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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Spuk im Museum (1969)
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 01 | WHAT A NIGHT FOR A KNIGHT | SPUK IM MUSEUM (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Durch Zufall finden Scooby Doo und seine Freunde einen abgestellten Lieferwagen, auf dem die Rüstung des sagenumwobenen "Schwarzen Ritters" lagert. Als sie das mysteriöse Fundstück dem adressierten Museum zurückgeben, erfahren sie vor Ort von der Sage dieses ungemütlichen Zeitgenossen, der angeblich bei Vollmond zum Leben erweckt werden soll. Die fünf Hobbydetektive schenken dieser Geschichte allerdings keine weitere Beachtung und tun sie als Märchen ab, bis sie in einer Vollmondnacht selbst eines Besseren belehrt werden. Plötzlich treibt der Ritter in den Museumsräumen sein Unwesen und stellt sich als waschechte Bedrohung heraus. Scooby, Fred, Daphne, Velma und Shaggy wollen der Sache auf den Grund gehen und machen überraschende Entdeckungen...

Der Vollmond wacht über die scheinbar ruhig verlaufende Nacht und erleuchtet eine menschenleere Landstraße, bis plötzlich die "Mystery Machine" auftaucht - der kleine, farbenfrohe Bus, der die Jung-Detektive zuverlässig von Fall zu Fall bringt. Zuvor spielten sich rätselhafte Geschehnisse auf einem Lieferwagen ab, da eine Ritterrüstung offensichtlich ein Eigenleben entwickeln konnte. Die Serie "Scooby-Doo" kann auf den Luxus zurückblicken, sehr gruselig wirkende Monster oder Furcht furchteinflößende Schurken zur Verfügung gehabt zu haben, die ihren Dienst auch noch 50 Jahre nach der Entstehung erfüllen, und das in sehr eindringlicher Manier. In dieser ersten Episode treibt der "Schwarze Ritter" sein Unwesen und kann die fünf Freunde zwar gehörig in Angst und Schrecken versetzen, aber im Endeffekt nicht für falsche Fährten und Schlüsse sorgen, denn immerhin funktioniert die Allianz aus Auffassungsgabe, Tolpatschigkeit, Turbulenzen und findigen Schnüffelnasen sehr gut. Um die vornehmlich kleinen Zuschauer nicht zu sehr zu beunruhigen, ist die Episode mit sehr viel Humor versehen worden, wofür hauptsächlich die Titelfigur zuständig ist, aber auch sein Freund Shaggy. Die Mischung aus Mystery, Krimi und Humor macht einen sehr ausgewogenen Eindruck und tröstet ein wenig über die Tatsache hinweg, dass es in "Spuk im Museum" leider zu wenige Verdächtige gibt. Hinsichtlich der Intention des Formats ist allerdings alles genau richtig gemacht worden, denn Folge 1 hat das Potential, zukünftige Zuschauer anzusprechen und zu rekrutieren, um in der Folgezeit waschechte Fans entstehen zu lassen, was erfahrungsgemäß nicht ausbleiben dürfte.

Die Vorstellung der sympathischen Protagonisten geschieht ebenso schnell wie selbstverständlich, sodass sich die persönlichen Lieblinge direkt ausfindig machen lassen. Ob Freddie, Daphne, Velma, Shaggy oder Scooby-Doo - alle dieser schillernden Charaktere punkten durch deutliche Unterschiede bezüglich des jeweiligen Naturells oder der Art zu agieren, was die Erfolgsgarantie jeder Episode darstellt. Ein Museum erscheint beim ersten Gedanken nicht wie der gruseligste Ort, den man sich vorstellen kann, doch unter vollmondigen Umständen ändert sich dieser Eindruck rapide. Die nötigen Informationen über den Fall werden somit schnell und einfach präsentiert, um direkt zum Eingemachten übergehen zu können. Der Mond scheint hell, leuchtende Augen beobachten die fünf Schnüffler akribisch aus dem Verborgenen und die offensichtlich aufgebrachte Rüstung erwacht. Das Sammeln von Indizien wechselt sich mit Verfolgungen ab, bis die Lösung des Rätsels kurz bevorsteht. Als der Schurke enttarnt ist und dessen düstere Machenschaften ans Tageslicht manövriert worden sind, scheint alles Gezeigte schließlich irgendwie doch von dieser Welt zu sein, dies jedoch in wunderbar leicht-lockeren Comic-Style. Da am Ende noch eine offene Frage über allen Köpfen schwebt, kommt es sogar noch zu einer netten Überraschung, sodass sich das Publikum nach allen Eindrücken zufrieden zurücklehnen kann, um sich zu überlegen, die nächste Folge so schnell wie möglich ansehen zu wollen. "Spuk im Museum" macht mithilfe zahlreicher Raffinessen des Zeichentrickfilms eine sehr gute Figur und steigert die Vorfreude auf den nächsten Fall, in dem es erwartungs- und erfahrungsgemäß wie hier präsentiert weitergehen wird.


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 Post subject: Der Mörder mit dem Seidenschal (1966)
PostPosted: 25.06.2019 10:00 
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● DER MÖRDER MIT DEM SEIDENSCHAL / FESSEL DER ANGST (D|I|1966)
mit Susanne Uhlen, Carl Möhner, Folco Lulli, Helga Liné, Sonja Romanoff, Ady Berber, Greta Zimmer,
Erwin Strahl, Vera Complojer, Astrid Boner, Elisabeth Stiepl sowie Adrian Hoven und Harald Juhnke
eine Produktion der Aquila Film | Sagittario Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Adrian Hoven


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»Mit Mord will kein Mensch was zu tun haben!«

Die Barsängerin Prisca Sampton (Helga Liné) wird tot in ihrer Wiener Wohnung aufgefunden. Wenig später berichtet die Presse von dem Fall und der Tatsache, dass es eine Zeugin für den Mord gegeben haben soll. Samptons Tochter Claudia (Susanne Uhlen) hat den Mord durch den Briefchlitz der Tür beobachten können, was den Mörder in eine nervöse Lage bringt. Um das Mädchen zu schützen, soll sie von der Polizei in einer Pflegefamilie untergebracht werden, doch der Mörder lauert Claudia auf, die nur knapp einem Unglück entkommen kann. Fortan entwickelt sich ein Wettlauf auf Leben und Tod, dem die Polizei stets nachzuhinken scheint. Polizeirat Moll (Folco Lulli) und Oberinspektor Fischer (Harald Juhnke) versuchen die Zeugin aus dem Visier des Mörders zu bringen, bis es zu einem Showdown kommt...

Der erfolgreiche Schauspieler Adrian Hoven legte mit seinem Spielfilmdebüt "Der Mörder mit dem Seidenschal" den Grundstein für eine Reihe von Filmen, in denen er selbst als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung treten sollte. Diese Produktionen entstanden hauptsächlich in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten italienischen Playboy und Siemens-Erben Pier A. Caminneci, mit dem er 1965 die eigene Produktionsfirma Aquila Film Enterprises gründete. Dieser psychologisch angehauchte Thriller basiert auf dem Kriminalroman "Der Mörder und das Kind" von Thea Tauentzien und konnte keine nennenswerten Erfolge an den Kinokassen verbuchen, obwohl sich die eingeschlagene Marschrichtung von vielen ähnlich gelagerten Kriminalfilmen dieser Zeit unterscheidet. Die Übersättigung des Marktes ließ allerdings keine großen Überraschungs-Coups mehr zu, sodass "Der Mörder mit dem Seidenschal" heute vielleicht eher als angenehme Alternative in Erinnerung geblieben ist. Zunächst bleibt zu erwähnen, dass sich der Film mit einer sehr brisanten Thematik beschäftigt, die allerdings im Rahmen der Ausarbeitung etwas zu herkömmlich abgehandelt wirkt; immerhin geht es um den potentiellen Mord an einer erst zehnjährigen Zeugin. Die diesbezügliche Hetzjagd offeriert dennoch sehr rasante und spannende Züge, obwohl von Anfang an klar ist, bei wem es sich um den Mörder der Mutter des Kindes handelt. Bereits hier lässt sich ein natürliches Gespür des Regisseurs erkennen, die Publikumswirksamkeit zu bedienen, was sich in den folgenden Jahren noch mehr herauskristallisieren sollte. Adrian Hoven inszeniert nicht uninteressant und hält sich dabei an die bestehenden Gesetze des Kriminalfilms, jedoch nicht ohne sich an begrüßenswerten Variationen zu orientieren. Die Struktur der Geschichte zielt somit weniger auf Überraschungsmomente ab, als auf handelsübliche Thriller-Elemente, die hier sehr prominent in Erscheinung treten.

Ein Mädchen beobachtet den Mord an seiner Mutter durch den Briefkastenschlitz und landet zusehends in einem Alptraum, da der Täter es plötzlich auch auf sie abgesehen hat, da sie ihn identifizieren kann. Es Folgt eine breit angelegte Flucht und die dazu gehörende Jagd, die den kompletten Film beherrschen wird. Wenn man auf das Spielfilmdebüt zu sprechen kommt, muss hier nicht nur der österreichische Regisseur genannt werden, sondern auch die damals erst zehnjährige Susanne Uhlen, die in ihrem ersten Film gleich mit der Hauptrolle betraut wurde, wenngleich sie zugunsten der arrivierten Stars etwas weit in den Credits nach hinten gereicht wurde. Die Tochter der bekannten Schauspielerin Gisela Uhlen, die in derartig gestrickten Kriminalfilmen immer ein gerne gebuchter Gast war, überzeugt im Rahmen der Emotionspalette in dieser letztlich gar nicht so simplen Anforderung. Gerade die Projektionsfläche Kind sorgt naturgemäß für Hochspannung und bestürzende Momente, die Adrian Hoven allerdings nicht exzessiv auszukosten versucht. Schockmomente werden somit eher auf hypothetischer Basis zu finden sein, da Verfolgung und Vorsatz nicht bis zum Äußersten getrieben werden. Susanne Uhlen überrascht naturgemäß mit einer unverbrauchten und beinahe unvoreingenommenen Leistung und animiert den Zuschauer zum Mitfiebern und Hoffen, dass doch alles gut ausgehen möge. Carl Möhner arbeitet hingegen mit Nachdruck daran, diese Eindrücke zunichte zu machen und es geht eine besondere Aggressivität von ihm aus, bei der es stets zur Debatte stehen will, ob nicht auch eine neue Ebene der Brutalität hinzukommen wird. Die Gegner oder Retter in der Not arbeiten mit Hochdruck daran, das Mädchen vor den Klauen des Mörders zu bewahren, allerdings kommen ihnen die unübersichtlichen Weiten der Stadt erschwerend in die Quere, sodass sich die Hetzjagd über den kompletten Verlauf spannend aufrecht erhalten kann.

Die passenden Gesichter auf Seiten der Polizei liefern Folco Lulli, der mit väterlich wirkenden und besonnenen Ansätzen punkten kann, das Schwergewicht Ady Berber, der die Premiere des Films leider nicht mehr miterleben sollte, und Harald Juhnke, der die Szenerie mit seinen ganz grundeigenen Mitteln aufzulockern zu versucht. Es ist interessant, dass die Regie weitgehend auf Elemente des obligatorischen Humors verzichtet, um die ernste Lage nicht ungünstig aufzuweichen. Dies kommt sehr gut an und in diesem Zusammenhang finden sich weitere Helfershelfer, die tatkräftig bei der Kreation Angst und Schrecken mithelfen, wie beispielsweise Helga Liné als attraktives Mordopfer, Sonja Romanoff als Ganovenliebchen, oder Regisseur Adrian Hoven selbst, dem man das Kleinganoventum besonders gut abkaufen wird. Viele strukturelle und inszenatorische Modifikationen machen "Der Mörder mit dem Seidenschal" zu einem gut ausbalancierten Reißer, der seine Ambitionen nicht nur offen zur Schau stellt, sondern diese auch umsetzen kann. Besonders hochwertige Bilder liefert das unbestechliche Auge der Kamera, die mit Winkelspielen und sehr gelungenen, teils unorthodoxen Einstellungen experimentiert. Im Endeffekt ist und bleibt es jedoch der prominent inszenierte Aufhänger Susanne Uhlen, der den Verlauf zielführend bestimmt. Ihre Leistung ist für eine Debütantin mehr als gelungen zu bezeichnen und durch ihr mit Angst erfülltes Wesen können sich immer wieder starke Spannungszustände beim Publikum aufbauen. Das Finale verläuft trotz aller Rasanz und spektakulärer Bebilderung vielleicht etwas zu reibungslos, doch die Produktion stellt insgesamt zufrieden. Adrian Hovens Erstlingswerk kann unterm Strich durchaus als gelungen und vor allem unterhaltsam bezeichnet werden. Als Alternative zu bekannten Krimi-Formaten kann "Der Mörder mit dem Seidenschal" die Konkurrenz zwar nicht ausstechen, sich aber zumindest im guten Mittelfeld etablieren.


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 Post subject: Friedhof der Schiffe (1969)
PostPosted: 30.06.2019 15:42 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 02 | A CLUE FOR SCOOBY DOO | FRIEDHOF DER SCHIFFE (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby-Doo möchten ein paar unbeschwerte Tage am Strand verbringen, doch dieses Vorhaben wird schnell gestört, da Scooby beim Surfen einem in Neonfarbe leuchtenden Geist begegnet. Die Erfahrung sagt den Freunden jedoch, dass es sich kaum um einen solchen handeln dürfte, sodass man sich auch die Suche nach rationalen Erklärungen begibt. Bei den Recherchen treffen sie auf einen Mann, der ihnen vom Geist eines gewissen Captain Cutler berichtet, außerdem stoßen die Detektive auf eine rätselhafte Serie von verschwundenen Schiffen, die nie wieder gesichtet wurden. Fred und seinen Kollegen wird klar, dass sie des Rätsels Lösung wohl nicht an Land finden können. Eine spannende Unterwassermission bringt die entscheidenden Erkenntnisse...

Wie bereits in Folge 1 wird das Publikum schnell mit dem Bösewicht der Geschichte konfrontiert, der hier in einem altmodischen Taucheranzug sein Unwesen treibt, zusätzlich in gruseligem Neon leuchtet und bei Nacht aus dem Meer steigt, um unbequeme Schnüffelnasen fernzuhalten. Da die Jung-Detektive einen Ausflug zum Strand machen, ist ein Aufeinandertreffen mit der unheimlichen Gestalt unausweichlich und die Neugierde wird sofort allseits geweckt, wer oder was hinter dieser eigenartigen Angelegenheit stecken könnte. Schlagzeilen in der Zeitung geben erste sachdienliche Hinweise über eine Serie verschwundener Schiffe, die nie wieder aufgetaucht sind, sodass es anschließend zu ersten Befragungen mit möglichen Zeugen kommt, die selbstverständlich verdächtig bis ziemlich krude wirken. Kombinationsgabe, Witz und Charme beherrschen auch diese Folge sehr ausgewogen, damit die begrenzte Zeit noch mehr wie im Flug vergehen kann. Zunächst spielt sich die Suche nach dem Geheimnis an Land ab, doch aufgrund der Gestalt die ins Meer hinabsteigt wird den Freunden schnell klar, dass sich die weitere Suche unter Wasser abspielen muss, um die zündenden Beweise zu finden. Der Name "Friedhof der Schiffe" will bereits im Vorfeld einiges an Mystery versprechen, und sobald Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby sich nach der eigentlich ergebnislosen Suche auf einem Schiff oder in einem alten Leuchtturm in ihre Taucheranzüge begeben haben, steigt die Spannung mithilfe von geheimen Winkeln und Höhlen, in denen die Gefahr ganz natürlich zu lauern droht.

Insbesondere Scooby-Doo sorgt mit seiner speziellen Note dafür, auch diese zweite Episode mit lockeren Sprüchen und tolpatschigen Gebärden aufzulockern, wo hingehen die übrigen Helden jeweils durch andere Kompetenzen glänzen dürfen. Im Endeffekt ist es diese nuancierte Kombination aus Pragmatismus, Strategie, Logik und Unbeschwertheit, die die Freunde zum anvisierten Ziel führen werden. Doch zunächst muss eine gleichsam unwegsame, aber auch idyllisch wirkende Unterwasserwelt bezwungen sowie erkundet werden, bis der besagte "Friedhof der Schiffe" das entscheidende Puzzlestück in die aufgeladene Szenerie wirft. Was hier sehr gut ankommt, ist die unheimliche Maskierung des Täters, die im Gegensatz zum Vorgänger noch einen Zugewinn darstellt, außerdem muss ein wenig mehr mitgegrübelt werden, da nicht alles sofort ganz offensichtlich auf der Hand liegt, wenngleich keine Wunder der Kombinationsgabe gefordert sein werden. Kriminelle Energie und Profitgier bilden erneut die Grundlage für einen spritzigen Fall, der sehr schön im bunten Bild festgehalten wurde. Atmosphärisch gesehen spielt diese zweite Folge in der oberen Liga der Serie mit, da viel Abwechslungsreichtum geboten wird und das mysteriöse Element sehr stichhaltig herausgearbeitet erscheint. Wenn die fünf jungen Detektive diesen kniffligen Fall gelöst haben, weiß der Zuschauer wie selbstverständlich, dass ein neues Rätsel nicht lange auf sich warten lassen wird, sodass man den weiteren Verlauf der Serie mit Spannung erwarten darf. "Friedhof der Schiffe" macht insgesamt einen enormen Spaß und bestätigt die Leichtigkeit, die schnell zum Gütesiegel avanciert.


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 Post subject: Heißer Hafen Hongkong (1962)
PostPosted: 05.07.2019 22:16 
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● HEIẞER HAFEN HONGKONG / IL SEGRETO DI BUDDA (D|I|1962)
mit Marianne Koch, Klausjürgen Wussow, Dominique Boschero, Brad Harris, Carlo Tamberlani, Dorothee Parker und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Cinematografica Associati | im Gloria Verleih
ein Film von Jürgen Roland


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»Diese Stadt hat ihre eigenen Gesetze!«

Der deutsche Journalist Peter Holberg (Klausjürgen Wussow) reist nach Hongkong, um einen befreundeten Kollegen zu besuchen, doch vor Ort erfährt er von dessen Tod. Während er einen spektakulären Fall von Industriespionage aufrollen wollte, wurde er kaltblütig ermordet. Holberg beschließt, den Fall in Eigenregie zu lösen, außerdem wurde ihm ein Mikrofilm zugespielt, der vermutlich im Zusammenhang mit dem Verbrechen steht. Gemeinsam mit Joan Kent (Marianne Koch), der Schwester des Ermordeten, sucht er nach den mysteriösen Hintermännern und es dauert nicht sehr lange, bis beide in die erste lebensgefährliche Situation geraten...

Die ehemalige britische Kronkolonie und Weltmetropole Hongkong wurde seinerzeit in vielen Abenteuer-, Kriminal- und Spionagefilmen zum aussagekräftigen Umschlagplatz für Schmuggel, Mord und jede Art von Verbrechen verwendet. Sicherlich gibt hierbei die exotisch aber gleichzeitig international wirkende Kulisse einen Ausschlag, die sich nicht zuletzt wegen ihrer topographischen Vorzüge für derartige Geschichten geradezu angeboten hat, doch ebenso spielt auch die von einer fremden Welt ausgehende Unsicherheit eine beträchtliche Rolle bei der Wahl dieses Settings. Unter der Regie von Krimi-Spezialist Jürgen Roland entstand ein typischer Reißer des Genres, der sich hauptsächlich an den bestehenden Gesetzen des Genres orientiert, ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Ausgestattet mit Stammschauspielern der Rapid-Film und bedeutenden Vermittlungs-Coups der italienischen Co-Produktionsfirma, wird die imposante Kulisse optimal ausgenutzt und es kann schnell zu rasanten Strecken kommen, außerdem zu erotisch aufgeladenen Sequenzen, wie sie bei Hartwig-Produktionen üblich waren. Zunächst ist es nicht vollkommen klar, weswegen die ersten Köpfe überhaupt zu rollen hatten, doch dieses kleine Manko klärt sich schnell auf, da einige der Top-Bösewichte der Branche die gut ausstaffierte Bühne vereinnahmen. Die Jagd nach einem Mikrofilm, und damit verbundenen Patenten, bietet schließlich ausreichende Gründe für Mord und Totschlag, sodass das mit Action aufgeladene Abenteuer ein gutes Tempo vorlegt. Die beteiligten Charaktere finden schließlich auf ganz natürliche Art und Weise zusammen, veranstalten dabei ein zeitweise ungleich wirkendes Tauziehen um die bessere Position in diesem undurchsichtigen Getümmel. Viele von ihnen stehen in Verbindung miteinander und es ist mehr als deutlich, dass es noch zahlreiche offene Rechnungen zu begleichen gibt. Die Stars der Manege liefern in diesem Zusammenhang sehr überzeugende Arbeit.

Innerhalb der zunächst vollkommen unübersichtlich wirkenden Situation sind es Marianne Koch und Klausjürgen Wussow, die für Identifikationspotential und sehr ansprechende Momente beim Zuschauer sorgen. Der Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen verbindet beide von Anfang an auf ganz natürliche Weise, sodass die bestehende Allianz und alles Weitere ganz selbstverständlich und logisch wirkt. Marianne Koch war zu dieser Zeit sicherlich einer der gefragtesten Stars quer durch alle Genres und steht erneut für Zuverlässigkeit und Tugenden, genau wie Klausjürgen Wussow, der seinerzeit bei Regisseur Jürgen Roland offensichtlich hoch im Kurs stand. Brad Harris als ermittelnde Figur wirkt wie der Inbegriff der Agilität, wobei er bestimmt nicht dazu neigt, sich auf ein strategisch angelegtes Schachspiel einzulassen. Die Gesichter der Gegenseite glänzen durch die undurchsichtig wirkenden Interpretationen der aparten Dominique Boschero und eines immer bedrohlich wirkenden Horst Frank. Auch wenn der Mittelteil deutlich in die Länge gezogen wirkt, und zu wenig Spannung aufkommen will, kann insbesondere durch Horst Franks so legendär erscheinende Bösartigkeit ein gutes Level gehalten werden, ohne welches diese Geschichte nicht auskommen kann. Zusammenhänge ergeben sich mehr oder weniger nachvollziehbar und werden publikumswirksam aufgeschlüsselt, außerdem schwebt eine Art Damoklesschwert über einigen Köpfen und der Szenerie an sich. Auf visueller Ebene werden Qualitätsansprüche geltend gemacht, was gleichzeitig bedeutet, dass das vorhandene Potential einer Metropole wie Hongkong gewinnbringend genutzt werden konnte. Wenn sich die Reihen gelichtet haben und die Hetzjagd nach dem berüchtigten Mikrofilm ihren Zenit erreicht hat, bietet Roland erwartungsgemäß eher konventionelle Lösungen an, die Fans solcher Filme sicherlich zufriedenstellen dürften, ohne dabei den Anspruch zu reklamieren, dass es sich um eine Ausnahme-Erscheinung des Genres handelt. Schlussendlich hat man in "Heißer Hafen Hongkong" also lange nicht so heiß gegessen, wie gekocht wurde.


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 Post subject: Der Mann mit den 1000 Masken (1966)
PostPosted: 07.07.2019 20:33 
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DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN

● DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN / UPPERSEVEN, L'UOMO DA UCCIDERE (D|I|1966)
mit Paul Hubschmid, Karin Dor, Vivi Bach, Guido Lollobrigida, Rosalba Neri, Tom Felleghy und Nando Gazzolo
eine Produktion der Roxy Film | European Inc. | im Constantin Filmverleih
Ein Film von Alberto De Martino


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»Nehmen Sie noch ein Bad vor der Gehirnwäsche!«

Der Sonderagent Paul Finney (Paul Hubschmid) ist in Verbrecherkreisen unter dem Namen "Supersieben" bekannt und äußerst berüchtigt, da man um seine Kunst des Verwandelns weiß. Um seine Gegner zu irritieren und zur Strecke zu bringen, ist es ihm möglich, die Gestalt jedes beliebigen Gegenübers anzunehmen. In seinem neusten Auftrag geht es um eine rücksichtslose Verbrecher-Organisation, die sich mit groß angelegten Goldschmuggel-Aktivitäten befasst, und deren Kopf sich Kobras (Nando Gazzolo) nennt. Als "Supersieben" der erste empfindliche Schlag gegen Kobras gelingt, schwört dieser tödliche Rache. Doch zunächst hat der Verbrecher andere Pläne und schmiedet an einer Atomrakete in Afrika. Gemeinsam mit der Gesandten des CIA, Helen Farheit (Karin Dor), will "Supersieben" Kobras teuflische Pläne durchkreuzen, doch sie gehen ihm in die Falle...

Alberto De Martinos "Der Mann mit den 1000 Masken" lässt seine eigene Maske gleich zu Beginn fallen, da ungeniert demonstriert wird, dass es sich um einen weiteren Versuch handelt, von erfolgreichen Formaten wie "James Bond" zu profitieren, was im Prinzip nichts darstellen sollte, wofür sich der Streifen im Endeffekt schämen müsste. Dies gilt vor allem für die Grundvoraussetzungen einer sorgsamen Bearbeitung und einer bestenfalls originellen Geschichte. Die Mission startet laut Filmangaben in Kopenhagen und stellt den Protagonisten samt antagonistischer Verbrecherorganisation und deren Kopf eindringlich vor, denn es kommt gleich zu einem gut choreografierten Showdown, der die von Kobras ausgehende Gefahr aufzeigt, und dessen Aggressivität gleich mit. Der Verlauf reduziert sich schnell darauf, dass Auftrag gegen Auftrag, beziehungsweise Gut gegen Böse steht. An den jeweiligen Positionen der äußersten Ränder sind neben "Supersieben" und Kobras außerdem ihre zwei attraktiven Helfershelferinnen zu sehen, die das Geschehen ganz in Genre-Manier bereichern und aufzulockern wissen. Action und Tempo werden unter De Martino glücklicherweise groß geschrieben, sodass einige harte Übergänge im Film weniger gravierend ins Gewicht fallen. Außerdem sorgen zahlreiche Gadgets immer wieder für Aufsehen und Freude, schließlich treiben sie den ohnehin turbulenten Verlauf zielführend an, der überdurchschnittlich gut ausgestattet wirkt. Schauplatzwechsel von Kopenhagen über Basel bis Kapstadt unterstreichen die positiven Eindrücke sehr beachtlich, genau wie es die amtierende Entourage vor und hinter der Kamera tut. Als Held der Veranstaltung beweist Paul Hubschmid ein sehr gutes Händchen und bringt bei dieser Gelegenheit etwas weltmännisches Flair zwischen all das Gangstertum. Als Verwandlungskünstler spielt er diese große Stärke bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus und führt seine Gegenspieler erfolgreich an der Nase herum, oder sie wahlweise gleich ins Grab.

