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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 27.03.2013 21:38 
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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 143 - Ein eiskalter Hund (Deutschland 1986)

Radikale Entsorgung

Luise Lohbach (Christine Buchegger) und ihr Gatte Jakob (Klaus Löwitsch) führen keine glückliche Ehe. Jakob geht nicht nur ständig fremd, seit einiger Zeit verhält er sich extrem kühl und abweisend. Für den untreuen Ehemann ist Scheidung keine sinnvolle Option, da die Gattin das Vermögen mit in die Ehe brachte. Eines Tages wird Frau Lohbach in ihrem Wochenendhaus ermordet. Jakob Lohbach kann ein wasserdichtes Alibi vorweisen, zum Tatzeitpunkt spielte er mit seinem Schwager und einem Mitarbeiter Karten. Offen bekennt er sich zu seiner Beziehung mit Greta Riemann (Gundi Ellert), die als Kellnerin im Gasthaus Lohbach arbeitet. Derrick und Klein verdächtigen den kaltherzigen Witwer, doch dessen Alibi scheint unantastbar ...

Klaus Löwitsch darf sich arrogant, abgebrüht, knallhart und extrem gefühlskalt zeigen, mit einem Menschen wie Jakob Lohbach möchte man sich kaum umgeben. Dem knarzigen Löwitsch steht die Rolle des berechnenden Gierhalses bestens zu Gesicht, gewissermaßen wie auf den Leib geschneidert. Horst Michael Neutze lässt sich von seinem Schwager blenden, erkennt zwar die kühle Oberfläche, rechnet jedoch nicht mit der grausigen Fratze hinter der kantigen Fassade. Ida Krottendorf überzeugt als leicht schrullige Bürokraft der Lohbachs, überdies liefert sie die Vorlage für einen kleinen Running Gag, der das triste Treiben hier und da auflockert. Christine Buchegger bleibt als Mordopfer nur wenig Entfaltungsraum, sie hechelt dem fiesen Gatten verzweifelt hinterher, arme Luise. Gundi Ellert bringt als Geliebte einen Hauch biederen Sexappeal ins Spiel, Axel Milberg sehen wir als zunehmend hektischen Bruder der Servierkraft.

Regisseur Theodor Grädler ringt mit dem wenig erbaulichen Drehbuch, vor allem der viel zu flotte Zusammenbruch des Eisblocks wirkt an den -kaum vorhandenen- Haaren herbeigezogen. Obendrauf sieht unser geschätzter Oberinspektor über fragwürdige Ermittlungsmethoden hinweg, Derrick muss sich dem schwachen Finale der Folge beugen. Schade und unpassend, hier hätte ich mir Mut zur Bitterkeit gewünscht, durch den "Ein eiskalter Hund" deutliche Aufwertung erfahren hätte. Interessante Ansätze bietet die Rolle Gundi Ellerts, deren Potential nicht genutzt wird, immerhin wird ihre zunehmende Angst vor dem bösartigen Liebhaber deutlich. Viel mehr gibt es nicht zu berichten, Fanbefriedigung auf kleiner Flamme, ansprechende Leistungen der Darsteller retten den mittelprächtigen Plot.

Knappe 6/10 (obere Mittelklasse)


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Ultrakurz:


• Scorpio (USA 1973) - Alain Delon und Burt Lancaster sind für den US-Geheimdienst als Killer unterwegs, eines Tages gerät Veteran Cross (Burt Lancaster) auf die Abschußliste seiner Auftraggeber ...

Michael Winner verdanke ich einige unterhaltsame Filmabende, darunter diverse Klassiker mit Charles Bronson. Hier liefern sich Lancaster und Delon ein packendes Duell in stilvollen Kulissen, inklusive Action, Thrill und trostlosem Ende. Kurzweilig, konsequent, dicke Empfehlung. Die DVD aus dem Hause MGM ist zum kleinen Preis erhältlich, Bild ordentlich, Ausstattung mager.

7,5/10 (gut bis sehr gut)


• Bloodmoon (Australien 1990) - Ein irrer Killer meuchelt sich durch die Reihen eines Mädcheninternats, nicht nur in den USA leben Teenager gefährlich ...

Zunächst lullt "Bloodmoon" den Zuschauer -auf sehr angenehme Art- ein, in der letzten halben Stunde ziehen Tempo und Boshaftigkeit deutlich an. Mettgut und Möpse in kleiner Dosis, sympathische Akteure und ein herrlich durchgeknallter Killer. Entspannte Slasherfans kommen auf ihre Kosten, mir hat der Trip nach Down Under zugesagt. Kinowelt präsentiert den Streifen auf einer soliden DVD, klarer Kauftipp!

7/10 (gut)


• Stadt in Flammen (Kanada, USA 1979) - Bemühter Schwanengesang, Nachhall der großen Katastrophenfilme der siebziger Jahre. In Erinnerung bleiben Barry Newman als emsiger Chefarzt, Ava Gardner als versoffene TV-Moderation, Leslie Nielsen macht uns den karrieregeilen Bürgermeister ...

Sehr wohlwollend ziehe ich 6/10, ich mag diesen unrunden Abschied aus dem grössten Jahrzehnt der Filmgeschichte. Leider kann ich die sehr lieblose DVD von VZM nicht empfehlen, nur sammelwütige Fanatiker (Blap und ähnliche Spinner) sollten einen Blick riskieren.

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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Kleine Hartbox (Cover B) von CMV



Nightmares (Australien 1980, Originaltitel: Nightmares)

Scherbenhaufen

Noch immer leidet Helen Selleck (Jenny Neumann) unter ihrer traumatischen Vergangenheit, im Kindesalter erlebte sie Ruchlosigkeit und Tod der eigenen Mutter hautnah. Inzwischen ist die junge Frau eine talentierte Schauspielerin, Regisseur George D'alberg (Max Phipps) engagiert die Nachwuchskraft für ein kurz vor der Premiere stehendes Theaterstück. Auch Terry Besanko (Gary Sweet) ergattert eine Rolle, überdies scheint er Helen sehr zugetan, bemüht sich charmant um Nähe. Derweil wird Helen von grausigen Albträumen und Visionen geplagt, bald ereignen sich fürchterliche Morde im Umfeld des Schauspielhauses ...

Bewusst halte ich den Inhaltseinblick zu "Nightmare on the Street" (Titel für den deutschen Markt) kurz. Zwar wird der Streifen gern in die Schublade Slasher sortiert, doch Regisseur John D. Lamond gönnt sich immer wieder Blicke über den Tellerrand, bricht Grenzen des Genres auf. So fällt zunächst die recht offensive Gestaltung diverser Nacktszenen ins Auge, offensichtlich kann und will Lamond seinen Bezug zu erotischen Werken nicht leugnen. Morde machen nicht durch besonders spektakuläre Effekte auf sich aufmerksam, versprühen eher eine bedrückende bis nahezu verstörende Stimmung. Wenn in diversen Klassikern und Mitläufern der -oft maskierte- Schlitzer meuchelt, macht sich beim Zuschauer angenehme Horroratmosphäre breit. Hier greift dieses ungeschriebene Gesetz nicht, hier wird die wohlig blutwarme Suhle zur unbequemen Lava des Schmerzes. "Nightmares" stellt Killer und Motiv klar in den Raum, dreht Ensemble und Betrachter dennoch durch den Fleischwolf, nicht nur Glas zerspittert im Wahn aus Lust, Leid und Terror. Nicht minder elektrisierend Schnitt- und Szenenfolge, Taumel zwischen Hektik und Liebe zum Detail, bei Betrachtung des Gesamtpakets durchweg stimmig.

