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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Die diabolische Leinwand
PostPosted: 03.07.2010 13:41 
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MONDO CANNIBALE („Il paese del sesso selvaggio“, Italien 1972) R: Umberto Lenzi

Der englische Bildjournalist Duane Bradley (Ivan Rassimov) fliegt nach Thailand, um über ein unerforschtes Gebiet an der thailändisch-burmesischen Grenze zu berichten. Während eines Besäufnisses in einer Bar gibt es Kamine mit einem bewaffneten Einheimischen, es kommt zum Gerangel und plötzlich steckt die Klinge im Wanst des Angreifers. Bradley macht sich aus dem Staub und schlägt sich durch ins Landesinnere. Mit einem Boot und einem ortskundigen Führer fährt er den Fluss hinab zu seinem Zielort – der tiefe, tiefe Dschungel. Es dauert nicht lange, da wird sein Begleiter von unbekannten Buschmenschen ermordet, Bradley selbst nimmt man gefangen. Da er einen Taucheranzug und Flossen trägt, hält man ihn für einen Fischmenschen und lässt ihn zur erst mal tagelang in einem Netz baumeln. Von seinem hohen Aussichtspunkt wird er Zeuge barbarischer Sitten – zwei Gefangenen eines verfeindeten Stammes wird ohne Narkose die Zunge aus dem Rachen geschnippelt. Bradleys Empörung verhallt ungehört, stattdessen setzt man ihn als billige Arbeitskraft für niedere Tätigkeiten ein. Der alte Häuptling Lahuna (Ong Ard) steht dem „Fischmenschen“ eher neugierig-neutral gegenüber, der grimmige Medizinmann und der narbengesichtige Chef-Krieger Karan (Sullalewan Suxantat) sähen ihn am liebsten am Spieß geröstet. Die liebreizende Häuptlingstochter Maraya (Me Me Lai) hegt derweil ein ganz anderes Interesse an dem blonden Jüngling und lässt ihn erst mal „nackt arbeiten“, um seine Qualitäten genauer in Augenschein zu nehmen. Bradley kann die plumpen Annäherungsversuche zunächst nicht deuten, dann schwant ihm jedoch, worum es hier geht – und zeigt sich keineswegs abgeneigt. Von der alten Kim (Pratitsak Singhara), die gebrochen Englisch spricht, erfährt er, daß Maraya dem Kämpfer Karan versprochen wurde – Konflikte bahnen sich also an. Weiter im Schnelldurchlauf: ein mörderischer Zweikampf zwischen den Buhlen entbrennt, bei dem Bradley als Sieger hervorgeht, bizarre Rituale werden abgehalten, fleischlichen Exzessen auf der Asche der Toten wird gefrönt, ein Fluchtversuch Bradleys wird vereitelt, bizarre Rituale werden abgehalten, Bradley bekommt einen schmucken Fell-Bodysuit verliehen und wird in den Stamm aufgenommen, Maraya und Bradley schließen den heiligen Bund der Ehe, bizarre Rituale werden abgehalten. Zwischendurch zerschnetzelt man frohen Mutes ein paar Viecher. Und dann tauchen sie endlich aus dem Dickicht auf und gieren nach Menschenfleisch: die Kannibalen…


Das ist er also, der Film, mit dem eine der unrühmlichsten und skandalträchtigsten Lawinen der Filmgeschichte losgetreten wurde, das erste italienische Kannibalen-Epos. Bisher schwappte das Werk stets an meinem Aufmerksamkeitsfeld vorbei. Zwar habe ich vor etlichen Jahren den zweiten Teil MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH gesehen, der mich aber nicht unbedingt dazu verpflichtete, den Vorläufer zu gucken. Eines vorweg: Lenzis erster Beitrag zum Menschenfresser-Subgenre ist insgesamt eine recht harmlose und biedere Angelegenheit – ein Vergleich mit späteren Exzessen, wie dem wirklich guten CANNIBAL HOLOCAUST von Ruggero Deodato oder Lenzis eigenem Misthaufen DIE RACHE DER KANNIBALEN, lässt sich nicht ziehen.
Der Film präsentiert sich über weite Strecken als ein recht herkömmlicher Abenteuerfilm, als dessen deutliches Vorbild Elliot Silversteins Western DER MANN, DEN SIE PFERD NANNTEN gelten kann. Der zweite große Einflussgeber ist natürlich Gualtiero Jacopettis MONDO CANE, der dem erstaunten Publikum allerlei menschliche Abgründigkeiten im Doku-Stil servierte. Blutrünstige Stammesriten, Selbstverstümmelungen, Tierschlachtungen und weitere Kuriositäten aus aller Welt waren die gängigen Ingredienzien. Wer bei MONDO CANNIBALE aber eine wilde Schlachtplatte mit Eingeweideschau erwartet, wird herb enttäuscht werden – die titelgebenden Kannibalen tauchen erst im letzten Drittel des Films auf und werden in fünf Minuten abgefrühstückt. Blutwurst wird kaum feilgeboten, sieht man von einer einzigen, eher beschaulichen Knabberei am Kadaver ab.
Lenzi hat hier vielmehr einen routiniert inszenierten „Weißer Mann unter Wilden“-Abenteuerstreifen abgedreht, der alle Versatzstücke des Genres vereint: die Gefangenschaft, die Entbehrungen und harten Prüfungen, die sich entwickelnde Liebesgeschichte zu der fremdartigen, wilden Schönheit, Zweikämpfe mit dem Kontrahenten, die Umkehr der Werte, die letztendliche Abkehr von der sogenannten Zivilisation – es werden also sämtliche klischeebeladenen Zutaten in die Pfanne geworfen, die man im Gemischtwarenladen “Grüne Hölle” finden kann. Anstelle von „nackt & zerfleischt“, geht es vor allem „nackt“ zur Sache – der Originaltitel des Films lautet wörtlich übersetzt „Das Land der wilden Sexualität“, und Nomen est Omen! Es wird reichlich gefummelt, gerödelt, genagelt und nackig durchs Unterholz geturnt. Das kann schon mal recht öde werden, zumal die mageren Reize der thailändisch-burmesischen Miezen mich eher kalt lassen. Ansonsten ist Lenzi um eine – mehr schlecht als recht gelungene – realistische Darstellung der Sitten und Gebräuche der Einheimischen bemüht, was zu teilweise doch eher unfreiwillig komischen Momenten führt.

Ivan Rassimov sehe ich immer gern, auch hier provoziert er keinen Grund zur Beschwerde. Lustig ist seine schlecht blondierte Matte und die salbadernde Off-Erzählerstimme in der deutschen Synchro, die wohl dem semidokumentarischen Stil geschuldet ist. Die Darsteller der Eingeborenen kommen alle sehr authentisch daher und liefern eine bierernste Performance ab, sieht man mal von dem augenrollenden und zähnefletschenden Medizinmann ab, über den ich mich köstlich amüsiert habe. Die Darstellerin der Maraya, Me Me Lai, wurde in Burma als Tochter eines Engländers und einer Burmesin geboren. Als Teenager zog es sie nach England, von wo aus sie zunächst ihre Karriere als TV-Moderatorin startete. Später spielte sie aufgrund ihres exotischen Aussehens in zahlreichen Abenteuer- bzw. Kannibalen-Filmen mit. Nach einigen kleineren Rollen hat sie sich Mitte der Achtziger auch aus dem Filmgeschäft zurückgezogen.
Gefilmt ist die ganze Dschungel-Soße wirklich sehr ansprechend, Lenzis Kameramann Riccardo Pallottini verstand sein Handwerk und hatte ein sicheres Äuglein für schöne Bilder. Die Inszenierung kommt grundsolide daher, jedoch die Spannung und das rasante Tempo seiner Poliziotteschi sollte man bei MONDO CANNIBALE nicht ansatzweise erwarten. Stellenweise dümpelt die Handlung doch arg langatmig dahin, ich war zwischendurch versucht, vom Sofa aufzustehen und mir eine Wasserschlange in den Toaster zu schieben.

Apropos: Dies ist natürlich auch der erste Film, der die umstrittenen Tiertötungen vor laufender Kamera zeigt. In diesem Fall erwischt es eine Schlange, einen Kaiman und eine Ziege. Ich habe mich zu diesem kontrovers diskutierten Thema ja bereits an anderer Stelle ausgiebig geäußert, hier also nur in Kurzform: Ziegen und Lämmer fresse ich selber recht gern, und da man die Tierchen schlachten muss, bevor man sie in die Pfanne kloppt, versteht sich von selbst. Krokodilschnitzel werden ja heuer in jedem gutsortierten Supermarkt angeboten, daher käme es auch in diesem Fall der Heuchelei gleich, sich darüber zu echauffieren. Eine Schlange kann, gut gewürzt, gewiss auch sehr schmackhaft sein – Kenner behaupten, sie munden ähnlich wie Hühnchen. Natürlich wollen wir aber nicht SEHEN, wie die Tiere totgemacht werden, wir wollen sterile Filets auf dem Teller und Micky Maus-Mortadella auf der Stulle. Bloß nicht dem Lebewesen in die Augen schauen, das man ruhigen Blutes vertilgt. Sich die Hände schmutzig machen, das tun ja „Die Anderen“, die in Schlachthöfen dafür entlohnt werden. Ich bin kein Vegetarier, und ich habe es aufgegeben, mich selber zu bescheißen – von daher habe ich keine Probleme mit dem Dargestellten. Die Wahrheit sieht nicht immer lecker aus.
Streiten könnte man sich vielmehr über die inszenierten Tierkämpfe, die ich wirklich für äußerst sinnlos und überflüssig erachte – im Fall von MONDO CANNIBALE ein Duell zwischen Mungo und Kobra, sowie ein blutiger Hahnenkampf. Aber: andere Länder, andere Sitten. In Spanien werden nach wie vor jedes Jahr barbarische Stierkämpfe abgehalten und trotzdem fliegen weiter alle Ballermänner dieser Welt wacker nach Mallorca.

Schlussbemerkung: MONDO CANNIBALE ist ein zeitweise recht ansprechend gefilmtes und ordentlich inszeniertes Exploitation-Abenteuerdrama, das durchaus unterhalten kann, aber mitunter auch für die Verbreitung von Langeweile sorgt. Gewiss kein Meilenstein der Filmgeschichte, eher von filmhistorischem Wert.


Die DVD bekommt man als kleine Hartbox von CMV, die Bildqualität ist anständig, der Ton weniger.


Lieblingszitat:
„Nach Wasserschlangen brauch ich immer ´nen Whiskey. Der desinfiziert.“

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 Post subject: Re: Die diabolische Leinwand
PostPosted: 05.07.2010 15:05 
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DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE („The Legend of the 7 golden Vampires“, Großbritannien/Hongkong 1974) R: Roy Ward Baker

Transsylvanien 1804: Der chinesische Hohepriester Kah (Chan Shen) hat eine lange und beschwerliche Reise in die Kaparten angetreten, um den berühmten Grafen Dracula (John Forbes-Robertson) in dessen Burgfeste aufzusuchen. Er erbittet die Unterstützung des Fürsten der Finsternis, denn um die fernöstliche Zweigstelle in Sachen Blutsaugerei steht es schlecht: Der Einfluss der Vampire auf die Landbevölkerung schwindet zusehends und man fordert Hilfe von erfahrener Hand an. Doch der Graf hat andere Pläne: Sein unsterblicher Geist fährt in Kahs Körper, um die Sache höchstpersönlich in Angriff zu nehmen…
Knapp 100 Jahre später in China: Der altgediente Anthropologe und Vampirjäger Van Helsing (Peter Cushing) hält Vorträge über die Legende der 7 Vampire an der Universität von Chungking, wo ihn jedoch keiner der Studenten für voll nimmt – außer dem jungen Kung Fu-Kämpfer Hsi Ching (David Chiang), der aus dem Dorf stammt, in dessen Umfeld die 7 Unholde wüteten. Zeitgleich lernt Van Helsings Sohn Leyland (Robin Stewart) die schöne und reiche Schwedin Vanessa Buren (Julie Ege) kennen, die sich bereit erklärt, die gefahrvolle Expedition zu Hsi Chings Heimatdorf zu finanzieren – unter der Bedingung, mitreisen zu dürfen. Van Helsing willigt ein, und unter Geleitschutz der acht kampferprobten Geschwister von Hsi Ching begibt das Team sich auf die Reise zum Hort des Unheils…


Hossa, was für ein Höllenspaß! Die DVD steht bereits seit einiger Zeit angestaubt in meiner Sammlung und wurde bislang schmählich missachtet, was sich als grobe Fahrlässigkeit herausstellte – denn der Film ist absolut wunderbar!
Mitte der 70er Jahren waren die Hammer-Studios an dem Punkt angelangt, wo neue Schauwerte ran mussten, um ihr angestaubtes Grusel-Kintopp für jüngere, an härtere Gangarten gewöhnte Zuschauer schmackhaft zu machen und die Kassen wieder klingeln zu lassen. Vornehmlich bedeutete dieser Entschluss vor allem: mehr Blut, mehr Titten! Gleichzeitig versuchte man jedoch auch neue und unverbrauchte Konzepte in die gängigen Hammer-Sujets einfließen zu lassen. Neben den beliebten Spaghettiwestern lockten vor allem ruppige Martial Arts-Streifen das zahlende Publikum in die Lichtspielhäuser. Auch die erfolgreiche Vermischung dieser beiden Genres hatte bereits mehrmals funktioniert, so bei FÄUSTE, BOHNEN… UND KARATE von Tonino Ricci, IN MEINER WUT WIEG ICH VIER ZENTNER von Antonio Margheriti und DER MANN MIT DER KUGELPEITSCHE von Mario Caiano. Insofern war es nur ein konsequenter Schritt, auf der Welle mitzusegeln und das britische Gothic-Gruselkino mit asiatischen Handkanten-Krachern zu verweben. Die Hammer-Studios gingen eine Allianz mit den Shaw Brothers ein und produzierten im Jahr 1974 den äußerst unterhaltsamen DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE.

Die zunächst etwas absurd anmutende Verquickung von Motiven des typischen Vampirfilms aus der Hammer-Schmiede mit dem Kung Fu-Kino aus Hongkong funktioniert prächtig. Der Film bietet ansprechend gefilmte Actionszenen deren Hauptaugenmerk natürlich auf rasantem Kung Fu liegt. Die Ausführung muss man als sehr gelungen bezeichnen, was nicht weiter verwundert, wurden die Kampf-Sequenzen doch vom Shaw Brothers Haus und Hof-Regisseur Chang Cheh choreographiert. Aufgrund der bunten Palette verschiedener Kämpfer und Martial Arts-Stile (es gibt einen „Axtmann“ mit zwei Beilen, einen Speermeister, einen Keulenklopper und eine süße Mieze mit zwei Kurzschwertern) wird reichlich Abwechselung geboten, und obendrein weht ein Hauch von DIE REBELLEN VPM LIANG SHAN-PO durch die Kulissen. Aber auch der Horror kommt nicht zu kurz – die 7 titelgebenden Blutsauger kommen schön morbide daher, und wenn die zombifizierten Skelett-Lakaien der Vampire sich aus ihren Grüften wühlen, wird man auf wohlige Weise an DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN erinnert. Überhaupt sind die hüpfenden Knochenköppe mit ihren Sensen eine Wucht. Sehr gelungen ist auch eine Konstruktion im Kerker des Obervampirs Kah alias Dracula, die dazu dient, halbnackten Jungfern das Blut abzuzapfen und in einen brodelnden Suppenkessel fließen zu lassen. Darüber hinaus wird recht beherzt gemetzelt, besonders beim finalen Massaker bleibt kein Armstumpf trocken, und die Untoten zerfließen und zerfallen auf drastische Art zu stinkenden Eitertümpeln.

Die Kameraführung von Roy Ford und John Wilcox ist ein Augenschmaus, die stimmungsvolle Ausleuchtung gemahnt gelegentlich sogar an Bava und Argento – satte Rot- und Grüntöne dominieren die Bildgestaltung, besonders in den häufigen Grotten- und Gewölbeszenen. Für die sehr straffe, schnörkellose Inszenierung zeichnet Roy Ward Baker verantwortlich, der bereits mit DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN und GRUFT DER VAMPIRE solide Kost ablieferte. Als Pluspunkt bei der Erzeugung von Atmosphäre kann man auch die zuweilen sehr hektische Musik von James Bernard (u.a. DRACULA) anführen.

Der Clou ist natürlich die Besetzung: Mit Peter Cushing und David Chiang wurden die Superstars des jeweiligen Genres unter Vertrag genommen. Gefehlt hätte eigentlich nur noch Christopher Lee als Graf Dracula, der lehnte jedoch dankend ab, ergo wurde auf den wenig charismatischen John Forbes-Robertson zurückgegriffen – da er aber nur einen Kurzauftritt absolviert, ist diese „Fehlbesetzung“ zu verschmerzen. Draculas asiatischen Wirtskörper gibt uns Kung Fu-Ikone Chan Shen, bekannt aus DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN und dem schon erwähnten Italowestern-Crossover IN MEINER WUT WIEG ICH VIER ZENTNER. Cushing spielt seinen Van Helsing auf die ihm eigene kühle und präzise Manier, dabei stört es auch nicht weiter, daß er zuweilen etwas deplaziert in der Gegend herumsteht, wenn die Schwerter und Fäuste fliegen. David Chiang (DIE GNADENLOSEN FÜNF, BLUTSBRÜDER DES KUNG-FU) gehörte neben Wang Yu, Alexander Fu Sheng oder Ti Lung zu den populärsten Darstellern im Martial-Arts-Genre der 1970er Jahre. Die niedliche Szu Shih (DER TEMPEL DER SHAOLIN) spielt die einzige Schwester von Hsi Ching, fechtet mit zwei Kurzschwertern und darf sich einer Romanze mit Robin Stewart hingeben. Als sehr angenehm empfand ich auch die Anwesenheit von Bond-Girl Julie Ege (CRAZE – DÄMON DES GRAUENS), die ursprünglich aus Norwegen und nicht (wie im Film) aus Schweden stammt. Die aparte Schönheit trat nach den 7 GOLDENEN VAMPIREN nur noch in einer schwachen englischen Erotikkomödie namens PERCY – DER POTENZPROTZ auf, dann verschwand sie von der Leinwand. Vor zwei Jahren verschwand sie leider auch aus dem Leben. Im Film bahnt sich zwischen ihr und David Chaings Charakter eine Liaison an, jedoch stehen diese zarten Bande unter einem düsteren Stern…

Perfekt wäre der Film geworden, wenn das Skript sich etwas mehr Zeit bei der Beleuchtung der Charaktere gelassen und die etwas farblosen Figurengerippe mit mehr Fleisch bestückt hätte. Aber dieses „Manko“ ist ja fast schon als Markenzeichen der Hammer-Produktionen zu bewerten, die mit ihrem naiv-kindlichen Charme oftmals das wohltuende Flair eines Europa-Gruselhörspiels verströmen.

Fazit: Grandiose Unterhaltung mit leichten Exploitation-Anteilen, die mir einen extrem vergnüglichen und entspannten Filmabend bereitet hat. Hier kann nur die volle Punktzahl gezogen werden!


Die DVD kommt von Warner Home-Video und weist eine vorzügliche Bildqualität im schönen 2,40:1-Format auf. Bonusmaterial ist leider Fehlanzeige.

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PostPosted: 05.07.2010 15:52 
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Ein wundervoller Film, perfekt beschrieben!

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ZWEI WILDE COMPANEROS („Viva la muerte…tua!“, Deutschland/Italien/Spanien 1972) R: Duccio Tessari

Dimitri Orlowski (Franco Nero) ist ein umherreisender russischer Ganove, der als protestantischer Priester verkleidet, reichen Bürgern bei Hochzeitsfeiern die Börse konfisziert um seinen privaten Klingelbeutel zu füllen. Per Zufall erfährt er durch einen Sterbenden, dem er die letzte Ölung erteilen soll, von einem vergrabenen Goldschatz. Um diesen zu heben, muss er jedoch zuvor den zum Tode verurteilten mexikanischen Banditen Lozoya (Eli Wallach) aus dem Kittchen befreien, denn nur der kennt das genaue Versteck. In einer notgedrungenen Zweckgemeinschaft raufen die beiden Galgenstricke sich zusammen, begleitet von der penetranten Journalistin Mary (Lynn Redgrave), die Lozoya für den legendären Revolutionsführer Salvador hält und eine Bildreportage über ihn und sein ruhmreiches Leben machen will. Ihnen auf den Fersen ist der Cousin des Russen, ein Sheriff (Horst Janson), der seit einem Zusammenstoß mit Dimitri eine Halskrause samt Brustharnisch tragen muss, sowie ein mexikanischer General (Eduardo Fajardo) samt kompletter Armee. Wie die brennenden Lunten an einem Pulverfass, so führen sämtliche Wege im kleinen Dörfchen Piedas Negras zusammen, wo es mächtig krachen wird…


Was soll ich sagen: Der Film ist klamaukig und albern, der Humor überkandidelt und infantil. Aber… ich gebe es zu, ich oute mich: ich habe mich köstlich amüsiert! Ja, an manchen Stellen kullerten gar ein paar Lachtränen, ich habe mich hier und da gar nicht mehr eingekriegt. Offensichtlich bin ich ein schlichter Geist, den man mit primitivsten Mitteln zufrieden stellen kann. Der ohnehin schon als markige Komödie konzipierte Film wird zu höheren Weihen des Schwachsinns erhoben durch die schier unfassbare Kalauer-Synchro aus dem Hause Karl Brunnemann. Was die Synchron-Legenden Rainer Brandt, Arnold Marquis & Co hier wieder mal abliefern, sucht selbst im Olymp der dummen Sprüche seinesgleichen – es werden Zoten gerissen, daß die Schamhaare nur so qualmen.
Beispiele gefällig?

Mary: „Halt!! Ein Ehrenmann lässt keine Dame im Stich!“
Lozoya: „Wie kommen Sie denn auf ‚Dame’? Und den Stich können wir später nachholen.“

Mary: „Warum sind sie eigentlich aus Russland wegegegangen?“
Russe: „Ich hab was gegen Schneeschippen.“
Mary: „Ist das der einzige Grund?“
Russe: „Das russische Roulette stört mich auch.“
Mary: „Sie hätten da bleiben sollen. Russland braucht sicher Männer wie sie.“
Russe: „Hier wird ich aber mehr gebraucht, das seh ich doch an ihnen. Sie sind ja schon ganz wuschig.“

Lozoya vor seiner Hinrichtung: „He, Sie da, darf ich mir noch ´nen letzten Kotzbalken genehmigen?“

Und hier der Unglaublichste:

Lozoya: „Sachma, hast du eigentlich ´ne Mutti?“
Mary: „Na, sicher hab ich eine Mutter. Die ist zuhause in Irland.“
Lozoya: „Muss ja ´n selten dummes Schwein sein!“

Keine Peinlichkeit wird ausgelassen, es gibt sogar die unvermeidliche Szene, in der ein Pferd plappert… er kann´s nicht lassen, der Brandt. Aber was soll´s: Ich habe gelacht!

VIVA LA MUERTE… TUA! gibt sich inhaltlich als Revolutionswestern mit deutlichen Anleihen bei Corbuccis LASST UNS TÖTEN, COMPANEROS und IL MERCENARIO, die Story weist im Übrigen Parallelen zu ZWEI GLORREICHE HALUNKEN auf. Viel Neues gibt es hier also nicht zu verzeichnen, die gängigen Revolutions-Topoi werden weidlich ausgereizt. Was den Streifen zu einem wachechten Vergnügen werden lässt, ist (neben der Synchro!) seine halsbrecherische Geschwindigkeit. Nach einer Stunde Spielzeit meint man, der Film laufe schon doppelt so lange, soviel passiert hier – ein Ereignis jagt im Eiltempo das nächste, Rapid Fire aus allen Rohren. Leerlauf ist hier ein Fremdwort, phlegmatische Naturen könnten sich eher beklagen, daß es ihnen zu fix geht. Das Drehbuch erweist sich hierbei als absolutes Meisterstück und serviert eine Überraschung nach der anderen, Plottwists und Wendungen werden im Jumbopack geliefert. In dieser Hinsicht lehnt sich die Geschichte an den ähnlich aufgebauten ZWEI GLORREICHE HALUNKEN an, nur ist das Tempo hier noch enormer, da VIVA LA MUERTE…TUA! mit 105 Minuten auch deutlich kürzer ausfällt. Außerdem präsentiert sich das verspielte Skript extrem zitierfreudig – Genrekenner werden etliche Anleihen aus berühmten Spaghettiwestern antreffen!

