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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Spuk im Museum (1969)
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 01 | WHAT A NIGHT FOR A KNIGHT | SPUK IM MUSEUM (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Durch Zufall finden Scooby Doo und seine Freunde einen abgestellten Lieferwagen, auf dem die Rüstung des sagenumwobenen "Schwarzen Ritters" lagert. Als sie das mysteriöse Fundstück dem adressierten Museum zurückgeben, erfahren sie vor Ort von der Sage dieses ungemütlichen Zeitgenossen, der angeblich bei Vollmond zum Leben erweckt werden soll. Die fünf Hobbydetektive schenken dieser Geschichte allerdings keine weitere Beachtung und tun sie als Märchen ab, bis sie in einer Vollmondnacht selbst eines Besseren belehrt werden. Plötzlich treibt der Ritter in den Museumsräumen sein Unwesen und stellt sich als waschechte Bedrohung heraus. Scooby, Fred, Daphne, Velma und Shaggy wollen der Sache auf den Grund gehen und machen überraschende Entdeckungen...

Der Vollmond wacht über die scheinbar ruhig verlaufende Nacht und erleuchtet eine menschenleere Landstraße, bis plötzlich die "Mystery Machine" auftaucht - der kleine, farbenfrohe Bus, der die Jung-Detektive zuverlässig von Fall zu Fall bringt. Zuvor spielten sich rätselhafte Geschehnisse auf einem Lieferwagen ab, da eine Ritterrüstung offensichtlich ein Eigenleben entwickeln konnte. Die Serie "Scooby-Doo" kann auf den Luxus zurückblicken, sehr gruselig wirkende Monster oder Furcht furchteinflößende Schurken zur Verfügung gehabt zu haben, die ihren Dienst auch noch 50 Jahre nach der Entstehung erfüllen, und das in sehr eindringlicher Manier. In dieser ersten Episode treibt der "Schwarze Ritter" sein Unwesen und kann die fünf Freunde zwar gehörig in Angst und Schrecken versetzen, aber im Endeffekt nicht für falsche Fährten und Schlüsse sorgen, denn immerhin funktioniert die Allianz aus Auffassungsgabe, Tolpatschigkeit, Turbulenzen und findigen Schnüffelnasen sehr gut. Um die vornehmlich kleinen Zuschauer nicht zu sehr zu beunruhigen, ist die Episode mit sehr viel Humor versehen worden, wofür hauptsächlich die Titelfigur zuständig ist, aber auch sein Freund Shaggy. Die Mischung aus Mystery, Krimi und Humor macht einen sehr ausgewogenen Eindruck und tröstet ein wenig über die Tatsache hinweg, dass es in "Spuk im Museum" leider zu wenige Verdächtige gibt. Hinsichtlich der Intention des Formats ist allerdings alles genau richtig gemacht worden, denn Folge 1 hat das Potential, zukünftige Zuschauer anzusprechen und zu rekrutieren, um in der Folgezeit waschechte Fans entstehen zu lassen, was erfahrungsgemäß nicht ausbleiben dürfte.

Die Vorstellung der sympathischen Protagonisten geschieht ebenso schnell wie selbstverständlich, sodass sich die persönlichen Lieblinge direkt ausfindig machen lassen. Ob Freddie, Daphne, Velma, Shaggy oder Scooby-Doo - alle dieser schillernden Charaktere punkten durch deutliche Unterschiede bezüglich des jeweiligen Naturells oder der Art zu agieren, was die Erfolgsgarantie jeder Episode darstellt. Ein Museum erscheint beim ersten Gedanken nicht wie der gruseligste Ort, den man sich vorstellen kann, doch unter vollmondigen Umständen ändert sich dieser Eindruck rapide. Die nötigen Informationen über den Fall werden somit schnell und einfach präsentiert, um direkt zum Eingemachten übergehen zu können. Der Mond scheint hell, leuchtende Augen beobachten die fünf Schnüffler akribisch aus dem Verborgenen und die offensichtlich aufgebrachte Rüstung erwacht. Das Sammeln von Indizien wechselt sich mit Verfolgungen ab, bis die Lösung des Rätsels kurz bevorsteht. Als der Schurke enttarnt ist und dessen düstere Machenschaften ans Tageslicht manövriert worden sind, scheint alles Gezeigte schließlich irgendwie doch von dieser Welt zu sein, dies jedoch in wunderbar leicht-lockeren Comic-Style. Da am Ende noch eine offene Frage über allen Köpfen schwebt, kommt es sogar noch zu einer netten Überraschung, sodass sich das Publikum nach allen Eindrücken zufrieden zurücklehnen kann, um sich zu überlegen, die nächste Folge so schnell wie möglich ansehen zu wollen. "Spuk im Museum" macht mithilfe zahlreicher Raffinessen des Zeichentrickfilms eine sehr gute Figur und steigert die Vorfreude auf den nächsten Fall, in dem es erwartungs- und erfahrungsgemäß wie hier präsentiert weitergehen wird.


