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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Spekulation und Offenbarung
PostPosted: 24.06.2014 11:42 
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FEIERTAG / PRAZNIK / The Feast
Jugoslawien 1967
Regie: Djordje Kadijevic
Darsteller: Jovan-Burdus Janicijevic, Anka Zupanc, Dusan Janicijevic

imdb

Es ist Weihnachten 1943 und wir sind in einem serbischen Bergdorf. Es ist scheißkalt und überall liegt Schnee. Das Dorf wird von einer Rotte Tschetniks besetzt (Ich sehe mich außerstande, deren verworrene Geschichte nachzuerzählen, ihr könnt in Weithmanns Balkanchronik oder auf Wikipedia nachschauen). Diese kollaborieren mit der Wehrmacht und sind insgesamt eine eher unangenehme Gruppe.
Die Geschichte und das Problem kommt in den Film, als zwei US-Piloten auf dem Feld abstürzen und im Dorf der Hitlerbärte nach Hilfe suchen. Der Banditenführer nimmt sie freundlich auf, gibt ihnen Wein und Schwein. Die Wehrmacht bekommt selbstverständlich Wind davon und will sie in Besitz und Gefangenschaft nehmen.
Und das Problem kommt schon wieder in den Film, eines, das den Partisanenführer bis auf die Knochen blamiert: Die beiden US-Boys fliehen! Was für Möglichkeiten bleiben da? Suchen? Zugeben und um Verzeihung bitten? Nein, es ist Serbien. Selbstverständlich erschießt er 2 der eigenen Leute, kleidet sie in die US-Pilotenkleidung und will sie der Wehrmacht präsentieren.
Und das Problem kommt wieder und wieder in den Film, eines, das den Partisanenführer noch viel schlimmer blamiert. Die Wehrmacht stapft ins Dorf mit den beiden US-Gefangenen im Schlepptau. Scheiße, denkt er. Haha, denken wir.


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Was ist zu dem Film zu sagen? Der Film ist vollgesogen mit religiösen Metaphern, die ich aber nur auf Nachfrage ausarbeiten werde.
Als Beispiel werde ich nur den Derwisch, den Teufel, erwähnen. Tritt er ins Bild wird es übernatürlich. Gleich zu Beginn in der ersten Szene schurkt er sich in den Film. Eine Kutsche passiert einen zugefrorenen Schlammpfad, die Pferde scheuen und kreischen, denn sie sehen den Mann. Der Teufel ist eine so groteske Gestalt, kommt er, bellen die Hunde. Er scheint im Dorf zu leben, im Freien. Er sitzt draußen an einem Tisch im Feld (Ich wiederhole es, alles ist gefroren, da sind Minusgrade noch und nöcher!) und bekommt seinen Weihnachtsbraten serviert. Er wird ein Kind in einer furchtbaren Szene mit einem Apfel verführen (Also nicht sexuell). Geht der Pferdeschreck und Apfelmann durchs Dorf, endet Tanz und Musik, die Leute frieren ein und tanzen erst weiter als er weg ist. Er wird derjenige sein, der die beiden Fake-Amis töten wird. Ein Lakai bringt ihm ein weißes Tuch, damit er sich all das Fremdblut abwischen kann.
Ihr seht, er ist durchtrieben und böse. So wie es auch die Partisanen sind. Sie sind tiefstes Mittelalter. Aufmüpfige Männer töten sie und werfen sie in den Brunnen, der Leichen- und Gefangenenschacht ist. In ihrer ersten Mission, die Suche nach den Insassen des abgestürzten Flugzeugs, schleichen sie bei totenstille über den Friedhof.

Was sollen die Amis denken, wenn auf dem Dorfplatz eine Frau gewürgt und gedemütigt wird, und das bauchige Lachen der bärtigen Banditen nur von ihrem eselslauten Geschrei übertönt wird und ihr erschreckter 6 jähriger Sohn eingeblendet wird? Sie wird nach altem Brauch rückwärts aufs Pferd gebunden und aus dem Dorf getrieben. Die Partisanen, sie sind nicht nur aufs primitivste rach- und strafsüchtig - Sie tragen nicht einmal Uniformen, die Pistolen werden als Gürtelschnalle getragen, mit Mündungslauf gen Pimmel (Es sieht so gefährlich aus!). Ihre Wollmützen tragen sie wie Bronx Hip-Hopper in den 80er Jahren. Die Schuhe erinnern an die Kobold- und Narrenschuhe, mit ihren Spitz nach oben laufenden Schuhspitzen. Pferde werden mit Schaufeln geprügelt.

Die Amerikaner: Es sind Bilderbuchamis. Sie tatschen dem Gaunerboss den Rücken wie alte Männer Jünglinge in Schwulenbars betatschen. Es ist unangenehm bis zum äußersten. Wenn der Gauner einen Witz erzählt lachen sie am lautesten, dazu möchte ich anmerken, dass sie keine gemeinsame Sprache teilen.
In dem Dorf wird fast immer gewuselt, es sind, Jancso, fast nur Massenszenen, geht der Boss durchs Dorf, laufen alle Einwohner hinterher. Diese Szenen sind teilweise gespenstisch, da oft totenstille herrscht. In einem Waldstück etwa schauen alle Dorfbewohner zu, wie Satan mordet, und das Bild wirkt so eingefroren wie die Landschaft, niemand kann sagen, ob das ein Standbild ist.

Das einzige englischsprachige Review, das mir zu diesem Film in die Hände und Augen fiel, ist von Dina Iordanova und wir teilen beide die Ansicht, dass dieser Film an Jancso erinnert, wenn auch aus unterschiedlichen oder zumindest nicht den genau gleichen Ansichten. Nach Iordanova ist es auffällig, wie sehr sich im Film die Machtverhältnisse verschieben, das Revouzzertum und die beständige Angst, die in der Luft liegt. Das stimmt soweit, auch wenn es mir erst durch sie auffiel. Was der Film ebenfalls mit Jancsos Werken teilt sind die Massenszenen, die Kollektive die wieder und wieder, wie von Geisterhand choreographiert, durch das Bild wuseln, wie etwa in einer auffälligen Tanzszene mit Folkloristischer Musik.
Insgesamt ist der Film ein sehr spannender. Schwer wird es, ihn sich anzuschauen, ich weiß nicht, ob es zu dem Film überhaupt englische Fan-subs gibt. Lohnen tut er sich jedenfalls. Der Regisseur ist ja auch ein sehr bekannter, in meinem Filmtagebuch habe ich sicher schon den ein oder anderen von ihm angerissen. Die Kameraufnahmen sind durchweg gelungen, und das bedrückende Klima, der Frost, die Furcht ist toll herausgearbeitet.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 28.08.2014 23:16 
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The Purge - Anarchy
USA/Frankreich 2014
Režie: James DeMonaco
Scénář: James DeMonaco
Kamera: Jacques Jouffret
Hudba: Nathan Whitehead
Darsteller: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez, Zoë Soul, Justina Machado, Noel Gugliemi, Castulo Guerra, Jack Conley,



Den ersten Teil hatte ich leider nicht gesehen, über den zweiten wusste ich nichts also wurde ich recht unvermittelt in die Zukunft geworfen.
Keine aufregende Sc-Fi Zukunft wie bei Lem, Dath oder Dick eher eine biedere wie in einem Swazye oder Russell Film. Es sind eigentlich auch nur 10 Jahre in der Zukunft. Und es ist in den USA. Die wurden wohl neu gegründet. Von den neuen Gründungsvätern. Die Wirtschaft, das erfahren wir aus den (vermutlich) gefakten Nachrichten prosperiert. Die Arbeitslosigkeit wurde auf unter 5 Prozent gedrückt.
"Wow" Denke ich. "Wow" denken auch die anderen Zuschauer.
Was für eine Lösung gibt es denn dafür? Autobahnen gebaut? In Bildung investiert?
Nein! Die Lösung ist ganz einfach. Einmal im Jahr gibt es eine Säuberung. Die Gesetze werden aufgehoben und man darf anderen die Hoden häckseln.
Selbstverständlich sind die Mitteklasseleute auch nicht so erpicht darauf, sich mit fetten, stiernackigen Versagern im Machetenkampf zu messen. Müssen ja am nächsten Tag auch aufstehen und arbeiten.
Also bleiben die Versager unter sich. Sie dürfen sich anmalen wie Schwarzenegger in Phantom Kommando, sich den Bizeps trainieren und mit ihren Waffen auf die Straßen.

Ja, das ist die Voraussetzung. Diese Nacht ist nun. Folgen werden wir einem weißen Pärchen. Sie wollen sich trennen. Leider geht das Auto kaputt und sie sind dann alleine und draußen und ohne Waffen. Eine blöde Situation, die die beiden wieder zusammenrücken lässt.
Für den Herzschmerz sorgt eine farbige Familie. Enkelin, Imbissfachverkäuferinnenmutter und herzkranker Großpapa. Dem seine Medikamente sind teuer und die Mutti muss mehr arbeiten oder verdienen. Aber sie sind ja aufopferungsvoll und deswegen übt sie mit der Tochter Gespräche, wie die Bockwurstchefin am besten um mehr Geld angehauen werden kann.
Das Problem erübrigt sich dann aber. Denn der Großvater prostituiert sich für 100.000 Dollar (?????) an eine reiche Familie. Die Familie wird mit Weichzeichner gefilmt wie in Reich und Schön. Und die essen ihn dann mit Messer und Gabel (??). Weswegen sie sich für so viel Geld einen alten, herzkranken Furz einkaufen und nicht einfach jemanden von der Straße einsacken, erschließt sich mir nicht.
Der Fünfte ist ein Dreitagebartmann. Sein Sohn wurde von einem betrunkenen Reichen überfahren. Und der Reiche kam dann wegen einem Formfehler wieder auf freien Fuß. Wie die Justiz halt ist. Jedenfalls nimmt er sich dann vor, ihn selbst umzubringen. Er gibt sich viel Mühe, stählt Auto, Körper und putzt die Waffen.

Die Fünf finden dann zusammen und müssen die Nacht gemeinsam überleben.
Sie finden einen gefolterten Mann mit jüdischem Namen, der seine gerechte Strafe bekam, weil er andere in Geldfragen über den Tisch zog, wie es sein Erklärungsschild kundtat ( :? ). Dazu kommen sie einer Superverschwörung auf die Spur, da die Regierung in der Nacht auch mitmischt und Unterschichtler mit Spezialkommandos auslöscht.

Ja. Der Film klingt so ganz gut. Also, aus dem Plot kann man was machen. Es sind auch gute Stellen dabei. Die Mad Max Verschnitte in der Kanalisation mit Strandbuggys, die Feuer speien waren fantastisch. Es gab Lederkerle mit Schlagwaffen usw. Aber leider wurden die alle nur mal kurz angeschnitten. Hauptsächlich im Bild war neben dem Fünfergespann diese paramilitärische Robocopeinheit und ein paar farbige, die sich für die reichen verdingten (Was sollte denn damit ausgedrückt werden?).
Dazu dann noch eine diffuse Rebellenterroristengruppe, die zwar mal schoss, sonst aber nicht weiter eingeführt wurde.
Das, was ausgedrückt werden sollte (Irgendwelche Xavier Naidoo-Gesellschaftskritiken) war eher plump. Die Reichen wurden wie typische Upper-Class Vampire dargestellt. Es ist schade, ich denke, in dem Film hätte Potential gesteckt. Aber so wie er ist, gefällt er mit vllt. in 20 Jahren als Witzefilm.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 29.08.2014 00:01 
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Steven Seagal - True Justice - Deadly Crossing


Heute im MediaMarkt gesehen und ich konnte nicht widerstehen.
Worum es geht könnt ihr ja in der Seagalogy nachlesen also nur kurz:
Eine 13 teilige Copserie mit Steven Seagal.
Das spielt in Seattle und er ist Chef einer irgendwie geheimen Polizeieinheit die sich nicht mit dem einfach Scheiß rumschlagen will sondern sich die großen Fische angelt. Sie tragen keine Uniformen und haben sehr viel zu tun.
Also es sind 5 Personen, zwei schöne Frauen und 2 junge Männer. Sie hängen viel in Strip-clubs herum und lösen Drogendealerfälle. Sie kommen dann der russischen Mafia auf die Spur.

Die Methoden von Seagals Einheit sind ...beeindruckend. Es gibt diese eine Szene in einem Bumslokal und der örtliche Bumslokaltürsteher steht ein bisschen auf den einen Cop. Also fängt er ein Gespräch an und sagt, dass sie ja beide auf der gleichen Seite stünden, von wegen sie würden das Grobzeug entfernen.
Ich glaube, er stand sogar ein bisschen auf den Cop. Jedenfalls war der Bulle total hochnäsig, weil er halt auch mit Seagal zusammenarbeiten darf. Und er widerspricht ihm und beleidigt ihn und nennt ihnen einen Depp und Kleinkriminellen. Und der Türsteher, selbstverständlich ist er traurig. Aber er ist halt auch ein tätowierter Bodybuilder. Er kann seine Gefühle nicht so ausdrücken und kanalisiert seine Enttäuschung in einem Schlag in die Polizistenfresse.
Und das geht gar nicht! Sie rennen beide los und spielen Räuber und Gendarm. Der Bulle bekommt ihn selbstverständlich und prügelt den Türsteher fast ins Koma.

Und so ist auch Seagal. Klar, er rennt nicht so gern aber wenn ihn einer zum Kampf fordert, ist er zur Stelle und er ist unfassbar brutal. Wenn er einen Sünder in die Finger bekommt, bricht er ihm erst die Handgelenke und zerkratzt ihm dann das Gesicht. Seagal kann unfassbar gut kämpfen und er liebt es, die Schurken zu demütigen und ihnen lebenslange, körperliche Schäden zuzufügen.

Die Serie selbst, also die Pilotfolge hat mir unerwartet viel Spaß bereitet. Es waren viele Kameraeinstellungen dabei, die mir nicht so gefielen, zu schnell geschnitten, wackelig, nachbearbeitet...aber es fiel kaum ins Gewicht. Toll waren die Stadt- und Landaufnahmen. Sie haben tatsächlich Lust erzeugt tatsächlich mal dorthin zu reisen. Seine politischen Ansichten, es ist schwer zwischen Film und Realseagal zu unterscheiden, sind für einen Mitteleuropäer wie mich schon schwer nachzuvollziehen. Also, er sagt einer Lady ins Gesicht, dass er sich freut, dass sie auf den elektrischen Stuhl kommt und gegrillt wird. Das ist genauso irritierend, wie Seagals Auftritt auf der Krim in dem er dem russischen Terrorregime seine Fürworte ausspricht.

Naja, ich freue mich auf die anderen Teile.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 07.09.2014 17:27 
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NINJA SHADOW OF TEAR
NINJA -PFAD DER RACHE

USA/Thailand 2013
Regie: Isaac Florentine
Darsteller: Scott Adkins, Vithaya Pansringarm, Kane Kosugi, Tim Man, Charlie Ruedpokanon, Mika Hijii, Shun Sugata


Scott Adkins ist Casey Bowman. Er lebt in Thailand und leitet eine Selbstverteidigungskampfsporttötungseinrichtung und führt die Schüler in die hohe Kunst des Knochenbrechens ein. Es ist ein wunderbares Mittelschichtsleben. Er ist auch verheiratet (mit einer Frau) und sie erwartet ein Kind von ihm. Da die Verlobung noch nicht statt fand, besorgt er im örtlichen Juwelier ein Frauenschmuckstück um da doch noch zum Vollzug zu kommen.
Was für ein glücklicher Mann er nun also ist: Kleinunternehmer mit geregeltem Job, Frau, bald Vater und ein Bilderbuchkörper der so unreal aussieht wie in 300.

Aber würde sein Lebenslauf keinen radikalen Bruch erfahren, könnte die Story höchstens für eine rührselige Schmonzette taugen.
Wie könnte der Bruch aussehen? Selbstverständlich ist da seine Frau im Spiel. Wenn er später kämpfen muss, wäre sie nur unnötiger Ballast und Faustpfand also stirbt sie. Sie zwang ihn nachts - beide lagen schon im Bett, in den örtlichen Supermarkt zu gehen um Minzschokolade zu kaufen. Ein bizarrer Wunsch und in meinen Augen auch etwas unverschämt.
Nun, Casey kommt zurück vom Einkauf, er hatte das Geld vergessen und somit keine Schokolade und findet seine Frau erdrosselt vor. Zu Tode gewürgt mit einer Stacheldrahtpeitsche.
Er ist verdutzt, verletzt und traurig.
Selbstverständlich will er Rache nehmen.


Und kaum taucht er ein in die finstere Welt der Bestrafung birst das nichtfamiliäre ICH aus ihm. Dieser Mann ist ein Ungeheuer. Es kam mir vor als hätte er nur einen Vorwand gesucht um endlich morden zu können. Die ersten, die dran glauben müssen, sind noch in dieser Nacht 2 harmlose Banditen. Er hat sie vorher noch verspottet als Ganoven. Das ist die Dagobert Duck Bezeichnung für die Panzerknacker. Aber nun treibt dieses zügellose Monster sie in die Ecke, hackt (!) Gliedmaßen ab und zerfetzt sie in der Luft.
Sein Weg führt ihn dann über die Kampfsportschule eines Freundes in den Myanmarschen Dschungel. Dort sitzt ein Drogenbaron in einem geheimen Drogenbaronlager, umringt von Drogensoldaten.
Er wird sein vorläufiger Endgegner sein. Ihn wird Casey Verantwortlich machen für den Tod seiner Frau - so unplausibel die Gründe hierfür auch immer sein mögen.
Und Casey hat ja nicht nur ein ernst zunehmendes Gewaltproblem, er säuft auch wie ein Tier und raucht Glühbirnen - wenn er nicht gerade tötet. Meistens macht er beides. Bierpulle oder Glühbirne in der Hand und dann morden - und sei es der örtliche Polizeichef, über den er ein Urteil spricht und es gleichzeitig mit einer Schere vollzieht.
Das Drogenlabor infiltriert er als Ninja. Dieser Clou hat sich ja angedeutet im Filmtitel ist aber auch nicht so nachvollziehbar. Ein Ninja ist für mich eher wie eine Katze, lautlos, effektiv aus dem Dunklen heraus angreifen.
Er nun trägt seine Ninjauniform und wirft Handgranaten.

Insgesamt ein toller Film. Die Kämpfe sind wirklich toll gemacht. Es krachen viele Knochen. Die Dschungelkulissen sind auch toll in Szene gesetzt. Er hat seine Mission und zieht das knallhart durch. Er sind viele verschiedene Schauplätze mit Kämpfen, die Dschungelarbeit kam mir etwas kurz vor. Dafür, dass er Phantom Kommando gleich, eine komplette Asia-Drogenarmee ausschaltet, bekommt er nun wenige Filmminuten Zeit.

Viele Punkte von vielen Punkten.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 02.10.2014 20:50 
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Flashback
Italien 1969
Regie: Raffaele Andreassi
Darsteller: Fred Robsahm, Pilar Castel, Dada Gallotti


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Wir werden in den September 1944 geschleudert. Eine Texttafel verrät uns, dass wir irgendwo in Italien sein sollen. Verifizieren können wir das nicht sofort. Wir sind in einem dunklen Raum und starren auf eine Traube mittelalter Männer in Wehrmachtsuniformen, die unter dem Dröhnen von Bombern von links nach rechts kriechen. Es sind befremdliche, artifizielle Bilder. Wir könnten gerade genauso gut einer Performance in einem Berliner Schwulendarkroom zuschauen.
Aus dieser gesichtslosen Watschelmasse sondern sich bald 3 Gestalten ab. Der Hermann braucht einen auf einem Baum, der Rolf und der Fritz sollen ihm folgen. Das soll ganz einfach gehen mit dem Baum, einfach ne Räuberleiter machen und klettern. Klettern soll der Fritz, er ist der leichteste. Sofort beim Antritt purzeln alle aufeinander und lachen herzlich. Es ist schön, dass diese Soldaten beim fremde Länder überfallen noch so viel Freude haben.
Der nächste Morgen bricht an und aus der Finsternis schält sich ein junger, blonder Bub. Es ist Fritz, er schlief auf dem Baum und es scheint ihn niemand mehr abgeholt zu haben. Er schaut sich um und wir denken: "Da stimmt irgendetwas nicht".


"Da stimmt doch etwas nicht", denkt auch Fritz. Der Himmel ist wolkenlos, es scheint recht warm zu sein und - das ist das fremde: Wir hören keinen Krieg. Fritz schaut angestrengt: Es ist auch kein Krieg zu sehen. Kein Rauch, keine Soldaten, nur Sonne und schöne italienische Berglandschaften. Fritz ist verdutzt: Die werden sich doch nicht in Luft aufgelöst haben?
Er schießt in die Luft und ruft nach Hermann - es antworten ihm nur die Vögel. Diese Situation ist unnatürlich. Kann es sein, dass er gestorben ist und nun in einer anderen Dimension ist? Ist er wahnsinnig geworden und wir folgen seinen Visionen?
Fritz weiß nicht weiter - er ist Soldat und folgt Befehlen. Ohne Menschen gibt es auch keine Befehle: Er ist auf sich allein gestellt. Viel gelernt hat er ja nicht abgesehen vom Soldatentum, also spielt er auch weiter seine Rolle: Er trottet mit dem Gewehr umher, untersucht mit seinem Gewehrzielrohr eine Stadt, die ihm während des Nachtgefechts nicht auffiel, ruft laut "BUUM", wenn er ein zerstörtes Haus sieht und macht sich auf. Er landet an einem Fluß und wäscht sich.

In dieser Zeit nun, die er auf sich allein gestellt ist, passiert etwas mit ihm: Er kann das Erlebte verarbeiten und sich zurück ins Gedächtnis rufen. Die Zeit dazu hatte er während dem Purzelbäume schlagen und Leute pengen nicht. Aber an den Krieg will er gar nicht denken, es gibt schöneres: Sein erstes Mal etwa. Es war ebenfalls an einem Fluß, wie jenem an dem er gerade ist. Eine hübsche Blonde, die keinen Sex wollte ist es gewesen. Aber Fritz wollte und er bettelte und gierte so unangenehm wie es nur Unerfahrene und Idioten können. Seine Erinnerungen verarbeitet er auch ganz praktisch: Er malt mit einem Stein Möpse und einen Frauenkörper auf den Fels und reibt sich an ihm.
Diese Szene kennen wir aus einem Western. *
Das sind die einzigen Erinnerungen, die uns aus seiner Zeit in Deutschland bleiben. Der Rest ist Krieg und sie würgen sich ihm hoch. Das Banditenhenkern, das Vergewaltigen einer jungen Frau im Beisein ihres jungen Bruders, der aussieht wie ein junger Fritz - zusammen mit dem lustigen Hermann, der immer so viel lacht.

Es sind widerliche Szenen und auch Fritz kommt erstmals in den Sinn was er da eigentlich getrieben hat. Verarbeiten kann er das ja schlecht, er ist alleine und kann folglich mit niemandem darüber sprechen. Da bleibt erstmal nur der Alkohol, den er im Dorf findet. Im ganzen Dorf scheint nur eine Frau zu sein und sie ist eine bizarre Gestalt. Sie hat mutmaßlich mit ihm geschlafen und erzählt von ihrem Verlobten, Alberto, der im Krieg starb. Nun trägt sie gern das Hochzeitskleid - und schläft freiwillig mit Wehrmachtlern.
Aber diese Frau ist zumindest ein Zeichen, dass er in der Realität ist, sie ist die erste Person, die er sieht, seit er aufwachte. Als er später wieder auf dem Baum ist, wird sich das Dorf auch wieder nach und nach füllen mit Menschen. Er überlegt, wie er aus der Nummer wieder herauskommt. Er sieht einen alten Mann an einem Heuballen und will sich ihm ergeben - einen Strich durch die Rechnungen macht ihm wieder ein Flashback. An so einem Heuballen haben sie ausgerechnet mal alte Männer erschossen. ...
Ob das mit Fritz noch ein gutes Ende nimmt ist fraglich.

