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 Betreff des Beitrags: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 26.10.2013 16:39 
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INSEL DES SCHRECKENS - TODESMONSTER GREIFEN AN (island of terror)

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GB 1966


Regie: Terence Fisher

Darsteller: Peter Cushing, Edward Judd, Carole Gray, Eddie Byrne, Sam Kydd, ...


INHALT

Auf einer kleinen Insel vor der irischen Küste wird eine Leiche gefunden, der sämtliche Knochen abhanden gekommen scheinen. Der völlig ahnungslose Inselarzt Dr. Landers (Eddie Byrne) sucht auf dem Festland Hilfe bei dem bekannten Pathologen Dr. Stanley (Peter Cushing), doch auch diesem ist ein solcher Fall noch nicht begegnet. Stanley sucht Dr. West auf, einen Spezialisten für Knochenkrankheiten. Zusammen mit dessen Freundin Toni Merrill begeben sich die vier zu der Insel, um das Rätsel der verschwundenen Knochen zu lösen. Sie entdecken an der Haut der Toten merkwüdige Blutungen, die sie im Labor des auf der Insel arbeitenden Krebsforschers Phillips näher untersuchen wollen. Doch Phillips öffnet ihnen nicht die Tür. Kann er auch gar nicht, denn er und alle seine Mitarbeiter liegen tot und ebenfalls knochenlos auf dem Boden des Labors. Kurzerhand nimmt man Phillips Aufzeichnungen mit und kommt so den Tentakelmonsterchen, den Silikaten (!), auf die Spur. Doch diese scheinen unverwundbar zu sein. Unter den Inselbewohnern bricht eine Panik aus. Erst ein radioaktiv verseuchter Hund scheint die vier auf die Fährte zur Vernichtung der Monster zu bringen.


KOMMENTAR

Ein schönes B-Filmchen von Terence Fisher, der einige der bekanntesten Hammer-Filme inszeniert hat. Mit dabei ist sein Star Peter Cushing. Die übrigen Darsteller spielen ihre Rollen glaubhaft, Carole Gray darf etwas Bein zeigen und ist sonst für den Kreisch-Faktor des Films zuständig. Das Handeln ist ausnahmslos den männlichen Wesen vorbehalten. So emanzipiert waren die Drehbuchautoren 1966 in England noch nicht, Frauen suchten Schutz bei ihren männlichen Helden, oder sie waren Werkzeuge des Bösen, so waren in den meisten DRACULA-Verfilmungen die Herren der Schöpfung die Vampirjäger, den Frauen blieb die Opferrolle. Eine Freizügigkeit hatte immer einen etwas diabolischen Beigeschmack (THE VAMPIRE LOVERS, TWINS OF EVIL, LUST FOR A VAMPIRE). Auch in diesem Sci-Fi-Film schmiegt sich die recht hübsch anzuschauende Carole Gray an ihren Helden, den jugen Wissenschaftler Dr. David West. Auf der Monsterhatz muss sie jedoch im Auto oder in dem Haus bleiben, eine Monsterjagd ist ja auch für ein Mädel zu gefährlich. Von ihrem ersten Filmauftritt, bei dem sie noch recht frivol nur mit einem Männerhemd bekleidet das Zimmer betritt, gibt sie sich von Auftritt zu Auftritt nicht nur in ihrer Kleiderwahl zugeknöpfter und akzeptiert die Befehle der Männerwelt zunehmend widerspruchsloser. Setzt sie am Anfang noch durch, dass sie mit auf die Insel darf, so führt sie gegen Ende des Films nur noch Befehle aus und sucht Schutz bei den starken Männern. Leider war dieser Film auch der letzte größerer Leinwandauftritt von Carole Gray. (Die Herren der Schöpfung dagegen durfte der geneigte Zuschauer noch in vielen anderen Filmen bewundern!)

Der zweite etwas fade Beigeschmack liefert der Film in seiner Sicht auf die Radioaktivität und den Umgang damit. Die Folgen der radioaktiven Verseuchung sind Mitte der 60er Jahre längst bekannt und wurden in zahlreichen Monsterfilmen thematisiert, indem durch nukleare Verseuchung Monster entstehen, die die Welt und speziell die Menschheit zu vernichten drohen. Hier entstehen die Monster durch Züchten von lebenden Zellen, die Krebszellen auffressen sollen. Leider entstehen dabei diese Mutationen, die Silikate, die zum Leben Calcium benötigen, welches bekanntlich in den Knochen der Lebewesen vorkommt. Als einzige Möglichkeit, diese gegen Kugeln, Feuer und Dynamit, also den herkömmlichen Waffen, immunen Viecher zu besiegen, scheint Strontium 90 zu sein, ein radioaktives Element! Da wird dann ein hochgradig verseuchtes Tier ohne Schutzanzug seziert, die Tiere auf der Insel werden einfach mal eben mit eben diesem Strontium 90 kontaminiert, und die Bauern stehen dabei und halten ihre Tiere noch fest, damit der Wissenschaftler - übrigens eben dieser Dr. West, die poitive Identifikationsfigur des Streifens - den Tieren die radioaktive Injektion verabreichen kann. Und am Ende des Films sagt genau dieser Dr. West, nachdem der Bürgermeister der Insel meint, sie hätten den für die Entstehung der Kreaturen verantwortlichen Wissenschaftler Dr. Phillips nie auf die Insel lassen sollen: "Vergessen sie nicht, dass er (Phillips) versucht hat, der Menschheit zu helfen. Er musste das Risiko eingehen. Die Wissenschaft lebt von Erfolgen und Misserfolgen!"

Und wenn man am Ende des Films sieht, wie in einem fernen Land sich die Ereignisse wiederholen und dabei bedenkt, dass die Wissenschaftler sich glücklich schätzen, dass die Katastrophe nur auf einer kleinen Insel stattfand (gab's da nicht mal eine kleine Milzbrandinsel vor der englischen Küste???) und die Tierchen sich auf dem Festland unkontrolliert ausbreiten würden und ja nur eine radioaktive Verseuchung das Problem aus der Welt schaffen würde (sprich: die Atombombe!), so sagt dies doch einiges über das geistige Vermächtnis der Drehbuchautoren des Films aus!

Ein reaktionärer Film, der aber durchaus spannend und durch die routinierte Regie Fishers sehr kurzweilig ist und die Tentakelmonsterchen sind doch allzu putzig. Deshalb 6/10 Punkten.

PS: Der Film ist übrigens keinesfalls eine Hammer-Produktion, wie ich inzwischen oft gelesen habe. Als Produktionsfirma ist im Film die Firma Planet Film angegeben. Die Veröffentlichung von Cult Cinema International (auch die DVD von Laser Paradise in der Midnight Movies Reihe Nr. 13 ist identisch mit der CCI-Veröffentlichung, sie hat nur eine andere Verpackung) hat ein gutes Bild, der Ton ist nicht zu stark gefiltert, dadurch rauscht er zwar gelegentlich, doch versteht man die Sprecher und die leisen Hintergrundgeräusche sehr gut. Die bei diversen Veröffentlichungen oft geschnittene Szene, in der Peter Cushing sich von einem Körperteil trennen muss, ist mitsamt dem daraus spritzenden Blut enthalten. Als Bonus gibt es den Originalton, den Originaltrailer, sowie die deutschen Aushangfotos und diverse Setfotos und den Werberatschlag in S/W.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 27.10.2013 15:40 
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DER TOTE KEHRT ZURÜCK misterios de ultratumba

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Mex 1959

Regie: Fernando Mendez

Kamera: Victor Herrera

Darsteller: Gaston Santos, Ralph Bertrand, Mapita Cortés, ...


INHALT

Der Irrenarzt Dr. Masali erinnert den im Sterben liegenden Dr. Aldama an ein Versprechen, wobei derjenige, der zuerst ins Gras beißt, den anderen auf seine Reise ins Totenreich mitnehmen und ihn auch wieder zu den Lebenden zurück bringen soll, um das Jenseits zu erkunden. Auf einer spiritistischen Sitzung erscheint eben dieser Dr. Aldama und verkündet Masali, dass in etwa drei Monaten um genau 9 Uhr eine Tür verschlossen wird, die ihm den Weg ins Jenseits ermöglicht. Rätselhafte Ereignisse geschehen, so sieht eine Tänzerin im Publikum den Mann, von dem sie jede Nacht träumt. Sie flieht, auf ihrer Flucht begegnet ihr ein Mann, der sie bittet, einen Schlüssel als letzten Wunsch ihres Vaters einem Arzt zu überbringen. Dieser Arzt ist Dr. Masali, der Schwierigkeiten mit einer Geisteskranken hat, die dabei seinem Assistenzarzt das Gesicht mit Säure verätzt. Als Ersatz kommt ein junger Arzt, eben jener junge Mann, von dem die Tänzerin jeden Tag träumte. Die Ereignisse überstürzen sich, je näher die prophezeite Stunde rückt, denn der entstellte Assistenzarzt will sich an der Geisteskranken rächen, doch diese ist inzwischen ausgebrochen. Dr. Masali verliebt sich in die Tänzerin und bietet ihr an, als Krankenschwester in seinem Sanatorium zu arbeiten, doch diese hat nur Augen für den jungen Arzt und nimmt deshalb Masalis Angebot an. Und dann schließt sich eine Tür ...


KOMMENTAR

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, denn der Film ist spannend und wunderbar gefilmt: Die Irren, die an den Gitterstäben ihrer Türen rütteln, die düstere Hausdame, das verbundene Gesicht des Assistenzarztes, die Irre, die im Hof umherirrt, Masali, der zwischen der Liebe zu der Tänzerin und seiner Passion, das Jenseits zu erkunden, hin und hergerissen wird. Die Spannung baut sich langsam auf, steigert sich in einen Strudel der Gefühle und am Ende erfüllt sich die grausame Prophezeiung des Dr. Aldama.

Hier zwei Bilder aus der Originalfassung:
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Im Vergleich dazu zwei Bilder aus der deutschen Kinoversion:
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Man kann an den vier Bildern sehr gut erkennen, wie der Regisseur Licht und Schatten einsetzt, um eine passende Atmosphäre zu erzeugen. Die Darsteller sind ausgezeichnet, es gibt kein overacting, keine theatralischen Gesten, ohne viele Worte zeigen sie ihre Gefühle.

Der Regisseur Fernando Mendez hat den ebenfalls sehr stimmigen VAMPIRO gedreht (erschienen bei Subkultur), wer diesen Film liebt, dem kann ich auch den Toten sehr ans Herz legen, wer keinen der beiden Filme kennen sollte, dem kann ich beide Filme wärmstens empfehlen, denn Mendez Filme gehören zu den ganz großen Klassikern. Mexicos Filmkultur ist gut und stellenweise den Hollywoodproduktionen überlegen, denn diese Filme sind mit sehr viel Liebe gedreht worden. So war m. E. auch Bunuels beste, fruchtbarste Schaffensperiode seine mexikanische. Es ist schade, dass so weinige Filme aus diesem Land hier veröffentlicht werden.

Mindestens 9/10 Punkten.

PS: Die Veröffentlichung von Motion Picture enthält neben der Originalfassung noch die deutsche Kinoversion, bei der das Bild breiter ist und die Kontraste meines Erachtens deutlicher ausgeprägt sind. Der Ton ist nicht so berauschend, wenn man jedoch bedenkt, dass es sich um einen alten Film handelt, der wohl nicht mit hunderten Kopien gestartet wurde, sondern von dem die wenigen Kopien in vielen Lichtspielhäusern mit ganz unterschiedlichen Projektoren (und ebenso unterschiedlichen und unterbezahlten Filmvorführern) gelaufen sind, dann ist der nicht immer optimale Ton zu verschmerzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 27.10.2013 15:57 
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SENNENTUNTSCHI

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Schweiz / Österreich / Frankreich 2010


Regie: Michael Steiner

Kamera: Pascal Walder

Darsteller: Roxane Mesquida, Nicholas Ofczarek, Andrea Zogg, Carlos Leal, Joel Basman, ...


INHALT

Die Schweiz in der heutigen Zeit: Ein kleines Mädchen findet beim Pilzesuchen das Skelett einer Leiche. Sprung ins Jahr 1975: Der Messdiener eines schweizer Dörfchens wird erhängt in der Dorfkirche aufgefunden. Während der Begräbnisprozession taucht eine verwilderte, nur in Laken gehüllte junge Frau (R. Mesquida) auf, die nicht sprechen kann oder will. Der Dorfpolizist Sebastian (N. Ofczarek) nimmt sich ihrer trotz des Widerstandes der Dorfbewohner an. Schnell macht die attraktive Stumme dem tumben Dorfpolizisten eindeutige Avancen, dieser ist nicht abgeneigt, möchte jedoch vorher die Identität des Mädchens klären. Dabei stößt er im Vermisstenarchiv auf ein Bild, dass der jungen Frau gleicht. Das Bild ist jedoch schon 25 Jahre alt und zeigt eine vermisste Frau, die in Verdacht steht, drei Bergbauern umgebracht, gehäutet und anschließend den Hof in Brand gesetzt zu haben. Ein Franzose (C. Leal) kommt mit einem Autobus in den kleinen Ort und wird dort von einem Bergbauern Erwin (A. Zogg) mit auf seinen Berghof genommen. Dort lebt dieser mit dem seit einem Lawinenunglück stummen Jungen Albert (J. Baseman). Die drei zechen Absinth bis zum Abwinken, und weil keine Mädels dort oben in der Einöde leben und der Absinth die Lust enorm steigert, bauen sie aus einem alten Besen, Heu und ein paar Tüchern eine Sennentuntschi. Was das ist? Nun ja, auf der Alm, da gibt's kei Mad, aber die drei haben ja einen Nagel in der Hose, und "wenn du einen Nagel hast, must du ihn einschlagen!" Dazu brauchen sie die Sennentuntschi. Ein paar Worte an den Teufel, der Absinth erledigt den Rest, und fertig ist ein strammes Mädel. Doch oh Schreck - am nächsten Morgen ist dort tatsächlich eine junge Frau in der Kammer! Dem Alten wird Angst und Bange, denn er erinnert sich an die alte Geschichte aus dem Jahre 1950. Und auch der Dorfpfarrer scheint etwas zu wissen, denn er versucht, das junge Ding zu töten. Doch die Stumme ist nicht mehr im Dorf.


KOMMENTAR

Der Film hat sicher seine Stärken. Da wären zum einen die herrlichen Bilder des Kameramanns Pascal Walder, der die tristen, finsteren Berge toll ablichtet. Die Ausstattung des Films, die Kostüme der Darsteller, dafür hat sich das Team große Mühe gegeben. Roxana Mesquida ist sowieso eine Augenweide, aber auch die anderen Darsteller spielen ihre Rollen wirklich gut, vielleicht neigt Andrea Zogg ein wenig zum übertriebenen Spiel, wodurch seine Rolle schon unfreiwillig komisch wirkt, aber die anderen Darsteller überzeugen umso mehr. Und am Ende wird der Film sogar noch spannend. Das wars dann aber auch schon.

An dem Drehbuch haben drei Personen geschrieben: Michael Sauter, Stephanie Japp und der Regisseur Michael Steiner. Und genau so zerfällt der Film in drei Teile: Da ist die ungewollte Liebesbeziehung zwischen dem Dorfpolizisten und dem jungen Mädchen, das eine Vergangenheit hat, aber darüber schweigt. Der Polizist versucht nun, das Mädchen vor den übrigen Dorfbewohnern zu schützen und gleichzeitig ihre Vergangenheit zu finden. Dann ist da der nicht aufgeklärte Kriminalfall, welchen die vom Teufel besessene Sennentuntschi - ein Dämon - begangen haben soll. Der Pfarrer predigt Hassreden von der Kanzel, an die Häuser der Dorfbewohner werden Symbole gezeichnet, die den Teufel fern halten sollen, die Sennentuntschi bewegt sich ruckartig, man kennt die Bilder aus den asiatischen Horrorfilmen wie RINGU. Der Betrachter denkt zuweilen an Damien aus dem Film DAS OMEN. Tja, und dann gibt es da noch die schweizer Sage um das Sennentuntschi und die drei durstigen Bauern auf der Alm und ihre selbstgebaute Befriedigungsmaschine. Aber die Handlungen kommen nicht überein - sie laufen immer parallel ab. Da der Omnibus ein uraltes Vehikel ist, dachte ich zunächst, die Sünd auf der Alm wäre die Entstehungsgeschichte der Sennentuntschi, man kennt das Schicksal der drei und will wissen, wie sie zu Tode kommen. Das wäre hundertmal interessanter als das Gebotene. Wahrscheinlich war es ursprünglich auch so gedacht (der alte Bus, die Sennentuntschi ist mal auf der Alm, dann wieder im Dorf, dann wieder auf der Alm).
Die Charaktere der Filmfiguren sind nicht gut entwickelt: So ist der Franzose Martin mal Beschützer der Tuntschi, dann wieder ein Frauenmörder, der die Tuntschi brutal vergewaltigt, nur um ihr im nächsten Moment wieder das Leben zu retten. Erwin ist ein gemeiner Senn, der sein Vieh mehr liebt als die Menschen und die Tuntschi als erstes vergewaltigt. Als er später darüber klagt, dass seine Jugendliebe seinen Bruder geheiratet hat und sie seinen Sprössling groß zogen, ist die Figur zu diesem Zeitpunkt für den Betrachter schon so unsympathisch, dass man ihm seine Reue gar icht mehr interessiert. Kurz darauf zwingt er seinen Sohn, mit der Tuntschi Geschlechtsverkehr zu haben, aber dieser ist ja leider ein Frühzünder. Der Junge rennt anschließend in den Stall, während die beiden über die Tuntschi herfallen. Am nächsten Morgen ist die Tuntschi verschwunden, die Viecher gehäutet. Es wäre schön gewesen, wenn der Film wenigstens die Möglichkeit gegeben hätte, dass Albert die Tat seines Vaters rächen wollte, indem er dessen Lieblinge tötete, denn dieser hat das Liebste, was Albert auf der Alm hat, nämlich die Tuntschi, brtutal vergewaltigt. Aber der Film legt keine anderen Fährten.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Musik erschlägt den Betrachter. Jede Szene ist mit lauter Musik unterlegt, manchmal denkt man an einen Videoclip zu einem Songtitel. Und wenn die Musik Spannung erzeugen könnte, so wird diese Möglichkeit in der Lärmwand ertränkt. Bergman genügten genau fünf einzelne Töne an den richtigen Stellen, um eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen. Hier verschwindet jegliche Spannung im Getöse. Und wenn der Bergjunge Albert wild zu Rockmusik aus dem Radio tanzt, dann fragt man sich. woher dieser das kennt, hat er doch seine Jugend auf der Alm verbracht. Und nur, weil ein Franzose in das Dörfchen kommt, spielt man Gainsbourgs Ford Mustang. Dabei hat eben dieser Martin so gar nichts mit dem Bubblegum-Pop, dem Jet Set, der Avantgarde zu tun. Hier geht es einzig und alleine darum: Es kümmt ein Franzos, also unterleg ich das mal mit französischem Gesangle, und damit auch der Schweizer es rallt, der nit Franzmännisch kann, sag ichs gleich nochemol.

