs (1974)
BeitragVerfasst: 26.07.2016 10:06 
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Rocío Dúrcal   John Moulder-Brown   Delphine Seyrig   Fernando Rey   in

SAY IT WITH FLOWERS

● DITES-LE AVEC DES FLEURS / DÍSELO CON FLORES / SAY IT WITH FLOWERS (F|E|1974)
mit Francis Blanche, Julien Guiomar, Frédéric Mitterrand, Jean Becker, Elena Arocena, Carlos Ibáñez und Maria Perschy
eine Produktion der Hamster Productions | Office de Radiodiffusion Télévision Française | Société du Film | Avenir Films
ein Film von Pierre Grimblat


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»Sie haben nicht gelitten. Die Gestapo hätte sie gefoltert!«

Deutschland, 1944. Ein Attentat auf Hitler ist gescheitert und Klaus von Ehrental (Frédéric Mitterrand), der daran beteiligt war, wird von der Gestapo verfolgt. Um seiner Familie Qual und Folter zu ersparen, erschießt er zunächst seine Kinder und anschließend seine hochschwangere Frau (Maria Perschy), findet aber nicht den Mut sich selbst umzubringen. Das Szenario geht viele Jahre später in Frankreich weiter. Das deutsche Au-pair-Mädchen Ursula (Rocío Dúrcal) kommt in das Haus der Familie Berger und übernimmt dort die Betreuung der fünf Kinder, die alle recht auffällig sind. Ein Sohn ist beispielsweise taubstumm oder Jean-Claude (John Moulder-Brown), ein eigentlich gut aussehender junger Mann, hat schwer mit einer auffälligen Fehlbildung im Gesicht zu kämpfen. Der Vater Jaques (Fernando Rey) ist besessen von der ägyptischen Kunst und fällt durch Zustände der geistigen Abwesenheit auf, seine Frau Françoise (Delphine Seyrig) beschäftigt sich ausschließlich mit den prachtvollen Blumen in ihrem Garten. Doch seit der Ankunft von Ursula ist alles anders. So wird das Haus permanent von acht uralten Leuten beobachtet und es kommt auch zu Zwischenfällen, bei denen einige der Kinder rätselhaften Unfällen zum Opfer fallen...

»Ici-bas je suis insaississable, car j'habite aussi bien chez les morts que chez ceux qui ne sont pas encore nés.« Mit diesem programmatischen Text Paul Klees beginnt dieser Beitrag des französischen Regisseurs Pierre Grimblat, den man in jeder Hinsicht mit Spannung erwarten darf. Der im wahrsten Sinne des Wortes blumige Filmtitel suggeriert im Vorfeld sicherlich etwas anderes, als man vielleicht erwarten würde, doch der unmittelbare Einstieg bringt den Zuschauer in das Jahr 1944, den man mittels Bildern in schwarzweiß erleben wird. »Achtung, Achtung. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt. Der Führer lebt! Hitler ist nicht tot! Hitler ist nicht tot! Hitler ist nicht tot!« Nach diesen hallenden Worten einer Radiodurchsage lässt der erste Schock nicht lange auf sich warten und die Basis für den Film und dessen späteren Verlauf ist mit sehr eindringlichen Szenen gelegt, in denen man das Gefühl eines Tunnelblicks vermittelt bekommt. Interessanterweise wird in diesem französischsprachigen Film an diesen Stellen Deutsch gesprochen und auch die Musik-Text des Vorspanns erinnert zynisch an »Die Blumen« und mahnt »Der Tod ist unser ewiger Gärtner«, da Bilder von fleischfressenden Pflanzen gezeigt werden, die Insekten in ihre tödlichen Fallen locken. Die kurze Phase der Rückblenden endet mit dem überaus kurzen, aber wiederkehrenden Auftritt Maria Perschys und einem schmerzhaften Knall, bis es in Farbe, vor allem aber mit Claude Bollings fabelhafter Musik in der damaligen Gegenwart weitergehen darf. Eine Genre-Klassifikation fällt bei "Dites-le avec des fleurs" ziemlich schwer, denn man bekommt eine komplette Breitseite im Bereich Drama bis unorthodoxem Psycho-Thriller mit weniger Thrill als Psycho geboten, sollte sich aber insgesamt nicht allzu sehr auf die vollkommen visualisaierte Strategie des Verlaufs verlassen, was gleichzeitig bedeutet, dass gewisse Überraschungen vorprogrammiert sind.

Das trügerische Leitmotiv Blumen dominiert einen Großteil der Einstellungen, doch zwischen all dieser Opulenz und Schönheit lauert Vergänglichkeit. Langsam aber sicher bahnt sich ein immer wiederkehrender Alptraum von einer der Hauptpersonen an, dem Empfinden nach gipfeln viele Eindrücke in bloßen paranoiden Wahnvorstellungen. Die Geschichte macht es sich zur Aufgabe, ihren recht komplizierten Charakter nicht nur zur Schau zu stellen, sondern ihn auch regelrecht zu pflegen, sodass insgesamt der Eindruck einer sehr ausgefeilten und gelungenen Arbeit vermittelt wird, die fesseln und mitreißen kann, was jedoch eine gewisse, vielleicht sogar bedingungslose Bereitschaft dazu voraussetzt. Es ist irritierend, dass immer wieder alte Kriegslasten in Rückblenden einschießen, hin und wieder macht die dabei verwendete Blitz-Montage beinahe irre, was durchaus dem Zustand derjenigen Person entspricht, die von Erinnerungen und der Vergangenheit gefoltert werden. Man sieht ein Meer von Blumen, anschließend Bilder aus der ägyptischen Mythologie, die plötzlich eins werden mit Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg und dessen bekanntesten Monstern. Hin und wieder ist es schwierig, Struktur und Ordnung ins Szenario zu bringen, denn die Regie verfolgt ganz offensichtlich andere Strategien. Bestückt mit einer A-Besetzung aus dem Bilderbuch, darf sich der interessierte Zuschauer also auf eine Achterbahnfahrt einstellen, deren Zwischenstationen Idylle, Temperament, Wahn oder beispielsweise Mord darstellen. Die spanische Schauspielerin und Sängerin Rocío Dúrcal macht einen exzellenten Eindruck und vermag es sogar, hier alles weitere in den Schatten zu stellen. Als deutsches Au-pair-Mädchen Ursula Fischer stellt sie insbesondere wegen ihrer Herkunft das Bindeglied zu einer dunklen Vergangenheit dar und reißt alte Wunden unbewusst auf. Oder doch nicht?

Ihre Szenen transportieren etwas Geheimnisvolles und machen mit einem blendend aufspielenden, von innerer Zerrissenheit und Realitätsflucht gepeinigten Fernando Rey einiges her, allerdings entstehen die bestechenden Sequenzen mit ihrem Partner und Experten für schwierige Rollen, John Moulder-Brown, einem jungen Mann der aufgrund einer Fehlbildung im Gesicht mit Komplexen beladen ist, und der wie immer blendend aufspielt. Maria Perschy wurde bereits erwähnt und überrascht als personifizierte Schuld und wandelnder Vorwurf, die restlichen Darsteller runden das Geschehen adäquat ab. Eine besondere Darbietung sieht man schließlich noch von der französischen Star-Interpretin Delphine Seyrig, ein Aushängeschild in Sachen Aura und Interpretationskunst, sodass der Film alleine schon im darstellerischen Bereich zu einem überwältigenden Selbstläufer wird. Die sensible Thematik bekommt im Grunde genommen, oder vielleicht sogar üblicherweise etwas reißerische Würze und schließlich ist man Zeuge einer interessanten Variation innerhalb der langen Distanz zwischen Schuld der Vergangenheit und aktueller, nicht vorhandener Bewältigung. Einige Zusammenhänge bleiben im Verlauf weitgehend unklar, geht man allerdings von der Voraussetzung aus, dass jeder gerade in einer kompletten Wahnvorstellung gefangen ist, fährt der Zuschauer sehr gut mit dieser eigenwilligen Veranstaltung. Die Spannung befindet sich stets auf einem konstanten Level und forciert sich in den richtigen Momenten zu schrecklichen Gewissheiten und Bildern, im ausgiebig vorbereiteten Finale darf sogar noch ein wenig gestaunt werden. Bei Pierre Grimblats "Dites-le avec des fleurs" handelt es sich in seiner eigenen übersichtlichen Filmografie sicherlich um einen Top-Beitrag, aber auch mit Blick auf die unorthodoxe Konkurrenz strahlt dieser Film unter dem Nimbus einer gelungenen Ausnahmeerscheinung. Hervorragend!


Zuletzt geändert von Prisma am 30.07.2016 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Exorcismo (1975)
BeitragVerfasst: 26.07.2016 18:01 
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EXORCISMO

● EXORCISMO (E|1975)
mit Paul Naschy, Maria Perschy, María Kosty, Mercedes Molina, Jordi Torras, Luis Induni, Roger Leveder, u.a.
eine Produktion der Profilmes
ein Film von Juan Bosch


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»Komm, mein Meister!«

Pater Adrian Dunning (Paul Naschy) wird mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert, denn er soll einen Exorzismus an einer jungen Frau namens Leila (Mercedes Molina) vornehmen. Seit sie nämlich an einer okkulten Zeremonie teilgenommen, und anschließend mit ihrem Freund einen Autounfall hatte, hat sie sich verändert. Leilas besorgte Mutter Patricia (Maria Perschy) bittet Pater Dunning um Hilfe, da man sich die plötzlichen Zustände der Impulsivität und ihre teils vulgären Verhaltensweisen nicht erklären kann. Hat tatsächlich schwarze Magie mit dieser abnormen Wesensveränderung zu tun? Als es auch noch zusätzlich zu rätselhaften Morden kommt, scheint die Gewissheit immer deutlicher zu werden. Doch kann tatsächlich Leila mit diesen Todesfällen in Verbindung gebracht werden..?

Juan Boschs "Exorcismo" ist in der langen, von erheblichen Qualitätsunterschieden dominierten und etliche Zuschauer geißelnden Exorzisten-Plagiate entstanden, dabei steht es außer Frage, dass jeder etwas vom großen Erfolgskuchen abbekommen wollte. Um es jedoch gleich zu betonen, kommt dieser Vertreter nicht über den Status eines netten Versuchs hinaus, da er es nicht schafft, nur über einige eklatante Szenen hinauszukommen. Innerhalb dieser thematischen Gebundenheit ist es vielleicht nicht ganz einfach gewesen, das Rad komplett neu zu erfinden, doch was bei Boschs Beitrag entscheidend fehlt, sind spektakuläre Szenen und vor allem Wendungen. Somit schaut man auf einen eher behäbigen und richtiggehend unauffälligen Verlauf, der sich erwartungsgemäß zu seinen besten Szenen gegen Ende hin schleppt. Um es fairerweise zu sagen, verläuft "Exorcismo" nicht durchgehend uninteressant, vor allem nicht, wenn einem Filme mit dieser Marschrichtung liegen, oder man die beteiligten Schauspieler schätzt. Allerdings schleichen sich auch hartnäckige Phasen des Leerlaufs ein, die hin und wieder eben nicht nur eine Ahnung von Langeweile aufkommen lassen. Dem Streifen fehlt es an Vehemenz und Schock-Potential. Viele Szenen erreichen nicht die atmosphärische Dichte oder den beunruhigenden Tenor, der sicherlich anvisiert gewesen ist, ein großer Schwachpunkt ist letztlich die Dialogarbeit, die meistens zu trivial und in den richtigen Momenten zu zahm wirkt. Ein netter Einfall ist allerdings, dass sich die besessene Protagonistin mit dem Bösen auf Deutsch verständigt, wenngleich die weiteren Schilderungen der Besessenheitszustände mal wieder nicht über Schleim spucken und eine malträtierte äußere Hülle hinauskommen.

In diesem Zusammenhang wäre ein deftiger Gossenton wünschenswert gewesen, was im Grunde genommen noch nicht einmal so durch und durch sachdienlich wäre, wie man es vielleicht empfindet, aber schließlich für deutliche Steigerungen bei der Unterhaltsamkeit sorgen könnte, wenn es an vielen Ecken einfach zu wenig ist. Wie dem auch sei, verlässliche Bänke werden hier in Form einiger beliebter Darsteller präsentiert. Paul Naschy als Priester, der einen Exorzismus auf sich zukommen sieht, hinterlässt einen passablen Eindruck, auch wenn sich der Eindruck nicht leugnen lässt, dass er in seinem eher bekannten Rollenprofil besser ankommt, was aber sicherlich nur eine Sache der Gewöhnung, vielleicht sogar der Erwartung ist. So ist es hauptsächlich Maria Perschy zu verdanken, dass ein Hauch schauspielerischer Klassik zu sehen ist, María Kosty und Mercedes Molina staffieren das Geschehen als Blickfänge aus. Wie gesagt, die Handlung plätschert vornehmlich vor sich hin, um in richtigen Momenten etwas Kraft zu mobilisieren. Hier kommen die stimmungsförderliche Musik und einige gut hergerichtete Schauplätze zum Tragen, insbesondere wenn ein paar Rituale oder Orgien angedeutet werden, ja, und wenn man solchen Beiträgen ohnehin wohlwollend gegenübersteht, kommt man auch hier irgendwie auf seine Kosten. Unterm Strich bleibt Juan Boschs "Exorcismo" jedoch weitgehend unentschlossen, wenig extravagant oder mitreißend, und zieht seine besten Momente seltsamerweise aus den Szenen, denen man eigentlich vorwerfen könnte, dass sie einfach aus anderen Geschichten ausgeliehen wurden. "Exorcismo" kann man sich ohne Bedenken anschauen, doch die Erwartungshaltung sollte im Vorfeld dann doch nicht ganz so hoch geschraubt werden.


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 Betreff des Beitrags: Melissa (1966)
BeitragVerfasst: 28.07.2016 12:43 
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● MELISSA | EPISODE 1 (D|1966)
mit Günther Stoll, Ruth Maria Kubitschek, Siegfried Wischnewski, Hubert Suschka,
Hanne Wieder, Erik Schumann, Albert Bessler, Katinka Hoffmann, Ulrich Beiger, u.a.
eine Produktion des Westdeutschen Rundfunk
Regie: Paul May



Spannungen diktieren die Ehe von Guy (Günther Stoll) und Melissa Foster (Ruth Maria Kubitschek), da der Schriftsteller Mr. Foster zur Zeit ohne feste Stellung ist und nach Ansicht seiner Frau zu wenig für sein berufliches Weiterkommen tut. Eines Abends besucht Melissa mit Freunden eine Party, zu der Guy nicht mitkommen möchte. Bei einem späteren Telefonat bittet ihn seine Frau, doch vorbeizukommen, da sie ihn einem Verleger vorstellen will. Als Guy bei der angegebenen Adresse ankommt, wird ihm von Inspektor Cameron (Siegfried Wischnewski) eine Leiche präsentiert und es handelt sich zu seinem Entsetzen um seine Frau Melissa, die erwürgt wurde. Guy Foster gerät schnell selbst unter Verdacht, da viele Anzeichen dafür sprechen, dass er nicht die Wahrheit sagt, was plötzlich auch Zeugen untermauern, die Guy nach Eigenen Angaben noch nie zuvor gesehen hat...

Der erste Teil von Paul Mays "Melissa" beginnt mit kurzen Szenen einer Ehe und deren Spannungen. Das Ambiente und die Unternehmungen verraten schnell, dass sich die Fosters trotz der beruflichen Misere von Guy in gut situierten Verhältnissen befinden, was im späteren Verlauf noch eine entscheidende Rolle spielen wird. Freunde tauchen in der Wohnung auf, es könnten aber auch Hyänen sein, und man will sich gemeinsam amüsieren. Die Stimmung kippt bei Melissa Foster, da ihr Mann, der eine gewisse lethargische Note ausstrahlt wenn es um seine beruflichen Aussichten geht, der anvisierten Party fern bleiben möchte. Der Zuschauer ahnt, dass es bereits oft Streitthema gewesen sein muss, denn die Dame des Hauses reagiert frustriert und scharfzüngig, um später aber wieder einzulenken, da sich ganz offensichtlich ein leichtes mitleidiges Betrachten eingebürgert hat. Diese wenigen Szenen legen einen guten Grundstein für die Geschichte, die noch von Lügen, Verwirrung und Misstrauen gezeichnet sein wird. Der erste Schock für den Zuschauer ist nach wenigen Minuten also umso größer, da man die Titelfigur vollkommen unerwartet als Leiche präsentiert bekommt. Die geringe Spielzeit von Ruth Maria Kubitschek steht in diesem Zusammenhang vollkommen konträr zu dem großen Erfolg, den sie mit dieser Rolle hatte und die Schauspielerin wird auch heute noch vor allem mit diesem prägnanten Auftritt in Verbindung gebracht. Siegfried Wischnewski erweist sich auch hier als patenter Ermittler, der seinen Figuren vor allem im Kriminalfilm immer eine bemerkenswerte Struktur mitgeben konnte, ganz egal auf welcher Seite des Gesetzes er auch stand. Der Querdenker lässt sich von vielen auf dem Silbertablett servierten Indizien nicht unmittelbar beirren, obwohl sich die Schlinge um Guy Fosters Hals immer mehr zuzuziehen scheint.

Günther Stoll erweist sich als der richtige Mann für diese Rolle, immerhin bringt er noch genügend Potential mit, dass an ihm gezweifelt werden darf. Die eigenen (sogenannten) Freunde erweisen sich nicht gerade als Entlastungszeugen, kolportieren sie doch beispielsweise eine rätselhafte Geschichte um einen Neurologen, bei dem Guy angeblich in Behandlung gewesen sei. Seine Sekretärin kennt ihn, Dr. Swanson natürlich auch und beide plaudern ungeniert aus dem Nähkästchen und liefern ein lupenreines Mordmotiv. Der Beschuldigte findet sich in Rechtfertigungen und Zurückweisungen wieder, verliert hin und wieder trotz seiner ruhigen Art die Contenance, ist daher gezwungen, sich über eigene Recherchen Gedanken zu machen. Es ergibt sich ein Strudel aus neuen Erkenntnissen, bei denen Paul May den Zuschauer gekonnt aufs Glatteis zu führen versucht. Sein Inszenierungsstil zeichnet sich insgesamt durch Klassik und dichte Bildstrecken aus, das Hauptaugenmerk liegt wie üblich auf den geführten Dialogen, die zum aufmerksamen Zuhören animieren, denn es kommt eine Vielzahl von Indizien, manchmal unwichtig erscheinenden Details und zahlreichen Wendungen auf einen zu, die nicht nur von den ermittelnden Personen geordnet werden, sondern den Krimi-Fan mit ins Boot holen. Mehrere Einzelheiten die auftauchen, wie beispielsweise der gleichnamige Schlager von Peter Thomas, der Schmuck der Ermordeten, oder Telefonate, die von einer Toten geführt werden, kreieren den immer wieder beschriebenen "Mellissa-Effekt", der Zweifel am Tod der Titelfigur entstehen lässt. Somit wird der Zweck erfüllt, dass sie trotz ihrer Abstinenz im Geschehen wie ein Schatten über dem Szenario schwebt, und gleich mehrere Personen im Würgegriff hält. Episode 1 dieses Dreiteilers endet mit einem guten Cliffhanger, der zum Staunen verleitet und es steht außer Frage, dass es in dieser unterhaltsamen Manier weitergehen wird.


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 Betreff des Beitrags: Die Banditen vom Rio Grande (1965)
BeitragVerfasst: 30.07.2016 00:03 
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● DIE BANDITEN VOM RIO GRANDE / Banditi Rio Granda (D|1965)
mit Harald Leipnitz, Maria Perschy, Wolfgang Kieling, Gerlinde Locker, Uli Steigberg, Demeter Bitenc und Ellen Schwiers
eine Produktion der Piran Film | Film servis | im Gloria Filmverleih
ein Film von Helmuth M. Backhaus


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»Der Tod sieht oft so aus!«

Die Lehrerinnen Helen (Maria Perschy), Joan (Gerlinde Locker) und Lida (Ellen Schwiers) werden von der Unesco in ein kleines mexikanisches Dorf versetzt und vor Ort sollen sie den Kindern das Lesen und Schreiben beibringen. Jedoch geht das Gerücht um, dass dort Banditen ihr Unwesen treiben und nach kürzester Zeit kommt es auch schon zu einem schweren Zwischenfall. Das Dorf wird niedergebrannt und die abgestellten Soldaten der Regierung getötet. Elgaut (Demeter Bitenc), der Rädelsführer der Angreifer, nimmt die drei Frauen als Geiseln mit, da er ausschließlich das Amüsement mit den schönen Damen im Sinn hat, doch hat dabei nicht einkalkuliert, dass sich Soldaten an seine Fersen heften werden. Können die entführten Frauen noch rechtzeitig aus den Klauen der Banditen befreit werden..?

Dieser 1965 entstandene Film kann wohlwollend vielleicht als eine Art Hybrid bezeichnet werden, doch bei genauerem Hinschauen handelt es sich eigentlich nur um ein Ersatzteil-Lager aus bereits dagewesenen, oder vielmehr übrig gebliebenen Ideen. Regisseur Helmuth M. Backhaus hält sich bei seiner Inszenierung weitgehend an Vorbilder der deutschen Western-Beiträge, jedoch nimmt man ein wenig irritiert das bestehende Zeitfenster wahr, in dem beispielsweise Helikopter durch die Szenerie fliegen. Die Geschichte um die drei Lehrerinnen und die Gruppe der Banditen klingt zunächst nicht komplett uninteressant, vor allem wenn man sich anschaut, welche Darsteller diese Rollen übernommen haben. Letztlich ist es aber der Verlauf, der einem schnell reinen Wein einschenkt, denn die Story wirkt stumpf und eckig, außerdem recht hastig zusammengebastelt. Für gute Momente können hin und wieder die Kulissen, beziehungsweise die schönen Schauplätze sorgen, Dämpfer am laufenden Band gibt es von der musikalischen Begleitung, die oftmals deplatziert wirkt. Da die Geschichte ziemlich schnell durch die Entführung der Lehrerinnen zur Sache kommen will, bleibt zu hoffen, dass für genügend Zündstoff zwischen den Personen gesorgt wird. Leider wurde in diesem Zusammenhang versäumt, auf feinere Skizzierungen der Charaktere zu achten, sodass alles wie vorprogrammiert wirkt und daher nicht gerade Hochspannung aufkommen mag. Im Endeffekt ist es nicht gerade die interessanteste Sache der Welt, zu erfahren, ob nun der Bodensatz der Banditen-Mitglieder die Frauen gefügig machen kann, oder ob der Gute unter den Schlechten es zu verhindern weiß.

Somit sind auf beiden Seiten Spannungen vorprogrammiert, die von den Darstellern solide in Angriff genommen werden. Mit Harald Leipnitz sieht man ein Allround-Talent in der Rolle des morphiumsüchtigen Arztes, der dafür verantwortlich ist, die verwundeten Banditen wieder zusammenzubasteln. Da das Camp ab sofort drei neue, attraktive Gäste zu bewirten, beziehungsweise in Zaum zu halten hat, fungiert er mit seinen analytischen Fähigkeiten als Puffer zwischen Gut und Böse, damit die Situation nicht eskaliert. Wolfgang Kieling bringt für jeden Bösewicht naturgemäß das richtige Gesicht und auftreten mit, allerdings wirkt er hier leider etwas zu zahm, da er von seinem Untergebenen, dem gut aufspielenden Demeter Bitenc, den Rang abgelaufen bekommt. Gerlinde Locker und Ellen Schwiers bekleiden zugunsten von Maria Perschy sehr untergeordnete Rollen, was insbesondere bei einem Kaliber wie der Schwiers für breite Ernüchterung sorgt, denn es ist ein absoluter Jammer sie hier so verschenkt zu sehen. Alle drei Frauen werden jedoch sehr unterschiedlich, von temperamentvoll bis sachlich, oder stutenbissig bis diplomatisch gezeichnet. In der felsigen Einöde kommt es schließlich zu ein paar netten Sequenzen, die mit Tempo und Konfrontation versehen sind, aber die richtige Spannung mag eigentlich eher selten, beziehungsweise nur beim großen Showdown aufkommen. So bleibt "Die Banditen vom Rio Grande" ein Beitrag, dem die unübersehbar deutsche Kontur nicht sehr gut bekommen mag und der letztlich nicht wirklich gelungen ist, aber man ihn sich alleine schon wegen der bekannten Schauspieler wenigstens ohne groß aufkommende Langeweile anschauen kann.


