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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Frauenstation (1975)
PostPosted: 27.10.2019 13:37 
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Horst Buchholz

FRAUENSTATION

● FRAUENSTATION (D|1975)
mit Stephen Boyd, Lillian Müller, Marina Langner, Eva Berthold, Barbara Valentin, Herbert Fux, Pirko Zenker und Karin Dor
eine Cinema 77 Produktion von Hans Pflüger | im Verleih der Centfox
nach der gleichnamigen Romanvorlage von Marie Louise Fischer
ein Film von Rolf Thiele


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»Manchmal wird die ganze Gynäkologie zu einem Alptraum!«

In der gynäkologischen Abteilung einer Klinik werden Chefarzt Professor Overhoff (Stephen Boyd) und sein Oberarzt Doktor Schumann (Horst Buchholz) nicht nur mit freudigen Ereignissen, sondern auch Schicksalsschlägen der Patientinnen konfrontiert. Alleine die tägliche Arbeit würde schon ausreichend an die Substanz gehen, doch es kommt auch zu privaten Ressentiments zwischen den beiden Ärzten. Overhoff leidet an einem Schuldkomplex, der lange zurückliegt und seine Arbeit beeinträchtigt, außerdem macht dem alleinerziehenden Vater seine pubertierende Tochter Eva (Pirko Zenker) zu schaffen. Schumann hingegen hat Probleme anderer Art, denn seine exaltierte, gut zwanzig Jahre jüngere Frau Claudia (Lillian Müller) macht ihm mit kaum nachvollziehbaren Verhaltensweisen das Leben schwer. Beide tragen ihre privaten Sorgen mit in den Klinikalltag, was ihnen wechselseitig missfällt. Nachdem sich Claudia eines Tages auch noch in den Klinikalltag einmischt und schwere Vorwürfe erhoben hat, kommt es zum Eklat...

Rolf Thieles "Frauenstation" gilt als einer von mehreren sogenannten Abschreibungsfilmen und wurde innerhalb eines eiligen Zeitraums von nur vier Wochen abgedreht. Wesentlich länger musste er allerdings auf seine Uraufführung warten, denn es dauerte gute zwei Jahre, bis der Film durch Centfox in die bundesdeutschen Kinos gebracht wurde; das allerdings mit mäßigem beziehungsweise gar keinem Erfolg. Die Produktionsgesellschaft Cinema 77 war auf das Herstellen derartiger Abschreibungsfilme spezialisiert, und auch wenn sie den Steuerzahler somit indirekt Geld kosteten, ist es hoch interessant, dass diese Beiträge in ihrer teils starbepackten Form überhaupt existieren, zumal eigentlich kaum jemand ernsthafte Hoffnungen in wirtschaftliche Erfolge dieser Projekte setze. Beim vagen Blick auf die Thematik scheint sich bereits im Vorfeld herauszukristallisieren, dass Regisseur Rolf Thiele der richtige Mann für eine solche Angelegenheit sein dürfte, aber zunächst dominieren Neugierde und Spannung angesichts einer möglichen Überraschung die teils bizarr bebildert wirkende Szenerie. Bereits nach wenigen Intervallen lässt sich leider sagen, dass auch dieses diffus angelegte, eigentlich kritische Thema nur Alibi-Funktion besitzt und trotz Modifikation nur ein typischer Thiele-Film dabei herausgekommen ist, der von einfältigen Dialogen geradezu beherrscht wird. Insbesondere seine späten Werke tragen eine viel zu eindeutige, beinahe verzweifelte Handschrift und grenzen sich - abgesehen von inszenatorischen Kapriolen - kaum mehr von einheitlichen Gebilden dieser Zeit ab, die es sich lediglich zur Aufgabe gemacht hatten, Populärthemen aufzugreifen, um sie schlussendlich gewinnbringend auszuschlachten. Bei Thieles tunnelartigem Bearbeitungsstil war der Lack aber definitiv ab und es werden in der Peripherie anzusiedelnde Inhalte daraus. "Frauenstation" bewegt sich mühevoll zum anvisierten springenden Punkt, bei dem man sich nicht nur einmal fragt, was in eigentlich Wirklichkeit abgehandelt werden soll. Die prominenten Hauptdarsteller lassen sich dem Empfinden nach hierbei willenlos vor eine Karre spannen, die erwartungsgemäß und ohne Gnade in einer Zirkusmanege zur Schau gestellt wird.

Horst Buchholz als Oberarzt Dr. Rainer Schumann liefert eine dem Film angemessene Performance ab. Weit entfernt von seinen beeindruckenden darstellerischen Zeiten, sieht man den Frauenschwarm a. D. in einer ungewöhnlich überspitzt wirkenden Rolle, der er jedoch eine gewisse Nachhaltigkeit verleihen kann, da man schließlich etwas geboten bekommt, was vielleicht nicht unbedingt zu erwarten war. Der Mythos des Halbgottes in Weiß beginnt unter seiner Handhabe in einem irritierenden Licht zu bröckeln, bis die Dramaturgie mit Hochdruck daran arbeitet, den überheblich wirkenden Herrn als beinahe zweifelhaft einzustufen. Umso besser, denn die fehlenden stilistischen und inszenatorischen Konturen können so etwas ausgeglichen werden. Leider bleibt Buchholz im Gesamtgeschehen aber nur eine Schachfigur, die keinen Offizier richtig angreifen kann, was für viele seiner KollegInnen auch gilt. Des Weiteren spielen Stephen Boyd, Lillian Müller und Karin Dor tapfer gegen eine schwerwiegende Langatmigkeit an, die bereits ab dem Mittelteil nicht mehr abgewendet werden kann. Die Norwegerin Lillian Müller wird hier unglücklicherweise verschenkt, da Thiele es nicht versteht, sie ihren (erwarteten) Fähigkeiten entsprechend einzusetzen und sie in diesem Zusammenhang erneut dazu verdammt, ein Abziehbild ihrer schönen Hülle sein zu müssen. Hinzu kommt, dass sich ihre Rolle trotz Schlüsselfunktion im komplexen Labyrinth der Geschichte verliert. Was Stephen Boyd hingegen abzuliefern hat, ist angesichts seiner durchaus soliden darstellerischen Fähigkeiten schon frustrierend, denn er hat lediglich seinen immer noch wohlklingenden Namen zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Szenen mit seiner Filmtochter und die damit verbundenen Dialoge waren für damalige Verhältnisse vielleicht so angelegt, dass sie dem Zuschauer von einst die Schamesröte ins Gesicht treiben sollten, doch leider bleibt nichts zurück außer aufgeplusterten Wortwechseln, die alleine aus diesem Grund in Erinnerung bleiben werden - oder auch nicht.

Karin Dor ist in "Frauenstation" in einer Rolle zu sehen, die man in dieser Fasson sicherlich nicht alle Tage geboten bekommen hat. Zunächst ist löblich zu erwähnen, dass sie hier erneut den Beweis ihrer Vielseitigkeit liefert, denn sie konnte sich praktisch in jede erdenkliche Rolle hineinversetzen und mit ihr eins werden, was hier allerdings nicht als reines Kompliment zurückbleiben bleiben kann, da sie Polemik, Exaltiertheit und Affektiertheit einfach nicht kleidet. Sie selbst hat ihre schöpferischen Tiefpunkte in Interviews zwar anderswo ausmachen wollen, doch mitunter findet man ihn bei genauer Betrachtung auch irgendwie hier, unter Rolf Thieles fahriger Regie, die oft zu kompliziert wirkt, da die Langeweile bis hin zur Unkenntlichkeit verschachtelt und verschlüsselt erscheint. Der Verlauf plätschert zähflüssig vor sich hin und geht einige ungünstige Allianzen mit brisanten und sogar zeitlosen Problemen ein, ohne dabei zu berücksichtigen, dass sich die nötige Sachlichkeit und Sterilität mit Einförmigkeit und Ergebnislosigkeit kreuzt wo sie nur kann. Aufgefrischt mit ein paar mechanischen Originalszenen aus dem Klinikalltag - außerdem theatralische Veranschaulichungen aus deutschen Schlafzimmern - windet sich dennoch (oder sogar deswegen) Leerlauf durch diese Geschichte, die vom Prinzip her keinesfalls so diffus und uninteressant sein müsste. Thiele als Jongleur moralischer Aspekte und bestehender Missstände versagt auf ganzer Linie; auch seine bewährte Abhandlung der Rolle der Frau wirkt eher wie eine unappetitliche Exhumierung seiner althergebrachten Inszenierungen. Positiv zu erwähnen bleibt das prinzipielle Heranwagen an Themen, die vornehmlich in gesellschaftliche Korsetts und tiefes Schweigen gehüllt waren, doch man kommt nicht um das Ausformen des Gedankens herum, wie diese Geschichte wohl unter alternativer Regie ausgesehen hätte, wenngleich erneut eingeräumt werden darf, dass sie unter solchen Umständen wohl gar nicht erst existieren würde.

Rolf Thiele spart es sich weitgehend auf, in die notorische Erotik-Trickkiste zu greifen und verliert sich wie so oft in vagen Andeutungen, um eine Inangriffnahme der angekratzten psychologischen Ebene zu meiden, sodass man in "Frauenstation" wenig Neues von dieser Seite angeboten bekommt. Es ist sehr schade, doch ebenso blanke Realität: die Geschichten, die im Vorfeld oft wie Gold wirkten, werden unter seiner Leitung häufig zu Stroh. Dramaturgisch wenig ausgereift, haben die Protagonisten mit Problemen zu kämpfen, die sich auch fernab des Klinikalltags finden, welcher nach und nach nur noch Alibifunktion zu haben scheint. Spannungen zwischen Göttern in Weiß, sprich Horst Buchholz und Stephen Boyd, spielen sich kaum auf medizinischer Ebene ab, sondern die Brisanz soll darüber entstehen, dass insbesondere Privates und Berufliches vermischt wird. Der abgehandelte Konfliktstoff ist durchaus als solcher zu verstehen, aber dennoch spült sich die gesamte Angelegenheit von selbst weich, da die Personen im Rahmen ihrer Charakterzeichnungen schwächeln. Unterm Strich bleibt trotz hoher Erwartungen wenigstens Routine zurück, außerdem gelingt es der Regie phasenweise recht anschaulich, Spannungen zu visualisieren. Als besonders eingängig ist die musikalische Untermalung von Bernd Kampka zu bezeichnen, die abgehandelte Themen oft in einen herben Kontrast zu stellen weiß, wenngleich sich diese Momente nur sporadisch zeigen. "Frauenstation" war einer der letzten Versuche Rolf Thieles, unter Beweis zu stellen, dass er durchaus in der Lage sein konnte, problembehaftete Sujets unkonventionell anzupacken. Bedauerlicherweise stellt sich auch hier heraus, dass es ihm nicht mehr möglich gewesen ist, sich selbst neu zu erfinden und im Endeffekt zu viel Augenwischerei betrieben wurde. Die Produktion wirkt über die volle Distanz lediglich bruchstückhaft und vermittelt daher einen kontroversen Endeindruck. Somit ist "Frauenstation" vielleicht als einer der besten schlechten Filme von Rolf Thiele zu bezeichnen, da er sich zugegebenermaßen nicht komplett ohne Reiz präsentiert.


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 Post subject: Dynamit in güner Seide (1967)
PostPosted: 02.11.2019 09:51 
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● DYNAMIT IN GRÜNER SEIDE / IL PIÙ GRANDE COLPO DELLA MALAVITA AMERICANA (D|I|1967)
mit George Nader, Heinz Weiss, Marlies Draeger, Silvia Solar, Claus Holm, Günther Schramm, Horst Niendorf, Dieter Eppler, Käthe Haack,
Karlheinz Fliege, Rainer Basedow, Albert Bessler, Pietro Ceccarelli, Günter Mack, Claus Tinney, Rolf Eden, Richard Haller und Carl Möhner
eine Constantin Produktion der Allianz | Cinematografica Associati | im Constantin Filmverleih
ein Film von Harald Reinl


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»Der Chef hats nicht so gern, wenn seine Leutchen Extratouren machen!«

Bei einem bewaffneten Raubüberfall auf eine Giftgasfabrik in Los Angeles erbeutet eine Bande von Gangstern chemische Stoffe, mit denen sie einen der größten Diamantendiebstähle der amerikanischen Geschichte planen. Der Polizei fällt ein Mann in die Hände, der zur Bande gehört, jedoch tödlich verletzt wurde. Seine letzten Worte geben einen entscheidenden Hinweis, mit welchem Gegner man es überhaupt zu tun hat. Nach einem intensiven Briefing schleust das FBI daraufhin seinen besten Mann bei der Verbrecherorganisation ein. Dafür nimmt Jerry Cotton (George Nader) die Identität eines Spezialisten für elektronische Alarmanlagen an. Nach einigen Ermittlungen bringt Jerry Cotton den Namen des großen Bosses in Erfahrung, doch ab diesem Zeitpunkt wird es für ihn lebensgefährlich...

Der wohlklingende Titel dieses bereits sechsten Beitrags der Reihe rund um den Groschenroman-Agenten Jerry Cotton verspricht wie üblich Action und Tempo. In diesem Zusammenhang kommt das Publikum mit Harald Reinl erwartungsgemäß sehr schnell und effektiv auf seine Kosten, und es bleibt zu betonen, dass es sich bei ihm wohl um den verdientesten Macher der achtteiligen Reihe handelt. Ursprünglich war Alfred Vohrer für die Regie dieses Films vorgesehen, doch aus terminlichen Gründen übernahm sein Kollege Reinl die Spielleitung, der wiederum für den Wallace-Film "Der Hund von Blackwood-Castle" vorgesehen war und durch Alfred Vohrer ersetzt wurde. Harald Reinls Cotton-Debüt stellt den Grundstein einer erfolgreichen Schaffensperiode für dieses Format dar, denn es folgten noch zwei weitere, sehr unterhaltsame Beiträge, die ihre Vorgänger in mancherlei Hinsicht übertrumpfen können. Der Einstieg in die Story geschieht rasant und unmissverständlich, sodass sich das Publikum erneut auf äußerst rücksichtslose Verbrecher gefasst machen darf, die das Szenario ordentlich aufmischen würden, wenn dort nicht der beste Agent des FBI wäre. George Nader ist hier bereits zum sechsten Mal in der Titelrolle zu sehen und glücklicherweise zeigen sich keine Abnutzungserscheinungen, sondern er wirkt unter Reinls Führung eher zusätzlich gefordert. Die Geschichte rund um den geplanten Juwelenraub klingt zunächst mehr als herkömmlich, allerdings sorgen zahlreiche Verstrickungen für sehr spannende Strecken in allerbester Cotton-Manier, damit die Suche nach dem großen Hintermann gut bei Laune halten kann. Ein entscheidender Hinweis veranlasst das FBI, Jerry Cotton bei einer berüchtigten Gangster-Organisation einzuschleusen. Diese Rolle muss - hier im Schnelldurchlauf - zunächst einmal perfekt choreografiert werden, damit kein Verdacht aufkommt, der das Unternehmen gefährden könnte.