Der Film ist bemerkenswert. Abgesehen von diesem dix'schen Höllenkrieg zu Beginn, erleben wir einen jungen Wehrmachtssoldaten in einer vollkommen friedlichen, harmonischen Umgebung in Italien. Es sind luzide Aufnahmen. Er hat nur Krieg gelernt und weiß nicht, wie er sich nun verhalten soll. Es ist aber auch schwer, als jemand, der der einheimischen Bevölkerung so viel Leid zugefügt hat, in der Uniform des Bösen, vollkommen auf sich allein gestellt, herumzuirren. Aber Anfangs gibt es ja nicht einmal Menschen, die ihm Böses können wollten, da er die einzige Person weit und breit ist. Während er da nun rumkrebst, erinnern ihn die Landschaften und Gegebenheiten immer wieder an Erlebtes. Und das ist nur anfangs halbwegs friedlich - als er die Deutsche zum Sex drängt. Mit zunehmender Einsamkeit stellen sich seine Taten als alptraumhaft heraus. Wir erinnern uns mit ihm, inmitten dieser himmlischen Natur an abstoßende Grausamkeiten, die er mit Alkohol wieder zurückdrängen möchte.

Diese Ambivalenz aus schöner Natur, in der er nur ein uniformtragender Fremdkörper ist, und seinen Erlebnissen, ist verstörend. Wir erleben im Zeitraffer, wie ein junger Mann am Ende seines Krieges zerbricht.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
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Stone Cold
USA
Regie: Craig R. Baxley
Darsteller: Brian Bosworth, Lance Henriksen, Sam McMurray

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Joe "Stone Cold" Huff wurde wegen disziplinarischen Maßnahmen, die nicht näher erläutert wurden, für einige Wochen vom Polizeidienst suspendiert. Aber die Weltgeschichte kann nicht ohne Muskeln. Irgendwo in den tiefsten USA wuchert eine neue Bruderschaft. Es ist ein Hells Angels-Verschnitt bierbäuchiger Versager, die Hängetitten, Bier und Feuer lieben. Wir sehen sofort was das für ein wüster Haufen ungebildeter Asozialer ist, die nur ihrem eigenen Kodex folgen. Sie saufen und spielen Wilhelm Tell, indem sie einander mit Uzis, die sie einhändig halten, Bierdosen vom Kopf schießen. Dazu, selbstverständlich, Rockmusik und gröhlende Männer.
Die lokale Polizei ist ratlos. Auch das FBI ist ratlos. Niemand weiß, wie man dieser wilden Teufelsbande, die mit ihren Motorrädern eine ganze Stadt terrorisieren, Einhalt gebieten soll. Die Schurken haben schon einen Bundesrichter explodieren lassen und arbeiten mit der "Mafia" zusammen.
Das FBI aber hat eine tolle Idee. Sie fragen Joe, der hat ja Zeit. Der FBI Mann staunt Bauklötzer als er Muskel-Joe zu Hause besucht. Joe hält nicht nur einen Leguan, den er mit Snickers füttert, da liegt auch ne dralle Blondine in seinem Bett. Der FBI-Mann merkt, mit was für einem coolen Typen er es da zu tun hat, und versucht sich anzubiedern. Aber nicht mit Stone Cold, der bleibt kühl distanziert, wie der große Bruder in Teenager-Zeiten. Der FBI Mann wird im Verlaufe des Filmes alle Register ziehen, Jeansjacken, cooles Kopfnicken zur Musik in Tittenbars aber erst am Ende wird Joe ihn als coolen Typen betrachten: Als einen muskellosen Sonderling, der sich die Achseln wäscht zwar, aber als coolen Typen mit dem Herzen am rechten Fleck.
Nach einem konspirativen Parkhaustreffen mit DR. FBI willigt Joe ein. Er erledigt es, "auf seine Weise", die Bruderschaft zu erledigen. Die Lage spitzt sich zu, als auch noch der Gouverneur "Peitsche" erschossen werden soll. Die Nationalgarde wird einberufen und errichtet Kontrollpunkte in der Stadt. Es steht ein wichtiger Prozess an, indem einer der Rocker zum Tode verurteilt werden soll. Klar, wird da der Rockerboss fuchsig.

Brian Bosworth, der Joe Huff spielt, war in den 80ern eine Legende. Ursprünglich war er Footballer. Ein ziemlicher mieser. Aber er konnte sich gut vermarkten und trug eine Frisur, die unter seinem Namen, in die Geschichte der Geschmacksverirrungen der 80er einging, den "Bosworth". Seite kurz, hinten lange, vorne Föhn, teilweise blondiert. Sah aus, als wäre ein totes Tier drangebappt worden.
Der Film war sein ultimatives Werk. Er als Superstar in einem Actionfilm der Super-B-Klasse.
Heute ist es schon erstaunlich. Er wirkt überhaupt nicht cool, einfach nur wie ein muskelbepackter Depp. Als Undercover-Polizist hat er auch auf voller Linie versagt, seine Geliebte und Kronzeugin wurde erschossen, der Gouverneur wurde erschossen, hohe Bundesrichter wurden erschossen, im Grunde hat nur er das ganze Spektakel überlebt. Klar, die Bruderschaft hat am Ende nicht mehr gewirkt, weil einfach alle tot waren. Aber um welchen Preis? Boshworth hat die halbe Stadt in die Luft gejagt! Nicht mal die Mafia konnte er fassen, wie er es versprochen hat. Es wird nur an wenigen Stellen versucht, aus Bosworth so etwas einen denkenden Menschen zu machen. Als das FBI ihn um Mitarbeit bittet, erklärt er ihnen, wie man einer Motorradgang beitritt und das man dafür eine Aufgabe meistern muss, " so ähnlich wie bei einer Studentenverbindung". Da waren die FBIler aber baff!
Ich habe es vielleicht mal erwähnt, Motorradrocker halte ich ja für die idiotischsten aller Schurkentruppen. Sie saufen einfach, mögen Feuer und Titten und sind nur im Rudel stark. Ausdrucksvermögen oder Können wird dort sofort als unmännliches Tuntengetue abgetan. Ich hatte überhaupt keinen Respekt vor denen im Film. Das war ein Rudel Affen in Lederkluft.
Gelungen sind aber einige Kameraeinstellungen. Insgesamt war der Film eine große Gaudi. Ein Initiationsritus von Bosworth war es, den stärksten Mann der Welt in einer Sandgrube zu besiegen. Der Kraftkerl hat Bosworth ziemlich in die Mangel genommen und da Verteidigung nur was für Schwächlinge und Brillenträger ist, haben sich beide knapp 2 Minuten lang abwechselnd mit der Faust in die Fresse geboxt ohne das einer weggezuckt hätte. Fantastisch war auch das Rockerhauptquartier. Das waren ja nicht nur ein paar Dorfpunks mit Bikes sondern ein international agierendes Gaunersyndikat. Also war ihr Stützpunkt aufgebaut wie ein Konzentrationslager, mit Checkpoints, Wachtürmen, Schützen (Schrotflinten, keine verschwulten Scharfschützengewehre natürlich) und Stacheldraht.
Kann man sehen. Frisurentechnisch ein Meisterwerk und die Sandkastenprügelei ist es auch wert, gesehen zu werden.

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Last edited by ultrastruktur on 22.10.2014 13:18, edited 2 times in total.

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Trys Dienos / Drei Tage
1991
Regie: Sharunas Bartas
Darsteller: Yekaterina Golubeva, Rimma Latypova, Arunas Sakalauskas, Audrius Stonys
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Es ist Winter in Kaliningrad (Königsberg), der erste Schnee ist gefallen und die Stadt wirkt verfallen. Wenn wir uns die Kulissen ansehen, sehen wir alles im braun-grauen Farbspektrum. Verwitterte Gebäude und Menschen sowie Nässe beherrschen das Bild. Die Stadt hatte mal Gute Zeiten, das ist zu sehen. Aber davon ist abgesehen von den Fassaden nichts mehr übrig.
Dort nun, genauer am Hafen, treffen zwei junge Männer auf zwei junge Frauen. Es ist unklar, was die Männer wollen, denn sie setzen sich einfach neben Sie und sprechen auch auf Anfrage nicht. Die eine hat eh anderes zu tun: Sie muss aufpassen, dass ihr rotzbesoffener Vater, ein ehemaliger Matrose der aussieht wie Käpt'n Haddock, beim torkeln nicht umkippt. Die andere schließt sich den beiden jungen Männern an.
Sie ziehen umher und sprechen nicht. Sie suchen wohl zusammen eine Bleibe für die Nacht. Wofür ist nicht ausgesprochen, wir können es uns denken. Die ruinöse Landschaft färbt aber auch auf die Menschen ab. Es fällt schwer, nicht ohne Beleidigungen hinausgeworfen zu werden. Auch Musik gibt es im Film aus dem off keine. Es ist kurzzeitig Barmusik zu hören als eine Barkapelle spielt. Der Rest sind nur die Töne, die auch aus der Umgebung zu ihnen dringen.
Dieses Nichts kann bedrückend sein aber dieser Film schafft es, die vorherrschende Melancholie in luzide Bilder zu wandeln. Großartig ist der einzige Monolog im Film, als der junge Mann sich mit einem älteren unterhält, in irgendeinem vermüllten Kellerloch. Der alte fragt den jungen nach seinem Alter und als er die 28 hört, atmet er aus und seufzt:

"Dann ist das Leben schon vorbei". All things considered. Alles das ein Anfang hat, hat auch ein Ende. Es ist unmöglich, das etwas ein Anfang aber kein Ende hat. Und so hat auch das Leben ein Anfang und ein Ende. Aber was kommt danach? Danach ist das Licht. Schau nur wie dreckig und schlecht ich bin. Wie kann ich zum Licht kommen? Deshalb kehre ich zur Erde zurück....Die Seele....Die Seele straft sich selbst. Nicht Gott straft, die Seele. So läuft es."

Das Leben dort wird auch nicht besser. Während die alten ja nicht mehr arbeiten müssen, trägt die jüngere Generation um den 28 Jährigen immerhin noch Hemd und festes Schuhwerk. Die nun, die ihre eigenen Kinder sein könnten, kaum pubertierende Knaben sind Figuren wie aus Klimovs Idi i Smotri. Halbwüchsige Hyänen mit zerfurchten Gesichtern.
Woher kommen die beiden jungen Männer? Sie kommen aus einem Haus irgendwo in den Wäldern, an einem Bachlauf gelegen. Sie verlassen Vater und Schwester und fahren mit dem Zug für drei Tage in die Stadt. Einer hat Glück - er schläft mit einer Frau. Der andere hat Pech. Als sie ihm nach dem Kaffeebringen erklärt, sie wolle Milch, geht er beleidigt weg. Er wird später trinken und sich niederschlagen und ausrauben lassen. Ihn werden wir auch am Bahnhof nicht mehr sehen.

Die Darsteller agieren wir bei Bresson. Es sind Alltagshandlungen ohne ausschweifende Gesten. Sie sind unscheinbar und wortkarg. Eine der großen Szenen des Films sehen wir als wir mit dem Protagonisten und Sex-Positiven durch die Fenster schauen. Im ersten Streiten zwei alte tätowierte Männer, im zweiten sind es nackte Prostituierte und ihr Besitzer und im dritten nun sehen wir nur einen Mann auf einem Bett sitzen. Das Gesicht in den Händen vergraben aus ihm schreit Verzweiflung und vor ihm und dem Bett liegt ein gutes Dutzend Melonen. Was es damit auf sich hat wird nie erklärt es sind nur ein paar Sekunden, die wir aus seinem Leben mitbekommen. So stellte ich mir immer die Figuren vor in Stasiuks Ost-Roman Blechwand.
Auch der Raub: Ein Anhalten, ein Schlag, ein Fallen. Es sind nur drei Bewegungen und damit ging ein ganzer Überfall über die Bühne. Gesprochen wird im Film über, abgesehen von dem Monolog kaum. Nachdem sich die zwei gemischtgeschlechtlichen Paare kennenlernten, dachte ich nach einer ganzen Weile, dass sie vielleicht gar keine gemeinsame Sprache sprechen sondern Russisch und Litauisch. Die Natur, die das sich am Ende gebildete Paar dann in den Städten aufsucht, ist weniger schön, als die in der Zugfernen Heimat. Da gehen oberirdische Gasleitungen durch die Wälder, Autoreifen schwimmen am Ufer entlang und am Ufer selbst stehen ruinöse russische Verteidigungsanlagen.

Schön war, worin der Film eingeklammert war. Das erste Bild und das letzte sind die gleiche Aufnahme. Auf dem ersten ist das Haus in der Natur zu sehen, von wo die beiden aufbrechen. In den letzten Bildern ist es das gleiche Haus in der gleichen Aufnahme, diesmal aber aufgenommen im Verlauf der Jahreszeiten, mit Schnee, Nebel, Grün. In der Schlussszene werden wir auch die erste Musik aus dem Off! hören im ganzen Film - es ist Flötenmusik.
Wer Bela Tarr mag, die Farben in Tarkovskijs Stalker oder allgemein den Bresson kann mal reinschauen und sich vielleicht enttäuschen lassen oder einen ganz angenehmen Film sehen.
Für Fans von: Ambientmusik.
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Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb
Gyakufunsha Kazoku
Japan 1985
Regie: Ishii Sogo
Produktion: Art Theatre Guild, Directors Company, Kokusai Hoso
Darsteller: Kobayashi Katsuya, Baisho Mitsuko, Arizono Yoshiki, Kudo Yuki, Ueki Hitoshi

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Familie Kobayashi hat sich den Traum eines Eigenheims erfüllt. Der Vater ist stolz, sein Lebenswerk ist getan: Er hat einen Job, zwei Kinder, eine Ehefrau und ein Einfamilienhaus in der Vorstadt. Sogar ein Hund ist schon da. Sein Vater kommt zu Besuch. Auch er ist sehr angetan von den Errungenschaften. Der Großvater ist jung geblieben. Entgegen aller Erwartungen, hatte ihn sein anderer Sohn gerade vor die Tür gesetzt und er lebt nun mit ihnen.
Das gestaltet sich schwierig, da der Opa nun mit dem Vater das Bett teilt und die Mutter bei der Tochter schlafen muss. Die Spannungen steigen und der Vater erkennt, dass alle, außer er, wahnsinnig sind.
Der Film basiert auf einem Manga. Es ist leicht erkennbar, wenn wir uns ansehen wie hemmungslos überdreht die Charaktere sind. Es ist eine ätzende Parodie auf den japanischen Mittelstand und die Homedramas, die damals für Zuschauerrekorde sorgten. Um Zuschauer auf dem wachsenden Markt dieses Genre zu bekommen, wurden sie im Laufe der Zeit immer extremer. Dieser Film nun ist eine Over-the-Top Antwort darauf. Der Film atmet das Jahrzehnt, in dem er gedreht wurde. Ich habe nur noch den Roboter aus dem Rocky-Film erwartet. Die Musik ist aus den 80ern, insgesamt herrscht eine diffuse Zukunftsgläubigkeit und Hometrainer sind der letzte Schrei.
Was stimmt nun mit den einzelnen Familienmitgliedern nicht? Die pubertierende Tochter möchte Karaoke-Sängerin oder Catcherin werden. Der Sohn möchte an die Tokyoter Universität, um später den Lebenstraum seines Großvaters und Vaters zu verwirklichen, ein Eigenheim und eine Familie für die er sorgen kann. Das Schulleben ist aber ein schweres und er wird nur noch im Zimmer gluggen und lernen. Schläft er ein, lässt er sich einen Schraubenzieher ins Bein fallen, damit er wach wird und bleibt. Die Mutter liebt Pflanzen, lässt aber später durchscheinen, dass das nicht ihre Familie sein kann, dass das nur des Vaters Brut ist. der Vater nun ist restlos überdreht, er sieht überall Anzeichen von Gefahr. Seien es die weißen Ameisen, die das Haus zum Einsturz bringen können, oder mögliche psychische Probleme einzelner Familienmitglieder.
Den Familiendruck wird auch nicht lindern, dass der Vater ein Loch im Wohnzimmerboden buddelt um in einem neu angelegten Keller, den Opa einzuquartieren.
Das wird in einem bizarren Finale gipfeln, in dem jeder gegen jeden kämpft und der Großvater in Japanerkriegsuniform die Enkelin als chinesische Kriegsgefangene in Geiselhaft nimmt und vergewaltigen möchte.
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Das Casanova-Projekt
Deutschland 1981
Regie: Arend Agthe, Robert Gernhardt, Fritz Waechter, Bernd Eilert
>Darsteller: Alfred Edel, Rainer Friedrichsen, Edith Volkmann

Wie man leben könnte, wenn man leben würde oder wie


"Die Story: Der Regisseur Hartmann will einen Film über Casanova drehen, allerdings fehlt ihm noch ein passender Hauptdarsteller. Als er auf Alfred Edel trifft, scheint sein Problem gelöst. Der Regisseur und sein exzentrischer Darsteller üben nun für den großen Kostümfilm und verstricken sich dabei in ausufernde Diskussionen über Filmfragen – und die Rolle von Hartmanns Mutter. Erzählt werden die Ereignisse retrospektiv von Regisseur Hartmann, der auf dem Eisernen Steg steht und in den Main schaut." (Zitat von der Edel-Page oder so)

Himmel, was für ein Film von dem gar nicht existierenden Arnold Hau!
Der Film ist ein ...improvisiertes Teufelsstück, dass in seiner Komik Loriot und der alten Titanc-Gruppe in nichts nachsteht. Wie der Regisseur da zerrieben wird, zwischen der herrschsüchtigen Mutter, die, nach dem Tod ihres Lieblingssohnes nur noch Verachtung für den zweiten übrig hat und Alfred Edel, der ihn in den Wahnsinn treibt.
Der gedrehte Film ist ein Wahnsinn. Es geht um Casanova. Requisiten gibt es keine, also streichelt Casanova, also Edel, also Edel, eine Tapetenrolle. Es ist das Tapetentollenbein der russischen Zarin und die Situation lautet wie folgt: Casanova muss der Zarin nach dem Sex einen Witz erzählen, sonst wird er sterben. Der Regisseur kennt einen tollen Witz über einen Schwaben, also lässt er ihn Edel nacherzählen. Edel lässt alles Situationsverständnis fallen, dass es da um sein Leben geht. Den Text vergisst er eh. Also werden wir Zeuge, wie er 5 Minuten die Tapete streichelt und immer wieder mit dem Witz anfängt.
Das Meisterstück aber ist ein anderes: Edel und der Regisseur im Feld. Sie diskutieren über Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin. Sie diskutieren über die berühmte Treppe mit dem Kinderwagen. Edel ist überzeugt, es war eine schmale, verwinkelte Treppe. Der Regisseur hält dagegen. Nach jedem ihrer Argumente sehen wir die Treppe von neuem gefilmt, nach den jeweiligen Vorstellungen der beiden.

Das ganze Stück ist einfach unfassbar witzig.
Wer Edel mag oder weg Sex mag oder Sonne sollte diesen Film sehen!
Eine 10/10


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Trudno byt Bogom
It's hard to be a God

Russland 2013
Regie: Aleksej German
Darsteller: , Jurij Curilo, Dmitriy Vladimirov, Juris Laucinš, Leonid Jarmolnik


Worum geht es?
Es ist ein weit entfernter Planet, 800 Jahre in der Zeit zurück. Auf ihm leben zwar Menschen, doch ihre Entwicklung hat einen entscheidenden Schritt ausgelassen: Statt die Renaissance zuzulassen, wurden Künstler, Gebildete und Visionäre einfach ermordet. Das Resultat ist zu sehen. Das Mittelmaß regiert, jeder ist doof, Hygiene ist nicht vorhanden und der Ort an dem sie leben, Arkanar, ist ein feuchtes Scheißloch.
Doch auf diesem Planeten sind auch Menschen unserer Erde. 20 Wissenschaftler leben dort. Was ihr Auftrag genau ist, ist nicht so klar. Es gibt nur eine Regel: Sie dürfen niemanden töten. Von diesen Wissenschaftlern folgen wir einem: Dem Noblen Don Ruata, laut Mythologie mundgeborener Sohn vom Gott Goran. Damit hat er genügend Autorität, dass andere sich vor ihm fürchten. Er ist ein Don Quichote, der oft besoffen ist und so rückwärts sitzend auf einem Esel reitet.

Gleich vorneweg: Es ist, als würde man in eine Hieronymus Bosch Welt stolpern. Das Graue umfasst alles, da gibt es keine Freude. Wenn jemand lacht, ist es Häme oder aus einer sexuellen Motivation heraus. Einige Kulissen sehen aus als wären sie für einen Bava-Gothic-Horror genutzt worden. Ein großer Pluspunkt ist sicher, dass das tatsächliche Kulissen sind und es nicht (zumindest was ich gesehen habe) am Computer bearbeitet wurde. Das was aufgezogen worden ist; eine ganze Landschaft im frühmittelalterlichen Stil, dazu verschiedenste Kostümierungen der Darsteller, zusätzlich eine Art Mythologie; ist sagenhaft und in dieser Form vielleicht wirklich noch nicht so oft dagewesen, fordernd ist auch die knapp dreistündige Spielzeit.
Die Handlung ist hauptsächlich in Arkanar festgesetzt, der Hauptstadt. Arkanar ist umgeben von Sümpfen und da offenes Feuer auch innerhalb der Gebäude als Lichtquelle genutzt wird und das eh ein nebelanfälliges Gebiet ist, ist oft kaum etwas zu sehen außer Dunst. Das hat etwas sehr archaisches, all die Nebelschwaden und offenen Brandstätten. Eine andere Stadt ist Irukan, dorthin flohen wohl irgendwann mal die Klügeren. Es gibt einige Ort außerhalb Arkanars: Da ist der Hafen, der für Sklavenverschiffung genutzt wird, da ist Welt "hinter den Bergen" in der die Grauen herrschen, eine diffuse Masse über die es kaum Informationen gibt, außer, dass es eine wirklich große Ansammlung von Menschen ist, die eventuell eine Gefahr darstellen könnten.
Es ist eine seltsame Niemandslandzeit, mehr wie ein schwarzes Loch in der Zeit, ohne Fortschritt oder Rückschritt. Und diese Stelle in der Entwicklung einer Gesellschaft soll so schon seit Jahrhunderten anhalten? Auf der einen Seite wurde die Zukunft vor Jahrhunderten geköpft mit all ihren klugen Leuten. Auf der anderen Seite kommen diese Außerirdischen von einem fremden Planeten, die ja unbestritten ihren Wissensvorsprung haben und ihn nicht anwenden. Sie scheinen den Planeten schon eine Weile zu bevölkern, da wir auch mal aus dem Augenwinkel einen Totenschädel sehen, der dem Vorgänger des Don gehören soll.

Die Ausgangsidee ist wunderbar: Eine Welt, in der die Klugen getötet wurden und die Welt keine Renaissance erlebte. Alle sind doof und blieben es. Wer als klug gilt, wird noch immer getötet. Aber es fehlen dann zwangsläufig die Visionen, wenn die, die etwas auf dem Kasten haben, in der Jauchegrube verschwinden. Es wird dort auf keine Zukunft gewartet, sie leben vor sich hin und handeln nach dumpfsten Aktions-Reaktions- Schemata. Es gibt keine Pläne oder Strategien. Das furchtbare dabei: Der Don ist der schlimmste, er macht sich einen Spaß daraus, andere in den Schlamm zu schubsen, Nasen zu brechen und all das. Es ist eine seltsame Welt, in der nichts erfunden wird - aber ein Jungferngürtel. Einige Schwierigkeiten hatte ich mit dem Film: Er geht drei Stunden und da das Mittelmaß herrscht und es keinen großangelegten Plot gibt, also keine Ziele verfolgt werden, sehen wir über lange Zeit einfach Männern zu, wie sie ihre Nase ausschnauben und riesige Rotzballen im Gesicht kleben haben. Popeln sie, schmieren sie es anderen auf die Nase. Es ist streckenweise wirklich ernüchternd, einer so langen Zeit Dreck und Schlamm und Scheiße zuzusehen. Die Kamera soll wohl auf der Stirn des Don sein (u.a.), das heißt wir sehen viele Close-ups, viele extreme Close-ups direkt im Haar oder auf der Haut. In Gebäuden wird gewuselt und gewimmelt. Da tummeln sich kurzerhand ein halbes Dutzend Männer in einem kleinen Bildausschnitt, alle in bizarren Kostümen, jeder etwas eigenes tuend. Das wirkt oftmals ziemlich chaotisch auch wenn später gewisse Handlungsmuster der einzelnen (Holzträger, Kreischer) erkennbar sind. Es ist selten, mal zehn Meter weit schauen zu können, zu sehen wäre ja eh kaum was, durch diesen immerwährenden Nebel. Die Dialoge haben was dadaistisches. Kluge Sätze fallen selten, jeder redet frei heraus, meistens nur ein Satz, der auch mit Ausrufezeichen versehen am Bahnhofsklo gekritzelt sein könnte und sei es ein "Er hat die Gans gefickt!". Es gibt sogar einen Sprecher bei dem aber nicht wirklich herauskommt, wer er ist.

