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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Die Lektion (1978)
PostPosted: 22.07.2020 14:21 
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● DALLAS | FOLGE 02 | THE LESSON | DIE LEKTION (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Steve Kanaly, Jeffrey Byron, Paul Tulley, Donna Bullock, Ryand Merkey, Jo McDonnell sowie Tina Louise
eine Produktion der Lorimar
Regie: Irving J. Moore



Lucy Ewing hat keine Lust mehr, sich mit der Schule abzugeben, und lässt es deswegen auch einfach bleiben. Da sich die Fehlzeiten häufen, weist ihr Großvater Jock den Verwalter der Southfork Ranch an, die widerspenstige junge Dame eigenhändig zur Schule zu fahren, doch es kommt nicht dazu. Ray lässt sich von Lucy um den Finger wickeln und die beiden landen auf dem Heuboden. Pamela, die von dem Verhältnis der beiden weiß, bekommt eines Tages einen Anruf aus Lucys High School , bei dem sich Abgründe auftun. Lucy schwänzt nicht nur seit geraumer Zeit den Unterricht, sondern sie hat offenbar auch alle blauen Briefe abgefangen. Ab sofort kümmert sich Pamela um einen reibungslosen Ablauf, bis Lucy ihrer Tante eine schmerzliche Lektion erteilt...

»Der Unterricht, den ich hier erhalte, reicht mir völlig aus!« Kurz und schmerzlos schmettert Lucy die Vorwürfe Pamelas ab, die sie soeben mit dem Verwalter Ray im Heu erwischt hat, und es deutet sich ein erbittertes Tauziehen ab. Starrsinn und Eigenwilligkeit gegen Vernunft und Hilfsbereitschaft - eine explosive Mischung, die den Großteil dieser zweiten Episode ausmachen wird. Pamela, die erst frisch gebackene Mrs. Ewing, ist noch dabei, sich im Haifischbecken namens Southfork zurecht zu finden. Sticheleien und prüfende Blicke gehören zum Alltag, mit dem sich Pam mittlerweile sogar schon abfinden konnte, da man schließlich weiß, mit wem man es zu tun hat. Die entsprechenden Herrschaften präsentieren sich allerdings nur als offene Bücher, da sie ihr Gegenüber unterschätzen und nach wie vor fest daran glauben, dass Pamela die Ranch irgendwann wieder verlassen wird. Allerdings kann sie wichtigen Teilen der Familie mit ihrer unbeirrbaren und aufrichtigen Art und resoluten Taten imponieren, sodass Miss Ellie und Jock schnell auf der Seite ihrer Schwiegertochter stehen, auch wenn dies bislang nicht verbalisiert wurde. Auf der Gegenseite stehen vor allem J.R., Sue Ellen und Lucy, die jeweils auf ihre Art und Weise für Torpedoschüsse sorgen. »Geschmack hat sie ganz sicher, immerhin hat sie jahrelang in Kaufhäusern gearbeitet.«, hört man Sue Ellen süffisant über den Frühstückstisch giften, um ihre eigene, vermeintlich gefestigte Stellung im Hause Ewing in Erinnerung zu rufen. Dieser solidarische Akt kann ihrem Gatten J.R. allerdings kaum imponieren, da er ein Mann der Tat ist und bereits im Hintergrund konspiriert. Lucy schließt sich dem Feldzug an und wird Pamela in dieser Folge am gefährlichsten werden. Nicht nur, dass sie im Verlauf der Episode für einen der wohl größten Skandale sorgen wird, den die Braddock High jemals erlebt hat, sie wird auch ihre Aufpasserin demütigen und bloßstellen.

Fernab der richtig schmutzigen Geschäfte rund um Macht, Geld und Öl, werden am Anfang noch kleinere Register gezogen, um vor allem die Unterschiede der Hauptpersonen herauszuarbeiten. So wird J.R. seinem Bruder Bobby noch eine mahnend-leidenschaftliche Rede halten, die eigentlich als Drohung zu verstehen ist, denn er berichtet von seinem Leben: Ewing Oil. Er habe hart unter deren Vater arbeiten müssen, während sich Bobby die Hörner abgestoßen habe, was unterschwellig seinen Anspruch auf die uneingeschränkte Alleinherrschaft in der Firma markiert. In der Zwischenzeit übernimmt wieder Lucy das Regiment der Folge und greift zu außerordentlichen Mitteln, um ihren verkorksten Willen durchzusetzen. Das Leitmotiv von "Die Lektion" ist mit der Umschreibung Erpressung vielleicht am deutlichsten Auf den Punkt gebracht, da diese Methodik von einigen Personen angewandt wird. Pam erpresst Lucy und umgekehrt, Lucy wird von einem Kommilitonen genötigt, mit ihr auszugehen und noch weiter, da dieser ihre perfide Aktion in der Schule beobachtet hatte. So droht das Spiel der verwöhnten Nichte des Oberhauptes der Ewings außer Kontrolle zu geraten. Regisseur Irving J. Moore, der in den Folgejahren bei über 50 Episoden Regie führen sollte, konzentriert sich fachmännisch auf die verschiedenen Charaktere und rückt die Personen auf Seiten, beziehungsweise teilt sie in Fraktionen ein. Für den Zuschauer werden bereits eindeutige Leitlinien in Sachen Sympathien und Abscheu gezeichnet, die eine Rolle für die Zukunft spielen können, vorausgesetzt man bleibt der Serie treu. Wenn am Ende noch die Fäuste sprechen dürfen und es zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten kommt, dürfte sich das Publikum klar darüber sein, dass hier jeder Stoff verwendet wird, aus dem gut gemachte Serienträume sind. Außerdem darf man nach so kurzer Zeit gespannt sein, ob es so turbulent weitergehen wird.


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 Post subject: Tragödie in einer Wohnwagenstadt (1967)
PostPosted: 16.08.2020 20:20 
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TRAGÖDIE IN EINER WOHNWAGENSTADT

● TRAGÖDIE IN EINER WOHNWAGENSTADT (D|1967) [TV]
mit Werner Schumacher, Ruth Maria Kubitschek, Klaus Grünberg, Otto Mächtlinger, Peter Bollag, Susanne Beck, Peter Schiff,
Friedrich G. Beckhaus, Sigrid Hackenberg, Peter Kuiper, Benno Hoffmann, Otto Czarski, Waltraud Schmal, Ursula Gompf, u.a.
eine Produktion der Neue Deutsche Filmgesellschaft | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Günter Gräwert


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»Dios mío, qué pasa?«

In einem Waldstück, nahe der Wohnwagensiedlung Superba, kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Dotty Fisher (Susanne Beck) wurde auf dem Nachhauseweg von einem Mann belästigt. Völlig verstört rennt das fünfzehnjährige Mädchen davon und berichtet einigen Männern aus der Siedlung von den Geschehnissen. Die aufgebrachten männlichen Bewohner wollen den Fall um jeden Preis aufklären und bilden einen schnell zusammengewürfelten Untersuchungsausschuss, dessen einseitige Vorgehensweise von Wut, Vorurteilen, Hass und Brutalität geprägt sein wird. Dotty wird bis zur Erschöpfung bei den für diesen Zwischenfall in Frage kommenden Männern vorgeführt und soll den Täter identifizieren, doch den selbsternannten Richtern geht es kaum um die Wahrheitsfindung, sondern sie handeln aus viel niedrigeren Beweggründen...

Der überwiegend als Regisseur von Fernsehfilmen bekannte Regisseur Günter Gräwert inszenierte diesen TV-Film nach einer Vorlage des US-amerikanischen Drehbuch- und Bühnenautors Reginald Rose, dessen realistischer Ansatz hervorragend durch Gräwert in den fertigen Film integriert wurde. Für einen deutschen TV-Film ist es geradezu bemerkenswert, wie frappierend echt der Regisseur ein amerikanisches Flair simulieren konnte, welches man sich zumindest irgendwie in dieser Art so vorstellen könnte. "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" beinhaltet bereits im Titel die zwei wichtigsten Säulen der Geschichte, denn es wird sich tatsächlich ein tragischer Tenor aufbäumen, außerdem deutet die Ortsnennung ein nicht zu durchbrechendes Vakuum an, in dem sich alle Beteiligten ohnehin schon befinden würden, es aufgrund der aktuellen Situation aber noch mehr tun. Die Einführung in diese überaus aufwühlende Geschichte geschieht schnell und unmissverständlich, denn die Kamera orientiert sich an trostlosen Fixpunkten und gescheiterten Existenzen, was sich nicht nur auf das Leben und die Örtlichkeit bezieht, sondern auch auf viele der vorgestellten Charaktere, von denen sich ein Rudel noch zu wahren Höhlenmenschen entwickeln wird. Ein Mädchen wird auf dem Nachhauseweg belästigt und tritt ohne es zu wollen eine Kettenreaktion in Gang, deren Eigendynamik negativste Ausmaße annehmen wird. Schaut man auf den Stein des Anstoßes, so kommen einem die drastischen Mittel der Wahl in keinster Weise gerechtfertigt vor, da die Tat an sich hochgradig durch die aufflammende Brutalität und den blanken Sadismus bei der Vorgehensweise relativiert, dem Empfinden nach sogar aufgehoben wird. Für die in Superba herumlungernden Männer ist das aufgelöste Mädchen offensichtlich die willkommene Abwechslung, die dem untätigen Dasein eine Absolution erteilen könnte, sodass ein Untersuchungsausschuss formiert wird, in welchem sie sich obendrein selbst zu Richtern ernennen.

Die aggressive Vorgehensweise der Männer zeigt weiterhin auf, dass sie zu allem bereit zu sein scheinen und sich am Ende als Henker nützlich machen könnten. Die brodelnde Gefahr der Geschichte baut sich unter anderem aus der Tatsache auf, dass der eigentliche Auslöser für diese Formierung absolut in den Hintergrund rückt, damit die Herren, die sonst nicht wichtig sind, sich aber nun wichtig fühlen dürfen, unabdingbar und hierarchisch Überlegen sein können – zumindest temporär. Grobschlächtige sowie einseitige Verhöre und ein überaus hartes Angehen der beinahe ausschließlich unschuldigen Opfer dieser sinnlosen Lynchjustiz zeichnen in ihrer Bündelung eine Abwärtsspirale, die erschreckend wirkt. Der anvisierte Täter ist schnell gefunden und vorverurteilt, da er schuldig sein muss, denn immerhin handelt es sich um einen Fremden, der obendrein Puerto Ricaner ist. Er und seine Familie wird daher behandelt wie der letzte Dreck, rassistisch beleidigt und gedemütigt, was der Angelegenheit zusätzlich eine Brisanz verleiht, die in schmerzlich verpackten Untertönen gipfelt. Themen wie die Spiegelung der eigenen Unzulänglichkeiten, die Wut gegen alles Fremde und Andersartige, Umkehrreaktionen der Autoaggression und ein offensichtlich mangelnder Bildungshintergrund werden das widerliche Gebräu, dass die selbsternannten Richter einer ganzen Gemeinschaft und dem Publikum einflößen. Die handwerkliche Bearbeitung durch Regisseur Gräwert ist hierbei ausgezeichnet und es entsteht eine beinahe unerträgliche Spannung, die sich trotz aller Vorhersehbarkeit und deutlicher Hinweise etablieren kann, da man es mit plumper Unberechenbarkeit zu tun bekommt. Die passenden Gesichter dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit im Namen der vermeintlichen Gerechtigkeit liefern verdiente Interpreten wie vor allem Friedrich Georg Beckhaus, Benno Hoffmann oder Peter Kuiper, die sich in selbstgefälligen Sphären selbst übertreffen.

Suggestivfragen, Nötigungen, Drohgebärden und Tätlichkeiten dominieren die Vorgehensweise dieser barbarischen Clique immer nachdrücklicher, außerdem packen sie das mittlerweile erschöpfte Opfer immer härter an und muten ihr eine unappetitliche Zirkusvorstellung zu. Nicht nur bei vielen Bewohnern der Wohnwagenstadt, sondern auch beim Publikum macht sich schließlich Fassungslosigkeit, Ekel und Entsetzen breit, da eine Mücke zu einem Elefanten aufgeblasen wird. Diese primitivste Art der Gruppendynamik erfährt allerdings auch zahlreiche Gegenentwürfe, die jedoch durch Einschüchterung und Angst lange zum Schweigen gebracht werden. Hier zu nennen sind vor allem Werner Schumacher, Otto Mächtlinger, Peter Bollag und Ruth Maria Kubitschek, der damaligen Ehefrau von Günter Gräwert. Lediglich Susanne Beck als junges Opfer wirkt in ihrer nicht abebben wollenden Hysterie strapaziös, wenngleich sie so als wandelnder und stets wimmernder Grund für die Schuldfrage präsent gehalten wird. Insgesamt gesehen ist "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" überraschend intensiv in er Umsetzung ausgefallen und schafft es sogar beängstigend authentische Züge anzunehmen. Gräwert gelingt dabei zusätzlich das Kunststück, seinen Fernsehfilm nicht nur publikumswirksam, sondern auch kritisch und fordernd auszustatten. Der nie geäußerte Einwurf, dass auch wesentlich mehr mit Dotty Fisher hätte passieren können, wird in unangenehmer Art und Weise zur hauptsächlichen Rechtfertigung der selbsternannten Richter, sodass man sich umgehend von ihnen zu distanzieren versucht, da ihre Willkür selbstgefällig und unterm Strich nur noch abscheulich wirkt. So ist dieser nachdenklich stimmende Film als Appell an ein gesundes Gerechtigkeitsempfinden und Plädoyer für eine liberale Auffassung vom Zusammenleben und dem Umgang mit anderen sehr gut gelungen, und sticht in der Landschaft deutscher Fernsehproduktionen als unerwartete Sternstunde heraus.