Mit George Nader ist der treue Fan abermals auf der sicheren Seite, denn er glänzt mit Wortwitz und kann aufgrund seiner unerschöpflich wirkenden Agilität überzeugen. Lediglich seine Film-Mutter Käthe Haack spült den harten FBI-Mann in einem kurzen Intervall etwas ungünstig weich. Ansonsten kann man sich auf actiongeladene und spannende Phasen einstellen, denn Jerry Cotton spricht erfahrungsgemäß nicht nur mit der Schlagfertigkeit seiner Worte, sondern ebenso der seiner Fäuste. Eingeschleust in eine gefährliche und darüber hinaus äußerst misstrauische Bande zeigt sich rapide das nötige Konfliktpotential, um den brisanten Fall auf zusätzliche Touren zu bringen. Da die Regie einen netten Whodunit-Effekt in den Verlauf integriert, offenbaren sich zunächst andere Gegenspieler, unter denen vor allem Carl Möhner herausstechen kann. In derartig angelegten Rollen zeigte der Wiender gerne eines seiner aggressiven und rücksichtslosen Gesichter, was hier sehr effektiv zur Geltung kommt. Um ihn versammeln sich somit übliche Verdächtige von Rolf Eden bis Richard Haller, die versuchen, Jerrys Mission zu unterminieren. Weitere interessante Darbietungen liefern beispielsweise Günther Schramm, Karlheinz Fliege oder Dieter Eppler, die wie etliche andere Darsteller auch für nebulöse Verhältnisse sorgen werden. Bei den Damen sticht insbesondere Marlies Draeger hervor, die von Harald Reinl bemerkenswert in Szene gesetzt wird. Der merklich bewegungsfreudigen Kamera sieht man eine deutliche Affinität für ihr schönes Gesicht an, sodass es hier zu zahlreichen Großaufnahmen kommt, die ihre Mimik zwar dokumentieren, sie aber letztlich nicht entschlüsseln können. Draeger bekommt in der zweiten Hälfte des Films noch ausreichend die Möglichkeit geboten, sich als eines der interessantesten Cotton-Girls zu etablieren, was vielleicht ein wenig zulasten ihrer ebenso attraktiven Kollegin Silvia Solar aus Frankreich geht.

Die darstellerische Vielfalt tut diesem zweiten Farb-Beitrag der Reihe sichtlich gut und bügelt einige wenige Längen geschickt aus. Insgesamt hält Harald Reinl sich nicht mit zu ausgiebig ausgebreiteten Veranschaulichungen bezüglich des geplanten Diamantenraubes auf, sodass die Story erst gar nicht in die Verlegenheit kommt, potentielle Phasen der Eintönigkeit florieren zu lassen. Hier helfen beispielsweise verschiedene Set-Wechsel, zahlreiche verdiente Interpreten und damit verbundene charakterliche Ungleichgewichte sowie durch und durch dubios wirkende Figuren, die ihre Masken erfreulicherweise nicht zu schnell ablegen werden. Wie so oft gerät Jerry Cotton in allergrößte Gefahr, da er es zu keinem Zeitpunkt nötig zu haben scheint, die Frage seiner wirklichen Identität zugunsten seiner Prinzipien und der eigenen Sicherheit zu verschleiern. Der treue Fan der Serie ist sich jedoch generell der Tatsache bewusst, dass der FBI-Mann mehr Leben als eine Katze zur Verfügung haben muss, um unbeschadet aus jedem noch so verzwickten Fall herauszukommen. Harald Reinl konnte mit diesem abwechslungsreichen Film eine neue Richtung der Intensität für die Reihe einleiten, da er dem Empfinden nach in vielen Bereichen stringenter und actionlastiger inszenierte, außerdem beim Blick auf die interne Konkurrenz einen teils patenteren Stab zur Verfügung hatte. "Dynamit in grüner Seide" wirkt insgesamt recht ausgewogen, spannend und wesentlich moderner als manche Beiträge der Frühphase, wobei der Unterhaltungswert sich bei keinem Cotton-Film der Serie in Frage stellt. Oftmals gingen laufenden Formaten gerade gegen Ende die Ideen und die Luft aus, und bestenfalls ließ sich nur noch Routine finden, was hier aber erfreulicherweise nicht der Fall ist. Am Ende wartet der Verlauf mit ein paar wirksamen Überraschungen und rasanten Action-Einlagen auf, was die Möglichkeiten deutlich steigern kann, dass sich dieser Beitrag im internen Ranking weiter oben wiederfinden kann. Vielleicht einer der besten Cottons.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Treffpunkt Friedhof (1975)
PostPosted: 07.11.2019 23:48 
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● FOLGE 56: TATORT - TREFFPUNKT FRIEDHOF (D|1975)
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge und Karin Eickelbaum
als Gäste: Krista Keller, Matthias Fuchs, Karl-Maria Schley, Ingrid Capelle, Peter Oehme, Marie-Luise Marjan, Erna Sellmer, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der ARD | mit dem ORF | eine Sendung des WDR
Regie: Wolfgang Becker


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Robert Geffken (Matthias Fuchs) bricht in die Villa des vermögenden Fabrikanten Zangemeister (Peter Oehme) ein. Dabei kommt es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall. Als der bewaffnete Einbrecher auf den Hausbesitzer wartet, wird er von dessen Haushälterin (Erna Sellmer) überrascht, die ihn in ein Gespräch verwickelt, doch anschließend ungewollt getötet wird. Dennoch wartet Geffken auf Zangemeister, um ihm seine Forderung zu unterbreiten: falls er ihm die verlangte Summe von 450.000 DM nicht bezahlt, würde die Familie des Fabrikanten dafür büßen müssen. Zangemeister verständigt daraufhin die Polizei und Hauptkommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) beginnt mit den Ermittlungen in diesem seltsamen Fall. Als er das Umfeld des Erpressten durchleuchtet, führt ihn sein Weg zu einem Mann namens Schassler (Karl Maria Schley), dem Chefkonstrukteur in Zangemeisters Firma. Da sich Schassler einst um genau die gleiche Summe durch seinen Chef betrogen fühlte, scheint der Fall klar zu sein...

Auf den ersten Blick behandelt dieser sechste Fall von Oberkommissar Haferkamp ein anscheinend herkömmliches, bereits dutzendfach dagewesenes Verbrechen, das hier tragischerweise in einem tödlichen Versehen gipfelt. Diese schnell gewonnenen Eindrücke verwerfen sich allerdings schon im ersten Drittel dieser von Routinier Wolfgang Becker inszenierten Folge, denn es kommen Zusammenhänge zum Vorschein, die anscheinend viel zu zügig präsentiert wurden. Erpressung und Mord weichen schließlich den Themen Hass und Terror, was diese Folge mit dem nahezu verheißungsvollen Titel "Treffpunkt Friedhof" noch in einem Duell der Extraklasse gipfeln lässt. Spätestens wenn dem Publikum erstmals das unbändige Epizentrum dieser feinschichtigen Episode in persona von Krista Keller präsentiert wird, sollte klar werden, dass hier alles Mögliche außer normalen Spielregeln zu finden sein dürfte. Interessant ist die von Becker gewählte Doppelstrategie, die diesem Verlauf noch den Hauch eines kleinen Psycho-Thrillers mit ungewissem Ausgang verleihen wird, wofür wie erwähnt die richtige Frau mit von der Partie und ausnahmslos verantwortlich ist: Krista Keller. Obwohl dramaturgisch gesehen scheinbar mit vollkommen offenen Karten gespielt wird, windet sich eine schleichende Hysterie und von Keller selbst erfundene Art der Unberechenbarkeit durch die Geschichte, was hier im Endeffekt den besonderen Reiz ausmacht. Es ist als großes Glück zu bezeichnen, dass die bekannte Bühnenschauspielerin ihre häufig so rücksichtslos wirkende Dominanz ausspielt, um jede ihrer ausgewählten Zielobjekte mit dem Rücken an die Wand zu stellen. Aus einem isoliert ausgeheckten Plan wird im Rahmen einer inszenatorischen Doppelstrategie ein sich verselbstständigender Schleudersitz, da der Initiator die Rechnung ohne seine Wirtin gemacht hat.

Viele Kriminalfilme konnten im Lauf der Jahre aufweisen, dass es trotz aller Planung und diverser günstiger Voraussetzungen schwierig werden sollte, in den Radius des perfekten Verbrechens zu gelangen. Wolfgang Beckers Geschichte läuft in diesem Zusammenhang zwar alles andere als rund, nimmt dann aber Konturen an, die dem Erpresser ziemlich leicht in die Karten spielen, wobei man sich absolut im Klaren darüber sein sollte, dass dies noch nicht alles gewesen sein kann. Am Ende stehen hier tatsächlich immer Krista Kellers unüberwindbar wirkende Widerstände und das Kalkül einer Frau, deren gedankliche Labyrinthe stets zu einem Punkt zulaufen zu scheinen und einer Einbahnstraße in einem undurchsichtigen Tunnel gleichen. Keller versetzt sich tief in ihre Figur der Ellen Schassler hinein und wirkt nach einer kurzen gemäßigten Phase wie der größte Aggressor der Geschichte, wobei ihr Handeln zwar kühl kalkuliert, aber dennoch nicht rational zu sein scheint. Eine von Hansjörg Felmy geführte Folge erfährt naturgemäß eine große Portion Sachlichkeit, wobei er unbändigem Temperament oft etwas ratlos gegenüber zu stehen scheint. Allerdings wecken derartige Hürden und Anwandlungen nicht greifbarer Personen zusätzlich seinen Instinkt und eine erhöhte Wachsamkeit. Der Fall scheint irgendwie reif für den Abschluss zu sein, weil er im Vorfeld genau in eine bestimmte Richtung gedrängt wurde, doch diese Erhebungen reichen dem misstrauisch wirkenden Polizeimann in der Regel nicht aus. Sehr interessante Farbtupfer entstehen im Zusammenspiel mit Karin Eickelbaum, deren Beziehung zu ihm nur auf Basis einer eigenartigen Unverbindlichkeit zu funktionieren scheint, die offenbar nur entstehen konnte, weil es eine Trennung zuließ. Beim gemeinsamen Tête-à-Tête berät man darüber, wie Licht ins Dunkel dieses nicht alltäglichen Falls gebracht werden kann.

Dabei entsteht eine der nettesten Sequenzen der Folge, als beide gemeinsam in einer Bar als verdeckte Ermittler agieren und dabei so tun, als ob sie sich nicht kennen würden. Im Endeffekt werden Haferkamps Erfolgsaussichten jedoch immer wieder durch die Unberechenbarkeit von Krista Kellers abenteuerlichem Roulette gestört, welches zielsicher darauf angelegt ist, ausschließlich ohne Rücksicht auf Verluste funktionieren zu können; den eigenen eingeschlossen. Gerade wenn Frauen hassen werden häufig bestehende Prinzipien oder Gesetze ausgehebelt, und dank Ellens Kamikaze-Aktionen darf man sich auf eine besondere Art des Showdowns gefasst machen, der erfreulicherweise durch dramaturgische und inszenatorische Brillanz für Aufsehen sorgt. Figuren wie Matthias Fuchs als Robert Geffken, der bis zuletzt glaubte, die Katze und nicht die Maus in diesem unerbittlichen Spiel zu sein, wachen irgendwann in Ellens eigens geplantem Alptraum auf, der im Nebel der Verheißung zwar deutliche Richtungsweisungen zulässt, aber unterm Strich nicht greifbar ist. Für Krista Keller scheinen derartige Aufgaben und Darstellungen von lebenden Toten wie eine leichte Fingerübung zu sein. Erneut polarisiert sie mit Ansichten und Taten jenseits der Verständlichkeit, wobei ihre darstellerische Kompetenz in keiner Sekunde zur Debatte steht. Eine großartige Performance zwischen Genie und Wahnsinn. "Treffpunkt Friedhof" vermittelt mithilfe von Wolfgang Beckers intelligenter Regie konträre, sich selbst revidierende Eindrücke und Kehrtwendungen, die zu einem positiven Gesamteindruck verhelfen. Hinzu kommt eine Form der hemmungslosen Destruktivität, die für "Tatort"-Verhältnisse vielleicht nicht gerade an der Tagesordnung gewesen sind. So verlässt sich die Regie unterm Strich nicht nur auf die eigenen Fähigkeiten, sondern gleichzeitig auf die seiner Hauptdarsteller, bei denen es so aussieht, als ob sie oft selbst nicht genau wissen, was als Nächstes zu erwarten ist.


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 Post subject: Hass ohne Gnade (1962)
PostPosted: 08.11.2019 15:41 
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HASS OHNE GNADE

● HASS OHNE GNADE (D|1962)
mit Horst Frank, Maria Perschy, Dietmar Schönherr, Dorothee Parker, Demeter Bitenc, Otto Storr, Danilo Bezlaj, u.a.
ein Rapid Film | im Europa Filmverleih
ein Film von Ralph Lothar


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»So leide und arbeite!«

Aufgrund einer Gehbehinderung kompensiert Dirigent Saran (Horst Frank) seine Komplexe über Machtausübung im Berufsleben, indem er seinen Solistinnen alles und noch ein bisschen mehr abverlangt. So gehen seine maximalen Anforderungen auch über das Berufliche hinaus und es kommt zu Affären, da den Künstlerinnen suggeriert wird, ein potentieller Erfolg führe nur über ihn. Hinzu kommt, dass von Saran auch eine eigenartige Anziehungskraft auszugehen scheint, der vor allem eine Klavier-Solistin zum Opfer gefallen ist: Martina (Maria Perschy), die ihr Dasein seitdem in einem Sanatorium für psychisch Erkrankte fristet. Als ihre Zwillingsschwester Claudia (Maria Perschy), die ebenfalls Solistin unter Saran ist, sie eines Tages besucht, kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall...

Ralph Lothar konnte insbesondere in den 50er Jahren als Schauspieler in Erscheinung treten, bis er gegen Ende dieser Dekade ins Regiefach wechselte, um sich vor allem einen Namen als Initiator von TV-Produktionen machen. Im Spielfilmbereich stehen mit "Treibjagd auf dein Leben" und "Hass ohne Gnade" lediglich zwei Filme fürs Kino zu Buche, und dieses 1962 entstandene Drama kann sich in vielerlei Hinsicht sehen lassen, wenngleich die zeitgenössische Kritik sich dazu animiert fühlte, es überwiegend zur Schlachtbank zu führen. In einer Blase, bestehend aus Genie und Wahnsinn, bindet Lothar seine Hauptpersonen sehr effektiv in eine vom Eingangsthema des ersten Satzes aus Tschaikowskis 1. Klavierkonzert getragene Wucht und Intensität ein, die die bevorstehende Dramatik und nötige Brisanz unmissverständlich anbahnt. Bereits die ersten Szenen mit Horst Frank deuten darauf hin, dass dem Publikum kein leichter Weg bevorstehen soll, was schnell durch eine ungewöhnlich temperamentvoll und emotional agierende Maria Perschy in einer Doppelrolle angeheizt wird. Die Konstellationen werden unmittelbar nach den Vorstellungen der wichtigsten Personen auf einem Silbertablett serviert, auch zwischenmenschliche Kriegsschauplätze der Vergangenheit werden unverschachtelt thematisiert, sodass sich der Zuschauer nicht nur im Wesentlichen aufgeklärt, sondern auch an eine gewisse Vorhersehbarkeit erinnert fühlt, die allerdings ein nötiger Bestandteil dieser Geschichte sein muss. Unter normalen Umständen soll die Kunst erhaben und unantastbar über allem stehen, doch interessanterweise arbeitet sich ein unverbesserlicher Egomane alias Horst Frank in den Vordergrund, sodass es scheint, er arbeite mit Hochdruck an der Einleitung einer Art Götterdämmerung.