Es gibt jedoch einige zentrale Stellen im Film:
Es gibt in dieser Welt einige Männer, die doch etwas Können. Da ist Arata, The Hunchback Rebel. Er möchte den Sklaven sein Land schenken und gleichberechtigt leben. Ich glaube er ist es, der auch eine Welt will, in der die Menschen unterscheidbar sind.
Dann gibt es Budakh, den Doktor und einen Tobbako-Mann. Es wird oft von ihnen gesprochen, es wird aber nur am Rande angedeutet, also einmal erwähnt, wer sie sind und was sie wollen. Sie treten selten bis gar nicht auf. Als Arata jedoch ins Bild tritt und mit dem Don spricht kommt es zum Dialog. Der Halbgott beginnt, Arata über seine politischen Visionen auszufragen, dass der Rebell ja eine Welt ohne Sklaven wolle, aber dass das idiotisch sei, da dann ja alles von neuem anfange mit den Sklaven und den politischen Verhältnissen, dass es ein ewiger Kreislauf des immer selben sei. Don fragt ihn, was Arata denn Gott sagen würde, wenn sie miteinander sprechen würden:

Arata: Schöpfer, gib den Menschen etwas, damit sie sich voneinander unterscheiden
-Dann würden die Starken die Schwachen dominieren
-Dann würde ich sagen, bestrafe die Ungerechten, denn dann wären die Starken gerecht.
-Dann würden die Starken der Schwachen herrschen. Was noch?
-Schöpfer, blase uns von dieser Erde wie Staub oder Dreck. Oder lass uns einfach in Ruhe, lass uns so verderbt wie wir sind.

Diese Stelle ist sicher eine Bedeutende in diesem Film. Der Erdenmensch und Halbgott Don Ruata möchte die Welt in ihrem Status Quo belassen, er will keine Veränderungen und hat auch keinerlei Visionen. Er lebt in dieser Welt und begnügt sich damit, der gefürchtete Halbgott zu sein, der Beobachter, der kaum in das Geschehen eingreift. Falls nun aber etwas passiert, wenn sich Männer entwickeln, wie Arata, der die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern möchte und ein Leben, in dem nicht alle gleich sind, wiegelt Don ab. Es ist schwer ein Gott zu sein, ist seine Devise. Er nimmt den Rebellen aber ernst, mit einem geistlichen führt er eine andere Diskussion und beschließt diese mit: " Die Tatsache, dass ich mit dir rede, bedeutet nicht, dass wir ein Gespräch führen". Grotesk ist auch die kommunistische Ansicht des Wissenschaftlers, von wegen alle Menschen sollen gleich sein, die gleichen Eigenschaften haben.
Dass das keine Welt ist, die Lebenswert ist, ist eindeutig zu sehen und es ist auch zu hören von den Bewohnern, zwischen all den Sätzen, von wegen, er hat Scheiße an der Stirn mischen sich auch simple Theodizee-Fragen und Erlösungswünsche. Es zieht sich durch den ganzen Film, dass Männer in den Himmel klagen und ihr Leben eine Lüge nennen.
Der Tod ist etwas allgegenwärtiges. Leichen liegen herum oder hängen an zentralen Henkersplätzen. In Dons Augen ist die Angst vor dem Tode Häresie.



Gibt es noch etwas in den Randgebieten? Es wird vieles angedeutet und nicht ausgesprochen, wir sehen auch kaum, wie die Welt außerhalb dieses Höllenpfuhls aussieht. Es scheint einen Kinderprinzen zu geben, einen Wasserköpfigen. Körperliche Obskuritäten sind im gesamten Film vertreten, stellenweise wirkt das wie ein Freak-Zirkus im 19. Jahrhundert. Für einige Sekunden fährt etwas aus dem Nebel und verschwindet auch gleich wieder in selbigem. Es ist eine Art Panzer, der aussieht wie ein Schiff. Was es damit auf sich hat, wird nicht erläutert. Es verleitet aber zu der Vorstellung, dass irgendwo auf dieser Welt mehr los ist als in Dons.


Es wurden und werden ja einige Vergleiche zu anderen Regisseuren gezogen, fruchtbar finde ich die Gegenüberstellung zu Zulawskis: Auf dem silbernen Planeten, kann es aber nicht so ausführen, da ich den Film nicht bei mir habe und auch nicht auf das Internet oder Bücher zurückgreifen kann. Bei dem Polen war es eine ähnliche Ausgangslage: Menschen bevölkern einen anderen Planeten und werden vergessen. Nach langer Zeit kommen neue Erdlinge und erforschen den Planeten. Es hat sich eine eigene Gesellschaft gebildet, mit eigener Religion, Riten usw.
Zulawskis hatte mir besser gefallen. Die Kostüme waren ausgefallener und es ging nicht darum, Idiotien des frühen Mittelalters zu zeigen. Es war ebenfalls eine sich fern von der Erde entwickelte Gesellschaft aber eine mit Ideen und Visionen. Und das war es, was mir wirklich an Trudno byt Bogom gefehlt hat: Irgendeine Idee der Zukunft, etwas worauf der Film hinauslaufen könnte. Wahnsinn haben beide gefilmt, beide arbeiten mit Menschen in Extremsituationen und sich verausgabenden Schauspielern.



Nun, Ende.
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The woman who wanted to die
Regie: Koji Wakamatsu
Japan 1970
Darsteller: Eriko Shima, Hiroshi Yajima, Takeshi Shima

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Es ist ein seltsamer kleiner Film, den Wakamatsu da vorgelegt hat: Es beginnt in Farbe, eine Frau sitzt vor sechs Japanern in Schlüpferuniform und Hara-Kiri Band. Sie öffnet ihr Gewand und zeigt ihre Brüste. In der nächsten Szene wird das halbe Dutzend sie nacheinander besteigen, die Szenen gleichen einander wie ein Ei.
Es folgt der nächste Akt. Diesmal in Schwarz-Weiß. Ein junger Japaner versucht eine gleichaltrige innig zu lieben. Doch sie liegt da wie ein Brett. Sie ist in Agonie, eine Puppe würde sich mehr bewegen. Der Mann wird ob dieser Situation fuchsig und beginnt zu schimpfen. Er lutscht ihren Busen und sie sagt "Ich möchte nun sterben". Der drahtige Jüngling ist pikiert und verärgert. Dann wolle er auch sterben, sagt er. Ein Suizidpakt solle es werden. Doch sie schaut nur müde. In ihren Augen hat so ein Pakt keine Bedeutung.
Die junge Frau wird später geheiratet haben. Jedoch einen anderen, einen älteren Mann. Obwohl in diesem Film nur vier Personen spielen, ist die Situation verwickelt. Das frischvermählte Paar verbringt seine Flitterwochen in einem verschneiten, abgelegenen Bergdorf in Japan. Sie scheinen glücklich auf den ersten Blick. Der Mann ist während der Hochzeitsnacht aber etwas bockig und beleidigt. Er merkt, dass sie keine Jungfrau mehr ist. Das Gespräch findet während des Sex statt, er murmelt etwas von wegen, "wer weiß, welche Männer schon durch dich durch sind".
Der sitzen gelassene Jüngling hingegen schimpft sich aus bei der Hausbesitzerin. Sterben wolle er, Suizid, Suizid, Suizid wolle er. Die ältere Frau sitzt da und lacht laut auf. Sie lacht ihm hemmungslos ins Gesicht. Während er den ernsten spielt und mit dem Säbel rasselt. Das kann verletzend wirken und es stimmt, er fühlt sich nicht ernst genommen. Sie beginnt ihre Geschichte zu erzählen und es kommt heraus, das auch sie schon einmal einen Suizidpakt schloss, der schief ging. Mit dem Ehemann der Verflossenen des Jungen. Der damalige Student wollte sterben, im Doppelpack mit ihr. Erst wollte er sie erstechen, dann sich. Nachdem er es bei ihr halbherzig durchzog bekam er Angst, flüchtete und ließ die Sterbende im Schnee zurück. Das ist nun zehn Jahre her und diese Vergangenheit lastet auf beiden.

Gedreht wurde der Film 1970, der aufsehenerregende Tod Mishimas war zu dieser Zeit noch nicht lange her. Und er ist auch in diesem Film ein zentraler Punkt. Es werden immer wieder collagenhaft Zeitungsartikel und Menschenstimmen eingeblendet, die seinen spektakulären Selbstmord verkünden und analysieren. Und das, Selbstmorde und Selbstmordpakte, ist es, was den ganzen Film umweht. Es ist gleich zu Beginn, in der ersten Szene mit dem Sex des jungen Liebespaares. Er sagt "Sie sind nur weggerannt. Das ist alles". Es ist unklar, wen er meint, doch später wissen wir, worauf er Bezug nimmt.
Auffällig ist, dass es in dem Film nur die Männer sind, die einen Suizidpakt schließen wollen. Die Frauen hätten kein Problem damit, allein zu sterben. Doch die Männer brauchen ihre Liebschaft dazu. Der junge Student wirkt eh eher wie ein Mitläufer, der noch gar nicht richtig weiß, was er überhaupt will. Meint es seine Ex ernst, dann meint er es später auch total ernst und erntet doch nur Spott dafür. Es ist auch ein Generationskonflikt, der sich da wiederspiegelt. Mishima ist eher im Alter der beiden Älteren im Film, des nun Verheirateten und der Hausbesitzerin. Sie sind es auch, die es mit dem Selbstmord, aus welchen Gründen auch immer, schlussendlich ernst meinen. Die beiden Jüngeren hingegen scheinen das eher zu übernehmen, ohne sich tiefer damit auseinandergesetzt zu haben, warum sie eigentlich sterben wollen.
Ein ruhiger kleiner Film. Ein kleiner Höhepunkt sind die Schneelandschaften in der japanischen Provinz, in den Bergen. Es gibt auch Zugaufnahmen. Auf die freue ich mich in jedem Film genauso sehr wie auf Frauenbusen. Das Ende wird halbwegs überraschend sein und insgesamt ist der Film ...ordentlich.


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Mit stählerner Faust
Death Warrant

USA 1990
Regie: Deran Sarafian
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Robert Guillaume, Cynthia Gibb, Art LaFeur, Patrick KilPatrick,

Burk (Van Damme) ist ein Cop, der seinen Job ernst nimmt. Deswegen schießt er auch nicht nur einmal auf einen Freak, der sich selbst Der Sandmann nennt, sonder gleich vier oder fünfmal. " Du bist verhaftet!" ruft er dem Leichnam zu.
16 Monate in der Zukunft, Burk fliegt zu einem vertraulichen Treffen mit dem "Oberstaatsanwalt", einem Vertrauten des Gouverneurs und einer jungen Juraabsolventin. Es geht um eine geheimnisvolle Todesserie in einem Gefängnis. Die Sache soll möglichst kleingehalten werden, da bald Wahlen sind und der Gouverneur da nicht in die Bredouille geraten möchte. "Eine kleine Sache", erklären sie Burk. Er soll als Undercovercop in den Knast und die Sache aufklären. Seine Partnerin wird die junge Juristin sein. Sie ist echt scharf aber auch noch jung, deswegen ist Burk nicht so angetan von dem Vorschlag. Aber die Vorstellung, dass sie seine Ehefrau spielen soll, die ihn im Gefängnis besuchen wird, imponiert ihm. Er stellt jedoch gleich klar wer der Boss ist, im Duo. Er gibt ihr gleich den Auftrag alle "Massenmörder" zu suchen, die im Gefängnis sind.

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Im Knast trägt Burk dann Jeans, Cowboystiefel (?) und als einziger ein muskelbetonendes Shirt. Die Uniformität wird halbwegs gewahrt, da die Farbe des Shirts denen der anderen Gefängnisinsassen halbwegs ähnelt. Der Knast ist ein hartes Geschäft. Erstmal natürlich die Rassentrennung. Jede Hautfarbe ist für sich. Der Schwarze Block erinnert an die Bronx, da gibt es Hip-Hop Musik (aus dem Off) und vermutlich sogar einen Friseur. Die Typen tragen Sonnenbrillen, spielen Gitarre und ...sie kochen Schrot für "Waffen". Burk hat gleich den richtigen Gefängnisberuf. Als Reinigungskraft mit Wischmopp hat er nicht nur gleich ein gutes Kampfgerät sondern kann sich damit auch unauffällig durch den gesamten Komplex wischen.
Der Film wird dann zu einer Art Point and Click Adventure. Der Polizist fragt sich durch das ganze Gefängnis und findet seine Spuren und Hinweise. Schlüssel ist der Priester, er lebt im Untergeschoss, wo es keine Wachen gibt. Seine Zelle ist groß wie ein Bolzplatz, mit Bettlaken behangen und mit rotem indirekten Licht ausgeleuchtet, sodass es der Zelle etwas verruchtes und gefährliches verleiht. Beim Priester leben auch Transvestiten. Er lebt wie Xerxes, der Prunk ist vergleichbar mit dem "300" Film. Der Geistliche ist der heimliche König im Knast, er liefert den Transgendern Hormonpillen "aus Jersey" für Geschlechtsumwandlungen im Knast und besorgen kann er auch sonst alles. Van Damme kommt dank seiner Hilfe einer großen Verschwörung auf die Spur und dann taucht auf einmal auch wieder der SANDMANN auf!

Der Film hat schon viel Spaß bereitet. Gegen Mitte/Ende gleitet der Film ja auch ins Übernatürliche ab. Der Sandman ist ja scheinbar nicht nur ein Mensch. Der ganze Knast hat Angst vor dem, der auch wieder aus einem Hochofen kraxeln kann, die Flammen abklopft und weiterkämpft. Obwohl "Bullen im Knast schlimmer sind als Kindermörder", erntet der mittlerweile enttarnte Burk massig Respekt am Ende bei den Mitgefangenen, als er ein letztes Mal gegen den teuflischen Schurken antritt.

Warum er jetzt aber im Film war, hat sich mir nicht so richtig erschlossen. Ich denke, die Story wäre auch ohne ihn gut ausgekommen. Er wirkte ein wenig wie Freddy Krueger und ich denke, das war auch die Hauptinspiration. Als am Ende im Gefängniskeller gekämpft wird, wird das alles auch ziemlich...klaustrophobisch, wie in einem U-Boot-Thriller. An Nebenplots hat mir die die Geschichte mit der Partnerin wirklich gut gefallen. Es war die Anfangszeit der Computer und Burk hat da dieses Kürzel rausgefunden SLH, und sie dann gefragt, ob sie herausfinden könne, was das bedeutet, er kenne da jemanden, der das hacken könne (Ausgesprochen wie Fleischhacken). Dieser jemand ist ein 13-jähriger mit dicker Brille, der Star Trek liebt und Griechische Mythologie. Die Partnerin nennt ihn liebevoll "Computerfreak" und da er ja pubertiert spielen seine Hormone verrückt, wenn sie da ist.
Was mich etwas irritierte: Die Knastis sind alle ungewöhnlich offen gegenüber Van Damme: Die Schwarzen kochen Schrot in seinem Beisein, ein anderer mauschelt offen vor Van Damme und bestellt "Den Stoff" via Telefon.

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Also, was gibt es? Eine Art Freddy Krueger, Feuer, Kämpfe in Gefängniskellern, Busenmagazine, eine Verschwörung, Art LaFleur (!!!!), einen Computerfreak und einiges an Humor aber leider keinen doppelten Van Damme, den einen dafür immerhin nackt.
Dazu: Kritik an Vorschriften (2x) und Sex (natürlich bekommt Van Damm die Lady).
Besonderer Höhepunkt: Als Frischling im Knast wird Van Damme aufgefordert, anschaffen zu gehen. Van Damme als männliche Prostituierte im Knast. Ich glaube, er hat beim anschließenden würgen noch sie so wütend ausgesehen.
Ein nackter Van Damme in einem übernatürlichen Verschwörungsthriller im Knast. Wer sich da nicht die Finger leckt muss vollkommen neben der Spur sein!

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Die Klavierspielerin
AT/DE/FR/PL 2001
Regie: Michael Haneke
Darsteller: Isabelle Huppert, Annie Girardot, Benoît Magimel, Susanne Lothar, Udo Samel, Anna Sigalevitch, Georg Friedrich, Gerti Drassl, Viviane Bartsch


Eine Mutter sitzt zuhause und wartet auf ihre Tochter. Sie hatte Klavierunterricht und kommt einfach nicht heim. Inzwischen ist es dunkel und die Verspätung beträgt schon drei Stunden. Endlich klingelt es. Die Herumtreiberin kommt wohlbehalten heim. Sie hat sich sicher wieder irgendwelchen Vergnügungen hingegeben. Die Mutter weiß, dass sie recht hat, wenn sie der Tochter die Handtasche entreißt und nach Hinweisen sucht. Doch die Tochter bockt und will sie einfach nicht hergeben. Aber einmal fest gezerrt und schon hat sie die Tasche in der Hand. Und was kommt zum Vorschein? Ein neues Kleid! Ein Luderhaftes dazu! Was für eine Enttäuschung. Die Ertappte beginnt wütend zu werden und zerrt der Mutter an den Haaren, dass da richtige Löcher entstehen! Der eigenen Mutter, die ihr eigenes Leben opferte, damit aus der Tochter etwas wird! Im Gerangel wird das Kleid zerstört.

Die Tochter ist Erika (Isabelle Huppert), Klavier-Professorin am Wiener Konservatorium. Sie ist um die vierzig Jahre alt und teilt sich die Wohnung mit ihrer Mutter. Sie hat ein eigenes Zimmer mit einem Bett, doch die Nächte verbringt sie lieber im Doppelbett zusammen mit der Mama. Wenn sie ihren Nachwuchstalenten Unterricht gibt ist sie streng und unnahbar. Die Stücke ihrer Schüler, das seelenlose Hingesudel von Schubert und Schumann ist ihr zuwider. Bei einem Hauskonzert lernt sie einen jungen athletischen Mann kennen. Er wird nach ihr modernere Musik spielen von Cage und ihr schlussendlich nachstellen. Ihr Liebesleben ist auf praktischer Seite nicht wirklich ausgebildet. Es ist nicht so, dass sie keine sexuellen Vergnügungen kennt - doch der klassische Sex ist ihr so fremd wie Mörtel. Ihre Triebe befriedigt sie, indem sie in Sexkinos die Taschentücher aus den Mülleimern grabscht und beschnuppert oder im Autokino neben die Autotür pinkelt, wenn drin jemand Sex hat. Doch der Jüngling lässt nicht locker und wird sie schlussendlich verführen.
Die literarische Vorlage stammt von Jelinek. Das Haneke ihre Stücke verfilmt passt ganz gut. Mir hat vor ihren Werken oft ein wenig gegraust und die, die ich kenne die sie mögen, sind oft kühl-distanziert und .... . Der Film hat mir andererseits toll gefallen.
Was sicher auch an der Musik lag. Es wird fast ununterbrochen Klavier gespielt. Das Zusammenspiel Hupperts mit der Mutter ist auch Wahnsinn.
Pluspunkt: Die Ernsthaftigkeit.

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Der Schwarze Tiger

USA
Regie: Ted Post
Darsteller: Chuck Norris, Anne Archer, Lloyd Haynes, Dana Andrews


1973:
Chuck Norris ist John T. Booker. John T. Booker ist Kommandant eines geheimen Militärspezialkommando und er bekommt einen Auftrag von ganz oben. Er soll mit seinen Männern nach Vietnam, nach Ende des Krieges, um Gefangene CIA-Männer zu befreien. Die Truppe kommt an und muss feststellen, dass im angegebenen Lager keine Gefangenen sind, sondern nur Vietcong. Booker und seine Black Tigers töten sie selbstverständlich alle. Mit Sprengstoff, mit Karate und mit Pistolen. Doch als sie alle getötet haben kommt die nächste böse Überraschung: Niemand holt sie wieder ab! Ein Todesurteil! Wie es aussieht, wurden sie gelinkt von den Obersten Washingtons.

1978:
Booker hat überlebt und seinen Job als Militär an den Nagel gehängt. Er geht nun anderen Berufen nach. Booker ist jetzt Porschetestfahrer und Professor für Vietnamkrieg, begnadeter Ski-Fahrer und außergewöhnlicher Liebhaber. In eine seiner Stunden kommt eine geheimnisvolle Frau: Margarete. Es fällt ihr schwer, ihn zu einem Abendessen zu überreden. Er kann immerhin jede haben. Doch schlussendlich lässt er sich breitschlagen. Sie wird es nicht bereuen, er wird sie in der Nacht lieben, wie niemand zuvor.

Doch, das nur am Rande. Es gibt ja noch die Vergangenheit. Diejenigen, die mit Booker an der Mission teilnahmen, sterben nun nach und nach. Heraus bekommt das Saunders. Ein Schwarzer aus dem Politbetrieb Washingtons und Verbündeter des beliebten Tausendsassas. Saunders kauft und liest Zeitungen, bei denen die wichtigen Meldungen über Autounfälle in Texas und Vermisste in NYC schon umkringelt sind. Saunders ist alarmiert und er alarmiert Booker. Er wird der Sache zusammen mit seiner Geliebten Margarete nachgehen. Die Spur führt ihn in ein Skigebiet in der Wüste und am Ende bleibt Booker leider nichts anderes übrig, als den Mann zu ermorden, der am Tag seiner Ermordung als US-Außenminister vereidigt werden sollte.
Der Film ist verworren. Es fällt schwer, all den Strängen und Personen folgen zu können. Er ist leider auch dramaturgisch nicht so recht ausgefeilt, da werden für einige Punkte zu viel Zeit verschwendet, die so wichtig sicher nicht sind. Norris als Liebhaber sehen zu müssen ist sicher auch kein großer Pluspunkt. Mich hätten die Szenen fast heterosexuell gemacht. Viel Mitleid hatte ich mit Norris auch nicht, er ist immerhin ein Massenmörder und Kriegsverbrecher, der nach Kriegsende ungefähr 100 Vietnamesen mit Kicks tötet. Ich verstehe auch nicht die Auswahl, die er für sein Spezialkommando gewählt hat. Einer ist offensichtlich retardiert. In `Nam dachte ich noch, er hätte was auf den Kopf bekommen. Aber er kann wirklich nur sprechen wie ein Dreijähriger. Wie schafft er es in ein Geheimes Militärspezialkommando?

Weswegen lohnt sich der Film trotzdem? Da ist zum einen das Jazz-Theme, das wirklich prägnant ist und gut gelungen. Aber, und das ist das wichtigste, das ist die Kostümauswahl für Norris: Er trägt Schlaghosen zu Sakko, Sonnenbrille und Schnurrbart und rundet das mit Lederhandschuhen ab, die er fürs Porschefahren nutzt. Er ist sowohl im Schlüpfer zu sehen als auch im blauen Trainingsanzug. Er trägt Polyesterschlaghose zu brauner Kunstlederjacke, die bis zum Bauchnabel geht. Und das unfassbare, etwas, das ich noch gar nicht richtig verstanden habe: Norris fährt Ski: Mit Bommelmütze und hellblauem Einteiler. Es ist un-vor-stell-bar. Bei der Szene musste ich an die Szene mit Flanders bei den Simpsons denken, mit dem "verdammten, Sexy Flanders".
Dialog des Films: "Bist du meine Feindin Margarete? Bist du eine Art Hintermann für die Drahtzieher dieser Aktion?" Mit dieser Verhörtechnik nach einer Liebesnacht beweist er all sein Können als Profi in allen Belangen.
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PostPosted: 20.10.2014 23:02 
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Kreuzweg
D 2014
Regie: Dietrich Brüggemann
Darsteller: Lea van Acken, Franziska Weisz, Lucie Aron, Hanns Zischler, Anna Brüggemann, Florian Stetter, Birge Schade

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Die 14 jährige Maria wächst in einer religiösen Familie auf. Ihre Familie lässt sie ihre Firmung in einer katholischen Kirche vorbereiten, die das zweite Vatikanische Konzil ablehnt. Das lässt die Teenagerin zwar den richtigen Gottesweg wissen, hindert sie aber gleichzeitig daran, wirklich Anschluss zu finden in ihrer Klasse. Als sie im Sportunterricht bockt, weil Rockmusik zum Hopferlelauf schallt und sie offen die satanischen Rhythmen bloßlegt und anprangert macht sie sich vollends zum Affen. In ihrem Firmungsunterricht hört sie von christlichen Martyrern, die ihr Leben für das Gute opfern. Eine gute Idee denkt sie, so könne sie vielleicht auf Gott einwirken, damit ihr jüngster Bruder endlich zu sprechen beginnt. Auf ihrem Weg zur Ewigen Ruhe steht nur noch ein Gleichaltriger Knabe aus der Parallelklasse. Er ist auch christlich, singt im Kirchenchor Bachchoräle - aber leider auch die Bumsrhythmen des Gospel und Jazz, die offen für Sex werben. Werben tut auch er - um sie. Er liefert ihr den Stoff für ihre Beichten über unkeusche Gedanken.