Sicherlich stellt Hubschmids Physiognomie und vor allem dessen Statur immer wieder einen kleinen Hemmschuh für diese Art der Maskerade dar, aber schließlich geht es ausschließlich darum, dass seine Kontrahenten ihn nicht erkennen können. Geprägt von einer guten Spiellaune und zahlreichen Eigenschaften die einen guten Agenten ausmachen, kommt der Schweizer beim interessierten Publikum gut an. Gleiches gilt für seine attraktive und dynamisch aufspielende Kollegin Karin Dor, die sich hier (und in einigen ähnlich gestrickten Produktionen) für ihren Auftritt bei "James Bond", quasi der Mutter aller Agenten-Flicks, empfehlen konnte. Der italienische Schauspieler und Synchronsprecher Nando Gazzolo bedroht den Frieden in erheblichem Maße und hinterlässt bei dieser Gelegenheit einen sehr guten Eindruck als Gegenspieler von "Supersieben". Unter seinem Kommando stehen nicht nur unzählige Lakaien, die ihm zur anvisierten Schreckensherrschaft verhelfen sollen, sondern auch eine bezaubernde Vivi Bach, deren optische Präsenz die teils bedrohliche Szenerie wirksam ausstaffiert. Weitere bekannte und beliebte Interpreten sorgen für Abwechslungsreichtum und den nötigen Body Count. Interessant ist die Strategie, dass der Humor in "Der Mann mit den 1000 Masken" oftmals nur in Spuren vorhanden ist und daher sehr subtile Züge aufweist. Folglich schießt er niemals über das Ziel hinaus und die Balance steht dieser rasanten Veranstaltung sehr gut. Im Mittelpunkt steht das Verbrechen, das sich wie eine Epidemie über so viele wie möglich ausbreiten soll. Dementsprechend ist die Vorgehensweise zur Verwirklichung nicht gerade zimperlich. Gespickt mit etwas ungelenk wirkendem Amour zwischen Paul Hubschmid und Karin Dor, und der Spannung dienlichen Rochaden, mündet Alberto De Martinos routinierte Arbeit in ein spektakuläres Finale, das neben der Kunst der Pyrotechnik auch noch einige weitere Überraschungen bereithält. Auch ohne die angekündigten 1000 Masken wird dieser Streifen zu einem kurzweiligen Reißer.


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 Post subject: Der Nonnenspiegel (1973)
PostPosted: 17.07.2019 20:07 
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DER NONNENSPIEGEL

● STORIA DI UNA MONACA DI CLAUSURA / UNE HISTOIRE DU 17ÈME SIÈCLE / DER NONNENSPIEGEL (I|F|D|1973)
mit Suzy Kendall, Catherine Spaak, Eleonora Giorgi, Umberto Orsini, Ann Odessa, Martine Brochard, Tino Carraro und Konrad Georg
eine Produktion der P.A.C. | Rewind Film | Saint-Ouen | SND | Roxy Film | im Verleih der Avis-Ascot
ein Film von Dominico Paolella


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»Die Zustände in diesem Kloster sind skandalös!«

Aus politischen Gründen wird die junge Camelia (Eleonora Giorgi) bereits kurz nach ihrer Geburt dem einjährigen Sohn einer befreundeten Adelsfamilie versprochen; aber es soll alles anders als geplant kommen. Als sie 17 Jahre alt ist, verweigert sie sich dem Plan der Eltern und brennt mit ihrem Geliebten Gulio (Antonio Falsi) durch, doch die beiden kommen nicht weit. Anschließend wird Camelia in ein Kloster gesteckt und für sie beginnt eine schwere Zeit für die junge Frau, da sie derartig harte Regeln nicht gewöhnt ist. Hinzu kommt, dass sie in das Schussfeld zweier rivalisierender Nonnen gerät. Sowohl die Mutter Oberin (Suzy Kendall) als auch Schwester Elisabeth (Catherine Spaak) wollen die hin- und hergerissene Camelia im Sumpf sexueller Ausschweifungen auf ihre Seite ziehen, doch schon bald will die Inquisition dem weltlichen Treiben ein demonstratives Ende setzen...

Regisseur Dominico Paolella inszenierte mit "Der Nonnenspiegel" einen Film, der seinerzeit in die Kategorie Populärthema fallen sollte. Dieser Vertreter entstand sehr zeitnah mit seinem Spielfilm "Die Nonne von Verona", der sich ebenfalls mit geheimen Machenschaften hinter Klostermauern beschäftigt. Im Fokus dieses Schauplatzes stehen drei vollkommen unterschiedliche Frauen, die sich abwechselnd auch im Zentrum der Macht positionieren, wenngleich der Begriff der Macht unterschiedliche Auslegungen erfährt. Eine der Frauen besitzt die Macht über ein komplettes Kloster, das sie nach ihren ganz eigenen Methoden zu führen versucht. Ihre Widersacherin ist bemüht, ihren Einfluss über bedeutende Lockerungen des strengen Klosteralltags auszubauen, sodass zwei Lager entstanden sind, die sich aktiv und passiv bekämpfen. Die dritte Frau im Bunde ist eine Novizin, der man auf den ersten Blick keinen Einfluss zuschreiben würde, wenn die beiden um Autorität kämpfenden Nonnen nicht um sie buhlen würden. Hierbei entstehen interessante Wechselspiele, die den Zuschauer über längere Distanzen verwirren können, da nicht auszumachen ist, welche der Frauen es möglicherweise ehrlich meint oder ein unschuldiges Opfer für ihr doppeltes Spiel sucht. Paolella bietet mithilfe der tatkräftigen Hauptdarstellerinnen einen vielschichtigen Beitrag an, der in unterschiedlichen Etappen für Brisanz zu sorgen weiß. Weltliche Zustände im Kloster tun das Übrige dazu, um das interessierte Publikum bei der Stange zu halten. Die Geburt zweier Kinder und eine pragmatische Allianz zweier Familien legt den Grundstein für diese Geschichte und stellt gleichzeitig die Weichen für den Schauplatz Vakuum beziehungsweise Kloster. Da die drei erwähnten weiblichen Hauptdarstellerinnen, bestehend aus Eleonora Giorgi, Suzy Kendall und Catherine Spaak, für ein ständiges Tauziehen sorgen, kann man sich auf niemanden bedingungslos verlassen.

Kendall und Spaak werden als erbitterte Kontrahentinnen integriert, die in der klösterlichen Hierarchie auf unterschiedlichen Stufen stehen, sich aber dennoch auf Augenhöhe treffen können, da sehr abweichende Wege eingeschlagen werden und und ihnen ungleiche Mittel zur Verfügung stehen. Hierbei führt der weltliche Weg dem Empfinden nach schneller zum anvisierten Ziel, doch die Absolution oder Schützenhilfe der Kirche bringt nachhaltigere Annehmlichkeiten mit sich, wobei unterm Strich unzählige Fallstricke zu finden sind, da jede der Frauen - egal welchen Ranges - von den Launen einer machtbesessenen Männerdynastie abhängig ist. Die Isolation hinter Klostermauern nimmt klaustrophobische Züge an, insbesondere wenn sich eine immer mehr zuspitzende Eigendynamik zu erkennen gibt. Skandale und Ausschweifungen nehmen überhand, was empfindliche Maßregelungen sowie Züchtigungsmaßnahmen der administrativen Stellen zufolge hat. Die zerstörerische Macht von Kirche und deren Würdenträgern entfaltet sich gleich zu Beginn des Films, indem am Schicksal und der Zukunft von bestimmten Personen manipuliert wird. Wie in vielen thematisch ähnlichen Beiträgen auch, wird das Dasein ausgewählter Charaktere sehr düster skizziert, und hier beginnt der Leidensweg einer zukünftigen Nonne, die sehr eingängig von der jungen Italienerin Eleonora Giorgi dargestellt wird. Von der eigenen Familie verschachert, hat sie einen regelrechten Kreuzweg zu gehen und landet in der wohl lukrativsten Erfindung der Kirche, nämlich der Hölle. Giorgi meistert ihre schwierige Rolle innerhalb widriger Umstände mit Leichtigkeit, indem sie sich klassischer Elemente bedient. Camelias Traurigkeit und Resignation wird nur durch einen natürlichen Überlebenswillen und der Hoffnung auf ein friedliches Ende gedeckelt. Als Zuschauer fühlt man mit ihr und sich gleichzeitig schockiert über die geschilderten Zustände in einem Kloster, das keine Loyalität untereinander fabriziert.

Die Britin Suzy Kendall und ihre aus Frankreich gebürtige Kollegin und Kontrahentin Catherine Spaak arbeiten gemessen an ihren Charakterdarstellungen sehr geschickt an widersprüchlichen Impressionen, um ihr unmittelbares Umfeld und das Publikum irritieren. Wem der beiden ist zu trauen; welche der Schwestern fungiert als Spitzel oder Lakaiin; wer würde im Zweifelsfall nicht zögern, die zur Verfügung stehende Macht zu missbrauchen beziehungsweise sie zu erlangen? Die Spannung der Geschichte definiert sich über derartig konspirative und über weite Strecken nebulös wirkende Machenschaften, die unterm Strich nur Terror, Nötigung und Züchtigung versprechen. Wenn die schwächsten Glieder dieser religiös geschmiedeten Kette brechen, ordnen sich die Mehrheits- und Machtverhältnisse neu, bis der Zeitpunkt naht, an dem die zumutbaren Grenzen überschritten werden. Die besonnen aber geheimnisvoll wirkende Suzy Kendall und Catherine Spaak, ausschweifend, kokettierend und leichtfertig aber ebenso vertrauenswürdig in ihrem Wesen, ebnen den internen Kriegsschauplatz und provozieren Positionierungen ihrer Mitschwestern. Als die Situation untragbar wird, kommt Konrad Georg ins Spiel, der einer der profiliertesten deutschen Interpreten war, und bereitet dem grassierenden Sodom und Gomorrha ein rapides Ende, indem er die skandalösen Zustände anprangert und empfindliche Restriktionen verhängt. Am Ende darf es unter Domenico Paolellas eher subtiler Regie noch zu willkommenen Überraschungen kommen, die allerdings nur einen Zwischenstopp in der langen Kette von Leid und Qual darstellen, bis es zum erwarteten, bitteren Finale kommen kann. Insgesamt versucht sich der "Der Nonnenspiegel" mit der vagen Aufarbeitung eines zu dieser Zeit gängigen Populärthemas und präsentiert sich mit Vorliebe als brüchiger Spiegel, der die Wahrheit nicht mehr komplett reflektiert bekommt. Als ruhiger Vertreter seiner Zunft ist dieser Beitrag im Großen und Ganzen jedoch recht gelungen.


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 Post subject: Die Brücke des Schicksals (1960)
PostPosted: 19.07.2019 21:38 
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DIE BRÜCKE DES SCHICKSALS

● DIE BRÜCKE DES SCHICKSALS / DIE TODESBRÜCKE (D|1960)
mit Hannes Messemer, Sabina Sesselmann, Günter Pfitzmann, Carl Lange, Hans Dieter Zeidler, Bobby Todd,
Eva Maria Meineke, Edith Mill, Karl Lieffen, Joseph Offenbach, Gisela Fischer und Elisabeth Flickenschildt
eine Filmaufbau Produktion | im Verleih der Union Film
ein Film von Michael Kehlmann


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»Man hat kein Glück, wenn man sich nicht dazu zwingt!«

Der Journalist Klaus Urban (Hannes Messemer) ist von einem ungewöhnlich starken Geltungsbedürfnis getrieben, findet jedoch keine Anerkennung bei seinen Berufskollegen. Sein Tagesgeschäft besteht aus dem Zusammentragen unwichtiger Meldungen, aber die Gier nach einer ganz großen Sensationsgeschichte lässt den im Privatleben beinahe lethargisch wirkenden Mann über drastische Methoden grübeln, die ihm zum endgültigen Durchbruch verhelfen könnten. Fortan kreisen seine Gedanken um potentielle Wege, sich seine eigenen Sensationen selbst zu erschaffen, bis sich ihm plötzlich eine passende Gelegenheit bietet. Wird Urban tatsächlich mit vollen Händen zugreifen..?

In einem spartanisch aussehenden Büro gehen die Mitarbeiter ihrem routinierten Tagesgeschäft nach, doch plötzlich werden die monotonen Lieder der unermüdlich wirkenden Schreibmaschinen durch Hohn und Spott unterbrochen, als der freie Mitarbeiter namens Klaus Urban auftaucht, den die Kollegen offensichtlich wenig schätzen und ihn schon gar nicht für voll nehmen. Nicht genug, dass sich der wenig schlagfertig agierende Journalist mit diesem immer wiederkehrenden Spießrutenlauf auseinandersetzen muss, auch sein Verleger stellt unmittelbar danach die nächste kalte Dusche an, indem er seine Unzulänglichkeiten spiegelt und darauf hindeutet, dass sich heutzutage nur Sensationsgeschichten beziehungsweise im wahrsten Sinne des Wortes nackte Tatsachen verkaufen lassen. Frustration und Resignation zeigen sich schnell als die logischen Konsequenzen und als lähmende Elemente einer Geschichte, die ihre tragische Spannung in einem ganz frühen Stadium angekündigt hat. Die Suche und Jagd nach spektakulärem Bildmaterial, das sich nicht nur problemlos an den Mann bringen lässt, sondern welches dem Urheber aus den Händen gerissen wird, liegt naturgemäß nicht auf der Straße und erfordert dementsprechend Maßnahmen, die Mut und Waghalsigkeit erfordern. Um einen entsprechenden Coup zu landen, werden mitunter sogar der Verstand und rationales Denken an der Garderobe abgegeben. Ein fingierter Auftrag stellt die Weichen für Michael Kehlmanns exzellent fotografiertes Kriminal-Drama, der sich wie ein diffuser Schleier über das Szenario legt und für eine schwerwiegende Kettenreaktion mit negativer Eigendynamik sorgt. Viele Eindrücke, Handlungen und Gedanken erscheinen anfangs eher wie Nebensächlichkeiten, doch im Endeffekt entwickeln diese Charakterisierungsmaßnahmen das erschreckende Profil eines Protagonisten, der über weite Strecken nur weinerlich, schwach und zu weich wirkte, um in seinem Beruf und vielleicht im Leben bestehen zu können.

Falls die Gegebenheiten in Form unpassender Schlagzeilen und zu schwachen Bildmaterials nicht genügen wollen, müssen die Grundvoraussetzungen eben abgeändert und choreografiert werden. Der kritische und teilweise vernichtende Blick auf sensationsgierige Medien wird durch unheimlich kaltschnäuzige Kommentare und fragwürdige Ansichten angefeuert, sodass sich unterm Strich nur Folgendes herauskristallisiert: es wird nach immer höheren Auflagen verlangt; koste es, was es wolle. So wird die getrieben wirkende Hauptfigur gleichermaßen zum Opfer und Täter, und aus einem unscheinbaren Höhenflug entwickelt sich eine ganz perfide Art des Größenwahnsinns, den ein eigentlich schwacher Charakter wie Klaus Urban jedoch nicht handhaben kann, da die Preise zu hoch gehandelt werden. Ein neuer Knüller muss her und der bisherige Verlauf konnte mehr als Andeuten, dass es einen solchen auch geben wird. Hannes Messemers hier geschilderter beruflicher Aufstieg wirkt auch gleichzeitig wie ein moralischer Niedergang, denn das Verlangen nach Anerkennung und Erfolg lässt ihn eine regelrechte Metamorphose durchmachen. Sein Verhalten spiegelt plötzlich Arroganz und Überheblichkeit wider, was vollkommen konträr zu seinem unscheinbaren Äußeren und beinahe fragilem Wesen steht. Messemer wirkt geradezu prädestiniert für derartige Charaktere von gehemmter Art, letztlich für Rollen des offensichtlichen Außenseiters, den er hier mit Bravour und äußerst glaubhaft spielt. Mit jeder folgenden Sprosse der Karriereleiter steigt auch die Impulsivität gegenüber Leuten, die ihm überlegen oder unterlegen sind. Urban meidet die Augenhöhe und erstarrt viel zu oft wie das Kaninchen vor der Schlange, doch seine vermeintlich bessere Position verhilft ihm zu einem Gefühl der Unnahbarkeit. Viele überhebliche Gesten und verletzende Kommentare dominieren eine lange Strecke des Verlaufs, doch er kann nicht wirklich für eine Rochade sorgen, tritt somit auf der Stelle.

Viele bekannte Stars des deutschen Films reihen sich in die spannende Geschichte ein und bieten eine erstaunlich glaubwürdige Interaktion an. So bleiben insbesondere Carl Lange, Günter Pfitzmann oder Elisabeth Flickenschildt in besonderer Erinnerung, doch niemand als Hannes Messemer wird den Verlauf unterm Strich so nachhaltig beherrschen. Mit Sabina Sesselmann kommt man in den Genuss einer antagonistisch angelegten Leistung, denn die attraktive Blondine steht für Gefahr, da sie die neue Existenz des Journalisten zu untergraben droht, falls kein Profit für sie abfällt. So ist sie ist eine der wenigen Charaktere, die sich nicht in eine bestimmte Personengruppe einreiht, die beispielsweise dadurch auffällt, das mit dem Erfolg plötzlich viele vermeintliche Freunde aus ihren Löchern kriechen. Sesselmanns kalte und zynische Darbietung wird durch die Fremd-Synchronisation von Rosemarie Fendel angefeuert, die die Münchnerin bei einen ihrer vielen denkwürdigen Auftritte im Film unterstützt. Interessant ist, dass es wohl Personen gibt, die das Unglück wie ein Magnet anzuziehen scheinen, sodass man einem Finale entgegensieht, das dem Empfinden nach gar nicht gut ausgehen darf. Wieder einmal stellt sich allerdings die Frage, wie dieses letztlich aussehen mag. Zwischenzeitlich vergisst man den Titel des Films bei all den spannenden und teils erschreckenden Eindrücken, doch am Ende schließt sich der Kreis nicht nur nachvollziehbar, sondern auch sehr spektakulär. Obwohl "Die Brücke des Schicksals" für kriminalistische Verhältnisse kaum Informationen zurückhält und man sehr früh darüber orientiert ist, wohin die unliebsame Reise gehen wird, fehlt es in keinem Moment an Spannung und Brisanz. Regisseur Michael Kehlmann zeigt sehr beeindruckend, dass auch ein unaufgeregter aber hervorragend strukturierter und durchdachter Film sehr deutliche Akzente setzen kann. Nach rund 30 Inszenierungen im TV-Bereich ist das Kinodebüt und gleichzeitig Prestige-Projekt des Österreichers schließlich mehr als geglückt und daher als äußerst sehenswert einzustufen.


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 Post subject: Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur (1979)
PostPosted: 20.07.2019 18:47 
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● Folge 22: FÜNF FREUNDE AUF GEHEIMNISVOLLER SPUR / FIVE RUN AWAY TOGETHER (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz, Sue Best, Friedrich von Thun
Gäste: Mona Bruce, Patrick Troughton, Michael McVey, Peter Rutherford, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: James Gatward



Als Tante Fanny und Onkel Quentin dringend wegen einer familiären Angelegenheit verreisen müssen, wird die Haushälterin Mrs. Stick eingestellt, um ein Auge auf die Kinder zu haben. Die unsympathisch wirkende Dame bringt auch ihren dubios wirkenden Mann und impertinenten Sohn Edgar mit, und schon bald weht ein ganz anderer Wind auf Kirrin Cottage. Nicht nur, dass die Sticks sich dort häuslich einrichten und sich wie die Hausherren aufführen, sie sperren zum Ärger der Kinder auch noch Timmy weg, da die ungebetenen Gäste ihn als gefährlich einstufen. Um die Ferien noch irgendwie zu retten, setzen die Freunde nach Kirrin Island über, doch plötzlich verschwinden Dick und George spurlos...

»Ich mag Kinder!« Mit diesem Satz empfiehlt sich die neue Haushälterin bei Tante Fanny, doch man mag ihr diesen wie auswendig gelernten Satz nicht so richtig abnehmen, denn immerhin konnte Timmys Spürnase bereits einen entscheidenden Hinweis geben, da er die kalt wirkende Dame mit seinem unfehlbarem Instinkt angeknurrt hatte. Mrs. Stick kommt auch bei den Kindern weniger gut an, denn schon kurz nach der Abreise der Kirrins übernimmt die neue Angestellte das Regiment auf Kirrin Cottage, außerdem sondiert ihr Ehemann das Terrain und stellt aufdringliche Fragen. Wenigstens kommen Julian, Dick und Anne wenig später per Zug an, um George zu unterstützen, doch auf der Rückfahrt vom Bahnhof sehen sie, wie ein Boot nach Kirrin Island übersetzt, was sich insbesondere in Georges Kopf festsetzt. »So ein Mist! Die Ferien fangen ja gut an...«, hört man George entnervt schnauben, doch sie ahnt noch nicht, dass es zu Hause noch schlimmer weitergehen wird. Die Kinder treffen auf Edgar, den furchtbaren Sohn der Sticks, und es darf bereits nach wenigen Minuten betont werden, dass es sich um eine der unsympathischsten jungen Gegenspieler der gesamten "Fünf Freunde"-Serie handelt. Der regelrecht widerlich anmutende Junge ist nicht nur frech und unkultiviert, sondern provoziert auch noch Timmy, was weder bei den Kindern noch den Zuschauern geduldet wird. Edgar stiehlt Äpfel, bewirft Timmy damit, sorgt dafür dass der Hund weggesperrt wird, schnüffelt in Quentins Arbeitszimmer herum und ist vorlaut und unverschämt, wo er nur kann. Da die Sticks sich sehr merkwürdig verhalten und offensichtlich etwas im Schilde führen, deutet sich der nächste Fall glasklar an, doch zwischenzeitlich flüchtet man auf die abgelegene Insel. Insbesondere bei den nächtlichen Aufnahmen kommt eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre und gute Spannung auf, und man fragt sich, wohin dieser schwer zu ordnende Fall noch führen wird.

In diesem Zusammenhang lässt sich auch direkt das Manko der späteren Folgen erkennen, denn die Geschichten wirken in ihrer Erzählstruktur oft nicht mehr so kompakt wie einst. In "Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur" tappt man vielleicht etwas zu lange im Dunkeln und auch der Fall zählt sicherlich nicht zum spektakulärsten Stoff, den die Serie je gesehen hat, doch der routinierte Regisseur James Gatward bleibt dem Konzept der Serie treu, was insgesamt zufrieden stellt. Inzwischen gestalten sich die Ferien wie gehabt und entwickeln sich zum gefährlichen Abenteuer, da sich plötzlich mehrere Kontrahenten auf Kirrin Island zeigen. Die unterirdischen Gänge und Verliese eignen sich erneut sehr gut für Verschleppungen, sorgen aufgrund ihrer klaustrophobischen Anordnung für spannende und bedrohliche Momente. Insbesondere in den späteren Folgen zeigen sich wie in dieser Episode diverse Kürzungen bei Szenen, die jedoch für den Handlungsverlauf oder das Verständnis weniger relevant erscheinen. Wie üblich kommt es zu einem Tauziehen zwischen Julian und George, da erneut Kompetenzfragen gestellt werden, da sowohl Julian als auch George die Führungsrolle für sich reklamieren. Julian bezieht sich dabei auf sein Alter und George auf ihr Territorium, doch Kompromisse und gegenseitige Hilfe bilden ein starkes Team, das erfahrungsgemäß zum Erfolg kommt. Die Situation auf der Insel wird sich noch deutlich sowie sehr anschaulich zuspitzen, und im Endeffekt kann von einer Episode gesprochen werden, die insgesamt gelungen ist, da sie die Gesetze der Serie achtet. Dass es hier und dort zu hastig zugeht, und sich nur wenige Informationen über die Gauner ergeben, wirkt nicht störend, da die Inszenierung in sich recht stimmig ausgefallen ist. "Fünf Freunde auf geheimnisvoller Spur" ist sicherlich kein Highlight der zu diesem Zeitpunkt leider ausklingenden Reihe geworden, da die internen Vergleiche diesem Fall ein wenig zusetzen. Dass es sich wieder einmal um ein kurzweiliges und spannendes Ereignis mit solidem Timing handelt, steht jedoch außer Frage.


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 Post subject: Der Blinde (1995)
PostPosted: 22.07.2019 08:20 
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DER BLINDE

● EDGAR WALLACE - DER BLINDE (D|1995) [TV]
mit Joachim Kemmer, Julia Bremermann, Doris Kunstmann, Leslie Phillips, Yvonne de Bark, Peter Simonischek,
Michael Gwisdek, Ronald Pickup, Henryk Nolewajka, Christiane Reiff, Philippa Howel, Eva Ebner und Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Peter Keglevic


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»Nach den 30 Sekunden gibts einen auf die Fresse!«

Susan Howard (Julie Smith) verpasst ihren Bus nach Hause, da sie sich um einem hilflos wirkenden Blinden kümmert. Doch ihre gut gemeinte Geste katapultiert sie in einen waschechten Alptraum, da der Mann das junge Mädchen betäubt und anschließend entführt. Das Innenministerium übergibt den Fall an Scotland-Yard-Chef Sir John (Leslie Phillips), der wiederum seinen besten Beamten, Chef-Inspektor Higgins (Joachim Kemmer), mit der Aufklärung beauftragt. Er und seine Assistentin Lane (Julia Bremermann) finden schnell eine heiße Spur, die in die dubiose "Rialto"-Bar führt, doch dort bekommt man es nur mit wenig kooperativen Zeitgenossen zu tun. Nach und nach kommt jedoch etwas Licht ins Dunkel und die Ermittler finden sich in einem Strudel aus Mädchenhandel und Mord wieder...