Besessen von der Perfektion der Kunst und Unvollkommenheit der eigenen Person, zwingt er sein von ihm streng isoliertes Umfeld dazu, für Ausgleich zu sorgen. Natürlich sind die dazu ausgewählten Werkzeuge bei einer vollkommen egoistisch denkenden Person wie ihm dazu nicht imstande, sodass das erste schwache Glied der Kette bereits gebrochen ist, wahrscheinlich sogar brechen musste. Horst Frank jedenfalls glänzt mit einer Performance, die ihm wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint, und in dieser Hinsicht ist es nicht zu leugnen, dass eine ganz eigenartige Aura von ihm ausgeht, wegen der es zumindest verständlich ist, dass sich Menschen in seinen persönlichen Würgegriff nehmen lassen. So bilden Musik, Zurückweisung und Anziehungskraft eine gefährliche, auslaugende Mischung, der zunächst die halbe Doppelrolle in persona von Maria Perschy zum Opfer gefallen ist. Die Sequenzen, in denen Perschy gleich doppelt zu sehen ist, wurden technisch mehr als einwandfrei gelöst und deuten eine düstere Geschichte an, die allerdings von der Österreicherin selbst erzählt und sehr glaubwürdig ausgestaltet wird. Als Interpretin war Maria Perschy eher bekannt für reserviert agierende Personen, die ihr Temperament in eleganter Zurückhaltung entschärfen zu versuchten, sodass es hier umso erstaunlicher wirkt, dass die vielbeschäftigte Schauspielerin nicht nur in zweifacher Potenz zu sehen ist, sondern gleichzeitig doppelt ausdrucksstark wirkt. Ihr Zusammenspiel mit Horst Frank gestaltet sich der Thematik entsprechend sehr intensiv und verheißungsvoll, zumal die Regie bereits recht früh für Paukenschläge sorgt. Ein klassisches Abhängigkeitsverhältnis mit inszenatorischen und darstellerischen Konturen beginnt den Film ganz für sich zu vereinnahmen, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis weitere Opfer zu beklagen sein dürften.

Die Wegbereitung hierfür geschieht jedenfalls recht offensichtlich und mit zielsicherem System, sodass man sich trotz aller Unsicherheit in Sicherheit zu wiegen glaubt. Empfand man Martina, die psychisch erkrankte Schwester und Insassin eines Sanatoriums schon als sehr labil und unberechenbar, wird es schwierig, sich des Eindrucks zu verwehren, dass Claudia ebenfalls mit derartig übersteigerten und hysterischen Verhaltensweisen auffällt, oder zumindest auf dem besten Weg dazu ist, die Fassung zu verlieren. Immerhin schwingt ein unerbittlicher Dirigent seine Peitsche in Form eines Taktstocks, und dies in immer kürzer werdenden Intervallen, was die Geschichte mit einem anschaulichen Tempo versieht. Gute Leistungen von Dorothee Parker und Dietmar Schönherr runden dieses in den hinteren Reihen eher ökonomisch besetzte Geschehen wohltuend ab, denn die zweite Solistin Sybil und Dr. Elmer sorgen für Atempausen im Dunstkreis von Geltungssucht, Rücksichtslosigkeit, Hass, Rachsucht und möglicherweise Wahn. Dass es im Ausgleich daher zu ganz obligatorischen Inhalten wie Liebeleien und leicht sentimentalen Anwandlungen kommt, ist sicherlich dem Zeitfenster geschuldet, kommt aber auch keineswegs schlecht an. Dennoch gibt es in "Hass ohne Gnade" keine anderen Größen neben Horst Frank und Maria Perschy, die das Drama perfekt choreografieren und ausbuchstabieren, dem Film außerdem eine fundamentale Art der psychologischen Spannung verleihen. So wartet die Geschichte gegen Ende mit einem Twist auf, der im Grunde genommen gar keiner ist, weil er im Sinne der Verwirklichung des deutschen Titels offensichtlicher als üblich angelegt wurde. Dies tut dem Vergnügen an "Hass ohne Gnade" in keinster Weise einen Abbruch, da der interessierte Zuschauer mit wirklich beeindruckenden darstellerischen Leistungen versorgt wird, die in dieser Fasson möglicherweise nicht zu erwarten gewesen wären.


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 Post subject: Blitzmädels an die Front (1958)
PostPosted: 10.11.2019 12:02 
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BLITZMÄDELS AN DIE FRONT

● BLITZMÄDELS AN DIE FRONT (D|1958)
mit Eva Ingeborg Scholz, Antje Geerk, Klausjürgen Wussow, Bert Fortell, Christiane Nielsen, Edith Elmay, Nana Osten, Uta Hallant,
Claudia Gerstäcker, Elisabeth Terval, Ruth Müller, Robert Meyn, Werner Peters, Hermann Nehlsen, Klaus Behrendt und Horst Frank
ein Hübler-Kahla Film | im Prisma Filmverleih
ein Film von Werner Klingler


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»Wir werden auch diesen Krieg überleben!«

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wird Oberführerin Hanna Helmke (Eva Ingeborg Scholz) mit weiteren 30 jungen Frauen für die Luftwaffe abgestellt. Nahe der französischen Westfront sollen die sogenannten Blitzmädels ihren Dienst als Nachrichtenhelferinnen tun. Oberleutnant Wagner (Klausjürgen Wussow) ist nicht erfreut über diese in seinen Augen sinnlose Aktion, da er den Krieg insgeheim schon als verloren ansieht. So gerät er immer häufiger mit Oberführerin Helmke aneinander, da seine Soldaten ohnehin nur noch Augen für die attraktiven Mädchen haben und sich unnötig ablenken lassen. Doch auch die Frauen bringen eigene Schicksale, Geheimnisse und vor allem ihren eigenen Kopf mit, sodass Konfrontationen unausweichlich sind...

Gerade in den 50er Jahren griff der deutsche Film sehr häufig Themen rund um den Zweiten Weltkrieg auf. Ob es sich dabei überwiegend um ernsthafte Aufarbeitungen oder nur um ein Abarbeiten mit Blick auf die Lukrativität gehandelt hat, sei dahingestellt. Werner Klingler inszenierte mit "Blitzmädels an die Front" jedenfalls eine nicht gerade uninteressante Variante der Beschäftigung mit der zu jeder Zeit heiklen Thematik, und baut auf Unterschiede beim Beleuchten der jeweiligen Positionen, da das Publikum hauptsächlich die Blickwinkel der beteiligten Frauen geschildert bekommt. Dies will im Endeffekt nicht komplett beispiellos erscheinen, aber zumindest prägt sich diese Handhabe als auffallend ein. Die Präsentation wirkt insgesamt sehr dicht und gut nachvollziehbar, da Klingler außergewöhnlich gute Darstellerinnen für die Titelrollen zur Verfügung hatte. In dieser Hinsicht und bezüglich der Charakterzeichnungen ist erfreulicherweise nichts uniformes festzustellen, abgesehen natürlich von den Monturen. Eine Frau wird an die Front geschickt und darf sich ab sofort Oberführerin nennen. Diesen Titel fordert Hanna Helmke alias Eva Ingeborg Scholz auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein, da sie es ganz offensichtlich als diskreditierend empfindet, lediglich mit ihrem bürgerlichen Namen angesprochen zu werden. Die Verantwortung ist groß, und die Hoffnung noch größer, ein wichtiges Zahnrad in der Kriegsmaschinerie zu sein. Unterstellt sind ihr 30 junge Frauen, die teils voller Euphorie an den Ort des Geschehens gekarrt werden, um sich von den Offizieren tagtäglich wieder nur zur Frau degradieren zu lassen. Entweder gilt man vor Ort als unfähig, als bloßer Gebrauchsgegenstand, um sich etwa die schwere Zeit etwas zu versüßen, oder als Klotz am Bein, da unangebrachte Sentimentalitäten nicht gerne gesehen werden.

Eva Ingeborg Scholz macht hier einen sehr überzeugenden Eindruck. Die Frau, die ausschließlich mit ihren Pflichten vertraut zu sein scheint und jede persönliche Ansicht und Emotion zurückstellt beziehungsweise unterdrückt, muss eine Vorbildfunktion demonstrieren, ob sie will oder nicht. In Szenen, in denen sie sich von ihren Mädels und vor allem den Offizieren unbeobachtet fühlt, kommen kleinere Gefühlsregungen zum Vorschein, sodass sich zeigt, dass man es nicht mit einer eiskalten Maschine zu tun hat, wie sie häufig in derartigen Formaten zur Schau gestellt wurden. Die vielbeschäftigte Berlinerin steht in der Geschichte in auffälligem Kontrast zu den ihr unterstellten Mädels, das sie mit Strenge vorgeht und mahnend Disziplin fordert. Werden ihre Schützlinge allerdings von bestimmten Herren bedrängt, die wie Raubtiere umher schleichen, beweist sie bedingungslose Solidarität. In diesem Zusammenhang ist die hervorragende Leistung von Klausjürgen Wussow zu erwähnen, der - um es mit einem Wortspiel zu formulieren - sozusagen ein Schaf im Wolfspelz darzustellt. In Ausübung seiner Machtposition kommt es zu diversen Verfehlungen und Missbräuchen, immerhin fühlt er sich ganz offenkundig stets dazu motiviert, seine besondere Stellung zu unterstreichen. Abgesehen hat es der unsympathisch wirkende Oberleutnant, dem genau anzumerken ist, dass sein Selbstvertrauen untrennbar an seine Uniform gebunden ist, auf die hübsche Nachrichtenhelferin Karin Mertens, die wiederum blendend von Antje Geerk dargestellt wird. Obwohl Geerks Karriere leider nur sehr kurz verlief, stellt sie in jedem ihrer Filme eine besondere Bereicherung dar, da es sich um eine Schauspielerin handelt, die durch ihre besondere Ausstrahlung überzeugen konnte. Zwar ist die Rolle von exponierter Screentime und auffälliger Erscheinung, kann die eher seichte Anlegung jedoch nicht immer komplett verschleiern.

Zusätzlich erwähnenswert sind die darstellerischen Leistungen von beispielsweise Bert Fortell, Christiane Nielsen, Robert Meyn oder Horst Frank, die alle nicht nur für bestimmte Positionen stehen, sondern diese auch mit sehr unterschiedlichen Mitteln ausstaffieren und dabei interessante Richtungsänderungen für die Geschichte anbahnen sowie zulassen. Werner Klingler simuliert einen von unzähligen Kriegsschauplätzen sehr akkurat, verzichtet dabei auch nicht auf Original-Filmmaterial, das in die laufende Geschichte einkopiert ist, und tatsächlich für breites Unbehagen sorgen kann. Zu sehen sind Szenen der Landung der Alliierten, die schweres Kriegsgerät positionieren, außerdem Luft- und Bombenangriffe, Kugelhagel und Verderben. Vergleicht man diese Inszenierung des Stuttgarter Regisseurs mit seinem wenige Jahre später entstandenen Spielfilm "Lebensborn", so wirkt "Blitzmädels an die Front" technisch einwandfreier und inszenatorisch dichter. Auch die Charakterzeichnungen können hier mehr überzeugen. Die Brisanz der Geschichte rückt naturgemäß in den Fokus, da das Ende des Zweiten Weltkrieges absehbar gewesen ist und man dennoch reichlich Kanonenfutter hinter und vor das schwere Kriegsgerät zu stellen versuchte. Dass es in diesem Fall, wie am isoliert wirkenden Schauplatz der Nachrichtenzentrale eines Feldflugplatzes, zu Schilderungen kommt, die zunächst nicht in ein solches Pulverfass passen möchten, stellt sich rapide als Trugschluss heraus, denn das Leben geht irgendwie doch weiter, egal welche Umstände herrschen. Dass der Verlauf schildern muss, dass das Leben für ausgewählte Charaktere dennoch beendet sein wird, bleibt unterm Strich wie ein bedrückendes Kriegsgesetz stehen. Der reißerisch wirkende Titel "Blitzmädels an die Front" hält durch Werner Klinglers ungewöhnlich dicht wirkende Regie tatsächlich mehr bereit, als vielleicht im Vorfeld zu erwarten war. Sehenswert.


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 Post subject: Die Zwillinge vom Immenhof (1973)
PostPosted: 19.11.2019 21:24 
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● DIE ZWILLINGE VOM IMMENHOF (D|1973)
mit Heidi Brühl, Horst Janson, Bettina Westhausen, Birgit Westhausen, Bernd Herzsprung, Jutta Speidel, Günter Lüdge,
Franz Schafheitlin, Vera Gruber, Katharina Brauren, Alexander Hegarth, Rudolf Schündler sowie Olga Tschechowa
eine Produktion der Arca-Winston Films Corporation | im Constantin Filmverleih
ein Film von Wolfgang Schleif


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»Ich will nach Haus!«

Aufgrund beruflicher Überlastung kehrt die mittlerweile als Dolmetscherin tätige Brigitte Voss (Heidi Brühl) an den Ort ihrer Kindheit zurück. Immenhof, ihr Gut in Norddeutschland, wurde komplett in die Hände einer Liegenschaftsverwaltung gegeben, sodass sich Brigitte und der Pächter des Hofs, Alexander Arkens (Horst Janson), nie kennengelernt haben. Dieser wohnt dort mit seiner Familie, bestehend aus seiner Mutter (Olga Tschechowa) und seinen beiden Töchtern, den Zwillingen Billy (Birgit Westhausen) und Bobby (Bettina Westhausen). Gerade die Kinder nehmen Brigitte mit offenen Armen auf, doch es kommt zu Spannungen zwischen ihr und Alexander, da die Liegenschaftsverwaltung die Pacht ohne ihr Wissen empfindlich erhöhen will. So muss die Familie Arkens mit dem Gedanken spielen, neu anzufangen und auszuwandern...

Fast 20 Jahre nach Wolfgang Schleifs "Die Mädels vom Immenhof", dem ersten Teil der fünfteiligen Reihe, versuchte es der Regisseur mit einer Reanimation des Stoffes, der seinerzeit erfolgreich in den Kinos lief. Obwohl von der ursprünglichen Besetzung nur noch Heidi Brühl übrig ist, kommt es zu diversen thematischen und inszenatorischen Gemeinsamkeiten, die in gewohnt heiter bis wolkiger Aufmachung an die Treue der alten Fans appellieren will. Dieser vierte Film lief über die Jahrzehnte gesehen genauso rauf und runter, wie die älteren Vertreter der Reihe, doch qualitativ gesehen wird ihnen kaum der Charme der älteren Garde attestiert. Der Transfer in die 70er Jahre geschieht unter Wolfgang Schleif recht konservativ, denn der aus Leipzig gebürtige Regisseur verlässt sich vollkommen auf die bereits dagewesene Erfolgsgeschichte, was unter den dramaturgischen Grundvoraussetzungen vielleicht gar nicht so stark nötig gewesen wäre. Die Protagonistin von einst erinnert sich an den Ort ihrer glücklichen Kindheit, sodass es recht zügig zu sentimentalen Eingebungen und Rührseligkeit kommen darf. Der treue Fan der Filme, der sie sicherlich bereits seit Kindheitstagen kennt, tut es Brigitte Voss quasi gleich, denn die Verfilmung setzt bestenfalls schöne Erinnerungen in Gang, die die Möglichkeit eines dicken Nostalgie-Bonus nicht ausschließt. Im Grunde genommen ist dieser Beitrag auf diese Grundvoraussetzungen angewiesen, denn wie erwähnt kann Wolfgang Schleif das Immenhof-Rad nicht mehr neu erfinden und bedient das Publikum von einer absolut sicheren Seite, ohne auf die Neuerungen zu setzen, die der Stoff eigentlich hergegeben hätte. Es ist nicht zu leugnen, dass insbesondere Heidi Brühl für einen Charme der ganz besonderen Sorte sorgen wird, was szenenweise sogar für bedeutsame Intensität und einen ganz eigenartigen Zauber sorgen kann.

