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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Die Lektion (1978)
PostPosted: 22.07.2020 15:21 
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● DALLAS | FOLGE 02 | THE LESSON | DIE LEKTION (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Steve Kanaly, Jeffrey Byron, Paul Tulley, Donna Bullock, Ryand Merkey, Jo McDonnell sowie Tina Louise
eine Produktion der Lorimar
Regie: Irving J. Moore



Lucy Ewing hat keine Lust mehr, sich mit der Schule abzugeben, und lässt es deswegen auch einfach bleiben. Da sich die Fehlzeiten häufen, weist ihr Großvater Jock den Verwalter der Southfork Ranch an, die widerspenstige junge Dame eigenhändig zur Schule zu fahren, doch es kommt nicht dazu. Ray lässt sich von Lucy um den Finger wickeln und die beiden landen auf dem Heuboden. Pamela, die von dem Verhältnis der beiden weiß, bekommt eines Tages einen Anruf aus Lucys High School , bei dem sich Abgründe auftun. Lucy schwänzt nicht nur seit geraumer Zeit den Unterricht, sondern sie hat offenbar auch alle blauen Briefe abgefangen. Ab sofort kümmert sich Pamela um einen reibungslosen Ablauf, bis Lucy ihrer Tante eine schmerzliche Lektion erteilt...

»Der Unterricht, den ich hier erhalte, reicht mir völlig aus!« Kurz und schmerzlos schmettert Lucy die Vorwürfe Pamelas ab, die sie soeben mit dem Verwalter Ray im Heu erwischt hat, und es deutet sich ein erbittertes Tauziehen ab. Starrsinn und Eigenwilligkeit gegen Vernunft und Hilfsbereitschaft - eine explosive Mischung, die den Großteil dieser zweiten Episode ausmachen wird. Pamela, die erst frisch gebackene Mrs. Ewing, ist noch dabei, sich im Haifischbecken namens Southfork zurecht zu finden. Sticheleien und prüfende Blicke gehören zum Alltag, mit dem sich Pam mittlerweile sogar schon abfinden konnte, da man schließlich weiß, mit wem man es zu tun hat. Die entsprechenden Herrschaften präsentieren sich allerdings nur als offene Bücher, da sie ihr Gegenüber unterschätzen und nach wie vor fest daran glauben, dass Pamela die Ranch irgendwann wieder verlassen wird. Allerdings kann sie wichtigen Teilen der Familie mit ihrer unbeirrbaren und aufrichtigen Art und resoluten Taten imponieren, sodass Miss Ellie und Jock schnell auf der Seite ihrer Schwiegertochter stehen, auch wenn dies bislang nicht verbalisiert wurde. Auf der Gegenseite stehen vor allem J.R., Sue Ellen und Lucy, die jeweils auf ihre Art und Weise für Torpedoschüsse sorgen. »Geschmack hat sie ganz sicher, immerhin hat sie jahrelang in Kaufhäusern gearbeitet.«, hört man Sue Ellen süffisant über den Frühstückstisch giften, um ihre eigene, vermeintlich gefestigte Stellung im Hause Ewing in Erinnerung zu rufen. Dieser solidarische Akt kann ihrem Gatten J.R. allerdings kaum imponieren, da er ein Mann der Tat ist und bereits im Hintergrund konspiriert. Lucy schließt sich dem Feldzug an und wird Pamela in dieser Folge am gefährlichsten werden. Nicht nur, dass sie im Verlauf der Episode für einen der wohl größten Skandale sorgen wird, den die Braddock High jemals erlebt hat, sie wird auch ihre Aufpasserin demütigen und bloßstellen.

Fernab der richtig schmutzigen Geschäfte rund um Macht, Geld und Öl, werden am Anfang noch kleinere Register gezogen, um vor allem die Unterschiede der Hauptpersonen herauszuarbeiten. So wird J.R. seinem Bruder Bobby noch eine mahnend-leidenschaftliche Rede halten, die eigentlich als Drohung zu verstehen ist, denn er berichtet von seinem Leben: Ewing Oil. Er habe hart unter deren Vater arbeiten müssen, während sich Bobby die Hörner abgestoßen habe, was unterschwellig seinen Anspruch auf die uneingeschränkte Alleinherrschaft in der Firma markiert. In der Zwischenzeit übernimmt wieder Lucy das Regiment der Folge und greift zu außerordentlichen Mitteln, um ihren verkorksten Willen durchzusetzen. Das Leitmotiv von "Die Lektion" ist mit der Umschreibung Erpressung vielleicht am deutlichsten Auf den Punkt gebracht, da diese Methodik von einigen Personen angewandt wird. Pam erpresst Lucy und umgekehrt, Lucy wird von einem Kommilitonen genötigt, mit ihr auszugehen und noch weiter, da dieser ihre perfide Aktion in der Schule beobachtet hatte. So droht das Spiel der verwöhnten Nichte des Oberhauptes der Ewings außer Kontrolle zu geraten. Regisseur Irving J. Moore, der in den Folgejahren bei über 50 Episoden Regie führen sollte, konzentriert sich fachmännisch auf die verschiedenen Charaktere und rückt die Personen auf Seiten, beziehungsweise teilt sie in Fraktionen ein. Für den Zuschauer werden bereits eindeutige Leitlinien in Sachen Sympathien und Abscheu gezeichnet, die eine Rolle für die Zukunft spielen können, vorausgesetzt man bleibt der Serie treu. Wenn am Ende noch die Fäuste sprechen dürfen und es zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten kommt, dürfte sich das Publikum klar darüber sein, dass hier jeder Stoff verwendet wird, aus dem gut gemachte Serienträume sind. Außerdem darf man nach so kurzer Zeit gespannt sein, ob es so turbulent weitergehen wird.


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 Post subject: Tragödie in einer Wohnwagenstadt (1967)
PostPosted: 16.08.2020 21:20 
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TRAGÖDIE IN EINER WOHNWAGENSTADT

● TRAGÖDIE IN EINER WOHNWAGENSTADT (D|1967) [TV]
mit Werner Schumacher, Ruth Maria Kubitschek, Klaus Grünberg, Otto Mächtlinger, Peter Bollag, Susanne Beck, Peter Schiff,
Friedrich G. Beckhaus, Sigrid Hackenberg, Peter Kuiper, Benno Hoffmann, Otto Czarski, Waltraud Schmal, Ursula Gompf, u.a.
eine Produktion der Neue Deutsche Filmgesellschaft | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Günter Gräwert


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»Dios mío, qué pasa?«

In einem Waldstück, nahe der Wohnwagensiedlung Superba, kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Dotty Fisher (Susanne Beck) wurde auf dem Nachhauseweg von einem Mann belästigt. Völlig verstört rennt das fünfzehnjährige Mädchen davon und berichtet einigen Männern aus der Siedlung von den Geschehnissen. Die aufgebrachten männlichen Bewohner wollen den Fall um jeden Preis aufklären und bilden einen schnell zusammengewürfelten Untersuchungsausschuss, dessen einseitige Vorgehensweise von Wut, Vorurteilen, Hass und Brutalität geprägt sein wird. Dotty wird bis zur Erschöpfung bei den für diesen Zwischenfall in Frage kommenden Männern vorgeführt und soll den Täter identifizieren, doch den selbsternannten Richtern geht es kaum um die Wahrheitsfindung, sondern sie handeln aus viel niedrigeren Beweggründen...

Der überwiegend als Regisseur von Fernsehfilmen bekannte Regisseur Günter Gräwert inszenierte diesen TV-Film nach einer Vorlage des US-amerikanischen Drehbuch- und Bühnenautors Reginald Rose, dessen realistischer Ansatz hervorragend durch Gräwert in den fertigen Film integriert wurde. Für einen deutschen TV-Film ist es geradezu bemerkenswert, wie frappierend echt der Regisseur ein amerikanisches Flair simulieren konnte, welches man sich zumindest irgendwie in dieser Art so vorstellen könnte. "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" beinhaltet bereits im Titel die zwei wichtigsten Säulen der Geschichte, denn es wird sich tatsächlich ein tragischer Tenor aufbäumen, außerdem deutet die Ortsnennung ein nicht zu durchbrechendes Vakuum an, in dem sich alle Beteiligten ohnehin schon befinden würden, es aufgrund der aktuellen Situation aber noch mehr tun. Die Einführung in diese überaus aufwühlende Geschichte geschieht schnell und unmissverständlich, denn die Kamera orientiert sich an trostlosen Fixpunkten und gescheiterten Existenzen, was sich nicht nur auf das Leben und die Örtlichkeit bezieht, sondern auch auf viele der vorgestellten Charaktere, von denen sich ein Rudel noch zu wahren Höhlenmenschen entwickeln wird. Ein Mädchen wird auf dem Nachhauseweg belästigt und tritt ohne es zu wollen eine Kettenreaktion in Gang, deren Eigendynamik negativste Ausmaße annehmen wird. Schaut man auf den Stein des Anstoßes, so kommen einem die drastischen Mittel der Wahl in keinster Weise gerechtfertigt vor, da die Tat an sich hochgradig durch die aufflammende Brutalität und den blanken Sadismus bei der Vorgehensweise relativiert, dem Empfinden nach sogar aufgehoben wird. Für die in Superba herumlungernden Männer ist das aufgelöste Mädchen offensichtlich die willkommene Abwechslung, die dem untätigen Dasein eine Absolution erteilen könnte, sodass ein Untersuchungsausschuss formiert wird, in welchem sie sich obendrein selbst zu Richtern ernennen.