Das Ende versöhnt ein wenig, es wird die letzten zehn Minuten nochmal spannend. Aus alledem hätte man mehr machen können - nein, müssen! 4/10 Punkten für die Mesquida, die Kamera, die Ausstattung, und noch einen für die Mesquida.


Zuletzt geändert von dr.freudenstein am 28.10.2013 21:18, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 28.10.2013 18:01 
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DREAM HOME

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China 2010


Regie: Pang Ho-Cheung

Kamera: Yu Lik Wai

Darsteller: Josie Ho, Eason Chan, Derek Tsang, Lawrence Chou, Michelle Ye, ...


INHALT

Kurzinhalt: Die Bankangestellte Cheng Li-sheung versucht mit allen Mitteln ihren Traum von einer Eigentumswohnung zu verwirklichen.

Etwas ausführlicher klingt das so: Die junge Cheng Li-sheung arbeitet als Telefonistin in einer Bank in Hongkong. Der Job ist frustrierend. Sie verdient dort auch nicht viel und muss - um sich ihren Traum von einer Eigentumswohnung finanzieren zu können - nebenbei nach ihrem Bankjob noch etwas Geld in einer Modeboutique hinzuverdienen. Schon in jungen Jahren lernte sie die üblen Machenschaften von Immobilienmaklern und Bankern kennen, die Banden organisierten, welche die Bewohner der Randgebiete von Hongkong terrorisierten, indem sie Stromkabel kappten, Wasserschlangen in Trink- und Abwassersysteme aussetzten und dafür Sorge trugen, dass die Bewohner der Arbeiterviertel nachts ihre Häuser nicht mehr verlassen konnten. Die Häuser wurden nach Abzug der Bewohner abgerissen und durch prunkvolle Neubauten ersetzt.
Durch den Rückfall Hongkongs an China stiegen neben der Einwohnerzahl die Kosten für Eigentumswohnungen und Mieten rapide an, die Löhne dagegen blieben wegen der starken Konkurrenz durch das Festland niedrig. Li-sheung lebt nach dem Tode ihrer Mutter mit ihrem Bruder und ihrem lungenkranken Vater in einer heruntergekommenen, schäbigen und winzigen Wohnung. Sie vermisst den Blick aufs Meer, den sie früher in ihrer alten Wohnung so geliebt hat. Als ihr Vater an der Lunge operiert werden muss, offeriert ihr die Versicherungsgesellschaft ihres Vaters, dass bei Vertragsabschluss ein Besuch im Krankenhaus vor etwa 10 Jahren verschwiegen wurde, bei dem erstmals die Lungenkrankheit festgestell wurde und sie deshalb die Kosten für die Operation nicht übernehmen würden. Li-sheung muss nun ihre mühsam und durch großen Verzicht erwirtschafteten Ersparnisse für die Operation ihres Vaters opfern. Sie steht vor einer schwerwiegenden Entscheidung.
Ihr Freund, mit dem sie sich nach Feierabend in Hotelbetten oder in dessen Auto vergnügt, kann und will ihr nicht helfen, denn er ist - wie alle Männer Hongkongs - verheiratet und eben nur auf Geschäftsreise, wenn er Li-sheung besucht. Als auch die Verkäufer der Traumwohnung mit dem Verkaufspreis in die Höhe gehen, muss sich Li-sheung etwas einfallen lassen, um doch noch zu ihrer Traumwohnung (so der Filmtitel) zu kommen.


WARNUNG für alle Horrorfans:

Dies alles klingt nicht nach Horror und Blutgespritze? Stimmt! Der Film ist anspruchsvoll, beinhaltet sozialkritische Themen und ist zu 85% seiner Lauflänge reines Arthouse-Kino!

WARNUNG für alle Arthouse-Fans:

Der Film ist Kunstkino, doch dies dürften die wenigsten der Arthouse-Fans mitbekommen, denn sie dürften sich schon nach kaum 5 Minuten Lauflänge aus dem Kinosaal (oder von der Couch) begeben, und zwar auf dem Weg zum Klo, denn der Film ist nur zu 85% richtiges Kunstkino, der Rest des Films schlägt dem Betrachter dermaßen in die Magengrube, wie es kaum ein zweiter Film geschafft hat! Gerade die Anfangsszene, in der Li-sheung dem Portier die Luftzufuhr abschneidet, indem sie ihm mit einem Kabelbinder den Hals zuzieht und dieser sich minutenlang quält, aus seiner Werkzeugkiste ein Teppichmesser zu besorgen, mit dem er dann versucht, das Plastikabel durchzuschneiden, geht enorm an die Nerven.

KOMMENTAR

Yu Lik Wai fängt in seinen Bildern der Hochhäuser von Hongong die Überfüllung der Metropolen unserer Erde so treffend ein, dass man durchaus an die Apokalypse der Menschheit denkt. Der Film ist hochaktuell, wenn er am Beispiel der jungen Cheng Li-sheung die Probleme unserer Gesellschaft zeigt: Durch den geringen Verdienst und die steigenden Lebenshaltungskosten und das Leben als Single und somit nur einem Verdiener werden immer mehr Menschen in Zukunft gezwungen sein, mehr als einen Job auszuüben. Dies führt aber zwangsläufig dazu, dass der Arbeitsmarkt übersättigt wird und damit die Löhne sinken. Ein Teufelskreis. Gleichzeitig steigen durch das Bevölkerungswachstum die Mieten und die Kosten für ein Eigenheim. Im Weltspiegel wurde gestern ein Bericht über die Wohnsituation und die Kosten für Eigentumswohnungen in London gezeigt, wobei berichtet wurde, dass manche Angestellte drei Stunden und mehr täglich unterwegs sein müssen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, weil im weiteren Bezirk rund um London die Mieten explodieren. Und dann sehe ich diesen Film aus dem Jahre 2010. Er zeigt prophetisch, wie unsere Städte in zehn, zwanzig Jahren aussehen könnten.

Der Film spriccht ein weiteres aktuelles Thema an: Wie Versicherungsgesellschaften und Banken durch undurchschaubare Verträge sich immer stärker aus der Verantwortung ziehen, fällige Gelder aus Lebensversicherungen oder anfallende Krankenkosten zu zahlen. Im Laufe des Films gibt Li-sheungs Bank ihr den gewünschten Kredit, obwohl sie nur einen geringen Teil selbst finanzieren kann. An dem Tag, als sie in ihre Traumwohnung einzieht, hört man aus dem Radio den Bericht über die geplatzte Immobilienblase und dem Untergang der Lehmann-Bank aus den USA.

Der Film wird meist in Rückblenden erzählt, dabei schneidet der Regisseur zwischen den brutalen Exzessen Li-sheungs und ihrer Historie: Auf extrem blutige Bilder folgen Szenen, in denen Li-sheungs Vater hustet, trinkt und raucht und sie die Rest wegräumt, sie sich um ihren kleinen Bruder kümmert, und dann folgen Bilder, die einem so schnell nicht wieder aus dem Kopf gehen werden. Dieser Film ist nichts für zartbesaitete, und wahrscheinlich wirken die Bilder umso stärker, da sie durch die ruhigen, stillen und oft traurigen Bildern kontrastiert werden.

Neben den ausgezeichneten Bildern Yu Lik Wais spielen die Darsteller ihre Rollen großartig. Die Musik fällt dagegen etwas ab, vor allem das Klaviergeplänkel der Hintergrundmusik bleibt nicht im Ohr haften. Dafür konzentriert man sich umso stärker auf die ausgezeichneten Bilder und die guten Darsteller. Fraglich nur, wer sich diese Art Filme ansieht: Dem Kunstliebhaber wird er zu brutal und blutig, dem Horrorfan zu anspruchsvoll und sozialkritisch sein. ein wahrlich merkwürdiger Hybrid!

Trotzdem: 9/10 Punkten, weil hier eine Slasherstory in eine ernstzunehmende Geschichte gepackt wurde, und dieser Anspruch soll bei den vielen tumben US-Horrorstreifen (siehe NEIGHBOUR) doch gewürdigt werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 05.11.2013 18:46 
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UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR - Alfred Vohrer

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BRD - F 1972

Regie: Alfred Vohrer

Kamera: Jerzy Lipman
Drehbuch: Manfred Purzer nach einer Novelle von Alexander Puschkin
Musik: Erich Ferstl
Produktion: Ludwig Waldleitner

Darsteller: Anita Lochner, Alain Noury, Wolfgang Reichmann, Malte Thorsten, Eva Christian, ...


INHALT

Die 18-jährige Abiturientin Christine Luba (A. Lochner) ist in den aus Frankreich stammenden jungen Studenten Alain (A. Noury) verliebt, der in Lübeck Germanistik studiert. Als dieser wieder nach Frankreich zurückkehren muss, verbietet Christines Vater (W. Reichmann) ihr, Alain dort zu besuchen. Mit Hilfe ihrer Tante (E. Christian), die ebenso unter dem despotischen, depressiven Bruder leidet und sich an ihre eigene Jugend erinnert fühlt, versucht sie, sich heimlich mit Alain zu verabreden, doch bei einer familiären Beinahe-Tragödie erkältet sie sich schwer, und als Alain wegen des starken Regens nicht rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt kommt, erleidet sie einen Zusammenbruch. Sie wird von dem jungen Piloten Martin (M. Thorsten) im strömenden Regen aufgelesen und in ein Krankenhaus gebracht. Martin ist der einzige Sohn eines reichen Fabrikbesitzers und der finanziell in Schwierigkeiten steckende Luba wittert nun durch eine mögliche Heirat Martins mit seiner Tochter Morgenluft. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

KOMMENTAR

Was für ein Film! Die glücklichen Liebesszenen zu Beginn des Filmes erinnern an die großen klassischen französischen Filme, das Verliebtsein wird auch in JULES UND JIM von Francois Truffaut oder in EIN MANN UND EINE FRAU von Claude Lelouch nicht besser eingefangen. Anita Lochner spielt die kindlich unbekümmerte und doch vom Schicksal früh gezeichnete Christine sehr einfühlend. Wolfgang Reichmann spielt den pessimistischen Vater sehr überzeugend, sein tyrannisches Verhalten zu Hause wirkt umso abstoßender, da er vor Kollegen mit Frauengeschichten prahlt und gegenüber dem Bankdirektor oder Martins Vater wie ein kleiner, schmieriger Geschäftsmann winselt. Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen (u. a. Ruth Maria Kubitschek, Dirk Galuba, Alf Marholm, Konrad Georg, Henry Vahl) hervorragend besetzt.

Ferstls Kompositionen, seine leichte Gitarrenmusik, untermalt das lockere Treiben der Liebenden grandios. Hier wird schnell der Unterschied zu heute leider oft erschlagender musikalischer Untermalung der Bilder deutlich: Die leisen, ruhigen Töne lassen genug Raum, um die Sommerstille zu genießen. Die Kameraführung ist superbe. Überrascht hat mich Vohrer in diesem Film durch seine künstlerischen Spielereien zu Beginn des Filmes, so öffnet Christine in einer Szene zwar ihren Mund, es spricht aber ihr Geliebter Alain, dessen Mundbewegungen von Christines Stimme akustisch unterlegt werden. Der Schnitt von einem Bild zum nächsten geschieht, indem in der laufenden Szene schon Geräusche der nächsten Szene zu hören sind. Mit dem Sterben der Liebesbeziehung schwinden auch diese Spielereien, sie sind nicht Selbstzweck, sondern der Schnitt (oder besser: die Montage) verdeutlicht das spielerische Treiben der Verliebten.

Das Wetter wechselt von Sonnenschein zu Regen, die Farben von einem intensiven Rot zu grau, Christines Vater hat anscheinend nur braune, erdfarbene Anzüge, seine Schwester ist vom Kopftuch über ihre Ohrringe bis zu den Schuhen komplett in blaue / türkise Farbtöne getupft, genauso wie Lunds Exfrau - blau wirkt kalt und unnahbar. Christine dagegen trägt gelbe Shirts, lila Hemdchen, ihre Kleidung ist farbenfroh. Es kommt gerade im deutschen Film nicht so oft vor, dass so viele filmische Mittel eingesetzt wurden, um Gefühle einzufangen.

Der Film ist ganz großes Kino. 10 / 10 Punkten!

PS: Was hat dieser Film mit Simmel zu tun? Nun, Puschkins Novelle heißt eigentlich "Der Schneesturm", aber da Simmels UND JIMMY GING ZUM REGENBOGEN ein enorm erfolgreicher Film des Jahres war und fast das gleiche Filmteam mit dabei war, dachte man sich, ein langer Titel mit etwas Regen drin wäre förderlich. So klingt der Film als Fortsetzung des oben genannten Titels, obwohl er praktisch mit Simmel so viel zu tun hat wie mousse au chocolat mit Spanferkel.

PS II: Mein Gott, was hat die Lochner für dunkle, traurige Augen!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 04.03.2014 00:35 
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DAS BESTÄNDIGE GLEITEN DER BEGIERDE - glissements progressifs du plaisir


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Regie: Alain Robbe-Grillet

F 1974

Mit: Anicée Alvina, Olga Georges-Picot, Jean-Louis Trintignant, Michael Lonsdale, ...


INHALT

Ein Kommissar (Trintignant) findet ein verstörtes, junges Mädchen (Alvina) neben einer mit einer Schere erstochenen hübschen Nackten (Picot), die an ein Bettgestell gefesselt ist. Das Mädchen streitet die Tat ab, behauptet, ein Fremder hätte sich Zutritt zu der Wohnung verschafft, doch da keine andere Person zugegen ist und an der Tatwaffe lediglich die Fingerabdrücke des Mädchens sind, wird diese in Untersuchungshaft in ein Mädchengefängnis gebracht, das von Nonnen beaufsichtigt und von einem Pastor geleitet wird.

Zunächst versucht ein (mE) Psychologe (im Film soll es ein Richter sein, was aber juristisch keinen Sinn ergibt!), die wirren Erzählungen des Mädchens zu deuten, um die Unschuld oder Schuld des Mädchens festzustellen. Er verfällt jedoch zusehends den erotischen Avancen des Mädchens, sodass er von einer zunächt prüden Anwältin abgelöst wird. Die gleicht der Ermordeten auf Haar, recht schnell wird jedoch auch sie durch die fantastischen Geschichten und erotischen Spiele des Mädchens korrumpiert. Für die Nonnen ist das Mädchen von Dämonen besessen und der Pastor erleidet bei ihren Versuchungen einen Zusammenbruch. Letztendlich soll eine Nachstellung der Tat Gewissheit schaffen.


KOMMENTAR

Robbe-Grillets Filme sind keine leichte Kost. Hier verfremdet er die Inquisitionsfabel LA SORCIÈRE von Jules Michelet, indem er aus der historischen Geschichte einen modernen Kriminalfilm schafft. Da er dem Produzenten versprach, nicht mehr als 500.000 Francs auszugeben, verzichtete Grillet weitgehend auf filmische Tiefe, auf teure Außenaufnahmen und bekannte Darsteller. Anicée Alvina ist hinreißend schön, betörend, verführerisch, aber sie war noch kein Star und nutzte die Gelegenheit, einmal eine Hauptrolle zu spielen. Trintignant ist ein Freund Grillets und spielte seine wenigen Auftritte für umme, sein Name steht dennoch in großen Buchstaben direkt hinter der Hauptdarstellerin, im Film ist er keine 2 min. zu sehen. Isabelle Huppert zu nennen ist eigentlich eine kleine Frechheit, ist sie doch nur in einem klitzekleinen Augenblick zu sehen. Der Name der zweiten Hauptdastellerin, Olga Georges-Picot, die eine Doppelrolle (Ermordete / Anwältin) hat, ist auf dem Inlay des Amarays nicht zu finden. Warum auch immer. Nennen hätte man sie eigentlich müssen.

Farben spielen eine wichtige Rolle, so sind sowohl das Zimmer, in dem die Ermordete gefunden wird, als auch die Gefängniszelle in einem blendenden, reinen, unschuldigen Weiß, ebenso die Kleidung der Nonnen und das Kleid der Anicée. Immer wieder wird das Weiß von einem Rot, der Farbe des Blutes, aber auch der Liebe, durchtränkt. Am beeindruckendsten ist vielleicht die Szene, in der Die Anicée ihren Körper in rote Farbe taucht und auf der weißen Gefängniszellenwand ihren Körper mit roter Farbe abdruckt. Als die Nonne (in Weiß) den Raum betritt, befleckt sie durch das Drücken ihrer mit roter Farbe verschmierten Hand die Tracht der Nonne, die entsetzt den Pastor ruft. Die Hauptdarstellerin verdient sich unter anderem ihren Lebensunterhalt durch Prostitution, dabei gleitet roter Blutorangensaft über den Körper des Freiers. Blau ist die dritte Farbe, die immer wieder zum Einsatz kommt: Die Farbe des Schuhs, das Meer). Bisher habe ich wenig darüber gelesen, aber die Farben stehen mE natürlich für die Farben der franz. Revolution, für die Begriffe liberté, égalité, fraternité. Zudem ist der Autor der lit. Vorlage Michelet ein Revolutionsschriftsteller, Teile des Films (die Szenen in der Folterkammer unter den Gefängniszellen des Klosters) wurden in dem Gefängnis gedreht, in dem der Marquis de Sade saß.