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 Betreff des Beitrags: Balko - Das Schweigen der Hämmer (1995)
BeitragVerfasst: 31.07.2016 14:24 
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● Folge 5: BALKO - DAS SCHWEIGEN DER HÄMMER (D|1995)
mit Jochen Horst, Ludger Pistor, Dieter Pfaff, Jürgen Elbers, Joana Schümer
als Gäste: Eva Renzi, Wolfgang Forester, Horst-Günter Marx, Marie-Lou Sellem, u.a.
eine Produktion von RTL Television
Regie: Wolfgang F. Henschel


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»Jemand hat ihm den Schädel eingeschlagen«

Kriminalhauptkommissar Balko (Jochen Horst) und sein Kollege Krapp (Ludger Pistor) ermitteln in den Mullmann-Werken, wo es zu einem Streik der Arbeiter gekommen war. Der Buchhalter und Betriebsratsvorsitzende Robert Liebaschewski versuchte nachweislich, die Kollegen zu beruhigen, die für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen den Betrieb stillgelegt haben, doch im Dickicht dieser unübersichtlichen Lage kam es zu einem tragischen Zwischenfall. Liebaschewski wird erschlagen aufgefunden und niemand will etwas gesehen und gehört haben. Auch die Angestellten, die trotz des Mordes weiter streiken, zeigen sich nicht gerade kooperativ bei den Ermittlungen...

Die komösiantische Kriminalserie "Balko" wurde 1995 von RTL in Auftrag gegeben und lief über viele Jahre hinweg sehr erfolgreich im Fernsehen. "Balko" der ersten Stunde war seinerzeit der recht bekannte Schauspieler Jochen Horst, der die Titelfigur 48 Folgen lang zum Besten gab. Der Mix aus Komödie, Verbrechen und Action weiß bei diesem Format sehr gut bei der Stange zu halten und auch diese fünfte Episode präsentiert sich vollkommen in der Stilrichtung der Serie. Bei vielen Nebenhandlungen könnte man meinen, dass sie die Haupthandlung unnötig stören, beziehungsweise verwässern, doch hier sind die Szenen aus dem Privatleben des Polizisten und diverse andere Querelen wirklich nett anzusehen und steigern den Unterhaltungswert enorm. Die Struktur der Serie ist mit einem breiten Augenzwinkern durchzogen, vor allem auch die konträr angelegten Charaktere sorgen für Abwechslung. Während Stefan Balko leger, unkonventionell und direkt auftritt, hat man es bei seinem Kollegen Krapp mit einem typischen Klischee der deutschen Korrektheit zu tun und Ludger Pistor wirkt stets so, als habe er einen Besenstiel im Rücken, wenngleich sich dieser Eindruck schlagartig beim Auftauchen von Gast-Darstellerin Eva Renzi ändert. Renzi war genau wie ihre Tochter in der Serie zu sehen, vielleicht lässt sich dieser Abstecher in die zeitgenössische Serien-Welt damit erklären, dass Jochen Horst seinerzeit mit Anouschka Renzi verheiratet war.

Wie dem auch sei, die Handlung kommt schließlich durch einen Mord in Gang und man bekommt es in diesem Zusammenhang mit skurrilen Typen und einigen Verdächtigen zu tun. Witzig wird es, wenn Balko aufgrund seines Auftretens nicht immer gleich als Polizist identifiziert, daher auch nicht immer ernst genommen wird, außerdem muss er hin und wieder einiges einstecken, hier etwa einen ordentlichen Schlag auf den Kopf, oder breit angelegte Kritik. Der Mord an sich geschieht in einem Ambiente der Tatkraft. Die Firma kommt nicht etwa durch das Verbrechen zum erliegen, sondern durch den angezettelten Streik, bei dem alle Schotten dicht gemacht werden. Balkos Ermittlungen geschehen vollkommen unkonventionell, seine Befragungen werden beispielsweise bei bestellter Pizza durchgezogen und es scheint manchmal so, als habe er überhaupt nicht die Kompetenzen, einen Fall adäquat aufzulösen. Mehrere Action-Einlagen und unterhaltsame Dialoge bilden zusätzlich die Würze, die die Serie so sympathisch macht und wenn es schließlich zur Auflösung kommt, ist man nicht gerade enttäuscht darüber, dass sich ein bisschen Vorhersehbarkeit eingeschlichen hatte. Aber man muss selbstverständlich auch beim Hauptaugenmerk dieser Serie bleiben und man fährt in jeder Beziehung gut damit. Insgesamt kann "Balko" auch nach mit über 20 Jahren auf dem Buckel noch Spaß machen und die Serie ist nicht nur alleine wegen des Auftritts von Eva Renzi einen Blick wert.


➥ EVA RENZI


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 Betreff des Beitrags: Das Kriminalmuseum - Die Nadel (1963)
BeitragVerfasst: 02.08.2016 18:56 
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● FOLGE 5 | DIE NADEL (D|1963)
mit Gerd Brüdern und Horst Naumann
sowie Adelheid Seeck, Olga von Togni, Karel Stepanek, Walter Wilz, Narziss Sokatscheff,
Eva Christian, Hans Zesch-Ballot, Heidi Treutler, Rolf von Nauckhoff, Karl Schaidler, u.a.
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Helmuth Ashley



In einem Krankenhaus verstirbt die wohlhabende, und seit längerer Zeit an einem Myokardschaden leidende Louise Großmann, Besitzerin eines bekannten pharmazeutischen Betriebes. Alles sieht nach einer vollkommen natürlichen Todesursache aus, doch per Zufall findet der behandelnde Arzt eine abgebrochene Injektionsnadel im Herzen der Verstorbenen. Ihr wurde eine tödliche Dosis Strophantin verabreicht. Kriminalkommissar Althoff und sein Assistent Gebhardt übernehmen die Ermittlungen und alle Spuren führen in das familiäre Umfeld der Ermordeten, die dem Vernehmen nach alles andere als beliebt gewesen sein muss. Doch das strikt eingegrenzte Feld an potentiellen Tätern glänzt eher durch Missgunst und Hass als Kooperationsbereitschaft...

Innerhalb der 41-teiligen Serie handelt es sich bei "Die Nadel" sicherlich um eine der interessantesten, wenn nicht sogar besten Folgen. Der eher unscheinbar klingende Titel wirkt spätestens nach der Feststellung, dass es sich um einen perfiden Mord handelt, genau so steril wie die komplette Szenerie und viele ihrer Charaktere. Nach wenigen Minuten stellt die Polizei und somit auch der Zuschauer fest, dass es sich bei der Toten weniger um eine bedauernswerte kranke Frau mit schwerem Schicksal gehandelt hat, sondern um eine zynische Sadistin, die alle in ihrem Umfeld mit ihrem Kapital im Würgegriff hielt. Die Erleichterung ist somit groß, als die eigentlich unerwartete Todesnachricht kommt. Langsam aber sicher werden die einzelnen Personen und deren Verhältnisse zueinander und vor allem zur Toten durchleuchtet und man findet einfach keine wirklichen Lichtblicke. Da wäre ihr Mann, der nur einer ihrer besseren Angestellten ist und gerne frei wäre für seine wesentlich jüngere Geliebte, ihre eigene Schwester, die offen von Hass spricht, oder die Hausdame, deren vorgespielter Respekt langsam aber sicher unglaubwürdig wird. Wie so häufig ist es der Zündstoff innerhalb von Familien, der für so manchen spektakulären Mordfall sorgte. In diesem Zusammenhang legt Regisseur Helmuth Ashley bei seiner Inszenierung großen Wert auf die beteiligten Charaktere und einen klaren Aufbau, der innerhalb der Ermittlungsarbeit präzise, aber ebenso unkonventionelle Momente bietet. In diesem Haus scheint es also von Verdächtigen zu wimmeln, das Motiv eines Jeden liegt auf der Hand, und falls nicht, bietet sich ein barmherziges Familienmitglied freundlicherweise an, die möglichen Beweggründe auf einem Silbertablett zu servieren. Doch das Ermittler-Duo greift hierbei nicht leichtfertig zu, was viele der Befragten nur noch nervöser, beziehungsweise aggressiver werden lässt.

Interessant bei dieser Serie ist eine Art garantierte Abwechslung bei den Ermittlern, da man in jeder Episode andere Personen und unterschiedliche Auffassungen präsentiert bekommt. Kriminalkommissar Althoff wird durch den leider bereits 1968 verstorbenen Gerd Brüdern dargestellt und er bietet dem Zuschauer eine ansprechende Variation an. Sachlich, aber auch fordernd und mit einer guten Kombinationsgabe ausgestattet, kann er wie aus dem Nichts zupacken, am liebsten sogar dann, wenn es keiner erwartet. Um gesellschaftliche Konventionen und die Ressentiment der besseren Gesellschaft scheint er sich wenig zu scheren, dementsprechend stößt er in dieser feinen Runde auch auf diverse Widerstände. Musterbeispiel für diesen Gegenwind stellt die wie immer so großartig aufspielende Adelheid Seeck dar, bei der man als Schwester der Toten noch nicht einmal von mangelnder Kooperationsbereitschaft sprechen kann, weil sie bereitwillig, wenn auch vollkommen gereizt, von sich aus Auskünfte gibt, das Verhör an sich reißt und den Polizisten vorweg greift, indem sie selbst Befragungen durchführt, beispielsweise mit ihrem eingeschüchterten Sohn. Ist es dieser Frau mit dem eiskalten Verstand eigentlich klar, dass sie die Motive am laufenden Band ans Tageslicht fördert, oder doch nicht? Lediglich ihren jüngeren Freund verschont sie, indem sie ihn mit aller Gewalt aus der Schusslinie zu bringen versucht. Diesbezüglich kommt man schließlich in den Genuss hochkarätiger Leistungen von Karel Stepanek, Narziss Sokatscheff, Walter Wilz und Olga von Togni, als mysteriöse Hausdame. Jeder könnte es gewesen sein, vermutlich haben alle diesem Mord auch schon einmal in Gedanken begangen und das Puzzle wird klassisch zusammengefügt und behält sich noch einige Überraschungen vor und mündet beim bitteren Ende in ein hervorragendes Finlale. Helmuth Ashleys Beitrag darf aufgrund der straffen Inszenierung und des unterhaltsamen Falls bestimmt als Klassiker der Reihe bezeichnet werden.


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 Betreff des Beitrags: Mädchen des Lasters (1959)
BeitragVerfasst: 03.08.2016 23:24 
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Daniel Gélin   Dany Carrel   Maurice Ronet   und   Belinda Lee   in

MÄDCHEN DES LASTERS

● CE CORPS TANT DÉSIRÉ / MÄDCHEN DES LASTERS (F|1959)
mit Jane Marken, Jean Lara, Hélène Tossy, Bernadette Lange, Dominique Blanchar, Serge Sauvon und Antoine Balpêtré
eine Produktion der S.B. Films | Chaillot Films | im Verleih der Pallas
ein Film von Luis Saslavsky


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»Was hat denn diese Schlampe, dass ihr die Männer nachlaufen wie Köter?«

Ein kleines Dorf in Südfrankreich gerät in Aufruhr, denn eines Tages bringt Guillaume Féraud (Daniel Gélin) die attraktive Lina (Belinda Lee) mit auf die Austern-Farm seiner Eltern, um ihr dort einen Job zu verschaffen. Einerseits fallen den Männern bei ihrem Anblick beinahe die Augen aus dem Kopf, doch andererseits wird die junge Frau auch sehr kritisch von der Familie und Dorfbewohnern begutachtet, handelt es sich doch offensichtlich um eine Prostituierte. Guillaumes Partner Henri (Maurice Ronet) verliebt sich Hals über Kopf in diese Erregung öffentlichen Ärgernisses und gibt seiner Verlobten Marinette (Dany Carrel) den Laufpass. Um Lina von ihrem Zuhälter freizukaufen, versucht er das nötige Geld aufzutreiben, doch er hat die Rechnung ohne diverse andere Personen aus seinem Umfeld gemacht, bis es zum Eklat kommt...

Dunkelheit und Hafenatmosphäre. Das Auge der Kamera heftet sich an den Puls der Stadt. Die dunklen, teils feucht schimmernden Straßen glänzen im entlarvenden Licht der Laternen und in der Ferne hört man mehrere Polizei-Sirenen, denn ganz offensichtlich wurde das Nachtleben gerade durch eine groß angelegte Razzia aufgeschreckt. Eine Frau, deren Schönheit trotz der nächtlichen Atmosphäre wie ein Leuchtfeuer wirkt, ist auf der Flucht vor den Hütern des Gesetzes. Ihre Aufmachung verrät, dass sie nicht umsonst davonläuft und dass es sich bestimmt nicht um erste Aufeinandertreffen mit der Polizei handeln würde. Aber sie weiß, dass es Freunde, beziehungsweise Kunden gibt, die sie verbergen werden. So viel zum hoch interessanten Einstieg und dem guten Gespür des argentinischen Regisseurs Luis Saslavsky, der "Mädchen des Lasters" im Jahr 1959 mit großer Star-Besetzung inszenierte. Gleich zu Beginn fällt die imposante Bildgewalt dieses Beitrags auf, die lebensnah und greifbar eingefangen wurde und sich als Gütesiegel durch den kompletten Film ziehen wird. Da die flüchtende Lina genau weiß, dass es besser ist, aus dieser Stadt zu verschwinden, kassiert sie bei einem Bekannten schnell einen ausreichenden Betrag ab und begibt sich mit einem Freund in die Provinz, um auf der Austern-Farm seiner Eltern zu arbeiten. Bei dieser Gelegenheit stellen sich die vier Hauptpersonen zügig selbst vor. Eine Frau, deren Schönheit und Ausstrahlung ein Höchstmaß an Kalkül zulassen, einen herzensguten Träumer, der bekannt für seine Märchen und Abenteuer-Geschichten ist, ein Mann, der genau um seine Wirkung auf Frauen weiß und sich rücksichtslos das nimmt, was ihm gefällt und ein junges Mädchen, die unverdorben für Tugenden und Werte steht. Hinzu kommt die konservativ geprägte Familie, die die schöne Lina unmittelbar nach ihrer Ankunft als Störfaktor ausmacht.

Bevor es zu der obligatorischen Vorstellung kommt, gibt es noch folgenden Rat für Lina. »Wischen Sie sich mal die Lippen ab, die sind zu rot. Das hat man hier nicht gern!« Die Freude über den Besuch hält sich in Grenzen, ist bei den Arbeitern der Farm allerdings ebenso groß, wie die Skepsis der anderen Seite, da es solch einen Fang nicht alle Tage zu verbuchen gibt. Die Geschichte skizziert das tägliche Leben und die damit verbundenen Probleme, Pflichten, Wünsche und Träume, gleichermaßen werden die unterschiedlichen Strategien der Leute aufgezeigt, um mit dem Alltag zurecht zu kommen. Durch diese Szenen, vor allem aber durch die herrlichen Eindrücke von der Nähe des Meeres, lassen hoch ansprechende Bildstrecken aufkommen, die mit Kontrasten angereichert werden, wie beispielsweise mit solchen aus der verrufenen Hafenkneipe oder aus dunklen Ecken, die anständige Leute besser meiden sollten. Lina ist allerdings kein anständiges Mädchen. Obwohl die Umschreibung Hure niemals direkt im Film fällt, kann man diesen Gedanken in den vorwurfsvollen Blicken der Leute, insbesondere der ansässigen Frauen ablesen. Belinda Lee kann man in "Mädchen des Lasters" ohne jeden Zweifel in einer ihrer schönsten und überwältigenden Rollen sehen, die britische Schauspielerin lebt erneut von ihrer unglaublichen Ausstrahlung. Die Regie baut sie mühelos als eine Art Prototyp der Schönheit und Verführung auf, sodass man trotz ihres mehr oder weniger verworfenen Charakters mit ihr mitfiebert und sich nur allzu gerne an die Hand nehmen lässt. Im Grunde genommen ist die Struktur dieses Films wie die vieler anderer französischer Beiträge dieses Musters, man bekommt eine eigentlich schlichte und einfache Geschichte angeboten, wie es sie dem Empfinden nach nur aus Filmen dieses Produktionslandes geben kann.

Früh darf man sich also darauf gefasst machen, dass der über Strecken recht unscheinbare Verlauf Dramatik hervorbringen wird, was sich logischerweise aus der Dreiecksbeziehung inklusive Nebenbuhlerin ergeben wird. In diesem Zusammenhang sieht man Darsteller, die wieder nur ihr Bestes geben. Daniel Gélin als Guillaume und sympathisch-verträumter Habenichts spielt authentisch, ja, um nicht zu sagen einfach nur blendend. Er hat sie wohl schönste Frau im Visier, die er jemals gesehen hat, doch weiß um seine nicht vorhandenen Möglichkeiten, ihr Interesse zu wecken. Sein bester Freund Henri alias Maurice Ronet, ein raubeiniger und sehr direkter Zeitgenosse, greift seine natürlich vorhandenen Chancen unmittelbar bei Linas Ankunft ab, schließlich hat er mehr Attribute und Züge von Männern, die der schöne Neuankömmling hinlänglich gewöhnt ist. Die Konfrontation ist daher vorprogrammiert, wird noch deutlich von den Familienmitgliedern und Einwohnern des Dorfes verschärft, sodass eine besonders pikant aufgeladene Spannung wahrzunehmen ist. Als Verstärker fungiert beispielsweise die aparte Dany Carrel in leichtfüßiger Spiellaune, oder die biedere Cousine von Guillaume, die die einzige ist, die Beschimpfungen gegenüber Lina in Worte fasst. Im darstellerischen Bereich gibt es schließlich hervorragende Leistungen zu sehen, doch Belinda Lee setzt dieser Handlung wieder einmal die Krone auf. Luis Saslavsky führt seine Interpreten ausgezeichnet und die Schönheit seines Beitrages ergibt sich im Endeffekt aus der Einfachheit und Schlichtheit des Ganzen. "Mädchen des Lasters" kommt ohne dramaturgische und sprachliche Klippen aus, ohne theatralische Anwandlungen und falsche Sentimentalitäten und daher darf man es sagen, dass dieser Film seine Opulenz mit eher einfachen Mitteln erreicht, wenngleich man handwerklich und inszenatorisch höchste Qualitätsansprüche ausfindig machen kann. Großes Kino!


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 Betreff des Beitrags: Das Kriminalmuseum - Der Schlüssel (1964)
BeitragVerfasst: 05.08.2016 13:40 
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● FOLGE 12 | DER SCHLÜSSEL (D|1964)
mit René Deltgen und Wolf Rathjen
sowie Peter Pasetti, Gisela Uhlen, Grit Böttcher, Günther Schramm,
Eva Pflug, Karl John, Olga von Togni, Hans Cossy, Fritz Schmiedel
eine Produktion der Intertel | im Auftrag des ZDF
Regie: Helmuth Ashley



Auf einem privaten Empfang bei Werner Vilessen, dem Generaldirektor eines Pharmakonzerns, kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall, da der Prokurist der Firma, Herr Mansfeld, aus dem Fenster von Vielessens Arbeitszimmer stürzt. Zuvor gab es mit anderen Mitgliedern des Vorstandes eine hitzige Diskussion, da herauskam, dass Mansfeld 420000 DM unterschlagen hat. Als Mansfeld eine runde Million verlangt, weil er ansonsten einen Betrug im großen Stil aufdecken würde, was gepanschte Präparate für Afrika angeht, kommt es anschließend zu dem tödlichen Zwischenfall. Kriminalinspektor Bracht hat nun zu klären, ob es sich wie behauptet um einen Unglücksfall handelt, oder doch um Mord...

Wie in jeder anderen Kriminalserie auch, lassen sich natürlich stärkere und schwächere Fälle ausfindig machen und Folge 12 gehört sicherlich zu der ersten Gattung. Helmuth Ashleys Inszenierung beginnt in einem gehobenen Ambiente, böse Zungen würden vielleicht behaupten, dass die Hautevolee zum Tanz auf dem Vulkan geladen hat. Während die Männer, ein Rudel aus rücksichtslosen und eiskalt kalkulierenden Geschäftsmännern, es nicht schaffen, das Geschäft an einem solchen Abend auch einmal Geschäft sein zu lassen, sitzen die übrig gebliebenen Frauen beieinander und versuchen gegen die gepflegte Langeweile anzukämpfen. Wahlweise tun das die Damen, indem sie sich hinterhältig aber kultiviert gegenseitig in der Luft zerreißen und man nimmt gepfefferte Wortspitzen wahr, bei denen insbesondere Grit Böttcher glänzen wird. Im Arbeitszimmer des Gastgebers brennt die Luft ebenfalls aufgrund einer Krisensitzung und wenig später bekommt der Zuschauer auch schon einen Toten serviert. Die Tatsache, dass es als Selbstmord deklariert wird hilft nicht über den Eindruck hinweg, dass man bei diesem Sturz aus einem der obersten Stockwerke des Gebäudes nachgeholfen hat, und auch die übersichtliche Anzahl an mutmaßlichen Tätern tut dem Thema Spannung und Brisanz von "Der Schlüssel" keinem Abbruch. Der tödliche Zwischenfall ruft schnell die ermittelnde Figur auf die Karte, die von René Deltgen hartnäckige und durchaus bissige Züge bekommt, allerdings besitzt er auch die Fähigkeiten sich situationsbedingt gut anzupassen, beispielsweise wenn er eher behutsam mit der Witwe Mansfeld spricht. Polizei und Zuschauer haben eigentlich keinerlei Zweifel daran, dass es sich um ein Verbrechen handelt, doch die Schwierigkeit besteht darin, es einer derartig eingeschworenen Gemeinschaft nachzuweisen.

Im Spektrum von Geld, Macht, Hass und Rücksichtslosigkeit sind in diesem Genre schon unzählige Verbrechen aufgezählt und aufgeklärt worden, Kriminalinspektor Bracht muss zunächst einmal alle Ansatzpunkte, sowie die unterschiedlichen Personen ordnen, um in diesem Fall weiter zu kommen. René Deltgen bestückt seinen Ermittler mit Routine und Erfahrungswerten, seine Spürnase bringt ihn intuitiv in die passende Richtung, sodass er auch am Widerstand der Personen, der sich hauptsächlich aus gesellschaftlich-konventionellen Gründen aufbaut, nicht scheitert. Peter Pasetti, erneut in weltmännischer Manier, stattet Generaldirektor Vilessen mit harten und unaufgeregten Zügen aus, seine Steigbügelhalter sind seine engsten Vertrauten in Form von gut aufspielenden Interpreten wie Günther Schramm und Hans Cossy. Besondere Momente bieten Gisela Uhlen als Frau Generaldirektor und Olga von Togni, die angepassten Ladies der High-Society, vor allem aber Grit Böttcher überrascht mit einem Ausbruch aus ihren üblichen Spielgewohnheiten. Permanent fällt die auch optisch vollkommen gewandelte Interpretin mit ihren angriffslustigen Kommentaren auf, die nur einen Zweck haben, nämlich unter die Gürtellinie zu treffen. Eine legitime Möglichkeit, um die Langeweile zu vertreiben. Eva Pflug und Karl John runden das aufgeladene Geschehen sachdienlich ab und man kann beruhigt der Arbeit der Polizei folgen, außerdem macht die Beschau der noblen Herrschaften großen Spaß, da sich die meisten winden und an Schadensbegrenzung interessiert sind. Bis es schließlich zur Auflösung in Rückblendenform kommen kann, werden zuerst noch etliche Personen entlarvt und demaskiert, falls nicht im kriminalistischen Sinne dann aber wenigstens im moralischen. "Der Schlüssel" ist ein sehr sehenswerter der 13 Beiträge des Wiener Regisseurs Ashley für "Das Kriminalmuseum" geworden, der innerhalb der Konkurrenz hervorsticht.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS WERDEN WIR JA SEHEN!? - Prismas Filmtagebuch
BeitragVerfasst: 05.08.2016 14:11 
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Ja, sehenswert. Nur die Aufnahmen in der Villa sind leider so dunkel auf der DVD, dass es fast keinen Spaß mehr macht. Das Filmmaterial war wohl schlecht gelagert, schade. Die Außenaufnahmen sind gut erhalten.

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FILM MÄG, Print-Fanzine im 11. Jahrgang

"Danach kam ja nur noch der subventionierte Staatsfilm."
(Herbert Fux. Er meinte die Zeit ab Mitte der 70er.)