So hält die sympathische Münchnerin das in vielen Teilen lieblos übernommene Konstrukt variabel zusammen, sodass es unterm Strich zu Phasen kommt, die in guter Erinnerung bleiben und teils sogar berühren können. Heidi Brühl fungiert als Projektionsfläche für Sehnsüchte und repräsentiert einen Lebensweg, der trotz des beruflichen Erfolgs unvollendet wirkt. Dieser Eindruck definiert sich noch nicht einmal über das Fehlen eines Mannes an ihrer Seite, sondern lässt sich aus Nebensätzen herleiten, die sie selbst sehr nachdenklich zu Protokoll geben wird. Wesentlich tiefer wird jedoch nicht in der Vergangenheit geschürft und es reicht der Regie aus, mithilfe einkopierter Szenen aus früheren Filmen im Licht besserer Tage für Zusammenhänge zu sorgen. Heidi Brühl tauscht ihre international taugliche Aufmachung schnell gegen Ensembles aus, die auch einmal schmutzig werden dürfen, doch wie es das Drehbuch will, taucht reichlich Konfliktpotential zwischen den Protagonisten Brühl und Janson auf, die eine angedeutete Liebe auf den ersten Blick zunächst nicht ordnen können. Der weitere Verlauf fußt auf einem diesbezüglichen Hin und Her, denn Brigitte wird zur wichtigsten Schachfigur in diesem Verlauf, dessen Vorhersehbarkeit durch Turbulenzen getarnt wird, immerhin haben die Bewohner des Immenhof beschlossen, dort auch bleiben zu wollen. Was sollte also näher liegen, der Liebe zum zweiten Blick zu verhelfen. Heidi Brühl fungiert auch hier als eine Art Multitalent, denn neben aller schauspielerischen Kapazität und auftauchenden Kapriolen präsentiert sie zusätzlich ihre Gesangsqualitäten. Besonders ihr sehnsüchtiges Chanson "Wo ist das Glück meiner Kindheit" wird von dieser überaus ausdrucksstarken Stimme getragen, sorgt dabei für Momente, die zumindest das Potential besitzen, unter die Haut gehen zu können. Weitere gute schauspielerische Leistungen sorgen für Stimmungen und Impressionen.

Horst Janson überzeugt mit einer den Umständen angepassten Leistung, die beinahe trocken wirkt. Dementsprechend hat er mit einem übersteigerten Stolz zu kokettieren, der wie eine für den Film selbst geschmiedete Erfindung wirkt. Ob die determinierte Liebe schlussendlich siegen wird, stellt sich nicht als die alles entscheidende Frage dar, sondern es geht um das Regulieren eines Augenhöhenprinzips, welches die beiden Protagonisten weit voneinander entfernt, da sie beinahe im ständigen Wechsel versuchen, übereinander zu stehen. Alexander scheint von der progressiven Einstellung Brigittes irritiert zu sein, umgekehrt ergeht es der schönen Besitzerin des Guts nicht anders, da die Globetrotterin so viel konservative Energie kaum gewöhnt zu sein scheint. Unterm Strich bleibt zu erwähnen, dass Horst Janson und Heidi Brühl trotz aller konstruierten und weichgespülten Rahmenbedingungen gut miteinander interagieren und alleine schon rein optisch hervorragend zueinander passen. Die Zwillinge Bettina und Birgit Westhausen sorgen angesichts ihres Status als Laiendarsteller für überraschend leichtfüßige Momente und es obliegt ihnen, für humorige Untertöne zu sorgen, was rückblickend nicht immer zünden will. Dennoch gehören alle Sympathiepunkte ihnen. Olga Tschechowa bekommt ihre letzte große Bühne geebnet und erfreut sich und den Zuschauer mit den großen Gesten einer Dame, klappert dabei ordentlich mit ihrem Handwerk, dass sie immerhin schon über 50 Jahre ausgeübt hatte. "Die Zwillinge vom Immenhof" fällt schlussendlich mit dem jeweiligen Blickwinkel. Natürlich hat es die Produktion nicht gerade leicht, gegen die Klassiker der 50er Jahre anzukommen, außerdem wurde an vielen Stellen ein wenig zu viel des Guten reproduziert. So ist vielleicht eine gute Portion Bedingungslosigkeit treuer Fans nötig, um sich hier ausnahmslos gut unterhalten zu fühlen. Was für die eine Fraktion der Zuschauer also ein nostalgischer Hit ist, könnte für die anderen eher romantisch verklärte Dutzendware sein.


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 Post subject: Das Haus der tausend Freuden (1967)
PostPosted: 25.11.2019 17:23 
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DAS HAUS DER TAUSEND FREUDEN

● DAS HAUS DER TAUSEND FREUDEN / LA CASA DE LAS MIL MUÑECAS (D|E|1967)
mit Vincent Price. Martha Hyer, George Nader, Maria Rohm, Ann Smyrner, Wolfgang Kieling, Herbert Fux, u.a.
eine Produktion der Constantin Film | Producciones Cinematográficas Hispamer Films | im Constantin Filmverleih
ein Fernsehfilm von Jeremy Summers


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»Wir haben eine internationale Auswahl.«

FBI-Agent Stephen Armstrong (George Nader) ermittelt in einer brisanten Angelegenheit. Eine Reihe attraktiver Mädchen aus aller Herrenländer wurde entführt, und wie sich später herausstellt, müssen die spurlos verschwundenen jungen Damen in einem Edel-Bordell in Tanger anschaffen. Dahinter steckt offensichtlich der Illusionist Manderville (Vincent Price), der gemeinsam mit deiner Assistentin Rebecca (Martha Hyer) agiert. Um nicht weiter aufzufallen, ermittelt Armstrong mit seiner dänischen Kollegin Maria (Ann Smyrner). Als Ehepaar getarnt, geraten die beiden in immer gefährlicher wedende Situationen, da sich eindeutige Zusammenhänge ergeben. Werden sie die Mädchen aus den gierigen Klauen der Organisation befreien können..?

Ein atmosphärischer und stimmig wirkender Einstieg findet seinen Höhepunkt in einem Schrei von einer entführten Dame aus Wien, die soeben in einem Sarg in das Haus der angeblichen tausend Freuden verschleppt wurde. Ihr Gesicht ist dem interessierten Zuschauer durchaus bekannt, denn es handelt sich um Harry Alkan Towers' damalige Ehefrau Maria Rohm, die in vielen seiner Produktionen gewinnbringend als Stammbesetzung eingesetzt wurde. Recht imposante Schauplätze und eine ordentliche Ausstattung lassen zunächst inszenatorisch einen Eindruck entstehen, der über dem Durchschnitt liegt, doch man wartet förmlich auf den am Thema orientierten, zeitgenössischen Einschlag mit erotischer Würze, was einen Film bei sorgsamer Bearbeitung aber keinesfalls auf- oder abwerten muss. Dennoch kommt es auf die Dosierung und darauf an, ob man lediglich ein reißerisch veranlagtes Vehikel ohne eigene Impulse zum Fraß vorgeworfen bekommt, denn das Populärthema Mädchenhandel und Prostitution war in jenen Jahren bereits kurz vor dem Exitus. Immerhin wurde es exzessiv beziehungsweise dutzendfach³ ausgeschlachtet. Schöne Frauen aus allen Himmelsrichtungen werden im benannten Bordell auf einem Präsentierteller serviert, und der ausschließlich auf Empfehlung eingelassene Kunde darf nach den persönlichen Präferenzen aussuchen. Dass niemand von den Schönheiten freiwillig dort ist, scheint allerdings nur eine Nebensache zu sein. Schnell deutet sich also an, dass man im Haus der erzwungenen Freuden sehr ungehalten auf mögliche Widersacher reagiert, und in diesem Zusammenhang darf es dann auch zu ersten Veranschaulichungen kommen, die die Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit der Zuhälterbande demonstriert. Trotz aller Bemühungen erweist sich der Verlauf immer wieder als etwas zähflüssig und die durchaus vorhandenen Höhepunkte bleiben hauptsächlich das, was sie leider sind, nämlich nicht besonders nennenswert.

Mithilfe eines international bekannten Star-Aufgebots ergeben sich einige Qualitätssteigerungen in einem vorhersehbaren Verlauf, doch selbst hier zeigt sich, dass dieser Eindruck eher mit Vorschusslorbeeren gleichzusetzen ist. George Nader, insbesondere in Deutschland sehr bekannt geworden durch die Verkörperung des Titelhelden in der gleichnamigen "Jerry Cotton"-Reihe, kann hier kaum die Akzente setzen, die man andernorts von ihm gewöhnt war. Verhalten im Spiel, und unter herkömmlicher Anlegung seiner Rolle, vermisst man die charakteristische Agilität, denn immerhin wurde aus Steve Armstrong für die deutsche Version ein Agent geformt. Unterm Strich bleibt sein Einsatz nicht richtig profitabel für den Verlauf, und alle Augen sind somit auf Vincent Price und Martha Hyer gerichtet. Zwar entsteht der Verdacht, dass sie sich nicht gerade darstellerischen Exzessen hingeben, jedoch geht von beiden Interpreten eine gewisse Erhabenheit aus, sodass sie zusätzlich kultiviert im Auftreten und unnahbar im Erscheinen wirken. Mit Wolfgang Kieling, einem dem Empfinden nach 08/15-Vertreter des Gesetzes, und Herbert Fux, zu sehen in erneut eindeutigen Sphären, wird das Geschehen eher dürftig abgerundet. Ann Smyrner findet ihren wohl obligatorischsten Einsatz als Blickfang und hübsche Staffage ohne eigene Facetten; eine Schablone, die sie in all den Jahren bereits mehrfach abgespult hatte. Schließlich reiht sich noch Maria Rohm in die Riege weiblicher Einheitsbilder ein, jedoch ist es wie immer eine Freude, gerade ihr dabei zuzusehen; egal was sie treibt. Insgesamt gesehen ist Jeremy Summers' Beitrag als typisches Kind seiner Zeit zu bewerten, bei dem ein guter Unterhaltungswert und das bemüht wirkende Spektakel versöhnlich stimmt. Leider fällt die Vorhersehbarkeit bei "Das Haus der 1000 Freuden" relativ schwer ins Gewicht, sodass auch ein paar gut gemeinte Twists mit annehmbaren finalen Ideen diesen Streifen nicht merklich über die Durchschnittsmarke hinausheben können.


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 Post subject: Das Haus der Vergeltung (1964)
PostPosted: 09.12.2019 11:12 
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DAS HAUS DER VERGELTUNG

● DAS HAUS DER VERGELTUNG (A|1964) [TV]
mit Dorothea Neff, Ingrid Andree, Elisabeth Markus, Ljuba Welitsch, Lotte Tobisch, Erica Stross und Albert Lieven
eine Sendung des Österreichischen Rundfunks
ein Fernsehspiel von Rudolph Cartier


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»Vergiss die Vergangenheit und du wirst wieder ein glücklicher Mensch werden!«

In der Londoner Pension "Corinth" leben hauptsächlich alleinstehende Personen, die sich mit der strengen Hausordnung arrangieren können. Im Gegenzug verlangt die Inhaberin Miss Beauclerc (Elisabeth Markus) auch niedrigere Mieten. Als eines Tages ein neuer Gast in die Pension einzieht, stehen bedeutende Veränderungen bevor, die niemand für möglich gehalten hätte, denn hinter der jungen und unscheinbar wirkenden Magda Donnythorpe (Ingrid Andree) verbirgt sich eine eiskalt kalkulierende Frau, die von ihrer Rachsucht angetrieben wird. Bei ihrer Zielscheibe handelt es sich um die langjährige Bewohnerin und ehemalige Lehrerin Miss Malleson (Dorothea Neff), die sich fortan gegen Magdas konspirative Machenschaften wehren muss. Warum versucht Magda die immer verzweifelter wirkende Frau in den Wahnsinn zu teiben..?

»Rache ist ein starkes Gefühl - oft stärker als Liebe!« Dieses ausgeliehene und vielleicht etwas zweckentfremdete Zitat aus Franz Josef Gottliebs im gleichen Jahr produzierten Krimi "Das Phantom von Soho" drückt die bevorstehende Ambivalenz in Rudolph Cartiers Fernsehfilm recht gut aus. Auch wenn es hier augenscheinlich eher um die Thematik der Rache geht, wird sich der Begriff der Liebe, der durch andere positiv geprägte Begriffe aus der Welt der Zwischenmenschlichkeit zu ersetzen ist, als scheinbar entgegengesetztes, aber ebenso starkes Gefühl herauskristallisieren. Ob Ähnliches ausfindig zu machen sein wird, wird in diesem interessanten Verlauf für die Schlusspointe bewahrt, die noch in eigenartiger Weise nachhallen wird. Eine unscheinbare Pension wird plötzlich zum unfreiwilligen Ort des Geschehens, an dem sich vor allem Menschen versammelt haben, die es bevorzugen, dass die Zeit in diesem Vakuum still zu stehen scheint. Gute Voraussetzungen, falls sich beispielsweise eine schleichende Angst vor dem Altern oder Alleinsein breit gemacht hat und man auf Gleichgesinnte hoffen kann, deren Gesellschaft die eigene entschärft. Die Geschichte legt allerdings großen Wert darauf, ihre Personen nicht als Ausgestoßene der Gesellschaft zu skizzieren, sondern liefert andere Hinweise, die jedoch nur solche bleiben werden. So werden die Bewohner, wie die dort lebende Pädagogin, der Major a. D. oder etwa die schroff wirkende Leiterin der Pension, als Herrschaften vorgestellt, die es schätzen, ihre Spleens und die vielleicht mangelnde gesellschaftliche Kompatibilität nicht verstecken zu müssen, wenngleich sie untereinander hervorragende Gesellschafter zu sein scheinen. Symbiotische Zustände machen das Zusammenleben lohnenswert, und deswegen wird diese Habenseite auch nie in eine Waagschale mit der spartanischen Bewirtung, dem Befehlston der Inhaberin oder der Flapsigkeit des Personals geworfen.

