Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: RAPE - DEADLY JUSTICE
PostPosted: 18.05.2015 19:31 
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Deadly Justice
The Rape of Richard Beck

USA, 1985
Regie:
Karen Arthur
Hrají:
Richard Crenna, Meredith Baxter, Pat Hingle, Cotter Smith, Joanna Kerns, George Dzundza,M.C. Gainey, Stanley Kamel, Troy Evans, Nicholas Worth



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Richard Beck (Richard Crenna) ist ein Motherfucker von einem Cop. Die Regeln legt sich der vor Selbstbewusstsein strotzende Dirty Harry selbst so zurecht, wie es ihm passt. Er cruist Nachts durch die Straßen und mischt Straßenschläger auf, die halb so alt sind wie er selbst. Er ist um die 60 und er lässt seine Muskeln immer noch gerne spielen. Er ist in seinen Normen und Werten völlig erstarrt, ist das Abziehbild eines selbstverliebten Arschlochbullen. Es gibt auch einen Golden Retriever, eine Frau, ein Haus, einen Sohn und eine Tochter. Doch da die Frau sich scheiden ließ, ist das nicht mehr seine Baustelle. Für sein Verhalten kann er vermutlich nichts, sein eigener Vater war ja auch schon Cop und die Männlichkeitsrituale schimmern auch bei ihm durch. Die Rollenverteilung ist klar: Die Tochter hat Tanzunterricht, der Sohnemann hält immer wieder den Football in die Kamera. Von Büchern hält Richard noch weniger als von Soft Skills. Daraus lernt man nichts fürs Leben. "Diese verdammten Bücher" erkennt und benennt er seine Aversion. Er will seinen Sohn lieber mit zum Angelausflug nehmen. Da lernt er mehr darüber, wie es richtig läuft. Seine Tochter muss nicht mit, die kann ja Kochen üben, mit der Mama.

Zurück zum Job. In seine Abteilung stößt ein neuer Kollege dazu. Einer von den intelligenten, die schon mal Bücher in der Hand hatten. Richard will einen Wettbewerb mit ihm. Wer hält es wohl länger aus in der Lagerhalle, in der gerade ein Schlachtfest stattfand. In der sich der bestialische Gestank aufgedunsener Leichen schon ausbreitet? Der Neue steigt ein in die Wette. Muss er ja, er ist der Neue und Richard hat ein tolles Standing bei den Kollegen. Richard schließt ihn in der Halle ein und höhnt an der frischen Luft mit seinen Berufskumpels, während sie es verzweifelt gegen die Stahltür klopfen hören. So wie er immer wieder höhnt. Frauen, die vergewaltigt wurden, bringt er kaum Einfühlungsvermögen entgegen. Und war es bisher noch ein typischer US-Cop Film, ein Arschloch mit kaputtem Sozialleben wie Stallone in City Cobra, wird es hier richtig widerlich. Um einen Mörder zu fangen, lässt er einen Vergewaltiger auf freiem Fuß. Für den Tipp lässt er den Sexualstraftäter ziehen. Denn Mord ist schlimmer als Vergewaltigung. Die Vergewaltigungen halten Einzug in die Stadt und somit auch in Richards Leben. Er ist ja Cop. Ein Opfer findet er in der Telefonzelle. Er behandelt die Nackte wie einen Affen. Erklärt, dass das, was sie da grade sehe, was er ihr ins Gesicht streckt, eine Polizeimarke sei. Dass das bedeute, dass er da sei zum Helfen. "Du kannst da nicht für immer drin sein, Lady. Was, wenn jemand einen Anruf tätigen will?", feixt er der Hysterischen erbarmungslos entgegen.

Doch dann passiert es. Richard Beck wird selbst Opfer. Eine Straßengang vergewaltigt ihn in einem mit Schaufensterpuppen vollgestopften Untergrundmuseum. Es hat etwas von einer Theaterbühne. Die Banditen lassen ihn zurück, seine Hosen runtergezerrt, die weißen Tennissocken noch immer auf Kniehöhe hochgezogen. Er schluchzt fassungslos und liegt in einer miefigen, düsteren Ecke mitten in der Nacht. Alle Männlichkeit hat sich gerde verflüchtigt.

Have you ever had sex with a man before?

Etwas in ihm zerbricht. Erst haben wir ihn agil und vital gesehen. Schwarzes Haar, den verwelkenden Körper unter schnittigen Trenchoates versteckt. Aber nun: Zu Flötenmusik zieht er sich im eigenen Bad aus. Sein Brustpelz ist grau, also muss auch sein Kopfhaar gefärbt sein. Wir sehen seinen alten Körper, das hängende und schlaffe Fleisch wie er sich aus der Kleidung pellt und das Wasser in der Dusche so heiß dreht, dass es die Luft volldampft. Er ist derart intim, dass ich wegschauen muss.
Dass die Cops Probleme mit Opfern in den eigenen Reihen haben, wird schnell ersichtlich. Sein Boss, ein Mann der immerzu lachte, ein Mann mit Eichhörnchenbacken raunt Richard an: "Du hast bekommen, was du verdient hast!". Andere Kollegen fragen sich, nicht nur insgeheim, was er denn da überhaupt Nachts allein in verdammten Untergrundmuseen treibe. Ob es da etwa eine Leerstelle gäbe, von der sie nichts wissen. Selbst sein eigener Vater rückt von ihm ab, fragt sich entsetzt, warum er sich denn nicht gewehrt habe. Es bleibt implizit, doch der Vater fragt sich, ob Richard das etwa so wollte. Richard stand bisher, abgesehen von der Scheidung, auf der Sonnenseite des Lebens. Er führte das Leben all der anderen harten Kerle, wie Dirty Harry, wie Kamikaze-Bronson, wie John McClane. Und auf einmal liegt er im Krankenhaus unter diesem künstlichen Licht der Sparlampe und muss sich vor Streifenkollegen von einem Arzt fragen lassen, ob dass das erste Mal gewesen sei, der Geschlechtsverkehr mit Männern. Dass er sich doch bitte mal auf den Bauch legen solle, damit man den Samen untersuchen könne.

Der Film ist schon ganz interessant. Das war eine Produktion für`s TV von einer Firma, die sich auf Themen konzentrierte, die ...Kontrovers waren. So produzierten sie zuvor auch Filme über Tripper (Intimate Agony) und selbst The Day After ist aus der Schmiede. Dass sie Richard Crenna für den Film gewinnen können, ist spektakulär. Immerhin ist das Trautman, der Vorgesetzte von John Rambo, der da vergewaltigt wird. Das Ende wird leider albern, aber es ist ja auch eine TV-Produktion mit Aufklärungscharakter. Was bleibt ist ein wirklich sehenswerter Film.
Der ursprüngliche Titel hieß: "The Rape of Richard Beck", wurde dann aber nach der Erstausstrahlung im TV in den Seagalartigen Titel: "Deadly Justice" umbenannt. Es soll den Film in einer Version als DVD geben im Doppelpack mit Enzo Castellaris: "Tuareg". Und so sehr ich Castellari mag, so fehlplatziert ist die Kombination. Wer die DVD will, unter DEADLY JUSTICE lungern die DVDs stapelweise in Internetshops.

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 Post subject: EIN BRUTALES SPIEL
PostPosted: 20.05.2015 11:32 
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UN JEU BRUTAL
Ein brutales Spiel

Režie:
Jean-Claude Brisseau
Frankreich 1983
Kamera:
Bernard Lutic
Hrají:
Bruno Cremer, Jean Douchet, Jean-Claude de Goros, Emmanuelle Debever, María Luisa García, Albert Pigot

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Christian Tressier hat die Schnauze voll. Der brillante Wissenschaftler arbeitet mit einer nicht minder brillanten Crew daran, den Krebs zu besiegen. Sie stehen kurz vor dem Durchbruch, sie laufen Tag ein Tag aus in den Nachrichten. Doch Tressier merkt, dass sich die Verhältnisse geändert haben. Sein eigener Vorgesetzter hat ihm auf dem Kieker und will ihn ausbooten. Sogar die Regierung arbeitet gegen ihn. Alles wird ihm klar, als fünf Kinder in sein Haus einbrechen. Diese wurden von der Regierung beauftragt! Er nimmt seine Forschungsergebnisse und verbrennt alles auf einem Parkplatz. Er kündigt! In diesen emotionalen Moment des Klarsichtigen tritt der Briefträger mit einem Telegramm. Seine Mutter liegt im Sterben und sie will ihn ein letztes Mal wiedersehen. Der Briefträger weiß bereits, dass Tressier seinen Dienst an der Menschheit bendete. Auch er kennt ihn aus dem Rundfunk, weiß um dessen Brillanz. Er ist unsicher, bei diesem Mann der schon so viel leistete. Er streckt ihm die Hand entgegen, will ihn verabschieden, ihm die Ehre erweisen. Doch Tressiers Mutter stirbt, die Regierung verfolgt ihn. Was interessiert ihn ein popliger Briefträger? Die ausgestreckte Hand des Briefträgers würdigt er keinerlei Beachtung.

Kaum kommt er bei der Mutter an, sieht er einen Aschenbecher auf dem Holztisch im Wohnzimmer. Die Bedienstete der Mutter versucht sich herauszuwinden. Doch Tressier weiß, was Sache ist. Sein Vorgesetzter kam. Mutter und Vorgesetzter beteuern, sich sehr zu mögen. Doch die Sache ist suspekt. Tressier grämt sich, dass dieser Intrigante Chef seine eigene Mutter besuchte. Es wird nicht besser als die Bedienstete ihn bittet, auch auf der Beerdigung zu erscheinen. Was denkt sie sich? Die Mutter ist tot. Ihr Körper ist bloßes Objekt. Allein die Vorstellung, auf der Beerdigung zu partizipieren ist lächerlich! Doch den letzten Wunsch seiner Mutter will er erfüllen. Er ist ja nun eh arbeitslos. Er soll seine Tochter aus dem katholischen Internat abholen. Die Mutter wollte die Pubertierende ja auch nicht, sie sei so allein. In seinem Elternhaus solle sie aufwachsen. Er willigt ein, das Haus liegt ja schön, in Lodeve. Nah an der Mittelmeerküste in Südfrankreich, mannigfaltige bewaldete Bergkulissen prägen das Land. Tiefe Schluchten und hohe Gipfel. Die Natur ist ein Traum.

Seine Tochter Isabelle (Emanuelle Debaver) ist ein Albtraum. Sie ist ein verzogenes, monströses Gör. Irgendwie schadete es ihr, ohne liebende Eltern aufzuwachsen. Dass sie ein Krüppel ist, unfähig zu laufen, macht die Sache nicht besser. Sie foltert Tiere und will die Menschen in dem beschaulichen Ort in die Luft sprengen. Sie will Hirn sehen! Tressier weiß sie zu händeln. Er scharrt den schwulen Hausdiener Lucien (Lucien Plazanet) und die Erzieherin Annie (Maria Garcia) um sich. Zusammen sollen sie aus diesem Monster einen Menschen formen, bevor es zu spät ist. Die Regeln sind strikt, er weist sie an, sie über 40 Stunden im Zimmer einzuschließen, wenn sie nicht spurt. In einer der ersten Szenen haut er ihr in die Fresse. Der kalte Technokrat folgt dem preußischen Ideal. Mit ordentlich Disziplin wird aus seiner Tochter vielleicht irgendetwas, was in anderen Menschen Mitgefühl auslösen könnte. Doch die Tochter hadert. Niemals hätte sie geboren werden dürfen, kreischt sie pathetisch in die Erwachsenenwelt. Doch ihre Lehrerin Annie gefällt ihr. Sie arbeitete sonst mit schwer Lernfähigen in den Pariser Banlieus....und dann kommt auch noch ihr Bruder Pascal (Albert Pigot). Der ist ein typischer Franzose und zieht im Haus ein. Er bezirzt die behinderte Isabelle. In ihr entwickeln sich Gefühle, die sie nie zuvor kannte. Als sie nackt neben ihm liegt und er ihre Busen anstarrt, gesteht sie, dass sie momentan keinen Hass auf die Menschen hege.
Doch Pascal ist das Franzosentum nicht auszutreiben. Isabelle verliebt sich. Doch Pascal liebt eine andere in ihrem Haus, vor ihren Augen. Sie schreit und kreischt als wäre sie von einer ihrer imaginären Bomben zerfetzt worden! Es ist ihre erste Liebe. Und es ist ihre erste unglückliche Liebe. Aber immerhin lebt sie noch! Im TV werden wir immer wieder Zeuge, dass einige Kinder aus einem bestimmten Gebiet Opfer eines Mörders werden. Ein Serienkiller geht um!
Es ist ein Serienmörderfilm, ein Liebesfilm und das Entwicklungsdrama eines behinderten Teenagers! Der Regisseur Jean-Claude Brisseau ist hierzulande sicher am bekanntesten durch seinen Film De bruit et de fureur (Lärm und Wut) aus dem Jahr 1988, den Bildstoerung veröffentlichte. Zum Zeitpunkt des Drehs arbeitete Brisseau noch als Lehrer, der der Filmerei eher als Nebenbeschäftigung nachging. Seine künstlerischen Vorbilder lagen bei Alfred Hitchcock und Eric Rohmer. Rohmer förderte Brisseau auch, da er dessen Arbeiten zu schätzen wusste. Die künstlerische Nähe der beiden ist nicht von der Hand zu weisen. Das Licht ist hie wie da aus natürlichen Quellen. Wenn keine Sonne das Set erleuchtet oder irgendwo zufällig eine Lampe angeknipst wird, bleibt es dunkel. Musik wird sehr spärlich eingesetzt, meist nur für einige Sekunden ein Violoncello oder die 198. Kantate von Johann Sebastian Bach.

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Der Film ist eine Pracht. Gründe dafür gibt es viele. Brisseau ist ja inzwischen auch Cannes-Preisträger und Verurteilter Sex Maniac (Passierte auf der Besetzungscouch). Doch das soll uns nun nicht interessieren. Der Film beginnt mit einem Zitat aus Fjodor Dostojewskis Religionskriminalitätsroman: Die Brüder Karamasoff: Listen! I took the case of children only to make my case clearer. Of the other tears of humanity, with which the earth is soaked from its crust to its centre I will say nothing. I have narrowed my subject on purpose. [Hier erstmal meine Faulheit: Das Zitat eines Russen übersetzt ins Französische. Ihr bekommt nun die englische Version die nichts mit irgendwas zu tun hat].Der Film fiel in eine Zeit, in der auch Brisseau sich mit Wohl und Verderb des Lebens beschäftigte, auch mit Sühne und Vergebung. Und wemgegenüber würde es dem Menschen wohl schwerer fallen zu vergeben, als einem Kindsmörder? Der Täter ist wie ein Verschwörungstheoretiker. Gefangen in seiner eigenen Wahrheit. Die Bezüge zu den Karamasoff-Brüdern sind da, aber marginal. Das auszuformulieren spare ich mir (vorerst).

Tipp!


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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 20.05.2015 14:32 
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Čudna Šuma
Serbien/Ungarn 2014
Regie: Tolnai Szabolcs

Ab und zu packt mich die Lust am serbischen Kino. Es ist schwer, das auszudrücken, die Filme dort sind jedenfalls sehr oft wirklich verstörend. Serbien wirkt und ist auf den ersten Blick ein europäischer Staat, aber insgeheim macht es eher den Eindruck, als wäre der Staat die negative Variante, eine Albtraumversion des tatsächlichen Europas. Es lässt sich verbildlichen durch eine Stelle im Film: Während der Stier Europa symbolisiert gibt es im Film eine Firma die sich auf Reisebetrug spezialisiert, ihr Symbol ist ...ich habe den Namen vergessen, aber es war die Urzeitechsenversion eines Stieres, es war ihm ähnlich aber eher geboren aus dem Urschlamm des Bösen.

Aber gut, der Film:
Ein Elternpaar bekommt den Anruf, dass ihr Sohn aus einer klösterlichen Besserungsanstalt ausgebrochen ist. Sie fahren zum eunuchischen (Wie ist das Adjektiv?) Mönchvorsteher, der erklärt den Sachverhalt. Schnell wird klar, dass der heroinabhängige Sohn vor einer lokalen Verbrechergröße flüchtete. Die Mutter ist traurig. Der Vater eher wütend. Immerhin verkaufte er erst kürzlich die Datscha, damit sie die Drogenschuld ihres Sohnes begleichen konnten. Er sieht in ihm eher ein Krebsgeschwür, dass besser sterben solle, bevor es die ganze Familie (also ihn) vernichte. Die Mutter reagiert darauf eher gereizt und prügelt ihn mit der Handtasche, woraufhin er ihr erklärt, dass er sie töten würde, wenn sie jemals wieder sein Haus betrete.
Also ihre Wege trennen sich, die Mutter macht sich auf den Weg den Sohn zu suchen, irgendwo in einem Waldstück (Daher auch der Titel). Der Vater säuft, klaut ne Leiter und klettert über den Zaun des Verbrecherbosses nur um aufs Maul zu bekommen.

Der Sohn wird später, natürlich tot, gefunden. Die Eltern nehmen an einer Reiseveranstaltung teil, in er es darum geht irgendein Ferienhaus zu kaufen. Der Veranstaltungsleiter, ein furchteinflößender Mann, versucht die Teilnehmer gegen den Staat auszuspielen: Er gibt eine Bestandsaufnahme der aktuellen gesellschaftlichen Lage, von banditenhaften Politikern, Massenarbeitslosigkeit usw. Er hingegen offeriert ihnen ein Ferienhaus für die "Weltelite".

Um ehrlich zu sein, das war genau die Art Film, die ich von dort erwartet habe. Es war wirklich furchtbar. Die Beziehungen, die Landschaft, die Lebensbedingungen. Der Titel heißt soetwas wie wunderlicher Wald, hatte dann ehrlicherweise auch mit einigen Naturaufnahmen gerechnet, wie etwa in Peter Striklands Katalin Varga. Ich mag die Natur dort schon ganz gerne,( im Gegensatz zu Miroslav Krleza). Aber leider spielte es hauptsächlich in Innenräumen, die eher ärmlich-geschmacklos eingerichtet waren. Die eindrücklichste Szene war als ein Spastiker einen Abgesang auf die elterliche Generation und Serbien sang. Das ging mir wirklich unter die Haut. Es ist schwer vergleichbar aber am ehesten habe ich dabei an Ex-Drummer gedacht.

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 Post subject: FRÜCHTE DER LEIDENSCHAFT
PostPosted: 20.05.2015 14:33 
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DIE FRÜCHTE DER LEIDENSCHAFT
LES FRUITS DE LA PASSION

Frankreich/Japan 1981
Regie: Shuji Terayama
Musik: J.A. Caesar
Produzent: Anatole Dauman (Hiroshima mon amour, Mouchette, Unmoralische Geschichten)
Kamera: Tatsuo Suzuki (u.a. Pfahl in meinem Fleisch)
Darsteller:Klaus Kinski, Isabelle Illiers, Arielle Dombasslers, Pita, Keiki Niitaka


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Klaus Kinski ist Sir Stephane. Ein englischer Dandy, der mit seiner ihm treu ergebenen O (Isabelle Illiers) in den 1920er Jahre nach Hong Kong schifft um sich dort anzusiedeln. Das Leben ist aufregend. Die Chinesen begehren gerade gegen die britischen Besatzer auf. Es wird mit Pistolen geschossen und Sprengsätze werden gezündet. Doch obwohl Sir Stephane reich ist und die Aufständischen von ihm Geld fordern,kümmert ihn das weniger, denn er hat einen sehr ausgeprägten Geschlechtstrieb. O ist diesem Maniac hoffnungslos verfallen. Alles wolle sie für ihn tun, gesteht sie ihm. Und sie gesteht es dem falschen. Denn er reizt die Situation aus. Jaja, denkt er sich. Gut, sagt er. Dann gehst du ins Bordell und schaffst für mich an, wenn du mich wirklich liebst. O verliert das lächeln, doch sie willigt ein.
Doch so flamboyant das Bordell auch ist, so streng sind auch die Regeln. Dem zahlenden Kunden sollte kein noch so ausgefallener Wunsch ausgeschlagen werden, denn die Strafen dafür sind hoch. Kein Essen mehr etwa, oder "the worst punishment of all -the pain of endless pleasure". Kinski versucht alles um die junge, unschuldige Lady in den Wahnsinn zu treiben. Kinski äääh Stephane kettet O an, zieht sich aus. Er trägt nur noch weiße Kniestrümpfe und Schuhe. Er begattet eine andere Frau vor ihren Augen. Zungenküsst die eine, starrt dabei die Verliebte an, reckt ihr sein haariges Skrotum entgegen. Sie lebt in einem Alptraum der Lust. Das Bordell ist bevölkert von Liliputanern in Aladin-Outfit, von Transvestiten und alternden Schauspielerinnen. Alte Männer umflattern sie und gurren dabei wie Tauben, während sie auf einen Schwan der Lust gespannt ist. Direkt gegenüber dem Bordell ist die andere Seite des Flusses und damit die andere Seite des Lebens. Dort gibt es keine Farben, nur fünfzig verschiedene Grauschattierungen. Körperliche Nähe gibt es nur bei Züchtigung, wer stirbt hat Glück, denn dann sind seine Schulden aufgelöst. In diesem Schweinepfuhl lebt ein junger Knabe, der sich folgerichtig in die junge O verliebt, die immerzu am Schaufenster steht. Der Knabe wird einer der Revoluzzer, verletzt sich schwer und verdient genügend Geld für eine Nacht mit seiner Traumfrau, mit der er noch nie ein Wort wechselte. Eins führt zum anderen und das junge Pärchen (I paid a lot of money for you, I own you!, stehht der junge Charmeur fest) beginnt sich zu küsse. Zu viel für Kinski, der neiderfüllt spioniert. Ihr Vorgehen ist ein Vergehen!

Wow. Wow. Dreifachwow. Kinski in einem Film von Terayama. Dazu eine Schauspielerin (Arielle Dombasslers) die kurz darauf mit Eric Rohmer Pauline a la plage drehen wird. Terayamastücke sind meistens relativ schnell als solche Erkennbar. Etwa durch die immergleichen Zwerge, in immer ausgefallenen Kostümen. An den Motiven der freudschen Ödipuskonflikte. An den rege eingesetzten Farbfiltern, die die Realitätswelt in eine zuckerwattefarbene Regenbogenwelt verwandelt. Und natürlich an der Musik des Götterkomponisten J.A. Caesar. Terayamas Stammmusiker, der den letzten Rest Profanität ins Traumwandlerische wandelt. Über den Film wusste ich nichts. Er beruht auf literarischen Vorlagen, die mich aber nicht sonderlich interessieren. Sadomasochistische Unterwerfungsfantasien sind weder mein Ding beim Galizischen Sacher-Masoch noch bei E.L. James Hausfrauenfantasie. Der Film ist auch kein psychologisches Drama. Die Figuren sind platt wie Flundern. Motivationen für Handlungen sind völlig irreal. Was zählt, ist die Lust und das Überreale. Da finden ausgestopfte Riesenhunde ebenso Platz wie ein Ara-Papagei und Sexschaukeln.
Ich möchte es noch einmal betonen. Ich wusste nichts über den Film. Und auf einmal ist da ein nackter Kinski in Hardcorepornoaufnahmen in Close-ups! Er bumst wie ein wildgewordenes Tier. Als er dann zu sehen ist, in den weißen Kniestrümpfen, während er penetriert, wollte ich blind geboren worden sein. Denn: Er ist völlig nackt. Da er aber Schuhe trägt, muss er sich erst entkleidet haben und die Socken und Schuhe bewusst wieder angezogen haben. Mit Vorsatz! Als Fetisch! Kinski als japanisches Schulmädchen! Das Grauen! Den Film habe ich mir zwei Mal angeschaut, es sind wunderschöne Aufnahmen und sehr fantasievolle Settings in einer vernachlässigbaren Story.


Gedreht wurde der Film anscheinend auf Französisch. Meine DVD von Argos ist [leider] auf Englisch. Die Bilder sind durchweg anklickbar. Habt Spaß damit!