Die Inszenierung von Duccio Tessari ist virtuos, jede Szene sitzt genau auf dem Punkt, das Timing ist perfekt. Mir gefielen bislang alle Filme, die ich von ihm gesehen habe ganz vorzüglich. Er zeichnet für die beiden tollen Western EINE PISTOLE FÜR RINGO und RINGO KOMMT ZURÜCK verantwortlich, sowie für den sehr gelungenen Thriller DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL und die beiden hervorragenden Ausnahme-Gialli BLUTSPUR IM PARK und DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS. Sein zu unrecht unterschlagener Gangster-Thriller TÖDLICHER HASS mit Alain Delon zählt zu meinen Lieblingsfilmen. Tja, auch hier beweist es sich mal wieder: Tessari rockt gewaltig!

Das Ensemble schien derselben Ansicht gewesen zu sein, denn man merkt deutlich, daß alle Beteiligten mit viel Freude bei der Sache waren. Nero und Wallach präsentieren sich in Höchstform; unserem Franco bietet sich hier mal reichlich Gelegenheit, seinem Hang zum Over-Acting nachzugeben, während Eli – was in der Natur des Stoffes liegt – seine Performance als Tuco neu interpretiert. Zwar fehlen seiner Figur im vorliegenden Fall die feinen Nuancen und Charaktereigenarten, trotzdem verleiht er dem Banditen Lozoya eine gehörige Portion brodelndes Leben. Neros Charakter ähnelt seinen Rollen in Corbuccis Revolutionswestern, der Pole ist hier ein Russe, geht aber fast identisch zuwerke. In jedem Fall ist es ein Genuss, Nero und Wallach Seite an Seite zu sehen, im ständigen Wechselspiel von Freund und Feind und dem pausenlosen Jonglieren mit Motivationen.
Sehr reizvoll finde ich den Kniff, den rachsüchtigen Sheriff mit Horst Janson zu besetzen, dessen sanftmütiges und etwas fades Äußeres im krassen Kontrast zu seiner Rolle steht. Einer seiner Handlanger wird von Dan van Husen gegeben, der hier eine besonders fiese Haar- und Barttracht zur Schau trägt. Der bewährte Eduardo Fajardo (DJANGO, MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE) spielt einen sadistischen General mit kochendem Testosteron und darf ein paar herrlich überdrehte Verführungs-Szenen mit Lynn Redrave zum Besten geben. Überhaupt: die recht derbe Lynn Redgrave (die Schwester von Neros langjähriger Lebensgefährtin Vanessa) ist eine gute Wahl – sie spielt die irische, rothaarige Reporterin Mary, die zuschlagen kann wie ein Kerl und mit ihrem resoluten Auftreten und der runden Nickelbrille wahrscheinlich eine Spitze auf die 68er Feministinnen-Bewegung sein soll.

Der Film muss über ein recht üppiges Budget verfügt haben, bedenkt man die Materialschlacht, die vor allem im Finale abgefeuert wird und die prominente Besetzungsliste. Die Fotografie von José F. Aguayo ist bravourös gelungen – jede Einstellung ist ein Schmuckstück, die flotte, präzise Bildmontage tut ihr Übriges. Bombig ist auch die abwechslungsreiche Musik von Gianni Ferrio, die mit tollen Melodien auftrumpft, erzeugt von schallenden Bläsern, Teufelsgeigen, Maultrommeln, Spieluhren und Chören und stellenweise den Scores von Morricone in nichts nachsteht.

Kurzum: Ein ganz toller Spätwestern und ein Heidenspaß – vorausgesetzt, man ist bekloppt genug. Es gibt gewiss einige, die den Film hassen werden. Ich liebe ihn!


Lieblingszitat (der Film besteht nur aus Lieblingszitaten):

"Als ich 13 Jahre alt war hat mir irgendein Schwein eine Tortilla gestohlen, aber ich hab sie ihm dann wieder weggenommen.“
“Das ist doch keine Sünde.“
“Ich hab die Sau erschossen.“
“Das zählt zu den kleinen Sünden.“


Einen hab ich noch:

“Wir Mexikaner sind richtige Männer. Merk dir das! Und einem richtigen Mann fasst man nicht an den Arsch. Der hat gar keinen!! – Ist das klar?“


***

So gut mir der Film gefallen hat, so scheußlich ist die Scheibe von VPS, welche die Bezeichnung DVD nicht annähernd verdient hat. Das damalige Kultlabel hat doch tatsächlich die Unverfrorenheit besessen, eine schäbige VHS-Kopie 1:1 auf Silberling zu brennen, als Vorlage diente zudem eine Kinokopie, die man offensichtlich zum Kartoffelschälen verwendet hat. Die Farben sind blass, das Bild unscharf und verwaschen, ständige Störungen verursachen Wutanfälle. Da entschädigt auch das korrekte Bildformat nicht viel. Obendrein ist die Fassung gekürzt, denn die italienische DVD aus dem Hause Fabbri läuft satte 7 Minuten länger. Hier ging es augenscheinlich nur um schnöde Kohlemacherei, und das ist Verarsche am Kunden und eine niederträchtige Verhöhnung von Filmfreunden.
Bitte, bitte, Koch Media: Legt dieses Juwel in anständiger Qualität neu auf, zumindest ein Fan wird es euch lebenslang danken!

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PostPosted: 09.07.2010 13:15 
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DIE MÖRDERBESTIEN („La morte ha sorriso all´assassino“, Italien 1972) R: Joe d`Amato

Der verwachsene Franz (Luciano Rossi) steht erschüttert vor der aufgebahrten Leiche seiner geliebten Schwester Greta von Holstein (Ewa Aulin) und hadert mit dem Schicksal: Wer hat seine einzige, große Liebe ermordet? Es werden ein paar Rückblenden eingeschoben: Franz, der in inzestuöser Zuneigung zu seiner Schwester entflammt ist, verfolgt Greta, die im Park lustwandelt und muss mit Ingrimm im Herzen beobachten, wie sie mit einem solventen Herrn (Giacomo Rossi-Stewart) mit Rotzbremse unter der Nase flirtet…
Nächste Szene: Eine Kutsche rast in mörderischem Tempo auf das Anwesen einer Grafschaft zu, der Kutscher verliert die Kontrolle übe das Gefährt und verunfallt. Das Grafenehepaar Eva (Angela Bo) und Walter von Ravensbrück (Sergio Doria) eilt hinzu und rettet eine besinnungslose Frau aus der Kutsche: Es handelt sich um Greta (Nanu? War die Szene zuvor nur ein Traumgespinst??), die unter schwerem Schock steht und das Bewusstsein verloren hat. Diese Diagnose wird zumindest wenig später von dem flugs hinzugezogenen Arzt Dr. Sturges (Klaus Kinski) erstellt, der sich obendrein sehr über einen goldenen Anhänger um Gretas Hals wundert. Darauf befinden sich kryptische Symbole und die Aufschrift „Greta 1906“. Diese Entdeckung bewegt ihn in bester Mad Scientist-Tradition dazu, in seinem Laboratorium bunte Flüssigkeiten in Reagenzgläsern zusammenzubrauen, finster vor sich hin zu murmeln und im Keller seines Hauses Experimente mit Leichen zu veranstalten – aus der geplanten Wiederbelebung der Toten wird aber nichts, denn unbekannte Mörderhand befördert ihn vorzeitig aus dem Leben.
Spätestens hier endet der logisch halbwegs nachvollziehbare Teil des Werkes, der Rest ist Delirium. Eine chronologische Inhaltsangabe erübrigt sich. Es können nur verzweifelte Fragen in den Raum geworfen werden: Was hat es mit der Hausdienerin auf sich, die ebenfalls Greta heißt und die sinistre Visionen von Luciano Rossi plagt? Warum ist Greta – also die Aulin jetzt – offenbar schon mehrmals gestorben und weilt dennoch unter den Lebenden? Warum präsentiert sie sich manchmal mit Heilerde in der Visage und sieht an anderen Stellen lieblich und unversehrt aus? Wer ist der mysteriöse Mörder, der umgeht? Was hat Edgar Allen Poe mit alledem zu schaffen? Warum, waruuum…??


Kommen wir lieber zu Fragen, die sich definitiv klären lassen: Was haben Peter Newton, Alexandre Borsky, D.W.Griffith und Joe d´Amato gemeinsam? – Richtig, hinter all diesen Namen verbirgt sich ein und dieselbe Person, nämlich Aristide Massaccesi. Massacesi, Schöpfer unvergesslicher Epen wie MAN EATER, IN DER GEWALT DER ZOMBIES und SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF, drehte 1972 seinen ersten eigenen abendfüllenden Spielfilm namens LA MORTE HA SORRISO ALL'ASSASSINO, wörtlich: „Der Tod lächelt den Mörder an“ – der Titel ergibt wenig Sinn, aber noch weniger Sinn ergibt der Titel des deutschen Videotapes von Silwa DIE MÖRDERBESTIEN. Ins Kino hat der Film es bei uns erst gar nicht geschafft, was doch schade ist, immerhin ist dies einer der ganz wenigen Schöpfungen des Meisters, wo er mit seinem echten Namen zeichnete.
An mein erstes denkwürdiges Zusammentreffen mit besagter Kassette von Silwa erinnere ich mich mit nacktem Grausen; erwartete ich doch einen zünftigen Italo-Zombie-Schlocker, obendrein mit Klaus Kinski in der Hauptrolle! Was man dann aber aufgetischt bekommt, ist ein verdammt hartes Kraut – und garantiert etwas ganz Anderes, als man erwartet hat…

Meine Fresse, ich bin ratlos – wo soll ich anfangen? – Wer die Inhaltsangabe aufmerksam gelesen hat, wird bemerkt haben, daß der Film sich in mehrere, parallel laufende Erzählstränge aufspleißt, deren Zusammenhang nicht wirklich erkennbar ist und oft auch gar nicht vorhanden. Fährten führen ins Nichts, plötzlich tauchen sie wieder auf und verlaufen sich erneut ins Nirgendwo. Ein kohärenter Handlungsverlauf ist nicht erkennbar, ebenso sollte man keinerlei herkömmliche Logik erwarten.
Hier noch einmal ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Das gräfliche Ehepaar hegt sexuelle Gelüste für Greta, die traumwandlerisch auf dem Anwesen herumflaniert. Es kommt zum Geknatter mit beiden, Eifersucht auf den jeweils anderen regt sich. Gräfin Eva hält es irgendwann nicht mehr aus, lockt Greta in den Keller und mauert sie lebendigen Leibes ein. Auch eine schwarze Katze kraucht durch die Gänge, mit eingemauert wird sie aber nicht. Natürlich taucht Greta bei einem Maskenball wieder auf, mit Matsche im Gesicht. Als später die Wand aufgestemmt wird, springt dann doch die Katze heraus. Später wird besagter Dachhase dann auch mal gern als Wurfgeschoss zweckentfremdet, besonders Luciano hat darunter zu leiden… Ächz, was wollte ich eigentlich sagen?
Naja, irgendwann taucht dann der solvente Herr mit Schnäuzerbefall vom Anfang wieder auf – es ist der Vater des Grafen! Auch einen Inspektor (Attilio Dottesio) gibt es, und der hat eine Frau, und die sieht aus wie Greta…
Wer den Film nicht kapiert hat, sollte deswegen nicht gleich zum Giftflakon greifen und seine Existenz im eigenen Blute ersäufen – ich habe den ganzen Kladderadatsch beim ersten Anschauen nicht begriffen und beim zweiten Mal war´s auch nicht viel einleuchtender. Das macht aber alles gar nichts, denn Massaccesi wandelt mit LA MORTE HA SORRISO ALL'ASSASSINO in den Fußstapfen von Fellini und Buñuel. Ein gestrichener Esslöffel Jean Rollin wurde obendrein hinzugefügt. Die enormen surrealen Qualitäten des Films mögen unbeabsichtigt gewesen ein, vorhanden sind sie allemal. Und das Seltsamste daran ist: Es macht großen Spaß, sich dieser Wirrnis hinzugeben!

Das liegt vor allem daran, daß der Film in technischer Hinsicht durchaus solide geraten ist. Obwohl auch auf dieser Ebene, wie bei allem in diesem Streifen, Durchwachsenes regiert. Die Kamera (Massaccesi himself) ist teilweise sehr gelungen, teilweise geradezu dilettantisch. Einige äußerst ordentliche Bilder sind ihm gelungen, was allerdings auch an der sehr stimmigen und atmosphärisch überzeugenden Kulisse liegt – das Anwesen der Grafschaft ist eine Wucht und verströmt reichlich wohlige Gothic-Grusel-Stimmung. Zeitweise durchweht den Film der Geist eines Gaslicht-Romans, komplett mit edelkitschigen Weichzeichner-Aufnahmen und schmalzigem Pornogedudel. Hie und da wird ein klassisches Haunted House-Gefühl verbreitet, fast geht es wie in einem Vincent Price-Vehikel von Roge Corman zu. Dann wieder wähnt man sich in einem Giallo, wenn die Mörderbestie, dargestellt durch subjektive Handkamera, sich an ihre Opfer anschleicht und sie danieder schnetzelt. Wenn sich dann noch die völlig selbstzweckhaften und sinnlosen Rödeleien und Voyeurismen hinzugesellen, gewürzt mit einer satten Kelle Splatter-Schleim und quellendem Gedärm, erkennt man deutlich die Handschrift von Onkel Joe…
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Musik von Berto Pisano, die mitunter äußerst effektiv und gänsehauterzeugend daherkommt, zuweilen aber auch unerträglich auf die Nerven fällt.
Die nicht-lineare und extrem verwirrende Struktur des Drehbuchs (?) mögen aufgeschlossene Zeitgenossen als unkonventionelles Experiment lobpreisen, andere werden das Resultat als zum Kotzen langweilig und öde bewerten. Meine bescheidene Ansicht liegt irgendwo in der Mitte, denn obwohl der völlig konfuse Film eine schwer zu schluckende Pille ist, gefällt er mir dennoch und hat sich einen Ehrenplatz in meiner Sammlung (und meinem großen Herzen!) gesichert – in der Abteilung „Krudes & Abstruses“ steht er direkt neben den Werken von Renato Polselli.

Die Schauspieler liefern, zum Gesamtbild passend, ähnlich Zwiespältiges ab. Ewa Aulin ist ja recht putzig anzusehen, in der Rolle der mysteriösen Rächerin aus dem Totenreich wirkt sie mitunter schon etwas deplaziert – aber auch das unterstreicht die traumartige Note des Films. Die Leistungen von Sergio Doria und Angela Bo erschöpfen sich weitgehend darin, im Schlosspark herumzusitzen, Tee zu schlürfen und Ewa Aulin mit gierigen Blicken zu verzehren. Übrigens trägt auch Doria (wie der Vater, so der Sohn) ein hässliches Gestrüpp auf der Oberlippe. Klaus Kinskis Auftritt („Der Arzt ist da!“) ist leider viel zu kurz und wird mit starrer Gesichtsmuskulatur absolviert, bereitet aber trotzdem Laune. Luciano Rossi als buckliger, schwitzender Franz ist göttlich – ich verehre den Mann!

Schlusswort: Ein herrlich obskures Kleinod des schrägen italienischen (Horror-)Kinos und wahrscheinlich einer der besten Machwerke von Joe d`Amato!

***

Was den Film leider unnötigerweise verhunzt, ist die miserable deutsche Video-Synchro, bei der man ein paar selten lustlose und untalentierte Sprecher zusammengewürfelt hat. Die (schon recht rar und teuer gewordene) DVD-Ausgabe von X-Rated bietet leider keine italienische Original-Tonspur an, ist in eine sperrige große Hartbox verpackt und schaut ziemlich hässlich aus. Wie auch immer, besser so, als gar nicht – der Film ist Kult und allemal ansehnlicher als die Pornos, die Massaccesi später mit Sarah Young gedreht hat…

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FLAVIA – LEIDENSWEG EINER NONNE (“Flavia, la monaca musulmana”, Italien 1974) R: Gianfranco Mingozzi

Nachdem sie als 16jährige die Enthauptung eines muslimischen Kriegers durch ihren herrschsüchtigen und grausamen Vater mit ansehen musste, wird Flavia (Florinda Bolkan) aus erzieherischen Gründen hinter die Mauern eines Nonnenklosters gesteckt, wo sie sich in Anstand und Demut üben soll. Die strengen und frauenfeindlichen Strukturen des Klosterlebens, kitzeln jedoch provokantes Gedankengut in ihr empor. Sie fragt sich, wieso Frauen in der patriarchalen mittelalterlichen Gesellschaftsordnung nur als brave Hausmütterchen und Lustobjekte dienen müssen und von der Männerwelt permanent unterdrückt werden. Ein gefährliches Gedankengut, das seiner Zeit weit voraus ist und von ihrer geistigen Mentorin, der alten Nonne Agatha (Maria Casarès) noch gefördert wird. Beistand findet sie lediglich bei dem jüdischen Gelehrten Abraham (Claudio Cassinelli), der jedoch selber ein Gefangener ist und von ihrem Vater als Aufpasser abkommandiert wurde. Ein gemeinsamer Fluchtversuch wird gewaltsam vereitelt, Flavia wird brutal abgestraft. Als eine junge Schwester wegen angeblicher Unkeuschheit bestialisch zu Tode gefoltert wird, hält Flavia es nicht mehr aus und wendet sich gegen ihren Vater. Am selben Tag wird Flavia noch Zeuge, wie ein neuer Herzog in Ausübung seiner Rechte über eine Bauersfrau herfällt und sie im Schweinekoben vergewaltigt. Die Entladung ihrer angestauten Gefühle nimmt ihren Lauf, als die Muselmanen über das Örtchen herfallen und Flavia sich ihnen in die Arme wirft – in der Hoffnung, eine politisch-gesellschaftliche Umwälzung zugunsten der Frauen werde sich vollziehen. Ihre Freundin Agatha stirbt durch den Wurfspeer eines christlichen Adligen, was Flavias Hass ins Unermessliche steigert. Aus Verzweiflung gibt sie sich im Liebesakt dem sarazenischen Kriegsherren (Anthony Higgins) hin, nur um schmerzlich feststellen zu müssen, daß die Moslems keinen Deut besser sind. Wie eine wahnsinnige Johanna von Orleans beschließt sie, an allen ihren Unterdrückern blutige Rache zu nehmen…


Wer FLAVIA, LA MONACA MUSULMANA in den Player schiebt und einen reinrassigen Nunsploitation-Heuler mit der handelsüblichen (Über-)Dosis an Folterungen, Lesbensex und Geschmacksunsicherheiten erwartet, befindet sich auf dem Holzweg. Freilich ist dies der Ruf, der dem Werk von Gianfranco Mingozzi vorauseilt, wozu auch die deutschen Titelschmieden ihr Scherflein beitrugen: Im Kino lief der Film als CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE, später wurde er gar unter der knackigeren Aufbereitung NONNEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT neuveröffentlicht, wohl um auf der Welle der erfolgreichen Hexenfilme mitzureiten.
Lässt man sich auf FLAVIA ein, wird man rasch merken, daß der Wind aus einer ganz anderen Richtung bläst – nämlich aus der links-liberalen und stark emanzipatorischen Ecke der italienischen Intellektuellen, wozu Mingozzi gehörte. Was sich zunächst als misogyner Quälfilm tarnt, ist tatsächlich eine kämpferische Parabel auf die chauvinistische Krieger- und Priesterkultur einer von Männern dominierten Gesellschaft.
Flavia ist alles andere als eine angepasste und gehorsame Betschwester; provokativ hinterfragt sie ihre Rolle als Frau und ihre Position in den engen Strukturen des Klosters. Warum ist Gott ein Mann, warum ist sogar die heilige Dreifaltigkeit maskulin? Warum müssen Frauen dienen und den Mund halten, während Männer herrschen und Kriege führen? Und warum regieren sogar im Kloster Gewalt, Perversion und Unterdrückung, wo dies doch ein Hort des Mitleids und der Gerechtigkeit sein sollte? Ihre Fragen werden konsequenterweise mit noch mehr Gewalt und Unterdrückung beantwortet. So verwundert es auch nicht, daß Flavia sich den muslimischen Eroberern in die Arme wirft, nur um bald zu merken, daß hier dieselbe Frauenfeindlichkeit und derselbe Patriarchismus herrscht.

Mit expliziten Folter-Einlagen hält FLAVIA sich ausgesprochen zurück, und wenn, sind die Szenen streng in den Kontext eingebettet – eine Auspeitschung wird als Strafe gegen Aufmüpfigkeit verordnet und erhöht sich auf die Metaebene einer gestörten Vater/Tochter-Beziehung; eine Vergewaltigung im Schweinestall gerät zur Allegorie der brutalen Herrschaft des Adels über das Volk, der sich zur Befriedigung seiner Lüste im wahrsten Sinne „entmenscht“. In der schockierendsten und widerlichsten Szene des Films, der Bestrafung einer „unkeuschen“ Nonne, wird die Folterung stark sexualisiert (Verstümmelung der primären und sekundären Geschlechtsorgane) und kontrapunktiert von den salbungsvollen und zugleich lüsternen Gesichtern der umstehenden Klerikalen und Adligen.

Bei aller Ambition, die Mingozzi offensichtlich hegte, muss man ihm eine gewisse Ambivalenz (oder sogar ein Ungeschick?) vorwerfen, denn gleichzeitig tritt er hemmungslos aufs Exploitation-Pedal – an markigen Grausamkeiten ward nicht gespart. Andererseits ging es ihm natürlich darum, die Verrohtheit der Männerwelt – oder der Menschenwelt per sé darzustellen, und diese Welt ist nun mal ein Königreich der Schmerzen und keine Häkelfreizeit. Gewiss darf man ihm auch einen ausgeprägten Hang zur Polemik vorwerfen, was aber wiederum nur im Kontext der Zeit und unter Berücksichtigung seiner politischen Ausrichtung zu bewerten ist. Die Geschichte transportiert die typischen, naiv simplifizierten Weltanschauungen der linken 68er Bewegung, welche die naturgegebene Spaltung der menschlichen Natur und deren Unberechenbarkeit außer Acht lässt und stattdessen vereinfachte (aber wenig realistische) Lösungen anbietet. Die etwas infantile „Schwanz Ab!“-Mentalität des Films wird dann auch entsprechend durch fast schon lächerliche Szenen ad absurdum geführt, beispielsweise wenn Schwester Agatha feministische Hau drauf-Parolen absondert wie: „Das Geschlecht ist unsere Macht! Unsere einzige Macht!“
Es ist wahrscheinlich ergiebiger (und amüsanter), das Resultat aus seinem sozialpolitischen Kontext zu lösen und den Film einfach nur als hervorragend gemachtes, antiklerikales Unterhaltungswerk zu goutieren. Denn immerhin geizt Mingozzi nicht mit reichlich Bizarrerien und äußerst einprägsamen, oftmals sehr surrealen und verstörenden Bildern. Vor allem gegen Ende des Films, wenn Flavia von Visionen heimgesucht wird, macht er Pasolini und Ken Russel Konkurrenz.

Handwerklich bewegt der Film sich auf höchstem Niveau. Das Beeindruckendste an Flavia ist sicherlich die wunderschöne, geradezu ätherische Kameraführung von Alfio Contini – die Bildkompositionen sind wahrhaft kunstvoll gestaltet, und die erdigen Farben vermitteln eine ungemein dichte, greifbare Atmosphäre. Mingozzis Regiearbeit ist durchgehend versiert, und stellenweise merkt man seiner Inszenierung an, daß er ursprünglich aus dem Dokumentarbereich stammt. Die mittelalterlichen Locations, die Kleidung und die Bauten versprühen eine unglaubliche Authentizität; tatsächlich wurden Ausstattung und Kostüme mit größter und weitgehend historisch korrekter Sorgfalt ausgesucht – Schlampigkeiten wie in artverwandten Produktionen hat man sich hier keine geleistet. Obwohl der Film gewiss kein riesiges Budget zur Verfügung hatte, wirkt alles sehr bombastisch, die Schlachtszenen sind spektakulär und aufwändig choreographiert, was sicher auch der vorzüglichen Inszenierung zu verdanken ist.
Bei der mittelalterlich angehauchten und sehr authentisch wirkenden Musik von Nicola Piovani dominieren folkige Flöten, Klampfen und Trommelklänge. Die schöne Melodie des Hauptthemas, die ein trügerisches Idyll vorgaukelt, erinnerte mich an den Score irgendeines Italowesterns, aber das konnte ich leider nicht eruieren.