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 Post subject: Der Mörder mit dem Seidenschal (1966)
PostPosted: 25.06.2019 11:00 
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● DER MÖRDER MIT DEM SEIDENSCHAL / FESSEL DER ANGST (D|I|1966)
mit Susanne Uhlen, Carl Möhner, Folco Lulli, Helga Liné, Sonja Romanoff, Ady Berber, Greta Zimmer,
Erwin Strahl, Vera Complojer, Astrid Boner, Elisabeth Stiepl sowie Adrian Hoven und Harald Juhnke
eine Produktion der Aquila Film | Sagittario Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Adrian Hoven


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»Mit Mord will kein Mensch was zu tun haben!«

Die Barsängerin Prisca Sampton (Helga Liné) wird tot in ihrer Wiener Wohnung aufgefunden. Wenig später berichtet die Presse von dem Fall und der Tatsache, dass es eine Zeugin für den Mord gegeben haben soll. Samptons Tochter Claudia (Susanne Uhlen) hat den Mord durch den Briefchlitz der Tür beobachten können, was den Mörder in eine nervöse Lage bringt. Um das Mädchen zu schützen, soll sie von der Polizei in einer Pflegefamilie untergebracht werden, doch der Mörder lauert Claudia auf, die nur knapp einem Unglück entkommen kann. Fortan entwickelt sich ein Wettlauf auf Leben und Tod, dem die Polizei stets nachzuhinken scheint. Polizeirat Moll (Folco Lulli) und Oberinspektor Fischer (Harald Juhnke) versuchen die Zeugin aus dem Visier des Mörders zu bringen, bis es zu einem Showdown kommt...

Der erfolgreiche Schauspieler Adrian Hoven legte mit seinem Spielfilmdebüt "Der Mörder mit dem Seidenschal" den Grundstein für eine Reihe von Filmen, in denen er selbst als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung treten sollte. Diese Produktionen entstanden hauptsächlich in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten italienischen Playboy und Siemens-Erben Pier A. Caminneci, mit dem er 1965 die eigene Produktionsfirma Aquila Film Enterprises gründete. Dieser psychologisch angehauchte Thriller basiert auf dem Kriminalroman "Der Mörder und das Kind" von Thea Tauentzien und konnte keine nennenswerten Erfolge an den Kinokassen verbuchen, obwohl sich die eingeschlagene Marschrichtung von vielen ähnlich gelagerten Kriminalfilmen dieser Zeit unterscheidet. Die Übersättigung des Marktes ließ allerdings keine großen Überraschungs-Coups mehr zu, sodass "Der Mörder mit dem Seidenschal" heute vielleicht eher als angenehme Alternative in Erinnerung geblieben ist. Zunächst bleibt zu erwähnen, dass sich der Film mit einer sehr brisanten Thematik beschäftigt, die allerdings im Rahmen der Ausarbeitung etwas zu herkömmlich abgehandelt wirkt; immerhin geht es um den potentiellen Mord an einer erst zehnjährigen Zeugin. Die diesbezügliche Hetzjagd offeriert dennoch sehr rasante und spannende Züge, obwohl von Anfang an klar ist, bei wem es sich um den Mörder der Mutter des Kindes handelt. Bereits hier lässt sich ein natürliches Gespür des Regisseurs erkennen, die Publikumswirksamkeit zu bedienen, was sich in den folgenden Jahren noch mehr herauskristallisieren sollte. Adrian Hoven inszeniert nicht uninteressant und hält sich dabei an die bestehenden Gesetze des Kriminalfilms, jedoch nicht ohne sich an begrüßenswerten Variationen zu orientieren. Die Struktur der Geschichte zielt somit weniger auf Überraschungsmomente ab, als auf handelsübliche Thriller-Elemente, die hier sehr prominent in Erscheinung treten.