Großes Lob für Hauptdarstellerin Jenny Neumann. Wüste Übertreibungen treffen subtile Zwischentöne, Schönheit wird im Eiltempo zur Haßfratze, zu keiner Sekunde lässt mich die junge Dame unberührt, nie war hemmungslose Übertreibung prächtiger. Gary Sweet sorgt für Ansätze von Erdung, sein Terry ist ein angenehmer Typ, wünschen wir ihm Glück (was freilich ein hoffnungsloses Unterfangen bleibt). Max Phipps poltert als schablonenhafter Regisseur durch den Saal, zeigt sich zunehmend dünnfellig. Vor allem John Michael Howson darf für herrliche Momente sorgen, in der Rolle des tuntigen Kritikers Bennett Collingswood spuckt er Gift und Galle, will manchen Beteiligten nicht nur auf den schmerzempfindlichen Zahn fühlen. Ich möchte mich nicht in endlosen Auflistungen ergehen, belasse es bei herausragenden Charakteren, verneige mich erneut vor Jenny Neumann!

Ist "Nightmares" Kunst im Schundgewand? Schund im Kunstgewand? Großes Kino auf kleinem Fuß? Vielleicht die verkannte Avantgarde des Schlitzerfilms? Egal zu welchem Ergebnis man kommen mag, sofern überhaupt ein Stempel haftet, dieses Werk ist ein besonderer Film, ergißt sich abseits des großen Stroms in mein Herz, Hirn und den fahlen Schein des Grauens. Mir ist das einen Eintrag ins Buch der unverkrampft-abseitigen Spektakel wert. Down Under dreht am Rad, meine Rübe fühlt sich zwischen den rotierenden Speichen wohl. Danke!

CMV präsentiert "Nightmares" auf einer soliden DVD, der Bonusbereich besteht aus Trailern und einer Bildergalerie. Als Verpackung dienen kleine Hartboxen, zwei unterschiedliche Cover stehen zur Verfügung.

In Zahlen? Muß das unbedingt sein? 7/10? 10/10 für Jenny Neumann, 10/10 für Mut und Kreativität der Verantwortlichen!


Lieblingszitat:

"Lass diese Scherze!"

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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DVD: Double Feature von Code Red (USA)



Dr. Jekyll vs. The Werewolf (Spanien 1972, Originaltitel: Dr. Jekyll y el Hombre Lobo)

Leidenschaft, Eifersucht & Peitschenzucht

Imre Kosta (José Marco) lebt seit vielen Jahren in England, er stammt jedoch aus einer abgelegenen Gegend im Südosten Europas. Mit Gattin Justine (Shirley Corrigan) im Schlepptau, sucht Imre das Grab seiner Eltern auf, dort werden die Eheleute von üblen Gaunern überfallen. Justine erlebt die gnadenlose Tötung ihres Mannes, kann aber vom herbeieilenden Waldemar Daninsky (Paul Naschy) aus den Fängen der Mördbuben gerettet werden. Waldemar erweist sich als fürsorglicher Gastgeber, doch er leidet unter einem schrecklichen Fluch. Bei Vollmond verwandelt sich Waldemar in einen Werwolf, niemand kann die reißende Bestie kontrollieren. Justine ist ihrem Retter sehr zugetan und will helfen. Gemeinsam reist man zurück nach London, vielleicht kann Justines alter Freund Dr. Henry Jekyll (Jack Taylor) Waldemar heilen. Zunächst zeigt sich Dr. Jekyll skeptisch, schreitet dann aber mit Unterstützung seiner Zuarbeiterin Sandra (Mirta Miller) zur Tat. Tatsächlich gibt es Anlaß zur Hoffnung, obschon Jekylls Therapie große Risiken für Waldemar birgt. Keiner erkennt die drohende Gefahr, Sandras Eifersucht schäumt hasserfüllt über ...

Regisseur León Klimovsky und Multitalent Paul Naschy waren ein grandioses Team, wir verdanken ihnen einige wundervolle Filmperlen, überwiegend im Horrorgenre angesiedelt. In Deutschland wurde der hier kurz vorgestellte Streifen unter dem Titel "Die Nacht der blutigen Wölfe" vermarktet. Die bewährte Geschichte um die Tragik des Werwolfs, verschmilzt mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu einem interessanten und herrlich waghalsigen Gebilde. So mutet der Therapieansatz des hilfsbereiten Dr. Jekyll äusserst abenteuerlich an, vermutlich würden sogar Baron Frankenstein die Haare steil zu Berge stehen. Ich will nicht ins Detail gehen, lasst euch überraschen! Freilich bietet "Dr. Jekyll y el Hombre Lobo" schmackhafte Zutaten auf: Friedhof, Totenschädel, Geblubber im Labor, Werwolf im Blutrausch, Mr. Hyde im Wahn des Bösen, Liebe, Eifersucht, Hass und schmackhafte Auslagen (welche bei Bedarf per Peitsche gezüchtigt werden). Zarte Liebe prallt auf ruchlose Boshaftigkeit, eingebettet in stimmungsvolle Kulissen. Hölle, wie wohl fühle ich mich in dieser Suhle! Wenn Mirta Miller die Peitsche schwingt, wenn Paul im post-psychedelischen Beatschuppen mehrere Verwandlungen durchläuft, den gesamten Saustall innerhalb weniger Sekunden aufmischt, möchte ich vor lauter Glückseligkeit auf meinem Sofa Salti schlagen!

Paul Naschy in seiner Paraderolle Waldemar Daninsky, einmal mehr kämpft der warmherzige Waldemar mit dem finsteren Fluch, muß als Werwolf unfreiwillig Angst und Schrecken verbreiten. Damit nicht genug, Herr Naschy streift zusätzlich als abgrundtief widerwärtiger Perversling durch London, drangsaliert seine Opfer mit einem un­nach­ahm­lich irren Gesichtsausdruck, wechselt munter zwischen Mann, Unhold und Werwolf, mehr Freudenfest geht kaum! Mein lieber Knuffel zeichnet für Story und Drehbuch verantwortlich, ein waghalsiger Ritt durch den Horrorkosmos, grotesk und genial, eben typisch Paul Naschy! Jack Taylor ist jedem Fan europäischer Exploitation bekannt, verrichtete seine Arbeit häufig unter der Regie von Jess Franco (leider ist Jess Franco gestern (02.04.2013) verstorben, nun liegt mir ein Stein im Magen und ich ringe mit den Tränen. Verzeiht, es ist ein anderes Thema, aber ich komme seit dem gestrigen Tag nicht davon los). Interessanterweise fällt Dr. Jekyll in diesem Werk eine andere Rolle als üblich zu, er bleibt dennoch ein tragischer Charakter, Taylor spielt gewohnt solide und angenehm. José Marco dominiert das Geschehen nur zu Beginn, alte Verbundenheit zur verlassenen Heimat kann sehr verhängnisvolle Nebenwirkungen zur Folge haben. Mit Luis Induni ist ein sehr gefragter Nebendarsteller an Bord, seine Filmographie umfasst mehr als zweihundert Einträge. Induni mimt den feigen und skrupellosen Hinterlandganoven, unverzichtbares Klischees innerhalb der kargen Schönheit des fiktiven Südosteuropa vergangener Jahrzehnte. Raub, Notzucht und Mord, normaler Alltag des abscheulichen Pöbels. Zwei attraktive Damen wirken tatkräftig mit, Shirley Corrigan als blondes Herzchen, Mirta Miller macht uns das infame Miststück. Klar, die Sause fußt auf einem bezaubernd abstrusen Plot, gleichwohl sorgt das aufgeladene Beziehungsgeflecht für prachtvolle Momente, irgendwo zwischen Himmel, Peitsche und Höllenschlund pulsierend.

Vollbedienung für Verehrer des spanischen Horrorkinos, Vollbedienung für Fans des unvergessenen Paul Naschy, ich erspare uns die Auflistung weiterer Disziplinen der Glückseligkeit. So sieht großartiger Eurohorror/Eurokult der siebziger Jahre aus (ja, hier darf man ohne flaues Gefühl von "Kult" sprechen)! Noch wichtiger, so fühlt sich faszinierendes Kino an, es lebt und bebt, es ist überdreht, erotisch, humorvoll und auf liebenswerte Art sadistisch. Mirta, gib mir die Peitsche, lass die Klatsche auf mein fauliges Fleisch knallen! Hölle, wie ich diesen Stoff liebe!