Ein Geschichtskrimi? Mitnichten. Der Kommissar sieht aus wie aus einem amerikanischen Gangsterfilm (er fährt übrigens auch einen amerikanischen Polizeiwagen!). Ein mittelalterlicher Folterfilm? Sicher nicht. Ein Krimi. Ja, aber kein gewöhnlicher. Das Mädchen erzählt jedem eine andere Geschichte: "Ich kann alles erzählen. Ich erzähle einfach jedem, was er gerne hören möchte", sagt sie der Anwältin bei einem ihrer Besuche. Das Mädchen hat Schuldkomplexe wegen des Todes einer ihrer Mitschülerinnen, aber war es überhaupt so gewesen? Oder ist es einfach nur eine weitere erfundene Geschichte? Der Anwältin erzählt sie etwas von Folterszenen im Keller, und diese - ganz ihr Job - ahnt sogleich einen Skandal hinter den Mauern des Klosters, will dies für die Verteidigung nutzen. Die folgenden Szenen entspringen dabei nur dem Hirn der Anwältin. Einen solchen Folterkeller gibt es dort nicht. Letztendlich bleibt den sie beobachtenden Menschen nur ein Stammeln von hohlen Phrasen (Freud, Inquisition), die der Wahrheit nicht wirklich näher kommen. Der enorme Schlussgag offenbart die unglaubliche Verkettung der Ereignisse. Der Fall beginnt von vorne.

Der Film ist der 2. Teil der Reihe "Alain Robbe-Grillet" aus dem Hause donau film / Al!ve, das Bild ist ordentlich, die Farben kommen satt herüber, der Ton gut hörbar. Als Bonus gibt es ein 33min. aufschlussreiches Interview mit dem 2008 verstorbenen Regisseur zu den Dreharbeiten und der Hauptdarstellerin (entstanden zur Veröffentlichung der franz. DVD, wenn mich nicht alles täuscht). Das Interview ist untertitelt. Der Trailer ist ebenfalls enthalten. Das 16-seitige Booklet ist ein sehr aufschlussreicher Essay des Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger über Grillet und sein Werk.

Ein Meisterwerk in Bild und Darstellerkunst. Eines Bergmans würdig. 10 / 10 Punkten.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 04.03.2014 20:39 
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EIN MÄDCHEN AUS FLANDERN

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BRD 1955

Regie: Helmut Käutner

Mit: Maximilian Schell, Nicole Berger, Viktor de Kowa, Friedrich Domin, Anneliese Römer, Erica Balqué, Fritz Tillmann, Gert Fröbe, ...


INHALT

Der junge Offizier Haller (Schell), Sohn eines altgedienten Generals, meldet sich wie so viele junge Menschen 1914 freiwillig zum Dienst an der Front. Dort lernt er in einem kleinen belgischen Ort das junge Mädchen Angeline, deren Namen er Engele übersetzt und sie fortan so nennt. Doch bevor die beiden sich näher kennen lernen können muss Haller an die Front. Nach langen Kämpfen im Stellungskrieg bekommt er Heimaturlaub. Auf dem Weg zu seinem Elternhaus kommt er wieder an dem kleinen belgischen Örtchen vorbei, er erinnert sich an das kleine Mädchen und beschließt, ein paar Tage seines Urlaubs dort zu verbringen. Er trifft Angeline wieder und beide verlieben sich ineinander, obwohl die äußeren Bedingungen für sie sehr ungünstig sind - er ist ein deutscher Offizier, sie ist aus dem französischen Teil Belgiens - aus Loewen, sprischt kaum deutsch, ihre Eltern wurden von deutschen Soldaten erschossen und ihr Bruder kämpft auf französischer Seite gegen die Deutschen. Doch Angelines Liebe wird von dem Wirt, bei dem sie arbeitet, ausgenutzt, um gestohlene Munition an den belgischen Widerstand zu liefern. Zudem brechen alliierte Truppen durch die deutsche Front und Haller wird wieder zum Dienst an die Front beordert. Bei einem Luftangriff wird das Waffenlager des Wirtes entdeckt und Angeline von den deutschen Soldaten gefangen genommen. Beide verlieren sich aus den Augen.

Gegen Ende des Krieges landet Haller mit einigen Kameraden auf dem Weg zur Front in einem Brüsseler Bordell. Durch Zufall entdeckt er dort seine Angeline wieder, die von einem Deutschen Feldwebel (Fröbe) auf unsittliche Art angepöbelt wird. Haller verteidigt seine Freundin und verbringt eine Nacht mit ihr. Am nächsten Tag wird er zwar vom Ortsgruppenleiter frei gesprochen, er begeht jedoch Fahnenflucht, um Angeline vor der Deportation in ein Straflager zu schützen. Bei dem zwielichtigen Sittenkommissar Dr. Simon (de Kowa) findet er sie wieder, doch auch die deutschen Feldjäger sind ihr, die geflohen ist, auf der Spur. Die Ereignisse spitzen sich zu, zumal die Alliierten auf dem Vormarsch sind.


KOMMENTAR

Käutner schuf einen beeindruckenden Film, in dem die Liebe über alle widrigen Umstände, den Hass, den Nationalismus, den Egoismus, letztendlich siegt. Wenn am Ende das blau-weiß-rote Emblem auf die deutsche Uniform fällt und sich die Liebenden umarmen, so ist dies sicher ein Wunsch Käutners, dass beide Länder - Deutschland und Frankreich - über den beiden Kriegen mit ihrem großen Leid für die Menschen beider Länder mit den unzähligen Toten einen friedlichen Neuanfang wagen. Der Film entstand 1955, dem Jahr, indem der Wehrdienst in Deutschland wider eingeführt wurde, vier Jahre nach Gründung der Montanunion, die den Grundstein für die heutige Europäische Gemeinschaft bildete.

Beeindruckend sind Käutners Bilder, das karge S/W, das die kahlen Bäume wie Galgen aussehen lässt, das harte Filmkorn lässt den Himmel bedrohlich wirken, die Stimmung ist gedrückt, düster. Auf Kriegsbilder verzichtet Käutner fast ganz, zeigt den Alltag hinter der Front, die Überheblichkeit, mit der die Deutschen die belgische Bevölkerung behandeln. Doch immer wieder gibt es Menschen, die den Gesetzen trotzen und Wärme und Mitgefühl zeigen. Diese Bilder sind sicher vom italienischen Neorealismus geprägt, viele Szenen sind zweisprachig, die französischen Dialoge wurden nur dann untertitelt, wenn es für das Verstehen der Handlung von Bedeutung ist. Dagegen stehen der Pomp in den Bordellen und den Offizierskasinos, hier erinnern Käutners Bilder eher an die überschwänglichen Bilder eines René Clair.

Meisterlich versteht es Käutner, seine Darsteller zu Höchstleitungen in der Darstellkunst zu bringen, selbst neue Talente zu entdecken und sie mühelos mit den alten Hasen zu einem Ensemble zu vereinen. Maximilian Schell stand noch am Anfang seiner Karriere, EIN MÄDCHEN AUS FLANDERN ist sein erster großer Leinwanderfolg als Hauptdarsteller. Nicole Berger ist eine junge Französin, die später mit Truffaut, Godard und anderen Größen des franz. Kinos arbeitete. Sie starb am 13. April 1967 im Alter von 32 Jahren bei einem Autounfall. Viktor de Kowa, Freidrich Domin und Fritz Tillmann gehören zu Käutners Stammpersonal, Käutner konnte sich also auf das "Drumherum" verlassen und sich so auf seine Talente konzentrieren. Sicher einer der Gründe für seine großen Erfolge.

Für mich ist Käutner nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Regsseure, sondern ein Regisseur von Weltformat. Er hat seine Menschlichkeit in seinen Filmen in einer Zeit in die Kinos gebracht, die sehr unmenschlich war. Er brachte eine Screwballkomödie nach amerikanischem Vorbild (WIR MACHEN MUSIK) 1942 in die Kinos des Naziregimes, wobei man sich fragen muss, wie er dieses Meisterwerk an Frohsinn, an Kritik am Naziregime, an Begeisterung für Jazz und Swing an der Zensurbehörde vorbeischmuggeln konnte! Sein ergreifender, melancholischer GROßE FREIHEIT NR. 7 mit Albers und der Werner wurde den Deutschen von den Nazis vorenthalten, weil sie befürchteten, der Film könnte im letzten Kriegsjahr eine Kriegsmüdigkeit auslösen, ein Traum von einer "großen Freiheit" implantieren, und von Frieden: "La paloma", die weiße Taube, die Albers in dem Film besingt, ein Symbol des Friedens. Dies und der Titel, das war Goebbels dann doch zu viel des Guten. Mit UNTER DEN BRÜCKEN (1946) und IN JENEN TAGEN (1947) legt er nach Kriegsende den Grundstein für das Auferstehen der deutschen Kinoproduktion.

EIN MÄDCHEN IN FLANDERN erschien in der Reihe Juwelen der Filmgeschichte (filmjuwelen), enthalten ist neben dem originalen Kinotrailer noch ein Booklet mit kurzen Angaben zum Film und zu den Hauptdarstellern und schönen Bildern.

Noch einmal 10 / 10 Punkten, weil der Film wirklich klasse ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 05.03.2014 10:25 
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... UND VOR LUST ZU STERBEN - et mourir de plaisir


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F / I 1960

Regie: Roger Vadim

Mit: Mel Ferrer, Elsa Martinelli, Annette Vadim, ...


INHALT

Auf einer Flugreise erzählt ein Arzt seinen Mitreisenden von einer merkwürdigen Begebenheit, die er einmal erlebt hat und die ihn an der Rationalität der Dinge zweifeln lassen...

Der Gutsbesitzer Baron Leopold von Karnstein richtet ein großes Kostümfest anlässlich seiner Verlobung mit Georgina aus, auf der als Höhepunkt des Abends ein riesiges, mitternächtliches Feuerwerk auf dem alten Friedhof der Karnsteins geplant ist. Trotz aller Warnungen findet das Feuerwerk statt, doch versteckte Munition des letzten Weltkrieges lösen dabei eine große Explosion aus. Carmilla von Karnstein, eine Verwandte des Barons aus Österreich, die zu den Feierlichkeiten angereist war und der einstigen Vampirgräfen Mircalla sehr ähnelt, fühlt sich von der Ruine der Friedhofskapelle angezogen und entdeckt dort in den Trümmern ein altes, verlassenes Grab, welches die Dorfbewohner 1765 bei der Schändung der Gräber der Familie Karnstein übersehen haben mussten. Fortan ist Carmilla sehr verwandelt, hört anstatt moderner Beatmusik nur noch barocke Tänze, kann sich an Ereignisse vor Jahrhunderten erinnern, weiß allerdings nicht mehr, wo ihre Angestellten wohnen, usw. Die Tiere der Umgebung reagieren auf sie nervös, so gerät ein gefangener Fuchs in Panik, ihr Pferd scheut, obwohl Carmilla eigentlich eine gute Reiterin ist. Der Knecht sieht nachts beim Aufstellen einer Fuchsfalle eine geisterhafte Gestalt, die Magd wird in unwegsamen Gelände tot aufgefunden. Die geplante Verlegung der Hochzeit wegen der Vorfälle nach Venedig führt zu einer Katastrophe, denn längst hat Carmilla Gefallen an dem Baron gefunden.

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KOMMENTAR

Dieser Klassiker des Vampirfilms wurde nun endlich auch in Deutschland veröffentlicht. Viel hat man über diesen Film gelesen, vielleicht hat man zu lange warten müssen, bis er endlich vröffentlicht wurde, die Erwartungshaltung ist groß, vielleicht zu groß. Roger Vadim zeigt die Handlung fast ausschließlich in Totalen, was mit der Zeit doch ermüdet. Zudem ist der Film sehr dialoglastig und behäbig geschnitten, es will zu Beginn einfach keine rechte Spannung aufkommen. Der Park und das Anwesen sind jedoch eine hervorragende Kulisse und entschädigen für so manche Länge im Film. Dies sind durchaus beeindruckende Szenen, wenn Carmilla / Mircalla abends in einem weißen Kleid durch den Park wandelt. Sehr schön ist hier die Kameraführung von Claude Renoir. Doch der Film bleibt bei seinem behäbigen Tempo, selbst als Carmilla die Magd verfolgt wird nicht schneller geschnitten, wird die Totale nicht verlassen, wird nicht auf aufgerissene Münder oder Augen geschnitten. Leichte Harfenklänge begleiten die Szenen, können in den ruhigen Szenen durchaus punkten, doch in den Verfolgungsszenen wären etwas mehr spannungssteigernde Elemente nötig.

Der Film punktet wiederum mit diesem tollen Park und der Kameraführung (nicht dem Schnitt und dem Verzicht auf Nahaufnahmen, denn diese sind Vadim anzulasten!. (Weiß jemand, um welchen Park es sich hierbei handelt? Er müsste in der Nähe von Rom liegen, denn der Film wurde in den Cinecitta-Studios aufgenommen.) Mel Ferrer spielt den Baron hervorragend, selten habe ich ihn besser spielen sehen. Annette Vadim sieht hübsch aus, versteht es, mit geringer Mimik wenigstens etwas Spannung aufkommen zu lassen und ist neben Ferrer und dem Park für mich das Highlight des Films: Ihr Spiel ist von Vadim exakt so ausgelegt wie er die Bardot insszeniert hat, jedoch spielt Annette wesentlich kühler, weniger erotisch, dafür abgründiger (kann man das so schreiben?), was für die Rolle der Carmilla einfach besser passt: Ihre Eifersucht ist nicht wild, sondern kühl und berechnend. Wenn sie beim Abendessen erfährt, dass die Hochzeit nach Venedig verlegt werden soll, so schlägt sie ihr Rotweinglas so heftig auf den Tisch, dass der Glasboden abbricht. sofort fängt sie sich wieder, trinkt in Ruhe das Glas aus, legt den Kelch einfach neben den Teller auf den Tisch und isst in Ruhe weiter. Diese Szenen sind grandios.

Übertroffen werden diese Szenen noch durch den Traum am Ende, wenn das farbenfrohe Bild in einem Grau versinkt und Georgina nur noch das Rot des Blutes als Farbe sehen kann. Der Traum ist ein wahrer Alptraum und ist in seiner Intensität vergleichbar mit Bunuels Visionen. Mehr will ich nicht verraten. Mircalla, der Vampir, kann sich im Spiegel sehen, allerdings sieht sie ständig ihr blutverschmiertes Kleid, und in einer Szene reißt sie sich das Kleid vom Leib und sieht ihren blutverschmierten Busen, für 1960 sicher eine recht freizügige Szene und mE sehr gelungen insszeniert.

Insgesamt eine 6 + 2 / 10 Punkten, der Anfang ist doch sehr langatmig, der Film gewinnt erst später an Fahrt. Die von mir oben beschriebenen Szenen erlauben jedoch die Pluspunkte. Ein Film, den man dennoch gesehen haben sollte.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 06.03.2014 14:50 
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BIBI - SÜNDIG UND SÜß (LUSTREPORT EINER FRÜHREIFEN) - baby love


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BRD / SWE / CH 1974

Regie: Joseph W. Sarno

Mit: Marie Forsa, Nadia Henkowa, Anke Syring, ...


INHALT

Bibi kommt aus einem schwedischen Dörfchen und besucht ihre Tante, die in der Nähe der Großstadt München wohnt. Sie wirkt sehr naiv, würde gerne einmal mit einem Jungen schlafen, hat aber panische Angst davor. Sagt sie. Doch die Realität sieht anders aus: Die angeblich so erfahrenen Damen der Großstadt, die Bibi vom Lande anfangs noch belächeln, werden von der scheinbar unerfahrenen Bibi dermaßen verführt und missbraucht, dass eine dieser Damen gegen Ende des Films sogar einen Selbstmordversuch unternimmt. Denn Bibi hat es faustdick hinter den Ohren: Sie beobachtet, nutzt die Schwächen der anderen gnadenlos aus, verführt die Männer mit ihrem naiven, unschuldigen Getue, lässt sie ihre Freundinnen vergessen, verführt Mädels zu lesbischen Spielen mit Dildos und anderem "Spielzeug", überrumpelt eine Frau, die ihren Freund nicht hintergehen möchte zu einem Dreier, bestraft eine ihr untreue Gespielin in Lack und Leder mit Peitschenhieben, zwingt eine Lesbierin zum Sex mit einem Mann. Und jedesmal verlangt sie von ihren Partner(inne)n ein Liebespfand, welches sie in einer Art Büchse der Pandora verwahrt. Bis sich die Hintergangenen zusammenrotten und Bibi alles heimzahlen wollen...

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KOMMENTAR

Es handelt sich hierbei um einen Erotikfilm. Die Handlung bildet nur das Gerüst für die einzelnen Sexszenen, die das Haupt des Films ausmachen, man springt sozusagen von Bett zu Bett. Man sieht keine Hardcore-Szenen, trotzdem wirkt der Film erotisch. Dies liegt vor allem an Marie Forsa, die den Teufel vom Lande so subtil spielt, dass man sie gerne einmal in einem anderen Genre sehen würde als in der Schmuddelecke. Nicht alle Darstellerinnen sind Charaktermimen, was man von dieser Art Film auch nicht erwarten darf. Da Sarno mal wieder kein Textschreiber zur Verfügung gesatanden haben dürfte, so verzichtet er hier weitgehend auf Dialoge und verlässt sich fast ausschließlich auf das Minenspiel der Forsa, was diese mit zunehmender Spieldauer immer bravouröser meistert. Sarno verzichtet ebenfalls auf den Einsatz billiger Mucke, nur das schwülstige Titellied "baby love" wird zu Beginn und am Ende eingespielt. Man hört stattdessen das Knistern der Bettdecke, das Zwitschern der Vögel im Walde... und eben das (leise) Stöhnen der Mädels. Diese Ruhe wirkt ganz erstaunlich. Natürlich handelt es sich um einen Sexfilm. Aber einen guten.