Die aggressive Vorgehensweise der Männer zeigt weiterhin auf, dass sie zu allem bereit zu sein scheinen und sich am Ende als Henker nützlich machen könnten. Die brodelnde Gefahr der Geschichte baut sich unter anderem aus der Tatsache auf, dass der eigentliche Auslöser für diese Formierung absolut in den Hintergrund rückt, damit die Herren, die sonst nicht wichtig sind, sich aber nun wichtig fühlen dürfen, unabdingbar und hierarchisch Überlegen sein können – zumindest temporär. Grobschlächtige sowie einseitige Verhöre und ein überaus hartes Angehen der beinahe ausschließlich unschuldigen Opfer dieser sinnlosen Lynchjustiz zeichnen in ihrer Bündelung eine Abwärtsspirale, die erschreckend wirkt. Der anvisierte Täter ist schnell gefunden und vorverurteilt, da er schuldig sein muss, denn immerhin handelt es sich um einen Fremden, der obendrein Puerto Ricaner ist. Er und seine Familie wird daher behandelt wie der letzte Dreck, rassistisch beleidigt und gedemütigt, was der Angelegenheit zusätzlich eine Brisanz verleiht, die in schmerzlich verpackten Untertönen gipfelt. Themen wie die Spiegelung der eigenen Unzulänglichkeiten, die Wut gegen alles Fremde und Andersartige, Umkehrreaktionen der Autoaggression und ein offensichtlich mangelnder Bildungshintergrund werden das widerliche Gebräu, dass die selbsternannten Richter einer ganzen Gemeinschaft und dem Publikum einflößen. Die handwerkliche Bearbeitung durch Regisseur Gräwert ist hierbei ausgezeichnet und es entsteht eine beinahe unerträgliche Spannung, die sich trotz aller Vorhersehbarkeit und deutlicher Hinweise etablieren kann, da man es mit plumper Unberechenbarkeit zu tun bekommt. Die passenden Gesichter dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit im Namen der vermeintlichen Gerechtigkeit liefern verdiente Interpreten wie vor allem Friedrich Georg Beckhaus, Benno Hoffmann oder Peter Kuiper, die sich in selbstgefälligen Sphären selbst übertreffen.

Suggestivfragen, Nötigungen, Drohgebärden und Tätlichkeiten dominieren die Vorgehensweise dieser barbarischen Clique immer nachdrücklicher, außerdem packen sie das mittlerweile erschöpfte Opfer immer härter an und muten ihr eine unappetitliche Zirkusvorstellung zu. Nicht nur bei vielen Bewohnern der Wohnwagenstadt, sondern auch beim Publikum macht sich schließlich Fassungslosigkeit, Ekel und Entsetzen breit, da eine Mücke zu einem Elefanten aufgeblasen wird. Diese primitivste Art der Gruppendynamik erfährt allerdings auch zahlreiche Gegenentwürfe, die jedoch durch Einschüchterung und Angst lange zum Schweigen gebracht werden. Hier zu nennen sind vor allem Werner Schumacher, Otto Mächtlinger, Peter Bollag und Ruth Maria Kubitschek, der damaligen Ehefrau von Günter Gräwert. Lediglich Susanne Beck als junges Opfer wirkt in ihrer nicht abebben wollenden Hysterie strapaziös, wenngleich sie so als wandelnder und stets wimmernder Grund für die Schuldfrage präsent gehalten wird. Insgesamt gesehen ist "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" überraschend intensiv in er Umsetzung ausgefallen und schafft es sogar beängstigend authentische Züge anzunehmen. Gräwert gelingt dabei zusätzlich das Kunststück, seinen Fernsehfilm nicht nur publikumswirksam, sondern auch kritisch und fordernd auszustatten. Der nie geäußerte Einwurf, dass auch wesentlich mehr mit Dotty Fisher hätte passieren können, wird in unangenehmer Art und Weise zur hauptsächlichen Rechtfertigung der selbsternannten Richter, sodass man sich umgehend von ihnen zu distanzieren versucht, da ihre Willkür selbstgefällig und unterm Strich nur noch abscheulich wirkt. So ist dieser nachdenklich stimmende Film als Appell an ein gesundes Gerechtigkeitsempfinden und Plädoyer für eine liberale Auffassung vom Zusammenleben und dem Umgang mit anderen sehr gut gelungen, und sticht in der Landschaft deutscher Fernsehproduktionen als unerwartete Sternstunde heraus.


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 Post subject: Tal der Hoffnung (1967)
PostPosted: 17.08.2020 12:48 
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George Martin

TAL DER HOFFNUNG

● CLINT EL SOLITARIO / CLINT IL SOLITARIO / TAL DER HOFFNUNG / EIN MANN KOMMT ZURÜCK (E|I|D|1967)
mit Marianne Koch, Gerhard Riedmann, Walter Barnes, Pinkas Braun, Fernando Sancho, Renato Baldini und Paolo Gozlino
eine Produktion der Balcázar Producciones Cinematográficas | Lux Film | International Germania Film
ein Film von Alfonso Balcázar


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»Den ersten Schlag nicht zu tun, ist das Schwerste für einen Mann!«

Clint Harrison (George Martin) gilt als Revolverheld, da er bislang keiner Schießerei aus dem Weg gegangen ist. Aufgrund seines gewaltbereiten Lebenswandels verließ ihn seine Frau Julie (Marianne Koch) bereits vor einigen Jahren, doch eines Tages kommt es zu einem Wiedersehen, dass Clint zum Umdenken bewegt. Zum einen empfindet er nach wie vor etwas für seine Frau, zum anderen haben die beiden einen gemeinsamen Sohn, um den sich der Rückkehrer ab sofort kümmern will. Clint händigt Julie seinen Revolver aus und beteuert, ab sofort ein rechtschaffenes Leben zu führen. Allerdings hat er die Rechnung ohne den rücksichtslosen Viehzüchter Walter Shannon (Walter Barnes) und seine Helfershelfer gemacht, die die Gegend gemeinsam in Angst und Schrecken versetzen. Wird Clint diesem Spuk ein Ende bereiten können..?

Alfonso Balcázars Beitrag mit dem trügerisch klingenden Titel "Tal der Hoffnung" kann sicherlich nicht als Italowestern reinster Seele bezeichnet werden, denn dafür lassen sich zu viele Anleihen am gängigen US-Western oder ähnlichen Vertretern erkennen, wenngleich sich aufgrund der beeindruckend kontrastreichen Schauplätze in Spanien ein ganz besonderes und autonomes Flair aufbauen kann. Satte Wiesen und grüne Täler liegen zu Füßen verschneiter Berggipfel, und staubige Steppen führen in eine durch Anti-Moral verseuchte Stadt, die üblicherweise von nahezu nur einer Person beherrscht wird. Die Spannungen und Konflikte deuten sich hier nicht nur rapide an, sondern entladen sich plötzlich in Form von Aggressivität und Mord, was der dosierten Spannung nicht nur zuträglich ist, sondern sie durch den weiteren Verlauf mitnimmt. Geschickt in eine publikumswirksame Parallelhandlung eingearbeitet, kann sich die bevorstehende Rachegeschichte mit dem Abtragen von dicken Mauern befassen, um alte Gefühle der Zuneigung wieder aufleben zu lassen. Der spanische und italienische Kinostart dieser Produktion erfolgte im Jahr 1967 und konnte beim Haupt-Financier Spanien sogar für satte Besucherzahlen von annähernd 1,5 Millionen sorgen, wobei sich in Deutschland offenbar kein Verleih finden ließ, sodass die Produktion hierzulande erstmals im Jahr 1990 im Free-TV zu sehen war. Eine knackige Dialogarbeit sowie hochkarätige Synchronsprecher, wie beispielsweise Hansjörg Felmy, Marianne Koch oder Gerd Martienzen, berichten zweifellos von einem anvisierten Kinostart, allerdings teilten zahlreiche Filme das gleiche Schicksal wie dieser und verschwanden ohne Auswertung wieder schnell in der Versenkung.