Bereits 2002 veröffentlichte Mondo Macabro den Film in England. Auf dieser Scheibe ist leider lediglich die spanische Fassung enthalten, ergo bleiben die schmackhaften Früchte der Damen im Körbchen. Erfreulichweise präsentiert Code Red den Streifen nun in seiner ganzen Pracht, labt frisches Obst des Betrachters entzündete Augen. Neben "Dr. Jekyll vs. The Werewolf" befindet sich eine weitere Regiearbeit von León Klimovsky auf dem Silberling, das Werk trägt den klangvollen Titel "The Vampires Night Orgy" ( La orgía nocturna de los vampiros, 1974), Kurzkommentar demnächst in dieser Klinik. Bestellbar direkt beim Erzeuger: *** The link is only visible for members, go to login. ***

Dicke 8/10 (sehr gut) + unermeßliche Wohlfühlatmosphäre und Knuffigkeit!!!


Lieblingszitat:

"It's the living I fear, not the dead."

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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• Knightriders - Ritter auf heissen Öfen (USA 1981) - George A. Romero setzt seine Ritter auf Mopeds, strickt daraus einen Film über Außenseiter. Ed Harris als unbeugsamer(?) "König", Tom Savini gibt den Gegenpol. Aussteiger auf der Suche nach Freiheit und Individualität, doch der ständige Geldmangel führt zu Zerwürfnissen innerhalb der Gruppe.

"Knightriders" kommt nur auf den ersten Blick verschroben daher, erzählt letztlich nichts anderes als die übliche Story vom tragischen Rebell. Romero hält den Zuschauer zunächst auf Distanz zu seinen Charakteren, erschwert manchen Betrachtern dadurch eventuell den Zugang. Lediglich das arg pathetisch Ende trifft nicht meinen Nerv, ansonsten habe ich gern rund 140 Minuten am Rande der Gesellschaft verbracht (wo ich mich sowieso ständig aufhalte, wie mir zu Ohren kam). KSM präsentiert den Film in solider Qualität, hier wird die ungekürzte Fassung geboten, damals nicht synchronisierte Dialoge sind mit deutschen Untertiteln versehen. Übrigens wurden bereits BD-Auswertungen für den englischen (Arrow) und amerikanischen Markt (Shout! Factory) angekündigt. Ich bin mit der KSM-DVD zufrieden, Romero funktioniert auch ohne "echte" Zombies.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)



• Triangle (Australien, Großbritannien 2009) - Melissa George spielt die alleinerziehende Mutter Jess, eine kleine Bootstour mit Freunden und Bekannten entwickelt sich zum Albtraum ...

Ich möchte nicht näher auf den Inhalt eingehen, lasst euch von "Triangle" auf einen Horrortrip der etwas anderen Art entführen. Zwar erfindet Regisseur und Autor Christopher Smith das Genre nicht neu, dennoch mutet sein Werk erfrischend an. Vor allem die Leistung von Hauptdarstellerin Melissa George bleibt in Erinnerung, die junge Dame liefert eine beeindruckende Leistung ab, verhilft ihrer "Jess" immer wieder zu neuen Facetten. Melissa und Christopher, ich werde euch gern im Auge behalten. Ascot Elite zeigt den Film in schöner Qualität, ich bin mit der BD sehr zufrieden.

7/10 (gut)



• Der Schatz im All (Italien, Frankreich, Deutschland 1987) - "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson wurde häufig verfilmt, diesmal verlegte man die Handlung die Zukunft, führt das Abenteuer Schatzsucher, Piraten und den zwölfjährigen Jimmy tief hinaus ins Weltall. Regie führte Antonio Margheriti, einer der wichtigsten Filmemacher des italienischen Genrekinos. Für diese TV-Serie konnten bekannte Gesichter verpflichtet werden, freut euch auf sieben Folgen bester Unterhaltung, knapp sechs Stunden Spannung und Spaß im All!

In der ersten Folge dominiert Ernest Borgnine das Geschehen, die prologartig angelegte Episode stellt Weichen, auch wenn Borgnine danach lediglich in kurzen Rückblenden zu sehen ist. Anthony Quinn, Klaus Löwitsch, David Warbeck und Philippe Leroy sind Stars der Serie, die Hauptrolle übernahm Itaco Nardulli. Kinder können sehr unangenehme Erscheinungen in Filmen/Serien sein, aber der wirklich putzige Itaco Nardulli hat sofort mein Herz erobert. Leider verstarb der Junge 1991 bei einem Badeunfall, er wurde lediglich 16 Jahre jung. In Nebenrollen werden Fans des europäischen Kinos geschätzte Gesichter erkennen, so sind z. B. Giovanni Lombardo Radice und Salvatore Borghese (bekannter als Sal Borgese) mit von der Partie. Hinzu kommt die stilsichere Inszenierung des zuverlässigen Antonio Margheriti, an schöner Ausstattung und stimmungsvollen Kulissen mangelt es ebenfalls nicht.

Verteilt auf drei DVDs, kommt die TV-Serie in guter Qualität ins Haus. "Familientaugliche Unterhaltung" ist eher nicht mein Spielfeld, aber hier wird wird toller Stoff geboten, klarer Kauftipp!

8/10 (sehr gut)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 17.04.2013 12:37 
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DVD: Code Red (USA)



Terminal Island (USA 1973, Originaltitel: Terminal Island)

Vom Foltercamp zur Post-Hippiekommune?

In den USA werden zum Tode verurteilte Straftäter nicht mehr hingerichtet. Stattdessen verbannt man die Damen und Herren auf eine Insel vor der kalifornischen Küste, weitestgehend unkontrolliert und von der restlichen Welt abgeschnitten. Psychopath Bobby (Sean Kenney) hat die Macht auf dem Eiland an sich gerissen, führt mit Hilfe brutaler Schergen ein gnadenloses Regime. Neuankömmling Carmen (Ena Hartman) lernt schnell den harten Alltag kennen, die wenigen Frauen werden ständig erniedrigt und geschändet. Dennoch hält Bobby nicht alle Inselbewohner unter seiner sadistischen Fuchtel, eine kleine Gruppe úm A.J. (Don Marshall) schlägt sich auf eigene Faust durch. Eines Tages befreit A.J. die geknechteten Frauen aus den Klauen des Gewaltherrschers, Carmen und ihre Begleiterinnen schließen sich den Rebellen an ...

Stephanie Rothman inszenierte u. a. den "tragisch-schönen" Vampirstreifen "The Velvet Vampire" (1971), für zarte Zwischentöne bleibt in "Terminal Island" deutlich weniger Raum. Trotz Gewalt, Sex und überwiegend grober Dialoge, beschränkt sich Rothman nicht auf stupides Geschlachte, bedient sich clever aus unterschiedlichen Genretöpfen. So würde der staatliche Umgang mit unliebsamen Subjekten in dystopische Werke passen, während die Besetzung der "Heldenrollen" in Richtung Blaxploitation weist. Kalt und konsequent entledigt sich die Staatsgewalt lästiger Bürger, wer auf die Insel kommt gilt als tot, selbstverständlich behördlich beurkundet. Tatsächlich geht es auf der Insel übel zur Sache, gewissermaßen ein übergroßer Schlachthof mit begrenztem Auslauf für Vieh und Metzgergesellen. Als zynischer Metzgermeister hält sich Vater Staat im Hintergrund, möge sich der Pöbel bitte gegenseitig fressen. Schauwerte hin oder her, "Terminal Island" transportiert vor allem jede Menge Zeitgeist der späten sechziger/frühen siebziger Jahre, Rebellion gegen unmenschliche Zustände ist Plicht, bei Bedarf mit Gewalt, mit freundlichen Grüßen in Richtung Richard Nixon.