Der Film heißt Kreuzweg. Kreuzweg heißt der Leidensweg Christi zum Kreuz. Es sind für ihn 14 Stationen und so sind es auch für Maria 14 Stationen zur Erlösung. Da die Zahl 14 noch nicht ausgereizt ist, sind es dann auch im ganzen Film nur 14 Kameraeinstellungen, in 13 davon ohne einen Schwenk. Es ist ein Guckloch auf eine Situation mit Maria und einer anderen Person. Ab und zu auch ein paar mehr. Der Lichtschimmer im Film ist Rebbeca und das obwohl sie Französin ist. Sie ist das Au-Pair Mädchen der Familie. Ein lebensfroher, religiöser Mensch und herzlich unverkrampft. Die anderen sind auf ihre jeweilige Art gehemmt: Die Religiösen durch ihre Religion, die Sportlehrerin weil sie nun mal einen Beruf ausübt der bar jedes Glücksgefühls ist und der 14 jährige beinahe Liebhaber weil er nun mal ein schusseliger, unbeholfener Teenager ist der versucht eine Frau klarzumachen. Er wirkt erwachsen für sein Alter aber Alltagssituationen beherrscht er trotzdem kaum.

Sehr gut gefiel mir die erste Einstellung. Das Bild wie zu Jesus`Abendmahl. In der Mitte der junge sympathische Pfarrer und um ihn herum ein paar dusselige Teenies die ins Lehre starren und stumpf ihre vorgegeben Phrasen auf Verlangen wiederholen. Der Pfarrer ist ein Social Assassin. Er erklärt den Unmündigen, dass sie Soldaten Christi seien, dass sie ihre Gleichaltrigen darauf aufmerksam machen müssen, wenn sie Satansschokolade fressen, Fickmusik hören und man beim Pinkeln keine sexuelle Lust empfinden sollte. Das sie im Krieg seien, dass der im Herzen stattfinde. Im Grunde sind es nur Phrasen und hohles Gewäsch und das war ein Punkt der mich wirklich beschämte. Um ehrlich zu sein mag ich die katholische Literatur. Jakub Deml, Jaroslav Durych, Leon Bloy und andere sind, auch durch ihre fundamental-katholische Ausrichtung wahre Meister tiefer Empfindungen. Der Pfarrer wirkt da eher wie Barbie oder Micky Maus der Schlagzeilen runterleiert.
Ein Tiefpunkt des Films ist die leidende, strenge, überbeschützerische Mutter. Sie hat ihre Rolle, sie spielt ihre Rolle. Sie ist eine lebensfremde entsagungsfreudige Staubfrau mit Schnurbartansatz. Es ist die asexuelle Frau der 50er Jahre. Leider spielt sie es auch so furchtbar unsympathisch und theaterhaft wie sie es vermutlich muss.

Insgesamt ein Film der einfach zeigt und nicht werten will aber trotzdem in jeder Sekunde didaktisch wirkt.
Mir hat der Film gut gefallen, da er zumindest vorgab halbwegs Wertungsfrei zu sein und mir die Idee, einen ganzen Spielfilm mit nur 14 Einstellungen zu drehen, zusagte.
Pluspunkt im Schlüpfer.

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 20.10.2014 23:28 
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ICH SEH ICH SEH
A 2014
Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
Susanne Wuest, Elias Schwarz, Lukas Schwarz

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Es sind Hundstage in Österreich. Während im gleichen Land an anderer Stelle munter in den Kellern gefritzelt wird, haben die Zwillinge Lukas und Elias (Lukas und Elias) eine unbeschwerte Zeit vor sich. Sie warten in ihrer Villa im Grünen auf die Mutter. Die Wartezeit über vergnügen sie sich in den Feldern, am See und in Minen.
Als die Mutter kommt ist die Überraschung groß. Sie trägt sowohl Brillenhämatom als auch Mumienkopfverbannt. Eine OP hat sie gehabt und es sieht aus als wäre Dr. Frankenstein der verantwortliche Arzt gewesen. Nicht nur sieht sie aus wie ein elendiges Scheusal - sie benimmt sich auch so. Es müssen die Medikamente sein, aber einen der beiden Zwillinge ignoriert sie einfach.Gibt ihm kein Frühstück, stänkert gegen ihn und verlangt Entschuldigungen.
Eine komische Situation für die beiden elfjährigen Knaben, sind sie doch ein Herz und eine Seele.
Der Verdacht keimt auf, dass diese Frau mit dieser Kopfverkleidung eine Fremde ist, die sich nur als Mutter ausgibt. Selbstverständlich wollen sie der Vermutung auf den Grund gehen und bohren sie anfangs nur mit Fragen.

Ja, in den Credits hier steht kein Ulrich Seidl. Seidl war auch nicht am Set, nur vielleicht zweimal. Präsent ist er trotzdem. Die Veronika ist wohl seine Frau und der Severin ist sein Neffe. Sie drehen in Österreich, sie drehen im Hochsommer. Sie zeigen den Alltag, sie zeigen den Horror. Das klingt nach Seidl und es ist schlussendlich ein genauso bedrückender Film wie jene des Aussie-Satans.
Der Film hat anfangs schon eine leichte Atmosphäre durch die beiden Knaben. Sie sind wohlgeraten, sympathisch und hübsch. Sie sind sowohl tier- als auch Rot Kreuz-lieb. Der Film wird trotzdem ein Inferno. Der Clou am Ende ist sicher nach einer Zeit vorhersehbar. Eindrückliche Stellen bleiben trotzdem. Meine liebste war jene in einer Kleinstadt. Es ist ein staubiges Standbild und eine Stadtansicht aus Kranhöhe. Auf den Straßen sind keine Autos, also könnten wir uns auch irgendwann im 19. Jahrhundert bewegen, wenn wir die Häuser sehen. Die drückende Sommerluft liegt über den Fassaden und kein Mensch rührt sich - auf einmal schreitet ein alter dicker Mann mit Akkordeon durch die Straßen und brüllt lauthals ein Lied. Die Szene wird erst Enden, wenn er aus dem Bild schreitet, es ist eine lange und archaische Szene. Ein gelungener Gegenpol zur überreichen Villa der Mutter/Moderatorin.

Ein Doppelgängerhorrorfilm der mir schlussendlich das Blut in den Adern gefriern ließ - ertränkte Katzen in Kakerlakenterrarien inklusive.

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Enemies Closer - Gefährlich nah
Kanada/USA 2013
Režie: Peter Hyams
Kamera: Peter Hyams
Hrají: Jean-Claude Van Damme, Tom Everett Scott, Orlando Jones, Kristopher Van Varenberg,Linzey Cocker, Jonas Talkington, Atanas Srebrev, Matt Medrano, Zahary Baharov

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Henry (Tom Everett Scott) ist der langweiligste US-Park Ranger der Erde. Pfadfindergleich stakst er durch die Wälder um Müll einzusammeln und mit strenger Hand konfisziert er Teenagern Dosenbier um es anschließend in der Mülltonne zu entsorgen. Mit seinem Knabenrucksack zeigt er auch Mutti-Gruppen tolle Bäume. Er zeigt drauf und er erklärt. Er ist wie eine erwachsene Peanuts-Figur. Drei Jahre soll er schon auf dieser, an Kanada grenzenden, Insel leben. Er und ein alter Zausel in einem anderen Haus, der aussieht wie der Richter aus Lucky Luke. Der Zausel kann den Knilch selbstverständlich nicht leiden. Als dann doch mal eine flotte Biene auftaucht und ihn - warum auch immer- zum Essen einlädt druckst Henry rum. Eigentlich will er nicht. Er ist um die 30, kräftig und hübsch. Egal was mit ihm in der Vergangenheit passiert ist, es muss schlimm gewesen sein, wenn er so eine Sex-Niete geworden ist. Als er sich Abends in seinem Zimmer kurz zurecht macht um das Gratisabendessen einzusacken und um dann vermutlich gleich wieder zu verschwinden, klopft es an der Tür.

Ein Schwarzer (Orlando Jones)! Verlaufen will er sich haben! Und da kommen wir auch schon zur Vergangenheit! Henry war ein SPECIAL FORCES. Im Auslandskampfeinsatz hat er gerattert und getötet. Dabei starb auch der Bruder des schwarzen Clay. Clay ist deswegen wütend und auch beleidigt. Er gibt Henry die Schuld am Tod. Und beide...es kommt nicht so richtig raus. Aber sie werden beide Wehleidig und ohne Waffen würden sie sogar weinen. Henry fängt an zu erzählen, dass er ein "Trinker" war, dass er einen Sohn habe. Und Clay ist auch traurig und murkst etwas herum, von wegen, wie stolz er auf seinen Bruder gewesen sei. Das schlimme aber ist, dass er das viel größere Wrack ist als Henry. Er bellt dann etwas von wegen " It's time to pay for your sins". Beide tanzen bewaffnet durch das Bedienstetenzimmer, das mit Bügelbrett und Diskettenbehälter gefüllt ist.

Da kommt die dritte Partie ins Spiel. Xander (Jean-Claude Van Damme)! Ein kanadischer Drogenkurier, dessen Bande 20 Kilo Heroin in den See geplumpst sind. Die wollen er und seine Crew wiederhaben. Xander ist ein veganer Bilderbuchschurke. Er scheint fast übermenschliche Fähigkeiten zu haben, so begabt ist er in allem. Er tötet ohne Waffen, da sie schlecht für die Umwelt seien. Er ritzt in Mounti-Uniform US-Polizisten die Kehle mit CDs auf und kämpft wie ein Ungeheuer. Und das mit einer Frisur die eher an die Golden Girls oder eine Mittelalterhexe erinnert. Rote, in alle Richtung stehende Haare. Der Kampf beginnt - Exzentrische, französischsprachige Drogensoldaten gegen zwei Langweiler und den Ollen.
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Gedreht von Peter Hyams, der ja unbestritten viele, viele tolle Filme gedreht hat (TimeCop, Sudden Death, Outlander). Letztens durfte er für seinen Sohn John an die Kamera für Universal Soldier. Da scheint er auch wieder Lust bekommen zu haben auf einen Actionfilm. Für den erst dritten Film nach 10 Jahren, heimste er knapp 5 Millionen Dollar ein und drehte einen Direct to Video.
Und es hat sich gelohnt. Der Film hat die klassische Länge, knapp 85 Minuten, und es kommt keine Langeweile auf. Hyams hat den Bogen raus, wie man eine Geschichte erzählt. Van Damme als exzentrischer Schurke ist Gold wert. Die Rolle ist sicher eine der besten, die er in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten hatte. Die Story ist auch solide. Die tragischste Figur im Film ist sicher Clay. Da stirbt sein Bruder, er will da irgendwie Rache nehmen und sucht sich den größten Langweiler aus. Er klopft, will ihn kalt machen und auf einmal kommt da ein Umweltbewusster Mountie und will ihn töten. Damit hat er ja überhaupt nicht gerechnet. Vom Mördertäter zum eventuellen Mordopfer zu werden! Und auch der alte Typ auf der Insel. Da muss er seine letzten Tage auf Erden doch tatsächlich mit zwei solchen Idioten verbringen.

Toller Film

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 Post subject: Re: Jungfrauenhatz
PostPosted: 26.10.2014 00:18 
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Plagio / Garasu no heya
Italien 1968/1969
Regie: Sergio Capogna
Darsteller: Ray Winstone, Mita Medici, Alain Noury

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Musik zum Film: Für`s Screenshot anschauen:
[url=http://www.youtube.com/watch?v=W8GQDr0v4jw]Johnny Davil - Morning

Peppino Gagliardi
Gustav Mahler - Die 5.

Guido - Mit Ray Lovelock (Das Leichenhaus der lebenden Toten, Eiskalte Typen auf heißen Öfen)
Angela - Mita Medici (heute Moderatorin im italienischen Fernsehen und ehemaliges Covergirl)
Massimo - Alain Noury (Sex-Power, Und Jimmy ging zum Regenbogen; Alfred Vohrer Filme und...The Story of 0 mit Udo Kier)

Dieser Film entführt uns in das zeitgenössische Italien der 68-er Unruhen. Massimo und Angela sind ein Pärchen. Sie sind hübsch und jung. Massimo wird bald seine letzte Prüfung haben und bereitet sich darauf konzentriert vor, während es um ihn herum rumort. Haarige Studentenlümmel marschieren durch die Universitätsflure und platzen sogar in seine letzte mündliche Prüfung um zu stänkern und zu protestieren. Aber wir spüren den Aufruhr auch durch dokumentarische Mitschnitte, die in den Film eingearbeitet wurden, in Sepiafarben. Prügelnde Polizisten, Vermummte Mummetäter und Feuer scheinen in Italien allgegenwärtig. Die Liebe der beiden hingegen ist in sich ruhend und ein entspannender Gegenpol.

Auf einer Straße sehen Angela und er, wie Gewalttäter auf einen jungen Protestanten einprügeln. Massimo eilt ihm zur Hilfe und sie flüchten in ihrem Auto. So stürzt Guido in ihr Leben. Er ist ein reicher Jüngling aus großem Hause. Er war das Resultat der Liebe seiner Eltern, doch die Liebe der beiden zueinander war stärker als jene zu ihrem Sohn. Sie starben sogar gemeinsam bei einem Autounfall - und ließen ihn so im Diesseits zurück. "Ich kam immer an zweiter Stelle, und sogar vom Tod haben sie mich ausgeschlossen". Er ist ein merkwürdig-entrückter junger Mann. Er beginnt sich in die Beziehung der beiden einzuarbeiten. Er schläft mit Angela - und liebt Massimo. Massimo ist nicht Bougeois genug um das zu ertragen und flüchtet Hals über Kopf. Doch Guido wird sein Ziel kurzzeitig erreichen.

Es ist ein zeitloser Film, der uns geboten wird, die fünfzig Jahre sind dem Film nicht anzumerken, er wirkt frisch und sexy. Die Geschichte selbst ist dunkel und melancholisch. Er passt auch gut zu dieser Jahreszeit, im Film werden die Bäume auch gerade bunt und blättern die Straße.
Die Rezeptionsgeschichte des Films ist merkwürdig. Während er in den USA/Europa praktisch nicht stattfindet (Bei IMDB ist er eingetragen - das war es; auf OFDB existiert er nicht; bei čsfd.cz gibt es eine Kurzkritik;) führen so ziemlich alle Pfade des Films nach Japan. Der OST wurde dort veröffentlicht, es scheint sogar einen Fanklub zu geben, zu Ehren Lovelocks. Wobei das mit dem Fanklub voll zu unterstützen ist. Sein Schauspiel in dem Film ist hinreißend. Es ist ein schmaler Grat zwischen Overacting und Paolo-Turco-Mime, er weint und zetert, doch die Zerbrechlichkeit und die, wie er findet, mangelnde Liebe von allen Seiten, ist ihm in jedem Zug anzumerken. Er hat es auch eher mit Männern. Sein Vater sei ein "feiner Kerl" gewesen, erklärt er, die "Mutter war eine moderne Frau, kaum eine liebende Mutter in dem Sinne". Er ist eine durch und durch tragische Figur. Während seine Eltern sich nun so unbedingt liebten, sieht er diese Liebe nun in den beiden wieder und versucht sich dort mit einzubringen. In Liebesdingen ist er aber auch eher untauglich. Er versucht es mit einer Prostituierten aber als sie Spitz bekommt, dass er jungfräulich ist und das Ruder in die Hand nimmt, packt er seine Sachen und verschwindet.

Die Kameraarbeit ist ebenfalls ein Kapitel für sich. Es gibt öfter innerhalb der Räume Vogelperspektiven auf das Treiben der Darsteller und es sind ganz wunderbare Aufnahmen. Ebenfalls scheint der Kameramann gerade den Close-Up für sich entdeckt zu haben und treibt es damit wirklich bunt. Es entspricht der Kamera in der "Leichenverbrenner" mit dem exzessiven Einsetzen der Froschperspektive. Interessant ist ebenfalls, dass der Braunton, der die Dokuaufnahmen färbt, auch innerhalb des Spielfilms auftaucht an bestimmten Stellen. So wird entweder die Realität fiktionalisiert oder die Story in die Realität bugsiert. Es ist ein interessanter Kniff. Am Ende des Drehs ging dem Regisseur das Geld aus, erklärte Lovelock und so blieben zum Schluss nur knapp zwölf Leute übrig, die den Film allein über die Bühne brachten. Lovelock musste sogar das Clapperboard bedienen.

Der Film zeigt das Portrait einer Generation im Umbruch - Guido, der an fehlender Mutterliebe einer "modernen" zweifelte. Dazu der Versuch, eine Partnerschaft zu Dritt aufzubauen, der ja auch nur in die Hose gehen kann. Der Film könnte gut im Doppelpack laufen mit Bolzonis "Quarta Parete", der ja ebenfalls das Bild zeigte eines reichen Sohnes, der mit der Welt und der Liebe und den sich ändernden Verhältnissen nicht zurecht kommt.
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 Post subject: Nikos Nikolaidis
PostPosted: 05.11.2014 11:40 
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Proini Peripolos/ Morning Patrol
Griechenland 1987
Regie: Nikos Nikolaidis
Darsteller: Michele Valley; Takis Spiridakis


Postapokalypse in Griechenland! Image


Eine Frau ( Michele Valley, bekannt als Mutter aus Dogtooth, Mutter in Singapore Sling, tote Mutter in The Loser Takes it all und Mutter im Kurzfilm Dust (2013)) zieht einsam durch die Straßen. Sie paraphrasiert aus Daphne du Mauries (Wenn die Gondeln Trauer Tragen, Die Vögel) Rebbeca:
Last night, I dreamed I went back to Mandele. I dreamed that I walked through the big iron garden gate...with the rusty rails ...and started walking the big alley expanding in front of me The road was now a narrow, dilapidated path Unlike the way we used to know it. The cobblestone was covered with weed ...dampness and twigs. And then, suddenly, the house appeared in front of me...and I stopped there, because that was Mandele Our own Mandele. Silent, And full of mystery, as always. With its grey stones shining in my moonlit dream When i don't sleep, and live in fear I think of Mandele without any feeling any bitterness. These images will never perish For they are memories that don't hurt. I know all this when I'm dreaming Because, like all of us I know too that I'm dreaming. One thing is certain: We can't go back The past is still too close. We no longer have secrets between us Everything is shared and I don't mean Mandele Because this place is no longer ours There is no Mandele anymore. I must continuously speak, otherwise I will die I have to continuously walk, even on the roadside, being in dager of stumbling upon the morning patrol For if I stop, I will sleep never to wake up again, like so many of us For something happened to me as I was returning home after all these years And I'm no longer the same That's all I remember. I know too that I'm dreaming


Sie monologisiert weiter (diesmal aus einem anderen Buch: Herman Rauchers Summer of 42). Sie monolgisiert und monologisiert. Dann packt sie ihr Messer aus und tötet den zweiten Menschen, den wir im Film sehen. Die Welt durch die sie sie wandelt ist eine bizarre. Menschen sehen wir nicht, doch im Grunde funktioniert alles. Die Elektrizität ist da, die Bäume grünen, die Autos fahren, die Straßen sind sauber. Es sieht aus wie ein normaler Tag - nur ohne Menschen. Die Frau wird in verschiedene Wohnhäuser einsteigen und sogar ins Kino. Dort laufen, es ist unerklärlich, Filme: Gilda (1946), The Big Combo (1955) und The Man with the golden arm (1945).
Die Filme sagen ihr offensichtlich zu, sie bequemt sich auf Sitze und schaut und vergisst das drumherum. Neben Essen nutzt sie nur die Telefone - sie nimmt den Hörer ab, sie tippt auf Zahlen, sie hört und legt wieder auf. Zumindest die Telefone scheinen nicht zu funktionieren oder es nimmt einfach niemand mehr ab. Nachdem die inzwischen zweifache Mörderin und Genickbrecherin und Messerstecherin (Wer denkt nun nicht an Ms 45., Sasori und Female Yakuza?) fast von einem Punktrio erledigt worden wäre trifft sie auf einen Mann.
Der Mann ( Takis Spirikadis aus Loafing and Camouflage, Sirens in the Aegean, Sweet Bunch) haart. Er ist eine der Wachen dieses undurchsichtigen Staats. Die Morning Patrol (heute immerhin die Goldene Morgenröte) ist eine eventuell faschistische Organisation, die Streifen durch die verlassene Stadt schickt und die Bewohner tötet. Sie fahren auch mit Panzerwagen umher und fordern, das ist lieb, die Verbliebenen auf, zu verschwinden. Warum es die Gruppe gibt, was sie für einen Auftrag hat und wofür sie steht ist nicht ersichtlich. Es bleibt ein Geheimnis.
Die Mörderin zieht nun also mit dem Wachsoldaten umher. Sie nimmt ihn gefangen und will, dass er sie aus der Stadt hinausführt, ins gelobte Land gen Westen, zum Meer. "Niemand kam bisher zurück", raunt der Mann). Vielleicht entwickelt sich sogar eine Liebesbeziehung ("Später werde ich sie misshandeln lassen", tönt er. Und doch spricht er ganz emotionslos als wolle er sie Eier kaufen gehen lassen). Die Liebesbeziehung (" I want to see how you kill") ist nicht erschwindelt. Sie helfen einander tatsächlich in eingeschränktem Maße.
Doch der Weg raus aus der Stadt ist schwierig. Es liegt etwas krankmachendes in der Luft. Der Mann erbricht und erbricht und dann sind ihnen noch die Wachen im Nacken, die ob der eigenen Todesfälle verschnupft reagieren. Die beiden ziehen eine Schneise des Todes auf dem Weg nach draußen.

I don't remember anything... Neither have I a scar that reminds me of anything. Nor photographs...Or anything forgotten in my pockets.
And the clothes I wear, must belong to somebody else.


Teuer war der Film nicht. Die Produzentin Marie-Louise Bartholomew war auch die Kostüm- und Setdesignerin. Die Special Effects kamen von Giorgis Kosmas, der sich damit seinen einzigen Eintrag in der IMDB sicherte. Die Kamera führte Dinos Katsouridis, ein Mann, der in Griechenland sehr aktiv war, neben 17 Filmen als Regisseur führte er auch bei 45 anderen die Kamera. Der Location Scout war Odysseas Lappas, Bekannt als "Gast" in Female Company (1999), TV Crew Member Nummer 2 in "Living Dangerously" (1987) und als Billiard Employee in "The City never sleeps" (1984).

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Im Film selbst hat niemand (das heißt alle beide) eine Erinnerung was überhaupt passiert ist. Wo denn alle hin sind. Und da wird es nun halbwegs interessant. Nikolaidis lässt die Frau einfach eine Vergangenheit erfinden. Sie beginnt damit den Anfang aus du Mauries Rebbeca nachzuerzählen. Der gesprochene Text fließt, sie spricht und auf einmal wechselt ihre Vergangenheit, in die des Rauchromans über den Sommer 42. Dort war sie Teil eines minderjährigen Inseltrios, dessen Hormone beginnen zu sprießen. "Benji broke his watch, Osk quit harmonica and I, in some wonderful way, lost myself". Die Parallelen zwischen dem Buch und dem Film sind ansonsten marginal aber da. In beiden verbringen sie ihre Zeit in einer Art geschichtslosen Vakuum, in dem nichts passiert. In beiden entwickeln sich unbeholfene Coming of Ages, in dem die Protagonisten ...Beziehungen aufbauen. Die Frau im Film ist auch eher eine Art Neugeborene, die erinnerungslos in die Welt geworfen wird. Wie die Teenager im Buch erlebt sie die Welt nun neu.