Die TV-Produktionen der Edgar-Wallace-Reihe spielen in der Regel gleich zu Beginn ihre großen Stärken aus, denn die einführenden Sequenzen sind so gut wie alle sehr atmosphärisch und auf Hochglanz getrimmt. Peter Keglevics bereits dritter Beitrag stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar, denn die Titelfigur sorgt höchstpersönlich für die zukünftige Marschrichtung. Mit einer perfiden Masche, die er über das Mitgefühl eines jungen Mädchens abwickelt, geht sie ihm ins Netz. Auch wenn sich diese Szenen durchaus sehen lassen können und wie üblich Alfred Vohrers »Hallo, hier spricht Edgar Wallace« ganz traditionell erklingt, kommt es sehr rapide zu einem sehr ungünstigen Schwenk in die Klamauk-Richtung, die das Yard-Personal mehr schlecht als recht in die laufende Story zu integrieren versucht. Ob Leslie Phillips, Joachim Kemmer oder Eddi Arent; der Drop ist definitiv gelutscht und auch Julia Bremermann kann mittlerweile für keinen angenehmen beziehungsweise nötigen Ausgleich mehr sorgen. Alle Augen liegen somit auf dem vermeintlich Blinden, der sich jedoch leider eine längere Auszeit gönnt, sodass die Geschichte etwas ziellos vonstatten geht. Ein verschwundenes Mädchen bringt die Ermittlungen in Gang, und es geht trotz extravaganter Anwandlungen leider zu hölzern und gestelzt zu, insbesondere im darstellerischen Bereich. Schöne, teilweise imposante London-Aufnahmen vertreiben die Zeit zugegebenermaßen recht angenehm, bis die Regie allerdings versucht, sich permanent von Pointe zu Pointe zu schwingen, was den Eindruck einer leichten Überfrachtung zur Folge hat. Die mittlerweile stark kompensierte, bis etwa zur Hälfte gekürzte Spielzeit sorgt zunächst einmal für einen griffigeren Eindruck, aber unterm Strich kommen die erwarteten großen Sprünge doch nicht zustande, was sehr schade ist. Das Thema Mädchenhandel ist bei Wallace ein bewährtes, kann hier aber kaum mehr überzeugen.

In einer Story, deren Potential sehr schnell abgeschöpft wirkt, sorgen einige gute Interpreten für die nötige Aufmerksamkeit, allen voran Doris Kunstmann, die man gerne einmal in der regulären Wallace-Reihe gesehen hätte - etwa in Produktionen wie beispielsweise "Der Mann mit dem Glasauge" oder vielleicht in "Das Gesicht im Dunkeln". Als verruchte Bar-Dame kann sie wirksame Akzente setzen, und es ist sehr wichtig, sie als Verstärkung mit an Bord zu haben. Übrigens handelt es sich bei dem gewählten Umschlagplatz um die "Rialto"-Bar; ganz offensichtlich in deutlicher Anlehnung an die Produktionsfirma der Spielfilm- und TV-Reihe. Gleichzeitig handelt es sich auch um ein unübersehbares Anzeichen dafür, dass man es sich nicht aufsparen konnte, die Filme der RTL-Reihe mit allerlei Relikten aus guten, alten Zeiten anzureichern, was an den Filmen allerdings komplett abperlt. Leider versickern die Möglichkeiten des Falls im Boden, sodass er zu unspektakulär aufgerollt wirkt, und auch späte Mordfälle können daher für wenig Aufsehen sorgen. Die beteiligten Personen kommen dem Empfinden nach nie richtig aus den Startlöchern heraus und manche tauchen sogar aus dem Nichts auf, um wieder genau dorthin zu verschwinden. Leider ergeben sich die Zusammenhänge eher schwerfällig, da nicht genügend Erklärungen serviert werden. Glücklicherweise kristallisiert sich ein anzuerkennender Unterhaltungsfaktor heraus, der auch Kurzweiligkeit offenbart, sodass man dem Film unterm Strich attestieren möchte, dass sich auch "Der Blinde" für Wallace- und Krimi-Fans ganz naturgemäß eignet, da alte Muster verwendet werden, wenngleich ihm die bemüht wirkende Zweigleisigkeit nicht immer gut stehen will. "Der Blinde" bleibt insgesamt weit hinter den Erwartungen zurück und im Grunde genommen auch ohne größere Highlights, die man als treuer Wallace-Fan schlicht erwartet und gewöhnt ist. Das perfide und skrupellose Spiel mit dem Schicksal ist somit der bislang holprigste Beitrag der 90er-Serie geworden.


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 Post subject: Der gläserne Turm (1957)
PostPosted: 27.07.2019 15:04 
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DER GLÄSERNE TURM

● DER GLÄSERNE TURM (D|1957)
mit Lilli Palmer, O.E. Hasse, Peter van Eyck, Hannes Messemer, Ludwig Linkmann, Gerd Brüdern und Brigitte Horney
Produktion und Verleih | Bavaria Filmkunst
ein Film von Harald Braun


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»Ich kann auf Komödianten keine Rücksicht nehmen, wenn es um mein eigenes Leben geht!«

Die ehemalige Schauspielerin Katja Fleming (Lilli Palmer) erhält nach Jahren der Bühnenabstinenz ein Comeback-Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. Nach langen Phasen des Luxuslebens braucht sie wieder eine sinnvolle Aufgabe, denn ihr Mann, der erfolgreiche Geschäftsmann Robert Fleming (O.E. Hasse), hielt sie über Jahre hinweg in einem goldenen Käfig. Da sie das Engagement in Roberts Abwesenheit angenommen hat und sich zu dem Autor des Stücks, John Lawrence (Peter van Eyck), hingezogen fühlt, entfernen sich die Eheleute Fleming immer weiter voneinander. Allerdings lässt der sich gehörnt fühlende Ehemann dem Schicksal keinen freien Lauf, sondern möchte es zu seinen Gunsten zu manipulieren, indem er seine Frau unter Kuratel zu stellen versucht. Doch genau wie in vielen von Katjas Bühnenstücken kommt es zu einer dramatischen Wendung, die sie zur Hauptdarstellerin in einem Gerichtsprozess werden lässt...

Wenn sich der Film höchstpersönlich mit den Fallstricken und den ausführenden Organen seines eigenen Metiers auseinandersetzt, ergeben sich häufig die sicheren Eindrücke, dass sich jeder Beteiligte auf sehr dünnem Eis bewegt. Eine einst gefeierte Schauspielerin will nach Jahren der Abstinenz zurück ans Theater, um sich zu befreien. Trotz anfänglichen und eventuell sogar gespielten Widerstandes, nimmt sie die Rolle schließlich dankend an, denn immerhin scheint ihr der wohltuende Geschmack ihres Lebenselixiers zu fehlen. Auf zunächst unbestimmte Art und Weise breitet sich das Gefühl aus, dass es einen Haken in dieser Situation zu geben scheint, denn die allgemeine sowie psychische Konstitution der Hauptakteurin scheint nicht immer auf der Höhe zu sein. Eine sich noch immer über ihre auffällige Aura definierende Schauspielerin begibt sich zurück an den Ort ihrer größten Erfolge und im Endeffekt erscheint die Besetzung mit Top-Star Lilli Palmer einfach nur folgerichtig, irgendwie sogar logisch zu sein. Im Dickicht von Schein und Sein kristallisieren sich allerdings noch ganz andere Missstände heraus, die viel tiefer unter die Oberfläche gehen, als es die nach außen strahlende, aber im inneren oft fragile Flimwelt vertragen würde. Alleine der Titel des Films lässt Querverbindungen zum Märchen aufkommen, denn der Frau, der es an nichts Materiellem fehlt, lebt in einem Turm aus Glas und Stein. Ein vermeintlicher Prinz ist zwar in Sicht, doch ihr Haar ist im Übertragenen Sinn viel zu kurz, um unbeschadet aus der Situation entfliehen zu können. In diesem Zeitfenster und insbesondere in Filmen, die männlich-weibliche Rollenschablonen der Gesellschaft kritisch unter die Lupe nehmen sollten, waren es häufig die modernen und resoluten Frauen, die angesichts misslicher Situationen und Zustände selbst Abhilfe schafften, es aber nicht immer konnten.

Lilli Palmer erscheint in dieser Hinsicht wie ein Prototyp zu sein, und die Titel-Ankündigung überträgt sich in frappanter Manier auf ihre eigene Film-Person, die ebenso gläsern und dementsprechend zerbrechlich wirkt. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass für diesen Zustand der Architekt des goldenen Käfigs verantwortlich ist, sodass es zu Veranschaulichungen düsterer Abhängigkeitsverhältnisse und manischer Besitzansprüche kommt, die unüberwindbar erscheinen. Aus der routiniert nebeneinander herlaufenden Zweier-Konstellation wird jedoch plötzlich eine Triangel, bestehend aus Tücken, Unentschlossenheit und Konspirationen, was eine Kettenreaktion zur Folge hat, die übrigens von inszenatorischer Brillanz ist. Die Regie verweigert dem Publikum über weite Strecken in die Köpfe der Protagonisten hineinsehen zu können, obwohl transparente Handlungen und viele offene Worte den Verlauf prägnant färben. Interessant ist, dass sich die beiden Hauptstränge, bestehend aus Bühne und Privatleben, zu kreuzen beginnen, denn plötzlich bahnt sich eine Inszenierung fernab des Stücks an, dessen Regisseur und Koordinator der sich brüskiert fühlende Ehemann von Katja ist. Diese immer mehr Konturen gewinnende Eigendynamik deutet die Tragik an, die die zweite Hälfte des Films beherrscht. Wenn das gemeinsame Leben nicht mehr zu ertragen ist, oder künstlich aufrecht erhalten wird, muss das Leben anderer ausgesaugt werden. Doch wer bleibt auf der Strecke in einer Inszenierung, die eigentlich nur Verlierer hervorbringen kann? Am Ende scheint es daher wie eine logische Konsequenz zu sein, dass die Bühne dem Gerichtssaal weichen muss, und in diesem Zusammenhang kommt es zu sehr atmosphärischen und sehr wirksamen Szenen, die diesen Beitrag mit zusätzlicher Vielfältigkeit ausstatten.

Wenn die Eifersucht verschiedenste Beteiligte zu Spielbällen werden lässt, Bühnenszenarien mit der Realität verschmelzen, ein Tonband als Kronzeuge gesucht wird und das Publikum nur sicher sein kann, dass es unsicher ist, sind Präzisionsleistungen der Stars erforderlich, die unter der Regie von Harald Braun glücklicherweise abgerufen werden. Mit Lilli Palmer bekommt man eine Darstellerin in quasi doppelter Potenz geboten, die alle Zerreißproben in ihrem Metier schadlos überstehen konnte - zumindest wenn ihre gut sitzende Maske nicht gefallen ist. Ihren größten physischen und mentalen Schaden nahm sie allerdings fernab der großen Bühne, auf der die Perfektion immer wieder choreografiert werden konnte. Das Privatleben neben dem ihr gegenüber strengen, wenngleich im Allgemeinen großzügigen Ehemann hat sie innerlich eingehen lassen, sodass ihr das Comeback-Angebot wie gerufen kam. Dass sie dieses Engagement nur in Abwesenheit von Dr. Fleming annehmen konnte, zeigt unmissverständlich auf, dass sie nicht nur in Isolation und Lethargie lebte, sondern auch in Angst. Wenn O.E. Hasse seine Szenen ausbuchstabiert, kommt es zu einer regelrecht natürlichen Dominanz und kaltem Kalkül, das sich ganz selbstverständlich auf sein Umfeld zu übertragen scheint. In der negativ gefärbten Interaktion offenbaren sich insbesondere zwischen Hasse und Palmer die großen Filmmomente, in denen es eigentlich keine Kontrahenten zu geben scheint. Auch wenn Peter van Eyck, Hannes Messemer und Brigitte Horney schwere darstellerische Geschütze auffahren können, wirken die Protagonisten zumindest scheinbar unbeeindruckt bis maskenhaft. Es bilden sich hochinteressante Konstellationen die lediglich dazu gemacht sein werden, um sich in ihre Bestandteile aufzulösen, was dem Zuschauer eine schwelende Spannung garantiert. So ist "Der gläserne Turm" insgesamt zu einem beeindruckenden Psychogramm gesellschaftlicher Illusionen geworden.


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 Post subject: Fähre in den Tod (1996)
PostPosted: 29.07.2019 10:02 
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FÄHRE IN DEN TOD

● FÄHRE IN DEN TOD (D|1996) [TV]
mit Dörte Lyssewski, Sebastian Koch, Lisa Kreuzer, Jürgen Hentsch, Klaus J. Behrendt, Gerd Preusche,
Herb Andress, Ulrich Faulhaber, Julia Richter, Eva Brumby, Adrian Beciri, Ben Hecker und Hellmut Lange
eine Produktion der Parabel Film | im Auftrag von Sat.1
ein Fernsehfilm von Heiner Carow


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»Einer muss es ihnen sagen...«

Das Fährschiff "Castor" läuft trotz Unwetterwarnung planmäßig aus, gerät anschließend in Seenot und sinkt. Noch bevor es genauere Informationen über das Ausmaß der Katastrophe gibt, zeichnet sich bereits eine der größten Tragödien der letzten Jahrzehnte ab, denn es waren über 1000 Menschen an Bord. Schnell wird eine mehrköpfige Untersuchungskommission rund um den ehemaligen Kapitän Herwegh (Hellmut Lange) eingesetzt, der die Unglücksursache klären soll. Trotz aller persönlichen Schicksale ist er bemüht, die Schuldfrage sachlich zu klären, sodass sich nach und nach unglaubliche Erkenntnisse ergeben...

Als die RoPax-Fähre "MS Estonia" bei Sturm und hohem Wellengang im September 1994 unter besonders mysteriösen Umständen in der Ostsee sank, markierte dieses Unglück die größte Schiffskatastrophe der europäischen Nachkriegsgeschichte, bei der mehr als 850 Menschen ums Leben kamen. Nicht nur, dass sich bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien um das 1980 gebaute und bis zu seiner Havarie ununterbrochen im Liniendienst stehende Schiff halten, die Tragödie wurde auch mehrmals dokumentarisch und filmisch aufgearbeitet, wie beispielsweise im Jahr 1996, in Heiner Carows "Fähre in den Tod". In diesem Fernsehfilm diente das Unglück rund um die "Estonia" lediglich als Vorbild, denn das hier thematisierte Schiff wurde mit dem Namen "Castor" ausgestattet. Interessant bei der Bearbeitung ist die gewählte Strategie, das Schiff in einer Nebenrolle versinken zu lassen, denn spätestens nach einer knappen halben Stunde Laufzeit stehen alle Beteiligten vor vollendeten Tatsachen - dem Totalverlust des 28000 PS starken Schiffes. Im Film wird die "Castor" durch eine Fähre einer dänischen Reederei simuliert, die aber lediglich beim Beladen mit Fahrzeugen zu Beginn zu sehen ist. Bei dieser Gelegenheit wird das Publikum ein wenig mit den Größenverhältnissen des Autodecks und der Brücke vertraut gemacht, sodass sich das Ausmaß der Katastrophe bereits vage erkennen lässt. Da das Schiff in zeitlichem Verzug ist, kommt es zu nervösen Unstimmigkeiten zwischen Kapitän Eriksen und seinem Stellvertreter van Damme, was im Endeffekt einen über die gesamte Länge des Films schwelenden Zündstoff darstellt. Nach der Vorstellung der wichtigsten beteiligten Charaktere kommt bereits die Schreckensnachricht über die Katastrophe, und die Fähre ist im Off gesunken.

Regisseur Carow bedient sich ab sofort der Strategie, die persönlichen Tragödien der Angehörigen und das Mammutprojekt der Untersuchungskommission zu durchleuchten. Verschiedene Interessengruppen sind ab sofort darum bemüht, die Schuldfrage zu klären, oder wahlweise auf den anderen abzuwälzen, sodass die hier weniger deutlich thematisierte Angst vor Regress-Ansprüchen Formen annimmt. Als der Kapitän des Zielhafens den Wartenden die schreckliche Nachricht überbringen muss, herrscht zunächst eine gespenstische Stille. Jeder ist für Augenblicke dabei zu beobachten, wie die Nachricht erst einmal geordnet werden muss. Nur der Wind heult und erzählt von den stürmischen Verhältnissen auf hoher See, denen die "Castor" zum Opfer gefallen ist. Plötzlich überholen sich die Emotionen der Leute gegenseitig und es kommt unter anderem zu Wut, Trauer, Hysterie und Handgreiflichkeiten. Man will Antworten haben und Schuldige womöglich gleich mit. Über allem steht jedoch der Wunsch, die vermissten Angehörigen und Freunde wieder unbeschadet empfangen zu können, denn immerhin soll es Überlebende geben. Ab diesem Zeitpunkt schwebt der gesichtslose Tod über dem Szenario, den eine eilig eingesetzte Untersuchungskommission einbetten soll. Ab diesem Zeitpunkt geht übrigens der letzte Vorhang für den beliebten Interpreten Hellmut Lange auf, der hier seinen Abschied vom Film nahm. Als Kopf der Expertengruppe ist er mit der dem Anschein nach unlösbaren Aufgabe betraut worden, die Umstände des Schiffsunglücks zu klären. In diesem Zusammenhang zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zum Fall "Estonia", da die Arbeit des Ausschusses dem Vernehmen nach von einer langen Liste von Fehlern und Verschleierungstaktiken geprägt gewesen sein soll, was hier nicht der Fall ist.

Im Spektrum menschlichen oder technischen Versagens finden sich naturgemäß zahlreiche andere Möglichkeiten, die zu einer derartigen Katastrophe hätten führen können und befeuern letztlich die Ansichten von Verschwörungstheoretikern. Ausgewählte Charaktere arbeiten intensiv an der Rehabilitierung mutmaßlicher Schuldiger, oder an der Diskreditierung von wahrscheinlich Unschuldigen, sodass dem Zuschauer schnell klar wird, dass dieses Tauziehen sich immer auf der gleichen Stelle abspielen wird. Da Ahnungen keine Beweise sind, wird es für Herwegh, den Kopf des Expertenausschusses, nicht gerade einfacher, denn man kann unmöglich allen Seiten gerecht werden. Ob Verzweiflung oder irritierende Sachlichkeit - beides bringt die trauernden Angehörigen zurück in die nackte Realität, denn die Weiten des Meeres geben keine Lebenden mehr frei, oftmals sogar keine Toten. Das modernste Schiff des verantwortlichen Betreibers war mit technischem Höchststand ausgestattet. Bei der Pressekonferenz ist ein regelrechtes Verzerren der Schuldfrage zu beobachten, da eine perfide, teilweise sogar aggressive Rhetorik angewendet wird. Die größten darstellerischen Momente gibt es definitiv mit Hellmut Lange, den der Wind der Erfahrung umweht. Seine Arbeit wirkt nicht nur menschlich, sondern vor allem sachlich und ergebnisorientiert, sodass er seinem jeweiligen Gegenüber im Zweifelsfall auch gerne davon in Kenntnis setzt, was er von ihm hält. »Ihre deutsche Reederei hat einen englischen Namen und ihr Schiff fährt unter malaysischer Flagge. Wissen Sie da überhaupt noch, wo sie hingehören?« Mit Reden wie diesen bringt sich der Berliner Interpret spielend ins Kreuzfeuer der unterschiedlichen Interessengemeinschaften und sammelt genügend Sympathiepunkte, um die er keineswegs zu buhlen hat.

Filmische Aufarbeitungen dieser Art gestalten sich naturgemäß als sehr schwierig, da auch die Regie nicht allen Seiten gerecht werden kann. Innerhalb eines Falls, der niemals aufgeklärt wurde und von Mythen, Mutmaßungen Theorien angefeuert wurde und immer noch wird, zusätzlich unter Synonym ins Rennen geschickt wurde, lässt sich das Verlangen nach wasserdichter Klärung und dem Nennen von Verantwortlichen nur allzu gut verstehen, aber genauso wenig stillen. Die Richtung die dieser Fernsehfilm letztlich eingeschlagen hat beweist einen Mut, sich gegen gängige Sensationsgeschichten zu stellen und offeriert eine Lösung, die möglicherweise der Plausibilität entspricht. Vielleicht wirkt gerade die Aufklärung im Großen und Ganzen beinahe etwas unbefriedigend, allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Gratwanderung zwischen Rehabilitation und Schuldzuspruch recht schwierig ist, denn immerhin ruft sie jedem Beteiligten und dem Publikum unmissverständlich in Erinnerung, dass es sich um ein äußerst sensibles Thema handelt, welches auch nicht mit aller Gewalt geklärt werden kann. Die beteiligten Darsteller agieren der Thematik entsprechend einerseits behutsam und in ihren Emotionen greifbar, andererseits erschreckend kaltschnäuzig oder angepasst an erschreckende Realitäten. "Fähre in den Tod" kann unterm Strich wohl kaum losgelöst von tatsächlichen Geschehnissen oder als Erfindung betrachtet werden, da der Film oftmals zugeschnitten, angepasst und reißerisch wirkt, man sich außerdem medienwirksamer Elemente bedient. Generell besteht jedoch ein eigenständiger Charakter einer Produktion, die bemüht ist, alternative Wege anzudeuten, sodass abschließend gesagt werden kann, dass der Film mit oder ohne Vorbild gleich gut funktioniert hätte. Letztlich wird eine derartige Tragödie leider nicht weniger tragisch, wenn es am Ende Schuldige gibt, aber in dieser Hinsicht kann auch Heiner Carows Abschiedsvorstellung keine Abhilfe schaffen.


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 Post subject: Dallas - J.R. kehrt zurück (1996)
PostPosted: 02.08.2019 20:03 
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DALLAS - J.R. KEHRT ZURÜCK

● DALLAS: J.R. RETURNS / DALLAS - J.R. KEHRT ZURÜCK (US|1996) [TV]
mit Larry Hagman, Patrick Duffy, Linda Gray, George Kennedy, Ken Kercheval, Rosalind Allen, Omri Katz,
Christopher Demetral, Tracy Scoggins, Audrey Landers, Deborah Kellner, Blu Deckert, Lee Gideon, u.a.
und als Gäste: Deborah Rennard, Buck Taylor sowie George O. Petrie
eine Produktion der Warner Bros. Television | Eagle Point | Olive | für CBS
ein Fernsehfilm von Leonard Katzman


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»Ich muss eine Stadt zurück erobern...«

J.R. Ewing (Larry Hagman), der einst am meisten gefürchtete Öl-Baron im texanischen Dallas, kehrt aus seinem europäischen Exil in die Stadt seiner größten Erfolge zurück, allerdings haben sich die Machtverhältnisse dort stark verändert, denn Ewing Oil, das Familien-Imperium, wird mittlerweile von J.R. Ewings Erzfeind Cliff Barnes (Ken Kercheval) kontrolliert. Um die Firma wieder in seinen Besitz zu bringen, ist ihm jedes Mittel recht und kein Trick zu schmutzig, außerdem schmiedet er Pläne, um an das nötige Kapital zu kommen, wofür allerdings außerordentliche Mittel erforderlich sind. Noch bevor seine unruhig gewordenen Gegner geeignete Vorkehrungen treffen können, wird Dallas von einer Nachricht erschüttert, die wie eine Bombe einschlägt und die Familienmitglieder erschüttert, J.R.'s Feinde jedoch aufatmen lässt...

Fünf Jahre nach der finalen Szene der letzten Folge der Erfolgsserie "Dallas" wurde dem treuen Zuschauer endlich reiner Wein über das Schicksal von J.R. Ewing eingeschenkt und markierte gleichzeitig die Geburt einer Reihe von TV-Filmen, in denen wichtige Teile der Stammbesetzung nochmals zusammenkommen sollten. Dieses 1996 produzierte TV-Spektakel kündigt bereits im Titel an, worum es letztlich gehen wird, denn es gilt, eine komplette Stadt und das traditionsreiche Familienunternehmen wieder in die Hand zu bekommen. Nach all den Jahren, Kämpfen und Intrigen haben sich die Machtverhältnisse in der drittgrößten Stadt im Bundesstaat Texas merklich verschoben und Ewing Oil ist mittlerweile unter der Leitung von J.R.'s Erzfeind Cliff Barnes. Die Strategie der Geschichte ähnelt jener der Mutterserie in frappanter Art und Weise und knüpft auf ein langjähriges Erfolgsrezept an, welches hier allerdings weniger neu erfunden wirkt, als mit unterschiedlichsten Mitteln aufgepeppt. Das Konfliktpotential liefern Machthunger und Anerkennung in einer Stadt, die ihre eigenen Gesetze schreibt, außerdem scheint es sogar so weit zu gehen, dass J.R. höchstpersönlich für einige dieser Gesetze verantwortlich ist. Unter Regisseur Leonard Katzmans Leitung ist genau zu erkennen, dass pauschal davon ausgegangen wird, mit der Materie vertraut zu sein, immerhin werden die Hauptcharaktere ohne größere Vorstellungen in die Manege gelassen. Zwar haben sich die durcheinander gewürfelten Konstellationen erst einmal wieder neu zu ordnen, doch dies geschieht sehr schnell, vor allem weil J.R. ein bemerkenswert hohes Tempo an den Tag legt. Der Öl-Magnat kommt zurück nach Dallas, aber nicht ohne zahlreiche Pläne im Gepäck zu haben. So klappert er die verschiedenen Stationen seiner Vergangenheit ab, um sie fairerweise davor zu warnen, dass sie sich ab sofort warm anziehen dürfen.

Der Verlauf hält nicht nur viele alte Bekannte bereit, sondern auch Altlasten der Vergangenheit, die J.R. dazu zwingen, erfinderisch zu werden und zu konspirieren. Bei dieser Gelegenheit darf das Publikum freudig zur Kenntnis nehmen, dass er trotz fünfjähriger Abstinenz offensichtlich nichts von seinen schmierigen Tricks und Manipulationen verlernt hat, seine Beute dabei immer noch zielstrebig ins Visier nimmt. Neben Larry Hagman sind es vor allem Patrick Duffy, Ken Kercheval, George Kennedy, Omri Katz und Linda Gray, die das Szenario innerhalb ihrer Zuschnitte bereichern, und glücklicherweise kommt es zu einigen gelungenen Variationen. Auch ein paar neue Gesichter können durchaus für Aufsehen sorgen, vor allem Tracy Scoggins, die für ungewöhnlich viel Erotik, Wortwitz, Schlagfertigkeit aber auch Kaltschnäuzigkeit zu sorgen weiß. Neben ihr bleibt vor allem Die Titelfigur alias Larry Hagman sehr deutlich in Erinnerung, um den die komplette Geschichte herumkonstruiert wurde. Dies wirkt weniger erdrückend und vorhersehbar, als vollkommen logisch und unterhaltsam. Intrigen, Sex, Machtspiele und Putschversuche dominieren den Verlauf in abwechselnd intensiv verlaufenden und unterschiedlich gefärbten Intervallen, sodass zu sagen bleibt, dass sich Fans der Serie hier sicherlich gut aufgehoben fühlen dürften. "Dallas - J.R. kehrt zurück" konstruiert insgesamt nicht nur interessante Gegenwartsverhältnisse, die rasant bis geläufig wirken, sondern baut ebenso ansprechende Brücken in die Vergangenheit. Sicherlich wirkt die manchmal geballte Informationslage zum Teil etwas arg komprimiert sowie konstruiert, und J.R. Ewing alleine aufgrund dramaturgischer Vorgaben etwas zu gemütlich - vielleicht sogar geläutert - aber dennoch kommt über die gesamte Spielzeit eine vertraut wirkende "Dallas"-Atmosphäre auf, die zusätzlich Lust auf die übrigen TV-Verfilmungen macht. Ein gelungenes Wiedersehen mit alten Freunden und Feinden!