Don Marshall gefällt als mutiger Rebellenführer, sein Gegenpol Sean Kenney hinterlässt freilich den bleibenderen Eindruck, darf er doch den völlig haltlosen und austickenden Irren vom Stapel lassen. Ena Hartman gibt die unbeugsame Schwarze, kommt mir wie Pam Grier im Schmalspurformat vor. Phyllis Davis fällt als -gar nicht dummes- Blondchen positiv auf, Tom Selleck sehen wir als Arzt auf Dope. Ich will nicht alle Namen abspulen, freut auf treffsicher besetzte Haupt- und Nebenrollen, fiese Fratzen, hartes Muskelfleisch und nackte Haut.

"Terminal Island" gefällt als "wüster Reißer mit Message", sammelt Punkte mit seiner wilden Mixtur aus Dystopie, Blaxploitation, Foltercamp, Action, Gewalt, Erotik und einer Prise Humor. In Deutschland wurde das Werk unter dem Titel "Männer wie Tiger" ausgewertet. Leider habe ich diese Fassung noch nicht gesehen, jedoch lassen kurze Einblicke auf deutliche Veränderungen der Marschrichtung schließen. Darauf weist nicht nur die stark gekürzte Spieldauer hin, offenbar hat man massiv an den Dialogen geschraubt, den Streifen zu einer Nummernrevue platter Sprüche umfunktionert. Sicher keine sorgfältige Behandlung der Vorlage, aber vermutlich ein herrlich unterhaltsames Beispiel für eigenwillige "Synchronkultur" vergangener Jahrzehnte.

Mir liegt "Terminal Island" als DVD aus dem Hause Code Red vor. Geboten wird ansprechende Qualität, interessante Interviews mit Sean Kenney und Don Marshall, auf Wunsch gibt es einen Audiokommentar aufs Ohr, Trailer zum Film und weiteren Titeln aus dem Labelprogramm, ferner Phyllis Davis per Telefoninterview. Klarer Kauftipp, beide Daumen hoch!

Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)


Lieblingszitat:

"I'm gonna cut your liver out, man!"


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Im Ultrakurzformat:



• Joshua Tree (USA 1993) - Santee (Dolph Lundgren) ist in kriminelle Machenschaften verstrickt, Kumpel Eddie Turner (Ken Foree) fällt bösartigen Drahtziehern zum Opfer. Nun muß Santee als Sündenbock herhalten, sich gegen mordlüsterne Cops zur Wehr setzen ...

Was für ein Knüller! Prächtiger B-Actioner vor großartiger Kulisse, perfekt besetzt. Mein Dolph in Bestform, Kristian Alfonso als attraktive Begleiterin, George Segal dreht in der Rolle des korrupten Bullen völlig ab, grandios! Es setzt Prügel, es wird geballert, es mangelt nicht an Härte und Humor, zwischen Dolph und seiner "Geisel" knistert es gewaltig. Vollbedienung!

Bisher lag mir der Streifen lediglich auf der schwachen Scheibe von Laser Paradise vor, die dem Film nicht ansatzweise gerecht wird ("Barret - Das Gesetz der Rache"). Abhilfe schafft die sehr schöne BD/DVD Combo (BD: Regionalcode A) aus den USA, endlich erstahlt "Joshua Tree" in seiner gesamten Pracht! Mir fällt der Verzicht auf die deutsche Synchronisation in diesem Fall leicht, da deren Qualität sowieso sehr bescheiden ausgefallen ist.

Extrem feiste 9/10 (überragend)



• Panische Zeiten (Deutschland 1980) - Udo Lindenberg (Udo Lindenberg) gerät in die Fänge der Staatsgewalt, Detektiv Carl Coolman (Udo Lindenberg) macht sich auf die Suche nach dem entführten Rockstar ...

Erschfrischend naiv eiern Udo und seine Mannschaft durch diese Sause, fröhliche Laiendarsteller treffen auf diverse Profis (z. B. Vera Tschechowa, Eddie Constantine), das Drehbuch schlägt irre Purzelbäume. Obendrauf gibt es eine kräftige Portion Hamburg, typische Stimmung der späten siebziger/frühen achtziger Jahre, Udo haut jede Menge lockere Sprüche raus, abgerundet durch einige Songs aus des Meisters Repertoire. Für Lindenberg Fans sehenswert, für Freunde des deutschen Films sehenswert, irgendwie anders, dennoch typisch. Mag ich.

Turbine hat dem Streifen eine tolle Auswertung spendiert. "Panische Zeiten" liegt in sehr ansprechender Qualität vor, interessante Boni runden das Paket ab.

7/10 (gut)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 21.04.2013 13:15 
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• River of Death (USA 1989) - Michael Dudikoff führt diverse Gestalten tief in den Dschungel, eine geheimnisvolle Siedung soll gefunden werden. Unterschiedliche Motive treiben die beteiligten Damen und Herren, bereits im Verlauf der "Anreise" sind erste Verluste zu beklagen ...

Michael Dudikoff diesmal nicht als nahezu unzerstörbarer Oberklopper, die Rolle des eher durchschnittlichen Abenteurers steht im durchaus gut zu Gesicht. In den Nebenrollen wird nicht mit gestandenen Charakterköpfen gegeizt, Donald Pleasence ist als reicher Geschäftsmann unterwegs, Herbert Lom gibt den zwielichtigen Polizist, Robert Vaughn führt im Dschungel ein Camp des Grauens, L.Q. Jones wird vielen Filmfreunden ebenfalls ein Begriff sein. Für Schmunzler sorgt die unfassbare Darbietung einer jungen Dame namens Cynthia Erland.

"River of Death" wurde im Jahr 1965 angesiedelt. Zum Auftakt gibt es einen stimmungsvollen Blick zurück auf die letzten Tage der Naziherrschaft, Pleasence und Vaughn dürfen ordentlich vom Leder ziehen. Leider kommt Robert Vaughn insgesamt insgesamt zu kurz, taucht erst wieder im Finale auf, schade. Mir bereitet der Mix aus Abenteuer, Action und Unfug viel Freude, an der DVD aus der Reihe "KSM Klassiker" gibt es nichts zu meckern, gute Qualität zum sehr fanfreundlichen Preis. Als deutlich stärkere Alternative (oder zünftiges Double Feature) bietet sich "Blutgericht am Amazonas" an, erschienen im Rahmen der Trash Collection aus dem Hause CMV.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 23.04.2013 22:50 
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The Loreley's Grasp - Die Bestie im Mädchen-Pensionat (Spanien 1976, Originaltitel: Las garras de Lorelei)

Herzliches mit Helga

Eine beschauliche Ortschaft am Rhein wird von einer Bestie heimgesucht. Im fahlen Mondlicht rückt das Ungetüm an, reißt entsetzten Opfern das Herz heraus und verschwindet. In der Nähe besuchen jungen Damen eine Privatschule, beunruhigt engagiert man auf Empfehlung den erfahrenen Jäger Sigurd (Tony Kendall), er soll mögliche Übergriffe des grausamen Killers unterbinden. Lehrkraft Elke (Silvia Tortosa) zeigt zunächst wenig Begeisterung für die Anwesenheit des Beschützers, schließlich bringt der smarte Bursche sämtliche Liebeshormone der Schülerinnen in Wallung. Außerhalb Sigurds Arbeitsbereichs kommt es zu weiteren Morden. Der verwirrt anmutende Professor Van Landen (Ángel Menéndez), erläutert dem Jäger eine erschreckende Theorie! Im Schein des Mondes erhebt sich Loreley aus den Fluten des Rheins, verwandelt sich in ein blutrünstiges Monster, ein Monster welches sich von den Herzen seiner Opfer ernährt. Sigurd trifft in der Nähe des Flusses auf eine atemberaubend schöne Frau (Helga Liné), wird von prickelnder Faszination und Zuneigung ergriffen. Handelt es sich tatsächlich um die legendäre Loreley? Kann Sigurd zukünftige Morde verhindern? Welche Pläne hat die rätselhafte Schönheit mit Sigurd? ... und welcher Art sind Elkes Gefühle, deren Abneigung gegen den attraktiven Mann allzu übertrieben und vorgeschoben wirkt ...???