Die Frage, ob sich die Entourage mehr vom Leben erhofft hätte, wird erst gar nicht aufgeworfen, da Eindrücke wie Harmonie, freundschaftliche Höflichkeit oder reservierte Zuneigung vermittelt werden, zumindest solange, bis Ingrid Andree recht schnell im isolierten Setting auftaucht. Für den Zuschauer erscheint die Wahl der Interpretin alles andere als ein Zufall zu sein, immerhin wurde die Hamburgerin sehr gerne für Rollen ausgewählt, die aus üblichen Strukturen ausbrechen. Ihr unscheinbares Wesen liefert hier erneut die perfekte Steilvorlage für kontrastreiche Momente, denn zunächst sind ihre berechnenden und beinahe destruktiven Charakterzüge nur schwer zu ordnen. Dass der auf Hochtouren laufende Motor von nichts anderem als Rache angetrieben wird, wird die inoffiziell Angeklagte umgehend selbst bestätigen, da sie unter vier Augen äußerst geständig sein wird. Interessant ist, dass Magda Donnythorpe nicht eindimensional zu agieren hat, sondern Kehrseiten preisgibt, die den Zuschauer vielleicht nicht unbedingt auf ihre Seite ziehen können, ihn aber zum Verständnis anregen. Unterm Strich ist Magdas Tunnelblick zwar nicht zu rechtfertigen oder gutzuheißen, beim Blick auf eine offensichtlich geschundene Seele jedoch zu verstehen. Um das anvisierte Ziel zu erreichen, gestaltet sich die Wahl der Mittel drastisch und mit hoher Präzision als unfair, doch sorgt natürlich dafür, dass die Geschichte kultiviert-spannend und auf psychologischer Ebene beeindruckend bleibt. Als Kontrahentin wird die bekannte österreichische Bühneninterpretin Dorothea Neff aufgebaut, deren Widerstand peu à peu gebrochen werden soll. Zwar sind Wille und Überzeugung stark und unbändig wie einst, doch die Bürde des Alters lässt sie immer schwächer im Kampf um Recht und Gerechtigkeit werden. Dennoch bietet die alte Lehrerin Miss Malleson trotz aller Unschuldsvermutungen die unterstellten Angriffsflächen an.

Da sie Jahrzehnte lang als Pädagogin tätig war, kommt es möglicherweise zu der pauschalen Kalkulation, dass ihr naturgemäß Fehler unterlaufen sind und Ungerechtigkeiten stattgefunden haben könnten. So singt ihre charakterliche Stärke förmlich ein Lied von ehemaliger Härte und Unerbittlichkeit, wenngleich sich die alte Dame stets selbst in Rehabilitierungserklärungen verliert. Durch Mutmaßungen und die Vergangenheit wird Miss Malleson näher in den Radius von Magda gerückt, und es entstehen Verdachtsmomente oder interessante Wechselspiele in der Einbahnstraße namens Schuld und Sühne. Die hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Ingrid Andree und Dorothea Neff fabrizieren eine spürbare Blase, von der man ausgeht, dass sie jederzeit platzen könnte. Die weiteren Darsteller fallen ebenso durch ihre Spiellaune auf, werden jedoch zu Schachfiguren in Magdas Spiel eingesetzt. Wer wird sich auf welche Seite ziehen lassen, oder wer wird seine Position erfolgreich verteidigen? Die präzisen Einsätze der Darstellerinnen Ljuba Welitsch, Lotte Tobisch, Erica Stross und Elisabeth Markus, deren Beherrschungslust im kleinen Rahmen oft amüsiert, sorgen für die guten, zwischen den von Neff und Andree dominierten Momenten, doch Vereinnahmung im Kreis der Nebenrollen will vor allem durch Albert Lievens Nonchalance entstehen. Regisseur Rudolph Cartier gestaltet diese Angelegenheit mit einfachsten Mitteln offen und sehenswert, sodass spürbare Ahnungen von Überraschungsmomenten stets in der Luft liegen. Der Kammerspiel-Charakter der Produktion geht nicht zuletzt wegen der einträglichen Geschichte vollends auf, sondern auch wegen der profitablen Einsätze der Entourage, vor und hinter der Kamera. Schlussendlich stellte sich "Das Haus der Vergeltung" trotz des teilweise starr wirkenden TV-Charakters als sehenswerte Überraschung und darüber hinaus als Volltreffer des österreichischen Kammerspiels heraus.


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 Post subject: Fünf Freunde auf dem Leuchtturm (1979)
PostPosted: 19.12.2019 19:47 
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● Folge 23: FÜNF FREUNDE AUF DEM LEUCHTTURM (1) / FIVE GO TO DEMON'S ROCK (1) (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz, Sue Best, Friedrich von Thun
Gäste: Wayne Brooks, Paul Curran, Wolfe Morris, Timothy Bateson, John Tordoff, Cyril Cross, George Hilsdon, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: Pat Jackson



Auf Kirrin Cottage finden wichtige wissenschaftliche Gespräche zwischen Onkel Quentin und seinem alten Freund Professor Hayling statt. Da Hayling seinen Sohn Tinker mit dabei hat und die Kinder Ferien haben, kommt es zu viel Unruhe im Haus, bis Quentin die Nerven verliert und Julian, Dick und Anne wieder nach Hause schicken will. Um das weitere Zusammensein nicht zu gefährden, haben die Kinder eine zündende Idee: da Tinker von seinem Vater einst einen Leuchtturm geschenkt bekam, möchten die Freunde ihren Urlaub dort verbringen. Kaum angekommen, wartet auch schon das nächste Abenteuer auf sie, da sie auf die Spur eines seit Ewigkeiten verschollenen Piratenschatzes kommen...

Wo eine Menge Licht war, werden sich auch irgendwann ein paar Schatten zeigen. Vielleicht trifft eine derartige Aussage ab einem gewissen Zeitpunkt auf so gut wie jede laufende Serie zu und die 23. Folge der "Fünf Freunde" kann, wenn überhaupt, als solcher Punkt identifiziert werden, da sich dem Empfinden nach zu viele Ungereimtheiten in dieser Bearbeitung tummeln. Der Zweiteiler "Fünf Freunde auf dem Leuchtturm" wurde von Gast-Regisseur Pat Jackson inszeniert und es lassen sich sogar ein paar untypische Stilbrüche ausfindig machen, die den Verlauf hin und wieder schwerfällig und abgehackt aussehen lassen, was auch an der Schnittschere liegen mag. Wahrscheinlich wurde zu diesem späten Produktionszeitpunkt bereits längst nicht mehr in Betracht gezogen, die Serie auch weiterhin herstellen zu wollen, doch derartige qualitative Einbußen waren bislang in keiner der vorigen Folgen zu beobachten. Zwar steht das Erfolgskonzept auch hier ganz prominent und sichtbar im Fokus, doch es bleibt ein unrunder Charakter zurück. Zunächst werden die Weichen für einen spannenden Fall gestellt und obligatorische Eindrücke wissen erneut zu fesseln. Da ein wie immer gereizt wirkender Onkel Quentin die Kinder so schnell wie möglich aus dem Haus haben möchte, um sich ungehindert seinen wissenschaftlichen Projekten widmen zu können, ist der Urlaub für die jungen Protagonisten so gut wie perfekt, der erfahrungsgemäß eher zu einem spannenden bis gefährlichen Abenteuer werden wird. Die herrliche Kulisse und die Eindrücke aus dem Inneren des Leuchtturms sorgen für eine starke Atmosphäre, genau wie die integrierten Personen zwischen Gut bis Böse. Leider gestaltet sich die Erzählweise ab dem Mittelteil als etwas zu sprunghaft, aber die mittlerweile routinierten Jung-Schauspieler bieten wie üblich ihre charismatischen Leistungen an, die mit zum Aushängeschild der Serie wurden.

Ein wertvoller Goldschatz lockt erwartungsgemäß nicht nur die Detektive an, sondern auch zwielichtige Gestalten, die sich erst durch allerlei Seemannsgarn eines alten Weltenbummlers animiert fühlen, der heißen Spur nachzugehen. Sympathien, Antipathien, Schwingungen und Stimmungen werden auch durch Regisseur Jackson ganz eindeutig angelegt und die Entourage zieht bei der Suche nach dem Ungewissen an einem Strang. Obligatorische Inhalte und schöne Bilder sorgen für die über die Zeit lieb gewonnenen Strecken, die hier vor allem im Bereich der Schauplätze zu finden sind. Der erwähnte Leuchtturm als extravagantes Domizil wird noch klaustrophobische Zustände vermitteln, außerdem irren die Freunde erneut in unterirdischen Gängen und Höhlen umher, die das Gefühl von Gefahr vermitteln. Thematisch gesehen kann "Fünf Freunde auf dem Leuchtturm" überzeugen, schwächelt aber wie erwähnt an einigen Unstimmigkeiten. Auffällig ist die große Masse an für die deutsche Fassung entfernten Szenen, die vor allem Gespräche zwischen dem Diebesgesindel schildern und das Verständnis ein wenig hemmen, da sich die unliebsamen Herren über ihre bevorstehenden Pläne und eine alte Sage unterhalten. Alle Hoffnungen liegen somit auf dem zweiten Teil dieser Episode, da das Potenzial an Spannung und bevorstehender Bedrängung sehr groß erscheint. Außerdem konnten Fortsetzungen erfahrungsgemäß nochmals für wesentlich stärkere Eindrücke sorgen, da sie das Tempo meistens forcieren und die Spannung bündeln konnten. Auch wenn am Ende des ersten Teils kein zufriedenstellender Cliffhanger geboten wird, deutet sich an, dass es schon bald sehr brenzlig zugehen dürfte, denn immerhin geht es nicht gerade um wenig. Bisweilen darf sich der treue "Fünf Freunde"-Fan also an den vornehmlich imposanten Schauplätzen und an der ungebrochen guten Spiellaune von Julian, Dick, Anne und George erfreuen.


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 Post subject: 5 Freunde in der Tinte (1970)
PostPosted: 24.12.2019 09:28 
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5 FREUNDE IN DER TINTE

● DE 5 I FEDTEFADET / 5 FREUNDE IN DER TINTE / FÜNF FREUNDE IN DER TINTE (DK|D|CDN|1970)
mit Lone Thielke, Mads Rahbek, Niels Kibenich, Sanne Knudsen, Ove Sprogøe, Werner Abrolat, Frank Nossack, Hubert Mittendorf,
Kristian Paaschburg, Lily Broberg, Astrid Villaume, Max Gårdsted, Marie Brink, Jørn Walsøe Therkelsen und Manfred Reddemann
eine Produktion der Panorama Film A/S | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Katrine Hedman


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»Das werden langweilige Ferien!«

Julius (Mads Rahbek), Richard (Niels Kibenich), Anne (Sanne Knudsen) und Georg (Lone Thielke) begeben sich gemeinsam auf eine Radtour. Nach kurzer Zeit taucht ein Junge auf, der sich ihnen anschließt und sich ihnen förmlich aufdrängt. Richard Kent (Kristian Paaschburg) ist aus sehr reichem Hause und als ihm Rooky (Frank Nossack) auf dieser Tour begegnet, einem ehemaligen Leibwächter seines Vaters, wird es gefährlich für den Jungen und die anderen. Richard Kent soll entführt werden und dabei helfen, die diebe in sein Elternhaus zu bringen, die es dort auf wertvolle Dinge abgesehen haben. Im Eifer des Gefechts kommt es allerdings zu einer fatalen Verwechslung, denn Julius' Bruder Richard wird gekidnappt, wobei Anne hilflos zuschauen muss. Da sie jedoch mitbekommen hat, wohin man ihren Bruder verschleppt hat, begeben sich die Kinder auf die Suche. Die Spur führt in ein altes, abgelegenes Herrenhaus. Vor Ort machen die Kinder einige sehr unangenehme Bekanntschaften...

Nach der Verfilmung "De fem og spionerne" aus dem Produktionsjahr 1969, die auf Enid Blytons Buch "Fünf Freunde auf neuen Abenteuern" basiert, entstand in Zusammenarbeit mit der deutschen Terra Filmkunst eine weitere Verfilmung unter der Leitung von Regisseurin Katrine Hedman. Diese zweite Adaption behandelt den Stoff "Fünf Freunde geraten in Schwierigkeiten", die Fans der Autorin oder etwa der Serie von 1978 nicht unbekannt sein dürfte. Hedman, deren Regie-Karriere sich nur über einen kurzen Zeitraum von fünf Jahren erstreckte, in welchem lediglich vier Spielfilme zu Buche stehen, inszenierte einen heiteren, absolut auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnittenen Abenteuerfilm, der mit gut aufgelegten Kinderdarstellern und seiner atmosphärischen Finesse überzeugen kann. Auffällig und sicherlich gewöhnungsbedürftig sind Teile der deutschen Synchronisation, die insbesondere die Namen der Kinder eindeutscht beziehungsweise verändert, was hierzulande weder aus der beliebten Serie, noch von den Europa-Hörspielen bekannt war. Nichtsdestotrotz kann die Geschichte innerhalb der soliden Bearbeitung überzeugen und sorgt für heiter bis spannende Momente, die in einen klaren Aufbau gebettet wurden. Zunächst überwiegen vergnügliche Strecken, sodass die Integration der jungen Protagonisten buchstäblich zum Kinderspiel wird, da sie sich ganz unbelastet präsentieren können. Wortwitz und Ausgelassenheit dominieren das erste Drittel des Verlaufs, bis es zu ersten unangenehmen Begegnungen kommen wird, für die sich vornehmlich Interpreten von deutscher Seite zur Verfügung stellen. Die Kinderdarsteller Lone Thielke, Mads Rahbek, Niels Kibenich und Sanne Knudsen wirken trotz ihres zuvor absolvierten Auftritts im Vorgängerfilm unverbraucht und gut aufgelegt, auch wenn ihnen vielleicht hin und wieder Vergleiche zusetzen, die zu anderen Formaten gezogen werden und unbedingt von persönlichen Präferenzen abhängig sind.

Eine unbeschwerte Radtour gipfelt in einer Entführung, die zugegebenermaßen etwas zu harmlos über die Bühne zu gehen scheint, allerdings kommt der Motor der Geschichte dadurch recht gut in Gang, da es sich um eine fatale Verwechslung handelt. In einem Herrenhaus spielen sich dunkle Machenschaften ab, die die Kinder anzuziehen scheinen wie ein Magnet. Gegen deren gute Kombinationsgabe und Wachheit kommen die Verbrecher nur vermeintlich an, da sie sie maßlos unterschätzen. Alte Bekannte des überwiegend deutschen Genre-Films liefern die passenden Gauner-Visagen und agieren immer aggressiver, da sie bemerken, dass die jungen Detektive sie auszustechen drohen. Insbesondere Manfred Reddemann als Krimineller in Gentleman-Fasson kann einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, doch leider weicht die Spannung zugunsten einer vollkommen kindertauglichen Inszenierung, die mit anderen Eindrücken zu punkten versucht und dies unterm Strich auch gut schafft. An manchen Stellen wirkt der Verlauf vielleicht etwas zu sehr in die Länge gezogen, doch als Ausgleich bekommt der interessierte Zuschauer genügend Berührungs- und Sympathiepunkte geboten. Schöne Landschaftsaufnahmen und atmosphärische Schauplätze sorgen für Flair und Stimmungen, die interessante Wechselspiele zwischen Unbeschwertheit und Gefahr eingehen. Insgesamt ist "5 Freunde in der Tinte" als gelungener Beitrag zu bezeichnen, der sich sehr nah an den Bedürfnissen des Zielpublikums orientiert und sich etwaige Ausreißer oder gar Kapriolen aufspart. Erwähnenswert ist sicherlich noch der Auftritt von Ove Sprogøe, der hier wie bereits im Vorgänger als Onkel Quentin zu sehen ist, und einem breiten Kino-Publikum aus den "Olsenbande"-Filmen bekannt sein dürfte, wenngleich Sprogøe hier nur einen sehr kurzen Auftritt hat. Alles in allem ist dieses Abenteuer der beliebten Jung-Detektive geglückt und kann vor allem aufgrund seiner Schnörkellosigkeit überzeugen und pointiert unterhalten.