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 Post subject: Tal der Hoffnung (1967)
PostPosted: 17.08.2020 11:48 
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George Martin

TAL DER HOFFNUNG

● CLINT EL SOLITARIO / CLINT IL SOLITARIO / TAL DER HOFFNUNG / EIN MANN KOMMT ZURÜCK (E|I|D|1967)
mit Marianne Koch, Gerhard Riedmann, Walter Barnes, Pinkas Braun, Fernando Sancho, Renato Baldini und Paolo Gozlino
eine Produktion der Balcázar Producciones Cinematográficas | Lux Film | International Germania Film
ein Film von Alfonso Balcázar


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»Den ersten Schlag nicht zu tun, ist das Schwerste für einen Mann!«

Clint Harrison (George Martin) gilt als Revolverheld, da er bislang keiner Schießerei aus dem Weg gegangen ist. Aufgrund seines gewaltbereiten Lebenswandels verließ ihn seine Frau Julie (Marianne Koch) bereits vor einigen Jahren, doch eines Tages kommt es zu einem Wiedersehen, dass Clint zum Umdenken bewegt. Zum einen empfindet er nach wie vor etwas für seine Frau, zum anderen haben die beiden einen gemeinsamen Sohn, um den sich der Rückkehrer ab sofort kümmern will. Clint händigt Julie seinen Revolver aus und beteuert, ab sofort ein rechtschaffenes Leben zu führen. Allerdings hat er die Rechnung ohne den rücksichtslosen Viehzüchter Walter Shannon (Walter Barnes) und seine Helfershelfer gemacht, die die Gegend gemeinsam in Angst und Schrecken versetzen. Wird Clint diesem Spuk ein Ende bereiten können..?

Alfonso Balcázars Beitrag mit dem trügerisch klingenden Titel "Tal der Hoffnung" kann sicherlich nicht als Italowestern reinster Seele bezeichnet werden, denn dafür lassen sich zu viele Anleihen am gängigen US-Western oder ähnlichen Vertretern erkennen, wenngleich sich aufgrund der beeindruckend kontrastreichen Schauplätze in Spanien ein ganz besonderes und autonomes Flair aufbauen kann. Satte Wiesen und grüne Täler liegen zu Füßen verschneiter Berggipfel, und staubige Steppen führen in eine durch Anti-Moral verseuchte Stadt, die üblicherweise von nahezu nur einer Person beherrscht wird. Die Spannungen und Konflikte deuten sich hier nicht nur rapide an, sondern entladen sich plötzlich in Form von Aggressivität und Mord, was der dosierten Spannung nicht nur zuträglich ist, sondern sie durch den weiteren Verlauf mitnimmt. Geschickt in eine publikumswirksame Parallelhandlung eingearbeitet, kann sich die bevorstehende Rachegeschichte mit dem Abtragen von dicken Mauern befassen, um alte Gefühle der Zuneigung wieder aufleben zu lassen. Der spanische und italienische Kinostart dieser Produktion erfolgte im Jahr 1967 und konnte beim Haupt-Financier Spanien sogar für satte Besucherzahlen von annähernd 1,5 Millionen sorgen, wobei sich in Deutschland offenbar kein Verleih finden ließ, sodass die Produktion hierzulande erstmals im Jahr 1990 im Free-TV zu sehen war. Eine knackige Dialogarbeit sowie hochkarätige Synchronsprecher, wie beispielsweise Hansjörg Felmy, Marianne Koch oder Gerd Martienzen, berichten zweifellos von einem anvisierten Kinostart, allerdings teilten zahlreiche Filme das gleiche Schicksal wie dieser und verschwanden ohne Auswertung wieder schnell in der Versenkung.

Wirksame Zutaten, wie die Integrierung von himmelschreienden Ungerechtigkeiten, das Appellieren an Beschützerinstinkte und Vorstellen liebens- und hassenswerter Charaktere sowie brutaler Willkürherrschaft oder ungesgtillter Rachegedanken gehen unter Regisseur Balcázar Hand in Hand mit einer soliden und meist kurzweiligen Inszenierung, die beinahe selbstbewusst eine Geschichte erzählt, die wohlgemerkt schon dutzendfach in gleicher oder abgewandelter Manier dagewesen ist. Sympathische, im Genre verdiente oder völlig neue Gesichter bereichern den Verlauf abwechslungsreich und vielversprechend. In der männlichen Hauptrolle ist der spanische Interpret George Martin zu sehen, der bereits zahlreiche Auftritte im Italowestern vorzuweisen hatte. Zwar erscheint die Rolle des Clint Harrison von Beginn an bemüht undurchsichtig angelegt, allerdings dürfte es für Kenner des Genres leicht zu durchschauen sein, mit wem man es eigentlich zu tun hat, was übrigens auch für den Rest der Crew gilt. Diese Art der Verlässlichkeit schneidet die konkurrierenden Seiten vielleicht etwas zu durchsichtig aus, aber es wird auch an einige Konturierungen der Haupt-Charaktere gedacht, die allesamt gute Eindrücke hinterlassen können. Spätestens seit ihrer Partizipation in Sergio Leones Großerfolg "Für eine Handvoll Dollar" wirkt die Interpretin Marianne Koch kaum mehr wie ein Fremdkörper in solchen Veranstaltungen, und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welche Anpassungsfähigkeit die Deutsche für unterschiedlichste Anforderungen und Genres mitbringen konnte. Ihre Darbietung harmoniert sehr ansprechend mit jener von George Martin, sodass ein natürliches Interesse an diesem Handlungsstrang entstehen kann.

Die Motivation der handelnden Personen ist unterschiedlicher Natur und es wird über den gesamten Verlauf auch streng darauf geachtet, dass es diesbezüglich zu keinen Verschiebungen kommt, die nicht nachvollziehbar wären. Die passenden Gangstervisagen liefern Darsteller, die bereits oft mit solchen Anforderungen vertraut gewesen sind. In diesem Zusammenhang erscheint Walter Barnes von seiner Wirkungsweise her nicht zuletzt so perfide, da er hier und da greifbarer erscheint, als viele ähnliche Zeichnungen diverser Antagonisten. Seine rücksichtslose Crew hat er dabei gut im Griff, sodass sich beispielsweise Pinkas Braun oder insbesondere Fernando Sancho nach Herzenslust austoben dürfen. Erwähnenswert ist bestimmt die Partizipation des Österreichers Gerhard Riedmann, der sich vor allem einen Namen als Charmeur des 50er-Jahre-Heimatfilms machen konnte, daher vergleichsweise fremdartig anmutet. Insgesamt kann allerdings gesagt werden, dass Regisseur Balcázar seine doch sehr unterschiedliche Besatzung sehr gut im Geschehen platzieren konnte. Die Geschichte zieht ihre weitere Spannungskurve aus der geschickten Verwebung der maßgeblichen Handlungsstränge, die sich ab einer gewissen Zeit sogar bedingen. Action und Tempo laufen unterm Strich und in bestimmten Intervallen deutlich auf Sparflamme, sodass der Film oftmals noch dialoglastiger wirkt, als er tatsächlich ist, allerdings bleibt die Inszenierung auffällig linear und alles erhebt sich wie aus einem Guss. "Tal der Hoffnung" ist als Hybrid-Western und angenehm schnörkelloser Vertreter zu beschreiben, der vor allem seine begrenzten dramaturgischen Kapazitäten optimal ausnutzt und bestimmend zum bevorstehenden Showdown führt, auch wenn große Neuerungen insgesamt ausbleiben werden.


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 Post subject: Gott schützt die Liebenden (1973)
PostPosted: 23.08.2020 11:59 
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● GOTT SCHÜTZT DIE LIEBENDEN / ORDINE INTERPOL: SENZA UN ATTIMO DI TREGUA / ORDEN DE INTERPOL: SIN UN MOMENTO DE TREGUA (D|I|E|1973)
mit Harald Leipnitz, Gila von Weitershausen, Andrea Jonasson, Walter Kohut, Ingeborg Lapsien, Ruedi Walter, Manuel Zarzo,
José María Prada, Paul Esser, Umberto Raho, Paolo Giusti, Lorenzo Robledo, Horst Jüssen, Thomas Frey und Nino Castelnuovo
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy | Paramount | Orion | Zafes | Azor Film | im Verleih der Cinema International Corporation
nach dem gleichnamigen Roman von Johannes Mario Simmel
ein Film von Alfred Vohrer


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»Sie hat heute Nacht Maria Stuart umgebracht.«

Paul (Harald Leipnitz) und seine schöne Freundin Sybille sind glücklich, vor allem weil sie gerade beschlossen haben zu heiraten. Da Paul als Ingenieur beruflich viel unterwegs ist, sehen sich beide eine gewisse Zeit nicht. Als er wieder zurück kommt, ist Sybille zu seinem Entsetzen spurlos verschwunden. Da er von einem Unglück ausgeht, alarmiert er die Polizei, allerdings kann ihm Kommissar Putulski (Walter Kohut) nicht weiterhelfen und tut den Fall zunächst ab. Da sich Paul nicht weiterhin abspeisen lassen will, macht er sich eigenhändig auf die Suche nach seiner Verlobten, und je mehr er über sie erfährt, desto deutlicher stellt sich heraus, dass es sich beinahe um eine völlig Unbekannte für ihn handelt. Als ihn die geheimnisvolle Laura (Andrea Jonasson) auf eine neue Spur führt, kann Paul kaum fassen, in welchen Strudel aus Verbrechen und Mord er geraten ist...

Nach der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Berliner Rialto Film, für die Alfred Vohrer fast 20 Filme inszenierte, wechselte der Regisseur Ende der 60er Jahre zu Luggi Waldleitners Roxy Film, und es entwickelte sich eine weitere erfolgreiche Phase deutscher Kinogeschichte. Die Verfilmungen nach den gleichnamigen Romanen von Johannes Mario Simmel verzeichneten einen beachtlichen Publikumszulauf. Bei "Gott schützt die Liebenden" handelt es sich bereits um die fünfte von sechs Simmel-Adaptionen Vohrers, und dieser 1973 in Berlin, München, Barcelona und Wien gedrehte Beitrag überzeugt im Rahmen seiner ganz typischen Handschrift und wurde mit dem Prädikat "wertvoll" und zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Vorlagen des Wiener Schriftstellers Simmel lieferten ab 1971 die Grundlagen für sehr abwechslungsreiche Unterhaltung mit spektakulären Besetzungen, was ebenso hier der Fall ist. Thematisch gesehen bekommt das Publikum eine wie üblich anfangs bruchstückhafte Erzählung geboten, die sich zunächst nur wie durch einen undurchdringlichen Schleier betrachten lässt, um von hinten nach vorne aufgerollt zu werden. In den meisten Intervallen als Rückblende angelegt, darf man sich auf eine Enthüllungsgeschichte freuen, die sogar Anteile einer blutigen Vendetta zu bieten haben wird, da sich die italienische Mafia die Ehre gibt. Unscheinbar in den Anfängen, bäumt ich nach kürzester Zeit ein Verwirrspiel auf, in welchem manche Akteure alles daran setzen, ihre wahre Identität unter Verschluss zu halten. Die Simmel-Verfilmungen von Alfred Vohrer, oder auch diejenigen alternativer Regisseure, haben das Potenzial, eine starke Anziehungskraft zu entwickeln, auch wenn sie zum Teil sehr kompliziert angelegt sind, um letztlich für Paukenschläge sorgen zu können.

Der erprobte Leser oder Zuschauer von Simmel-Stoffen weiß nur allzu genau, dass Glück und Zufriedenheit in der aufwühlenden und fiktiven Welt des Autors nur Momentaufnahmen bleiben werden, und so ist auch das aktuelle Glück der beiden Protagonisten Paul Holland und Sybille Loredo dazu gemacht, um nach und nach in Stücke zu zerfallen. Diese anmerkende Tatsache verrät sicherlich nicht zu viel über den bevorstehenden Verlauf, denn die schöne Blondine ist bereits nach kürzester Zeit verschwunden und man ahnt, dass sie die Flucht bei einer Nacht-und Nebel-Aktion ergriffen haben dürfte. Wenn Charaktere in panischer Angst vor der eigenen Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft fliehen, gestaltet sich das Aufrollen dieser Geschichten und der entsprechenden Schicksale als überaus faszinierend und spannend; Eindrücke, für die Alfred Vohrer sich über die Jahre gesehen als Garant platzieren konnte. "Gott schützt die Liebenden" verlässt sich global auf seine starken Charaktere, die ihre auf sie zugeschnittenen Intervalle regelrecht beherrschen können. Harald Leipnitz als Leidtragender eines doppelten Spiels schöpft seine Überzeugungskraft sowohl aus seiner Routine, als auch der Möglichkeit, sich flexibel auf alle erdenklichen Anforderungen auszurichten. Mit ihm ist schnell der Sympathieträger der kompletten Geschichte gefunden, wenngleich solche auf jeder Seite wahrzunehmen sind. Charakterliche Unterschiede sind letztlich bei allen Haupt- und Nebenfiguren zu erkennen, genau wie Facettenreichtum und Doppelbödigkeit. In diesem Zusammenhang ist ebenso Gila von Weitershausen zu nennen, die mehrere Gesichter und Choreografien für Paul und das Publikum anbietet, ohne dabei transparent im Auftreten und Denken zu werden, jedenfalls bis zu einem gewissen Zeitpunkt.

Als plötzlich der erste Tote des Szenarios auftaucht, ist Sybille irgendwie in den Fall involviert, außerdem ergriff sie zuvor die Flucht, sodass der Fokus auf sie gerichtet wird und dort auch bleibt. Gila von Weitershausen spielt weitgehend beherrscht und dem Zuschauer zugewandt, um ihre hier eigentlich vorhandene sympathische Seite auszuspielen, die für den weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden wird. Von italienischer Seite flaniert Nino Castelnuovo durch das Geschehen, in welchem er durch die strahlende Sonne in sein bestes Licht gerückt wird. Herkunft und Vergangenheit spielen zunächst keine Rolle, sondern nur der bloße Moment. Dieses Agieren entspricht vollkommen der Einstellung des gut aussehenden Mannes, der sich dieser günstigen Grundvoraussetzung stets gewiss ist, was auch seine aufdringlich-amourösen Offensiven erklärt. Emilio Trenti ist es gewöhnt, das zu bekommen, was er temporär ins Auge gefasst hat. So dürfte seine weibliche Trophäensammlung eine lange Chronologie haben, in der Sybille die nächste sein soll. Die Szenen zwischen Castelnuovo und von Weitershausen erzählen verspielt und märchenbuchartig von einer Affäre, die zur Liaison dangereuse und mehr wird, was beide Akteure sichtlich irritiert, da keiner es so weit kommen lassen wollte. Schnell geht alles über die Grenzen der Unverbindlichkeit hinaus und trotz Aura und traumhaften Szenen sitzt dem Zuschauer die Erinnerung an Paul im Nacken, sodass sich die so positiven Eindrücke etwas umkehren, weil sich das Wahrgenommene trügerisch anfühlt. Zwischenzeitlich stellen sich weitere Personen vor, die für die unbestimmte Gefahr stehen, sogar wenn sie keine Familienmitglieder Emilios sind. Hier ist insbesondere Andrea Jonasson zu nennen, deren anfangs unscheinbares Erscheinen nicht über die Vermutung hinweg täuscht, dass sie zum fehlenden Mosaiksteinchen werden könnte.