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 Betreff des Beitrags: Rose Bernd (1957)
BeitragVerfasst: 21.08.2016 23:16 
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Maria Schell   in

ROSE BERND

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● ROSE BERND (D|1957)
mit Raf Vallone, Käthe Gold, Leopold Biberti, Hannes Messemer,
Arthur Wiesner, Krista Keller, Siegfried Lowitz, Helmut Brasch
eine Produktion der Bavaria Filmkunst | im Schorcht Filmverleih
nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Gerhart Hauptmann
ein Film von Wolfgang Staudte

»Man kann keine Blumen von Tapeten pflücken«

Nach der Vertreibung aus ihrer schlesischen Heimat haben Rose Bernd (Maria Schell) und ihr Vater (Arthur Wiesner) in einem kleinen westdeutschen Dorf eine neue Heimat gefunden. Auf einem Gutshof arbeitet Rose als Magd und sie wird schnell unentbehrlich, nicht zuletzt weil sie sich rührend um Henriette (Käthe Gold), die gelähmte Frau des Gutsbesitzers Christoph Flamm (Leopold Biberti) kümmert. Roses Schönheit und Unbefangenheit erhitzen allerdings auch die Gemüter vieler ansässiger Männer des Dorfes, so zum Beispiel den Baggerführer Arthur Streckmann (Raf Vallone), der ihr sehr zum Missfallen ihres frommen Vaters nachstellt wo er nur kann, vor allem, weil Arthur auch andere Liebschaften zu pflegen scheint. Herr Bernd würde seine Tochter lieber als Ehefrau des Buchdruckers Keil (Hannes Messemer) sehen, dem allerdings ein Ruf als Schwächling vorauseilt. Als eines Tages herauskommt, dass Rose ein Kind erwartet, verändert sich alles schlagartig. Um die wahre Identität des Vaters zu verschweigen und um einen Skandal zu vermeiden, kommt es schließlich zu einer schrecklichen Tragödie...

Wolfgang Staudtes Verfilmung nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Gerhart Hauptmann kann zu den großen Klassikern des deutschen melodramatischen Nachkriegsfilms gezählt werden. Die Produktion wartet mit großer Star-Besetzung auf, zudem erhielt "Rose Bernd" seinerzeit das Prädikat »besonders wertvoll«. Geschildert wird eine im Prinzip einfache Geschichte über ausweglose Situationen, moralische Korsetts und unberechenbare Launen des Schicksals, die ihre Brisanz vor allem aus den überaus dichten Charakterdarstellungen gewinnen. In diesem Zusammenhang ist vor allem Maria Schell in der Titelrolle zu nennen, die man in einer überragenden Interpretation bestaunen kann und die ihre Figur gleichzeitig unnachahmlich prägt. Die Dienstmagd, die nach ihrer Vertreibung aus der schlesischen Heimat ein neues Leben aufbauen konnte, stellt sich schnell als Elixier dieses Verlaufs heraus. Das Sprichwort, dass man überall etwas besseres findet als den Tod, wird hier zwar nicht vollkommen umgekehrt, gewinnt im weiteren Verlauf aber einen ernüchternden Beigeschmack. Man sieht den Niedergang einer Person, die voller Lebensfreude, naiver Träumerei, kindlichem Temperament und Güte steckte. Zunächst breitet sich die komplette idyllische Breitseite des Szenarios aus, schließlich hat man doch eine Ahnung davon, dass Rose und ihr Vater schwere Zeiten hinter sich gelassen haben. Im neuen Umfeld sind sie geschätzt und anerkannt und das Leben nimmt weitgehend unbeschwerte Züge an. Die dunklen Schatten eilen diesen trügerischen Impressionen allerdings voraus; schon bald kommt es zu Bedrängnis und schließlich zum Eklat. In diesem Zusammenhang mobilisieren sich die bestehenden Gesetze der Provinz und nehmen gnadenlose Formen an, nicht zuletzt unter Aufschlüsselung des Verhältnisses, der Rechte und Pflichten zwischen Mann und Frau, beziehungsweise Gutsherrn und Habenichts.

Starre Moralvorstellungen und prompt erhobene Zeigefinger stellen erst gar nicht explizit die unbequeme Schuldfrage. Es muss nur eine Schuldige her, die mit Rose auch schnell gefunden ist. Die von Maria Schell interpretierte Titelfigur bewegt sich für den Zuschauer oftmals jenseits jeglichen Verständnisses, doch geht von ihr eine selten zu findende Offenheit gegenüber Jedermann aus, die, wie das Leben so spielt, von den meisten ihrer Zeitgenossen schamlos ausgenutzt wird. In diesem Zusammenhang wird sie vor allem darauf reduziert, dass sie eine Frau ist, die durch ihre mutmaßlich auffordernde Art gleich die komplette Verantwortung in die Schuhe geschoben bekommt. Wer kann einem sich bietenden Vergnügen widerstehen, wenn es sich doch anscheinend wie Rose auf einem Silbertablett präsentiert? Maria Schell löst ihre schwierige Aufgabe blendend und es sieht erneut so aus, als spiele sie ihre Fähigkeit, mit ihrer jeweiligen Rolle eins zu werden klassisch aus. Von ihr geht eine hohe Glaubwürdigkeit aus, aber auch genügend Tiefe, um in die Sphären des klassischen Dramas eintauchen zu können. Hinzu kommt, dass sie es naturgemäß erreicht, dem Zuschauer Mitgefühl und Anteilnahme zu entlocken, was mitunter auch die Basis für die Geschichte darstellt. An ihrer Seite sieht man namhafte Interpreten des deutschen Kinos und hierbei fällt die Verpflichtung des Italieners Raf Vallone ein wenig aus der Reihe, aber eben nur weil er als einziger internationaler Star zwischen einer nationalen Besetzung zu sehen ist. Gerade diese Tatsache unterstreicht den Eindruck eines Außenseiters, der in der Geschichte genau wie Rose offensichtlich immer den steinigen Weg zu gehen hat, wobei die Personen des Umfeldes aber mit Vorliebe Schützenhilfe leisten. Vallone hinterlässt schließlich einen blendenden Eindruck und verleiht der im Grunde trostlosen Geschichte zusätzliche Spannung und den Zündstoff, der nötig ist, um in die anvisierte Katastrophe zu steuern.

Mit Käthe Gold sieht man eine weitere große Interpretin, die im deutschen Kino dieser und der kommenden Zeit leider viel zu zaghaft eingesetzt wurde. Die gefeierte Theater-Mimin stellt sich als eine der wenigen Personen des Geschehens heraus, die für Werte stehen, ohne dabei aber rührselig oder verlogen anzumuten. Ihre Interpretationsgabe leuchtet buchstäblich im Geschehen hervor und setzt Akzente, die diese Adaption dringend nötig hatte, um aufgrund der vereinnahmenden Rolle Maria Schells nicht zu kopflastig zu werden. Mit Leopold Biberti, Siegried Lowitz oder Hannes Messemer schaut man auf weitere Charakterdarsteller, die ihre Sache sehr ernst nehmen und für Routine und Überzeugung stehen. Interessant ist vielleicht noch der kleine Auftritt einer gewissen Krista Keller, die sich später einen Namen in bekannten TV-Formaten machen sollte. Die Besetzungsfragen lösen sich durch hervorragende Darbietungen wie von selbst, auch die Schauspieler-Führung durch Regisseur Staudte ist sehr gelungen, sodass der Film von einer Dichte zehren kann, die man nur bei Klassikern findet. Der Verlauf beschäftigt sich intensiv mit schicksalsträchtigen Geschehnissen und rhetorischen Fragen, die nur das Leben höchstpersönlich zu stellen pflegt. Die überdurchschnittlich gute Inszenierung stellt hohe Ansprüche in so gut wie allen Bereichen und auch wenn man sich hin und wieder bei zu vielen mitleidigen Blicken ertappt, kommt man nicht umhin, diesem Drama von Anfang bis Ende zu folgen. Dies liegt, um es nochmals zu betonen, vor allem an der universellen Bereitschaft von Hauptdarstellerin Maria Schell, wesentlich mehr anzubieten, als man grundsätzlich erwarten dürfte. "Rose Bernd" ist im Endeffekt eine traurige Geschichte, deren Brisanz sich immer wieder durch zunichte gemachte Lichtblicke und Personen, die man selbst kennen könnte, aufbäumt und man letztlich nicht mit dem Eindruck alleine gelassen wird, dass die Frage nach der Moral von der Geschicht' ebenfalls eine rhetorische gewesen ist.


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 Betreff des Beitrags: Kreuzfahrt des Grauens (1971)
BeitragVerfasst: 03.09.2016 02:50 
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Herbert Fux   Ann Smyrner   in

KREUZFAHRT DES GRAUENS

● ORE DI TERRORE / KREUZFAHRT DES GRAUENS / DIE TODESYACHT (I|D|1971)
mit Karin Schubert, Rainer Basedow, Mario Novelli, Paolo Magalotti, Léa Nanni, Hansi Linder und John Barclay
eine Produktion der Admiral International Films | Studio Hamburg Filmproduktion
ein Film von Gudio Leoni


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»Sie sollten alle Angst haben!«

Eine Clique von reichen Herrschaften aus Wirtschaft und Politik fasst eine Kreuzfahrt ins Auge, bei der allgemeines Vergnügen und das Vertiefen geschäftlicher, sowie einschlägiger Kontakte im Vordergrund stehen soll. Nach kurzer Zeit liest die dekadente Truppe drei Schiffbrüchige auf hoher See auf, doch aus der Rettung wird schnell ein waschechter Alptraum, da es sich bei den drei Männern ganz offensichtlich um Geistesgestörte handelt, die einer Strafanstalt entflohen sind. Plötzlich folgt ein bestialischer Mord und die Crew gerät in die Gewalt des Anführers Professor Martin (Herbert Fux), der sich die Zeit ab sofort mit perfiden Psycho-Spielen vertreibt und einige der Personen erniedrigt, quält und gegeneinander ausspielt. Wer hat die schlechtesten Karten in diesem Tauziehen um Leben und Tod..?

Der Titel "Kreuzfahrt des Grauens" steht sowohl vielversprechend als auch verheißungsvoll für eine Fahrt ins Ungewisse, die der Zuschauer unter den bestehenden Voraussetzungen bereitwillig annimmt. Alleine das Setting wirkt wie eine Garantie im Rahmen der bestehenden Erwartungshaltung, kreuzt sich doch ein unausweichliches Vakuum mit der Dekadenz und den Spleens der sich zur Schau stellenden Hautevolee auf dieser Yacht. Alleine unter diesen Rahmenbedingungen ist Zündstoff und Konfrontation schon vorprogrammiert, falls man aber noch drei schiffbrüchige Wahnsinnige aufgabelt, ist der Wahnsinn im Quadrat so gut wie perfekt. Bleibt man beim Titel, wird man beim Betrachten des Verlaufs und vor allem des Finales sicherlich nicht vollkommen zufriedengestellt, bleiben doch drastische Veranschaulichungen und neue Erfindungen zwischen Sex, perfiden Spielereien und Geistesgestörtheit aus, aber man kann diesem eigenartigen Experiment von Regisseur Gudio Leoni dennoch attestieren, dass es sich um eine nicht alltägliche Panorama-Fahrt übers Meer handelt. Im Großen und Ganzen stimmen die hier angebotenen Zutaten, um einen bedeutenden Unterhaltungswert zu kreieren, nichts wirkt eigentlich nachvollziehbar oder gar wahrscheinlich, aber genau das stellt schließlich das Elixier dieses Films dar. Eine krude Geschichte, bizarre Protagonisten und unlösbare Fragen, deren Antworten nicht einmal der Wind kennt, bieten ein Roulette zwischen Zustimmung und Abneigung an, sodass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass die Geschichte total floppen, aber auch zum Volltreffer mutieren kann. Die Personen auf der Yacht bilden letztlich das Epizentrum der Verwirrung und in diesem Zusammenhang darf man hauptsächlich irritiert bis ungläubig auf bekannte Darsteller schauen, deren Leistungen erst einmal geordnet werden müssten.

Die Dramaturgie sieht bei dieser ziellosen Fahrt ausschließlich deutliche Stempel vor, die den Beteiligten aufgedrückt werden, allerdings ist die Ausführung ihre Sache. Mit einem guten alten Bekannten namens Herbert Fux, der ganz offensichtlich alles spielen konnte und das auch noch überzeugend, fühlt man sich auf der sicheren Seite. Auf den limitierten Orbit dieser Produktion bezogen, entstehen hierbei kleinere bis größere Momente, die ebenso erstaunt als auch ungläubig zur Kenntnis genommen werden dürfen und vor allem die Dialoge, in Verbindung mit einer Freude spendenden Synchronisation vertreiben die Zeit sehr gut und kurzweilig. Die Filmgeschichte dokumentierte dem Empfinden nach unzählige Schwanengesänge von Schauspielern, die genau in Produktionen dieses Kalibers ihren vermeintlich tiefsten Karrierepunkt kennenlernen mussten und hierbei ist gedanklich nicht an der Partizipation von Ann Smyrner vorbeizukommen, die in ihrem letzten Spielfilm vor ihrem wenig später vollstreckten Karriere-Ende zu sehen ist. Smyrners Darbietung bleibt schlussendlich nichts als Auslegungssache. Einerseits agiert sie selbstverständlich vollkommen fernab ihres obligatorischen Einsatzgebietes, bei dem unterm Strich stets die Rolle der Sympathieträgerin übrig blieb, aber andererseits beobachtet man die Dänin ausnahmsweise einmal nicht unter dem Siegel der Uniformität, sodass sie mit Facetten aus dem Dunstkreis der verhaltenen Schmuddel-Mottenkiste überraschen kann. Ordinär und verschlagen will Ann Smyrner hier jedenfalls sehr gut stehen, aber zu diesem Frauentyp lässt sich zumindest auf diesem Schiff absolut kein Pendant aufspüren. Karin Schubert drückt lediglich ein bisschen mehr auf die Tube und wartet mit zusätzlichen Talenten, respektive Reizen auf, die ihre dänische Kollegin bis zuletzt verbergen sollte. Karin Schubert gestaltet ihre zugegebenermaßen anspruchslose Rolle jedenfalls so, dass man sie mit den eigenen Blicken ausziehen würde, wenn sie einem nicht zuvor käme.

Die weiteren offenherzigen bis schmierigen Rollen wurden mit mehr oder weniger bekannten deutschen und italienischen Darstellern besetzt, die sich willen- und hüllenlos dem Konzept der Geschichte beugen. In diesem Zusammenhang ist vielleicht Rainer Basedow zu erwähnen, der mit einem nahezu byzantinischen Anti-Charme auffällt. Geht man zurück zur Quintessenz der Story, also dem Auflesen der drei Geistesgestörten Schiffbrüchigen und deren weiterem Handeln, bewegt man sich absolut fernab von logischem Fahrwasser, woraus der Verlauf aber erst gar keinen Hehl zu machen versucht. Ein bestialischer Mord geschieht, doch die Reaktionen aller Personen an Bord geben unlösbare Rätsel auf. Entsteht Chaos, kommt es zu Hysterie oder Panik? Nichts dergleichen will passieren und man geht unbeirrt seinen Trieben und Launen nach, dem Zuschauer werden immer wieder kleinere Orgien und ekstatische Momente geboten. Man pfeift auf Bestürzung und Moral, schließlich ist man zusammengekommen um ausgiebig zu feiern und Bäumchen-wechsle-dich-Spielchen nachzugehen. Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, Gudio Leoni geht bei der Exposition grundsätzlich zu zahm und verhalten vor, es mangelt zugunsten wirrer Inhalte an Spannung und Stringenz, außerdem fehlt der ultimative Aha-Effekt. Dennoch weiß dieses eben nicht herkömmliche Filmchen aus nahezu unerfindlichen Gründen zu unterhalten, ja, beinahe zu fesseln, was sicherlich zu Erklärungsnöten führen würde, vorausgesetzt man wollte sich hier alles pragmatisch klären. Fakt ist, dass es keine Erläuterungen für das Dargebotene gibt und dass offensichtlich auch niemand daran interessiert war. Unterm Strich regt "Kreuzfahrt des Grauens" schließlich die eigene Fantasie an, da man einfach nicht begreifen will, wie es denn eigentlich zu solch einem Produkt in genau dieser Mache kommen konnte. Bei Gefallen des Films erübrigt sich jedoch auch diese rhetorische Frage und der eigene miese Geschmack scheint letztlich unsinkbar zu sein.


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 Betreff des Beitrags: Der scharfe Heinrich (1971)
BeitragVerfasst: 03.09.2016 23:03 
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DER SCHARFE HEINRICH

● DER SCHARFE HEINRICH / DER SCHARFE HEINRICH - DIE BUMSFIDELEN ABENTEUER EINER JUNGEN EHE (D|1971)
mit Grit Boettcher, Horst Frank, Marlene Rahn, Gunther Malzacher, Gaby Fuchs, Rüdiger Bahr und Helga Kruck
eine Produktion der Caro Film | Roxy Film | im Inter Filmverleih
ein Film von Rolf Thiele


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»Denn die Ehe besteht keineswegs nur aus Flitterewochen!«

Der Zahnarzt Heinrich Müller (Horst Frank) und seine Frau Sabine führen ein gut situiertes und bürgerliches Leben mit zwei Kindern, dem nach einigen Jahren Ehe allerdings das Feuer fehlt. Insbesondere Heinrich sehnt sich nach Abwechslung und nimmt die unfreiwillige Offerte seiner Frau an, es einmal mit Partnertausch zu probieren. Da es Sabine mit diesem Vorschlag nicht gerade ernst war, es aufgrund der Euphorie ihres Mannes aber kein zurück mehr gibt, arrangiert sie sich mit der Situation und es werden zwei Pärchen per Annonce eingeladen, die dem Experiment und möglichem Gruppensex nicht abgeneigt sind. Der vielversprechende Abend entwickelt sich allerdings vollkommen anders als erwartet und die angeschlagene Ehe von Sabine und Heinrich wird auf eine weitere Probe gestellt...

Diese Erotik-Komödie aus dem Jahr 1971 reiht sich in eine lange Liste von Produktionen gleichen Strickmusters ein, die von Rolf Thiele meistens routiniert, vor allem aber weitgehend uniform inszeniert wurden. "Der scharfe Heinrich" neigt wie viele seiner Konkurrenten dazu, dem Zuschauer zu viel zu versprechen, beziehungsweise etwas zu suggerieren, das nicht in aller Konsequenz stattfindet, wenn überhaupt. Da Thiele gerne für Filme mit halb-erotischen Inhalten gebucht wurde, kann man ihn gerade zu dieser Zeit sicherlich als Experten bezeichnen, dennoch hat der Regisseur es in den seltensten Fällen geschafft, sein halbseidenes Rad neu zu erfinden. Immer noch von dem 1958 entstandenen Erfolg "Das Mädchen Rosemarie" zehrend, wurden Erotik-Filme und Geschichten mit satirischen Elementen, oder gleich derartige Hybride zu seiner Domäne und in diesem Beitrag machen sich deutliche Abnutzungserscheinungen bemerkbar, die seine Bearbeitung als bieder, halbherzig und im Grunde genommen vermessen entlarven. Sicherlich hat "Der scharfe Heinrich" seine Momente, die im Rahmen von gelungener Situationskomik und guten inszenatorischen Kniffen glänzen, doch insgesamt kann der offensichtliche Mief vom sogenannten "Opa's Kino" nicht verborgen werden. Anfang der 70er-Jahre gab es bereits eine Schwemme von Filmen, die dem sensationsgierigen Zuschauer mehr Attraktionen und nackte Tatsachen zu bieten hatten, als dieser Film, dessen überwiegend komödiantische Elemente mit einer Sex-Mischung gekreuzt wurden, die niemanden in Ekstase bringen kann. In diesem Zusammenhang hatte man mit Grit Boettcher und Horst Frank schon die falschen Hauptdarsteller an Bord, aber bei Rolf Thiele muss ja wenigstens anerkennend betont werden, dass Nadja Tiller nicht zum unzähligsten Mal vor seine angeblich bumsfidele Karre gespannt wurde.

Boettcher und Frank spielen eigentlich sehr ansprechend denn es ist ein hohes Niveau an Anpassungsfähigkeit zu bemerken. Leider bleiben mit derartig renommierten Darstellern verkrampfte Tendenzen nicht aus, weil sie sich naturgemäß nicht komplett auf dem erotischen Nährboden niederlassen. Marlene Rahn und Gaby Fuchs werden es in dieser Beziehung schon richten, so denkt man zumindest, aber man verspürt wenig erotisches Knistern, da die Pointe um den Partnertausch endlos hinausgezögert wird und die Bombe nicht platzen will. Insbesondere Grit Boettcher stellt überraschenderweise ein klassisches komödiantisches Repertoire zur Schau und es darf hin und wieder geschmunzelt werden, vor allem weil Situationen von ihr gedanklich aus dem Off kommentiert werden. Auch Horst Frank reiht sich hier vielleicht nicht mühelos, aber schließlich überzeugend ein, allerdings will man ihm den mutmaßlichen Lüstling mit Ehe übergreifenden Fantasien am Ende doch nicht so recht abkaufen. Es entsteht also ein permanentes Hin und Her mit zahlreichen Turbulenzen, die der normale Alltag fabriziert. Überdurchschnittlich viele Szenen laufen hier in Zeitraffer ab, was zunächst sehr auflockernd wirkt, sich jedoch mit fortlaufender Zeit schnell abnutzt. Die eingeladenen Pärchen sorgen für ein paar pikante Momente, beim Strip-Poker wird der Grundstein für mehr gelegt, aber auch hier geschieht im Endeffekt nicht viel, sodass man ernüchtert zu dem Schluss kommen will, dass eine (ausgebliebene) Orgie niemals langweiliger gewesen ist. "Der scharfe Heinrich" ist ein recht typisches Kind seiner Zeit geworden, das durch stilistische Kompetenzen alsl weitgehend kurzweilig empfunden werden kann, sich aber entscheidende Schritte in den Bereichen Exposition und Abgrenzung zu identischen Filmen beinahe vollkommen aufspart. Rolf Thiele ist seinem Namen also wieder einmal alle Ehre gemacht und man darf daher beinahe schon von einer weiteren schlüpfrigen Expertise des Meisters sprechen.


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 Betreff des Beitrags: 00 Sex am Wolfgangsee (1966)
BeitragVerfasst: 06.09.2016 23:44 
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Waltraut Haas   Erwin Strahl   Hans-Jürgen Bäumler   in

00 SEX AM WOLFGANGSEE

● 00 SEX AM WOLFGANGSEE / HAPPY END AM WOLFGANGSEE (A|1966)
mit Helga Anders, Judith Dornys, Paul Löwinger, Rolf Olsen, Franz Muxeneder, Raoul Retzer und Gunther Philipp
ein Neue Delta Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Franz Antel


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»Reizend? Geschmacklos!«

Hotelier James Sander (Erwin Strahl) ist der begehrteste Junggeselle von St. Gilgen und er kann sich die hübschesten Mädchen aussuchen, die er gerne in seinem eigenen Hotel unterbringt. Um angeblich Ordnung in seine Finanzen zu bringen, wird die Steuerberaterin Hilde Moll (Waltraut Haas) beauftragt, ihm beizustehen, die sich nach kurzer Zeit Hals über Kopf in ihn verliebt. Sie arbeitet einen Plan aus, um ihn für sich zu gewinnen. Zur gleichen Zeit ereignet sich im Hotel eine Maskerade, denn die hübsche Bibi (Helga Anders) schlüpft in die Rolle ihres erkrankten Bruders, um in der Band von Mike (Hans-Jürgen Bäumler) als Schlagzeuger einzuspringen. Sie versucht alles, um nicht aufzufliegen, doch sie hat die Rechnung ohne Mike gemacht, der sich ganz offensichtlich sehr für sie interessiert...

Und plötzlich war es da, dieses unbändige Ding aus dem Sumpf der handelsüblichen Verwechslungskomödien, beziehungsweise vom Wolfgangsee, obendrein inszeniert von Franz Antel, der sich in diesem Bereich längst einen bekannten Namen gemacht hatte. Gut, fairerweise sollte man das bestehende Zeitfenster betrachten, in dem derartige Beiträge mit diversen Schlager-Einlagen en masse produziert wurden und dem Vernehmen nach auch erfolgreich in den Kinos liefen, aber 1966 war die Hochkonjunktur so gut wie vorbei, sodass man es bei diesem Film mit seinem denkbar dämlichen Titel nicht gerade leicht gemacht bekommt, ihm etwas Positives abzugewinnen. Letztlich sind es immer und immer wieder beliebte Darsteller, die das Anschauen ermöglichen und bestenfalls halb so schlimm machen, doch hier wird man auf eine recht harte Probe gestellt, da die Hauptrollen mit den persönlichen Horror-Kandidaten Waltraut Haas und Erwin Strahl besetzt wurden, die sich hölzern, verkrampft und bieder durch die malerische Kulisse schleppen. Der Titel dieses Beitrags will einen Bezug zu "James Bond" herstellen, der auch immer einmal wieder in diesem Lustspiel namentlich erwähnt wird und typische Spielereien abgekupfert wurden, doch das Lachen hält sich definitiv in Grenzen, beziehungsweise findet erst gar nicht statt. Wenig geistreich wird eine Geschichte erzählt, die nicht nur bereits dutzendfach dagewesen ist, sondern sich auch noch mit peinlichen Momenten aufdrängt, dass es manchmal zur Geduldsprobe wird. Die Thematik der gegenseitigen Findung durch die verschiedenen Protagonisten wirkt plump und abgedroschen. Sowohl die Verwandlung der grauen Maus in einen Hingucker, als auch die Maskerade des attraktiven Pendants fangen an zu langweilen, bevor es überhaupt so richtig angefangen hat, außerdem wirkt alles über die Maßen determiniert und folglich bleiben Überraschungen aus.