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 Post subject: Der kleine Lord (1980)
PostPosted: 25.12.2019 19:41 
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Ricky Schroder   Alec Guinness  in

DER KLEINE LORD

● LITTLE LORD FAUNTLEROY / DER KLEINE LORD (GB|1980) [TV]
mit Connie Booth, Eric Porter, Colin Blakely, Rachel Kempson, Rolf Saxon, Carmel McSharry, Antonia Pemberton, u.a
eine Norman Rosemont Produktion
ein Film von Jack Gold


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»Wenn ich Earl geworden bin, wird aus mir kein Tyrann werden!«

Der achtjährige Cedric Errol (Ricky Schroder) lebt zusammen mit seiner Mutter (Connie Booth) und der Hebamme Mary (Carmel McSharry) in bescheidenen Verhältnissen in New York. Noch ahnt niemand, dass ihm sein verstorbener Vater, der einer angesehenen britischen Adelsfamilie entstammte, ein bedeutendes Vermächtnis gemacht hat. Als letzter Nachkomme der Linie, soll Cedric eines Tages den Titel des Earl of Dorincourt übernehmen. So bestellt der jetzige Earl (Alec Guinnesss) seinen Enkel nach England, um das Kind nach seiner Fasson zu erziehen. Da Der Earl of Dorincourt seinen eigenen Sohn und Vater des Jungen einst verstoßen hatte, weil er gegen dessen Willen Cedrics Mutter zur Frau nahm, stellt er in diesem Zusammenhang harte Bedingungen: er will Mrs. Errol unter keinen Umständen zu Gesicht bekommen...

Dem 1980 entstandenen Fernsehfilm "Der kleine Lord" wurde über die Jahre gesehen einen Klassiker-Status zuteil und das nicht zuletzt, weil er ab 1982 zum festen Bestandteil des vorweihnachtlichen Programms der ARD wurde. Jack Golds Beitrag sollte nicht nur auf eine von vielen Weihnachtsgeschichten reduziert werden, da er wesentlich mehr zu bieten hat als festtagliche Eindrücke. Dass der Film zu einem Klassiker avancieren konnte, der hauptsächlich mit den Feiertagen in Verbindung gebracht wird, liegt sicherlich am Ende der Geschichte, wo es diesbezüglich zu einem sehr leidenschaftlichen und innigen Appell kommt. So zählt "Der kleine Lord" vermutlich zu den Filmen die man einfach kennt, weil man um sie nicht herumkommt. Qualitativ gesehen spielt die Produktion in der obersten Liga mit und wartet für TV-Verhältnisse mit einer ungewöhnlichen Opulenz auf, die für beeindruckende Momente sorgen kann. Auch die Besetzung ist definitiv in der A-Kategorie anzusiedeln. Die Erzählung beginnt in den Straßen von New York, zunächst ganz einfachen Verhältnissen und die arbeitende Bevölkerung muss sich so gut es geht durchschlagen. Die weit entfernte Aristokratie stellt hier keine Größe dar, die für irgend jemanden relevant wäre, bis schließlich Post aus England ankommt und die Vergangenheit so gleichzeitig die Möglichkeit eingeräumt bekommt, einige der Beteiligten einzuholen. Wenn der Zuschauer den jungen Protagonisten erstmalig zu Gesicht bekommt, wird schnell klar, dass man es mit einem Verlauf zu tun bekommen wird, der selbstbewusst vor (moralischen) Werten und emotionalem Schwergewicht strotzt. Interessant hierbei ist und bleibt, dass eine ausgezeichnete Balance besteht, die trotz zahlreicher rührseliger und sentimentaler, sogar naiver Anflüge immer gut ankommen möchte und den Zuschauer bestenfalls berührt und Inhalte dabei nicht nur oberflächlich ankratzt.

Die Verbindung aus Ricky Schroders intuitiver und leichtfüßiger Spiellaune, den pointierten Dialogen und der Tendenz, Werte und Emotionen vermitteln zu wollen, ist nicht nur als gelungen zu bezeichnen, sondern auch als äußerst effektiv in der Platzierung. Man mag diesen aufgeschlossenen, höflichen und liberal erzogenen Jungen einfach gerne, auch wenn die Gefahr in der Luft liegt, dass er durch die Arroganz und Härte der regierenden Aristokratie verdorben werden könnte. Das erste Aufeinandertreffen mit Alec Guinness deutet derartige Tendenzen zwar an, doch der entwaffnende Charme des Jungen vermag es, selbst ein Herz aus Eis zu schmelzen. Die Finessen entstehen vor allem im Zusammenspiel von Schroder und Guinness, aber auch Connie Booth leistet in diesem Bereich Pionierarbeit. Ein klarer Aufbau und die ökonomische Erzählstruktur dieses Beitrags trägt dazu bei, dass alle wichtigen Punkte verständlich angerissen werden und die Einteilung in verschiedene Phasen aus Wechselbädern der Gefühle gestalten den Verlauf mitreißend und überaus zielführend. Die restlichen Damen und Herren aus der Schauspielerriege stellen sich als gute Stichwortgeber und Sympathieträger heraus, sodass die gesamte Spielzeit vergeht wie im Flug. Die Anfänge des Werdegangs des Earls of Dorincourt werden von der Regie mit verspielten Aspekten ausgekleidet, doch schnell kommt es auch zu ernsten Tendenzen, die eine nicht gerade einfache Aufgabe zu zeichnen versuchen. "Der kleine Lord" ist und bleibt in seiner hingebungsvollen Gestaltung ein Film, der das Potenzial bietet, ihn sich mehrmals anschauen zu können. So sind in allen erdenklichen Bereichen hohe Qualitätsansprüche zu finden, die den Status eines Klassikers nicht nur bedingen, sondern auch rechtfertigen können. Aus persönlicher Sicht handelt es sich um einen Beitrag, der immer und immer wieder angesehen werden kann und hierfür müssen noch nicht einmal die Weihnachtsglocken läuten.


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 Post subject: Das Vermächtinis des Inka (1966)
PostPosted: 07.01.2020 18:18 
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● DAS VERMÄCHTNIS DES INKA / EL ÚLTIMO REY DE LOS INCAS / VIVA GRINGO / SAWETUT NA INKATA (D|E|I|BUL|1966)
mit Guy Madison, Rik Battaglia, William Rothlein, Heinz Erhardt, Geula Nuni, Walter Giller, Fernando Rey, Chris Howland,
Carlo Tamberlani, Raf Baldassarre, Ingeborg Schöner, Geza De Rosner, Winfried Groth, José Calvo und Francisco Rabal
eine Produktion der Franz Marischka Film | Orbita Films | Cinematographie-Filmstudios | Boyana Film | im Nora Filmverleih
nach den gleichnamigen Roman von Karl May
ein Film von Georg Marischka


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»Wir haben noch eine alte Rechnung miteinander zu begleichen!«

Die Ermordung ihres Königs liegt seit zehn Jahren wie ein Fluch auf dem Volk der Inka, welches noch keine Rache am Mörder ihres Oberhauptes nehmen konnte. Falsch gelegte Fährten lassen den Priester Anciano (Carlo Tamberlani) immer noch fest daran glauben, dass es sich bei den Tätern um die Hansen-Brüder handelt, die zum Zeitpunkt des Verbrechens anwesend waren. Entwendet wurde ein Teil einer alten Knotenschnur, die den Weg zum sagenumwobenen Inka-Schatz weisen soll, der gerade jetzt allerlei Banditen anzieht, da die Krönung Haukaroporas (William Rothlein) zum neuen König der Inka kurz bevor steht. Die Regierung befürchtet, dass das aufgewühlte Volk in den heiligen Krieg ziehen wird und beauftragt den so genannten "Jaguar" (Guy Madison) zwischen den angespannten Fronten zu vermitteln. Doch dann schlägt die Vergangenheit erneut zu...

Bevor das aufwändige Projekt "Das Vermächtnis des Inka" unter widrigen Umständen auf die Beine gestellt werden konnte, das an Originalschauplätzen in Peru, Spanien und Bulgarien gedreht wurde, gingen der Produktion bereits 15 Karl-May-Filme in der Nachkriegszeit voraus, die größtenteils immense Kassenerfolge feiern konnten. Regisseur Georg Marischka, der als May-Experte galt, war als Co-Regisseur bereits an der ersten Farbfilmvariante "Die Sklavenkaravane" aus dem Jahr 1959 beteiligt und der Film avancierte zu einem zufriedenstellenden Geschäft. Der Wunsch, ein derartiges Projekt alleine zu inszenieren, war bei dem österreichischen Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor wohl sehr groß, sodass er Artur Brauner und seine cCc Filmkunst für das Projekt zu gewinnen versuchte. Nach der Ablehnung durch Brauner gründete Marischka gemeinsam mit seinem Bruder eine eigene Produktionsfirma und gewann die renommiere Nora für den Filmverleih, denn immerhin galten Karl-May-Verfilmungen als Selbstläufer und Kassenschlager. "Das Vermächtnis des Inka" konnte sich letztlich nicht in diese Riege einreihen, denn er entwickelte sich zu einem geschäftlichen Misserfolg, der nicht nur verantwortlich für den Konkurs der Franz-Marischka-Film war, sondern bestimmt auch für das langsame Ausklingen der langjährigen Reihe. Der 1966 in der Bundesrepublik uraufgeführte Film unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen Artgenossen und besitzt das Potenzial, das Publikum in zwei Lager zu teilen, zwischen denen nicht viel Spielraum bleibt. Alleine die Tatsache, dass die Produktion mit immensem Aufwand auf ins Leben gerufen wurde, hebt ihn quasi pauschal über die Durchschnittsmarke hinweg, wobei andere Faktoren ihn in Teilen genau in die andere Richtung manövrieren. So steht oder fällt diese Erzählung wie so häufig mit dem eigenen Gusto und den individuellen Erwartungen oder Sehgewohnheiten, die sich von Vorgänger-Produktionen herleiten.

Zunächst ist anzumerken, dass Marischkas Version weitgehend ohne die verklärte Romantik insbesondere der von Rialto-Film hergestellten Adaptionen auskommt, was je nach Erwartung als Plus zu werten ist. Ein beinahe ökonomischer Pragmatismus lenkt und prägt diesen nicht uninteressant erzählten Film über weite Strecken, kommt auf der anderen Seite jedoch nicht um den handelsüblichen Humor aus, der von Zeit zu Zeit haarscharf an zweitklassigem Klamauk vorbeischrammt. Bleibt man nur bei diesen zwei fundamental erscheinenden Elementen des Films, ergibt sich ein sperriger Erzählfluss, der im Gesamtergebnis wirkt wie zwei sich gegenseitig abweisende Phasen in einem Glas, die nicht ineinander übergehen können. Dennoch präsentiert sich der Film sehr bemüht, vor allem aber intern und extern international orientiert, was alleine schon an der interessanten Besetzungsliste zu bemerken ist. Der US-Amerikaner Guy Madison dürfte gerade dem deutschen Kinopublikum aus dem ein Jahr zuvor in die Kinos gebrachten "Old Shatterhand" in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Als Protagonist "Jaguar" gerät er zwischen die aufgestachelten Fronten, um unschuldiges Opfer eines doppelten Spiels zu werden. In diesem Zusammenhang setzt die Inszenierung zwar auf frühe Gewaltspitzen, die sich als Tendenz jedoch nicht durchsetzen werden und Intervallen mit Heinz Erhardts, Walter Gillers und Chris Howlands unverkennbaren Auffassungen von Humor weichen. Hier kristallisieren sich deutliche qualitative Unterschiede bei der Handhabe heraus, sodass sich unterm Strich bemerken lässt, dass Erhardt seine Kollegen nach und nach abhängen wird. Die humorige Dichte wirkt in den vorgefertigten Intervallen oft erdrückend und ausbremsend, da am Ende mehr als nur eine dominante Tendenz in Richtung Lustspiel übrig bleibt, die das eigentlich ernste Thema nicht nötig gehabt hätte und ungünstig unterwandert.

Da die Themen Rache und blinder Hass bereits zu Beginn in Konturen gebracht wurden, blitzen sie auch in immer wiederkehrenden Phasen auf. So bleibt das interessante und überdies brisante Hauptthema glücklicherweise präsent, um auf einen gelungenen Showdown hinzuweisen. Leider erzeugt die Regie zu wenige Spannungsmomente für den Zuschauer, was im Endeffekt sehr schade ist. Die imposanten Schauplätze funktionieren hervorragend mit den recht authentisch wirkenden Kulissen und es steht außer Frage, dass ein großer Aufwand in der Hoffnung auf einen Großerfolg betrieben wurde. Etablierte Stars und neue Gesichter staffieren das Geschehen angemessen bis spektakulär aus. In dieser Hinsicht sind etwa William Rothlein, Rik Battaglia, Fernando Rey, Carlo Tamberlani und insbesondere Francisco Rabal als rücksichtsloser Fiesling vom Dienst zu nennen; auch die zum damaligen Zeitpunkt eher unbekannte israelische Interpretin Geula Nuni kann durch Anmut und Spiellaune überzeugen. Obwohl es häufig zu leichten Unklarheiten zwischen bestimmten Personen oder innerhalb der Konstellationen kommt, wirkt dieses Abenteuer auf ansehnliche Art und Weise entrückt und offenbart einen leichtfüßigen Grundton. Die zeitgenössische Kritik war sich seinerzeit uneins über das Gelingen von Georg Marischkas Prestigeprojekt und die Positionierungen der Meinungen sind jeweils eher an den extremen Rändern, sprich bei Gut oder Böse wiederfinden. Bei "Das Vermächtnis des Inka" handelt es sich schließlich überwiegend um einen der zahlreichen Karl-May-Beiträge, der wohl mehr als andere Adaptionen von persönlichen Präferenzen abhängig ist. Einerseits hat Georg Marischka den Stoff patent angepackt und beschert dem Interessenten eine abwechslungsreiche, hochwertige und hoffnungsvolle Präsentation, doch andererseits wirken so manche Variationen, die bei genauer Betrachtung wie Stilbrüche aufgefasst werden können, gewöhnungsbedürftig und zu überambitioniert.


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 Post subject: Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod (1968)
PostPosted: 02.02.2020 12:04 
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SEINE WINCHESTER PFEIFT DAS LIED VOM TOD

● I LUNGHI GIORNI DELL'ODIO / SEINE WINCHESTER PFEIFT DAS LIED VOM TOD (I|1968)
mit Guy Madison, Lucienne Bridou, Alberto Dell'Acqua, Steve Merrick, Rosalba Neri, Anna Liotti, Gioia Desideri,
Silvio Jachino, Daniele Riccardi, Gaetano Scala, John Bartha, Franco Gulà sowie Peter Martell und Rik Battaglia
ein Mercurio Film | im Avis Filmverleih
ein Film von Gianfranco Baldanello


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»Keine Dummheiten, sonst schieß ich dir ein Loch in den Anzug!«

Martin Benson (Guy Madison) ist in der ganzen Umgebung als hervorragender Schütze bekannt und hilft der amerikanischen Armee beim Kampf gegen den immer stärker werdenden illegalen Waffenhandel. Einige der Gangster, die Indianer mit haufenweise Waffen versorgt haben, konnte Benson bereits dingfest machen, kam bislang jedoch nicht an den Drahtzieher heran. Wie gefährlich dieser in Wirklichkeit ist, bekommt Bensons eigene Familie zu spüren: bei einem Überfall auf deren Ranch werden Martins Eltern kaltblütig ermordet und seine Schwester Jenny (Anna Liotti) brutal vergewaltigt. Da einer der Angreifer namens Tony Guy (Peter Martell) schwerverletzt zurückgeblieben ist, erhoffen sich die Überlebenden der Familie Benson entscheidende Hinweise auf die Täter und deren Boss. Von Rachegedanken getrieben, steuern sie auf einen gefährlichen Showdown zu...