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 Post subject: DIE INNENSEITE DES OBERSCHENKELS
PostPosted: 22.05.2015 09:10 
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THE MAFU CAGE
USA 1978
Regie: Karen Arthur
Vorlage: Eric Westphal
Musik: Roger Kellaway
Kamera: John Bailey (Mishima-Ein Leben in vier Kapiteln, Und täglich grüßt das Murmeltier,
Darsteller: Lee Grant als Ellen, Carol Kane als Sissy, Will Geer als Zom, James Olson als David

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Er war ein berühmter Wissenschaftler. Einer von der coolen Sorte. Niemand der im Büro sitzt, mit kariertem, kurzärmligen Hemd und Statistiken ausforscht, sondern ein Affenforscher. Immer wieder hat es ihn in das tiefste Afrika verschlagen, er hat die primitiven Rituale der Eingeborenen miterlebt und das Triebleben der Primaten. Und wie viel er damit verdient hat! Er konnte sich ein Haus bauen, das einen eigenen Dschungel im Wohnzimmer beherbergt. Als ihm zwei Töchter geboren wurden, musste er etwas zurückschalten. Anfangs nahm er sie immer wieder mit nach Afrika, doch irgendetwas stimmte mit der Kleinen nicht. Es war besser, das Affenforschen zu Hause zu betreiben. In Amerika. Also baute er sich in sein Dschungelwohnzimmer einen Käfig, groß genug um einen Orang Utan zu beherbergen. Dort kann man die Tiere ja genauso gut beobachten und studieren. Ein Orang Utan ist ein Orang Utan. Ob auf einem Baum oder hinter Gitterstäben.

Doch Jeder stirbt. So auch er. Die Töchter sind fortan auf sich allein gestellt. Die Ältere fand ihren weg. Sie arbeitet am Observatorium und beobachtet Sterne. Sie ist eher eine graue Maus, die zu einer alten Jungfer wird. Sie ist im fortgeschrittenen Alter und solo. Nicht gewollt, aber so läuft das Leben. Denn die Rationale mit ihrer alltagstauglichen Frisur, muss ein Auge auf die jüngere Schwester werfen, auf Sissy. Denn wenn sie das nicht tut, wird die kreative Psychotin weggenommen, mit Drogen vollgepumpt und allein gelassen. Das geschwisterliche Band ist eng genug, um das nicht zuzulassen und das Leben dem Aufpassen zu widmen. Immerhin kann die Erotik ja auch zwischen ihnen knistern [I just love making you feel so good. Your skin feels so smooth…it’s just like velvet It’s like I’m touching you and myself at the same time…like we’re the same person. Is that what love is? Not just sacrificing to make someone else happy but being that happiness, that person.] Sissy hat eine rotwallende Mähne unfassbaren Ausmaßes. Sie will die Arbeit ihres Daddys fortführen und deswegen ebenfalls Affen, ihre MUFUS im Käfig erforschen. Die Schwester sieht das strikter. Das Haustiere vielleicht nicht ein probates Mittel sind für eine Psychotikerin, das denkt sie sich aber sie handelt nicht danach.Sie arbeitet eher wie eine alleinerziehende Mutter: Verdient Geld, kauft ein, kocht. Wenn die andere mithilft, dann nur mit ihrem afrikanischen Karottenschneider zum Möhrenschnippeln. Doch Sissy kann sie einlullen, immer wieder. Sie umgarnt sie, starrt ihr in die Augen, umtanzt sie, wird laut, schreit, und wird plötzlich ruhig. Ihre Stimmungen bauen sich ins Euphorischste auf nur um in bodenlose Agonie zu verfallen. Wenn ein Affe stirbt, fällt es Ellen nicht schwer, einen Neuen für ihre Schwester zu besorgen und sie wieder Ruhig zu stellen. Immerhin kennt sie den liebevollen alten Kauz Som, der zusammen mit Löwen und Orang Utans in den Bergen Hollywoods lebt und damit wohl auch...handelt.

I hope I do die. I hope I do…then I could talk to daddy again. I try and talk to him now…It’s very difficult. I don’t know how to talk to people – living or dead

Leicht ist das nicht. Denn wenn Sissy einen ihrer Schübe hat, kann es schon mal passieren, dass sie einen der Affen mit einer Stahlkette zu tote peitscht. Und dann funkt auch noch die Liebe dazwischen. Ein Typ aus dem Observatorium verguckt sich in die graue Ellen. Sie ist abweisend, doch insgeheim wünscht sie sich ein neues Leben, in der die Erotik nicht nur mit ihrer eigenen Schwester stattfindet. Aber was zwischenmenschliches Verhalten mit anderen Männern betrifft, ist sie nicht wirklich geübt. Ellen muss auf Dienstreise. Der Verliebte packt die Gelegenheit am Schopfe und besucht die Wahnsinnige. Ein schwerwiegender Fehler, denn der Käfig ist gerade frei....

Beyond Cruelty....there is Sissy

Dass der Dreh mit Affen nicht so leicht ist, weiß die Regisseurin beim Audiokommentar gleich zu berichten. Die Hälfte der am Set Arbeitenden waren Frauen. Leider haben Primaten, also auch der Film-Orang-Utan ein Gespür für die Menstruation. Sie riechen das und werden brünftig. Daher gab es beim Dreh eine Menstruationstabelle, auf der jede Frau ihren Zyklus eingetragen musste, damit die Arbeit mit dem Affen abgestimmt werden konnte. Doch der Aufwand hat sich gelohnt, die Regisseurin, die einige Jahre später Rambos General Trautman in einem Film vergewaltigen lassen sollte [siehe Filmtagebucheintrag # 151] , schuf ein unikes, kleines Stück Zelluloid. Allein das Setting: Ein Anwesen als Dschungel. Die Wände waren mit afrikanischen Stammesmalereien bedeckt, dazu eine Vielfalt an Pflanzen. Während der Zuschauer aus dem Off mit Elefantentröten und Vogelgezwischer auf die exotische Randwelt eingeschworen wird, blickt er auf einen aus aller Wirklichkeit gefallenen Käfig wie bei Robbe-Grillet. Die Naturzimmer waren zu der Zeit beileibe nichts ungewöhnliches. Ich habe ein Einrichtungsbuch aus den 1970er Jahren, in dem ein Wohnzimmer (riesig) als Dschungel inklusive Pflanzen und Wasserlauf umfunktioniert wird. Als besonderen Tipp geben die Experten den Rat, doch ein paar Papageien dort im Zimmer auszuwildern, um es noch exotischer zu machen.
Die Filmidee war wirklich gut: Zwei Schwestern in einem riesigen Anwesen in den USA, die eine leicht homoerotische Beziehung haben, wovon die eine völlig wahnsinnig und die andere eine graue Maus ist und die Affen in Käfigen halten und schlussendlich völlig durchdrehen. So eine Frau wie Sissy gibt es in jeder Kleinstadt. Die feinfühlige Spirituelle, in ihrer nicht-westlichen Kleidung. Die, die den lokalen Teenagern ihre ersten Haschkekse gibt. Ich hatte auch so einen. Er war schon um die 70 und wir fuhren auf ein Musikfestival. Er steckte dann fast das Zelt in Brand als er ein offenes Feuer drinnen zündete um irgendetwas zu kochen. Mit den 55 Jahren weniger auf dem Rücken hatte ich schon das Mehr an Alltagstauglichkeit.
Zurück zum Film, denn Sissys Geschichte ist eine tragische. Sie ist völlig in der Vergangenheit verhaftet. Lebt das Leben, das sie als Kind führte, im Busch mit dem Papa, erinnert sich der Zeit wohl auch mehr als man sollte, wenn man auch noch ein Stück Gegenwart mitmachen will. Einerseits lebt sie einen schamanistischen Kult aus, andererseits lebt sie trotzdem in einem Haus mit Lichtschaltern und warmen Wasser. Wobei das Haus selbstverständlich ein Wuchtwerk ist, ein Hort des Überflusses. Das Haus ist nicht eingerichtet, sondern es wächst und entwickelt ein Eigenleben, die Gebäudestruktur wuchert vom Apollinischen ins Dionysische. Als Psychosenfilm liegt er ganz auf einer Welle ähnlicher herausragender Werke, die in zeitlicher Nähe entstandenen wie Other Side of the Underneath oder Duffer. Herausheben sollte ich die Schauspielleistung der beiden Schwestern und auch des Lovers. Die ist beeindruckend gut. Der Mann lässt sich ja schlussendlich von der Psychotikerin besoffen machen und tanzt mit ihr Stammestänze. Dass er selbst nicht gut mit Frauen kann, weiß man spätestens, seit er in Arnold Schwarzeneggers Phantom Kommando mitgespielt hat [hrhr]. Er ist anfangs völlig verschüchtert und raunt ein Jesus Christ als er die Eingangstür durchschreitet und er glaubt, durch die Pforte in den afrikanischen Dschungel getreten zu sein.



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 Post subject: RESCUE FORCE
PostPosted: 24.05.2015 17:21 
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RESCUE FORCE
USA 1989
Regie: Charles Nizet
Music: Riviera Library
Darsteller: Don S. Davis, Bo Gritz, Kelly Bowen, Julia Mosteller, Anne Gaybis, Tom Beck u.a.


Terrorism and revenge in the Middle East


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Die arabischen Terroristen haben es zu weit getrieben! Top-Terrorist Abdul und sein Sohn Hassan befinden sich im Syrisch-Libanesischen Terroristenhauptquartier. Vater Abdul will es den dreckigen Imperialisten so richtig zeigen. Ihm zur Seite steht eine so toughe wie namenlose Russen-Foltermeisterin. Aber sie ist seltsam zugeknöpft, diese selbstbewusste Kommunistenziege zeigt nie ihre Busen. Zusammen planen die Kriminellen Anschläge auf westliche Agenten auf dem ganzen europäischen Kontinent, sogar Entführungen stehen auf dem Plan. Die Sache droht für den CIA in Europa außer Kontrolle zu geraten. Die Drähte zwischen den Büros in Tel Aviv, London, Paris und Cannes laufen heiß. Die Schreibtischhengste sind in heller Aufregung. Sie setzen alle Hebel in Bewegung um die tiefreligiösen Schlächter auszuschalten. Doch die Sache ist nicht so einfach. Colonel Bandana läuft bei einem ersten Versuch in Syrien aufzuräumen ins offene Messer. Schnell muss die Einsatzleitung ein neues Team zusammenstellen. Doch keiner der Spezialisten beißt so richtig an. Der raubeinige Colonel Steel winkt genervt ab, die erfahrene Femme Fatale Kiki will ihren Urlaub nicht beenden. Nur Striker sagt unumwunden zu. Ihn erreicht der Telefonanruf am Schießstand, und das so haarige wie alte Agentenreptil nimmt jede Gelegenheit, Abschaum zu töten, an.
Doch die Sache wird gefährlicher, als der Top-Terrorist und liebende Vater Abdul getötet wird. Sein Sohn Hassan schwört ewige Rache: My father is dead! Destroy their empire! Er fantasiert von nuklearen Waffen, die er besitzt. Sogar den US-Botschafter in Israel und dessen Tochter Cindy entführen die aufgestachelten Wüteriche.
Zuviel für Amerika! Das Spezialkommando um Striker, Kiki, Angel und Kelly greift das Hauptquartier an. Sie ballern mit allem, was Amerika zu bieten hat. Feuerfäuste, Panzergranaten, Maschinengewehre, Armbrüste usw. Halb Syrien explodiert!

Dem Film folgen zu können, war anfangs nicht wirklich einfach. Die Schauplätze springen von den Büros in London, nach Paris, nach Cannes nach Syrien. Es wird zu Beginn nicht gehandelt sondern nur telefoniert. Der Commander Nummer 1 ruft bei Steel an und erklärt CODE RED, dann wieder ein Commander Nummer 2 bei Bandana um SHIT zu brüllen und das dann zu begründen um final "Angriff" in den Hörer zu bellen. Wer da nun welche Funktion hatte, habe ich noch immer nicht wirklich herausgefunden. Wobei einige der CIA-Telefonisten sicher damals auch im aktiven Dienst war. Strike-Commander Nummer 3 etwa hatte noch viele Waffen in seinem Büro hängen. Die abenteuerlustigen Agenten hatten alle Möglichkeiten: Im Hoovercraft sind sie von Brüssel nach London gesaust. Gut, man hat es nur über das Telefon gehört und das Gerät nicht gesehen, aber wieso sollten sie lügen? Aber ich denke, dass gerade die Undurchsichtigkeit zu Beginn viel Realismus wiederspiegelte. Die so geheimen wie hektischen Vorgänge, die so einem Einsatz vorausgehen, sind ja nun einmal geheim und unbekannt. Der Film hat also einiges gemein mit dem herkömmlichen Dokumentarfilm. Jede Person wurde mit Schreibmaschinentext eingeführt. Dass Hassan Top-Terrorist ist, mussten wir nicht erst über Umwege wegen seinem Palästinensertuch und seinem schwarzen Schnurrbart feststellen, sondern es stand bereits in der Untertitelung, als er eingeblendet wurde. Leider hat das Budget von Regisseur Nizet nicht für mehr gereicht als für Library Music. Und die Auswahl schien nicht so groß, einige Stellen, durchaus gefährliche, aufregende Stellen, waren mit Gameshow-Musik unterstrichen. Musik wie bei den Looney Tunes. Aber was braucht man die Musik, wichtig ist die Action. Das Geld floss in die richtigen Stellen: Knapp 40 Minuten explodierten in der Wüste Autos und Wüstensand. Der Angriff auf die Terroristen war Kugelreicher als der Sturm auf die Normandie!


You ugly bitch!
Cindy please, control yourself
You foolish little whore



Aber was interessiert euch das? Kommen wir zu den Busen. In dem Einsatz haben ja viele Frauen mitgewirkt. Kiki, Angel und Kelly gehen in die staubige Geröllhölle, um Cindy aus den Klauen der Bastarde zu befreien! Dauerwellen gegen Kopftücher! Und sie sind auch viel offenherziger als die verbitterte Kommunistin, Tops tragen sie eigentlich nur, wenn sie Terroristen totschießen.
Beeindruckend war, wie die jungen Agentinnen ihre Reflexe abtrainiert haben. Alles um sie herum explodiert. Um sie wirbelt Wüstenstaub, Feuer und Tod, und sie ducken sich nichtmal weg, wenn um sie herum Leichenteile fliegen. In ihren Augen liegt keine Angst. Vielleicht wurden sie vor dem Einsatz unter Drogen gesetzt. Die Rettung des Botschafters und Cindys geht mit der totalen Vernichtung der antiimperialistischen Feinde einher. Selbst ihr Gott kann die Finsterlinge nicht mehr vor dem tödlichen Granathagel der amerikanischen Mordspezialisten schützen. Aber die Gegner der Gerechtigkeit sind auch einfach untrainierte Haufen Scheiße.
Apu etwa. Der schnurrbärtige Arbeitslose wurde dazu degradiert, nicht schießen zu dürfen, sondern den Wachhund für den Botschafter und dessen Tochter zu spielen. Alles um ihn herum fliegt in die Luft, das Maschinengewehrsperrfeuer ist Legion. Er verliert aber nicht den Kopf. Wenigstens nochmal Busen grabschen und vergewaltigen, bevor er stirbt! Vor den Augen des Botschafters will er sich an Cindy vergehen - aber - Kiki kommt grade noch rechtzeitig! Der Botschafter ist gerettet, der Sexualdelikt abgewendet. Schnitt. Cannes. Kikis und Angels Lieblingsrestaurant, erfahren wir im Schreibmaschinentext. Sie reden über Männer und genießen den gelungenen Einsatz. Schnell fliegen sie nach Las Vegas weiter, in Whiskey Petes Casino um endlich dem wohlverdienten Nacktbaden zu frönen.

Das Ende war ja wirklich gelungen. Es ist toll, auch mal den Alltag einzublenden von diesen Mordmaschinen und ihren geselleigen Dialogen zu lauschen. Sie reden auch über Männer. Ich frage mich aber, wie sie normale Männern kennenlernen wollen? Da reißen sie einen Mann in einer Bar auf und der versucht sie womöglich zu beeindrucken, damit, dass er Baseball-Karten sammelt und ein Autogramm auf seinem New York Yankees Trikot hat. Da lachen die ja nur, wenn sie grade mit dem Striker und Bandana gebrandschatzt und die Welt gerettet haben! Schauspieler des Films ist Bo Gritz. Im wahren Leben ein ehemaliger und hochdekorierter Vietnam-Leutnant. Nach dem Krieg machte er sich, wie Rambo, auf um POWs im Dschungel zu suchen. Er rutschte in die Verschwörerecke ab, kandidierte zu Zeiten des Drehs (1988 und 1992) für das Präsidentanamt, er schloss sich einer Partei um einen Ku Klux Klan Führer an. Wenig später fand er sogar Platz in einer von Louis Theroux`sagenhaften Dokus über irre Amerikaner (Folge: The Survivalists). In dem Film telefoniert er aber nur mit Kiki.


They are all dead, let`s get out of here

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 Post subject: THE SORCERER
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SORCERER/ ATEMLOS VOR ANGST
USA 1977
Regie: William Friedkin
Musik: Tangerine Dream
Darsteller: Bruno Cremer, Roy Schneider, Francisco Rabal, Amidou, Ramon Bieri u.a.


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Wer scheitert, landet im Dschungel. Das scheint in den 70er Jahren ein gängiges Axiom gewesen zu sein. Vier Männer zieht es wegen persönlichen Versagens, dass ihnen die weitere Teilnahme an der Gesellschaft verleidet, an den Fuß eines spärlich besiedelten und grünverödeten Gebirgszugs in Südamerika. Eine kleine Siedlung gibt es, auf den Pfaden stapeln sich Kot und Hühnervieh. Auf dem klebrigen Tresen der örtlichen Spelunke hängen zugedröhnte und zerrissene Gestalten herunter, als Nahrung für blutsaugende Insekten. Gäbe es in der Nähe keine Ölraffinerie, würden sich die lokalen Eingeborenen nur untereinander fortpflanzen. Ohne Zufluss frischen Blutes. Die Außenwelt nimmt vom kargen Dasein der Siedlung kaum Notiz. Doch in der stickigen Luft dieser von Schlamm und Zeit verkrusteten Siedlung liegt etwas Internationales. Die vier Neuen sind Nilo (Franciso Rabal), Scanlon (Roy Schneider), Kassem (Amidou) und Victor Manzon (Bruno Cremer). Sie kommen aus unterschiedlichen Teilen der Welt und aus unterschiedlichen Schichten. Doch schnell passen sie sich der abgehärmten Zunft an. Die Perspektivlosigkeit, die wie ein Dunstschleier über dem Tal liegt, legt sich auch über sie. Alle vier haben sie scheiße gebaut. Kassem ist ein palästinensischer Terrorist, der es machte, wie die Nazis. Erst Juden töten und dann in Südamerika verstecken. Nilo ist ein gefühlskalter Auftragsmörder. Am schlimmsten erwischte es jedoch die beiden Westler. Scanlon etwa. Ein irischer Krimineller aus New York. Ein Überfall scheitert, seine Kumpels sterben, er überlebt und wird fortan von der Mafia gejagt. Die einzige Zuflucht bietet das Arschloch der Welt. Von der größten Stadt in eine Siedlung mit Typen in Fantasieuniformen, die ihre nicht vorhandene Macht ausspielen. Vielleicht noch schlimmer ist es aber für Victor Manzon.
Was für ein Fall ist seine Biographie: In Paris redete er beim Präsidenten vor. Der Unternehmer aß Schnecken und Hummer und schwelgte im Luxus. Nun muss er auch wieder Schnecken essen - aber nur, weil nichts anderes da ist. Sein Mobiliar wandelte sich in kurzer Zeit von Elfenbein in abgestandene krummwinklige Morschheit, die von Insektenkot zusammengehalten wird. Die Kleidung des unglücklichen Quartets klebt an ihren schwitzigen Körpern und der einzige Ausweg ist Alkohol. Das wusste ja auch schon Hunter S.Thompson, den es ins ähnlich schwüle Puerto Rico zog und dessen Tagebücher sinnigerweise The Rum Diary betitelt sind.

Die einzige Möglichkeit, sich aus dieser nach saurem Erbrochenem riechenden Hölle der Gleichgültigkeit zu befreien, bietet eine Feuerbrunst in der örtlichen Raffinerie. Es braucht Nitroglyzerin für die Anlage. Das lagert falsch 200 Meilen Abseits. Mit LKWs muss das hochexplosive Zeug herangekarrt werden. Der Job ist ein Himmelfahrtskommando, denn die Straßen sind keine. 1000 Jahre alte Bäume versperren den Weg, Brücken, auf die sich nicht einmal Selbstmörder trauen würden, befinden sich auf der Strecke genauso wie Rebellen. Die kleinste Erschütterung lässt die Ladung und die leiblichen Hüllen bersten. Doch lieber Sterben als noch mehr Zeit in der Siedlung. Diesem Nichts im Irgendwo! Eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Was soll`s Vertrauen, beschleicht die unrasierten Männer auf dem Weg in Richtung eines unbekannten Horizonts.
Nur heraus aus diesem Bevölkerungspfuhl, der sich mit Nichtstun abmüht und so schnell altert wie es ihnen möglich ist.

Ein toller Film. Den Text habe ich schnell zusammengekleistert, um den Film im Forum zu wissen. Da ihn vermutlich eh jeder kennt, spare ich den Filmtext. Biographie Friedkins und richtige Besprechungen finden sich sicher in den Tiefen des Internets. Der Film ist gemacht für das Kino und es muss phänomenal sein, die todbringenden Schluchten, die rasenden Stürme und die sich hochschaukelnden Emotionen auf der großen Leinwand zu sehen. Die Handlung ist kaum ausgeprägt. Die Charaktere werden mit ihrem alten Leben eingeführt. Ihre kümmerlichen Existenzen treffen dann in dieser Siedlung zusammen und sie machen sich bald darauf auf die Reise. Die Spannung, als der rostzerfressene Lastwagen, der von vorne aussieht wie ein Schildkrötentotenkopf, über die kaum vorhandene Brücke fährt, hat mich beinahe zerrissen.
Ein infernalischer Fiebertraum.


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 Post subject: KURUTTA BUTOKAI
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Kurutta Butokai /MUSCLE
Japan 1989
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shiro Yumeno
Musik: Coil, So Hayakawa
Kamera: Koichi Saito
Darsteller:Kiyomi Ito, Takeshi Ito, Simon Kumai, June, Mabze, You Suzuki


I want to make a film which has the influence to drive its audience mad
to make them commit murder.

- Sato Hisayasu


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Japan 1975. Der schwulende Fotograf Ryuzaki arbeitet für das Muscle-Magazin. Das heißt, er fotografiert junge, knackige Bodybuilderjapaner und verdient damit Geld. Er mag die Körper, also ist es nicht die schwerste Arbeit für ihn. Bei einer der Sessions lernt er den jungen und drahtigen Kitami kennen, den er dann auch gleich mit in seine Wohnung nimmt. Die beiden freunden sich schnell an und es entspinnt sich etwas Romantik. Der Dürre entpuppt sich beim Akt jedoch schnell als kleiner Sadist. Er ist ein Brustwarzenschlitzer. Dass da ein kleines Messer auf dem Nachttisch lag, muss Ryuzaki erst später klar geworden sei. Als das Gebiss dann die Ballen annagt stöhnt der Überrumpelte kraftvoller. Abgeneigt ist das Opfer nicht. Es ist, als wäre etwas in mir dabei explodiert, erklärt er sich danach selbst. Dem Liebhaber gegenüber verliert er kein Wort. Statt mit Penis wird er mit einem Messerchen penetriert. Was für eine Lust! Ryuzaki gefällt es, er stöhnt und dieses stöhnen vermengt Lust und Schmerz zu gleichen maßen. Doch jede Beziehung braucht auch mal ein neuen Kick. In den Hodensack beißen ist ja irgendwann selbst dem biedersten Postbeamten zu dröge. Bald darauf fotografiert Ryuzaki wieder den vor der Kamera tänzelnden Gockel Kitami. Ryuzaki zückt das Samuraischwert und hackt seines Liebhabers rechten Arm ab. Das abgetrennte Körperteil landet auf dem Boden, Ryuzaki im Knast.