Der film ist Teil der Joseph W. Sarno Collection, in der auch der Film BUTTERFLY enthalten ist. Das Bild ist ausgesprochen gut, der Ton zwar kein Wunderwerk an Technik, die Darsteller und die Hintergrundtöne sind gut verständlich, obwohl mE gefiltert wurde. Als Bonus gibt es den internationalen Trailer, den US-Vor- und Abspann, Aushangfotos der deutschen Kinofassung, deutschen und englischen Ton, sowie zwei weitere Trailer zu Sarno-Filmen. Und ja, der Film hat den deutschen Vorspann (LUSTREPORT EINER FRÜHREIFEN).

Für einen Sexfilm: 8 / 10 Punkten!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 07.03.2014 20:03 
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UNMORALISCHE GESCHICHTEN - contes immoraux


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F 1974

Regie: Walerian Borowczyk

Mit: Fabrice Luchini, Lise Danvers, Charlotte Alexandra, Sirpa Lane, Paloma Picasso, Florence Bellamy, ...


INHALT

UNE COLLECTION PARTICULIÈRE (Vorfilm, 1972)

Erotische Bilder und Spielzeug aus verschiedenen Jahrhunderten werden gezeigt.

LA MAREE

Ein 20-jähriger Junge überredet seine 16-Jährige Cousine, mit ihm an den Strand zu gehen. Dort soll sie ihn so lange oral befriedigen, bis die Flut auf dem Höhepunkt ist, genau dann will er in ihr kommen. Um länger durchzuhalten erklärt er seiner Cousine dabei die Entstehung von Ebbe und Flut. Leider hat er nicht den Anstand, auch ihr einen Höhepunkt zu verschaffen.

THÉRÈSE PHILOSOPHE

Ein frommes Mädchen wird wegen Trödelei in ein Zimmer eingesperrt. Zum Abendbrot bekommt sie lediglich eine Salatgurke. Doch das Mädchen hat eine ganz andere Idee, was man mit der Salatgurke anfangen kann :)

LA VERITABLE HISTOIRE DE LA BETE DE GEVAUDAN (nur in der ungekürzten Langfassung enthalten)

Ein Mädchen in Rokoko-Gewandt spielt Klavier und beobachtet dabei eine Schafmutter, die ihr Lämmchen liebkost. Da reißt das Lämmchen aus und das Mädchen läuft dem entlaufenen Schäfchen hinterher in den tiefen Wald, in dem ein garstiges Ungeheuer haust, das das Lämmchen auch sogleich zerfleischt. Als das wolfsähnliche Ungeheuer das junge Mädchen entdeckt, überfällt es sofort ein Gelüsten, es verfolgt das Mädchen, das auf der Flucht im tiefen Dornenwald nach und nach ihre Kleider verliert. Immer wieder riecht das Tier an den Kleidungsfetzen, holt das Mädchen ein, das dummerweise auf einen Baum geklettert ist und so in der Falle sitzt, und beginnt es zu vergewaltigen. Doch wider Erwarten findet das Mädchen Gefallen daran und will immer mehr, bis das Tier erschöpft zu Boden sinkt und stirbt.

ERZSÉBET BATHORY

Die Gräfin zieht mit ihren Untergebenen durch die Dörfer und fängt junge Mädchen ein, die sie in ihrem Schloss dann abschlachtet, um in ihrem Blut zu baden.

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LUCREZIA BORGIA

Ein Vater zeugt mit Hilfe seiner Tochter einen Enkelsohn. Der Vater ist Papst Alexander VI., sein Sohn Cesare hilft ihm dabei. Der Ehemann der Lucrezia wird kurzerhand entführt, der kritische Dominikanerpriester Savonarola auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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KOMMENTAR

Es ist nicht leicht, zu diesem Film einen Kommentar zu schreiben. Zunächst fällt auf, dass der Film, obwohl er UNMORALISCHE GESCHICHTEN heißt und viel nackte Haut enthält, eigentlich gar nicht erotisch wirkt. Und das, obwohl viele sehr interessante junge Schauspielerinnen hüllenlos oder nur leicht bekleidet abgelichtet werden. Des Weiteren wird in dem Film kaum gesprochen, die drei mittleren Episoden kommen quasi ganz ohne Dialog aus, lediglich am Anfang der zweiten und am Anfang und Ende der vierten Episode wird gesprochen. Klassische Musik untermalt dagegen die Bilderflut (oder bebildert der Film die Musik wie in einem Videoclip?) oder konterkariert sie, wie es die fröhliche Tanzmusik des Rokoko während der gesamten Tier-Episode tut(!) - Die Dominanz der Musik gegenüber dem Dialog erinnert an Peter Greenaways Filme, der Borowczyks Filme sicher gut studiert hat.

Hängen die einzelnen Episoden formal wie inhaltlich zusammen? Bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen alle Episoden wie einzelne Fragmente ohne tieferen Sinn, doch der Schein trügt! Betrachtet man das Ende der zweiten Episode, so enflieht das Mädchen dem elterlichen Gefängnis, läuft über eine Blumenwiese, da sieht man schon einen Schäfer auf sie zulaufen, der in der Nähe seine Herde hütet. Im Vorspann (wie bei Brecht wird der Ausgang der Geschichte vorweg genommen) heißt es, dass das Mädchen von einem Schäfer brutal vergewaltigt wurde und die Kirche überlegt, sie nun heilig zu sprechen. Die folgende Szene beginnt mit zwei Schafen, die von einem Mädchen gehütet werden (wie Bo-Peep in dem englischen Kinderlied). Hier ist das Mädchen die Schäferin, die dann von dem Tier vergewaltigt wird. In der ersten Episode spielt die Zeit eine wesentliche Rolle, die zweite Episode beginnt damit, dass das Mädchen Zeit vertrödelt und deswegen eingesperrt wird.

Wenn die Episoden also formal zusammnhängen, so muss es auch einen inhaltlichen Zusammenhang geben. Den findet man nach etwas Überlegung: In der ersten Episode ist das leicht naive, natürlich wirkende Mädchen mit Sommerkleid, unschuldig, ein süßes Lächeln auf den Lippen, stets fröhlich und unbekümmert. Erinnerungen an Rohmer oder Truffaut werden geweckt. (Der junge Hauptdarsteller der Episode spielte übrigens in einer Episode in Rohmers MORALISCHE GESCHICHTEN mit!) Doch der Junge kommandiert nur herum, will nicht, dass seine Cousine ihren Sommerhut aufsetzt, trägt selbst aber eine (ziemlich dämlich aussehende) Kappe. Er treibt sie an, bestimmt, was getan wird, gibt ihr die Schuld, wenn sie sich verspäten. Der Junge ist unsympathisch. Er verdirbt seiner Cousine ihr erstes Mal durch seine Zeitspielereien, für ihn ist Sex kein Gefühl oder Vergnügen, sondern ein Sport.

In der zweiten Geschichte erzählt das gläubige Mädchen zwar die Wahrheit, ihre wesentlich ältere Mutter glaubt ihr aber nicht und sperrt sie in ein Zimmer, in dem verstekt erotische Bilder und Bücher der Erwachsenen liegen. Von den Wänden und dem Teppich starren sie Männer mit Nickelbrillen und Spitzbärten an, ihr kaputtes Spielzeug liegt versteckt in einem Wandschrank. Der Raum atmet den Muff von Uropas Zeit. Später wird sie von dem alten Schäfer, der übrigens ein schwarzes Priestergewand anhat, auf ihrer Flucht vergewaltigt.

Wer Rotkäppchen kennt, weiß, wer sich hinter der Wolfsmaske verbirgt. Interessant ist hier allerdings, dass der Zuschauer in die Perspektive des Biestes gedrängt wird, somit wird auch der lustgeifernde Zuschauer von Borowczyk angeklagt!

In der vierten Episode ist es die Bathory, die Gräfin, die für die staatliche Macht steht, für das Recht der ersten Nacht, welches Fürsten vorenthalten war, für die vielen Gewalttaten von Herren der Politik gegenüber unschuldigen Mädchen aus der einfachen Bevölkerung, die von der Aussicht auf ein besseres Leben verführt werden. Ich denke, hier hat Borowczyk absichtlich eine Frau als Symbol der Staatsgewalt gewählt, denn hier geht es nicht um männliche Gelüste, sondern um die Verführung von Macht.

Und der Papst ist zum Höhepunkt gleich dreifacher Machthaber: Er ist von Gott auserwählter oberster Machthaber der (katholischen) Kirche, sein Wort war Gesetz und stand damals noch über dem Wort des Königs - und er war Lucretias Vater! Was will dieses unschuldige Mädchen gegen so viel Macht anrichten? Lucretia gleicht in ihrer Formschönheit einer antiken Büste, wird als solche von ihrem Vater und ihrem Bruder auf einen Sockel gestellt, wird durch die Machtinsignien des Papstes und durch erotische Bilder sexuell erregt, ergibt sich den Liebesdiensten der Herren, weil ihr keine andere Wahl bleibt. Der Kritiker Savonarola wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dies bleibt ihr nicht nur erspart, sie wird erhöht, indem sie den neuen, zukünftigen Papst gebiert.

Borowczyk klagt mit seinen UNMORALISCHEN GESCHICHTEN nicht die jungen Mädchen an, die oft unter dem Dekret der Sittenwidrigkeit leiden mussten, sondern die Männer mit ihren sexuellen Gelüsten, die ihre Machtpositionen klar ausnützen, die Kirche mit ihren verlogenen Moralvorstellungen. Die Mädchen sind allesamt sympathisch, vielleicht etwas naiv, aber man muss sie gerne haben. Aber wie widerwärtig erscheint Papst Alexander und sein Sohn Cesare, wie unausstehlich ist der Junge der ersten Episode, der so gar kein Verständnis für seine Cousine hat, die Bathory, die Mädchen abschlachten lässt, um in ihrem Blut ein Bad zu nehmen, das wollüstige Tier, das ein Lämmchen reißt und ein Mädchen brutal vergewaltigt, ...


Ein paar Erwähnungen am Rande:
Ja, Paloma Picasso ist die Tochter von Pablo Picasso.
Die Rolle der Cousine sollte ursprünglich Isabelle Adjani spielen, die lehnte jedoch mit der Begründung ab, dass ihr dann nur noch Rollen für Sexfilme angeboten werden würden. Für ihren Ersatz Lise Danvers, ein aufkommender Star in Frankreich, waren die UNMORALISCHEN GESCHICHTEN die letzte Filmrolle.
Wer Sirpa Lane aus Filmen wie PAPAYA kennt - mit ihrer Rokoko-Perücke ist sie nicht als Sirpa zu erkennen. Absolut nicht. Ich glaube immer noch, dass sie erst zu den Sexszenen eingewechselt wurde. Basta!
Marie Forsas Auftritt dauert keine 10 Sekunden, trotzdem bleiben diese im Gedächtnis, denn hier wird eindeutig gegen den Pornographieparagraphen verstoßen: Die Forsa beißt der Bathorys Kette ab und will die Perlen aus dem Schloss schmuggeln, indem sie sich die Perlen in die Muschi steckt, was man deutlich in einer Großaufnahme sieht!
Der Film zeigt keine expliziten Gewaltszenen! Alle Gewalt findet im Off (und somit in den Köpfen der Betrachter) statt! Lucretia gibt sich ihrem Vater hin, sie weigert sich nicht. Man sieht in der Bathory-Episode lediglich, wie Istvan den Säbel zieht, in der nächsten Szene badet die Bathory bereits im (echten Schweine-)Blut und Istvan putzt den blutigen Säbel!
Die Episode LA VERITABLE HISTORIE DE LA BETE DE GEVAUDAN ist komplett (und dort noch länger) in dem Film LA BETE enthalten. Nur wegen dieser Szene braucht ihr also den Film nicht zu kaufen!

Bewertung:
8 / 10 (Fassung ohne la bete)
10 / 10 (Langfassung, die la bete - Szene gehört einfach dazu)

Die DVD von Bildstörung ist sowieso eine Wucht, das Extramaterial ist auf den 3 DVDs so üppig, dass ich es gar nicht alles aufzähle. Nur zwei Beispiele: Neben der Langfassug mit der la bete-Szene ist auch die Oberhausener Kurzfilmfassung der COLLECTION PARTICULIÈRE enthalten (ohne Kommentar eines Erzählers, nur mit Musik unterlegt) mit den erweiterten Stummfilmausschnitten, und um diese Fassung dem Zuschauer nicht vorenthalten zu müssen wurde die wohl indizierte Szene, in der ein Hund eine Frau beglückt, einfach verpixelt. Es bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen, was dort passiert. Des Weiteren ist das sehr informationsreiche 24seitige Booklet mit einem Essay von Daniel Bird aus dessen Buch über Walerian Borowczyk zu loben.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 08.03.2014 10:56 
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TWIXT - VIRGINIAS GEHEIMNIS


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USA 2011

Regie: Francis Ford Coppola

Mit: Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning, Ben Chaplin, ...


INHALT

Der "Grabbeltisch-Stephen King" zweitklassiger Hexenromane Hall Baltimore (Kilmer) ist auf Lesereise unterwegs und landet in einer typisch amerikanischen Kleinstadt, in der der kauzige Sheriff Bobby LaGrange (Dern) residiert, der in seiner Freizeit Nistkästen für Fledermäuse baut. Dieser zeigt Baltimore die Leiche eines jungen Mädchens, das mit einem Holzpflock im Herzen aufgefunden wurde. Baltimore wendet sich angewidert ab, noch bevor LaGrange das Leichentuch von dem Körper ziehen kann. LaGrange, der weiß, dass Baltimore ein Autor von Hexengeschichten ist, schlägt diesem nun vor, daraus eine Buchgeschichte zu schreiben, er hat sogar schon einen ersten Entwurf verfasst. Baltimore hat zunächst kein Interesse, doch der seltsame Kirchturm mit den sieben Ziffernblättern und das alte, verlassene Hotel im Wald wecken sein Interesse. Als er zudem erfährt, dass Edgar Allan Poe in diesem Nest eine Zeit lang verweilte und dort eine seiner Erzählungen geschrieben hat und seine Frau ihm per Live-Chat androht, seine Erstausgabe von Whitmans Gedichten, von der nur noch vier Exemplare existieren, zu verkaufen, willigt er in LaGranges Vorschlag ein.
In der Nacht hat er einen seltsamen Traum, in dem er dem gespensterhaften Mädchen Virginia (Fanning) begegnet, das ihm von einem Mord an 12 unschuldigen Kindern berichtet, welcher sich in dem verlassenen Hotel im Wald zugetragen hat. Doch das Hotel scheint nicht verlassen zu sein. Am nächsten Tag versucht er, seine Gedanken in Worte zu fassen, muss jedoch erkennen, dass er immer nur an seine bei einem Bootsunglück umgekommene Tochter Vicky denken kann. Je mehr Whiskey er in seich hineinschüttet, desto stärker werden seine Gedanken an seine Tochter. Er flüchtet mit Schlaftabletten in eine Traumwelt, die bevölkert ist mit Vampiren, Untoten - und in der er Edgar Allan Poe (Chaplin) trifft, der ihm Tipps für sein Buch gibt. Doch immer wieder erinnert ihn LaGrange daran, dass er mit ihm gemeinsam arbeiten und den Mordfall aufklären soll. Und dann gibt es ja noch die Jugendlichen am anderen Ufer des Sees, die von einem zwielichtigen Typen namens Flamingo angeführt werden und die laut Aussage von LaGrange böse sind...


KOMMENTAR

Mit dem Namen Coppola verbindet man Filme wie DER PATE oder APOKALYPSE NOW, hier wagt er sich an eine Schaffenskrise eines Schriftstellers und verbindet sie mit etwas Mystik und Vampir- und Gespensterstorys, die zur Zeit bei Teenies gut ankommen. Der Autor wird von Val Kilmer gespielt, der etwas an Gewicht zugelegt hat und in jüngster Zeit keine nennenswerten Filme mehr gedreht hat. Somit ist er sehr gut für die Rolle des heruntergekommenen Autors geeignet. Interessant ist auch, dass Baltimores Frau in dem Streifen von Joanne Whalley gespielt wird, der Ex(?)-Frau von Kilmer. Lobend zu erwähnen sei auch noch Bruce Dern, der den schrulligen Sheriff hinreißend spielt. Das wars dann aber auch schon.

Die ganze Gschichte wird von einem Erzähler aus dem Off erzählt, auch wenn (im Original) die Stimme von Tom Waits gesprochen wird, so stört sie doch gewaltig, denn Bilder sollten stets für sich sprechen. Es ist ein wenig so wie bei den Fußballübertragungen der 60er / 70er Jahre, bei der der Moderator genau das sagt, was sowieso jeder auf dem Bildschirm sieht: "Beckenbauer passt zu Müller, der Köpft und ... gehalten!" Es wird sowieso viel zu viel gesprochen in dem Film, Poe erklärt, wie er seine Geschichten geschrieben hat - ich frage mich, wer will so etwas auf einer Kinoleinwand sehen? Das kann man auch in einem Buch nachlesen. Die Jugendlichen am anderen Ufer des Sees zitieren Baudelaire, aber warum reden, wenn man einen Film dreht??? Das Mädchen und Poe erzählen die Geschichte von dem Mord an den Kindern, dazu laufen im Hintergrund Bilder. Warum lässt man die Kommentare nicht weg und zeigt den Mord etwas spannender?