Regisseur Amando de Ossorio ist vor allem für "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, 1971) bekannt. Diesem Klassiker des spanischen Horrorfilms folgten drei -ebenfalls von de Ossorio inszenierte- Fortsetzungen. Seine Interpretation der Loreley Sage, vermengt mit den Nibelungen, ist weitaus weniger bekannt, sollte Freunde des Genres auf Anhieb für sich gewinnen. Liebhaber bekommen all die herrlichen Zutaten geboten, für die sie Filme dieser Beschaffenheit schätzen und verehren.

Mit Silvia Tortosa und Helga Liné gibt es gleich zwei umwerfend schöne Frauen zu bewundern, die Damen standen auch für Eugenio Martins "Horror Express" (1972) gemeinsam vor der Kamera. An der Seite von Helga Liné würde ich sofort in den Fluten des Rheins versinken, über ihre kleinen Beutezüge bei Vollmond sehe ich gern hinweg. Tony Kendall gibt den coolen Helden, natürlich ganz Macho mit Kippe in der Schnauze und behaarter Brust, Gewehr und Messer stets griffbereit. Ángel Menéndez gibt den verschrobenen Wissenschaftler, Gesichtsruine Luis Barboo macht uns den Alberich, brutaler Scherge des Bösen, herrlich. Luis Induni ringt als Bürgermeister um Kontrolle, aufgebrachter Pöbel möchte große Töne spucken, spätes Mittelalter im Nachkriegsdeutschland. Als Krönung gibt es ein geiferndes Monstrum zu sehen, welches seine Opfer ohne Gnade attackiert. Zwar verzichtet Amando de Ossorio auf nackte Tatsachen, an knisternder Erotik mangelt es indessen nicht. Hier und da klopft der Filmemache ein wenig aufs Mett. Schwabbelherzen werden aus Gummileibern gerissen, Alberich schwingt die Peitsche, Säure zerstört eine Fratze. Selbstverständlich sind die Effekte eher knuffig als schockierend, wirkt das wundervoll absurde Treiben eher liebenswert als wirklich böse. Wenn nicht gerade ein Monster für Unruhe sorgt, scheinen die Schülerinnen vor allem am Swimmingpool zu verweilen, freilich unter den strengen Blicken der Lehrerinnen.

Wer Eurohorror aus den siebziger Jahren ins Herz geschlossen hat, sollte sich diesen feinen Streifen auf jeden Fall anschauen! 2009 entstand die erste Fassung dieses Kurzkommentars, damals nach Sichtung der DVD aus den USA. Inzwischen hat "The Loreley's Grasp" den Weg nach Deutschland geschafft, Shock DVD Entertainment veröffentlichte das Werk auf einer ansprechenden Scheibe. Dort sind nicht nur der spanische Orignalton und die englische Fassung zu finden, es wurde erstmalig eine deutsche Synchronisation erstellt. Erfreulicherweise trifft die Synchro recht gut den Stil der siebziger Jahre, nebenbei wird die Sause nun auch dem letzten Fremdsprachenmuffel zugänglich.

Wundervoller Horrorschatz aus dem Südwesten Europas! Gern erhöhe ich meine Zahlenwertung auf 8/10 (sehr gut). An der immer wieder beschworenen "10/10 Wohlfühlatmosphäre" ändert sich nichts. Grostesk, obskur und knuffiger als knuffig!


Lieblingszitat:

"Eine Kuriosität der Transmutation ist, dass die Dekomprimierung der Zellen einsetzt, während sie sterben, um anschliessend mumifiziert zu werden, wie Sie es bei dieser Hand hier sehen können!"

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... und wieder liegt die nächste Scheibe bereits im Player, daher im Ultrakurzformat:



• Satan's Blood (Spanien 1977) - Ein junges Ehepaar gerät in die Fänge lüsterner Satanisten. Wohin führt der Taumel aus Angst, Lust und Irrsinn ...???

Kleiner Okkult-Streifen aus Spanien, sympathisches Ensemble, herrliche Atmosphäre. Voller Genuß wird die neue Freiheit nach dem Ende des Franco-Regimes genutzt, lang lebe die Nacktheit! Angenehm entspannter Erzählfluss, geschickt ziehen Tempo und Terror punktgenau an. Genau meine Kragenweite, da geht dem alten Hobby-Satanisten das schwarze Herz auf! Mir liegt die mittelprächtige UK-DVD von Redemption vor, vermutlich sind die US-Auswertungen von Mondo Macabro oder Scorpion Releasing zu bevorzugen. "Escalofrío" wurde auch unter den Titeln "Schock" und "Don't Panic" ausgewertet (kann zu Verwechslungen mit anderen Filmen führen).

Nagelt bis die Schwarte kracht, Satan kommt um Mitternacht! 7/10 (gut)



• Graduation Day (USA 1981) - Mitglieder eines Schulsport-Teams werden von einem unheimlichen Killer gemeuchelt. Einige Zeit zuvor verstarb Laura bei einem Wettlauf auf tragische Weise, ihre Schwester Anne (Patch Mackenzie) erscheint dennoch zur bevorstehenden Abschlussfeier ...

Slasherfans bekommen anschaubare Damen und diverse Kills aufs Auge, Christopher George ist als grummliger Coach am Start. Leider verliert sich "Graduation Day" hier und da in Belanglosigkeiten, verzichtet auf den Aufbau eines tragfähigen Hauptcharakters. Diese Marschrichtung passt hier nicht immer, Patch Mackenzie bleibt leider unterfordert. Letztlich trägt typische "Früh-Achtziger-Slasher-Atmosphäre-samt-Standard-Umfeld" die Sause sicher in den grünen Bereich, routinierte Zielgruppenbedienung mit Ecken, Kanten und Augenzwinkern. In meiner Sammlung steht die US-Scheibe von Troma.

6,5/10



• Die Gewalt bin ich (Italien 1977) - Genremeister Umberto Lenzi hetzt Maurizio Merli, Tomas Milian und John Saxon aufeinander, Charakterkopf Renzo Palmer ist in einer Nebenrolle am Start, Kenner freuen sich über weitere geschätzte Ergänzungsfratzen. So sieht ein erstklassiger Polizeifilm aus Italien aus, so herrlich kann sich der prächtige Stoff anfühlen! Prügel, Geballer und kernige Sprüche, die grandiose Besetzung treibt mir Freundentränen in die Augen! Nebenbei bleibt sogar Raum für einen gelungenen "Heist-Einschub", lediglich in der Disziplin Verschrottung von Automobilen, hält sich Meister Lenzi ein wenig zurück.

Ganz, ganz großes Lob für die DVD aus dem Hause filmArt! "Il cinico, l'infame, il violento" liegt in ansprechender Qualität vor, uns steht nicht nur die (starke) deutsche Synchronisation zur Verfügung, auch italienischer und englischer Ton sind wählbar, weiterhin ein prächtiger Audiokommentar mit den (S)Experten Christian Keßler und Pelle Felsch. Dazu gibt es Interviews mit John Saxon und Franco Micalizzi, ein Booklet mit Anmerkungen von Umberto Lenzi, Trailer bilden als Sahnehäubchen, das Case steckt in einem schicken Schuber. Sehr respektvolle und fanfreundliche Veröffentlichung, absoluter Kaufzwang!

8/10 (sehr gut)


... selbstverständlich erfreuten mich noch etliche andere Streifen, aber ich habe keine Zeit für weiteres Geschreibe, die nächste Sause wartet ungeduldig auf mich ...