Ein Mädchen beobachtet den Mord an seiner Mutter durch den Briefkastenschlitz und landet zusehends in einem Alptraum, da der Täter es plötzlich auch auf sie abgesehen hat, da sie ihn identifizieren kann. Es Folgt eine breit angelegte Flucht und die dazu gehörende Jagd, die den kompletten Film beherrschen wird. Wenn man auf das Spielfilmdebüt zu sprechen kommt, muss hier nicht nur der österreichische Regisseur genannt werden, sondern auch die damals erst zehnjährige Susanne Uhlen, die in ihrem ersten Film gleich mit der Hauptrolle betraut wurde, wenngleich sie zugunsten der arrivierten Stars etwas weit in den Credits nach hinten gereicht wurde. Die Tochter der bekannten Schauspielerin Gisela Uhlen, die in derartig gestrickten Kriminalfilmen immer ein gerne gebuchter Gast war, überzeugt im Rahmen der Emotionspalette in dieser letztlich gar nicht so simplen Anforderung. Gerade die Projektionsfläche Kind sorgt naturgemäß für Hochspannung und bestürzende Momente, die Adrian Hoven allerdings nicht exzessiv auszukosten versucht. Schockmomente werden somit eher auf hypothetischer Basis zu finden sein, da Verfolgung und Vorsatz nicht bis zum Äußersten getrieben werden. Susanne Uhlen überrascht naturgemäß mit einer unverbrauchten und beinahe unvoreingenommenen Leistung und animiert den Zuschauer zum Mitfiebern und Hoffen, dass doch alles gut ausgehen möge. Carl Möhner arbeitet hingegen mit Nachdruck daran, diese Eindrücke zunichte zu machen und es geht eine besondere Aggressivität von ihm aus, bei der es stets zur Debatte stehen will, ob nicht auch eine neue Ebene der Brutalität hinzukommen wird. Die Gegner oder Retter in der Not arbeiten mit Hochdruck daran, das Mädchen vor den Klauen des Mörders zu bewahren, allerdings kommen ihnen die unübersichtlichen Weiten der Stadt erschwerend in die Quere, sodass sich die Hetzjagd über den kompletten Verlauf spannend aufrecht erhalten kann.

Die passenden Gesichter auf Seiten der Polizei liefern Folco Lulli, der mit väterlich wirkenden und besonnenen Ansätzen punkten kann, das Schwergewicht Ady Berber, der die Premiere des Films leider nicht mehr miterleben sollte, und Harald Juhnke, der die Szenerie mit seinen ganz grundeigenen Mitteln aufzulockern zu versucht. Es ist interessant, dass die Regie weitgehend auf Elemente des obligatorischen Humors verzichtet, um die ernste Lage nicht ungünstig aufzuweichen. Dies kommt sehr gut an und in diesem Zusammenhang finden sich weitere Helfershelfer, die tatkräftig bei der Kreation Angst und Schrecken mithelfen, wie beispielsweise Helga Liné als attraktives Mordopfer, Sonja Romanoff als Ganovenliebchen, oder Regisseur Adrian Hoven selbst, dem man das Kleinganoventum besonders gut abkaufen wird. Viele strukturelle und inszenatorische Modifikationen machen "Der Mörder mit dem Seidenschal" zu einem gut ausbalancierten Reißer, der seine Ambitionen nicht nur offen zur Schau stellt, sondern diese auch umsetzen kann. Besonders hochwertige Bilder liefert das unbestechliche Auge der Kamera, die mit Winkelspielen und sehr gelungenen, teils unorthodoxen Einstellungen experimentiert. Im Endeffekt ist und bleibt es jedoch der prominent inszenierte Aufhänger Susanne Uhlen, der den Verlauf zielführend bestimmt. Ihre Leistung ist für eine Debütantin mehr als gelungen zu bezeichnen und durch ihr mit Angst erfülltes Wesen können sich immer wieder starke Spannungszustände beim Publikum aufbauen. Das Finale verläuft trotz aller Rasanz und spektakulärer Bebilderung vielleicht etwas zu reibungslos, doch die Produktion stellt insgesamt zufrieden. Adrian Hovens Erstlingswerk kann unterm Strich durchaus als gelungen und vor allem unterhaltsam bezeichnet werden. Als Alternative zu bekannten Krimi-Formaten kann "Der Mörder mit dem Seidenschal" die Konkurrenz zwar nicht ausstechen, sich aber zumindest im guten Mittelfeld etablieren.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Friedhof der Schiffe (1969)
PostPosted: 30.06.2019 16:42 
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● SCOOBY-DOO, WO BIST DU? | FOLGE 02 | A CLUE FOR SCOOBY DOO | FRIEDHOF DER SCHIFFE (US|1969)
eine Serie von Joseph Barbera und William Hanna
eine Prduktion der Hanna-Barbera Productions



Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby-Doo möchten ein paar unbeschwerte Tage am Strand verbringen, doch dieses Vorhaben wird schnell gestört, da Scooby beim Surfen einem in Neonfarbe leuchtenden Geist begegnet. Die Erfahrung sagt den Freunden jedoch, dass es sich kaum um einen solchen handeln dürfte, sodass man sich auch die Suche nach rationalen Erklärungen begibt. Bei den Recherchen treffen sie auf einen Mann, der ihnen vom Geist eines gewissen Captain Cutler berichtet, außerdem stoßen die Detektive auf eine rätselhafte Serie von verschwundenen Schiffen, die nie wieder gesichtet wurden. Fred und seinen Kollegen wird klar, dass sie des Rätsels Lösung wohl nicht an Land finden können. Eine spannende Unterwassermission bringt die entscheidenden Erkenntnisse...

Wie bereits in Folge 1 wird das Publikum schnell mit dem Bösewicht der Geschichte konfrontiert, der hier in einem altmodischen Taucheranzug sein Unwesen treibt, zusätzlich in gruseligem Neon leuchtet und bei Nacht aus dem Meer steigt, um unbequeme Schnüffelnasen fernzuhalten. Da die Jung-Detektive einen Ausflug zum Strand machen, ist ein Aufeinandertreffen mit der unheimlichen Gestalt unausweichlich und die Neugierde wird sofort allseits geweckt, wer oder was hinter dieser eigenartigen Angelegenheit stecken könnte. Schlagzeilen in der Zeitung geben erste sachdienliche Hinweise über eine Serie verschwundener Schiffe, die nie wieder aufgetaucht sind, sodass es anschließend zu ersten Befragungen mit möglichen Zeugen kommt, die selbstverständlich verdächtig bis ziemlich krude wirken. Kombinationsgabe, Witz und Charme beherrschen auch diese Folge sehr ausgewogen, damit die begrenzte Zeit noch mehr wie im Flug vergehen kann. Zunächst spielt sich die Suche nach dem Geheimnis an Land ab, doch aufgrund der Gestalt die ins Meer hinabsteigt wird den Freunden schnell klar, dass sich die weitere Suche unter Wasser abspielen muss, um die zündenden Beweise zu finden. Der Name "Friedhof der Schiffe" will bereits im Vorfeld einiges an Mystery versprechen, und sobald Fredie, Daphne, Velma, Shaggy und Scooby sich nach der eigentlich ergebnislosen Suche auf einem Schiff oder in einem alten Leuchtturm in ihre Taucheranzüge begeben haben, steigt die Spannung mithilfe von geheimen Winkeln und Höhlen, in denen die Gefahr ganz natürlich zu lauern droht.

Insbesondere Scooby-Doo sorgt mit seiner speziellen Note dafür, auch diese zweite Episode mit lockeren Sprüchen und tolpatschigen Gebärden aufzulockern, wo hingehen die übrigen Helden jeweils durch andere Kompetenzen glänzen dürfen. Im Endeffekt ist es diese nuancierte Kombination aus Pragmatismus, Strategie, Logik und Unbeschwertheit, die die Freunde zum anvisierten Ziel führen werden. Doch zunächst muss eine gleichsam unwegsame, aber auch idyllisch wirkende Unterwasserwelt bezwungen sowie erkundet werden, bis der besagte "Friedhof der Schiffe" das entscheidende Puzzlestück in die aufgeladene Szenerie wirft. Was hier sehr gut ankommt, ist die unheimliche Maskierung des Täters, die im Gegensatz zum Vorgänger noch einen Zugewinn darstellt, außerdem muss ein wenig mehr mitgegrübelt werden, da nicht alles sofort ganz offensichtlich auf der Hand liegt, wenngleich keine Wunder der Kombinationsgabe gefordert sein werden. Kriminelle Energie und Profitgier bilden erneut die Grundlage für einen spritzigen Fall, der sehr schön im bunten Bild festgehalten wurde. Atmosphärisch gesehen spielt diese zweite Folge in der oberen Liga der Serie mit, da viel Abwechslungsreichtum geboten wird und das mysteriöse Element sehr stichhaltig herausgearbeitet erscheint. Wenn die fünf jungen Detektive diesen kniffligen Fall gelöst haben, weiß der Zuschauer wie selbstverständlich, dass ein neues Rätsel nicht lange auf sich warten lassen wird, sodass man den weiteren Verlauf der Serie mit Spannung erwarten darf. "Friedhof der Schiffe" macht insgesamt einen enormen Spaß und bestätigt die Leichtigkeit, die schnell zum Gütesiegel avanciert.