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 Post subject: Das Schloss des Grauens (1997/98)
PostPosted: 05.08.2019 13:44 
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DAS SCHLOSS DES GRAUENS

● EDGAR WALLACE - DAS SCHLOSS DES GRAUENS (D|1997/98) [TV]
mit Gunter Berger, Rebecca Immanuel, Rosalind Baffoe, Ursula Heyer, Nina Hoger, Peer Jäger, Rosemarie Fendel,
Friedrich Schoenfelder, Boris Aljinovic, Balduin Baas, Uwe Karpa, Michael Kausch, Tobias Langhoff und Eddi Arent
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Wolfgang F. Henschel


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»Polizei? Wozu brauchen wir die Polizei?«

Sir Douglas Wonderly (Friedrich Schoenfelder) beruft seine komplette Verwandtschaft für eine Bekanntmachung auf seinem Familiensitz ein. Diese Umstände lassen seine Familie sichtlich nervös werden, denn es ist durchgesickert, dass es sich um eine Änderung des alten Testaments handeln soll. Noch bevor Jonathan Ryder (Peer Jäger), Sir Douglas' Anwalt, die ungeduldigen Herrschaften von den neuen Modalitäten unterrichten kann, kommt es zu einem mysteriösen Zwischenfall. In einer nahegelegenen psychiatrischen Einrichtung ist zeitgleich ein gefährlicher Insasse geflohen, der den Schlossherrn derartig erschreckt, dass dieser ins Koma fällt. Das neue Testament ist verschwunden. Des Weiteren wird die Familie Wonderly nach und nach durch Mörderhand dezimiert. Inspektor Higgins (Gunter Berger) und seine Assistentin Lane (Rebecca Immanuel) nehmen die schwierigen Ermittlungen auf...

Nach drei Filmen der Wallace-TV-Serie wurde "Das Schloss des Schreckens" von 1997 bis 1998 mit neuer Besetzung in London, Berlin und Brandenburg abgedreht, doch der Film musste lange auf seine Uraufführung warten, bis er schließlich 2002 bei Super RTL ins Programm genommen wurde. Vielleicht erzählt diese lange Wartezeit ein wenig von der mangelnden Erfolgsgeschichte der Vorgängerfilme, doch dieser Beitrag kann sich unter neuer Regie und im Rahmen gewisser Variationen durchaus sehen lassen. Zwar muss direkt erwähnt werden, dass von "Die seltsame Gräfin" über "Das indische Tuch" bis "Der Hund von Blackwood Castle" erneut alles Mögliche an ehemals wirksamen Szenen und Inhalten ausgeliehen und aufbereitet wurde, was nicht immer gut ankommen möchte, aber Wolfgang F. Henschels Wallace-Debüt verfügt erstmals über eine durchgehend dichte Atmosphäre und überdurchschnittlich gute schauspielerische Unterstützung. So machen Gunter Berger und Rebecca Immanuel sehr gute Figuren, die ebenso wie ihre Vorgänger innerhalb ihrer Symbiose überzeugen, doch es ist offensichtlich, dass der Humor deutlich heruntergeschraubt wurde. Dies gilt insbesondere für Eddi Arent, der ab sofort den Posten von Scotland-Yard-Chef Sir John inne hat. Bessere Grundvoraussetzungen wirken sich oft wie Balsam für die jeweilige Produktion aus und die Geschichte überrascht mit spürbarem Flair und einer Atmosphäre, die im Vergleich zu den Filmen der Wallace-Kinofilme recht annehmbar simuliert wirkt. Ein dem Vernehmen nach Irrer flüchtet aus einer psychiatrischen Anstalt, in der sich die Klischees bis unters Dach stapeln. Die Kamera ist ab sofort hochgradig aufmerksam und sorgt für diverse Hochglanzmomente, in denen der Kapuzenmann bedrohlich im Mondlicht schimmert, bis seine Hände nach einer kompletten Familie greifen. Oder doch nicht? Die Geschichte macht es sich zur Aufgabe, sehr viel Verwirrung zu stiften und für zahlreiche Twists zu sorgen.

Schützenhilfe dabei leisten die Charaktere, die tatsächlich alle auf ihre bestimmte Art und Weise merkwürdig wirken. Ein Schlossherr liegt im Pseudo-Koma, die Familien-Hyänen schleichen ungeduldig umher, da sie Blut in der Luft wittern, und es ist von vorne herein klar, dass es sich schließlich weniger um Blut handeln dürfte, als um Geld und persönliche Bereicherung. Wenn die Erbfolge gewissen Personen nicht passt, muss sie eben nach deren Geschmack korrigiert werden. Doch wer mordet im Hintergrund? Der Eindruck, dass es jeden treffen könnte, bleibt präsent bis zum Schluss und immer wenn ein lauter, quälender Schrei durch das alte Gemäuer ertönt, weiß das Publikum, dass wieder einer weniger beim Dinner sitzen wird. In diesem Zusammenhang sind die vielen unterschiedlichen Mordszenen zu erwähnen, die inszenatorisch einiges hergeben. Darstellerisch bewegen sich die meisten hier integrierten Interpreten am Rande des Overacting, doch dem Eindruck nach gehört es irgendwie zu diesem überzeichnet wirkenden Szenario dazu, das manchmal sogar überfrachtet wirkt. Besondere Eindrücke hinterlassen vor allem Ursula Heyer, deren Allüren an keine Geringere als diejenigen einer gewissen Alexis Carrington-Colby alias Joan Collins erinnern, aber im familiären Kreis keine gleichen Ausmaße annehmen, und Peer Jäger, der den aalglatten und mit allen Wassern gewaschenen Anwalt sehr authentisch darstellt. Rosemarie Fendel, Nina Hoger und Freidrich Schoenfelder bereichern das Szenario mit recht klassischen Mitteln und unterm Strich möchte man einfach jeder Figur des Szenarios das Schlechteste zutrauen. Eine Person im Hintergrund wünscht ihnen allerdings nicht nur das Schlechteste, sondern fügt es auch gleich zu. Dass sie sich am Schluss durch ihr eigenes Dezimierungsspiel quasi selbst entlarvt, wirkt eher amüsant als störend. "Das Schloss des Schreckens" kann letztlich im Schimmer altbekannter Versatzstücke sowie neuer Impulse überzeugen und transportiert daher kurzweilige und unterhaltsame Eindrücke, die hier glücklicherweise überwiegen.


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 Post subject: Fauler Zauber auf der Geisterinsel (1969)
PostPosted: 11.08.2019 10:41 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 03 | HASSLE IN THE CASTLE | FAULER ZAUBER AUF DER GEISTERINSEL (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Scooby Doo und seine Freunde unternehmen eine Bootsfahrt, doch bei Dunkelheit und Nebel laufen sie mit ihrem Schiff auf Grund und sind daher gezwungen, eine nahegelegene Insel zu betreten, auf der ein wenig einladendes Schloss steht. Ohne es zu wissen, stolpern die Jungdetektive in ihren nächsten Fall, denn sie wurden bereits von den Zinnen des Schlosses aus beobachtet. Plötzlich geschehen dort unheimliche Dinge und es scheint tatsächlich zu spuken, allerdings glauben die Freunde nicht an Gespenster. Trotz einer eindeutigen Warnung, das Gelände so schnell wie möglich wieder zu verlassen, gehen sie den merkwürdigen Geschehnissen auf den Grund und machen eine spektakuläre Entdeckung...

Freddie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby-Doo scheinen auch in Folge 3 den beinahe schon traditionell wirkenden Luxus zu genießen, im Bezug auf ihre Freizeit tun und lassen zu können, was sie wollen. Die Freunde sind dieses Mal mit einem schnellen Motorboot unterwegs, und bevor es zu dem obligatorischen Aufeinandertreffen mit dem Episoden-Bösewicht kommt, wird genügend Raum für den charakteristischen Humor der Serie geboten. Während man sich noch an den witzigen Szenen und running gags mit Shaggy und Scooby erfreuen kann, wird es wenig später schon ernster, da ein im nächtlichen Wind flatterndes Gespenst die Protagonisten mit einem Fernrohr beobachtet. Bedrohliche Eindrücke prägen das Szenario nachhaltig und außerdem läuft das Schiff noch zusätzlich auf, sodass sich Sicherheit ins Ungewisse umwandelt, da es für den Moment keinen Weg zurück gibt. Das neueste Abenteuer steht nun unmittelbar bevor und das Interieur des alten Gemäuers mit all seinen obskuren Requisiten und Spinnweben ist der Grusel-Atmosphäre besonders zuträglich. Eigenartig in dieser dritten Episode ist der Umstand, dass man kaum Informationen über den Fall bekommt und auch keinerlei beteiligte Personen zu Gesicht bekommt, die für Aufklärung oder kryptische Andeutungen sorgen könnten. Wer Scooby und seine Freunde jedoch kennt, weiß genau, dass sich auch dieser im wahrsten Sinne des Wortes nebulöse Fall aufgrund der Umsicht und des Spürsinns der Hauptpersonen auflösen wird. Bis es soweit ist, kommt es noch zu allerlei Spuk im Schloss, bei dem das Gespenst alle zur Verfügung stehenden Register ziehen darf.

Irres Gelächter durchzieht die weiten Hallen des Hauses, leuchtende Totenköpfe prophezeien Unheil, Rüstungen deuten eine diffuse Gefahr an und in den verstecktesten Winkeln der Zimmer verbergen sich Geheimnisse, die es zu lösen gilt. Da man es auch in "Fauler Zauber auf der Geisterinsel" wieder mit aufgeweckten und gut aufgelegten Spürnasen zu tun hat, löst sich der Fall am Ende quasi von selbst, da der Täter wie üblich in ein Missgeschick verwickelt wird, das ihm zum Verhängnis wird. Während insbesondere Freddie und Velma nüchtern ermitteln, Scooby und Shaggy für heitere und tolpatschige Momente sorgen, ist es erneut Daphne, die als Projektionsfläche für Beschützerinstinkte herhalten darf, und dabei natürlich wie immer blendend aussieht. Plötzlich verschwindet sie in einer Falltüre und die Geisterhand müsste nur noch nach ihr greifen, doch Schicksal und der Zufall meinen es gut mit ihr. Zwischenzeitlich wird ein regelrechter Zirkus aus Trugbildern und Sinnestäuschungen veranstaltet, doch die Detektive lassen sich nicht beirren und packen den Fall resolut an, der schon etwas älter aber nicht verjährt zu sein scheint. Episode 3 verlässt sich insgesamt vielleicht zu sehr auf das klassische Thema, doch ein Gespenst allein macht nicht die Musik. Es ist unterm Strich daher ein wenig schade, dass man es mit keinen Verdächtigen zu tun bekommt und der Fall genau wie sein Geist aus dem Nichts auftaucht, um klammheimlich wieder dorthin zu verschwinden. Als großes Plus bleibt die hohe Gag-Dichte in Erinnerung, die innerhalb des schaurig-schönen Settings für denkwürdige Momente sorgt und "Fauler Zauber auf der Geisterinsel" auch trotz kleinerer Abstriche zu einem schönen Abenteuer werden lässt.


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 Post subject: Reise der Verdammten (1976)
PostPosted: 12.08.2019 20:42 
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REISE DER VERDAMMTEN

● VOYAGE OF THE DAMNED / REISE DER VERDAMMTEN (GB|1976)
mit Faye Dunaway, Oskar Werner, Max von Sydow, Maria Schell, Lee Grant, Katharine Ross, Helmut Griem, Orson Welles,
James Mason, Malcolm McDowell, Fernando Rey, Nehemiah Persoff, Sam Wanamaker, José Ferrer, Michael Constantine,
Wendy Hiller, Julie Harris, Paul Koslo, David de Keyser, Donald Houston, Günter Meisner, Janet Suzman und Ben Gazzara
eine Robert Fryer Produktion | ITC Entertainment | Associated General Films | im Verleih der Progress Film
ein Film von Stuart Rosenberg


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»Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein!«

Der Luxusliner "St. Louis" soll 937 jüdische Flüchtlinge von Hamburg nach Havanna bringen. Anfangs können die Passagiere ihr Glück kaum fassen, aus den Klauen der Nazi-Herrschaft zu entkommen und darüber hinaus mit deren Absolution ausreisen zu dürfen. doch für das Propaganda-Ministerium ist es nur ein perfider Plan für das internationale Auge, denn die Passagiere sollen ihren Zielhafen nie erreichen, da das Schiff nicht für eine Landung in Kuba vorgesehen ist. Kapitän Gustav Schröder (Max von Sydow) sind die Hände gebunden und der Druck auf ihn und seine Crew wächst zusehends, da auch die Vereinigten Staaten der "St. Louis" die Einreise verweigern. Der Plan von Reichspropagandaleiter Goebbels scheint schließlich aufzugehen, denn es sollte eindringlich demonstriert werden, dass jüdische Flüchtlinge in jedem Hafen der Welt unerwünscht seien. Am Ende deutet alles darauf hin, dass der Luxusdampfer zurück nach Deutschland muss und die Passagiere gleichzeitig ihrem möglichen Tod entgegen sehen...

Stuart Rosenbergs international für zahlreiche Auszeichnungen vorgeschlagenes Filmdrama behandelt die Irrfahrt der "St. Louis" der Hamburger Reederei HAPAG, die auf ihrer Überfahrt weit über 900 jüdische Flüchtlinge nach Kuba ausschiffen sollte, aber keine Landungsgenehmigung bekam. Filmische Aufarbeitungen mit einem derartigen Background, die wie hier auf wahren Begebenheiten beruhen, befassen sich naturgemäß mit der Schilderung von Einzel- und Kollektivschicksalen, die Brisanz, Leid und Dramatik garantieren. "Reise der Verdammten" kann auf den ersten Blick als fulminanter Ausstattungsfilm für Aufsehen sorgen, und wenn schließlich die Stars des noblen Szenarios nach und nach das Luxusschiff betreten, formt sich in vielerlei Hinsicht der Eindruck einer verkehrten Welt. Menschen, die unmittelbar zuvor noch Qual und Demütigung ausgesetzt waren, betreten das vermeintlich rettende Schiff in ihrer feinsten Ausstattung und werden von den Schiffsstewards hofiert, um in ihre luxuriösen Kabinen geführt zu werden. In ihren Gesichtern ist allerdings eine Art eingemeißelte Angst und Misstrauen zu erkennen, da die Bedenken weiterhin existieren, dass dieser letzte Strohhalm doch noch brechen könnte. Personen, Crew und Umfeld ordnen sich schnell von selbst und die Zielrichtung von Rosenbergs Beitrag wird auch ohne das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe klar definiert, denn es schwingt ein Fluch mit, von dem man ahnt, dass er sich auf hoher See entfalten wird, denn immerhin sind ranghohe Spione und ausführende Organe des Nazi-Regimes mit an Bord, die die trügerische Ruhe zunichte machen werden. So sticht ein Schiff in See, das sich schon auf Kollisionskurs befindet, bevor es eigentlich abgelegt hat und eigentlich keine Hindernisse vor sich haben dürfte, wenn die Reise nicht von vorne herein choreografiert wäre.

Phasen der schwelenden Angst dominieren den Verlauf ebenso wie Strecken der mentalen Erschöpfung, die allerdings beinahe ausschließlich auf Seiten der Passagiere zu finden sind, die heimat- und ziellos um die halbe Welt schiffen müssen. Selbst wenn sich die "St. Louis" längst weit entfernt von Hoheitsgebieten des Deutschen Reiches bewegt, wird diese Schreckensherrschaft stets aufrecht erhalten, beispielsweise beim Vorführen eines Unterhaltungsfilms, dem die Wochenschau und eine Rede Adolf Hitlers vorausgeschickt wird. Hinzu kommt, dass die Nazi-Funktionäre umherschleichen wie Bluthunde um ihre Propagandapflichten wahrzunehmen. Hass und Ohnmacht verbreiten sich in Windeseile und das Misstrauen über einen guten Ausgang wächst, doch die Hoffnung stirbt nie. Um dieses fragile Konstrukt überhaupt am Leben erhalten zu können, spielt der liberal wirkende Kapitän des Dampfers eine entscheidende Rolle, der ausgezeichnet von Max von Sydow dargestellt wird. Obwohl er im dienst der Reichsmarine steht, ist es für den Offizier nicht nur wichtig, seine Gäste im Radius aller Annehmlichkeiten von A nach B zu bringen, sondern auch für deren Sicherheit zu sorgen. Inszenatorisch gesehen bekommt das Publikum die volle Erhabenheit der "St. Louis" zu sehen, die nicht nur für Luxus und höchste Qualitätsansprüche steht, sondern auch für reibungslose Überfahrten. Die Reise ist jedoch nicht nur gekennzeichnet von derartigen Eindrücken, sondern vor allem von sehr vielen charakterlichen Zeichnungen, die sich trotz ihrer gravierenden Unterschiede an gleichen Punkten treffen, da die Personen buchstäblich in einem Boot sitzen. Die Palette der zur Schau gestellten charakterlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen ist variabel und auffällig konträr gefärbt, sodass es innerhalb aller Solidarität auch zu Konfrontation kommen muss.

Viele Passagiere sind trotz perfekt sitzender Masken und gut choreografierter Verhaltensetiketten physisch und mental am Ende, was sich allerdings erst zeigt, als sie bei jedem erneuten Versuch, einen sicheren Hafen zu finden, abgewiesen werden. Für den Zuschauer sind diese Schilderungen ebenso unbegreiflich wie verstörend, allerdings wirkt der komplette Verlauf der "Reise der Verdammten" wie eine Chronologie des luxuriös ausstaffierten Schreckens. Regimetreue und linienkonforme Dialoge sorgen für schwer zu ertragende Momente, vor allem wenn die Befindlichkeiten der verschifften Menschen mit Füßen getreten werden und man den Eindruck gewinnt, dass über eine unrentable Fracht gesprochen wird, die man am liebsten auf hoher See versenken würde. Im Gegensatz zu diesen Eindrücken kommen allerdings auch immer wieder lichte Momente auf, die leichte Hoffnungsschimmer im Szenario platzieren. Da die in mehreren Kategorien für den Oscar sowie den Golden Globe Award nominierte Produktion ein internationales Staraufgebot zur Verfügung hat, kommt es darstellerisch und in diesem Zusammenhang emotional gesehen zu Momenten der Extraklasse. Im Fokus stehen Top-Interpreten wie Faye Dunaway oder Oscar Werner, die - wenn man nach der Regime-Ansicht geht - die gehobene Gesellschaftsklasse des Bodensatzes darstellen. Dem Arzt und seiner Gattin kommen wichtige Rollen als Sprachrohre und Puffer in der aufgebrachten Menge zu, und interessant ist, dass sich beide in ihren Verhaltensweisen und im Erscheinungsbild nicht von gängigen Bildern der gehobenen deutschen Gesellschaftsklasse unterscheiden, was gewisse Herrschaften in geheime oder offenkundige Rage bringt, da sie nicht nach deren Schablone funktionieren und ihren Stolz sowie die Würde behalten.

Max von Sydow als Kapitän des in Hamburg ausgelaufenen Luxusliners vertritt eindeutige, humanitäre, aber auch pragmatische Ansichten, die wie ein Leitfaden wirken; allerdings wird er genau wie sein Schiff zu einer kaum zu ertragenden Ziellosigkeit gezwungen, die ihn womöglich in eine der schwierigsten Situationen seines Offizierslebens bringt, folglich zu drastischen Entscheidungen tendieren lässt, wodurch eine besondere Spannung aufkommen will. Ein der Anforderung entsprechend großartig aufspielender Helmut Griem fungiert als Steigbügelhalter eines unerbittlichen Regimes, und er steht stellvertretend für die Verantwortlichkeit in Sachen Verfolgung, Qual und Verzweiflung dieser abgeschobenen Menschen. Sein deutscher Kollege Günter Meisner steht ihm in Sachen aggressiver Rhetorik und beängstigenden Drohgebärden in nichts nach. Bemerkenswert agieren außerdem etwa Lee Grant, deren psychischer Zerfall über den Verlauf gesehen beinahe chronologisch sein wird, Orson Welles, der sich nicht in die gezinkten Karten schauen lässt, Malcolm McDowell, dessen jugendliche Unbekümmertheit eine latente Gefahr ins Szenario bringt, Katharine Ross, deren Leben trotz höllischer Zustände vergleichsweise wie im Himmel wirkt, oder Maria Schell, deren Schmerz regelrecht zu spüren ist und deren Tränen erneut brennen werden wie Feuer. Als alle Gespräche und Verhandlungen geführt sind und die ohnehin knapp vorhandene Luft an Bord immer dünner wird, kommt es zu trügerischen Hoffnungsschimmern, die allerdings mit einer Wucht zerschmettert werden, die von Torpedos hätte sein können. Der US-amerikanische Regisseur Stuart Rosenberg inszenierte mit "Reise der Verdammten" einen überaus bewegenden Film, der von inszenatorischer und darstellerischer Brillanz ummantelt ist. Hochklassig!


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 Post subject: Überfall auf die Queen Mary (1966)
PostPosted: 13.08.2019 21:36 
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ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY

● ASSAULT ON A QUEEN / ÜBERFALL AUF DIE QUEEN MARY (US|1966)
mit Frank Sinatra, Virna Lisi, Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin, Reginald Denny und Murray Matheson
eine Seven Arts Produktion | Sinatra Enterprises | im Verleih der Paramount
ein Film von Jack Donohue


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»Wenn sie gerne va banque spielen, gehen Sie nach Las Vegas!«

Eine Gruppe rund um den ehemaligen Marineoffizier Mark Brittain (Frank Sinatra) taucht vor der Küste Floridas nach versunkenen Schiffen und verborgenen Schätzen. Eines Tages wird ihm ein mehr als abenteuerliches Angebot von der Italienerin Rosa Lucchesi (Virna Lisi) und ihrem Partner Vic Rossiter (Anthony Franciosa) unterbreitet: da sie bei ihren eigenen Tauchgängen nicht auf Gold, sondern ein gesunkenes deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieges gestoßen sind, soll er ihnen helfen, es zu bergen, um es wieder seetüchtig zu machen. Das U-Boot soll jedoch nicht als Museumsstück enden, sondern die Bande plant einen Unterwasserangriff auf den Luxusliner "RMS Queen Mary". Wird dieses aberwitzig klingende Vorhaben umsetzbar sein..?

Die Gier nach Anerkennung, Macht und finanzieller Unabhängigkeit bildete dem Empfinden nach unzählige Male den Stoff, aus dem die Filme gemacht sind und in Jack Donohues Abenteuer-Krimi kommt es zusätzlich zu interessanten Ausschmückungen dieser Thematik. Der Redensart nach macht Gelegenheit Diebe, doch es geschieht sicherlich nicht alle Tage, dass ein altes Kriegsschiff gehoben werden soll, um Hauptkomplize bei einem verbrecherischen Coup zu werden. Was anfangs doch sehr abenteuerlich klingen will, wird chronologisch und sehr anschaulich im Bilde festgehalten, bleibt unterm Strich dennoch ein Stück zu weit hergeholt, vielleicht sogar unglaubwürdig, denn der betriebene Aufwand und die tödliche Gefahr steht vollkommen diametral zum möglichen Gewinn. Die Gauner-Clique findet sich schnell zusammen und es werden Fachleute rekrutiert, um das Vorhaben "RMS Queen Mary" nicht von vorne herein zu gefährden. Erneut steht eine bekannte Königin der Meere Pate für die Klimax der nicht uninteressant inszenierten Geschichte und in diesem Zusammenhang kommt es zum Einsatz von allerlei Tricktechnik, die charmant wirkt, aber überdeutlich als solche zu erkennen ist. Ein derartiges Vorhaben auf hoher See garantiert das Fehlen von lästigen Verfolgern, da das U-Boot die individuelle Möglichkeit bietet, unbehelligt verschwinden zu können. Doch der Weg bis zum Ziel erscheint hier so unendlich weit, vor allem weil das Wrack erst einmal gehoben und saniert werden müsste. Tatsächlich schaffen es die mit fortlaufender Zeit immer ungleicher wirkenden Personen das Mammut-Projekt zu stemmen, doch viele Dialoge machen deutlich, dass Konfrontationen nicht ausbleiben werden.

Darstellerisch gesehen liefert das international zusammengewürfelte Star-Aufgebot eine sehr ansprechende Arbeit ab und das Szenario ist hauptsächlich auf das Zugpferd Frank Sinatra zugeschnitten, der es durchaus schafft, Positionen zwischen Gut und Böse abzudecken, dabei vor allem Sympathieträger und Held zu bleiben. Er hat das Knowhow, die Weitsicht und gleichermaßen Zweifel und Moral, was man von einigen seiner Kollegen nicht behaupten kann. Beinahe exotisch in dieser Männerrunde wirkt die schöne Italienerin Virna Lisi, deren Position wesentlich gewichtiger zu sein scheint, als sie in Wirklichkeit ist. Anthony Franciosa, Richard Conte, Alf Kjellin und Errol John runden das von Abenteuerlust und ein bisschen Größenwahn getriebene maritime Kartell mit dienlichen Interpretationen ab, was vor allem wird die Spannung anheizt, wenn sich einige von ihnen als Aggressoren entpuppen. Die verstreichende Zeit bis zum Coup wird sehr ausdrucksvoll genutzt, wobei es auch zu geschwätzigen und seichten Anflügen kommt, die jedoch als gutes Gegengewicht wirken. Beim Überfall kommen die Spannungsmomente auf, die der Film im Vorfeld zu versprechen versuchte, sodass die Handlung in ein überraschendes und turbulentes Finale mündet, das unterm Strich zu überzeugen weiß. "Überfall auf die Queen Mary" ist nicht zuletzt als gelungen und kurzweilig zu beschreiben, weil das eher absurd erscheinende Vorhaben sehr greifbar und beinahe plausibel aufgeschlüsselt wurde. Die Kraft der Bilder vereint sich mit interessanten schauspielerischen Darbietungen und einer aufmerksamen Regie, sodass man bei Interesse an der Materie bestimmt auf seine Kosten kommen dürfte. Und falls wirklich alle Stricke reißen sollten, entschädigt eine übersinnliche Virna Lisi für alles.