Schön und geheimnisvoll spielt sie abwechselnd Katz und Maus, um selbst wechselseitig in beide Rollen zu schlüpfen. Auch wenn man dieses attraktive Geschöpf nicht ordnen kann, ist dennoch zu erahnen, dass sie alles daran setzen wird, um das Schicksal möglicherweise zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Im Simmel-Orbit haben sich bei diesem Versuch schon diverse Personen die Zähne ausgebissen, und es bleibt aufgrund der schillernden Charaktere hoch interessant. Gute Darbietungen bekommt man des Weiteren von Walter Kohut, Manuel Zarzo, Paolo Giusti, José María Prada und vor allem Ingeborg Lapsien als "La Mamma" geboten, die das Geschehen gekonnt ausstaffieren. "Gott schützt die Liebenden" verfügt über eine exzellente Bebilderung durch Kameramann Charly Steinberger, der Stimmungen und Schwingungen forciert und Paukenschläge verschärft, wofür Hans-Martin Majewski in musikalischen Belangen ebenfalls sorgt. Die fast symbiotisch wirkende Konstellation Simmel und Vohrer zeigt sich in "Gott schützt die Liebenden" nicht nur erprobt sondern einfallsreich und publikumswirksam. Jede Dekade im deutschen Film hatte erfolgreiche und hochwertig inszenierte Serien oder Reihen, zu denen die gleichnamigen Romanverfilmungen des österreichischen Autors ohne jeden Zweifel gehören. Auch hier bekommt man eine Bandbreite geboten, die Brücken zum Leben, der Fantasie und Erfahrung herstellen, sodass es ein Leichtes ist, sich uneingeschränkt in die fiktive Welt zu begeben, die so faszinierend wirkt, weil sie dem Empfinden nach tatsächlich existieren könnte. Greifbar und (un-)verständlich durch Emotionen, Nöte und Tugenden, besticht die rasante Erzählweise nachhaltig und eindrucksvoll. Wenn der Filmtitel seinen Zynismus preisgegeben hat und die beteiligten Personen die emotionalen Hüllen fallen gelassen haben, ist der Rest nur noch Schweigen.


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 Post subject: Wie tötet man eine Dame? (1966)
PostPosted: 25.08.2020 16:14 
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WIE TÖTET MAN EINE DAME?

● WIE TÖTET MAN EINE DAME? / DAS GEHEIMNIS DER GELBEN MÖNCHE / TRIO A SEGNO PER UCCIDERE (|D|A|I|1966)
mit Stewart Granger, Karin Dor, Scilla Gabel, Rupert Davies, Adolfo Celi, Luis Induni, Erika Remberg, Klaus Kinski,
Molly Peters, Demeter Bitenc, José Marco Rosello, Slobodan Dimitrijevic, Alan Pinson, Andrea Fior und Curd Jürgens
eine Intercontinental Produktion | PEA | im Nora Filmverleih
ein Film von Manfred R. Köhler


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»Unvorstellbar, dass so eine Lapalie missglückt!«

An ihrem 25. Geburtstag soll Sandra Perkins (Karin Dor) ein Vermögen von mehreren Millionen Dollar erben, doch bevor sie in den Genuss der absoluten Unabhängigkeit kommen kann, folgen zahlreiche Mordanschläge auf die schöne Erbin. Während eines Fluges kommt es zunächst zu einem misslungenen Giftanschlag, anschließend verlässt die korrupte Crew das Flugzeug, um es über dem offenen Meer abstürzen zu lassen. Gemeinsam mit dem Passagier und Geheimagenten James Vine (Stewart Granger) bringt sie die Maschine unbeschadet zu Boden, allerdings ist Sandra immer noch in akuter Lebensgefahr. Eine verbrecherische Organisation setzt weiterhin alles daran, den perfiden Mordplan in die Tat umzusetzen, sodass James Vine auf eigene Faust ermittelt. Wer will Sandra aus dem Weg geräumt sehen..?

Der deutsche Synchronregisseur, Drehbuchautor und Filmregisseur Manfred R. Köhler inszenierte in seiner Karriere nur wenige Kinofilme, die darüber hinaus allesamt den Abenteuer- oder Agentenkrimis zuzuordnen sind. Sein 1966 entstandener Vertreter "Wie tötet man eine Dame?" lief in österreichischen Kinos unter dem ebenso wenig geglückten Titel "Das Geheimnis der gelben Mönche", bei dem sich eine deutliche Anlehnung an gängige Wallace-Formate beobachten lässt, was sich in Teilen auch in der Auswahl der einschlägig bekannten Besetzung widerspiegelt. Dem in Jugoslawien gedrehten Film eilen Ungereimtheiten bei der Herstellung voraus, wie beispielsweise Probleme bei der Finanzierung, was sich im fertigen Produkt jedoch nicht unbedingt exponiert offenbart. Daher kann auch dieser typische Vertreter der Eurocrime-Welle durchaus seine Akzente setzen, die in vielen Fällen derart gefällig wirken, weil sie sich über mehrere Jahre als Genre-Markenzeichen etablieren konnten. Die Geschichte erzählt eine der gefühlt unzähligen Varianten der tödlichen Bedrohung für eine designierte Millionenerbin, die vor allem wegen der Verpflichtung von Karin Dor hemmungslos an Beschützerinstinkte appelliert, was in Köhlers solide inszenierten Beitrag auch aufgehen wird. Der Einstieg schildert neben einigen glücklichen Zufällen vor allem die Rücksichtslosigkeit der verbrecherischen Organisation und deren Helfershelfer, die bereit sind, die komplette Besatzung eines Flugzeuges in den Tod zu schicken, um das anvisierte Opfer liquidieren zu können. Schnelle Vorstellungen unterschiedlicher Charaktere sorgen für angenehme Abwechslung in einem teils vorhersehbaren Verlauf, der von schönen Locations und extravaganter Bebilderung lebt, aber insbesondere mit seiner Top-Besetzung punkten kann.

Stewart Granger, der in jenem Zeitfenster einige Auftritte in derartigen Genre-Vertretern vorzuweisen hatte und in Deutschland große Popularität wegen seiner Rollen in Karl-May-Filmen erlangte, zieht seine gute Spiellaune aus der Tatsache, dass ein kompletter Verlauf um ihn herumkonstruiert wurde. Den Geheimagenten James Vine umweht eine merkliche Nonchalance, er erreicht seine Ziele mit Witz, Charme und gleichzeitig Verbissenheit, sodass wenige Zweifel bestehen, dass er sich zum strahlenden Helden der Geschichte hocharbeiten kann. An seiner Seite ist eine wie immer schöne und geschmeidig wirkende Karin Dor zu sehen, die sich zugunsten Stewart Grangers Reputation in einen Hauch von Naivität zu kleiden hat. Sandra Perkins gerät in einen Strudel aus Intrigen und Mord, ohne zu ahnen, wer es auf ihr Leben abgesehen haben könnte. Dass eine immense Summe im Hintergrund steht, liefert das nötige Motiv und gleichzeitig die passenden Verdächtigen, wenngleich im Bereich der Täterfindung und der entsprechenden Entlarvung kaum Spannung aufrecht erhalten werden kann. Vielmehr gefällt sich Regisseur Köhler darin, das kriminelle Potential der Gegenspieler auf einem Silbertablett zu servieren, und in diesem Zusammenhang bekommt der interessierte Zuschauer sehr passende, teils sogar spektakuläre Zeichnungen geboten. Beim Thema spektakuläre Darbietung muss speziell die überaus attraktive Italienerin Scilla Gabel erwähnt werden, die wahlweise mit tatsächlichen, oder den scharfen Waffen einer Frau zu kämpfen weiß. In der Organisation "Das Auge" genießt sie ganz offensichtlich eine Sonderstellung und bekommt daher den Luxus eingeräumt, ihre sadistische Ader ausleben zu können, was sich insbesondere in den gemeinsamen Szenen mit ihrer österreichischen Kollegin Erika Remberg zeigt.

Die internationale Besetzung kann insgesamt als abwechslungsreich und ausgewogen beschrieben werden, da bis in die Nebenrollen Akzente gesetzt werden. Bekannte Interpreten wie Curd Jürgens, Rupert Davies, Adolfo Celi, Luis Induni, Demeter Bitenc oder Klaus Kinski bedienen die Schablonen zwischen Gut und Böse sehr überzeugend, können gleichzeitig für die Variabilität sorgen, die der Story hin und wieder fehlt. Eine recht unsentimentale Würze steht dieser Geschichte unterm Strich recht gut, auch wenn die Frage im deutschen Verleihtitel eigentlich nicht geklärt werden kann. Ein Mordanschlag folgt dem nächsten, doch es werden reihenweise andere Köpfe rollen, bis sich das Feld insofern lichten kann, dass Brücken zu den Drahtziehern gebaut werden können. Da eine große Erbschaft über allem steht, wirkt das Ganze im Endeffekt vielleicht weniger ausgeklügelt, da es sich thematisch gesehen um einen gerne ausgeschlachteten Dauerbrenner handelt, doch durch nette Einfälle der Regie läuft alles zielführend, da der rote Faden nie aus der Hand gegeben wird. Inszenatorisch betrachtet, handelt es sich bei "Wie tötet man eine Dame?" schließlich um ein typisches Kind seiner Zeit, das mit obligatorischen bis extravaganten Kniffen Ausrufezeichen setzen und punkten kann, ohne dabei aus seinem sicheren Fahrwasser auszubrechen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist allerdings nur ein einheitliche wirkendes Produkt entstanden, das nicht zuletzt so überaus kurzweilig ausgefallen ist, weil es sich den Luxus einer überdurchschnittlichen Entourage leistet, die sich hier keine Blöße gibt. Im letzten Drittel des Films mobilisieren sich noch einmal alle Kräfte, sodass ein insgesamt runder und angenehmer Eindruck zurück bleibt, der die Entscheidung erleichtern und vielleicht sogar beschleunigen wird, sich diesen soliden Vertreter zwischendurch wieder anzuschauen.


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 Post subject: Vier Fäuste für ein Halleluja (1971)
PostPosted: 26.08.2020 18:52 
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Terence Hill   Bud Spencer

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● CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ / VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA (I|1971)
mit Yanti Somer, Jessica Dublin, Enzo Tarascio, Pupo De Luca, Dana Ghia, Emilio Delle Piane und Harry Carey Jr.
eine Produktion der West Film | im Adria Filmverleih
ein Film von Enzo Barboni


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»Hätt ich damals bloß irgend ne vernünftige Schlampe geheiratet...«

Der Pferdedieb Bambino (Bud Spencer) soll den innigen Wunsch seines versoffenen Vaters (Harry Carey Jr.) erfüllen, und seinen jüngeren Bruder Trinità (Terence Hill) ebenfalls zu einem brauchbaren Ganoven ausbilden. Hierbei handelt es sich um ein hartes Los für den Älteren der beiden, schließlich kann er seinen Bruder doch nicht ausstehen und sich Schöneres vorstellen, ihn von nun an im Schlepptau zu haben. Erste Überfälle zeigen keine Erfolge, sondern offenbaren, dass die beiden Galgenvögel eigentlich ein gutes Herz haben. Als Regierungsbeamte getarnt, kommen sie den miesen Geschäften des Verbrechers Parker (Emilio Delle Piane) und seiner Gefolgschaft in die Quere und fallen dabei durch schlagfertige Argumente auf, um nebenbei für die Rechte der durch Parkers Bande Unterdrückten einzutreten...

Enzo Barbonis Prügelwestern "Die rechte und die linke Hand des Teufels" konnte bei seiner Erstaufführung im Jahr 1971 beachtliche 5 Millionen Zuschauer in die Kinos locken. Die unmittelbare Fortsetzung dieser flotten Angelegenheit konnte unter Barbonis Bearbeitung mit dem Namen "Vier Fäuste für ein Halleluja" noch größere Erfolge feiern und rekrutierte alleine in der Bundesrepublik an die 12 Millionen Kinobesucher, was ihm den Ruf einbrachte, einer der besten Filme des Duos Terence Hill und Bud Spencer zu sein, welcher bis heute in der Top-Five der All-Time-Kinocharts zu finden ist. Über Jahrzehnte immer wieder gerne im deutschen Fernsehen gezeigt, etablierte sich die zweite Sprachfassung dieser Produktion, die in den 80er Jahren angefertigt und mit wesentlich mehr Klamauk und flotten Sprüchen als die ursprüngliche Synchronisation für den Kinostart aus dem Jahr 1972 angereichert wurde. Hinzu kamen mehrminütige Kürzungen nicht handelsrelevanter Szenen und die Namen der Protagonisten wurden beispielsweise umbenannt. Bereits der Einstieg in diese Geschichte beweist ein feines Gespür für Situationskomik und originelles Zusammenspiel, wenn Gauner andere Gauner ausstechen. Das Schicksal führt die ungleichen Brüder Bambino und Trinità wieder zusammen und alles entwickelt sich in nicht wenigen Szenen zu einer Gratwanderung, die allerdings jeweils gut ausgehen muss, da man sich schließlich gegen wirkliche Gegenspieler vereinen muss, in deren Visagen noch genügend Platz für die vier Fäuste der Protagonisten sein wird.

Sicherlich klingt der Hinweis, dass der Film komplett auf Terence Hill, Bud Spencer und deren Präsenz baut, irgendwie überflüssig, denn immerhin kann von einer regelrechten Vermarktungsstrategie und sympathischer Narrenfreiheit gesprochen werden, aber dennoch soll auch auf die selbstläuferische Architektur der originellen Geschichte hingewiesen sein, die von Anfang bis Ende brillant funktioniert. Die Jahre dokumentieren, dass immerhin auch Filme des Duos hervorgebracht wurden, die bei Weitem nicht an die Qualität von beispielsweise dieser Produktion heranreichen und sich aufgrund einseitiger Zentrierungen im anvisierten Selbstläufertum verlieren, das vor allem in späteren Jahren nicht immer vorhanden war. Terence Hill und Bud Spencer fallen zunächst schon einmal durch ihre optischen Ungleichheiten auf, die von charakterlichen angefeuert werden. Als vermeintliche Antagonisten aufgebaut, entsteht der größte Spaß bei der Tatsache, dass immer wieder eine Symbiose zwischen beiden stattfinden wird, die nicht nur die wahren Gegenspieler in die Schranken weist, sondern auch dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, dass in "Vier Fäuste für ein Halleluja" etwas vollkommen Prädestiniertes geschieht. Die beiden brauchen sich, auch wenn Bambino sich lieber die Zunge abbeißen würde, als es zuzugeben, und Trinità sichtliche Freude daran hat, es seinem Bruder bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase zu reiben. Hier entstehen sehr amüsante Momente, die durch gewitzte Dialoge an Schärfe gewinnen. Hinzu kommt die in Etappen eingeteilte Geschichte, die besondere Momente bereit hält.