Die österreichische Produktion tischt dem ungläubigen Zuschauer niemand anderen als Erwin Strahl als von allen Seiten begehrten Playboy auf, was bei diesem Interpreten ja quasi einen Denkfehler in sich darstellt. Ohne Charme, Agilität und vor allem Spiellaune, wird die Darbietung bei fortlaufender Zeit immer unglaubwürdiger, beziehungsweise ermüdender. Auch seine bekannte Partnerin Waltraut Haas, hier der Geschichte wegen als Mauerblümchen zurecht gemacht, will nicht so recht überzeugen, oder besser gesagt gefallen, da ihre biedere Ader nur noch eklatanter heraus schimmert. Hans-Jürgen Bäumler hingegen macht seine Sache ganz ordentlich, genau so wie beispielsweise die hübsch anzusehende Judith Dornys oder Rolf Olsen himself. Helga Anders in der Rolle der einerseits temperamentvollen jungen Frau und des andererseits zurückhaltenden Knaben, der sich somit in eine Männer-Band hinein mogelt, spielt die eigentliche weibliche Hauptrolle sehr solide und man betrachtet sie in gewohnt guter Spiellaune. Allerdings ist es die simple Anlegung ihrer Rolle, die zu gewissen Abstrichen verleitet. In einer derartigen Produktion dürfen selbstredend Namen wie Gunther Philipp, Paul Löwinger oder auch Franz Muxeneder nicht fehlen, die den Haudrauf-Humor subversiv vorantreiben. Gut, Turbulenzen, Verwechslungen, Gags und Musik stellen die Zutaten dar, die dem Zuschauer so einfach wie möglich die Zeit vertreiben sollen und eigentlich präsentiert sich der Film aufgrund seines Tempos und der schönen Bilder ja auch in kurzweiliger Manier. Trotzdem reicht es nur für einen eher mäßigen Gesamteindruck, da sich nichts Neues bietet und sich die Gewissheit breit macht, dass alles bereits mehrfach und vor allem besser dagewesen ist. Franz Antels Konzept, sich auf der sicheren Seite bewegen zu wollen, fällt daher insgesamt leider komplett durch und man hat als Zuschauer sicherlich nicht viel versäumt, wenn man "00 Sex am Wolfgangsee" einfach auslässt.


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 Betreff des Beitrags: Angeklagt nach § 218 (1966)
BeitragVerfasst: 08.09.2016 07:28 
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ANGEKLAGT NACH § 218

● DER ARZT STELLT FEST... / ANGEKLAGT NACH § 218 (CH|D|1966)
mit Tadeusz Łomnicki, René Deltgen, Charles Regnier, Sabine Bethmann, Margot Trooger, Dieter Borsche,
Franz Matter, Fred Tanner, Margret Neuhaus, Ursula Heyer, Vera Jesse, Peter Kummer, Beate Tschudi, u.a.
eine Produktion der Praesens Film | CCC Filmkunst | Fono Film | im Nora Filmverleih
ein Film von Aleksander Ford


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»Wir begegnen dem Leid der Frauen Tag und Nacht, in allen seinen Schattierungen«

Dr. Maurer (Tadeusz Łomnicki) ist leitender Oberarzt an einer Züricher Klinik und seine Arbeit bringt es mit sich, dass er mitunter mehrere Schicksale kennenlernt, bei denen ihm als Arzt die Hände gebunden sind. Wenn Schwangerschaften zu unkalkulierbaren Risiken für die Mütter und komplette Familien werden, sind seine Mittel der Hilfestellung für ihn sehr begrenzt. Als eines Tages eine Patientin und bereits dreifache Mutter an den Folgen eines Schwangerschaftsabbruches durch einen Kurpfuscher stirbt und er vor Gericht aussagen muss, beginnt eine schwere berufliche Krise, in der er seine gesamten Grundsätze in Frage stellt...

Der erste Blick auf den Titel dieser Produktion legt vielleicht zunächst den Gedanken an Kolportage oder Groschenroman-Niveau nahe, aber überraschenderweise bietet Aleksander Fords halb-dokumentarisches Medizin-Drama eine völlig andere Marschrichtung an, als erwartet. Zugunsten einer gewissen sterilen Abhandlung und einer deutlichen Portion Pragmatismus, sieht der Zuschauer einen Aufklärungsfilm, der die gerade damals heikle Thematik anhand einiger Einzelschicksale durchleuchtet und viele Möglichkeiten aufzeichnet. Der Grundtenor von "Angeklagt nach § 218" ist über die gesamte Spielzeit sehr kritisch, denn für die Patientinnen werden überaus logische, wenn nicht sogar drastische Schlussfolgerungen aus den ungenügenden Hilfsangeboten gezogen, die durch starre Moral und gesetzliche geregelte Korsetts aufrecht erhalten werden. Ungewöhnlich sind die vielen Veranschaulichungen im Rahmen von einkopierten Archivmaterial, wie etwa Geburten in der Frontale oder erste Hilfe im Kreißsaal, die zum Teil sehr unbehagliche Phasen entstehen lassen, wenn man beispielsweise dabei mitfiebern muss, ob die Ärzte das Leben eine Neugeborenen bei Komplikationen retten können. Sicherlich sieht ein Unterhaltungsfilm ganz anders aus, aber die Jahre haben es gezeigt, dass gerade in diesem Bereich recht wenige, wirklich ambitionierte Beiträge zu finden waren. Trotz einer beeindruckenden Darsteller-Riege erlebt man unter Ford eine deutliche Abkehr vom klassischen Star-Kino. Hierbei greift insbesondere die Besetzung der Hauptrolle durch den polnischen Schauspieler Tadeusz Łomnicki und der gleichzeitigen Entscheidung gegen einen bekannten Publikumsliebling, der bei solchen Gelegenheiten meistens als strahlender Held aufgebaut wurde. Łomnicki hingegen irritiert förmlich mit einer durch und durch sachlichen Attitüde, er erarbeitet sich seine Sympathien durch die tägliche Arbeit und seine beruflichen Erfolge.

Mit ihm wird man also keine melodramatischen Anwandlungen erleben, die das Anliegen der Produktion verwässern könnten und so erlebt man eine Performance fernab von Höflichkeit, Phrasen und vielleicht sogar Sympathie, die gerade durch diese unterschiedliche Anlegung begrüßenswerte Akzente setzt und somit im Gedächtnis bleibt. Die bekannten deutschen Stars im Geschehen sieht man lediglich in Etappen, in den meisten Fällen also in eher kurzen Auftritten. Allround-Talente wie René Deltgen, hier als praktischer Arzt, der unter Anderem Verhütungsmittel erklären wird, oder Charles Regnier als völlig emotionsloser Chef der Klinik, färben ihre Rollen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen und wirken überaus glaubhaft. Dieter Borsche, Margot Trooger und Sabine Bethmann haben jeweils nur einen kurzen Auftritt, was der Wiedersehensfreude allerdings keinen Abbruch tut, weil sie sehr prägnant wirken. Des Weiteren ist vielleicht noch das Auftauchen von Synchronstimmen-Größe Ursula Heyer zu erwähnen. Die Besetzungsfragen sind in diesem 1966 erschienenen Spielfilm also recht gut gelöst worden und die Auftritte bekannter Namen wirken insgesamt gegen die bestehende Möglichkeit, dass die gesamte Angelegenheit zu kopflastig im Sinne von zu eintönig ausfällt. Im Großen und Ganzen wirkt die Inszenierung daher recht stimmig und schneidet gleich mehrere Themenkomplexe gleichzeitig an, die die anvisierte Brisanz unterstreichen, wenngleich das Fazit aufgrund mangelnder Lösungsansätze eher uneindeutig bleibt. Zuschauer, die auf handelsübliche Exposition oder reißerische Szenen spekulieren, werden in Aleksander Fords Beitrag sicherlich nicht das finden, was vielleicht zu erwarten gewesen wäre, aber der Film überzeugt insgesamt wegen seiner ernsthaften Ansatzpunkte, die tatsächlich mehr informativ als langatmig erscheinen, und wenn es nur zeitbezogen ist. "Angeklagt nach § 218" bietet somit alternative, wenn nicht sogar liberale Seheindrücke an, die durchaus einen gezielten Blick wert sind.


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 Betreff des Beitrags: Die Wölfin vom Teufelsmoor (1978)
BeitragVerfasst: 11.09.2016 11:13 
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John Phillip Law   Florinda Bolkan   in

TOD IM NOVEMBER

● TOD IM NOVEMBER / DIE WÖLFIN VOM TEUFELSMOOR (A|1978)
mit Siegfried Wischnewski, Claudia Rieschel, Guido Wieland, Hans-Dieter Jendreyko, Edd Stavjanik, Bruno Thost,
Herbert Probst, Karl Hellmich, Inge Toifl, Gustav Schneller, Hans Habientinek, Trude Marlen Albach-Retty, u.a.
eine Produktion der Wolfgang Odelga Filmproduktion | Wien-Film | Star Film | im C. Schmidt/Ring Filmverleih
ein Film von Helmut Pfandler


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»Ich glaube, Sie leiden unter Verfolgungswahn!«

Der Vermessungsingenieur John Vanetti (John Phillip Law) wird im Auftrag der Regierung in ein kleines Dorf im Norden Österreichs abgestellt, um dort Vorbereitungen für den Bau von Industrieanlagen zu treffen. Doch ihm stellen sich zahlreiche Probleme in den Weg, da die misstrauische und überaus abergläubische Landbevölkerung ihn als Eindringling ansieht. Die einzige Unterstützung erhält er ausgerechnet von der als berüchtigte Hexe angesehenen Walpurga (Florinda Bolkan), von der er sich außerdem magisch angezogen zu fühlen scheint. Vanettis Arbeit will nicht so richtig in Gang kommen, da in seinem Umfeld plötzlich unerklärliche Dinge geschehen, außerdem kommt es zu einer Reihe von mysteriösen Todesfällen. Haben diese Geschehnisse tatsächlich einen widernatürlichen Ursprung und hat Walpurga damit zu tun? Für die aufgebrachten Bewohner des Dorfes ist jedenfalls klar, dass es für die Geschehnisse nur einen Schuldigen geben kann, und dieser heißt John Vanetti...

Es gibt unzählige Filme, die zurecht in der Versenkung verschwunden sind, wenn sie in vielerlei Hinsicht eine eindeutige Sprache sprechen. Bei "Die Wölfin vom Teufelsmoor" handelt es sich ebenfalls um einen Beitrag der in Vergessenheit geraten ist, doch bei Betrachtung des überaus interessanten Ergebnisses muss man sagen, dass dies augenscheinlich zu Unrecht geschehen ist. Regisseur Helmut Pfandler blickt auf keine sehr lange Filmografie zurück und bei diesem 1978 entstandenen Beitrag handelt es sich bereits um seine vorletzte Arbeit, doch wie bereits angedeutet, ist diese Komposition beachtenswert. Tief verwurzelt mit den bestehenden Gesetzen des einschlägig bekannten Heimatfilms, bekommt der Zuschauer eine regelrecht anziehende Mixtur aus mehreren Genres angeboten, die sporadisch sogar dramatische bis erotische Inhalte kolportiert und letztlich sicherlich als eine Art Horrorfilm der unkonventionellen Sorte beschrieben werden möchte. Interessant ist die Tatsache, dass es sich um eine rein österreichische Produktion handelt, die viele Skizzen in den Bereichen der Tradition, des Übernatürlichen und Provinziellen zeichnet und zahlreiche erstaunliche Ansätze bietet, die nicht als ganz alltäglich anzusehen sind. Eigentlich ist es mehr als erstaunlich, dass dieser Beitrag in genau dieser Fa­çon existiert, vor allem die international besetzten Führungsrollen wirken hier absolut exotisch, sodass bereits im Vorfeld ein großer Reiz entsteht, außerdem natürlich eine besondere Erwartungshaltung, die Helmut Pfandlers Film auch einzuhalten versucht. Mutig und gleichzeitig geistreich werden bestehende Grenzen der einfließenden Genres ausgelotet, erweitert, mitunter verfeinert, und obwohl die Geschichte eher herkömmliche Strukturen hervorbringt, kann sich eine begeisternde Wirkung entfalten, die zusätzlich mit einigen Überraschungen aufwartet.

Das intelligente Spiel mit Mythen, Methaphorik und Aberglauben fabriziert eine gelungene Grundspannung, die Bebilderung präsentiert sich als eine Art Wechselspiel zwischen Morbidität und einladenden Eindrücken und exzellent gewählten Schauplätzen, die dem Film von Beginn an ein dichtes Profil geben. Unter normalen Umständen würde man vielleicht sagen, dass die Idylle der Provinz durch einen Eindringling gestört wird, der einigen Hinterwäldlern wie von einem fremden Planeten oder aus einer anderen Zeit vorkommen muss. Aber dieses Fleckchen Erde hat nichts mit verschlafener Idylle zu tun, da der Aberglaube den Alltag und die Gedanken dominiert. Dem Protagonisten wird daher schnell klar, dass er auf keine breite Unterstützung zu spekulieren braucht, vor allem wenn einige Einwohner beinahe den Eindruck erwecken, als wollten sie gleich aggressiv mit Mistgabeln auf ihn losgehen, um ihn auf einen Scheiterhaufen zu treiben. Bereits der Einstieg lässt keinerlei Zweifel daran entstehen, dass sich tatsächlich übernatürliche Dinge abspielen und in diesem Zusammenhang kommt es zu wunderbar inszenierten, aber vor allem sehr überraschend auftauchenden Sinnestäuschungen, die sich zunächst nur in den Augen von John Phillip Law und denen der Zuschauer abspielen. Aus den festgefahrenen Gesetzen der Provinz werden bei fortlaufender Zeit beinahe Wahnvorstellungen und das geschilderte Vakuum, das dem Empfinden nach überhaupt nicht enger und starrer hätte ausfallen können, verschärft sich immer weiter und nimmt kontrakte Formen an. All diese Eindrücke lenken zeitgleich und erfolgreich von der Tatsache ab, dass es hin und wieder etwas unstrukturiert bis unverständlich zugeht, im Umkehrschluss jedoch wieder in die mystische Stimmung dieser Produktion hineinwirkt.

Einen Film mit Aura bekommt man ohnehin nicht alle Tage zu sehen und die Darsteller reihen sich gekonnt in dieses Konzept ein. Zunächst schaut man als Zuschauer einmal ein wenig verwundert auf die Hauptrollen, die mit Florinda Bolkan und John Phillip Law auf der einen Seite ausgezeichnet gewählt, aber auf der anderen Seite auch vollkommen eigenartig in einer Produktion wirken, die unter österreichischer Flagge spielt. Der Umstand der Exotik und der Verpflichtung nicht einheimischer Stars unterstreicht die Außenseiter-Funktionen der Protagonisten, die klugerweise nicht als klassische Sympathieträger offeriert werden, was für zusätzliche Unberechenbarkeit sorgt. In "Die Wölfin vom Teufelsmoor" stellt die Brasilianerin Florinda Bolkan das Epizentrum der Verwirrung dar. Vom Typ her zeichnet sie eine notorische Einzelgängerin, welche sie allerdings nicht aus Überzeugung geworden ist, sondern aufgrund der Skepsis und des Sicherheitsabstandes der Menschen in ihrem Umfeld. Offensichtlich vertraut mit okkultem Hintergrundwissen und auf der Suche nach der entscheidenden Erkenntnis, bleibt sie eine der zahlreichen, nicht greifbaren Personen dieses Szenarios mit durchschlagender Wirkung. Sowohl Bolkan, als auch John Phillip Law wurden mit österreichischem Akzent synchronisiert, was die Sache noch reizvoller, bei Affinität dafür sogar noch charmanter macht. Walpurgas Partner in spe macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck und die Stärken entstehen definitiv im Zusammenspiel der beiden. Etwas ungläubig und teilweise fassungslos wirkend, schlittert John in Strukturen hinein, die ihn aus der Bahn zu werfen drohen. Da insbesondere über ihn Sinnestäuschungen aufgebaut werden, fühlt sich der Zuschauer ihm am nächsten, wenn auch vielleicht nur bedingt oder temporär, da sein Handeln nicht immer nachvollziehbar bleibt.

Der absolute Clou der Veranstaltung ist jedoch niemand anders als der deutsche Interpret Siegfried Wischnewski, bekannt durch viele Charakterdarstellungen und eindringlich dargebotene Rollen. Als mysteriöser Kasimir, der offensichtlich die Fähigkeiten besitzt, kleinere Zaubereien zu veranstalten, wird er seinem Profil vollkommen gerecht. Bereits seine erste Szene macht so einiges her, als er zum ersten Mal mit Vanetti in der Dorfschänke aufeinander trifft. Wo er eben noch der üppigen Wirtin aus der Hand gelesen hatte, inszeniert er eine Demonstration bezüglich seiner Möglichkeiten, als er eine spontane Sinnestäuschung arrangiert. Mit einem schalkischen Lächeln und Stolz in seinem Ausdruck, lässt er kurzerhand die komplette Kleidung der Dame verschwinden, plötzlich sitzt sie reitend auf einem Bierfass und er delegiert ekstatische Zustände. Derartige Überraschungen wird es im sexuell aufgeladenen Rahmen oder unter alternativen Voraussetzungen häufiger mit ihm geben und es veranschaulicht seine Machtstellung in der verschlafenen Provinz, die die Leute ehrfürchtig und eingeschüchtert vor ihm erstarren lässt, was ihm letztlich Narrenfreiheit einräumt. Der Bau von Industrieanlagen und bevorstehenden Enteignungen lässt die Bauern auf die Barrikaden gehen und die erste Herleitung der Wahl leitet sich aus dem bestehenden Aberglauben ab, da es sich nur um Hexerei handeln könne. Die davon ausgehende latente Gefahr für den Vermessungsingenieur wird durch ein paar parallel stattfindende Todesfälle angeheizt, auch hier ist die inszenatorische Stärke bemerkenswert, wenn ich beispielsweise ein Traktor selbstständig macht, oder wahlweise gesteuert wird. Auch im Bereich Erotik bekommt man Pikantes, um nicht zu sagen hoch Ästhetisches geboten, vor allem, wenn sich Bolkan und Law im Wald finden. Mit Hilfe einer schnellen Montage und einer gleichermaßen aufmerksamen, wie auch diskreten Kamera, entstehen denkwürdige Momente.

Knüpft man an diesen Gedanken der besonderen Atmosphäre des Films an, lassen sich noch eine Vielzahl weiterer Beispiele finden, die teils durch ihren ökonomischen ,aber auch durch einen nahezu geistreichen Einsatz in den Fokus rücken und somit in Erinnerung bleiben. "Tod im November" sieht sich als Schauermär, die durch ihre klassischen Verbindungen vielleicht einen - wenn man so sagen darf - höheren Realitätstransfer herstellen möchte, als Produktionen ähnlichen Strickmusters. Dass Helmut Pfandler offensichtlich bewusst auf ein paar reißerische Szenen und zeitgenössische Zutaten nicht verzichtete, kommt diesem Film sehr zugute, der insgesamt in einer beinahe unbeschreiblich morbiden Eleganz strahlt und das wohlgemerkt mit ganz einfachen Mitteln. Interessant bleibt die ausschließliche Konzentration auf den Aberglauben, was gleichzeitig bedeutet, dass der üblicherweise verwendete (christliche) Glaube hier nicht prominent in den Vordergrund gedrängt wird und als Nebeneffekt eine interessante Variation der kritischen Untertöne entsteht. Als verstecktes Leitmotiv kann man vielleicht den Teufel herausfiltern, der allerdings nur Macht durch den Glauben jeder einzelnen Person erlangt. Diese abwechslungsreiche Variante bewahrt die anvisierte Eigenständigkeit dieser Produktion, die in jeder Hinsicht punkten kann. Das weitgehende Fehlen von halsbrecherischen und reißerischen Elementen bedeutet also nicht gleichzeitig, dass man weniger Spektakel geboten bekommt, allerdings spielt sich das Gesamtkonzept auf alternativen Ebenen ab. "Die Wölfin vom Teufelsmoor" ist ein in jeder Hinsicht ein überraschender Beitrag im Sektor der übernatürlichen Geschehnisse geworden. Die Bezeichnung Horror-Film behält nur als Gesamt-Klassifikation bestand, da man im Endeffekt nicht den herkömmlichen Reißer angeboten bekommt, sich aber dennoch anlehnte, und insgesamt sieht man einen sehr bemerkenswerten, wenn hin und wieder auch uneindeutigen Ausflug in das Reich mysteriöser Geschehnisse. Sehenswert!


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 Betreff des Beitrags: Paul Temple - Die Zigarre (1970)
BeitragVerfasst: 24.09.2016 10:35 
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● FOLGE 2 | PAUL TEMPLE - KILL OR CURE / DIE ZIGARRE (GB|D|1970)
mit Francis Matthews und Ros Drinkwater
und Wolfgang Preiss, Christiane Krüger, Blake Butler, Jerome Willis, Alan Bennion, u.a.
eine Produktion der BBC| Taurus Film | für ZDF
Regie: Christopher Barry



Ingrid Goetz kommt nach London, um ihre gute Freundin Steve Temple zu besuchen. Schnell und voller Vorfreude wird ein Treffen vereinbart, doch es kommt zu einem eigenartigen Zwischenfall, denn der Gast aus der Schweiz verschwindet plötzlich spurlos. Für Steve und ihren Mann steht außer Frage, dass Ingrid entführt worden sein muss. Nun kommt auch Dieter Goetz, ihr Onkel und Direktor einer pharmazeutischen Firma aufs Tableau, doch es scheint, als könne er in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen. Paul Temple nimmt die Ermittlungen auf und nach ersten, schnellen Ergebnissen kommt es zu einer großen Überraschung: Ingrids Onkel möchte nicht, dass die Polizei hinzugezogen wird und warnt Paul davor, die Sache weiterhin unter die Lupe zu nehmen...

»Oh, ist das herrlich hier!« Mit diesem Satz inspiziert die gerade angekommene Ingrid Goetz ihr modernes Hotelzimmer, wirft einen zufriedenen Blick aus dem Fenster, um ein wenig das Londoner Flair zu beobachten, ruft anschließend ihre Freundin Steve an und verabredet sich mit ihr und Paul Temple zum Essen. Ganz im Stil von Kriminalgeschichten wird die Spannung gleich angeheizt, als sich die Türklinge zu verheißungsvoller musikalischer Untermalung bewegt und ein Unbekannter im Zimmer steht, den auch Ingrid offensichtlich nicht erwartet hat. Die Entführung geschieht kurz und schmerzlos und der Zuschauer tappt genau wie die Titelfigur im Dunkeln. Schnelle Vorstellungen der Hauptpersonen und mysteriös wirkender Zeitgenossen lassen Vorahnungen bezüglich des Verlaufs aufkommen und als dann schließlich noch das Schlagwort Pharma-Industrie fällt, ist zumindest klar, dass es um Geld und möglicherweise dunkle Machenschaften gehen dürfte. Doch wer steckt dahinter? Paul Temple kombiniert mit einem gestochen scharfen Verstand, immerhin muss er stets neuen Stoff für seine Kriminalgeschichten zusammentragen, doch als er beim Observieren des Hotelzimmers erwähnt, dass es sich offensichtlich um eine nicht geplante Entführung handle, bleibt die allgemeine Verwirrung auf dem gleichen Stand. Die Episode bietet mit einer Länge von etwa 48 Minuten genügend Raum für einen ausladenden und klaren Aufbau, sodass dementsprechend genügend Details behandelt werden können und man sich den Luxus erlauben kann, Pointen hinauszuzögern. Gute Dialoge und der damit verbundene, trockene britische Humor lockern die Angelegenheit immer wieder angemessen auf, was auch nötig erscheint, verfolgt die Serie im Allgemeinen doch eine sehr ruhige Gangart, die ein paar Längen daher nicht verhindern kann.