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 Post subject: Das ganz große Ding (1975)
PostPosted: 18.08.2019 10:31 
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DAS GANZ GROẞE DING

● LA BABY SITTER / JEUNE FILLE LIBRE LE SOIR / BABYSITTER - UN MALEDETTO PASTICCIO / DAS GANZ GROẞE DING (F|I|D|1975)
mit Maria Schneider, Sydne Rome, John Whittington, Vic Morrow, Robert Vaughn, Georg Marischka, Carl Möhner,
Armando Brancia, Marco Tulli, Clelia Matania, Maria Cumani Quasimodo sowie Renato Pozzetto und Nadja Tiller
eine Produktion der Cité Films | Compagnia Cinematografica Champion | TIT Film | im Verleih der Cinerama
ein Film von René Clément


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»Mögen die Toten in Frieden ruhen...«

Die Kunststudentin Holly (Maria Schneider) verdient sich nebenbei etwas als Babysitterin dazu. Ihr neuester Auftrag hört sich wie üblich nach Routine an, als auf den kleinen Boots (John Whittington) aufpassen soll. Als dessen Eltern sie von unterwegs aus unterrichten, dass sie sich verspäten werden, wird Holly gebeten, den Job bis zum nächsten Tag ausführen. Eine Verabredung mit ihrem Freund Gianni (Renato Pozzetto) möchte sie daher telefonisch absagen, doch bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass die Leitung tot ist. Die Studentin ahnt noch nicht, dass dies der Beginn eines Höllentrips für sie sein wird, da Entführer vorhaben, den kleinen Jungen aus wohlhabendem Hause zu kidnappen, um eine hohe Summe aus dessen Vater (Carl Möhner) herauszupressen. Bevor sich die beiden versehen, bekommen sie es auch schon mit den gewaltbereiten Verbrechern zu tun...

Der französische Regisseur René Clement kann auf eine langjährige Filmografie blicken, in der sich zahlreiche preisgekrönte Klassiker befinden, jedoch markiert diese 1975 entstandene Produktion bereits das Ende seiner durchaus erfüllten Karriere. Unter Cléments Spielleitung ist somit bereits im Vorfeld zu erwarten, dass sich der deutsche Titel auch auf die Umsetzung der Geschichte übertragen kann, denn immerhin hat man es in nahezu allen Bereichen mit sehr günstigen Grundvoraussetzungen zu tun. Bereits der Einstieg weist offensiv auf besondere Momentaufnahmen hin, die schließlich ein zusammenhängendes Ganzes ergeben können. Außerdem scheint eine besondere Komplexität der Story förmlich in der Luft zu liegen, die rund um das Thema sehr extravagante Blüten treibt, denn schließlich wurde die gleiche Thematik bereits in gefühlt unzähligen Filmen und auf unterschiedlichste Weise abgehandelt. Regisseur Clément konzentriert sich auf systematisch-komplizierte Verkettungen, in denen die Haupt- und Nebenakteure zwar vorgestellt werden, einige von ihnen jedoch für lange Zeit eher diffuse Profile behalten. Das Publikum bekommt es zunächst mit Personen zu tun, deren Gesichter man sich mangels Informationen genaustens einzuprägen versucht, um die sicherlich unausweichlichen Identifikationen gegen Ende selbst vornehmen zu können. Die Frage, welches Motiv wohl hinter Kindesentführung stecken mag, stellt sich aufgrund der eindeutigen Pauschalantworten überhaupt nicht, da die niederen Beweggründe klar auf der Hand zu liegen scheinen. Doch ist alles Wahrgenommene tatsächlich so eindeutig, wie es wirkt? Interessante Kniffe rund um das Personen-Karussell ergeben Aufschluss darüber, dass sich viele Eindrücke als Trugbilder herausstellen, sodass sich die Intensität der Spannung ganz natürlich als eine Art Selbstläufer entfalten kann.

Die Abscheulichkeit des hier vollzogenen Plans und Verbrechens versetzt das Publikum naturgemäß in Unruhezustände, da viele Gedanken wie ein roter Faden zu den möglichen Konsequenzen laufen und sich eine sehr große Solidarität mit dem jungen Opfer einstellt, welches sich jedoch mit kindlicher Renitenz und eigenartiger Unbekümmertheit gegen einen engmaschig gestrickten Plan auflehnt, der in Stücke zu fallen droht. Es bleibt schwierig, dieses französisch-deutsch-italienische Roulette mit Traumbesetzung zu ordnen, da die Charaktere kaum hilfreiche Verbindungen untereinander preisgeben, was dem Verlauf wiederum enorm zugute kommt, da auf der Suche nach der Plausibilität zahlreiche Mutmaßungen angestellt werden müssen. Die Strategie der Regie geht in ihrer ungewöhnlichen Fasson blendend auf, bis sich das gut konstruierte Vakuum entzerrt und für zahlreiche Aha-Effekte sorgt. Ungewöhnliche Besetzungskonstellationen werten diesen nebulös gefärbten, jedoch nicht minder spannenden Verlauf in besonderem Maße auf, nicht zuletzt, da einige Charaktere so etwas wie Solidarität untereinander signalisieren, und sich die kriminelle Fraktion eindeutiger als zu Beginn positioniert. Diese variantenreiche Strategie bewegt sich zielsicher auf ausgefallenen aber gleichzeitig konventionellen Schienen, sodass genügend Identifikationspotential geboten wird, das in einer solchen Tristesse auch irgendwie notwendig erscheint. So werden beispielsweise diverse Paukenschläge nicht ausbleiben, die ganz selbstverständlich zum Mitfiebern und zum Ordnen dieses Puzzles einladen. Aufgrund der verlässlichen Charakterzeichnungen wirkt der Verlauf niemals beliebig und stellt seine hochkarätigen Interpreten genüsslich in den Fokus. Dies gilt vor allem für die Französin Maria Schneider und ihre US-amerikanische Kollegin Sydne Rome, die in vielerlei Hinsicht ein permanentes Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz eingehen.

Zwar sind die beiden Damen, die selbst in ihrer äußeren Erscheinung für große Kontraste sorgen, klar in der Geschichte positioniert und bieten jeweils Berührungspunkte an, doch insbesondere Sydne Rome ist das unsichere Element der Veranstaltung. Dieser mysteriöse Status wird durch ihren beinahe oberflächlichen Rollen-Charakter sukzessiv und hochinteressant aufgeweicht, sodass sich eine tragische Komponente bildet, die bis zum Schluss aufrecht erhalten werden kann. Rome löst ihre Rolle nahezu perfekt, da Züge wie Zerrissenheit, Verzweiflung und immense Nervosität glaubhaft transportiert werden. Die Elixiere der Geschichte bestehen allerdings aus vielen weiteren Komponenten, die auf die beteiligten Personen verteilt sind. Maria Schneider geht ihren Weg durch die Hölle in anscheinend lethargischer Manier, vielleicht um die Vorkommnisse nicht zu nah an sich heran zu lassen. Ihre auffälligen Schutzmauern werden durch die simplen Kniffe eines Kindes aufgebrochen, die bemerkenswert dicht von John Whittington angewandt werden. Beine befinden sich im Würgegriff von Entführung, Erpressung und sogar Mord, sodass es zwischen beiden unschuldigen Opfern dieses doppelten Spiels zu lebenswichtigen Allianzen kommen muss, um nicht alleine unterzugehen. Da die vielen gefährlichen Strömungen der Handlung sämtliche Hoffnungsschimmer gierig verschlingen, ist ein nervöser Tenor garantiert. Der ausgearbeitete Plan greift schließlich rapide und demonstriert seine scheinbare Perfektion, doch es gibt zu viele Beteiligte beziehungsweise Mitwisser, die nach den Gesetzen derartiger Geschichten ebenso gefährlich leben wie die Opfer. In einem solchen mit Stars bepackten Film ist es immer eine besondere Freude, wenn die Entourage sich nicht nur auf ihren prominenten Namen ausruht, sondern das Szenario mit packenden und stichhaltigen Leistungen ausstaffiert.

Für Maria Schneiders oft spröde wirkendes Wesen muss vielleicht ein gewisses Faible vorhanden sein, um sie bedingungslos gerne zu sehen, vielleicht sogar zu schätzen, doch was die Französin hier anbietet, wirkt wie gesucht und gefunden. In Wirkung und Charakter positioniert als offensichtliches Pendant zu ihrer Kollegin Sydne Rome, zieht sie den Zuschauer in Windeseile auf ihre vollkommen trostlos und ausweglos wirkende Seite und reicht dem Publikum ihre alles andere als leichtfertig wirkenden Hände für einen Gang durch den perfekt konstruierten Alptraum. Die US-Amerikanerin Synde Rome hingegen wirkt dem Thema entsprechend marionettenhaft und von fremden Köpfen und Kräften gesteuert, was eine gewisse Tragik um ihr fragiles Wesen andeutet. Nadja Tiller überrascht einmal mehr mit einem verschlagenen und rücksichtslosen Auftreten und reiht ihre Performance nicht nur zu den bemerkenswertesten dieses Films ein, sondern es handelt sich ebenfalls um eine der spektakuläreren Leistungen ihrer späten Karriere, die vollkommen abgekoppelt von Klischee-Kreationen, insbesondere des bundesdeutschen Films, abläuft. An ihrer Seite besticht ein von Verworfenheit strotzender Robert Vaughn, dem man genau wie ihr nicht immer das Beste wünscht. Präzise agierende Kaliber wie Vic Morrow, Carl Möhner und Georg Marischka runden das Geschehen mit ebenso für Aufsehen sorgenden Leistungen ab, und es ist im Endeffekt zwar klar, wer auf welcher Seite steht, aber dennoch ist es oft nicht zu erahnen, wie ihnen das Schicksal gesinnt ist. Erwähnenswert in dieser illustren beziehungsweise kriminellen Umgebung ist noch insbesondere Kinderdarsteller John Whittington, der eine Leichtigkeit an den Tag legt, die richtig Freude macht und den Verlauf neben Maria Schneider am nachhaltigsten prägt.

Zwar wird es die Regie dem Publikum vor allem über die Projektionsfläche Kind nicht immer einfach machen, denn schließlich laufen Szenen ab, die in diesem Zusammenhang erschrecken und bestürzen, aber die unbefangene Spiellaune den kleinen Protagonisten hilft über viele schwierige Phasen hinweg. Sein kindlicher Mut, die nicht durch komplizierte Labyrinthe laufenden Gedanken und die erfrischende Cleverness sorgen immer wieder für Lichtschimmer am Ende des Tunnels, lassen einen somit interessiert dabei zuschauen, wie er mit seiner Babysitterin überlebenswichtige Allianzen schmiedet. Zwischenzeitlich beschäftigt sich die Regie jedoch immer wieder mit der Veranschaulichung drastischer Maßnahmen, die die angedeutete Gefahr Gestalt annehmen lässt. So unterschiedlich die Personen der kriminellen Fraktion auch sind, und so konträr sie im Vergleich auch agieren, treffen sie sich unterm Strich auf der gleichen Stufe, da das Vorhaben Kidnapping für ihren designierten Wohlstand sorgen beziehungsweise diesen aufrecht erhalten soll. Dennoch ahnt man bei so viel geballter aggressiver Energie, dass die eine Krähe nur darauf wartet, der anderen die Augen auszuhacken, was für zusätzliche Brisanz und Konfrontation sorgt. "Das ganz große Ding" erlaubt sich den durchaus angebrachten Luxus, den Zuschauer trotz transparenter Schilderungen und Handlungen im Dunkeln tappen zu lassen und begrüßenswerte Fallen zu stellen, was diesem überaus intelligent konstruierten Thriller rund um eines der wohl miesesten Verbrechen sehr zugute kommt. Zahlreiche Intervalle erscheinen unterm Strich vielleicht sehr knifflig eingefädelt, doch am Ende bleibt die Gewissheit, dass alles innerhalb dieser Assoziationskette eine Einheit bilden wird. René Cléments Beitrag ist mit den Jahren leider etwas in Vergessenheit geraten, doch wenn sich die Möglichkeit eines ersten Kennenlernens mit diesem Film bietet, sollte man mit vollen Händen zugreifen.


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 Post subject: Top Secret - The Salzburg Connection (1972)
PostPosted: 26.08.2019 19:04 
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TOP SECRET

● TOP SECRET / TOP SECRET - THE SALZBURG CONNECTION (US|1972)
mit Barry Newman, Anna Karina, Karen Jensen, Klaus Maria Brandauer, Wolfgang Preiss, Helmut Schmid, Udo Kier,
Patrick Jordan, Joe Maross, Raoul Retzer, Bert Fortell, Christine Buchegger, Elisabeth Felchner, Kurt Jaggberg, u.a.
eine Produktion der Twentieth Century Fox | im Verleih der Centfox
ein Film von Lee H. Katzin


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»Leb wohl Salzburg, auf Wiedersehen!«

Der amerikanische Anwalt Bill Mathison gerät während seines Aufenthalts in Salzburg ins Kreuzfeuer undurchsichtiger Machenschaften. Alles beginnt mit dem Tod eines Fotografen, der zuvor Aufnahmen von österreichischen Seen gemacht hatte, doch wenig später taucht eine weitere Leiche auf: Richard Bryant (Patrick Jordan) kommt nach einem Tauchgang im Toplitzsee ums Leben, damit seine Entdeckung rund um alte NS-Dokumente nicht publik gemacht werden kann. Unterdessen trifft Bill Mathison Bryants Frau Anna (Anna Karina), die ihm bei der Aufklärung des nebulösen Falls helfen soll, doch die beiden ahnen noch nicht, in welche Gefahren sie sich begeben werden, da es immer noch zahlreiche Personen zu geben scheint, die alles daran setzen, die Dokumente und unliebsame Mitwisser für immer verschwinden zu lassen...

Um den Toplitzsee im Salzkammergut in der österreichischen Steiermark halten sich bis heute Gerüchte über versenkte Nazi-Schätze. Schenkt man den Gerüchten Glauben, wäre auf dem Grund des kleinen Sees einiges zwischen Goldbarren über gefälschte Banknoten bis hin zu brisanten Dokumenten alles Mögliche zu finden. Auf dieser Grundlage erreichte der Toplitzsee häufig namentliche Erwähnungen in unterschiedlichen Filmproduktionen, die den Mythos am Leben halten konnten. Diese 1972 entstandene Produktion präsentiert sich ganz klassisch als Thriller mit handelsüblichen Elementen, allerdings stellt sich schnell heraus, dass es zu vielen Ungereimtheiten Im Rahmen der Dramaturgie und Inszenierung kommt. Zunächst ist zu erwähnen, dass die wirklich hochwertigen Schauplätze und herrlichen Bilder das Auge verwöhnen, die beeindruckende Kontraste zwischen vermeintlicher Idylle und dunkler Vergangenheit herzustellen wissen. Die Geschichte an sich startet schnell und ohne Vorinformationen und leider wirkt es oft so, dass die Regie wichtige Zusammenhänge schuldig bleiben wird, was schließlich lückenhafte Eindrücke vermittelt. Die geheimen Dokumente, die für immer ihre Ruhe auf dem Grund des Sees hätten finden sollen, wirken nach ihrem plötzlichen Auftauchen und erneuten Verschwinden wie Blindgänger, die über dreißig Jahre lang keine Gefahr darstellten, solange sie unbemerkt schlummern konnten. Plötzlich aber entwickeln sie sich zu gefährlichem Sprengstoff, da offensichtlich etliche Personen im Hintergrund um ihr zu Unrecht unbehelligtes Leben fürchten müssen. Mehrere Tote und Anschläge auf die Leben der ermittelnden Personen beweisen, dass die Brisanz dieser Papiere auch nach Jahrzehnten keine Verjährungsfrist erfahren hat, sodass sich der Verlauf wie von selbst und schichtweise aufbauen kann.

Dennoch macht sich immer wieder das Fehlen wichtiger Mosaiksteine bemerkbar, sodass die Kombinationsgabe des Publikums gefragt sein wird, welches unterm Strich jedoch überstrapaziert wird. Daher wirkt es, als schlichen sich dramaturgische Absencen ein, die am Ende unüberbrückbar wirken, da man sich hin und wieder beinahe genötigt fühlt, verschiedene Zusammenhänge selbst zusammenzureimen. Das Stakkato einer empfundenen Zusammenhanglosigkeit setzt dem Verlauf zu, der auf schnellen Aneinanderreihungen von Szenen basiert, die nicht genügend ausbuchstabiert wurden. Beim Thema Spannung lassen sich des Weiteren kaum nennenswerte Ausrufezeichen ausfindig machen, außerdem macht sich immer wieder etwas Leerlauf bemerkbar, der die eigentlich hochinteressante Geschichte schwächt. Erfreuliches wird hingegen von darstellerischer Seite geboten. Die Besetzung der Hauptrollen mit Barry Newman und Anna Karina bleibt trotz Karinas eher unauffälliger Darbietung ein echter Hingucker, denn die beiden funktionieren sehr gut als unfreiwillig zusammengestelltes Duo. Die vielleicht beste Leistung bietet die US-Amerikanerin Karen Jensen an, deren sympathische Erscheinung möglicherweise nicht ihre eigentliche Funktion widerspiegelt. Zahlreiche bekannte Interpreten des deutschsprachigen Film- und Fernsehgeschäfts staffieren das Szenario glaubhaft aus, helfen bei dieser Gelegenheit etwas über die unausgegorenen Phasen des Films hinweg. "Top Secret - The Salzburg Connection" behält insgesamt leider zu viele seiner Geheimnisse für sich und arbeitet nur halbherzig an der Aufklärung dieses besonderen Ausgangsstoffs, der immer wieder aktuell zu sein scheint. Im Rahmen von Lee H. Katzins fahriger Regie ist somit ein gut gemeinter Thriller ohne wirklichen Nervenkitzel entstanden, da er in seinen Konturen uneindeutig bleibt und nicht das hält, was er zu versprechen versucht. Zu unterhalten vermag dieser Beitrag dennoch gut, da die Zeit ungewöhnlich kurzweilig vergeht.


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 Post subject: Gold ist nicht gleich Gold (1969)
PostPosted: 27.08.2019 20:22 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 04 | MINE YOUR OWN BUSINESS | GOLD IST NICHT GLEICH GOLD (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Freddie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby verschlägt es aus Versehen in eine wenig einladende und nahezu verlassene Goldgräberstadt, da Shaggy die Landkarte nicht richtig gelesen hat. Obwohl die Stadt hat ihre besten Zeiten längst gesehen hat, entdecken die Freunde eine Ranch, in der Zimmer vermietet werden. Dort erfahren sie das Geheimnis der gruselig wirkenden Stadt, denn den Erzählungen nach verfügt sie über einen Geist in Form eines alten Goldgräbers, der nicht eher ruhen wird, bis er dort jedes einzelne Goldkörnchen gefunden hat. Bei dieser Gelegenheit schlägt er natürlich auch alle Gäste in die Flucht. Da die Detektive diesen mysteriösen Fall unbedingt lösen wollen, machen sie sich auf die Suche nach Hinweisen, doch plötzlich steht der unruhige Geist vor ihnen...

»Sag mal Shaggy, bist du dir sicher, dass wir hier richtig sind?« Während Shaggy noch beteuert, die Landkarte auf jeden Fall richtig gelesen zu haben, weist Welma ihn darauf hin, dass er sie falsch herum hält und die "Mystery Machine" daher auf Irrwege geführt hat. Wieder einmal schlittern Scooby und seine Freunde eher unfreiwillig in ihren neuesten Fall, was erneut ziemlich bemerkenswert erscheint, da sich Detektive im Allgemeinen sonst nach entsprechenden Rätseln richten und nichts dem Zufall überlassen. Dem Publikum solls allerdings recht sein, denn immerhin kommt man so in den Genuss einer weiteren spannenden Geschichte, die hier nicht lange auf sich warten lässt. Bei Nacht und Nebel landet man schließlich in einer ehemaligen Goldgräberstadt, die dem Anschein nach eher einer Totenstadt gleicht, da weit und breit keine Menschenseele zu finden ist. In einer Gäste-Ranch finden die Freunde allerdings einen Wirt, der ihnen innerhalb des Hauses jedes Zimmer zur Auswahl stellen kann, da niemand mehr in dieser von Geheimnissen umgebenen Stadt verweilen möchte. Die obligatorischen Informationen rund um den bevorstehenden Fall liefert der Besitzer der Ranch höchstpersönlich, der mit seinen kryptischen Erzählungen den Startschuss für die gute Atmosphäre liefert. Angeblich bleiben Bewohner und Gäste von "Gold City" seit dem Zeitpunkt fern, als sich ein alter Goldgräber dazu entschlossen hat, sein Unwesen zu treiben. Der Legende nach soll dieser nämlich erst zur Ruhe kommen, wenn er alles vorhandene Gold in den weit verzweigten Minen gefunden hat.

Des Weiteren soll mit dem gruseligen Zeitgenossen nicht zu spaßen sein, was zumindest bei Scooby und Shaggy Fluchttendenzen aufkommen lässt. Die übrige Crew möchte diesen neuen Fall allerdings so schnell wie möglich lösen, sodass eine Erkundungstour durch die verlassenen Gebäude ansteht. Bevor es zur ersten unheimlichen Begegnung kommen kann, wird das Setting durch die beliebte humorige Note aufgelockert und das Gesamtbild verdichtet sich durch das Zusammentragen zahlreicher Hinweise. Plötzlich taucht der alte Goldgräber mit hochgerissenen Armen auf und brummt die erschrockenen Detektive bedrohlich an, was sie in Angst und Schrecken versetzt. Insbesondere in der zweiten Hälfte dieser spannenden und wirklich lustigen Episode kommt es zu vielen rasanten Strecken in sehr liebevoll gestalteten Sets, die hauptsächlich unter Tage stattfinden. Immer wenn die gefährliche Hand des alten Goldgräbers nach den Freunden greift, wird es zusehends vehementer, da es zu einer unbequemen Nähe kommt, die immer wieder reguliert werden muss. Als Verdächtige wurden zu Beginn lediglich zwei Herrschaften in dieser ausgestorbenen Einöde vorgestellt, doch die Geschichte legt dieses Mal ein paar interessante falsche Fährten, die am Ende jedoch bestenfalls für eine kleine Überraschung sorgen können. Wie der Zufall und der Spürsinn es will, kommt auch "Gold ist nicht gleich Gold" zu einem begrüßenswerten Abschluss, und nach der mittlerweile vierten Episode wird langsam aber sicher klar, dass Freddie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby jeden noch so verzwickten Fall anpacken und den Ehrgeiz besitzen, ihn auch zu lösen.


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 Post subject: Das Haus unter den Bäumen (1971)
PostPosted: 30.08.2019 18:40 
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DAS HAUS UNTER DEN BÄUMEN

● LA MAISON SOUS LES ARBRES / UNICO INDIZIO: UNA SCIARPA GIALLA / DAS HAUS UNTER DEN BÄUMEN (F|I|1971)
mit Faye Dunaway, Frank Langella, Barbara Parkins, Karen Blanguernon, Raymond Gérôme, Gérard Buhr, Jill Larson, Franco Ressel und Maurice Ronet
eine Produktion der Les Films Corona | Les Films Pomereu | Oceania Produzioni Internazionali Cinematografiche | im Verleih der Warner-Columbia
ein Film von René Clément


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»Was ist nur mit uns geschehen?«

Jill (Faye Dunaway) und ihr Mann Philippe (Frank Langella) leben mit ihren Kindern in Paris. Das unauffällige und geregelte Leben gerät allerdings zusehends aus den Fugen, da Philippe, der als Forscher der Mathematik arbeitet, von der Vergangenheit heimgesucht wird und es außerdem so erscheint, dass seine Frau langsam aber sicher ihr Gedächtnis verliert. Eines Tages werden Jill und ihre Kinder in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, den aber jeder unbeschadet übersteht. Doch hängt dieser Unfall mit der immer schlechter werdenden Verfassung der beunruhigten Mutter zusammen? Als ihre Kinder eines Tages auch noch spurlos verschwinden, droht Jill ihren Verstand zu verlieren. Die gefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt...

»War ihre Frau vielleicht in den letzten Wochen besonderen emotionellen Belastungen ausgesetzt?« Früh werden derartige Zweifel über den mentalen Zustand der Protagonistin aus René Cléments Thriller-Drama aufgeworfen, in dem sehr lange nicht zu unterscheiden ist, ob man allen gesammelten Eindrücken trauen kann, oder besser abwartend aus der zweiten Reihe beobachten sollte. Szenen eines scheinbar ganz normalen Familienalltags definieren die frühe Phase dieses mit einem überaus mystisch klingendem Titel ausgestatteten Films, der mithilfe trister Optik und sporadisch auftretender Signalfarben zunächst für trügerische Akzente sorgt, die zusätzlich versuchen, eine depressive Stimmung andeuten. Eine Frau wie vielleicht jede andere bewerkstelligt ihren Alltag, erzieht die Kinder, wo sie nur kann, hält sie ihrem Mann den Rücken frei und gönnt sich selbst nur das Nötigste. Ihre intakten sozialen Strukturen geben erste Hinweise darüber, dass Jills mentale Kapazitäten möglicherweise dem Ende nahen, was sie selbst allerdings nicht so einschätzt. Der Zuschauer verlässt sich daher auf die Fremdeinschätzungen bestimmter Personen ihres Umfeldes, außerdem auf das eigens Wahrgenommene, das sich hier oft subtil und beinahe versteckt in Randnotizen verliert. Philippe, ihr Mann, sorgt für den Lebensunterhalt der Familie, doch ein plötzliches und vollkommen unfreiwilliges Rendezvous mit Gespenstern der Vergangenheit führt zu einem harten Bruch in der Geschichte, den man zunächst überhaupt nicht begreifen kann. Der Originaltitel der Produktion vermittelt sowohl die Gewissheit von etwas unbestimmt Verheißungsvollem und Mysteriösem, aber gleichzeitig völlig Gegensätzlichem, da andere Impressionen in Form eines lebhaften Großstadtpanoramas das Szenario dominieren.