Bereits die ersten Szenen beweisen eindrucksvoll, dass es eben clevere Ganoven gibt, und solche, die sich nur für clever halten. Aber das Wiedersehen macht bekanntlich Freude, wenn auch wie hier nur äußerst einseitig. Im privaten Rahmen wird das Publikum Zeuge familiärer Strukturen, die einen zunächst etwas ungläubig zurücklassen, wenngleich das große Amüsement dieser Szenen sehr lebhaft in Erinnerung bleiben wird. Die entsprechenden Zeichnungen sind derartig überspitzt, dass man im Hinblick auf das Gesamtpaket kaum anders kann, eine gewisse Perfektion bei der versoffenen und von Futterneid getriebenen Bande zu sehen, die nur vordergründig darauf pocht, dass sich jeder selbst der Nächste ist. Im Zweifelsfall zeigt man sich solidarisch und kennt den Zusammenhalt, was der kompletten Bagage empfundenermaßen wohl schon oft den Hals gerettet hat. Herrlich ist Jessica Dublin, als Mutter von Trinità und Bambino, bei der nur noch zu erahnen ist, dass sie einst ein aufregend-ordinäres Saloon-Girl gewesen sein muss. Versehen mit der Stimme von der großartigen Mady Rahl, oder je nach Synchronfassung von einer ebenso patenten Tilly Lauenstein, fliegen einem die witzigen Dialoge nur so um die Ohren, vor allem wenn sich ihr versoffener Alter alias Harry Carey Jr. einklinkt. Eine Familie die man einfach lieben muss! Diese kurze Etappe ebnet den weiteren Weg in die Ferne, in der gelungene Running Gags, aber vor allem die richtigen Gangster warten, die in ihrer eindeutigen Präsentation dem übelsten Pack gleichen. Doch man steht auch ohne diese Vorstellungen längst aus vollem Herzen auf der richtigen Seite.

"Vier Fäuste für ein Halleluja" lebt im besonderen Maß vom letzten Drittel des Verlaufs, in dem insbesondere die Ankündigung des deutschen Titels wesentlich schärfere Konturen bekommt. Die Protagonisten helfen einer Schar unbeholfen wirkender Missionare, die dazu genötigt werden, ihre Deckmäntel über kriminelle Machenschaften zu legen. Als Ideal sind hier nicht nur die amüsanten Prügel-Szenen zu nennen, sondern auch beispielsweise Bambinos Beichte, bei der sich Abgründe auftun, obwohl man nicht hören kann, worum es im Wesentlichen geht. Gerade die Komödie stellt höhere Anforderungen an Schauspieler, als man meinen möchte, was natürlich auch für die Regie gilt, da Gelingen und Misslingen nah beieinander liegen können. Darstellerisch glänzen selbstverständlich Bud Spencer und Terence Hill unter ihrem selbst konstruierten Nimbus, der nur in späteren Jahren etwas an Strahlkraft verlieren sollte, aber auch der Rest der gut aufgelegten Entourage weiß die entsprechenden Parts sehr passend auszufüllen. Die abwechslungsreiche und turbulente Geschichte kann somit von Anfang bis Ende überzeugen, und es ist nicht nur von einer überaus gelungenen Variante der Italo-Komödie zu sprechen, sondern von einem wirklichen Klassiker, den sich Fans ohnehin immer und immer wieder anschauen werden, nicht zuletzt, weil der Film einen selbst seit Kindheitstagen begleitet. "Vier Fäuste für ein Halleluja" besticht unterm Strich durch Witz, Charme und Action, wobei er dies auch über dem Strich tut. Weitere Wiedersehen mit Trinità, Bambino und allen Beteiligten sind also genau so sicher wie das ängstliche Amen in der Kirche der Missionare.


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 Post subject: Sie tötete in Ekstase (1971)
PostPosted: 31.08.2020 20:48 
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SIE TÖTETE IN EKSTASE

● SIE TÖTETE IN EKSTASE / DR. HOKYLL Y MISS HYDE (D|E|1971)
mit Susann Korda, Fred Williams, Ewa Strömberg, Paul Muller, Howard Vernon, Jesús Franco und Horst Tappert
eine Produktion Tele-Cine | im Cinerama Verleih
ein Film von Jess Franco


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»Du musst mich mit den übelsten Worten beschimpfen. Ich brauche das!«

Als bekannt wird, dass Dr. Johnson (Fred Williams) gentechnische Experimente an menschlichen Embryonen durchführt, indem er diese mit tierischem Erbgut vermischt, verliert er seine Approbation. Auch seine Rechtfertigungen, dass er der Menschheit einen großen Dienst erweisen wolle, um letztendlich chronische Krankheiten zu bekämpfen, stimmen seine Medizin-Kollegen nicht milder. Eher ist das Gegenteil der Fall. Eine Gruppe von Professoren und Doktoren treibt ihn mit deren zerstörerischer Kritik in den Selbstmord. Dr. Johnsons schöne Frau (Susann Korda) schwört bei der Leiche ihres geliebten Mannes brutale Rache an den Verantwortlichen zu nehmen, und macht ihre Opfer auch schnellstens ausfindig. Hierbei kommen ihr ihre körperlichen Reize zu Gute. Ihr erstes Opfer ist Professor Walker (Howard Vernon), der ihren Mann am massivsten kritisierte. Sie gibt sich als Prostituierte aus, und schließlich findet Walker sein qualvolles Ende auf der Sexfolter der Witwe Johnson. Wer wird das nächste Opfer sein..?

Die Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Produzenten Artur Brauner und dem spanischen Regisseur Jess Franco kann nicht nur als überaus produktiv beschrieben werden, sondern trieb Anfang der 70er Jahre teils erfreuliche, wenn nicht sogar bizarre Blüten. Die offenbar besseren Budgetierungen bei Filmen wie "Der Teufel kam aus Akasava", "Der Todesrächer von Soho" oder eben "Sie tötete in Ekstase" ermöglichten Franco wohl ein sorgenfreieres Inszenieren, allerdings wirken diese Beiträge in ihrer Anpassung an das Kino jener Zeit auch braver, oder besser gesagt kompatibler. Dieser im Jahr 1971 hergestellte Film verfügt über zahlreiche Parallelen, die sich vor oder hinter der Kamera finden lassen, was nicht nur für Wiedersehensfreude sorgen kann, sondern auch eine Art der Verlässlichkeit. Die Geschichte mag auf den ersten Blick etwas krude anmuten, befasst sie sich doch mit einem eigentlich ernst angelegten Thema, welches sich jedoch zugunsten von reißerischen Elementen in der Peripherie verläuft. Dieser Umstand erscheint bei einer Franco-Affinität überhaupt nicht absonderlich, da selbstverständlich das Gegenteil der Fall ist. Diese Sex-Crime-Revenge-Geschichte baut ihre Stärken im Rahmen eines auffälligen Zeitdiktats auf, wobei erwähnt werden muss, dass das Geschehen eindrucksvoll von keiner anderen als Soledad Miranda beherrscht wird. In diesem Zeitfenster war die atemberaubend schöne Spanierin unter ihrem Pseudonym Susann Korda zu sehen, und es kommt zu bemerkenswert choreografierten Bildstrecken einer Frau, die nur noch von zerstörerischen Rachegedanken angetrieben wird, und hierbei zu außerordentlichen Mitteln greift.

Dass es Mrs. Johnson so unfehlbar möglich ist, mit Speck Mäuse zu fangen, könnte zwar hinterfragt werden, erübrigt sich allerdings bei einem Blick auf Soledad Miranda, deren Aura vereinnahmend und beinahe hypnotisch wirkt, denn letztlich stellt sie als Frau selbst den passenden Köder dar, den alle anvisierten Opfer mit Vergnügen und Wollust schlucken werden. Die Vorgehensweise dieser Frau, die beinahe mit einer schwarzen Witwe zu vergleichen ist, ist resolut und in der Ausführung brutal, da die vermeintlichen Mörder ihres Gatten ebenso wie er oder sie selbst leiden sollen. In blinder Wut darf das Publikum erstaunt Zeuge ihres ersten Sex-Coups werden, bei dem sie ihre grenzenlose Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt, um an das ersehnte Ziel zu gelangen. Die Wahl der Liquidierungsmethoden stellt sich im weiteren Verlauf als variabel heraus, und es ist überaus interessant zu sehen, dass man unter Jess Franco kaum in die Versuchung zu hinterfragen kommt. In aller Selbstverständlichkeit wird mit der zweifelhaften Protagonistin mitgefiebert, die sogar die Sympathien auf sich ziehen und ihre Feindbilder immer mehr diskreditieren kann. Ein raffinierter Schachzug des erfahrenen Spaniers, da seine Intention, einen Film zu präsentieren, der reißerisch und nach Herzenslust "unkorrekt" vorgehen darf, beinahe unbemerkt oder womöglich mit uneingeschränkter Absolution des Zuschauers aufgehen kann. Jess Franco bedient seine Darsteller_innen erneut wie Instrumente, die seinen Willen lückenlos, eindrucksvoll und euphorisch ausfüllen. Hierbei setzt er vor allem auf feminine Kontraste, die genüsslich ausbuchstabiert werden, solange es sie gibt.

Bei so viel geballter Weiblichkeit droht die männliche Stammbesetzung ein wenig in den Hintergrund zu rücken, allerdings bekommt der interessierte Zuschauer wie üblich markante Darbietungen von Howard Vernon, Paul Muller oder Jess Franco himself geboten. Teils vollkommen reduziert auf Selbstgefälligkeit, Borniertheit oder triebhafte Anwandlungen, kann es so oder so kein Entkommen geben, immerhin hat man es mit einem Kaliber wie Mrs. Johnson zu tun, die alle erdenklichen Register zieht, um ihre Kontrahenten tatsächlich oder im übertragenen Sinn zu entmannen. Lediglich die Rolle des Inspektors, interpretiert von Horst Tappert, weist keine dramaturgische sowie darstellerische Schärfe auf, da es einem so vorkommt, als handle es sich um eine Quotenrolle zugunsten kriminalistischer Inhalte. Auch Fred Williams gerät ein wenig ins Hintertreffen, was jedoch eindeutig seiner übersichtlichen Screentime geschuldet ist. Die Produktion hat neben ihrem stringenten Verlauf, der charakteristischen Musik und abenteuerlichen Einfälle noch herrliche Schauplätze zu bieten, die eine Idylle zeichnen, die nicht existiert. Insgesamt kann der Titel der Produktion auch das halten, was im Vorfeld vollmundig versprochen wurde, denn es kommt durchaus zu ekstatischen Szenen, die aufgrund der Intensität in Erinnerung bleiben werden. "Sie tötete in Ekstase" kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, auch wenn hier und da offensichtliche Ungereimtheiten ins Auge springen wollen, die unter Jess Franco jedoch nicht ungewöhnlich sind, daher zwingend zum Inventar gehören. So bleibt ein kurzweiliger Reißer, der seine Vorzüge genüsslich in die Waagschale wirft und mit einer Treffsicherheit kokettiert, bei der tatsächlich für jeden Zuschauer etwas Interessantes dabei sein dürfte.


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 Post subject: Die zum Teufel gehen (1969)
PostPosted: 15.09.2020 20:49 
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DIE ZUM TEUFEL GEHEN

● LA LEGIONE DEI DANNATI / LA BRIGADA DE LOS CONDENADOS / DIE ZUM TEUFEL GEHEN / TODESKOMMANDO ATLANTIK (I|E|D|1969)
mit Jack Palance, Wolfgang Preiss, Thomas Hunter, Robert Hundar, Helmuth Schneider, Diana Lorys, Guido Lollobrigida,
Aldo Sambrell, Franco Fantasia, Gérard Herter, Bruno Corazzari, Lorenzo Robledo, Mirko Ellis und als Gast Curd Jürgens
eine Produktion der Tritone Cinematografica | Eguiluz Films | Hape Film | im Alpha Filmverleih
ein Film von Umberto Lenzi


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»Was geht mich dieser verfluchte Krieg an?«

1944 steht die von den Deutschen besetzte Normandie unmittelbar vor der Invasion der Alliierten. Colonel Anderson (Jack Palance) erhält den Auftrag, ein Sonderkommando anzuführen, das an der Atlantikküste Unterwasserminen entschärfen soll. Anderson stellt seine Truppe aus Befehlsverweigerern und Kriminellen zusammen, die ohnehin nicht mehr viel zu verlieren haben. Obwohl es sich um ein Himmelfahrtskommando handelt, dessen Erfolg von vorne herein zweifelhaft erscheint, treibt der Colonel seine Männer auch aus persönlichen Gründen immer weiter an, da er noch eine alte Rechnung zu begleichen hat. Er hofft auf ein Wiedersehen mit einem verhassten Bekannten namens Oberst Ackermann (Wolfgang Preiss), gegen den er bereits in Afrika gekämpft hatte...