Die Hauptpersonen machen generell einen sehr guten Eindruck, vor allem liegt das Augenmerk nicht nur auf dem ermittelnden Team, sondern auch auf der männlich-weiblichen Konstellation. Wenn glasklarer Verstand und Intuition und Fingerspitzengefühl der Frau eine Allianz eingehen, sollte der Erfolg schließlich vorprogrammiert sein. Vielleicht ist es hin und wieder so, dass Paul Temple ein bisschen zu sehr über-kombinieren kann und der Eindruck entsteht, dass ihm die gebratenen Tauben trotz Ermittlungsarbeit manchmal zu bereitwillig in den Mund fliegen, aber die Darsteller in Form von einem kühl und glaubwürdig agierenden Francis Matthews und einer sympathischen Ros Drinkwater lösen ihre Aufgabe sehr ansprechend und geben der Serie ihr Profil. Die deutschen Gäste sorgen in dieser Episode für besondere Vorfreude, bekommt man es doch mit einem wie üblich verschlagenen Wolfgang Preiss zu tun, der von Gut bis Böse tatsächlich jeder sein könnte und einer attraktiven Christiane Krüger, die frühe Rätsel aufgibt. Das Zusammenspiel dieser Vierer-Konstellation gestaltet sich als agil und wirkt überzeugend, man möchte beinahe sagen, kultiviert. Die Story kalkuliert eine lange Zeit ein, um des Rätsels Lösung zu präsentieren, hinterlässt dabei allerdings einen eher herkömmlichen Eindruck, was nicht daran liegt, dass man auf groß angelegte Spektakel verzichtete. Eher fühlt es sich so an, als sei das Ganze schon zu oft dagewesen und deswegen verliert das Finale leicht an Intensität. "Paul Temple" bietet im Endeffekt sehr klassische bis konventionelle Krimi-Unterhaltung, was durchaus positiv gemeint sein soll. "Die Zigarre" ist aufgrund der überaus gerne gesehenen Gast-Darsteller sicherlich einen Blick wert, zählt im Serien-Kontext aber zu den eher durchschnittlichen Vertretern, was gleichzeitig heißt, dass sich hochinteressante Fälle darunter befinden, die es ebenfalls wert sind, entdeckt zu werden.


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 Betreff des Beitrags: Auf Scheißer schießt man nicht (1969)
BeitragVerfasst: 07.10.2016 22:38 
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AUF SCHEISSER SCHIESST MAN NICHT

● AUF SCH***SSER SCHIESST MAN NICHT / AUF SCHEISSER SCHIESST MAN NICHT (D|1969)
mit Jan George, Claudia Bremer, Nikolaus Dutsch, Edgar Froese, Ini Assmann, F.J. Gottlieb, Ingrid van Bergen, u.a.
ein Modern Art Film | im Nora Filmverleih
ein Film von Hans Jürgen Pohland


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»Kommst dir wohl vor, als hättste Blillanten zwischen den Schenkeln«

Drei Aussteiger (Jan George, Nikolaus Dutsch und Edgar Froese) hausen auf einem Schiff und halten sich mit Diebstahl und Schmuggel über Wasser. Bislang ist es auch immer nur bei kleineren Delikten geblieben und sie lebten in den Tag hinein, bis sie eines Tages eine Blondine namens Claudia (Claudia Bremer) aufgabeln, die sich bei ihnen einnistet. Die drei Männer lassen sich von der attraktiven und unkonventionellen jungen Frau dazu antreiben, sich endlich einmal größeren Aktionen zu widmen, sodass sie einen bewaffneten Raubüberfall planen. Dieses Vorhaben stößt allerdings nicht auf die breite Zustimmung unter den anderen Mitgliedern der Kommune, die auf dem Hausboot lebt, und es kommt zum Eklat...

Die turbulente Anfangsphase von Hans Jürgen Pohlands "Auf Scheißer schießt man nicht" dokumentiert wie es aussieht, wenn man erst gar keine unnötige Zeit verlieren will. Ein paar eigensinnige Typen prügeln sich in einer Kiesgrube, hauen ab, einer von ihnen muss anschließend dringend im Wald scheißen, währenddessen werden sie von der Polizei aufgeschreckt, stehlen einer ahnungslosen Dame den Wagen, flüchten mit ihm, greifen eine Motorradbraut auf, bringen sie auf ihr Hausboot und garnieren das Ganze mit flotten Sprüchen, dass einem schwindelig werden könnte. Dem Zuschauer ist eigentlich gar nicht so klar, worum es hier zunächst geht, aber dennoch riecht es nach einer Action- und Crime-Geschichte, der in fadem Schwarzweiß ein sehr unkonventioneller Touch angenagelt wurde. Seltsame Untertitel versuchen für weitere Hintergrundinformationen zu sorgen, Stimmungen zu unterstreichen oder sogar eben gefallene Sätze zu wiederholen und das wohlgemerkt während der laufenden Dialoge. Die verschiedenen Szenen vermitteln eine gewisse Spontaneität in Wort und Tat, sodass der Eindruck entsteht, dass man es mit einigen unerfahrenen Interpreten, beziehungsweise Laiendarstellern zu tun haben könnte, außerdem mit frei interpretierten Sequenzen, die keine große Bindung an ein Drehbuch vermitteln. Diese umgangssprachliche Reise durch die späten 60er wirkt wie erwähnt zunächst etwas konfus, da augenscheinlich keine Handlung auf dem Silbertablett serviert wird, kann aber vermutlich gerade deswegen eine große Neugier hervorrufen. Die flotte Musik und eine bemüht bis profilbildende Kamera wirken wie entscheidende Zutaten während der eigenen Entscheidungsfindung, denn die Geschichte bleibt vom Empfinden her etwas lose aneinander gereimt, sodass man auf ein paar offensichtliche Aha-Effekte spekuliert.

Die Hauptpersonen werden in Totalen und Halbtotalen abgetastet, observiert und teilweise unangenehm nahe gebracht, nur diejenigen, von denen man sich etwas mehr Fokus erhofft hätte, werden zu Stiefmutters Schwestern degradiert. Die Hauptrollen stellen also Herren, die größtenteils keine Schauspieler waren, so zum Beispiel Götz Georges Bruder, dem Fotografen Jan George und Edgar Froese, der Frontmann der bekannten Band Tangerine Dream was, die hier auch den Soundtrack beisteuerte. Unter Schützenhilfe von Nikolaus Dutsch geht es somit ziemlich ungeordnet, wüst und chaotisch zu, was ganz offensichtlich Aushängeschild dieses Films sein sollte, den man schlussendlich wohl mehr als Experiment ansehen darf. Gelungen oder nicht, das entscheidet mal wieder jeder für sich selbst, aber manchmal ist es tatsächlich nicht leicht, den Spagat zwischen Ausdauer und Erstaunen hinzubekommen. Bekannte Namen wie Ini Assmann oder Ingrid van Bergen bringen einen Hauch von handwerklichem Verständnis in den Dunstkreis der Interpreten, bleiben aber für das Geschehen weitgehend irrelevant. Diese unorthodoxe Geschichte um ein paar Aussteiger und Revoluzzer mutet heute eher trashy und unausgereift an, was durch das überaus minimalistische Grundgerüst noch unterstrichen wird. Für Gesellschaftskritik reicht es aber dennoch, auch wenn Regisseur Pohland seine bunte Schwarzweiß-Mischung hier nicht besonders nachhaltig aus seinem Hut zauberte. Unterm Strich bleibt die Gewissheit, dass der junge deutsche Film wesentlich bessere, oder vielmehr ernstzunehmendere Varianten hervorgebracht hat und es dem Zuschauer bei dieser, im handwerklichen Sinne subversiv wirkenden Mache nicht immer leicht gemacht wird, "Auf Scheißer schießt man nicht" trotz sicherlich ernsthafter Ambitionen für voll zu nehmen. Ergo ist der Weg zur Anarchie sowohl cineastisch, als auch thematisch gesehen nicht allzu weit entfernt.


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 Betreff des Beitrags: Das Bekenntnis der Ina Kahr (1954)
BeitragVerfasst: 10.10.2016 21:05 
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DAS BEKENNTNIS DER INA KAHR

● DAS BEKENNTNIS DER INA KAHR (D|1954)
mit Curd Jürgens, Elisabeth Müller, Albert Lieven, Vera Molnar, Margot Trooger, Ingmar Zeisberg,
Jester Naefe, Hilde Körber, Hanna Rucker, Renate Mannhardt, Ulrich Beiger und Friedrich Domin
ein Ω Film | im Neue Film Verleih
ein Film von Georg Wilhelm Pabst


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»Ich will leben!«

Ina Kahr (Elisabeth Müller) steht in einem medienwirksamen Prozess unter Mordanklage. Der Vorwurf lautet, sie habe ihren Ehemann Paul (Curd Jürgens) vergiftet. Erwartungsgemäß fordert die Staatsanwaltschaft trotz leidenschaftlicher Plädoyers der Verteidigung und ihres Vaters (Friedrich Domin) die Todesstrafe, da die Mordverdächtige im gesamten Prozess ihr Schweigen trotz zahlreicher Angebote nicht brechen wollte. Im Gefängnis nimmt der Prozess schließlich doch eine Wendung, da Ina Kahr angesichts der drohenden Strafe, und eingeschüchtert durch die schrecklichen Zustände hinter Gittern, endlich eine Aussage machen möchte. Was also geschah wirklich mit Paul Kahr..?

Im Gerichtssaal ist bereits der letzte Verhandlungstag angebrochen, doch die Angeklagte irritiert alle Beteiligten mit eisernem Schweigen. Fatal an dieser Tatsache ist, dass sie es ganz offensichtlich nicht zu ihrem Vorteil tut, sondern die drohende Todesstrafe wegen Mordes in Kauf nimmt. Soll das Gericht also das vollstrecken, wozu die Angeklagte keinen Mut hat? Szenen der Verzweiflung und Sensationsgier diktieren die ersten Szenen von Georg Wilhelm Pabsts Melodram, das mit einer großen Starbesetzung ausgestattet wurde. Die zerbrechlich und ebenso kultiviert wirkende Elisabeth Müller als Ina Kahr wird dem Zuschauer schließlich ohne jede Vorwarnung als, allem Anschein nach, schon bald überführte Mörderin vorgeführt. Ihr Schweigen bewegt das Gericht und selbst die sonst unerbittliche Staatsanwaltschaft zu milden Tönen und diplomatischen Angeboten, selbst der Vater der Titelfigur stößt an seine Grenzen und wirbt für Gnade. Zunächst ist die größte Überraschung, dass es keine Überraschung geben wird, denn der Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe. Trostlose Szenen aus dem Frauengefängnis schließen sich an, wimmernde und flehende Stimmen die lauthals nach dem Leben rufen, lassen ein Gefühl des Unbehagens entstehen, doch bald schließen sich Atempausen in Form von Rückblenden der strahlenden Vergangenheit an, die neben dieser Funktion zum Verständnis und zur Aufklärung beitragen werden. Die Regie orientiert sich bei dieser Geschichte eher an melodramatischen, als an klassisch kriminalistischen Inhalten, doch es wird eine gute Dosierung eingehalten, sodass der Verlauf keine allzu einseitigen Züge annimmt. Der Legende nach ist es immer die Vergangenheit, die doch am schönsten ist, auch hier wird diese These bereitwillig bedient bis es zu frühen Brüchen innerhalb der mutmaßlichen Idylle kommt, da man regelrechte Provokationen vernimmt, die das Schicksal in eindeutiger Manier herausfordern.

Warnungen vorm bösen Mann fangen plötzlich an zu kursieren und einige Wendungen nehmen ihren vorhersehbaren Lauf, schließlich hat man den anfänglich gezeigten Vorhof zum Schafott noch genau vor Augen. Die darstellerischen Leistungen können sich in "Das Bekenntnis der Ina Kahr" durchaus sehen lassen. Curd Jürgens zeigt sich gewohnt aufbäumend und vereinnahmend, damit er seiner zweifelhaft angelegten Figur mit aller Routine gerecht werden kann. Seine Partnerin Elisabeth Müller stellt sich als Glücksgriff für die Produktion heraus, denn angenehmerweise kokettiert sie hier weniger exzessiv mit eintöniger Körpersprache, als mit diskretem Temperament. Dem Produktionsjahr entsprechend, bleiben groß angelegte, brisante Szenen aus, zum Mittelteil hin driftet die Angelegenheit sogar tendenziell, wenn auch nur kurz, zur Herz-Schmerz-Variante ab, um dann aber wieder geregelte Bahnen im Sinne des Themas aufzunehmen. Diese zugegebenermaßen nötigen, da erklärenden Maßnahmen, steckt man als Zuschauer leicht weg und fühlt sich angesichts der Thematik auch nicht getäuscht. Zwischen Müller und Jürgens entsteht in diesem Zusammenhang eine gute Dynamik, wobei Peter Kahr sie eigentlich mit allen Damen des Szenarios entwickelt, aber auch die Nebenschauplätze werden von den vielen bekannten Stars sehr gut behauptet. Zu nennen sind vor allem Albert Lieven und Friedrich Domin, die quasi als Fahnenträger der Hoffnung fungieren. Nette Kurzauftritte sieht man des Weiteren von Vera Molnar, Ingmar Zeisberg oder Margot Trooger, aber es lässt sich generell sagen, dass jede Rolle perfekt sitzt. Elisabeth Müllers Erklärungen stellen also eine einzige Rückblende dar, die sie zum Teil mit ihrer Stimme aus dem Off begleitet, oder man sie in Großaufnahme hinter Gittern sieht. Inszenatorisch bleibt der Film in handelsüblichen Gefilden und die große Sensation bleibt weitgehend aus, auch wenn die Regie sehr bedacht auf einen gut konstruierten, wenn nicht sogar maßregelnden Verlauf und ein dramatisiertes Finale hinarbeitete.


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 Betreff des Beitrags: Die Sieger (1963)
BeitragVerfasst: 14.10.2016 19:09 
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DIE SIEGER

● THE VICTORS / DIE SIEGER (US|GB|1963)
mit Vincent Edwards, Albert Finney, George Hamilton, Melina Mercouri, Jeanne Moreau, George Peppard, Maurice Ronet, Rosanna Schiaffino,
Romy Schneider, Elke Sommer, Eli Wallach sowie Michael Callan, Peter Fonda, Jim Mitchum, Senta Berger, Albert Lieven, Mervyn Johns, u.a.
eine Produktion der Columbia Pictures | Open Road Films | im Verleih der Columbia-Bavaria
ein Film von Carl Foreman


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»Die Amerikaner sind doch die Besten!«

Während des Zweiten Weltkriegs wird eine US-Truppeneinheit in Italien stationiert. Die Corporals Trower und Chase (George Hamilton und George Peppard) nehmen mit anderen Streitkräften eine kleine Stadt ein, in der Truppenmitglied GI Baker (Vince Edwards) sein kurzzeitiges Glück in einer Liaison mit der einheimischen Maria (Rosanna Schiaffino) findet, das jedoch nur von kurzer Dauer ist, da man weiter ziehen muss. Anschließend wird die Truppe nach Frankreich beordert, wo sich Sergeant Craig (Eli Wallach) mit einer Französin einlässt und Chase mit einer reichen, polnischstämmigen Frau, doch auch diese Episoden des Glücks sind nur von kurzer Dauer. Trower geschieht das gleiche mit der jungen Regine (Romy Schneider) in Belgien, die ihn allerdings für einen anderen sitzen lässt. Den romantischen Erfahrungen folgen jeweils schreckliche Erfahrungen an der Front und es ist für keinen der Männer klar, ob sie die Kriegsschauplätze unbeschadet verlassen werden...

»Deutschland kapituliert« Mit dieser Schlagzeile und zeitgenössischem Archivmaterial, baut Carl Foremans Beitrag eine frühe Marschrichtung, aber vor allem Brisanz auf, die von unmittelbar darauf folgenden Szenen des Zweiten Weltkrieges unterstrichen wird. Im Vorspann eskortieren Militärparaden die Auslese an Stars und anschließend geht die Story im Jahr 1942 weiter, sodass man sich als Zuschauer schnell zeitlich und räumlich orientieren kann und man weiß, womit man es letztlich zu tun bekommen wird. Kriegsszenen und die dazu passenden Schauplätze wirken stets beunruhigend und in diesem Zusammenhang fällt die hervorragende, nahezu beißende Akustik des Films auf, die gleich hohe Maßstäbe wie auf visueller Ebene zu setzen versucht. Dem großen Aufwand entsprechend, erwartet man naturgemäß einen ganz besonderen Film. In diesem Zusammenhang ist der Verlauf in zahlreiche Intervalle eingeteilt, die von den Hauptfiguren getragen werden und in denen es immer unterschiedliche Auftritte aus der langen Liste an Stars zu sehen gibt. Für die Soldaten bedeutet dies, dass es genügend Etappen im Bereich Krieg, Schicksal und Bekanntschaften zu durchleben gibt. Gesetzt wird sowohl auf die Bildgewalt der Kriegsschauplätze, aber auch auf vollkommen konträre Eindrücke, die aus Sicht der Soldaten teilweise sogar Lichtblicke transportieren, die unter diesen Voraussetzungen jedoch äußerst trügerisch wirken. Ein besonderes Stilmittel des Films ist, dass man angesichts der ernstzunehmenden Thematik immer wieder Versuche wahrnimmt, den Tenor aufzuweichen, wahlweise mit grotesken Elementen oder Ironie und Sarkasmus, was sich jedoch niemals in Trostlosigkeit oder eine laute Anklage umkehrt. Vielmehr wird der komplette Sinn eines wohl jeden Krieges sehr geistreich in Frage gestellt. Bei einer Exekution wegen Fahnenflucht vor winterlicher Kulisse vernimmt man so zum Beispiel recht erstaunt die musikalische Untermalung mit Frank Sinatras "Have yourself a merry little Christmas", nur eine von vielen hervorragenden Varianten, die vielfach perfide Seite des Krieges zu präsentieren.

Wo gestern noch getanzt, gefeiert und getrunken wurde, wohnt man nun einem Erschießungskommando bei. Auffallend ist wie erwähnt die hochwertige Bebilderung und die charakteristischen Kulissen, überhaupt findet man in diesem Verlauf sehr hohe Qualitätsansprüche in nahezu allen Bereichen. Dennoch strengen viele Szenen trotz dieses Ausgleichs an, aber schließlich hat man es auch weniger mit einem klassischen Unterhaltungsmodus zu tun, als vielmehr mit dem Versuch einer ernsthaften Abhandlung. Die verschieden genommenen Etappen werden über die unterschiedlichen Damen des Szenarios eingeleitet und sozusagen genommen, jeder Intervall beginnt mit einer geschichtlichen Schlagzeile und entsprechendem Archivmaterial aus Politik und Weltgeschehen, sodass zeitweise ein halb-dokumentarischer Charakter entstehen will. Es kommt zu vielen heiteren, bewegenden, aber auch vollkommen ernüchternden Momenten, die die eigenen Gesetzte des Krieges letztlich heimtückisch offenbaren. Dafür, dass Carl Foreman, der sich hauptsächlich als Drehbuchautor und Filmproduzent einen Namen machte, mit "Die Sieger" seinen ersten und einzigen Film inszenierte, ist das Ergebnis als noch viel beachtlicher zu interpretieren. was sich vor allem auch beim Thema der Schauspieler-Führung zeigt. Ausgestattet mit einer hohen Dichte an international bekannten Stars, werden die etwa sechs behandelten Jahre im Film abwechslungsreich gefärbt. Im besonderen Maße fallen George Hamilton und George Peppard auf, die die Geschichte ausgezeichnet prägen, aber auch weitere Kollegen wie beispielsweise Albert Finney oder Eli Wallach reihen sich in die hohen Maßstäbe ein. Bei den Damen bilden Melina Mercouri, Jeanne Moreau, Elke Sommer oder Romy Schneider die Crème de la Crème der Blickfänge, die man in wechselnder Form und über den ganzen Film verteilt sehen wird. Insgesamt ist Foreman mit "Die Sieger" sicherlich ein Überraschungs-Coup gelungen, der sowohl die Position der Sieger, als auch der Besiegten intelligent durchleuchtet und unterm Strich bleiben hochwertige Bilder und verstörende Szenen, die teils lange im Gedächtnis bleiben.


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 Betreff des Beitrags: Blonde Köder für den Mörder (1969)
BeitragVerfasst: 17.10.2016 22:12 
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BLONDE KÖDER FÜR DEN MÖRDER

● BLONDE KÖDER FÜR DEN MÖRDER / LA MORTE BUSSA DUE VOLTE (D|I|1969)
mit Dean Reed, Fabio Testi, Ini Assmann, Werner Peters, Adolfo Celi, Leon Askin, Riccardo Garrone,
Mario Brega, Femi Benussi, Antonietta Fiorito, Renato Baldini sowie Nadja Tiller und Anita Ekberg
eine Produktion der Maris Film | Produzioni Atlas Consorziate | im Inter Verleih
ein Film von Harald Philipp


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»Das war ein Job und kein Vergnügen!«

Zeugen beobachten, wie der junge Francesco di Villaverde (Fabio Testi) die Amerikanerin Mrs. Simmons (Femi Benussi) am Strand erstickt. Kurz darauf engagiert ihr Ehemann (Renato Baldini) den Privatdetektiv Bob Martin (Dean Reed), der den Mord aufklären, und das wertvolle Collier der Ermordeten wieder beschaffen soll. Martin beschäftigt sich gemeinsam mit seinem Kollegen Mangano (Leon Askin) mit dem Fall und durchleuchtet di Villaverde, der mit seiner Schwester Maria (Nadja Tiller) zusammenlebt, die ebenfalls an jenem Abend am Strand war, aber schweigt. Zur gleichen Zeit kommt es zu mafiösen Verstrickungen und der sogenannte "Commodore" schickt zwei seiner Abgesandten (Adolfo Celi und Anita Ekberg) um offene Schulden bei Charly Hollmann (Werner Peters) einzutreiben, der mit seinen Helfershelfern ein Komplott gegen Francesco di Villaverde schmiedet...

Bevor sich die vielen malerischen Eindrücke des italienischen Mittelmeers entfalten können, spielt sich der Einstieg im Schutze der Dunkelheit ab und es wird zur entscheidenden Frage, was die Wellen noch in Form von Geheimnissen, Mord und Verbrechen anspülen werden. Zunächst sieht man Fabio Testi als eine der Hauptfiguren bei einem Intermezzo mit einer blonden, attraktiven Dame am Strand und bereits diese Szenen deuten einen recht hohen, erotischen Anspruch an, den die Regie in Intervallen einbaut. Die Pikanterie wird allerdings abrupt unterbrochen, denn Testi, alias Francesco di Villaverde, erwürgt sein Opfer, anscheinend wie im Wahn. Am Ort des Geschehens tummeln sich erstaunlicherweise einige Zeugen herum, die alles mit ansehen konnten. Die naheliegende Möglichkeit, dass man es nun mit keinem groß angelegten Whodunit zu tun bekommen wird, um auf alternativen Ebenen mögliche Twists angeboten zu bekommen, wird Harald Philipp klären müssen, aber die Erfahrung belegt, dass man es zumindest meistens mit einem routinierten Filmschaffenden zu tun hatte. Angesichts der prall mit Stars gefüllten Besetzungsliste, darf man sich auf das ein oder andere Spektakel gefasst machen und tatsächlich ist es so, dass die Mehrzahl der Charaktere sehr ansprechende Variationen im Rahmen menschlicher Höhen und Tiefen anbieten. "Blonde Köder für den Mörder" ist im Endeffekt vielleicht mehr Kriminalfilm als Giallo geworden, aber keine der Seiten wird im Endeffekt ganz klassisch bedient. Alleine die Voraussetzung, dass man als Zuschauer frühe Erkenntnisse geboten bekommt, lässt die generelle Achtsamkeit sinken, sodass man alles, was hier noch geschehen wird, als verhältnismäßige Überraschung ansehen wird. Hin und wieder wirkt die Story etwas zu ungeschliffen und es lässt sich daher hauptsächlich das Ambitionierte dieser Inszenierung herausfiltern.

Trotz diffuser Anteile sind es vor allem die bekannten Interpreten, die sowohl für Präzision und einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Falls Hautdarsteller Dean Reed kein Begriff sein sollte, liegt es möglicherweise daran, dass sich bei dem Sänger und Schauspieler nicht die ganz großen Würfe in seiner Filmografie ausfindig machen lassen und er ab 1973 als bekennender Sozialist Bürger der DDR wurde und sich sein Tätigkeitsfeld im Rahmen seiner zweiten Karriere in die ehemalige Sowjetunion verlagerte. Hier lässt sich gleich anerkennend betonen, dass er einen gewitzten und smarten Ermittler skizziert und man ihm gerne dabei zusieht, was er tut. Im Endeffekt bietet Reed das nötige Charisma für eine derartige Rolle an und sowohl Anlegung, als auch Interpretation machen einen abwechslungsreichen Eindruck. Als determinierter Antagonist steht Fabio Tesi zur Verfügung, den man vermutlich nie wieder so vital und geheimnisvoll erleben durfte. Die Dramaturgie behält es sich selbstverständlich vor, ihn als Projektionsfläche für psychologische Kniffe einzuspannen, was jedoch nur bedingt aufgehen will, da es einfach verpasst wurde, ihn als klassischen oder wenigstens halben Sympathieträger aufzubauen. Leider gehen die anvisierten Überraschungen in den Bereichen Brisanz oder beispielsweise Tragik nur schleppend auf. Generell fällt sie hohe Dichte an Personen auf, die man offensichtlich nur einmal in diesem Leben und zwar 1969 vor dieser malerischen Kulisse finden konnte. Nadja Tiller kann hier erfolgreich gegen bestehende Aversionen gegen ihr übliches Profil anspielen und es kommt zu einer versöhnlichen Leistung mit subtilen Anteilen. Vollkommen Gegensätzlich zu anderen Damen des Szenarios, aber vollkommen im üblichen Fahrwasser ihres Images, erlebt man Anita Ekberg, von der als Abgesandte des sagenumwobenen "Commodore" Bedrohliches ausgeht, beruflich sowie privat.