Die Strafe für Armhacken beträgt im Japan der 70er Jahre ein Jahr Zuchthaus. Nach abgesessener Strafe lebt er wieder in Freiheit - Arbeitslos. Das Magazin wurde vorübergehend eingestellt. Doch sein Boss hat auch gute Nachrichten. Der torsolose Arm wurde in Formaldehyt aufbewahrt in seiner Wohnung, als ewige Erinnerung. Eine Arbeit ist schnell gefunden als Kartenabreißer im Lunatic Theater, doch es sind zwei Dinge, die ihn verfolgen. Einerseits brennt er darauf, Pier Pasolinis Salo zu sehen, er lässt sich diesbezüglich eigens eine VHS aus Italien schicken. Andererseits sucht er seinen ehemaligen Liebhaber. Er hat Glück, in den Straßen soll ein einarmiger obdachloser Stricher leben. Mit ein paar Flyern und Nachfragen in Schwulenklubs ist er sich sicher, den verlorenen Liebhaber schnell wieder zu finden.
Die Dualität von Glück und Pech ist sein Nemesis. Das lang ersehnte Tape von Salo bekommt er. Leider in Pal. Und in das für ihn passende Format kann er es in Japan nicht formatieren, da unzensierten Tapes das von Gesetzes wegen nicht gestattet ist. Als wäre das nicht genug Unglück, wird es ihm prompt darauf von einer lederjacketragenden Schwuchtel zerstört. Die Strafe für Sammlertapes zerstören ist klar. Knüppeltod durch Eisenstange. Doch das Tape hätte er eh nicht mehr gebraucht. Denn er trifft bald darauf seinen Exlover mit dem Armstumpf wieder. In einem Theatersaal, beide mit Strumpfmasken über den Köpfen. Selbstverständlich schlitzt der Fotograf sich die Augen aus, um den Körper der Liebe wie in der Vergangenheit in Erinnerung zu behalten.

Welcome back, let me suck it

Ja, japanischer Sexrealismus. Wäre ja interessant gewesen, wie Jürgen Enz sich in der japanischen Industrie geschlagen hätte. Der Film ist ein homoerotischer Horrorfilm mit der Musik von Coil [Ostia- The Death of Pasolini]. Pasolinis Salo ist omnipräsent, die beiden Streifen treten in eine Art Metadialog. Es sind auch einige Szenen, die übernommen wurden, wie etwa der Walzertanz und Strecken des Schlusses. In dem Text ging ja nun viel Geschreibe über den Plot drauf aber er ist im Grunde auch nicht das wichtigste. Der war minimal, der Film ist eher zum fühlen als zum denken [Hoffentlich liest der Drehbuschschreiber nicht mit]. Aufregend waren die Liebesszenen, die tatsächlich erotisch waren. Wobei die Körper doch bemerkenswert waren. Die beiden Hauptliebhaber hatten keinen Arsch. Sie waren wie Legofiguren. Die Staksbeine gingen direkt über in den Rumpf, ohne Arschwölbung. Aber jetzt werde ich unsachlich.

My mother became a nympho, chasing everything with a dick

Die Liebesszenen sind streckenweise unter Ausschluss von Licht gedreht. Es fällt schwer, etwas zu erkennen abseits von Schemen. Es sind Silhouetten. Die Dunkelheit ist, das hält Jay McRoy fest, eine Technik in Horrorfilmen um die Spannung zu steigern. Hier...steigert es die Fantasie. Der Film ist weniger Erotik-als vielmehr Horrorfilm. Es beginnt schon mit dem Intro. In Close-Ups werden muskelflexende Männerkörper gezeigt, in völlig bizarren Posen. Das findet in einem schummrigen Studio statt. Es ist keine Erotik, keine Vitalität in den Körperszenen. Das Licht ist eher luzid-abweisend, wie das Mondlicht. Kein warm-orangenes wie bei der Sonne. Eher staubige Plastikpflanze als saftige Sukkulente. Dass bei dieser Einführung auch keine Musik aus dem off ertönt, sondern nur das Stöhnen der Anspannenden tut sein übriges. Beeindruckt war ich von dem Schlag bei Männern beim Fotografen. Egal wo er hinkommt, er bekommt sofort Bumsangebote. Klar, es kommt drauf an, welches Etablissement man nach dem Knast ansteuert, und bei einer Story mit 60 Minuten bleibt kaum Zeit, dass er mal abgewiesen wird. Trotzdem ist es ein Fakt, dass es in dem Film keinen Mann gibt, der nicht mit ihm schlafen wollte. Seinen Trick würde ich gerne erfahren. Alles in allem kein Wohlfühlwerk aber mich hat es angesprochen.

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 Post subject: BONDAGE ECSTASY
PostPosted: 29.05.2015 18:35 
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Bondage Ecstasy/ Tosui Yugi
Japan 1989
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shiro Yumeno
Darsteller: Osamu Fukada, Setsuhiko Kobayashi, Toru Matsumura, Shotaro Sawada


Was hilft gegen Arbeitsstress? Analsex, Peitschen und Insekten.
Doch von vorne:


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Nakata hat seine neue Arbeitsstelle bei der Idea-Company in Tokyo. Der Ruf der Firma ist nicht der beste. Sie ist berüchtigt, für ihren brutalen Straßenverkauf von vermutlich unnützem Zeug. Dass das Arbeitsleben in Japan hart sein kann, weiß der westliche Zuschauer sicher nicht erst seit "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb". Nakata bekommt das unmenschliche Arbeitssystem am eigenen Leib zu spüren. Er wird von seinem Vorgesetzten Masao Tachihara und dessen Adjutanten in das Büro eingeführt. Das heißt, er muss auf allen vieren durch das Büro kriechen und mit einer insektenvernichtenden Spraydose ein imaginäres Insekt töten. Das muss sterben, bevor es an die Mittagspause geht. Der Boss hat leider nicht mit der Schusseligkeit des aufgeregten Neulings gerechnet. Erst nimmt der die falsche Spraydose, eine rote Farbdose, und sprüht sie ihm dann ausgerechnet noch ins bald fuchsrote Gesicht. Die Sachlage ist klar, der Jüngling wird im Büro grün und blau gedroschen. Windelweich wankt der Versagende Abends heim. Nach der Prügelattacke des emotionalen Puterchefs musste er wohl tatsächlich noch bis zum Feierabend im Büro ausharren und schuften.

Immerhin gibt es noch Shirakawa. Der lädt ihn ein zu sich, schickt seine Freundin weg und besorgt es dem Gedemütigten. Er wickelt ein Lampenkabel um dessen Hals und rattert ihn. Bemerkenswert ist, dass auch Nakatas Brustwarzen blau sind. Der Chef hat ihm also nicht nur wiederholt mit seinen Lackschuhen die Eier gestiefelt sondern auch noch dessen Warzen gezwirbelt.

Aber genug gehandelt! Der Film ist zu Beginn eher wie ein Hardcorefilm aufgebaut. Kurze Einführung und schon wird gefesselsext. Der Sex entspinnt sich zwischen zwei Parteien. Einmal eine Dreierkonstellation um die beiden Knaben und eine Freundin. Und einmal zwischen dem Boss und dessen Sekretär. Der Film gleitet streckenweise ins Surreale ab. Nakata etwa träumt sich immer wieder als Insekt. Er liest auch Kafkas Verwandlung ausgiebig. Kafka wird auch an einigen anderen Stellen des Einstünders direkt ins Gedächtnis gerufen, so auch in dem Klub, "Der Prozess". Als Insekt hat Nakata die Möglichkeit, andere Körper, auch anal, zu infiltrieren. So auch den Straßenschläger, den er für seine schlechten schulischen Leistungen ausmacht.

Der Film ist über Strecken aufregend gemacht. Bevor der erste Mensch spricht oder überhaupt eingeblendet wird, sehen wir eine Spraydose in Arbeit, das Bild des weißen Dampfes ist eine rechte Analogie des Ejakulats. Ejakulat wird auch weniger implizit eingeblendet, etwa zum Finalen Akt, einem 69er zwischen den Knaben. Es beginnen und beschließen den Film. Was mich stutzig machte ist, dass jeder zu jeder Zeit Socken trug. Sie vollführen mit ihren Spinnenartigen Körpern die spannensten Fesseleien aber die Fleischfarbenen Strümpfe bleiben am Körper. Gibt es in Japan ein Gesetz dagegen, bare Füße zu zeigen? Oder ist das ein besonders ausgefallener Fetisch?
Erwähnenswert auch das normative Denken. Während der Boss zu Beginn den Jüngling prügelt, rutscht dem das Schauspiel genießenden Sekretär ein Schimpfwort raus. Der Chef hält inne und verbittet sich eine derartige Gossensprache. Da sie in einem Büro und damit arbeitstätig seien, sieht er das wohl als Grobheit. Auch der Freund des Knaben, sieht sich außerhalb aller Homosexuellen Empfindungen. Auf die Dreiecksbeziehung angesprochen, erklärt er seine Weltsicht. Es sei üblich, dass dann beide Männer die Frau lieben und nicht die Männer sich untereinander.

Denkt nicht SM wäre Sadomasochismus. Es ist die Abkürzung für Shocking Madonna

In der Splatting Image 27 ist übrigens ein Doppelinterview mit Hisaysu Sato und seinem Kollegen Takehisa Zeze. Das ist 20 Jahre her, vielleicht haben das ja einige hier schon vergessen. Sato machte die Filme (Zu der Zeit knapp sechs pro Jahr) nebenberuflich und es kostete ihn eher Geld. Das wiederum verdiente er mit Hardcore- und Karaokefilmen. Jedenfalls ist das Interview sehr interessant, bezüglich der Bedeutung von Liebe in Japan und weswegen Küssen in der Öffentlichkeit verpönt ist, während es andererseits, ebenso öffentlich, bizarrste Sexbilder gibt. Aber das verwurste ich vielleicht für einen späteren Film.




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 Post subject: LOVE - ZERO = NO LIMIT
PostPosted: 01.06.2015 11:07 
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Love - 0 = No Limit
Iyarashii hitozuma: nureru
Japan 1994
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shirô Yumeno
Musik: Takayuki Hayashida
Kamera: Masashi Inayoshi
Darsteller: Kiyomi Itô, Takeshi Itô, Ryûmei Homura, Satomi Shinozaki
Dai Hiramitsu




HIV, Obdachlosigkeit, Vampirismus und ein Saxophonist


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Herr Bessho hat es im Grunde geschafft in seinem Leben. Er ist ausgebildeter Lehrer und verdient sich ein Zubrot im TV als Drehbuchschreiber. Er lernt eine flotte Biene kennen, erst 20 Jahre alt. Sie flirten und techtelmechteln und bald ist es soweit. Herr Bessho verliebt sich, er will sie heiraten. Doch wie das Leben so spielt, nimmt sie sich alsbald einen anderen. Der Liebesdilletant stürzt in ein schweres Loch. Im Delirium wandelt er durch Tokio und lebt fortan als Obdachloser. Die Zeit schlägt er tot, in dem er wahllos Passanten folgt. Bald landet er folgerichtig auf einer Müllkippe. Dort lernt er ein Pärchen kennen, bei dem das Paarsein klappt. Er trifft erst den Mann, dieser drückt ihm ein Fernglas in die Hand und darf fortan dessen Frau beobachten, wie sie sich hinter dem Fenster eines Baucontainers selbst befriedigt.
Glück muss man haben!
Doch bald beschleicht ihn das Gefühl, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Mit Spritzen hantieren sie, injizieren sich gegenseitig das Blut des anderen, als Zeichen wahrer Liebe und auch als Kick. "Besser als Sex" sei das, erkennt der Mann. Nein, verneint Herr Bessho und der Lehrer kommt wieder zum Vorschein. Er belehrt ihn über Aids, über Saxophonisten und all seine Weisheiten, die er in Petto hat.
Doch: Der einzige der von dem Trio HIV-Positiv ist, ist Herr Bessho.

Das findet er erst später raus und diese Erkenntnis stürzt ihn in ein noch tieferes Loch, schüttelt etwa Mülltüten auf die Straße. Der Fall liegt nämlich so, dass es noch ein anderes Pärchen gibt. Ein angesehener Arzt, Kurebayashi Atsuo, und eine Physikerin. Er nimmt seine eigene Frau als Versuchskaninchen für Steroide. Sie entäußert sich ihres Innenlebens und wird ein identitätswandelnder Vampir. Der Arzt beauftragt ihn, sie zu beobachten. Der Lehrer will folgerichtig bald Sex mit ihr, verliebt sich auch wieder, dieser Idiot, doch das Liebesfiasko mit seiner ersten großen Liebe hat ihn auch noch impotent gemacht.

Warum willst Du es hell? Dinge sind langweilig ohne Schatten

Der Lehrer steht nun also zwischen zwei völlig bizarren Geschlechtsgemeinschaften und merkt vielleicht bald, dass das Paarleben auch nicht der Weisheit letzter Schuss ist.


Im Grunde läuft in dem Film alles darauf hinaus, was für eine arme Wurst der Lehrer ist. Später erklärt er sogar, dass seine Liebe tot sei. Aber sie ist nur tot für ihn. Ganz tot klingt einfach besser und erzeugt wohl auch mehr Mitleid als ein "Sie hat mich für den Produzenten verlassen". Doch die arme Wurst ist der Arzt, er lässt seine Frau überwachen, faselt wirres Zeug, geschlechtsverkehrt andere Frauen. Klar, der zufriedenste kann er nicht sein. Er hat seine Frau abhängig von Steroiden gemacht und die zieht nun als blutsaugender Rachevampir durch die Stadt und sexmordet zielstrebig HIV-Täter. Und dann verlieben sich die beiden, seine Frau und der Lehrer auch noch inenander.
Alles in allem ein....skurriler Film, der die Vampirsaga mit der HIV-Epidemie verbindet. Eine düstere Sexorgie Unglücklicher mit vielen artifiziellen Bildern.



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 Post subject: LUSTMORD
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Lustmord/ Boko Honban/ Pleasure Kill aka Genuine Rape
Japan 1987
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Taketoshi Watari
Darsteller: Nanako Fujitani, Yui Hoshikawa, Yutaka Ikejima


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Eijis Vater war Wissenschaftler von Schrot und Korn. Bei seinen Experimenten nahm er keinerlei Rücksicht auf Mensch oder Natur. Sein Vorgehen hat ihm eine Vorladung vor die Ethikkommission der Tokyoer Universität gebracht. "Unethisch" nannten die Experten sein Verhalten und entließen ihn fristlos. Natürlich, wäre er ein Dr. Mureau, könnte er seine Experimente an Affen auf einer geheimen Vulkaninsel nachgehen. Doch er hat eine Frau, eine angesehene Wissenschaftlerin und auch einen Sohn. Nur er ist gesellschaftlich und beruflich verbrannt. Seine Sicherungen schmoren durch, er wird wahnsinnig und begeht folgerichtig Selbstmord.

Everybody is insane....insane

Doch seine Frau, Mrs. Kureyuki forscht noch immer. Als Alleinerziehende und Berufstätige nimmt sie in den achtziger Jahren eine Vorreiterrolle ein, fernab vom Klischee der kochenden Hausfrau, die nur für den Mann sorgt.. Momentan hat sie ein weibliches Teenagertrio im ärmlich eingerichteten Schmutzlabor: Riko, Taeko und Tomoko. Sie bindet die drei fest und erprobt an den Probanden einen neuen Wirkstoff, der den seelischen Haushalt im Gleichgewicht halten soll. Der Wirkstoff macht keine Probleme, im Gegensatz zum pubertierenden Sohn Eiji. Der will gegen die Traurigkeit vorgehen, da diese eine dem Menschen völlig nutzlose Emotion sei. Er forscht im Kinderzimmer an Mäusen und will auch Mutters Versuchskaninchen mitbenutzen. Dabei sind seine Kenntnisse vom Stammhirn erschreckend tiefgründig für einen 17-jährigen. Natürlich verneint sie sein Anliegen, an Teenagern zu experimentieren. Immerhin ist er noch Schüler und somit nicht mehr als ein genialer Dilettant. Heimlich vertauscht der Autodidakt die Proben und dem Trio wird sein bizarres Gemisch gespritzt - mit unabsehbaren Folgen.

Wenn die Libido glücklich macht, ist das Experiment gelungen. Doch das sexuelle Verlangen mischt sich selbstverständlich mit Schmerz. Vergewaltigungen und Blutfontänen gehen Hand in Hand. Die erotische Groteske mündet in ihrer grausam-bizarren Mischung aus Eros und Thanatos in einem Blutinferno.
Als Mittelpunkt des Films wirkt der Sohn Eiji. Ein muskelloser Jüngling, der in seiner entstellenden Hässlichkeit aussieht wie eine misslungene japanische Version von Beavis & Butthead. Dass er einen kleinen Knacks hat, wissen wir nicht erst, seit er seine Mutter fesselt und vergewaltigt. Die Anzeichen treten schon früher in Erscheinung. Seiner antikommunikativen Art frönt der verklemmte Voyeur, indem er Frauen durch die Ferne beobachtet - mit dem Fernglas.

I was a mighty warrior, who always smelt of blood

Das andere Zentrum des Films, um das sich schlussendlich alles Drehen wird, ist Riko. Eine der drei weiblichen Versuchskaninchen. Während die anderen beiden in den völligen Wahnsinn abdriften, die Selbstbefriedigung geht mit Selbstverstümmelung einher, lebt sie das Leben eines gewöhnlichen Teenagers fort und spielt Tag ein Tag aus Sailor Moon auf der Konsole. Auch auf ihr Gewicht scheint sie zu achten. Im Kühlschrank stapeln sich ausschließlich Äpfel. Sie wird die Initiative ergreifen und den Knaben verführen. Bei ihr mischt sich das Extrakt, das Lust mit Schmerz verbindet mit dem Konsolenspiel. Sailor Moon bringt sie dazu, die virtuelle Realität in die tatsächliche zu übertragen. Sie gewinnt Lust nicht nur durch die Selbstverstümmelung sondern auch durch sadistische Folter und Mord, die kindliche Sailor Moon macht aus ihr einen mordlüsternen Vamp. Die Sternenkriegerin wird es auch sein, die den Film rahmt. Er begint mit einem virtuellen Schwert, das zu Boden sinkt und das letzte Frame ist einem Game Over Schriftzug vorbehalten.

When I slaughtered the enemy, pleasure ran through my blood, like an electrical current

Ein interessanter Film. Regisseur Hisayasu Sato hat den gleichen Plot, mit den gleichen Figuren einige Jahre später erneut aufgegriffen. Im Jahr 1994 mit dem Werk Naked Blood. Die virtuelle Realität tritt dort noch stärker zu Tage. Doch dieser Prototyp des späteren Meisterwerks ist einen Blick wert. Die Weiblichen Genitalien werden hier durchaus eingeblendet, verdeckt nur durch Rasierschaum oder Blut. Eine der Probandinnen verbindet Schmerz und Lust mit einem Essfetischismus. Sie ist völlig besudelt mit gekochten Nudeln und Kühlschrankinhalten. Mit dem Messer traktiert sie in Trance ihre Vagina. Das sind Szenen, bei denen ich wegschauen musste. Spannend war die Auflösung des Films. Dass es da so einen unabsehbaren Turn gab, ist keine Normalität bei Sato. Selbstverständlich - der Knabe zerstörte die Karriere der Mutter. Sein Herumexperimentieren ist der Auslöser für die Geschehnisse. Dass der Dreh- und Angelpunkt aber eines der Mädchen ist, die sich durch Sailor Moon in eine brandschatzende Serienmörderin entwickelt, die sich schlussendlich sogar von Obdachlosen bespringen lässt, war erschreckend. Sie mutiert durch das Videospiel.
Guter Film.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 11.06.2015 17:54 
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The Ravager - Bestie der Wollust
USA 1970
Regie: Charles Nizet
Darsteller: Pierre Agostino, Darlene Dawes, Lynn Hayes



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Joe Salko (Pierre Agostino) wanderte ein in die USA. Er wurde Staatsbürger, aber gleich nach Vietnam weitergereicht. Denn er verursachte Trouble, da ist er im Krieg besser aufgehoben. Pech gehabt! In Vietnam fängt sich der Italiener prompt eine Posttraumatische Störung ein, als er von seiner Einheit getrennt wird und inmitten einer der zahlreichen vietnamesischen Geröllwüsten (aka Nevada) zusehen muss, wie zwei feiste Fettasiaten eine Lady vergewaltigen. Sie peitschen sie mit einem Gürtel, schanzen ihr eine Stange Dynamit zu, in eine Stelle wo sie definitv nichts zu suchen hat und verschleiern mit dem blutigen Fetzen Restkörper alle Hinweise auf ein Kriegsverbrechen.

Glück für Joe -Pech für die Amerikaner. Er wird wiedergefunden und zurück in die USA verfrachtet, wo er in einem Hospital aufgepäppelt und prompt entlassen wird. Der glatzköpfige Tourettler nimmt sein Restgeld und zieht in ein Hotel in der Wüste.
Und bei Gott - das ist nicht der passende Ort um Kriegstraumata zu verarbeiten. Die Landschaft ist verdörrt wie Kalifornien 2015. Und inmitten dieser ausgetrockneten Naturkatastrophe steht windschief dieser Bretterverschlag, der sich Hotel spottet. Die Landlady ist eine so adrette wie bösartige jüngere Frau. Klar - bei dem Lebensstil als ärmliche Selbstständige mitten im Nirgendwo kann man nur verbittern. Sie lässt ihren Lebensfrust dann an ihren Kunden aus. Das ist dann auch lediglich Joe Salko. Sie sagt, dass ihr Haus ein anständiges sei, dass um 10 Uhr Ruhe sein müsse. Ein schlechterer Scherz, da um sie herum sicher eine halbe Fahrstunde entfernt keine Behausung mehr ist. Zu guter letzt wirft sie ihn auch noch raus. Ihren einzigen Kunden! Sie sollte wirklich froh sein, ihn zu haben. Immerhin sind ihre Hotelfenster nur aufgemalt. Immerhin sind ihre Hotelwände schwarz angemalt. Sie mag noch weniger Budget haben, als so mancher Regisseur inmitten der Wüste Nevadas - eine Entschuldigung ist das nicht.

“On this occasion Joe comes across two Lesbians, seeking their own brand of thrills”!

Kommen wir zurück zum Mieter - zu Joe. Um den geht es immerhin. Er hat nun also diese schwere Störung. Irgendwie fand er gefallen am Frauen explodieren lassen. Seine Masturbationsfantasien (leider) kreisen um dieses Motiv. Er geht in einen der üblichen Shops und kauft sich "genügend Dynamit um eine Kleinstadt in die Luft zu jagen". Das präpariert er und jagt damit Liebespaare in die Luft. Heterosexuelle 20 jährige die vermutlich schon vierzig sind, dem Busenwinkel der Frauen und dem Schulterhaaranteil der Männer nach zu urteilen. Er verfeuert sie in Automobilen, auf Schiffen und - natürlich im ewigen Sand der nicht endenden Wüste.

Wie ist der Film? Die drei Besprechungen, die es zu dem Film gibt, nennen ihn Obskur. Stephen Thrower nennt ihn in Nightmare USA gar "ultra-obscure". Veröffentlicht wurde eine furchtbar erhaltene Rumpffassung bei Something Weird Video. Vollständig sieht das Resultat jedenfalls nicht aus. Der Film ist auf Dauer ziemlich redundant. Joe ist der einzige Hauptdarsteller. Ab und an noch die Landlady, das war es. Wir können froh sein, dass er obwohl er so oft eingeblendet wird, kaum spricht. Sein Dialekt ist ein Witz - der eines Einwanderers. Zu Fahrstuhljazz wickelt er die immer gleichen Dynamitstangen. Zu Fahrstuhljazz beobachtet er Mal auf Mal die Sexualinteraktionen.

Die Überraschung des Films: Sexspielzeug aus dem Jahr 1970. Es ist aus fleischfarbenem Plastik und sieht aus, als wäre es ein Krankenhausinstrument im Kasachstan der 1980er Jahre. Vermutlich befriedigt es nicht nur Frauen sondern kann auch als Metronom genutzt werden und Gemüse schnippeln.