Geschichten wie diese, deren Treibstoff aus Rache und unermesslichem Hass besteht, neigen von vorne herein dazu, dem Publikum eindeutige Hinweise über ihre Marschrichtung zu liefern, selbst, wenn der Film noch gar nicht richtig an Fahrt aufgenommen hat. Einen perfekten Nährboden für einen bevorstehenden Clash liefert der hier von Regisseur Umberto Lenzi gut simulierte Kriegsschauplatz, der in Bomben- und Kugelhagel gehüllt sein wird, sodass die unmittelbare Gefahr allgegenwärtig erscheint. Der geschichtliche Background erfährt in "Die zum Teufel gehen" eine weniger tiefschürfende Ausschmückung als eine eigens entworfene Rahmenhandlung mit den passenden Charakteren, von denen einige sinnbildlich für Action, Brutalität und Zynismus stehen werden. Das Script verfügt über den Gesamtverlauf zwar über eine gute Grundspannung, erfährt seine Initialzündungen aber vor allem aus der überaus bewegten Kamera-Arbeit, die nach Projektionsflächen sucht, und der rasanten Schnitttechnik, wodurch immer wieder Nervenkitzel aufkommen kann. Die Geschichte begnügt sich nicht mit dem blutigen Tauziehen zweier Seiten, sondern nimmt sich in kürzeren Intervallen auch die Zeit, Schicksale aufzuzeigen und kritischen oder nachdenklichen Untertönen Gehör zu verschaffen, was zwischen dem schweren Kriegsgerät allerdings oft unterzugehen droht. Unterm Strich bleibt jedoch die wohl hauptsächliche Intention der Regie, einen aufreibenden Reißer liefern zu wollen, was phasenweise auch gelingt, wenn nicht manche untertourige Intervalle ausfindig zu machen wären, was allerdings nicht bedeutet, dass in diesen Sequenzen nichts oder zu wenig passiert. Dennoch geht es geht hin und wieder zu eintönig zu. Der italienische Regisseur bettet den Verlauf daher wie auf Schienen, die ausschließlich zu einem starken Finale führen sollen, immerhin deutete sich der Showdown in den ersten Szenen mit dem Protagonisten der Veranstaltung an.

Ein aufgebrachter Söldner beschimpft seinen empörten Vorgesetzten und kündigt an, dass er sich seinen neusten Auftrag irgendwo hin stecken kann, bis er schließlich den Namen Oberst Ackermann hört. Für den Zuschauer ist das bei ihm ausgelöste Echo deutlich wahrnehmbar, nicht zuletzt, weil es zu Rückblenden kommt, die sich auf staubigen Kriegsschauplätzen abspielen, bis plötzlich der blanke Hass in Colonel Andersons Augen zu sehen ist. Eine unbarmherzige Kollision bahnt sich ab sofort konturiert an, die der Erfahrung nach zahlreiche Opfer fordern wird. Star in Umberto Lenzis Kriegs-Vehikel ist der US-Amerikaner Jack Palance, der alleine aufgrund seiner auffälligen Physiognomie ins Auge sticht. Da er Ackermann als Schlüsselfigur für seine ganz persönliche Vendetta identifiziert, braucht es nur die Absolution von übergeordneter Stelle, damit der Kampf bis aufs Messer beginnen darf. Dass eine Mission erledigt werden soll, gerät dem Empfinden nach irgendwann zur Nebensache, allerdings münden die Handlungsstränge sehr günstig ineinander. Jack Palance agiert raubeinig und unsentimental; genau richtig für die harten Voraussetzungen eines blutigen Schlachtfeldes, dessen Gesetze er selbst mit entworfen hat. Seinen Gegenspieler interpretiert Palances deutscher Kollege Wolfgang Preiss, der auch auf internationalem Parkett stets gut beschäftigt und gerne gesehen war. Häufig gebucht für Charaktere der deutschen Kriegsmaschinerie, kann er auch hier in einer Art Paraderolle überzeugen, zumal sie ihm stets wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Als kühler Stratege, der sich nicht zu unsachlichen Regungen oder unnötigen Emotionen verleiten lässt, treibt er seine Truppe immer weiter an, die immer noch mit Durchhalteparolen vom deutschen Endsieg versorgt wird. Die unterschiedlichen Charakterzeichnungen werden einerseits garniert mit aggressiver Impulsivität, andererseits mit der gnadenlosen Forderung nach bedingungslosem Gehorsam.

Viele bekannte Stars des internationalen Kinos laden das Geschehen mit merklicher Energie auf, wenngleich es bestimmt am Genre liegen mag, dass einige Charaktere wie beispielsweise Thomas Hunter, Helmuth Schneider oder Curd Jürgens in die zweite Reihe durchgereicht wirken, was allerdings dem Aufbau der Geschichte über nahezu nur zwei Kontrahenten geschuldet ist. In der Zwischenzeit, beziehungsweise in jeder freien Minute, versucht Regisseur Lenzi sein brutales Himmelfahrtskommando actionreich und spannend zu halten, was jedoch nicht immer gelingen will, da das Script oft zu einspurig fährt. Eine teils imposante Bebilderung kreiert Momente, die in Erinnerung bleiben und welche Brisanz aufkommen lässt, außerdem darf man sich über eine oft deftige Dialogarbeit freuen, die zynische Untertöne transportiert, sogar auswalzt. Das Sonderkommando arbeitet sich stringent bis ans anvisierte Ziel und kann auch durch diverse Steine im Weg nicht aufgehalten werden, hinterlässt dabei eine Spur wie ein Heuschreckenschwarm, bei der nichts übrig bleiben soll. Viele der Charaktere deuten eine dunkle Vergangenheit und daher Tiefe an, doch man legt das Hauptaugenmerk nicht auf ein lückenloses Ausbuchstabieren dieser Seite der Medaille, sondern vornehmlich auf Spektakel, Kugelhagel und Tod. Zwar wirkt "Die zum Teufel gehen" lange nicht so brutal oder selbstgefällig wie vergleichbare Filme des Genres, aber im Grunde genommen wird schon ein bisschen mehr Substanz als anderswo angeboten. Am Ende hebt sich die Produktion wegen guter Leistungen vor und hinter der Kamera hervor und verlässt dabei nie den hochgeschraubt wirkenden Unterhaltungsmodus. Angeheizt durch Hass und Vergeltungsabsichten, kann sich Umberto Lenzis Kriegs-Beitrag durchaus sehen lassen und fristet sein Schattendasein vielleicht etwas zu Unrecht, allerdings muss auch betont werden, dass es sicherlich nicht einfach war, besondere Akzente innerhalb einer Schwemme von beinahe identischen Filmen zu platzieren.


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 Post subject: Die Tote von Amelung (1995)
PostPosted: 16.09.2020 18:43 
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DIE TOTE VON AMELUNG

● Teil I - DIE TOTE VON AMELUNG / DIE GLOCKE VON AMELUNG (D|1995) [TV]
mit Paul Herwig, Heinz Meier, Brigitte Janner, Dieter Montag, Julia Bremermann, Horst-Günter Marx, Eva Blum, Boris Ponev,
Tilly Lauenstein, Irm Hermann, Udo Schenk, Michael Gwisdek, Dieter Laser, Inge Wolffberg, Romy Kuehnert und Andrea Heuer
eine Produktion der Rialto Film | im Auftrag von RTL
ein Fernsehfilm von Hajo Gies


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»Amelung wird nichts sein als ein Rauschen in der See!«

Die abgeschiedene und sonst eher verschlafen wirkende Insel Amelung gerät in Aufruhr, da die Pastorenwitwe Maria Albrecht (Andrea Heuer) vor der Nacht zum traditionell stattfindenden Kartoffelfeuer tot aufgefunden wird. Dass sie mit heißem Kerzenwachs übergossen wurde, und daran erstickte, spricht eindeutig für Mord. Bereits am nächsten Tag rückt ein Team der Mordkommission an, um diesen rätselhaften Fall aufzuklären, doch die Kriminalbeamten Jan Mendel (Paul Herwig) und Sigurd Flotow (Heinz Meier) stoßen auf äußerst misstrauische Insulaner, die dem Anschein nach kaum daran interessiert sind, dass der Fall aufgeklärt wird...

In einer Zeit, in welcher nicht selten aufwändig produzierte Mehrteiler einschlägig bekannter Privatsender Mode waren, entstand auch Hajo Gies' "Die Tote von Amelung", die seinerzeit massiv beworben wurde. Egal, wie man zu dem Endprodukt stehen mag, eines kann diesem Insel-Krimi sicherlich attestiert werden: er verfügt über eine der einprägsamsten Ermordungsszenen der jüngeren TV-Geschichte. Gies startet seinen Dreiteiler mit sehr einprägsamen Bildern und einer in Teilen blitzartigen Einführung bestimmter Charaktere, nachdem sich die Verwirrung über den im Vorspann angekündigten Titel "Die Glocke von Amelung" gelegt hat. Vermutlich wurde der endgültig vermarktete Titel der Publikumswirksamkeit wegen erst anschließend platziert. Szenen mit der ausgelassen wirkenden und zu Veronika Fischers Schlager "Sag dem Wind" tanzenden Titelfigur lassen trügerische Momente aufkommen, die sich wenige Augenblicke später entladen. Die fiktive und mit kruden Zeichnungen versehene Insel Amelung wird mit einem bestialischen Mord konfrontiert, der Externe dazu veranlassen wird, die eingeschworene Gemeinschaft zu stören. Die Isolation Amelungs wird durch ihre Bewohner charakterisiert, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, doch irgendwie auch untrennbar miteinander verbunden sind. Die ersten Szenen werden dem Publikum ohne Zusammenhänge präsentiert, nicht aber ohne für die Gewissheit zu sorgen, dass man es mit einem strapaziösen Puzzlespiel zu tun bekommen wird, welches womöglich nur von erfahrenen Kriminal-Experten zusammengefügt werden könnte. Als die Polizei jedoch überfährt, macht sich zunächst ungläubige Ernüchterung breit, da beide Herren wie potentielle Steigbügelhalter des Mörders wirken, was im Klartext bedeutet, dass man ihnen jegliche Kompetenz absprechen möchte. Der Unerfahrene von beiden soll erst drei schmale Tage bei der Mordkommission im Dienst sein und wirkt nicht sehr gefestigt und unsicher, der Erfahrene von ihnen wird immer wieder von seinem offenkundigen Alkoholproblem eingeholt.

Die Vorstellungen oder Selbstinszenierungen der Insulaner bringen kaum Licht in diese nebulöse Angelegenheit, auch die Arbeit der Ermittler schießt entweder weit über das Ziel hinaus, oder vermag lediglich die Peripherie zu touchieren. Hajo Gies macht sich das Vakuum der Insel geschickt dienstbar, um so viele gebündelte Eindrücke und Rätsel zu präsentieren, wie irgend möglich. Als Zuschauer verspürt man eine permanente Verwirrung, dies nicht zuletzt, weil das Verbrechen eigentlich jedem zuzutrauen wäre. Das Mordopfer bekommt sukzessive neue Charakterisierungen und Facetten, nur die Konstellationen untereinander erschließen sich schleppend, da die Regie dagegen arbeitet, bis die eigene Kombinationsgabe auf eine harte Probe gestellt wird. War es ein Verbrechen aus Leidenschaft, Habgier oder Hass? Mit möglichen Motiven fischt man in Episode I permanent im Trüben, sodass der weitere Verlauf für zusätzliche Aufklärung sorgen muss. Die schauspielerischen Leistungen wirken hier in den meisten Fällen überaus interessant, wenn auch teilweise gnadenlos überzeichnet, was jedoch zu einem fast unbeschreiblichen Flair beitragen kann. Durch die Verwendung von immer wieder einschießenden Rückblenden und düsteren Berichterstattungen, die teilweise wie waschechte Prophezeiungen wirken, kommt hin und wieder fast schon eine gruselige Atmosphäre auf, die durch unzähmbare Naturgewalten angefeuert wird. Immer wieder schemenhaft begleitet durch ein Lied, das die Ermordete dem Vernehmen nach im Film einst selbst gesungen haben soll, kommt es einem so vor, als bestehe ein immens hoher Widerstand gegen ein natürliches Schließen des Kreises. "Die Tote von Amelung" profitiert in besonderer Art und Weise vom Schauplatz des Verbrechens, welcher teils wunderbare Aufnahmen in herbe Kontraste zu erschreckenden Bildern lenkt, aber auch die Erzählstruktur, die ungeordnet, nervös und manchmal sogar chaotisch wirkt, weiß zu überzeugen. Ein kleiner Cliffhanger beendet diesen ersten Teil, der nachhaltig Spannung fabrizieren und Verwirrung stiften kann, sodass die Neugier auf weitere Enthüllungen groß ausfällt.


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 Post subject: Fünf Freunde auf dem Leuchtturm (1979)
PostPosted: 04.10.2020 18:21 
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● Folge 24: FÜNF FREUNDE AUF DEM LEUCHTTURM (2) / FIVE GO TO DEMON'S ROCK (2) (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz
Gäste: Wayne Brooks, Paul Curran, Wolfe Morris, Timothy Bateson, John Tordoff, Cyril Cross, George Hilsdon, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: Pat Jackson



Julian, Dick, Anne, George und Tinker finden im Leuchtturm eine alte Karte, die genau aufweist, dass sich im Inneren des Gebäudes irgendwo ein Geheimgang befinden muss, den es ab sofort zu suchen gilt. Zuvor wurden die Kinder bereits auf einen vergessenen Piratenschatz aufmerksam gemacht, doch die Erzählungen von dem alten Seemann Mr. Boogle hörten sich eher nach Seemannsgarn an. Nach einiger Zeit entschlüsseln die jungen Abenteurer tatsächlich das Rätsel und finden den Geheimgang, den sie umgehend erforschen, bis sie fündig werden. Die Freude ist allerdings nicht von langer Dauer, denn umher schleichendes Diebesgesindel hat Wind von der Geschichte bekommen. Schon bald befinden sich die Freunde in einer sehr gefährlichen Situation wieder...

Während Teil 1 dieser Doppelfolge seine Schwierigkeiten hatte, in Fahrt zu kommen, dürfen sich die Ereignisse in der Fortsetzung bereits nach kürzester Zeit überschlagen, denn der Wettlauf nach einem lange verschollenen Goldschatz wird gleich von mehreren Seiten gleichzeitig in Angriff genommen. Während der Zuschauer die Ermittlungen der Kinder und des Rätsels Lösung transparent vor Augen geführt bekommt, und sich vielleicht etwas wundert, dass noch niemand zuvor auf diese doch nahe liegende Idee gekommen ist, wächst das Erstaunen noch mehr über die Tatsache, dass die Gauner nach eigenen Angaben seit 25 Jahren erfolglos nach dem Gold gesucht haben sollen. Betrachtet man sich die zwei unsympathischen Zeitgenossen, ahnt man schnell, warum diese Recherche nie von Erfolg gekrönt gewesen ist, denn sie arbeiten stets gegeneinander und haben ihre ganze Cleverness und Tatkraft offensichtlich in der ansässigen Hafenkneipe hinter die Binde gekippt. Atmosphärische und vielmehr obligatorische Szenen aus dem Geheimgang prägen diese Episode ebenso wie das extravagante Vakuum des Leuchtturms, in dem noch sehr spannende Momente der Bedrohung stattfinden werden. In der Zwischenzeit lernt man die Kinder abermals von ihrer besten Seite kennen, die für eine begrenzte Zeit das unbeschwerte Gefühl von Ferien genießen dürfen, bis plötzlich ihre Widersacher auftauchen. Es ist im Endeffekt überraschend, dass Regisseur Jackson seine Fortsetzung wesentlich dichter und spannender inszenieren konnte, zumal bestehendes Potenzial im Vorfeld kaum genutzt schien. Fairerweise sollte erwähnt sein, dass keine Episode solch empfindliche Kürzungen erfahren hatte, wie diese, wobei der Serie gegen Ende aber auch ein wenig die Luft ausging. In der Fortsetzung von "Fünf Freunde auf dem Leuchtturm" ist davon allerdings nicht viel zu merken, und das Publikum kann in alter Manier mitfiebern.