Nach einer eigenartigen Begegnung, die Jills Ehemann mit einem bekannten Fremden hatte, nimmt "Das Haus unter den Bäumen" schlagartig an Fahrt auf und die normale Familienidylle droht in Stücke zu zerfallen. So agieren die Protagonisten plötzlich gehemmt oder hysterisch, treffen fatale oder gar keine Entscheidungen, lamentieren über Wahrscheinlichkeiten sowie das Schicksal und beginnen, dies alles hinterfragen. Um für kontrastreiche Abwechslung zu sorgen, prägen hochwertige Bilder den Verlauf, der sich langsam aber sicher einem Scheideweg nähern wird. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die attraktive Jill, ihres Zeichens Hausfrau und fürsorgliche Mutter zweier Kinder, die zwischen die Mühlsteine konspirativer Machenschaften gerät, oder möglicherweise selbst für diese verantwortlich ist. Aufgrund uneindeutiger Schilderungen und weit voneinander entfernt liegender Informationen sowie geschickt platzierter Bildeindrücke provoziert René Clément eine merkliche Skepsis beim Publikum, da alle angedeuteten Möglichkeiten plausibel erscheinen möchten und man einfach im Hinterkopf behält, dass die Geschichte besondere Wendungen und Überraschungen verspricht. So bestimmt die natürlich aufkommende Spannung den weiteren Verlauf sehr nachhaltig, ebenso wie das als hervorragende Einheit agierende Duo Faye Dunaway und Frank Langella, welches hier nahezu stilprägend sein wird. Hollywood-Star Faye Dunaway wirkt zunächst ein wenig unscheinbar in diesem von nebligen Bildern beherrschten Szenario, jedoch wandelt sich genau dieser Eindruck zur großen Stärke um, da Jill aus ihrer Komfortzone herausgezwungen wird. Natürlich bot sie als Mutter und Ehefrau auch genügend Rückhalt für die doch sehr normal wirkende Familie, allerdings verliert sie gezwungenermaßen ihre auffällige Fragilität, die nur außerhalb dieses geschützten Rahmens sichtbar wurde.

In abgewandelter Form wirkt es ab einem gewissen Zeitpunkt beinahe schon so, als ob man schlafende Mütter besser nicht hätte wecken sollen, denn plötzlich geht eine verstärkte Initiative und Agilität von der Frau aus, die nicht nur ihre persönliche Familienidylle zu retten versucht, sondern sich gleichzeitig von dem Verdacht einer diffusen mentalen Schwäche zu rehabilitieren versucht. Die unsichtbaren Fallstricke in dieser Geschichte sind jedoch so präzise platziert worden, dass es keinen Leichten Weg für sie und etliche andere Personen dieser Scharade geben kann, was ebenso für ihren Mann gilt, von dem man permanent glaubt, dass er Licht ins Dunkel bringen könnte beziehungsweise dies besser hätte tun sollen, um Schlimmeres zu verhindern. Der US-Amerikaner Frank Langella positioniert sich somit nicht nur als Schlüssel oder als potentielle Lösung dieses verzwickten Rätsels, sondern dem Empfinden nach auch als vollkommen unberechenbares Element. Weitere gute darstellerische Leistungen runden das Thema sehr zielführend ab, vor allem jene der unverbrauchten Kinderdarsteller, die im späteren Verlauf noch für spannende Sequenzen und denkwürdige Szenen sorgen können. Die Polizeiarbeit wird unter René Clément erneut sehr plastisch dargestellt, rückt dabei aber nie in den Brennpunkt. Wenn die Beamten schließlich ihren Holzweg verlassen haben, zieht sich die Schlinge für gewisse Personen der Veranstaltung gnadenlos zu. "Das Haus unter den Bäumen" gibt die Quelle des Verbrechens und damit verbundene Intentionen im Endeffekt vielleicht zu zaghaft preis, punktet jedoch mit einen unübersehbar mysteriösen Element, welches die Wahrheitsfindung manchmal zu einem Kraftakt werden lässt. Herrlich atmosphärische Schauplätze, greifbare Stimmungen, verständliche Emotionen sowie besondere Überraschungsmomente lassen diesen subtilen Thriller daher zu einem ganz besonderen Erlebnis werden.


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 Post subject: Zeugen gesucht (1970)
PostPosted: 08.09.2019 22:18 
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● Folge 32: DIE SELTSAMEN METHODEN DES FRANZ JOSEF WANNINGER - ZEUGEN GESUCHT (D|1970)
mit Beppo Brem, Maxl Graf, Wolf Ackva, Fritz Strassner
Gäste: Otto Stern, Uta Levka, Heinz Schubert, Paul Glawion, u.a.
eine Produktion der Bavaria Film | für WWF
Regie: Theo Mezger



In einem Juweliergeschäft werden am helllichten Tag Schmuckstücke im Wert von 400 000 DM erbeutet und der Raub kostet den Inhaber des Geschäfts das Leben. Da er kurz vor seiner Ermordung ein Taxi bestellt hatte, konnte der vor dem Geschäft wartende Fahrer den fliehenden Täter beobachten und ihn anhand der Verbrecherkartei bei der Polizei identifizieren. Ein Mann namens Lupka steht somit unter dringendem Mordverdacht, doch die Verwunderung der Beamten ist groß, als Lupka plötzlich samt Alibi auf der Wache auftaucht. Als auch der Taxifahrer seine ursprüngliche Aussage zurückzieht und den Täter aber nicht mehr identifizieren kann, greift Kriminalinspektor Wanninger zu ganz unorthodoxen Methoden, um den Fall aufzuklären...

In einem Foto-Atelier im zweiten Stock eines unauffälligen Hauses werden aufreizende Fotos geschossen, ein Taxifahrer wartet gegenüber auf der Straße, um Juwelier Weidel abzuholen, der gerade im Begriff war, sein Geschäft abzuschließen. Als plötzlich doch noch jemand auftaucht, macht der nichtsahnende Juwelier den vermeintlichen Kunden nicht nur zum König sondern gibt ihm gleichzeitig die Gelegenheit, zum Mörder zu werden. Während das Publikum noch darüber erstaunt ist, wie leichtsinnig der Tote war und wie einfach der Raub vonstatten gehen konnte, laufen die Ermittlungen im Polizeirevier bereits auf Hochtouren, wofür hauptsächlich Inspektor Wanninger verantwortlich sein wird, da die Weitsicht seiner Kollegen und Vorgesetzten oft von einem Brett vorm Kopf behindert zu sein scheint. Um Erfolge verbuchen zu können, zaubert Wanninger wieder einmal sehr zügig zahlreiche Tricks aus dem Zylinder, die etwa den Fotografen dazu nötigen, sich in seinen ausgefuchsten Plan einspannen zu lassen, um die Indizien nach Herzenslust zu manipulieren. Die üblichen Revierkämpfe zwischen Steiner und Wanninger lockern das frühe Geschehen vor dem dunklen Mordhintergrund angemessen auf, doch Gefahr scheint permanent in der Luft zu liegen, da man es auf Seiten der Verbrecher mit keinem Geringeren als Otto Stern zu tun bekommt, der seine Brutalität gerne mit weltmännischen Gebärden und Gesten zu verschleiern versucht. Aufgrund seiner Kooperationsbereitschaft scheint der Fall allerdings reichlich zerfahren zu sein.

Derartig widrige Umstände stellen erfahrungsgemäß keine großen Hindernisse für einen immer noch wach, motiviert und aufmerksam wirkenden Beppo Brem dar, der sich ganz unverhohlen Privilegien einräumt, indem er sie seinem Gegenüber als persönliche Belastungen verkauft. "Zeugen gesucht" stellt sich im weiteren Verlauf zudem als sehr geistreicher Titel heraus, da der wahre Zeuge mittels Einschüchterung eingeknickt ist, man ohne einen Beobachter aber nicht weiter kommt. Deswegen schreitet Wanninger in unnachahmlicher Manier zur Tat, indem er sich Zeugen macht, die eigentlich gar keine sind. Aber der Zweck heiligt auch hier die Mittel, sodass die zeitlich sehr begrenzte Folge einen guten Erzählfluss mit angemessenen Pointen vorzuweisen hat. Auch in darstellerischer Hinsicht geht es in Folge 32 etwas spektakulärer als sonst zu, was mit einigen namhaften Gästen zu tun hat. Otto Stern ist dementsprechend in seinem Element, vielleicht sogar einer bestimmten Schablone zu sehen, setzt aber wichtige Akzente, die ein wenig Spannung aufkommen lassen. Heinz Schubert als Fotograf bedient eher die humorige Seite des Geschehens und Uta Levka, die hier bereits ihrem schauspielerischen Karriere-Ende entgegensieht, schmückt das teils aufgeschreckte Szenario als attraktiver Blickfang und ergiebige Projektionsfläche. Wenn der knifflige Fall am Ende schließlich gelöst ist und sich die trotz eines Toten amüsante Geschichte dem Ende zuneigt, dürften treue Anhänger bestimmt zufrieden mit Theo Mezgers prägnanter Regiearbeit sein.


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 Post subject: Kinder, Mütter und ein General (1955)
PostPosted: 09.09.2019 16:15 
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KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL

● KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL (D|1955)
mit Hilde Krahl, Therese Giehse, Alice Treff, Ursula Herking, Beate Koepnick, Marianne Sinclair, Rudolf Fernau,
Claus Biederstaedt, Hans Christian Blech, Maximilian Schell, Klaus Kinski sowie Ewald Balser und Bernhard Wicki
ein Intercontinental Film | im Schorcht Filmverleih
ein Film von László Benedek


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»Soll ich Befehle geben und dabei an die Mütter denken?«

Stettin, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Einige Mütter wollen ihre Söhne im Alter zwischen 14 und 16 Jahren von der Front zurückholen. Die Frauen unterschiedlichen Standes finden sich zusammen, da sie eine Gemeinsamkeit verbindet: die Überzeugung, dass Kinder auf Kriegsschauplätzen nichts verloren haben. Nach vielen ergebnislosen Gesprächen mit Verantwortlichen, bei denen alles Zureden und Flehen nichts gebracht hat, beschließen sie, sich selbst auf die Suche zu machen. Ihr beschwerlicher Weg führt sie zu der "Kampfgruppe Dornberg", die eine Stadt gegen das Vordringen russischer Bodentruppen verteidigen soll. Nach unzähligen Gefahren finden sie schließlich ihre uniformierten und bewaffneten Kinder vor, doch es kommt zu einem kollektiven Schock, denn die von der Kriegspropaganda verblendeten Kinder wollen ihre Posten um keinen Preis wieder verlassen...

Der aus Ungarn stammende Regisseur László Benedek war bekannt für die Umsetzung besonderer beziehungsweise brisanter Stoffe, was in diesem deutschen Regie-Abstecher nicht anders ist. "Kinder, Mütter und ein General" hört sich zunächst zwar ziemlich unscheinbar an und gibt kaum Aufschluss über die eingeschlagene Route dieser von Herbert Reinecker verfassten Vorlage, doch der Verlauf bündelt seinen Konfliktstoff sehr schnell und präzise. Zu sehen ist dies in einer Zeit, in der nur noch wenige an den Endsieg der Deutschen glaubten, doch es ist einem so, dass sogar der Wind Lieder von Durchhalteparolen zu singen scheint. Da der Krieg bereits unzählige Soldaten verschwendet hatte, brauchte es eine neue Art von Kanonenfutter, das sich schnell in Jugendlichen und sogar Kindern finden ließ, die leicht für das Abenteuer an der Front verführt werden konnten. Diese Geschichte behandelt sechs isolierte Schicksale von Frauen, die mit all ihren Ängsten, Gebeten und Tränen repräsentativ für alle Mütter stehen, die ihre Kinder an das gefräßigste aller Ungeheuer verloren hatten. Die Qualität dieser Inszenierung definiert sich nicht alleine über die vielen Auszeichnungen, die "Kinder, Mütter und ein General" einfahren konnte, wie etwa den Golden Globe Award in der Kategorie Bester Film, sondern vor allem über die lebendige Art und mutige Darstellung in einer von Tod und Leid geprägten Umgebung. Oft im Vergleich mit Bernard Wickis vier Jahre später entstandenen und thematisch ähnlich gelagerten Film"Die Brücke" stehend, sind oft Versuche der Abqualifizierung für Benedeks Beitrag wahrzunehmen, der deutlich emotionaler aber nicht minder brutal in seiner authentischen Darstellungsweise wirkt. Eine Reihe von Gymnasiasten lässt sich gegen Kriegsende von der unbarmherzigen Maschinerie des NS-Regimes blenden und zieht freiwillig an die Front.

Ihre aufgebrachten und ebenso unpolitischen Mütter treibt nicht nur die Angst, sondern auch die Weitsicht an, sodass sie sich auf eine regelrechte Odyssee durch Kugelhagel und Bombenkrater begeben, um die Jungen möglicherweise noch vor Schlimmerem bewahren zu können. Große Interpretinnen des deutschen Kinos und Theaters überzeugen nach ihrem unmittelbaren Auftreten mit Präzisionsleistungen und sogar noch ein bisschen mehr, wenngleich sie dramaturgisch gesehen oft von oben herab betrachtet und roh behandelt werden, da sie sich auf dem Schlachtfeld der Männer behaupten müssen. Hier bekommen vor allem Hilde Krahl und Therese Giehse die größten Bühnen bereitgestellt und es dürfen sich besondere Szenen, denkwürdige Dialoge und große Gesten abspielen, die diesen Film im Endeffekt vielleicht mehr beherrschen, als es die Kriegsschauplätze tun werden. Die aufkommenden Emotionen wirken zunächst deplatziert, da in dieser Ausnahmesituation für sie einfach kein Platz sein darf, was die beteiligten Männer in ihren unterschiedlichen Etappen nachdrücklich klarzustellen versuchen. Doch diese Anstrengungen verpuffen schnellstens im Nichts, da die Frauen im Rahmen all ihrer unterschiedlichen Ansätze derart entwaffnend wirken, dass es zu globalen Zweifeln kommt. Vor allem Therese Giehse fungiert als kritisches Sprachrohr, ohne mit ihrem Berliner Dialekt irgendwelche sprachlichen Klippen zu kennen, geschweige denn für Barrieren zu sorgen. Die aufgebrachte Frau bringt die Kritikpunkte sehr genau auf den Punkt und schildert ihre Ängste ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Mutter, die schließlich so viel Kraft dafür investiert habe, ihre beiden Jungen irgendwie groß zu bekommen. Und nun soll die unerbittliche Mechanik des Krieges alles zunichte machen?

Alle Frauen werden diese rhetorische Frage im Verlauf direkt oder indirekt stellen, doch Therese Giehse genießt den Luxus, erst gar nicht aus ihrer Haut herauszumüssen. Wo Hilde Krahl es nie schaffen kann und wird, ihre Damenhaftigkeit vollends ablegen, es Alice Treff mit ihrer Religiosität und dem damit verbundenen, tief verwurzelten Glauben ebenso wenig fertig bringt, oder Ursula Herking als Ärztin nur naturwissenschaftliche Begründungen gelten lassen wird, ist es Therese Giehse, die die Dinge in ihrer teils merklich einfältigen Art am klarsten sehen und formulieren wird. Ihre Darbietung wurde somit nicht zu Unrecht ausgezeichnet, denn die größten darstellerischen Momente erlebt der Zuschauer mit dieser großartigen Interpretin. Der gezielte Einsatz der Stars verfolgt die Strategie konträrer Impressionen auf gleichem Schlachtfeld, was László Benedek auch hervorragend zu choreografieren weiß. So steht Hilde Krahl im Wesentlichen für tragische Momente, vielleicht hin und wieder sogar für Melodramatik, denn ihr wurde in der Nebenhandlung noch eine ausweglose Liebesgeschichte in den Weg gelegt. Ursula Herking stellt sich patent als nachdenklicher und vollkommen sachlicher Part zur Verfügung, der stets die Fähigkeit besitzt, positiv auf mögliche Hysterie und Unruhe einzuwirken. Mit Rudolf Fernau, der einen Stabsarzt, somit Berufskollegen spielt, kommt es zu einem nahezu epischen Schlagabtausch in Sachen Ethik und Menschenwürde, der beeindruckend nachhallt, aber im Grunde genommen ungeklärt bleibt. Alice Treff rundet die Riege der prominent in Szene gesetzten Damen wie immer hervorragend ab, denn die Frau eines Pastors symbolisiert unermüdlich die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt sterben soll. Die üblichen Frauen des Sechser-Gespanns treten mit Beate Koepnick und Marianne Sinclair weniger prominent in Erscheinung, untermalen jedoch den Grundtenor sehr wirksam.

Das unverhoffte Auftauchen von so vielen Frauen in einem von Männern dominierten Umfeld sorgt naturgemäß für viel Aufsehen und vor allem Unverständnis, da zeitgemäße Blicke und Ansichten stets mitzuschwingen scheinen; angesichts der obligatorischen Aufgaben und Pflichten der Frau von damals. Als strenge Leiterin eines Internats bestimmte Therese Giehse in Géza von Radványis "Mädchen in Uniform" nur wenige Jahre später selbst den Aufgabenbereich der Frau mit »Kinder, Kirche, Küche!«, und es wirkt, als ob viele der männlichen Beteiligten dieser These sofort zustimmen würden. Doch der Schein trügt auf den entsprechenden Kriegsschauplätzen, die von Tod, Verderben und der in den Mantel der Diskretion gehüllten Gewissheit vernarbt sind, dass der sogenannte Endsieg nur frommen Wünschen und Utopien entspricht. Hochkarätige Darsteller wie Ewald Balser, Claus Biederstaedt, Klaus Kinski, Hans Christian Blech, Maximilian Schell oder Bernhard Wicki zeigen sich von ihren besten, aber der Anforderung entsprechend vollkommen unterschiedlichen Seiten, die den Film ebenso nachhaltig prägen, wie die teils unbändigen Darbietungen der Damenriege. Hinzu kommt, dass hohe Ansprüche in der qualitativen Ausarbeitung gemacht wurden, was insbesondere von der bemerkenswerten Kameraarbeit hervorgehoben wird. "Kinder, Mütter und ein General" ist dramaturgisch sowie darstellerisch ein tiefgründiger und äußerst vielschichtiger Film in einem isoliert wirkenden und trostlosen Setting geworden, der an vielen Stellen einen nicht handelsüblichen Mut zur Konfrontation betreibt. Alternativ wurde der Film mit einem härteren Ende für den internationalen Markt versehen, das die Tragik und Sinnlosigkeit der Geschichte wesentlich besser als das Finale der deutschen Version unterstreicht, und schlussendlich bleibt ein herausragender Film zurück, der das Prädikat wertvoll mehr als verdient hat.


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 Post subject: Die Dame aus Hongkong (1964)
PostPosted: 02.10.2019 16:04 
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● HAFENPOLIZEI | FOLGE 19 | DIE DAME AUS HONGKONG (D|1964)
mit Jochen A. Blume, Herbert A. E. Böhme, Josef Dahmen, Peter Herzog, Til Kiwe, Günther Böse
als Gäste: Monika Peitsch, Richard Lauffen, Gerd-Günther Hoffmann, Jochen Rathmann, Christa Siems, u.a.
eine Studio Hamburg Produktion | für NWF
Regie: John Olden



Durch Interpol bekommt die Hamburger Hafenpolizei den entscheidenden Tipp, dass Diamanten im großen Stil geschmuggelt werden. Nach kurzen Ermittlungen führt die Spur zu dem Frachtschiff "Peace of Hongkong", mit dem die heiße Ware in die Bundesrepublik gelangt sein soll. Wenig später können die Beamten eine junge Dame dingfest machen, die sich als Chinesin verkleidet hatte, um die Edelsteine unbehelligt durch den Zoll schmuggeln zu können. Bei ihr handelt es sich um Susi Schuster (Monika Peitsch), die in einem Hamburger Nachtclub als Sängerin arbeitet. Der Polizei ist allerdings klar, dass es sich bei ihr nur um einen kleinen Fisch handelt, und bei der Suche nach den Hintermännern zeigt sich schließlich die wirkliche Gefahr...

»Hamburg ist doch wirklich eine schöne Stadt!« Was sicherlich viele über die Vorzüge der norddeutschen Hafenstadt sagen würden, ist in der Episode "Die Dame aus Hongkong" von einer Gruppe Männer zu hören, die die Ankunft einer überaus attraktiven Monika Peitsch sehr interessiert beobachten. Der wirkliche Name der vermeintliche Asiatin klingt mit Susi Schuster allerdings weniger südöstlich als heimisch, und schnell hat man einen von Schmuggel und Kriminalität umwehten Einstieg in John Oldens gut konstruierte Episode, die erneut nur so von hanseatischem Flair strotzt. Thematisch gesehen ist Diamantenschmuggel sicherlich kein besonders extravagantes Thema in einer international genutzten Hafengegend, allerdings kann sich die Vorgehensweise und der damit verbundene Trick, die Zollbeamten zu täuschen, durchaus sehen lassen. Wieder einmal zeigt sich, dass es offensichtlich kein perfektes Verbrechen geben kann, da überall Fallstricke lauern, an die im Vorfeld vielleicht niemand gedacht hätte, da sie nur schwer zu kalkulieren gewesen wären. Frühe Action und der kleine Kugelhagel sorgen für rasante Phasen, die auch nötig sind, um die Episode innerhalb ihrer stark begrenzten Zeit optimal präsentieren zu können. Erfahrungsgemäß sollte das Publikum bei "Hafenpolizei" keine Reizüberflutung oder Dinge der Unmöglichkeit erwarten, da die Serie zur gediegenen Fraktion der Kriminalvertreter gehören möchte, und es wird vor allem ersichtlich, dass seriöse Ansprüche geltend gemacht werden.

Die teils unterschiedlich gefärbten Geschichten fallen durch ihren merklichen Aufwand im charakterlichen Bereich auf, da insbesondere die jeweiligen Gäste ins Rampenlicht geführt und für Abwechslung sorgen werden. In "Die Dame aus Hongkong" ist Monika Peitsch in der vorgegaukelten Titelrolle und gleichzeitig in einem oft gesehenen Zuschnitt zu sehen, da sie für die falsche Seite des Gesetzes rekrutiert werden konnte. Inwieweit sie davon profitiert, bleibt weitgehend unklar, doch dem Empfinden nach kann es sich nicht um die Welt handeln, da sie von ihren Hintermännern nicht gerade charmant behandelt wird, als williger Kurier außerdem das größte Risiko aufgeladen bekommt. Um die Polizei zu täuschen, bedarf es allerdings mehr als nur ihrer attraktiven Erscheinung und der vierbeinigen Begleitung, sodass es nach kürzester Zeit Schlag auf Schlag zugehen darf. Die kriminellen Köpfe geraten durch die anschauliche und pragmatisch dargestellte Arbeit der Polizei immer mehr in Bedrängnis, bis es schließlich zum kleinen Showdown kommt. Neben der gut aufgelegten Stammbesetzung gelingt es beispielsweise noch Richard Lauffen und Synchron-Legende Gerd-Günther Hoffmann sich in den Fokus zu spielen, wenngleich es unterm Strich sicherlich etwas an Brisanz und krimineller Aggression fehlt, was wiederum zu dem Eindruck führt, dass die Geschichte sich sehr nah an der Realität bewegt, was wirklich gut ankommt. Alles in allem ist John Oldens mit Edelsteinen garnierter Fall kurzweilig ausgefallen und weiß daher angemessen zu unterhalten.


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 Post subject: Als gestohlen gemeldet (1975)
PostPosted: 04.10.2019 10:40 
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● FOLGE 48: TATORT - ALS GESTOHLEN GEMELDET (D|1975)
mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur und Walter Richter
als Gäste: Gisela Uhlen, Susanne Uhlen, Felix Franchy, Beate Hasenau, Ralf Wolter, Harry Kalenberg, Uli Steigberg, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des BR
Regie: Wilm ten Haaf


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Am Münchner Stadtrand wird ein Schwerverletzter in einem Straßengraben gefunden. Es handelt sich um den KFZ-Meister Otto Jirisch (Felix Franchy), der wenig später ins Koma fällt. Da von ihm keine Angaben zu erwarten sind, ermittelt Oberinspektor Veigl (Gustl Bayrhammer) zunächst in alle Richtungen, bis eine konkrete Spur in die Autowerkstatt führt, in der das Opfer zuletzt tätig war. Die Inhaberin des Betriebes, eine verwitwete Frau Stumm (Gisela Uhlen), reagiert sehr bestürzt, doch es scheint, als habe sie auch etwas zu verbergen. Veigl nimmt das Geschäft genauer unter die Lupe, bis sich eine ungewöhnlich hohe Häufung von Diebstählen zuvor im Autohaus gekaufter Autos feststellen lässt. Eigenartig dabei erscheint, dass man stets für schnellen Ersatz sorgen konnte...

Ein Tatort wie viele andere - oder doch nur ein Fundort? Eine Geschichte wie sie schon häufig dagewesen ist, und Charaktere wie man sie zu Genüge kennengelernt hat. All dies bildet zunächst die losen Eckpfeiler dieses 48. Falls der "Tatort"-Reihe, der unter der geregelten Leitung von Wilm ten Haaf einiges zu bieten haben wird. Das Opfer eines Mordanschlags liegt im Koma, und wenn man sich das Gesetz der Serie vor Augen hält, dürfte es sich wohl nur noch um eine Frage der Zeit handeln, bis die Polizei Ermittlungen in einem Mordfall durchzuführen hat. Klar gestrickte Spuren führen den Zuschauer zu einer unscheinbaren Autowerkstatt, die von einer noch unscheinbarer wirkenden Dame geführt wird. Ermittlungstechnisch bekommt man in "Als gestohlen gemeldet" sehr klassische Eindrücke einschlägig bekannter Kriminalformate geboten und zunächst will es so wirken, als scheine sich alles ein wenig zu glatt abzuspielen, doch spätestens wenn das Duo Gisela und Susanne Uhlen erstmals die Bühne betritt, erwartet man förmlich vorprogrammierte Reibungsflächen, die sich vor allem in einer eigenartig angespannten Interaktion der beiden herauskristallisieren. Da kein Geringerer als Gustl Bayrhammer die Ermittlungen führt, ist mit einer sehr urigen Art der Polizeiarbeit zu rechnen, in der zwischen anscheinender Taktlosigkeit über Bissigkeit bis hin zu subtilem Humor alles zu finden ist. Die Befragungen liefern gleichzeitig die Profile der einzelnen Personen, sodass sich kleinere Überraschungen beziehungsweise Abgründe auftun dürfen. Unterm Strich bleibt dieser Fall jedoch merklich demonstrativ auf der sicheren Habenseite, ohne sich spektakuläre Kapriolen zu leisten. Unter normalen Umständen und ausschließlicher Betrachtung der thematischen Gegebenheiten würde sich dieser Eindruck aufrecht erhalten lassen, doch man hat die Rechnung definitiv ohne die besonderen Einsätze von Gisela und Susanne Uhlen gemacht, die beide sehr provokante Register zeichnen dürfen.