Die schönere Zusammenfassung liefert der Beardy Freak:
So what we have here is cheap, shoddy, badly acted, badly made and yet it has that unique feel that such 70’s Exploitation films have. You know the feeling I mean…the one that makes you aware that such celluloid atrocities harbour a guilty, grimy, never to be repeated pleasure that silently makes you applaud the damn things for simply existing

Ein Hochgenuss ist der Film sicher nicht. Aber er hat mich gut unterhalten. Und er gilt als der erste "Vietnamveteran kehrt heim und läuft Amok" Beitrag. Wer auf schwitzwütige Glatzköpfe steht, mit lachhaftem Dialekt, wer Busen mag und Dynamit - der wird den Film lieben.

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And Soon the Darkness
GB 1970
Regie: Robert Fuest
Kamera: Ian Wilson
Musik: Laurie Johnson
Drehbuch: Brian Clemens, Terry Nation
Darsteller: Pamela Franklin als Jane, Michele Dotrice als Cathy , Sandor Eles als Paul, John Nettleton als Gendarm, Clare Kelly als Lehrerin, Claude Bertrand als Lasall, John Franklyn als alter Mann & Hana-Maria Pravda als Ms. Lasall



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Wie die beiden Engländerinnen Jane und Cathy auf die Idee gekommen sind, ihren Jahresurlaub in einer ärmlichen französischen Gegend zum Radeln zu nutzen, verstehen wohl nur die beiden. Die zwei Teenagerinnen sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die eine trägt pink und bauchfrei. Die andere Halstuch und Hemd. Die eine ist lasziv und hüllt sich in billigen vergoldeten Tand. Die andere ist zugeknöpft und bieder. Die eine will ihren Urlaub nutzen um auch Männerbekanntschaften zu machen, die Sprödere der beiden will tatsächlich Fahrrad fahren. Selbstverständlich kommt es zum Streit. Die Vernünftige will nach einer Pause weiter, um noch bei Dunkelheit anzukommen. Die andere will warten, bis der schicke Franzose auf dem Moped auftaucht. Jane streitet, sie fährt alleine los. Ohne das Radio, ohne die Freundin. Sie fährt vorbei an abgeernteten Feldern und Blumenwiesen. Zornig passiert sie lilane Leberblümchen, den roten Bastard-Mohn, der sich überall im Brachland ausbreitet, dazu das Springkraut und den kriechenden Günsel. Notiz nimmt sie davon nicht. Sie ist ja wütend.
Nicht so wie Cathy, die hängt ihren Büstenhalter in den Busch in der Lichtung am Wegesrand. Was für eine Einladung! Da würde vermutlich sogar ich Rast machen. So leicht an Sex kommt man selten. Leider lockt sie damit den falschen an.

Der Urlaubsfilm wird ein Kriminalfilm. Nach einer Weile hält Cathy an einem kleinen, verarmten Cafe. Eine schwarzgekleidete Frau raunt sie an, sie ist böse, sie fuchtelt mit den Armen, zischt: "Tres mauvais, tres mauvais". Cathy lernte Französisch, doch mehr als zu einem Bonjour reicht es nicht. Sie ist hilflos, es ist Frankreich. Alle sprechen sie französisch. Ihre Einsamkeit, ihre Verwunderung lindert das sicher nicht. Sie macht sich auf die Suche in dieser niedersächsischen Landschaft in der am ganzen Horizont kein Hügel zu finden ist, keine natürliche Eingrenzung, nur meilenweite Leere. Skelettierte Autoleichen die Hühner beherbergen, schlaglöcherne Straßen. Auf ihrem Weg als Detektivin lernt sie einige Eingeborene kennen. Den feschen Polizisten auf dem Mofa. Die intellektuelle Lehrerin und Paul. Der stellt sich ihr als geheimer Ermittler vor. Erklärt ihr, dass es schon mal einen Mord hier gab. Dass das erste Opfer, eine Niederländerin, ebenfalls strohblond war. Er lädt sie ein, gemeinsam mit ihm die Büsche zu durchforsten. Vielleicht finden sie ja Hinweise. Doch irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht. Und das liegt nicht daran, dass er der einzige ist, der keine Hillbillylatzhose trägt sondern einen Anzug.

Natürlich entgeht das auch Jane nicht. Sie schlussfolgert in bester TKKG-Manier und löst den Fall für sich auf, innerhalb weniger Minuten. Der ganze Kriminalfall spielt an einem einzigen Nachmittag. Sie hätte ihre Freundin aus Nottingham ja schon gern wieder. Auch wenn sie etwas doof war, etwa als sie im touristisch nicht erschlossenen Franzosenland der Hinterhöfe ihre Freundin fragt, ob der Mann dort denn vielleicht Franzose sei. Der Ausflug mit der Blondine war eine Tortur, die jeder kennt, der mal mit Freunden Urlaub macht und die Schattenseiten des Kumpels kennenlernen muss. Sie beschwerte sich, seit sie ankamen, erst war ihr zu warm, dann war sie zu müde und das französische Essen konnte auch nicht mit dem englischen Mithalten. Sie ist ein verzogenes Gör. Jetzt ist sie Tod.

Jane beauftragt den Polizisten. Der macht sich auf. Fährt los mit dem Moped und rastet an dem nächsten Hof. Suchen wird er nicht. Er trinkt Wein und starrt auf die uferlos betonierten Straßen in ihrer nutzlosen Breite, diese Fahrrinnen, die übergehen in Asphaltparkflächen und Gehwege. Nur Grün ist in dem Graugrau nicht auszumachen, wo er rastet. Das alles pattdrückende Betongemisch lässt keinen Spalt für Sprießendes, dass die bröckelnden Hausfassaden in ein etwas lebendigeres Licht tauchen könnte.

You`re ordering. I`m not a bloody nun, I like to talk to people once in a while.

Ein wirklich schön gefilmter sommerlicher Mädchenmörderfilm. Jane ist völlig hilflos und den Anwohnern ausgeliefert. Dass sie kaum Französisch versteht steigert die Isolation der Touristin. Sie ist auf die paar englischen Wortfetzen der anderen angewiesen. Jeder der verhärmten Franzosen scheint sein kleines Geheimnis mit sich zu tragen. Der einzige dort, der Intellektuell zu etwas fähig zu sein scheint, ist Paul. Der mutmaßliche Polizist. Doch als er, um sie zu suchen, eine Scheibe einschlägt, verliert auch Jane alle Gelassenheit. Sie hat zwar ihr Fahrrad, aber keine Freundin. Sie ist diesen schlimmsten all ihrer Nachmittage, gefangen in diesem Halunkengau, in dem sich retardierte Kriegsveteranen den Schlüpfer der Ermordeten über den Kopf stülpen und gefühllos vor der Hinterbliebenen auftanzen. Die Kamera hat die dortige Landschaft, das Leben und die Personen hervorragend eingefangen. Es sind viele Close-Ups von Augen, von Gesichtern, in die alle Anspannung eingefräst ist.
Ein sehenswerter Suspense-Thriller!

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Alice in Wonderland- an X-rated Musical Fantasy
USA 1976
Regie: Bud Townsend (Nightmare in Wax, Terror House)
Drehbuch: Anthony Fredricks
Kamera: Joseph Bardo
Musik: Jack Stern
Produzent: Bill Osco (Flesh Gordon)
Darsteller: Kristine DeBell als Alice, Ron Nelson als Willie, John Lawrence als King of the Hearts, Terry Hall als Bugaloo, Melvina Peoples als Blaxpoitationtänzerin, Alan Novak als Verrückter Hutmacher, Bruce Finkelsteen als Gay Knight, Juliet Graham als Herzogin, J.P. Paradine als Richter, Maus u.a., Bradford Armdexter als Bube, Humpti Dumpti u.a., , Larry Spelman als Kaninchen



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Alice ist nicht im Wunderland, sondern sie ist Bibliothekarin. Jung zwar, knackig, aber ein sexuelles Erwachen gab es bei ihr bisher nicht. Sie hat soviel sexuelles Verlangen wie ein Küchenschrank. Es soll ja Männer geben, die auf derartige sexuelle Unerfahrenheit abfahren. Genau dieses Pech hat Alice. Während sie einen Appetit hat wie eine Sechs- oder 95-jährige, kommt der Willie mit Sportshirt in ihre Bibliothek, findet gleich den richtigen Einstieg und redet vom Wetter. Aufdringlich wie er ist, will der schwitzerückerne Mann die graue Bibliotheksmaus an Ort und Stelle vernaschen. Die Jungfer sträubt sich, reißt sich selbst aus der dunstigen Lethargie ihrer kümmerlichen Arbeitsstätte um das Abscheuliche abzuwehren. Selbstverständlich erkennt Willie kein "NEIN" an und probiert er es weiter. Bei ihm paart sich fehlendes Einfühlungsvermögen mit mangelndem Scham. Das NEIN bleibt. Er tritt nach: Ihre Welt sei es nicht wert, stellt er unumwunden und beleidigt fest. Dabei hat er alles gegeben, er hat ihr Kinn gehalten, wie er das eines Katers halten würde, wenn er ihn streicheln will. Er nannte sie attraktiv und wollte ihr, während er das Kinn wie im Schraubstock festhielt, einen Zungenschmatzer geben. Diese Inkompetenz ist fast zu schlimm zum anschauen. Als müsste man Vierjährigen zusehen.

I am not that kind of girl [that fucks]...

Endlich wirft sie ihn raus. Der Besucherstrom reißt nicht ab. Die nächste Person, die in ihrer staubigen Bücherei erscheint, ist ein Kaninchenmann in pinken Leggins. Er stürzt in einen Spiegel. Sie stürzt hinterher - auf direktem Weg ins Wunderland. Weg von der Bibliothek, weg von dem Creep, der ein Shirt mit dem Namen eines anderen Mannes trägt, hin in einen psychedelischen Raum. Abenteuerlust hat sie also, so viel steht fest. Keine Sekunde hat sie gezögert um sich in den Spiegel zu stürzen. Ihr Werdegang im Wunderland ist jener ihrer kindlichen Vorgängerin. Sie sitzt fest in einem Zimmer, dessen Ausgangstür viel zu klein für sie ist. An ihrem kruden Verständnis sozialer Normen hält sie dennoch fest. Selbstverständlich verliert sie durch einen Verkleinerungstrunk ihre Kleider. Doch obwohl sie sich das Zimmer lediglich mit einem lieb schauenden Hundewelpen teilt, bedeckt sie ihre Brüste. Das Reich, das sie nun betritt ist ein wahres Kinderparadies. Plastikfliegenpilze zieren den Weg. Doch es ist nicht Schlumpfhausen, das sie im Dickicht vorfindet. Sie trifft die ganzkörperlegginstragende Gruppe um Bugaloo und Ugaloo. Sie sind geile Fury-Mäuse und der Startpunkt für Alice` eigenkörperliche Erkundungstour. Während sie Sie zu Beginn streicheln, zwingt ein Fels Alice später zur Masturbation. Dann startet Alice voll durch. Dem Mad Hatter bläst sie einen, dem eiernen Humpti Dumpti erlöst sie aus der Impotenz, dem Zwillingspaar Dideldum und Dideldei sieht sie beim Sex zu und ganz zum Ende ist sie selbst bereit sich von Willie bespringen zu lassen.

If it feels good, there is a big chance that it must be bad

Diese psychedelische Musical-Porno Interpretation von Alice im Wunderland ist ein doppelter Höhepunkt. Musicals und Pornos teilen sich die gleiche Struktur. Es gibt längere Stellen, in denen nichts passiert und die Handlung vorangetragen wird, um dann immer wieder punktuell zum Höhepunkt zu gelangen. Im Musical ist das der Gesang, im HC der Sex. Hier wird es gemischt, es folgt also Gesangseinlage auf Sex und Sex auf Gesangseinlage und ab und an beides zur gleichen Zeit. Eine wahre Wonne also für geile Musical-Freunde und Hippies. Hippietum ist das Gravitationsfeld um das sich im Wunderland alles dreht. Jeder hat gute Laune, sogar das impotente Ei mit seinem Gummipimmel lächelt. Das Stück basiert eher lose auf der Vorlage, wobei es viele Überschneidungen gibt. So fällt Alice in den Tränenteich. doch getrocknet wird sie von rubbelnden und zeigefreudigen Kaninchenfrauen. Der singfreudige Bumsstreifen ist dick eingekleistert in Peace & Love. Später kippt der Film in ein wildes Vaudeville, am Gerichtssaal, wenn Blaxpoitationsängerinnen Soli tanzen.

Der Film ist schon aufregend, wirkt nicht, als wäre er schnell runtergedreht. Wo singt der Pornodarsteller schon mal und turnt ein Rad bevor er agiert? Schwachpunkt ist für mich Alice. Was teilweise an ihrer Physiognomonie liegt. Ihre Naivität ist völlig over the top. Sonderlich sexy wirkt sie auch nicht bei der ersten Masturbation. Sie schnappatmet wie ein Karpfen auf Landgang. Ansonsten wird alles geboten. Schwule Männer, Inzest zwischen Zwillingen und eine unfassbar hässliche und abgehalfterte Herzogin. Sie sieht aus, als hätten die Caster sie aus einer Tittenbar an einer Highwayraststätte aufgegabelt. Da trägt auch ihr herzförmiger Muff wenig zur Stimmung bei, der mit Lippenstift verziert zu sein scheint.

Eine Andy-Milligan Gedächtnis-Kostüm-Musical-Party als Hardcoreporno. Kann man gesehen haben.



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Gehetzt, Gejagt, Getötet
Hunter`s Blood

USA 1986
Regie: Robert C-. Hughes (Zadar! Cow from Hell (1989)
Drehbuch: Emmett Alston (Eines der vier Drehbücher von ihm, neben Die 9 Leben der Ninja (1985), sonst auch Kameramann (Moonchild - Im Jenseits ist die Hölle los 1975) und Regisseur (Demonwarp (1988), Force of the Ninja (1988), Kommando Tigershark (1987)
Musik: John D`Andrea (Body Slam - Verschwitzte Körper (1986), Chucky 3 (1991), Beyond The Law (1993 mit Charly Sheen)
Kamera: Thomas Denove ( The Last Horror Film (1982), Cold Steel (1987), Puppet Master 2 (1990)
Kostüme: Jacqueline Johnson (Auch verantwortlich für: Nightforce -Schreckenskommando (1987), Rebellen des Grauens (1986), Runaway Train (1985), Freitag der 13. Teil 7 (1988)
Produktion : Judith Schuman & Myrl Schreibman (Produzierte 1975 Boss Nigger von Jack Arnold mit Fred Williamson)
Darsteller: Sam Bottoms als David Rand, Kim Delaney als Melanie, Clu Gulager als Mason Rand, Ken Swofford als Al Coleman, Joey Travolta als Marty Adler, Bruce Glover als One Eye, Mickey Jones als Wash Pot, Mike Muscat als Bubba, Billy Bob Thornton als Billy Bob, Billy Drago als Snake



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Fünf Stadtmänner machen sich auf in die Südstaaten um Wild zu jagen. Eine Scheißidee. Die hochnäsigen Yankees geraten in die Fänge einer wurstverarbeitenden Inzestmetzgertruppe, deren Blutdurst so ausgeprägt ist, wie ihre analen Vergewaltigungsfantasien. Und sie verwursten nicht nur Wild.

David Rand (Sam Bottoms aus Apocalypse Now) ist Doktorand mit einem ausgefüllten Liebesleben. Doch Karriere und Freundin (Kim Delaney aus Metalbeast, Das Profil der Bestie und Darkman 2 (Alle 1995)) müssen für ein Wochenende hintenanstehen. Er will mit seinem Daddy Mason (Clu Gulager aus dem schwulsten aller Horrorfilme Freddy Krueger - Nightmare 2)), Uncle Al, dessen alkoholkranken Verwandtschaftsanhang und dem porschefahrenden Kumpel aus New York, Marty (Joey Travolta - Bruder von John) in den Süden zum Jagen.
Die Konstellation des Quintetts ist ausgeglichen. Marty ist ein völlig verweichlichtes Stadtei ohne Fingerspitzengefühl. Gleich zu Beginn posaunt er stolz heraus, dass er schon 2000 Stück Wild geschossen habe, mit einer Magnum. Er trifft den Vater seines Kumpels das erste Mal und lügt ihm prompt dreist ins Gesicht. Aber sowas fliegt ja auch immer und immer auf, so eine Schwindelei. Dass dieser geltungssüchtige Vollidiot (I love TV) noch nie irgendwas abgeknallt oder geknallt hat, liegt auf der Hand. Es ist, als würdest er eine Frau zur Penetration überreden und damit prahlen, dass er schon hunderte Frauen gehabt habe. Spätestens, wenn er in ihrem pinkfarbenen Fleischmund rumstochert, wie ein Kind in einer Blutwurstplatte, wird sie den Sachverhalt doch erkennen können und merken, dass er schwindelte. So auch Uncle Al und Mason als sie sehen wie der Gruppendepp die Shotgun hält.

City Cocksucker

Die Fünf landen in einer Kneipe mit einer abgehalfterten Bedienung, die Lollipops lutscht. Sie ist nicht die hellste und der Doktorand spielt seine vermeidliche Überlegenheit voll aus und macht sich über sie lustig. Mitten in einem Gebiet, in dem er sich nicht auskennt. Ein Gebiet, in dem Männer Latzhosen zu Zahnstümpfen tragen. Wo sie Bubba und One Eye heißen, wo sie ihr Fleisch blutig fressen und schlingen. Klar, merkt sie, dass die fünf Schwuchteln aus der Stadt über sie lachen und eine Gruppe Hillbillys fordert die Pisser folgerichtig zum Messerkampf. Das Unerwartete passiert, und des Doktoranden Papa gewinnt. Scheint ein Veteran zu sein, er rammt das trunksüchtige Stinkevieh in den Boden. Sie klauen einen Karton Bier aus der Bar und machen sich auf in das Dickicht, um die Wildjagd zu beginnen.
Großer Fehler. Die Fünf sind unten durch. Obwohl die Gruppe wild gemischt ist. Einer, der als Übersetzer zwischen den schwitzsüchtigen Wilden und denen mit Schulabschluss steht. Er ist der Schlichter, der die kulturellen Unterschiede auszugleichen versucht. Dann der überhebliche Neureiche, der sein spöttisches Grinsen nicht verbergen kann und ihnen seine finanzielle Überlegenheit bei jeder Gelegenheit unter die Nase reibt. Der Großstädter, der eher die Rolle einer dusseligen Blondine übernimmt, da er die Situation überhaupt nicht abstrahieren kann und nur in Fettnäpfchen tritt, sowohl in seiner Gruppe als auch gegenüber den anderen und dann einen stark Alkoholkranken, der immerzu Flachmänner ausleckt.

Naja. Also, da sind also die Fünf im Dschungel, der eher aussieht wie Vorstadtgestrüpp, dass sich um urbane, stillgelegte U-Bahntunnel rankt. Sie machen immer wieder brünftige UUUUAHUU Kreischer, wenn sie etwas besonders männliches getan haben, wie Offroad Automobil fahren. Wer sind ihre Gegner? Wer sind die Metzger um Bubba und One Eye und Wash Pot, Red Beard und Snake (Ein Allstarcast, Bruce Glover, der Vater von Crispin, dann Billy Bob Thornton, Billy Drago und andere). Diese abstoßende Kannibalenbande sind ewig zu kurz gekommene Südstaatler, die mit der Erbschmach des verlorenen Bürgerkriegs gegen die schwulen Yankees nicht umzugehen wissen. Und dann machen die sich auch noch über die Barfrau lustig. Klar, wollen Bubba und seine Kumpels es mit einem Messerkampf wissen. Und Verlieren. Wie immer. Die Wut steigert sich. Die Städter haben keine Chance. Das ist Redneckgebiet. Sie haben den Heimvorteil. Wie Schwarzenegger in Predator. Wie die Vietnamesen in `Nam. Sie bringen die Bastarde zum heulen. Töten und häuten vorbeikommende Polizisten, fangen den Doktoranden mit einer Opossumfalle. Wenn sie die verängstigenden Lesefähigen sehen, packen sie ihr Glied und grunzen vom kommenden Arschsex. Während der Menschenjagd ertönt Dschungelbongomusik.

Ein Weltklassefilm. Der Plot ist ja bekannt aus anderen Filmen. Aber der Cast ist wirklich phänomenal, im Gegensatz zur Landschaft. Das Quintett ist so unsympathisch, wie es nur sein kann. Aber irgendwie bekam ich da als Mittelschichtsnormalo schon irgendwann Mitleid, als den Fickern in den Kopf geschossen wird. Das Rudel Wilder ist wirklich abscheulich. Sie tragen selbstgebastelte Kleidung, haben kaum Zähne oder Augen. Sie ziehen ihre Schlinge um die Städter immer enger und schlagen zu wie Schlangen. Fordern sie zum Messerkampf, suhlen sich mit den Gegnern im Schlamm. Es wird gewürgt, gemessert, geschossen und sogar mit einem Geweih in einen Rücken gerammt. Der Film mag günstig gewesen sein, handwerklich ist er ausgezeichnet. Sehr spannend, prima Musik.
8-)

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 Post subject: RUN ALL NIGHT
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Run all night
USA 2015
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Brad Ingelsby
Kamera: Martin Ruhe
Darsteller: Liam Neeson als Jimmy Conlon, Ed Harris als Shawn Maguire, Joel Kinnaman als Mike Conlon, Boyd Holbrook als Danny Maguire, Bruce McGill als Pat Mullen, Genesis Rodriguez als Gabriela Conlon, Vincent Dònofrio als Detective Harding, Lois Smith als Margaret Conlon, Common als Auftragskiller Andrew Price, Beau Knapp als Kenan Boyle, Nick Nolte als Eddie Conlon


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Zu sagen, dass Jimmy Conlon seinen Zenit überschritten hätte, wäre lächerlich. Was er auch immer einmal gewesen sein mag, jetzt ist er ein versoffenes Reptil, das nur Spott und Häme auf sich zieht. In den frühen 70ern baute er gemeinsam mit seinem irischen Kumpel Shawn Maguire (Ed Harris) den städtischen Mafiaklan auf. Shawn war der Boss, Jimmy der Handlanger. Shawn importierte Drogen, Jimmy erledigte die Auftragsmorde. Beide heirateten und gründeten Familien. Doch während der Gewinner in ein riesiges Haus zog und inzwischen seine Geschäft halbwegs legal und ohne großes Aufhebens erledigt, während er mit seiner schönen, kultivierten Frau und seinem Sohn lebt, hat Jimmy nur in die Scheiße gegriffen. Seine Frau ist gestorben und sein Sohn will nichts von ihm wissen. Zwei Enkeltöchter soll er haben, doch obwohl sie noch immer alle in der selben Stadt leben, hat er sie noch nie gesehen, geschweige denn, in den Arm nehmen können. Er lebt in einer Baracke, die direkt an die U-Bahn Schienen angebaut wurde. Reine Boshaftigkeit des Architekten muss der Grund für diese Lage gewesen sein. Das Geschirr könnte er nicht offen stehen lassen, dass würde durch das Rumpeln der vorbeifahrenden Züge unweigerlich zu Bruch gehen. Jimmy ist völlig, auf ganzer Linie gescheitert. Sein Gewissen nagt an ihm, die Morde haben ihm zugesetzt. Warum er sich nicht selbst tötet, bleibt ein Rätsel. Vielleicht liegt es am Katholikentum, weswegen er das nicht durchzieht. Die einzige Konstante in seinem Leben scheinen Busenhefte zu sein. Noch im analogen Zeitalter lebend hat er einen ganzen Stapel, der gleichen Reihe. Vielleicht experimentierte er mal mit anderen, doch das war das ihm zusagende.