Ihr Partner für schmutzige Geschäfte wird von einem wie immer markant wirkenden Adolfo Celi dargestellt und gemeinsam legen sie die Daumenschrauben bei Ganoven-Gesicht Werner Peters an, der jede Szenerie mit seinem besonderen Repertoire prägen konnte. Des Weiteren sind der Österreicher Leon Askin und die attraktive Ini Assmann zu sehen, die ebenfalls überzeugende Darbietungen zum Besten geben. Es ist nicht nur die Hohe Dichte an Stars, die zahlreiche gute Momente im Film garantiert, sondern auch die jeweilige Färbung, die den Verlauf aufpolieren kann. Wie erwähnt, bereitet die Geschichte immer wieder ungewollte Rätsel, die konfuse Tendenzen und ein unstimmiges Grundgerüst offenbaren. Ob gewollt oder nicht, es kommt zu einem Verlauf, der auf interner Basis immer wider viel zu unscheinbare Züge annimmt. Da man dem Empfinden nach von Anfang an alles miterleben konnte, bleiben aufgrund des Prinzips, dass auch alles Folgende weitgehend ohne Geheimnis vonstatten geht, Anstrengungen im Bereich der eigenen Kombination ein wenig auf der Strecke und letztlich verlässt sich die Regie auf ein Finale, das zugegebenermaßen Überraschungen mit sich bringt. Dennoch geht die Strategie der Produktion insgesamt auf und man bekommt es schlussendlich mit einem kurzweiligen Ereignis zu tun, das sich vielleicht am besten mit dem Begriff Bildgewalt charakterisieren lässt. So darf es auch schon einmal unorthodox zugehen, solange der Zuschauer unterm Strich das Gefühl behält, dass sich die Offerte gelohnt hat. "Blonde Köder für den Mörder" ist daher ein interessantes Beispiel einer Alternative geworden, die von Harald Philipp eine ambitionierte Bearbeitung erfahren hat, aber trotz der vielen überaus günstigen Grundvoraussetzungen leider nicht international konkurrenzfähig ausgefallen ist. Nichtsdestotrotz bleibt ein hochinteressantes Genre-Hybrid, in dem der Unterhaltungswert über allem steht.


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 Betreff des Beitrags: Kellner Windeck (1971)
BeitragVerfasst: 20.10.2016 22:48 
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● FOLGE 41 | DER KOMMISSAR | KELLNER WINDECK (D|1971)
mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz
Gäste: Michael Verhoeven, Angela Salloker, Inge Langen, Hans Korte, Edith Heerdegen,
Claus Biederstaedt, Rosemarie Kirstein, Thomas Frey, Harald Gruber, Iris Berben, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Erik Ode



Bei einem Fotoshooting wird ein Ermordeter in einem Brunnen gefunden. Kommissar Keller und seine Leute finden schnell heraus, dass es sich um einen Kellner namens Windeck handelt, der unmittelbar in der Nähe angestellt war. Bei den Befragungen fügt sich insbesondere durch die Aussagen der Frauen seines Umfeldes das Bild eines lebenswerten und aufmerksamen Mannes zusammen, der eigentlich allseits geschätzt gewesen sein müsste, doch es stellt sich ebenfalls heraus, dass ihn vor allem einige Ehemänner als Bedrohung angesehen haben. Ist hier das Motiv zu finden? Für Kommissar Keller ist aus eigener Erfahrung jedenfalls klar, dass er bei einem Mordfall alle Möglichkeiten in Betracht ziehen muss...

Eine große Besonderheit dieser 41. Episode stellt die Tatsache dar, dass Hauptdarsteller Erik Ode hier selbst auf dem Regiestuhl platz nahm, um einen Beitrag zu inszenieren, der von viel Fingerspitzengefühl und psychologischer Spannung geprägt ist. Auch gelingt es ihm hervorragend, der Titelfigur Windeck und vielen anderen Beteiligten sehr viel Tiefe mitzugeben. Ein Darsteller kann sich bestimmt ein Stück weit mehr in die Köpfe der anderen Interpreten hineindenken und somit ist "Kellner Windeck" zu bescheinigen, dass es sich um eine der dichtesten und wenn man so will, ergreifendsten Folgen der langjährigen Serie handelt. Natürlich bleibt auch der von vorne herein so überaus seltsam wirkende Kriminalfall nicht auf der Strecke und der Zuschauer wittert als Gegenpol zu so viel Sympathie und Herzlichkeit, die von der Titelrolle ausgeht, nichts als Missgunst, Eifersucht, Neid und die ganze Palette an niederen Beweggründen, die man sich nur vorstellen kann. »Alle Frauen weinen um diesen Kellner!«, was nicht nur dem Ermittler in frappierender Art und Weise auffallen will, aber auf der anderen Seite sieht man bei den Herren der Schöpfung Gleichgültigkeit, Erleichterung, unterschwelligen Hass und vermutlich den Rest der sieben Todsünden. Bereits nach der Hälfte des Verlaufs zeigt sich sogar der sonst so nüchterne Kommissar Keller von seiner beeindruckten Seite, denn die Zeugenbefragungen ergeben ein Psychogramm, dass er sicherlich nicht alle Tage gehört hat. Die Männer dieses Umfeldes waren durch den Respekt irritiert, den Windeck Frauen gegenüber bringen konnte und das auf vollkommen uneigennütziger Basis. Was Anfang der 70er-Jahre beinahe wie eine ferne Vision angemutet haben muss, besitzt vielleicht auch vielleicht heute noch nicht diesen allgemeinen Gültigkeitscharakter, daher ist die eher unorthodoxe Färbung des Themas umso beeindruckender.

Bereits der Anfang der Folge wird mit einem großen Ausrufezeichen versehen, als ein Fotomodell, alias Iris Berben, den Toten bei einem Shooting im Brunnen entdeckt. Die Ermittlungen ergeben ganz groteske Eindrücke im Dunstkreis des Umfeldes, denn seine Zimmerwirtin trauert um ihn wie eine verzweifelte Mutter, verachtet aber ihren eigenen Sohn, oder seine Wirtsfrau weint um den Kellner wie eine Schwester und tatsächlich alle Frauen erstarren in tiefer Trauer, kolportieren dabei ein Männerbild das absolut unüblich war und ist. Das Funktionieren der Folge wurde von Erik Odes besonderer Bearbeitung bereits geebnet, erlangt die wahre Kraft aber über die Titelfigur Windeck, interpretiert von einem nahezu unwirklich aufspielenden Michael Verhoeven in ganz großartiger Manier. Es handelt sich um einen jungen Mann, der überhaupt nicht auf die Idee kommen würde, jemandem etwas Böses zu wollen; das Gegenteil ist der Fall. Als große Gefahr wird er allerdings dennoch von jedem Mann seines Umfeldes identifiziert, weil er Frauen so behandelt, wie sie es nicht gewöhnt sind. »Da war jemand, der was von Frauen verstand!«, hört man eine von ihnen nachdenklich philosophieren und genau hier tut sich das einzig wahrscheinliche Tatmotiv auf. Durch die Bank bekommt man es mit großartigen Leistungen der Gast-Darsteller zu tun und hier sind insbesondere Inge Langen, Hans Korte, Claus Biederstaedt, Edith Heerdegen oder Angela Salloker zu nennen. Entstanden ist eine der ganz besonderen "Kommissar"-Folgen, die in diesem Fall sogar berührend wirkt, ohne ins Melodramatische abzudriften. Kommissar Keller lässt sich am Ende zu einer ungewöhnlich deutlichen Bewertung verleiten und selten hat man als Zuschauer einen Mordfall gesehen, der im Rahmen seiner Sinnlosigkeit so erschüttern konnte. "Kellner Windeck" markiert einen Klassiker der Reihe, der in allen Belangen hochwertig ausgefallen ist.


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 Betreff des Beitrags: Das Gesetz des Clans (1977)
BeitragVerfasst: 22.10.2016 19:32 
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DAS GESETZ DES CLANS

● DAS GESETZ DES CLANS / IBIZA - DER TOD KOMMT NUR BEI BLAUEM HIMMEL (D|1977)
mit Horst Frank, Heidi Brühl, Gert Fröbe, Hellmut Lange, Friedrich Schütter, Ulrich Beiger, Mady Rahl, Peter Carsten,
Holger Petzold, Brigitte Kollecker, Wolfgang Borchert, Jürgen Janza, Alexander Stephan, Sigrid von Richthofen, u.a.
eine CEP-Filmproduktion | im Avis Filmverleih
ein Film von Eugen York


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»Also bevor wir dieses spanische Rätsel lösen, könnten wir erst mal ein Bier trinken!«

Nach der Beerdigung einer Freundin von Anne Corronado (Heidi Brühl) kommt es zu schwerwiegenden Vorwürfen. Sie hält ihrem Mann Pepe (Horst Frank) vor, auf der Gehaltsliste eines berüchtigten Clans zu stehen, in dunkle Machenschaften verwickelt zu sein und in diesem Zusammenhang auch gestreckte Drogen zu vertreiben, an denen Annes Freundin letztlich gestorben ist. Die Auseinandersetzung gipfelt in der Drohung, ihn endgültig zu verlassen und ihr Schweigen über die verbrecherischen Strukturen zu brechen. Nach dem unerbittlichen Gesetz des Clans ist ihr Tod mit dieser Kehrtwendung besiegelt und sie stürzt aus dem obersten Stockwerk ihres Hotel-Penthauses. Ungereimtheiten bei den Zeugenaussagen und eine enorm hohe Lebensversicherung bringen deren Agenten Philip Brown (Gert Fröbe) und Gordon Hamilton (Hellmut Lange) auf den Plan. Sie heften sich an die Fersen von Señor Corronado. Wird er einen entscheidenden Fehler begehen oder kann er auf die Macht des Clans vertrauen...?

Im Produktionsjahr 1977 versuchte der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Eugen York ein Kino-Comeback mit seinem starbesetzten Gangsterfilm "Das Gesetz des Clans". Sein letzer Spielfilm lag mit dem 1964 entstandenen Krimi "Nebelmörder" schon weit über ein Jahrzehnt zurück. In der Zwischenzeit war York ausschließlich im TV-Sektor in Erscheinung getreten, was man seinem Beitrag mit ungewöhnlich guten Voraussetzungen leider zu jedem Zeitpunkt ansieht. Eklatante Schwächen des Drehbuchs rauben dem Spektakel die anvisierte Brisanz und man schaut auf einen ziemlich spannungsarmen Verlauf. Dieser bäumt sich zwar hin und wieder auf, kann letztlich aber nicht durchgehend überzeugen. Zunächst gibt es auf der Habenseite sehr schöne Schauplätze und Kulissen, die nicht nur traumhaft eingefangen wurden, sondern auch das nötige Flair, beziehungsweise die Atmosphäre mitbringen. Der Versuch, eine Dynastie der Kriminalität zu skizzieren, misslingt leider vollkommen und es geht wenig Bedrohung von den mafiösen Strukturen aus. Dieses viel zu einfache Strickmuster muss man sicherlich der verantwortlichen Drehbuchautorin Hanne-Lore Morell in die Schuhe schieben, die es nicht zustande brachte, dem Fall sowohl Spannung, als auch genügend Geheimnisse mitzugeben. Alles wird dem Zuschauer ohne Feingefühl vor die Füße geworfen. Im Grunde genommen hat man es mit einer potentiell sehr interessanten Geschichte zu tun, die jedoch schlussendlich zu unausgereift wirkt. In diesem Zusammenhang sind die nahezu impulsiven, manchmal sogar nichtssagenden Dialoge nicht gerade förderlich und tragen wenig zum Verständnis bei, welches dieser Film dringend nötig gehabt hätte.

Wo an einigen Seiten die Sparflamme flackert, gibt es an anderen erfreuliche Qualitätsmerkmale. Zu nennen ist diesbezüglich unbedingt die hochkarätige deutsche Besetzung, die mit vielen bekannten Namen aufwartet. In der Hauptrolle agiert Horst Frank, dem man zunächst bescheinigen kann, dass er der richtige Mann für derartig verschlagen angelegte Rollen war. Hier gehört er zur Familie, was im Klartext heißt, das sein angenehmes Leben auf dem Gehorsam beruht. Einen Gefallen hier, einen Auftrag und eine Pflicht dort und die schützende Hand des Clans ist allgegenwärtig. Dass dafür andere über die Klinge springen müssen, liegt in der brutalen Natur der Sache. In diesem Zusammenhang hätte man gut daran getan, ein paar Veranschaulichungen und Kostproben mehr zu integrieren, denn letztlich wirken die Zusammentreffen des sogenannten Clans leider nur wie ein besseres Kaffeekränzchen. Nichtsdestotrotz, Horst Frank stattet seinen Part mit der nötigen Gewissenhaftigkeit und der nötigen Gewissenlosigkeit angesichts seines Berufes im Film aus, sodass man von einer überzeugenden Angelegenheit sprechen kann. An seiner Seite ist "bis dass der Tod sie scheidet", die wie immer bezaubernde Heidi Brühl, deren Kapazitäten man von Seiten des Drehbuchs und der Regie bereitwillig verstreichen ließ, was für das Gesamtgeschehen einen großen Fehler darstellt. Der Interpretin selbst ist kaum ein Vorwurf zu machen, strahlt sie doch ihren obligatorischen Charme aus. Leider ist es offensichtlich, dass Regisseur Eugen York überhaupt nicht wusste, was er zwischen den Zeilen mit Heidi Brühl anfangen sollte. Das ist im Endeffekt sehr schade, braucht es doch gerade in einer von Männern dominierten Dynastie einen weiblichen Gegenpol, welcher Anlegung auch immer.

Des Weiteren sieht man bekannte Gesichter wie Gert Fröbe oder Hellmut Lange als Agenten der Versicherung, die nach dem Tod von Señora Corronado die Summe von £ 150.000 bereitstellen sollen. Beide wirken gewohnt solide, erhalten aber letztlich nicht den ganz großen Raum, sich prominent in den Vordergrund zu spielen. Friedrich Schütter als Chef des Clans, Mady Rahl als Malerin und mütterliche Freundin Annes, Horst Franks Ehefrau Brigitte Kollecker als dessen Film-Geliebte und Ulrich Beiger als hiesiger Chef der provinziellen Polizei machen eine runde Angelegenheit aus dieser Chose. Allerdings geben sie keine Expertisen in Sachen Charakterzeichnungen oder Tiefe. Nach unerwarteten und geplanten Todesfällen plätschert der Fall vor sich hin und alle Tatsachen scheinen auf der Hand zu liegen. Bei einem Verlauf, der ohnehin nicht vor Spannung und Geheimnissen strotzt, ist es im Endeffekt einfach zu wenig, wenn man dem Zuschauer die bloße Aufklärung, beziehungsweise Überführung des Mörders präsentiert. Das Erzähltempo wirkt insgesamt sehr gedrosselt und es mangelt an Paukenschlägen, die man in den letzten Minuten der Handlung vergeblich sucht. Erwähnenswert ist vielleicht noch die Musik und insbesondere das Titelstück »Le rêve« von Ricky King, welches sich 1976 rund 30 Wochen in den deutschen Charts halten konnte, mit einer peak position von Platz 7. Die musikalische Untermalung wirkt perfekt auf das Umfeld und Urlaubsimpressionen abgestimmt, nimmt dem kriminalistischen Nährboden und der schwach skizzierten Verbrecherwelt jedoch jeglichen bedrohlichen Charakter. Alles in allem handelt es sich bei dem unter dem alternativen Titel bekannten "Ibiza- Der Tod kommt nur bei blauem Himmel" um ein phasenweise unterhaltsames Star-Vehikel, in dem die Gesetze des Kriminalfilms allerdings weitgehend ignoriert wurden.


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 Betreff des Beitrags: Ein rätselhafter Mord (1971)
BeitragVerfasst: 24.10.2016 14:32 
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● FOLGE 42 | DER KOMMISSAR | EIN RÄTSELHAFTER MORD (D|1971)
mit Erik Ode, Günther Schramm, Fritz Wepper, Helma Seitz
Gäste: Maria Wimmer, Dieter Borsche, Heidi Stroh, Donata Höffer, Eva Ingeborg Scholz,
Herbert Fleischmann, Jane Tilden, Manfred Seipold, Hansi Jochmann, Thomas Astan, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Staudte



Ein Student wird auf offener Straße hinterrücks erschossen, doch auch die anwesenden Augenzeugen können der Polizei nicht bedeutend weiterhelfen. Bei den Ermittlungen wird der Einschusswinkel genauer unter die Lupe genommen und man kommt zu dem Schluss, dass die tödliche Kugel nur aus einem bestimmten Haus gekommen sein kann. Umgehend befassen sich Kommissar Keller und seine Crew mit den Mietern dieses Hauses und es ergeben sich schnell unterschiedliche, aber auch eindeutige Lebensumstände dieser Personen. Eines haben sie alle gemeinsam, denn niemand will etwas gesehen oder gehört haben und sie glänzen durch eine sehr abweisende Haltung gegenüber der Polizei. Offensichtlich hat jeder etwas zu verbergen, doch wer hat den jungen Studenten ermordet..?

Bei Wolfgang Staudtes mittlerweile achten Episode für die "Kommissar"-Reihe zeigt sich umgehend, dass es sich erneut um eine präzise Arbeit handeln wird und das Hauptaugenmerk wird auf die Arbeit der Ermittler und die damit verbundene, genaue Beobachtung gelegt. Ein junger Mann wird auf offener Straße erschossen. Zeigten sich die Zeugen noch bestürzt, sind es nun die Personen aus dem Haus neben dem Tatort, die sich in Schweigen hüllen, oder mit aggressiver Verweigerungshaltung glänzen. Die schnelle Vorstellung skizziert die unterschiedlichsten Charaktere. Eine Strohwitwe, die einen minderjährigen Liebhaber hat, eine ältere, alleinstehende Frau, die einen Studenten finanziert und bei sich leben lässt, ein unsympathischer Herr, der ein winziges Zimmer an ein halbes Dutzend Türken vermietet hat, oder eine neugierige Klatschtante, die offensichtlich zum Standard jedes Mehrfamilienhauses gehört. Auch die Freundin des Ermordeten wird vorgestellt, inklusive ihrem rätselhaft wirkenden Arzt, mit Sonnenbrille bei Tag und Nacht. »Der Tote auf der Straße interessiert mich nicht!« ist nur eine der kalten Duschen, die Kommissar Keller zu hören bekommt, aber wie gewohnt lässt er sich nicht beirren, auch wenn sich die Verdächtigen noch so renitent verhalten. Es gibt also gewohnheitsmäßig keinerlei Verbündete für Recht und Ordnung. Auffällig ist in der 42. Folge, dass Reinhard Glemnitz eine berufliche Pause eingelegt hat, aber die aufmerksamen Kollegen werden es schon richten. Der Mord wurde hier sehr gut inszeniert, die damit einhergehenden Vorstellungen der Personen ebenfalls, wenngleich viele Unzulänglichkeiten sofort auf einem Silbertablett serviert werden. Es kristallisieren sich mögliche Tatmotive heraus, genau wie ein eigentlich herkömmlicher Kriminalfall, der allerdings von Routinier Wolfgang Staudte eine sehr eingängige Bearbeitung erfahren hat.

Dreh- und Angelpunkte dieser Folge stellen Tatort, Mehrfamilienhaus und eine Kneipe dar, die kurzerhand zu einer Art Ermittler-Büro umfunktioniert wird, schließlich sitzt man dort an der Quelle, um die Verdächtigen ins Visier zu nehmen und etliche Gaumenfreuden bereit zu haben. Die Darsteller in "Ein rätselhafter Mord" wirken besonders mysteriös, beziehungsweise ziemlich weit weg vom Zuschauer. Zu nennen ist sicherlich Maria Wimmer, die mit Kommandoton und eiserner Härte und Disziplin auffällt. Manfred Seipold als Student, der von ihr finanziert wird, hat nichts zu sagen und nimmt die Befehle seiner Wirtin und Geldgeberin bedingungslos an. Dieter Borsche als merkwürdiger Arzt, der dem Empfinden nach ein paar Frühlingsgefühle bekommt, wenn er seine junge Patientin Donata Höffer betreut, macht einen soliden Eindruck, genau wie ein immer unbequem wirkender Herbert Fleischmann, oder eine wie so oft stimmungslabil wirkende Eva Ingeborg Scholz. Eine besondere Freude stolziert in Form von Heidi Stroh als Augenzeugin des Mordes umher und es ist wie gewöhnlich ein Fest, ihr beim Schauspiel nach Art des Hauses zu folgen. Letztlich bekommt man ein komplettes Gebäude geboten, in dem der Schlüssel so sicher wie das Amen in der Kirche zu finden sein wird, doch dem Titel der Folge entsprechend wird das Ganze tatsächlich auch eher rätselhaft gehalten. Ein Haus voller Klischees steht im Angebot der Episode, doch man verspürt unter dieser Voraussetzung keinen Grund zum Klagen, denn eigentlich erwartet man hier genau diese Art der Unterhaltung. Es wird ein bisschen mit Abgründen und persönlichen Geheimnissen jongliert, doch der ganz große Schock wird definitiv ausbleiben. Als positive Verstärker sind noch die originellen Karussellfahrten der Kamera und die zeitgenössische Musik in der Kneipe zu nennen und insgesamt unterhält diese Folge gut, obwohl sie eher seelenruhig verläuft.


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 Betreff des Beitrags: Viper- Ein Ex-Cop räumt auf (1994)
BeitragVerfasst: 30.10.2016 17:59 
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VIPER - EIN EX-COP RÄUMT AUF

● BAD BLOOD / VIPER - EIN EX-COP RÄUMT AUF (US|1994)
mit Lorenzo Lamas, Frankie Thorn, Hank Cheyne, Joe Son, Kimberley Kates, Sigal Diamant und John P. Ryan
eine Produktion der MDP Productions | Spark Films
ein Film von Tibor Takács


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»Weißte was? Leck mich am Arsch!«

Der Ex-Cop Travis Blackstone (Lorenzo Lamas) saß fünf Jahre für seinen leichtsinnigen Bruder Franklin (Hank Cheyne) unschuldig im Knast, doch die Querelen um ihn hören nicht auf. Franklin hat sich auf krumme Geschäfte mit einem berüchtigten Drogenkartell eingelassen und sie um die Summe von fünf Millionen Dollar geprellt. Verständlicherweise sind die Bosse über diese Aktion nicht sehr erfreut und sie setzen ihren brutalsten Mann, den Killer Mr. Chang (Joe Son) und seine willigen Helfer auf ihn an. Um seinem Bruder erneut aus der Patsche zu helfen, stellt sich Travis in Form einer Ein-Mann-Armee gegen die rücksichtslosen Gangster, was den Startschuss für ein Blutbad darstellt...

Häufig kommt es bei B-Filmfreuden von damals schnell zu der spannenden Frage, ob diese auch Jahre später noch zünden können, sorgten sie in vergangenen Tagen doch mitunter für eine spürbare Euphorie. Selbst wenn sich das Augenmerk auf gewisse Komponenten komplett verändert hat, oder man einige Zutaten vielleicht etwas kritischer betrachten möchte, bleibt unterm Strich nur zu sagen, dass diese Beiträge immer noch recht gut funktionieren können. "Viper - Ein Ex-Cop räumt auf" zählt glücklicherweise zu dieser Gattung und man kann sich problemlos damit anfreunden, dass das zegegebenermaßen schwache Script von der Haupt- und Titelfigur, sowie seinen Widersachern einfach wild weg geballert wird. Dementsprechend ist der Action-Gehalt recht hoch, Lorenzo Lamas darf immer wieder seine choreografischen Fähigkeiten zum Besten geben und der Schuss Erotik sorgt für ansehnliche Atempausen, bis das Kunstblut wieder fröhlich in Fontänen sprudeln darf. Ausgestattet mit einer erfreulich umgangssprachlichen Synchronisation, weiß man es daher in Windeseile, mit wem man es eigentlich zu tun hat, obwohl manche Personen nicht gerade ausgiebig in das Szenario integriert wurden. Die durchaus in diesem Genre erfahrene Regie setzt hier generell auf ein hohes Tempo und diverse Einstellungen, die ihre Funktion als Schockmomente erfüllen sollen. Somit ist die Palette zwischen Kaltblütigkeit bis Brutalität recht gut abgedeckt worden, was aber für einen jeden solcher Beiträge gewissermaßen das Lebenselixier darstellt. Ein Einzelgänger muss seinem kleinen Bruder also den Arsch retten was er schließlich auch tun wird, um gleichzeitig die These zu untermauern, dass Blut eben doch dicker als fünf Jahre Knast ist.