Deutsche Verleihtitel verwendeten für die Vermarktung ihrer Produktionen gerne ein Pathos, das auch in diesem Ende der 60er Jahre entstandenen Beitrag ankündigt, dass sich der Zuschauer auf eine Menge Schusswechsel und Liquidierungen gefasst machen darf, die hier quasi mit einer Art Melodik gleichgesetzt werden. Für Fans des Italowestern dürfte allein diese Ankündigung Musik in den Ohren sein und es bleibt abzuwarten, ob Regisseur Gianfranco Baldanello, der im Genre zwar regelmäßig tätig war, sich insgesamt jedoch weniger verdient gemacht hat, diese Erwartungen erfüllen kann. Der italienische Originaltitel trifft den Kern der Veranstaltung mit "Die langen Tage des Hasses" wesentlich besser als der deutsche, auch wenn die Winchester des Helden hin und wieder prominent in Szene gesetzt wird. Rachegeschichten sind in der Regel mit Selbstläufern zu vergleichen, da sie von intensiven Emotionen angetrieben werden, die sich in ihrer unberechenbaren Dynamik nicht mehr neutralisieren lassen. In "Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod" gestaltet sich der Grundstein für eine derartige Geschichte als überaus perfide, denn immerhin zieht der Leidtragende die Peiniger seiner Familie nur deshalb an, weil er sich genötigt sah, für Recht und Ordnung einstehen zu wollen. Der Zuschauer hat dieses Modell in Artgenossen und vor allem genreübergreifend freilich schon hinlänglich serviert bekommen, doch unterm Strich kommt es stets auf die Ausarbeitung der Geschichte und die Präsentation der Charaktere an. Die Regie inszeniert einerseits solide und rasant, tastet sich andererseits aber auch zu konventionell und vorsichtig an bestehenden Richtlinien längst dagewesener Erzählungen entlang. Falls man als unermüdlich interessierter Zuschauer keine größeren oder kleineren Wunder oder Kapriolen erwartet, fährt man mit diesem Beitrag überraschend gut, da sich der Verlauf auf seine Kapazitäten konzentriert, ohne sich zu sehr in der staubigen Peripherie zu verlieren.

Starke Schützenhilfe für ein gutes Gelingen leistet die darstellende Entourage dieses Spielfilms, der in der Bundesrepublik Deutschland erst fünf Jahre nach Entstehung in die Kinos gebracht wurde. In der Hauptrolle sieht man den US-Amerikaner Guy Madison, der vor allem durch seine Mitwirkung in diversen Western bekannt wurde. Als Martin Benson kann ihm zunächst attestiert werden, dass er einen sehr guten, teils charismatischen Eindruck im Geschehen hinterlässt und sich den Gegebenheiten sehr dynamisch anpasst, wenngleich zu Beginn eine dramaturgisch bedingte Rehabilitation notwendig ist, da ihm der Ruf eines Gangsters vorauszueilen scheint. Die Tatsache, dass er sich für die richtige Seite des Gesetzes entscheidet, stellt gleichzeitig den Startschuss für die mit Tragik und Brutalität angereicherte Geschichte dar, immerhin lässt diese folgenschwere Entscheidung die ersten unschuldigen Köpfe rollen. Verläufe wie diese werden von Hass angetrieben, der sich in den meisten Fällen auf mehrere Personen des Geschehens übertragen lässt, da Rache der Nährboden für Vergeltung wird. Eine halbe Familie wird kaltblütig ausgelöscht, was als Warnung vor weiterem Eingreifen in fremde Angelegenheiten zu verstehen ist. Der markante Protagonist der Geschichte lässt sich jedoch nicht einschüchtern. Schnell werden die übrigen Charaktere vorgestellt und die Konstellationen untereinander geklärt. Leider gelingt es Regisseur Gianfranco Baldanello in dieser Hinsicht nicht, eine angemessene Spannungskurve zu konstruieren, da schlicht und einfach zu deutliche Hinweise geliefert werden, wer sich schlussendlich hinter dem Drahtzieher verbergen könnte, außerdem lassen sich zu deutliche Wertungen herausfiltern. Nichtsdestotrotz bekommt es der Zuschauer mit interessant gestrickten Charakteren zu tun, die vor allem auf der Seite der Sympathieträger zu finden sind und es ist überraschend, dass Baldanello es sich nicht nehmen lässt, über einige von ihnen Schocks zu setzen.

Bemerkenswert ist die Besetzung der Susy Benson mit der nur sporadisch im Film auftauchenden Lucienne Bridou, die versucht, sich von einheitlichen Schablonen des Genres abzuheben. Die Karriere der attraktiven Französin erstreckt sich lediglich über einen Zeitraum von vier Jahren, in dem sieben Arbeiten für Kino und Fernsehen zusammenkamen. So drehte sie bereits 1968 mit "Auf die Knie, Django - und leck mir die Stiefel" ihren letzten Film, der ebenfalls unter der Regie von Gianfranco Baldanello entstand. Von der Anlegung der Rolle her und in Hinblick auf Susys Strahlkraft, handelt es sich um eine eher konventionelle, aber durchaus ergiebige Frauenrolle in einem Italowestern, der Bridou dennoch sehr einträgliche Facetten zu verleihen weiß. Obwohl auch ihre Funktion innerhalb der Geschichte sehr determiniert wirkt, besitzt sie etwas nicht gerade Alltägliches, das in deutlicher Erinnerung bleibt: eine Ausstrahlung der besonderen Art. Ihre ebenfalls schönen Kolleginnen Anna Liotti und Rosalba Neri erspielen sich gleichfalls gute Momente und staffieren alternative charakterliche Konturen aus, bleiben neben einer faszinierenden Lucienne Bridou jedoch zweitrangig. Weitere, der Geschichte gut angepasste Performances geben beispielsweise Alberto Dell'Acqua, Steve Merrick, Peter Martell oder Rik Battaglia zum Besten, sodass es dem Publikum insgesamt leicht gemacht wird, an der Geschichte Gefallen zu finden. Die Jagd nach der Wahrheit, beziehungsweise dem Drahtzieher, wird dem Empfinden nach eher ungeschickt abgehandelt, was allerdings nicht heißt, dass sich zu viel Leerlauf einschleicht. Flotte Dialoge, brutale Spitzen und solide Aufnahmen der Geschehnisse lassen die Zeit kurzweilig und ereignisreich vergehen, sodass "Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod" als solider Beitrag in Erinnerung bleiben dürfte, der seinen Dienst am Kunden einwandfrei erfüllt. Wenn der Beobachter darauf verzichtet, Baldanellos Fähigkeiten zu vielen Vergleichen mit anderen Arbeiten des vielfältigen Genres auszusetzen, bleibt auch diese Rachegeschichte unterm Strich zufriedenstellend.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Unser Mann aus Istanbul (1965)
PostPosted: 04.02.2020 23:16 
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UNSER MANN AUS ISTANBUL

● ESTAMBUL 65 / OPERACIÓN ESTAMBUL / COLPO GROSSO A GALATA BRIDGE / L'HOMME D'ISTANBUL (E|I|F|1965)
mit Horst Buchholz, Sylva Koscina, Ángel Picazo, Mario Adorf, Klaus Kinski, Agustín González, Christiane Maybach und Perrette Pradier
eine Produktion der Isasi | Compagnia Cinematografica Mondiale | Edition et Diffusion Cinématographique | im Constantin Filmverleih
ein Film von Antonio Isasi-Isasmendi


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»Sie grinsen zu viel, um einfach Bill zu heißen!«

Der amerikanische Abenteurer und Playboy Tony Mecenas (Horst Buchholz) betreibt ein berüchtigtes Nachtlokal in den Untiefen von Istanbul. Obwohl er es nicht nötig hätte, sich in krumme Geschäfte ziehen zu lassen, gerät er dennoch unter den den Verdacht, an der Entführung des verdienten Atomwissenschaftlers Professor Pendergast (Umberto Raho) beteiligt gewesen zu sein. Dies ergeben zumindest die Erhebungen des FBI. Den nebulösen Fall um das Verschwinden des Wissenschaftlers übernimmt die attraktive Agentin Kenny (Sylva Koscina), die sich in Tonys Club auch gleich ihn heranheftet. Allerdings lässt dieser einen solchen Verdacht nicht auf sich sitzen und jagt die Hintermänner einer nach der Weltherrschaft strebenden Verbrecherorganisation auf eigene Faust. In den Irrungen und Wirrungen der Istanbuler Unterwelt gerät Tony trotz Kennys Schützenhilfe in immer gefährlicher werdende Situationen und trifft auf Gegenspieler, die sich noch wünschen werden, ihn niemals kennengelernt zu haben...

Im Zuge der florierenden James-Bond-Welle wurden seinerzeit haufenweise Beiträge ins Rennen geschickt, um die Gunst der Stunde zu nutzen und auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen. Selbstverständlich erhob jede Konkurrenz-Produktion den Anspruch, einen Teil vom üppigen Kuchen abhaben zu wollen und Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi gelang es sogar, ein Millionenpublikum mit seinem actiongeladenen Film in die Kinos zu locken. In derartig bunten Geschichten, die sich rund um Action und Crime drehen, liegen Bond-Vergleiche stets unmittelbar auf der Hand und es besteht die Gefahr, deren Eigenständigkeit in Frage zu stellen, oder ihnen eine gewisse Seelenlosigkeit vorzuwerfen. Die Palette der Kritikpunkte kann bei konkurrierenden Artgenossen naturgemäß recht lang sein, allerdings braucht sich "Unser Mann aus Istanbul" in diesem Zusammenhang nichts vorzuwerfen. Die Liste von Eurospy-Filmen, die häufig nur billig produziert und hastig abgedreht wurden, will dem Empfinden nach kein Ende nehmen, denn in bestimmten Phasen war der hohe Output kaum ein gutes Aushängeschild für ein Genre, das sich viel zu häufig selbst zu einem Plagiate-Pool degradierte. Isasi-Isasmendis Beitrag hat erfreulicherweise nichts mit dieser Spezies zu tun, auch wenn sich viele Anlehnungen finden lassen, die glücklicherweise der originelleren Sorte entsprechen. So kann dieses leichtfüßige und mit feinem Humor angereicherte Happening als vollkommen eigenständige Geschichte überzeugen, die insgesamt nur unbedeutende Längen aufweist. Exotisch wirkende Kulissen und imposante Schauplätze erzeugen ein sehr ansprechendes Flair, außerdem entwickelt Hauptdarsteller Horst Buchholz einen Drive, der sich nicht nur sehen lassen kann, sondern auch eine mitreißende Wirkung entwickelt. Die Anlegung seiner von Agilität, Witz und Charme erzählenden Rolle kann anteilig als Pendant, Novum oder sogar Plagiat verstanden werden, jedoch nie ausschließlich, denn dafür lässt sich der Berliner zu wenig auf bestimmte Facetten festlegen. Hierbei zeigen sich seine unkonventionellen, oft auch unberechenbaren Seiten ganz offenkundig und seine glänzende Spiellaune kann das Publikum rapide mitreißen.

Um entscheidende Motive zu liefern, wird erneut die Wissenschaft bemüht, die subversive Gruppierungen zum Handeln animiert. Größenwahn und illusionäre Weltherrschaftsträume bilden den ergiebigen Nährboden, um den betriebenen Aufwand letztlich voll und ganz zu rechtfertigen, außerdem appelliert die Story an Ängste, die mit Kontrollverlust und dem Fehlen globaler Sicherheit zu tun haben, zumal die Mittel der Gegenspieler oft drastisch erscheinen. Helden wie Horst Buchholz kommen in solchen Fällen wie gerufen und überzeugen mit teils auffällig omnipotenten Anstrichen, die den jeweiligen Geschichten erst die richtige Würze verleihen. Tony Mecenas erweist sich nach kürzester Zeit als Allround-Talent im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Größenwahn, platziert sich außerdem als richtiger Mann im Umgang mit scharfen Waffen und attraktiven Damen. Hier ist selbstverständlich die schöne Wahl-Italienerin Sylva Koscina zu nennen, die zweifellos zu den verdientesten Interpretinnen des Genres zu zählen ist. Ihre geballte Ladung Erotik bekommt einen für das Genre nicht alltäglichen Zusatz, denn die beweist Köpfchen und eine schnelle Auffassungsgabe, um die Hintergründe nicht nur schnell zu durchschauen, sondern sie darüber hinaus im Sinne der Gerechtigkeit zu korrigieren. Ihre französische Kollegin Perrette Pradier spricht ebenso gut an und stattet ihre Sequenzen zusätzlich mit Verve und Charme aus, sodass sich das Publikum mit dieser geballten Ladung auf der sicheren Seite fühlen kann. Kurze oder eher Gast-Auftritte liefern einige der bekanntesten Darsteller für unzweifelhaft zweifelhafte Charaktere, wie beispielsweise Klaus Kinski oder Mario Adorf. Insgesamt gesehen kann "Unser Mann aus Istanbul" als ausgesprochen gut besetzter Flick für Furore sorgen, denn der Film weiß mit sehr interessanten Variationen aufzutrumpfen. Der betriebene Aufwand der Produktion ist somit nicht nur diesbezüglich mehr als ersichtlich, sondern durchgehend in nahezu allen Bereichen. Insgesamt bleibt schließlich zu betonen, dass Antonio Isasi-Isasmendi ein spritziger, vorwiegend kurzweiliger, in Intervallen spannender sowie augenzwinkernder Spionagefilm gelungen ist, der sich gebündelt auf seine Stärken konzentriert und voller Selbstbewusstsein als gute Visitenkarte des Genres über die Ziellinie geht.


— ITALO-CINEMA —


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 Post subject: Dans la poussière du soleil (1970)
PostPosted: 09.02.2020 12:43 
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Maria Schell

DANS LA POUSSIÈRE DU SOLEIL

● DANS LA POUSSIÈRE DU SOLEIL / IL SOLE NELLA POLVERE / IN THE DUST OF THE SUN / DUST IN THE SUN (F|E|1970)
mit Bob Cunningham, Karin Meier, Ángel del Pozo, José Calvo, Colin Drake, Perla Cristal, Marisa Porcel und Daniel Beretta
eine Produktion der Univers Galaxie | Kerfrance Production
ein Film von Richard Balducci


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»I like black!«

In der Abgeschiedenheit der kleinen Westernstadt San Angelo kommt es zu dramatischen Ereignissen, nachdem der Grundbesitzer Bradford von seinem eigenen Bruder Joe (Bob Cunningham) brutal umgebracht wird. So erreicht Joe sein langjähriges Ziel, sich nicht nur den gesamten Besitz und das Vermögen anzueignen, sondern auch Gertie (Maria Schell), die Witwe seines Bruders, zu heiraten. Ab diesem Zeitpunkt ist Gerties Sohn Hawk (Daniel Beretta), der ohnehin sehr in sich gekehrte Züge hat, nicht mehr wiederzuerkennen und sinnt danach, den Mord an seinem Vater zu rächen, um die moralische Ordnung nach seinen ganz eigenen Begriffen wieder herzustellen...