"As if it was somebody
else's fingers... Like the fingerst that get
sent to you by the post."




Eine andere literarische Vorlage soll Philip K. Dicks Flow my Tears, The Policeman said (Eine andere Welt) sein. Der Bezug ist schwer herzustellen. Wobei es Anknüpfungspunkte gibt. In Dicks Erzählung gerät ein Mann in eine andere Welt, in der er gezwungen ist, als identitätsloser Niemand durch die Stadt zu streifen. Dazu steht er unter der dauerhaften Beobachtung einer kontrollierenden, oberen Instanz. Er lebt den Alptraum.
Diese Geschichte wurde auch ein anderes Mal verfilmt, von Richard Kelly (Donnie Darko) als Southland Tales, mit Justin Timberlake, Dwayne "The Rock" Johnson, Sean William Scott und Sarah Michelle Gellar. Der Plot zwischen den beiden Filmen unterscheidet sich jedoch fundamental, auch wenn es einige Berührungspunkte gibt, wie die Amnesie einer der Figuren, einer anderen, die von der Umwelt nicht mehr erkannt wird und....dem Telefon. Das Telefon spielt in Morning Patrol eine kleinere Rolle. Die Frau versucht öfters zu telefonieren und andere zu erreichen. Sie schafft es nicht. Dem Mann, der Wache, gelingt es, er kennt ja noch einige Personen. An einem der Telefonate kommt es zu einer interessanten Parallelmontage. Er hebt den Hörer ab und es klingelt im nebenher laufenden Film. Der Mann im Film nimmt den Hörer ab und es startet ein Dialog, der genau aufeinander abgestimmt ist. Beide Filme spielen auch ihrerseits ältere Filme aus dem Jahr 1955 ab.
Der Film hat auch einige Bezüge zur Bibel, der tote Vater kann als ein toter Gott gelesen werden, die sieben Engel (...) kommen vor, und ein erlösender Marsch zum Meer (Moses). Doch neben den schweren Themen gibt es auch ein bisschen Super Mario, da es in einigen verfallenen Hallen Todesfallen gibt wie in Bowsers Todesburgen.

Also was ist es? Es ist eine Geschichte der Entfremdung, sie ist in einem ihr fremden Land ohne Erinnerung an ein Gestern. Beherrscht wird der Ort durch eine fremde, totalitäre Organisation, die sie von dort weg haben möchte undoder gleich ganz töten will. In diesem enggesteckten geographischen Raum herrschen lediglich Finsternis und Ödnis. Dass der Regisseur, der drei Jahre später Singapore Sling drehen sollte, ihre Erinnerungen auffüllt durch die Erinnerungen fremder fiktiver Figuren ist interessant. Im Grunde ist es ja Faulheit aber ich habe es so noch nicht erlebt. Dass sie zitiert liegt nicht auf der Hand, sie erwähnt ja nicht, woraus sie liest. Die Erinnerungen die sie vorgibt, gibt sie als die eigenen aus. Es sollen auch Bezüge zu Raymond Chandler enthalten sein, die konnte ich jedoch nicht ausfindig machen. Insgesamt kann ich nicht sagen, dass mir der Film wirklich gefallen hat. Dass er günstig produziert ist, ist ihm anzusehen und gleichzeitig selbstverständlich völlig egal.
Die Kamera fand ich auf Dauer zwar solide aber, und das schließt es ja mit ein, spröde und durchschnittlich. Die Einstellungen haben sich meistens, mir kam es so vor, strikt nach Lehrbuch, wiederholt. Spielraum hatte die Kamera dann in größeren Gebäuden, wo dann auch mal aus der Vogelperspektive gefilmt werden konnte, was den Rest zumindest etwas auflockerte.
Dass der Film durch die literarischen Bezüge und diese etwas aufgesetzten (oder zu stark reingelesenen) Bibelverweise prätentiöse Tendenzen hat ist nachvollziehbar. Es passiert nicht viel im Film, sie spaziert alleine durch die Stadt, sie spazieren gemeinsam durch die Stadt. Sie morden, sie wollen raus. Am ehesten kann ich mir tatsächlich vorstellen, dass sie in einer Art Dick`schen Parallelwelt gefangen waren und das die Welt durch die sie wandelten, keine tatsächliche war sondern eher eine Art Limbus.

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 Post subject: Zirneklis
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Zirneklis
Litauen 1991
Regisseur: Vasili Mass
Drehbuch: Vladimir Kaijaks
Darsteller:
Romualds Ancans, Aurelija Anuzhite, Saulius Balandis(Der junge Mann -der 13 Jahre später mit Vienui vieni aufsehen erregen sollte, einer litauischen Abrechnung mit den Sowjets der Nachkriegszeit. In der IMDB neben Filmen wie Steaven Seagals/Steve Austins Maximum Conviction) und Liubomiras Lauciavicius (Mann mit Hals mit dem er Kartoffelsäcke schlucken könnte. Der Vergewaltigungsfantast ist dem westlichen Publikum bezeichnenderweise noch durch Idi i smotri bekannt.


Der Toxic Anger vögelt Alice im Wunderlander
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"Unbewusste sexuelle Verlangen sind den Gefühlen der Angst verpflichtet" S. Freud

Der Film spielt im Litauen des Jahres 1991. Das Land wurde gerade unabhängig vom großen buckligen Bruder. Zu gleicher Zeit dreht Sharunas Bartas seine ersten Filme über die Transformationszeit.
In Zirneklis landet der Zuschauer in einer litauischen Stadt. Es wird sicher gleich Vilnius sein. Dort geht die junge Vita(Aurelija Anuzhite) auf eine religiöse Schule. Sie ist bildhübsch, deswegen kommt der Pfarrer auch auf die Idee, sie als die heilige Jungfrau Maria malen zu lassen. Einen Maler kennt er Gottseidank, es ist der Albert (Liubomiras Lauciavicius - "Komm und sieh") . Das Albert und der Pfarrer ein gespanntes Verhältnis zueinander haben kann als Euphemismus gesehen werden. Die beiden unterhalten sich und Albert fragt, welche das denn nun sein soll, die da gemalt werden solle. Der Pfarrer rollt die Augen, zeigt auf eine Gruppe junger Frauen und sagt: "Na, welche schon?". Vita sticht wirklich heraus. Auch junge Männer bandeln mit ihr an, wollen Abends "Tische" in "Bars" reservieren. Doch leider behält der Pfarrer sie im Hause, sie soll Bibelbilder gucken. Sie macht aber lieber ihre Fingernägel.Das Früchtchen. Typisch! Kaum soll eine Frau dem Manne Bucharbeit erledigen, macht die sich hübsch!

Nachdem der Pakt zwischen Pfarrer und Maler beschlossen ist, betritt Vita sein Atelier. Es ist ein wunderlicher Ort, gelinde gesagt. Die Wände zieren Hieronymus Bosch Gemälde, so groß wie eine Straßenbahn. Und vielleicht spielt ihr da ihre Fantasie einen Streich, aber die Bilder leben. Die Szenen im Atelier sind morbide. Sie ist schön, der Maler ein Biest. Sie Jungfrau - er Ungeheuer. Eine romantische Liebesgeschichte entspinnt sich da trotzdem nicht. Er ist da dieses langhaarige Ungetüm, der gekleidet ist wie ein Swamp Thing Pirat und er hat auch einige psychopathische Züge an sich. Ihre Fantasie spielt ihr ein Streich und neben Spinnenkämpfen kommt sie in die Situation als Jungfrau Maria mit einer fetten nackten Frau, die Seetang auf dem Kopf hat, zu ringen. Selbstverständlich sieht Vita zu, dass sie Land gewinnt und flüchtet vor Spinnen-Albert nach Hause.

Sie kommt aus betuchtem Hause, in der Wohnung läuft Opernmusik und an ihrer Tür hängt eine gehäkelte Decke. Einen Vater scheint es nicht mehr zu geben. Es sind Mutter und Tochter und das Band das sie eint, ist eng.
Leider lässt Albert auch in ihrer Wohnung nicht von ihr ab, als Spinne verkleidet dringt er in ihr Innerstes, liebkost sie und sext sie. Die traumwandlerische Vita schreit und weint. Die aufgeregte Mutter ruft daraufhin den Pfarrer. Sie weiß ja nicht, dass er auch seine Finger im Spiel hat. Aber selbst ihm wird die Sache zu heiß. Er merkt, dass mit Albert irgendwas nicht stimmt, deswegen beschließen sie, beschließt der Mann, sie zur Tante aufs Land zu schicken. Und dort beginnt der zweite Teil des Films. Während sie im ersten Part in der litauischen Stadtwüste lebt und die Vorzüge der Modernität (Straßenbahn, Walkman) genießt, kommt sie nun in die Natur. Sie kommt vom christlichen Bildungshaushalt und Mehrfamilienhauswohnung mit alleinerziehender Mutter auf eine ehemalige Ritterburg mit einem Geflecht von Handwerkern als Familie. Statt Zug wird dort die Kutsche benutzt. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Und es ist eine lohnenswerte Reise. Es wird sie ihr Cousin Yuris (Saulius Balandis) abholen. Yuris ist nicht nur begabt als Handwerker sondern auch ein begnadeter Pferdekenner und - und das ist ebenso wichtig - er ist so schön wie sympathisch. Das er ein miserabler Schattenspieler ist, fällt da kaum noch ins Gewicht. Doch Albert lässt sich nicht abschütteln - er reist ihr hinterher und fordert, was ihm zusteht.


Vita hat ja Phantasie. Beim Kunstbanddurchblättern beim Pfarrer sieht sie schöne Bilder und denkt sich sofort herein, wie sie in leichten, weißen Gewändern durch blühende Rosensträucherbüsche schwebt. Der Film handelt vom sexuellen Erwachen einer Pubertierenden. Dabei kommen natürlich viele Werke in den Sinn, sei es, wie Nöding andeutete, Valerie a týden divů; In beiden werden sie von einer unbekannten, störrischen, religiösen Kraft begehrt. Oder andere Filme, wie Breillats Une vraie jeune fille. Das jedoch in Verbindung zu Kulissen, die den spröden Ostblock Charme von Sharunas Bartas verströmen. Das flügge werden ist in heterosexuellen Filmen wirklich sehenswert. Auch bei den Männern, wenn etwa Paolo Turco in Une belle Novembre seine Tante erst beschläft um sie anschließend zu verprügeln. Oder wenn in Louis Malles Herzflimmern der Knabensohn mit seiner eigenen Mutter ins Bett geht. Es ist schade, dass die homosexuellen Coming-out Filme meist so langweilig sind wie...Bollywood. Aber zurück zum Film: Beim entpuppen zur Frau durchläuft sie neben den offensichtlich verwirrten Fantasien (Spinnensex) auch andere Wirrungen, wenn sie nackt das eigene Spiegelbild liebkost kommt sogar Narciss ins Spiel.



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Was für eine Familie ist es, in die sie kommt?
Ersteinmal das Anwesen: Wir haben es auf dem straßenbahngroßen Bosch-Gemälde gesehen. Die Kamera schwenkt umher durch all die Finsternis und im Bild, umgeben von der Todeshölle, sehen wir die Burg in einem lichten Fleck. Es ist der Leuchtturm des Lichts dort. Das einzige Grün. Kommt sie also in eine Art Himmel?
Nein!
Da ist die Tante Magda. Sie freut sich ehrlich, ihre Nichte zu sehen, doch ihre Laune verschlechtert sich während des Films. Selbstverständlich wird sie nackt mit Vita im Dampfbad sein und sie massieren. Doch, dass ihr Mann Aivar ("Willst du ins Dampfbad, Vita?") nicht die Finger von Vita lassen kann und sie bei Gesprächen öfter berühert, ist ihr sichtlich unangenehm. Das dann auch noch ihr Sohn mit seiner Cousine, Vita, schläft, macht die Sache nicht besser. Doch als die Probleme überhand nehmen und der Gruselmann deutlicher in Erscheinung tritt ruft sie nicht ihre Schwester an sondern den Pfarrer. Männer sind der Dreh und Angelpunkt in dem Film. Sie entscheiden alles.
Ich denke, es ist kein Wunder, dass Magda so pampig wird, Vita ist schlussendlich eher ein Eindringling, der das ganze beschauliche Mittelaltergefüge durcheinander bringt und sich gerne in einen zarten Hauch von Nichts hüllt.

Kommen wir zurück zu den Männern. Das in dem Film eine gewisse Patriarchalität vorhanden ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Sie entscheiden, wie gesagt, jede Situation. Es ist auch nicht die Mutter, die den Landaufenthalt beschließt, sondern ein Arzt, der auf die Idee des Pfarrers hin handelt. Auch der langhaarige Toxic Avenger sieht die junge Frau nur als Lustobjekt um seine grauenerregende Rübe zu versenken. Er sieht sie als sein Eigentum. Es wird im ganzen Film nicht besser. Es ist nicht Vita, die über ihre Sexualität entscheiden wird, sondern der Pfarrer und der Maler in einem infernialischen Kampf im Dampfbad, sie wird einfach...aufgeteilt. Spannend war eine Stelle im Film: "He was bitten by She-Spider. Bite of She-Spider ist dangerous." Bedeutet es das sie ihn verführt? Ist sie der üble Part im Geschlechterkampf? So lässt es sich herauslesen. Die Spinne, ich habe es vielleicht nicht erwähnt, ist der Maler und das Sexuelle. Sie taucht immer auf.
Genau wie der Pfarrer.Der Pfarrer mit dem Guckrohr. Der Pfarrer im Faustkampf. Der Pfarrer den Maler engagierend. Warum tut er es? Ist er naiv? Ist er ein Trottel? Das Albert mit den Mächten der Finsternis im Bunde steht, sieht jeder Idiot! Die Kostümbildnerin gab Albert für den Film einen einzigen Pullover (schwarz). Er ist eine Art Dr. Jeckyll and Mr. Hyde. Nur ohne Jeckyll. Als Mensch ist er immer furchteinflössend.

Abschließend:
Es ist, als würde der Film die Hardcoreelemente aus einer Pornoadaption eben jenes Filmes einarbeiten. Vitas träumerische Bumswut ist unfassbar: Sieht sie den Chefhenker (Paradjanov??), mit dem sie nicht, auf keinen Fall, sprechen soll, weil er ein durchtriebener Molch ist, stellt sie sich sofort vor, wie er sie von hinten nimmt. Klar: "Sprich nicht mit ihm - ficken ist besser". Die Sexstellen sind einfach unfassbar. Albert verwandelt sich in dieses dampfende, kunstnebelumrankte Oktopus-spinnen-sumpf-Megaungeheuer. Er ist so groß wie ein Büro und aus seinem Flechtenkörper kommen unfassbare Sumpftentakeln, bereit zum penetrieren. Und was macht Vita? Sie geht auf die Knie und streckt ihm den Hintern zu! Und das so oft! Ich war ja ein wenig scharf auf Yuris. Er ist echt sexy. Aber die einzige, die die ganze Zeit nackt ist und vögelt ist seine Cousine. Ihn sehen wir nur einmal oberkörperfrei, kurz vorm schnackseln. Aber das ist eine verschämte Szene, wo die Kamera sich schnell wegdreht.


Wie sind die Kulissen?
Der Film ist aus dem Litauen der frühen neunziger. Der Film ist eher günstig. Die Spinnwebenmassen sind....aufgesprüht. Manche Kulissen wirken eher wie in einer italienischen Piratendisko. Es gibt jedoch ein faszinierend dreckiges Aquarium, das aussieht als würde es nur noch beleuchtete Schlacke enthalten.
Doch dann: Neben all den Frauenbusen, die minütlich zu sehen sind, in allen Positionen, gibt es einen schier nicht zu glaubenden Gore-Anteil. Es sind italienische Gore-Effekte der alten Schule. Mit Menschenkadavern die sich im Zeitraffer auflösen und anfangen zu blubbern und zu zischen.. Bizarr wird es, wenn der Spinnenblob sie in der Hündchenstellung nehmen will. Sie ist beleuchtet wie eine Heilige. Das Licht kommt vom Bettboden aus. Die Kamera benutzt auch viel Weichzeichner, der dem Film einen ganz eigenen Anstrich gibt. Wenn Vitas süßer Knabenhintern in diesem Blick verarztet wird, wirkt es wie aus Reich und Schön.

Insgesamt ein spannender Film. Also eine Mischung aus Troma, Porno, und slawischem Märchenfilm.



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Finnland/Dänemark 2013
Drehort: San Francisco
Regie: Susanna Helke
Darsteller: James Temple, Tyler Johnson, Sandy Temple

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Ein Zug fährt in eine Stadt. Aus dem Off spricht ein junger Mann. Er erzählt, dass er mit seinem Freund nun in die große Stadt San Francisco ziehen werde. Ins gelobte Land, die schwulste Stadt der Welt. Sonderlich gelobt wirkt es nicht, der Zuschauer wird die nächsten Minuten gezwungen sein, einer wackeligen Taschenlampe zu folgen, die hektisch durch das Unterholz rast. Sie stoppt nur zusammen mit dem ausführenden Arm, als der Knabe und dessen Begleiter die Polizei sehen und hören. Sie erstarren und *schhhhhhh*èn sich zu. Die Polizei scheint ihnen nicht wohlgesonnen und das ohne sie zu kennen. Was ist da nur los? Die beiden geben sich als wären sie mexikanische Einwanderer an der texanischen Grenze? Wozu verstecken sich zwei in der Stadt neu ankommende Hellhäutige im Gebüsch vor der Polizei? Gefragt - geantwortet: Sie sind obdachlos und die Hecke ist ihr Zuhause. Der Film gibt sich als Dokumentation aus. Es ist jedoch nicht die ZDF-Historiendoku mit nachgeahmten Zwischensequenzen fragwürdiger Schauspieler in geschmacklosen Kostümen. Es ist aufgebaut wie ein Spielfilm: fiktionalisierte Fakten und andersrum. So wie sie. Die beiden, James und Tyler sind ein Pärchen. Ein junges obdachloses Liebespärchen. Sie erzählen aus dem Off von ihrer Vergangenheit, wie sie dahin kamen wo sie nun sind. Der Vater, erzählt James oder Tyler, habe ihn als achtjährigen zur Jagd genommen und einen Truthahn geschossen. Der Truthahn überlebte und flatterte mit dem Leben kämpfend. Dem sensiblen Knaben war das, so die ältere Version desselben , zuviel.
Wir werden den beiden durch die Straßen folgen. Wie sie in Parks mit Farbigen rumhängen mit so illustren Namen wie Skyy und Angel. Sie reden auch kurz über Zukünfte, wie gerne sie Tierarzt wären, aber im Grunde stecken sie in ihrer Vergangenheit fest. Sie stellen fest, nie eine wirkliche Chance gehabt zu haben wegen aller möglicher Missstände und sei es, als der Vater dem ihm nun verschwulten Sohn mit der Bibel auf den Kopf dotzte Der Film steht in einer Tradition von Filmen, die der Schüren- Verlag vor einigen Jahren bündelte. Die Motive der Filme sind die gleichen. Randständige aus Amerika, mit Wendy und Lucy sogar Obdachlose. Mit Jonathan Caouettes Tarnation die unaufgearbeitete Vergangenheit. Viele der Filme sind ja so kanonisiert und im allgemeinen Gedächtnis verankert, dass ich da auch kein Wort mehr zu verlieren brauche und komme wieder auf diesen zu sprechen:

Pluspunkte sind die Drehorte. Es ist das Amerika der Unterschicht. Die Klimaanlagen laufen laut, zum Frühstück wird Cola aus der Dose getrunken. Die Einrichtungen sind so uramerikanisch wie möglich. Jedesmal wenn ich eine dieser Wohnungen betrat, war es mir als würde ich in einen teppichbödigen, dunkelholzvertäfelten Alptraum geraten. Toll auch: Einer der beiden hat gegähnt: Es ist so selten zu sehen im Film Schade: Wenn die beiden Trauriges erzählen, läuft im Hintergrund melancholische Klaviermusik. Das ist eine Unverschämtheit. Dann der Aufbau: Sie kommen an in SF, sie leben als Obdachlose, sie bewerben sich als Schuhverkäufer und erzählen über ihre Vergangenheiten.Auf einmal sitzt Tylor oder James im Knast wegen Kindesmissbrauch. Als 18 jähriger mit einem 16 jährigen. Das Gesetzt ist verquer genug, ihn dafür bestrafen zu wollen. Der Gerichtsprozess, das lamentieren über Anwälte, das Wehklagen über verfehlte Urteile nimmt die ganze zweite Hälfte des Filmes ein und ich fragte mich lange, wann das denn nun passiert? Aber es muss die Vorgeschichte gewesen sein. Es war zumindest anstrengend, dem Plot (ihrer wahren Lebensgeschichte), nach der Obdachlosigkeit, dass heißt vor der Obdachlosigkeit adäquat folgen zu können.

Einer Dokumentation die als Spielfilm aufgebaut ist und deren Verlauf man eine Hälfte nur schwer folgen kann klingt nicht so aufregend. Der Film ist sicher sehr gut für homosexuelle Filmfestivals. Ansonsten nicht der typische Erwerb für die Heimkinosammlung.

Das bemühtere Review, mit Interview mit der Regisseurin und der Erwähnung von Missständen.

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Koridorius
Litauen 1995
Regie: Sharunas Bartas
Darsteller: Katerina Golubeva, Sharunas Bartas, Daiva Ksivickiene, Mantvydas Janeliunas, Viacheslav Amirhanian

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Was kann man über einen Film erzählen, in dem nicht gesprochen wird?
Ein Film dessen Inhalt ein litauisches Mehrfamilienhaus des Jahres 1994 ist, dessen Ankerpunkt der Korridor ist. In dem Männer traurig in die Kamera starren? Der Film wurde in Schwarz-Weiß gedreht und ein Bezugspunkt ist Bela Tarr. Beide einen kaum bewegliche Kamera und das sind lange Einstellungen. Beide sind aus dem schwarzen Fleck hinter dem Eisernen Vorhang und dadurch schon einander näher stehend als etwa einem Bresson. Sieht man ihre Filme kommen einem unwillkürlich Schriftsteller wie Andrzej Stasiuk und Andruchowytsch in den Sinn. Doch Bartas geht einen Schritt weiter als Tarr. Es gibt keinen Plot und kein gesprochenes Wort. Der Film schwebt im erzählerischen Nichts. Womit doch wieder Bresson näher wäre, der in Filmen wie Lancelot du Lac einfach am Plot und an sämtlichen Geschehen vorbeifilmte. Auch Bartas wird in Koridorius öfter die Kamera auf Nahaufnahmen von Händen lassen. Es ist schwer diesen Film nachzuvollziehen. Litauen ist kein Land, über dessen Geschichte man in Schulen Klausuren schreibt. Litauen hat das Memelland. Nach 1945 zogen viele Vertriebene deutsche Kinder aus Preußen in diese Landstriche und nennen sich heute, die Heimatsprache vergessen, Wolfskinder. Stasiuk schrieb mal, dass in diesen osteuropäischen Ländern jedes Land im Schatten stünde eines anderen. Polen im Schatten Deutschlands, die Slowakei im Schatten Tschechiens und Ungarn im Schatten Österreichs und der Türkei. Unabhängig wurden sie, wie die anderen, 1990, das Verhältnis zu den Russen ist ein scheußlich und das war es auch. Der Korridor im Haus ist verfallen und sieht unwohnlich aus. Sieht man ihn und sieht man das Haus, sieht man das Haus und die Menschen sind die ausgemalten Welten wieder jene verlassenen, staubigen, musealen Welten eines Bruno Schulz und, aktueller wieder Stasiuk. Das Interieur wirkt wie aus dem Roman: "Hinter der Blechwand". Alles ist abgenutzt und wiederbenutzt, vermutlich aus anderen Teilen der Welt irgendwie dort gelandet und am Ende der Verwertungskette. Das Haus ist verwittert wie die Gesichter der Menschen. Die Wein- und Schnapsflaschen die sie trinken, sehen älter aus als der ewige Kaiser Franz Joseph.