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 Post subject: Heißer Hafen Hongkong (1962)
PostPosted: 05.07.2019 23:16 
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● HEIẞER HAFEN HONGKONG / IL SEGRETO DI BUDDA (D|I|1962)
mit Marianne Koch, Klausjürgen Wussow, Dominique Boschero, Brad Harris, Carlo Tamberlani, Dorothee Parker und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Cinematografica Associati | im Gloria Verleih
ein Film von Jürgen Roland


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»Diese Stadt hat ihre eigenen Gesetze!«

Der deutsche Journalist Peter Holberg (Klausjürgen Wussow) reist nach Hongkong, um einen befreundeten Kollegen zu besuchen, doch vor Ort erfährt er von dessen Tod. Während er einen spektakulären Fall von Industriespionage aufrollen wollte, wurde er kaltblütig ermordet. Holberg beschließt, den Fall in Eigenregie zu lösen, außerdem wurde ihm ein Mikrofilm zugespielt, der vermutlich im Zusammenhang mit dem Verbrechen steht. Gemeinsam mit Joan Kent (Marianne Koch), der Schwester des Ermordeten, sucht er nach den mysteriösen Hintermännern und es dauert nicht sehr lange, bis beide in die erste lebensgefährliche Situation geraten...

Die ehemalige britische Kronkolonie und Weltmetropole Hongkong wurde seinerzeit in vielen Abenteuer-, Kriminal- und Spionagefilmen zum aussagekräftigen Umschlagplatz für Schmuggel, Mord und jede Art von Verbrechen verwendet. Sicherlich gibt hierbei die exotisch aber gleichzeitig international wirkende Kulisse einen Ausschlag, die sich nicht zuletzt wegen ihrer topographischen Vorzüge für derartige Geschichten geradezu angeboten hat, doch ebenso spielt auch die von einer fremden Welt ausgehende Unsicherheit eine beträchtliche Rolle bei der Wahl dieses Settings. Unter der Regie von Krimi-Spezialist Jürgen Roland entstand ein typischer Reißer des Genres, der sich hauptsächlich an den bestehenden Gesetzen des Genres orientiert, ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Ausgestattet mit Stammschauspielern der Rapid-Film und bedeutenden Vermittlungs-Coups der italienischen Co-Produktionsfirma, wird die imposante Kulisse optimal ausgenutzt und es kann schnell zu rasanten Strecken kommen, außerdem zu erotisch aufgeladenen Sequenzen, wie sie bei Hartwig-Produktionen üblich waren. Zunächst ist es nicht vollkommen klar, weswegen die ersten Köpfe überhaupt zu rollen hatten, doch dieses kleine Manko klärt sich schnell auf, da einige der Top-Bösewichte der Branche die gut ausstaffierte Bühne vereinnahmen. Die Jagd nach einem Mikrofilm, und damit verbundenen Patenten, bietet schließlich ausreichende Gründe für Mord und Totschlag, sodass das mit Action aufgeladene Abenteuer ein gutes Tempo vorlegt. Die beteiligten Charaktere finden schließlich auf ganz natürliche Art und Weise zusammen, veranstalten dabei ein zeitweise ungleich wirkendes Tauziehen um die bessere Position in diesem undurchsichtigen Getümmel. Viele von ihnen stehen in Verbindung miteinander und es ist mehr als deutlich, dass es noch zahlreiche offene Rechnungen zu begleichen gibt. Die Stars der Manege liefern in diesem Zusammenhang sehr überzeugende Arbeit.