Als die Goldmünzen von den Kindern entdeckt werden, schaukelt sich die Spannung hoch, da sich die Gauner in einem der Parallelgänge befinden und alles mit anhören können. Julian und Dick erkunden den längst vergessenen, in Dunkelheit und Modrigkeit gehüllten Korridor aus Felswänden und unwegsamem Vorsprüngen, bis sie einstimmig erklären und sich eingestehen müssen, dass dieses Setting ihnen trotz aller Erfahrung Furcht einflößt. Schnell findet man sich zum Nerven aufreibenden Showdown im Leuchtturm wieder, und die Kinder werden mit etlichen perfiden Einfällen ihrer Gegner konfrontiert. Hieraus entwickelt sich ein Großteil der Spannung, aber auch über den Fakt, dass das Kreide fressende Diebesgesindel mit absoluter Entschlossenheit agiert. Blickt man auf die Gesamtserie, konnten sich die größten Spannungsmomente immer dann entwickeln, wenn es gewaltbereite Verbrecher gab, vor allem, weil es sich immer noch um eine Kinderserie handelt, die im Rahmen der Dialoge für die deutsche Fassung sogar entschärft wurde. Auch hier spitzt sich die Situation zu, da kriminelle Energien und sogar Naturgewalten ein Zeitdiktat vorgeben, das die Kinder an den Rand ihrer Kapazitäten bringt. Aus üblicherweise kollektiven Entscheidungen und Stärken entwickeln sich plötzlich Fraktionen, Unstimmigkeiten und interne Widerstände, die von purer Angst getrieben werden, sodass fremde Helfer aktiv werden müssen, außerdem die mechanischen Voraussetzungen des im Titel auftauchenden Leuchtturms. "Fünf Freunde auf dem Leuchtturm" trumpft insbesondere im zweiten Teil mit den typischen Charakteristika und Stärken der Serie auf und bedient sich mitunter ungewöhnlich vehementer Mittel, um das Publikum zu strapazieren, aber auch bei Laune zu halten. Nach einem eher gediegenen Vorgänger kommt diese Vorschlussrunde schließlich zu einem überraschend guten Ergebnis, das aus vielen Gründen in lebhafter Erinnerung bleiben dürfte.


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 Post subject: Spionin im Haus (1978)
PostPosted: 05.10.2020 10:25 
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● DALLAS | FOLGE 03 | SPY IN THE HOUSE | SPIONIN IM HAUS (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Ken Kercheval, Norman Alden, Donna Bullock, J. Michael Jaynes, Robert Magruder sowie Tina Louise
eine Produktion der Lorimar
Regie: Robert Day



Um Einblicke in J.R.'s Geschäfte bei Ewing Oil zu bekommen und um ihn an die Familie zu binden, wird sein jüngerer Bruder Bobby als zweiter Mann in der Firma platziert. Dieser verlangt Einsicht in alle wichtigen Transaktionen, was J.R. ein Dorn im Auge ist. Als prekäre Informationen aus einer der Ewing-Geheimakten an die Öffentlichkeit geraten, überschlagen sich die Ereignisse: Cliff Barnes schlachtet die geheimen roten Akten vor der Presse aus und bringt angesehene Persönlichkeiten mit Schmiergeldzahlungen und Vetternwirtschaft in Verbindung. Für den Chef von Ewing-Oil ist klar, dass nur Bobbys Ehefrau und Cliffs Schwester Pamela für das Komplott in Frage kommen kann, doch zieht in all seiner Wut nicht in Betracht, dass es sich bei der Spionin um eine seiner engsten Vertrauten handelt...

»Du kennst mich ja. In- und auswendig!« Noch während die Atmosphäre in den Büros der Ewing-Oil durch Handwerkerarbeiten Ohren betäubend geprägt wird, hört man derartige Vertraulichkeiten zwischen J.R. und seiner Sekretärin Julie, sodass völlig klar wird, dass sie auch nach Feierabend für zuverlässige Dienste zur Verfügung steht. A propos Hämmern und Bohren: da man in den Geschäftsräumen sein eigenes Wort nicht versteht, beschließt Bobby kurzerhand, nach Hause zu fahren. Die Mahnung J.R.'s, dass die sogenannten roten Akten die Räumlichkeiten niemals und unter keinen Umständen verlassen dürften, wird dabei eher zur Kenntnis genommen, und die Katastrophe der dritten Episode nimmt ihren Lauf. Auf der Straße wird Julie von Cliff Barnes umgarnt, der ganz unverblümt davon spricht, stets an geheimen Informationen über die Machenschaften der Ewings interessiert zu sein, die er selbstverständlich vertraulich behandeln würde. Ein Schwenk zur Southfork Ranch bringt die nächsten Probleme zutage, die vor allem im Eheleben von J.R. und Sue Ellen zu finden sind. Die frustrierte und ausgehungerte Ehefrau versucht es mit längst eingeschlafenen Reizen und führt ihrem abweisenden Mann die neusten Dessous vor, doch die Verführungskünste werden unliebsam abgewürgt, einhergehend mit Demütigungen, die in dieser Folge keinen Abbruch erfahren, was sich wenig später im Separee zwischen Boss und Sekretärin zeigt. Die Folge beschäftigt sich erstmalig intensiver mit der Figur des J.R., dessen Praktiken sich noch in Andeutungen verlieren werden, aber sein Wesen offenbaren. Zu sehen ist ein kalt kalkulierender Geschäftsmann, geschäftlich wie privat, der die Personen seines Umfeldes nach Belieben hin und her schiebt. Dabei vertraut er nur wirklich sich selbst und kann sich auf einen unfehlbaren Instinkt verlassen. Widersacher pflegt er unsentimental auszuschalten, und hierbei wird die Leistung und Entwicklung von Larry Hagman außergewöhnlich sein.

Seiner Sekretärin Julie singt er das alte Lied vor, dass er sie brauche, sich auf keine andere Frau verlassen könne. Somit entwickelt sich eine eigenartig ambivalent wirkende Aura um J.R. Ewing, der seinen Charme spielen lassen kann und Frauen dazu bringt, alles für ihn zu tun. Julie ist eine von ihnen und es scheint, dass sie seit Jahren als heimliche Geliebte gehalten wird. Untergebracht in einer luxuriösen Wohnung, die sich eine normale Sekretärin wohl nie leisten könnte, wartet sie auf Abruf, vor allem, wenn es im Hause Ewing mal wieder nicht stimmt. Szenen aus dem Lotterbett bringen noch einmal Flashbacks aus der kurz zuvor gezeigten Situation vor Augen, in denen Sue Ellen ihren Mann förmlich für Sex angebettelt, dieser jedoch keinerlei Interesse gezeigt hat. Bei Julie ist dies anders, deswegen bekommt sie am Ende auch 100 Dollar, um sich etwas Schönes zu kaufen. Die außergewöhnliche Tina Louise formt diese tragische Figur mit Bravour und ihre Blicke dokumentieren, dass sie sich nicht länger zur Hure machen lassen will. Hier kommt Cliff Barnes, Berater des Untersuchungsausschusses des Senats, ins Spiel, dem die gedemütigte Privatsekretärin J.R.'s die Akten mit prekären Informationen über eine Schmiergeldaffäre und sich selbst zuspielt. Es ist ein ganz großes Vergnügen Tina Louise in dieser Episoden-Hauptrolle zu sehen, die ungewöhnlich dicht und greifbar von ihr ausbuchstabiert wird. So spinnt man den Faden gerne weiter, dass sie eine feste Größe in der Serie hätte werden können. Doch das Schicksal und die Dramaturgie werden es anders wollen und arrangieren. Folge 3 deutet bevorstehende Konfrontationen im familiären, geschäftlichen, politischen und intimen Bereich unmissverständlich an, und macht bei dieser Gelegenheit neugierig auf mehr. Dass sich eindeutige Fraktionen unter den Serienhelden bilden, ist nicht nur selbstverständlich, sondern verweist den Zuschauer nochmals ganz deutlich auf seine Stammplätze, die erfahrungsgemäß über Jahre oder für immer eingenommen werden können.


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 Post subject: Das Todesauge von Ceylon (1963)
PostPosted: 07.10.2020 16:38 
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● DAS TODESAUGE VON CEYLON / TEMPESTA SU CEYLON / TEMPÊTE SUR CEYLAN (D|I|F|1963)
mit Lex Barker, Ann Smyrner, Hans Nielsen, Magali Noël, Maurice Ronet, Franco Fabrizi, Peter Carsten und Eleonora Rossi Drago
eine Produktion der Rapid Film | Figet | Paris-Europa Productions | im Gloria Verleih
ein Film von Gerd Oswald und Giovanni Roccardi


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»Vergessen Sie nicht, Sie sind hier in einer fremden Welt!«

Ein im Dschungel liegender Tempel wurde vor Jahren von einem verheerenden Erdbeben verschüttet. Im Inneren soll sich das Testament des Maharadschas von Tungal befunden haben, was aber vielen unbekannt ist. Da es der Regierung von Ceylon innerhalb eines Jahrzehnts aufgrund diverser Sabotageversuche und Anschläge nicht möglich war, die Tempelanlage auszuheben, wird Professor Ferlach (Hans Nielsen), eine Kapazität auf seinem Gebiet, mit der schwierigen Ausgrabung beauftragt. Nicht nur die Regierung, sondern auch die Maharani von Tungal (Eleonora Rossi Drago) zeigt sich an der Bergung des letzten Willens ihres verstorbenen Gatten interessiert, doch es kommt erneut zu Zwischenfällen und sogar Mord. Der Professor bekommt tatkräftige Unterstützung durch den Tierfänger Larry Stone (Lex Barker), dessen Erfahrung vor Ort oft hilfreich ist, doch wer ist der Drahtzieher in dieser mysteriösen Angelegenheit..?

Der im internationalen Kino verdiente Regisseur Gerd Oswald inszenierte mit "Das Todesauge von Ceylon" einen gefälligen Abenteuer-Krimi, der in seiner Filmografie zwar eine Ausnahme darstellt, im Kino dieser Zeit aber als handelsüblich eingeschätzt werden kann. Die Handlung spielt in Ceylon, der heutigen Republik Sri Lanka, und kann vor allem aufgrund der imposanten Aufnahmen an Original-Schauplätzen überzeugen. Ein Flair der Exotik beherrscht den schnell in eine bestimmte Richtung forcierten Verlauf, der mit einem Erdbeben eingeleitet wird, welches somit den Grundstein für die oft dünn und in vielerlei Hinsicht vorhersehbar wirkende Geschichte legt, die jedoch in anderen Bereichen punkten kann. Die gängige Melange aus Abenteuer und Kriminalfilm wirkt hier nicht uninteressant, aber unterm Strich zu wenig ausgefeilt, da bereits die übersichtliche Besetzungsliste kaum Verdächtige herzugeben weiß. Glücklicherweise wirkt Gerd Oswalds routinierte und an Ästhetik orientierte Regie oft ausgleichend und aufmerksam genug, das Interesse des Publikums zu stillen, wenngleich im kriminalistischen Bereich kaum Spannung aufkommen möchte, da die eigentlich nur zwei Fraktionen des Geschehens auffällig deutlich in gute und böse Zeitgenossen aufgeteilt erscheinen. Eigenartig verschenkt wirkt nahezu die Hälfte der darstellerischen Entourage, sodass bei manchen Schauspielern beinahe der Eindruck entstehen will, dass ihre Parts vollkommen beliebig oder beinahe überflüssig wirken.

Dies gilt vor allem für die männliche Hauptrolle, denn der im europäischen Film sehr populäre US-Amerikaner Lex Barker als Larry Stone hat im Wesentlichen nicht mehr zu tun, als seiner dänischen Kollegin Ann Smyrner alias Helga Ferlach Avancen zu machen, oder hier und da als Retter in der Not aufzutauchen. Das Zusammenspiel der beiden wirkt einerseits angenehm, andererseits aber auch wenig erinnerungswürdig, da es dieses Modell schon dutzendfach zuvor gegeben hat. Helga, die Tochter des bei den Ausgrabungen federführenden Professors, bekleidet eine ähnlich entbehrliche Funktion, wenn da nicht die sich selbstverständlich anbahnende Liaison und die Tatsache wäre, dass derartige Parts gängig waren, und sei es nur, um das Auge zu erfreuen. Hans Nielsen war stets bekannt dafür, die Messlatte darstellerischer Kompetenzen hoch anzulegen. Auch wenn der Deutsche hier im klassischen Sinn überzeugend agieren kann, bleibt er doch weit hinter den Erwartungen zurück, da die dramaturgischen Grundvoraussetzungen einfach nicht mehr hergeben. So verschiebt sich der Fokus in Richtung der größeren Nebenrollen, die durch Maurice Ronet, Franco Fabrizi oder Magali Noël sehr gut abgedeckt werden. Insbesondere die Französin Noël überzeugt aufgrund ihres Facettenreichtums, der gleichbedeutend für Tragik, Leidenschaft und Gefahr steht. Einen besonderen Coup der Besetzungsliste stellt die Verpflichtung von Eleonora Rossi Drago als Maharani von Tungal dar, welcher es möglich ist, etwas Geheimnisvolles in das Szenario zu bringen.