Es ist vor allem der herausragenden Leistung der wundervollen Florinda Bolkan zu verdanken, daß die tendenziöse Schwarzweißmalerei, die der Film stellenweise betreibt, nicht allzu sehr in Klischees und Musterhaftigkeit abgleitet. Ihr gelingt es blendend, ihre Rolle mit der nötigen Vielschichtigkeit zu füllen. Elegant hält ihr Filmcharakter Flavia die schwierige Balance zwischen Faszination und Ekel, zwischen Kampfeswille und Resignation; ihre innere Zerrissenheit transportiert die Bolkan ganz vorzüglich. Ich verehre diese Frau mehr und mehr, ihr gebührt ein Denkmal.
Aber auch die Nebendarsteller geben keinen Anlass zur Klage. Maria Casarès brilliert in der Rolle der aufsässigen und freigeistigen Schwester Agatha. Genrefreunde dürften sich über ein Wiedersehen mit Claudio Cassinelli freuen, der hier den jüdischen gelehrten Abraham gibt. Bekannt ist er u.a. als Manolo in Sergio Martinos DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN, als Inspektor Silvestri in DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER von Massimo Dallamano oder als Lt. Claude de Ross in DIE INSEL DER NEUEN MONSTER. Seine letzten Filmauftritt absolvierte er in PACO – KAMPFMASCHINE DES TODES, bevor er 1985 bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam.
Der weitgehend unbekannte Regisseur Gianfranco Mingozzi geriet bereits zwei Jahre vor FLAVIA mit der (italienischen) Zensur in Konflikt. Laut Christian Kessler erhielt er als Reaktion auf sein stark linkslastiges Werk LA VITA IN GIOCO einen Brief des Ministeriums mit der Aufforderung, eine Dialogzeile zu entfernen. Darsteller William Berger ruft dort aus: „Es lebe der Schwanz! Es lebe die Fotze!“ Die Regierung hierzu: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, daß geschnitten werden muss: ‚Es lebe die Fotze!’ Es bleibt: ‚Es lebe der Schwanz!’ Gezeichnet: Der Minister.“ (Quelle: DAS WILDE AUGE von C. Kessler)
Angesichts solcher Erlebnisse kann man es Mingozzi nicht verübeln, daß sein nächster Film extrem feministische Züge aufwies…

In den bisherigen Fassungen lag FLAVIA nur in stark gekürzter Form vor, es fehlten (neben gewaltanteiligen Szenen) einige recht ausführliche (Dialog-)Szenen, die für den philosophischen Überbau von erheblicher Wichtigkeit sind. Dankenswerterweise wurden sie für die vorliegende Version wieder eingefügt und mit Untertiteln versehen, aaaber… es wäre doch sehr wünschenswert gewesen, wenn man hierzu einen Übersetzer verpflichtet hätte, welcher der englischen Sprache mächtig gewesen wäre. An einigen Stellen ist der Text derart fehlerbehaftet, daß der Sinngehalt regelrecht auf den Kopf gestellt wird. Äußerst peinlich!

Ansonsten ist die Qualität der DVD von X-Rated recht brauchbar, das Bild reißt zwar keine Bäume aus ist aber, gemessen am Alter des Materials, annehmbar. Bei der deutschen Tonspur sieht es nicht so rosig aus, hier brummt und knistert es häufig.

Ein faszinierender und nachhaltig beeindruckender Film, der nach den oben genannten Abstrichen immer noch 8 von 10 Punkten wert ist.

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PostPosted: 14.07.2010 20:23 
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MIT DJANGO KAM DER TOD ("L'uomo, l'orgoglio, la vendetta", Italien/Deutschland 1968) R: Luigi Bazzoni

Django (Franco Nero) verdient sich seine Sporen als strebsamer Soldat in der spanischen Armee, als die glutäugige Zigeunerin Conchita (Tina Aumont) in sein Leben tritt und ihm zum Verhängnis wird. Nachdem er sie bei einer Schlägerei verhaften musste und sie ihm auf dem Weg ins Kittchen entwischt, wird er als verantwortlicher Offizier degradiert. Bei ihrem nächsten Zusammentreffen becirct sie ihn und sie verbringen eine Nacht miteinander – spätestens zu diesem Zeitpunkt ist er ihr hoffnungslos verfallen. Angetrieben von heißen Versprechungen, Liebesschwüren und einem ständigen Wechselbad heftiger Gefühle gerät er zusehends auf die schiefe Bahn, um Conchitas Gunst zu gewinnen. Nachdem er aus rasender Eifersucht einen hochrangigen Offizier getötet hat, flieht er als Deserteur in die spanischen Berge, wo er sich notgedrungen mit Conchitas Kumpanen, einem ruchlosen Haufen von Strauchdieben, zusammenschließt. Hier lernt er auch Conchitas aus dem Gefängnis geflohenen Ehemann Garcia (Klaus Kinski) kennen, mit dem ihn sofort eine innige Antipathie verbindet, die auf Gegenseitigkeit beruht. Conchita umgarnt ihn weiterhin und überredet ihn, sich an einem Raubüberfall auf die Kutsche eines reichen Engländers (Karl Schönböck) zu beteiligen, bei der eine Kiste voller Gold erbeutet wird – der Coup wird jedoch auf blutige Weise in den Sand gesetzt und die Spirale dreht sich weiter ins Bodenlose. Während der Konflikt zwischen Django und Garcia sich zuspitzt, setzt Conchita sich ab, um Wasser und Nahrung zu organisieren – kehrt jedoch nicht zurück. Die Ereignisse steuern auf einen tragischen Höhepunkt zu…


MIT DJANGO KAM DER TOD von Luigi Bazzoni ist ein Beitrag, der speziell bei Freunden des Italowesterns nicht sonderlich beliebt ist – was wohl daran liegt, daß es sich um alles handelt, nur um keinen Italowestern im herkömmlichen Sinne. Die Geschichte ist eine Adaption des Dramas „Carmen“ von Prosper Mérimée, welches (in anderer oder ähnlicher Form) schon unzählige Male verfilmt wurde. Was das Missverständnis erschwert, ist die in die Irre führende Betitelung des Films in Deutschland, womit man natürlich versuchte, auf der beliebten Django-Welle mitzuschwimmen. Im italienischen Original heißt Franco Neros Charakter „José“, noch deutlicher wird es bei Tina Aumont, die nicht Conchita, sondern unmissverständlich „Carmen“ genannt wird. Obendrein wurde die Handlung in der deutschen Fassung von Spanien nach Mexiko verlegt.
Wer also ein typisches bleigetränktes Racheepos im Spaghetti-Stil erwartet, mag eine herbe Enttäuschung erleben, obwohl der Film mit einem Kutschenüberfall und einem rasant inszenierten Messerduell zwischen Nero und Klaus Kinski aufwartet. Im Mittelpunkt der Handlung steht vielmehr die niederschmetternde Geschichte eines Mannes, der an seiner glücklosen und obsessiven Liebe zu einer Femme Fatale zugrunde geht. Immer tiefer versinkt er in einem Strudel aus Selbstverleumdung, Gewalt und Verbrechen, ohne zu begreifen, daß er nur ein willenloses Spielzeug in den Händen eines hedonistischen Weibes ist, das keinerlei echte Gefühle für ihn empfindet. Dabei ist Carmen keineswegs böswillig oder niederträchtig, aber ihr unzähmbares und triebgesteuertes Naturell ist dem eigentlich bürgerlichen und simpel gestrickten José derart fremd, daß er sich hoffnungslos zu ihr hingezogen fühlt und dabei immer tiefer in den Abgrund stürzt.

Allerdings sind das alles keine Gründe, den Film schlecht zu finden – ganz im Gegenteil. Bei L´UOMO, L´ORGOGLIO, LA VENDETTA handelt es sich um ein wunderbar fotografiertes und hervorragend gespieltes Drama, das viel Wert auf die sorgsame Charakterzeichnung seiner Protagonisten legt.

Der große Franco Nero legt hier wahrscheinlich eine der besten Performances seiner Karriere aufs Parkett – er spielt den gebeutelten und betrogenen Lover, der durch seine besessene Hörigkeit zu Carmen zum Äußersten getrieben wird, mit derartiger Überzeugungskraft, daß man meinen könnte, er schöpfe aus eigenem Erfahrungsschatz. Er verkörpert hier wirklich umwerfend einen Mann, der sich immer tiefer in das Labyrinth seiner eigenen Leidenschaften verstrickt, bis er nicht mehr ein noch aus weiß.
Die damals noch blutjunge Tina Aumont (TORSO) spielt ebenfalls wundervoll, obwohl ich sie mitunter etwas zu niedlich finde, als daß man ihr die rassige Männerfresserin ohne Wenn und Aber abnimmt. Ihre Gefühlsschwankungen und emotionalen Ausbrüche sind allerdings sehr beeindruckend vorgetragen – eben noch will man sie in die Arme schließen und küssen, im nächsten Moment möchte man sie schon ohrfeigen.
Auch Klaus Kinski als grimmiger Finsterling Garcia legt hier einen seiner besten Auftritte im Genre hin, wenngleich seine Leinwandzeit allzu knapp bemessen ist. Sein Herz ist auch hier mal wieder eine Mördergrube: Seinen verwundeten Kumpel Remandado – gespielt von Alberto dell`Acqua – legt er kaltblütig um, weil ihm sein Transport zu anstrengend erscheint. Guido Lollobrigida (u.a. SATAN DER RACHE und FRIEDHOF OHNE KREUZE) hat eine schöne Rolle als Carmens versoffener Kumpel Tranquiero, der am späteren Kutschüberfall beteiligt ist. Trotz seiner Verkommenheit und Alkoholsucht begreift selbst er, daß José auf dem falschen Dampfer ist: „Du bist viel zu anständig für sie, aber du musst ja wissen, was du tust…“

Luigi Bazzoni hat ursprünglich Architektur studiert, was sich in der klaren, durchstrukturierten Bildgestaltung seiner Filme niederschlägt. Auch dieser Euro-Western glänzt mit einer präzisen und stilsicheren Kameraführung, die übrigens von Bazzonis Bruder Camillo übernommen wurde. Als Regisseur zeichnet Bazzoni außerdem für den kühlen Giallo EIN SCHWARZER TAG FÜR DEN WIDDER oder den ungewöhnlichen Thriller LE ORME – FUSSPUREN AUF DEM MOND verantwortlich. Die herrlich kraftvolle Musik von Carlo Rustichelli vermischt klassisch-symphonische Orchesterpassagen mit feurigen Flamencogitarren.

Mir hat der Film von Anfang bis zum bitteren Ende ganz vorzüglich gefallen – und der Schluss ist so was von tragisch, man sollte das Tränenkrüglein bereithalten…

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PostPosted: 21.07.2010 21:52 
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OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE („Deep Rising“, USA 1998) R: Stephen Sommers

Der sympathische Captain John Finnegan (Treat Williams) fährt auf seinem abgehalfterten Kahn überall hin und nimmt jeden Finsterling mit, ohne Fragen zu stellen – sofern die Kohle stimmt. Daher macht er sich auch keine großen Gedanken, daß seine aktuellen Passagiere aus einem Haufen übler Söldner bestehen, die von dem grimmigen Hanover (Wes Studi) angeführt werden und kistenweise Waffen und Torpedos geladen haben. Bald findet die angespannte Reise jedoch ein jähes Ende, da man mit einem herrenlosen Motorboot kollidiert…
… das vom größten Luxusliner der Welt, der „Argonautica“ stammt, auf dem eben noch die oberen Zehntausend der Gesellschaft als Gäste des Multimillionärs Joey Canton (Anthony Heald) wild gefeiert haben. Nicht einmal die schöne Trickdiebin Trillian St. James (Framke Janssen) kann den Betuchten die Laune verderben, sie wird beim Stiebitzen gefasst und im Lagerraum eingebuchtet. Dumm nur, daß plötzlich irgendetwas Großes und Massiges aus der Tiefe des Ozeans emporsteigt und den Luxusdampfer in ein Geisterschiff verwandelt.
Alle Fäden laufen zusammen auf der „Argonautica“ – denn die Söldner haben offenbar den reich gefüllten Tresor des Schiffes im Auge, ebenso wie die Diebin Trillian. Aber welch undurchsichtiges Spiel treibt Canton? Warum ist er mit dem Söldnerführer Hanover bestens bekannt? Und was zur Hölle ist das für ein Ding, das im Schiff umgeht und einen nach dem anderen verhackstückt??


Mit seinen beiden Blockbustern DIE MUMIE und DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK fuhr Stephen Sommers finanziell lohnende Fischzüge an den US-Kinokassen ein, mit seinem ein Jahr zuvor eingetütetem DEEP RISING ging er baden. Der immerhin 45 Millionen schwere Streifen entwickelte sich zu einem gigantischen Flop. So recht nachvollziehen kann ich das nicht, handelt es sich bei OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE, wie man das Vehikel in Deutschland etwas ungeschickt betitelte, doch um einen waschechten und äußerst unterhaltsamen Monsterfilm, der eine glorreiche B-Ära heraufbeschwört.
Um genauer zu sein: Restlos alles an DEEP RISING sieht so aus und fühlt sich an wie ein klassischer John Carpenter-Streifen aus den 80er Jahren. Die Ähnlichkeiten sind derart frappierend, das kann kein Zufall mehr sein – das wirkt rundum wie eine liebevolle und ehrfürchtige Verbeugung vor dem Meister. Bereits die Figurenkonstellation ist eine wunderbare Ansammlung typischer B-Movie-Stereotypen und Klischees: Die knüppelharten Söldner sondern permanent stupide Oneliner ab, geben sich ständig dreckig lachend „High Five“, tätscheln mit glänzenden Augen ihre großkalibrigen Superduper-Chainguns. Captain Finnegan trägt das Herz am rechten Fleck, hat eine Elvis-Tolle und bunkert die unvermeidliche Schrotflinte hinter seinem Chefsessel – die im späteren Finale natürlich noch eine gewichtige Rolle spielen wird. Selbstverständlich verknallt sich die einzige weibliche Protagonistin (die tough, gutaussehend und mit Sicherheit gebärfähig ist) umgehend in ihn. Seine Sidekicks stammen ebenfalls aus dem B-Film-Lehrbuch: der Mechaniker Joe ist eher ein Softie, sieht aus wie aus dem Seattle der Grunge-Blütezeit entsprungen und sorgt für den mehr oder weniger gelungenen Comic-Relief; seine Freundin ist ein koreanisches Muscle-Girl mit Kodderschnauze. Man fühlt sich sofort zuhause.

Das Drehbuch wartet dann auch nicht mit unnötigen Komplikationen auf, die Handlung ist simpel und vorhersehbar. Tiefschürfende Dialoge werden gekonnt vermieden, stattdessen liefert man sich saucoole Wortgefechte und fetzt dumme Sprüche herunter, bis der Bart Feuer fängt. Leerlauf gibt es kaum zu verzeichnen, stattdessen drückt die stramme Inszenierung unaufhörlich aufs Action-Pedal: eine Tentakel-Attacke jagt die nächste, es wird geballert, bis der Schiffrumpf glüht. Das Kunstblut schwappt in angenehm hohen Dosen – die Freigabe dieses Splatterfestivals „Ab 16“ ist reichlich gewagt! Das titelgebende Monster konnte mich durchaus begeistern – am Anfang sieht man noch nicht viel, die Bedrohung kündigt sich vielmehr durch Geräusche, Schatten, huschende Schemen und Geblubber unter Wasser an. Wenn die vielarmige Tiefsee-Bestie dann hemmungsloser zur Tat schreitet, bekommt man eine gewogene Mischung aus Latex- und CGI-Effekten serviert, die mal mehr, mal weniger gelungen sind – was aber prächtig zum B-Charakter des Films passt.
Kontinuierlich wird an der Spannungs-Kurbel gedreht, in rascher Abfolge bekommt man Verfolgungsjagden durch klaustrophobisch enge Schiffsgänge, riskante Tauchmanöver, ein Jetski-Wettrennen gegen eine Sprengladung oder Bedrohungssituationen in feststeckenden Aufzügen um die Ohren geknallt. Obendrein ist der Film gespickt mit Zitaten aus artverwandter B-Ware: hier eine Prise POSEIDON-INFERNO, dort ein Löffelchen ALIEN, hier wiederum ein Bröckchen JAWS (und Krümel aus sämtlichen anderen Unterwasser-Tierhorror-Reißern der Filmgeschichte).
Das Ganze bekommt mit der Zeit einen wohlig rituellen Charakter, eine immergleiche Aneinanderreihung altbekannter Genre-Standards und fest kodierter Grundelemente wird abgefeiert, was jedoch blendend funktioniert. Langeweile kommt dabei nie auf, zeitweise vergisst man sogar, eine weitere Handvoll Chips in sich hineinzustopfen. Wer den Film (und speziell die Story) doof und 08/15 findet, der hat nicht begriffen, um was es hier geht. Nämlich um Krawall, Remmidemmi und gute Laune!

Die Darsteller passen hervorragend zum Inhalt. Treat Williams (DAS LEBEN NACH DEM TOD IN DENVER) spielt souverän und locker aus dem Hüftgelenk, Famke Janssen (X-MEN 1-3) sieht gut aus und entzückt mit einem lasziven Grinsen und hautengem roten Kleid, und selbst die Pechvogel/Spaßkasper-Mischung Kevin J. O´Connor nervt mit seinen ständige dummen Sprüchen kaum. (Zumindest im O-Ton, den man sich unbedingt geben sollte – die deutsche Synchro ist unterste Kajüte!) Anthony Heald (Dr. Chilton aus ROTER DRACHE und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER) spielt den durchtriebenen und geldgeilen Schiffseigner sehr einnehmend. Die Söldnertruppe ist sowieso ein Granatenstadel: Neben dem finsteren Chef Wes Studi (DER LETZTE MOHIKANER), gibt es ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gesichtern – Clifton Powell (DEAD PRESIDENTS), Cliff Curtis (STIRB LANGSAM 4.0), Djimon Hounsou (BLOOD DIAMOND), sowie die Briten Jason Flemyng (SNATCH) und Trevor Goddard (FLUCH DER KARIBIK) geben sich die Ehre und suhlen sich in Coolness und verspritzten Innereien.

Die unheilsschwangere Musik stammt übrigens von Altmeister Jerry Goldsmith, die Kreatur wurde vom altgedienten Spezialeffekt-Genie Rob Bottin zusammengeschustert.

Fazit: Viel Spaß für wenig Geld! (…denn die DVD wird einem für schlappe 5 Euronen in jedem Kaufhaus an den Hinterkopf geworfen.)

Lieblingszitat:
“We got blood here.“
“We got blood here too, mate.”
“We got blood everywhere!”

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PostPosted: 21.07.2010 22:06 
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Diabolik! wrote:
Fazit: Viel Spaß für wenig Geld! (…denn die DVD wird einem für schlappe 5 Euronen in jedem Kaufhaus an den Hinterkopf geworfen.)


So sieht es aus, ich mag den Film sehr. Lediglich wenn die Monstereffekte aus dem Computer purzeln, neigen sie ein wenig zum Geschwächel. Dies ist wohl dem Zeitpunkt der Entstehung geschuldet, "echte" Effekte altern bedeutend besser. Famke J. finde ich zwar eher unheiss, doch sie spielt immer auf gutem Niveau. Gesabber gält sowieso nur vom Kern der Sache ab.

Gehört in jede gepflegte Monstersammlung!

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IM BLUTRAUSCH DES SATANS („Reazione a catena“, Italien 1971) R: Mario Bava

Der Film beginnt wie ein klassischer Giallo: Die an den Rollstuhl gefesselte Gräfin Federica Donati (Isa Miranda) wird auf sadistische Weise in ihrer mondänen Villa stranguliert. Vom Täter sieht man zunächst nur die Füße, dann streift er sich gelassen die schwarzen Lederhandschuhe ab. Die Kamera fährt weiter hoch und entblößt sein böse lächelndes, schnurrbärtiges Antlitz. Er kann zufrieden mit sich sein, immerhin hat er den Mord wie einen offensichtlichen Freitod angelegt und hinterlegt obendrein einen fingierten Abschiedsbrief. Nanu?, wundert sch der Zuschauer. Ein Giallo, bei dem die Identität des Täters bereits in der ersten Szene gelüftet wird? Nur Sekunden später fährt aber eine Messerklinge aus den Schatten und macht aus dem Täter ebenfalls ein Opfer…
Der Landsitz der reichen Gräfin befindet sich in der malerischen Bucht eines großen Sees, an dessen Ufern sich kurze Zeit später eine illustre Runde von Personen einfindet, die allesamt Interesse am Nachlass der alten Dame anmelden. Da wäre zunächst einmal der windige Geschäftsmann Frank Ventura (Cristea Avram), der seit Längerem versucht, den Mann der Gräfin, Filippo (Giovanni Nuvoletti), zum Verkauf des Geländes zu bewegen, um dort ein Ferienparadies zu errichten. Dummerweise hört er aber vom Grafen nichts mehr und beschließt, selber nach dem Rechten zu sehen. Gleichzeitig reist die Tochter des Verschwundenen, Renata (Claudine Auger), im Wohnmobil an, im Gepäck ihre zwei Kinder und den schlaffen Ehemann Albert (Luigi Pistilli). Ebenfalls auf dem Weg zum See sind zwei Beatnik-Pärchen, um in der leerstehenden Villa eine dufte Sex & Rauschgift-Party zu feiern. In der Nachbarschaft des Hauses wohnen auch noch ein paar kuriose Gestalten – der Entymologe Paolo Fosatti (Leopoldo Trieste), der lieber mit seinem Käfer Ferdinando spricht, als mit seiner Gattin (Laua Betti), einer trinkfreudigen Wahrsagerin, die ununterbrochen pseudomythisches Gewäsch von sich gibt. In einer schäbigen Hütte am Seeufer haust außerdem der Kalfaktor Simon (Claudio Camaso), der sich umgehend als Verdächtiger präsentiert, da er in seiner ersten Szene einen frisch gefangenen Oktopus mit den bloßen Zähnen tötet und gern mit einem Hackmesser durch die Gegend läuft.
Mit einem ebensolchen Schnetzelwerkzeug wird als erstes die Beatnik-Braut Brunhilda (Brigitte Skay) aus dem Dasein befördert, der Rest der langhaarigen Bagage folgt ihr auf dem Fuße. Ein mysteriöser Killer geht um! Nach dem bewährten Zehn kleine Negerlein-Prinzip werden die ungebetenen Erbschleicher abserviert…


Der Originaltitel des Films, „Reazione a catena“, heißt übersetzt nichts anderes als “Kettenreaktion” – frei ins Deutsche übertragen als IM BLUTRAUSCH DES SATANS. Im Auswärtigen ist der Film unter circa 58 weiteren Titeln bekannt, unter anderem als BAY OF BLOOD, TWITCH OF THE DEATH NERVE, CARNAGE, ECOLOGY OF A CRIME oder gar LAST HOUSE ON THE LEFT 2 (!). „Kettenreaktion“ ist allerdings der wohl passendste Titel für diesen düsteren Noir-Krimi, der auch „Das lustige Sterben der Erben“ hätte heißen können, wenn man ihn mit einer Spaßsynchro unterlegt hätte. Die deutsche Vertonung ist aber auch ohnedies schon recht sleazig gelungen – ich habe selten einen Film gesehen, in dem das schön altmodische Wort „bumsen“ derart inflationäre Verwendung findet.
Die besagte Kettenreaktion vollzieht sich auf äußerst blutrünstige Weise – Mord folgt auf Mord, mit verspritztem Blut wird nicht gegeizt. Wirkung folgt auf Ursache, die Gesetze der Kausalität werden per Henkersschlinge, Messer, Axt, Bratspieß oder Schrotflinte in Fleisch gemeißelt. Was sich anfangs als Giallo präsentiert, wandelt sich im Verlauf zu einem äußerst drastischen Whodunit-Thriller, der mit rabenschwarzem Humor garniert wurde und heutzutage als Vorläufer des Slasher-Films gelten kann. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Sean S. Cunningham, der Vater von Jason Vorhees, einige der pittoresken Mordszenen 1:1 für seine beiden ersten FREITAG DER 13te-Episoden kopierte und die Handlung ebenfalls an einem See – dem berüchtigten Crystal Lake – ansiedelte.
Recht Slasher-typisch ist auch die subjektive Kamera, die den Täter ankündigt und der Kniff, daß der Zuschauer nie das Gesicht des Killers sieht, sondern stets nur die Mordwerkzeuge, die diensteifrig gehoben und gesenkt werden. Einen maskierten Schlitzer sollte man hier natürlich nicht erwarten, stattdessen gibt es nicht nur einen Täter – mehr soll aber nicht verraten werden…