Doch wen interessiert so ein fleischgewordener Furz? Was für ein Film kann man um einen Mann basteln, der zum Sohn seines Chefs und besten Freundes gehen muss um sich Geld zu borgen? Der als rotzbesoffener Weihnachtsmann lauthals sexuelle Witze über die Mütter jener Kinder macht, die auf seinem Schoß sitzen und seinen mit Kotze gemischten Atem riechen müssen?
Da kommt nun die zweite Generation ins Spiel. Sein eigener Sohn Mike Conlon, verheiratet, zwei Kinder. Boxcoach für Kinder ohne Vater und Limousinenchauffeur. Und auf der anderen Seite der Sohn des Bosses, Danny Maguire. Begnadeter Kokser, der nur mit seinem halstätowierten Taugenichtsbuddy Kenan rumhängt. Danny will auch mal groß rauskommen, Geld scheffeln. Er leiert ein Geschäft mit Albanern an, dass der Vater vehement verneint. Zumindest beim Nachwuchs hat der Versager die besseren Karten. Aber vermutlich auch nur, weil er dort nichts ruinieren konnte. Mit den Albanern beginnt die Handlung. Danny tötet die joggingtragenden Halunken und will auch gleich den zufälligen Zeugen Mike Conlon töten. Das lässt sein Vater Jimmy Conlon nicht zu und tötet Danny, den Sohn seins Bosses. Der nimmt das biblische Auge um Auge und Zahn um Zahn zum Anlass. Er will den Sohn seines besten Freundes tot sehen. Seinen zum Feind gewandelten Ex-Freund das gleiche Leid ertragen lassen. Das ungleiche Gespann, der sportive Sohn und sein Vater haben keine Chance. Die ganze Stadt jagt sie. Sie müssen die Nacht gemeinsam verbringen um zu überleben. Jimmy ist wie eine Kakerlake. Unfähig zu sterben. Er wird es schaffen, er wird auch seinen Sohn und dessen Familie heil über die Zeit retten.

Eine Mordsgaudi ist der Film. Ohne unnötigen Liebesschmu, ohne großartige Läuterungsgeschichte eines Fehlerbehafteten, beginnt die Hetzjagd auf die beiden. Die Polizei jagt die [Un]schuldigen als Polizistenmörder, die Polizei jagt sie auch deswegen, weil sie vom Drogenboss geschmiert wurde. Der Gangsterboss Shawn Macguire trauert um seinen Sohn und will Rache. Er setzt seine ganze Bande auf die Verstoßenen an. Doch Liam Neeson als Jimmy funktioniert. Er ist es, der die Polizei bei einer Autoverfolgung jagt. Er ist es, der einen seiner alten Kollegen auf dem Scheißhaus der U-Bahn erwürgt. Die Settings sind spektakulär. Ein Wohnblock in Judge Dredd-Dimension wird evakuiert, ein nebelumwogenes Landhaus kommt zum Einsatz. Dazu nahezu unsterbliche Auftragsmörder und eine Seltenheit: Ein nicht korrupter Polizist. Diese Nacht wird Jimmy keine Busenhefte mehr brauchen. Endlich wieder der Arbeit nachgehen, die er am besten kann - Brandschatzen und Morden. Der Film war überraschend düster und grimmig und das liegt nicht nur am fehlenden Tageslicht.
Liam Neeson hat mich nie sonderlich interessiert, das hier war aber eine große gewalttätige Überraschung.

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 Post subject: GIER NACH LUST!
PostPosted: 25.06.2015 22:50 
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MORE / Gier nach Lust
Frankreich/Deutschland/ Luxemburg 1969
Regie: Barbet Schroeder
Kamera: Nestor Almendros
Musik: Pink Floyd
Darsteller: Klaus Grünberg, Michael Chanderli, Mimsy Farmer, Heinz Engelmann, Henry Wolf



ImageImageImage[URL=http://www.directupload.net]Image[/URL]

Stefan (Klaus Grünberg) hat das Studium endlich hinter sich gebracht. Mathematik, in Lüneburg. Aber es ist 1969! Alle Welt versinkt in Drogen und Sex. Und er lebt im Regen in der Heide. Er will die Welt sehen! Paris! Marokko! Busen! Alle Brücken will er hinter sich abbrechen, rechtfertigt er sich vor sich selbst. Neu beginnen will er. Und wenn er dabei verbrennt, dann ist das auch in Ordnung. Kaum das Diplom in der Tasche, schon wird die Hose dick!

So you like getting laid by old man? Groovy

Paris wird das erste Ziel sein für ihn. Dort trifft er auf den Muskelstummel Charlie (Michael Chanderli). Ein kleinkrimineller Spieler, dessen psychedelischer Kleidungsstil völlig maßlos ist, - und imponiert. Charlie ist kein Mann, der sein Arbeitsleben im Büro fristet und sich zurückhält. Einen Job hat er eh nicht, aber wer hat das schon. Riesige Kotletten trägt er, der knapp an der Kleinwüchsigkeit vorbeischrappte. Die steakgroßen Haarbüschel glitschen am Kopf an und vereinnahmen ihn an den Seiten völlig. Das Hemd knöpft Charlie schamlos auf, damit man den Schimpansenteppich auf seinem zu klein geratenen Torso auch dann anschauen muss, wenn man es nicht will. Der Pelz ist ein Blickfang wie Doppel-D. Der modische Hobbit nimmt den diplomierten Taugenichts unter seine Fittiche, begeht Brüche und schleppt ihn auf Partys. Doch selbst unter Gammlern bleibt er gammelnder Bodensatz. Bestiehlt die anderen Hippies, mit seinen gedrungenen Finger rutscht er einfach in ihre Taschen und mopst Münzen. Es ist so erbärmlich wie folgerichtig. Dass Charlie ein guter Freund ist, aber nicht der finale Punkt auf der psychedelischen Entdeckungstour des Akademikers, ist klar. Der will ja auch Sex. Der mit Pott vollgedröhnte Deutsche erblickt die Amerikanerin Estelle (Mimsy Farmer) auf einer Party. Sie ist schwer zu entdecken. Sie trägt Blumenmuster in einer Wohnung deren Tapete die ähnlichen Flower-Motive trägt. Mimesis wie ein Chamöleon. Die Party-Wohnung ist barock mit Pflanzen eingedeckt. Sieht man in die Ecke, weiß man nicht, ob man im Freien ist oder in einer Stadtwohnung.

Stefan und Estelle sind es also. Er fühlt sich magisch angezogen. Sie ist geheimnisvoll. Sie ist keck. Sie umweht etwas verbotenes. Charlie rät ab, er kenne sie aus Pussycat. Eine Femme Fatale sei sie. Stefan schulterzuckt den Einwand weg. Es ist die Gier nach Lust. Estelle zieht es nach Ibiza. Sie lädt Stefan ein, ihn zu begleiten. Er reist nach. Über Ernesto Wolf solle er sie finden. Er findet Ernesto, er findet nicht sie. Als er sie nach Tagen entdeckt ist sie kühl und abweisend. Er entdeckt sich selbst, er ist verliebt, die Sonne brennt seine Hormone. Er will sie. Er WILL sie! Und die Hure ziert sich. HURE nennt er sie. HURE! Doch sie verstehen sich gleich wieder miteinander. Das Wetter ist einfach zu schön für schwarze Gedanken. Die Natur hat Postkartenqualität. Überall Meer. Überall Meeresrauschen. Überall Drogen. Sie lassen sich gehen. Brutzeln ihre Haut unter dem brennenden Firmament knusprig braun. Baden nackt. Tanzen nackt. Ficken nackt. Essen nackt Honig direkt aus dem Topf.

Something stinks - it`s me

Die Insel ist ein Traum. Das weiß auch Dr. Ernesto Wolf (Heinz Engelmann).Ein Ex-Nazi. Ihm gehört die halbe Insel und er ist untergetaucht. Sein Lieblingsspiel ist es, mit alten Hakenkreuzmessern Messerzuwerfen. Er ist gut. Gewinnt immer gegen seine anderen deutschen Kumpels. Kein Wunder, dass er den Zeitvertreib so dominiert. Das beherrscht er noch aus der guten alten Zeit. Niemand weiß, welche Funktion als Nazi man haben musste im Krieg, um im Messerwurf geübt zu sein. Vielleicht ist er Zirkusfaschist. Doch Ernesto genießt das Leben in vollen Zügen. Jovial spielt er Akkordeon vor seinen Mittätern. Kleine Babymietzekatzen fängt er, hält sie im Arm und streichelt sie voller Inbrunst. Selbst als Nazi kann man das Leben im Ausland genießen. Mutmaßlich sext er sogar die Estelle.
Doch Charlie hatte recht. Estelle ist eine Femme Fatale. Sie reißt Stefan in den Drogensumpf. Dunstet ihn ein mit Heroin. Er wird abhängig. Azurblaues Wasser. Azurblauer Himmel und er verlangt den Spritzeninhalt. Aber beim Heroin ist er immerhin weggetreten und sabbert mit glasigen Augen auf farbenfrohe Kisten. Ist er bei Bewusstsein, ist er ein besitzergreifendes Arschloch. Ich selbst bin im Umgang mit Frauen, mit der Kunst des Bezirzens nicht vollständig vertraut, denke aber, dass es ähnlich ist wie bei Männern. Das heißt beleidigt sein, beschimpfen und Ansprüche stellen ist der falsche Weg. Stefan wandelt sich zum Widerling und selbstzerstörerischen Arschloch.
Gier nach Lust. Gedreht vom in Theran geborenen Barbet Schroeder. Sein Handwerk lernte er bei Eric Rohmer und für seinen ersten Langfilm buchte er die Musik von Pink Floyd. 1969, bevor sie Stadionrocker wurden. Bei den Schaustellern griff er ins Schwarze. Mimsy Farmer als Estelle ist verwegen und sexy as fuck. Später drehte sie mit Dario Argento "4 mosche di velluto grigio" und mit Francesco Barrili "Il profumo della signora in nero". Wunderschön auch Klaus Grünberg als Stefan. Mir war er völlig unbekannt. Den TV-Film "Tragödie in einer Wohnwagenstadt" aus dem Jahr 1967 muss aber auch niemand kennen. Er sah aus wie ein Engel und ich habe mitgelitten als er sich in so ein Arsch wandelte.

Damn you, shave your legs again!

Der Plot ist Laissez-Faire, kaum vorhanden. Die Charaktere entwickeln sich kaum, dramatische Höhepunkte sind schwer auszumachen. Was bleibt ist die wunderbare Sonnenlandschaft Ibizas, die die dahin- und abgleitenden Bewohner umflort. Eingefangen von dem Kameramann Nestor Almendros (South of Heaven, Kramer vs. Kramer). Die Story der Widerlinge hat mich streckenweise abgestoßen. Im Gegensatz dann diese wunderbare Landschaft. Dieses Urlaubsgefühl, diese Hochstimmung wollte ich mir von diesen Kapputniks nicht zerstören lassen. Es ist mir völlig unverständlich, wie sie diese warmherzige Landschaft in so ein morbides Fiasko wandeln konnten. Das Bild des Films war Stefan als mit Drogen vollgepumpten Don Quixote im Kampf gegen eine Windmühle. Die andere ist eine selige Schunkelszene in einer Bierklause unter den deutschen Altnazis samt ihren Frauen. Das Akkordeon als Einheizer, die Frauen schunkeln und stemmen ihre Humpen und tragen ihre Perlenketten und Kittelschürzen. As German as it could get.

You behave like a whore

Der Film ist Top. Er atmet den Zeitgeist sosehr wie andere zeitgenössische Meisterwerke wie Plagio oder Quarta Parete. Prima Musik, prima Kulissen, wunderschöne Schausteller, teufliches Heroin!



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TÄTOWIERUNG
Deutschland 1967
Regie: Johannes Schaaf
Drehbuch: Johannes Schaaf und Günter Herburger
Kamera: Wolf Wirth und Petrus Schlömp
Musik: Georg Grunitz
Darsteller: Helga Anders, Christof Wackernagel, Rosemarie Fendel, Alexander may, Tilo von Berlepsch, Heinz Meier, Heinz Schubert, Wolfgang Schnell



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Eine Knarre! Eine Pistole! Ein Schießeisen! Unter 16-Jährigen! In einem Erziehungsheim! Das ist der Bringer. Ein Prunkobjekt und selbstverständlich immer Eigentum des Rädelsführers. In diesem Falle ist das Raul. Ein blonder Knabe im Kinderkörper mit einer verstörend tiefen Schnodderstimme. Doch wie es so ist. Einer aus der Jünglingsbande will das Ding allein für sich. Er verhält sich asozial und stiehlt. Doch nicht mit Raul. Der Verstoßene wird gejagt und gefangen genommen wie ein Tier. Während einige auf den Gliedmaßen vom Dieb Benno knien, beordert Raul den Bohrer zu sich. Ins Herz wird er ihm bohren, wenn er sein Eigentum nicht herausrückt. Die Dinge überschlagen sich. Der Meister kommt, die Buben fliehen. Benno kann den gleichaltrigen Ganoven und seiner Strafe entkommen, denn er wurde von einem wohlhalbenden Industriellen, Herrn Lohmann, erworben.

Das Leben ändert sich schlagartig. Widerstand und Raufereien gehören der Vergangenheit an. Keine pubertären Balgereien sondern Altersmilde und Nachsichtigkeit bestimmen fortan den Lebensweg Bennos. "Ich hab ein Moped für dich gekauft, steht daheim in der Garage. Du musst es natürlich abzahlen....Nur damit du lernst, was Besitz ist, natürlich". Sind die ersten Sätze des neuen Vaters. Aus einer reinen Männergesellschaft strudelt er in familiäres Glück. Es gibt sogar eine Gleichaltrige, die Gaby. Bennos Stiefschwester und Nichte der Lohmanns. Herr Lohmann versucht alles um Benno in den Alltag zu integrieren. Er lässt ihn eine Ausbildung als Koch beginnen und als das nichts wird, wird Benno halt Teppichverkäufer unter den Fittichen seines kinderreichen Bruders. Bennos Welt ist das nicht. Seine Welt ist die Kleinkriminalität. Das ist Sigi. Er ist klein und kriminell. Mit Prostituierten und amerikanischen Schlitten fahren sie zu Vergnügungen ins Autokino. Sigi hört ihm zu. Es ist nicht so, dass Herr Lohmann seinem Neu-Sohn nicht zuhören würde. Als Benno ihm aufgeregt erzählt vom Vater eines Freundes, der schon vier Menschen getötet habe unterbricht ihn Herr Lohmann. Er solle ihn doch bitte duzen nicht siezen. Doch Lernfähigkeit ist keine der bedeutenden Erkennungsmerkmale des Pubertierenden. Immer wieder beginnt er die Erzählung mit Sie, immer wieder wird er unterbrochen. Nach einigen Anläufen beherrscht er zwar das DU, muss aber geknickt gestehen, den Inhalt vergessen zu haben. Doch der war dem Vater eh egal. Er ist zufrieden. Dafür erzählt er gerne einen Schwank aus seinem Leben: Erzählt von seinem Vater, wie sie laut um ihr Leben schreiende Schweine schlachteten. "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker, sagte mein Vater, dann bekam ich mein erstes Glas Bier", erinnert er sich zurück. Er geht einen anderen Erziehungsweg.

Das Problem ist: Benno ist ein Arsch. Einerseits ist er nicht sonderlich reinlich. Im Hallenbad wird er vom Bademeister rausgetrillert und erstmal unter die Dusche geschickt. In der Großküche wird er vom Küchenchef angeblökt, dass er doch bitte eine saubere Pfanne nutzen solle. Der Küchenchef schreit auf die Pfanne und lässt seinen Blick dann nach oben wandern, um das Gesicht des Schmutzfinken zu betrachten. Ein entgeistertes: "Wie siehst du überhaupt aus", keucht ihm aus seinen fassungslosen Lippen. Der Job ist schnell passee.
Doch was sind das für Eltern? Wer sind Herr und Frau Lohmann? Etwas eigenartig wirken sie ja schon. Sie haben ein Gemüt für das TV-Format: Fernsehgarten. Sie haben ausschließlich gute Laune und eine bizarre Obsession für schöne Spaziergänge. Ihre Nachsichtigkeit ist wenig glaubwürdig. Irgendetwas ist da im Busch zwischen ihnen und den Kindern. Sie holen sich erst ihre Nichte ins Haus, die Gaby. Eine pubertierende BH-Verächterin die das Musterbeispiel einer Lolita ist. Sie hat eine seltsam intensive sexuelle Ausstrahlung. Das fällt sogar mir auf, als Homosexueller. Getrennt durch einen TV-Bildschirm und 50 Jahre. Und zusätzlich holen sie sich dann einen, nicht mit ihr Verwandten, Gleichaltrigen Knaben aus einem Erziehungsheim. Das ist zu offensichtlich. Sie wollen, dass die beiden Jüngeren sich vergnügen. Was sie auch tun. Sie suchten einen Betthupferl für die Nichte. Einen Rotzbengel der ein Kondom, das er eh nicht nutzt, sicher Lümmeltüte nennen würde. Was es auch ist. Die Tüte für einen Lümmel. Auf der weltgrößten Filmdatenbank, der tschechischen CSFD, die zu jedem Film Kommentare hat, sind sie ob dieser Konstellation verblüfft und wenig angetan. Sie vermuten, dass das Ehepaar die eigene Jugend durch das Jugendpaar wiederholt wissen möchte. Da sie, die ihre Jugend im Krieg verbrachten, deren Erziehung sicher ungleich härter war, keine Kindheit hatten. Lediglich Entbehrung und Drill.

Die Kunst, Die Schönheit der Steine, Pakistan... [Aufzählung Lohmanns]

Herr Lohmann versagt als Vater auf ganzer Linie. Er nimmt die Kinderfrau, gehüllt in schwarzen Lackmantel zu pinken Leggins, und den Mopedfahrer auf einen Ausflug nach Berlin. Der Bengel haut ab. Das ist dem Vater egal. Er sorgt sich zwar, verhält sich aber weiter normal. Er geht mit der verbliebenen in eine Bar und sie besäuft sich hemmungslos. Er trägt dann Abends, eine rotzbesoffene Göre heim, die sich unter seiner Aufsicht die Kante gab. Ohne Benno, der sich grad bei Prostituierten rumtreibt. Also die eine Hälfte des Nachwuchses verliert er bei der Stadtbesichtigung. Die andere säuft sich halb besinnungslos.

Ja, das ist der Film. Die Idee gefiel mir gut. Das erinnerte mich an die eigene Familiengeschichte. Einer meiner drei Großväter ging durch das Lebensborn-Programm der Nazis. Also keine leiblichen Eltern und nach dem Krieg dann Kinderheim. Er wurde von einem reichen und kinderlosen Industriellenpaar dann für ein Päckel Kaffee gekauft und sollte dann darauf ausgebildet werden, die Firma zu übernehmen. Sie ermöglichten ihm eine tolle Ausbildung. Doch das war er einfach nicht. Er schmiss das alles hin und wurde ein trinkfester Haudrauf, der schlussendlich Kohleträger wurde und mit anderen Hilfsarbeitern soff. So ähnlich ist es auch hier, die Gastfamilie ist reich, ermöglicht ihm das Konsens-Leben und die Type hängt mit Kleinkriminellen rum.

Insgesamt ist der Film für meinen Geschmack etwas plakativ in seiner Aussage. Im Booklet sind einige zeitgenössische Kritiken abgedruckt und alle schmipfen sie auf die doofen, bigotten Schmiereltern, von wegen wie scheiße sie sind. Den Vorwurf finde ich aber nicht so sehr haltlos als vielmehr gemein. Sie sind auch Resultat einer Lebenssituation, die durch den Krieg geprägt wurden. Mag die Tage mal in Gerhard Bliersbachs: "Nachkriegskino. Eine Psychohistorie des westdeutschen Nachkriegsfilms 1946-1963" nachlesen, um das Verhalten der Eltern besser ergründen zu können. Dass der Film im Fahrtwasser des Neuen Deutschen Films entstand, ist in jeder Szene spürbar. Schallplatten, Musikerplakate an den Jugendwänden und wildgewordener Jazz dominieren die Kinderzimmer. Einige Kameraeinstellungen sind famos. Etwa, wenn sie auf dem Familientisch steht und dann nacheinander die Gesichter der Sitzenden frontal porträtiert und die Reaktionen einfängt, während Gaby über die Eier-Potenz des Vaters reimend singsangt ("Eier machen so potent, da wird man richtig ungehemmt"). Der Jazz ist teilweise eruptiv. Wild und laut übertönt er die Dialoge der Schauspieler und setzt den ruhigen Bildern etwas richtiggehend animalisches entgegen. In diesen Szenen wirkt der Film wie Vera Chytilovas Tausendschönchen oder Jerzy Skolimowskis Deep End. An Deep End fühlte ich mich einige Male erinnert, vermutlich nur wegen der Schwimmbadszenen. Skolimowskis Film ist schlussendlich aber auch besser gelungen.



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 Post subject: ALBTRAUM IN DER WÜSTE!
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Runaway Nightmare
USA 1982
Regie: Mike Cartel
Drehbuch: Mike Cartel
Schnitt: Mike Cartel
Darsteller: Mike Cartel als Ralph, Al Valletta als Jason, Seeska Vandenberg als Fate, Cindy Donlan als Hesperia, Jody Lee Olhava als Torchy, Cheryl Gamson als Pepper, Georgia Durante als Leslie, Debbie Poropat als Sadie, Alexis Alexander als Vampiria, Ina Fortman als Clio, Mari Cartel als Andromeda, Debbie Holder als Freaky, Christopher Senter als Mr. X, Jodie perbix als Electra


Jason hat eine Leidenschaft: Würmer. Sein Freund Ralph sieht da eine Chance. Jason als Wurmfarmer und er selbst als sein Manager und Werbefachmann, der sich um den Vertrieb kümmert, könnte ein großes Ding werden. Also ziehen beide in die wüsterne Einöde des Death Valley. Mitten im Nirgendwo. Lediglich Geröll, Hitze, Würmer und die beiden. Was Ralph zu der Idee trieb ist nicht restlos aufzuklären. Sozial ist er sicher kompatibler als sein bester Freund. Vielleicht war es die Gier nach Geld. Ralph möchte aber auch mal wieder unter Leute, in die Stadt, Menschenköpfe sehen, statt Würmerköpfe. Momentan hängt er nur auf einem Felsen und nutzt einen Reflektorenspiegel um die unerträgliche und immerwährende Sonne zu potenzieren und sein braunes Gesicht in ein ledern gegerbtes Etwas zu färben. Warum er sich das antut, diese ungesunde Sonnenanbeterei, mitten in der Wüste, bleibt schleierhaft. Vielleicht ist er eitel und Gegner vornehmer englischer Blässe. Das nahe liegende ist ein Selbstmordversuch durch Sonnenstich.

Doch Ralph bekommt seine Action. Die beiden beobachten wie ein Sarg im Wüstensand verbuddelt wird. Was für ein Ereignis für Leute, die hauptberuflich Würmer züchten. Sobald die Luft nicht nur heiß sondern auch rein ist, buddeln sie das Objekt aus und erblicken eine wunderschöne Blondine. Lebend! Ausgebuddelt, Heimgeschleppt, Aufgepäppelt. Das ist der Plan. Die ersten beiden Schritte funktionieren. Zum Dritten kommen sie nicht mehr. Eine okkulte Waffenschieberfrauengang stürmt das Haus und entführt die Männer. Scheiße, denkt Jason, der mit Frauen nichts anfangen kann. Yeah sagt Ralph, der der veränderten Lage eine Chance geben will. Lauter jüngere Frauen und die beiden als einzige Männer. Dass sie gefangen genommen wurden und gefesselt im Keller liegen, bleibt da erst einmal nebensächlich. Vielleicht läuft es ja auf Sex raus.

Klar, dass die Stimmung irgendwie gedrückt ist, bekommt er mit. Wenn die Frauen mit ihnen am Tisch sitzen herrscht Schweigen. Größtenteils sitzen sie nur in dunklen Räumen. Es ist nicht, wie man es bei einer eingeschworenen Girlgang erwarten könnte. Stille statt Schabernack. Keine Hintergrundmusik, keine Gespräche, ja nicht mal hörbarer Wind. Ab und zu sagt eine Frau einen Satz. Es ist bedrückend. Zumal die Gardinen zugezogen sind. Die Stille drückt so sehr wie die Hitze. Schnell klärt sich auf, was diese Pot-rauchenden Girls für welche sind. Ihr Geld verdienen sie "mit Waffen- und Bombenschmuggel und all so Zeug." Sicher einträglicher als Würmer zu züchten. Doch leider gibt es in dieser Wüste noch so ein ziemlich fieses Männermafia-Syndikat, dass ihnen einen Koffer mit Plutonium/Platinum abgeluchst hat. "Der teuerste Koffer der Welt". Den wollen sie wieder.