Wirksame Zutaten, wie die Integrierung von himmelschreienden Ungerechtigkeiten, das Appellieren an Beschützerinstinkte und Vorstellen liebens- und hassenswerter Charaktere sowie brutaler Willkürherrschaft oder ungesgtillter Rachegedanken gehen unter Regisseur Balcázar Hand in Hand mit einer soliden und meist kurzweiligen Inszenierung, die beinahe selbstbewusst eine Geschichte erzählt, die wohlgemerkt schon dutzendfach in gleicher oder abgewandelter Manier dagewesen ist. Sympathische, im Genre verdiente oder völlig neue Gesichter bereichern den Verlauf abwechslungsreich und vielversprechend. In der männlichen Hauptrolle ist der spanische Interpret George Martin zu sehen, der bereits zahlreiche Auftritte im Italowestern vorzuweisen hatte. Zwar erscheint die Rolle des Clint Harrison von Beginn an bemüht undurchsichtig angelegt, allerdings dürfte es für Kenner des Genres leicht zu durchschauen sein, mit wem man es eigentlich zu tun hat, was übrigens auch für den Rest der Crew gilt. Diese Art der Verlässlichkeit schneidet die konkurrierenden Seiten vielleicht etwas zu durchsichtig aus, aber es wird auch an einige Konturierungen der Haupt-Charaktere gedacht, die allesamt gute Eindrücke hinterlassen können. Spätestens seit ihrer Partizipation in Sergio Leones Großerfolg "Für eine Handvoll Dollar" wirkt die Interpretin Marianne Koch kaum mehr wie ein Fremdkörper in solchen Veranstaltungen, und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welche Anpassungsfähigkeit die Deutsche für unterschiedlichste Anforderungen und Genres mitbringen konnte. Ihre Darbietung harmoniert sehr ansprechend mit jener von George Martin, sodass ein natürliches Interesse an diesem Handlungsstrang entstehen kann.

Die Motivation der handelnden Personen ist unterschiedlicher Natur und es wird über den gesamten Verlauf auch streng darauf geachtet, dass es diesbezüglich zu keinen Verschiebungen kommt, die nicht nachvollziehbar wären. Die passenden Gangstervisagen liefern Darsteller, die bereits oft mit solchen Anforderungen vertraut gewesen sind. In diesem Zusammenhang erscheint Walter Barnes von seiner Wirkungsweise her nicht zuletzt so perfide, da er hier und da greifbarer erscheint, als viele ähnliche Zeichnungen diverser Antagonisten. Seine rücksichtslose Crew hat er dabei gut im Griff, sodass sich beispielsweise Pinkas Braun oder insbesondere Fernando Sancho nach Herzenslust austoben dürfen. Erwähnenswert ist bestimmt die Partizipation des Österreichers Gerhard Riedmann, der sich vor allem einen Namen als Charmeur des 50er-Jahre-Heimatfilms machen konnte, daher vergleichsweise fremdartig anmutet. Insgesamt kann allerdings gesagt werden, dass Regisseur Balcázar seine doch sehr unterschiedliche Besatzung sehr gut im Geschehen platzieren konnte. Die Geschichte zieht ihre weitere Spannungskurve aus der geschickten Verwebung der maßgeblichen Handlungsstränge, die sich ab einer gewissen Zeit sogar bedingen. Action und Tempo laufen unterm Strich und in bestimmten Intervallen deutlich auf Sparflamme, sodass der Film oftmals noch dialoglastiger wirkt, als er tatsächlich ist, allerdings bleibt die Inszenierung auffällig linear und alles erhebt sich wie aus einem Guss. "Tal der Hoffnung" ist als Hybrid-Western und angenehm schnörkelloser Vertreter zu beschreiben, der vor allem seine begrenzten dramaturgischen Kapazitäten optimal ausnutzt und bestimmend zum bevorstehenden Showdown führt, auch wenn große Neuerungen insgesamt ausbleiben werden.


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 Post subject: Gott schützt die Liebenden (1973)
PostPosted: 23.08.2020 12:59 
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● GOTT SCHÜTZT DIE LIEBENDEN / ORDINE INTERPOL: SENZA UN ATTIMO DI TREGUA / ORDEN DE INTERPOL: SIN UN MOMENTO DE TREGUA (D|I|E|1973)
mit Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Andrea Jonasson, Walter Kohut, Ingeborg Lapsien, Ruedi Walter, Manuel Zarzo,
José María Prada, Paul Esser, Umberto Raho, Paolo Giusti, Lorenzo Robledo, Horst Jüssen, Thomas Frey und Nino Castelnuovo
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy | Paramount | Orion | Zafes | Azor Film | im Verleih der Cinema International Corporation
nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel
ein Film von Alfred Vohrer


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»Sie hat heute Nacht Maria Stuart umgebracht.«

Paul (Harald Leipnitz) und seine schöne Freundin Sybille sind glücklich, vor allem weil sie gerade beschlossen haben zu heiraten. Da Paul als Ingenieur beruflich viel unterwegs ist, sehen sich beide eine gewisse Zeit nicht. Als er wieder zurück kommt, ist Sybille zu seinem Entsetzen spurlos verschwunden. Da er von einem Unglück ausgeht, alarmiert er die Polizei, allerdings kann ihm Kommissar Putulski (Walter Kohut) nicht weiterhelfen und tut den Fall zunächst ab. Da sich Paul nicht weiterhin abspeisen lassen will, macht er sich eigenhändig auf die Suche nach seiner Verlobten, und je mehr er über sie erfährt, desto deutlicher stellt sich heraus, dass es sich beinahe um eine völlig Unbekannte für ihn handelt. Als ihn die geheimnisvolle Laura (Andrea Jonasson) auf eine neue Spur führt, kann Paul kaum fassen, in welchen Strudel aus Verbrechen und Mord er geraten ist...

Nach der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Berliner Rialto Film, für die Alfred Vohrer fast 20 Filme inszenierte, wechselte der Regisseur Ende der 60er Jahre zu Luggi Waldleitners Roxy Film, und es entwickelte sich eine weitere erfolgreiche Phase deutscher Kinogeschichte. Die Verfilmungen nach den gleichnamigen Romanen von Johannes Mario Simmel verzeichneten einen beachtlichen Publikumszulauf. Bei "Gott schützt die Liebenden" handelt es sich bereits um die fünfte von sechs Simmel-Adaptionen Vohrers, und dieser 1973 in Berlin, München, Barcelona und Wien gedrehte Beitrag überzeugt im Rahmen seiner ganz typischen Handschrift und wurde mit dem Prädikat "wertvoll" und zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Vorlagen des Wiener Schriftstellers Simmel lieferten ab 1971 die Grundlagen für sehr abwechslungsreiche Unterhaltung mit spektakulären Besetzungen, was ebenso hier der Fall ist. Thematisch gesehen bekommt das Publikum eine wie üblich anfangs bruchstückhafte Erzählung geboten, die sich zunächst nur wie durch einen undurchdringlichen Schleier betrachten lässt, um von hinten nach vorne aufgerollt zu werden. In den meisten Intervallen als Rückblende angelegt, darf man sich auf eine Enthüllungsgeschichte freuen, die sogar Anteile einer blutigen Vendetta zu bieten haben wird, da sich die italienische Mafia die Ehre gibt. Unscheinbar in den Anfängen, bäumt ich nach kürzester Zeit ein Verwirrspiel auf, in welchem manche Akteure alles daran setzen, ihre wahre Identität unter Verschluss zu halten. Die Simmel-Verfilmungen von Alfred Vohrer, oder auch diejenigen alternativer Regisseure, haben das Potenzial, eine starke Anziehungskraft zu entwickeln, auch wenn sie zum Teil sehr kompliziert angelegt sind, um letztlich für Paukenschläge sorgen zu können.