Sicherlich handelt es sich bei REAZIONE A CATENA nicht um Bavas besten Film, mit Sicherheit aber um seinen blutigsten. Die Klasse von LA MASCHERA DEL DEMONIO („Die Stunde wenn Dracula kommt“), SEI DONNE PER L `ASSASSINO („Blutige Seide“),I TRE VOLTI DELLA PAURA („Die drei Gesichter der Furcht“) oder gar seinen Spätwerken CANI ARRABIATI (“Wild Dogs“) und SHOCK wird an keiner Stelle erreicht, trotzdem ist der Film ein effektives Stück Spannungskino, das durchaus Spaß macht. Der bereits erwähnte schwarze Humor lässt sogar zu, das Werk – bis hin zum ultrazynischen Schlussgag – als eine gelungene Satire auf den Giallo zu interpretieren.
Stilistisch setzt sich REAZIONE zwischen alle Stühle. Das Drehbuch (das Bava mit dem verdienstvollen Dardano Sacchetti schrieb) ist etwas zerfahren, der Handlungsverlauf (absichtlich?) konfus – die spätere Auflösung macht jedoch vieles wieder wett und sorgt für begeisterte Aha-Momente.
Bei der Vielzahl an Protagonisten die in rascher Folge eingeführt und wieder abgefertigt werden, bleibt dem Zuschauer eine echte Identifikationsfigur konsequent verwehrt. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn Sympathieträger gibt es hier eh keine – die fadenscheinigen Charaktere des Films untermauern allesamt die These, daß der Mensch des Menschen Wolf ist. Jeder wird getrieben von Habsucht, Geldgier und eigennützigen oder niederen Beweggründen. Auch die zahlreichen Greuel der Ehe werden dem Betrachter anschaulich vor Augen geführt – die Männer werden als Schwächlinge beschimpft, Frauen sind reine Lustobjekte oder werden von Trunksucht und materiellen Gelüsten beherrscht, die Paare reden aneinander vorbei oder begegnen sich mit offenem Hass. Eine Hundewelt, die mit dem Fleischerbeil aufgeräumt wird.
Bava, der hier auch die Kameraführung übernahm, weiß seine Mähr in ansprechende Bilder zu kleiden, auch wenn er nie die Stilsicherheit und Virtuosität seiner anderen Filme erreicht. Mit fulminanten Farbspielereien und kunstvoller Ausleuchtung wird bei REAZIONE gespart, das Resultat kommt insgesamt bodenständiger und düsterer daher, was aber prächtig zum Kontext passt. Dem Meister der filmischen Illusion gelang es auch diesmal wieder blendend, aus dem wenigen Vorhandenen das Beste herauszukitzeln – obwohl auf dem Set nur eine Handvoll Bäume stand, hat man stets das Gefühl, man befände sich in einem dichten Wald. In Ermangelung eines Dollys wurden die (durchweg gelungenen) Kamerafahrten mit einem Kinderwagen durchgeführt.
Zur stimmigen Atmosphäre trägt sicherlich auch die schöne, psychedelisch angehauchte Musik von Stelvio Cipriani bei.

Die Schauspieler sorgen auf gekonnte Weise dafür, dem trügerischen See-Idyll die lauschige Maske herunterzureißen. Besonders erwähnenswert sind Leopoldo Trieste als kauziger Insektenforscher und Laura Betti als seine esoterisch verwirrte Gattin, die bereits bei Bavas A HATCHET FOR THE HONEYMOON mit an Bord war. Die rothaarige Hippitussi Brunhilda wird von Brigitte Skay gegeben, die sich bereits bei SS HELL CAMP ausziehen musste. Über den großen Luigi Pistilli muss man eigentlich kein Wort mehr verlieren, er veredelte unzählige italienische Genrefilme mit seiner Präsenz. Bei REAZIONE vollzieht sich seine Transformation vom soften Pantoffelhelden zum berechnenden Dreckschwein auf sehr anschauliche Art. Seine zickige Ehefrau wird von THUNDERBALL Bond-Girl Claudine Auger gespielt, die in DER SCHWARZE LEIB DE TARANTEL ins Grass biss. Als eines der beiden Kinder von Pistilli und Auger sehen wir übrigens Nicoletta Elmi in einer frühen Mini-Rolle.

Schlusswort: Bavas Großvater aller Slasherfilme gehört in jede gepflegte Italo-Sammlung, auch wenn er nicht auf einer Stufe mit seinen Meisterwerken stehen mag.

Die DVD liegt mir vom österreichischen Label XT-Video vor und hat keine sonderlich berauschende Qualität – eine ordentliche Neubearbeitung wäre wünschenswert.


Lieblingszitat:
„Kannst du ihn nicht fühlen, den leisen Atem des grausigen Verderbens?“
„Nein, ich fühle nur, daß dieser lasterhafte Ventura wieder eine seiner Orgien in seinem Haus feiert!“

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 Post subject: Re: Die diabolische Leinwand
PostPosted: 25.07.2010 16:55 
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SPASMO (Italien, 1974) R: Umberto Lenzi

Der Millionenerbe und Großindustriellen-Spross Christian Baumann (Robert Hoffmann, erst mit Vollbart, dann ohne) findet bei einem Spaziergang am Strand die bewusstlose Barbara (Suzan Kendall), die ihn dermaßen fasziniert, daß er für sie seine Freundin Xenia (Maria Pia Conte) in den Wind schießt. Aus dem geplanten Schäferstündchen wird jedoch nichts, denn ein mysteriöser Einbrecher (Adolfo Lastretti) dringt in das Motelzimmer ein und wird von Christian – scheinbar – erschossen. Kurze Zeit später ist die Leiche spurlos verschwunden. Christian kriegt es mit den Nerven zu tun und flieht mit Barbara ans Meer zum Haus einer verreisten Freundin. Dort treffen sie auf einen Untermieter namens Malcolm (Guido Alberti) und seine schöne junge Frau Clothilde, die ihnen Unterschlupf gewähren. Was geht vor sich? Wer ist der Unbekannte mit der Sonnenbrille, der Christian zu beobachten scheint? Was hat es mit den Schaufensterpuppen auf sich, die überall auftauchen? Was ist das Geheimnis der blutigen Gartenschere? Und welches undurchsichtige Spiel treibt Christians Bruder Fritz (Ivan Rassimov)? Irritation, Misstrauen und Selbstzweifel regieren…


Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit der Greenwood-Videokassette von SPASMO erinnern: Es war Mitte der 80er, ich war gerade auf dem Slasher-Trip und lieh das Tape aus, weil das Cover (Hand mit Küchenmesser) einschlägige Kost versprach. Nach etwa 45 Minuten riss ich die Kassette entnervt aus dem VCR und pfefferte sie zornig gegen die Wand.
Heute bin ich gesetzter und geduldiger und habe darüber hinaus jahrelange Erfahrungen auf dem Giallo-Sektor zusammengetragen – es war also an der Zeit, dem Film eine zweite Chance zu geben.
Zwar habe ich SPASMO dieses Mal nicht durchs Wohnzimmer geschleudert, aber leider lässt der Film mich ratlos und zwiespältig zurück. Er hat durchaus seine Qualitäten, wenn man ihm sehr wohlwollend begegnet. Am Ende überwiegen aber doch die Defizite.
Diese äußern sich vor allem beim Drehbuch (co-geskriptet von Massimo Franciosa, der immerhin mit Pasquale Festa Campanile zahlreiche gelungene Drehbücher und Theaterstücke schrieb), das sich in seinem Dilettantismus kaum in Worte fassen lässt. Holprig, wirr, konfus, ungeschickt, zerfahren – das sind Begriffe, die mir während der Sichtung durch den Kopf spukten. Resümierend muss man sagen, daß dieses Skript nicht das leiseste Gespür für die Grundbegriffe der Dramaturgie aufbringt, was zur Folge hat, daß der Zuschauer sehr bald jegliches Interesse an den Vorgängen verliert. Der Anfang macht zwar neugierig und die „Auflösung“ (der bizarrste Plot-Twist, den ich je in einem Giallo gesehen habe!) am Ende ist gar nicht mal so übel gelungen, entschädigt aber nicht für die lähmenden Durchhänger im Mittelteil. Die Desorientierung, die Christian im Verlauf der Handlung befällt, überkommt auch den Zuschauer – aber auf ungute Weise.
Das Unglaublichste sind aber die Dialoge. Unter gewissen Voraussetzungen (Drogeneinfluss oder spastische Lähmung, zum Beispiel) mag das Ganze äußerst lustig sein, denn die Zwiegespräche der Protagonisten sind teilweise dermaßen hanebüchen und sinnentleert, daß beinahe surreale Qualitäten erreicht werden. Ich könnte seitenlange Ausführungen mit Schlagabtauschen füllen, die sich die Figuren liefern, aber das würde jeden Rahmen sprengen. Teilweise glaubte ich, nicht recht zu hören und musste zurück spulen…

Ich bin mir nicht sicher, ob die deutsche Synchronisation Schuld daran trägt, oder ob die Dialoge bereits in der Originalfassung ein derartiger Haufen durchgequirlter Humbug sind. In jedem Fall ist die deutschsprachige Vertonung nicht sonderlich gelungen, die Sprecher agieren lustlos oder überkandidelt, die Stimmen sind zum Großteil unpassend. Der Sprecher, der Ivan Rassimov synchronisiert, ist ein schlechter Witz.
Das Dilemma wird nicht besser durch die Leistungen der Schauspieler und die Regie. Speziell Robert Hoffmann und Suzy Kendall chargieren beide permanent am Rande der völligen Hysterie – nur kapiert man meistens gar nicht, warum sie das tun. Die Kendall ist obendrein alles andere als eine begabte Darstellerin. Sie beherrscht gerade mal zwei Gesichtsausdrücke und die setzt sie während der gesamten Handlung, je nach Gusto, abwechselnd auf. Immerhin hat sie Giallo-Erfahrung, sie trat nämlich außerdem in Argentos DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE und Sergio Martinos TORSO auf. Daß Hoffmann ein passabler Akteur ist, bewies er hinlänglich in Ernesto Gastaldis vorzüglichem Biker-Thriller ROCKER STERBEN NICHT SO LEICHT, hier wird er leider von der Regie im Stich gelassen und schwankt zwischen Farblosigkeit und Overacting. Ivan Rassimov bestreitet eine relativ kleine Rolle und bleibt dabei ungewohnt blass. Außerdem sehen wir noch den gestandenen Guido Alberti (u.a. DAS SYNDIKAT DES GRAUENS), der in über 50 italienischen Genre-Produktionen mitwirkte, in einer vollkommen wirr angelegten Rolle, über deren Sinn ich bis heute nachgrüble. Den besten Job erledigt noch Adolfo Lastretti (DIE KILLER-MEUTE) als mysteriöser Killer-der-gar-kein-Killer-ist, dessen morbide und schmierige Ausstrahlung das Ensemble vor der totalen Belanglosigkeit rettet.
Auch die streckenweise furchtbar öde Inszenierung lässt jeden Sinn für Spannungsaufbau schmerzlich vermissen. Ursprünglich sollte übrigens Lucio Fulci den Film inszenieren, er war aber unabkömmlich, weshalb man Lenzi unter Vertrag nahm. Man darf spekulieren, was Onkel Lucio wohl aus dem Stoff herausgekitzelt hätte…

Was den Zuschauer dennoch bei der Stange hält, ist vor allem die sehr gelungene Kameraarbeit. Stellenweise hat man das Gefühl, Umberto sei während des Drehs eingeschlafen und Kameramann Guglielmo Mancori habe versucht zu retten, was noch zu retten ist. Sämtliche Szenen, in denen die gruseligen Schaufensterpuppen auftauchen, sind auch wirklich unheimlich und verbreiten einen Ansatz von Gänsehaut-Atmosphäre. Auch die sehr stimmigen Locations sind geschickt ausgewählt und werden ansprechend in Szene gesetzt – wenn das Gehirn schon Pause hat, darf wenigstens das Auge schwelgen. Und, wo wir schon bei den Pluspunkten sind, das Ohr: denn das mit Abstand beste an SPASMO ist der herausragende Score von Meister Ennio Morricone, der wunderschöne und einprägsame Melodien und Chöre mit äußerst schrägen, nervenaufreibenden Dissonanzen vermischt. Genial, ich habe mir umgehend den Soundtrack auf CD bestellt. (Darauf ist eines der musikalischen Hauptthemen, passenderweise als „Stress Infinito“ bezeichnet, in einer 18minütigen Folter-Version enthalten!)

Apropos: Die DVD von Eyecatcher hat eine Bildqualität, die so lala ist. Der Ton ist ziemlich verrauscht und stellenweise arg dumpf, der 5.1-Ton ist ein splitted upmix, den man in den Eimer treten kann. Unter den Extras befindet sich der erwähnte Soundtrack. Theoretisch eine wunderbare Sache, nur ist die Qualität miserabel – der Ton leiert, als habe man als Master eine Vinylscheibe verwendet, die zu lange in der Sonne gelegen hat.

Fazit: Ich denke, die einzige Möglichkeit SPASMO rundum zu genießen, ist es, den Film als unfreiwillige Komödie zu begreifen und sich über diese komplette Wirrnis und die herrlich schwachsinnigen Dialoge totzulachen. Oder man akzeptiert ihn als bizarren Traum und quasi-surreale Erfahrung, die auf jede nachvollziehbare Logik und Kohärenz pfeift. Ansonsten hilft nur: die gelungenen Bilder und die Musik auf sich wirken lassen.
Trotz den obenstehenden Ausführungen (oder gerade deswegen?) möchte ich SPASMO nicht in meiner Sammlung obskurer Filme missen. Seltsam, aber so steht es geschrieben…

Lieblingszitat:
"Es ist alles so absurd und sinnlos!"
"Ja, alles ist so banal!"


(Banal, anal, total egal…)

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PostPosted: 26.07.2010 14:11 
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THE DEVIL’S NIGHTMARE («Plus longe nuit du diable», Belgien/Italien 1971) R: Jean Brismée

Berlin 1945 : Der Prolog ist in sepiafarbene Bilder getaucht, hineinmontiert sehen wir Originalaufnahmen von Luftangriffen. Der Wehrmachtoffizier Baron von Rhoneberg wartet auf die Entbindung seines Kindes, während der Bombenhagel auf die Hauptstadt niedergeht und der Putz schon von der Decke rieselt. Die Ehefrau stirbt bei der Geburt. Ist es ein Junge? – Das ist alles, was Von Rhoneberg interessiert. Als die Hebamme verneint, schickt er sie hinaus und tauft das Mädchen, ohne ihr einen Namen zu geben. Dann zieht er seinen SS-Dolch und tut, was getan werden muss…
25 Jahre später: Eine bunt gewürfelte Reisegruppe befindet sich auf einer Busreise durch eine abgelegene Gegend Deutschlands. Man ist bereits spät dran, obendrein ist die Straße blockiert. Ein mysteriöser Einheimischer (Daniel Emilfork) an einem Torffeuer rät dem Fahrer, im nahegelegenen Schloss Rhoneberg um Quartier für die Nacht zu ersuchen. Gesagt, getan – im Schloss werden die sieben Touristen bereits von dem kauzigen Diener Hans erwartet. Der weist einem jeden sein individuelles Zimmer zu, nicht ohne vorher eine dazugehörige Schauergeschichte aus dem Ärmel zu schütteln – hier geschah ein tragischer Unfall, dort fand ein blutiger Exorzismus statt, hier wurde vor langer Zeit der alten Baronin die Kehle durchschnitten… Als sich alle an der Abendbrottafel eingefunden haben und vom Baron (bei dem es sich natürlich um den Nazi-Offizier aus dem Prolog handelt) begrüßt werden, läutet es plötzlich an der Pforte und ein achter Gast erscheint – eine wunderschöne, rothaarige Frau (Erika Blanc), die auf den Namen Lita hört und umgehend für Verwirrung sorgt, was nicht nur an ihrem freizügig ausgeschnittenen schwarzen Kleid liegt. Steht sie vielleicht in einem Zusammenhang mit dem Familienfluch der Von Rhonebergs? Denn eben hat der Baron seinen Gästen gestanden, daß eine Vorfahrin von ihm einen Pakt mit Satan einging, woraufhin jedes weibliche Erstgeborene der Familie dazu verdammt ist, zu einem Sukkubus zu werden – einem Dämon, der Männer verführt und ins Verderben lockt. Eine Nacht des Grauens nimmt ihren Lauf, während derer jeder der sieben Anwesenden an seinen persönlichen Begierden und Gelüsten scheitern wird…


Nicht umsonst präsentiert das Skript uns sieben Reisende, denn jeder einzelne findet seine Entsprechung in einer der sieben Todsünden: Völlerei, Neid, Habgier, Wollust, Hochmut, Trägheit und Zorn. Noch während er am Lenkrad sitzt, sehen wir den wohlgenährten Busfahrer Doucard (Christian Maillet), wie er sich einen fettigen Hähnchenschlegel durch die Zähne zieht. Das Ehepaar Howard und Nancy Foster (Lorenzo Terzon und Colette Emmanuelle) hat seine beste Zeit hinter sich – er ist nur noch scharf auf ihren Besitz und begehrt heimlich andere Frauen, sie besteht nur noch aus Geiz, Eifersucht und Geldgier. Die schöne und laszive Corinne (Ivana Novak) ist ein geiles Luder, das nicht nur „Männer sammelt“, wie sie freizügig eingesteht, sondern auch hübsche Mädchen nicht von der Bettkante schubst – weswegen sie sogleich einwilligt, mit ihrer blonden Reisegefährtin Regine (Shirley Corrigan) ein Zimmer zu teilen. Die ist jedoch selbst für die Liebe zu faul und zieht es vor, vor sich hin zu dösen. Der cholerische alte Mann Mason (Lucien Raimbourg) beschwert sich ständig über alles und jeden, während der junge Priesterseminarist Sorel (Jacques Monseau) sich seinem Amt und dessen Verantwortung überlegen fühlt. Angesichts solcher Sündhaftigkeit werden den satanischen Mächten, die auf Schloss Rhoneberg Hof halten, natürlich Tor und Tür aufgestoßen…

THE DEVIL’S NIGHTMARE ist ganz wundervoller Euro-Horrorfilm, der eine ausgewogene Mischung aus wohligem Gothic-Grusel und Sleaze darreicht und einen herrlich naiven Charme versprüht. Allein die tollen Kulissen sind eine Wucht, das atmosphärische Schloss Rhoneberg könnte direkt aus einem Hammer-Film stammen. Hackepeter und Sexploitation in allzu hohen Dosen sollte man nicht erwarten, obwohl natürlich auch die ein oder andere Lesbelei eingestreut wird. Einige hübsch pittoreske und einfallsreiche Mordszenen gibt es obendrein zu bestaunen, samt Burggraben mit spitzen Pflöcken, Guillotine und eiserner Jungfrau auf dem Dachboden. Und natürlich befindet sich im Keller des Hauses das obligatorische Mad Scientist-Labor, in dem der Baron sich alchimistischen Experimenten hingibt. Herrlich!
Zeitweise wähnt man sich in einem Werk, bei dem Jess Franco und Mario Bava gemeinsame Sache gemacht haben. Die Bildkompositionen und die Ausleuchtung sind rundum gelungen, wenngleich die Kameraführung von André Goeffers angenehm unspektakulär ausgefallen ist. Alesandro Alesandronis Score glänzt mit einem eingängigen, leicht psycheldelischen Titelsong, der mir noch lange im Gehörgang kleben blieb.

Auch das Ensemble bietet keinen Grund zur Beschwerde. Jeder der Darsteller macht seine Sache sehr gut und stellt seine individuellen Lasterhaftigkeiten überzeugend dar. Besonders gefallen hat mir Christian Maillet (DIE PORNO-BESTIE) als fresssüchtiger Busfahrer Doucard, der von Erika standesgemäß mit einem üppigen Bankett verführt wird, wo er sich voll stopft, bis der Pansen platzt. Herzhaft gelacht habe ich bei der Szene, als Corinne und Regine sich zwischen den Laken wälzen und es einen Schnitt auf Doucard gibt: Den Mann interessiert so’n Schweinkram nicht, denn er hat einen Koffer voller gepökelter Würste! Ein Kracher ist natürlich auch der markante Charaktermime Daniel Emilfork, der später im Film noch eine gewichtige Rolle besetzt. Aber alles aus und vorbei ist beim ersten Auftauchen der göttlichen Erika Blanc – da beschlugen mir fast die Augäpfel. Die Dame ist wahrhaftig die personifizierte Sünde und unterstreicht diese Tatsache mit einem Outfit, das ganz klar unter den Jugendschutz fällt. Lobenswert ist auch die Leistung der Maskenbildner, die mit einfachsten Mitteln eine große Wirkung erzielen: Wann immer die dämonische Lita sich eine Seele einverleibt, sieht sie plötzlich aus wie ein weibliches Mitglied der Band GORGOROTH.

Die DVD von Redemption, die mir zur Sichtung vorlag, hat leider keine berauschende Bildqualität – da musste offenbar ein Master herhalten, das bereits durch zig Bahnhofskinos geschleift wurde. Auch der Ton stammt leider aus dem Hause Knister & Knarz.

Vielleicht kein Meisterwerk, aber ein sehr sympathischer Film mit enorm hohem Wohlfühlfaktor, der mich blendend unterhalten hat.

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PostPosted: 27.07.2010 14:11 
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NACKT ÜBER LEICHEN („Una sull’ altra“, Italien/Frankeich/Spanien 1969) R: Lucio Fulci

Dr. George Dumurrier (Jean Sorel) ist ein smarter Arzt und Klinikleiter, der seine asthmakranke Frau Susan (Marisa Mell) mit der Fotografin Jane (Elsa Martinelli) betrügt. Während er sich – unter dem Vorwand, eine Geschäftsreise unternehmen zu müssen – mit Jane vergnügt, stirbt Susan an einem Anfall. Seine lästige Gattin steht ihm nicht länger im Wege, gleichzeitig erbt er die stolze Summe von 2 Millionen Dollar – ein glücklicher „Zufall“, der das Interesse der Behörden weckt. Kurze Zeit später lernt er in einem Nachtclub die geheimnisvolle Stripperin Monica (auch Marisa Mell) kennen, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit seiner verstorbenen Ehefrau hat. Die Dinge fangen an, sich zu verkomplizieren, bis sie auf dramatische Weise aus dem Ruder laufen…


Wer Lucio Fulci nur als „Godfather of Gore“ kennt und seine Zombie-Epen als Messlatte ansetzt, wird bei der Sichtung dieses nahezu unbekannten Kleinods mit gelinder Überraschung reagieren. Im Jahr 1969 gedreht, stellt dieser kleine feine Thriller den ersten Ausflug des Regisseurs ins Giallo-Genre dar. Schwarze Handschuhe und blitzende Rasiermesser sollte man hier allerdings nicht erwarten, stattdessen orientiert Fulci sich offenkundig an Suspense-Großmeister Alfred Hitchcock – und speziell an seinem großartigen VERTIGO. Von einem Plagiat kann jedoch nicht die Rede sein, denn nach anfänglichen Ähnlichkeiten und Parallelen, unternimmt die Handlung eine eigenständige Wende und verläuft in eine ganz andere Richtung. Viel mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten, denn der Zuschauer sollte sich diesen komplexen Psycho-Krimi selbst erschließen – das vorzügliche Drehbuch wartet mit zahllosen Twists, Wendungen und Überraschungen auf. Nach den ersten, recht gemächlichen 20 Minuten des Films, dreht Fulci kontinuierlich an der Spannungsschraube und serviert immer neue Unvorhersehbarkeiten, die den Rezipienten angenehm bei der Stange halten.