Der Rang der Männer steigert sich. Momentan fristen sie ihr dasein mit Haushalts- und Konzentrationslagertätigkeiten. Sinnlos Kisten einräumen und ausleeren. Holzhacken. Doch die von der Anführerin Hesperia gelegten Tarot-Karten lügen nicht: Die Männer sollen Teil der Frauengang werden. Etwas Initationsritus, ein bisschen Okkultismus und schon sind sie drin. Drin ist auch der frivole Ralph oft. Schläft mit einer Frau, auch mal mit zweien Gleichzeitig. Er ist im Himmel. Jason in der Hölle. Mit Frauen kann er gar nicht. Während er mit einer auf einem Langhaarschachteppich Schach spielt, beginnt seine Gegenspielerin den phallischen Bauern zu lecken und lechzt ihm entgegen: "It’s your move. You can take me,”. Er nimmt sie nicht. Genauso wenig, wie er den zwei duschenden und sich gegenseitig einseifenden Frauen Beachtung schenkt, während er sich einen Meter entfernt die Zähne putzt. Seine Miesmuffelei liegt aber auch an den Neckereien:
“I’m into sunshine, awareness, good karma, vibes and witchcraft…I’d like to mix our blood.”
“Well, we do have a lot in common, uh…and well have to talk all about that, someday.”


Viel passiert in dem Film nicht. Größtenteils sitzen sie im Dunkeln. Ab und an explodiert ein Kopf beim Pistolenduell, es gibt eine Barschlägerei und wilde Kabbeleien. Der Mafiakampf kommt spät und dauert kurz. Die Atmosphäre ist schwer zu fassen. Alles ist langsam. Selbst die leichtesten Sätze werden schnell verhaspelt und verstottert. Die Ideen sind teilweise eine Gaudi. Allein die Girl-Gang. Jede hat einen anderen Spleen. Eine das schöne Model-Mädchen, eine scheinbar depressive Vampirin, eine Dicke die sich beständig über den "Bug-Farmer" lustig macht, die Girlgangboss ist eine busenlose Riesin. Die Kriminellentruppe würde sich sicher gut verstehen mit der des tschechischen Postapokalypseklassikers Konec srpna v hotelu ozon (End of August in Hotel Ozon). Ich möchte ehrlich sein, ich denke, die Frauen sind alle miteinander verrückt. Dafür spricht auch der Van, der mit rotem Samt ausgekleidet ist und eher an ein Leichentransport erinnert.
Ausgegraben hat den Film das amerikanische Label Vinegar Syndrome, dass ihn sogar auf Blu veröffentlichte:*** The link is only visible for members, go to login. *** Die war auf 1000 limitiert und ist seit knapp 20 Jahren ausverkauft. Die DVD gibt es noch, sieht toll aus und ist relativ günstig. Ich möchte keinen falschen Eindruck vermitteln. Der Film hat kaum Plot, keinen Spannungsbogen und dafür miserable Schauspieler. Gefallen hat er aber.


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 Post subject: THE INCIDENT
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THE INCIDENT
USA/Frankreich/ Belgien 2011
Regie: Alexandre Courtes
Musik: Chistope Chassol
Drehbuch: Craig Zahler
Darsteller: Richard Brake als Harry, Anna Skellern als Lynn, Rupert Evans als George, Dave Legenoals J.B., Kenny Doughty als Max, Darren Kent als Pete

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Es ist das Jahr 1989 und das Freundes-Trio George, Max und Ricky leben ihren Traum. Sie sind Rock-Musiker. Leider reicht das Geld noch nicht ganz für ein unbeschwertes Leben. Hauptberuflich sind sie alle Drei miteinander Köche in einem "Hochsicherheitsgefängnis für psychisch kranke Schwerverbrecher". Das macht die Sache schon wieder etwas traurig. Alle drei sind nicht mehr ganz jung, kennen sich vermutlich schon eine Weile, hängen in ihrer Freizeit miteinander ab und teilen sich dann auch noch den Arbeitsplatz. Da kann Verdruss entstehen, wenn man sich immer und immer wieder sieht. Immerhin leben sie nicht mehr in einer WG. Und immerhin haben zwei von ihnen ein funktionierendes Sexualleben. Einer hat eine richtige Freundin, der andere "fickt einen Yeti". Nur einer bleibt außen vor. Der mit dem Schnurrbart. Der bockt auch. Der kleine Charlie Brown will den Status Quo erhalten und in seine Männergruppe keinen Frauenkram eindringen lassen. Dass er Liebesleben nicht in Ordnung findet, erklärt er ihnen auch frei heraus.

Doch zurück zum Job, das ist das aufregende. Ein Hochsicherheitsgefängnis für abgespackte Psychopathen. Ich kann mir richtig vorstellen, wie das finden der Stellenanzeige aussah. Und dann sind da auch noch drei Stellen auf einmal frei. Glück muss man haben. Und bei so einem coolen Arbeitsplatz fallen vielleicht auch ein paar Songtexte ab, für die Musikkarriere. Aber scheiße. Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert. Die Gefangenen werden nicht mehr gefoltert, sondern einfach mit Medikamenten ruhig gestellt. Tag für Tag kochen sie lecker, Tag für Tag verteilen sie das Essen, Tag für Tag schauen sie in leblose, ruhig gestellte Fressen. Der Alltag trottet.

Der Alltag trottet bald nicht mehr. Ein Sturm zieht auf. Auch im übertragenen Sinne. Die Blitze blitzen, der Donner donnert, der Regen fällt. Ein Blitz erwischt das Krankenhaus. Der Strom ist weg. Die Zellen offen. Die Gefangenen frei. Die Situation verschlimmert sich, da die drei Musiker sind - und nicht Steven Seagal. Beide Parteien waren Koch. Aber eine flexte Muskeln, die andere soff. Das rächt sich nun. Sie haben keine Chance. Die Wachmänner sind bald dahingerafft, Hilfe nicht in Sicht. Die Wirkung der Medikamente scheint an elektrisches Licht gekoppelt zu sein. Denn sofort kehrt sich das Innerste der Gehirnbanditen nach außen, das wahre Ich kommt zum Vorschein. Es wird enthauptet, es werden Köpfe zerstapft, mitten drin drei aufgelöste Köche. Das ist nicht das Alarmstufe Rot Szenario. Das ist ein Albtraum.

Das ist der Film. Der von einem Musikfilmregisseur ist. Trotzdem gut. Die Irren sind wirklich irre. Einer von ihnen Darren Kent. Der fast körperlose Hungerkraken. Die Stimmung ist düster, das Blut fließt. Es ist ein zufriedenstellender Film gewesen.

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 Post subject: NEON SLIME
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VICE SQUAD
USA 1982
Regie: Gary Sherman
Drehbuch: Sandy Howard, Kenneth Peters, Robert Vincent O`Neill
Musik: Lewis Merenstein
Kamera: John Alcott
Darsteller: Season Hubley als Princess, Gary Swanson als Tom Walsh, Wings Hauser als Ramrod, Pepe Serna als Pete Mendez, Beverly Todd als Louise Williams, Fred Berry als Sugar Pimp, Michael Ensing als Chauffeur und Ark Motherfuckin Wong als Mr. Wong



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Los Angeles, 1982. Die Nacht steht um die Straßen der Stadt. Mit dem schwindenden Sonnenlicht und dem aufdrehen der Neonleuchten erwachen auch jene Gestalten, die "Lohnarbeiter" für ein Schimpfwort halten. Korpulente Motorradtrocker mit Babymietzekatzen auf den Schultern und schwarze Luden in Sun-Ra Kostümen direkt vom Saturn, mischen sich mit alten WASP-Männern, die jemanden suchen, der für eine ordentliche Golden Shower zur Verfügung steht. Die Straßen sind hochsexualisiert und crazy as shit. Die Polizei des VICE SQUAD ist im Dauereinsatz, kascht immer wieder Prostituierte und schleppt sie aufs Revier. Polizeimänner in Uniform und Bullenschnauzer laden ihre Shotguns seelenruhig nach. Die Frage steht im Raum. Wieso nutzen sie Waffen, so groß wie Kinder? Was wollen sie erlegen in den Straßen der Stadt? Bären?

Doch genug von den Straßen. Irgendwo muss es ja auch Tageslicht geben. Frauen mit zugeknöpfter Bluse mit Blumenmuster und blonder Tochter. Wir suchen und finden. Doch auch hier ist Dämmerung, die brav zugeknöpfte Lady gibt ihre Tochter in die Hände einer schwarzen Hausdame und bringt beide zum Busbahnhof. Sie setzt sie in einen Greyhound-Fernbus und verabschiedet sich. Warum sie die Tochter loswerden muss, wird schnell klar. Noch auf dem Klosett des Busbahnhofes wandelt sich das Aussehen von "brave Sekretärin" in Prostituierte. Zu harten Gitarrenriffs richtet sie ihre Strapse. Musik, als würde Sylvester Stallone sich als Rocky gerade mit Liegestütze auf den Kampf vorbereiten. Ruhig richtet der Vamp seine Haare, während in der Ecke eine Obdachlose schläft und den Papierhandtuchabfall als Matratze nutzt. Schnell raus auf die Straße - Geld verdienen. Was sie diese Nacht über sich ergehen lassen muss, ist zu viel. Rundliche Versicherungsmänner mit Namensschild am Kaufhaussakko, die sich beim Akt bewegen wie in den letzten Zuckungen liegende Seerobben. 90-jährige Männer, die sie als Zombievampir im Sarg beglücken wollen. Amputierte Vietnamveteranen und ältere Männer mit Urinstrahllust.

Das Schlimme ist, das ist ihr Alltag. Sie verdient ihr Geld stoisch. Sie wäre froh, wenn die Nacht so bleiben würde, doch diese Nacht wird ein Massaker, das seinesgleichen sucht. Ein Albtraum. Auslöser dafür ist Ramrod. Der psychotische Cowboy-Zuhälter mit Regenbogentruck tötet ihre Freundin. Sein Geistesleben ist völlig aus den Fugen geraten. Er benimmt sich, wie sich niemand benehmen sollte. Er ist ein Wifebeater.
Diese beiden werden sich begegnen, doch selbstverständlich kommt noch eine dritte Partie ins Spiel. Die Polizei. Das ist Tom Walsh mit seinem barbiefrisurtragenden Partner Mendez. Sie entdecken die Leiche, sie bringen Princess dazu, ihre Arbeit für einige Stunden ruhen zu lassen und Ramrod zur Strecke zu bringen, mittels eines versteckten Mikrofons. Princess stimmt ein, erledigt den Job und Ramrod wird verhaftet. Mit Schwierigkeiten. Der Mann ist stark wie ein Bär und hat nichts mehr zu verlieren. Er liebt Sex und Geld. Das bekommt er im Knast nicht. Jedenfalls nicht so, wie er es will. Er wehrt sich. Doch die Polizei ist in der Überzahl. Er sitzt im Streifenwagen. Princess geht wieder ihrer Arbeit nach, die anderen Polizisten schwirren aus. Ramrod überwältigt die beiden Polizisten und entkommt. Er hat Bestrafungsfantasien. Er will und er muss Princess töten. Dem Polizisten Tom Walsh geht der Arsch auf Grundeis. Eine von beiden muss er vorher finden, bevor es zum Schlimmsten kommt. Es kommt zum blutigen Katz und Maus-Spiel.

Princess ist die Maus, klar. Tom Walsh kann gerne die Katze sein. Aber Ramrod ist eine tollwütige Ratte. Diese Bestie der Wollust macht keine Gefangenen. Ramrod hat nach der Flucht nicht mehr viele Möglichen. Es ist sein Ende. Aber er will Rache. Er zieht eine blutige Schneise durch die Stadt. Seine Waffen besorgt er sich in einem schwulen Lack und Leder Motorrad-Nachtklub. Der Schuppen ist eine finstere Mischung aus Scorpio Rising und Mad Max. Da steht er also am Abgrund, besorgt sich Waffen auf Kommission und bedroht mit den gleichen Waffen den verdammten Verkäufer um mehr zu bekommen. Er bedroht diesen Glatzköpfigen Mann mit Drachentattoo auf dem Kopf, einen Mann, der seit Jahren kein Sonnenlicht gesehen hat - und sogar diese Essenz der Unterwelt ängstigt sich vor dieser tollwütigen Bestie.


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Dieser Film in den Straßenzügen Gomorrhas ist eine Wucht. Allein die knapp fünfminütige Eingangsszene über das Nachtleben der Stadt ist phänomenal. Unterlegt zur Blues-Granate "Neon Slime" von Ramrod Darsteller Wings Hauser bietet sich eine Luststadt, wie sie kein Kleinstädter für Möglich hält. Der Regisseur Gary Sherman sagte, dass er die Szenen einfach auf dem Boulevard drehte. Einiges soll gestellt gewesen sein aber vieles nicht. Eine Aussage, die mich fassungslos machte. Er wollte viel Realismus reinbringen, auch den Polizeialltag darstellen und saß folgerichtig sechs Wochen im Streifenwagen des LAPD und folgte dem Arbeitsalltag. Dadurch, dass der Plot auf eine einzige Nacht komprimiert ist und es im ganzen Film kein Tageslicht zu sehen gibt, bekommt der Film eine unfassbar gelungene Nachtleben-Neonlicht-Atmosphäre hin und zieht den Zuschauer mit Haut und Haaren in diese sackhaarene Parallelwelt.

Zum Gelingen des Films trägt vieles bei. Etwa Kameramann John Alcott. Der, der zuvor Shining, Clockwork Orange, 2001 und Barry Lyndon drehte. Dazu auch hervorragende Nebendarsteller, wie Fred Berry oder Nina Blackwood, die zu jener Zeit beim neugegründeten Sender MTV eine große Nummer war. Mein Liebling ist Ark Wong. Er war zu der Zeit schon über 80 und spielt einen Kung-Fu Meister, der zwei Polizisten verdrischt. Season Hubley, die Darstellerin von Princess, war zu jener Zeit mit Kurt Russell verheiratet und drehte auch kurz zuvor bei der Klapperschlange mit. Für Blap ist sie sicher nichts aber ich fand sie sehr sexy. Unbestrittener Höhepunkt des Films aber ist Wings Hauser als Ramrod. Der Mann ist als Arschlochpsychopath eine Klasse für sich. Mir fallen wenige Filmschurken ein, die dermaßen überdrehen.
Und klar, es sind die 80er. Einige Szenen muten etwas seltsam an, heutzutage. Etwa die Polizeiarbeit von Tom Walsh. Von Einfühlungsvermögen hält er nichts. Er zerrt am Leichenabdecktuch und drückt das Gesicht von Princess, der besten Freundin der Toten, in das aufgedunsene, blutig geboxte Gesicht. Er übertönt ihr fassungsloses Schreien mit brünftigen Polizeiparolen. Er will ihre Hilfe. Dass sie so etwas traumatisieren kann ist ihm egal. Er will sofort Ergebnisse., Aussagen Minuten nach der Tat.

Prima Film!



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LES COUSINES
FROM EAR TO EAR

Frankreich 1970
Regie: Louis Soulanes
Drehbuch: Louis Soulanes nach einem Roman von Fletcher Benson
Kamera: Albert Susterre
Darsteller: Nicole Debonne als Lucile, Robert Lombard als M. Borgo, Solange Pradel als Lucile, Liliane Bert als Beatrice, Danielle Argence als Josine, Jean Genin als Bruno, Alain Doutey als Andre, Katia Tchenko als Dolly



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Dass der größte Wohlstand nicht vor Unglück schützt, weiß die vierköpfige Frauenbande in einer französischen Villa nur zu gut. Das Anwesen ist gewaltig, vor der Eingangstür thronen sogar zwei fast geschmackvolle Sphinxplastiken. Doch das Innere ist ärmlich. Vor 13 Jahren starb der Ernährer der Familie. Übrig geblieben ist dessen Witwe Beatrice, ihre zwei Töchter Elisa und Lucile und deren Cousine Josine. Das Vernünftigste wäre es, die Villa zu verkaufen, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Denn das Problem liegt auch bei Lucile. Sie ist apathisch und sitzt schweigend im Rollstuhl. Sie braucht teure Medikamente und nimmt ihre Umwelt kaum noch wahr, so abwesend ist sie. Doch Mutter Beatrice will durchhalten, immerhin steht ein ominöser Prozess im Haus, der Geld bringen soll. Außerdem hat sie ja ihren neuen Liebhaber, den aktentaschentragenden Mr. Borgo. Einen adretten Haarkranzträger mit Automobil.
Dass das Leben unter diesen Voraussetzungen, in Armut, mit einem Todesfall konfrontiert und einer kranken Schwestern im Haus, ziemlich morbide sein kann, erklärt sich von selbst. Doch die bizarren Beziehungsgeflechte und sozialen Störungen in diesem Haus sind weit tiefgreifender. Diese Familie stammt direkt aus der Hölle. Zentrum des Geflechts sind die Cousinen Elisa und Josine. Sie lieben einander, streicheln sich vor den Augen der Mutter und vögeln vor den Augen der Schwester. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ihre Beziehung zueinander warm wäre, aber menschliche Wärme ist nichts, was in diesem Haus Platz findet. Das Verhältnis zwischen Mutter und Cousinenpaar ist merklich unterkühlt. Die Ursache ist eine naheliegende. Das Cousinenpaar hält sich nicht damit zurück, die Paralysierte zu entwürdigen. Es fallen Sätze, die die wenigsten kalt lassen:

Bräuchtest Du nicht so viel Medizin, könnten wir mehr Steaks essen. Aber das kümmert dich nicht,oder?

Josine ist aus um Fremde zu ficken, damit wir dich ernähren können.



In diesem Haus kann eigentlich niemand mit niemandem, die Stimmung, auch aufgrund des finanziellen Mangels ist schlecht. Die Außenseiterrolle liegt aber klar bei Lucile, die nicht mal zum Familienessen zu Tisch gerollt wird. Sie wird im Zimmer gefüttert.
Kartoffelbrei,Watschen zum runterschlucken, Kartoffelbrei.
Trotz des ganzen Sexes ist dieses Haus ein Alptraum. Unaufgearbeitete Vergangenheiten werden schnell sichtbar. So der Keller, der nicht betreten werden darf. Die Fragen mehren sich. Während die beiden Lesbierinnen zu Swing-Musik im Zimmer von Lucile tanzen und der Zuschauer mit beklemmend tristen und trostlosen Party-Momenten konfrontiert wird, keimen Fragen. Weswegen lebt die Cousine im Haus der Tante? Was passierte mit dem Vater? Und was um Gottes Willen lagert in diesem Keller?
Doppelter Höhepunkt dieses deprimierend promiskuitiven Streifens wird das Ende. Die Cousinen feiern ein Geburtstagsfest, mit Männern auch. Es wird zungengeküsst und abgefüllt. Wie es so ist auf einer feuchtfröhlichen Party. Man hängt mit seiner Cousine rum, liegt betrunken auf dem Teppich und starrt an die Decke. Man sieht den Haken, "an dem man mal den Schwarzen aufgehängt hat" und die Synapsen glühen. Warum nicht den eigenen besoffenen Mechaniker-Lover aufhängen? Das Seil liegt ja eh schon da.
Dazu wird das Kellergeheimnis gelüftet. Auf dem Bett der Gehemmten landet ein skelettiertes Baby, dass sie zum ersten Mal seit Jahren wieder schreien lässt.


Der Film wirkt wie eine französische Exploitation-Variation der Desperate Housewifes. Drei Frauen, die eigentlich nichts weiter zu tun haben im Leben, vegetieren in ihrem Haus vor sich hin. Außenbeziehungen gibt es kaum, die Kamera wird das Anwesen nie verlassen. Über 60 Minuten saugt der Zuschauer Trostlosigkeit auf Trostlosigkeit ein, diese geballte Banalität plättet. Zumal nichts passiert außer Nahrungsaufnahme, Folter, Sex und Dialog.Die New York Times merkte an: "Although it is unpleasant, it is without importance, like bad breath, greasy food, junk mail or a slight fever". Das mag stimmen, zumal der Cutter wirklich haarsträubend arbeitete. Obwohl wir über lange Zeit diesen Belanglosigkeiten zuschauen, merkt man schnell, das irgendetwas unter der Oberfläche lauert und die Auflösung des ganzen ist brutal.
Trotzdem kein Film, den man gesehen haben muss. Schadet aber auch nicht.

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Hardcore - Ein Vater sieht rot
USA 1979
Regie: Paul Schrader
Musik: Jack Nitzsche
Kamera: Michael Chapman
Darsteller: George C. Scott als Jake Van Dorn, Peter Boyle als Andy Mast, Season Hubley als Niki, Dick Sargent als Wes DeJong, Leonard Gaines als Ramada, Dave Nichols als Kurt


1979: Es sind heimelige Szenen, die sich zu Weihnachten in der Peripherie der USA abspielen. Der flockige Schnee liegt hoch, die Kinder furchen ihn mit ihren wilden Schreien des Glücks. Es ist eine Idyllmalerei. Doch es ist eine Idyllmalerei auf Monddistanz. Blicken wir näher, blicken wir in die Abgründe des US-amerikanischen Puritanismus. Die Welt hat sich andernorts zu dieser Zeit schon radikal geändert. Die 68er lagen bereits eine Dekade zurück und sogar Harvey Milk, der erste schwule Politiker der USA, ist schon seit einem Jahr tot und staubige Geschichte. All diese Veränderungen wucherten nicht in Jake van Horns Umgebung. Die Familien hier sind christlich und dogmatisch. Die Familien sind kinderreich. Zum Weihnachtsfest tümmeln sich Kindergruppen ums Klavier zum christlichen Chor und andere vor dem TV. Ein Dutzend Kinder auf zwei Erwachsene. Einer davon ist Jake van Horn. Gläubig und solide obere Mittelschicht. Seine Tochter pubertiert und fährt bald mit dem Calvinistenbus in den Bibelurlaub.

Sie kehrt nicht zurück. Der Vater ist perplex. Das traute Heim unter seinem Patriarchat ist ein Paradies. Gesellige Bibelsprüche prangern an den Wänden. Das Zimmer der Tochter sogar Blumenmustertapeziert. Wo soll die Tochter sein? Geflüchtet aus dem Glück? Er macht sich auf nach San Francisco um sie zu suchen. Es wird das erste Mal gewesen sein, dass er seine natürliche Umgebung verlässt. Der Griesgram wird aus einer schneebedeckten Pampa in ein neonlichtgeflutetes Moloch geworfen. Er stakst die Straßen entlang, in den Zeitungsautomaten auf der Straße sind keine Zeitungen sondern Atombusenmagazine. Er schlingerte in die Welt des Vaginal Creme Davids. Er braucht Hilfe. Mit dem Passfoto seiner Tochter allein wird er sie nie finden. Er ist hier fremd, das weiß er und das wissen die Ortsansässigen. Spricht er stotternd mit Sexarbeitern vermuten sie sofort einen Polizisten.

Seine Hilfe wird ein Detektiv. Er ist die Karikatur eines muffigen Schmierlappens. Der typische Privatschnüffler mit Halbglatze und Hundeblick. Vier Monate vertraut Jake van Horn ihm, vier Monate zahlt er seine Spesen. Zu Ergebnissen kommt er schnell. Jakes Tochter rutschte in die Pornoindustrie. In einem schummrigen Sexkino sieht Jake auf einem 8mm Film einen Bumsfilm mit seiner Tochter und zwei Männern. Die Männer grunzen. Der Vater brüllt. Doch mehr Ergebnisse bleiben aus. Der Privatdetektiv hat schließlich sogar Sex mit Prostituierten. Der Vater erwischt ihn bei dieser Schandtat und heißt es nicht gut. Er wirft den Schnüffler aus seiner eigenen Wohnung. Der Detektiv stellt fest, doch nicht aus der eigenen Bude geworfen zu werden. Doch er merkt schnell, dass er mit einem christlichen Sturkopf nicht diskutieren kann. Er geht.