Die Basis für das gute Funktionieren dieser nicht uninteressanten Geschichte besteht aus verwirrenden Elementen und nebulös erscheinenden Personen, außerdem einer nahezu passiv und überaus unbestimmt wirkenden Aggression. Regisseur ten Haaf arbeitet schließlich ein breit angelegtes Misstrauensvotum gegenüber allen Beteiligten dieser im Endeffekt sehr ruhig und mit klarem Aufbau versehenen Geschichte aus, das bis zum Ende Rätsel aufgibt, obwohl einige der Verdächtigen noch einknicken werden. Liaisons dangereuses liegen wie ein alles vereinnahmender Schleier über dem Geschehen, immerhin wurde das Opfer der Geschichte im Rahmen der Ermittlungsarbeit hinlänglich vorgestellt. Folge 48 der beliebten Kriminalserie gestattet Gisela Uhlen nochmals eine große Bühne, auf der sie alle erforderlichen Finessen ihres breiten Repertoires zeigen darf, wenngleich Diskretion und Zurückhaltung einer Geschäftsfrau im Vordergrund stehen, die ihren verstorbenen Mann zu stehen hat. Der Verlauf skizziert des Weiteren die Tiefen eines Mutter-Tochter-Verhältnisses, mit dem es offensichtlich nicht zum Besten steht. Susanne Uhlen präsentiert sich in diesem Zusammenhang lasziv und provokant; ihre Mutter ist permanent damit beschäftigt, die angeschossenen Torpedos des Teenagers zu entschärfen. Insolenz und Provokation wirken sich negativ auf die laufenden Geschäfte aus und bringen die Inhaberin der Autowerkstatt ins Gerede, doch es kommt zu keinem Clash unter vier Augen, da Frau Mama ebenfalls ausgiebig, wenn auch wesentlich diskreter mit dem Feuer gespielt hat. Wenn aus Mutter und Tochter erbitterte Rivalinnen werden, ist eine größere oder kleinere Katastrophe so gut wie vorprogrammiert. Obwohl es selten Andeutungen in diese Richtung gibt, scheint ein Eklat unausweichlich zu sein, da ein Mann als skrupelloser Marionettenspieler im Hintergrund agiert. Das facettenreiche Spiel der beiden Uhlens wertet die Folge in jeder Einstellung auf und es ist hoch interessant sie gemeinsam vor der Kamera zu sehen; eine Möglichkeit, die leider so gut wie nie in Anspruch genommen wurde.

Darstellerisch funktioniert dieser 48. "Tatort"-Fall auch fernab des Zusammenspiels der weiblichen Aufhänger der Episode. Felix Franchy zeichnet dabei zunächst das Opfer, welches bereits in der ersten Szene so gut wie tot ist, jedoch wird der Herr mit seinen egoistischen Ambitionen noch hinreichend in Rückblenden vorgestellt. Um sich beruflich und vor allem finanziell zu verbessern, erscheint ihm jedes Mittel zum Zweck recht zu sein. Wem er damit schadet ist nebensächlich. Dem Publikum wird bei der Vorstellung des im Normalfall zu bemitleidenden Opfers schnell klar, dass es scharenweise Motive geben dürfte, um den unbequemen Werkstatt-Playboy zu beseitigen, allerdings bleibt der Fall aufgrund zahlreicher unkooperativer Personen lange Zeit undurchsichtig genug, um für eine solide Form der Anspannung zu sorgen. Der zugegeben recht kleine Kreis der Verdächtigen wird durch eine wie so oft vulgär und aufdringlich wirkende Beate Hasenau und einen in seiner betonten Aufdringlichkeit auffallenden Ralf Wolter abgerundet, der zweifellos seine interessantesten Auftritte abseits seines obligatorischen Klamauk-Fachs lieferte. Wenn sich der schnörkellos aufgebaute Fall schließlich zu ordnen beginnt und erste handfeste Indizien auf dem Tisch liegen, festigt sich der Eindruck einer klug konstruierten Geschichte der erfolgreichen Reihe, die zeitweise vielleicht etwas zu herkömmlich und reibungslos wirkt, aber gleichzeitig sehr genau in die gemütliche Ermittlerwelt eines Kriminaloberinspektor Veigl passen will, der hier bereits seinen fünften Fall zu lösen hat. Bei seiner Erstausstrahlung erreichte "Als gestohlen gemeldet" übrigens einen beachtenswerten Marktanteil von 67 %. Wilm ten Haaf ist es insgesamt sehr anschaulich gelungen, kriminelle Aktivitäten im gut bürgerlichen Milieu zu zeichnen und dabei ein wenig in zwischenmenschliche Abgründe zu leuchten, die weniger einer Märchenwelt als der manchmal bitteren Realität entliehen sind. Unterm Strich sollte man diese solide und greifbare Veranstaltung vielleicht auch nicht zuletzt wegen des besonderen Zusammenspiels von Gisela und Susanne Uhlen gesehen haben.


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 Post subject: Hebt die Titanic (1980)
PostPosted: 08.10.2019 17:49 
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HEBT DIE TITANIC

● RAISE THE TITANIC / HEBT DIE TITANIC / RETTET DIE TITANIC (US|GB|1980)
mit Jason Robards, Richard Jordan, David Selby, Anne Archer, Bo Brundin, M. Emmet Walsh und Alec Guinness
eine Produktion der ICT Film
ein Film von Jerry Jameson


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»Was war sie doch für ein herrliches Schiff!«

Die Karten bezüglich der Vormachtstellungen der Supermächte sollen neu gemischt werden. Als Energiequelle für ein völlig neuartiges Raketenabwehrsystem wird ein äußerst seltenes Mineral namens Byzanium benötigt, das angeblich tonnenweise an Bord der gesunkenen "Titanic" lagern soll. Die amerikanische Expedition soll in Zusammenarbeit mit einem Unterwasser-Expertenteam starten, doch es gab offenbar Probleme bei der Geheimhaltung. Bereits nach den ersten Tauchgängen zeigt ein alter Erzrivale plötzlich seine Präsenz auf hoher See. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

»Die kann nicht einmal Gott versenken, sagten die Leute.« Der Mythos der seinerzeit als unsinkbar geltenden "Titanic" wurde innerhalb mehrerer Jahrzehnte immer wieder filmisch thematisiert und mit vielen unterschiedlichen Subplots versehen, die die Geschichte über die schwerste Katastrophe der zivilen Schifffahrt verschnörkeln sollten. In Jerry Jamesons 1980 entstandenem Beitrag kommt es in diesem Zusammenhang gleich zu mehreren Variationen und wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie eine abstruse Räuberpistole, in der beispielsweise physikalische Gesetzmäßigkeiten umgekehrt werden, doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Verlauf spannend und effektiv inszeniert wurde. Der 36 Millionen US-Dollar teuren Produktion ist ihr üppiges Produktionsbudget in vielen Bereichen deutlich anzusehen, denn insbesondere im Bereich der Tricktechnik und Unterwasseraufnahmen kommt es zu sehr beeindruckenden Momenten, die die kühne Geschichte rund um die Bergung des im Jahr 1912 auf der Jungfernfahrt gesunkenen Luxusdampfers teils aufsehenerregend dokumentieren. Der Wunsch, gesunkene Schiffe zu heben, ist wohl so alt wie die Schifffahrt selbst, nicht zuletzt wegen der einfachen Tatsache, wertvolle Gegenstände ans Tageslicht bringen zu wollen. Genau das stellt in Jamesons Beitrag den eigentlichen Motor des gesamten Vorhabens dar, schließlich soll seltenes Byzanium vom Meeresgrund geborgen werden. Dieser Rohstoff findet sich übrigens nur auf der Liste erfundener Elemente und Materialien wieder, welcher in der Romanvorlage von Clive Cussler für die Energiegewinnung eines Laserschutzschirms benötigt wird, sodass das Unmögliche plötzlich doch möglich gemacht werden kann. Eilig werden Vorhaben und die dazu passenden Interessengemeinschaften der verschiedenen Supermächte vorgestellt, und wieder entsteht der Eindruck, dass die Geschichte im ersten Drittel trotz ruhiger Phasen und recht hoher Dialogdichte durchgepeitscht wird.

Es folgen lange Studien und aufwändige Unterwasseraufnahmen, bis man das Wrack endlich gefunden hat. Die Bebilderung ist im Grunde genommen als sehr gelungen zu bezeichnen, auch wenn man sich im Klaren darüber sein muss, dass es sich im Endeffekt nur um Augenwischerei beziehungsweise gut gemeinte Tricks handelt. Auch wenn das Vorhaben immer konkretere Formen annimmt, bleibt der Zuschauer der wohl größte Skeptiker des Ganzen, schließlich denkt man an eigentlich unüberwindbare Gesetzmäßigkeiten und den Zahn der Zeit, also die vielen Jahre, die das Schiff bereits auf dem Meeresgrund gelegen hat. Derartige Zweifel werden im Film allerdings kaum thematisiert beziehungsweise mit teils abenteuerlichen Erläuterungen weggewischt, was bei der Gesamtbetrachtung aber nicht schwerwiegend ins Gewicht fällt, da der Verlauf über hoch spannende und erhabene Momente verfügt und im Endeffekt einfach nur faszinierend wirkt. Die Stars der Veranstaltung rücken zugunsten der abenteuerlichen Idee etwas in die zweite Reihe, doch Jason Robards, Richard Jordan, David Selby und Alec Guinness demonstrieren Präsenz und Routine. Highlight der Produktion ist und bleibt allerdings die Trick-"Titanic", die mit einem Kadaver zu vergleichen ist, dessen Geruch zahlreiche Geier anzieht, die ihren Teil des üppigen Festmahls abhaben möchten. Schließlich wird das ohnehin schwierige Unterfangen plötzlich mit massiven Bedrohungen gewürzt, die eigentlich eher unter Wasser zu vermuten waren. Im letzten Drittel der Produktion entfaltet sich eine schwelende Spannung, die einen fatalen Showdown suggeriert. So wird abzuwarten sein, welche der Fraktionen die kühlsten Köpfe bewahren können. "Hebt die Titanic" bleibt unterm Strich ein nicht uninteressanter Film, der mit Verschwörungstheorien und zeitgemäßer Brisanz gekreuzt wurde, um im Gewand der nachhaltig absurd wirkenden Story dennoch überzeugend zu wirken. Wenn das Finale eingeläutet wird, schließt Jerry Jameson das Thema mit beeindruckenden Bildern ab, die Träume und Realität miteinander verschmelzen lassen. Ein unkonventioneller und überraschender Beitrag.


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 Post subject: Warteliste zur Hölle (1966)
PostPosted: 09.10.2019 20:32 
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WARTELISTE ZUR HÖLLE

● ANÓNIMA DE ASESINOS / JERRY LAND - CACCIATORE DI SPIE / WARTELISTE ZUR HÖLLE / HIMMELHUNDE MÖGEN'S HEIẞ (E|I|D|1966)
mit Wayde Preston, Helga Sommerfeld, Reinhard Kolldehoff, Antonio Durán, Noé Murayama, Franco Fantasia und als Gast Kai Fischer
eine Juan de Orduña, P.C. | Produzioni Europee Associate | Theumer Filmproduktion | im Accord Filmverleih
ein Film von Juan de Orduña


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»Die wissenschaftliche Folter ist ein leidenschaftliches Hobby von mir!«

Ein Mord an einem ihrer Agenten veranlasst die CIA ihre besten Agenten nach Rom zu schicken. Jerry Land (Wayde Preston) und Nick Collins (Reinhard Kolldehoff) beginnen, in dieser undurchsichtigen Angelegenheit zu ermitteln. Schnell führt eine heiße Spur nach Beirut. Offensichtlich geht es um einen Mikrofilm mit geheimen Konstruktionsplänen für einen neuartigen Ionen-Motor, welchen eine Verbrecherorganisation an sich bringen will und dabei äußerst brutal vorgeht, wenn sich ihr jemand in den Weg stellt. Unterstützung bekommt Jerry von der schönen Solange Dubonet (Helga Sommerfeld), doch schon bald ist er sich nicht mehr sicher, wem er überhaupt noch trauen kann. Wenig später gerät er auch schon in die Fänge der Verbrecher, die ihn auf der Folter dazu zwingen wollen, das Versteck des Mikrofilms preiszugeben...

Nach den traditionellen (christlichen) Vorstellungen soll die Hölle ein Ort sein, an den Missetäter nach ihrem Ende gelangen. Nicht nur die Glaubenslehre bediente sich häufiger dieses gefürchteten Ortes, sondern auch der Film, in der Regel als passender Aufhänger für diverse Titel. Da es in Juan de Orduñas Eurospy-Beitrag der Ankündigung nach eine Warteliste für dorthin geben soll, scheint der bevorstehende Weg für alle Verbrecher bereits vorprogrammiert zu sein. Dies ist in derartigen Reißern alles andere als unüblich, denn wie der Verlauf eindeutig belegt, wird wenig Gnade oder Nächstenliebe zu finden sein. Versehen mit einer gerne gesehenen Whodunit-Struktur, kann die Geschichte ihre anvisierte Spannung recht lange und beinahe durchgehend aufrecht erhalten, außerdem wird von Anfang an nicht an Tempo und Action gespart, was für zahlreiche turbulente Phasen sorgt, die in diesem Genre wie ein Motor funktionieren, falls sie denn Verwendung finden. Neben interessanten Ortswechseln und beeindruckenden Kulissen fällt insbesondere die bestehende Leichtfüßigkeit der Produktion auf, die sich auch auffällig in den Leistungen des internationalen Schauspiel-Ensembles widerspiegelt. Verbrecherische Gruppierungen haben Wind von geheimen Plänen bekommen und versuchen ihnen habhaft zu werden. Bei ihrer Vorgehensweise heiligt der Zweck alle erdenklichen Mittel, sodass nicht an gewaltsamen Einlagen, Folter und natürlich Mord gespart wird. Die Dialogpassagen präsentieren sich merklich flapsig und erfreuen mit gut angepasster Ironie, doch es bleibt ebenso Raum für ernste Momente, die insgesamt jedoch zur Nebensache reduziert werden. Ganz in Genre-Manier tauchen immer wieder typische Charakteristika auf, von denen etliche bereits zu Genüge dagewesen sind. Der spanische Regisseur nimmt sich allerdings auch Zeit für ein paar empfundene Neuerungen, die vielleicht nur als solche wirken, da sie vergleichsweise nicht so häufig zum Einsatz kamen. "Warteliste zur Hölle" will sich insgesamt nicht dem Schicksal vieler Artgenossen beugen, als seelenloses Plagiat zurückzubleiben und daher nimmt man hier sogar frische Impulse wahr, die dazu verhelfen, dass die die Spielzeit wie im Flug vergeht.

Die Hauptfigur, um die die Geschichte herumkonstruiert ist, wird vom US-amerikanischen Schauspieler Wayde Preston interpretiert. Obwohl er schon beinahe zehn Jahre im Filmgeschäft aktiv war, handelt es sich hierbei erstaunlicherweise um seine erste Kinorolle. Zuvor konnte er sich allerdings schon einen Namen in bekannten Serien machen, doch rückblickend dürfte er hauptsächlich für seine Auftritte in Italo-Western in Erinnerung geblieben sein. Preston sorgt für die nötige Agilität und entwaffnet seine Kontrahenten wahlweise mit der Sprache der Ironie, oder der Kraft seiner Fäuste. Schwungvolle Schlägereien mit Kung-Fu- oder Karate-Einlagen setzen die Gegner außer Gefecht, falls diese den umtriebigen Agenten nicht gerade selbst auf die Folter geschnallt haben. In diesem Zusammenhang zeigt sich die Affinität der Regie, Kostproben von Brutalität und reinstem Sadismus in der Geschichte zu etablieren, was für einen gewissen Nervenkitzel sorgen kann. Genau wie sein deutscher Kollege Reinhard Kolldehoff liefert er eine sehr solide Performance ab und man erwartet mit Spannung, wie des Rätsels Lösung schließlich aussehen mag, oder wer über die Klinge springen muss. Für Aufsehen und Wiedersehensfreude sorgt die wie immer bezaubernde Helga Sommerfeld, die wohl eine der besten Interpretinnen aus dem weiten Feld der sogenannten zweiten Garnituren gewesen ist. Ihr attraktives Aussehen ist wie üblich mit der nötigen Hingabe und ambivalenten Finessen gekreuzt, und es ist stets ein Vergnügen, ihr variables Spiel mitzuerleben. Des Weiteren ist die feuerrote Kai Fischer als Gast zu sehen, der ihr knapper Rollenumfang keine Möglichkeiten für den großen Wurf einräumt. Eigenartigerweise ist ihr Name im Vorspann gleich doppelt, inmitten der Crew und separat als Gast, gelistet. Die tödliche Jagd um einen Mikrofilm wirkt am Ende vielleicht etwas zu herkömmlich, als dass man etwas Außergewöhnliches darin wittern könnte, aber dennoch verfügt "Warteliste zur Hölle" über ganz individuelle Stärken, die positiv nachhallen. Hier zu nennen ist sicherlich das überraschende Finale mit einer Entlarvung des Drahtziehers, die optimal gelöst und andernorts viel zu oft mit unnötig frühen Hinweisen verwässert wurde. Insgesamt ist dieser Vertreter des Eurospy-Genres inhaltlich wie inszenatorisch als gelungen zu bezeichnen und kann ohne Probleme gut unterhalten.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Himmelfahrtskommando El Alamein (1968)
PostPosted: 11.10.2019 21:34 
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HIMMELFAHRTSKOMMANDO EL ALAMEIN

● COMMANDOS / HIMMELFAHRTSKOMMANDO EL ALAMEIN / MIT EICHENLAUB UND SCHWERTERN (I|D|1968)
mit Lee Van Cleef, Götz George, Joachim Fuchsberger, Jack Kelly, Pier Paolo Capponi, Heinz Reincke, Otto Stern,
Marino Masè, Helmut Schmid, Giampiero Albertini, Duilio del Prete, Ivano Staccioli, Lorenzo Piani und Marilù Tolo
eine Produktion der PIC | G.G.I. SpA | cCc Filmkunst | im Verleih der Columbia
ein Film von Armando Crispino


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»An der Front hatten wir erheblich mehr Ruhe als hier!«

Nordafrika gegen Ende des Jahres 1942. Deutsche Truppen sind unter Befehl von Generalfeldmarschall Rommel auf dem Vormarsch in Richtung Ägypten. Den US-Amerikanern Sergeant Sullivan (Lee Van Cleef) und Captain Valli (Jack Kelly) gelingt es mit ihren Leuten, das strategisch wichtige Lager in El Alamein in ihre Gewalt zu bringen. Um unerkannt zu bleiben, müssen sie einige Tage lang in italienischen Uniformen auf Verstärkung warten. Das Lager entwickelt sich zum Pulverfass, dessen Lunte bereits gezündet ist, zumal die deutschen Soldaten rund um Oberleutnant Heitzel (Joachim Fuchsberger) bereits eingetroffen sind. Wird sich die wacklige Tarnung aufrecht erhalten lassen..?

Die Karriere des italienischen Regisseurs Armando Crispino erstreckt sich leider nur über einen kurzen Zeitraum von gerade einmal weniger als zehn Jahren, in dem lediglich acht Spielfilme unter seiner Leitung entstanden, von denen heute nur noch wenige in Erinnerung geblieben sind. Crispino war unter anderem auch als Drehbuchautor tätig und diesbezüglich werden ihm häufig Unstimmigkeiten bezüglich der Kohärenz bescheinigt, was ebenso für manche Filme gilt, bei denen er als Regisseur tätig war. Vielleicht tut man dem Italiener Unrecht, wenn vorschnell mangelnde Routine oder Unerfahrenheit unterstellt wird, denn manche seiner Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, da diese bei gerne angewandter, teils offensiver Härte und Brutalität auch Doppelbödigkeit in Genres anbieten, in denen solche Voraussetzungen weniger gefragt waren. Als eines der prominentesten Beispiele ist in diesem Zusammenhang sicherlich der in der Bundesrepublik unter dem Banner Bryan Edgar Wallace vermarktete Giallo "Das Geheimnis des gelben Grabes" zu nennen, der mehr offeriert, als ihm attestiert wird. Dies gilt bestimmt auch für seinen Kriegsfilm "Himmelfahrtskommando El Alamein", der erneut mit deutscher Beteiligung und internationalem Star-Aufgebot entstanden ist. Crispino geht auch in dieser 1968 entstandenen Produktion mit bewährter Handschrift vor, denn er verliert ungern Zeit, was der dramaturgischen Schärfe vielleicht vielerorts ein Dorn im Auge sein will. Im Gegensatz zu einer Originalfassung von 112 Minuten, kam der Film in der Bundesrepublik in einer um 24 Minuten gekürzten Fassung in die Kinos, was im Endeffekt für das Tempo, die Brisanz und fehlenden Atempausen sorgen wird, die die Geschichte nötig hat. Kriegsschauplätze werden von ausgehebelten Gesetzen beherrscht und es scheint, als existierten in der ägyptischen, von Schauplätzen auf Sardinien simulierten Wüste überhaupt keine Werte mehr, die die Zivilisation mühsam aufgebaut hatte.

Zu erkennen sind nur noch feindliche Lager und aus Strategie geschmiedete Allianzen, die bei jeder Gelegenheit dazu gemacht sein könnten, in Stücke zu zerfallen. Das Publikum darf sich unter Armando Crispinos drastischer, aber gleichzeitig hochwertiger Bebilderung auf schwere Gefechte und brutale Phasen gefasst machen, in denen er sich nicht scheut, Schockmomente zu konstruieren, um sie anschließend genüsslich auszureizen. Im Grunde genommen rückt die recht simple Geschichte zugunsten von Spektakel und Massakern schnell in den Hintergrund, und beinahe ist einem so, als bleibe nichts als Kugel- und Bombenhagel, Tod, Gemetzel und Verderben in der Erinnerung zurück. So einfach macht es sich dieser möglicherweise unterschätzte Beitrag allerdings nicht, denn lose Skizzen einzelner Schicksale deuten persönliche Niederlagen an. Interessant bei dieser brisanten Produktion bleibt schließlich, dass die Sinnlosigkeit derartiger Manöver und des Krieges im Allgemeinen unverschlüsselt an den Pranger gestellt werden - natürlich unter strikter Berücksichtigung des Publikumsinteresses, das bei solchen Veranstaltungen wohl nicht primär auf tiefschürfende Dramatik und entwaffnende Dialoge aus sein dürfte. Angesichts der gewählten Marschrichtung ist der Regie ein effektiver Mittelweg zwischen strapaziöser Unterhaltung und ein paar subtilen Elementen gelungen, wobei Letzteres beinahe im Rahmen von Kugelfeuer, Explosionen und Todesschreien untergeht. Der wohl interessanteste Kniff besteht allerdings in der Tatsache, dass sich nach dem bitteren Ende zeigen wird, dass es sich um kein im Vorfeld auf bestimmte Nationen beziehungsweise Personen zugeschnittenes, glorifizierendes Helden-Epos handelt, sondern sich nachhaltig um eine überaus destruktive Balance bemüht, die unterm Strich am meisten beeindruckt oder schockiert. Effektive Schützenhilfe hierbei leistet das internationale Star-Aufgebot, das mit denkwürdigen Leistungen aufrüstet.

Allen voran steht zweifellos Western-Ikone Lee Van Cleef als getrieben und bedenklich unemotional wirkender Sergeant Sullivan, der vor seiner blutigen Vergangenheit gezeichnet ist und flüchtet, diese aber stets zu Überholmanövern ansetzt, da sie ihn physisch und psychisch zu Grunde gerichtet hat. Zur Schau gestellt als Haupt-Aggressor der Geschichte, wirkt es geradezu so, dass er das Fass jederzeit zum überlaufen bringen könnte, was für eine unangenehme Spannung sorgt. Als Antagonist in den eigenen Reihen ist sein US-amerikanischer Kollege Jack Kelly zu sehen, der vergleichsweise zu weich und bedacht wirkt, um neben Sullivan bestehen zu können, obwohl dieser nicht das Privileg des Oberbefehls in der abgesandten Truppe genießt. Für Zündstoff ist also genügend gesorgt und wenn es schon intern zu eskalieren droht, stellt sich die berechtigte Frage wie es letztlich aussehen mag, wenn der tatsächliche Feind direkt vor den Soldaten steht. Diese Hochspannung definiert sich über den Verlauf gesehen als Leitmotiv und ist ausschließlich dazu gemacht, um in den entscheidenden Phasen hochzukochen. Gerne gesehene Darsteller repräsentieren die jeweiligen Truppen verschiedener Herkunftsländer und hier ist vor allem die ausgiebige Ansammlung deutscher Top-Interpreten zu nennen, die der Anforderung nach ein- bis zweidimensional denken und agieren. Es ist erstaunlich, wie frappierend echt die Darstellungen von Götz George oder Helmut Schmid in Sachen Ideologie oder Aggressivität wirken, wenngleich auch hier deutliche Gegenentwürfe von Joachim Fuchsberger oder Heinz Reincke angeboten werden, die sich im Endeffekt gegen die Eintönigkeit stellen. Gleiches kann durchaus von ihren italienischen Kollegen gesagt werden, die ebenfalls angemessene Zeichnungen durch Interpreten wie Pier Paolo Capponi oder Marino Masè erfahren. So wurde im schauspielerischen Bereich nichts dem Zufall überlassen, der am Kriegsschauplatz naturgemäß von Männern geformt wird.