Besonders in optischer Hinsicht ist UNA SULL’ ALTRA ein Hochgenuss. In die typisch knallig-bunte Farbpalette und psychedelischen Kulissen der ausgehenden Swingin’ Sixties getaucht, erzeugt der Film eine spannungsgeladene Diskrepanz zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und der inneren Kühle seiner Protagonisten. Die innovative Kameraführung geizt nicht mit außergewöhnlichen Einfällen: unkonventionelle Perspektiven (die Kamera filmt aus dem Inneren eines Medizinschrankes oder beobachtet eine Liebesszene durch den rötlich schimmernden Untergrund eines Bettes), reizvolle Ausleuchtung (gekonntes Jonglieren mit Licht, Schatten und Primärfarben) und faszinierende visuelle Spielereien (multiple Split-Screen) werden verhäuft eingesetzt, dienen jedoch an keiner Stelle dem Selbstzweck, sondern fügen sich perfekt in die Narrative ein. Auch die – gemessen am Entstehungsjahr 1969 – äußerst freizügigen Sexszenen wurden von Fulci ungemein ästhetisch und souverän auf Zelluloid gebannt.

Jean Sorel (MALASTRANA) spielt den selbstsicheren Frauenschwarm, dem immer mehr der Boden unter den Füßen weggezogen wird, sehr glaubwürdig und belebt seine Figur mit dezentem Understatement. Auch in dieser Hinsicht steht der Film ganz in der Tradition Hitchcocks – mit großen Augen und zunehmender Irritation muss Dr. Dumurrier mit ansehen, wie seine heile Welt in Scherben zerfällt. Bei Marisa Mell (GEFAHR: DIABOLIK, DER TOLLWÜTIGE) spalten sich bekanntermaßen die Meinungen: Mir fiel bei diesem Film zum ersten Mal auf, daß sie nicht wirklich eine schöne Frau ist, sogar etwas subtil Abstoßendes an sich hat, was jedoch die Laszivität und Gefährlichkeit ihrer Filmfigur unterstreicht. Eine hervorragende Schauspielerin ist sie allemal. Auf kongeniale Weise verkörpert sie in UNA SULL’ ALTRA sowohl die verbitterte Asthmakranke, als auch die verruchte Stripperin und verleiht beiden Charakteren eine feine Nuancierung.

Für mich persönlich steht fest: Der Höhepunkt von Lucio Fulcis Filmkarriere lag zwischen der Mitte der 60er und dem Anfang der 80er Jahre. Die Blutwurst-Fanatiker, die Fulci lediglich auf sein später entstandenes Gedärme-Gewühl reduzieren, verschließen leider häufig die Augen vor seinen wunderbaren Gialli und Thrillern, die zum besten gehören, was das Genre hervorgebracht hat. Vielleicht hätte er spätestens bei LO SQUARTATORE DI NEW YORK einen Schlusspunkt setzen sollen, dann wäre uns zumindest erspart geblieben, Zeugen eines traurigen Niedergangs zu werden.

Die amerikanische DVD von Severin (unter dem Titel: PERVERSION STORY) präsentiert den Film in seiner bis dato längsten und vollständigsten Fassung. Zumindest wurden circa 4 Minuten erotischer Szenen wieder eingefügt, die in allen anderen Versionen bislang fehlten. Leider glänzen auch hier 10 Minuten an Handlungsszenen mit Abwesenheit. Sehr lobenswert ist aber die Dreingabe einer Extra-CD mit dem sehr schönen, teils jazzigen, teils melancholischen Soundtrack von Riz Ortolani.

Kurzum: Ein kleines Juwel, das die (Wieder-)Entdeckung wert ist und jedem Freund des italienischen Thrillers wärmstens ans Herz gelegt werden sollte.

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PostPosted: 28.07.2010 00:59 
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MILANO TREMA: LA POLIZIA VUOLE GIUSTIZIA (Engl. Titel: “The violent Professionals”, Italien 1973) R : Sergio Martino

Inspektor Giorgio Caneparo (Luc Meranda) ist, wie viele seiner hartgesottenen Kollegen in Bella Italia, höchst unzufrieden mit den laschen und liberalen Methoden der Polizei. So vertritt auch er die Meinung, es sei angebrachter, kriminelle Elemente kurzerhand über den Haufen zu schießen, anstatt sie einer rehabilitierenden Therapie zu unterziehen. Als sein alter Chef von einem gedungenen Killer auf offener Straße ermordet wird, platzt ihm der Kragen: auf eigene Faust mischt er sich unter die Halbwelt Mailands und infiltriert einen besonders skrupellosen Ring von Gangstern – als Fluchtfahrer. Denn Giorgio ist ein As hinter dem Lenkrad und fährt wie der leibhaftige Satan. Die drogenabhängige Polizeiinformantin Maria stößt ihn darauf, dass die Hintermänner der Organisation offenbar keine herkömmlichen Kriminellen sind, sondern Subversive, die das demokratische System in Chaos und Anarchie stürzen wollen, um aus den Trümmern eine neue Ordnung zu schaffen. Scheinbar existieren sogar Verbindungen zu den berüchtigten Roten Brigaden. Im Verlauf seiner Ermittlungen, die sein eigenes Leben immer stärker in Gefahr bringen, findet Caneparo jedoch heraus, dass die wahren Köpfe der Bande in den eigenen Reihen zu suchen sind…


Ich bin immer noch sprachlos und restlos hingerissen von der Vehemenz und Qualität dieser hervorragenden Poliziottescho-Granate. Leider ist MILANO TREMA – einer der wenigen Polizei-Reißer von Giallomeister Sergio Martino – hierzulande weitgehend unbekannt, da er weder im Kino lief, noch eine Auswertung auf VHS oder DVD erfahren hat. Was, man kann es nicht anders sagen, eine bodenlose Schande ist!
Bereits der Prolog stellt unmissverständlich klar, dass in diesem Film kein Gnadenbrot zu erwarten ist. Drei böse Buben (einer davon wird von einem herrlich schmierigen Luciano Rossi gespielt) werden per Polizeieskorte in einem Zug zum Zuchthaus transportiert. Einem der Schurken gelingt es, seinen Bewacher zu erstechen, Maschinenpistolen werden an sich gebracht und im Zugabteil ein Blutbad angerichtet. Bei der folgenden Flucht wird ein Auto gekapert, der Fahrer und seine kleine Tochter (!) kaltschnäuzig abgeknallt. Kein Wunder, dass der später eintreffende Inspektor Caneparo mit den Schmierlappen kurzen Prozess macht…

Wir haben es hier mit einem der temporeichsten und am rasantesten inszenierten Poliziotteschi zu tun, der mir seit langem auf die Leinwand gekommen ist. Selbst während der wenigen Szenen, in denen das Action-Pedal nicht bis zum Bodenblech durchgetreten wird, herrscht niemals Leerlauf, denn Martino ist ein Profi und weiß, wie man eine Geschichte ansprechend und flott erzählt. Das ungemein dicht gestrickte Drehbuch stammt obendrein aus der bewährten Feder seines Stammautoren Ernesto Gastaldi, einem der fleißigsten und talentiertesten Autoren des italienischen Genrekinos der 70er. Obgleich die Story in weiten Teilen nach den gängigen Formeln des Italo-Polizeifilms angelegt ist, hat Gastaldi ein ungewöhnlich subversives und staatskritisches Element eingebracht, das mich in seiner Radikalität und Konsequenz doch sehr überrascht hat. Ich kann mich an keinen anderen Poliziottescho erinnern, in dem die übliche Schwarzweiß-Zeichnung der Kriminellen derart kompromisslos aufgebrochen wird und der reaktionäre Bumerang auf so überraschende Weise an den eigenen Hinterkopf zurückfliegt. Die letztendliche Auflösung und das Finale sind ein echter Knüppel – ohne hier etwas spoilern zu wollen.

Wie schon gesagt, wird mit brettharter Action nicht gegeizt. Seinem Job als Gangster-Infiltrator entsprechend, darf Caneparo ordentlich auf die Tube drücken. Der Film trumpft mit einigen der brutalsten und rasantesten Autoverfolgungsjagden und Crashs auf, die man in diesem Genre vorfindet. Zwar wurde Teile aus DIE VIPER und DER BERSERKER recyclet, aber Martino hat auch genügend neues und eigenständiges Material abgelichtet und geschickt in die Handlung eingefügt. Mailands Asphalt qualmt, die Reifen brennen, Autos werden zu tödlichen Waffen. Der Blechschaden in diesem Streifen ist enorm, und auch die übrige Action – blutige Shoot-Outs, Banküberfälle und extrem ruppige Faustkämpfe – sind angenehm räudig und dreckig in Szene gesetzt.

Ich muss zugeben, dass ich kein großer Fan von Luc Meranda bin – im Gegensatz zu anderen Poliziotteschi-Stammdarstellern wie Maurizio Merli oder Franco Nero kommt er mir zu gelackt und „schöngesichtig“ daher. Andererseits ist er ein souveräner Mime; in DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS gefiel er mir ganz vorzüglich. In MILANO TREMA legt er jedoch eine angemessene Leistung hin – als Inspektor Giorgio Caneparo strahlt er einen fanatische Besessenheit aus, die fast schon an unterschwelligem Wahnsinn grenzt. Dieses leise, bedrohliche Lächeln, während seine flackernden Augen den Gegner fixieren – den Mann möchte man nicht zum Feind haben! Sein (Haupt-)Kontrahent wird von einem sehr lässigen Richard Conte (DER TEUFEL FÜHRT REGIE, DER PATE) gegeben, der stets ein verlässlicher Garant für ausgefeilte Charakterrollen ist und auch hier auf ganzer Linie überzeugt. In Nebenrollen sehen wir etliche Finstermänner, die man aus anderen Gangster- und Polizeikloppern kennt, unter anderem taucht Bruno Corazzari (DIE GEWALT BIN ICH, EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN) als psychopathischer Mordbube auf.

Was gibt es noch an diesem Juwel zu lobpreisen? Die Kameraführung ist durchgehend ein Augenschmaus, man merkt Martino seine gialloeske Visualisierungs-Freude deutlich an. Wunderbar ist auch der Score der Gebrüder Guido & Maurizio de Angelis, die auch dieses Mal einen gesungenen Song mit an Bord haben (aber nicht auf Englisch wie in KEOMA, sondern im italienischen O-Ton. Sehr schön!). Ach ja, und: Ich habe in noch keinem Poliziottescho zuvor so viele Pullen Fernet Branca und Justerini & Brooks auftauchen sehen. Hätte ich bei jedem Mal aus Solidarität einen Schluck genommen, läge ich jetzt mit Alkoholvergiftung auf der Intensivstation!

Fazit: Der Film ist Pflichtstoff! Basta tutti!

- In meinem Player landete die italienische DVD von Alan Young Home Video, die ein anständiges Bild aufweist und den Film im korrekten Bildformat von 2,35:1 präsentiert. Zudem ist eine englische Tonspur vorhanden, und ausnahmsweise ist auch die Synchronisation sehr ordentlich gelungen.


Lieblingszitat:
„They’re flying low!“

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PostPosted: 28.07.2010 14:35 
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DER NEW YORK RIPPER („Lo Squartatore di New York“, Italien 1982) R: Lucio Fulci

In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der seine – ausschließlich weiblichen Opfer – mit dem Messer zerschlitzt und dabei mit einer quäkenden Donald Duck-Stimme spricht. Lieutenant Williams (Jack Hedley) ermittelt, hat aber keine heiße Spur – obwohl der Killer ein starkes Mitteilbedürfnis hat und ihn bereits privat anruft, um den nächsten Mord anzukündigen. Erst als die junge Fay (Antonella Interlenghi) eine Attacke des Unholds überlebt, gibt es einen Hinweis auf den Täter – den drogenabhängigen Griechen Mickey Scellenda (Howard Ross). Aber diese Spur erweist sich als fatale Sackgasse – denn nachdem Scellenda tot aufgefunden wird, gehen die Morde weiter…


Damals: die wilden 80er, wir waren jung und hatten das Geld. Während die Eltern dieses Geld für uns anschaffen gingen, wurden verbotene Videonachmittage im rustikalen Wohnzimmer abgehalten, im VCR landeten vornehmlich übel beleumundete Kassetten, um den Kumpanen zu zeigen, was für ein harter Kerl man war. Einer dieser Streifen war DER NEW YORK RIPPER.
Gestern, zu später Stunde, gab es nach unglaublichen 25 Jahren ein Wiedersehen mit diesem fiesen Brocken – der Eindruck war zwiespältig…

Der Film ist größtenteils sauber und souverän inszeniert, Kameramann Luigi Kuveiller kleidet das Geschehen in ansehnliche Bilder, ohne jeglichen Hang zu überzogenen visuellen Mätzchen. Dasselbe kann man vom Drehbuch nicht behaupten, das scheinbar in höchster Eile zusammengeschludert wurde und Ungereimtheiten aufweist, die zum Haare raufen animieren. Co-Autor Dardano Sacchetti ist eigentlich eine Koryphäe in seinem Metier, hier benötigte er offensichtlich schnelle Kohle. Mal abgesehen vom restlos hanebüchenen Plot und der lächerlichen Auflösung, wird auch sonst reichlich Anlass zum Stirnrunzeln geliefert. Das Script serviert eine weitgehend unlogische, wirre und spannungsarme Aneinanderreihung von Schnetzeleien und lahmarschigen Polizeiermittlungen, gewürzt durch unmotivierte Sexszenen. Wann immer sich Gelegenheit bietet (und auch, wenn sie sich nicht bietet), tunken Fulci und Sacchetti ihre Mähr tief in den Sleaze-Kübel. An äußerst schmierigen Momenten gibt es keinen Mangel, wozu auch die Grundatmosphäre des Films beiträgt – selbst die Locations (triste U-Bahnstationen, düstere Hochhausschluchten, trostlose Stripclubs und Rotlichtmeilen) schwitzen aus jeder Pore reinsten (S-)Exploitation-Schmand. In dieser Hinsicht punktet Fulci auf alle Fälle gewaltig. Als Giallo funktioniert der viel zu uninspirierte Stoff nicht wirklich, eher als Giallo/Slasher-Bastard. Leider muss man den nervtötenden Disco-Score von Francesco de Masi auch als eher kontraproduktiv bezeichnen.

Was nun die ausgedehnten Mordszenen und Verhackstückereien angeht, so sind sie – unter heutigen Gesichtspunkten – weit weniger aufregend, als dies vor 20 Jahren der Fall gewesen sein mag. Die damalige Hysterie der Hexenjäger des „Jugendschutzes“ lässt sich kaum noch nachvollziehen. Man könnte dem Film einiges vorwerfen, wenn man denn wollte – daß er frauenfeindlich, schwulenfeindlich, ausländerfeindlich, reaktionär und gewaltverherrlichend sei. Man kann es aber auch lassen und sich einfach nur auf einen klebrigen Sleaze-Ride einlassen, bei dem ein gewisses schuldiges Vergnügen zurückbleibt. Widerlich, dreckig, schmierig – manchmal braucht man das…
Gut gefallen hat mir, daß Fulci nicht davor zurückschreckt, auch seine Helden mit Unrat zu überkleistern – der hinzugezogene Polizeipsychologe (Paolo Malco) kauft sich heimlich homophile Ferkelheftchen am Kiosk, Lieutenant Williams bekämpft seine nächtliche Einsamkeit mit Besuchen bei einer Bordsteinschwalbe (die ihm morgens nicht mal einen Kaffee kochen will), brave Ehefrauen aus gutem Hause lassen sich in ihrer Freizeit als Lustobjekte missbrauchen. Eine Weltsicht, die ich teile!

Die Schauspieler leisten nichts Umwerfendes, bewegen sich eher routiniert durch ihre Schmuddelwelt. Jack Hedley nimmt man den stereotypen, ständig übermüdeten New Yorker Bullen recht passabel ab. Erwähnenswert sind vor allem noch Howard Ross (WEREWOLF WOMAN) als ziemlich ekliger, entstellter Schmierbeutel und die lasziv-perverse Alexandra Delli Colli, die schon in ZOMBIES UNTER KANNIBALEN für den Sexploitation-Faktor sorgte. Paolo Malco sammelte bereits Erfahrungen mit Onkel Lucio, ein Jahr zuvor zog er in DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER ein. Fulci selbst absolviert einen Kurzauftritt als Polizeichef.

LO SQUARTATORE DI NEW YORK, produziert vom findigen Fabrizio de Angelis, ist weit davon entfernt, Fulcis bester Film zu sein, mit Sicherheit ist er aber sein bekanntester. Die Qualitäten seiner früheren Horrorfilme oder gar Gialli – die beinahe surreale, alptraumhafte Grundstimmung – vermisst man bei diesem Output schmerzlich. Punkten kann er zumindest mit einer unerreicht ekligen Atmosphäre, die ein stinkendes Süppchen aus Blut, Sex und Dreck zusammenkocht.

Eines noch zum Nachschlag: Als x-mal härter und verstörender als jede Gore-Szene, empfinde ich die Schlussszene des Films – das kleine Mädchen im Krankenzimmer. Da musste ich wirklich schlucken. Hätte Fulci nur etwas häufiger dieses Gespür bewiesen…

Ich gebe ja nur selten Punkte – aber in diesem Fall, zur Verdeutlichung: 6 /10


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PostPosted: 28.07.2010 15:23 
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Wundervolle Rezensionen mein Lieber... Wirklich! Das ist schon "gehobene Klasse". Ein Büchlein davon würde ich kaufen :)


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 Post subject: Re: Die diabolische Leinwand
PostPosted: 28.07.2010 19:06 
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Logan5514 wrote:
Wundervolle Rezensionen mein Lieber... Wirklich! Das ist schon "gehobene Klasse". Ein Büchlein davon würde ich kaufen :)


Das unterschreibe ich sehr gern!

***

Den fiesen Ripper finde ich hier ein wenig unterbewertet. Für mich hat der Film nichts von seinem Reiz verloren. In der Disziplin "Sleaze" gibt Fulci 120%! Vor allem wirkt es trotz (oder gerade wegen?) der Überzogenheit (die vielleicht gar der Realität hinter der Großstadtfassade entspricht?) auf bizarre Art (un)angenehm glaubwürdig. Die gezeigte Gewalt finde ich ebenso noch immer nahezu verstörend, abstossend und pervers, also auf eine kranke Art faszinierend.

Quote:
Punkten kann er zumindest mit einer unerreicht ekligen Atmosphäre, die ein stinkendes Süppchen aus Blut, Sex und Dreck zusammenkocht.


So ist es. Nur das Wort "zumindest" möchte ich streichen. Hier zählt die Atmosphäre, alles andere ist zweitrangig, dabei aber nie wirklich schwach, nie den Film beschädigend! Im Hinblick auf die unselige Punktebewertung, die ich bekanntlich auch ablehne, aber als hilfreich für die "breite Masse" einstufe, möchte ich mindestens 8/10 ziehen. Vielleicht sollte ich mir die BD von Blue Underground als Ergänzung gönnen. Ohne die "Nebenwirkungen" des Datenträgers DVD, wirkt der Film vermutlich noch dreckiger und intensiver.

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PostPosted: 29.07.2010 13:14 
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Logan5514 wrote:
Wundervolle Rezensionen mein Lieber... Wirklich! Das ist schon "gehobene Klasse". Ein Büchlein davon würde ich kaufen :)
Blap wrote:
Das unterschreibe ich sehr gern!


Das höre ich sehr gern! :D

Blap wrote:
So ist es. Nur das Wort "zumindest" möchte ich streichen.


Wurde gestrichen. Überzeugen Sie sich bitte selbst.

Blap wrote:
Im Hinblick auf die unselige Punktebewertung, die ich bekanntlich auch ablehne, aber als hilfreich für die "breite Masse" einstufe, möchte ich mindestens 8/10 ziehen.


8/10 wäre mir, in Relation zu anderen Fulci-Filmen, dann doch zu viel...


Was Punktewertungen angeht, um mal bei Fulci zu bleiben:

8/10 erhalten von mir GEISTERSTADT, UNA SULL´ALTRA, SYNDIKAT DES GRAUENS und THE PSYCHIC.

WOODOO, DUCKLING und LIZARD IN A WOMAN`S SKIN schaffen es sogar zu 9/10.

FRIEDHOFSMAUER, VERDAMMT ZU LEBEN… und GESANGBUCH bekommen eine 7/10.

Dann gibt es halt die 6/10-Filme, wie den NYR, BLACK CAT oder MURDER ROCK.

Nicht zu vergessen, daß einige Filme weit unter der 5/10-Grenze dahindümpeln, wie etwa AENIGMA, ZOMBIE III oder DEMONIA. Brrr…

Und dann wären da noch die Streifen, die eigentlich Schrott sind, die ich aber liebe, wie CONQUEST oder SCHLACHT DER CENTURIONS. WOLFSBLUT und DIE TODESSCHLUCHT DER WILDEN WÖLFE gefallen mir auch sehr gut.

Blap wrote:
Vielleicht sollte ich mir die BD von Blue Underground als Ergänzung gönnen. Ohne die "Nebenwirkungen" des Datenträgers DVD, wirkt der Film vermutlich noch dreckiger und intensiver.


Mit dem Gedanken spiele ich auch, dann bekommt der Film eine neue Chance. (Die DVD von XT riss mich nämlich nicht zu Freudentänzen hin - zu dunkel.)

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PostPosted: 29.07.2010 18:48 
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Alles nachvollziehbar, wir lieben Fulci vermutlich auf ähnliche Art. Doch obwohl ich z.B. "Murder Rock" mag, bleibt er für mich weit, weit hinter einem fiesen Brecher wie "New York Ripper" zurück.

"Conquest" ist in der Tat ein Witz. Unglaublich, dieser Mann hat Werke wie "Lizard" gedreht, aber eben auch Stoff wie "Conquest". Dieser grobe Unfug ist auf seine Art knuffig, den muss man irgendwie mögen. Der nebeligste Film aller Zeiten. :lol:

***

Tjo, die "Ripper" BD von Blue Underground reizt mich sehr. Wer weiss schon, ob (und wann) ein hiesiges Label aus dem Qua(r)k kommt. Mhmmm Arrrghh...

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PostPosted: 01.08.2010 19:50 
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Vorhang auf zum großen Bruno Mattei-Vermächtnis-Doppelprogramm...

***

ISLAND OF THE LIVING DEAD (“Isola dei morti viventi”, Italien 2006) R: Bruno Mattei

Eine Gruppe von Abenteurern schippert auf südamerikanischen Gewässern herum und versucht einen Goldschatz zu bergen, der ihnen aber wieder verlustiert geht. Am nächsten Tag taucht eine mysteriöse Insel vor ihnen aus den Fluten auf. Man begibt sich an Land, weil man nichts besseres vor hat. Kurz darauf wühlen sich die Toten aus dem lockeren Erdreich und gieren nach warmem Menschenfleisch. Unterdessen wird der an Bord gebliebene Maschinist von Zombies bedrängt und sprengt den Kahn kurzerhand in die Luft. Auf der Insel gefangen, müssen sich die Überlebenden ihrer Haut erwehren…


Bei ISLAND OF THE LIVING DEAD handelt es sich um den vorletzten, im Jahr 2006 eingetüteten Film des seligen Bruno Mattei, den er unter seinem bewährten Pseudonym „Vincent Dawn“ herunterkurbelte – und selbstverständlich handelt es sich dabei um einen Zombie-Reißer aus dem untersten Regalboden.
Wieder einmal ging mir das bekannte Lied der genialen Punkband NOMEANSNO durch den Kopf, während ich das Ergebnis mit großen Augen bestaunte: „Oh no, Bruno, too much is not enough!“ Was Mattei hier fabriziert hat, lässt sich wirklich kaum beschreiben, Worte versagen angesichts der Abgründe, die sich gähnend auftun…
Das ist so schlecht, daß es selbst unter Trash-Gesichtspunkten versagt.