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Blap wrote:
Nagelt bis die Schwarte kracht, Satan kommt um Mitternacht!


:lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

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Liebe ist nur ein Wort (Deutschland 1971, Originaltitel: Liebe ist nur ein Wort)

Alfred Vohrers Simmel Konzentrat #2

Oliver Mansfeld (Malte Thorsten) hegt Groll gegen seinen Vater, will mit den kriminellen Machenschaften des reichen Unternehmers nichts zu tun haben. Mit 21 will Oliver endlich das Abitur bewältigen, wird von Internatsleiter Dr. Florian (Friedrich Siemers) freundlich als neuer Schüler aufgenommen. Zuvor erlebt der junge Mann eine unvergessliche Begegnung, verliebt sich in die rund zehn Jahre ältere Verena Angenfort (Judy Winter). Verena ist mit Manfred Angenfort (Herbert Fleischmann) verheiratet, seinerseits langjähriger Geschäftspartner von Olivers Vater. Zunächst vermag Verena den Annährungsversuchen des charmanten Oliver zu widerstehen, schliesslich wird sie sich von ihren Gefühlen überwältigt, gibt sich Liebe und Leidenschaft hin. Als Verena für einige Tage nach München fährt, aufkeimender Verdacht des Gatten soll entkräftet werden, taucht Oliver plötzlich im Hotel auf. Die beiden erleben wunderschöne Momente voller Zärtlichkeit, Träume einer gemeinsamen Zukunft nehmen Gestalt an, doch Oliver unterschätzt Manfred Angenforts präzise Boshaftigkeit ...

Freilich lassen sich nicht alle Charaktere und Handlungsstränge eines Romans von Johannes Mario Simmel in knapp 107 Minuten Spielfilm packen. Glücklicherweise unterlässt Drehbuchautor Manfred Purzer entsprechende Versuche, stellt die Liebesgeschichte zwischen Oliver und Verena in den Mittelpunkt. Regisseur Alfred Vohrer zaubert daraus ein kurzweiliges und anrührendes Stück Kino, obschon auf viele Details verzichtet wurde, trifft Vohrers Inszenierung sehr gut die Atmosphäre der Romanvorlage. Welche Relevanz hat Liebe, wer geht wie weit? Simmel und Vohrer wurden von Kritikern gern als "trivial" und "klischeebeladen" abgetan, Werke aus Deutschland durften nicht unterhaltsam sein, echte Kunst musste zwingend "vordergründig-hintergründig intellektuell" und schwer zugänglich gestaltet werden, sich zumindest entsprechend eingefärbt präsentieren. Mit geifernder Ignoranz fuchtelte die Keule des Feuilleton vor unserer Nase herum, sausten verbale Knüppel auf Autoren, Filmemacher, Leser und Zuschauer hinab. Inzwischen wendet sich das Blatt zunehmend, werden großartige Schöpfer wie Simmel und Vohrer nicht mehr aus allen Rohren mit Dreck beschossen.

Vohrers punktgenaue Inszenierung lebt von der Erfahrung des Regisseurs, gepaart mit frischem Wind der frühen siebziger Jahre. Großes Lob verdient das starke Ensemble. Allen voran Nachwuchstalent Malte Thorsten, der Oliver Mansfeld nicht lediglich als hübsche Fassade zeichnen darf. Ein bißchen zorniger junger Mann, mehr noch erstaunlich warmherzig und leidenschaftlich, sicher klug und bei Bedarf zielstrebig, gleichzeitig noch immer in jugendlicher Kurzsichtigkeit verstrickt. Genau diese liebenswerte Naivität führt zur fatalen Fehleinschätzung der Gegenspieler, zur fürchterlichern und unumkehrbaren Kurzschlusshandlung. Judy Winter bleibt weniger Raum zur Entfaltung, ihre innere Zerrissenheit kommt nur in wenigen Szenen deutlich zum Vorschein. Dies hängt nicht mit Winters schauspielerischen Qualitäten zusammen, ist vielmehr der überschaubaren Spieldauer des Streifen geschuldet, steht in Verbindung mit der Fokussierung auf den Charakter Oliver Mansfeld. Gern hätte ich Verena Angenfort ausführlicher und tiefgehender angelegt gesehen, schon wegen Judy Winters ansprechender Darstellung, andererseits bleibt die "knackige Kompaktheit" des Drehbuchs unangetastet. Herbert Fleischmann fällt die Rolle des Antagonisten zu, berechnend und konsequent, Höllenfeuer unter glatter Oberfläche, bedrohlich brodelnder Vulkan. Fleischmanns Angenfort kommt als Fiesling mit Facetten daher, während sein Hausangestellter Leo -ansprechend dargeboten von Karl Walter Diess- auf das Format des willigen Helferleins ohne Skrupel beschränkt bleibt. Joey Schoenfelder macht uns die fiese Terrorbratze namens Hansi, entpuppt sich als Widerling mit psychotischen Anfällen, neigt zu bizarren Ausfallerscheinungen. Donata Höffer sehen wir als Olivers Mitschülerin Geraldine Reber. Unglücklich in den Protagonisten verliebt, sorgt Geraldine für Anflüge von Ambivalenz, fügt dem Mosaik zarte Nuancen hinzu. Friedrich Siemers, Konrad Georg und Inge Langen spielen nicht minder ansprechend, weitere Ausführungen würden jedoch den Rahmen dieses Kurzkommentars sprengen.

Gern tauche ich mit Alfred Vohrer tief in die frühen siebziger Jahre ein. Sofort nimmt mich der Auftakt gefangen, werde ich von "wohliger Tristesse" verführt, entführt und berührt. Ja, hier und da springt uns bedeutungsschwangere Symbolik regelrecht an, wird manches Klischee bedient. Vor allem funktioniert das Zusammenspiel von Inszenierung, Ensemble und temperamentvoller Kameraarbeit vorzüglich, trifft handwerkliches Können auf Momente überschäumender Atmosphäre und großer Gefühle. Trivial? Nein, pralles Leben! Vor "Liebe ist nur ein Wort" lieferte Vohrer die Verfilmung vom Simmels "Und Jimmy ging zum Regenbogen" ab. Waren dort noch Geheimdienste und Verschwörungen bestimmendes Thema, tritt nun die Liebe der Hauptfiguren deutlicher in den Vordergrund. Simmels liebender Protagonist liebt mit allem was er hat, ist bereit alles für die Liebe zu geben, wirft sein gesamtes Leben in die Waagschale. Dick aufgetragen? Egal, mich hat der Streifen berührt und gleichzeitig vorzüglich unterhalten. Nach dem Ende Stille um mich herum, umhüllt von warmer Dunkelheit, Silhouetten meiner DVD/BD-Regale versprechen den nächsten Trip. Vermutlich verging eine halbe Stunde, irgendwann kehrte ich in die Realität zurück. Ab ins Bett, neben Lady Moon eingeschlafen und von Judy Winter geträumt (Schwester Hildegard, wir müssen die Dosis des Patienten Blap erhöhen!). Film macht glücklich. Lieber Alfred, lieber Johannes Mario, liebe Judy, lieber Malte, ich bedanke mich für die schöne Zeit.

Kinowelt präsentiert den Film auf einer brauchbaren DVD, zeigt sich in der Disziplin Boni recht sparsam. Sollte sich jemand um eine neue Abtastung und Aufbereitung bemühen, ich greife gern zu!

Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut, Tendenz steigend)


Lieblingszitat:

"Meine Anzüge passen Ihren sicher nicht."