In diesem Sinn ist zwischen all der nach Tod riechenden Luft und dem mit Blut getränkten Sand nur eine einzige Frauenrolle zu finden, die ausschließlich zur Verlustierung der Soldaten dient. Die italienische Interpretin Marilù Tolo als Adriana bringt es lediglich auf ein paar unscheinbare und wenig geschmackvoll arrangierte Szenen, in denen ausschließlich ihr Dasein als Objekt dokumentiert wird, doch unter Crispino wird es auch diesbezüglich keine Kehrtwende oder gar ein versöhnliches Ende geben, da so viele harte Schocks wie nur möglich gesetzt werden sollen. Die Simulation der Kriegsschauplätze ist gelungen und aufwändig inszeniert, genau wie die Simulation dieses vollkommen trostlosen und gottverlassen wirkenden Fleckchens Erde. Zahlreiche pyrotechnische Akzente und durchschlagende Bilder der Qual wollen das Verderben hautnah schildern und in diesem Zusammenhang ist nicht zu leugnen, dass die Regie eine nicht nur beunruhigende, sondern phasenweise sehr erschreckende Atmosphäre erschaffen konnte, das ihre eigentliche Intention nicht schuldig bleibt. "Himmelfahrtskommando El Alamein" möchte anscheinend genau der deprimierende Film über die schlimmste, künstlich am Leben gehaltene und niemals enden wollende Geißel der Menschheit sein, die er ist. Ohne Lichtblicke und Hoffnung fortfahrend, ist daher so gut wie vorbestimmt, dass sich der Verlauf nach und nach selbst exekutiert und sich kaum an Sympathieträgern - geschweige denn Überlebenden - interessiert zeigt. Unterm Strich bleibt vielleicht nur einer von zahllosen Kriegsfilmen, die möglicherweise mehr unterhalten als aufklären möchten, der aber vergleichsweise auch ebenso wie sein Regisseur unterschätzt wird. "Himmelfahrtskommando El Alamein" lässt sich bei Interesse an der Thematik sehr gut anschauen, außerdem kommen Anhänger der insbesondere deutschen Darsteller in den Genuss ungewöhnlicher Interpretationen, die nicht alle Tage abgerufen werden mussten. Ein Film, der trotz seiner reißerischen Seele das Potential besitzt, nachdenklich zu stimmen.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Schmutziger Engel (1958)
PostPosted: 17.10.2019 18:19 
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● SCHMUTZIGER ENGEL (D|1958)
mit Peter van Eyck, Corny Collins, Doris Kirchner, Adelheid Seeck, Hans Nielsen, Werner Peters, Sabine Sinjen,
Edith Hancke, Robert Meyn, Ludwig Linkmann, Franz Schafheitlin, Helmut Peine, Ralf Wolter sowie Jörg Holmer
ein Ultra Film | im Europa Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer


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»Sie ist ein merkwürdiges Mädchen!«

Bei seinen Schülern ist Studienrat Dr. Torsten Agast (Peter van Eyck) wegen seines toleranten Stils sehr beliebt, eckt im Lehrerkollegium allerdings häufiger an. Noch ahnt der alleinerziehende Vater noch nicht, welche Schwierigkeiten ihm bevorstehen. Seine Schülerin Beate (Corny Collins) stammt aus gut situierten Verhältnissen und ist es gewöhnt, zu bekommen was sie will. Diese Gleichung galt bislang auch für das männliche Geschlecht, bis sie sich in den Kopf gesetzt hatte, sich Dr. Agast an den Hals zu werfen. Doch alle Bemühungen ihrerseits schlagen fehl, sodass die in ihrer Eitelkeit verletzte Schülerin zu drastischen Mitteln greift. In der Wohnung ihres Lehrers arrangiert sie eine äußerst kompromittierende Situation, die ihr dazu verhilft, behaupten zu können, Dr. Agast habe sich an ihr vergangen. Wird der aufs Kreuz gelegte Lehrer unbeschadet aus dieser Situation herauskommen..?

"Schmutziger Engel" entstand in einer Phase, in der sich Jugendproblemfilme gerade einer großen Beliebtheit beim Kinopublikum erfreuten, und es handelt sich um den ersten Spielfilm von Regisseur Alfred Vohrer, der sich zuvor als Synchron-Regisseur einen Namen machen konnte. Auf Basis eines in der Boulevardpresse erschienenen Romans wird eine zeitgenössisch wirksame Geschichte erzählt, die sich thematisch eng an einschlägig bekannte Filme dieses Strickmusters hält, jedoch hier und da für gewisse Farbtupfer sorgen kann, wenngleich sich auch Rückschritte finden lassen. In diesem Zusammenhang ist die allgemeine Marschrichtung zu erwähnen, die gerade heute zu brav und glatt wirkt, zur damaligen Zeit jedoch skandalös gewirkt haben dürfte. Vohrer traut sich angesichts der bereits bestehenden Konkurrenz allerdings keinen entscheidenden Schritt weiter und bleibt in sicherem Fahrwasser, was sicherlich der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um sein Debüt handelte. Neben der Story ist die Besetzung überaus erfolgversprechend, die mit vielen Prominenten Namen aufwarten kann, gleichzeitig unverbrauchte Gesichter anbietet. Die sorgsam aufgebaute Geschichte macht kein Geheimnis daraus, dass sie auf einen Eklat zusteuern möchte, doch es entsteht zu keinem Zeitpunkt der Eindruck, dass es sich irgendwann zum Schlechten wenden könnte, wofür nicht zuletzt viele Charaktere zuständig sind, die zu offensichtlich in Schablonen zugeschnitten wurden. Trotz neuer Regie lässt sich eine Art Routine aus dieser Produktion herausfiltern, die dem Verlauf in gleichem Maß voranbringt und hemmt. Vielleicht kann man es aufgrund zahlreicher filmisch aufgearbeiteter Vergleiche Vorhersehbarkeit nennen, aber es tut den überwiegend positiven Endrücken keinen Abbruch, immerhin hat man es mit Alfred Vohrer zu tun, welcher sich schon hier durch etliche gute Einfälle in den Fokus bringen kann.

Des Weiteren ist ein gutes Händchen im Rahmen der Schauspieler-Führung zu erkennen, insbesondere beim Nachwuchs. Getragen wird der Verlauf allerdings von Peter van Eyck und Corny Collins; zwei sehr verdiente Interpreten des deutschen Films. Zunächst angelegt als unliebsames Katz-und-Maus-Spiel, stellt sich ab einem gewissen Zeitpunkt die Frage, ob sich die vermeintliche Katze nicht mit der Maus verwechselt hat. Peter van Eyck als Studienrat Agast glänzt mit Besonnenheit und einer offensichtlich liberalen Linie im Schuldienst, was ihm naturgemäß Neider einbringt, aber genauso viele Unterstützer, die vornehmlich auf weiblicher Seite zu finden sind. Wenn Freundlichkeit und Höflichkeit mit etwas Anderem verwechselt wird, ist eine giftige Corny Collins zur Stelle, die sich mit allen im Produktionskorridor vertretbaren und ihren verfügbaren Reizen in den Vordergrund spielt. Beate ist relativ leicht charakterisiert: sie ist verwöhnt und es darüber hinaus gewöhnt, alles zu bekommen, was sich sich in impulsiver Art und Weise in den Kopf gesetzt hat. Ihre Mitschüler bewundern und fürchten sie gleichermaßen, da sich jeder in ihrem Glanz sonnen möchte und sie niemand zur Feindin haben will, schließlich kann die junge Dame zu drastischen Mitteln greifen. Im Großen und Ganzen sammelt sie kaum Sympathiepunkte beim Publikum, da ihr Verhalten rücksichtslose beziehungsweise fast destruktive Tendenzen annehmen kann, und man es phasenweise wenig geschmackvoll finden möchte, wie sie sich anbietet. Ihr selbst konstruiertes Schachspiel stagniert allerdings, falls ihr Gegenüber nicht bereit ist mitzuspielen. Im Fall von Dr. Agast ist dies definitiv der Fall, sodass Beate eine kleine Front ihrer Bauern losschickt, die zusätzlichen Schaden anrichten sollen. Im Zusammenspiel tun sich im Endeffekt dennoch weniger Abgründe auf als erwartet.

Unterstützende und mehr oder weniger emanzipiert wirkende Leistungen bekommt man von Doris Kirchner und Adelheid Seeck geboten, die sich als Frauen zwar stark charakterlich unterscheiden, jedoch die selbe Beute in Form von Studienrat Agast anvisiert haben, wenngleich man sich hier auf kein unerbittliches Tauziehen gefasst machen sollte. Ein paar spitze Bemerkungen hier und einige provokante Gebärden da erschüttern den Schulalltag und das Zusammenleben kaum. Eher sind es Herrschaften wie ein gut aufgelegter Werner Peters oder Hans Nielsen, die für Unruhe und cholerische Anwandlungen sorgen werden. Interessant ist, dass die Geschichte neben Corny Collins mit Doris Kirchner eine weitere unkonventionell agierende weibliche Person bereit hält, die zusätzlich für nötige Kontraste im Rahmen von Not und Tugend sorgt, das damalige Geschlechterbild hierbei aber keineswegs herausfordern oder gar aufweichen kann, sondern dieses lediglich ein wenig zu kitzeln weiß. Die gut ausstaffierte Geschichte nimmt im weiteren Verlauf immer deutlichere Konturen und Wertungen an, die empfindliche Konsequenzen und ein überraschendes Ende forcieren. Bei diesem Stichwort ist zweifellos das inszenatorisch starke Finale zu erwähnen, welches sicherlich mit am meisten in Erinnerung bleiben dürfte. Unterm Strich ist Alfred Vohrer mit "Schmutziger Engel" ein in vielerlei Hinsicht ebenbürtiger Vertreter innerhalb der Gesetze ähnlich gelagerter Produktionen gelungen, der aufgrund vieler zu vorsichtig skizzierter Phasen etwas zu oberflächlich stehen bleibt, aber sein Unterhaltungsziel ohne Mühe erreichen kann. Wenn der Vorhang gefallen ist, bleiben am Ende wesentlich mehr positive Eindrücke als schwache Momente zurück, außerdem wird der interessierte Zuschauer mit einer patenten Entourage verwöhnt, denen es spielend möglich ist, viel aus diesem brisanten Thema herauszuholen.


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 Post subject: Spione am Werk (1957)
PostPosted: 18.10.2019 11:08 
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SPIONE AM WERK

● LES ESPIONS / LE SPIE / SPIONE AM WERK (F|I|1957)
mit Gérard Séty, Curd Jürgens, Peter Ustinov, O.E. Hasse, Sam Jaffe, Paul Carpenter, Martita Hunt, Gabrielle Dorziat,
Louis Seigner, Pierre Larquey, Sacha Pitoëff, Georgette Anys, Jean Brochard, Jean-Jacques Lécot und Véra Clouzot
eine Produktion der Vera Films | Filmsonor | Pretoria Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Henri-Georges Clouzot


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»Jetzt haben wir die Klapsmühle endlich gefunden!«

Doktor Malic (Gérard Séty) ist mit seiner psychiatrischen Klinik in finanzielle Schieflage geraten, da sie aktuell nur zwei Patienten beherbergt. Weil er kurz vor dem Ruin steht und keinen Ausweg mehr sieht, lässt er sich auf ein zweifelhaftes Angebot ein, das ihm plötzlich von einem Fremden gemacht wird. Colonel Howard (Paul Carpenter) bietet ihm im Ganzen fünf Millionen Francs und eine Million davon sofort an, wenn er einem gewissen Hugo Vogel Unterschlupf gewährt. Dr. Malic lässt sich notgedrungen auf die Angelegenheit ein, doch schon am nächsten Tag ist nichts wie vorher. Über Nacht sind alle seine Mitarbeiter verschwunden und durch vollkommen fremde Personen ersetzt worden, die ab sofort das Regiment in der Klinik übernehmen. Außerdem taucht der ihm avisierte Fremde auf. Nach und nach wird dem Psychiater klar, dass er ein Rudel Spione in sein Haus aufgenommen hat, und der Kampf östlicher und westlicher Geheimdienste nimmt bedrohliche Formen an...

In einer Zeit vor der großen Invasion internationaler Agenten-Thriller, nahm sich der französische Star-Regisseur Henri-Georges Clouzot einer Thematik an, die in seinem Film "Spione am Werk" nicht nur fernab der heute üblichen Definition arrangiert wurde und sich deswegen in vielerlei Hinsicht entscheidend von später abgefilmten Thrillern unterscheidet, sondern in gewisser Hinsicht auch von vielen seiner üblichen Werke. Es ist anzunehmen, dass Clouzot, in dessen Filmografie sich gerade einmal 15 Spielfilme finden lassen, sich stets für das Extravagante, Außergewöhnliche, Verwirrende und Unkonventionelle interessiert hat; sowohl thematisch als auch inszenatorisch gesehen. Schon alleine auf dieser Basis entstanden bemerkenswerte Filme unter seiner Leitung, die sich vornehmlich mit der Psyche und seelischen Abgründen beschäftigten. Vergleicht man "Spione am Werk" beispielsweise mit einem frühen oder etwa zeitgleich entstandenen Hitchcock, so will es scheinbar an inhaltlichem Scharfsinn mangeln, doch unterm Strich sieht es nur so aus, da der Franzose sein Hauptaugenmerk oftmals zentraler auf die beteiligten Charaktere legte, die für das nötige Raffinement sorgen. Im Endeffekt verleitet ein Ausnahme-Regisseur wie Henri-Georges Clouzot zu Vergleichen, die aber schlussendlich ungerechtfertigt sind, denn immerhin hat man es bei ihm mit einer eigenständigen Marke zu tun. Sein Film im Spionage-Milieu präsentiert sich gespenstisch ruhig und ohne Action, wird wegen seines gedrosselten Tempos aber zu keinem geringeren Sehvergnügen. Sein großer Pluspunkt ist die Ansiedlung in einer weitgehend real wirkenden Umgebung, die erst durch das auftauchen der verschiedenen Personen der Geheimdienste abenteuerlich verfälscht wird. Dennoch entsteht nicht wie erwartet der Eindruck einer Märchenerzählung, da die Charaktere sich kaum zu Kapriolen verleiten lassen, die künstlich oder zu dick aufgetragen wirken, was vor allem in einer im Film gezeigten psychiatrischen Klinik beinahe Seltenheitswert besitzt.

Der im Endeffekt vielschichtige und weitsichtige Film wirkt aufgrund seiner wuchtigen Länge von zwei Stunden in vielen Sequenzen vielleicht zu ausladend und schwer, da im Gegenzug zu wenige Ausgleichsmöglichkeiten in Form von Spannung und Nervenkitzel aufkommen wollen. Dennoch übt der Verlauf einen geradezu anziehenden Reiz im Rahmen seiner Detailverliebtheit aus, da Clouzot seine Informationen unter Verschluss hält und diese nur häppchenweise präsentiert. Aufgrund der plötzlich in der Klinik aufgetauchten Personen kommt es dennoch zu einem sich immer mehr zusammenbrauenden Suspense, der oft nicht im klassischen Sinn wahrzunehmen ist, immerhin betreten Charaktere die Bühne, die jeweils Masken tragen und von denen man nichts weiß. Sind sie möglicherweise zu allem bereit oder gar brutal veranlagt; auf welcher Seite spielen sie überhaupt und was versuchen sie mit ihren kaltschnäuzig zur Schau getragenen Verschleierungstaktiken zu erreichen? Aufkommende Fragen ordnen sich hier nur langsam, manchmal sogar zäh, doch glücklicherweise ist Dr. Malic, die eigentliche Hauptperson der Geschichte, nachhaltig daran beteiligt, nach Lösungen zu suchen. Zwar gerät er dabei selbst in größte Gefahr, doch es erscheint ihm wichtiger zu sein, die geheimniskrämerischen Parasiten wieder abschütteln zu können. Gérard Séty wurde zugunsten großer Namen der Produktion in den Credits durchgereicht, spielt jedoch die tatsächliche Hauptrolle, da er in so gut wie jeder Einstellung zu sehen ist. Als Psychiater der zugrunde gehenden Klinik stellt sich der Franzose durch sein im Wechsel lethargisch und leicht überfordert erscheinendes Wesen und leidenschaftliches Schauspiel gleich selbst die besten Zeugnisse aus. Mit Leichtigkeit verwirft er die Frage, ob man unter gleichen Umständen nicht ebenso nach schnellem Geld gegriffen hätte, ohne die Situation abzuwägen beziehungsweise zu hinterfragen.

An seiner Seite ist die buchstäblich vereinnahmende Véra Clouzot - hier als offensichtliches Klinik-Inventar - leider schon in ihrem letzten Film zu sehen, die mit der Hauptgrund dafür ist, dass sich Doktor Malic überhaupt auf dieses gefährliche und vor allem zunehmend unfreiwillige Abenteuer eingelassen hat. Ihm als Pragmatiker sind undurchsichtige Spielchen absolut fremd, denn nur so konnte sich die Angelegenheit überhaupt forcieren. Konfrontiert mit Leuten, die er aufgrund ihrer merkwürdigen Verhaltensweisen vielleicht lieber direkt medizinisch betreuen und sie gleich in seiner Klinik behalten würde, wünscht er die für ihn alles andere als greifbar erscheinende Bagage wieder so schnell wie möglich aus seinem Haus. Unter Clouzot kommt es nicht zu irgend einer Art von Situationskomik, auch wenn Charaktere komisch wirken, sondern die Gefahr trägt lediglich die passenden Gesichter. Hier zu nennen sind Curd Jürgens, Sam Jaffe oder Paul Carpenter, aber insbesondere Peter Ustinov und Martita Hunt, die beide für sehr bedrohliche Momente sorgen werden. Ustinov versucht dies unverschlüsselt, aber mit feiner Ironie und Augenhöhe, wo hingegen Hunt überhaupt keine Geduld zeigt, um mit harten Worten aufzufallen. Die Konstellationen ordnen sich unter der sorgsamen Regie irgendwann alle von selbst und die Geschichte wartet mit einem Kernthema auf, das alles andere als unwichtig abqualifiziert und die gesamte unbarmherzige Scharade am Ende rechtfertigt. Mithilfe von raffinierter Suggestion werden die Gedanken des Zuschauers nachhaltig beflügelt. Dennoch kommt "Spione am Werk" zu einem Fazit, das einen überaus realen Transfer herstellen kann und will, sodass sich sagen lässt, dass Clouzot auch hier einen Beitrag fabrizieren konnte, der auf seine Art und Weise sehr doppelbödig ausgefallen ist. Forciert durch ausgezeichnete charakterliche Ausarbeitungen bleibt am überraschenden Ende nur das große überaus sehenswerte Schweigen.


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 Post subject: Die Abrechnung (1975)
PostPosted: 21.10.2019 11:12 
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● FOLGE 56: TATORT - DIE ABRECHNUNG (D|1975)
mit Hansjörg Felmy, Karin Eickelbaum, Willy Semmelrogge und Gustl Bayrhammer
als Gäste: Maria Schell, Romuald Pekny, Rolf Becker, Irina Wanka, Ursula Grabley, Karl Renar, Andrea L’Arronge, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des WDR
Regie: Wolfgang Becker


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Der wohlhabende Unternehmer Professor Stürznickel wird in seiner Villa erschlagen. Anschließend wird der Täter von seiner Schwiegertochter Evelyn (Maria Schell) auf frischer Tat ertappt und erschossen. Der Fall scheint somit klar auf der Hand zu liegen, doch Oberkommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) steht der Dame in Schwarz mit großem Misstrauen gegenüber, da ihr Verhalten überaus eigenartig erscheint. Ihr Anwalt, der bekannte Strafverteidiger Dr. Alexander (Romuald Pekny), war mit dem ermordeten Industriellen befreundet und verteidigt seine Schwiegertochter nur, weil sie ihm glaubhaft versichern konnte, nicht für den Mord verantwortlich zu sein, wie vehement von Haferkamp behauptet. In einem spektakulären Prozess werden Kommissar Haferkamps Theorien von Dr. Alexander zerpflückt und seine Mandantin wird freigesprochen. Allerdings ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen, denn der Fall nimmt eine spektakuläre Wendung...

In der 52. Folge der laufenden "Tatort"-Reihe stellt der Essener Oberkommissar Haferkamp bereits zum fünften Mal Ermittlungen an. Hierbei handelt es sich um einen Fall, der von Anfang an auf der Hand zu liegen scheint: ein Einbrecher erschlägt den reichen Hausherrn, seine Schwiegertochter überrascht den Eindringling und streckt ihn im Affekt nieder. Doch ist wirklich alles so simpel, wenn die Karten so offensichtlich auf dem Tisch liegen? Erfahrungsgemäß und aller Wahrscheinlichkeit nach wohl nicht, denn immerhin befindet sich der Zuschauer in einer Folge von Krimi-Spezialist Wolfgang Becker, der darüber hinaus für seine nicht selten beeindruckenden Twists bekannt ist. Der Berliner Regisseur inszeniert von Anfang an sehr geradlinig und bietet eine gespenstische Ruhe am Ort des Verbrechens an, was einen alten Hasen wie Haferkamp naturgemäß irritieren wird. Die Konstruktion der Geschichte ist von Beginn an eng mit Gast-Star Maria Schell verwebt worden, was noch für viele widersprüchlich Eindrücke sorgen wird, da Schell immerhin jede Maske tragen und jede Rolle mit Leichtigkeit interpretieren konnte. Es ist daher eine große Freude, dass die Wahl-Schweizerin mit Weltstar-Status recht häufig in derartigen Krimi-Formaten zu sehen war, da die Kriminalfälle ihrerseits mit einer ganz seltenen Aura ausstaffiert werden. Dem Empfinden nach kann der Kurs somit in alle Richtungen führen, was hier allerdings strikt zugunsten schneller Schuldzuweisungen vermieden wird. Schell sorgt für Kontraste nach Art des Hauses, außerdem für Geheimnisse, Misstrauen oder pauschale Widerstände. In der Zwischenzeit verstummt sie als Haupt-Akteurin in einer undurchsichtigen Geschichte, die zunächst betont durchsichtig zu sein scheint, bis es zu ersten Paukenschlägen kommt, die die Kombinationsgabe und den Sachverstand von Kommissar Haferkamp erschüttern und die Intuition des Publikums gleich mit.

Es ist stets hoch interessant, wenn man das Gefühl nicht abwenden kann, dass bei einem bestimmten Fall irgend etwas nicht zu stimmen scheint. Es ist einem, als könne es man mit Namen nennen, doch man findet den Schlüssel nicht. Episode 52 ist genau auf diesem Prinzip aufgebaut und falls man sich den Titel dieser Folge ins Gedächtnis ruft, ist zu erahnen, dass möglicherweise Altlasten der Vergangenheit zu bewältigen sind, die im Nebel der Verschleierung nur noch nicht zu erkennen sind. Langsam ergeben sich Konturen, doch es scheint stets irgend einen Denkfehler oder Haken zu geben, der Haferkamp ins Stocken geraten lässt. In diesem Zusammenhang ist Hansjörg Felmys bereits routiniert wirkende Interpretation des Essener Polizeimanns zu erwähnen, die paradoxerweise erfrischend wirkt, weil sie monoton und unaufgeregt ist. Da Haferkamp vor Gericht empfindlich von Dr. Alexander vorgeführt wurde, er sich jedoch absolut sicher ist, dass seine Theorie der Wahrheit entspricht, kommt es zum Herausfordern seiner Eitelkeit als (Polizei)Mann. Bei seinen Kontrahenten handelt es sich um klassische Emporkömmlinge der besseren Gesellschaft. Bei dieser Gelegenheit wird abermals klar, dass selbst das Verbrechen keine Klassenunterschiede kennt und es wimmelt manchmal nur so von Arroganz, Hochmut und Doppelzüngigkeit. Hier fällt insbesondere ein brillant agierender Romualt Pekny auf, der die Antipathie des Publikums mit seiner aalglatten und überheblichen Art geradezu einfordert, seine Integrität aber nicht infrage stellt. Naturgemäß hat Maria Schell als seine Mandantin an der Seite des Star-Anwalts zu verstummen, aber es kommt trotz verschiedener Zweifel und diversen Vorbehalten zu einer nahezu entrückten Performance. Hier zeigen sich die natürlichen Stärken einer Maria Schell, die stets das Potential besitzt, den Zuschauer mitzunehmen, denn selbst, wenn sie wie zu Beginn auf frischer Tat ertappt wird, möchte man einfach an ihre Unschuld glauben.

Vor Gericht herrscht ihrerseits das große Schweigen, da sie immerhin in der Lage ist, das üppige Salär für ihr Sprachrohr aufzubringen, und es wirkt im Fall Evelyn Stürznickel alias Maria Schell sehr beeindruckend, sie in emotional gedrosseltem Modus begleiten zu können, obwohl es eigentlich nur so aus ihr heraussprudeln müsste. Bei diesen Gelegenheiten beschäftigt sich die Kamera interessiert mit dem hier oft versteckten Gesicht und der versteinerten Miene von der in Trauer gehüllten Frau, von der man absolut sicher ist, dass sie der Schlüssel für des Rätsels Lösung sein muss. Doch auch hier gelingt es Wolfgang Becker immer wieder sehr nachhaltig, begründete Zweifel zu schüren, indem er auf die restlichen Personen dieser Scharade verweist. Hier sind neben den bereits erwähnten Personen Rolf Becker und Irina Wanka zu nennen, die den Zuschauer entweder mit halsbrecherischer Offensive oder unverständlicher Destruktivität reizen. Erwähnenswert ist des Weiteren noch der Kurzauftritt von Gustl Bayrhammer als Kommissar Veigl, der erneut wie ein Querverweis auf alternative Herangehensweisen im "Tatort"-Orbit wirkt. Am Ende wird sich eindrucksvoll herausstellen, dass die Regie den Wortlaut des Episoden-Namens geistreich multiplizieren konnte, und der Fall überzeugt aufgrund seines sorgsamen und vollkommen logischen Aufbaus. "Die Abrechnung" bietet zudem den Vorteil von packenden Szenen am Gericht, die den Fall sogar vorzeitig abschließen, ohne einen adäquaten Täter anzubieten. Hansjörg Felmy als ermittelnder Kommissar lässt sich mehr beziehungsweise offensichtlicher als sonst aus der Reserve locken, was zusätzlich von seiner ständigen Wegbegleiterin und Ex-Frau Karin Eickelbaum befeuert wird, die wie immer für ausgleichende und reflektierende Momente sorgen kann. Wolfgang Becker inszenierte mit dieser Episode der beliebten Serie einen Beitrag, der vielleicht nicht als Klassiker aber bestimmt als Volltreffer zu bezeichnen ist.


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