Das Erste, was zu Ungunsten des Films auffällt, ist die Optik: Bruno drehte den Streifen auf kostengünstigem Videomaterial, was dem Resultat das visuelle Flair einer „Lindenstraße“-Folge verleiht. Tiefenschärfe und Filmkorn sind Fehlanzeige, da nutzt auch das 1,78:1 Scope-Format nicht die Bohne. Erschwerend hinzu gesellt sich die völlige Unfähigkeit des Kameramannes, der die Geschehnisse einfach bloß uninspiriert und amateurhaft ablichtet ohne jegliches Gespür für Bildgestaltung an den Tag zu legen. Aufgrund dieser Defizite hat der Film das unprofessionelle Aussehen einer Amateurproduktion aus dem Hause Ittenbach & Konsorten.
Die unglaublich lahme und spannungsarme Inszenierung fügt ihr Übriges hinzu. Jegliche Möglichkeiten, Suspense oder auch nur einen Anflug von (Horror-)Stimmung zu kreieren, werden beherzt in den Sack gehauen. Die Darsteller taumeln von einem Kellerverlies ins nächste – offenbar wurden die meisten Szenen in immer denselben zwei oder drei Räumen abgedreht – und verhalten sich dabei vollkommen irrational und unlogisch. Gern und häufig wird die altbewährte Gruselfilmsituation herbeigezerrt: obwohl man eben noch betont hat, wie wichtig es sei, zusammenzubleiben und die Gruppe nicht zu verlassen, irrt ständig irgendjemand mutterseelenallein durch die Pampa und begibt sich mutwillig in Lebensgefahr. „Wartet hier! Ich muss noch mal zurück!“ (Warum auch immer…) „Ich will jetzt allein sein!“ (Verständlich, wenn man von Untoten umringt ist!) „Moment! Ich gehe den Käptn suchen!“ (Der sich im Nebenzimmer aufhält und dies auch vor 2 Sekunden deutlich kundgetan hat.)… und so weiter, und so fort.
In einer Folterkammer aus Gips, wo Gummiskelette in Sperrholz-Foltergeräten hängen, findet man ein paar wurmstichige alte Schwarten. Der Käptn (der übrigens auf den Namen „Kirk“ hört – gröl!) ist ein gebildeter Mann: „Ah… der Necronomicom [sic!!!]…“ „Was zum Geier is denn das für `ne Sprache?“ „Das ist Latein… und das hier, dieser Satz… das muss eine Prophezeiung sein!“ - Nee, is klar! Und was sagt diese Weissagung weis? Die Toten stehen auf und begehren das Fleisch der Lebenden, ach ja, sicher!
Als erstes erwischt es den Maschinisten, der auf dem Boot geblieben ist – eine Horde herumstolperndes Faulgemüse beißt sich an ihm fest. Er tut das einzig Logische und drückt den roten Selbstzerstörungs-Knopf, den es in jedem guten Boot gibt: eine herrlich miserable Modell-Explosion befördert das Seegefährt in die ewigen Fischgründe. Danach gibt es kein Halten mehr: Der Spaßkasper der Truppe liefert sich ein stümperhaft gefilmtes Kung Fu-Kämpfchen (!!) mit einem der Zombies, bis er kaputtgebissen wird. „Er hat sich für uns geopfert!“, kommentiert ein Knallcharge die Lage, alle anderen nicken bedeutungsschwanger.

Da Mattei jede Gelegenheit, so etwas wie Atmosphäre zu erzeugen, hemmungslos in den Wind schießt, greift er auf rustikale Tricks zurück: überall stehen Fackeln und Kerzen rum, Mehl bedeckt jeden Quadratzentimeter der Auslegware, alles wird sattsam mit Trockeneis eingenebelt. Ich habe seit Fulcis CONQUEST keinen Film gesehen, wo es soviel Nebel gibt! Das ist durchaus von Vorteil, es bewahrt den Zuschauer davor, die billigen Kulissen allzu genau in Augenschein zu nehmen. Immerhin: Es gibt Spinnweben satt und sogar ein paar träge Ratten.
Obendrein klaut Mattei auch reichlich (und reichlich schlecht!) aus bekannten Zombiefilmen, allen voran WOODOO – DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES. Wie gewohnt, wird das Vorhandene mit haufenweise Archivmaterial aufgepeppt, dem man die fremde Herkunft deutlich ansieht, zumal es sich um anderes Filmmaterial handelt.

Bei all diesen Ausführungen wird bereits deutlich, daß man über das „Drehbuch“ tunlichst den Mantel peinlich berührten Schweigens drapieren sollte. Es gibt etliche Situationen, bei denen man sich regelrecht „fremdschämt“ und ganz tief im Sessel versinken möchte. Die Dialoge bewegen sich weit unter dem Niveau eines Groschenheftchens und werden mit lächerlich aufgesetzter „Street Credibility“ gewürzt. Häufig geht es um nichts, außer um Kot:
„Scheiße, ich hör gar nichts! Das Scheißding funktioniert gar nicht, scheiße!“
„Scheiße!“
„Scheiße, was machen wir denn jetzt!“
„Scheiße!!“
Unnötig zu betonen, daß die grottenschlechte deutsche Synchronisation den an sich schon hirnverbrannten Dialogen den Rest gibt.

Es versteht sich von selbst, daß die „Schauspieler“ aus der untersten Amateurliga rekrutiert wurden. Es gibt unter den Knallschoten keinen einzigen halbwegs fähigen Darsteller, der Vogel wird aber abgeschossen von einem dickleibigen Schnauzbart-Proleten, der ständig unmotiviert in der Gegend rumsteht und immer wieder scheue Blicke in die Kamera wirft. Köstlich! Auch das Schicksen-Gespann Yvette Yzon und Ydelia Suarez sind weitgehend talentfrei – die Erstgenannte hat die Ausstrahlung und Begabung eines aufgeweichten Mettbrötchens, die Letztgenannte trumpft mit dermaßen überkandideltem Overacting auf, daß man Angst um ihren Gesundheitszustand bekommt. Captain Kirk sieht meistenteils so aus, als würde er jeden Moment einschlafen – wahrscheinlich denkt er: „Beam me up, Scotty.“ Es gibt außerdem noch einen glatzköpfigen Neger, der auf den Namen Snoopy hört und ebenfalls recht gern in die Kamera glotzt, während er Selbstgespräche führt.

Was unterm Strich übrigbleibt und den Vincent Dawn-Fan am meisten interessieren dürfte, sind die Hackepeter-Effekte. Klar, es wird ausgiebig auf die Blutpumpe gedrückt und so mancher Gummikopp löst sich per Schrotbüchsen-Injektion in seine Einzelteile auf. Handwerklich gut gemacht ist das alles natürlich nicht, aber zumindest sorgt es für einige halbherzige Schenkelklopfer und gelindes Johlen. Und am Ende der Féte geht die ganze Pappmachee-Bude dann zunftgemäß in Flammen auf – noch mehr Nebel aus der Trockeneiskanone und ein paar sparsam platzierte Flammendüsen im Gebälk.

Trotz alledem macht der Streifen in gewisser Hinsicht Spaß, denn eine üppige Portion naiven Charmes kann man dieser geballten Ladung an grobmotorischem Dilettantismus nicht absprechen. Bei einer objektiven Punktebewertung würde ISLAND OF THE LIVING DEAD nicht mehr als wohlwollende 2/10 abbekommen, der trash-o-logische Wohlfühlfaktor liegt subjektiv ein bis zwei Punkte höher. In gleichgesinnter Runde, mit reichlich billigem Bier und Knabberwerk, kann man daran durchaus viel Freude haben…


Lieblingszitat:
“Ich glaube, ich hab mich vollgekackt!”


(Ich glaube, das habe ich mich auch. Eigentlich bräuchte man jetzt einen doppelten Cognac und etwas frische Luft, stattdessen wird umgehend die Fortsetzung ZOMBIES – THE BEGINNING eingeschoben… Ächz!)



----------------(Kotzpause)----------------



ZOMBIES – THE BEGINNING („Zombi: la creazione“, Italien 2007) R: Bruno Mattei

Das apokalyptische Ende von ISLAND OF THE LIVING DEAD war nur ein böser Traum, Sharon (Yvette Yzon) hat überlebt und wird von einem Rettungsboot geborgen. Später muss sie sich für die „Tyler Corporation“, in deren Auftrag die Schatzsucher offenbar unterwegs waren (?), rechtfertigen – natürlich glaubt ihr kein Mensch, sie wird beurlaubt. Jahre (?) später: Sharon hat sich in einen buddhistischen Tempel zurückgezogen, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Jede Nacht quälen sie furchtbare Alpträume. Ein Angestellter der Tyler Corporation sucht sie auf und teilt ihr mit, man glaube ihr mittlerweile – man habe ein Medi-Team und eine Handvoll Siedler auf die Insel geschickt und nun fehle jedes Lebenszeichen von der Crew. Daher soll ein Sonderkommando von Marines auf die Insel, um dort aufzuräumen – und sie soll mit dabei sein. Nach anfänglichem Zaudern sagt sie zu. Per U-Boot geht es zum Eiland, dort findet man eine gewaltige Industrieanlage mit verschachtelten Bunkersystemen vor. Offenbar hat das „Medi-Team“ höchst brisante Experimente an den Untoten vorgenommen und menschlichen Frauen Zombie-Embryos eingepflanzt. Es dauert auch nicht lange, da wimmelt es in den Gängen der Forschungsanlage von blutgierigen Zombies. Aber dem planmäßigen Massaker stehen die sinistren Absichten der Tyler Corporation im Wege – denn das Unternehmen will die Wiedergänger schonen, um sie als biologische Waffen einzusetzen…


Wem dieses Handlungsgerüst in irgendeiner Weise bekannt vorkommen sollte, liegt mit der Vermutung richtig: Hier wurde auf unverschämte Weise bei James Camerons ALIENS abgekupfert. Als Substitut für Sigourney Weaver sehen wir erneut Yvette Yzon, deren ultimative Talentlosigkeit Mattei offensichtlich so sehr überzeugt hat, daß er sie für die Fortsetzung seines Zombie-Spektakels erneut in der Hauptrolle verpflichtete. Bruno frönte hier hemmungslos seiner Spezialität und fertigte ein 100%iges Rip-Off an, bei dem ganze Szenenverläufe und Dialoge zum Teil 1:1 übernommen wurden – nur ungleich miserabler.
Ansonsten kann man sich kurz fassen: In handwerklicher Hinsicht gilt für ZOMBIES – THE BEGINNING alles, was schon für ISLAND OF THE LIVING DEAD galt; Drehbuch, Inszenierung, Kameraführung, Ausleuchtung und Schnitt bewegen sich auf Amateurniveau. Spannung kommt an keiner Stelle auf, Atmosphäre ist Fehlanzeige. Hinzu kommt, daß Mattei bei diesem Fiasko den total missglückten Versuch unternommen hat, Actionszenen zu fabrizieren, die in ihrem Dilettantismus beinahe schmerzhaft sind. Noch schlimmer: Auch mit Humor probiert er es, aber darüber sollte man besser schweigen…

Wie schon THE RIFFS III ist auch ZOMBIES – THE BEGINNING ein waschechter „Krauch-Film“ – ständig krauchen Menschen durch irgendwelche Gänge und sagen Sachen wie: „Los! Hierher!“ „Nein, es ist zu gefährlich dort her zu gehen!“ „Wir müssen hier weg, verdammt!“ „Taylor, blasen Sie die verdammte Tür weg!“ „Sir, jawohl, Sir!“„Oh, verdammte Scheiße, was zur Hölle sind das für Dinger?“ „Halten Sie die Fresse, Mann!“
Zu den Leistungen der Darsteller muss man sich nicht weiter äußern, sämtliche Akteure chargieren auf dem Niveau der Laienspieltruppe vom Dorfkrug.

Auch hier wurden wieder Sequenzen aus anderen Filmen eingefügt, was besonders bei den U-Boot-Szenen sehr auffällig wird. Augenscheinlich wurde der Film nicht in denselben Locations gedreht wurde, wie der Vorgänger – stattdessen vollzieht sich die Handlung in einer gigantischen Industrieanlage. Das „Medi-Team“ muss verdammt hart malocht haben, um in kürzester Zeitspanne einen solchen Komplex aus dem Boden zu stampfen!
Offenbar stand der Produktion ein höheres Budget (statt der Portokasse war es diesmal die Büchse mit dem Kaffeegeld) zur Verfügung, als beim Vorläufer, was sich hauptsächlich in mehr Blutwurst und Getöse niederschlägt. Das bedeutet jedoch keineswegs, daß die Pyro- und Goreeffekte überzeugender daherkommen würden. Es wird ausgiebig am Latex geknabbert, Pappschädel platzen auseinander, Kutteln fliegen durch den Keller. Es wird auf die Trockeneis-Tube gedrückt, daß THE FOG sich dagegen wie ein klarer Sommernachmittag ausnimmt. Das Zombie-Make Up ähnelt frappierend den Heilerde-Visagen aus Lenzis GROSSANGRIFF. Restlos am Boden gerollt habe ich mich beim ersten Auftauchen der Conehead-Zombiekinder mit den lustigen Glupschaugen. Und im Finale wird dann auch noch ASTARON zitiert – man muss es selber gesehen haben, um es zu glauben. Ach ja, ein ominöses Riesenaffen-Monstrum läuft auch noch auf der Insel rum, dessen Existenz nicht näher erläutert wird. Wozu auch?

Matteis Schwanengesang ist wahrhaftig ein finaler Tauchgang in der trübsten Kloake filmischen Unvermögens. Der fulminante Schluss- und gleichsam Tiefpunkt einer an Tiefpunkten nicht armen Karriere. Es ist schon schade zu wissen, daß solch unbeschreiblicher Schund in Zukunft nicht mehr gedreht wird. Bruno, wir werden dich vermissen…


Lieblingszitat:
„Was zur Hölle ist das für´n schleimiger Scheiß?“
„Oh Mann, das muss ´ne Schnecke in Ekstase gewesen sein!“



***

P.S.: Beide Filme gibt es als Doppel-DVD-Edition unter dem Titel BLOOD OF THE DEAD – THE BRUNO MATTEI-LEGACY aus dem Hause Film Export Group, die mich bei Amazon-Marketplace läppische 5 Euros gekostet hat. Pro Film habe ich also Zweifuffzig berappt, was dieser Spaß allemal wert ist.

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DIE BRUT DES BÖSEN (Engl. Titel: „Roots of Evil“, Deutschland 1979) R: Christian Anders

Nachdem ich den legendären DIE BRUT DES BÖSEN seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte und lediglich nebulöse Erinnerungsfetzen durch mein Hirn geisterten, bruchstückhaft aufgefrischt durch die Sichtung des wundervoll durchgeknallten Trailers, ließen die seltsame Wirrungen des Lebens die schmerzlich begehrte Kassette von VPS nun endlich an meine Gestade schwappen. Nun ja, es war nur ein billiger Rip auf Silberling, aber man bescheidet sich mit wenig, wenn es gilt, Perlen aus dem schlammigen Muschelgries zu bergen. Und, oha, der Schlamm ist tief hier…


Frank Mertens (ausgesprochen: Fränk) ist ein sympathischer Schwiegermuttertraum mit vollem Haupthaar und stahlhartem Bizeps, der in Madrid eine „Karate Academy“ betreibt. Gegründet wurde sie vom quasi-mythischen Sensei Takimura, der durch böse Buben ums Leben gebracht wurde – ein Umstand, an dem Frank noch immer das harte Brot der Trauer knuspert. In den Augen der Andern * ist Frank ein Heiland: Seine Schüler verehren ihn, seine Sekretärin Ingrid (Maribel Martin) himmelt ihn mit Kulleraugen an – auch sie ist, wie alle Damen, verliebt in den Lehrer.
Das Leben könnte so schön sein, wäre da nicht der kleinwüchsige Gangsterboss Van Bullock (Deep Roy), der just im gegenüberliegenden Gebäude seine eigene Kampfsportschule eröffnen will. Natürlich ist der smarte Mertens ihm ein Dorn im Auge. Nachdem er es nicht vollbracht hat, ihn via seines schmierigen Maklers aus der Bude zu ekeln, schickt er ihm zwei streitlustige Chinamänner in Jogginganzügen vorbei. Deren „Drunken Master“-Technik hat jedoch keine Schnitte gegen Franks eiserne Fäuste. Am nächsten Tag erweist Frank seinem toten Meister die Ehre auf dem Friedhof und hält intime Zwiesprache („Gestern wurde ich angegriffen von zwei gemeinen Kerlen!“), als er erneut von den Schergen des zwergenhaften Rauschgiftpapstes belästigt wird – zu den schlitzäugigen Jogginganzügen haben sich zwei schmerbäuchige Teewürste gesellt. Es gibt ordentlich Kloppe, das Pack trollt sich. Doch Mertens weint bitterlich, denn einer der Chinesen hat das Bild des Meisters bespuckt und in Stücke zerbrochen. „Warum haben sie das getan?“, schluchzt Frank. „Wie kann man nur so gemein sein?“
Aber einmal trocknen alle Tränen: Tags darauf spaziert die holde Weiblichkeit in Form der schlafzimmeräugigen Cora (Dunja Rajter) in die Karateschule und säuselt: Hallo, wie geht es dir? – für Frank ist sie das schönste Mädchen, das es gibt. In Nullkommanix landen sie zwischen den Laken, während der Soundtrack stöhnt und jault und Geigen schmalzen lässt.
Aber es ist ein Freitag, der dreizehnte, und was Frank nicht ahnt: Cora ist Van Bullocks letzte Trumpfkarte, seine gedungene Geheimwaffe – während der Karatelehrer den Schlaf der Gerechten schläft, schmuggelt sie ihm ein Tütchen Heroin in die Trainingsjacke. Stante pede bollert es an der Tür und die Polente schneit mit einem Hausdurchsuchungsbefehl herein. Der perplexe Frank („Sie sind verhaftet!“ „Ja, aber warum denn das?“) kommt hinter schwedische Gardinen, wo Ingrimm ihm das Herz zerfrisst. So gern wäre er nie mehr allein gewesen, aber grausam muss das Schiff der großen Illusionen kentern.
Jedoch auch Cora verzehrt sich in Reue und Gewissensbissen, denn sie hat sich in den kampfestüchtigen Adonis verknallt und will ihre böse Tat wiedergutmachen – schließlich hat der fiese Van Bullock sie mit Drogen gefügig gemacht und zur Sünde gezwungen. Cora ruft bei Franks Tippse an und gesteht ihre Intrige, denn wer liebt hat keine Wahl. Van Bullock sieht das anders und ersticht Cora im Affekt mit einer Schere – aber seine grausige Bluttat war nur ein Schrei nach Menschlichkeit ;Sekunden später heult er Zeter und Mordio, denn schließlich war Cora seine einzig wahre Liebe!
Der bullige Como (Fernando Bilbao mit einem besonders schweren Fall von Schnäuzer), Van Bullocks Mann fürs Grobe, weiß sofort Abhilfe: er spendiert dem Zwerg drei leichtbeschürzte Dirnen und eine 3-Liter-Pulle Schampus. Der kleine Prinz hat umgehend wieder allerbeste Laune, Prickelsekt wird über nackte Weiberärsche ausgegossen, während Como dümmlich grinsend zuschaut – „Heh, heh!“
Ingrid eilt unterdessen mit fliegenden Röcken zum inhaftierten Mertens, denn niemand ist im Leben ganz allein – als sie ihm steckt, was wirklich passiert ist, dreht Frank völlig am Rad: „Van Bullock! Dieses SCHWEEEEEIIIN!“ Anstatt darauf zu warten, daß die Mühlen der Justiz zu seinen Gunsten mahlen, tut er das, was jeder echte Mann tun würde: er verdrischt sämtliche Bullen, türmt aus dem Knast und flitzt im Sauseschritt zu Van Bullocks Residenz, wo er allen Jogginganzügen und Teewürsten die Kauleisten verbeult. Als er sich den garstigen Zwerg schnappen will, kommt ihm Como ins Gehege und wirft ihn kurzerhand aus dem Fenster. Obendrein stürmt auch noch die Polizei das Grundstück und ballert mit Maschinenpistolen auf den gebeutelten Karatecrack. Schwer verwundet schlägt Frank sich ins Unterholz des benachbarten Forsts, wo er sich unentwegt fragt: "Warum ist die Welt ohne Liebe?"
Eine schwiemelige Rückblende verrät dem staunenden Rezipienten die erschröckliche Wahrheit: Van Bullock und Como haben Mertens Meister Takimura auf dem Gewissen! Und nun wollen sie Frank seinem Sensei ins Jenseits hinterdrein schicken. Mit nacktem Oberkörper und brodelndem Zorn in der Brust stellt der blonde Racheengel sich den Schurken zum ultimativen Fight…


Sämtliche Trash-Barometer stehen auf Wirbelsturm, die Balken biegen sich, die Scheune brennt! Was Schlagergott Christian Anders hier unter dem Vorwand eines Kung Fu-Films eingetütet hat, geht auf keinen Nilpferdarsch. Man muss es einfach gesehen haben, Worte können dieses Pandämonium des Wahnwitzes nicht annähernd wiedergeben…
In handwerklicher Hinsicht, das sollte klar sein, ist hier ganzjährig Gurkensaison: Kamera und Schnitt sind allenfalls routinierter Durchschnitt, das Drehbuch ist freilich ein hanebüchener Hohn. Nahezu unfassbar sind die Dialoge, taumelnde Sinnlosigkeit und Wahnsinn an allen Fronten. Dazu passend der Text des Titelsongs von Anders, den es leider nicht auf einer seiner zahllosen Best Of-Schlagercompilations zu kaufen gibt: „Dead end! – The road to revenge! Dead end! – Don´t make any sense!“
Die „Choreographie“ der Kampfszenen ist an Stümperhaftigkeit nicht zu übertrumpfen, was selbstredend einen Gutteil des Reizes ausmacht – das hysterische Gehampel und Gehüpfe von Mertens und seinen Widersachern sorgt für tränentreibende Lachsalven. Sowas nennt man explosive Leidenschaft! Beim finalen Schlussduell im spanischen Laubwald zwischen Fränk und dem Oberkaputtmacher Como, wenn Der letzte Tanz aufgeführt wird, ist dann endgültig Feierabend – wenn Anders uns den Zappelphilipp-Bruce Lee macht, liegt das gesamte Publikum unter der Chaiselounge und schnappt nach Luft...

Über die Künste der Schauspieler müssen nun wahrlich nicht viele Worte ins die Tastatur gehackt werden. Anders hat das notdürftige Skript eh um seine „charismatische Persönlichkeit“ herumgestrickt und lässt keine Gelegenheit aus, sich mit glühender Selbstverliebtheit in Szene zu setzen – sei es nun, wenn er schmachtend im Unterhemd am Fenster steht, minutenlang (und nur mit Leder-Hotpants bekleidet!) die Muskeln spielen lässt oder augenrollend und quiekend durch die Gegend hüpft. Mit jeder Einstellung scheint er zu brüllen: Auf mich hat die Welt gewartet! Dunja Rajter legt eine selten miserable Performance auf die Bretter, und dem Liliputaner Deep Roy nimmt man den Zupfgeigenhansel zwar mit Kusshand ab, als Unterwelt-Tycoon überzeugt er keine Sekunde lang – obwohl er in der Champagner & Koksnutten-Orgie ganz ordentlich Gas gibt. Maribel Martin war u.a. auch in dem tollen Spanien-Grusler THE BLOOD-SPATTERED BRIDE zu sehen. Fernando Bilbao (der hier als „Fred Harris“ agiert) verkörpert den tumben Eisenfresser Como mit Verve und grollt im Übrigen mit der deutschen Synchronstimme von Bud Spencer. Der Rest des Ensembles besteht aus Komparsen, Beiwerk und Kanonenfutter, das von unserem Krischan beherzt in die Blumenrabatten gekloppt wird.
Apropos, Synchronstimme: Leider spricht Meister Anders sich in der deutschen Fassung nicht selbst, dies wird von Manfred Seipold (zur damaligen Zeit der Synchronsprecher von Chuck Norris!) besorgt. Lediglich in der englischsprachigen Version (ROOTS OF EVIL) dürfen wir Christians Originalstimme lauschen... was die Fahndung nach diesem Kleinod zum neuen Lebensziel werden lässt!