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PostPosted: 29.05.2013 12:55 
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DVD: Code Red (USA)



Brute Corps (USA 1971, Originaltitel: Brute Corps)

Söldner des Schreckens

Terry (Jennifer Billingsley) ist per Anhalter unterwegs, trifft eines Tages auf den ebenfalls umherstreifenden Kevin (Joseph Kaufmann). In Mexiko fühlt sich Kevin sicherer, kann dem Zugriff von Uncle Sam entgehen. Auch Colonel Burkhard (Charles Macaulay) und seine wüste Söldnertruppe suchen den Nachbarstaat der USA auf, man will in einem provisorisch errichteten Lager auf den nächsten Auftrag warten. Terry und Kevin begegnen zufällig Wicks (Alex Rocco), ahnungslos folgt das Pärchchen dem psychotischen Burschen ins Lager der Kriegshunde. Spielchen münden in einen Kampf der Söldner um Terry, nur knapp kann sich Kevin dem tödlichen Zugriff der Mordbuben entziehen. Während die junge Frau erniedrigt und geschändet wird, hofft Kevin auf Hilfe aus dem nächsten Dorf. Sheriff Alvarez (Joseph Bernard) möchte jedoch keinen Ärger, Kevin begibt sich allein und unbewaffnet auf eine lebensgefährliche Rettungsmission ...

In den späten Sechzigern/frühen Siebzigern, sorgten langhaarige "Rocker" für Angst und Schrecken, brausten auf lauten Mopeds durch die Landschaft, schreckten vor keiner Schweinerei zurück. "Brute Corps" reicht den schwarzen Peter weiter, hier fungieren Söldner als Unholde, entwurzelte Killermaschinen ohne Gnade. In den ersten Minuten unterstreicht man die Gefährlichkeit der Herren, tatsächlich taucht eine kleine Gruppe Biker auf, legt sich mit den Söldnern an und endet tot im Staub. Vom Krieg in Vietnam hatte man die Nase gestrichen voll, er machte aus ehemaligen Soldaten irre Söldner, Sympathieträger Kevin verweigert den Dienst an der Waffe, offensichtlich kommt der Flick nicht ohne kritische Aussage daher. Freilich stehen Unterhaltungs- und Schauwerte im Vordergrund, es mangelt nicht an harschen Dialogen, Schlägereien und Waffengebrauch, Notzucht und sonstigen Fürchterlichkeiten. Geschickt die Wahl des Schausplatzes, eine einsame Gegend in Mexiko, aus nordamerikanischer Sicht nahezu rechtsfreier Raum.

Hier erweist sich der Blick auf Ensemble als besonders lohneswert, denn "Brute Corps" vermag mit einer stattlichen Ansammlung "echter Typen" zu wuchern. Jennifer Billingsley und Joseph Kaufmann bleiben als angehendes Liebespaar in angenehmer Erinnerung, werden aber von den Bösewichtern an die Wand gespielt. Alex Rocco dreht in der Rolle des völlig durchgeknallen Sadisten ordentlich auf, erfreut immer wieder mit neurotischen Ausbrüchen. Ruhiger Gegenpol Roy Jenson, nicht minder gefährlich, kaltblütig statt hitzköpfig. Felton Perry haut lockere Sprüche aus, mutet eine Spur weniger unmenschlich an, Charles Macaulay hat zunehmend Mühe den Sauhaufen unter Kontrolle zu halten, lässt seine räudigen Hunde vorsichtshalber von der Kette. Paul Carr spielt einen Typen namens Ross, scheint als einziges Mitglied der Söldnerbande nicht völlig verroht, rückt mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr in den Mittelpunkt. Joseph Bernard gibt den mexikanischen Sheriff, schwerfällig und ängstlich, nicht gänzlich ohne Anflüge von Schlitzohrigkeit. Damit sind die wichtigsten Beteiligten genannt, freut euch auf üble Gestalten und verzweifelt kämpfende Opfer.

Regisseur Jerry Jameson legte mit "Brute Corps" seinen ersten Kinofilm vor. Wenig später folgte mit "The Dirt Gang" (1972) ein Biker-Streifen, dort tauchen z. B. Paul Carr und Charles Macaulay erneut auf. Überwiegend arbeitete Jameson für das amerikanische Fernsehen, inszenierte diverse Episoden bekannter Serien ("Cannon", "Der sechs Milionen Dollar Mann", "Die Straßen von San Francisco"). In Deutschland wurde "Brute Corps" unter dem Titel "Des Teufels tolle Hunde" ausgewertet, bisher liegt keine DVD oder BD vor. Ergo beschaffte ich mir die Scheibe aus den USA, Code Red präsentiert den Flick in ansprechender Qualität, im Bonusbereich sind Interviews mit Felton Perry und Parker West zu finden (vor allem Felton Perry plaudert sehr unterhaltsam, unbedingt anschauen).

"Brute Corps" zündet, Krawall und Geschmuddel nach meinem Geschmack, kantige Fratzen, kernige Sprüche, meine Suhle! Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!


Lieblingszitat:

"What the hell is going on here? You are on maneuvers! This is not saturday night in the local cathouse!"

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DVD: Koch Media



Der flüsternde Tod (Deutschland, Großbritannien, Rhodesien (heute Simbabwe), Südafrika 1976, Originaltitel: Albino)

Große Gefühle, weites Land

Terrick (James Faulkner) beendet seine Dienstzeit bei der Polizei, freut sich auf eine glückliche Zukunft mit Sally (Sybil Danning). In letzter Zeit sorgen Ausbrüche von Gewalt für Unruhe, Terrick warnt seinen Vorgesetzten Bill (Christopher Lee) vor drohender Gefahr. Am Abend der Abschiedsfeier passiert das Unfassbare, Sally wird vom irren Terroristen Albino (Horst Frank) überfallen und bestialisch getötet. Rasend vor Hass und Schmerz schwört Terrick Rache! Ohne Rückendeckung seitens zuständiger Behörden und Gesetzeshüter, begibt er umgehend sich auf die Fährte des Albinos ...

Jürgen Goslar ist dem deutschen Publikum vor allem als Regisseur (und Darsteller) diverser TV-Produktionen bekannt, dazu gehören unverwüstliche Reihen wie z. B. "Derrick" oder "Der Alte". Er war aber auch als Produzent und Drehbuchautor aktiv, erledigte diese Aufgaben beim hier kurz vorgestellten Film. Hier gelingt ihm als Regisseur und Drehbuchautor die wunderbare Verschmelzung unterschiedlicher Genres, munter bedient sich Goslar aus verschiedenen Schubladen, fügt Fragmente zu einem durchweg stimmungsvollen Werk zusammen. Zu Beginn gibt es zwischen Faulkner und Danning romantische Momente, teils nahezu in Gefilde à la Rosamunde Pilcher führend. Doch schon während dieser Phase sind brodelnde Zwischentöne auszumachen, bis die Romanze abrupt per roher Gewalt beendet wird. Nun folgt eine Hatz inklusive Mord und Totschlag, mehrfach von kerniger Gangart, dennoch lässt sich Goslar nie zu extrem ruppigen Details hinreißen. Neben Liebe und Rache ist Loyalität ein Thema, während die politischen Aspekte im Pulverfaß südliches Afrika lediglich als Aufhänger dienen, nicht genauer umrissen unter der Lupe des Betrachters landen. Erstaunlich nüchtern (gleichwohl betörend) fängt die Kamera das Geschehen inmitten prächtiger Landschaften ein. Weder Regie und noch Kamera erliegen der Versuchung sich lustvoll in Schönheit zu aalen, in diesem Rausch den roten Faden zu verlieren. Kameramann Wolfgang Treu lässt dem Umfeld genung Raum um den Zuschauer zu faszinieren, degradiert aber Handlung und Akteure nie zur Nebensache. Treu bezeichnet seinen Stil als "eine Art poetischen Realismus", treffender kann man es wohl nicht ausdrücken (zu finden im Bonusbereich der Veröffentlichung von Koch Media).