Der erprobte Leser oder Zuschauer von Simmel-Stoffen weiß nur allzu genau, dass Glück und Zufriedenheit in der aufwühlenden und fiktiven Welt des Autors nur Momentaufnahmen bleiben werden, und so ist auch das aktuelle Glück der beiden Protagonisten Paul Holland und Sybille Loredo dazu gemacht, um nach und nach in Stücke zu zerfallen. Diese anmerkende Tatsache verrät sicherlich nicht zu viel über den bevorstehenden Verlauf, denn die schöne Blondine ist bereits nach kürzester Zeit verschwunden und man ahnt, dass sie die Flucht bei einer Nacht-und Nebel-Aktion ergriffen haben dürfte. Wenn Charaktere in panischer Angst vor der eigenen Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft fliehen, gestaltet sich das Aufrollen dieser Geschichten und der entsprechenden Schicksale als überaus faszinierend und spannend; Eindrücke, für die Alfred Vohrer sich über die Jahre gesehen als Garant platzieren konnte. "Gott schützt die Liebenden" verlässt sich global auf seine starken Charaktere, die ihre auf sie zugeschnittenen Intervalle regelrecht beherrschen können. Harald Leipnitz als Leidtragender eines doppelten Spiels schöpft seine Überzeugungskraft sowohl aus seiner Routine, als auch der Möglichkeit, sich flexibel auf alle erdenklichen Anforderungen auszurichten. Mit ihm ist schnell der Sympathieträger der kompletten Geschichte gefunden, wenngleich solche auf jeder Seite wahrzunehmen sind. Charakterliche Unterschiede sind letztlich bei allen Haupt- und Nebenfiguren zu erkennen, genau wie Facettenreichtum und Doppelbödigkeit. In diesem Zusammenhang ist ebenso Gila von Weitershausen zu nennen, die mehrere Gesichter und Choreografien für Paul und das Publikum anbietet, ohne dabei transparent im Auftreten und Denken zu werden, jedenfalls bis zu einem gewissen Zeitpunkt.

Als plötzlich der erste Tote des Szenarios auftaucht, ist Sybille irgendwie in den Fall involviert, außerdem ergriff sie zuvor die Flucht, sodass der Fokus auf sie gerichtet wird und dort auch bleibt. Gila von Weitershausen spielt weitgehend beherrscht und dem Zuschauer zugewandt, um ihre hier eigentlich vorhandene sympathische Seite auszuspielen, die für den weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden wird. Von italienischer Seite flaniert Nino Castelnuovo durch das Geschehen, in welchem er durch die strahlende Sonne in sein bestes Licht gerückt wird. Herkunft und Vergangenheit spielen zunächst keine Rolle, sondern nur der bloße Moment. Dieses Agieren entspricht vollkommen der Einstellung des gut aussehenden Mannes, der sich dieser günstigen Grundvoraussetzung stets gewiss ist, was auch seine aufdringlich-amourösen Offensiven erklärt. Emilio Trenti ist es gewöhnt, das zu bekommen, was er temporär ins Auge gefasst hat. So dürfte seine weibliche Trophäensammlung eine lange Chronologie haben, in der Sybille die nächste sein soll. Die Szenen zwischen Castelnuovo und von Weitershausen erzählen verspielt und märchenbuchartig von einer Affäre, die zur Liaison dangereuse und mehr wird, was beide Akteure sichtlich irritiert, da keiner es so weit kommen lassen wollte. Schnell geht alles über die Grenzen der Unverbindlichkeit hinaus und trotz Aura und traumhaften Szenen sitzt dem Zuschauer die Erinnerung an Paul im Nacken, sodass sich die so positiven Eindrücke etwas umkehren, weil sich das Wahrgenommene trügerisch anfühlt. Zwischenzeitlich stellen sich weitere Personen vor, die für die unbestimmte Gefahr stehen, sogar wenn sie keine Familienmitglieder Emilios sind. Hier ist insbesondere Andrea Jonasson zu nennen, deren anfangs unscheinbares Erscheinen nicht über die Vermutung hinweg täuscht, dass sie zum fehlenden Mosaiksteinchen werden könnte.

Schön und geheimnisvoll spielt sie abwechselnd Katz und Maus, um selbst wechselseitig in beide Rollen zu schlüpfen. Auch wenn man dieses attraktive Geschöpf nicht ordnen kann, ist dennoch zu erahnen, dass sie alles daran setzen wird, um das Schicksal möglicherweise zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Im Simmel-Orbit haben sich bei diesem Versuch schon diverse Personen die Zähne ausgebissen, und es bleibt aufgrund der schillernden Charaktere hoch interessant. Gute Darbietungen bekommt man des Weiteren von Walter Kohut, Manuel Zarzo, Paolo Giusti, José María Prada und vor allem Ingeborg Lapsien als "La Mamma" geboten, die das Geschehen gekonnt ausstaffieren. "Gott schützt die Liebenden" verfügt über eine exzellente Bebilderung durch Kameramann Charly Steinberger, der Stimmungen und Schwingungen forciert und Paukenschläge verschärft, wofür Hans-Martin Majewski in musikalischen Belangen ebenfalls sorgt. Die fast symbiotisch wirkende Konstellation Simmel und Vohrer zeigt sich in "Gott schützt die Liebenden" nicht nur erprobt sondern einfallsreich und publikumswirksam. Jede Dekade im deutschen Film hatte erfolgreiche und hochwertig inszenierte Serien oder Reihen, zu denen die gleichnamigen Romanverfilmungen des österreichischen Autors ohne jeden Zweifel gehören. Auch hier bekommt man eine Bandbreite geboten, die Brücken zum Leben, der Fantasie und Erfahrung herstellen, sodass es ein Leichtes ist, sich uneingeschränkt in die fiktive Welt zu begeben, die so faszinierend wirkt, weil sie dem Empfinden nach tatsächlich existieren könnte. Greifbar und (un-)verständlich durch Emotionen, Nöte und Tugenden, besticht die rasante Erzählweise nachhaltig und eindrucksvoll. Wenn der Filmtitel seinen Zynismus preisgegeben hat und die beteiligten Personen die emotionalen Hüllen fallen gelassen haben, ist der Rest nur noch Schweigen.


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 Post subject: Wie tötet man eine Dame? (1966)
PostPosted: 25.08.2020 17:14 
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WIE TÖTET MAN EINE DAME?

● WIE TÖTET MAN EINE DAME? / DAS GEHEIMNIS DER GELBEN MÖNCHE / TRIO A SEGNO PER UCCIDERE (|D|A|I|1966)
mit Stewart Granger, Karin Dor, Scilla Gabel, Rupert Davies, Adolfo Celi, Luis Induni, Erika Remberg, Klaus Kinski,
Molly Peters, Demeter Bitenc, José Marco Rosello, Slobodan Dimitrijevic, Alan Pinson, Andrea Fior und Curd Jürgens
eine Intercontinental Produktion | PEA | im Nora Filmverleih
ein Film von Manfred R. Köhler


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»Unvorstellbar, dass so eine Lapalie missglückt!«

An ihrem 25. Geburtstag soll Sandra Perkins (Karin Dor) ein Vermögen von mehreren Millionen Dollar erben, doch bevor sie in den Genuss der absoluten Unabhängigkeit kommen kann, folgen zahlreiche Mordanschläge auf die schöne Erbin. Während eines Fluges kommt es zunächst zu einem misslungenen Giftanschlag, anschließend verlässt die korrupte Crew das Flugzeug, um es über dem offenen Meer abstürzen zu lassen. Gemeinsam mit dem Passagier und Geheimagenten James Vine (Stewart Granger) bringt sie die Maschine unbeschadet zu Boden, allerdings ist Sandra immer noch in akuter Lebensgefahr. Eine verbrecherische Organisation setzt weiterhin alles daran, den perfiden Mordplan in die Tat umzusetzen, sodass James Vine auf eigene Faust ermittelt. Wer will Sandra aus dem Weg geräumt sehen..?

Der deutsche Synchronregisseur, Drehbuchautor und Filmregisseur Manfred R. Köhler inszenierte in seiner Karriere nur wenige Kinofilme, die darüber hinaus allesamt den Abenteuer- oder Agentenkrimis zuzuordnen sind. Sein 1966 entstandener Vertreter "Wie tötet man eine Dame?" lief in österreichischen Kinos unter dem ebenso wenig geglückten Titel "Das Geheimnis der gelben Mönche", bei dem sich eine deutliche Anlehnung an gängige Wallace-Formate beobachten lässt, was sich in Teilen auch in der Auswahl der einschlägig bekannten Besetzung widerspiegelt. Dem in Jugoslawien gedrehten Film eilen Ungereimtheiten bei der Herstellung voraus, wie beispielsweise Probleme bei der Finanzierung, was sich im fertigen Produkt jedoch nicht unbedingt exponiert offenbart. Daher kann auch dieser typische Vertreter der Eurocrime-Welle durchaus seine Akzente setzen, die in vielen Fällen derart gefällig wirken, weil sie sich über mehrere Jahre als Genre-Markenzeichen etablieren konnten. Die Geschichte erzählt eine der gefühlt unzähligen Varianten der tödlichen Bedrohung für eine designierte Millionenerbin, die vor allem wegen der Verpflichtung von Karin Dor hemmungslos an Beschützerinstinkte appelliert, was in Köhlers solide inszenierten Beitrag auch aufgehen wird. Der Einstieg schildert neben einigen glücklichen Zufällen vor allem die Rücksichtslosigkeit der verbrecherischen Organisation und deren Helfershelfer, die bereit sind, die komplette Besatzung eines Flugzeuges in den Tod zu schicken, um das anvisierte Opfer liquidieren zu können. Schnelle Vorstellungen unterschiedlicher Charaktere sorgen für angenehme Abwechslung in einem teils vorhersehbaren Verlauf, der von schönen Locations und extravaganter Bebilderung lebt, aber insbesondere mit seiner Top-Besetzung punkten kann.