Die Jugendlichen in ihren gruftigen Outfits wirken sowieso sehr aufgesetzt und gewollt, aber nicht gekonnt, in Szene gesetzt. Welche Rolle spielen sie? Ehrliche Antwort? Gar keine! Sie sind völlig überflüssig, am Ende heißt es nur, sie sind nicht mehr gesehen worden. Man hätte sie glatt weglassen können, oder besser müssen! Der Film läuft nur 86 min (und die sind noch viel zu lang!), ich nehme an, die Jugendlichen hatten noch eine größere Rolle und vieles, was dem Verständnis gut getan hätte, ist dem Schnitt zum Opfer gefallen. Warum erhängt sich LaGrange? Oder war es Flamingo, der sie alle tötete? Ehrlich gesagt, es ist mir völlig egal, denn die Figuren sind blass und uninteressant. Der ganze Film wirkt irgendwie zusammengeschustert und je länger er läuft, desto uninteressanter wird er, weil die Geschichte den Roten Faden verliert. Das Ende - was zu erwarten war - ist sowas von dämlich insszeniert, dass man sich nur mit Grausen abwenden kann. Ein dilettantischer Film sondergleichen. Der Film bleibt reine Flickschusterei - nichts passt wirklich zusammen! Und genau in dem Moment, als Gefühle aufkommen, wenn es darum geht, wie es zum Tode von Baltimores Tochter kam, erfährt man, dass er vorher schon gesoffen hatte, noch bevor seine Tochter umkam, und nicht der Unfall der Auslöser für seine Schaffenskrise und seinem Hang zum Alkohol war, was zu Beginn des Films angedeutet wurde!

... und dass auf dem Tisch seine Tochter liegt und zum Vampir wurde, setzt dem ganzen hanebüchenen Mist noch die Krone auf!


3 / 10 Punkten, gnädigerweise, weil Bruce Dern wirklich gut ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 11.04.2014 07:30 
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VERUSCHKA - INSZENIERUNG (M)EINES KÖRPERS - Vera Lehndorff, Paul Morissey und Bernd Böhm

TV-Dokumentation ZDF/Arte 2005

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Vera Gräfin von Lehndorff, Tochter von Heinrich Lehndorff, der an Stauffenbergs Attentatsversuch auf Hitler teilgenommen und deswegen hingerichtet wurde, besser bekannt als Veruschka, ist sicher jedem von uns irgendwo auf Covern von Magazinen, Hochglanzbildbänden, Zeitschriften begegnet, und sei es durch ihren bemerkenswerten Auftritt in Michelangelo Antonionis BLOW UP. In dieser Dokumentation erzählt Vera von Lehndorff selbst über ihre Kindheit in Ostpreußen, die Besuche Ribbentrops auf dem elterlichen Gut, den Inszenierungen der Auftritte der Nazis, von der Hinrichtung des Vaters, von ihrer Flucht vor der Roten Armee, erzählt von ihren Erfahrungen an der Kunsthochschule, Ihre Entdeckung als Model und der Kreation der Kunstfigur Veruschka.

Ich lege allen, die auch nur ein entferntes Interesse an Fotografie oder Kunst haben, die sich für die Geschichte - und damit meine ich nicht Modegeschichte! - des letzten Jahrhunderts interessieren, diese Dokumentation ans Herz. Vera berichtet sehr offen über ihre Zusammenarbeit mit Dali, was Dali unter einer "großen Limousine" versteht :mrgreen: , wie, als Vera sich ein paar Kritzeleien von dem Meister mitnehmen wollte, dessen Helfer sämtliche Dinge, die mit Dalis Pjnsel in Berührung kamen, einsammelten. Schonungslos berichtet sie von ihren Depressionen, von ihren Einlieferungen in die Irrenanstalt, das Abtransportieren in einer Zwangsjacke. Sie berichtet von ihren Unproportionalitäten, ihren zu großen Füßen, dem viel zu langen Körper, der bei ungünstiger Verlagerung des Schwerpunktes einfach umkippte und wie sie aus diesem Makel ein Markenzeichen machte. Sie berichtet von der Inszenierung ihrer Kunstfigur Veruschka, den langsamen Gang, densie sich angewöhnte, den Bemalungen ihres Körpers, der längst zum Kunstobjekt wurde.

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Die Dokumentation ist unterlegt mit vielen hervorragenden Bildern von Helmut Newton, Richard Avedon, Holger Trülzsch, doch interessant sind hier vor allem die filmisch in sehr guter Qualität festgehaltenen Aufnahmen, wie es zu den Bildern kam, die zehnstündigen Schminkprozeduren, die gescheiterten Versuche Dalis, Vera mit Rasierschaum einzudecken, Veras Bewegungen in die Unsichtbarkeit hinein. Bemerkenswert ist ihr Auftritt als Snoop Dog, das Nachahmen seiner Gesten, seiner Sprache, aber auch ihr Auftritt als Marylin ist vom Original kaum zu unterscheiden (!). Am Ende der Doku berichtet sie über ihre Arbeit in New York in den 90er Jahren, ihr selbst gebautes Modell eines brennenden New York von 1996 und ihren (privaten?) Aufnahmen der einstürzenden Twin Towers, ihren 1998 inszenierten Aufnahmen von Obdachlosen auf den Straßen der Stadt, die dann anlässlich der Anschläge vom 11. September als Opfer der Anschläge vermarktet wurden und ihrer Flucht aus der ihr so liebgewordenen Stadt, die ihrer Flucht aus Ostpreußen 55 Jahre zuvor widerspiegelte.

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Eine bewegende Doku. 10 / 10 Punkten!

Als Bonus ist unter anderem eine Dokumentation des italienischen Regisseurs Valentino Orsini zu der Entstehung einer Werbefotoreihe für den Fiat 130 enthalten, die sehr aufschlussreich über die damalige Art der Trickfotografie ohne digitalen Fotoshop ist :D


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 11.04.2014 21:26 
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DER FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN - Joseph W. Sarno


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BRD / S / CH 1973

Mit: Nadia Henkowa, Anke Syring, Nico Wolferstetter, Marie Forsa, Ulrike Butz, Heidrun Hankammer, ...

INHALT

Irgendwann zu Beginn der 70er Jahre. Ein Zug hält im Winter an einem kleinen Bahnhof in einer abgelegenen Gebirgslandschaft. Eine junge Frau (Marie Forsa) steigt aus dem Zug und wird von einem Mann mit einer Pferdekutsche, oder besser Pferdekarren, abgeholt. Er bringt sie auf ein altes Schloss, das von einem Frl. Krock (Nadia Henkowa) verwaltet wird. Im Verlauf des Tages treffen noch weitere geladene weibliche Gäste ein, wovon eine eine Nachfahrin der alten Baroness sein soll, die aufgrund ihres Durstes am Blut junger Mädchen einst gepfählt und verbrannt wurde. Später sucht noch eine junge Frau, Julia Malenka (Anke Syring), die ihre Dissertation über Okkultismus schreibt, mit ihrem Bruder Peter im Schloss Schutz vor einem aufziehenden Gewitter. Nächtens werden die Gäste durch Trommeln im Schlaf geweckt, immer wieder zieht es die Besucher zu Liebesspielen hin, nur Julia Malenka weiß einen Schutz: Ein Knoblauchkruzifix schützt vor bösen Träumen! Doch unter den Gästen ist eine, die mit den dunklen Mächten im Bunde und Herrin über die Tiere der Umgebung ist...

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(Eine süße Kirsche: Ulrike Butz!)


KOMMENTAR

Viel Schlechtes habe ich über diesen Film gelesen, und wäre nicht der Trailer auf einer anderen DVD, ehrlich, ich hätte den Film nicht gekauft. Meine Erwartungen waren nicht sehr groß, als ich den Film eines schönen Morgens in den Player legte. Eigentlich wollte ich auch nur kurz den Anfang sehen, und die ersten Szenen des Anfangs entsprachen gewiss dem voreingenommenen Urteil, das ich durch Lesen diverser Kritiken von diesem Film hatte. Doch aus ein paar Minuten wurden 103. Und dann gab es ja noch das Bonusmaterial.

Sicher, der Film hat seine Schwächen, die liegen vor allem in den okkulten Tanzeinlagen der spärlich bekleideten Mädels zu Buschtrommelklängen (man sieht aber nie Trommler und vom Band kann das Getrommel auch nicht kommen, denn es gibt im ganzen Schloss keine Elektrizität!) im Keller des Schlosses (das übrigens nur von der Ferne wie ein Schloss aussieht, im Inneren ist es eher ein Gutshof). Aber der Rest ist toll gemachtes Gruselkino mit einer wirklich exquisiten Atmosphäre! Im Grunde nimmt dieser Film bereits einiges von Herzogs NOSFERATU vorweg. Ehrlich! (Ich spüre schon die Steine auf mein Haupt prasseln!)

Die Kutschfahrt ist bereits so stimmungsvoll eingefangen, man hört das Pferd schnauben, das Klappern der Hufe, man entfernt sich von der Zivilisation (elektrische Eisenbahn, modernes Dorf) und gelangt durch tiefe, dunkle Wälder zu einem unheimlich wirkenden, alten Schloss. Die Beleuchtung im Schloss selbst geschieht größtenteils nur durch Kerzen (die zu Hunderten herumstehen und auch anderweitig missbraucht werden :D ), und das einige Jahr vor Kubricks BARRY LYNDON (1975)! Die spärliche gutbäuerliche Innenausstattung der Räume, die alte Küche mit dem Holzherd, in welchem der Diener Feuer anlegt, die weißen Wände, von denen der Putz bröckelt, die schweren Holztüren, das alles ist sorgfältig ausgewählt. Die Musik, ein leiser elektrischer (und somit für die Atmosphäre befremdlicher) Klang setzt immer nur dann ganz leise ein, wenn die Priesterinnen von Varga (so nennen sich die in Schwarz gekleideten Frauen) ihre hypnotischen Kräfte einsetzen. (Außer natürlich den nervenden Trommeln in der Nacht, die aber durchaus ihren (Voodoo-)Sinn haben!) Die Bilder sind am Anfang sehr ruhig, nehmen aber im Verlauf mit der Steigerung der Handlung zur Stunde der Offenbarung der Nachfahrin rasant zu, die Kamera verlässt die Horizontale, schräge Einstellungen dominieren, die Schnittfolge nimmt deutlich zu.

Anke Syring spielt den weiblichen Van Helsing genau so, wie er in der literarischen Vorlage steht, er ist anfangs (noch) kein Kenner der rituellen Gebräuche, erst im Verlauf des Films lernt er, die Dämonen zu bannen. Ihre Rolle ist natürlich spröde angelegt, sie widersteht den sexuellen Verlockungen, welche die schwarzen Schwestern ihr inzestuös in ihrer Liebe zu ihrem Bruder suggerieren. Genial, genial. Ein Fehler in der Schnittfolge besteht, denn Helga (Forsa) hat bereits Geschlechtsverkehr mit Peter, noch bevor die Hexen sie unter Hypnose entjungfern und ihre sexuellen Gelüste freisetzen. Schade.

Und mal ehrlich, selten habe ich so gelacht, als die Hexen Helga, die unter ihrer Macht steht, zwingen, Peter das Kruzifix abzunehmen, doch durch ihren Erfolg schützt sich Helga wiederum und die Hexen verlieren ihren Einfluss auf sie. Später versuchen sie alle, dieses Kreuz loszuwerden. Einfach herrlich - und das meine ich positiv! Für mich der Höhepunkt im ganzen Film. Zum Schmunzeln sind auch die Fledermäuse - die man eigentlich gar nicht sieht - und die Julia ausziehen, selbst ihr Unterhöschen wird von einer Fledermaus gegrabscht :D . Das sind echte Highlights, an die man sich gerne erinnert.

In diesem Sinne:

"Wir öffnen unsere triefend nassen Lippen,
um den Samen von diesem langen,
zitternden Pfahl des Fleisches,
der tief in uns dringt,
zu trinken."

Prost :prost23:

Von mir: 7,5 / 10 Punkten


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 17.05.2014 11:20 
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DER RUF DER GRADIVA

Belgien 2006

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Regie: Alain Robbe-Grillet

Mit: James Wilby, Arielle Dombasle, Dany Verissimo, Marie Espinosa, Farid Chopel, Lotfi Yahya Jedidi, ...


INHALT

Der Amerikaner John Locke (Wilby) reist nach Marrakesch, um dort eine wissenschaftliche Abhandlung über zwei verschollen geglaubte Skizzensammlungen des umstrittenen frazösischen Malers Eugène Delacroix zu schreiben. Eines abends überbringt ihm seine junge, hübsche Hausangestellte Belkis (Verissimo), die nicht nur für ihn kocht, putzt und Einkäufe erledigt, sondern ihm auch nachts für seine erotischen Spielereien zur Verfügung steht, ein Päckchen, in dem Dias mit Skizzenzeichnungen einer jungen weißen Frau sind, die im Stile Delacroix angefertigt wurden, aber unbekannt sind. Auf die Frage, wer dieses Päckchen überbracht hat, antwortet Belkis ähnlich wie der Rabe in Poes Ballade stets mit der gleichen Antwort: "Ich weiß nicht!". Locke gerät darauf in Wut, bekommt Zahnschmerzen und beschließt, in der Altstadt von Marrakesch einen Zahnarzt aufzusuchen. Von den mittelalterlchen Methoden des Zahnarztes entsetzt (öffentliches Zahnziehen mit einer Zange!), flieht er, sieht in den engen Gassen der Altstadt eine blonde Schönheit in persilweißem, luftigem Gewand (Dombasle) und folgt dieser, fasziniert von ihrer Grazie. Sie verschwindet in einem Souvenirladen, in dem es auch Zeichnungen von Delacroix zu kaufen gibt. Ein blinder Bettler (Jedidi), der vor dem Laden sitzt, rät Locke aber von dem Kauf ab, denn die Zeichnungen seien allesamt Fälschungen. Er bringt ihn zu einem Dr. Anatoli (Chopel), der angeblich Originale besitzt. Dr. Anatoli zeigt ihm die Bilder, während er seiner Geliebten (Espinosa) ständig an den Brüsten herumspielt. Anschließend gibt er Locke noch ein Serum gegen seine Zahnschmerzen und bittet ihn, Gast in seiner Herberge, einer Art Harem, zu sein. Claudine, seine Geliebte, soll Locke zu seinem Zimmer mit der Nummer 13 führen. Locke sei doch nicht abergläubisch, fragt er seinen Gast, und rät seiner Geliebten, die Finger von dem Fremden zu lassen, denn vor Jahren wurde eine junge Frau, die sich mit einem französischen Maler eingelassen hatte, von ihrem Herren geköpft, seitdem gehe ihr Geist um. Locke wird von den Haremswächtern in schwarzen Anzügen auf Waffen untersucht und wird eingelassen, doch das Serum war eine Droge und Locke fäll in fieberhafte Alpträume. Als er erwacht, liegt auf einem Sofa in seinem Zimmer die hübsche Blondine, erstochen mit einem Dolch. Locke hebt den Dolch auf und wird im gleichen Moment von einem Unbekannten fotografiert. Er flieht.

Immer stärker vermischen sich Realität und Traumwelt, Locke sieht gefolterte Frauen in Ketten, blutverschmierte junge Mädchen. Seine Zahnschmerzen werden unerträglich und immer öfter greift er zu Anatolis Serum. Da trifft er die junge Claudine im Café der verlorenen Katzen wieder, die ihn zunächst nicht erkennt. Sie gibt ihm im Auftrag von Dr. Anatoli erneut ein Fläschchen mit dem Serum gegen seine Zahnschmerzen und bittet ihn, am Abend zu ihrer Theateraufführung im Hause des Doktors zu kommen. Trotz der Warnungen Belkis geht Locke hin, trifft dort einen Kommissar, der ihm gesteht, dies alles arrangiert zu haben. Locke erfährt von dem Polizisten, dass er verdächtigt wird, der gesuchte Mädchenmörder zu sein.



KOMMENTAR

Robbe-Grillet verarbeitet in diesem Film wieder die drei Grundsäulen der französischen Revolution: Freiheit (blau), Gleichheit (weiß) und Brüderlichkeit (rot).

Die Freiheit wird in dem Film verkörpert von dem Amerikaner John Locke, der den gleichen Namen wie der englische Philosoph (1632 - 1704) trägt, dem Begründer des Liberalismus, der mit seinen Gedanken maßgeblich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) beeinflusst hat und die ja bekanntlich Grundlage der französischen Unruhen war, die zur Revolution 1789 führte. Er fährt ein Motorrad, ein Symbol der Freiheit in den Vereinigten Staaten, ist unabhängig, da er freischaffender Orientalist ist, kann in Länder reisen, in die er will und scheint finanziell gut betucht, außerdem bekommt er alle Leistungen wie Taxifahrt, das Serum, die Herberge quasi gratis. Er schreibt ein Buch über Delacroix, dessen bekanntestes Werk DIE FREIHEIT FÜHRT DAS VOLK AN! von 1830 ist:

Bild

Die Freiheit, verkörpert durch die junge, barbusige Frau, welche die Fahne trägt, bleibt aber doch zunächst eine Freiheit des Mannes. Robbe-Grillet greift die Figur der Revolution auf, lässt sie in Ketten legen und auspeitschen:

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Belkis, die Geliebte Lockes, muss für diesen kochen, putzen und ist im Bett seine Sklavin, die er ankettet und der er androht, sie zu töten, wenn sie ihn sexuell nicht befriedigt. Von Gleichheit ist hier nicht die Rede! Zwar ist das Bettlaken, die Grundlage sozusagen, weiß, die Farbe der Gleichheit, doch ein blaues Kopfkissen hat nur Locke, Belkis Kopfkissen ist golden, sie ist sein Schatz, das Kissen ist mit orientalischer Ornamentik verziert, die an Ketten erinnern. Den Schatz verwahrt man zu Hause. Das Haus im Film gleicht einer riesigen Festungsanlage oder einem Gefängnis.