Rossi Drago spielt erwartungsgemäß mit ihren berüchtigtsten Waffen im Rahmen von Nähe und Distanz, außerdem Gestik und Mimik, was alleine schon für das Anschauen dieses Spektakels ausreicht. Allein von ihren natürlichen Voraussetzungen her würde es die schöne Italienerin schon spielend schaffen, für Zweifel und geheimnisumwitterte Momente zu sorgen, doch leider kommt ihr, wie jedem Beteiligten des Cast übrigens auch, ein offenes Buch namens Dramaturgie in die Quere, die ihre notdürftig verpackten Geheimnisse einfach zu früh und nahezu unverschlüsselt preisgibt. Trotz des oft liegen gelassenen Potenzials kann die Geschichte ohne allzu langatmig wirkende Intervalle gut unterhalten, vor allem, da der Handlungsstrang des sogenannten Todesauges eingestreut wird. Ein rotes Zeichen in Form eines dem Anschein nach beobachtenden Auges wirkt wie der unheilvolle Vorbote von Verbrechen und Mord, wobei dieser Strang der Inkonsequenz nach und nach ein wenig zum Opfer fällt. Gerd Oswald verlagert den Fokus gekonnt auf imponierende Bilder und Schauplätze, die für Flair sorgen, welches den Film im Endeffekt immer wieder am Leben hält, beziehungsweise reanimieren kann. "Das Todesauge von Ceylon" bietet schließlich gepflegte Unterhaltung, bei der erst gar nicht der Versuch auszumachen ist, zum Überholmanöver anzusetzen. Am Ende bleiben solide bis überzeugende schauspielerische Leistungen in Erinnerung, außerdem eine bizarre Strip-Einlage, die einen vielleicht mehr irritieren als animieren konnte.


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 Post subject: Der Arzt von Stalingrad (1958)
PostPosted: 14.10.2020 12:28 
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O.E. Hasse

DER ARZT VON STALINGRAD

● DER ARZT VON STALINGRAD (D|1958)
mit Eva Bartok, Walther Reyer, Hannes Messemer, Leonard Steckel, Vera Tschechowa, Mario Adorf, Siegfried Lowitz,
Paul Bösiger, Wilmut Borell, Michael Ande, Til Kiwe, Rolf von Nauckhoff, Eddi Arent, Erich Ebert und Valéry Inkijinoff
ein Divina Film | im Gloria Verleih
ein Film von Géza von Radványi


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»Sie haben ganze Russland kaputt gemacht!«

Nach der Schlacht von Stalingrad befinden sich überlebende deutsche Soldaten in seinem sowjetischen Kriegsgefangenenlager. Trotz widrigster Bedingungen kümmert sich der Arzt Dr. Fritz Böhler (O.E. Hasse) gemeinsam mit seinen Kollegen um Kranke und Invalide. Nicht nur die spartanische Ausstattung, sondern auch die verhärteten Fronten zwischen den Insassen und der Führung des Lagers erschweren die Zusammenarbeit und Kommunikation erheblich, vor allem, wenn sich Böhler über Verbote und Bestimmungen hinwegsetzt, falls sie sich nicht mit den moralischen Auffassungen eines Arztes decken. Der Alltag ist geprägt von Ungerechtigkeiten und Restriktionen, doch das Blatt scheint sich zu wenden, als Sergej (Michael Ande), der kleine Sohn des Lagerkommandanten, Oberstleutnant Worotilow (Valéry Inkijinoff), schwer erkrankt und man auf Dr. Böhlers Hilfe angewiesen ist...

Der ungarische Regisseur und Drehbuchautor Géza von Radványi inszenierte "Der Arzt von Stalingrad" nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Heinz G. Konsalik, welcher bereits 1956 erschienen war. Die aufwändig hergestellte und überaus packende Produktion kann sicherlich als einer der Klassiker des deutschen Nachkriegsfilms angesehen werden, in dem sich ein bemerkenswertes Star-Aufgebot versammelt. Die Geschichte rund um die alltäglichen, überaus harten Bedingungen und Geschehnisse in einem Strafgefangenenlager transportiert eine dem Empfinden nach hohe Authentizität, erfasst das Publikum dabei immer wieder über unüberwindbar scheinende Gegensätze und Widerstände zweier Parteien, die bis vor kurzem noch erbitterte Feinde waren und es dem Anschein nch immer noch sind. Die Thematik um den deutschen Arzt Böhler und sein Team gewinnt Gestalt in einer groß angelegten Rückblende, die quasi den kompletten Film ausmacht. Die Helfer müssen die Humanität dem bedingungslosen Gehorsam Tat für Tag unterordnen, was sich ganz deutlich in einer der ersten Szenen zeigt, als eine Operation in der heiklen Phase einfach abgebrochen werden muss, da ein russischer Soldat als wichtigerer Patient vorgeführt wird. Mit vorgehaltenen Waffen, muss der Schwerverletzte seinem Schicksal überlassen werden und markiert das immer wiederkehrende Dilemma des Doktors, da das eigene Gewissen beiseite geschoben werden muss. Weitere Eindrücke aus dem Lazarett schildern, dass jede Entscheidung von tiefem Hass geprägt ist, wenn kranke und völlig erschöpfte deutsche Soldaten blind als arbeitsfähig klassifiziert werden. Dem Publikum dürfte trotz der Kürze der Schilderungen schnell klar werden, dass die Stimmung langsam aber sicher hochkochen und es zu kleineren und größeren Katastrophen kommen wird.

Im Kreuzfeuer steht ein unermüdlich wirkender O.E Hasse, der das Geschehen in der Titelrolle nachhaltig prägt. Beeindruckend wirkt seine Besonnenheit, die trotz aller Konfrontation und Demütigung noch ungebrochen scheint. Ebenso imponierend erscheint seine Fähigkeit, positiv auf hitzige Köpfe und resignierte Kollegen einwirken zu können, genau wie auf die Obrigkeit, mit der er sich diplomatisch arrangiert, auch wenn keine Antennen dafür vorhanden sind. Im Fokus stehen somit nicht eigennützige sondern humanitäre Motive, außerdem hat er immer seine Leute als Kollektiv im Auge, da der Einzelne nichts auszurichten weiß. Eine besonders unangenehme Art der Spannung entsteht, wenn sich Dr. Böhler auflehnt, wie etwa bei der Durchführung einer für ihn strikt verbotenen Operation, da der Patient andernfalls sterben würde. Ohne Angst vor den drakonischen Konsequenzen wird überraschenderweise eine Kosten-Nutzen-Rechnung von den Befehlshabern aufgestellt, die unterm Strich nur aufweist, dass man im Endeffekt widerwillig zu dem Schluss kommen musste, dass es wesentlich schlimmer wäre einen derartig begabten und erfahrenen Arzt zu verlieren, als ihn empfindlich zu bestrafen. Im Krieg und im Lager gehen die Uhren anders, was allerdings jede der Seiten anerkennen muss. Renitente Personen werden einfach abgeführt und verschwinden immer dann in der Versenkung, wenn ein Spitzel aus den eigenen Reihen wieder zum Rapport bei Oberleutnant Pjotr Markow gewesen ist, der exzellent von Hannes Messemer dargestellt wird. Nicht nur er, sondern auch Kollegin Eva Bartok bereichert das Geschehen mit Härte und Unerbittlichkeit, was sich ebenso über Oberstleutnant Worotilow sagen lässt, der von alleine wegen seiner Physiognomie auffallenden Valéry Inkijinoff mit nahezu eiskalter Aura versehen wird.

Neben dem kargen Alltag im Lager bekommt die Geschichte ihre zusätzliche Brisanz durch das Miteinbeziehen einer sich entwickelnden Zuneigung zwischen der Lagerärztin Alexandra Kasalinskaja alias Eva Bartok und Walther Reyer in der Rolle des Dr. Sellnow. Interessant zu beobachten ist, dass diese sich anbahnende Liaison nicht dazu verwendet wird, die Situation seicht aufzulockern oder für einen Hoffnungsschimmer zu sorgen, sondern eher dazu, um die latente Gefahr zu skizzieren. In welcher Form auch immer, die verschiedenen Fronten haben generell keine zwischenmenschlichen Beziehungen zu unterhalten, da sie sich wechselseitig für Unmenschen und Barbaren halten oder vielmehr zu halten haben. Abgerundet wird das Ganze durch besondere schauspielerische Leistungen von Leonard Steckel, Mario Adorf, Til Kiwe, Siegfried Lowitz, Michael Ande, Eddi Arent oder Vera Tschechowa. Am Ende wird es vor allem die Titelfigur dieser Geschichte sein, welche mit Geduld und Menschlichkeit mühsam vermitteln kann, auch wenn der Weg dorthin sehr steinig, teils sogar gefährlich sein wird. Aufgrund von Géza von Radványis Fingerspitzengefühl und der überaus sorgsamem Herangehensweise an diesen Stoff entwickelt sich ein durchgehend ernstzunehmender Genre-Beitrag, der nicht vordergründig daran interessiert ist, falsche Hoffnungen zu fabrizieren oder die Realität zu beschönigen. Viele beklemmende und dramatische Phasen beherrschen das Geschehen eindringlich, was durch die Bebilderung in hartem Schwarzweiß-Kontrast untermalt wird. Authentische Kulissen und diverse Originalaufnahmen aus dem Krieg tun das Übrige dazu. "Der Arzt von Stalingrad" zählt schließlich zu den fesselnden und wirklich bedeutenden Genre-Vertretern des deutschen Nachkriegsfilms, der es alleine schon wegen O.E. Hasse wert ist, ihn sich anzuschauen.


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 Post subject: Die Flusspiraten vom Mississippi (1963)
PostPosted: 18.10.2020 19:31 
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● DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI / LES PIRATES DU MISSISSIPPI / AGGUATO SUL GRANDE FIUME (D|F|I|1963)
mit Hansjörg Felmy, Brad Harris, Sabine Sinjen, Dorothee Parker, Tony Kendall, Karl Lieffen, Dan Vadis und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Société Nouvelle de Cinématographie | Gianni Fuchs SPA | im Gloria Filmverleih
ein Film von Jürgen Roland und Gianfranco Parolini


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»Was sind denn Worte, wenn unser Mund anders spricht als unser Herz?«

Eine Bande Piraten, die bevorzugt Postschiffe ausplündert, setzt die Gegend rund um die kleine Stadt Helena in Angst und Schrecken, vor allem weil ihr Anführer Kelly (Horst Frank) mit äußerster Brutalität vorzugehen pflegt. Um den Widerstand der Stadt zu brechen, locken die Piraten den Sheriff von Helena in einen Hinterhalt und ermorden ihn heimtückisch. Die aufgebrachten Bürger der Stadt setzen kurzerhand den Waldläufer James Lively (Hansjörg Felmy) als neuen Sheriff, da man es ihm zutraut, die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Außerdem unterhält er ein freundschaftliches Verhältnis zum benachbarten Indianerstamm der Cherokees, was eine friedliche Koexistenz gewährleistet, bis Kelly einschreitet. Durch Lügen und Manipulationen bringt er den "Schwarzen Adler" (Tony Kendall) dazu, ihn bei seinem nächsten Raub zu unterstützen, um anschließend Helena zu überfallen. Kann Livley die Katastrophe noch abwenden..?

In einer Phase, in welcher nicht nur zahlreiche Abenteuerfilme mit Western-Einschlag, sondern auch merklich bundesdeutschem Flair entstanden, wurde es hin und wieder schwierig, die entsprechenden Beiträge so auszustatten, dass sie sich vom Gros abgrenzen konnten. Jürgen Rolands "Die Flusspiraten vom Mississippi" wurde seinerzeit mit großem Aufwand und dem Vernehmen nach hoher Budgetierung nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Gerstäcker in Jugoslawien gedreht, und es lassen sich weniger Neuerungen als zahlreiche Parallelen zu Artverwandten finden. Im Endeffekt ist es der routiniert und sorgsam arbeitenden Regie zu verdanken, dass der Film seinen Dienst am Interessenten erwartungsgemäß tut, allerdings bleibt Rolands farbenfrohe Bearbeitung nicht als Überflieger in Erinnerung. Innerhalb des hohen Unterhaltungswertes finden sich kaum Phasen des Leerlaufs, auch die Darsteller, Bebilderung oder Bauten fabrizieren besondere Eindrücke, was leider von einer von Vorhersehbarkeit geprägten Storyline immer wieder unterwandert wird. Die spannenden Momente definieren sich über eine gute Balance von Action und Brutalität, welcher der Zeit entsprechend allerdings eher diskrete Momente eingeräumt werden und sich dementsprechend viel im Off, beziehungsweise der Fantasie des Publikums abzuspielen hat. Immer wieder einschießende satirische Momente wirken irritierend und unterm Strich störend, vor allem da man mit ausreichend Säbelrasseln und geschliffenen Dialogen in Wort und Blei unterhalten wird.

Die Charaktere und deren Zeichnungen bleiben hauptsächlich oberflächlich bis naiv, sodass selbst Anflüge von Tiefgang wirkungslos im Nichts verhallen. Hauptfiguren wie Hansjörg Felmy oder Horst Frank hätten mehr Schärfe verdient, insbesondere vor dem nicht gerade unwichtigen Hintergrund, dass sie als erbitterte Gegenspieler aufgebaut werden. Felmy, ein überaus verdienter und interessanter Schauspieler, dessen oft sperrige Art dem Empfinden nach durchaus erfrischend wirken kann, bleibt in der männlichen Hauptrolle unerklärlich blass, wenngleich er doch die nötige Identifikationsfigur heraus arbeiten kann. Dennoch hätte man sich gerade hier ein bisschen mehr Hingabe in diesem Verlauf auf Schienen gewünscht, um zusätzliche Überraschungsmomente anzubieten. Agiler wirkt sein sympathischer Partner und Hilfs-Sheriff Tom Quincy alias Brad Harris, der in diesem Zeitfenster gut beschäftigt im europäischen Kino war und ohnehin sinnbildlich für markante Action, genügend Drive sowie waghalsige Choreografien steht. Über die Platzierung von Sabine Sinjen lässt sich vielleicht weniger streiten als über ihre eigentliche Interpretation in diesem Geschehen. So offeriert die Deutsche eine eigenartige Melange aus Slapstick und Emotionen; ein Wechselspiel, welches die Gefahr birgt, einen vollkommen unberührt zurückzulassen. Die interessantere Darbietung auf weiblicher Seite bietet eindeutig Dorothee Parker, wenngleich die hier von Rosemarie Fendel synchronisierte Schauspielerin am Ende recht naiv zurück bleiben muss.