Stewart Granger, der in jenem Zeitfenster einige Auftritte in derartigen Genre-Vertretern vorzuweisen hatte und in Deutschland große Popularität wegen seiner Rollen in Karl-May-Filmen erlangte, zieht seine gute Spiellaune aus der Tatsache, dass ein kompletter Verlauf um ihn herumkonstruiert wurde. Den Geheimagenten James Vine umweht eine merkliche Nonchalance, er erreicht seine Ziele mit Witz, Charme und gleichzeitig Verbissenheit, sodass wenige Zweifel bestehen, dass er sich zum strahlenden Helden der Geschichte hocharbeiten kann. An seiner Seite ist eine wie immer schöne und geschmeidig wirkende Karin Dor zu sehen, die sich zugunsten Stewart Grangers Reputation in einen Hauch von Naivität zu kleiden hat. Sandra Perkins gerät in einen Strudel aus Intrigen und Mord, ohne zu ahnen, wer es auf ihr Leben abgesehen haben könnte. Dass eine immense Summe im Hintergrund steht, liefert das nötige Motiv und gleichzeitig die passenden Verdächtigen, wenngleich im Bereich der Täterfindung und der entsprechenden Entlarvung kaum Spannung aufrecht erhalten werden kann. Vielmehr gefällt sich Regisseur Köhler darin, das kriminelle Potential der Gegenspieler auf einem Silbertablett zu servieren, und in diesem Zusammenhang bekommt der interessierte Zuschauer sehr passende, teils sogar spektakuläre Zeichnungen geboten. Beim Thema spektakuläre Darbietung muss speziell die überaus attraktive Italienerin Scilla Gabel erwähnt werden, die wahlweise mit tatsächlichen, oder den scharfen Waffen einer Frau zu kämpfen weiß. In der Organisation "Das Auge" genießt sie ganz offensichtlich eine Sonderstellung und bekommt daher den Luxus eingeräumt, ihre sadistische Ader ausleben zu können, was sich insbesondere in den gemeinsamen Szenen mit ihrer österreichischen Kollegin Erika Remberg zeigt.

Die internationale Besetzung kann insgesamt als abwechslungsreich und ausgewogen beschrieben werden, da bis in die Nebenrollen Akzente gesetzt werden. Bekannte Interpreten wie Curd Jürgens, Rupert Davies, Adolfo Celi, Luis Induni, Demeter Bitenc oder Klaus Kinski bedienen die Schablonen zwischen Gut und Böse sehr überzeugend, können gleichzeitig für die Variabilität sorgen, die der Story hin und wieder fehlt. Eine recht unsentimentale Würze steht dieser Geschichte unterm Strich recht gut, auch wenn die Frage im deutschen Verleihtitel eigentlich nicht geklärt werden kann. Ein Mordanschlag folgt dem nächsten, doch es werden reihenweise andere Köpfe rollen, bis sich das Feld insofern lichten kann, dass Brücken zu den Drahtziehern gebaut werden können. Da eine große Erbschaft über allem steht, wirkt das Ganze im Endeffekt vielleicht weniger ausgeklügelt, da es sich thematisch gesehen um einen gerne ausgeschlachteten Dauerbrenner handelt, doch durch nette Einfälle der Regie läuft alles zielführend, da der rote Faden nie aus der Hand gegeben wird. Inszenatorisch betrachtet, handelt es sich bei "Wie tötet man eine Dame?" schließlich um ein typisches Kind seiner Zeit, das mit obligatorischen bis extravaganten Kniffen Ausrufezeichen setzen und punkten kann, ohne dabei aus seinem sicheren Fahrwasser auszubrechen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist allerdings nur ein einheitliche wirkendes Produkt entstanden, das nicht zuletzt so überaus kurzweilig ausgefallen ist, weil es sich den Luxus einer überdurchschnittlichen Entourage leistet, die sich hier keine Blöße gibt. Im letzten Drittel des Films mobilisieren sich noch einmal alle Kräfte, sodass ein insgesamt runder und angenehmer Eindruck zurück bleibt, der die Entscheidung erleichtern und vielleicht sogar beschleunigen wird, sich diesen soliden Vertreter zwischendurch wieder anzuschauen.


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 Post subject: Vier Fäuste für ein Halleluja (1971)
PostPosted: 26.08.2020 19:52 
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Terence Hill   Bud Spencer

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● CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ / VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA (I|1971)
mit Yanti Somer, Jessica Dublin, Enzo Tarascio, Pupo De Luca, Dana Ghia, Emilio Delle Piane und Harry Carey Jr.
eine Produktion der West Film | im Adria Filmverleih
ein Film von Enzo Barboni


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»Hätt ich damals bloß irgend ne vernünftige Schlampe geheiratet...«

Der Pferdedieb Bambino (Bud Spencer) soll den innigen Wunsch seines versoffenen Vaters (Harry Carey Jr.) erfüllen, und seinen jüngeren Bruder Trinità (Terence Hill) ebenfalls zu einem brauchbaren Ganoven ausbilden. Hierbei handelt es sich um ein hartes Los für den Älteren der beiden, schließlich kann er seinen Bruder doch nicht ausstehen und sich Schöneres vorstellen, ihn von nun an im Schlepptau zu haben. Erste Überfälle zeigen keine Erfolge, sondern offenbaren, dass die beiden Galgenvögel eigentlich ein gutes Herz haben. Als Regierungsbeamte getarnt, kommen sie den miesen Geschäften des Verbrechers Parker (Emilio Delle Piane) und seiner Gefolgschaft in die Quere und fallen dabei durch schlagfertige Argumente auf, um nebenbei für die Rechte der durch Parkers Bande Unterdrückten einzutreten...

Enzo Barbonis Prügelwestern "Die rechte und die linke Hand des Teufels" konnte bei seiner Erstaufführung im Jahr 1971 beachtliche 5 Millionen Zuschauer in die Kinos locken. Die unmittelbare Fortsetzung dieser flotten Angelegenheit konnte unter Barbonis Bearbeitung mit dem Namen "Vier Fäuste für ein Halleluja" noch größere Erfolge feiern und rekrutierte alleine in der Bundesrepublik an die 12 Millionen Kinobesucher, was ihm den Ruf einbrachte, einer der besten Filme des Duos Terence Hill und Bud Spencer zu sein, welcher bis heute in der Top-Five der All-Time-Kinocharts zu finden ist. Über Jahrzehnte immer wieder gerne im deutschen Fernsehen gezeigt, etablierte sich die zweite Sprachfassung dieser Produktion, die in den 80er Jahren angefertigt und mit wesentlich mehr Klamauk und flotten Sprüchen als die ursprüngliche Synchronisation für den Kinostart aus dem Jahr 1972 angereichert wurde. Hinzu kamen mehrminütige Kürzungen nicht handelsrelevanter Szenen und die Namen der Protagonisten wurden beispielsweise umbenannt. Bereits der Einstieg in diese Geschichte beweist ein feines Gespür für Situationskomik und originelles Zusammenspiel, wenn Gauner andere Gauner ausstechen. Das Schicksal führt die ungleichen Brüder Bambino und Trinità wieder zusammen und alles entwickelt sich in nicht wenigen Szenen zu einer Gratwanderung, die allerdings jeweils gut ausgehen muss, da man sich schließlich gegen wirkliche Gegenspieler vereinen muss, in deren Visagen noch genügend Platz für die vier Fäuste der Protagonisten sein wird.

Sicherlich klingt der Hinweis, dass der Film komplett auf Terence Hill, Bud Spencer und deren Präsenz baut, irgendwie überflüssig, denn immerhin kann von einer regelrechten Vermarktungsstrategie und sympathischer Narrenfreiheit gesprochen werden, aber dennoch soll auch auf die selbstläuferische Architektur der originellen Geschichte hingewiesen sein, die von Anfang bis Ende brillant funktioniert. Die Jahre dokumentieren, dass immerhin auch Filme des Duos hervorgebracht wurden, die bei Weitem nicht an die Qualität von beispielsweise dieser Produktion heranreichen und sich aufgrund einseitiger Zentrierungen im anvisierten Selbstläufertum verlieren, das vor allem in späteren Jahren nicht immer vorhanden war. Terence Hill und Bud Spencer fallen zunächst schon einmal durch ihre optischen Ungleichheiten auf, die von charakterlichen angefeuert werden. Als vermeintliche Antagonisten aufgebaut, entsteht der größte Spaß bei der Tatsache, dass immer wieder eine Symbiose zwischen beiden stattfinden wird, die nicht nur die wahren Gegenspieler in die Schranken weist, sondern auch dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, dass in "Vier Fäuste für ein Halleluja" etwas vollkommen Prädestiniertes geschieht. Die beiden brauchen sich, auch wenn Bambino sich lieber die Zunge abbeißen würde, als es zuzugeben, und Trinità sichtliche Freude daran hat, es seinem Bruder bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase zu reiben. Hier entstehen sehr amüsante Momente, die durch gewitzte Dialoge an Schärfe gewinnen. Hinzu kommt die in Etappen eingeteilte Geschichte, die besondere Momente bereit hält.