Ohne Skrupel oder Angst vor dem belästigenden Geschmeiß, mit dem er es dadurch zu tun bekommen wird, stürzt sich Hauptdarsteller Lorenzo Lamas schließlich Hals über Kopf in das vorgefertigte Getümmel und spielt seine Erfahrungen aus diversen Action-Abenteuern gewinnbringend aus. Gefürchtet von Männern, aber begehrt von Frauen, wird dem Zuschauer genau die Schablone angeboten, die er verlangt. Agil, selbstbewusst, wortkarg und kompromisslos, darf man auf eine von Lorenzo Lamas' Darbietungen der zumindest einprägsameren Sorte schauen und er trägt einen Löwenanteil dazu bei, dass dieses Happening der künstlichen Gewalt auch funktioniert. Als seinen schlimmsten Gegner sieht man den Fiesling Joe Son, der als unscheinbar klingender Mr. Chang durchaus beunruhigende Züge anzunehmen weiß. Der Eintreiber des Kartells hat kein Problem damit, Leute zu foltern, sie genüsslich zu killen, Frauen zu schänden, oder Kinder umzubringen, sodass er am schmeichelhaftesten vielleicht damit charakterisiert ist, dass es sich bei ihm um den puren Abschaum handelt. Natürlich bleibt es bei so viel Skrupellosigkeit nicht aus, dass der gehässige Zuschauer auf sein qualvolles Ende hofft und ohne zu viel verraten zu wollen darf dennoch gesagt werden, dass der ungarische Regisseur Tibor Takács die bestehenden Gesetze derartiger Formate nicht sprengen, sondern sich ihnen eher ausgiebig bedienen wird. Mit allerlei Kugelhagel, pyrotechnischen Spielereien, Todesschreien und Dezimierungen der Beteiligten aus allen Himmelsrichtungen, bahnt sich also ein standesgemäßes Finale an, welches diesen Flick zu einem runden Gesamtergebnis führt. "Viper - Ein Ex-Cop räumt auf" konnte die Frage, ob das Ganze immer noch funktioniert, schließlich selbst beantworten und unterhält reißerisch, also nach wie vor gut.


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 Betreff des Beitrags: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963)
BeitragVerfasst: 06.11.2016 23:25 
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● SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (D|1963)
mit Peter van Eyck, Walter Rilla, Werner Peters, Dieter Borsche, Wolfgang Preiss, Agnes Windeck, Ruth Wilbert, Klaus Kinski,
Wolfgang Lukschy, Hans Nielsen, Albrecht Schoenhals, Jürgen Draeger, Ady Berber, Gert Wiedenhofen und Sabine Bethmann
eine Produktion der CCC Filmkunst | im Gloria Filmverleih
nach Motiven von Bryan Edgar Wallace
ein Film von Paul May


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»Der hat schon so viele Gesichter geändert, dass er selbst bald keins mehr haben wird!«

Der verstorbene Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss) hat von Professor Pohland (Walter Rilla) vollkommen Besitz ergriffen, der nun seine teuflischen Pläne ausführen will. Mithilfe einer neu entwickelten Apparatur zur Willensübertragung hat er vor, die Welt in Angst und Schrecken zu versetzen und jeder der sich ihm widersetzt, soll rücksichtslos beseitigt werden. Zunächst kommt es zu einem Anschlag in Hamburg, wo Inspektor Vulpius (Werner Peters) mit der Rekonstruktion des Testaments von Dr. Mabuse beschäftigt war, welches aber vollkommen zerstört wurde, damit keine Rückschlüsse auf zukünftige Verbrechen gezogen werden können. Professor Pohland, alias Doktor Mabuse, rekrutiert eine Reihe namhafter Verbrecher und die mittlerweile einsatzbereite Apparatur zum Hypnotisieren von Opfern bringt beängstigende Ergebnisse. Die deutsche Polizei nimmt unterdessen Kontakt mit Major Bill Tern (Peter van Eyck) von Scotland Yard auf, um gemeinsam eine Front gegen die perfiden Pläne zu bilden. Wird man Mabuse und seine Helfershelfer noch rechtzeitig stoppen können..?

Nach vier mehr oder weniger gelungenen "Mabuse"-Reißern sollte das Gesetz der Serie durch Regisseur Paul May vollstreckt werden, allerdings musste es zu einigen Brüchen innerhalb der laufenden Reihe kommen. Hauptsächlich anzumerken ist hierbei, dass sich die Titelfigur selbst für diese Änderungen verantwortlich zeichnete, da sie im Vorgängerfilm "Das Testament des Dr. Mabuse" in einem Sanatorium verstorben war. Allerdings sieht man Wolfgang Preiss hier dennoch wieder als größenwahnsinnigen Superverbrecher, wenn auch nur zu Beginn und am Ende des Films. Die Idee der Willensübertragung und Fremdsteuerung wird auch in Beitrag Nummer 5 wieder verwendet und "Dr. Mabuse" ergreift von Professor Pohland, seinem ehemaligen Psychiater, Besitz. Da die 1000 Augen eines ehemaligen Nazi-Spitzel-Hotels, willenlos machende Drogen, Apparate die unsichtbar machen und Hypnose inklusive Willensübertragung bislang nicht die gewünschten Erfolge zur Ergreifung der Weltherrschaft erbracht hatten, bekommt der ungläubige Zuschauer nun eine Apparatur aufgetischt, mit der ein fremder Befehl leicht auf einen anderen übertragen werden kann und alle Zielscheiben zu willenlosen Spielbällen des Doktors machen soll. Wie immer hat man die Rechnung ohne die aufmerksamen Ermittler gemacht, die in den verschiedenen Teilen der Reihe immer variiert wurden. Paul May inszeniert von vorne herein reißerisch und versucht auf Tempo zu setzen, dennoch sind die offensichtlichen Veränderungen spürbar und reichen diesen Beitrag in die zweite, oder besser gesagt, fünfte Reihe. Abnutzungserscheinungen innerhalb einer laufenden Reihe sind naturgemäß schwer zu vermeiden, also kommt es auch zu einer Vielzahl neuer Ideen, so abstrus sie auch sein mögen. Interessant ist, dass hier ganz offensiv mit brutaler Härte vorgegangen wird, die man nicht in jedem Beitrag in der gleichen Konzentration finden konnte.

Artur Brauners Idee, Bryan Edgar Wallace mit Norbert Jacques' Figur zu kreuzen, bringt einen recht eigenartigen Eindruck zustande, aber zunächst lässt sich diesem Film ein ganz ausgeklügelter Aufbau bescheinigen, der auch nach fünf Teilen noch bei der Stange zu halten weiß. Die unsentimentale Brutalität aus Harald Reinls "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" scheint von Paul May wieder konsequenter aufgegriffen worden zu sein, was der alten Titelfigur mit neuem Gesicht sehr gut stehen will. Um an die Weltherrschaft zu gelangen braucht es nicht nur das unausschöpflich wirkende, kriminelle Potential des Doktors, sondern vor allem einen gnadenlosen Vollstrecker, der hier mit Walter Rilla, alias Professor Pohland, gefunden war. Die Apparatur zur Übertragung eines fremden Willens wird sehr eindringlich zur Schau gestellt, töten doch letztendlich Menschen einen Anderen, die niemals im Traum auf diese Idee gekommen wären, und das ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Tatsache wirkt natürlich beängstigend und birgt genügend Potential, die Welt zu erschüttern. Ein ahnungsloser Postbote erschlägt beispielsweise Proffessor Laurentz, den Entwickler dieser Höllenmaschine, ein Henker richtet sich selbst und das nur, weil er per fremdem Befehl dazu gezwungen wurde. Da die Welt sich allerdings nicht so einfach in die Tasche stecken lässt, wurden auch hier einige Stolpersteine mit eingestrickt, sodass es zu einem konsequenten Tauziehen zwischen Gut und Böse kommen kann. Die Dichte von Verbrechen, Mord und Totschlag ist in der ersten halben Stunde derartig hoch, dass der Verlauf Probleme bekommt, diese Stringenz aufrecht zu erhalten. Auch dass sich die Geschichte mit ihren allzu merkwürdigen Auswüchsen ein wenig selbst auszumanövrieren scheint, kommt dieser Angelegenheit nicht zugute. Wie in dieser Reihe üblich, wartet die Produktion mit beliebten Darstellern und Veteranen der Reihe auf.

Wie es in den sechs Teilen üblich war, variierten die Rollen und deren Namen trotz gleicher Darsteller. So spielen Peter van Eyck und Werner Peters hier komplett andere Typen, was allerdings nicht störend wirkt, im Gegensatz zu diversen Spielereien, die sich das Drehbuch mit dessen Akteuren erlaubt. In diesem Zusammenhang ist leider die Hauptrolle zu erwähnen, die Peter van Eyck weder mit Präsenz und übermäßigem Charme, noch seiner Routine retten kann. Es ist unglaublich aber wahr, doch dieses Abdriften der Rolle liegt an keiner anderen als Agnes Windeck, hier zuständig für den Humor der unbequemsten Sorte. Von Wallace bis Mabuse hatte es bislang immer einen humoristischen Gegenpart bei so viel Prosa gegeben und viele der Variationen zeigten sich mehr oder weniger als gelungen, beziehungsweise in einem Maße förderlich, dass es zu keinen Störungen kam. Auch bei vorhergegangenen Vertretern konnte man etliche Darsteller sehen, die diesen Part bereits übernommen hatten, doch hier lässt sich nichts machen, denn die Anlegung zwischen Protagonisten und der kombinationstüchtigen Mutter schwächt den eigentlichem Held in besonderem Maße ab, dass gleich alles unglaubwürdig, tendenziell sogar schwer auszuhalten sein wird. So klammert man sich an andere Auftritte, die nachhaltig überzeugen, wenn nicht sogar begeistern können. Hier ist vor allem Walter Rilla zu nennen, der eine beeindruckende Metamorphose für die Geschichte und den Zuschauer durchmacht. Aufgrund der Synchronisation durch Schauspiel-Kollege O.E. Hasse schwingt in seiner Ausstrahlung mehr Aggressivität und Vehemenz mit. Überhaupt bleibt zu sagen, dass es sich vielleicht um die beste Darstellung der Titelfigur handelt, wenn auch in anderer Hülle. Walter Rilla stellt für die Geschichte eine der großen Eckpfeiler dar, denn man weiß, dass es sich bei seinen Plänen nicht nur um bloße Drohungen handelt, da er gleich unerbittlich zur Tat schreitet.

Eine gute Performance gibt es des Weiteren von Werner Peters, der bereits in seinem vierten Auftritt bei Mabuse dabei ist, und er transportiert wie immer eine hohe Glaubwürdigkeit, stellt dabei auch seine Variabilität unter Beweis. Dieter Borsche, Wolfgang Lukschy, Albrecht Schoenhals oder Hans Nielsen zeigen sich mehr von ihrer soliden, als von ihrer aufopfernden Seite, aber das bunt zusammengewürfelte Ensemble passt und führt den Film auch durch schwierige inszenatorische Zeiten. Am Rande sei noch erwähnt, dass insbesondere Klaus Kinski und Agnes Windeck eher schwache Profile zeichnen, was bei dem Einen zu wenig ist, ist bei der Anderen viel zu viel. Die weibliche Hauptrolle, der Windeck auch noch versucht, den Rang abzulaufen, wurde mit Sabine Bethmann unspektakulär besetzt. Leider gestattet die Story ihr zu wenig Raum und sie steht außerdem stellvertretend für ein gewisses Rollen-Klischee des damaligen Kriminalfilms, hat somit einige Schwierigkeiten, sich von einheitlichen Darbietungen abzugrenzen. Unter der Regie von Paul May kommt es zu vielen herkömmlichen Zutaten die üblich waren, allerdings nimmt man auch eine Art Wendepunkt wahr, der gut oder eben weniger gut ankommen kann. Von echten Stilbrüchen kann trotzdem keine Rede sein. Das Gesamtbild wird geprägt von weniger bedeutenden Schauplätzen und Kulissen und Beitrag Nummer 5 hat somit sicherlich das Nachsehen, wenn man mit der internen Konkurrenz vergleicht. Auffällig ist und bleibt die gesteigerte Kaltblütigkeit, die man im Rahmen der Apparatur zur Hypnose erreicht, was sehr gut ankommt und "Dr. Mabuse" genau das größenwahnsinnige und kompromisslose Profil einhaucht, die diese Figur auch nötig hat. Im Großen und Gazen lässt sich "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" recht gut anschauen, denn der kurzweilige Verlauf mit seinen turbulenten Tendenzen ist unterhaltsam, wenngleich er in der persönlichen Rangliste weiter hinten rangiert.


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 Betreff des Beitrags: Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler (1974)
BeitragVerfasst: 11.11.2016 00:51 
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● AUCH ICH WAR NUR EIN MITTELMÄSSIGER SCHÜLER (D|1974)
mit Detlev Eckstein, Bernd Herberger, Jutta Speidel, Christiane Krüger, Kristina Nel, Horst Tappert, Claus Biederstaedt,
Gerlinde Locker, Konrad Georg, Margot Trooger, Günter Mack, Wolfgang Spier sowie Georg Thomalla und Rudolf Platte
eine Allianz Filmproduktion im Auftrag der | Terra Filmkunst | Divina Film | im Contantin Filmverleih
ein Film von Werner Jacobs


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»Ist Spicken geistiger Diebstahl?«

Peter Ahrens (Detlev Eckstein) und Felix Kempmann (Bernd Herberger) treffen sich nach Jahren per Zufall in der Geburtenstation einer Klinik wieder. Sie waren seit ihrer Kindheit an Klassenkameraden und hatten sich seit dem Abitur nicht mehr gesehen. Die werdenden Väter werden von einer Krankenschwester nach Hause geschickt, mit der Zusicherung, dass sie umgehend informiert werden, wenn ihr Nachwuchs zur Welt kommt. In Peters Wohnung erinnern sie sich gemeinsam der guten, alten Zeit und berichten dem anwesenden Elektriker Denkel (Rudolf Platte), der seit Ewigkeiten eine defekte Steckdose reparieren soll, von ihren Schandtaten als Schüler, wobei Peter in dieser Beziehung mehr zu berichten hat, als sein strebsamer Kollege Felix. Unter ordentlichem Alkoholeinfluss kommen sogar Geschichten zutage, die man vielleicht besser niemandem erzählt hätte...

Werner Jacobs' "Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler" bildet den Abschluss einer langen Serie von Lümmel und Paukerfilmen, die mehr oder weniger nach klassischen Strickmustern aufgezogen wurden. Zwischen 1968 bis 1974 entstanden somit mehr als 15 derartige Produktionen, die mitunter sehr hohe Besucherzahlen in den deutschen Kinos einfahren konnten. Diese Adaption, die nach Motiven Alexander Spoerls basiert, weicht in weiten Teilen von seiner landläufig bekannten Konkurrenz ab, was sich vor allem inhaltlich zeigt, aber auch in Besetzungsfragen. Einen solchen Beitrag ohne beispielsweise Hansi Kraus oder Theo Lingen würden viele aufgrund deren Abwesenheit vielleicht erst gar nicht zu diesem Genre zählen, aber die Thematik wird klassisch bedient, wenn auch mit einer abweichenden, aber durchaus frisch wirkenden Herangehensweise. Im Vorspann des Films vernimmt man den Welterfolg "Waterloo" der schwedischen Pop-Gruppe ABBA, der die ansonsten gelungene Filmmusik von Raimund Rosenberger etwas in die zweite Reihe drängt, aber man kann gleichzeitig auf eine hoch interessante und fast vollkommen alternative Besetzung schauen, die insbesondere bei den männlichen Hauptrollen einen beinahe mutigen Eindruck macht. Überhaupt kommt die Idee sehr gut an, dass es innerhalb dieser ausgelassenen Männerrunde, die nach Jahren wieder aufeinandertrifft, zu zahlreichen Rückblenden kommt, denn schließlich hat man bei Filmen gleichen Themas zahlreiche Versionen zu sehen bekommen, die nahezu identisch waren. Werner Jacobs, der mit "Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler" bereits seinen vorletzten Spielfilm inszenierte, verzichtet weitgehend auf den Klamauk, der in vielen deutschen Produktionen dieser Zeit zum Überholmanöver angesetzt hat und in nicht wenigen Fällen erdrückend wirkte.

Dieser Verlauf bietet hingegen mehrere geistreiche Momente und es macht Spaß, die Protagonisten auf ihrer Zeitreise zu begleiten. In den Hauptrollen sieht man die jungen Darsteller Detlev Eckstein und Bernd Herberger, die auf den ersten Blick vielleicht nicht unbedingt wie die erste Wahl des Zuschauers aussehen mögen, aber letztlich lösen sie ihre Aufgaben doch recht ansprechend. Jutta Speidel und Kristina Nel stricken ein wenig Romantik in das Szenario, doch insgesamt ist einfach zu betonen, dass diese Vierer-Konstellation den etablierten Gesichtern nicht den Rang ablaufen kann. Gute Eindrücke hinterlassen zum Beispiel Horst Tappert, hier in seinem letzten Kinofilm, oder die reizende Christiane Krüger, Claus Biederstaedt, Gerlinde Locker, Konrad Georg und Rudolf Platte. Die Dichte an bekannten Stars dieser Zeit ist ohnehin sehr hoch, sodass man viele Interpreten nur in Kurzauftritten zu sehen bekommt. Das alt hergebrachte Thema Schüler gegen Lehrer nimmt hier nicht die überzeichneten Dimensionen der beispielsweise bekanntesten Pauker-Filme an, doch man nimmt den bemühten Versuch wahr, dass Alternativen angeboten werden, die - man muss es sagen wie es ist - leider nicht immer zünden werden. Des Weiteren wird selbstverständlich der Humor ganz groß geschrieben. Angenehme Situationskomik lockert den Verkauf immer wieder auf und letztlich ist diese Variation mit Anteilen einer Verwechslungskomödie als geglückt zu bezeichnen. Vielleicht ist es letztlich auch der Vergleich zu vielen vorhergegangenen Beiträgen der immer gleichen Machart, die Werner Jacobs' Arbeit in einem glanzvolleren Licht strahlen lässt, und von handwerklicher Seite ist sicherlich nichts falsch gemacht worden. Somit stellt "Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler" einen gelungenen Abschluss einer sehr erfolgreichen Reihe dar, der nach wie vor einen der unbekannteren Vertreter darstellt.


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 Betreff des Beitrags: Die Zeit der Kirschen ist vorbei (1967)
BeitragVerfasst: 17.11.2016 13:15 
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Eva Renzi   Jacques Perrin   in

DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI

● LE GRAND DADAIS / DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI (F|D|1967)
mit Danièle Gaubert, Yvonne Clech, Yves Rénier, André Falcon, Max Vialle, Heinz Spitzner und Harald Leipnitz
eine Produktion der Les Films de la Licorne | Rialto Film Preben Philipsen | CICC | im Constantin Filmverleih
nach dem gleichnamigen Roman von Bertrand Poirot-Delpech
Sacha Distel singt "Ces mots stupides"
ein Film von Pierre Granier-Deferre


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»Du kannst nicht lieben, ohne unglücklich zu sein!«

Der 20-jährige Alain (Jacques Perrin) hat genug von seinem bisherigen Leben. Da er noch gemeinsam mit seiner Mutter (Yvonne Clech) lebt, die ihn bevormundet und stets weiß, was am besten für ihn ist, außerdem permanent von seiner Freundin Emmanuelle (Danièle Gaubert) abgewiesen wird, möchte er hinaus aus seinem bürgerlichen Käfig und alles scheint sich zu ändern, als er das deutsche Fotomodell Patricia (Eva Renzi) kennenlernt. Sie zeigt ihm ganz selbstverständlich, wie das Leben sein kann und offensichtlich ist es mit ihr genauso, wie er es sich vorgestellt hat. Alain verliebt sich in die schöne Frau, doch schnell beginnt das Dasein auf der Überholspur mehrere Haken aufzuweisen. Um Patricia etwas bieten zu können, erpresst er einen ihrer temporär abgelegten Liebhaber, den reichen Makler Poloni (Harald Leipnitz). Noch ahnt Alain nicht, dass dies nur der Anfang einer Reihe von Fehlentscheidungen sein würde, die ihn geradezu in eine Katastrophe manövrieren...

Ja, es gibt sie! Filme, von denen man quasi wusste, dass man immer nur auf sie gewartet hat. Pierre Granier-Deferres "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" ist ein solches Exemplar, das alle erdenklichen Komponenten vereint, die nach persönlichem Ermessen essentiell für die größten Film-Momente sind. Seinerzeit wurde diese Produktion mit dem Prädikat: »wertvoll« ausgezeichnet und entstanden ist eine der vielen, einfachen Geschichten, wie sie tatsächlich nur unter französischer Flagge fabriziert werden konnten. Interessant ist die Tatsache, dass die Berliner Rialto Film an dieser Gemeinschaftsproduktion beteiligt war, agierte sie doch auch zu dieser Zeit noch immer, beziehungsweise vor allem am Edgar-Wallace-Fließband. Für deutsche, oder zumindest deutsch-beteiligte Verhältnisse, des Weiteren für diejenigen der Produktionsfirma, ist definitiv ein Beitrag entstanden, der strukturell und inszenatorisch einen ganz besonderen Eindruck macht. Außerdem dokumentiert er, dass solche Ausreißer möglich waren, und dass man für den heimischen Markt möglicherweise zu eintönig inszenierte. Aus diesem Grund schwingt auch heute noch eine zeitlose Eleganz und anhaltende Gültigkeit mit, die das Anschauen zu einem puren Erlebnis werden lässt. Das Thema, das offensichtlich unvergänglich ist, stellt einmal mehr die Liebe dar. So fachmännisch seziert, dass die befürchtete Kettenreaktion oft kaum auszuhalten ist. So immer wiederkehrend, dass man es schon fast nicht mehr hören will, aber ebenso berauschend, als dass man einfach nicht anders kann, den beteiligten Personen die eigene Faszination zu Füßen zu legen. Granier-Deferre gestaltete nach Motiven von Bertrand Poirot Delpech, dessen Buch "Der große Tunichtgut", das hier als Vorlage diente, bereits 1958 veröffentlicht wurde. Die Regie inszeniert in der damaligen Gegenwart, sozusagen mit einem gestochen scharfen Blick zurück nach vorn, und wie gesagt ist dieser Beitrag auch heute noch voller Vitalität und lebensnaher Dramatik.

Das alles geschieht, ohne zu sentimental zu werden. Höchstens kann man angesichts gewisser Momente sagen, dass es zu ehrlich, vielleicht sogar zu pragmatisch zugeht. Aber das Thema Liebe war in unzähligen Filmen alles von Elixier bis Randerscheinung und bildet hier den anfänglichen Treibstoff, später dann den Zündstoff für die komplette Angelegenheit. Doch bevor man auch nur eine Ahnung vermittelt bekommt, wohin Pierre Granier-Deferre den Zuseher führen will, liefert er gleich von der ersten Sekunde an auffällige Kontraste. Die Kamera schwenkt über eine malerische Landschaft, untermalt mit der Titelmelodie des französischen Chansonniers Sacha Distel. Zu "Ces mots stupides" tastet die Kamera jede Einzelheit eines brennenden Sportwagens ab, sodass diese ungewöhnliche Kombination gleich einen wegweisenden Charakter annehmen wird. Vergänglichkeit und Zerstörungswut stehen als vage Skizzen im Raum, der schwarze Rauch erzählt das Ende einer vermutlich tragischen Geschichte, bis man sich unmittelbar danach in einem kühlen, sterilen Gerichtssaal wiederfindet, in dem sich der junge Protagonist dieses Szenarios auf der Anklagebank zu verantworten hat. Die Verhöre und die Anschuldigungen nehmen unbehagliche Formen an, vor allem die zynischen Untertöne der Staatsanwaltschaft irritieren nachhaltig. »Die heutige Jugend hat alles, was sie sich wünscht, und deshalb leidet sie«, ist nur eine der Spitzen, die in Richtung von Alain abgefeuert werden, der merklich Probleme hat, sich mental zusammenzunehmen. Seine fahrigen Antworten dokumentieren, dass er die Lage, in der er sich nun befindet, noch gar nicht so recht begriffen zu haben scheint. Die Regie setzt auf Intervalle, die aus der gegenwärtigen Situation und ausgiebigen Rückblenden bestehen, die das Puzzle zusammenfügen werden. Dabei gelingt es unglaublich gut, die Spannung und das fehlende Fragment bis zur letzten Sekunde vorzuenthalten, sodass man sich auf einen hoch interessanten Aufbau freuen darf.