Guten Support leisten Dan Vadis und Tony Kendall, doch vor allem Horst Frank kann in seiner Paraderolle als skrupelloser Gangster überzeugen. Wie üblich macht er gewissenlos keine Gefangenen und wird dementsprechend als gefährlicher Kontrahent wahrgenommen, den man nicht unterschätzen sollte. Im Hintergrund agiert der große Unbekannte, für den die sogenannten Flusspiraten ihre kriminellen Dienste tun, doch leider kümmert sich Regisseur Roland nicht weiter um große Überraschungsmomente und kreiert eine Art gläsernes Phantom, dessen Entlarvung erwartet werden konnte. Erwähnenswert ist der hier betriebene Aufwand, der sich vor allem in vielen Kulissen widerspiegelt. Wenn die Geschichte schwächelt, kann sich das Publikum zumindest an malerischen Landschaftsaufnahmen erfreuen, und am Ende wird ein gut organisierter, vor allem turbulent abgewickelter Showdown geboten, wenngleich die Veranstaltung etwas zu abrupt endet und ein paar wichtige Fragen unbeantwortet bleiben. "De Flusspiraten vom Mississippi", der in Teilen vom italienischen Regisseur Gianfranco Parolini inszeniert wurde, wirkt unterm Strich unterhaltsam und gefällig, sodass die Spieldauer sogar wie im Flug vergeht. Die auftauchenden dramaturgischen Schwächen sind womöglich auf die beteiligten Produktionsländer zurückzuführen, die üblicherweise ihren Gusto durchzusetzen pflegten. Als Zuschauer kann man sich schließlich die persönlichen Filetstücke selbst heraus suchen und kommt am Ende eher zufrieden gestellt als enttäuscht über die Zielgrade.


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 Post subject: Das gewisse Etwas der Frauen (1966)
PostPosted: 19.10.2020 10:30 
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DAS GEWISSE ETWAS DER FRAUEN

● COME IMPARAI AD AMARE LE DONNE / DAS GEWISSE ETWAS DER FRAUEN / COMMENT J'AI APPRIS À AIMER LES FEMMES (I|D|F|1966)
mit Michèle Mercier, Nadja Tiller, Anita Ekberg, Zarah Leander, Sandra Milo, Elsa Martinelli, Romina Power, Heinz Erhardt, Vittorio Caprioli,
Orchidea De Santis, Erica Schramm, Sonja Romanoff, Gianrico Tedeschi, Gigi Ballista, Carlo Croccolo, Patrizia Perini und Robert Hoffmann
ein Sancro Film | Norddeutsche Filmproduktion | Les Films Marceau | im Gloria Verleih
ein Film von Luciano Salce


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»Ich bin empfänglich für alles was prickelt!«

Nachdem der Internatsschüler Robert (Robert Hoffmann) mit der Frau des Direktors (Sandra Milo) in flagranti erwischt wurde, verlässt der junge Mann die einengenden Strukturen der Schule, um Abenteuer zu erleben. Voraussetzungen wie Charme, Witz und gutes Aussehen verhelfen ihm zu schnellen Erfolgen bei Damen, die es gewohnt sind, ihren Mann zu stehen. Um sich auch beruflich weiter entwickeln zu können, sucht er sich einflussreiche Persönlichkeiten als Karriereleitern aus, hin und wieder hilft ihm aber auch der bloße Zufall. Robert möchte das gewisse Etwas der Frauen kennenlernen, doch findet es auch bei den begehrenswertesten Geschöpfen, wie etwa einer Filmdiva (Anita Ekberg), Rallyefahrerin (Elsa Martinelli), Wissenschaftlerin (Michèle Mercier) oder Adeligen (Nadja Tiller) nicht vollkommen. Rastlos stürzt er sich von einem ins nächste Abenteuer, ohne dabei zu ahnen, dass er seiner Traumfrau schön längst begegnet ist...

Alleine ein Blick auf die Besetzungsliste von Luciano Salces Spielfilm, der in Teilen dem einschlägig bekannten Lustspiel, Erotikfilm oder der Komödie zugeordnet werden kann, sorgt zunächst für besondere Erwartungen, da sich international verdiente Stars die Klinke in die Hand geben. Ohne Zweifel sorgt diese geballte Ladung auch für die Momente dieses ästhetisch und exzellent fotografierten Beitrags, allerdings dokumentiert der Verlauf auch eine recht dünne Geschichte, die sich leider in einer Abwärtsspirale der Wiederholungen verliert. Dem Vernehmen nach wurde trotz guter Grundvoraussetzungen nicht großartig Notiz von "Das gewisse Etwas der Frauen" genommen und der Film brachte es zu keinem Publikumserfolg. Versehen mit einer bemüht turbulenten Storyline, kommt es nur selten zu überraschenden, beziehungsweise originellen Momenten, deren Auflockerung und Kraft sich ausschließlich über die weiblichen Stars definiert, was sich gegen Ende der Laufzeit einfach als zu wenig herausstellt. Die Regie bemüht sich um Variationen innerhalb der altbekannten Norm, und hin und wieder zeigen sich sehr sorgsam inszenierte Phasen, die für die nötige Aufmerksamkeit sorgen werden. Unterstützt durch Ennio Morricones wie immer minutiös abgestimmte Kompositionen entsteht in Allianz mit Erico Menczers aufmerksamer Kamera-Arbeit auf der einen Seite ein bemerkenswertes Flair, welches durch den dramaturgischen Beinahe-Vandalismus auf der anderen Seite immer wieder unterwandert wird, was schlussendlich ermüdend wirkt.

Der Film ist in Etappen aufgeteilt, die sich mit unterschiedlichen Neckereien, Findungen und Libido auf den ersten Blick beschäftigen. Wo diese ersten amourösen Etappen noch für Aufsehen und sogar Situationskomik sorgen können, kommt es leider zu einem sukzessiven qualitativen Gefälle, bei dem auch die Stars der Manege nicht mehr gegensteuern können. Fragment eins gestaltet die quirlige Italienerin Sandra Milo aus, die den Startschuss für temporäre Phasen der charmanten Situationskomik und merklichen Anziehungskraft gibt, auch wenn sie als Frau eines konservativen Internatsleiters nicht unbedingt wie die Venus des Hauses wirkt. Im Grunde genommen ist es der in vollem Saft stehende Robert, der die noch nicht ganz so alte Scheune zum brennen und in Wallung bringen wird. Hier entstehen tatsächlich erste Momente, die sich in jeder hochwertigen italienischen Komödie wohl gefühlt hätten und in ihrer Unbefangenheit amüsant wirken. Eine weitere gelungene Etappe be- und entkleidet eine üppige und überaus temperamentvoll wirkende Anita Ekberg, die praktischerweise als Schauspielerin und Busenstar angepriesen wird. Auch hier fühlt man sich überaus angeregt unterhalten, denn die Schwedin sorgt nicht nur für Amüsement, sondern versucht die Kamera provokant mit barbusigen bis akrobatischen Einlagen aus der Reserve zu locken. Anschießend folgt ein weiterer Präsenz-Auftritt, den Nadja Tiller in einer Melange aus frivoler Aufforderung und vornehmer Hinhaltetaktik vollkommen für sich beansprucht, dabei sehr interessant choreografiert.

In der Zwischenzeit betritt noch Alt-Star Zarah Leander die Bühne, deren Auftritt man sogar mit unbestimmter Neugier erwartet. Bevor der letzte Vorhang nach 27 Filmen für die Schwedin fallen wird, tut sie das, was sie immer getan hat: sich selbst inszenieren. Diese Anmerkung soll eher eine Feststellung als eine Wertung darstellen, immerhin gab es einst eine Zeit, in der sie als größter Star des deutschen Kinos gefeiert und verehrt wurde. In "Das gewisse Etwas der Frauen" bleibt sie vor allem wegen ihres Gesangsauftritts mit dem Chanson "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe" in Erinnerung, den sie wie immer hingebungsvoll und in unverwechselbarer Manier zum Besten gibt. Darstellerisch folgt ansonsten nur die routinierte Choreografie einer Dame von Welt, deren beste Zeiten dann doch schon ein paar Tage zu viel zurückgelegen hatten. Es folgen anschließende Damenbekanntschaften mit Romina Power, Elsa Martinelli, Orchidea De Santis, Sonja Romanoff oder Michèle Mercier, die leider nicht immer die Leichtfüßigkeit oder Finesse der vorhergegangenen Intervalle erreichen können. Durch die chronologische Einteilung in verschiedene Liebesabenteuer bringt es das vermeintlich schwache Geschlecht meist auf recht kurze Auftritte, um Robert Hoffmann die Absolution einer Style-over-Substance-Performance zu erteilen, die den kompletten Verlauf beherrscht. "Das gewisse Etwas der Frauen" bringt in erster Linie Auftritte näher, die wie Reminiszenzen an die erfolgreichsten Phasen oder Schaffensperioden einiger Darstellerinnen wirken, die das Anschauen alleine schon rechtfertigen.


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 Post subject: Winds of vengeance (1978)
PostPosted: 26.10.2020 18:40 
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● DALLAS | FOLGE 04 | WINDS OF VENGEANCE (US|1978)
mit Barbara Bel Geddes, Jim Davis, Patrick Duffy, Linda Gray, Larry Hagman, Victoria Principal, Charlene Tilton
und Steve Kanaly, Brian Dennehy, Cooper Huckabee, Niki Flacks, Laura Mae Tate, David Honey, Nancy Lydick
eine Produktion der Lorimar
Regie: Irving J. Moore



J.R. und Ray, sein Vorarbeiter auf der Southfork Ranch, besuchen eine Viehauktion in Waco, und es kommt nicht nur zu geschäftlichen Abschlüssen, sondern auch zu schnellen Damenbekanntschaften. Am nächsten Morgen schleichen sich Ray und J.R. aus einem Motel und das Abenteuer mit Wanda und Mary Lou soll nur noch eine aufregende Erinnerung bleiben. Zurück auf der Ranch, braut sich ein Hurrikan zusammen, doch dieser wird nicht die größte Gefahr darstellen, da der aufgebrachte Ehemann von Wanda die Verfolgung gemeinsam mit dem Bruder von Mary Lou aufnimmt, um sich zu rächen. Auf Southfork nehmen die beiden Männer die Familienmitglieder als Geiseln und beginnen vor allem die Frauen zu erniedrigen und zu quälen. Die mit Hass aufgeladene Situation droht jederzeit außer Kontrolle zu geraten. Wer wird die selbst ernannten Richter, die sich gleichzeitig als Henker betätigen wollen, noch aufhalten können..?

Die vierte Folge "Winds of vengeance" der in diesem Stadium noch sehr jungen Serie wurde nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, dementsprechend auch nie ins Deutsche synchronisiert. Der Titel stellt eine sehr klare Verbindung zum bevorstehenden Inhalt dar, in dem die Themen des aufkommenden Sturms und der Rache in jeglicher Hinsicht noch eine bedeutende Rolle spielen werden. Wieso die vierte Folge seinerzeit nicht im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, kann damit zu tun haben, dass Episoden, die thematisch weitgehend als irrelevant eingestuft wurden, traditionell nicht ins Programm genommen wurden, aber auch mit der Intensität und der explizit sexuell aufgeladenen Atmosphäre, die möglicherweise als zu derb und provokant für zarter besaitete Zielgruppen eingestuft wurde. Obwohl die bereits präsentierten Episoden ausreichend auf die Charakterzüge der Hauptakteure eingehen konnten, stellt Irving J. Moores Beitrag kein unwichtiges Mosaiksteinchen für die Chronologie dar, da es insbesondere hier zum Kennenlernen der sich bald etablierenden Tugenden gewisser Personen kommt, sondern auch zum Ausleuchten der entsprechenden Leidenswege und Schattenseiten der Protagonisten der Gegenseite. Da J.R.'s Vorliebe für weibliche Reize bereits im Vorgänger ausgiebig thematisiert wurde, darf es hier genauso weiter gehen. Er und Ray haben zwei junge Frauen aufgerissen, bei denen es gilt, sich wieder schnellstmöglich wegzuschleichen. Doch diese Liaison dangereuse soll nicht ohne Folgen bleiben, da der aufgebrachte Ehemann von J.R.'s Affäre Rache will. Um die Fährte aufnehmen zu können, ist praktischerweise die Ewing-Visitenkarte ausfindig zu machen gewesen, sodass der Sturm seinen Lauf bereits vor dem Sturm nehmen kann. Mit einer vermeintlichen Autopanne im Hause Ewing aufgenommen, kann die Zirkusvorstellung der Männer aus Waco beginnen, selbstredend mit vorgehaltenen Revolvern. Angst und Schrecken machen sich breit, immerhin wollen sie Gleiches mit Gleichem vergelten.

So wissen die verängstigten Frauen, was die Stunde geschlagen hat, da die potentiellen Peiniger kein Geheimnis daraus machen, was sie in absehbarer Zeit mit ihnen anstellen wollen, doch zunächst beginnt die Show mit Erniedrigungen und Demütigungen. So muss beispielsweise Sue Ellen als ehemalige "Miss Texas" ihre damalige Performance in knapper Bekleidung und unter Tränen wiedergeben. Es ist interessant zu beobachten, wie die einzelnen Familienmitglieder charakterisiert werden, und dass sich diese frühen Eindrücke noch wie ein roter Faden durch die Serie ziehen werden. So reißen J.R.'s Affären in über vierzehn Staffeln nicht ab, außerdem wird er meistens nicht für das geradestehen, was er fabriziert hat. Sue Ellen ist wie so oft die weinende Dritte, gedemütigt und hintergangen, wie auch in dieser Situation. Wie es sich jedoch für eine treusorgende Ehefrau gehört, steht sie an seiner Seite, oftmals bis zur Selbstaufgabe. Pamela und Miss Ellie wahren ihre Begriffe von Familie, stehen zu ihren Werten und Worten; koste es was es wolle. Diese Einschätzungen ließen sich für Episode 4 und die komplette Serie beliebig fortführen, doch hier kommt es zunächst nur auf die Charakterisierungen an, die den Zündstoff andeuten, aus dem die Träume und Traumata in Dallas sein werden. Irving J. Moore fabrizierte eine sehr schmackhafte, gleichzeitig aber auch deftige Episode, die explizit auf Abgründe hinweist. Unter vorgehaltenen Waffen kommt so genügend Spannung auf, nicht aber ohne darauf hinzuweisen, dass auch subtile Untertöne ihre Daseinsberechtigung finden dürfen. Am Ende ist es für den jetzt schon treuen "Dallas"-Fan ein wenig schade, dass diese Folge seinerzeit keine deutsche Synchronisation verpasst bekam, immerhin hätte sie perfekt in das frühe Gesamtbild gepasst und bei dieser Gelegenheit einige prekäre Ankündigungen bezüglich gewisser Personen und deren Eigenschaften oder Emotionen vorweg genommen. "Winds of vengeance" bleibt schließlich als einer der Hurrikans der Serie in Erinnerung und schüttelt die Ewing-Welt ordentlich durch.


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