Bereits die ersten Szenen beweisen eindrucksvoll, dass es eben clevere Ganoven gibt, und solche, die sich nur für clever halten. Aber das Wiedersehen macht bekanntlich Freude, wenn auch wie hier nur äußerst einseitig. Im privaten Rahmen wird das Publikum Zeuge familiärer Strukturen, die einen zunächst etwas ungläubig zurücklassen, wenngleich das große Amüsement dieser Szenen sehr lebhaft in Erinnerung bleiben wird. Die entsprechenden Zeichnungen sind derartig überspitzt, dass man im Hinblick auf das Gesamtpaket kaum anders kann, eine gewisse Perfektion bei der versoffenen und von Futterneid getriebenen Bande zu sehen, die nur vordergründig darauf pocht, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Im Zweifelsfall zeigt man sich solidarisch und kennt den Zusammenhalt, was der kompletten Bagage empfundenermaßen wohl schon oft den Hals gerettet hat. Herrlich ist Jessica Dublin, als Mutter von Trinità und Bambino, bei der nur noch zu erahnen ist, dass sie einst ein aufregend-ordinäres Saloon-Girl gewesen sein muss. Versehen mit der Stimme von der großartigen Mady Rahl, oder je nach Synchronfassung von einer ebenso patenten Tilly Lauenstein, fliegen einem die witzigen Dialoge nur so um die Ohren, vor allem wenn sich ihr versoffener Alter alias Harry Carey Jr. einklinkt. Eine Familie die man einfach lieben muss! Diese kurze Etappe ebnet den weiteren Weg in die Ferne, in der gelungene Running Gags, aber vor allem die richtigen Gangster warten, die in ihrer eindeutigen Präsentation dem übelsten Pack gleichen. Doch man steht auch ohne diese Vorstellungen längst aus vollem Herzen auf der richtigen Seite.

"Vier Fäuste für ein Halleluja" lebt im besonderen Maß vom letzten Drittel des Verlaufs, in dem insbesondere die Ankündigung des deutschen Titels wesentlich schärfere Konturen bekommt. Die Protagonisten helfen einer Schar unbeholfen wirkender Missionare, die dazu genötigt werden, ihre Deckmäntel über kriminelle Machenschaften zu legen. Als Ideal sind hier nicht nur die amüsanten Prügel-Szenen zu nennen, sondern auch beispielsweise Bambinos Beichte, bei der sich Abgründe auftun, obwohl man nicht hören kann, worum es im Wesentlichen geht. Gerade die Komödie stellt höhere Anforderungen an Schauspieler, als man meinen möchte, was natürlich auch für die Regie gilt, da Gelingen und Misslingen nah beieinander liegen können. Darstellerisch glänzen selbstverständlich Bud Spencer und Terence Hill unter ihrem selbst konstruierten Nimbus, der nur in späteren Jahren etwas an Strahlkraft verlieren sollte, aber auch der Rest der gut aufgelegten Entourage weiß die entsprechenden Parts sehr passend auszufüllen. Die abwechslungsreiche und turbulente Geschichte kann somit von Anfang bis Ende überzeugen, und es ist nicht nur von einer überaus gelungenen Variante der Italo-Komödie zu sprechen, sondern von einem wirklichen Klassiker, den sich Fans ohnehin immer und immer wieder anschauen werden, nicht zuletzt, weil der Film einen selbst seit Kindheitstagen begleitet. "Vier Fäuste für ein Halleluja" besticht unterm Strich durch Witz, Charme und Action, wobei er dies auch über dem Strich tut. Weitere Wiedersehen mit Trinità, Bambino und allen Beteiligten sind also genau so sicher wie das ängstliche Amen in der Kirche der Missionare.


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 Post subject: Sie tötete in Ekstase (1971)
PostPosted: 31.08.2020 21:48 
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SIE TÖTETE IN EKSTASE

● SIE TÖTETE IN EKSTASE / DR. HOKYLL Y MISS HYDE (D|E|1971)
mit Susann Korda, Fred Williams, Ewa Strömberg, Paul Muller, Howard Vernon, Jesús Franco und Horst Tappert
eine Produktion Tele-Cine | im Cinerama Verleih
ein Film von Jess Franco


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»Du musst mich mit den übelsten Worten beschimpfen. Ich brauche das!«

Als bekannt wird, dass Dr. Johnson (Fred Williams) gentechnische Experimente an menschlichen Embryonen durchführt, indem er diese mit tierischem Erbgut vermischt, verliert er seine Approbation. Auch seine Rechtfertigungen, dass er der Menschheit einen großen Dienst erweisen wolle, um letztendlich chronische Krankheiten zu bekämpfen, stimmen seine Medizin-Kollegen nicht milder. Eher ist das Gegenteil der Fall. Eine Gruppe von Professoren und Doktoren treibt ihn mit deren zerstörerischer Kritik in den Selbstmord. Dr. Johnsons schöne Frau (Susann Korda) schwört bei der Leiche ihres geliebten Mannes brutale Rache an den Verantwortlichen zu nehmen, und macht ihre Opfer auch schnellstens ausfindig. Hierbei kommen ihr ihre körperlichen Reize zu Gute. Ihr erstes Opfer ist Professor Walker (Howard Vernon), der ihren Mann am massivsten kritisierte. Sie gibt sich als Prostituierte aus, und schließlich findet Walker sein qualvolles Ende auf der Sexfolter der Witwe Johnson. Wer wird das nächste Opfer sein..?

Die Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Produzenten Artur Brauner und dem spanischen Regisseur Jess Franco kann nicht nur als überaus produktiv beschrieben werden, sondern trieb Anfang der 70er Jahre teils erfreuliche, wenn nicht sogar bizarre Blüten. Die offenbar besseren Budgetierungen bei Filmen wie "Der Teufel kam aus Akasava", "Der Todesrächer von Soho" oder eben "Sie tötete in Ekstase" ermöglichten Franco wohl ein sorgenfreieres Inszenieren, allerdings wirken diese Beiträge in ihrer Anpassung an das Kino jener Zeit auch braver, oder besser gesagt kompatibler. Dieser im Jahr 1971 hergestellte Film verfügt über zahlreiche Parallelen, die sich vor oder hinter der Kamera finden lassen, was nicht nur für Wiedersehensfreude sorgen kann, sondern auch eine Art der Verlässlichkeit. Die Geschichte mag auf den ersten Blick etwas krude anmuten, befasst sie sich doch mit einem eigentlich ernst angelegten Thema, welches sich jedoch zugunsten von reißerischen Elementen in der Peripherie verläuft. Dieser Umstand erscheint bei einer Franco-Affinität überhaupt nicht absonderlich, da selbstverständlich das Gegenteil der Fall ist. Diese Sex-Crime-Revenge-Geschichte baut ihre Stärken im Rahmen eines auffälligen Zeitdiktats auf, wobei erwähnt werden muss, dass das Geschehen eindrucksvoll von keiner anderen als Soledad Miranda beherrscht wird. In diesem Zeitfenster war die atemberaubend schöne Spanierin unter ihrem Pseudonym Susann Korda zu sehen, und es kommt zu bemerkenswert choreografierten Bildstrecken einer Frau, die nur noch von zerstörerischen Rachegedanken angetrieben wird, und hierbei zu außerordentlichen Mitteln greift.