Ja, die Einsamkeit hat viele Namen: “Lonely is the man who only got his hands to show somebody who he is”, singt Anders im Titelsong, der mit dufter Disco-Mucke unterlegt ist. Und: „A loser is a man who doesnt’t understand that violence is the brother of death!” – Aber wenn die Gewalt der Bruder des Todes ist, dann ist Christian Anders der Schwippschwager der geistigen Umnachtung. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo, Endstation Irrsinn…

Die Existenz ist sinnlos ohne diesen Film.


Lieblingszitat (eines unter Tausenden):
„Ich warne Sie, Sie Gnom! Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe, oder ich werde böse!“


* Bei sämtlichen kursiv gedruckten Passagen im Text handelt es sich um Titel von berühmten Schlagern aus der Feder von Christian Anders.

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PostPosted: 11.08.2010 21:55 
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LEMORA (USA 1973) R: Richard Blackburn

In den 30er Jahren, irgendwo im tiefsten Süden der USA: Die 13jährige Lila Lee (Cheryl Smith) ist ein braves, züchtiges Mädel, das im Kirchenchor singt und allen ein rechter Augenstern ist: persilweiß strahlt das Kleidchen, die Zöpfe werden von blauen Schleifen gehalten – ein Abbild von Unschuld und Reinheit. Ihr Vater dagegen ist ein Gangster und Bankräuber, der Lilas Mutter und deren Liebhaber mit der Schrotflinte erschossen hat und nun auf der Flucht vor der Staatsgewalt ist. Als Lila einen Brief ihres Vaters erhält, in dem er ihr schreibt, er liege im Sterben und bäte um ihre Vergebung, macht sie sich auf die Suche nach ihm. Die gefahrvolle Reise führt sie in das verrufene Sumpfgebiet Asteroth, in dem sie auf verwilderte Tiermenschen, Hexen und Vampire trifft. Unterschlupf findet sie im Anwesen der mysteriösen Lemora (Leslie Gilb), die sie in ihre „Familie“ aufnehmen will – eine ganze Schar bleicher und sonderbarer Kinder lebt bereits im Haus der rätselhaften Dame. Auch ihr Vater scheint sich auf dem Grundstück aufzuhalten, allerdings hat er sich auf dramatische Weise verändert. Was will die gespenstische Lemora wirklich von Lila? Und was hat es mit den seltsamen Kreaturen auf sich, die das Haus belauern?

LEMORA, gedreht im Jahr 1973, ist der erste und einzige Film von Richard Blackburn, dem hier eine stimmungsvolle Melange aus Schauerromantik, Southern-Gothic-Drama und düster-poetischem Erwachsenen-Märchen geglückt ist. Der Film thematisiert Kernfragen wie den Verlust der Unschuld, den Schmerz des Erwachsenwerdens und die Rolle von Moral, Ethik und Religion, effektvoll verpackt im Gewand einer Gruselgeschichte, die Anleihen an Meisterwerke wie Charles Laughtons DIE NACHT DES JÄGERS (1955) oder die Romane von J. Sheridan LeFanu nicht verhehlen kann. Wie auch in Laughtons Film, geht es bei LEMORA um eine Reise und Suche, während deren Verlauf die kindliche Unschuld verschiedener sexualisierter Bedrohungen ausgesetzt wird – jeder (Mann), dem Lila Lee begegnet, entpuppt sich als Lüstling, Perverser oder potentieller Schänder. Selbst der brave Herr Pastor kann sich kaum beherrschen, wenn er den blonden und blauäugigen Rauscheengel mit gierigen Blicken verzehrt.
Dem Film wurde daher von einigen Kritikern pädophile Tendenzen vorgeworfen, aber damit befindet man sich auf dem Holzweg – das wäre so, als unterstelle man Dario Argento die Glorifizierung von Lustmord. Vielmehr wird die reaktionäre, fanatisch religiöse und patriarchale Struktur der Südstaaten an den Pranger gestellt, unter deren vermeintlich sauberer Oberfläche eine tiefe, sexuell repressive Verkommenheit lauert. Man muss Blackburn auch zugute halten, dass er die angeblich skandalösen Elemente des Films sehr behutsam inszeniert und auf exploitative Exzesse vollkommen verzichtet hat. Trotz einiger provokativer (aber relativ harmloser) Andeutungen lässt Blackburn seine Kernstory nicht aus dem Blick: die Odyssee und die erfolgende Transformation, die Begegnung mit der eigenen dunklen Natur, das Symbol des Coming of Age als Befreiung von den Fesseln gesellschaftlicher Unterdrückung. Und trotz allem funktioniert LEMORA auch als waschechte Gruselmähr.
Bezeichnend ist wohl der Umstand, dass die Kirche jahrelang versuchte, den Film zu verbieten. In Lousiana und Texas wurde er auf den Index gesetzt.

Trotz seines geringen Budgets ist der Film ganz vorzüglich gemacht. Blackburn gelingt es, mit den Mitteln einer kunstvollen Ausleuchtung und äußerst stimmigen Sets, eine sowohl bedrohliche als auch märchenhafte Atmosphäre zu erschaffen. Die Verquickung von Motiven des Vampirfilms mit Südstaaten-Schauerromantik gelang erst kürzlich in Alan Balls (SIX FEET UNDER) formidabler TV-Serie TRUE BLOOD sehr überzeugend, aber auch schon bei LEMORA funktioniert diese Mischung prächtig. Es wird zudem eine Prise E.A. Poe und vor allem H.P. Lovecraft hinzugestreut und eine ordentliche Kelle Jungscher und Freudscher Symbolik aufgeschüttet, gewürzt mit Religions- und Gesellschaftskritik. Herausgekommen ist ein Resultat, das in seiner künstlerischen Gesamtheit sehr europäisch wirkt und häufig wie eine Kooperation von Jean Rollin und Paul Naschy daherkommt.
Sehr effektvoll ist auch der Einsatz der Musik und des Sounds – auf der Tonspur heult und jault und knurrt es derart beklemmend, als bräche in Asteroth jeden Moment der jüngste Tag an.

Cheryl Smith, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 16 Jahre alt war und bereits 2002 verstarb, spielt die desorientiert und verstört durch die Geschichte wandelnde Lila Lee rundum überzeugend. Sie war in den 70er und frühen 80er Jahren noch in etlichen B-Filmen zu sehen, etwa in ZUCHTHAUS DER VERLORENEN MÄDCHEN, MASSAKER IN KLASSE 13 oder LASERKILL – TODESSTRAHLEN AUS DEM ALL. Noch gelungener ist freilich die morbid-schöne und außerweltlich wirkende Leslie Gilb als Lemora, die danach leider nicht mehr auf der Leinwand zu sehen war. Richard Blackburn führte nicht nur Regie, er spielt auch den Baptisten-Reverend, der Lila Lee unter seine Fittiche genommen hat und sich schließlich auf die verzweifelte Suche nach seinem entflohenen Engel macht.

Kurzum: Ein handwerklich einwandfreies und wunderschön inszeniertes Low Budget-Gothic-Grusel-Märchen mit provokanten Untertönen und herrlich europäischem Flair. Leider ein unterschlagenes und vergessenes Kleinod des phantastischen Kinos. Für Freunde des etwas anderen Vampirfilms eine klare Empfehlung!

***

Das löbliche Label Synapse, Heimat zahlreicher seltener japanischer Genrefilme, hat den gesuchten Film in einer rundum restaurierten und qualitativ brillanten Fassung auf DVD veröffentlicht – die Scheibe gibt es preiswert bei den einschlägigen US-Anbietern.

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PostPosted: 17.08.2010 21:37 
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DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN („La montagna del dio cannibale“, Italien 1978) R: Sergio Martino

Die gut betuchte Susan Stevenson (Ursula Andress) begibt sich zusammen mit ihrem egoistischen Bruder Arthur (Antonio Marsina) auf die Suche nach ihrem Ehemann, dem Anthropologen Henry Stevenson, der im Urwald von Neu Guinea verschollen ist. Sie ziehen den Dschungelexperten Professor Edward Foster (Stacey Keach) hinzu und gemeinsam begibt man sich auf die gefährliche Expedition in die grüne Hölle. Foster vermutet den Vermissten auf dem „heiligen Berg“ eines Inselmassivs, das in den Legenden der Einheimischen als verflucht gilt. Der Weg zum Reiseziel ist mit Giftspinnen, Würgeschlangen und Mörderkrokodilen gepflastert, die hastig zusammengestellte Truppe von menschlichen Packeseln wird zunehmend dezimiert. Auf halber Strecke treffen sie auf den Arzt Manolo (Claudio Cassinelli), der Susan das Leben rettet und sich der kleinen Gruppe anschließt. Je näher sie dem Berg Ra Ra Me kommen, desto mehr häufen sich die drohenden Vorzeichen: Die ersten blutigen Morde werden verübt, unheimliche maskierte Wilde scheinen die Gruppe auf Schritt und Tritt zu verfolgen und zu beobachten. Laut einer Legende handelt es sich dabei um einen barbarischen Kannibalenstamm, der als längst ausgestorben gilt. Bald soll unser Team die grausige Wahrheit am eigenen Leib erfahren…


Es gibt nur wenige Beiträge zum Kosmos des Kannibalenfilms, die mir wirklich zusagen. Dazu gehören die beiden MONDO CANNIBALE-Teile von Umberto Lenzi und natürlich Ruggero Deodatos berüchtigtes Meisterwerk NACKT UND ZERFLEISCHT. Trotzdem übt dieses verrufene Subgenre des Italo-Exploitationfilms seit jeher eine prickelnde Faszination aus, die stets von Schuldgefühlen und Gewissensbissen begleitet wird. Sergio Martinos Ausflug ins Reich der Menschenfresser ist vielleicht kein Glanzstück, da der Film jedoch zu den handwerklich besseren Vertretern der unrühmlichen Kannibalenwelle gezählt werden kann, weiß er in einigen Momenten durchaus zu überzeugen.

Der Film beginnt mit der üblichen, pseudo-dokumentarischen Einleitungsstimme aus dem Off: Die Ursprünglichkeit der ungebändigten Wildnis, grüne Schlünde, die nie zuvor ein Menschenfuß betreten hat und so weiter und so fort. Dazu bekommen wir wenig romantische Einblicke in das Fressverhalten der Fauna Neu Guineas – die Natur, reduziert auf sie Summe ihrer Teile, ein einziges Mampfen und Gemampft werden.
In diesem Stil geht es munter weiter; was man Martino zugute halten muss, ist das konstant unbehagliche und beklemmende Stimmungsbild des Films – nie war der Urwald bedrohlicher als hier. Hinter jedem Farnkraut lauert eine vier- oder achtbeinige Gefahr, und manchmal hat das kreuchende und fleuchende Kroppzeugs gar keine Beine, sondern schlängelt sich im Astwerk, immer auf der Suche nach einem schnellen Snack. Die angeheuerten Lastenträger sind natürlich primitive Wüstlinge, barbarische Rituale sind an der Tagesordnung – da wird auch schon mal ein Leguan bei lebendigem Leib ausgeweidet, um die Dämonen des Waldes zu besänftigen. Der eigentliche Kannibalenterror vollzieht sich erst in den letzten 20 Minuten des Streifens, wenn die Expeditionstruppe das Heimatdorf der Knochenknusperer erreicht hat. Erst dann wandelt sich der leidlich spannende (aber von Kameramann Giancarlo Ferrando erstklassig fotografierte) Abenteuerfilm zu einem Horrorschocker, der an wüsten Szenen nicht spart.

Wie in jedem Kannibalenschinken, der etwas auf sich hält, wird der unvermeidliche Tiersnuff dargereicht, allerdings halten sich die unnötigen Grausamkeiten hier eher in Grenzen. Die unangenehmste Szene ist der minutenlang ausgewalzte Verzehr eines kleinen Äffchens durch eine Boa Constrictor – aber, jo mei, so was kommt halt vor im Dschungel, und nur, weil Professor Grzimek seinen jugendlichen Zuschauern die unschöne Wahrheit vorenthielt, lässt sie sich dennoch nicht totschweigen. (Zum leidigen Thema „Tiertötungen in Kannibalenfilmen“ habe ich mich an anderer Stelle bereits hinlänglich geäußert, ich spare mir daher weitere Ausführungen.) Bedenklicher ist da schon der unterschwellige Rassismus und die menschenverachtende Arroganz, mit der sich der weiße Mann über die „Primitiven“ erhebt – hier hätte man sich von dem eigentlich recht kritischen Regisseur Martino eine deutlichere Stellungnahme gewünscht.
Auch die genreüblichen Eingeweidewühlereien werden eher sparsam serviert, obwohl die eine oder andere Schlachtplatte aufgefahren wird (wozu auch eine äußerst drastische Entmannung zählt). Was sich viel stärker in die Erinnerung gräbt, sind die geradezu orgiastischen Szenen am Ende des Films, wenn Martino das exzessive Treiben im Eingeborenendorf mit bizarren Einsprengseln parallel montiert: Ein Kannibalenmädel masturbiert hemmungslos, während Ursula Andress mit dem herausgerupften Herz ihres getöteten Bruders gefüttert wird – oder die unvergessliche Begattung eines riesigen Schweins durch einen Wilden, die in den deutschen Fassungen des Films der Zensurschere zum Opfer fiel.

Das Skript verdient natürlich keine Auszeichnungen für Glaubwürdigkeit, vieles ist unnachvollziehbar, die Figuren bleiben holzschnittartig – dennoch präsentiert sich das Dschungelgarn mitunter recht wendungsfreudig und bietet einige nicht vorhersehbare Plottwists. Hier bewährt sich offensichtlich Martinos Erfahrung im Giallo-Metier. Die Dialoge sind in weiten Teilen herrlich naiv und stereotyp. Das Mannsvolk geizt nicht mit sozialdarwinistischer Philosophie ("Tiere folgen einzig und allein ihrem Instinkt, so wie letztlich alle Lebewesen. Sie töten und fressen. Der Mensch hat denselben Instinkt, er benutzt nur raffiniertere Methoden um ihn zu befriedigen: Lügen und Tricks.", schwafelt Manolo altklug daher), während Ursula Andress in erster Instanz viel Gekreisch absondert. Schön fand ich auch, dass sie sehr modebewusst mit hochhackigen Stiefeln den Busch bereist – und sich dann noch darüber echauffiert, wenn sie mal wieder auf die Schnauze fällt, einer Vogelspinne direkt vor die triefenden Beißzangen.

Überhaupt, die Andress: Eine gute Schauspielerin ist dieses Bondgirl („Honey Ryder“ – brüll!) weiß Gott nicht. Es reicht bei dem hier besprochenen Produkt aber völlig aus, blond zu sein und Brüste zu haben, die ihr im späteren Verlauf der Handlung auch fachgerecht freigelegt werden. Ansonsten guckt sie durchgehend starrgesichtig aus der Wäsche und macht Claudio Cassinelli scharf. Ohne hier allzu viel ausplaudern zu wollen, finde ich ihre Wandlung von der besorgten Ehegattin zur durchtriebenen Opportunistin sehr gelungen, vor allem, die Abscheu, die sie dadurch beim rechtschaffenen Manolo auslöst. Im Finale ist das aber alles wieder vergessen und vergeben, Brüste und Blondheit triumphieren halt doch! Claudio Cassinelli (INSEL DER NEUEN MONSTER) und Stacey Keach (AMERICAN HISTORY X) leisten beide nichts Überragendes, sie spielen halt diese typischen unrasierten und hemdsärmeligen Naturburschen, die immer genau wissen, was zu tun ist – exakt die Sorte Mann, die ich verachte und die es in Wirklichkeit nur in der Camel Trophy-Reklame gibt. Keach (dem – ähnlich wie Burt Reynolds in DELIVERANCE – in der Mitte des Films das Bein kaputtgehackt wird, was ihn zum fünften Rad am Wagen degradiert) war wohl zum Zeitpunkt des Drehs dem Suff noch nicht so arg zugeneigt, wie bei späteren Filmproduktionen. Er sieht hier frischer und unverbrauchter aus, was seinem Spiel zugute kommt. Sehr überzeugend fand ich Antonio Marsina (einer der fiesen Brüder aus KEOMA) als skrupellosen Egomanen Arthur, dem die Ekligkeit aus jedem Knopfloch starrt. Als Konsequenz für sein unkollegiales Verhalten landet er zum Schluss auch auf der Speisekarte.

Die Musik des bewährten Duos Guido und Maurizio de Angelis ist eine durchwachsene Sache: teilweise fahren sie extrem bedrohlich wirkendes, mit Tierlauten und höllischem Geschepper durchwobenes Synthie-Gewaber auf, an anderen Stellen dudelt schrecklich belanglose und deplazierte Südamerika-Folklore. Kein Vergleich zum genialen Score von Riz Ortolani zu NACKT UND ZERFLEISCHT – aber dieser Film scheut eh sämtliche Vergleiche.

Alles in allem hat mir Sergio Martinos Ausflug in die Hölle am Amazonas 100 Minuten schuldigen Spaß bereitet. Der (unfreiwillige) Trash-Gehalt hält sich in Grenzen, die Machart ist solide, die Atmosphäre beeindruckend. Um Welten besser als Lenzis unsägliche Grabgesänge LEBENDIG GEFRESSEN oder DIE RACHE DER KANNIBALEN ist Martinos Werk allemal.

In Zahlen hieße dies: 7/10


P.S.: Dieser Besprechung lag die DVD von XT aus Ösiland zugrunde, die erfreulicherweise ungekürzt ist und mit schöner Bildqualität glänzt.

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PostPosted: 03.09.2010 21:55 
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HEUTE ICH… MORGEN DU! („Oggi a me… domani a te!”, Italien 1968) R: Tonino Cervi

Bill Kiowa (Brett Halsey) sitzt seit 5 Jahren unschuldig im Knast, da er für den Mord an seiner indianischen Frau verurteilt wurde, für den in Wahrheit der fiese Elfego (Tatsuya Nakadai) verantwortlich ist. Er weiß die öde Zeit hinter Gittern sinnvoll zu nutzen und trainiert täglich eisern mit seinem selbstgebastelten Holzrevolver, denn ihm steht der Sinn nach Blutwurst. Kaum auf freiem Fuße, schart er eine illustre Gruppe von professionellen Kaputtmachern um sich, um dem wahren Täter und seiner Bande von Halsabschneidern die gerechte Strafe zukommen zu lassen.


Für das Skript dieses recht holzschnittartigen Italowesterns zeichnet Dario Argento verantwortlich, das Altbewährtes aus dem Wildwest-Baukasten serviert. Innovation sucht man hier wirklich vergeblich, obwohl viele Fans Argentos „typische Handschrift“ zu erkennen glauben – die blieb mir leider verborgen. Die Konstruktion der Handlung ist in ihrer kindlichen Naivität und Simplifizierung beinahe rührend. Man könnte das gutwillig als „schnörkellos“ bezeichnen, böswillig als „einfältig“, so wie man den Inszenierungsstil von Tonino Cervi gutwillig als „formal streng“, böswillig als „unflexibel“ bezeichnen könnte. Ein paar gute Ideen ragen heraus, sind aber zu sparsam gesät, um wirklich nachhaltig zu begeistern. Die solide Kameraarbeit von Sergio D’Offizi versucht zu retten, was sich retten lässt. Hervorzuheben ist das genreuntypische, schön gefilmte Finale im Laubwald. Viel Potential wird aber leider mit offenen Händen verschenkt. (Allerdings muss man Cervi zugute halten, daß dies sein Regiedebüt war – man darf ihm also die typischen Anfängerfehler des Films verzeihen.)

Das gilt leider auch für den Großteil des eigentlich fähigen Ensembles: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer (in seiner ersten oder einer seiner ersten Rollen?) gibt das Stereotyp des schlagkräftigen Dicken – hier offenbar noch mit angeklebter Barttracht. (Der Film wurde ja auch als Spencer-Vehikel unter dem Titel STOSSGEBET FÜR EINEN HAMMER unters Volk gejubelt.) Der tolle William Berger als aalglatter Zocker mit Rüschenhemd wird leider komplett als Nebenfigur verheizt. Wayde Preston als Scherriff Milton (mit stupsnasiger Winchester) fällt nicht weiter auf, dasselbe gilt für Stanley Gordon aka. Franco Borelli (das „Küken“, das offenbar auf Rentner-Sex abfährt). Brett Halsey verkörpert eine ikonenhafte Django-Figur und agiert durchgehend emotionslos und starr. Als Franco Nero-Imitat ist er viel zu uncharismatisch, da nutzt auch Stoppelbart und schwarze Rächerkluft nichts.
Was den Film dennoch sehenswert macht (und letztendlich rettet) ist die herausragende Leistung des Japaners Tatsuya Nakadai (u.a. SWORD OF DOOM), der alle anderen mit Leichtigkeit ins Abseits spielt. Sein Elfego ist ein von latentem Wahnsinn umflorter Sadist – in einem Moment gibt er sich melancholisch und abwesend, in der nächsten Sekunde wirkt er so gefährlich wie eine wütende Klapperschlange. Seine Gegner zerhackt er gern mit einer riesigen Machete, die er wie ein Samuraischwert führt.

Wundervoll ist auch der abwechslungsreiche und sehr stimmungsvolle Score von Angelo Francesco Lavagnino, der mal mit feurigen Trompetenstößen auftrumpft, mal psychedelisch angehauchte Orgelmusik mit Schlagwerk kredenzt.

Ansonsten: Allenfalls Durchschnitt mit ein paar sehenswerten Momenten. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, und den meisten Genrefreunden wird dieser Spaghettiwestern sicherlich vortrefflich munden.

Lieblingszitat (Elfego zu Bill Kiowa, nachdem er dessen Frau gemeuchelt hat):
„Merk dir gut: So ein Mädchen heiratet man nicht. Sowas benutzt man und wirft es weg.“

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PostPosted: 22.09.2010 22:58 
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VON MANN ZU MANN a.k.a. DIE RECHNUNG WIRD MIT BLEI BEZAHLT („Da uomo a uomo“, Italien 1967) R: Giulio Petroni

Eine Bande übler Banditen überfällt einen Goldtransport, der auf der Farm der Familie Meceita Rast eingelegt hat. Bei der Gelegenheit rottet der Haufen auch gleich die gesamte Familie aus, lediglich der kleine Bill (John Phillip Law) überlebt das Massaker und muss die Mordtat mit ansehen. Viele Jahre später: Der Bub ist zum Mann gereift und Rachegelüste gären in seiner Brust – die Zeit des Erwachsenwerdens hat er sich mit der Übung an allerlei Schießeisen und Bleispritzen sinnhaltig verkürzt. Parallelstrang: Der wegen Raubüberfalls zu 15 Jahren Steinbruch verurteilte Ganove Ryan (Lee van Cleef) wird auf freien Fuß gesetzt, und auch ihn gelüstet es nach Vergeltung an der verkommenen Rotte, die ihn hinter Gitter brachte. Wie der Zufall es will, handelt es sich um dieselben Mordbuben, die Bills Sippe auf dem Gewissen haben. Die Wege der beiden Rächer kreuzen sich immer wieder, und obwohl Ryan dem Grünschnabel die Blutwurst auszureden und ihm zuvorzukommen versucht, machen sie schließlich doch gemeinsame Sache. Nach und nach werden die Mörder, die mittlerweile zu Ansehen und Reichtum gelangt sind, aufs Korn genommen. Schließlich kommt es in einer verlassenen Wüstenstadt an der mexikanischen Grenze zum Showdown zwischen Bill, Ryan und Walcott (Luigi Pistilli), dem Kopf der Bande…


DA UOMO A UOMO (der den schönen englischen Titel DEATH RIDES A HORSE trägt) zählt zweifelsohne zu den überdurchschnittlichen Vertretern seiner Zunft. Petroni ist hiermit ein fesselnder und visuell hervorragender Rachewestern gelungen, der trotz seiner konventionellen und vorhersehbaren Story kaum eine überflüssige Szene aufweist. Schon die sehr stimmige Anfangssequenz weiß rundum zu begeistern: Inmitten eines Unwetters mit dichten Regenschleiern bricht die Bande von Walcott gnadenlos über Bills Familie hinein, wie die gesichtslosen Reiter der Apokalypse. Die Bluttat ist in Einzelbilder aufgelöst, die Hinweise auf die Identität der Täter liefern: hier eine Tätowierung, dort ein Ohrring oder eine entstellende Gesichtsnarbe. Mit großen Augen beobachtet der junge Bill die Vorgänge, bis das einstige Heim ein Raub der Flammen wird. Großartig gemacht!
Auch der Rest der Handlung galoppiert, aller Schablonenhaftigkeit zum Trotz, ansprechend flott dahin und trumpft ein ums andere Mal mit unvergesslichen cineastischen Momenten. Langeweile kommt bis zum atmosphärisch ausgefeilten Finale im Sandsturm – bei dem auch mit herrlich schwarzem Humor nicht gegeizt wird – niemals auf. Und obwohl das Drehbuch die sich unvermeidlich anbahnende Vater-Sohn-Ersatzbeziehung zwischen Bill und Ryan aufgreift, ergeht es sich glücklicherweise nicht in pathetischen Sentimentalitäten, sondern bleibt bei dezenten Andeutungen, die den ikonenhaften Figuren nichts von ihrer monolithischen Strenge nehmen. Die Charaktere dieses Films sind wie biblische Rachedämonen, die unaufhaltsam ihrem schicksalsträchtigen Weg folgen. Am Ende wartet die Geschichte mit einer mehr oder weniger überraschenden Wendung auf, die aber nicht verraten werden soll.