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Es sind drei Menschen die am ehesten Leitmotiven (rhrhr) entsprechen. Ein älterer Mann, ein mittlerer und ein junger. Nun meine Beichte: Ich habe mir die verfügbaren Kritiken zu dem Film im Internet angeschaut, alle fünf. Es ist interessant: Jeder erzählt etwas anderes und sieht etwas anderes. Während der eine eine Demonstration mit litauischer Flagge sah, sah ich eine mit russischer Flagge (Es ist S/W und unentscheidbar), während dem einen ein Mädchen in die Pfütze geschubst wurde, war es mir ein Mädchen. Während einer nur einen einzelnen Tageslauf zu erkennen mag, zweifle ich an dieser Version, da neben Schnee auch die gleichen Landschaften in einer anderen Jahreszeit zu sehen sind.

Was ich aber dankbar aufnehme, was sicher auch stimmt, da ich mir den Film nun dreimal angeschaut habe und es tatsächlich Anhaltspunkte gibt: Der Film ist nicht linear. Das Kind das wir sehen, wird später der junge Erwachsene sein. Das Kind ist wie auch die Kinder in Trys Dienos . Ein Rabauke: Ein Weinsäufer, Pyromane und Halbwilder. Sein späteres Ich ein lethargisches, kaum noch menschenähnliches Gespenst. Das jüngere Ich wird geographische Karten lernen - ein leichterer Hinweis auf tatsächliche Wiedererzählung der litauischen Geschichte. Es wird in den meisten Reviews erwähnt, die Anhaltspunkte sind aber zumindest schwer sichtbar. Geschichte ist zumindest vorhanden. Litauen war ein Land das später als die meisten anderen europäischen Länder das Heidentum ausgetrieben bekam. Nachdem es im Mittelalter mit Polen zu Blüte kam, zerhackten Preußen und Russen das Land im 18. Jahrhundert. Seitdem kam es kaum zur Ruhe. Allein im 20. Jahrhundert hat Vilnius knapp zehn mal die Staatlichkeit gewechselt. Der Film ist im guten Sinne poetisch - das Gewehr mit dem der Knabe einen Vogel töten wird, nutzt sein Vater später, indem er dessen Lauf als Blasinstrument benutzt. Es sieht selbstmörderisch aus. Der Vater zumindest hat Bücher in seiner Wohnung. Es ist nicht, dass sie benutzt werden aber ihre Anwesenheit spricht dafür, dass sie es einmal wurden. Die Geschichte Litauens: Es sind diese Demonstrationen zu sehen, eventuell sind es dokumentarische Aufnahmen. Es ist ein großer Platz zu sehen, zu verschiedenen Jahreszeiten, an einigen Stellen sieht es aus wie eine Demonstration - mit Kerzen, Lautsprechern und Sirenen. In anderen sind es Stellen, in denen sich die Menschen einfach am Feuer wärmen. Die Szenen am großen Platz jedoch wirken ähnlich wie die entsprechenden Platzszenen in Bela Tarrs: Werckmeister Harmoniak. Eine schöne Stelle: Wir sehen immer wieder das Gesicht einer mittelalten Frau. Nie den Körper. Später wird eine gichtgeplagte Liliputanerhand über einen tierhautbezogenen Tisch streichen - es ist ihre Hand, den Körperrest sehen wir erst ganz am Ende. Die Schwermut im Film ist unübersehbar. Da nicht gesprochen wird, ist auch nicht zu sehen, welche Nationen sich in dem Gebäude tummeln. Neben den Litauern sind es aber zumindest die Roma - sie sorgen für die Feiern im Gebäude. Die schnurrbärtigen Familienvorsteher tanzen oberkörperfrei und reiben ihre haarigen Kugelbäuche an Frauen. Die Frauen sind teilweise fett, während sie mit abgehärmten Männern tanzen. Sie saufen bis zum Umfallen - aber sie helfen einander auch wieder auf. Es muss der berüchtigte Suktinis Schnaps sein, den sie trinken. "Der Drehende", ein Schnaps, der dir nach ein paar Runden den Boden unter den Füßen wegzieht.
Es ist kein Film, der empfehlbar ist. 80 Minuten lang werden Männer bedeutungsschwanger aus Fenstern starren. Ältere, größere heranwachsende werden jüngere, kleinere drangsalieren, wie es Russland mit Litauen tat. Einem Kind zusehen zu müssen, wie es Schraubenabfälle auf dem heimischen abgewetzten Boden nutzen muss, um etwas zum Spielen zu haben ist eher traurig. Da nichts gesprochen wird, die Personen keinerlei Wandlungen durchlaufen und auch nichts passiert, ist es schwer, etwas daraus zu ziehen. Das ist wiederum ein großer Pluspunkt. So poetisch es ist, so sehr geht dem Film das Didaktische ab.
Also: Schauen!

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PostPosted: 04.12.2014 01:20 
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Final Impact
USA 1992
Regie: Steven Smoke/ Joseph Merhi
Drehbuch: Steven Smoke
Darsteller: Lorenzo Lamas, Kathleen Kinmont, Michael Worth, Gary Daniels, Mimi Lesseos, Art Camacho, Mike Toney, Ian Jacklin, Kathrin Middleton
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Nick "Nicky" Tailor (Lorenzo Lamas - Bekannt aus Reich & Schön, Snake Eater 3, Desert Force) ist Ex-Weltchampion im Kickboxen. Leider verlor er den letzten Kampf gegen den superfiesen Jeff Langton (Jake Gerrard - Nebenrollen in so ziemlich jedem coolen Hollywoodfilm der 80er und 90er: Road House, Stirb langsam 2, Rocky 5, Rambo 3). Seitdem ist er ein versoffener, schmieriger Italo-Gringo im Texaner-Outfit. Neben jeder seiner Weltmeistertrophäen steht eine Puddel Schnaps. Aber er ist noch erfolgreich. Er hat einen Klub mit Kampfring und eine Matte für schlammcatchende Frauen. Eine wunderschöne Frau hat er auch noch an seiner Seite. Also ganz schlecht geht es ihm selbst nicht - nur seiner Leber.

Doch sein Leben ändert sich, als der so schöne wie junge Danny Davies (Michael Worth, ich lasse imdb.com sprechen: Following in the footsteps of other successful writer/director/actors such as Clint Eastwood, Woody Allen and John Cassavetes, Michael continues to act, write screenplays and direct films. Spending many years living on a ranch, he had a pet rooster named "Sonny" who would walk around his house and follow him around the ranch like a dog. Earned a black belt in Tang Soo Do Karate under former Chuck Norris master Joey Escobar.) in sein Leben tritt. Er kommt aus der Provinz und hat seinen Oberkörper - leider jedoch nie die Waden - trainiert. Nun kommt er in den Klub und will sich von Nick Nicky Tailor trainieren lassen, denn er will Weltchampion werden. Doch er ist nicht so aalglatt, wie er aussieht. Er hat auch Probleme: Kaum zieht er sein T-Shirt aus, strecken sich ihm wildfremde Frauen entgegen und prügeln ihm ihre Zunge in den Rachen. Doch...nun...es ist nicht seine größte Freude, die Sexualität mit Frauen (man merkt es ihm einfach an, der Schauspieler ist auch heute noch nicht verheiratet). Er runzelt die Stirn und schubst sie mit seinem Herkuleskörper einfach weg um sich mit den Männern im Ring zu messen.
Ja, er beweist sich im Ring. Er kämpft unter den Augen seines künftigen Trainers in diesem Klub. Rechts zwei tanzende...Prostituierte. In der Mitte Männer in Unterhemden die auf den Ring starren, blöken und anfeuern und überall und immerzu Saxophonmusik. Die Kulisse sieht so schäbig und billig aus, dass es nicht wundern würde, wenn da auf einmal Modern Talking aufspielen würde. Ja, der Rest der Story,....den kennt ihr aus all den anderen Filmen. Der versoffene Alkoholiker trainiert den jungen Homosexuellen und der will dann Weltchampion werden. Wird er auch. Das ist auch kein Spoiler, das ist ein Axiom.
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Der Film ist schon solide: Bevor der Ex-Champ eingeblendet wird sehen wir erstmal eine Trophäe von ihm: Signal: Er ist ein Könner. Zweite Einstellung: Ne Puddel Schnaps. Die Meinung des Zuschauers revidiert sich etwas: Er war mal ein Könner. Also Profisport macht der damit nicht mehr. Und dann der Typ: Danny oder Stevie oder Jimmy. jedenfalls: 3 Tage Bart, auch auf der Brust, Lederweste ohne was drunter ( Er hat nicht mal was drunter, wenn er eine Jeansjacke trägt) und eine Frisur die in Margarine getunkt wurde. Aber klar mit dem Alkohol. Er ist kein Weltmeister mehr sondern nur noch Klubbetreiber in dem sich arme Mädchen Nackt durch Schlammmatten ringen müssen. Er denkt oft an den Kampf zurück, wie er gegen den fiesen Scheißkerl mit dem Schlafzimmerblick verlor. Die Atmosphäre bei dem Kampf war wirklich skurril, weil alle Zuschauer gleich aussahen, Latino-Amerikaner im weißen Unterhemd. Es war als wäre es Copy&Paste. Jedenfalls der Kampf ist Jahre vorbei. Er schwelgt noch in der Vergangenheit und nun kommt der schöne junge Amerikaner wie ein Gottesgeschenk. Er setzt jetzt seine ganze Hoffnung in Danny. Der Knabe tut ihm echt gut. Er macht wegen ihm sogar wieder Karate-Yoga in seinen Camouflage-Leggins.

Auch seine Frau ist froh, dass er endlich wieder ein Ziel hat. Das Problem an der ganzen Sache ist eigentlich nur Danny. Der Schüler ist einfach nicht gut genug. Als Nicky dem Danny erstmal ein Nein entgegen schludert auf die Trainingsanfrage hin, senkt der sofort den Kopf und will wieder gehen. Dann war`s das für ihn halt mit dem WM-Titel. Da muss ihn Danny erst wieder zurückrufen und aufbauen. Und das unter Kampfsportlern, jeder hat gemerkt, dass es ein spielerisches NEIN ist, wie auf einem Basar! Danny ist ein ängstlicher Duckmäuser. Und so einer will Weltchampion werden. Außerdem sind seine Probleme mit der Sexualität wirklich eklatant. Wäre ja alles kein Problem: Aber irgendetwas stimmt mit seiner Deckung nicht: In nahezu jedem Kampf boxt ihm der Gegner einfach immer schnurstracks in die Fresse. Er versucht das überhaupt nicht abzuwehren. Sogar der Punchingball ist ein richtiger Gegner für ihn, weil er ihm nach jedem Schlag zurück ins Gesicht schnippst! Dann die Beine: Wie ein Storch! Dabei strengt er sich ja echt an: Man sieht es immer an seinen Gesichtszügen. Immer völlig entgleist. Wie Grundschüler, die Schreiben lernen und dabei die Zunge raushängen lassen.
Das nächste Problem: Er ist ein wenig Begriffsstutzig. Wenn er etwas Neues lernen soll, ist er erstmal beleidigt. Wenn er was "Neues" lernt, kommt sogar gefährliche Musik als wäre der Super Mario in der Bowser-Höhle. Es spricht wirklich alles dagegen, dass er ein Gewinner wird. Er lässt sich ja sogar am Getränkeautomat von fetten Vietnamesen verdreschen, die sich wie Schildkröten bewegen! Da muss erst der ehemalige Weltmeister eingreifen damit die Situation nicht entgleist und die ihn wegen 30 Cent Wechselgeld umbringen.

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Der Endkampf und damit auch gleich das ganze Turnier ist in Las Vegas. Das heißt, man kann viel trinken und spielen. Die Frau vom Trainer verschwindet dann bald, weil der Trainer seinen Lümmel in eine Prostituierte steckt. Die Prostituierte wird dann auch seine Freundin und wacht dann am Totenbett des Trainers, als er stirbt. Ich habe es nicht richtig verstanden. Die Frau vom Trainer wollte stattdessen den Lümmel vom Schüler Danny. Aber der vermutlich lieber den vom Trainer. Es war etwas verworren. Da kam ganz viel Beziehungsschmu zusammen. Auf einmal weinte sogar die Trainerfrau in die Muskelschultern des Schülers. Ein richtiger Heulkrampf! Der Knabe musste ihr ja dann im Gegenzug auch die Schultern tätscheln -ohne es zu wollen!

Dann die Kämpfe: Sie sind ein wenig albern: Sie machen sogar Handstände und Saltos während der Kämpfe. Das sieht, gelinde gesagt, ungewöhnlich aus. Der Endgegner und Superkämpfer macht sogar eine Arschbombe von den Seilen. Der Endgegner ist eh ne Nummer für sich. Er war es damals, der den Trainer vom Thron stieß, weswegen er zum schweren Alkoholiker wurde. Der Bösewicht und Superkämpfer ist eher die Karikatur eines miesen Kämpfers. Völlig überzeichnet. Wie auch sein fetter, zigarrenschmauchender Ukraino-Trainer. Bei einem Kampf legt sich der Widerling sogar die Beine seines Gegners so zurecht, dass er ihm Dauerkopfnußstöße in die Lenden gibt. Rein mit dem Kopf und raus. Rein und Raus. Rein und Raus. Anderen Männern, wie einem eher rundlichen älteren Herren in Radlerhose, rammt er die ganze Zeit sein Becken in dessen Gesicht und bringt ihn so zum K.o.
Die große Frage des Films: Was ist es für ein Turnier, wo sich der kommende Weltchampion vor dem Finale noch Parkplatzkämpfe mit Alkoholikern liefert?
Insgesamt: Wer Saxophon-Musik, schlecht ausgeleuchtete Innenstudio-Restaurantfakes und ölige Körper liebt sollte den Film sehen. Es gibt auch Kampfgeräusche. Bei Roundkicks klingt es als würde eine Peitsche knallen. Wer interessiert sich schon für das Gefühlsleben von Spitzensportlern außer vielleicht Elfriede Jelinek, als sie sie in einer Hochseilbahn durch ein Feuer durch die Luftschachtritzen schmelzen ließ. Die letzte Stunde ist echt dröge mit dem Weinen und dem Beziehungszeug. Eine Stunde ist echt viel bei einem 90-Minüter. Aber für mich hat die Figur des Schülers einiges wett gemacht. Er ist echt sexy.


10/10

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PostPosted: 06.12.2014 17:15 
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Street Crimes aka Street Impact
USA 1992
Regie: Stephen Smoke
Darsteller: Dennis Farina, Michael Worth, Max Gail, George Nicholas, James T. Morris, Patricia Zehentmayr
Musik: John Gonzales
Kamera: Richard Pepin

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Der Polizei-Neuling Tony Carter (Michael Worth - Final Impact) sucht nach einem neuen Auto. Er lässt sich von einem Verkäufer beschwatzen, der sein Handwerk versteht. Er lässt ihm keine Chance, dass Auto nicht zu kaufen. Würde da nicht diese Kleinigkeit passieren, dass drei Gangster in den Laden kommen und ihn und den anderen Autoverkäufer erschießt, müsste Tony das Auto tatsächlich mitnehmen. Doch es kommt anders. Tony kann sich grade so vor den Räubern retten und bricht immerhin einem der drei Gangster das Genick. Das Gespött am nächsten Tag unter den anderen Polizisten ist groß. Von wegen, er will ein Auto kaufen und gerät da in diesen schiefgegangenen Raubüberfall.
Es war aber auch eine lächerliche Situation. Der Killer versucht aus dem Autohaus zu fliehen aber die Tür ist schon mit einem Gartenlaubenschloss verschlossen und er gerät ein wenig in Panik. Sein Gesicht verzieht sich, als müsste er gerade eine Sturzgeburt in einem steckengebliebenen Fahrstuhl beobachten.


Der Jüngling Tony ist Polizist. Seinen Partner lernen wir kennen, indem erst auf ein fettiges Teiggebäck geblendet wird. Das hebt sich und landet im Mund eines schnauzbärtigen Mannes, der ein wenig aussieht, wie ein rundlicher George Clooney. Es ist Brian O`Neil (Dennis Farina-Crime Story, Miami Vice, Schnappt Shorty, ihn kennt jeder). Er ist wirklich sympathisch. Er neckt den Knaben und trägt eine Sportjacke mit einem Großen "B", da er später mit einer Kappe der Chicago Bears zu sehen ist, wird das einfach sein Lieblingssportverein sein. Interessant bei ihm ist das Fast Food, das ein wenig wie ein Fetisch wirkt, da es oft im Close-up eingeblendet wird, wie er es gerade verschlingt. In öffentlichen Restaurants steckt er seinen Finger in Ketchupflaschen und lutscht mit einer Hand den Ketchup mit der anderen schüttet er ihn auf den Teller. Tony schaut nur angeekelt und sagt ihm, dass das ungesund wäre.
Wie ist die Beziehung zwischen den beiden? Der ältere isst und trägt eine Sportjacke. Tony steht mit ihm am Stand und trinkt Milch aus dem Tetrapack. Er lacht nicht, schaut sich immer um, ob irgendwo Arbeit ist. Später erklärt er, wie wichtig er Selbstdisziplin findet. Der andere ist aber trotzdem cool. Er steht drüber und versucht sich zu arrangieren und frotzelt ihn ein wenig. Immerhin trägt der Bub auch Ballonhosen! Tony hat ein bisschen was von Steven Seagal. Während Seagal 16-jährigen die Handgelenke bricht, weil sie Dosen auf Grünflächen werfen, bricht er Straßengangstern gleich die Knie und, nachdem er es knacken hört, gleich noch die Elle dazu. Als es zu einer brenzligen Situation kommt und er seine Waffe verstauen will, passt sie einfach nicht in seine Workouthose und er muss sie sich zwischen die Beine klemmen, als er grade verhaftet. Sogar die Kleinkriminellen spotten über ihn. Besonders gemein wird es unter den drei Kollegen, als sie ihm einen Ladyboy aufschwatzen. Er sieht aus wie eine Frau, also bringt Tony sie heim und die anderen lachen, betrunken wie sie sind in der Bar, sich einen Ast.


Aber das ist ja alles nicht der Film. Was gibt es noch außer dem Coming of eines etwas steifen Jünglings? Der Film heißt ja immerhin Street Wars. Aber, abgesehen von den drei Leichen am Anfang, die nie wieder eine Rolle spielen werden, passiert erstaunlich wenig. Es gibt diese Asia-Gang, die andere Typen verdrischt. Das war es. Aber durch das mangelnde Selbstwertgefühl kommt es zu einer Situation. Ein Gangster, Jimmy, ist sauer, weil er gefasst wird und will sich Abends mit Tony im Ring prügeln. Als Revanche. Und der geht auch noch hin, weil er keinem Kampf aus dem Weg geht! Also, es gibt diesen Kampf, Tony gewinnt selbstverständlich und freundet sich mit dem anderen an. Die Kampfabende werden dann regelmäßig. Polizisten gegen Gangmitglieder. Die Kämpfe sind meistens fair. Es gibt viele Besucher aus der Nachbarschaft und die Polizisten können Vertrauen aufbauen. Es bleibt nicht so locker. Denn da gibt es noch den Drogengangster Gerardo (James T. Morris - seine letzte Filmrolle, was schade ist. Denn er spielt Fiesling toll). Tony und er wuchsen zusammen auf und retteten einander öfter das Leben.
Leider ist Gerardo echt angepisst, weil die Polizei und die Gang nun Kumpels sind und die ganze Nachbarschaft gut zusammenlebt. Er fürchtet um seine Geschäfte. Und es stimmt. "It`s getting a neighborhood again". Die Rivalen bauen gemeinsam das Jugendzentrum wieder auf, Schwarze spielen mit Asiaten und Weißen zusammen Schach (Zu Dritt). Jimmy und Tony schieben gemeinsam Tischtennisplatten umher. er trägt dann auch immer mal Kappen mit "Detektiv" Aufdruck. Da kann man keine Drogen verkaufen, in so einem Umfeld!
Ein Kampf ist immerhin gegen eine offensichtlich gedopte Todeskampfmaschine. Er ist wie Ivan Drago (Dolph Lundgren) in Rocky IV. Einfach unbesiegbar. Der Polizist kickt ihm dreimal mit vollem Anlauf in die Fresse und der lächelt einfach nur. Das ist ja nicht normal. Im Film gibt es auch keine Bosse oder Chefs weder bei der Polizei noch bei den Gangmembers. Das ist alles auf einer - der unteren - Ebene. Das sich die Männer untereinander Abends prügeln schert keinen der Chefs. Die Frage wieso alle Polizisten im Departement Kickboxen können steht allerdings im Raum. Die Verzahnung zwischen Lokaler Polizei und den Gangstern ist vorbildlich.

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Lasst uns den Film zusammenfassen: Tony ist ein Polizist der anderen das Genick bricht, der Nachts Crack von 12-jährigen Mädchen kauft, aus Mitleid, sich mit asiatischen Gangstern zum Kampf trifft und blinde Kollegentöchter ausführt. Er findet, dass Leute ohne Selbstkontrolle Versager sind. "Meine Mutter war eine Versagerin. Mein Vater war ein Versager" sagt er. Du rennst doch vor dir selbst weg, antwortet sein besoffener Kollege. Das sind emotionale Abgründe, die kaum in so einen Film passen. Er ist Waise, seine Eltern sind tot. Er nennt sie Versager und trainiert deswegen Liegestützen nur mit Daumen.

Aber was wäre Kickboxen und Polizeiberuf ohne Liebe? Der ältere Kollege hat eine blinde Tochter,Susan (Patricia Zehentmayr). Tony steht auf sie und will sie ausführen. Auf einen Kammermusikabend. Sie reagiert echt grantig: "Treat me like a woman" sagt sie. Die Familienkonstellation ist aber seltsam. So cool und smart Brian sonst ist. Bei seiner Tochter ist er "überfürsorglich". Die Frau und Mutter starb vor einigen Jahren, seither ist er alleinerziehend. Bei einem Abend zu dritt: Susan, Brian und Tony, geht es um Schuld. Als der gekaufte Kuchen runterfällt, kippt die gesellige Stimmung. Der Vater geht wortlos rein und holt Putzlappen die anderen beiden beteuern jeweils ihre Schuld. An Spaß oder Sex ist an dem Abend nicht mehr zu denken. Jeder hat schlechte Laune wegen des 2 Dollar Kuchens. Jeder sucht Schuldigkeiten und Missmut wegen einer Lappalie. Als hätten sie auf so ein ruinöses Ereignis nur gewartet! Es ist wie in einem 50-Jahre Heimatfilm, indem im Hintergrund immer die Entbehrung und die Lustfeindlichkeit steht.

Der Film hat auch einen aktuellen Zeitbezug: Er spielt im los Angeles des jahres 1992.In diesem Jahr sah sich die Polizei wegen des Fales RODNEY KING einigen Rassismusvorwürfen ausgesetzt, es gab in der ganzen Stadt Unruhen. In dem Film, wird darauf reagiert. Er spielt immerhin im gleichen Jahr in der gleichen Stadt Da spricht ein weißer Polizist vor Schwarzen Jugendlichen über coole Polizeiarbeit. Die Zuhörer sind wenig begeistert. Fragestunde mit Schülern. "Prügelst du dich im Job?" Ja, aber heutzutage muss man wegen Kameras aufpassen. "hahaha", nur der Polizist schmunzelt. Er ist wie Larry David. Die Zuhörer sind echt sauer auf ihn und sie brüllen sich gegenseitig an. Neue Polizisten wird er an dem Abend nicht mehr geworben haben. Aber was für ein Film, wo Schwarze noch "Happy" heißen dürfen.