Innerhalb der zunächst vollkommen unübersichtlich wirkenden Situation sind es Marianne Koch und Klausjürgen Wussow, die für Identifikationspotential und sehr ansprechende Momente beim Zuschauer sorgen. Der Verlust eines ihnen nahestehenden Menschen verbindet beide von Anfang an auf ganz natürliche Weise, sodass die bestehende Allianz und alles Weitere ganz selbstverständlich und logisch wirkt. Marianne Koch war zu dieser Zeit sicherlich einer der gefragtesten Stars quer durch alle Genres und steht erneut für Zuverlässigkeit und Tugenden, genau wie Klausjürgen Wussow, der seinerzeit bei Regisseur Jürgen Roland offensichtlich hoch im Kurs stand. Brad Harris als ermittelnde Figur wirkt wie der Inbegriff der Agilität, wobei er bestimmt nicht dazu neigt, sich auf ein strategisch angelegtes Schachspiel einzulassen. Die Gesichter der Gegenseite glänzen durch die undurchsichtig wirkenden Interpretationen der aparten Dominique Boschero und eines immer bedrohlich wirkenden Horst Frank. Auch wenn der Mittelteil deutlich in die Länge gezogen wirkt, und zu wenig Spannung aufkommen will, kann insbesondere durch Horst Franks so legendär erscheinende Bösartigkeit ein gutes Level gehalten werden, ohne welches diese Geschichte nicht auskommen kann. Zusammenhänge ergeben sich mehr oder weniger nachvollziehbar und werden publikumswirksam aufgeschlüsselt, außerdem schwebt eine Art Damoklesschwert über einigen Köpfen und der Szenerie an sich. Auf visueller Ebene werden Qualitätsansprüche geltend gemacht, was gleichzeitig bedeutet, dass das vorhandene Potential einer Metropole wie Hongkong gewinnbringend genutzt werden konnte. Wenn sich die Reihen gelichtet haben und die Hetzjagd nach dem berüchtigten Mikrofilm ihren Zenit erreicht hat, bietet Roland erwartungsgemäß eher konventionelle Lösungen an, die Fans solcher Filme sicherlich zufriedenstellen dürften, ohne dabei den Anspruch zu reklamieren, dass es sich um eine Ausnahme-Erscheinung des Genres handelt. Schlussendlich hat man in "Heißer Hafen Hongkong" also lange nicht so heiß gegessen, wie gekocht wurde.


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 Post subject: Der Mann mit den 1000 Masken (1966)
PostPosted: 07.07.2019 21:33 
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DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN

● DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN / UPPERSEVEN, L'UOMO DA UCCIDERE (D|I|1966)
mit Paul Hubschmid, Karin Dor, Vivi Bach, Guido Lollobrigida, Rosalba Neri, Tom Felleghy und Nando Gazzolo
eine Produktion der Roxy Film | European Inc. | im Constantin Filmverleih
Ein Film von Alberto De Martino


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»Nehmen Sie noch ein Bad vor der Gehirnwäsche!«

Der Sonderagent Paul Finney (Paul Hubschmid) ist in Verbrecherkreisen unter dem Namen "Supersieben" bekannt und äußerst berüchtigt, da man um seine Kunst des Verwandelns weiß. Um seine Gegner zu irritieren und zur Strecke zu bringen, ist es ihm möglich, die Gestalt jedes beliebigen Gegenübers anzunehmen. In seinem neusten Auftrag geht es um eine rücksichtslose Verbrecher-Organisation, die sich mit groß angelegten Goldschmuggel-Aktivitäten befasst, und deren Kopf sich Kobras (Nando Gazzolo) nennt. Als "Supersieben" der erste empfindliche Schlag gegen Kobras gelingt, schwört dieser tödliche Rache. Doch zunächst hat der Verbrecher andere Pläne und schmiedet an einer Atomrakete in Afrika. Gemeinsam mit der Gesandten des CIA, Helen Farheit (Karin Dor), will "Supersieben" Kobras teuflische Pläne durchkreuzen, doch sie gehen ihm in die Falle...