Dabei erweisen sich John Phillip Law und Lee van Cleef als denkbar gute Wahl; Law gibt den rachwütigen Jungspund überzeugend, auch wenn (oder weil) er keine schauspielerischen Glanzleistungen vollbringt. Seine Gesichtszüge sind unerbittlich wie Stahlbeton, jedes Lächeln ist ihm fremd, nur hin und wieder zuckt es um seine hellblauen Augen. Western-Kultstar Van Cleef strahlt die reife Weisheit des erfahrenen Gunslingers aus – hilfreich ist bei seiner Charakterzeichnung das gelassene Pfeifeschmauchen, das schon bei DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE und ZWEI GLORREICHE HALUNKEN zu seinem Markenzeichen wurde. Aber auch die Widersacher machen allesamt eine manierliche Figur, allen voran natürlich der großartige Luigi Pistilli, der durch miese Geschäfte und eine mafiöse Politik zum angesehenen Bankier aufgestiegen ist. Der Brite Anthony Dawson spielt den sinistren Saloonbesitzer und Glückspielbaron Cavanaugh, der die heimliche Herrschaft über sein Heimatstädtchen an sich gerissen hat – der Sheriff und der Richter sind ihm längst hörig und vergnügen sich lieber beim Pokerspiel, anstatt Gerechtigkeit walten zu lassen. In Nebenrollen als Handlanger der Bösewichte sehen wir gestandene Schurkenfratzen wie Mario Brega, José Torres und Bruno Corazzari.

Optisch macht der Film eine Menge her, Kameramann Carlo Carlini sind einige wunderbare, sehr Italowestern-typische Aufnahmen gelungen. Auch einige recht einfallsreiche visuelle Spielereien werden in angenehmer Dosis kredenzt. Quentin Tarantino ist ein bekennender Fan des Films und hat sich an einigen Stellen freizügig bedient – die Flashbacks der Mordnacht sind in rotstichige Bilder aufgelöst und erinnern frappierend an die Szenen, in denen sich „Die Braut“ in KILL BILL 1 & 2 an die Schandtaten ihrer Peiniger entsinnt. Und in einer Szene sagt Lee van Cleef: „In einem Buch habe ich mal gelesen: Rache ist ein Gericht, das man kalt essen muss.“ (Das Zitat ist natürlich kein klingonisches Sprichwort, sondern stammt aus der Feder von William Faulkner. Ryan erweist sich als äußerst belesen, zudem mit Büchern, die lange nach seiner Zeit geschrieben wurden…)

Fantastisch ist auch der Score von Ennio Morricone, der mit treibenden Gitarrenakkorden, pschedelischen Flöten und Chören aufwartet, jedoch bei der vorliegenden DVD von MGM viel zu stark in den Hintergrund gemischt wurde und dadurch viel von seiner ursprünglichen Kraft einbüßt. Das Titelstück kam mir diffus bekannt vor, und – siehe da! – wie so oft wurde auch dieser Song von Oberzitierer Tarantino für KILL BILL „ausgeborgt“.

Was VON MANN ZU MANN von den Größen des Genres trennt ist Petronis mitunter etwas unschlüssige und steife Inszenierung, sowie das nötige Feingefühl für Situationen und Charakterentwicklung, das die Meisterwerke von Leone oder Corbucci auszeichnet. Insgesamt fällt sein Beitrag eher in die Liga von Sergio Sollima, obgleich dieser ein geschickteres Händchen für Figurenzeichnung besaß. Da dies aber erst Petronis zweite Regiearbeit war (ein Jahr später inszenierte er den tollen Revolutionswestern TEPEPA mit Tomas Milian), muss man ihm schlussendlich attestieren, einen rundum ansehnlichen Film fabriziert zu haben. Visuell kraftvoll, packend erzählt – große Klasse!

8 von 10 Sporen.

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PostPosted: 23.09.2010 12:40 
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Gutes Review, wie immer. Aber ist ja bei dir schon Standard ;)

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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Dankeschön! :)
Leider bin ich im Moment etwas schreibfaul, das Tagebuch liegt weitgehend brach...

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PostPosted: 23.09.2010 17:12 
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Der folgende Text ist weniger eine objektive Filmbesprechung, als ein subjektiver Erlebnisbericht. Man möge mir das verzeihen!

***


SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF
(„Buio Omega“, Italien 1979) R: Joe D´Amato alias Aristide Massaccesi

Der junge und gutaussehende Frank (Kieran Canter) lebt mit seiner spröden Haushälterin – und Halbschwester? – Iris (Franca Stoppi), die ihn auch großgezogen hat, auf einem luxuriösen Schloss, das er von seiner Familie geerbt hat. Als seine Verlobte Anne (Cinzia Monreale) an einer mysteriösen Blutkrankheit stirbt, knallt dem Hobby-Tierpräparator Frank die Sicherung durch. Weil er sich mit dem vorzeitigen Ableben seiner Liebsten nicht abfinden will, gräbt er die Leiche aus und unterzieht sie einer konservierenden Spezialbehandlung. Dies geschieht sehr zum Verdruß von Iris, die in Anne eine verhasste Konkurrentin sah, da sie in quasi inzestuöser Zuneigung zu Frank steht. Obendrein muss sie sich mit der Entsorgung der Leiche einer amerikanischen Anhalterin abplagen, die Frank bei seinem morbiden Tun beobachtet hat und daher aus dem Weg geräumt werden musste. Es soll nicht die einzige Tote im Haus bleiben. Zu allem Übel beginnt auch noch ein Privatdetektiv herumzuschnüffeln – und dann steht plötzlich Annes Schwester auf der Matte…

[Exkurs:
Meine erste Sichtung von SADO hat sich für immerdar in mein krankes Hirn gebrannt, denn sie verursachte eine Familientragödie. Nun ja, die betreffende Familie gehörte eh zum „Prekariat“ und war bereits in den Grundfesten zerrüttet durch Alkohol und Verwahrlosung, da war SADO nur der berühmte Tropfen, der die Wanne (*räusper*) überlaufen ließ. Das arbeitslose Oberhaupt jener Familie, das gern in zünftiger Proleten-Herrenausstattung (Unterhemd, Jogginghose & Bierkanne) vorm Fernseher dahingammelte, übergab seinem Sohn und mir seine Videotheken-Karte mit dem Befehl, ein paar „geile Streifen“ für den Filmabend zu besorgen. Wir waren minderjährig, doch das stellte kein Hindernis dar. Wir besorgten zwei Chuck Norris-Filme… und SADO. ("Der Verleih empfiehlt, nur Erwachsenen über 21 Jahren den Zutritt zu gestatten!" prangte in gelber Warnschrift auf der Kassette.) Die ersten beiden Teile der Programmgestaltung wurden mit Wohlgefallen aufgenommen. Als dann das legendäre Schluss-Standbild von SADO auf der Mattscheibe festfror, kam es zum Eklat. Der Sohn wurde verprügelt, ich flog achtkantig aus der Wohnung, mit dem Hinweis, mich nie wieder blicken zu lassen, sonst gäbe es „in die Fresse“. Da sieht man mal, was Chuck Norris-Filme bei psychisch labilen Zeitgenossen anzurichten vermögen!
Exkurs Ende]

Im Beschlagnahmebeschluss durch das AG Tiergarten vom 01.03.2000 ist zu lesen:
„Der Film enthält eine Vielzahl brutaler und grausamer Tötungsszenen. In dem Film werden Szenen gezeigt, wie anderen Menschen Schmerzen und Qualen zugefügt werden.“
Tja, das stimmt. Aber ohne diese Szenen wäre der Film nur halb so spaßig! Massaccesi serviert eine dampfende Wurstplatte, die alle Abartigkeiten bereithält, welche das Herz des Gourmets erfreuen: Nekrophilie, Inzest, Kannibalismus, Leichenschändung, Verstümmelung, Mord! Was will man mehr? Außerdem kann man von dem Film viel lernen: wie man seine nervigen Nachbarn fachgerecht verschwinden lässt, zum Beispiel.

Dem armen Onkel Joe hängt ja der Ruch an, ein dilettantischer Schmutzfink und Billigfilmer ohne jegliche Inspiration zu sein. Jo mei, das mag stimmen – ich prophezeie aber hiermit, daß der Tag anbrechen wird, an dem D´Amato als großer Autorenfilmer anerkannt wird und sein Meisterwerk BUIO OMEGA den Status eines verehrten Mitternachtsfilms einnehmen wird, der wie ERASERHEAD von einem ergebenen Stammpublikum frenetisch abgefeiert wird. Als Kameramann galt Aristide Massaccesi, wie D´Amato mit bürgerlichen Namen heißt, als kleines Genie, der durch seine geschickte Bildgestaltung so manchen Schmuddelstreifen auf überdurchschnittliches Niveau zu hieven verstand. Als Regisseur blieben ihm diese Lorbeeren verwehrt, wimmelt es in seinem Oeuvre doch von Sudelwerken, die wohl niemals ins Pantheon der Arthouse-Fraktion aufsteigen werden – aber einen warmen Platz im Herzen aller Freunde des Bahnhofskinos innehaben. Die bittere Zeit meiner Jugend wurde liebevoll versüßt durch Schlammperlen wie IN DER GEWALT DER ZOMBIES, MAN-EATER oder PORNO HOLOCAUST. Neben dem deliriösen DIE MÖRDERBESTIEN dürfte BUIO OMEGA aber D´Amatos bester Film sein.

Ganz offenkundig hat D´Amato sich für SADO von Hitchcocks PSYCHO und den Gialli von Meister Argento inspirieren lassen, freilich ohne jemals an deren Qualitäten zu kratzen. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn SADO hat seine ganz ureigenen Vorzüge – die sich jedoch nicht jedem Zuschauer erschließen werden. SADO kann man nur lieben oder hassen. Der Film hat eine hauchdünne „Story“, ist nicht sonderlich spannend, dramaturgisch ungeschickt und recht hölzern inszeniert. Dennoch (deshalb?) bereitet er dem Connaisseur abseitiger Genüsse eine große Portion Freude. Die Kamera ist formidabel, die Atmosphäre herrlich morbid-sleazig… das Werk verbreitet eine ganz besondere, enorm bizarre Grundstimmung, die jedoch nicht per Knalleffekt mit der Tür ins Haus fällt, sondern sich bösartig durch den Hintereingang schleicht.
Kollege Blap brachte es so trefflich auf den Punkt, daher zitiere ich ihn an dieser Stelle einfach mal: „Der Film ist ruhig und sanft fliessend inszeniert. Ein Fest für Geniesser.“

So ist es. Besonders Zuschauer, deren Sehgewohnheiten durch MTV-Mutationen und SAW-Derivate verstümmelt wurden, werden SADO wahrscheinlich als öde und langatmig bezeichnen. Die Inszenierung ist gemächlich und lässt sich Zeit, die Blutwurst-Einlagen sind sparsam gesät, dadurch aber umso effektiver. Apropos „Gore“: Einen kleinen Skandal verursachte der Film damals, weil den Machern unterstellt wurde, man habe eine echte Leiche für die berüchtigte Autopsie-Szene verwendet. Viel verstörender ist der kühle, präzise Pragmatismus, mit dem Frank zuwerke geht. Auch die Entsorgung der ermordeten Anhalterin (einer ekligen Hippie-Kuh, der man umgehend einen grausamen Tod an den Hals wünscht!) ist deshalb so extrem, weil der Vorgang als leidenschaftslose, routinierte Plackerei, als notwendiges Übel dargestellt wird. It´s a dirty job, but someone´s gotta do it!
Der berühmten Fingernägel-Szene wurde auch sensationsgeiler und unnötig ausgewalzter Sadismus vorgeworfen – innerhalb des kruden moralischen Wertekomplexes des Films funktioniert die Szene aber bestens. Außerdem heißt der Film schließlich SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF und nicht FIDO – GEH MIT MEINEM PINSCHER GASSI.
Was übrigens viele nicht wissen: SADO ist das Remake des Films DAS 3. AUGE (1966) von Mino Guerrini, in dem Franco Nero und Erika Blanc sich einen meiner Lieblings-Filmdialoge liefern:
Erika: "Aber das ist ja geradezu ein Horror-Zimmer! Gibt es denn kein Freundlicheres im Haus?"
Franco: "Zieh dich aus!"
Bei BUIO OMEGA wurde natürlich die psychologische Komponente durch den Einsatz von reichlich Innereien und Mettgut verdrängt, aber das macht ja nichts.

Der Film steht und fällt jedoch mit einer Person, der man gar nicht genug huldigen kann, mit FRANCA STOPPI! Ihr gehören einige der unvergesslichsten Szenen aus BUIO OMEGA, ihre von flackerndem Wahnsinn umwitterte Präsenz lässt das Blut in den Adern erstarren! Zu meinen erklärten Lieblingen zählt die Szene, als Iris nach der schweißtreibenden Verhackstückung für sich und Frank das Abendessen auftischt, ein widerlicher Brei, der frappierend an die Leichen-Suppe aus der Blutwanne erinnert. Während es Frank hochkommt, stopft Iris die Tunke in sich hinein, als gäbe es nie wieder etwas Besseres. Oder wie sie Frank beherzt die bloße Brust hinstreckt, als er traurig ist. Oder die wunderbar kranke Szene, als sie ihre degenerierte Sippschaft zur Hochzeit eingeladen hat und ein Spanferkel serviert. Einfach herrlich, die Stoppi kennt keine Ekelgrenze, die Frau will ich heiraten! Man soll ihr einen Altar errichten und sich täglich davor in seinen eigenen Körpersäften wälzen, bis das der Tod eintritt!!
Zum Rest des Ensembles ist nicht viel zu sagen. Kieran Canter fanden möglicherweise viele Frauen attraktiv, weshalb er für die Rolle des Frank besetzt wurde, komplett mit Achtziger-Poposcheitel, Schmollmund und blauen Puppenaugen. Er macht seine Sache halbwegs passabel, hat aber die Ausstrahlung eines Softpornodarstellers (was vielleicht Absicht war). Und richtig, später ging Canter dann auch in Onkel Joes Porno-Sumpf baden, zusammen mit seiner „seriösen“ Karriere. Cinzia Monreales Leistung ist beachtlich, schließlich muss sie 90% des Films eine tote Leiche geben. Am Ende darf sie dann in der Rolle ihrer eigenen Schwester doch noch den Mund aufmachen – tot gefällt sie mir besser.

Der letzte Teil dieser sehr persönlichen Lodhudelei geht an den Synthie-Soundtrack, denn der wurde von Claudio Simonetti & Goblin erstellt und gehört IMHO zum Besten, was die Burschen je abgeliefert haben. Der Soundtrack (am besten auf Vinyl!) gehört in jede Sammlung!

Wie gesagt, man kann den Film wohl nur lieben oder hassen. Ich liebe ihn.

***

Noch ein letztes Wort zur DVD, die mir vorliegt: die stammt von XT, hat ein ansehnliches Bild, aber – wie üblich – keine nennenswerten Extras, die interessant wären. (Ein Split-Screen-Bildvergleich, den kein Mensch wirklich braucht & diverse Trailer, außerdem zwei Interviews, die nicht mal auf Deutsch übersetzt wurden und von ziemlichen Versagern geführt wurden. Die arme Cinzia Monreale tat mir richtig leid!)
Wirklich schändlich ist die Tatsache, daß keine italienische oder englische Tonspur beim Hauptfilm vorliegt.
Obendrein ist sie in einem hässlichen Steelbook mit „Holo-3D“-Cover verpackt. Kann es etwas Ekligeres geben? Nun ja, es war ein geschenkter Gaul…

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 Post subject: Re: Die diabolische Leinwand
PostPosted: 23.09.2010 21:10 
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Einfach herrlich, die Stoppi kennt keine Ekelgrenze, die Frau will ich heiraten! Man soll ihr einen Altar errichten und sich täglich davor in seinen eigenen Körpersäften wälzen, bis das der Tod eintritt!!


So ist es. So und nicht anders!

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PostPosted: 27.09.2010 13:45 
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DIE NACHT DER BLANKEN MESSER („Nude per l’ assassino“, Italien 1975) R: Andrea Bianchi

Das Fotomodell Evelyn stirbt bei einer verunglückten Abtreibung, der verantwortliche Arzt vertuscht den Unfall, indem er die Leiche gemeinsam mit einem Kumpel in der heimischen Badewanne deponiert, um eine natürliche Todesursache vorzutäuschen. Kurze Zeit später kommt es zu blutigen Mordtaten unter den Angestellten des Fotostudios, in dem Evelyn gearbeitet hat. Der geheimnisvolle Killer verhüllt seine Identität hinter schwarzer Lederkluft und einem Motorradhelm. Carlo (Nino Castelnuovo), ein Fotograf, und Magda (Edwige Fenech), seine Freundin und Chefin des Studios, machen sich auf die Suche nach dem Mörder…


Dieser köstliche Schmuddelfilm, der locker-flockig die Quintessenz des Bahnhofskinos darstellt, wurde von niemand geringerem als „Mr.Sleaze“ persönlich heruntergepfuscht – von Andrea Bianchi, der uns solch unvergesslichen Schund wie MALABIMBA – KOMM UND MACHS MIT MIR oder DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES beschert hat. Ja, auch diesem Regisseur sollte ein Tempel zur Lobpreisung errichtet werden, in den er gemeinsam mit Joe D´Amato als Sudel-Ikone einziehen kann. Mit dem Lattenkracher DIE RACHE DES PATEN bescherte er uns den asozialsten Gangsterfilm aller Zeiten – DIE NACHT DER BLANKEN MESSER darf denselben glorreichen Platz im Giallo-Genre einnehmen.

Ich werde mich an dieser Stelle kurz fassen und nicht lange über Dramaturgie, Drehbuch, Kameraführung oder Inszenierung schwadronieren. Es sollte sonnenklar sein, daß der Film auf technischem Level am Bodensatz kraucht. Eigentlich reicht es aus, zu sagen: Alles, was man falsch machen kann, wurde falsch gemacht. Der Film ist keine Sekunde lang spannend, ein genretypisches Miträtsel-Fieber setzt an keiner Stelle ein. Die Dialoge sind unglaublich banal und hanebüchen, was von der abenteuerlichen Synchro aus dem Hause Schier (das bereits die deutsche Fassung von DAS GRAUEN KOMMT NACHTS zu einem halluzinogenen Trip metaphysischen Charakters veredelte!) noch feist unterstrichen wird. Aber wer Kunstfilme sehen will, der greift nicht zu Bianchi, und wem die Kost allzu schwer im Gedärm liegt, der soll stillschweigen und einen Magenbitter kippen.

Wahre Feinschmecker, die ihre Beute gern im finstersten Exploitation-Morast ausbuddeln, bekommen beim Namen Andrea Bianchi einen nassen Schlüpfer. Denn was wir hier als Ersatz für eine interessante Story und eine kompetente Regieführung geboten kriegen, ist SLEEEEAAAAZE in rauhen Mengen, in prallen (Müll-)Tüten, in fett beladenen Kehrichtschaufeln, triefend und fischig riechend. Nicht nur die Messer werden pausenlos blankgezogen, sondern vor allem die Möpse der Darstellerinnen. Das ist jedoch äußerst willkommen, wenn es sich um die hübschen Möpse von Edwige Fenech handelt, die in diesem Film so häufig freigelegt werden, wie selten in einem vergleichbaren Machwerk. Signora Fenech ist einmal mehr so schön wie die Sünde, an der Tatsache ändert auch die ungewohnte Kurzhaarfrisur nichts. Aber auch sämtliche anderen Darstellerinnen lassen beherzt die Hüllen fallen, wenngleich die Fruchtkörbe auch nicht so saftig beladen sind, wie bei unserer allseits heißgeliebten Italo-Göttin. Femi Benussi präsentiert gleich zu Beginn ihr gebärfreudiges Becken in einer Badeanstalt (wo lauter Prolls pfeifend und sabbernd am Pool rumlungern) und wird von Nino Castelnuovo mit markig-männlichem Gehabe zum Beischlaf in der Sauna verführt. Eine gewisse „Amanda“ gibt die handelsübliche Lesbe mit dominanter Ader – sie präsentiert lediglich ihre blanken Hinterbacken, die gut gereift und abgehangen sind. Immerhin hat sie für den geheimnisvollen Killer nicht nur ein, sondern gleich zwei offene Ohren. Auch Erna Schürer (FRAUEN IM ZUCHTHAUS) darf sich ausziehen und zwischen den Laken der Sündhaftigkeit räkeln, dafür trifft sie die Klinge des Mörders aber auch am ärgsten. Die Deutsche Solvi Stubing (die auch bei Lenzis DIE KRÖTE und Baldis BLINDMANN mit an Bord war) hat eine extrem diskriminierende Sexszene mit dem grotesk dickleibigen Franco Diogene – nachdem er vorzeitig sein Ejakulat abgesondert hat und auf mitleidigen Spott trifft, bläst er mit verdrießlicher Miene eine Gummipuppe auf. Einfach unfassbar! Diogene muss man zumindest lassen, daß er wirklich Mut hatte…

Der „Held“ des Streifens wird uns von Nino Castelnuovo (DJANGO – SEIN GESANGBUCH WAR DER COLT) gegeben, der hier einen selten schmierigen Vertreter der Gattung Macho-Arsch aufs Parkett legt. Der Typ ist dermaßen unsympathisch und abstoßend, daß man ihm pausenlos Schanker und Sackratten an den Leib wünscht. Nicht nur das, am Ende – ohne hier etwas spoilern zu wollen – wird impliziert, daß er die Hauptschuld an den blutigen Vorkommnissen trägt. Und die Drecksau kommt nicht nur ungeschoren davon, er darf zum Lohn der bösen Tat auch noch Edwige pimpern! Apropos: Die allerletzte Szene des Films ist ein dermaßen unglaublicher Kracher, da klappte mir endgültig der Unterkiefer aufs Linoleum…

Geschnetzelt wird natürlich auch hemmungslos und reichlich – der in eine schwarze Motorradkluft gehüllte Killer versenkt sein Messer lustvoll in zuckendem Frauenfleisch, angepeitscht durch den häufig deplazierten Score von Berto Pisano, der auch D´Amatos MÖRDERBESTIEN musikalisch untermalte.

Dieses Kleinod des italienischen Schmutzkinos ist dunnemals bei Exquisit Video unter dem Titel DER GEHEIMNISVOLLE KILLER auf Videokassette erschienen (in der mir bekannten Version fehlte die Pre-Credit-Abtreibungsszene), heutzutage bekommt man zwei DVD-Ausgaben: eine aus dem Hause X-Rated und eine von VZM/Cult Cinema International, die unter dem englischen Titel STRIP NUDE FOR THE KILLER herausgebracht wurde. Der Hauptunterschied besteht im Preis – die VZM-Scheibe kriegt man für eine Handvoll Cents hinterhergeworfen.

Objektiv betrachtet: Totaler Dreck, allenfalls 2 von 10 Punkten.
Subjektiv durch die Sleaze-Brille begafft: Prädikat besonders asozial, 8 von 10 Ferkelfürzen!

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