Der Film ist gut gemacht. Das Team hatte auch Erfahrung. Im Selben Jahr entstand ja auch Final Impact mit den gleichen Leuten hinter der Kamera und Michael Worth als Hauptdarsteller. Es waren seine ersten beiden Filme. Auch vor der Kamera gibt es einige Nebendarstellerüberschneidungen. Wie den Vietnamesen in Final Impact, der am Getränkeautomat im Unterhemd rumlungert. In dem Film ist er im schwarzen Ledermantel im Kaufhaus zu sehen. Der Film hat kein wirkliches Problem. Die Gangster sind recht lieb und die Polizisten sind auch keine Schurken. Die größten Missstände sind, dass 12 jährige Crack verkaufen müssen und es einen Pädophiliefall gibt. Der wird aber nicht ermittelt. Die Beiden sehen ein Ehepaar im Auto sitzen und schauen rein und fragen ob alles okay ist. Der Mann sagt *ja. Doch dann sieht Brian das Bild eines Mädchens. Er reißt die Tür auf, boxt dem Kerl in die Fresse, verhaftet ihn und presst ihm ne Knarre an die Halsschlagader, dann rennt er wie ein Derwisch zum nahe gelegenen Hotel, reißt eine Tür auf und wirft den anwesenden Typen durch das Fenster. Es stellt sich raus, dass der aus dem Fenster geflogene sich die Tochter des Ehepaars zum Sex mietete. Wie Brian das erkannte, habe ich immer noch nicht verstanden.
Was schade ist, ist dass Tony so unsympathisch ist. Er ist kaum 20 aber schon verbittert und tief im Sport verhaftet. Ich hoffe, die Blinde tut ihm später gut. Die Kämpfe waren ziemlich gut gemacht. Es gab sogar einen Kampf zwischen Lesbierinnen. (Die aber eher aussahen wie die Deutsche in Dr. Evils Büro in Austin Powers).


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 Post subject: Krvavý román
PostPosted: 07.12.2014 22:09 
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Krvavý román [Blutiger Roman]
Regie, Drehbuch, Kamera: Jaroslav Brabec
Literarische Vorlage: Josef Váchal
Musik: Jiří Šust
Darsteller: Rudolf Hrušínský jr., Barbora Hrzánová, Veronika Freimanová, Jitka Asterová, Raoul Schránil, Jakub Saic, Vladimír Marek, Josef Kemr,

BLASMUSIK AUF HONOLULU
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Die 1993 entstandene Verfilmung des pulpigen "Der blutige Roman" des Dämonologen und Holzschnitters Josef Vachal, vermengt Blutfontänen-Kannibalismus mit Stummfilmelementen

Es sind viele Geschichten, die sich in diesem Film ineinander verspinnen. Es beginnt mit dem Schriftsteller Josef Váchal, der am Grabe seiner 1922 verstorbenen Frau Marie Vachalová Blumen ablegt. Er geht mit seinem Hund heim in seine Schreibstufe und beginnt zu schreiben. Wir rutschen in der Fiktionalität eine Stufe nach unten und sind nun in seinem Roman beim Grafen Petro von Rudiban in Barcelona. Das ehemals S/W ist nun in gelb getränkt. In Stummfilmtexttafeln erfahren wir, dass die Tochter des Grafen schon seit zehn Jahren vermisse. Seine Geliebte, Elzevira, streicht ihm liebevoll durch das schüttere Haar. Doch drüber streichen wird sie nie mehr. Des Grafen eifersüchtiger Bruder, Kurt kommt gerade aus dem Exil und hackt, aus Eifersucht, Elzeviras Finger ab. Alle zehn! Blutfontänen durchspritzen das ganze Anwesen und die Beteiligten fallen in Ohnmacht!

Die Geschichte spinnt sich weiter, in Grün erfahren wir die Geschichte einer Frau, deren Mutter vor zehn Jahren starb. Ein fescher junger Mann kommt angetänzelt. Eine Art Hölderlin -weibisch, naiv und kindisch. Die fröhliche Musik schaukelt sich hoch, die Freude ist groß. Doch dann - der Schuß - der Bub fällt getroffen und tot zu Boden. So Häuft sich Geschichte auf Geschichte. Der fette Mönch Bruno der Menschenfleisch mampft in der örtlichen Pathologie. Der widerliche Katholikenpriester, der peitschend Feuer spuckt, die so tote wie nackte Schwester Agatha, die in blubbernden Leichenbottichen vor sich hinfault, Männer in Bären- und Frauenkostümen. Während die Leichenverbrennerin säuft und ihr Mann auf einem Entbindungsstuhl sitzt und Kunden frisst. Die Geschichten springen zwischen den Farben, zwischen Stumm- und Tonfilm. Zwischen Barcelona und Honolulu, zwischen Piratenschiff und Böhmerwald. Zwischen Massenmord und Riesenphallus.
Die fiktiven Geschichten springen am Ende auf das Leben des Schreibers Josef Váchals über. Die Fiktion frisst die Fiktion.
Was hat es mit diesem Film auf sich? Geschrieben wurde die literarische Vorlage von dem Schriftsteller, Dämonologen, Antikatholiken, Künstler und Hungerleiters Váchal im Jahre 1923. Das Buch taucht in den Standardliteraturwerken über tschechische Literatur, etwa Schamschula, nicht auf. Das ist ein mittlerer Witz, denn Váchal ist im Gegensatz zu anderen noch immer Bekannt und hat, auch aktuell, eine Ausstellung in Prag. Sein 20 Kilo-Buch über den Böhmerwald wird noch heute wieder aufgelegt in kleineren Auflagen (und geringerer Kiloanzahl).


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Der Film kann am ehesten mit jenen Guy Maddins verglichen werden. Er drehte im gleichen Jahr Lawinen über Tölzbad. Beide Regisseure eint das Interesse am Stummfilm und frühem Tonfilm, an Kitsch und Skurrilitäten, wenn die kräftigen Sklaven die Windsegel pusten, ist es wie in Maddins Stummfilmhommages. Der Film Brabec`und auch das Buch Váchals orientierten sich am Pulp. An Detektivromanen, an Ali Baba und Old Shatterhand, an Banalitäten und Kitsch. Damit steht er einem anderen Tschechen Nahe - Oldřich Lipsky, der in seinen Filmen wie Limonaden Joe oder Adela hat noch nicht genachtmahlt, ebenfalls Amerikanischen Pulp mit tschechischen Eigenheiten vermischte.

Diese tschechischen Eigenheiten verdienen es auch hervorgehoben zu werden: In dem Film kommt unbestreitbar die große tschechische Lust am Theater zum Vorschein. Die Kostümierungen, die Kulissendesigns, das Schauspiel. Das Artifizielle. Wenn man sich anschaut, was Tschechien seit Jahren und Jahrzehnten auf die Bühnen der Welt bringt, ist das wenig erstaunlich. Auch wenn der Bezug klar auf dem expressionistischen frühen Stummfilm liegt.
Der Film ist unfassbar und grenzenlos. Es schwebt zwischen Theaterkulisse und Holzschnittbühnen. Ana- und Prolepsen lassen es nicht zu, die Geschichte, die Geschichten, sofort zu fixieren und zu verstehen. Es gibt keinerlei Endgültigkeit. Wer stirbt lebt bald schon wieder. Der Film ist ein Traum -damit schließt sich auch ein Kreis zum Protorealisten Deml, mit dem Váchal zusammenarbeitete (und der pikanterweise Katholik war). Es ist ein Flickenteppich aus nackten Muskelmatrosen, Religion und Satanismus. Dass der Film nun die Zeit imitiert in der das Buch entstand, die zwanziger Jahre, ist ein interessanter Rückgriff, da damit auch die Zeit zum Ausdruck kommt, in der Váchal das Buch schrieb und wie er sich vielleicht selbst eine Verfilmung vorgestellt hätte. Die Tschechen waren zu dieser Zeit - die frühen Zwanziger- stark mit ihrer Nationalitätenfindung beschäftigt, mit dem Aufbau ihrer eigenen Nation. Das Interesse an neuen Kunstformen, am Kino auch, war überwältigend. Ausgelutscht seht ihr es ja auch bei [Kafka].

Das Symbolhafte ist ein überdrehter Witz, so expressionistisch und hyperbolisch wie Möglich. Erscheint der Kauz stirbt jemand, stirbt jemand fliegt ein riesiger Holzschmetterling vorbei und - selbstverständlich - erwacht bald darauf wieder. Es ist wie in einem Pokemon-Spiel. Nur der Märchenhafte Dreisatz fehlt.
...Ende des Aufzählens.

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USA/Hong Kong 1998
Regie: Hark Tsui
Drehbuch: Steven De Souza
Kamera: Arthur Wong
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Rob Schneider, Lela Rochon, Paul Sorvino, Glen Chin, Michael Wong, Dennis Chan, Leslie Cheung, Peter Nelson, Mars, Mathew Tang

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Hong Kong 1997. Der historische Moment ist gekommen, Großbritannien gibt die Staatshoheit an China. Es gibt einen riesigen Festakt, zu dem sogar hohe US-Delegierte erwartet werden. Doch Hong Kong sind nicht nur Luftballons und hohe Politik. Hong Kong ist auch Markenpiraterie. In diese ist Marcus Ray (Jean Claude Van Damme) verwickelt. Ray ist und war eine Waise, die von einer Hong Kong Familie adoptiert wurde. Die Familie sind Geschäftsmänner, jedoch keine Ehrenwerten. Sie haben Dreck am Stecken. Doch das macht Marcus Ray nichts, denn auch er ist Illegalität nicht gänzlich abgeneigt. Nachdem er wohl einige Zeit wegen seiner Schurkereien im Gefängnis saß, wollte er nun endlich sauber werden und begann mit Tommy Hendricks (Rob Schneider) ins Bekleidungsgeschäft einzusteigen.
Zusammen vertreiben sie V6 Markenjeans und nehmen an illegalen Rikscharennen gegen Zwergenwüchsige und Lesbierinnen teil. Ray ist eigentlich ein feiner Kerl. Er lässt sich sogar von seinem Kumpel mit einem Aal auspeitschen. Ray fasst Tommy im Gegenzug immerzu an. Egal welche Situation, Ray hat dem Tommy die Arme um die Schultern gelegt, krault den Rücken, spielt mit ihm kämpfen und was sonst so möglich ist Tommy im Gegenzug redet in einem Unterlass, er ist hyperaktiv. Sie müssen sich gegenseitig sehr nerven. Dass sie sich zeitweise nerven, ist in einem Restaurant zu merken.Ray/Van Damme trägt ein buntes Hawaiihemdplagiat (Tausend Dollar laut Tomy), Ray bewegt sich und es reißt ein wegen seiner unfassbar großen Muskeln. Tommy wird wütend zeigt drauf, nennt den Preis. Ray dreht sich und es reißt weiter ein. Tommy glaubt langsam an Absicht und wird richtig wütend, er hat ja keine Muskeln, er weiß nicht, wie das ist. Aber Ray konnte ja nichts dafür. Er lächelt, und haut seine Hand auf den Tisch. Er haut seine Hand nicht auf den Tisch sondern auf ein volles Wasserglas das auf Tommy stürzt.
Tommy kann sich nicht mehr zurückhalten. Er brüllt Ray vor der ganzen Belegschaft an, richtige Gossensprache benutzt er. Alle starren die beiden an. Eine peinliche Situation für Ray. Er entschuldigt sich wortreich. Tommy geht aufs Klosett (Um das Wasser abzuwaschen). Dort passiert etwas, dass Ray dazu bringen wird, Tommy kurzerhand vom Dach stoßen zu wollen! Seinen einzigen Freund. Er hat keine Skrupel, seinen einzigen Freund mir nichts dir nichts einfach umzubringen. Sie scheinen sich ja auch noch nicht soo lange zu kennen, vielleicht 2-3 Jahre, seit sie zusammenarbeiten. Es spricht nicht für viele andere Freundschaften der beiden. Wenig verwunderlich.

Aber das ist ja nicht der Film. Wen interessiert Van Damme als halbseidener Geschäftsmann? Ich sage die Wahrheit: Diese Welt ist eine furchtbare. Apokalypsenstimmung herrscht. Im Grunde ist die Welt am Arsch, wie in den Bronx Warriors. Denn es gibt eine neue Superminibombe. Kann man in Puppenköpfen verstecken, in Schuhen, in Telefonen, in Busen, in Jeans. Stellt euch eine Welt vor, in der in jeder Jeans potentiell eine Megabombe steckt? Das geht ja soweit, dass Van Damme nur noch im Schlüpfer Computer-High-Tech Arbeit erledigt. Denn es gibt diese Verschwörung. 100 Millionen Dollar pro Monat an die Sprengmeister, ohne das Geld: BUUUUM.
Das Problem für Ray ist: Jeder spielt ein doppeltes Spiel, alle außer Ray. Jeder hat am Ende eine andere Position als seine ursprüngliche. Nur Ray bleibt Ray.
Er hat aber Geltungsbewusstsein. Als er hört, dass sein Buddy für den CIA arbeitet, erklärt er das freiheraus jedem, den er gerade verprügelt. Denn wenn sein Kumpel dort ist, ist auch er im Grunde Geheimdienstmitarbeiter und Verschwöungsaufdecker. Ray arbeitet mit dem CIA Boss per Du. Dr. CIA zeigt ihm Videoaufnahmen. Er, der vor ein paar Stunden noch Pumma-Schuhe verkaufte, ist nun voll involviert, ein IM. Und das obwohl er eigentlich in den Knast sollte wieder, wegen Markenfälschung. Er kontrolliert sogar CIA Mitarbeiter, ob sie gültige CIA Mitgliedsausweise haben. Woher nimmt er die Befähigung? Das Selbstvertrauen?
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Der Film ist schon sehr aufregend. Der Fokus liegt auf Van Damme als halbseidener Geschäftsmann, der krummen Dingern nicht abgeneigt ist aber trotzdem total viel Ehre besitzt. Er schäkert viel, versteht sich mit den meisten hat aber trotzdem nicht so viele soziale Kontakte. Er lacht aber auch viel, fährt einen Sportwagen und als es dann hart auf hart kommt und die Welt in einem Grünfeuerinferno unterzugehen stellt er sich dem drohenden Fiasko entgegen und bringt mit seinen Fäusten die kommunistische Totalverschwörung (Immerhin ist auch der CIA verwickelt) entgegen und schlägt die verruchtesten Typen des ganzen Sonnensystems.
Der Film selbst ist sehr hektisch. Es beginnt mit Kampftauchern, Grünen Explosionen, Russischen Geheimagenten und kämpfen. es wird oft gekämpft - nie geknutscht.

Dazu die Kamera. Die habe ich noch gar nicht verarbeiten können. Musste den Film ja zwei Mal anschauen, weil ich nicht verstanden habe, was da auf dem Bildschirm vor sich geht. Die Kamera ist oft sehr nah, schwankt viel hin und her, und macht irre Sachen wie elektronische Leitungen in Telefonen nachfolgen, in Schuhe zoomen, Splitscreens, Zeitlupe, Fast Forward usw. usf. Da werden alle Mittel angewendet, die sogar Bresson zu ungewöhnlich gewesen wären. Höhepunkte gibt es viele. Als das Bild eines fetten, nach Luft schnappenden Hongkong-Gangsters überblendet wird auf einen Karpfen. Als Van Damme wie ein Spinnenmensch Pfeiler hochklettert, die gar nicht hochgeklettert werden können. Wen Van Damme das CIA-Hauptquartier betritt. Es liegt in einem Buddha-Touristentempel. Man muss über ein Do Not Cross Absperrband steigen und schon ist man drin im Headquarter. Die Verschwörungspowerpoint. Mit russischem Geheimagent in jüdisch-orthodoxer Kleidung mit Zauberstab, der die Arme hochreißt als Amerika explodiert. Der Russe, der immerzu hustet, wenn er eingeblendet wird - sein Markenzeichen. All die Zigarren. Das Zoomen in Schuhe. Das...Zoomen in Schuhe und das in die Schuhe zoomen.
Ein bizarrer Film.


Ein Freund: Knock Off = 1,5 Stunden lachen

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Die Nacht aus Blei
Deutschland 1984
Regie: Peter Weigl
Kamera: Jaroslav Kučera
Lit. Vorlage: Hans Henny Jahnn
Musik: Hans-Jürgen von Bose
Darsteller: Lubomir Kafka, Michael Biehn, Magda Vášáryová

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Ich verlasse dich jetzt. Du musst alleine weitergehen. Du sollst diese Stadt, die du nicht kennst, erforschen.

Matthieu stürzt in Matrosenuniform durch eine Lagertür. Es ist dunkel und ihm folgt eine Rotte Todespiraten mit Säbeln und Ketten, die ihn aufknüpfen wollen. Im Gegenschnitt ist Helligkeit. Fluchtlinien weisen auf ein gemaltes Schiff am Horizont. Männer und Frauen stehen in Paaren, geben sich die Hand, umarmen sich. Ihr Bild ist eingefroren, sie bewegen sich nicht. Falls das Matthieus Schiff war hat er den Stillstand gegen eine Tracht Prügel getauscht. Die Kamera geht wieder zu Matthieu ins Dunkel. Die Banditen erdolchen ihn und er reist durch den Himmel in die Szenerie des Gegenschnitts. Er ist am Schiffimitat und reist weiter in die Dunkelheit. Ein Engel lässt ihn frei und er wandelt allein durch eine verfallene Welt, ein Sündenpfuhl homosexueller Erotik. Durch Türschlitze sieht er das Abendmahl. In andere Schlitze bohrt er seine glitschigen Finger.
Die Welt die er betritt ist ein Jenseits-Puff ohne Regeln.
Beim tänzeln durch den ehemaligen Schlachthof entdeckt er erst Eselchen (Michael Biehn, der im gleichen Jahr in Terminator und kurz später Alien mitspielte). Eselchen steht ihm über. Er lacht den verschreckten Matthieu aus und führt ihn zu Elvira ( Magda Vášáryová aus Vögel, Narren und Waisen und Marketa Lazarova), die Puffmutter des Traums. Eine geschminkte Marilyn Monroe. Matthieus Traumreise führt ihn zu Bodybuildern, seinem Spiegelbild und einem allerlei an Gefahren.

Wo kein Plot ist muss ich mich auch nicht so lang daran aufhalten. Hans Henny Jahnns Novelle: Die Nacht aus Blei ist einer meiner Lieblingstexte. Ein Werk, das Rainer Niehoff in seiner Habilitationsschrift zu Jahnn zu der Aussage anmaßte, dass Jahnn ein Stück Literatur schafft, "dem an Dunkelheit und Schwärze weder in seinem eigenen Œuvre noch in der Literaturgeschichte überhaupt ein zweites ähnlich ist; ein Überbietungsprojekt der Klaustrophobien Poe`s, der schwarzen Landschaften Kubins; düsterer noch als Batailles nahestverwandte Erzählung "Madame Edwarda" und insbesondere als die Parabeln und Romane Kafkas, auf die im Text nicht nur zahlreiche Allusionen verweisen (...)".
Und nun glotzt auf die bunten Screenshots

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Der tschechische Regisseur Petr Weigl schuf daraus zusammen mit dem Komponisten Hans-Jürgen von Bose ein Ballettstück, dessen Hauptaugenmerk auf der Musik von Böses liegt. Die Nacht aus Blei wird darin sehr frei interpretiert. Dass in der Nacht Tageslicht zu sehen ist, ist in Ordnung, dass das Bühnenbild in den Prager Schlachthöfen und den Barrandov Studios hochartifiziell ist, ist naheliegend. Das kaum gesprochen wird, nur Eselchen (Biehn) wird sprechen, ist ein toller Kniff bei einer Literaturverfilmung. Dass das ganze aber von einem Darsteller getragen wird (Kafka) der offensichtlich Balletttänzer ist (sein einziger Eintrag in seiner Filmografie), dem es, das ist gemein, an Ausstrahlung fehlt, ist tragisch. Er ist unfähig darzustellen. Biehn ist für seine Rolle auch merkwürdig offensiv gewesen.

Sie werden die Ihnen geläufige Wirklichkeit in dieser Stadt kaum antreffen;- als sonderbare, verkommene Ausnahme vielleicht - oder gar nicht.

Während des Sehens habe ich mir gedacht, dass niemand sollte seine Lieblingsnovelle als Ballettstück sehen müssen sollte, aus Die Blinde Eule hat auch niemand ein Musical gemacht. Die Voraussetzungen waren ja im Grunde hervorragend. Auch der Kameramann: Jaroslav Kučera hat u.a. Morgiana, Diamanten der Nacht, Adela hat noch nicht genachtmahlt, Tausendschönchen und Die kleine Meerjungfrau gedreht. Der Mann ist ein Könner.

Die Nacht aus Blei ist eine Traumsequenz, in diese flechten sich dann Traumsequenzen ein. Träume in Träumen, eine tolle Idee, leider ist die Symbolik der Weltenflucht banal und kitschig. Jahnn litt sehr am Verfall seines Körpers, am Älter werden, er bevorzugte die Jugend. Dass der Verfall eine große Rolle spielt in dem Buch ist erkennbar. Weigl wollte dem gerecht werden und ließ tickende Uhren einblenden und die Darsteller damit überblenden. Er ließ Darsteller zu Staub zerfallen, zerberstete Realitäten mit Spiegeln. Das war alles so unangenehm offensichtlich das es mir die Gesichtszüge entgleisen ließ. Ein Kritiker erklärte den Film seinerzeit zu einem Meisterwerk, von wegen "es sei auf der Höhe der Zeit". Auf der Höhe der Zeit 1984. Es klingt so schlimm wie es ist. Der Todesengel (Buch) ist hier ein Lebensengel in Footballkostüm und mit Rollschuhen! (!!!!!). Dazu Videospielaufnahmen die keinerlei Bezug zum Film haben. Der Film hat Patina angesetzt. Das Matthieu mit seinem Spiegelbild Pantomime spielt, dass sie imaginäre Bälle jonglieren ist eine Unverschämtheit.

Aber die Musik ist gut. Auch wenn ich, wenn ich die Nacht aus Blei vertont hören möchte, eher zu Asmus Tietchens greifen würde (Damit empfohlen).

Wir sind der Gestalt nach Menschen; aber in unserer Abart ein Traum, ein schwarzer Vorhang vor uns selbst. Die großen nächtlichen Felder erstaunen nicht über Weißes und Schwarzes. Wer dort liegt, tot oder zwiefach in der Begattung, ist dunkel.

Die Vergangenheit verdünnte sich wieder, lief ab wie ebbendes Wasser.

Wenn aber in der Vorschrift keine Vernunft mehr enthalten ist? Wenn sie sich auf keine Wirklichkeit bezieht? Dies hier ist dem Aussehen nach eine Schankstätte; aber es ist eine erloschene, eine durch Verbrauch verwüstete-; das letzte Glas Wasser ist verabreicht worden.

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Darsteller im Film aus einer Fotografie des gleichen Jahres, "Bodybuilder" Anton Holič (links) und "Adam" Miroslav Jastrzebski (rechts).

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Eine Bekanntschaft Jahnns - und Idealbild
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Lubomir Kafka - Matthieu

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Michael Biehn im Lederdress, kurz nach dem Dreh von Terminator

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der rollschuhfahrende Engel

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"Ein Film auf der Höhe der Zeit"

Fun Facts zu Jahnn:

Die Suche nach dem eigenen Ich oder Wie man Traumata erzeugt: „Meine Mutter“, berichtet Hans Henny Jahnn, „pflegte mich zum Grabstein zu schleppen, auf dem stand: „Hier ruht Hans Henny Jahnn’.“ Das grausame Ritual fand alljährlich zur Weihnachtszeit statt. Und weiter: „Sie liebte mich, aber nur als Ersatzkind. Ich war abstoßend häßlich, jener war bildhübsch gewesen.“ Jener – das war sein Bruder; von ihm, der drei Jahre tot war, erbte der Jüngere den Namen. Schließlich: „Mein Blut ging in mir um, und ich wußte, daß es nicht mein Blut war, daß nichts mir gehörte, sondern alles dem, der da begraben lag ... Ich war überzeugt, daß ich seine Seele trug, eine fremde Seele, die sich nun ihrem wahren Leib näherte und hinaus wollte in das Grab.“

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Hans henny Jahnn


HOFFMANN UND CAMPE hat just Jahnns Hauptwerk: Fluss ohne Ufer neu aufgelegt. Schlappe 100 Euro. Lohnt sich! Hab das ...zweimal hier (so gut).