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Vier Monate ist Jake van Horn nun ohne Tochter und damit ohne Familie. Seit dem Tod seiner Frau ist Jake van Horn nun ohne Sex. Er treibt immer tiefer in den Pornosumpf der blühenden Beischlafindustrie. Lust keimt ihm nicht auf. Was deshalb passiert ist folgerichtig. Er dreht durch. Er setzt sich eine Perücke auf, klebt sich einen Mopshaarschnurrbart auf, er trägt Schlaghosen mit Blumenmuster auf der Taille. Er trägt ein viel zu enges Batikhemd, dass nur mit Strapazen seinen wuchtigen Bauchumfang zurückhalten kann. Jake probiert es allein. Er gibt sich als Pornoproduzent aus und castet männliche Bumsprofis. Er castet die Fleischpeitschen in einem billigen Appartement. Er sucht den Stecher seiner Tochter und er begegnet Menschen, vor die ihm sein Prediger stets warnte. Idioten ohne Schulbildung, Männer mit Zahnstummeln und sogar Schwarze, die sich als Big Dick Blaque vorslangen. Ein Martyrium für den Gläubigen. Als er den Idioten vor sich hat, der seine Tochter fickte, als der dann noch von dieser Bitch spricht, die völlig unfähig war seinen Pimmel zu würdigen, entlädt sich die Wut auf diese Sexbesessenen Köter und er schlägt zu. Immer wieder.

Doch die Spuren zu seiner Tochter verdichten sich. Mit der Prostituierten Kiki gelangt er an kriminelle Wüstlinge. Es kommt zum Endkampf in der Postapokalypse. Hinter Stahltüren. Keller, die mit Maschendraht umzäunt sind. Rotlichtdurchflutete Sündenhöhlen mit Peitschwerkzeug an den Wänden. Hier entdeckt er den Täter, in der Pornogeisterbahn. Den Mann der den Sex genießt. Den Satan. Rache!

Ein bizarrer Film. Jake ist ein Idiot. Er will den Status Quo wiederherstellen. Die Tochter heimholen. An persönlicher Weiterentwicklung hat er kein Interesse. Dass er kein Interesse an Sex entwickelt in dieser Umgebung ist unverständlich. Dass er mal auf mal den Gerechten gibt und die anderen und deren Lebensentwürfe herabwürdigt ist eine Unverschämtheit. Ob ihm seine Heimat wichtig ist, ist nicht klar. Als er sie verlässt, werden wir sie im Film nicht mehr wieder sehen. Auch von seiner Religiosität ist nicht mehr viel zu spüren. Als Calvinist hätte er sich als Auserwählten betrachten können. Er könnte sich als einen neuen Hiob sehen. Doch er ist nur die Leberwurst. Ich möchte ehrlich sein. Umso älter ich werde, desto näher fühle ich mich dem Katholizismus. An einen Gott mag ich nicht glauben, für mich ist es eher das fühlen, wie wir aus den Arbeiten des Italieners Mario Perniolas oder des Tschechen Jakub Demls kennen. Eine Religiosität fernab irgendwelcher kruder Kinderdogmen für Retardierte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich jemals tiefer mit Religion beschäftigte. Ich gehe soweit, Jake van Horn als Pflaume zu bezeichnen.

Christian Kessler interviewte für sein US-Hardcore-Filmbuch "Läufige Leinwand" sowohl Jamie Gills als auch Bill Margold. Beide aktiv im Hardcore zu der Zeit und wenig überraschend nicht sonderlich angetan von dem Film. Bill Margold arbeitete sogar als technischer Berater mit, der Schrader wohl die Insider-Tipps gab. Als das Gespräch auf das Thema kommt, wird er launisch, sah sich selbst als Judas, an einem Film mitgewirkt zu haben, der das Rotlicht so schlecht darstellt. Dass Schrader kein Verlangen hatte das Sexmilieu positiv darzustellen, mag viele Gründe gehabt haben. Einen davon liefert Georg Seeßlen in "Der Pornographische Film": "Snuff war vorgeblich eines jener snuff movies genannten Filme, die vom organisierten Verbrechen angebotene Szenen wiedergaben, in denen Frauen wirklich gequält, gefoltert und schließlich sogar getötet wurden. Der Regisseur Paul Schrader, der [den Film Hardcore drehte], erfuhr bei seinen Recherchen von der Existenz einer Reihe solcher Filme, die vor einem sorgfältig ausgewähltem Publikum zu Preisen von mehreren hundert Dollar gezeigt wurden und Szenen zeigten, in denen sich Männer auf die abscheulichste Weise an den Leichen von ihnen getöteten Frauen vergingen". So ein[nachgestelltes] Snuff-Video wird auch im Film zu sehen sein, um die ganze Verwerflichkeit zu präsentieren.

Was mich überraschte waren die erstaunlich biederen Kostüme im Film. Dafür, dass wir im San Francisco der 1970er sind, dass wir uns ins eine aus religiöser Sicht verderbliche Schmuddelwelt aus Atombusen und Nackenhaar werfen, sind die Kleidungsstücke doch eher mittlerer Westen -Büroturm. Denke ich an diese fruchtbare Welt der freien Sexualität, kommt mir, es ist nicht undenkbar, die Gaunerwelt Isaak Babels in den Sinn, aus seinen Odessaer Geschichten. Halunken in orangefarbenen Anzügen zu himbeerfarbenen Westen und Frauen in scharlachroten Kitteln und Männerstiefeln. Aber hier: Alltagskleidung. Das ist befremdend. Und wird noch gesteigert durch die durchaus gelungenen Set-Dekorationen. Der Calvinist stapft mit all seiner Wut des Gerechten durch schwere Eisentore und tritt ein in schummrige Keller, die mit Maschendraht umgarnt sind. Er tritt in völlig bizarre Anderswelten, die genauso gut aus Rinse Dreams postapokalyptischen Antiporn "Cafe Flesh" stammen könnten. Es ist die Dystopie. Es ist als würde Ryoji Ikeda im Postbeamtenoutfit auf die Bühne treten um seine futuristische Mathemusik zu repräsentieren.
Passend zu den Kulissen hingegen ist der morbid-krautige Soundtrack Jack Nitzsches, der sich ein Jahr später für die Musik zu Cruising verantwortlich zeigen wird und ansonsten "Einer flog über das Kuckucksnest und 9 1/2 Wochen in seinem Portfolio aufweisen kann.



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 Post subject: VON WEGEN WEICHEI
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3:15 - Die Stunde der Cobras
USA 1986
Regie: Larry Gross
Drehbuch: Sam Bernard, Michael Jacobs
Kamera: Misha Suslov
Darsteller: Adam Baldwin als Jeff Hannah, Jesse Aragon als Smiley, Rene Auberjonois als Rektor Horner, Ed Lauter als Detective Moran, Mario van Peebles als Gangleader Whisperer, Danny de La Paz als Cobraboss Cinco,



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Die Cobra-Gang ist der verdammte King. Sechs Drogendealer mit Klappmessern, die sie jedem Arschloch in den Rücken rammen, das unerlaubt ihr Revier betritt. Frauen bumsen sie konspirativ in ihrem Gangmobil, einem schwarzen Van. Gürtelschnallen sind Handschellen. Die Bande um Cinco arbeitet so monströs und furchteinflößend, dass sie jeder fürchtet. Sogar der vermutlich paramilitärische Arm der Black Panther. Eine Gruppe Afroamerikaner in Militärkleidung und Seagal-Barett hat die Hosen voll. Sogar eine Gruppe Asiaten, die synchron Kampfsport übt, begehrt nicht gegen die Schreckensherrschaft auf.
Doch wir befinden uns immerhin den USA - und seien es nur die Achtziger. Es gibt Gesetze, gegen die kommen nicht mal die Gesetzlosen an. Etwa die Schulpflicht. Wenn der Pausengong gongt, sitzen auch die Cobras in ihren Klassenzimmern. Klar, sie büffeln nicht richtig, sie widersetzen sich oft, aber sie sind nun einmal Teil des Systems.

Die Rangordnung könnte eigentlich klar sein. Doch das Problem ist Jeff Hannah. Als Cinco mal jemandem das Messer in den Rücken rammte, kehrte er der Gruppe selbigen zu. Dabei war er wirklich tief drin, in der Gang. Er knutschte. Mit Zunge sogar, doch als die Rotte vorbeimarschierte, mit ihrem breiten Schritt, der auf ihren wahnsinnig dicken Eiern beruhen muss, da stieß er die Olle einfach weg und marschierte mit. Genug Erotik. Genug Lippe auf Lippe. Jetzt lieber Fäuste und Stahl. Kaum ist er raus aus der Truppe, wandelt er sich. Hat sogar ne Freundin, die er vermutlich nur wegschubsen würde, wenn der Pausenschlag tönt.

Der Status Quo ist nicht toll. Teenager, die lernen wollen (man erkennt sie an den Brillen), werden traktiert. Aber immerhin ist es ruhig. Damit wollen sich die Erwachsenen um Rektor Horner aber nicht abfinden. Die Bullen beauftragt er. Ne Drogenrazzia will er. Die Cobras sollen weg von der Schule. Horner ist ein seltsamer Typ ohne Durchsetzungsvermögen. In seinem Dienstzimmer hängt ein Scherenschnitt von Präsident Lincolns Profil. Statt Familienbild ist auf dem Schreibtisch die gerahmte Fotografie seines Schäferhundes. Wenn er dem so viel durchgehen lässt, wie seinen Schülern, sollte das Vieh eingeschläfert werden.
Doch immerhin die Bullen erledigen ihre Arbeit richtig. Die Razzia gelingt. 12.000 Dollar werden sichergestellt, das Cobra-Quintett landet hinter Gittern. Leidtragender ist Jeff Hannah, das Ex-Mitglied. Er sollte sie Decken und tat es nicht. Rache schwört Cinco. Um Ehre gehe es ja, um Respekt und all das. Er will Jeff tot sehen. It`s a matter of pride.

Jeff will sich nichts anmerken lassen und das Schulleben einfach fortführen. Mit Bällen spielen (Basketball), mit seiner Freundin in ihrem Kinderzimmer geschlechtsverkehren (I`ve never done this before) und Hausaufgaben machen. Den Morddrohungen begegnet er mit mildem Alltag. Doch er ist ein toter Mann. Jeder lässt es ihn spüren. Als die Gang aus dem Knast kommt, lässt sie ihm die Nachricht zukommen. 3:15 Uhr. Schulschluß. In der Turnhalle. Er muss bestraft werden. Jeff willigt ein. Auch wegen seiner Freundin. Sie ist ein zartes Pflänzchen. Trägt inmitten der Soldaten und Punks und Gammler einen Pullunder und ne Krawatte. Sie sieht aus als würde sie gerade auf den Golfplatz marschieren. Doch auf dem Frauenklosett bekommt sie die Hucke voll. Grunzt laut uäääh als ihr eine der Cobretten mit einem mit Eisen beschlagenen Echthaarzopf die Fresse polieren wird. Die Gangsterin schwingt ihren Kopf und rotiert damit ihren Zopf. Das Haar ist ihre Faust und es ist unheimlich cool. Außer für das Opfer.

I was Drug Gang Slave

Aber gut. Es sind nur fünf. Jeff wird Hilfe finden. Sicher wollen die Afroamerikaner die Herrschaft über den Pausenhof übernehmen. Immerhin sind sie auch zahlenmäßig überlegen. Doch sie wollen nicht und zieren sich. Auch sein bester Freund muss sich über die Mama entschuldigen lassen, er liege krank mit Fieber im Bett und könne seinem Freund daher nicht beim Messerkampf zur Seite stehen. Schade, aber vielleicht beim nächsten Endkampf. Jeff ist allein. Die Uhr ringt. Er hat nur seine Fäuste. Sie haben Messer und eine Pistole. Der Kampf beginnt.

Guter Film. Die Cobras sind ein Haufen von selbstgerechten Wichsern. Dass sie in Biologie nicht aufpassten, fällt ihnen auf die Füße. Denn bei Bedrohung versuchen Kobras zu flüchten. Viel mutiger sind auch die menschlichen Pendants nicht. Gehen zur Messerstecherei mit Pistole. Selbst wenn sie gewonnen hätten, wäre ihre Ehre unwiederbringlich verloren. Das Jeff keine Hilfe bekommt ist befremdlich. Immerhin ist Wings Hauser einer der Lehrer. Immerhin ist Ed Lautner der Bulle. Immerhin kann Adam Baldwin schon mal Krieg üben, ein Jahr später fliegt er für Full Metall Jacket nach Vietnam.



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 Post subject: FORTRESS - SIE KÄMPFEN UM IHR LEBEN
PostPosted: 24.07.2015 22:01 
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Fortress- Sie kämpfen um ihr Leben
Australien 1986
Regie: Arch Nicholson
Drehbuch: Everett De Roche nach einem Roman von Gabrielle Lord
Kamera: David Conell
Darsteller: Sean Garlick als Sid, Rachel Ward als Lehrerin Sally Jones, Marc Aden Gray als Tommy, Rebecca Rigg als Narelle, Asher Kadie als Sue, Vernon Vels als Dabby Duck, Bradley Meehan als Richard



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Falls Rachel Ward die Provinz liebt, hat sie das große Los gezogen. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie als Lehrerin im australischen Outback. Die Kinderzahl ist so gering, dass sowohl Kindergartenmaterial als auch Pubertierende in ihrem Einzimmerschulhaus unterrichtet werden. Es ist alles sehr familiär. Sie lebt sogar bei den Eltern von zweien ihrer Schüler. Einer davon ist Sid. Ein Knabe im frühen Teenageralter, der vor der Schule noch gern mit der Schrotflinte Fuchs schießt.

Das Klassenzimmerleben ist zwangsläufig ein ruhiges. Der einzige Ausreißer ist Richard. Er ist schon sehr groß, etwas tumb und damit das schwarze Schaf der Klasse. Er raucht schon heimlich und versucht negative Kontaktaufnahmen mit jüngeren Mädchen, obwohl es durchaus eine Gleichaltrige gibt. Aber der Scheiß interessiert ja niemandem. Aufregend wird es als vier ausgewachsene Kerle das Gebäude stürmen. Mit Latexmasken verkleiden sie sich als Weihnachtsmann, als Howard the Duck und Pussycat. Spaß und Zirkus bringen sie jedoch nicht. Sie sind Gewaltverbrecher. Kriminelle, die Kinder entführen um Geld zu erpressen. Die ganze Schulklasse laden sie unter vorgehaltener Waffe in ihren Van. Mit so einer Aktion macht sich niemand beliebt. Das ist die Ausgangslage um zum unbeliebtesten Banditenquartett Australiens gewählt zu werden.

Die Lehrerin jedoch bleibt cool. Sie bewahrt Contenance und hält auch die Kinder dazu an. Klar, es ist eine außergewöhnliche Situation. Als sie in ein Erdloch müssen, das sich als riesige Höhle herausstellt, fragt die Teenagerin in zarten Pink, ob es darin denn schmutzig sei. Sie ist eine richtige Tussi. Zur Entführung nimmt sie eine ganze Glasflasche mit Salatdressing mit. Zur Entführung! Gut, das ist später hilfreich - aber das wusste sie sicher nicht vorher. Die Höhle hat Geisterbahnqualität. Wasser reflektiert an den feuchten Wänden, Geräusche wie zur Walpurigsnacht runden auch die Gemütslage des Opferkollektivs ab. Die Banditen verdrücken sich, die Entführten sind allein und starten prompt einen kollektiven Selbstmordversuch. Anders zu erklären ist das Vorhaben, ein offenes Feuer in einer geschlossenen Höhle zu entfachen, nicht. Das Feuer gelingt und zu rythmischen Kindergesängen tanzen die Frischluftabstinenten wie Indianer um die archaische Glut. Diese Szene ist der Beginn eines Initiationsritus. Die Kinder entlassen sich selbst aus der Opferrolle und versuchen die Flucht.

Die Flucht gelingt und sie klopfen am Haus von wildfremden Großeltern. Selbstverständlich sind diese nicht allein. Zwei tote alte Menschen später gelingt die Flucht erneut. Diesmal richtig. Im lebensfeindlichen Outback beschmieren sich die gejagten Kinder mit Warpaint, bauen Fallen und rüsten sich für den Endkampf. Jemand wird diesen Tag nicht überleben. Entweder die jagenden Verbrecher oder die sich verteidigende Schulklasse. Der Showdown beginnt.

Was für ein Film! Erstmal die Gangster: Die klügsten sind sie nicht. Das steht schnell fest. Dass sie sich schlussendlich von Kindergartenkindern übertölpeln lassen, ist zwangsläufig. Gut gefallen hat mir ihre derbe Geilheit. Sie sind vier Männer und zur Lehrerin sagen sie im Beisein ihrer Schüler, dass diese ja Gangbangmaterial sei. Sie ist keine x-beliebige Stute. Nein, sie ist Gangbangmaterial. Wenn es da Gruppensex gibt, ist der Sachverhalt klar. Das wird das, was besonders bemitleidenswerte Menschen eine Würstchenparty nennen. Also lassen wir die verkappten Homosexuellen beiseite.
Mein Liebling im Film war Patrick, der tumbe aufgequollene Klassenälteste. Niemand mochte ihn so recht. Er hatte keine Fähigkeiten. Er kann ja nicht einmal schwimmen. Sein Lebensweg ist schon vorgezeichnet, da ist er keine 16! Er wird niemals in die Stadt ziehen um Kunstgeschichte zu studieren. Er wird vermutlich nichtmal das Elternhaus verlassen. Er ist einsam und er passt nicht in diese Klasse. Die anderen Kinder sind auch eher abweisend ihm gegenüber. Er versucht Kontakt aufzunehmen. Im Rahmen seiner Möglichkeit. Das heißt, er piesackt. Das geht schief. In meinen Augen ist das sein Film.

Aber gut - er ist auch ein wenig doof. Patrick kann den Film nicht tragen. Kommen wir zu Sid. Er ist vielleicht vierzehn und hat schon Brustmuskeln. Zwischen ihm und der Lehrerin gibt es nicht zu übersehende sexuelle Spannungen. Das wird besonders deutlich, als beide allein sind und sie sich vor ihm entkleidet. Er ist der Mann der Runde. Er entscheidet öfter, er hilft und ist Partnerchef neben der Lehrerin. Dieses Pendant braucht sie. Sie wird zeitweise nämlich ziemlich Nervenschwach. Sei es, als sie fast das vierjährige Kind ersäuft oder als sie einem wimmernden Kind, das gerade neben einer von Schrotkugeln zerfledderten Leiche kauert ein herzloses SHUT UP entgegenschleudert.

Das sagenhafte an dem Film ist das Finale. Der Film fährt in ruhigen Fahrwassern. Kaum zwei Tote bis zum Showdown, aber in der Zeit des Films, der auf wahren Begebenheiten beruhen soll, wandeln sich diese kleinen Racker in eine tödliche Brut. Sie sind ein mordlüsternes, barbarisches prähistorisches Psychogrüppchen. Um ehrlich zu sein war das Ende fatal. Es hat mir Angst gemacht.



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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 04.08.2015 10:02 
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Unknown User
USA 2014
Regie: Levan Gabriadze
Darsteller: Heather Sossaman, Matthew Bohrer, Courtney Halverson, Unknown, Moses Storm, Will Peltz u.a.

Laura Barns war auf einer Schülerfeier in den USA. Die USA sind nicht Deutschland. Du wirst nicht mit 12 Jahren von deinem Vater zum verantwortungsvollen Trinken erzogen, um anschließend höchstens 3 Bier zum Auto zu trinken. Laura Barns trinkt ohne Aufsicht, sie trinkt und trinkt bis sie sich einkackt. Ihre Freunde sind typische Schulfreunde. Sie Filmen es und lachen hämisch, sie stellen das Video sogar ins Internet und es geht viral. Ihre Freunde werden Cybermobber. Mit Laura Barns passiert das, was gerade mit der NPD Trier geschieht. Sie wird Ziel kopfschüttelnden Spottes. Doch Laura hat mehr Schamgefühl als die NPD. Sie geht den Schritt, den niemand gehen sollte, sie bringt sich um. Vor den Augen der Freunde.

Das ist die Voraussetzung für die Geschichte die nun, zum ersten Jahrestag, folgen wird.
Die Clique skypt Gruppenchatten. Alle sind sie da. Der reiche Zahnarztsohn Adam mit dem pomadisierten Haar, der Wein trinkt (?) und immer wieder mit der Pistole vor der Webcam rumfuchtelt um seine Potenz sicher zu stellen. Der maßlos fette Ken Smith, der Crackpfeife raucht, obwohl er am Folgetag einen Test schreiben wird. Sein Zimmer ist eine Müllhalde. Er muss ernste Probleme haben, anders ist diese Räuberhöhle, die er Zimmer nennt, nicht zu erklären. Dann gibt es eine Blonde. Nichts ist über sie bekannt. Sie ist blond und japst viel. Vielleicht hat sie einen Namen, vielleicht nicht. Sie ist nicht mehr als der hysterische Dunst einer Erinnerung. Die nächste ist Val. Eine Lady, sie scheint eine echte Bitch zu sein, mit immer kläffendem Hund. Doch der Kern der Gruppe ist das Liebespaar Mitch und Blair. Blair will, dass Mitch sie penetriert nach dem Schulabschluss. Die Jungfrau Mitch freut sich über den absehbaren Geschlechtsverkehr.

Doch es ist ja Jahrestag. Die Gruppe hat ihn vergessen. Blair dachte dran, sie war immerhin "wie eine Schwester für die selbstmordende Laura". In ihrem Chat ist eine ihnen unbekannte Person ohne Nutzerbild hinzugeschaltet. Ein Unknown User. Die Teenager tun, was sie tun müssen. Sie pöbeln, nennen den mutmaßlichen Hacker krank. Stellen seine geistige Gesundheit in Frage. Später droht die wenig zimperliche Val gar, dass sie persönlich vorbeikommen werde, um dem Psycho "eine auf die Fresse zu geben".
Doch sie sind Teenager und sie sind langweilig. Das heißt ihre Persönlichkeiten und ihre Anekdoten stehen hinten an und sie beschäftigen sich mit dem Unbekannten. Sie steigern sich immer tiefer hinein in den, der sich bald Laura Barns nennen wird, die ja nun ein Jahr tot ist. Die Freundesgruppe, die sich bald als eine Gruppe grabschändender herumpimpernder Wichser herausstellen wird, bekommt den kollektiven Koller, eine Gruppenpsychose. Sie schreien und klagen laut an. Es gibt Schuld in der Gruppe. Jeder schiebt sie dem anderen zu.
Der Geist ist Laura, und Laura ist rachsüchtig. Vergeben ist nichts, was sie will. Sie will, dass die anderen für ihr Verhalten in der Vergangenheit Sterben. Sie lässt sie Spielchen spielen, wer was tat. Dunkle Geheimnisse offenbaren sich.

Die dunklen Geheimnisse sind ungefähr so dunkel wie Mondlichtschatten. Menschen ohne Tiefe begehen Fehler und andere sind unfähig zu vergeben. Abgesehen von dem in den Selbstmordtreiben und der Grabschändung sind die Vergehen und die Emotionen nicht viel anders als in einer Telenovela. Pubertäre Nichtigkeiten. Laura ist maßlos Selbstgerecht. Wer weiß, was sie in dem Jahr Hölle erlebte, um so wenig Mäßigung zu zeigen, bei ihren Rachfantasien. Was ist Laura für eine, die aus der Hölle sich in Facebook einloggt um einen Zahnarztsohn zu foltern?
Die Filmidee jedoch ist, zumindest für mich, innovativ. Er spielt in Echtzeit und eingeblendet ist nur der Desktop von Blair. Wie sie durch ihre Itunes-Liste scrollt, wie sie ihrem Lover private Nachrichten schickt, wie sie im Internet über Geister nachliest. Die Idee ist toll gewesen. Die Umsetzung zielt, ich möchte ehrlich sein, eher auf Teenager ab. Es gibt unnötige Folterszenen und knallige Überraschungsschockeffekte. Die Figuren blieben mir alle Fremd. Es war mir egal, was mit ihnen geschieht. Insgesamt aber kein Film der weh tut, man kann ihn sich anschauen.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 09.10.2015 12:59 
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Biče skoro propast sveta
Es regnet auf mein Dorf

Jugoslawien 1969
Regie: Aleksandar Petrovic
Darsteller: Annie Girardot als Reza, Ivan Paluch als Triša, Mija Aleksic als Josa, Eva Ras als Goča, Dragomir Bojanic als Mile, ...