Der französische Regisseur und Drehbuchautor Richard Balducci inszenierte in seiner Karriere nur verhältnismäßig wenige Spielfilme, zu denen auch die ungewöhnliche französisch-spanische Co-Produktion "Dans la poussière du soleil" gehört. Dieser im Jahr 1970 hergestellte Western wurde seinerzeit kaum bis gar nicht wahrgenommen, da es etwa drei Jahre dauerte, bis die auf William Shakespeares Drama "Hamlet" basierende Geschichte in den regulären Kinoverleih gelangte. Es folgten kurze Phasen der Aufführung, bis dieser bis heute weitgehend unbekannte Rachewestern-Vertreter wieder spurlos aus den Kinos verschwand. Im gesamten deutschsprachigen Raum, somit auch in der Bundesrepublik Deutschland, wurde Balduccis recht ambitioniert wirkende Erzählung keine Kino-Auswertung zuteil, wofür es mehrere Gründe gegeben haben dürfte. Zunächst ist allerdings einmal festzustellen, dass die Geschichte bereits im Vorfeld ein unbestimmtes Interesse und eine vielleicht nicht alltägliche Neugierde wecken kann, dies sogar vollkommen unabhängig von der Tatsache, dass Weltliteratur mehr oder weniger mit in die laufende Geschichte eingeflossen ist. Ein Film wie dieser steht und fällt mit ganz bestimmten Grundvoraussetzungen, die irgendwo zwischen Unvoreingenommenheit und Erwartungshaltung zu finden sind. Im vorliegenden Fall erhält sogar die nicht unwichtige Komponente massives Gewicht, dass die Hauptrolle des Szenarios keine Geringere als Maria Schell inne hat, sodass man sich als Zuschauer bereits vor der Sichtung darüber im Klaren sein sollte, Phasen der darstellerischen oder von Aura geprägten Dominanz geboten zu bekommen, wenngleich die Rolle der Wahl-Schweizerin hier in keinem Vergleich zu ihren Welterfolgen steht, für einen Italo-Western jedoch den Nimbus des Überqualifizierten mit sich bringt. Zumindest theoretisch. Diese überspitzte Beschreibung soll das so hochverdiente und erfolgreiche Genre keinesfalls abqualifizieren, sondern lediglich auf den Umstand hinweisen, dass derartige Fremdkörper oder vielmehr Experimente wenig erfolgversprechend waren, was die ausgebliebene Beachtung auch hinlänglich dokumentiert.

"Dans la poussière du soleil" als unwirsch, schwach oder gar misslungen abzutun, wäre angesichts der offensichtlichen Bemühungen viel zu einfach und auch mehr als ungerechtfertigt, denn Richard Balducci bietet eine nicht uninteressante Variation unter unzähligen Beiträgen an, die dem Empfinden nach nicht alle Tage zu finden war. Dass die gezeigte Geschichte auf William Shakespeares Vorlage basiert, kann aufgrund grobschlächtiger Parallelen nicht in das Reich der Mythen verwiesen werden, doch der Film funktioniert auch ohne jegliche Kenntnisse der Vorlage. Von einer Adaption reinster Seele kann nicht zuletzt wegen des Ambientes auch keine Rede sein, da die Erzählung mithilfe moderner und reißerischer Mittel auf zeitgenössische Abwege gelenkt wird und somit einen drakonischen Transfer erlebt. Es empfiehlt es sich ohnehin, den Film losgelöst, ohne Korsett und überspitzte Erwartungen zu betrachten, der sich bereits in der Eingangssequenz von seiner ansprechendsten Seite präsentiert. Spezifische Klänge läuten den bevorstehenden Kurs überaus eindrucksvoll ein und bäumen sich anklagend auf, sodass es unmittelbar nach einer schönen Panoramafahrt der an Flexibilität und Extravaganz interessierten Kamera zu Brutalität und Härte kommen kann. Im weiteren Verlauf kristallisieren sich außerdem ungewöhnlich deutliche körperliche Szenen heraus, die den hier gewählten, destruktiven Tenor oft unterstreichen und in einer derartigen Produktion fast schon ein wenig exotisch wirken. Das schnell servierte Motiv löst die nötige Kettenreaktion aus, die jede der beteiligten Charaktere existenziell bedroht. Die Marschrichtung, potentielle Geschehnisse und vorhersehbare Konsequenzen rücken im Szenario somit unmissverständlich in den Vordergrund, das von Isolation, Nötigung, Hass und Demütigung geprägt ist, um erst gar nicht auf die falsche Fährte zu führen, dass hier irgendwelche Gefangenen gemacht werden. Richard Balducci gelingt es innerhalb der sehr charakteristisch wirkenden Schauplätze und Kulissen recht eindrucksvoll, für eine seltene Art der Spannung zu sorgen, die im Endeffekt nicht einer ganz klassischen Definition entspricht, weil sie in ausgewählten Intervallen vor allem zermarternd, aushöhlend und beklemmend wirkt.

In diesem Zusammenhang ist auf Maria Schells erwartungsgemäß zwingend wirkende Darbietung hinzuweisen, die durch die bloße Anwesenheit und wenige Kniffe ihres breit gefächerten Repertoires für die bedeutenden Momente des Verlaufs sorgen kann. Für die gebürtige Österreicherin kam es insbesondere in diesem Zeitfenster zu ungewöhnlichen Einsätzen, was sich vermutlich aus zweierlei Gründen herleitet: Eine sich anbahnende Krise im internationalen Kinotopp und damit verbundene Restriktionen im Rahmen der üblichen Einsatzgebiete; hinzu kam eine längere schöpferische Kino-Pause der Interpretin, die bis auf wenige Unterbrechungen für Fernsehproduktionen bereits 1963 begonnen hatte. Maria Schells kleines Comeback führte sie somit nicht nur in diesen - wenn man so will - Franco- oder Eurowestern, sondern auch in für sie vollkommen untypische Produktionen wie beispielsweise Jess Francos Reißer "Der heiße Tod" und "Der Hexentöter von Blackmoor", in denen man Maria Schell wohl nicht unbedingt erwartet hätte. Als Zugpferd dieses Beitrags ist die Schauspielerin nebenbei bemerkt nur der nominellen Hauptrolle zu sehen, allerdings zeigt sich auch hier ein obligatorischer Präzisionsauftritt, der durch die Affinität der Kamera für ihre gebrochen wirkende Figur unterstrichen wird. Zwar kann Maria Schell im Vergleich zu vielen ihrer Top-Rollen kaum erwartungsgemäß auftrumpfen, doch es lässt sich in diesem Fall pauschal sagen, dass es hier mehr als ausreicht und sie wesentlich mehr Substanz anbietet, als oft im besagten Genre zu finden war, was insbesondere über die Aufgaben der Interpretinnen und deren Zuschnitte gesagt werden kann. Interessant zu beobachten ist, dass sich Balducci insgesamt gegen solche zu wehren versucht, es jedoch nicht schafft, sich vollends von ihnen freizumachen, da die Geschichte aufgrund der verwendeten Vorlage sozusagen vorzementiert und darüber hinaus mit einen ordentlichen Spritzer Zeitgeist versehen wurde. So begibt sich die Produktion auf den besten Weg, ihrer Hauptdarstellerin die größte Bühne zu bieten, die sie meistens ohnehin gewöhnt war, was je nach Lager für zwiespältige Eindrücke sorgen dürfte.

Gertie Bradford ist vielleicht am treffendsten als wandelnder Vorwurf beschrieben. Die unvorhergesehenen Einschnitte des Schicksals oder die Aktionen derer, die versuchten, Schicksal zu spielen, treffen sie mit voller Härte, sodass es kaum verwunderlich erscheint, sie in eine offensiv schwermütige Körpersprache gehüllt zu sehen. Mit eindeutiger Gestik und Mimik, den hasserfüllten Blicken und auffällig missbilligender Konversation, provoziert die in anklagendes Schwarz gehüllte Witwe den Mörder ihres Mannes und gleichzeitig Ehemann in spe, fällt ihrem introvertierten Sohn Hawk gegenüber jedoch mit mütterlicher Leidenschaft auf, die nicht selten der einer Geliebten gleicht. Schwierige Konstellationen stellten unzählige Male die Leitlinie für derartige Stoffe dar, die - je nach ergiebiger Nutzung - für atmosphärische, teils große Momente zu sorgen wissen. Die hier zugrunde liegende Vorlage sorgt schließlich dafür, dass der Verlauf quasi ohne konventionelle Heldenfiguren auskommen muss, was zersetzende und tragische Phasen garantiert, die im Grunde genommen Maria Schells Angelegenheit sind und bleiben. Eine Person wie Joe Bradford alias Bob Cunningham fällt als Abschaum dieser kompletten Veranstaltung auf, denn er präsentiert sich in barbarischer, unerbittlicher und kaltblütiger Fasson, was letztlich einen erforderlichen Domino-Effekt auslöst. So muss er seine zukünftige Frau eigenhändig zur Witwe machen, um sie überhaupt an sich binden zu können, doch diese Qual und Demütigung wird ihren Preis haben. Der markante US-Amerikaner liefert beim bestechenden Ausbuchstabieren dieser von Perversion und Aggressivität getriebenen Person ein richtig derbes Kabinettstückchen, das zweifellos das Potenzial besitzt, in unangenehmer Weise nachzuhallen. In der Zwischenzeit arbeitet Regisseur Balducci nachdrücklich daran, die Szenerie durch interessante Rochaden bei Drive und Intensität zu halten, wenngleich der Spannungsbogen immer wieder neu aufgerollt werden muss.

Dies geschieht augenscheinlich weniger im Sinne von ungünstiger Handhabe, sondern einer immer wiederkehrenden Verschiebung der Klimax nach hinten, um der Geschichte nötiges Feuer zu verleihen. Anhand der gewagten Integrierung von zahlreichen Gewaltspitzen, torpedoartigen Dialogen und ungewöhnlich ausgeprägten Sexszenen, kommt eine Art negativer Strudel in Gang, der die Personen nicht nur entwurzelt, sondern sie überdies dazu zwingt, entgegen des gesunden Menschenverstandes und womöglich ihres Naturells zu agieren. Die ohnehin ungewöhnliche Besetzungsliste wird ansprechend durch die Leistungen von Daniel Beretta oder Karin Meier erweitert. Der Franzose Beretta, von Haus aus eigentlich Sänger und Komponist, stand hier noch am Anfang seiner schauspielerischen Aktivität. Seine nahezu wortlose Rolle lebt in erster Linie von seiner geheimnisvoll wirkenden Ausstrahlung, die im Endeffekt eher als Laune der Dramaturgie zu bezeichnen ist. Die erkennbare Funktion als Schlüsselfigur verliert sich vielleicht ein wenig zu sehr in der staubigen Peripherie, allerdings nimmt man sie irgendwo zwischen dankend und zwangsläufig als solche an. Berettas mehr oder weniger unbekannte Kollegin Karin Meier appelliert hauptsächlich an Beschützerinstinkte, bleibt des Weiteren aufgrund ihrer soliden bis ästhetischen Szenen in Erinnerung. Der Film hat eine Reihe von Argumenten zu bieten, die ihn ergänzend sehenswert machen. Dass die Verfilmung damals kaum registriert wurde und in Vergessenheit geraten ist, spiegelt nicht deren überdurchschnittliche Qualität und die oft aufblitzende Extravaganz wider. Vor allem kameratechnisch darf ein bemerkenswertes Gespür und eine auffällige Konstanz bescheinigt werden, was dem dialogarmen Film eine ganz eigene Sprache verleiht. Musikalisch erlebt man ebenso Hochwertiges wie beispielsweise im darstellerischen Bereich, sodass "Dans la poussière du soleil", der übrigens ein bitterschönes und absolut betörendes Finale bereit hält, Erwartungen erfüllen konnte, die im Vorfeld noch nicht einmal definiert waren.


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 Post subject: Sherlock Holmes' größter Fall (1965)
PostPosted: 11.02.2020 14:05 
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SHERLOCK HOLMES' GRÖẞTER FALL

● A STUDY IN TERROR / SHERLOCK HOLMES' GRÖẞTER FALL (GB|1965)
mit John Neville, Donald Houston, John Fraser, Anthony Quale, Judi Dench, Barbara Windsor, Charles Regnier, Cecil Parker,
Peter Carsten, Adrienne Corri, Frank Finlay, Georgia Brown, Barry Jones, Christiane Maybach, Kay Walsh und Robert Morley
eine Produktion Compton Films | Sir Nigel Films | im Inter Verleih
ein Film von James Hill


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»Verwechseln Sie die Maske nicht mit dem Gesicht!«

Bestialische Morde an Prostituierten versetzen die Londoner Gesellschaft in Aufruhr, zumal der als Jack the Ripper getaufte Täter weitere Schandtaten ankündigt. Als sich abzeichnet, dass sich die Polizei auf der Stelle bewegt, schaltet sich Sherlock Holmes (John Neville) ein, der als erfolgreichster Detektiv Londons gilt. Mit seinem Assistenten Dr. Watson (Donald Houston) nimmt er die blutige Spur des Serienkillers auf, die sogar bis in die besseren Kreise zu führen scheint. Werden die gefährlichen Ermittlungen die wahre Identität des Frauenmörders ans Tageslicht bringen können..?

Der britische Schriftsteller Arthur Conan Doyle schuf im Jahr 1886 mit Sherlock Holmes und seinem Assistenten Dr. Watson zwei Kunstfiguren, mit denen sich der Film über Dekaden immer wieder beschäftigen sollte. In James Hills 1965 inszenierter Version "Sherlock Holmes' größter Fall" kommt es zu einer recht interessanten Kreuzung mit dem Serienmörder Jack the Ripper, der im Londoner East End sein Unwesen trieb und mindestens fünf Prostituierte bestialisch umbrachte. In dieser Geschichte wird der Fall quasi 1:1 übernommen, sodass sich der Zuschauer ebenfalls im Londoner Armenviertel wiederfindet und dementsprechend mit zahlreichen Charakteren und Sets konfrontiert wird, die nichts mit der sogenannten besseren Gesellschaft zu tun haben. Zumindest unter Umständen. Die hier weniger auf Brutalität gemünzten Morde an Freudenmädchen bringen das ermittelnde Gespann aufs Tableau, welches gleich durch seine typischen Charakteristika, wie eine gestochen scharfe Beobachtungsgabe, besondere analytische Fähigkeiten und eine bemerkenswerte, wechselseitige Dynamik, auffällt.

Durch eine detailgetreue Simulation des zeitlichen Backgrounds verfügt der Verlauf über eine auffallend dichte Atmosphäre. Die sorgsam inszenierten handwerklichen Elemente tun das Übrige zu einem guten Gesamteindruck hinzu. Die immer wieder lobend erwähnte Farbgestaltung des Szenarios unterstreicht die positiv gewonnenen Eindrücke dabei sehr deutlich, sodass unterm Strich ein Beitrag zurück bleibt, der es trotz des nebligen und schmutzigen Ambientes schafft, in vielerlei Hinsicht für Hochglanz zu sorgen. Veredelt durch die ansprechenden Leistungen von John Neville, Donald Houston, John Fraser oder Robert Morley bleibt "Sherlock Holmes' größter Fall" als sehenswerter Beitrag in Erinnerung, der zusätzlich durch die Kurzauftritte der deutschsprachigen Interpreten Christiane Maybach, Charles Regnier und Peter Carsten aufgewertet wird. Regisseur James Hill ist somit eine interessante Kombination zweier weltbekannter historischer Figuren gelungen, die zu dokumentieren versucht, dass ein Aufeinandertreffen zwischen Sherlock Holmes und dem brutalen Schlitzer mit entsprechendem Showdown irgendwie längst überfällig war.


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