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Fanat - Der Freak/Der Fan
Russland 1989
Regie: Vladimir Feoktistov
Darsteller: Lyudmila Baranova, William De Vital, Oleg Kantemirov, Aleksey Serebryakov

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Stell dir vor du bist knapp 17 Jahre alt. Seit deiner Kindheit bist du Karate-Schüler und gerade hast du einen Kampf gewonnen. Du strahlst und bist glücklich, du kommst heim um es deiner Mutter zu erzählen. Die lümmelt aber auf dem Sofa mit einem fetten Kerl in Hotpans rum. Deine Laune verhagelt das etwas, denn deine Mutter will dich eigentlich die nächste Zeit nicht im Haus haben. Du gehst beleidigt auf den Balkon, schließt die Augen und versuchst dich abzulenken. Doch dann wankt der fette Fremde auf dich zu, er ist rotzbesoffen, fällt fast hin, und wirft dir Geldscheine hin. Sollst du wohl alleine Eis essen gehen. Als Bumsentschädigung sozusagen. Du wirst langsam wütend. Immerhin bist du Karatekämpfer und er ein Schnapsmops. Du versetzt ihm einen Schlag, er fällt wie ein Kartoffelsack zu Boden. Die Mutter wird sauer und wirft dich aus dem Haus "Für immer".
Scheißtag.
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Stell dir vor du bist die Hauptfreundin vom lokalen Odessaer Gangsterboss. Er sagt, mach dich schick, ich zeig dir wie ich mein Geld verdiene. Du bist aufgeregt. Du toupierst dein Haar so, wie du es von Kylie Minogue aus dem TV kennst. Du ziehst dir ein elegantes Kleid an, klebst den Kaugummi unter die Tischkante und fährst los mit ihm. Er bringt dich in keine Villa. Du gerätst in eine schlammige Baugrube, an einigen Stellen lodert offenes Feuer. Hier finden illegale Kämpfe statt. Dein Mann bleibt im Auto und nimmt die Wetteinnahmen entgegen. Du willst was erleben, du bist jung und schön, du steigst aus, deine Stöckelschuhe versinken im Schlamm und du lässt dir ein Glas Sekt einschenken während an dir die Leiche eines Kämpfers vorbei getragen wird.
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Der Plot des Films ist schnell nacherzählt. Es ist wie bei Karate Kid, Bloodsport oder Rocky. Ein junger Knabe sucht halt im Leben und tritt der lokalen Karateschule bei. Er hat Talent und trainiert und trainiert. Doch die Weltgeschichte meint es nicht gut mit ihm. Er trainiert nicht in Chicago oder Hong Kong sondern in Odessa. Yegor Larin (Alexei Serebryakov - bekannter Schauspieler, u.a. derjenige der in dem fatalistischen Russenkriegsknüller Afghan Breakdown Liliputaner mit Handgranaten tötet) gerät dann auch nicht zum strahlenden Helden, dem die Frauenherzen entgegenfliegen.

Er hat teilweise ein gutes Herz. Als eine Frau kurz vor der Gruppenvergewaltigung steht, greift er ein. Wobei es ihm vermutlich eher um das Prügeln als um das Retten geht. Der Lebensabschnitt in dem wir ihm folgen ist wirklich düster. Sein Großvater scheint gestorben zu sein und gemeinsam mit seiner Großmutter sitzt er, mit seiner ausrasierten Stirn und in seinem weißen Jogginganzug, in ihrer Wohnung. Der Gegensatz zwischen dem blonden Hühnen (Er sieht ja aus wie Dolph Lundgren) im modernen Affendress und seiner besorgten Großmutti in Kittelschürze in naturdunkler Wohnung, in der du den Staub längst vergangener Ahnen einatmen kannst, ist überwältigend. Es sind Welten. Doch der Schmerz vereint. Er heult! Sie heult!
Sein einziger Halt ist diese Karateschule. Sein Trainer Oleg Ivanovich (Oleg Cantemirs - kenne ich nicht, sieht aber aus wie der Vater eines alten Freundes, ein polnischer Hühnerdieb) hält viel von ihm. Sie trainieren in einer Art Sakralbau. An den Wänden sind Bilder orthodoxer Heiliger, die Fenster sind kirchliche Buntglasfenster, doch auch ein Basketballkorb hängt dort. Doch die Schule schließt - für immer. Seine Mutter hat ihn auch rausgeworfen (siehe oben) als Obdachloser hängt er nun bei seinem Freund Grisha (Fyodor Sukhov) im Kinderzimmer rum. Vaterlos, Großvaterlos, Karatelos, Wohnungslos, Zukunftslos. Der typische amerikanische Held ist er nun nicht.

In Grishas Mutters Pressspahnwohnung schaut er sich nun auch Fantasykämpferbildbände an. Ist das sein Traum? Ein Axttroll werden und gegen Killergnome im Blitzgewitter kämpfen? Klar, viel anderes kann er nicht machen. Schule gibt's nicht für ihn.
Wo andere Sex haben oder schlafen, wacht er mit einem lauten "Hajaaaa" Kick auf. An der Wand sind Karatezeichnungen eines 8 jährigen getackert. Da es sein Bett ist, sind es vermutlich seine Zeichnungen. Sein Schnurbartfreund Grisha macht immerhin grade ein Diplom, er wird Bauzeichner. Yegor malt Karatekämpfer. Aber das mit dem Diplom nimmt er Grisha übel. Deswegen verschwindet er und hängt lieber mit kriminellen Obdachlosen rum. Bald steht die Entscheidung: Knast oder Militär. Als Soldat stählt er sich weiter. Er trainiert wie ein Vieh. Sein Vorgesetzter lässt ihn immer wieder gegen Dreiergruppen antreten. Aus dem Knast entlassen gerät er vollends auf die schiefe Bahn und treibt Lösegeld ein. Sein Boss, der Baugrubenbandit, fordert bei einem Kampf, dass er gegen den Superkämpfer verlieren soll. Doch Yegor will nicht.


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Klar hat der Film einen Endkampf, es ist immerhin ein Karatefilm.
Doch da ist keine unnötige Erhöhung. Kein Pomp, keine Hymnen, keine jubelnden Fans. Als es zum Finale kommt, sitzen vielleicht 20 Zuschauer in einer Sporthalle und popeln, knutschen oder lesen Zeitung. Der Kampf ist scheißegal so wie ihr Leben scheißegal ist. Der Endboss ist ein Typ bei dem ich nicht erkennen konnte, ob das Haare auf dem Rücken sind oder eine missglückte Tätowierung (Nach Überprüfung: Es ist ein Drachentatoo). Bei ihm schwabbelt`s am Gürtel drüber, es schwappt heraus und wenn er sich bewegt bewegen sich seine Körperfalten wie Ozeanwellen. Yegor gewinnt, wo er verlieren sollte. Der Gangsterboss verheimlicht gar nicht erst, dass das Kampf getürkt sein sollte. Er schickt seine Kämpfer sofort nach Kampfende in den Ring.

Ein Film über einen Teenager-Karatekämpfer. Was in den USA das Zeug zu einem Rührstück über Kameradschaft und "hartes Training führt zum Erfolg" taugen würde, ist hier ein Drama biblischen Ausmaßes. Er ist ein verkorkster in einer verkorksten Umgebung. Selbst mit Ausbildung kommst du da nicht weit, sein Kumpel, der den Abschluss machte, stirbt kurz darauf. Die Mutter ward den ganzen Film nicht mehr gesehen, sie hat es ihm wohl nicht verziehen, dass er sich so gegen ihren Suffkumpel stellte. Während es Anfangs noch halbwegs lief, er trainierte und strahlte, rutscht er schlussendlich in Obdachlosigkeit und Mördertum ab. Denn er wird es gewesen sein, der seinen besten Freund (ausversehen) umgebracht hat. Sein Training führt zu nichts - so wenig wie sein Leben zu irgendetwas führt. Da gibt es keine Hoffnung auf ein *normales Leben. Wenn er die Jugend der Transformationszeit ist, ist das keine Zukunft für ein besseres Russland in den 90er Jahren.
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Interessant wird es, wenn wir uns nochmal die Karatezeichnungen von Yegor ins Gedächtnis rufen, die an seiner Wand hängen: " A basic contradiction has developed over the years in Soviet Union. Children and childhood are national preoccupations, yet although the SU has more than a hundred puppet theatres, roughly seventy circuses, and the largest childrens toy store in the world, studies show how little room for free play and individual expression exists. David Shipler comments that in Soviet classrooms, it is rare to find childrens art or schoolwork or photos of the students displayed, as they commonly are in many preschool and elementary classrooms in the United States. "Fantasy", Shipler writes, " exists in well-defined formats such as old Russian fairy-tales, circuses, and cartoons, but it is often discouraged by adults when children try to practice it in drawing, storytelling or make believe play". Such regimentation at home and in the classroom accounts in part for the sense of alienation and diesorientation felt by many Soviet young people today" (Horton: The Zero Hour - Glasnost and soviet cinema in transition S. 70 -Princeton 1992).


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Die Teenagerzeit in einem Reich der Auflösung ist eine andere als jene in den USA. Die Erwachsenen in diesem Film versagen vollständig. Sie sind besoffen (Stiefvater), Starrköpfig (Mutter), Kriminell (Boss). Wir sehen zwei Wege: Einen mit Lernethos (führt zum Tod), einen mit Kampfgeist (führt wohl auch zum Tod). Der einzige Freundes-Kreis den er hat sind obdachlose Banditen mit Schlangen, die ihn dazu benutzen Türschlösser aufzutreten. Er erwähnt im Film öfter mal Chuck Norris und Bruce Lee. Das sind seine Helden. Es ist nicht abzustreiten, dass er ein besseres Leben hat als Chuck Norris. Aber das ist nicht schwer.

Der Karateheld als Lebensversager.
Statt Zahlen oder Sternen: Anschaubar.

[Das Sequel sagte Alexei Serebryakov dann ab, das war ihm "zu primitiv". Er ist noch immer ein großer Star in Russland und dreht Film auf Film, auf seinem IMDB-Bild ist er in Cannes zu sehen. Begabt war er schon damals. Vor dem Film hatte er keinerlei Kampfsporterfahrungen. Im Film hatte er keinen Stuntman. Im Film macht er aber Dinge, die ich nach 10 Jahren Training nicht packen würde (Schnaps trinken mit Blutmund), etwa Saltos Bergab die in Handstand münden und Sprünge in gefühlt 10 Meter Hölhe (Vllt. hat da der Kameramann etwas mitgeholfen). Die Kämpfe sind solide. Kein Hollywood-style. Aber insgesamt schon öfter brutal. Der Knabe muss ja gegen viele Männer kämpfen. Als er Hütchenspieler als Betrüger aufdeckt verdrischt er sie auch und obwohl sie ihre Messer ziehen landen sie alle vermutlich im Grab]

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 Post subject: Vater, Der Weihnachtsmann ist tot
PostPosted: 17.01.2015 14:44 
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Papa, umer ded moroz; Father, Frost is dead/ Daddy, Santa Claus is dead
Regie: Yevgeny Yufit
Russland 1991
Drehbuch: Vladimir Maslov, Alexej Tolstoj
Darsteller:m Anatoliy Egorov, Ivan Ganzha, Maksim Gribov

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Ein Mann braucht Ruhe um seine Untersuchungen über eine Mausegattung abzuschließen. Er besteigt den Zug um zu seinem Vetter aufs Land zu fahren und dort die Abhandlung zu beenden. Das ist der Plot.

Das ist der Plot und nebensächlich. Der Film des "Nekrorealisten" Yevgeny Yufit ist ein bizarres, klaustrophobisches und schwer verständliches Ungetüm, das schwer zu entschlüsseln ist. Jede Einstellung sieht aus als hätte sie eine beliebige Blutgedärm Black Metal Band aus dem Norwegen der 80-er Jahre als Cover nehmen können.
Es ist schwer, für die Filmbeschreibung einen adäquaten Anfang zu finden: Es ist allein die erste Einstellung: Schwarz-Weiß in einem unterirdischen Kloakentempel einer namenlosen Stadt. Wir sehen die Kanalisation durch einen Drahtstrick, er sieht aus als wäre er nur dazu da um jemanden zu henkern. Und er ist nur dazu da um jemanden zu hängen. Ein Arbeiter stürzt und stirbt am eingeblendeten Draht. Ein Duo kommt angewankt. Ein alter holzbeiniger Mann und ein blindes Kind. Das Kind entledigt der Leiche die Uhr. Die Leiche wird vom Todesduo entkleidet und auf einer Barre in schwärzeste Kanalisationsnacht entlassen. Das Kind packt seinen Aktenkoffer mit den Tötungsutensilien und Diebesgut und schreitet aus dem Bild. Es sieht aus, als würde er nun mit seinem Köfferchen in ein Kinderbüro gehen.
Diese erste Szene wird mit dem schlafenden Mausegattungmann unterbrochen. Er erwacht, das Duo verschwindet. Die Sache scheint klar: Das hat er nur geträumt. Vielleicht war er das ja als Kind. Er steigt aus dem Bett und reist los zum Vetter. Er sitzt im Zugabteil, es sieht aus, als wäre es nur zwei Schulterpaare breit. Am angekommenen Haus wird er vom Vetter begrüßt. Mit einer Axt. Der Verwandte meint ihn nicht zu erkennen. Der Biologe gesteht: Vetter. Der Verwandte wird herzlich und umarmt ihn, sie setzen sich. Die Frau kommt dazu. Auch der Sohn kommt. Zu dritt sitzen sie dem Biologen entgegen und starren ihn an - das wird unterbrochen durch eine Radiodurchsage über Maulwurfmassenmord. Der Großvater kommt heim, das Gewehr geschultert. Er hat ein Knautschgesicht, dessen Antlitz lediglich Falte ist.
Die Situationen eskalieren anschließend:
Der Sohn schwächelt, er flüstert: "Großvater - küsse mich noch einmal". Der Sohn wird eingesargt und die Familie stapft gemeinsam durch das schlammige Dickicht zur Begräbnisstätte.
Sein Vetter bumst mutmaßlich fremde Männer im Eigenheim, er schnitzt aus Bäumen Pfähle um den Großvater zu bestrafen. Der Biologe geht. Er steigt in einen Zug, er ist dessen Lokführer und er überfährt den blinden Knaben der Eingansszene, der sich entkleidete und auf das Schienenbett legte.

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Damit etwas anfangen müssen:
Der Film basiert auf Tolstojs Erzählung: "Die Familie des Wurdalak" (1840). Darin geht der Großvater auf die Jagd nach einem Türken im Wald. Er erklärt: "Komme ich nach 10 Tagen nicht zurück, bin ich nicht mehr ich - lasst mich nicht mehr hinein. Nach 10 Tagen kommt er zurück, er ist verändert. Der Sohn schwächt und stirbt. Ein Pfahl wird geschnitzt und der Großvater gejagt. Die frühe Vampirerzählung (Wurdalaks fressen jedoch nur enge Familienagehörige) wurde auch von Mario Bava verfilmt als "Die drei Gesichter der Furcht "(I tre volti della paura, Italien 1963, mit Boris Karloff ).

Der Film ist eher elliptisch. Das erzählerische wird zugunsten der Atmosphäre ausgelassen. So wäre es ohne Tolstoj im Hinterkopf zu haben undenkbar zu ahnen, woher der Großvater mit dem Gewehr kam. Es gibt auch eine Gruppe anzugtragender alter Männer, die seltsamen Gruppenritualen im Wald nachgehen. Auch die zehn kommt immer wieder vor: So will der Wissenschaftler ebenfalls nach zehn Tagen zurückgekehrt sein. Das ist die Verwandlungszeit.
Der ausgefeilte Plot ist nicht die Stärke des Films. Er ist geheimnisvoll, bedrückend und entrückt. Es gibt keine Musik, ab und zu gibt es jedoch Schlaggeräusche, doch das sind dumpfe Geräusche ohne Nachhall, auch gesprochen wird nicht. Im ganzen Film werden es ungefähr 300 Wörter gewesen sein. Ungewöhnlich - und gelungen - sind die Kameraeinstellungen. Mit der ersten, als die Standkamera durch einen Strickdraht auf die Kanalisation blickt, ist die Richtung des Films vorgegeben: Tod und Verfall. Der Film ist so langsam wie er wortkarg ist. Erwähnenswert die Gegensätzlichkeiten - zwischen Alt und Jung, zwischen bedachtem Biologen-Vetter und unbedacht-primitiven Schmerzsex-Vetter - sie sind eklatant.
Der Englische Titel: Daddy Santa Claus is Dead wirkt so nicht. Papa, umer ded moroz: Papa: Vater Frost ist tot, ist eine ganz andere Liga. Das russische Pendant ist auch eine schwerwiegendere Person, ein unhöfliches Ungeheuer, vor dem Mann Angst hat. Das Problem ist nur, wenn er stirbt, kommt die Zeit selbst ins schludern, denn er ist es, der für das Neujahr sorgt.
Der Regisseur Yevgeny Yufit war zum Zeitpunkt des Drehs knapp 30 Jahre alt. Das Jahr 1991 fällt in die Transformationszeit. Während es in der UDSSR noch üblich war, alten und erfahrenen Regisseuren das Feld zu überlassen, sind es nun vermehrt auch junge Männer, deren Studium just beendet wurde. Neben der Perestroika kamen zu der Zeit auch veränderte Filmbedingungen zum Zuge. Die Hauptgruppe um dieses junge Kino nannte sich Parallel-Kino. "Ästhetische Terroristen" waren es, die Naivismus ausleben wollten und jegliche Einflüsse verneinten. Yufit war dann Mitglied einer Untergruppierung: Der Che-Payev, benannt einerseits nach Che Guevara und andererseits nach Chapayev, dem Filmhelden des beliebtesten Films der Stalinära. Die Filme waren teilweise bizarr, die Radiostelle im Film über Maulwurftötungen durch chemische Mittel "erfunden von den besten Wissenschaftlern" erinnert an andere Satiren der Gruppe, so etwa Tractors (People love tractors and call it street horses) von 1987, als eine Traktorpseudodokumentation in Hysterie übergeht. Yufit selbst war, wie gesagt Nekrorealist. Nekrorealismus ist Neorealismus sagte sein Regie-Freund Boris Yukhananov. Yufit war es wichtig herauszustellen, dass totalitäre Regime immer Gewalt erzeugen (Ein Allgemeinplatz - sicher). Das würde die fremde Anzugtruppe erklären, die mit ihren Kauzigen Aktionen auch andere zu Schaden bringt, Frauen fesselt und dem Biologen die Buchsen runterzieht.
Tut es aber vermutlich nicht.

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Also, wer langsames Kino wie bei Bela Tarr oder Tarkovskij mag, kann zugreifen. Wer wortkarge Filme leiden kann, die einem mystischen Lebensverständnis den Vorzug geben, also Anhänger Schestows und Vachals, haben mit dem Film eine sichere Bank. Wer Black Metal mag und wissen will, woher diese Bands immer ihre Cover nehmen, sollte zugreifen. Wer ab und an den Kafka liest, den Richard Weiner oder den Weiberjahnn, die gerne Dinge in Gesehenes und Gelesenes hineininterpretieren, das vermutlich überhaupt nicht gemeint ist, haben Glück. Menschen die gerne lachen und anderen beim Kung-Fu zuschauen haben bei diesem Film schlechte Karten.

Frauenbusen gibt es nicht zu sehen. Dafür 2x Penis. Falls das jemandem bei der Abwägung helfen sollte.

Ende.

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 Post subject: Michael Kohlhaas
PostPosted: 18.01.2015 15:48 
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Michael Kohlhaas
Regisseur: Arnaud des Pallières
Frankreich 2013
Drehbuch: Christelle Berthevas, Arnaud des Pallières, Heinrich von Kleist
Darsteller: Mads Mikkelsen, Mélusine Mayance, Delphine Chuillot

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Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen) in den Cevennen Frankreichs des 16. Jahrhunderts. Das ist ein anderer Kohlhaas als jener zur gleichen Zeit an der Havel. Die Geschichte ist schnell wiedergewusst: Dem Rosshändler Kohlhaas werden von einem Junker (von Tronka) zwei Pferde als Pfand einbehalten. Widerrechtlich. Der Rosshändler fügt sich und will sie später abholen. Die Pferde sind dann nicht mehr die strahlenden Götterwesen, die er abgab. Ihr Haar ist verfilzt, die Rippen sind sichtbar und sie klappen bald vor Erschöpfung zusammen. Auch sein Knecht wurde schwer misshandelt.
Kohlhaas wird wütend, er will Gerechtigkeit und heile Pferde. Er versucht es auf dem juristischen Weg, doch die Verwandten des Junkers lassen die Klage abweisen. Dann stirbt auch noch seine Frau in Folge des Rechtsstreits. Die Antwort ist klar: Er schart eine Gruppe an Soldaten um sich und läuft Amok, im Zeichen der Gerechtigkeit. Die Sache nimmt für alle ein scheußliches Ende.
Was ist zu sagen dazu? Zuerst einmal selbstverständlich die Landschaft: Sie ist wie geschaffen für langsame Kinofilme. Sie wird fast so oft eingeblendet wie Mikkelsen. Die Flora sieht gediegen und gesetzt aus, fast ebenso wenig wild wie der Film-Kohlhaas. Es sind Flechten und Moos die dem bewölkten Himmel entgegenwachsen. Auf den Hügelspitzen hat man einen tollen Überblick über die kluftigen und felsigen Hügelketten. Die Flechten sind ein gutes Symbol für die Schlichtheit der Umsetzung. Der Kleistsche Kohlhaas war ein rasender Berserker mit Gotteskomplex, da wurden Frauen- und Kinderleichen aus Fenstern geworfen, das Hirn zersprützte an den Wänden, da drängte es ihn, "den nichtswürdigen Dickwanst in den Kot zu werfen." Da tritt der Gerechte fremde Knechte in das Flammenmeer unter dem Hohngelächter seiner Banditenfreunde. Da sieht er sich selbst als Erzengel Gabriel, der mit Feuer und Schwert bestrafen will und setzt ganze Städte in Brand. Nicht so in diesem Film, der komplette zweite Teil der Novelle wurde ausgelassen, das politische Ränkespiel, die Zigeunerin das Schicksal des Junkers.

Demgegenüber interpretiert Mikkelsen seinen Kohlhaas als stoischen Gerechtigkeitsbekenner, der seine eigenen Leute hängen lässt, weil sie jemandem ein blaues Auge verpassen, der kein blaues Auge haben sollte. Da sieht der Junker, der Erzfeind, aus wie der dürre Frontmann einer melancholischen Rockband der Gegenwart.

Da hat Kohlhaas Sex mit seiner Frau Lisbeth und die vorpubertäre Tochter platzt in den Akt hinein und beschwert sich über die Lautstärke. Da muss man nicht "Die Erfindung der Jugend" gelesen haben, um dieses Verhalten im 16. Jahrhundert etwas....befremdlich zu finden. Es sind einige Stellen, die befremdlich wirken, die Softcovertaschenbuchausgabe der lutherschen Bibel etwa, oder dass die Knechte ihre Armbrüste bei einer Burgerstürmung halten, als wären sie ein Spezialkommando der Navy Seals.
Der Humor aus dem Buch wird im Film ausgelassen. Es gibt nur eine Szene die zum Schmunzeln laden will: Ein rundlicher Einarmiger Bandit reitet auf einem Esel, Sancho Panza gleich, aber mit einem Ferkel in der Tasche, zum Banditenquartier und will sich anschließen.

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Die literarische Vorlage sollte man beim Betrachten also lieber weglassen und die Namensähnlichkeit der Figuren auf einen Zufall zurückführen. Ich mochte das langsame und melancholische. Der Film dauert knapp zwei Stunden, in denen viel geritten und ab und zu gesprochen wird. Die Kämpfe sind eher wie bei Robert Bressons "Lancelot du Lac", angesiedelt in der Peripherie und kaum wirklich zu sehen. Kohlhaas duldet keinerlei Ungerechtigkeit und ist in seinem Gebahren tatsächlich teilweise Querulantenhaft wie von offiziellen Stellen vorgeworfen. Es gibt keine Gewaltexzesse wie es auch sonst keine Exzesse gibt. Da wird nicht gebrüllt aber leise geweint. Unverständlicherweise sieht der Kohlhaas sogar auf dem Henkersplatz traurig aus.

Ich bin nicht unglücklich den Film gesehen zu haben, die Naturkulisse ist eine Erlebenswerte. Der Film selbst ist bedacht und ruhig. Nichts, was ich jemals mit der Novelle in Verbindung gebracht hätte.

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