Bild

(Hach, ich liebe diese Symbolik in Robbe-Grillets Filmen!!! :D )

Leiden müssen in diesem Film nur die Frauen. Neben der angeprangerten Ungleichheit zwischen dem Mann und der Frau wird auch die Ungleichheit zwischen Farbigen und Weißen angesprochen: Es ist ein Clou Robbe-Grillets, die Handlung ins arabische Marrakesch zu verlegen: Letztendlich gibt es dort zwar eine Gleichheit zwischen dunkelhäutigen und weißen Männern, nicht jedoch zwischen dunkelhäutigen und weißen Frauen. Zu spät erkennt Locke, was er an seiner Belkis hatte! Brüder sind hier nur Männer, Frauen haben unter der Brüderlichkeit der Männer zu leiden, denn letztendlich bleibt der Kriminalfall unaufgeklärt, Beweismittel werden fein säuberlich gereinigt. Die Frauenmorde bleiben ungesühnt.

Es gibt auch noch eine weitere Ebene in diesem an Symbolik vielleicht etwas übertriebenem, aber für Robbe-Grillet typischem Werk: Die Ebene der Realität, in der man sich an Regeln und Gesetze halten muss, und an die Ebene der Träume, der Fiktion, wo alles erlaubt ist. Aber ist das so? Als Belkis gesteht, sie habe Alpträume gehabt, antwortet Locke: "Träumen Sie nicht so viel, das ist aus der Mode!" Hermione, die im Theater die Rolle der Leila / Gradiva spielt, gesteht Locke im Café der verlorenen Katzen, dass Träume ebenfalls der Moral und der Gesetzgebung unterworfen sind. Sie erwähnt, dass sich in einem Fall Regisseur, Autor und die Eltern einer minderjährigen Darstellerin über eine freizügige Rolle einig waren, der Produzent im Hinblick auf die öffentliche Erregung, die Zensur und somit dem finanziellen Verlust dem widersprach. Und in der Tat: In dem aufgeführten Theaterstück fällt immer dann der Vorhang (oder eben die Schere der Zensoren), wenn das Beil den Kopf, das Messer den Körper trifft. Der Film wirft die Frage auf, inwieweit die Kunst heute wie damals wirklich frei ist. "Träume werden strengstens von der Polizei überwacht", sagt Hermione zu Locke, dem Vordenker der Aufklärung.

Und wenn sich Belkis am Ende zur Arie aus Puccinis Madame Butterfly (die inhaltlichen Parallelen der Oper zu dem Film sind unverkennbar) umbringt, ihr rotes Blut auf das weiße Laken fließt, dann sind dies hinreißende Momente filmischen Genusses!


Ein hervorragender Film mit Bildern, die gemalt sein könnten, sicher musste Robbe-Grillet seine Darstellerinnen genauso behandeln wie die Herren im Film, um diese gequält verkrampften Körperhaltungen hinzubekommen. Sicher ein autobiographisches Werk :mrgreen:

Wieder mal 10/10 Punkten und jedem, der sich für Symbolik oder Kunst interessiert, wärmstens ans Herz gelegt.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 07.06.2014 22:13 
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DIE BESTIE IM MÄDCHEN-PENSIONAT - The Loreley's Grasp

Spanien 1973

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Regie: Amando de Ossorio

Darsteller: Tony Kendall, Helga Liné, Silvia Tortosa, ...


INHALT

In den kleinen Dörfern an den Ufern der Rheins nahe Rüdesheim fallen junge Mädchen in Vollmondnächten einer schrecklichen Bestie zum Opfer, die ihnen das Herz herausreißt. Von den Herzen fehlt jede Spur, von der Bestie ebenso. Die junge Lehrerin Elke Ackermann (Tortosa) sorgt sich um das leibliche Wohlergehen der ihr anvertrauten Schützlinge im Mädchenpensionat oberhalb des Rheinufers, denn dort gibt es keinen Mann, der sie beschützen kann. Der Bürgermeister von Rüdesheim engagiert daraufhin den erfahrenen Jäger Sigurd (Kendall), der die Mädchen fortan beschützen soll. Der erfahrene Jäger ist jedoch recht jung, sehr zur Freude der jungen Mädchen. Im Dorf warnt ein blinder Straßenmusikant vor der Lorelei, die sich in Vollmondnächten in ein garstiges Ungeheuer verwandeln soll; ein alter Wissenschaftler experimentiert in seinem Hobbylabor an der Rückentwicklung menschlicher Körperteile zu urweltlichen Amphibienwesen. Er hat einen Silberdolch entwickelt, mit dem man diese mutierten Urviecher töten kann. Doch beide sterben eines gewaltvollen Todes. Da entdeckt Sigurd eine rothaarige (!) Schönheit (Liné) am Ufer des Rheins, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Doch wohin verschwindet die Holde immer wieder nach ihren kurzen Treffen? Inzwischen tötet die Bestie weiter, denn der Monat scheint nur aus Vollmondnächten zu bestehen!


KOMMENTAR

Ossorio verknüpft in seiner Mär die Sage der Loreley mit Werwolfgeschichten, würzt sie mit einer Prise Monsterhorror, gibt etwas Vampirismus hinzu, lässt Dr. Frankenstein auferstehen und haut obendrauf noch eine mächtige Portion Nibelungensahne! Glaubt ihr nicht? Seht es euch an! Die Logiklöcher sind so groß, dass ganze Erdteile darin verschwinden könnten. Nun ja, Schwamm drüber. Der Film unterhält und hat noch einige gute Darsteller, die glaubwürdig diesen Mist an Story rüberbringen. Die Kameraführung ist gelungen, in der Szene, in der die Tortosa im weißen Nachtgewand vor der Bestie durch den dunklen Park flieht, sogar superb. Die Drehorte schwanken zwischen Aufnahmen an Originalschauplätzen in Rüdesheim und Bingen, man sieht alte Fachwerkhäuser, über dem Rhein liegt weißer Nebel (natürlicher Nebel, kein Kunstnebel), man hört das tiefe Hupen der Binnenschiffe, die trotz der Morde unentwegt den Rhein hinab und wieder hinauffahren, und Aufnahmen in einer Villa und einem Park in der Nähe Madrids, man sieht den blauen Himmel, sieht Olivenbäume und anderes südliches Gehölz, und dass einem dies hier...

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... als Rhein verkauft wird, ist schon ein Ding :shock: . Das Monster ist in seiner dilettantischen Machart irgendwie putzig. Die Splattereinlagen - man sieht, wie den Menschen das Herz herausgerissen wird! - sehr heftig. Ein Film, den man trotz all der angebrachten Kritik irgendwie gerne hat, deshalb vergebe ich

6 / 10 Punkten,

"denn ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!". Und Silvia Tortosa ist so hübsch in ihrem weißen Kleid und den Bommelschuhen.

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Viel blonder als die Loreley selbst:

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Dazu drei weibliche Vampire, äh, Walküren, Alberich, den Zwerg, der Nibelungenschatz sollte natürlich auch noch erwähnt werden! :shock: Echt wahr! "Wir werden uns wiedersehen... IN WALHALLA!!!"


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 29.06.2014 08:42 
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IL SOLCO DI PESCA

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Italien 1975


Regie: Maurizio Liverani

Mit: Alberto Terracina, Martine Brochard, Gloria Guida, Emilio Cigoli, ...

INHALT

Der Fotograf Davide (Alberto Teracina) ist besessen von Hinterteilen, egal ob von Frauen, Männern, Knaben: Er fotografiert nur die Hinterteile seiner Modelle! Dabei müssen diese stets perfekt sein, jede Form von Cellulose oder Schlaffheit führt bei ihm unweigerlich zur sexuellen Frustration. Deshalb erregt ihn, der seinen Po als makellos empfindet, seine Ehefrau nicht mehr, deren Hintern im Laufe der Ehe von der Schwerkraft gezeichnet ist. Trost sucht er bei dem Modell Vivian Didier (Martine Brochard), die mit einem omnipotenten Schauspieler verheiratet ist. Doch auch bei ihr versagt Davide im Bett kläglich. Aus Frust sucht er die Bibliothek des Hauses auf und entdeckt auf dem Weg dorthin den perfekten Po im Besitz der Hausangestellten Tonina (Gloria Guida). Dermaßen erregt kehrt er zu Vivian zurück und beglückt sie. Der Ehemann entdeckt jedoch, dass er hintergangen worden ist und wirft Vivian aus dem Haus. In der neuen Wohnung hängt Vivian in ihrem Schlafzimmer ringsum Bilder ihres Hinterteils auf, damit Davide erregt wird, doch die Bilder bewirken bei ihm genau das Gegenteil: Davide erkennt den leisen Verfall der Schönheit an Vivians Po und sucht Trost bei der Hausangestellten, die es schafft, jungfräulich zu bleiben, ohne auf den Sex zu verzichten :D . Vivian verordnet ihrem Hintern daraufhin einer Art Schönheitsfolter bei einem Masseur, der das Fett ihres Hintern auf sadistische Weise zu den Klängen klassischer Musik mit Hilfe eines Stößels wegmassiert, doch Davide ist längst Tonina verfallen. Vivian beauftragt einen Geistlichen, an Tonina eine Art Exorzismus im Bezug auf ihre manische Jungfräulichkeit vorzunehmen und sie dabei zu entjungfern. Dies gelingt dem Geistlichen. Anschließend kündigt Vivian Tonina das Arbeitsverhältnis, da sie als Hausangestellte nur eine Jungfrau akzeptieren kann. Sie hat auch schon einen Ersatz gefunden, eine asiatische Konkubine!


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KOMMENTAR

Ist es möglich, eine Komödie über den sexuellen Missbrauch der katholischen Kirche an kleinen Jungen oder über Gewalt in der Ehe zu drehen, ohne dabei abgeschmackt zu wirken? Liverani ist dies mit IL SOLCO DI PESCA wirklich gelungen! Dabei muss der Zuschauer genau "zwischen den Zeilen lesen", Liveranis Komödie ist nie platt oder derbe. Davide ist fasziniert von Hinterteilen. Vivian und Tonina versuchen, hinter das Geheimnis seiner Leidenschaft zu kommen und erfahren, dass Davide von schwarzen Männern träumt, die ihm etwas antun. Die beiden Frauen erfahren jedoch nicht, was es ist, doch Davide ejakuliert bei diesen Träumen. Der Bezug zur katholischen Kirche ist bei Davide allgegenwärtig: Die Wohnungstür gleicht der eines Beichtstuhls, Davide stellt Madonnen in seinem Zimmer auf, während des Films erfährt man, dass Davide als Jugendlicher auf eine Klosterschule ging, und wenn er am Schluss ins Kloster geht und dort von einem Novizen an sein Gemächt gefasst wird, lächelt er das erste Mal im Film und zeichnet fortan Madonnen! Die schwarzen Männer sind mitnichten Afrikaner, wie die beiden Frauen vermuten, sondern Priester. Die doppelte Moral der Kirche wird auch durch Tonina verkörpert: Tonina ist besessen davon, jungfäulich in die Ehe zu gehen, wie es die Kirche vorschreibt, sie möchte jedoch nicht auf die Freuden der Liebe verzichten und lässt sich deshalb anal befriedigen. Doch all dies wird von Liverani nicht explizit ausgedrückt, sein Film deutet (wegen einer möglichen Zensur?) nur an, überlässt viel der Phantasie des Zuschauers. Und gerade dies ist ein Kritikpunkt an dem Film, der mit ausgezeichneten Darstellern, einer guten Kameraarbeit und der tollen Musik Usellis durchaus zu punkten weiß, aber vieles verliert sich in Andeutungen, manchmal hätte man sich die Kritik stärker gewünscht, so wie in der Szene, in der der Priester von Vivian verlangt, ihren Rock hochzuziehen, um ihr Unterhöschen begutachten zu können, nur um sich anschließend über ihre gottlose Lüsternheit wegen des Tragens so knapper Unterwäsche (!) aufzuregen.

Deshalb nur 7,5 / 10 Punkten,

aber ein Anschauen lohnt sich auf alle Fälle! Eine Komödie über die Kirche und deren Doppelmoral, über Schönheitswahn und Vergänglichkeit. Diego Chiglia ist in seiner Rolle des schauspielernden Ehemanns urkomisch: rezitiert Nietzsche auf deutsch, treibt Sport in blauen Jogginganzügen, ist sexbesessen und haut seiner Frau mit der Faust voll auf's Auge. Der Film ist jedoch keine rechte Komödie, weil das Thema zu ernst ist und Erotik wird nur angedeutet. IL SOLCO DI PESCA ist kein Film für bierselige Herrenabende, der Film ist ein gutes Stück Fleisch, das mit italienischem Wein genossen werden sollte!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 20.07.2014 12:11 
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Nun mein 2. Review zu einem Film mit der Guida:

SONNE, SAND UND HEIßE SCHENKEL - Peccati di Gioventù

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I 1975

Regie: Silvio Amadio

Kamera: Antonio Maccoppi

Musik: Roberto Pregadio

Mit: Gloria Guida, Dagmar Lassander, Fred Robsahm, Silvano Tranquilli, ...


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Der Anwalt Dr. Bartrucci (im engl. Balducci, gespielt von S. Tranquilli) kehrt von einer Geschäftsreise zurück und bringt die hübsche Irene (D. Lassander) als Handgepäck mit, die er, so gesteht er es seiner Tochter Angela (G. Guida), demnächst zu ehelichen gedenkt. Die adrette Stiefmutter passt der jungen Göre gar nicht und so setzt sie und ihr Freund Sandro (F. Robsahm) alles in Bewegung, diese Romanze schleunigst zu beenden. Zunächst soll Sandro Irene verführen, doch Irene scheint immun gegen die Avancen des Beaus zu sein. Da erfährt Angela von einer Jugendfreundin Irenes, dass diese einen dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit hat....

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KOMMENTAR

Antonio Maccoppi fängt das Erotikdrama in hervorragenden Bildern ein, die Musik Pregadios untermalt die Bilder mit passenden Klängen, Gloria Guida zeigt, dass sie mehr kann, als ihre Brüste zu entblößen, obwohl sie das in diesem Film des öfteren macht, überragend ist das Spiel der Lassander, die mit ihrem Minenspiel sehr gut den Spagat zwischen der inneren Unruhe und der äußeren Kühlness der Irene verkörpert. Silvio Amadio ist ein bewegendes Drama gelungen, welches nur selten erotisch, dafür umso stärker psychisch gewebt ist, der deutsche Titel, der eine fröhliche Erotikkomödie vermuten lässt, könnte falscher kaum sein. Gloria Guida spielt die teuflische Tochter, die mit den Gefühlen der Geliebten des Vaters spielt, sie ist gut besetzt als naiv wirkende, freundliche Göre, die abgrundtief böse ihr hinterlistiges Spiel mit Irene treibt. Dennoch ist das Spiel der Lassander stärker, zerrissener, eindringlicher. Ein Film, den man immer wieder sehen möchte, der durchaus mit etwas mehr Suspense Hitchcocksche Höhen erreichen könnte (Parallelen sind gerade am Ende mit der Autofahrt an der Küste zu Suspicion erkennbar), so bleiben immerhin

8 / 10 Punkte!

Und ein absoluter Pflichtfilm für Fans der Guida oder der Lassander!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 07.08.2014 09:38 
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Aller guten Dinge sind drei:

AVERE VENT'ANNI

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I 1978


Regie: Fernando di Leo

Mit: Gloria Guida, Lilli Carati, Vittorio Caprioli, Ray Lovelock, Leopoldo Mastelloni, Giorgio Bracardi, ...


INHALT

Die 20jährigen Mädels Lia (Guida), eine Vollwaise, die in einem Nonnenkloster aufgewachsen ist und der Kälte und Gefühlslosigkeit der klösterlichen Schwestern entfliehen will, und Tina (Carati), nymphoman veranlagt, die dem spießigen Elternhaus und der Erwartung, mal eine liebe, treue Ehefrau zu werden und ihrem Mann schön brav das Essen nach dessen Arbeit zuzubereiten und die Kinder großzuziehen, entkommen möchte, treffen sich durch Zufall an einem Strand und beschließen, da sie keine einzige Lira besitzen, nach Rom in eine Kommune zu ziehen und dort etwas Neues, Aufregendes zu erleben. Per Anhalter kommen sie nach Rom, finden auch die Komune, doch diese erweist sich nicht als Erfüllung ihrer Träume: Der Oberguru der Kommune, Il Nazariota (Caprioli), benötigt dringend Devisen, um die ausstehende Strom-, Wasser- und Müllabfuhrrechnungen zu bezahlen, alternativ müsste jemand den Flur und die Toiletten putzen, aber genau diesem Muff möchten Lia und Tina gerade entfliehen. So bleibt das Leben als Matratze für die sexuellen Gelüste der männlichen Kommunenbewohner oder der Verkauf von Enzyklopädien an Haustüren. Die beiden entscheiden sich nach dem Betrachten der Kommunenbewohner, die entweder ungewaschene Tagediebe, zugekiffte Dauerschläfer oder esoterisch veranlagte Freaks sind, schnell für letztere Variante. Das Leben in der Kommune hat so seine Tücken und nach einer Razzia der Polizei sind sie gezwungen, innerhalb 24 Stunden sich in ihrem Heimatort zu melden, doch dazu wird es nicht kommen... :mrgreen:


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KOMMENTAR

Di Leo ist ein fantastischer Film gelungen, der das Leben in der Kommune satirisch aufs Korn nimmt, letztendlich geht es um Putzen von Fußböden, Entwenden von Lebensmitteln aus dem Kühlschrank, die ständig besetzte Toilette und dem Anschaffen von Geld für Strom, Wasser, Gas, obwohl man eigentlich nicht arbeiten möchte. Die freie Liebe hat auch so ihre Tücken, dies muss Tina feststellen, denn entweder stinken die Mitbewohner, weil sie sich weigern zu waschen, sind so zugedröhnt, dass sie keinen mehr zum Stehen kriegen (nachdem sich Tina an dem leblos wirkenden Rico (Lovelock) zu schaffen macht, dies aber nicht schafft, sagt sie verzweifelt über sich selbst: "I'm such a bitch!"), oder haben sich völlig den menschlichen Gelüsten entsagt - herrlich, wie Lilli Carati sich auszieht und anschließend unter das Hemd von Argiunas (Mastelloni) schaut, der alles still sitzend auf seiner Matratze beobachtete, und meint, da wäre nichts. Lilli Carati hat die besten Sprüche im Film, sie spielt die nymphomane Süditalienerin leidenschaftlich und so temperamentvoll mit Mimik und Gestik, dass die Guida neben ihr verblasst. Sie hat herrliche Dialoge, als ein Kommunenbewohner sie fragt, ob sie Reichs Buch über de sexuelle Revolution gelesen hätte, antwortet sie: "Ich bin die sexuelle Revolution!" Sehr schön auch die Szene in dem Tabakladen, als sie ohne eine Lira den verdutzten Verkäfer nach einer Marlboro für einen blow-job fragt :mrgreen: . Außerdem hat die Carati noch ganz andere Vorzüge, es ist schade, dass diese begabte Schauspielerin so schnell an Damato geriet und über dessen Softsexfilme in den HC-Sektor wechselte. Schade, ich hätte gerne mehr solche Filme wie diesen mit ihr gesehen.