Französisches Flair breitet sich aus, oder vielleicht ist der Kern der Sache besser getroffen, wenn man es als Lebensgefühl und dessen Einstellungen bezeichnet. Das Hauptaugenmerk wird auf die heutige, also damalige Jugend gelegt, jedoch nicht ohne einen zusätzlich kritischen Blick auf die Vorgänger-Generation zu werfen. Weswegen alles so ist, wie es ist, wird nicht geklärt, beziehungsweise nicht tiefenpsychologisch aufgeschlüsselt und der Zuschauer erhält genügend Raum, um sich mit seinen eigenen Gedanken zu beschäftigen und dem hier angebotenen Thema, der, wie man so schön sagt, eigentlich schönsten Sache der Welt. Ein Exkurs für die Liebe also? Ja, in diesem Fall muss es tatsächlich sein. Zunächst kann einmal betont werden, wie unheimlich zielsicher Granier-Deferre einen Transfer für den Interessenten herstellt, der sich in vielen Situationen wiederfinden wird, ohne dabei die Präzision zur Hilfe nehmen zu müssen. Es geschieht en passant, quasi wie vergessene Bilder, Bruchstücke, die plötzlich wieder lebhaft an einem vorbeirauschen. Wo also sieht man sich selbst? Beispielsweise in Situationen des Glücks, der Impulsivität, des Zweifelns und der Suche, man erinnert sich selbst wie aus dem Nichts an Dinge, die man vielleicht besser nie gesagt oder getan hätte, oder solche, die man leider verschwiegen hat. Es ist eigentlich kaum oder nur schwer zu beschreiben, was in "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" im filmübergreifenden Sinn geschieht. Gerade deswegen ist es beinahe nicht möglich, unberührt zurückzubleiben. Sicherlich bietet der Verlauf überdies einige andere Komponenten, die einen letztlich ansprechen werden, doch unterm Strich bleibt das große Drama rund um diese drei Worte, die vielleicht gerade im Film sinnbildlich für Überdruss und Verlogenheit stehen. Aufgrund der so simpel erarbeiteten, beziehungsweise angebotenen Berührungspunkte, geschieht dies hier glücklicherweise nicht. »Wenn man lieben will, dann muss man dafür leiden können!« - die Protagonisten der Geschichte liefern in dieser Beziehung eine Expertise ab.

In diesem Zusammenhang ist natürlich die strahlende Schönheit und die unverwechselbare Ausstrahlung einer Eva Renzi zu nennen, die in jeder erdenklichen Hinsicht instrumentalisiert wird. Eine notwendige Grundvoraussetzung für das Funktionieren dieser intelligenten Konstruktion. Erneut sieht man die Berlinerin nicht nur in ihrem Element, sondern vor allem als personifizierten Prototypen der Frau. Sie vereint und stellt gleichzeitig alles dar, was das Thema Vereinnahmung herzugeben weiß. Im Grunde genommen wird man euphorischer Zeuge einer Neuauflage ihrer Rolle aus dem ein Jahr zuvor entstandenen Film "Playgirl", da es etliche Parallelen gibt. Erstaunlicherweise darf aber auch gesagt werden, dass sie ihre eigene Leistung aus diesem ultimativen Renzi-Film nicht nur Aufsehen erregend verfeinert, sondern ihn darüber hinaus spektakulär in die Tasche steckt. Zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Fotomodell Pat kommt es in einer gut besuchten Diskothek. Sie tanzt auf der Spitze des Vulkans, ist in tiefrotes Licht getaucht, was die ohnehin attraktive Frau nur noch mehr zum Epizentrum der Versuchung werden lässt. Die Augen des männlichen Protagonisten Alain verschmelzen in dieser Strecke von verführerischen Bildern mit denen eines jeden Zuschauers. Wie gebannt schaut man auf dieses makellose Geschöpf, für welches man sofort gerne 100 neue Komplimente erfinden möchte. Um sie herum entsteht eine Weite, da sie alles andere zur Nebensächlichkeit abqualifiziert, ganz resolut und natürlich. Pat ist sich ihrer Wirkung bewusst, denn sie ist die Blicke, die Anfragen und das kleine Rampenlicht gewöhnt. Ein immerwährendes Spiel verlangt seine hohen Einsätze, denn trotz empfundener Leichtfertigkeit und einer so auffallend unkomplizierten Attitüde, scheint der Gewinn prinzipiell in weiter Ferne zu sein. Zumindest für die meisten, da eine solche Frau das Selbstbewusstsein und Urteilsvermögen eines jeden Mannes naturgemäß erschüttern kann. Was bleibt, ist eine Performance, die zu Superlativen animiert.

Die interessante Frage stellt sich unmittelbar im Anschluss dieser Show, nämlich wie es Alain überhaupt schaffen kann, in ihren Radius zu gelangen, doch überraschenderweise funktioniert es - wer hätte das gedacht - ganz einfach. Germain, ein guter Freund von Alain, fragt ganz direkt bei ihr an, ob Interesse besteht. Ohne Zwänge und konventionelle Barrikaden lässt sich der mittlerweile vom Tanzen erschöpfte Star des Clubs von ihm nach Hause chauffieren und im Wagen kommt es zu schnellen Charakterisierungen der beiden Hauptpersonen. Patricia entschärft die sprachlichen Klippen und unterschwelligen Zwänge mit ungenierter Direktheit, Alain hingegen imponiert aufgrund seiner Unsicherheit, die er zu übertünchen versucht und er deswegen ziemlich redselig wird. Ist das Fundament für eine Kettenreaktion also hiermit bereits gelegt worden? Der frühe Verlauf schmückt sich mit trügerischer Diskretion und behält eine nun abweichende, reibungslose Strategie im Auge, zumindest bis die drei berüchtigtsten Worte der Welt endlich gefallen sind. Alain hat sich klassisch blenden, vielleicht erlegen lassen, vergisst alles und jeden um sich herum, sogar seine hübsche Freundin Emmanuelle. Für diese Rolle taucht ein weiteres der schönsten Gesichter des französischen Kinos auf, nämlich jenes der begehrenswerten Danièle Gaubert. Im Gegensatz zum neuen Objekt der Begierde, steht sie für verkappte Moralvorstellungen und fühlt sich in der Defensive wohl, möchte darüber hinaus die Einzige für ihn sein. In einer Szene vergleicht der junge Mann sie mit seiner eigenen Mutter, übrigens ausgezeichnet dargestellt von der bekannten französischen Actrice Yvonne Clech, die ihn bevormundet und immer noch gerne wie ein Kind behandelt, wahlweise sogar wie ihren verstorbenen Ehemann. In vielen solcher Einzelheiten begründet sich Alains Angriffslust, oppositionelles Verhalten, aber auch die Resignation, und er selbst bringt sein korsettartiges Dilemma vielleicht mit folgendem Satz sehr treffend auf den Punkt: »Gutherzigkeit macht einen verrückt!«

Man kann eben doch nicht heraus aus seiner Haut und ist viel mehr von Zwängen abhängig, als einem lieb ist. Und genau das spiegelt sich auch in der Beziehung zwischen Patricia und Alain wider. Doch zuvor sorgt der Regisseur für viele herrliche Momente der Zweisamkeit, die häufig mit der Titelmelodie von Sacha Distel unterlegt sind, sodass nicht nur ein beneidenswertes Flair, sondern sogar Edel-Romantik der klassischsten Sorte aufkommen will. Allerdings ist diese nur dazu gemacht, um wenig später in Stücke zu zerfallen, denn die Konstellation scheitert am gegenseitigen Widerstand und vor allem an einem unterschiedlichen Weltbild. Die offensichtliche Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit kann keine sinnvolle Allianz mit der Ernsthaftigkeit eingehen und das Konstrukt lebt nur von temporären Impulsen. Wie weit der männliche Protagonist getrieben wurde, wird von der Tatsache dokumentiert, dass er vor Gericht steht, denn es steht ein nicht benannter Toter, oder möglicherweise eine Tote im Raum. Die Regie hält diese Spannung bis zum letzten Moment des Verlaufs aufrecht und bedient sich eines sehr originellen Ausschlussverfahrens, denn die potentiellen Opfer treten hintereinander als Zeugen im Gerichtssaal auf. Wer bleibt also übrig, fragt man sich, oder gibt es eine komplett andere Wendung? Das Bemerkenswerte an "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" ist der geradlinige und vollkommen klare Aufbau. Ohne Hektik oder zeitgenössisches Spektakel steuern die Hauptpersonen in eine Katastrophe, bei der jeder von ihnen selbst Regie geführt hat. Obwohl Hintergründe sehr gut durchleuchtet, und viele Gründe dokumentiert werden, kommt man als Zuschauer nicht umhin gegenzudenken und über die rhetorische Frage zu philosophieren, ob das alles hätte sein müssen, wenn das Glück doch in greifbarer Nähe gelegen hat. Aber ganz im Stil großer französischer Beiträge, sind es vor allem Emotionen und Temperament, die den Verlauf diktieren, daher auch unmissverständlich prägen.

Die Darsteller leisten hierbei eine hervorragende Arbeit und vor allem die Hauptrollen von Jacques Perrin und Eva Renzi steuern wie bereits erwähnt den Löwenanteil dazu bei, dass es zu einer so bemerkenswerten Atmosphäre kommt. Als Film mit deutscher Beteiligung sind außer Heinz Spitzner und Harald Leipnitz keine weiteren Landsmänner im Szenario zu finden. Auch der Stab hinter den Kulissen wird so gut wie ausschließlich von französischer Seite dominiert, lediglich Horst Wendlandts Rialto-Film steht als Partner zu Buche. Interessant ist die Fußnote, dass Leipnitz hier genau wie Renzi auch, eine ähnliche Rolle wie in "Playgirl" zum Besten gibt, auch Heinz Spitzner hat einen beinahe identischen Auftritt wie in dem Wallace-Film "Die blaue Hand", der kurz zuvor im gleichen Produktionsjahr entstanden ist. Insgesamt werden im Rahmen männlich-weiblicher Konstellationen noch weitgehend klassische Rollenverteilungen gezeichnet, lediglich Patricia weicht diese bestehenden Gesetzte offensiv auf. Alain versucht diesen Zwängen zu entkommen, manövriert sich jedoch gegen seinen Willen immer mehr in diese Strukturen hinein, weil sie trotz aller Abscheu Sicherheit geben und im Grunde genommen auch seiner Einstellung entsprechen. Offensive - Defensive, Risiko - Verstand, Glück - Schicksal; das ganze Spektrum der Gegensätzlichkeiten wird in Pierre Granier-Deferres wunderbarem Liebes-Drama unter Berücksichtigung von Gesetzmäßigkeiten glaubhaft vor- und dargestellt. Wenn die Luft brennt, die Konstellationen in Stücke zerfallen, wenn alles so zum greifen nah erscheint dass tatsächlich Emotionen beim Zuschauer fabriziert werden können, dann kann man nur zu dem Fazit kommen, nämlich dass es sich um einen Film handelt, der leider zu Unrecht nicht den Bekanntheitsgrad genießt und den Respekt bekommt, den er verdient. Als Fazit wird aufgezeigt, dass das höchste Gefühle einfach mal wieder nicht genug gewesen ist und von der Regie als immer wiederkehrende Parabel auf den Punkt gebracht. Nach persönlichem Ermessen handelt es sich bei diesem Film um die beeindruckendste Entdeckung der letzten zehn Jahre. Mindestens!


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 Betreff des Beitrags: Tod am Bahngleis (1975)
BeitragVerfasst: 11.12.2016 19:42 
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● Folge 5 | TOD AM BAHNGLEIS (D|1975)
mit Horst Tappert, Fritz Wepper, Günther Stoll, Hermann Lenschau
Gäste: Peter Kuiper, Mascha Gonska, Günter Strack, Arthur Brauss, Ulli Kinalzik, Erica Schramm, u.a.
hergestellt durch die Telenova Film- und Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF | ORF | SRG
Regie: Alfred Weidenmann



Innerhalb von wenigen Wochen ist es bereits zu drei Morden an jungen, gut aussehenden Frauen gekommen, die von München aus auf dem Nachhauseweg waren. Da die Leichen stets neben den S-Bahngleisen gefunden wurden, geht die Polizei von dem gleichen Täter aus, da Fundort nicht gleichzeitig der Tatort ist. Die Frauen wurden jeweils dort hin getragen, doch das Motiv ist vollkommen unklar. Nach dem letzten Mord berichten Augenzeugen von einem Mann, der sich auffällig verhalten haben soll, was die einzige greifbare Spur für Oberinspektor Derrick und seinen Assistenten Klein darstellt. Durch mühevolle Kleinstarbeit kann das Phantom skizziert werden und man setzt zum entscheidenden Schlag an, allerdings lässt es sich nicht so einfach fassen, wie zunächst angenommen, da es schon sein nächstes Opfer im Visier hat...

Der fünften "Derrick"-Folge "Tod am Bahngleis" liegt ein psychologisches Motiv fernab von Habgier und Bereicherung zugrunde. Unter Routinier Alfred Weidenmann dient die Projektionsfläche Frau mit all ihren Attributen als treibende Kraft für das bestehende Motiv, wenngleich es im Rahmen der begrenzten Spielzeit nicht zu ausufernden Erklärungen kommen kann. Erfahrungsgemäß basiert das Hauptaugenmerk im Unterhaltungssektor aber (glücklicherweise) auch nicht vollkommen auf Freud'schen Erkenntnissen und es kommen recht herkömmliche Kniffe zum Tragen, die vor allem für den Zuschauer greifbar wirken. Ein Mann tötet aus einem diffusen Hass heraus Frauen, und bei den Morden müssen gewisse Grundvoraussetzungen gegeben sein. Attraktiv und vollkommen alleine müssen sie sein, damit der Täter im Schutze der Abgelegenheit und Dunkelheit zuschlagen kann. Um die Perversion seiner Taten zu unterstreichen, bahrt er die leblosen Hüllen am Bahndamm auf, dem Ort seiner täglichen Arbeit. Weidenmann stützt sich auf viele Eindrücke aus dem Arbeitermilieu, in dem zahlreiche bürgerliche Schablonen abgehandelt werden, was letztlich zur empfundenen Glaubwürdigkeit beitragen und letztlich an die Qualitätsvorgaben der vier vorhergegangenen Folgen anknüpfen kann. Die Regie setzt dabei auf ganz gewisse Charakteristika, was erneut etwas vom Servieren auf einem Silbertablett hat, sodass eine Art Diktat zustande kommt, welches in seiner Auffälligkeit eigentlich nicht hätte sein müssen. Einerseits zeigen sich daher ein paar ungünstig konstruierte und peinlich wirkende Momente, die andererseits durch viele günstige Einfälle auf der Habenseite ausgeglichen werden. Zu nennen ist die besonders erdrückende Atmosphäre, wenn der Mörder zuschlägt, beziehungsweise zuschlagen will; auch dessen Zeichnung ist durch Peter Kuipers besonderes Ausdrucksvermögen sehr gelungen.

Bei ihm handelt es sich um einen Einzelgänger, der nicht auseinander halten kann, ob die Leute seiner Umgebung mit ihm, oder über ihn lachen. Leider ist es die zweite Variante, die in der Regel zum Tragen kommt und es stauen sich Frustration und zusätzlicher Hass an. Seine Kollegen suhlen sich in anzüglichen Kommentaren und deklarieren ihn scherzhaft gerne zum Sexprotz, der allerdings weit davon entfernt ist. In Bars und Nachtlokalen sieht man ihn als klassischen Voyeur, der sich naturgemäß nicht in den Radius von unerreichbaren Frauen traut. Wenn er es tut besteht die Gefahr, dass sie den nächsten Tag nicht erleben. In Andeutungen bekommt der Zuschauer das Motiv der schweren Kindheit vor die Füße geworfen, denn seine eigene Mutter ist offensichtlich eine alte Nutte, die ihre Bekanntschaften ebenfalls in Bars aufzutreiben versucht. Im Gespräch mit dem späteren Mordopfer kommt es zu vielen Eindrücken, die unangenehm und peinlich berühren und es ist Peter Kuiper zuzuschreiben, dass die Figur des Hugo Hase so ausgezeichnet funktioniert. Als er die Tochter seines Vorarbeiters kennenlernt, scheint alles anders zu sein. Die von Mascha Gonska gespielte Kumpel-Type nimmt ihn offen so an, wie er ist, ohne Vorbehalte und ohne Vorurteile. Eine Paraderolle für die sympathische Schauspielerin, die noch in potentielle Gefahr geraten wird. Weitere stichhaltige Auftritte liefern Art Brauss oder Günter Strack und die Interpreten tragen einen Löwenanteil dazu bei, dass die Skizze des Milieus so hervorragend funktioniert. Hugo wird trotz seines eigenartigen Verhaltens akzeptiert, denn er profiliert sich über Stärken, die gut ankommen, wenn er beispielsweise beim Kegeln zum Top-Scorer wird oder als Spaßvogel herhält. Der Zuschauer ahnt allerdings, dass es sich nur um eine tickende Zeitbombe handelt, was man in Kuipers Augen ablesen kann und weil eine Umarmung und ein Kuss alles schlagartig verändern.

Die Regie legt den Fokus beinahe vollkommen auf seine Hauptfigur, durchleuchtet die Gründe für Mord und Verbrechen vage, aber stützt sich vornehmlich auf gegenwärtige Geschehnisse und entgleisende Emotionen. Bei Hugo kann man buchstäblich den Moment des Austickens miterleben, sodass man es im "Derrick"-Orbit mit einer Figur der beunruhigenderen Sorte zu tun bekommt. Da die Serie in ihren Anfängen noch nicht auf Whodunit angelegt war, erlebt man die Einzelheiten mit. Hierbei kommt es zu sehr atmosphärischen und eindringlichen Schilderungen vor und während dem Mord, Weidenmann gelingt es, albtraumhafte Strecken zu fabrizieren. Es entsteht eine latent vorhandene Spannung, da man den Eindruck vermittelt bekommt, dass jederzeit etwas passieren könnte und man fängt förmlich an, darauf zu warten. Überraschend ist das Finale der fünften Episode, da es in einem tödlichen Befreiungsschlag gipfelt, den man nicht unbedingt erwartet hätte. Die Ermittlungsarbeit gestaltet sich klassisch, teilweise rasant und nachvollziehbar, Horst Tappert und Fritz Wepper legen bereits eine Routine und Souveränität an den Tag, die recht beeindruckend wirkt. Mühsam werden Bruchstücke des Falles zusammen getragen, bis es zu ersten Ergebnissen kommen kann. Der Zuschauer fiebert natürlich mit den ermittelnden Figuren mit, da das Gespür verbreitet wird, dass es sich um einen klassischen Wettlauf mit der Zeit handelt. Zu viele unschuldige oder sympathische Personen könnten die potentiellen Opfer sein, daher ist eine merkliche Spannung vorhanden, die der Folge Nummer 5 sehr gut steht und man es im Endeffekt mit einer gelungenen Arbeit zu tun bekommt. "Tod am Bahngleis" bietet schlussendlich ein packendes Gesamtpaket zwischen populären und klassischen Themen, in dem vor allem die fulminante Darbietung eines überaus ungemütlich wirkenden Peter Kuiper hervorsticht.


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 Betreff des Beitrags: Skandal hinter Gittern (1985)
BeitragVerfasst: 12.12.2016 21:10 
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● FOLGE 31 | JESSICA BEHIND BARS | SKANDAL HINTER GITTERN (US|1985)
mit Angela Lansbury als Jessica Fletcher
als Gäste: Margaret Avery, Adrienne Barbeau, Barbara Baxley, Yvonne De Carlo, Linda Kelsey, Janet MacLachlan und Vera Miles
eine Produktion der Universal Pictures
Regie: John Llewellyn Moxey



Jessica Fletcher springt kurzerhand für eine indisponierte Kollegin als Lehrkraft in einem Frauengefängnis ein, und noch bevor sie ihr Wissen mit den Insassinnen teilen kann, ereignet sich ein Todesfall, der wenig später eine bewaffnete Revolte nach sich zieht. Im Gefängnis herrscht Ausnahmezustand und Jessica versucht die Lage zu entspannen, doch die Frauen wollen der neuen Direktorin aufgrund miserabler Bedingungen an den Kragen, außerdem behaupten einige von ihnen, sie sei die Mörderin der Gefängnisärztin. Die Hobby-Detektivin sammelt Indizien und als sich wenig später eine weitere Tote findet, weiß sie, dass sie auf der richtigen Spur sein muss...

Bei "Skandal hinter Gittern" handelt es sich nach persönlichem Ermessen um eine der stärksten Folgen der Serie "Mord ist ihr Hobby", was auf viele Gründe zurückzuführen ist. Zunächst sollte die Regie erwähnt werden, denn mit John Llewellyn Moxey war ein erfahrener Krimi-Spezialist am Werk, der diese 31 Episode im Vakuum Gefängnis von Anfang bis Ende mit Spannung, Konfrontation und Geheimnis ausstatten konnte. Seine Inszenierung gleicht einem Wettlauf mit der Zeit, denn einige der ungeduldigen Damen aus dem Knast fallen vor allem durch Aggressionen und Gewaltbereitschaft auf. Jessica Fletcher wirkt dementsprechend wie ein Fremdkörper zwischen all diesen Kriminellen, kann ihre Pufferfunktion aber klassisch ausspielen. Ungewöhnlich bei "Skandal hinter Gittern" ist die etwas härtere Gangart, die man im Serien-Kontext nicht alle Tage zu sehen bekam. Moxey veranstaltet ein regelrechtes Zeitdiktat, in dem Zusammenhänge aufgeschlüsselt, Rätsel gelöst und Personen rehabilitiert, beziehungsweise entlarvt werden müssen, doch die Zeit rennt buchstäblich davon, da die Crème de la Crème des Knast-Abschaums Nägel mit Köpfen machen will. In diesem Zusammenhang wird man zahlreiche Verschwörungstheorien hören, die von von der erfahrenen Hobby-Detektivin widerlegt werden müssen, sehr zum Unmut der Rädelsführerinnen, die die unübersichtliche Situation für ihre persönliche Vendetta ausnutzen wollen. Pragmatismus, Logik und Fingerspitzengefühl spaltet die Insassinnen in zwei Lager, doch zwischen allen steht die verhasste Direktorin des Gefängnisses, welche beinahe jede der Damen am liebsten teeren und federn würde. Der allgemeine Konfrontationskurs spitzt sich immer mehr zu, da die nächste Leiche nicht lange auf sich warten lässt und man beginnt, sich ungeniert gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Plötzlich stehen alle auf der gleichen Stufe. Die Insassinnen stehen unter Verdacht, das Personal ist ohnehin ominös und selbst die Integrität der Direktorin wird angezweifelt, da sie als Karrierefrau skizziert wird, die im Zweifelsfall über Leichen gehen würde. Buchstäblich? Jessica Fletcher bekommt in dieser über die Maßen unterhaltsamen Episode, in der kein einziger Mann eine Rolle inne hat, alle Hände voll zu tun und gerät mehr als nur einmal zwischen die Fronten. Das Szenario wartet mit namhaften Gästen auf, was hier einen zusätzlichen Reiz ausmacht. Hollywood-Legenden wie die unvergleichlichen Vera Miles oder Yvonne De Carlo finden sich unter den Verdächtigen wieder, die attraktive Adrienne Barbeau plustert sich als bedrohlich wirkende Anführerin der Revolte auf, oder beispielsweise Janet MacLachlan sowie Barbara Baxley können ebenfalls hervorragende Eindrücke hinterlassen. Insbesondere die Mitwirkung von Vera Miles ist hier hoch erfreulich, denn sie beweist neben ihren besonderen darstellerischen Kompetenzen die Fähigkeit, zu polarisieren und für prägende Kontraste zu wirken. Gerade wenn sie ins Visier der aufgebrachten Gefangenen gerät, die sich über die schlechten Bedingungen in diesem Etablissement beklagen, bekommt man immer mehr den Eindruck der sich aufbäumenden Gefahr, dass sie den Schädel eingeschlagen bekommen könnte. Jessica Fletcher hingegen versucht die angespannte Lage zu beruhigen und die unübersichtlichen Voraussetzungen zu ordnen. Mit Logik und Verstand räumt sie mit geschürten Zweifeln und kursierenden Gerüchten auf, die Rekonstruktion der Taten geschieht in einer Art und Weise derart verständlich, dass selbst die letzten Kritiker verstummen. Moxeys Beitrag zählt schließlich zu den Kronjuwelen der über lange Jahre laufenden Serie und vereint Spektakel, Unterhaltung und die typischen Charakteristika spielend unter einem Hut. Immer wieder ein pures Vergnügen!


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