Dass es Mrs. Johnson so unfehlbar möglich ist, mit Speck Mäuse zu fangen, könnte zwar hinterfragt werden, erübrigt sich allerdings bei einem Blick auf Soledad Miranda, deren Aura vereinnahmend und beinahe hypnotisch wirkt, denn letztlich stellt sie als Frau selbst den passenden Köder dar, den alle anvisierten Opfer mit Vergnügen und Wollust schlucken werden. Die Vorgehensweise dieser Frau, die beinahe mit einer schwarzen Witwe zu vergleichen ist, ist resolut und in der Ausführung brutal, da die vermeintlichen Mörder ihres Gatten ebenso wie er oder sie selbst leiden sollen. In blinder Wut darf das Publikum erstaunt Zeuge ihres ersten Sex-Coups werden, bei dem sie ihre grenzenlose Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt, um an das ersehnte Ziel zu gelangen. Die Wahl der Liquidierungsmethoden stellt sich im weiteren Verlauf als variabel heraus, und es ist überaus interessant zu sehen, dass man unter Jess Franco kaum in die Versuchung zu hinterfragen kommt. In aller Selbstverständlichkeit wird mit der zweifelhaften Protagonistin mitgefiebert, die sogar die Sympathien auf sich ziehen und ihre Feindbilder immer mehr diskreditieren kann. Ein raffinierter Schachzug des erfahrenen Spaniers, da seine Intention, einen Film zu präsentieren, der reißerisch und nach Herzenslust "unkorrekt" vorgehen darf, beinahe unbemerkt oder womöglich mit uneingeschränkter Absolution des Zuschauers aufgehen kann. Jess Franco bedient seine Darsteller_innen erneut wie Instrumente, die seinen Willen lückenlos, eindrucksvoll und euphorisch ausfüllen. Hierbei setzt er vor allem auf feminine Kontraste, die genüsslich ausbuchstabiert werden, solange es sie gibt.

Bei so viel geballter Weiblichkeit droht die männliche Stammbesetzung ein wenig in den Hintergrund zu rücken, allerdings bekommt der interessierte Zuschauer wie üblich markante Darbietungen von Howard Vernon, Paul Muller oder Jess Franco himself geboten. Teils vollkommen reduziert auf Selbstgefälligkeit, Borniertheit oder triebhafte Anwandlungen, kann es so oder so kein Entkommen geben, immerhin hat man es mit einem Kaliber wie Mrs. Johnson zu tun, die alle erdenklichen Register zieht, um ihre Kontrahenten tatsächlich oder im übertragenen Sinn zu entmannen. Lediglich die Rolle des Inspektors, interpretiert von Horst Tappert, weist keine dramaturgische sowie darstellerische Schärfe auf, da es einem so vorkommt, als handle es sich um eine Quotenrolle zugunsten kriminalistischer Inhalte. Auch Fred Williams gerät ein wenig ins Hintertreffen, was jedoch eindeutig seiner übersichtlichen Screentime geschuldet ist. Die Produktion hat neben ihrem stringenten Verlauf, der charakteristischen Musik und abenteuerlichen Einfälle noch herrliche Schauplätze zu bieten, die eine Idylle zeichnen, die nicht existiert. Insgesamt kann der Titel der Produktion auch das halten, was im Vorfeld vollmundig versprochen wurde, denn es kommt durchaus zu ekstatischen Szenen, die aufgrund der Intensität in Erinnerung bleiben werden. "Sie tötete in Ekstase" kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, auch wenn hier und da offensichtliche Ungereimtheiten ins Auge springen wollen, die unter Jess Franco jedoch nicht ungewöhnlich sind, daher zwingend zum Inventar gehören. So bleibt ein kurzweiliger Reißer, der seine Vorzüge genüsslich in die Waagschale wirft und mit einer Treffsicherheit kokettiert, bei der tatsächlich für jeden Zuschauer etwas Interessantes dabei sein dürfte.


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 Post subject: Die zum Teufel gehen (1969)
PostPosted: 15.09.2020 21:49 
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DIE ZUM TEUFEL GEHEN

● LA LEGIONE DEI DANNATI / LA BRIGADA DE LOS CONDENADOS / DIE ZUM TEUFEL GEHEN / TODESKOMMANDO ATLANTIK (I|E|D|1969)
mit Jack Palance, Wolfgang Preiss, Thomas Hunter, Robert Hundar, Helmuth Schneider, Diana Lorys, Guido Lollobrigida,
Aldo Sambrell, Franco Fantasia, Gérard Herter, Bruno Corazzari, Lorenzo Robledo, Mirko Ellis und als Gast Curd Jürgens
eine Produktion der Tritone Cinematografica | Eguiluz Films | Hape Film | im Alpha Filmverleih
ein Film von Umberto Lenzi


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»Was geht mich dieser verfluchte Krieg an?«

1944 steht die von den Deutschen besetzte Normandie unmittelbar vor der Invasion der Alliierten. Colonel Anderson (Jack Palance) erhält den Auftrag, ein Sonderkommando anzuführen, das an der Atlantikküste Unterwasserminen entschärfen soll. Anderson stellt seine Truppe aus Befehlsverweigerern und Kriminellen zusammen, die ohnehin nicht mehr viel zu verlieren haben. Obwohl es sich um ein Himmelfahrtskommando handelt, dessen Erfolg von vorne herein zweifelhaft erscheint, treibt der Colonel seine Männer auch aus persönlichen Gründen immer weiter an, da er noch eine alte Rechnung zu begleichen hat. Er hofft auf ein Wiedersehen mit einem verhassten Bekannten namens Oberst Ackermann (Wolfgang Preiss), gegen den er bereits in Afrika gekämpft hatte...

Geschichten wie diese, deren Treibstoff aus Rache und unermesslichem Hass besteht, neigen von vorne herein dazu, dem Publikum eindeutige Hinweise über ihre Marschrichtung zu liefern, selbst, wenn der Film noch gar nicht richtig an Fahrt aufgenommen hat. Einen perfekten Nährboden für einen bevorstehenden Clash liefert der hier von Regisseur Umberto Lenzi gut simulierte Kriegsschauplatz, der in Bomben- und Kugelhagel gehüllt sein wird, sodass die unmittelbare Gefahr allgegenwärtig erscheint. Der geschichtliche Background erfährt in "Die zum Teufel gehen" eine weniger tiefschürfende Ausschmückung als eine eigens entworfene Rahmenhandlung mit den passenden Charakteren, von denen einige sinnbildlich für Action, Brutalität und Zynismus stehen werden. Das Script verfügt über den Gesamtverlauf zwar über eine gute Grundspannung, erfährt seine Initialzündungen aber vor allem aus der überaus bewegten Kamera-Arbeit, die nach Projektionsflächen sucht, und der rasanten Schnitttechnik, wodurch immer wieder Nervenkitzel aufkommen kann. Die Geschichte begnügt sich nicht mit dem blutigen Tauziehen zweier Seiten, sondern nimmt sich in kürzeren Intervallen auch die Zeit, Schicksale aufzuzeigen und kritischen oder nachdenklichen Untertönen Gehör zu verschaffen, was zwischen dem schweren Kriegsgerät allerdings oft unterzugehen droht. Unterm Strich bleibt jedoch die wohl hauptsächliche Intention der Regie, einen aufreibenden Reißer liefern zu wollen, was phasenweise auch gelingt, wenn nicht manche untertourige Intervalle ausfindig zu machen wären, was allerdings nicht bedeutet, dass in diesen Sequenzen nichts oder zu wenig passiert. Dennoch geht es geht hin und wieder zu eintönig zu. Der italienische Regisseur bettet den Verlauf daher wie auf Schienen, die ausschließlich zu einem starken Finale führen sollen, immerhin deutete sich der Showdown in den ersten Szenen mit dem Protagonisten der Veranstaltung an.

Ein aufgebrachter Söldner beschimpft seinen empörten Vorgesetzten und kündigt an, dass er sich seinen neusten Auftrag irgendwo hin stecken kann, bis er schließlich den Namen Oberst Ackermann hört. Für den Zuschauer ist das bei ihm ausgelöste Echo deutlich wahrnehmbar, nicht zuletzt, weil es zu Rückblenden kommt, die sich auf staubigen Kriegsschauplätzen abspielen, bis plötzlich der blanke Hass in Colonel Andersons Augen zu sehen ist. Eine unbarmherzige Kollision bahnt sich ab sofort konturiert an, die der Erfahrung nach zahlreiche Opfer fordern wird. Star in Umberto Lenzis Kriegs-Vehikel ist der US-Amerikaner Jack Palance, der alleine aufgrund seiner auffälligen Physiognomie ins Auge sticht. Da er Ackermann als Schlüsselfigur für seine ganz persönliche Vendetta identifiziert, braucht es nur die Absolution von übergeordneter Stelle, damit der Kampf bis aufs Messer beginnen darf. Dass eine Mission erledigt werden soll, gerät dem Empfinden nach irgendwann zur Nebensache, allerdings münden die Handlungsstränge sehr günstig ineinander. Jack Palance agiert raubeinig und unsentimental; genau richtig für die harten Voraussetzungen eines blutigen Schlachtfeldes, dessen Gesetze er selbst mit entworfen hat. Seinen Gegenspieler interpretiert Palances deutscher Kollege Wolfgang Preiss, der auch auf internationalem Parkett stets gut beschäftigt und gerne gesehen war. Häufig gebucht für Charaktere der deutschen Kriegsmaschinerie, kann er auch hier in einer Art Paraderolle überzeugen, zumal sie ihm stets wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Als kühler Stratege, der sich nicht zu unsachlichen Regungen oder unnötigen Emotionen verleiten lässt, treibt er seine Truppe immer weiter an, die immer noch mit Durchhalteparolen vom deutschen Endsieg versorgt wird. Die unterschiedlichen Charakterzeichnungen werden einerseits garniert mit aggressiver Impulsivität, andererseits mit der gnadenlosen Forderung nach bedingungslosem Gehorsam.