Die Musik passt, gerade das von der Guida selbst gesungene, leicht träumerisch melancholische Titellied untermalt die Träume und Wünsche der Mädels sehr gut, die Kamera und die Montage lassen keine Langeweile aufkommen, der Film ist schnell geschnitten und gut fotografiert. Die Ausstattung in der Kommune ist köstlich Gewählt, an den Wänden kann man vieles Interessante entdecken. Die Schauspieler sind bis in die kleinsten Rollen hervorragend besetzt. Die Veröffentlichung von Rarovideo mit der enthaltenen Doku von Nocturno ist sehr zu empfeheln, enthält sie doch neben der versione rimontata die Fassung, die di Leo ursprünglich geplant hatte, zum Vergleich auch die veröffentlichte Version mit dem abgeänderten Ende und dem entschärften Dialog (hier fehlen allerdings die englischen Untertitel, was aber zu verschmerzen ist, denn sowohl die Dokumentation als auch die rekonstruierte Fassung sind gut untertitelt). In der Dokumentation verteidigt sich di Leo gegen die Vorwürfe der Frauenfeindlichkeit des Films ebenso wie seine ursprünglich geplante Fassung des Films; der Sohn des Produzenten erklärt parallel dazu, wieso sein Vater damals eine Änderung des Films verlangt hatte. Die Schauspieler plaudern über Kapriolen während der Dreharbeiten, wobei eine Sache besondere Erwähnung bedarf: Mastelloni erzählt, dass die Szene, in der die beiden Knaben in der Kiste mit Lia und Tina landen, besonders lange gedauert hätten, denn die beiden Damen waren bekannt und durchaus hübsch anzusehen und ohne eiskaltes Wasser wären die Szenen wohl nie beendet worden, so Mastelloni :D .

Zu den Vorwürfen der Frauenfeindlichkeit des Films möchte ich noch die Katharsis der Schlussszene verdeutlichen: Die Katharsis sagt, dass der Zuschauer durch Identifikation und somit durch das Mitleiden mit den Figuren eine Art "Läuterung der Seele von Affekten zu einem klaren, vernunftgeleiteten Leben durch Verstummen der Ich-Gefühle" erfährt. Die beiden Mädels werden von di Leo zwar als echte Gören gezeigt, aber sie sind so sympathisch und eigentlich auch nett, die Vergewaltiger am Ende dagegen solche Unsympathen, dass ein Mitleiden, ein Identifizieren, nur mit den Mädels funktioniert. Und wenn der fieseste der Männer am Ende sagt, dass die Mädels durch ihre Artdes Tanzes die Männer gedemütigt hätten und man ihnen nun zeigen müsse, wer das Sagen hat, dann greift di Leo ein Thema des Rape- und Revenge-Filmes auf, nämlich dem schwächeren Geschlecht eine Freiheit (oder Frizügigkeit) zu verbieten und die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Di Leo verzichtet aber auf die Revenge, wobei häufig wegen der Folter der Frauen das Mitleiden mit den Vergewaltigern evoziiert wird, und der Zuschauer verdammt die üblen Gestalten, die trotz ihres unglaublichen Verbrechens ungestraft davonkommen, und somit auch ihre konservative Handlung. Anders dagegen sind Slasherfilme wie Freitag der 13., wo eine Sympathie mit Jason hervorgerufen wird, der als gerechter Rächer alle die bestraft, die Sex haben oder sich anderweitig vergnügen, womit diese Filme weitaus konservativer in ihrer Haltung sind als di Leos Film!

Toller Film, unbedingt anschauen: 9 / 10 Punkten!

(... und die Carati ist zum Anbeißen!)


Zuletzt geändert von dr.freudenstein am 26.09.2014 11:18, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26.09.2014 10:45 
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BRING ME THE HEAD OF THE MACHINE GUN WOMAN

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Chile 2012

Regie: Ernesto Diaz Espinoza

Mit: Matias Oviedo, Fernanda Urrejola, ...


INHALT

Der DJ und PS3-Spiele-Nerd Santiago Fernandez legt Platten im Club des argentinischen Gangsters Don Che Longana auf. Als er eines Tages beim Verrichten seines Geschäfts ein Gespräch des Don Che mit dessen Leibwächtern über eine "Machine Gun Woman" mitbekommt, die reihenweise Don Ches Auftragskiller niedermetzelt, wird er dabei aber wegen des üblen Gestanks in der Tolette entdeckt. Es scheint sein letztes Lebensstündlein geschlagen zu haben, Santiago sieht nur eine Chance: Er verspricht Don Che, die "Machine Gun Woman", auf deren Kopf inzwischen 150.000.000 Latino-$ ausgesetzt sind, auszuliefern. Don Che nimmt den vor Angst schlotternden Knirps nicht ernst, gibt ihm aber - wohl wegen seiner Keckheit - eine Gnadenfrist von 24 Stunden, die "Machine Gun Woman" zu finden. Über ein Barmädchen, die eine Freundin der "La Mujer Metralleta" ist, versucht er, Kontakt zu der gesuchten Kopfgeldjägerin zu bekommen...


KOMMENTAR

Espinozas Film ist kurz - nur 73 min -, kurzweilig, rasant, actionreich. Langeweile kommt nie auf. Der Film ist ab der beginnenden 24-Stunden-Frist aufgebaut wie ein Computerspiel, jede Mission beginnt mit einer Einblendung des Levels und einer Erkennungsmelodie, am Ende steht, ob die Mission gelungen oder gescheitert ist, dann muss Santiago die Mission auf einem anderen Weg doch noch erfüllen. Die Missionen haben Titel wie "Finde die Machine Gun Woman" oder "Besorge dir eine Waffe", sie führen zielgerichtet zum Abschluss der Story, auf Nebenmissionen wird verzichtet. Der Film verläuft dadurch sehr gradlinig seinem Finale entgegen. Das Kopfgeld, das auf Santiago zu Beginn des Films ausgesetzt ist, beträgt 0 Latino-$, mit jedem Kill steigt der Betrag an, die Gegner werden stärker, die Waffen - seine erste Pistole ist eine Gaspistole, weil er die ohne Waffenschein bekommen kann - werden besser. Wie im Computerspiel spielt die Ausbildung und der Umgang mit den Waffen keine Rolle, das braucht nicht gelernt zu werden. Der Film ist kein realistisches Werk, was aber dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut. Während der Jagd erfährt der Zuschauer sehr wohl - und nicht wie der Kommentar eines Users auf der Seite der OFDb äußert, welche Vebindung zwischen Don Che und der Kopfgeldjägerin besteht und warum er diese sucht.

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Matias Oviedo spielt den leicht trotteligen Milchbubi, der die Profikillerin fangen will, recht sympathisch, ohne jedoch besondere Glanzlichter zu setzen. Dies tut Fernanda Urrejola dafür umso stärker: Ihr Auftritt in schwarzen Lederstrapsen, Schnallenstiefeln, die bis übers Knie gehen, mit Netzstrümpfen und Nerzmantel bekleidet, schwarzes, lockiges Haar, das ihr strähnig ins Gesicht hängt, schwarz lackierte Fingernägel, dazu tiefrote Lippen, ist nicht nur optisch eine Augenweide. Ihr Spiel ist sinnlich, ihr Blick betörend. Ohne viele Worte dominiert sie von der ersten Minute an den Film. Der Zuschauer erliegt genauso wie Don Che oder Santiago ihrem tödlichen Charme. Ausgerüstet mit überimensionalen Waffen erledigt sie im Auftrag für viel Geld andere Leute, schlägt ihnen anschließend mit einer Axt den Kopf ab und kassiert das Kopfgeld. Obwohl die Darsteller bis in die kleinsten Rollen wirklich treffend besetzt sind, wäre der Film ohne die Urrejola nur halb so gut. Ich frage mich, warum sie - in Chile scheint sie ein Star zu sein, denn im Internet lässt sich sehr viel über diese Schauspielerin / dieses Model finden, alle Seiten sind allerdings in spanischer Sprache verfasst - warum sie also nicht schon längst ein Filmangebot aus dem Ausland erhalten hat???? Sollten chilenische Frauen so erotisch sein wie die Urrejola, dann werde ich meinen nächsten Urlaub in Chile verbringen! :mrgreen:

Der Film ist im typischen "Grindhouse-Stil" gedreht: Verwaschene Farben, Laufstreifen, einen 70er-Jahre Soundtrack, fette Streetcars, so alles, was das Grindhouse-Feeling ausmacht. Der Film wird denen gefallen, die Tarantino / Rodriguez-Filme mögen, ...eher den Rodriguez-Fans würde ich sagen.

8 / 10 Punkten, wobei die Urrejola natürlich 10 Punkte wert ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 05.04.2015 23:01 
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AN DEN GALGEN, BASTARDO! Quien grita venganza? I morti non si contano

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Spanien / Italien 1968

Regie: Rafael Romero Marchent

MIT: Anthony Steffen, Mark Damon, Maria Martin, Piero Lulli, Jesus Guzman, ...

DREHBUCH: Marco Leto

KAMERA: Franco Delli Colli

MUSIK: Riz Ortolani


INHALT

Die Kopfgeldjäger Fred (Anthony Steffen) und Johnny (Mark Damon) entdecken auf der Suche nach Logan, dem Kopf einer Verbrecherbande, den fingierten Steckbrief, der demjenigen, der den Mord an einer Farmerfamilie aufklärt, eine hohe Belohnung verspricht. Johnny schmiedet einen Plan, der jedoch dermaßen in die Hose geht, dass beide im Knast landen. Der reiche Farmer Rodgers (Luis Induni) überredet den Sheriff des Ortes (Piero Lulli), die beiden laufen zu lassen, nachdem er Johnnys Colt wiedererkannt hatte. Doch Rodgers täuscht sich, die beiden verlassen nicht Hals über Kopf den kleinen Ort, sondern jagen Logan, den sie im Saloon entdecken und der inzwischen erneut eine Bande zusammengetrommelt hat. Bei der Verfolgung der Bande müssen sie mitansehen, wie diese eine weitere arme Farmerfamilie über den Haufen schießen. Als sie mit den Leichen der Familie in die Stadt zurückkehren, werden sie des Mordes beschuldigt und erneut eingebuchtet. Inzwischen dämmert den beiden, dass der Sheriff ein doppeltes Spiel spielt. Hilfe bekommen sie von der Witwe Reed, der Lebensgefährtin Rogers, die in Johnny ihren verlorenen Sohn zu erkennen glaubt, den sie damals nach der Ermordung ihres Ehegatten auf Wunsch Rodgers einem Banditen mitgegeben hatten. Da verliebt sich Johnny in die Tochter des Farmers Forrester, der sich in der Stadt aufhält, um Leute zu finden, die sich gegen das Morden an Farmerfamilien zusammentun. Als der Sheriff auf Geheiß Rodgers den Ort verlässt, um zwei Killer anzuheuern, nutzen die Farmer die Gunst der Stunde und ernennen Fred zum neuen Sheriff. Nach der Rückkehr des alten Sheriffs kommt es zum finalen Showdown.

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KOMMENTAR

Ein Western, der Spaß macht. Der Film ist nicht so brutal, wie die FSK 16 vermuten lässt, die Brandt-Synchronisation tut ein Übriges, dass dieser Film, der eine durchaus interessante Story zu bieten hat, nicht allzu ernst beim Publikum ankommt, dass einem schon einmal diese salzigen Dinger aus den Augenhöhlen triefen. Steffen und Damon geben ein herrliches Paar ab, Steffen spielt den erfahrenen Haudrauf, Damon den eher tölpelhaften Jüngling, der wie ein Gockel um das Mädel balzt. Beide liefern sich Wortgefechte der Extraklasse, eine Szene, in der Damon in der Nacht zu Steffen zurückkehrt und seine Seite des Doppelbettes bezieht, erinnert an die Bettszene im Hotel aus MANCHE MÖGEN'S HEISS mit Jack Lemmon und Walter Matthau.

Die DVD von Colosseo-Film enthält die ungeschnittene Originalfassung (Die Integralfassung beim dt. Ton mit Untertiteln an den entsprechenden Stellen ist an manchen Stellen etwas mühsam zu verfolgen, da meist Dialoge gekürzt wurden und so sich während eines Satzes durchaus deutscher und itaienischer Ton mit Untertiteln abwechseln) mit 86 min. Laufzeit. Der in der ofdb beschriebene Satz, den die Farmerstochter sprechen sollte und der bei der ofdb zu der gekürzten Fassung führte, passt meines Erachtens nicht unbedingt und könnte durchaus durch Filmverschleiß entstanden sein. Ebenso enthalten ist die vorwiegend um Dialoge gekürzte dt. Kinofassung (76 min.), ein etwa 20 minütiges Interview mit Mark Damon und eine Bildergalerie. Der Film ist im Format 2,35 : 1, wenn ich mich nicht täusche, und das Bild ist in Ordnung (habe es bei meiner Schwester auf dem großen LED-TV gesehen, nicht auf meiner Quetschkommode!). Man kann den Film außer im dt. Ton auch in englischer und italienischer Sprache anschauen, der Ton ist nicht totgefiltert, die Farbe und Schärfe des Bildes sind klar. Schön ist, dass auf dem Schuber ein anderes Plakatmotiv gewählt wurde als im Inlet der DVD-Hülle. Auf dem Schuber ist kein Flatschen aufkopiert, sondern dieser enternt sich mit der Plastikhülle!

FAZIT: Nicht der ganz große Western, aber ein verdammt unterhaltsamer, die Kameraarbeit ist excellent (Colli war auch für die Kameraarbeit von DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER verantwortlich), die Darsteller den Rollen entsprechend passend, deshalb 8 / 10 Punkten!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 05.07.2015 12:14 
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BILITIS - David Hamilton

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F / I 1977

Regie: David Hamilton

Musik: Francis Lai

Drehbuch: David Hamilton, Catherine Breillat

Mit: Patti D'Arbanville, Mona Kristensen, Bernard Giraudeau, Mathieu Carrière, Gilles Kohler, ...


INHALT

Ein Mädcheninternat kurz vor den Sommerferien: Die Schülerin Bilitis (Patti D'Arbanville) lernt bei den Aufnahmen zu den Abschlussbildern des Jahrgangs den jungen Fotografen Lucas (Bernard Giraudeau) kennen. Doch bevor sich beide näher kommen können, ist das Schuljahr vorbei. Bilitis verbringt die ersten Wochen ihrer Ferien bei Melissa (Mona Kristensen), der Tochter einer Freundin ihres Vaters, da dieser zur Zeit beruflich in Kanada unterwegs ist. Diese, eine ehemalige Schülerin des Internats, ist verheiratet mit dem Pferdeliebhaber und Lebemann Pierre (Gilles Kohler), der Melissa gewaltsam zur sexuellen Liebe nötigt. Bilitis versteht Melissa wegen ihrer Hingabe zu diesem groben Mann nicht. Bei einem Badeausflug kommen sich Bilitis und Melissa näher: Anfangs sträubt sich Bilitis, doch bald schon tauschen die beiden Zärtlichkeiten miteinander aus. Melissa holt sich bei der jungen Bilitis die Zärtlichkeit, die sie in ihrer Ehe mit Pierre nicht bekommt und Bilitis lernt erste sexuelle Erfahrungen außerhalb des Internats. Melissa erfährt von Bilitis Gefühlen zu Lucas, sie inszeniert ein Treffen der beiden, die sich daraufhin auch öfter verabreden. Doch der ältere Lucas ist frustriert, weil sich Bilitis ziert, intimer zu werden. Immer mehr fühlt er sich zu der älteren Melissa hingezogen. Bilitis ahnt dies, und als Pierre mit seiner Geliebten für ein Wochenende nach Monaco fährt, versucht Bilitis, ihrer Freundin Melisa einen Geliebten zu besorgen. In der Stadt lernt sie den rätselhaften Mikias (Mathieu Carrière) kennen, den Melissa nicht unattraktiv findet. Auf einer inszenierten Party sollen beide sich näher kennen lernen, doch die Party verläuft nicht, wie Bilitis es sich vorgestellt hat. Am nächsten Morgen fährt sie mit ihrem Rad zurück ins Internat.

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KOMMENTAR

Hamiltons Werk ist umstritten, nicht wegen seiner drastischen Darstellung von Erotik - ganz im Gegenteil: Hamiltons Bilder sind nie pornographisch, explizit oder gewaltverherrlichend. Seine Bilder versprühen durchaus eine feminine, sinnliche Art. Die Verruchtheit seiner Arbeit rührt von den Motiven her: Hamilton bildet junge Mädchen ab, was ihm des Öfteren den Vorwurf der Pädophilie eingebracht hat. Die 70er Jahre waren anders, man kann dies nicht mit heutigen Wertmaßstäben messen. Nicht jeder, der damals Kinder nackt ablichtete, war pädophil. Man denke an das Cover des Albums HOUSES OF THE HOLY von Led Zeppelin, auf dem ebenfalls die Kinder der Musiker nackt auf Steinen spielen. Die Hauptdarstellerin des Films, Patti D'Arbanville, war in dem Zeitraum der Dreharbeiten jedenfalls 25 Jahre alt und somit nicht mehr minderjährig.