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Wir befinden uns im Jugoslawien des Jahres 1969. Genauer im heute größtenteils serbischen Talgebiet Syrmiens, gelegen zwischen Donau und der Save. Angebaut wird Wein. Doch nicht in dem Landstrich, in dem wir uns befinden. Der Boden ist furztrocken und staubig. Spaziert jemand die örtliche Hauptstraße, die auch Hauptplatz ist, entlang, wirbelt er genug Sandstaub auf um darin für immer zu verschwinden. Landwirtschaftlich funktionieren hier ausschließlich Schweine. Die sehen wir auch schon bald. Und wo Schweine sind, sind die Menschen nicht weit. Schon kommt ein Zigeunerquintett mit dem Kontrabass angeradelt und durchquert die quickende Herde.

Zu einer Hochzeit geht es. Doch wir sehen die Schweine und wir sehen die Zigeuner und wir wollen rufen: "Ihr Dooflinge, was will denn das Weibsbild unter euch?". Keine Ahnung vom Balkanpatriarchat, die Musiker. Es ist am Schweinehirten Triša, das auszusprechen und die Frau fortzubefehlen. Die reine Männerbande kann nun zur Hochzeit und ihre Lieder spielen. Sie singen vom Regen, es sind schöne Lieder und es ist ein schönes Paar. Sie sind jung und stehen offensichtlich ungern im Mittelpunkt. Aber das Dorf steht um die Schüchternen, säuft und grunzt im Chor: "Bräutigam du altes Schwein, du riechst nach Wein."
Es gab sicher schon schönere Hochzeiten. Unangenehm wird es als Goča das Haus betritt. Sie ist zurückgeblieben. Eigentlich wollte die retardierte mit dem Zug die Szenerie und das Elend verlassen. Aber ohne Geld ist das einzige was sie vom Schaffner bekommt ein Arschtritt. Sie wird flux von einem Hilfsarbeiter vergewaltigt und dann von einem Dorfbewohner zur Hochzeit gezerrt. Alle lachen sie aus. Sie überschütten die frischvegewaltigte mit Häme doch sie ficht das nicht. Die kriechende greift sich den Brautschleier und gerät ins Träumen. Den einzigen, den sie heiraten könnte, ist der Schweinehirt. Der scheint nicht abgeneigt, er bandelt an mit ihr und erklärt ihr das Trompetenspiel. Sie ist das wohl beste, was er bekommen kann.

Doch scheiße. Wir sind in Serbien. Wen interessiert da Glück? Positive Erlebnisse finden nur statt um die Personen danach nur noch tiefer in die Erde zu trampeln. Der Pfarrer raunt: "Das Ende der Welt ist nahe" Und schon betritt die schöne Reza die Bühne. Eine Fortschrittsgläubige Atheistin. Eine Naive Malerin, die ihre Bilder in die USA verkauft. Eine Lehrerin und feuchter Traum des trockenen Dorfes. Sie passt nicht in diese Siedlung. Sie ist etwas besseres. Dass der abgerissene Dorfpfarrer Geld sammelt um die im Krieg (vor 25 Jahren!) zerstörte Kirche wieder aufzubauen bringt sie zum lachen. Das ganze Dorf bringt die Kosmopolitin zum lachen. Ihre Kegelbahn ist ein schäbiger Witz, im schlechteren Zustand noch als die dachlose Kirche. Bei Streiterein zücken diese trunkenen Halbaffen sofort ihre Messer. Sex will sie trotzdem. Sie nimmt sich den erstbesten. Das ist der Schweinebauer. Er wird männergesellschaftlich erhöht, die Frau ist scharf. Der Mann hat nun genügend Power um die einzige, die ihn mag, abzuweisen. Die zurückgebliebene Goča. Er jagt sie schimpfend vom Hof und wir sehen, das etwas in ihr zerbricht.

Der Schweinehirt Triša entpuppt sich als ein kopfloser Schweiehund. Er führt sich auf wie ein rolliger Hund. Die Lehrerin verspottet seinen religiösen Vater und spricht es aus: "Du führst dich auf wie ein rolliger Hund."
Aber als rolliger Hund ist er glücklich. Glück kann niemand gebrauchen, vor allem dort nicht. Es fällt sprichwörtlich der schnurrbartträger Mila vom Himmel. Ein Bruchpilot des Landwirtschaftsministerium, der gekommen ist um die unwirtlichen Felder mit Pestiziden zu besprühen fliegt das untaugliche Flugzeug in den einzigen Baum im ganzen Tal. Die Lehrerin wartet nicht eine Sekunde und steckt dem Piloten ihre Zunge in den Hals. Der Schweinehirt ist gedemútigt und abgeschrieben. Die Ereignisse überschlagen sich. Der zurückgebliebenen Goča wird der Schädel eingeschlagen, der religiöse Vater nimmt die Schuld auf sich um seinen volltrunkenen, unglücklichen Schweinehirtensohn vor dem Knast zu schützen, der stattdessen als Vaterverräter gelyncht wird.



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Der Film basiert grob auf Fjodor Dostojewskis Roman: "Die Dämonen". Ein Roman, den Dostojewski schrieb in Anlehnung an einen Mord, der 1869, also hundert Jahre vor dem Film passierte. Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis, was im Roman passierte um Analogien im Film zu finden: Ein [atheistischer]Mann erschießt einen anderen, ein anderer bekennt sich dazu. Der wahre Täter entkommt ins Ausland. Der Mord selbst hat kaum Motiv. Dazwischen eine Gruppe Durchschnittsmenschen die verführt wird. Projizieren wir das auf den Film wird es schnell deutlich. Der Teufel ist die Atheistin. Sie verdirbt das verdorbene gottlose Dorf. Das sind Punkte, die wir herausheben müssen. Die Lehrerin ist die Verführerin aber sie legt das Böse im Dorf nur frei, sie katalysiert den Frevel. Gottlos sind die Bewohner, bis auf die Ausnahme des Vaters, der einen Mord auf sich nimmt um den eigenen Sohn zu schützen, schon zuvor.
Wo können wir den Schwerpunkt des Films suchen? Wovon handelt es? Von dem Idioten von Schweinehirt der sich in die Lehrerin verliebt und sich so weit erniedrigt, sich ein billiges Flugzeug von einem besoffenen Knasti auf die Brust stechen zu lassen um ihr zu imponieren? Der deswegen wieder von ihr ausgelacht wird weil sie schon den nächsten Piloten vögelt? Der dann auch noch vom vögelnden Piloten ausgelacht wird, der nackt aus dem Schrankversteck steigt? Nein. Es ist die Geschichte der Zurückgebliebenen, der Unschuldigen. Sie ist womöglich sogar Mutter eines Sohnes. Sie wird vergewaltigt und niemanden ficht es an. Sie wird ermordet und niemanden interessiert sie als Opfer. Es geht darum einen Täter zu finden und ihn zu bestrafen. Als sie ermordet wird, verschwindet sie völlig aus dem Geschehen. Niemand trauert ihr nach. Der Film ist ein Unglück. Er wirkt größtenteils wirklich friedlich. Das liegt an den immer singenden Roma, die die Stimmung immer wieder erhellen. Aber wo es so dunkel ist, hilft auch kein erhellen. Es ist als würde man mit dem Streichholz ein Fußballfeld im Urwald erleuchten. Die Geschichte der Goča hat mich wirklich traurig gestimmt. Selbst der gottesfürchtigste Mann des Films, der Vater des Schweinehirten, lehnt sie ab. Sie scheint nicht einmal ein Begräbnis zu bekommen.

Die retardierte Goča wird von Eva Ras gespielt, die einige hier vielleicht aus den Filmen Dušan Makavejevs kennen, etwa als die wunderschüne Izabela aus dem zwei Jahre zuvor gedrehten: Ljubavni slučaj ili tragedija službenice P.T.T aka Ein Liebesfall. Auch Annie Girardot, die Lehrerin, machte Karriere. Später spielte sie oft Mütter, so etwa in Hanekes Klavierspielerin und Cache. Der deutsche Titel ist eine freie Übersetzung. Der Serbokroatische Titel heißt: Bald wird die Welt zu Grunde gehen", so auch die tschechische Übersetzung, die das etwas überspitzt: "Bald ist das Ende der Welt".

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
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Zapomenuté světlo
Vergessenes Licht

Tschechien 1996
Regie: Vladimír Michálek
Vorlage: Jakub Deml (kniha)
Drehbuch: Milena Jelinek
Kamera: Martin Duba
Musik: Radim Hladík ml., Michal Dvořák
Darsteller:
Bolek Polívka, Veronika Žilková, Jiří Pecha, Jiří Lábus, Zita Kabátová, Kryštof Hanzlík, Agáta Prachařová, Soňa Valentová, Ivo Kubečka, Jiří Samek, Milan Riehs, Martin Sitta, Jaromíra Mílová,Antonín Kinský, Simona Peková, Hana Frejková, Roman Mecnarowski, Miroslav Knoz, Václav Legner, Jiří Smutný, Josef Calta, Pavel Kučera, Ladis…


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[...]denn ich glaube an das ewige Leben und weiß, dass alle Schenkel aus dem Grabe auferstehen werden und unter ihnen auch die zwei Schenkel, die zu küssen ich mich sehnte, und Gott wird sie mir zusprechen, weil er gerecht ist, und meine ewige Glückseligkeit wird darin bestehen, dass mir auf Ewigkeit erlaubt sein wird, diese zwei Schenkel zu küssen, ganz oben, ganz an den Wurzeln, weil ich ein Dichter bin und ein katholischer Priester und ein verdammter Mensch.
[Jakub Deml: Vergessenes Licht]
Das schrieb also Jakub Deml in seinem Buch das vergessene Licht im Jahr 1934. Das ganze Buch entstand nur innerhalb einer Nacht, es war eine schwierige Zeit für ihn. Seine Muse, Katharina Gräfin Sweerts-Sporck hasst ihn, weil der intrigante Slawist Walter Maras Zwietracht säht. Demls Bruder stirbt, eine Freundin stirbt. Demls Welt bricht in diesen Monaten nahezu zusammen und er wird noch querulantischer als er es ohnehin schon war. Er schreibt aus seiner Heimatgemeinde Tasov aus vulgärste Briefe an seine Freunde und Bekannte und verscheißt es sich mit jedem, der ihm nur irgend nahe steht. Das Buch Vergessenes Licht wird noch am selben Tag seines Erscheinens eingezogen, auch weil ein Priester im Zölibat so nicht über Scheidenküsse zu schreiben hat.

Das Buch wird 1996 in Tschechien verfilmt. Das Land stellt diesen Film, der soweit ich weiß die erste Auseinandersetzung Demls auf Leinwand ist, als seinen Beitrag für die Auslandsoscars. Demls Leben war das eines Wahnsinnigen. Er war ein brillanter Dichter, der seine Träume aufschrieb und eher Fragmente als größere zusammenhängende Texte schrieb. In seinen unansehnlichsten Zeiten war er ein antisemitisches Heinzelmännchen.
Der Spielfilm zeigt einen anderen Jakub Deml. Er heißt dort Herr Holy, was auf englisch Herr Heilig heißen sollte in der Landessprache aber tatsächlich Herr Nackt ist [Ein trotzdem geläufiger Name].Es ist das Jahr 1985. Er ist hochgewachsen, schön und charismatisch. Er lacht und trinkt viel. Lederjacketragend schweißt er Automobile und alle in seinem Örtchen lieben ihn. Sie alle sind freundlich, abgesehen vom Dorfbullen. Aber wen interessiert schon so eine Parteipflaume. Das ganze Buch wurde gestrafft. Statt der Bäuerin, der vor den Augen der Kinder von einer wildgewordenen Sau in die Wade gebissen und diese dann ausgerissen wird, die dann vor den Augen ihrer Kinder elendig verblutet, gibt es hier eine nahezu heilige junge Mutter, die langsam an einem Krebsleiden dahinsiecht.
Auf jüdisch-freimauerische Angelegenheiten muss der Herr Holy im Gegensatz zu Deml nicht eingehen, dafür wird der Schäferhund des Polizisten in der Kirche erschoßen. Der ganze Film ist heimelig und heimatlich. Es gibt längere Sequenzen in der einfach die wunderschöne Natur im Morgennebel gezeigt wird. Die Idylle ist Paradies. Arm wie eine Kirchmaus, die Kabel hängen aus den Fassaden, die Kirche sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, doch insgesamt fühlte ich mich beim schauen als würde gerade ARD-Vorabendkitsch abgespielt.
Es ist kein Film über Leiden, über dringlichen Liebesschmerz. Neben Bananenleckereien, dem Begleiten der Sterbenden ist das Thema vor allem die Reparatur der Kirche.
Schönes Stück insgesamt.


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"Hättest Du mich erschaffen als eine Blume, oder als einen Baum,
müsste ich nicht so leiden, wäre ich nicht so bedroht.
Hättest Du mich wenigstens als ein Nichts erschaffen,
hätte ich nichts verloren, mich so blutig beklagt:
Bist Du noch Gott und wenn du noch existierst,
bezeug es durch die Allmacht Deiner Güte und Barmherzigkeit,
damit Du in Deiner Schöpfung alles nicht verwirrst,
wenn man da sagt, du hättest keine Rücksicht genommen auf ein Leid!"

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 Post subject: ROBIN REDBREAST
PostPosted: 12.10.2015 09:58 
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Robin Redbreast
UK 1970
Regisseur: James MacTaggart
Writer: John Bowen
Stars: Anna Cropper, Amanda Walker, Julian Holloway, Andy Bradford, Cyril Cross


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Norah Palmer steht für einen kurzen Moment vor den Scherben ihrer bürgerlichen Existenz. Sie ist Mitte 30 und hat nach acht Jahren die Beziehung mit ihrem Lover beendet. Obwohl sie in London lebt und obwohl sie berufstätig ist, scheint ihr Freundeskreis sehr dezimiert. Es läuft alles auf ein befreundetes Pärchen hinaus. Der Mann ist korpulent, trägt Schnurrbart und ist gekleidet, wie man in den frühen 1970ern nun mal gekleidet ist. Das klingt nicht, als müsste ein radikaler Schnitt im Nachhinein mit Wehmut betrachtet werden. Sie verlässt folgerichtig London und zieht in die englische Provinz "um den Kopf frei zu bekommen."

Die Ledige bezieht ein altes Landhaus, setzt sich und schaut ins Nichts. Die Uhr tickt. Sie ist eine moderne, verhütende, berufstätige Frau und sie befindet sich fernab aller Frivolitäten. Setzen wir sie in Aktion. Was für Personen gibt es denn noch in der Ortschaft? Da wäre die Haushälterin Mrs. Vigo, die aussieht als wäre sie Mrs. Doubtfire. Sie versteckt augenscheinlich die ...Spirale [*] ihrer Auftraggeberin. Damit überschreitet sie, da sind Norah und Ich einer Meinung, eindeutig ihre Befugnisse. Mrs. Vigo zwingt Norah Sonntags in die Kirche und spült viel Geschirr. Nur mit den beiden lässt sich kein Film bestreiten. Lassen wir Mrs. Vigo und das blumenmustrige Geschirr hinter uns und gehen mit Norah aus dem Haus. Hinter dem Zaun steht ein Mann, Mr. Fisher. Er ist gekleidet als würde er gleich mit Alexander von Humboldt auf Fröschejagd gehen und genau so benimmt er sich auch. Er stellt sich als Amateurhistoriker vor. Er erklärt seine vielfältigen Interessen und seine Namensherkunft. Er beantwortet ihr die Frage, die sie nicht gestellt hat, die sie auch nicht stellen wollte. Ja, es sei richtig, dass sie auf dem Binnenland leben, und auch er kann es sich nicht erklären, warum er Fischer heiße. Denn weder er noch einer seiner zahlreichen Vorfahren würden zu Wasser. Aha!

Hätte die Exillondonerin zwei Söhne, sagen wir Max & Moritz, wäre die Sache klar. Das altertümliche Reptil mit seiner furchteinflössenden Gelehrtenaura müsste auf seine Pfeife aufpassen. Doch sie ist Kinderlos. Um Kinder zu bekommen braucht man Sex. Für Sex einen Mann. Lassen wir den Wasserscheuen stehen und gehen in die Wälder. Bisher läuft es ja nicht so gut für sie. Die Dörfler scheinen verschroben zu sein und die einzigen Vögel die die provinzielle Stille aufbrechen sind der Uhu, die Nachtigall und die Krähe. Das sind Symbole des Todes. Aber vielleicht ist das ja auch nur Zufall. Die Rufe der Todesankünder verstummen unter lautem HIIIIYAAAAAAA-Gebrüll.
Norah bleibt stehen und starrt stumm. Sie wird einer Szene gewahr, die so vielleicht Nachts im LSD-verseuchten Absteigerkiez in London passieren könnte, vor einem berüchtigten Klub. Edgar, der Rob heißt, hat nur spärlich seine Lenden bedeckt und kämpft nahezu nackt Karate gegen einen Baum. Er ist am gewinnen.

Er lädt sich Abends ein zu ihr. Sie sagt Nein und er kommt. Es ist ein Rendez-Vous. Norah hat Lust auf ein sexuelles Abenteuer. Die Sache steht nicht schlecht. Rob sagt selbst, das sein Körper auf dem Höhepunkt der Kraft stehe. Er ist durchtrainiert wie ein Karateweltmeister, er ist ein topfschnittiger Adonis und begehrenswert. Und er hat auch gehört, dass Frauen es mögen, wenn Männer etwas zu erzählen wissen, wenn sie ein Spezialgebiet haben über das sie tiefgründig reden können. Rob liest nämlich Bodybuildermagazine und weiß, was Frauen mögen. Das Thema, welches er sich ausgesucht hat, ist die Waffen-SS. Er erzählt aufgeregt über Oberscharführer und Unterscharführer, er redet und redet und lässt sie nicht zu Wort kommen. Als er kurz stoppt um nach einem PanzerWort zu suchen, ergreift sie das Wort. Die zu Tode gelangweilte und müde Norah verweist ihn des Hauses.

Doch es kommt zu Umständen. Nacht. Ein Knüppel. Ein Tier im Haus. Scharren. Rob wird bei ihr geschlafen haben und er wird sie schwängern. Die Schwangerschaft verändert alles. Der kauzige Mr. Fischer erzählt von uralten Legenden, erzählt aus George Frazers Der Goldene Zweig, von uralten Geschlechtern. Der Fleischer ist auf einmal der Automechaniker. Die Regenrinne des Daches löst sich auf und eine Axt landet in einem menschlichen Körper.

Ein Film über alte Legenden. Eine moderne Frau trifft auf eine vormoderne Zeit. Der Historiker sucht nach Gegenständen, die ich nicht einmal dem Namen nach kenne und er sucht dort, wo die Städterin nur alte Dosen und modernen Hausrat sieht. Es ist ein langsamer Film. Die Schauspieler benehmen sich als wären sie an einem traditionellem Theater. Niemand spricht wie Matthew McConaughey, alle betonen sie bedachtsam ihre Worte. Ein interessantes Stück, nichts wie hyperaktive Kinder.

* Ich kenne mich mit Frauenverhütungsmitteln nicht aus. Insbesondere nicht übe jene in den 1970er Jahren. Das es eine Spirale ist, habe ich geraten.


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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 13.10.2015 21:22 
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Requiem for a village
UK 1975
Regie: David Gladwell
Musik: David Fanshawe
Darsteller: Vic Smith als alter Mann, die Einwohner aus Witnesham und Metfield



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Ländlicher Heimatfilm und Zombiegau; Vergewaltigungen und Hufeisenschmiedende Jünglinge; Lederjackenbikergangs und alte, wortkage Zausel die mit Grabsteinen sprechen. Rosa Eiskremwagen und Froschskelette.

Requiem for a village ist ein luzider Film. So spröde wie lyrisch. Es ist ein Film, der keinerlei Nacht einblenden wird. Die Schattentaten der Dorfbevölkerung Suffolks werden sich bei Tageslicht daher nur noch tiefer ins Gedächtnis brennen. Es ist der Sommer 1975 in der ostenglischen Grafschaft Suffolk. Die Straßen sind leer, die Vögel zwitschern. Der flamingofarbene Eiskremwagen fährt vor und verteilt sein kühles Gut. Zwischen den paar, das Sonnenlicht aufsuchenden, Bälgern sticht ein Mann hervor. Er sitzt auf dem Rad, sein eingefallenes Gesicht ist unrasiert wie die Beine eines italienischen Fußballprofis. Ein Eis ist nicht das, was er will. Er lässt die bleierne Vorstadtödnis hinter sich und radelt los. Vorbei an eingefallenen Ziegeldächern, vorbei an Baggern bis zu seinem Ziel. Der saftig grüne Kirchgarten samt Friedhof.

Der alte Mann ist aus der JetztZeit gefallen. Seine eigene Zeit, die, in der er jung & verheiratet war, ist lautlos wie ein Schatten verschwunden und hat ihn allein in der Zukunft zurückgelassen. Wenn sich hier in Suffolk viele Zeiten übereinander gelagert haben und nebeneinander fortbestehen, dann liegt das an ihm. Er ist das Gedächtnis seiner Heimat. Die Zeit hat auch das Gesicht des alten Pfarrers schmelzen lassen, doch er stammt nicht von dort, er hat keine Wurzeln schlagen können. So bleibt der alte Mann allein in dem Kirchhof und spricht mit den Grabsteinen und seinen alten, verrotteten Weggefährten. Er ruft sich, auf Knien das Gras schneidend, seine eigene Hochzeit zurück ins Gedächtnis, er erinnert sich wie der haarige Hodensack des Vater schaukelt, als er als Kind zuschauen muss, wie ebenjener Vater die Mutter gegen ihren Willen bespringt. Die Kamera springt vor und zurück. In das unschuldige Kindergesicht und auf das haarige Skrotum. Kindergesicht. Schaukelndes Arschloch.

Das Relikt springt in seinen zerbröselnden, fragmetarischer werdenden Erinnerungsfetzen immer weiter in der Zeit zurück. Sogar die Feldarbeit zu Beginn des 19. Jahrhundert fällt ihm wieder ein ohne jemals daran teilgenommen zu haben. Er schlingert in Feste, bei denen jeder Mann einen Nietzschebart trägt. Seine Erinnerungen spielen ihm Streiche, denn dieser Dreckfänger von Bart wird unmöglich jemals Mode gewesen sein. Während die Vorfahren das Ackerland furchen ist der Körper des alten Mannes im Jetzt gefangen. Während er die mit Moosflechten überzogenen Grabsteine liebkost wird neben ihm eine junge Frau von einer Gruppe Motorradrocker vergewaltigt. Mit Lehm bewirft der alte Mann die Bagger, die die Waldflächen zerstören und dabei das Johanniskraut zermalmen.

Es ist ein wirklich eigenartiger Film. Es ist ein Film barocker Gegensätze, während ihr erst schöne Gänseblümchen seht, wird im folgenden Schnitt ein Baby aus einer Vagina gezerrt. Das alles ist unterlegt mit sakraler Musik, mit Chorälen, Glockenspiel und Piano. Ich habe keine Ahnung von englischen Heimatfilmen. Aber falls das Ergebnis sonst auch so lyrisch ist, wie ein Gedicht Vladimir Holans, schaue ich mir gerne mehr davon an. Worum genau es sich nun handelte, kann ich nicht beantworten. Es ist ein alter Mann, der nicht mehr Schritt hält mit der Moderne, der sich in die Geister der Vergangenheit flüchtet. Er stellt das Pferdestriegeln neben neuzeitliche schon verfallene Einkaufszentren. Sein Tod wird Erlösung sein. Den schaue ich mir sicher nochmals an., BFI hat in den letzten Jahren wirklich eine hohe Zahl toller Veröffentlichungen rausgebracht. Ein Meisterwerk wie Duffer ist das hier nicht aber schon gut anschaubar.


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