Alberto De Martinos "Der Mann mit den 1000 Masken" lässt seine eigene Maske gleich zu Beginn fallen, da ungeniert demonstriert wird, dass es sich um einen weiteren Versuch handelt, von erfolgreichen Formaten wie "James Bond" zu profitieren, was im Prinzip nichts darstellen sollte, wofür sich der Streifen im Endeffekt schämen müsste. Dies gilt vor allem für die Grundvoraussetzungen einer sorgsamen Bearbeitung und einer bestenfalls originellen Geschichte. Die Mission startet laut Filmangaben in Kopenhagen und stellt den Protagonisten samt antagonistischer Verbrecherorganisation und deren Kopf eindringlich vor, denn es kommt gleich zu einem gut choreografierten Showdown, der die von Kobras ausgehende Gefahr aufzeigt, und dessen Aggressivität gleich mit. Der Verlauf reduziert sich schnell darauf, dass Auftrag gegen Auftrag, beziehungsweise Gut gegen Böse steht. An den jeweiligen Positionen der äußersten Ränder sind neben "Supersieben" und Kobras außerdem ihre zwei attraktiven Helfershelferinnen zu sehen, die das Geschehen ganz in Genre-Manier bereichern und aufzulockern wissen. Action und Tempo werden unter De Martino glücklicherweise groß geschrieben, sodass einige harte Übergänge im Film weniger gravierend ins Gewicht fallen. Außerdem sorgen zahlreiche Gadgets immer wieder für Aufsehen und Freude, schließlich treiben sie den ohnehin turbulenten Verlauf zielführend an, der überdurchschnittlich gut ausgestattet wirkt. Schauplatzwechsel von Kopenhagen über Basel bis Kapstadt unterstreichen die positiven Eindrücke sehr beachtlich, genau wie es die amtierende Entourage vor und hinter der Kamera tut. Als Held der Veranstaltung beweist Paul Hubschmid ein sehr gutes Händchen und bringt bei dieser Gelegenheit etwas weltmännisches Flair zwischen all das Gangstertum. Als Verwandlungskünstler spielt er diese große Stärke bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus und führt seine Gegenspieler erfolgreich an der Nase herum, oder sie wahlweise gleich ins Grab.

Sicherlich stellt Hubschmids Physiognomie und vor allem dessen Statur immer wieder einen kleinen Hemmschuh für diese Art der Maskerade dar, aber schließlich geht es ausschließlich darum, dass seine Kontrahenten ihn nicht erkennen können. Geprägt von einer guten Spiellaune und zahlreichen Eigenschaften die einen guten Agenten ausmachen, kommt der Schweizer beim interessierten Publikum gut an. Gleiches gilt für seine attraktive und dynamisch aufspielende Kollegin Karin Dor, die sich hier (und in einigen ähnlich gestrickten Produktionen) für ihren Auftritt bei "James Bond", quasi der Mutter aller Agenten-Flicks, empfehlen konnte. Der italienische Schauspieler und Synchronsprecher Nando Gazzolo bedroht den Frieden in erheblichem Maße und hinterlässt bei dieser Gelegenheit einen sehr guten Eindruck als Gegenspieler von "Supersieben". Unter seinem Kommando stehen nicht nur unzählige Lakaien, die ihm zur anvisierten Schreckensherrschaft verhelfen sollen, sondern auch eine bezaubernde Vivi Bach, deren optische Präsenz die teils bedrohliche Szenerie wirksam ausstaffiert. Weitere bekannte und beliebte Interpreten sorgen für Abwechslungsreichtum und den nötigen Body Count. Interessant ist die Strategie, dass der Humor in "Der Mann mit den 1000 Masken" oftmals nur in Spuren vorhanden ist und daher sehr subtile Züge aufweist. Folglich schießt er niemals über das Ziel hinaus und die Balance steht dieser rasanten Veranstaltung sehr gut. Im Mittelpunkt steht das Verbrechen, das sich wie eine Epidemie über so viele wie möglich ausbreiten soll. Dementsprechend ist die Vorgehensweise zur Verwirklichung nicht gerade zimperlich. Gespickt mit etwas ungelenk wirkendem Amour zwischen Paul Hubschmid und Karin Dor, und der Spannung dienlichen Rochaden, mündet Alberto De Martinos routinierte Arbeit in ein spektakuläres Finale, das neben der Kunst der Pyrotechnik auch noch einige weitere Überraschungen bereithält. Auch ohne die angekündigten 1000 Masken wird dieser Streifen zu einem kurzweiligen Reißer.


— ITALO-CINEMA —


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