Viele bekannte Stars des internationalen Kinos laden das Geschehen mit merklicher Energie auf, wenngleich es bestimmt am Genre liegen mag, dass einige Charaktere wie beispielsweise Thomas Hunter, Helmuth Schneider oder Curd Jürgens in die zweite Reihe durchgereicht wirken, was allerdings dem Aufbau der Geschichte über nahezu nur zwei Kontrahenten geschuldet ist. In der Zwischenzeit, beziehungsweise in jeder freien Minute, versucht Regisseur Lenzi sein brutales Himmelfahrtskommando actionreich und spannend zu halten, was jedoch nicht immer gelingen will, da das Script oft zu einspurig fährt. Eine teils imposante Bebilderung kreiert Momente, die in Erinnerung bleiben und welche Brisanz aufkommen lässt, außerdem darf man sich über eine oft deftige Dialogarbeit freuen, die zynische Untertöne transportiert, sogar auswalzt. Das Sonderkommando arbeitet sich stringent bis ans anvisierte Ziel und kann auch durch diverse Steine im Weg nicht aufgehalten werden, hinterlässt dabei eine Spur wie ein Heuschreckenschwarm, bei der nichts übrig bleiben soll. Viele der Charaktere deuten eine dunkle Vergangenheit und daher Tiefe an, doch man legt das Hauptaugenmerk nicht auf ein lückenloses Ausbuchstabieren dieser Seite der Medaille, sondern vornehmlich auf Spektakel, Kugelhagel und Tod. Zwar wirkt "Die zum Teufel gehen" lange nicht so brutal oder selbstgefällig wie vergleichbare Filme des Genres, aber im Grunde genommen wird schon ein bisschen mehr Substanz als anderswo angeboten. Am Ende hebt sich die Produktion wegen guter Leistungen vor und hinter der Kamera hervor und verlässt dabei nie den hochgeschraubt wirkenden Unterhaltungsmodus. Angeheizt durch Hass und Vergeltungsabsichten, kann sich Umberto Lenzis Kriegs-Beitrag durchaus sehen lassen und fristet sein Schattendasein vielleicht etwas zu Unrecht, allerdings muss auch betont werden, dass es sicherlich nicht einfach war, besondere Akzente innerhalb einer Schwemme von beinahe identischen Filmen zu platzieren.


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 Post subject: Die Tote von Amelung (1995)
PostPosted: 16.09.2020 19:43 
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DIE TOTE VON AMELUNG

● Teil I - DIE TOTE VON AMELUNG / DIE GLOCKE VON AMELUNG (D|1995) [TV]
mit Paul Herwig, Heinz Meier, Brigitte Janner, Dieter Montag, Julia Bremermann, Horst-Günter Marx, Eva Blum, Boris Ponev,
Tilly Lauenstein, Irm Hermann, Udo Schenk, Michael Gwisdek, Dieter Laser, Inge Wolffberg, Romy Kuehnert und Andrea Heuer
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Hajo Gies


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»Amelung wird nichts sein als ein Rauschen in der See!«

Die abgeschiedene und sonst eher verschlafen wirkende Insel Amelung gerät in Aufruhr, da die Pastorenwitwe Maria Albrecht (Andrea Heuer) vor der Nacht zum traditionell stattfindenden Kartoffelfeuer tot aufgefunden wird. Dass sie mit heißem Kerzenwachs übergossen wurde, und daran erstickte, spricht eindeutig für Mord. Bereits am nächsten Tag rückt ein Team der Mordkommission an, um diesen rätselhaften Fall aufzuklären, doch die Kriminalbeamten Jan Mendel (Paul Herwig) und Sigurd Flotow (Heinz Meier) stoßen auf äußerst misstrauische Insulaner, die dem Anschein nach kaum daran interessiert sind, dass der Fall aufgeklärt wird...

In einer Zeit, in welcher nicht selten aufwändig produzierte Mehrteiler einschlägig bekannter Privatsender Mode waren, entstand auch Hajo Gies' "Die Tote von Amelung", die seinerzeit massiv beworben wurde. Egal, wie man zu dem Endprodukt stehen mag, eines kann diesem Insel-Krimi sicherlich attestiert werden: er verfügt über eine der einprägsamsten Ermordungsszenen der jüngeren TV-Geschichte. Gies startet seinen Dreiteiler mit sehr einprägsamen Bildern und einer in Teilen blitzartigen Einführung bestimmter Charaktere, nachdem sich die Verwirrung über den im Vorspann angekündigten Titel "Die Glocke von Amelung" gelegt hat. Vermutlich wurde der endgültig vermarktete Titel der Publikumswirksamkeit wegen erst anschließend platziert. Szenen mit der ausgelassen wirkenden und zu Veronika Fischers Schlager "Sag dem Wind" tanzenden Titelfigur lassen trügerische Momente aufkommen, die sich wenige Augenblicke später entladen. Die fiktive und mit kruden Zeichnungen versehene Insel Amelung wird mit einem bestialischen Mord konfrontiert, der Externe dazu veranlassen wird, die eingeschworene Gemeinschaft zu stören. Die Isolation Amelungs wird durch ihre Bewohner charakterisiert, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, doch irgendwie auch untrennbar miteinander verbunden sind. Die ersten Szenen werden dem Publikum ohne Zusammenhänge präsentiert, nicht aber ohne für die Gewissheit zu sorgen, dass man es mit einem strapaziösen Puzzlespiel zu tun bekommen wird, welches womöglich nur von erfahrenen Kriminal-Experten zusammengefügt werden könnte. Als die Polizei jedoch überfährt, macht sich zunächst ungläubige Ernüchterung breit, da beide Herren wie potentielle Steigbügelhalter des Mörders wirken, was im Klartext bedeutet, dass man ihnen jegliche Kompetenz absprechen möchte. Der Unerfahrene von beiden soll erst drei schmale Tage bei der Mordkommission im Dienst sein und wirkt nicht sehr gefestigt und unsicher, der Erfahrene von ihnen wird immer wieder von seinem offenkundigen Alkoholproblem eingeholt.

Die Vorstellungen oder Selbstinszenierungen der Insulaner bringen kaum Licht in diese nebulöse Angelegenheit, auch die Arbeit der Ermittler schießt entweder weit über das Ziel hinaus, oder vermag lediglich die Peripherie zu touchieren. Hajo Gies macht sich das Vakuum der Insel geschickt dienstbar, um so viele gebündelte Eindrücke und Rätsel zu präsentieren, wie irgend möglich. Als Zuschauer verspürt man eine permanente Verwirrung, dies nicht zuletzt, weil das Verbrechen eigentlich jedem zuzutrauen wäre. Das Mordopfer bekommt sukzessive neue Charakterisierungen und Facetten, nur die Konstellationen untereinander erschließen sich schleppend, da die Regie dagegen arbeitet, bis die eigene Kombinationsgabe auf eine harte Probe gestellt wird. War es ein Verbrechen aus Leidenschaft, Habgier oder Hass? Mit möglichen Motiven fischt man in Episode I permanent im Trüben, sodass der weitere Verlauf für zusätzliche Aufklärung sorgen muss. Die schauspielerischen Leistungen wirken hier in den meisten Fällen überaus interessant, wenn auch teilweise gnadenlos überzeichnet, was jedoch zu einem fast unbeschreiblichen Flair beitragen kann. Durch die Verwendung von immer wieder einschießenden Rückblenden und düsteren Berichterstattungen, die teilweise wie waschechte Prophezeiungen wirken, kommt hin und wieder fast schon eine gruselige Atmosphäre auf, die durch unzähmbare Naturgewalten angefeuert wird. Immer wieder schemenhaft begleitet durch ein Lied, das die Ermordete dem Vernehmen nach im Film einst selbst gesungen haben soll, kommt es einem so vor, als bestehe ein immens hoher Widerstand gegen ein natürliches Schließen des Kreises. "Die Tote von Amelung" profitiert in besonderer Art und Weise vom Schauplatz des Verbrechens, welcher teils wunderbare Aufnahmen in herbe Kontraste zu erschreckenden Bildern lenkt, aber auch die Erzählstruktur, die ungeordnet, nervös und manchmal sogar chaotisch wirkt, weiß zu überzeugen. Ein kleiner Cliffhanger beendet diesen ersten Teil, der nachhaltig Spannung fabrizieren und Verwirrung stiften kann, sodass die Neugier auf weitere Enthüllungen groß ausfällt.


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