Manche Menschen behaupten, Hamiltons Werk sei kitschig, weil er mit Weichzeichnern arbeitet, die "Natur" um seine Figuren stilisiert, sozusagen "bearbeitet". Die extrem erfolgreiche, eingängliche, aber auch zuckersüße, des Öfteren sehr klebrige Musik von Francis Lai ergänzt das Bild zudem. Ich möchte dagegen an dieser Stelle eine Bahn brechen für den Film:

Hamilton ist von Beruf Fotograf - wie der Junge Lucas im Film, biographische Parallelen nicht ausgeschlossen. Hamiltons Film BILITIS beginnt mit Bildern, Bildern, welche die Erinnerungen der zurückliegenden Ereignisse der jungen Bilitis wiedergeben. Wir sehen Bilitis als antike Figur auf der Bühne, sie bewegt sich in eine Pose, das Bild friert sie ein. Junge Mädchen fahren unbekümmert mit dem Fahrrad - genau in dem Moment, in dem die ganze jugendliche Unbekümmertheit der Mädchen in ihren Uniformen zum Ausdruck kommt - in diesem winzigen Augenblick bleibt das Bild stehen, drückt der Fotograf auf den Auslöser. Bilitis beobachtet auf der Veranda stehend unbemerkt, wie Melissa sich entkleidet, dabei ahmt Bilitis die Bewegungen der schönen Melissa nach, vollzieht dieselben Handlungen, bis der Moment der absoluten Sinnlichkeit erreicht ist. Sie steigt anschließend nackt auf einen Baum, schmiegt sich diesem so an, bis der Moment der vollkommenen Harmonie der Natur mit dem Mädchen erreicht ist. Dann bleibt das Bild stehen. Wir sehen die blau angestrichene Holzbaracke am Strand, neben der ein Sonnenschirm steht, Bilitis steht neben der Hütte, Melissa bewegt sich von ihr weg, im Hintergrund rauscht das Meer. Hamiltons Bilder könnten Gemälde sein, sie sagen mehr aus, als die Handlungen erkennen lassen. Immer wieder übt Bilitis an einer idealen Pose. Am Strand möchte sie nicht mit den anderen Mädchen im Wasser herumalbern und sich über die Größe ihrer kindlichen Brüste unterhalten, sie beobachtet das Geschehen vom Rand aus. Das Bild der Lehrerin, die unter dem Sonnenschirm ein Buch liest, sagt mehr über diese aus als Worte es könnten. In einem Moment der Zärtlichkeit zwischen Melissa und Bilitis legt diese sich zu Füßen der älteren Melissa, ein Bild der Harmonie. Bilitis Worte stören diese Harmonie, führen zu einem Strreit. Der ganze Film ist angelegt als eine Bewegung in eine Bildkomposition, die Handlung führt zu einem Bild, zu einer Momentaufnehme, zu einem durchdacht komponierten Bild, das mehr über die Gefühle und Beziehungen der Figuren aussagt, als es der ganze Film mit seiner Handlung und seinen Worten kann. Von daher muss die Natur stilisiert sein, darf nicht "natürlich" sein, denn sie ist Teil der Komposition.

An dem Drehbuch hat Catherine Breillat mitgearbeitet, die Bekannt durch ihren Film ROMANCE XXX wurde, was den emanzipatorischen Aspekt der Geschichte erklären kann: Melissas Ehemann Pierre ist ein Monstrum aus vergangener Zeit, er dominiert seine Frau, erniedrigt sie, zwingt sie, während diese sich nach Zärtlichkeit sehnt, mit Gewalt zu Analverkehr, man hört die schwache Melissa nur leise flehen: "Nicht so, nicht aus diese Art!" Um zu zeigen, dass Pierre mit seiner Art nicht mehr in die moderne Zeit passt, wird er wie ein Filmmogul der dreißiger Jahre dargestellt, der einen großen, beigefarbenen Oldtimer fährt, die Haare nach hinten gelt und Gutsherrenanzüge trägt. Auch das Mädcheninternat mit seinen Erzieherinnen wirkt verstaubt wie aus dem letzten Jahrhundert, die Uniformen wirken veraltet, die Erzieherinnen sind steinalt. Dagegen fährt Lucas ein Moped der 70er Jahre, fotografiert mit einer modernen Kamera, Bilitis bekommt ein modernes Fahrrad, verhält sich keck und oft muss sie sich den Vorwurf anhören, sie verhalte sich verrückt (verrückt ist nicht das richtige Wort, aber es trifft es doch ganz gut). Bilitis sucht für melissa einen Freund, weil sie findet, dass es nicht das Vorrecht eines Ehemannes ist, sich eine Geliebte zu halten, sie fordert sozusagen Gleichberechtigung. Hinzuziehen könnte man Bilitis Bestreben nach einer Enttabuisierung einer gleichgeschlechtlichen Liebe, für die sie sich stark macht. Melissa sehnt sich zwar danach, gesteht sich aber diese Art der erotischen Beziehung nicht ein, fordert von Bilitis, diese zu ignorieren, sie zu verschweigen. Am Ende verlässt Bilitis ganz auf sich gestellt diese Welt von gestern, in der sie doch gefangen ist.

Natürlich finden sich in diesem Film auch Parallelen zur Adoleszensliteratur der Jahrhundertwende: Es geht um das Erwachsenwerden eines jungen Mädchens, um die Wirren und Verwirrungen der ersten Liebe, die in dem Mädcheninternat, in dem die heranwachsenden Mädchen nur von gleichgeschlechtlichen Wesen umgeben sind, passieren können. Aber diese sind in Christa Winsloes Buch MÄDCHEN IN UNIFORM und den beiden Verfilmungen aus den Jahren 1931 und 1958 deutlich besser dargestellt.

Die Blue aus dem Hause Busch Media Group enthält ein gutes HD-Bild, der Ton ist gut vernehmbar, lediglich die nicht ausblendbaren Untertitel bei der französischen Sprachversion stören wegen der oben beschriebenen Bildkomposition Hamiltons doch sehr. Als Extras gibt es eine Menge Trailer, die wohl allesamt aus dem Hardcorebereich stammen dürften und eigentlich nicht so recht zu dem zahmen, sinnlichen Film passen.

Anzumerken sei noch folgendes:
Warum wollte ich als Jugendlicher unbedingt diesen Film einmal sehen? Nein, nicht wegen der erotischen Szenen und den überaus hübschen Mädchen - sowohl die Kristensen als auch die D'Arbanville sind hübsch anzuschauen, wenn man auf dürre Weiber steht, nein, damals hatte ich ein Lieblingslied, das hört sich wie folgt an:

youtu.be Video From : youtu.be


... und da wollte ich unbedingt wissen, wen die Katze Stevens da besingt.

Stevens war Ende der 60er Jahre mit dem jungen amerikanischen Fotomodell Patti D'Arbanville liiert, ihm gefiel jedoch nicht, dass seine Freundin dauernd zu Aufnahmen unterwegs war. So komponierte er, als Patti mal wieder für einen Monat in New York wegen Aufnahmen verweilte, dieses Lied. Als die gute Patti dann die Zeilen im Radio hörte, in denen Stevens über sie sang: "My Lady D'Arbanville, you look so cold tonight, your lips feel like winter, your skin has turned to white", wusste sie, dass es aus war mit ihrer Beziehung. Auch eine Art, Schluss zu machen!

Aber mal ehrlich: Wie würdet ihr euch fühlen, wenn man den Song, mit dem euer Freund / eure Freundin mit euch Schluss gemacht hat, ständig im Radio hört??? Nicht die feine englische Art, Herr Stevens!


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 Betreff des Beitrags: Re: dr.freudensteins filmische ergüsse
BeitragVerfasst: 08.11.2015 19:43 
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KESSE MARY, IRRER LARRY

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USA 1974

Regie: John Hough

Darsteller: Peter Fonda, Susan George, Adam Roarke, Vic Morow, ...

Gestern gesichtet und für sehr unterhaltsam befunden. Ich liebe ja die 70er-Jahre- Autoverfolgungsfilme...

Hier sind es drei Loser in Form von einem frustrierten Amateurrennfahrer, einem nun Ex-Alki und einer Ladendiebin. Sie rauben einen Supermarkt aus, verzichten dabei nicht nur auf Waffengewalt, sondern auf Gewalt schlechthin. Deke steht der Schweiß auf der Stirn, als der Filialleiter sich zunächst weigert, den Safge zu öffnen und er der Tochter nun Gewalt zufügen muss. Sichtlich erleichtert ist er, als der Vater gerade noch rechtzeitig den Safe öffnet. Ich glaube auch nicht, dass Deke dem Mädchen ein Leid zugefügt hätte. Auf der Flucht geschehen zwar eine Menge Unfälle, doch scheint niemand wirklich verletzt zu werden, selbst der LKW-Fahrer krabbelt munter aus seinem geschrotteten Vehikel heraus. Da von dem Verbrechertrio augenscheinlich keine große Gefahr für die Menschheit ausgeht, fragt man sich schon, warum der egozentrische Sheriff (hervorragend von Vic Morrow verkörpert) so eine wilde Hetzjagd veranstaltet und dabei seinen eigenen Kopf riskiert. Die Polizeiaktion steht in keinem Verhältnis zu der begangenen Straftat. Hier liegt einer der Kritikpunkte der Filme der 70er an dem unmenschlichen Polizeiapparat und aktuelle Bilder von Polizeieinsätzen in den Vereinigten Staaten, wo auf Kinder mit Spielzeugpistolen geballert wird und auf Flüchtende gleich Salven von Schüssen hagelt, dass sich in diesem Land nur wenig an der Polizeigewalt geändert hat. Da nützt es auch nichts, dass der Sheriff auf das Tragen einer Waffe verzichtet (eine Idee des Darstellers Morrow übrigens, die so nicht im Drehbuch stand) - man denke sich nur, er hätte auch eine Waffe mit einem großen Magazin! Gottbehüte!

Sind die Ganoven auch anfangs nicht unbedingt die großen Sympathieträger, so freundet man sich doch schnell mit ihnen an, denn der komplette Rest der Menschheit scheint nur aus Egomanen oder absoluten Volltrotteln zu bestehen! Dagegen ist selbst Larry, der ein echter Großkotz ist und der eigentlich so nette Sidekicks gar nicht verdient hat, noch sympathisch. Deke wächst durch die Situation der Flucht vom willenlosen Handlanger zu einem echten Kerl, der sich um das von Larry mies behandeltet Mädchen kümmert. Larry hat das Mädel auch gar nicht verdient. Mary wirkt anfangs sehr naiv und sorglos, aber auf der Flucht zeigt sie, dass sie nicht ganz so doof ist und sich in dieser Männerwelt behaupten kann: Tipp: Landkarte, Flohmarkt! Was vereint diese drei so unterschiedlichen Figuren? Der Ausbruch aus der Langeweile des Alltags mit Job, Kinder, Ehe, so, wie sie der schwächliche Filialleiter des Supermarktes verkörpert: Klein, schwach, keine Eier in der Hose, als es darum geht, den Ganoven Paroli zu bieten! Doch wie bei dem Film EASY RIDER oder anderen endet auch hier die Flucht aus dem Alltag in einer Katastrophe. Und wenn die Welt auch in Trümmern liegt, die Ordnung ist wieder hergestellt.

Deshalb sehe ich diese Filme so gerne... In der Hoffnung auf ein Happy End...

Die Aufmachung der Blue ist gut, dazu wurde oben schon einiges geschrieben. Zu dem deutschen Trailer sei gesagt, dass er vom Bild her identisch mit dem US-Trailer ist, die Synchro ist keine Brandt-Blödelsynchronisation, sondern es handelt sich um eine angepasste Übersetzung des amerikanischen Textes, soweit ich dies durch ein paar Zapps beurteilen kann. Einziger Wermutstropfen: Die beiden für die US-amerikanische Auswertung extra produzierten Extras wurden nicht untertitelt, somit ist das Verstehen dieser für einen Nur-Schulenglisch-Sprechenden nicht immer leicht.

PS: Susan George ist schon eine süße Kratzbürste, ich hätte sie älter als 21 eingeschätzt. Sie spielt schon ziemlich überdreht, macht aber Spaß, ihr dabei zuzusehen :)


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BeitragVerfasst: 07.12.2016 22:36 
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DIE LETZTEN FERIEN

BRD 1975

TV-Film

Buch und Regie: Rainer Erler
Kamera: Wolfgang Grasshoff, Wolfgang Dickmann
Musik: Eugen Thomass

Darsteller: Jutta Speidel, Dieter Laser, Udo Vioff, Margot Leonard, Veit Relin, ...


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INHALT

Die 17jährige Beate Rehberg (Jutta Speidel) hat ihr Abitur bestanden und fliegt mit ihrer Mutter (Margot Leonard) und ihrem Stiefvater (Veit Relin) auf die Insel Lanzarote, dort will die Familie ein letztes Mal gemeinsam ihren Urlaub verbringen. Die Insel ist nicht zufällig ausgewählt, denn dort hat auch der Nachlassverwalter von Beates leiblichen Vater seinen Sitz und in drei Tagen, wenn Beate 18 Jahre alt wird, soll sie dort die Erbschaft ihres vermögenden Vaters als Alleinerbin antreten. In den ersten Tagen vergnügt sich die unge Beate am Strand und in den Nachtlokalen voller Freude auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Familie, die sie an der zu erwartenden Erbschaft nicht teilhaben lassen will. Sie lernt den sportlich gutaussehenden Miguel (Dieter Laser), einen Spanier, kennen, der ihr die Sehenswürdigkeiten der Insel zeigt. Bei einem gemeinsamen Ausflug an einen einsamen Strand werden sie jedoch heimlich von einem Hippie aus einer Kommune, die dort in der Nähe in einem verlassenen Fischerdorf Unterschlupf gefunden hat, beobachtet....


KOMMENTAR

Rainer Erler versteht es, mit einem guten Stab und guter Regie und ausgezeichneten Darstellern einen Film zu drehen, der deutlich teurer aussieht, als er wohl gekostet hat. Nach Berichten der Hauptdarsteller hat man schon während des Fluges nach Las Palmas die Eröffnungssequenzen des Filmes gedreht. Die karge, trockene Landschaft Lanzarotes, die fast dokumentarisch wirkenden Szenen der Hippies in dem verlassenen Fischerdorf, die armseligen Lebensumstände dieser Menschen im Gegensatz zu den Bildern der Touristen am Strand spiegeln die Situation der Familie wieder: Auf der einen Seite das jugendliche Mädchen, das finanziell abhängig von ihren Eltern ist - auf der anderen Seite der leibliche Vater, der sehr vermögend war, sowie der Stiefvater, der eine gutlaufende Anwaltskanzlei besitzt. Nun wird aber eine Umwälzung der Vermögensverhältnisse durch die Erbschaft in Aussicht gestellt. Lanzarote ist eine Vlkaninsel, unter ihr brodelt 1000° heißes Gestein. Spiegelbildlich brodeln auch die Beziehungen der drei Familienmitglieder, immer wieder kommt es zu spitzen Bemerkungen. Die Familie sitzt nicht nur auf dem Vulkan der Insel. Zumal der Titel des Filmes den vielsagenden Titel DIE LETZTEN FERIEN hat. Für wen es die letzten Ferien werden, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, der Film weiß ungemein zu unterhalten und ist mit einer ordentlichen Prise Spannung gewürzt.

Neben den hervorragenden Darstellern ist die gute Kameraführung und die Gitarrenmusik von Eugen Thomass sehr zu loben. Der Film ist in der Reihe Straßenfeger als Nr. 30 mit den Filmen BANKTRESOR 713, dem etwas schwächeren Zweiteiler TAGE DER RACHE und dem bereits 1957 für das Fernsehen gedrehten Film NEBEL erschienen. Als Bonus sind zu dem Film noch zwei sehr interessante, jeweils etwa 50 min laufende Interviews mit den Hauptdarstellern Jutta Speidel und dieter Laser enthalten, die zum Glück nicht gemeinsam befragt wurden, denn sonst würden die beiden Interviews wohl um einige Anekdoten ärmer ausgefallen sein! Es ist sehr interessant, wenn Jutta Speidel über die fast schon unmenschlichen Dreharbeiten auf dem Schlauchboot und im kalten Wasser berichtet, wenn sie von ihren blauen Flecken erzählt, die sie beim Kampf mit Dieter Laser davongetragen hat und Erler nur schrie, sie solle ja nicht ins Wasser fallen, da sie nur dieses eine trockene Kleid hätten, die Dreharbeiten im Wasser, wenn Laser immer und immer wieder mit dem Schlauchboot und dem Außenborder über Jutta hinwegfuhr, bis sie völlig erschöpft einfach zum Strand zurückschwamm, übersät mit Schnittwunden, Schrammen und blauen Flecken und das Team sie für ihren realistischen Todeskampf lobte! Laser wiederum erzählt die Situation aus seiner Sicht, er sei sehr behutsam vorgegangen, damit Jutta nicht zu viele blaue Flecken davontragen würde, damit sie am nächsten Tag weiter drehen könnte. Er nahm die Verletzugen der jungen Speidel also in Kauf! Noch krasser ist die oben ohne Szene: Erler und Laser vereinbarten heimlich, der Speidel den BH abzureißen, dies teilten sie der jungen Schauspielerin allerdings nicht mit, weil sie befürchteten, sie würde sich weigern. Laser berichtet, wie er während der Dreharbeiten die ganze Zeit auf Juttas BH starrte, um den Verschluss schnell öffnen zu können. Jutta spielte die Szene gut mit. Find ich persönlich sehr heftig, aber so waren wohl die 70er, dafür lieben wir sie ja :)

9 / 10 Punkten


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