Regie und Kamera großartig, wie ist es um die Herrschaften vor der Kamera bestellt? James Faulkner mag zunächst etwas unscheinbar anmuten, erweist sich mit fortschreitender Spieldauer jedoch als Glücksgriff. Terrick ist kein unverwundbarer Rächer aus einem Comicstrip, Faulkner zeichnet überzeugend einen verzweifelten Menschen, der sich nur noch aus einem Grund aus den Trümmern seines zerstörten Lebens erhebt, er will Vergeltung, egal um welchen Preis, er hat nichts mehr zu verlieren. Antagonist Horst Frank kommt mit vergleichsweise wenig Spieldauer aus, bleibt allerdings dauerhaft in Erinnerung. Monströs, animalisch, fanatisch, obendrein kann die Arbeit von Makeup artist Colin Arthur nur als grandios bezeichnet werden. Christopher Lee agiert als lokaler Polizeichef zurückhaltend, dem aufmerksamen Zuschauer werden kleine Spitzen sicher nicht entgehen. Sybil Danning erfreut in der frühen Phase unsere Augen, Trevor Howard sehen wir als ihren gebrochenen Vater. Erstaunlich wandlungsfähig Erik Schumann, seine Darstellung des harten Offiziers ist ein Hochgenuss! Sascha Hehn, damals noch ein ganz junger Bursche, kommt in seiner Nebenrolle als Freund des Hauptcharakters angenehm unschleimig daher. Weitere Nebenrollen wurden mit schwarzen Darstellern besetzt, teils als Begleiter Terricks, teils als Sympathisanten des irren Aufwieglers Albino.

"Der flüsternde Tod" ist ein fast vergessenes Kleinod! Vielleicht mag der Plot nichts bahnbrechendes bieten, doch phantastisches Umfeld, wundervolle Kamera, motivert aufspielendes Ensemble, platziert einem Gerüst aus zuverlässigem Handwerk, machen den Streifen zu einem herrlichen und unvergesslichen Filmerlebnis! Bei aller Begeisterung für Regie, Kamera und Ensemble, soll der sehr eingängige und angenehme Score von Erich Ferstl nicht unterschlagen werden.

Großes Lob für die DVD aus dem Hause Koch Media! Der Film liegt in sehr ansprechender Verfassung vor, schöne Farben und angenehme Schärfe, Laufstreifen und Kratzer sorgen für "echtes Filmfeeling", fernab zu Tode gefilterter Sterilitäten. Offensichtlich blieb der Filterwolf im Zwinger, vielen Dank dafür! Eine zweite DVD liegt bei, dort finden wir aktuelle Interviews mit Jürgen Goslar (rund 40 Minuten), Kameramann Wolfgang Treu (rund 28 Minuten), zusätzlich ältere Ausführungen von Erik Schumann (rund 14 Minuten). Anschauen, es lohnt sich! Ich möchte daher auch die Veröffentlichung von Koch als Kleinod bezeichnen, ganz klarer Kaufzwang!

Dicke 8/10 (sehr gut) für den Film! Höchstnote für den Repertoirewert der DVD, sicher eine der wichtigsten Veröffentlichungen der letzten Jahre!


Lieblingszitat:

"Ich will den Albino!"

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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DVD: Motion Picture (kleine Hartbox #2)



Woodoo - Inferno des Grauens (Spanien 1974, Orginaltitel: La noche de los brujos)

Zwischen Voodoo, Räppelchen und saurem Gesichtsbad. In Afrika ist die Hölle los!

Alter Kurzkommentar aus dem Jahr 2010, anlässlich der deutschen DVD-Veröffentlichung leicht überarbeitet!

Bumbasa im Jahre 1910. Eine junge Schönheit wird von Voodooanhängern gepeinigt. Freilich versteht der Peitschenschwinger sein Handwerk, lässt das effektive Arbeitsgerät zielsicher auf die Dame klatschen, flugs fliegend die Klamotten vom zarten Leib. Damit nicht genug, nun wird noch ein wenig auf die Möpse eingepeitscht, Spaß muss sein! Damit noch immer nicht genug, denn nun wird gerödelt und gebissen, der rote Saft muß um jeden Preis fließen. Ihr ahnt bereits, jenes wüste Treiben war erst das Vorspiel! Nun packt man das Opfer auf den Altar, es wird getrommelt und getanzt, getanzt und getrommelt. Plötzlich bedeutungsschwangere Stille! Die Machete wird geschwungen und saust hinab, ratzfatz ist die Rübe ab! Solche Unverfrorenheit kann und darf nicht geduldet werden. Soldaten umstellen den Platz des Schreckens, sämtlich Voodooanhänger gehen im gnadenlosen Bleihagel unter ...

Bumbasa in den siebziger Jahren. Professor Grant (Jack Taylor), Rod Carter (Simón Andreu) und drei junge Damen reisen mit zwei Geländewagen an. Der ortsansässige Tomunga (José Thelman) taucht auf, warnt die Gruppe vor dem Dschungel und den finsteren Nächten. Natürlich betrachtet man seine Ausführungen als Unsinn und Aberglaube, verdächtigt ihn sogar wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Lediglich Rods Begleiterin (Kali Hansa) verspürt eine Art innere Unruhe. Liz (Maria Kosty), verwöhnte Göre Liz aus reichem Haus, plagt sich derweil mit anderen Sorgen. Zunächst macht sie Grant mit Nachdruck klar, dass sie nicht gewillt ist beim Aufbau der Zelte behilflich zu sein. Generell werde sie im Bezug auf Arbeit keinen Finger rühen, schliesslich sei ihr wohlhabender Vater Sponsor der Forschungsreise. Ihre schlechte Laune ist allerdings eher auf die Tatsache zurückzuführen, dass sie bei Rod Carter offensichtlich keine Chance hat. Als sich die Nacht ankündigt übernimmt Rod die erste Wache, seine heißblütige Freundin besteht darauf ihn zu begleiten. Fotografin Carol (Loreta Tovar) nutzt die Nacht zum fotografieren der reizvollen Umgebung. Zunächst "erwischt" sie den Wachhabenden und seinen Anhang beim Liebesspiel am Fluß, doch bald zieht es sie hinein in den dunklen Dschungel. Umherirrend fällt sie unheimlichen Gestalten in die Hände, Rituale wie einst 1910 spielen sich ab. Die damals geköpfte Dame schwirrt nun mit spitzen Fangzähnen bewaffnet umher, trägt ein knappes Leoparden-Dress zur Schau, schwingt nun höchstselbst die Peitsche des Grauens! Carol verliert bei der folgenden Zeremonie nicht nur ihre Bluse. Als die Fotographin am nächsten Morgen nicht wieder auftaucht, beginnen die Männer mit der Suche im Wald des Schreckens. Erneut erscheint der rätselhafte Tomunga, meint er es wirklich gut mit seinen Warnungen? Die Suche bringt nicht den gewünschten Erfolg, immerhin findet man Carols Fotoapparat. Unfassbares Grauen wird in der bevorstehenden Nacht mit aller Gnadenlosigkeit über die Gruppe hereinbrechen. Gibt es ein Entrinnen aus dem teuflischen Voodoo-Dschungel des unbarmherzigen Todes???

Ich beginne meinen Kurzkommentar mit dem ersten Satz aus meinen Ausführungen zu "The Loreley's Grasp (Las garras de Lorelei, 1973): "Regisseur Amando de Ossorio ist vor allem für "Die Nacht der reitenden Leichen" (La noche del terror ciego, 1971) bekannt. Diesem Klassiker des spanischen Horrorfilms folgten drei -ebenfalls von de Ossorio inszenierte- Fortsetzungen." Auch der erwähnte "Las garras de Lorelei" ist ein äusserst liebenswerter Beitrag zum spanischen Horrorfilm, ergo war meine Vorfreude auf "La noche de los brujos" entsprechend. Ich wurde nicht enttäuscht, erneut gelang de Ossorio ein sehr schöner Beitrag zum Genre. Bereits die Eröffungsszene lässt kaum eine Liebenswürdigkeit aus. Es wird gepeitscht, gerödelt und gebissen, wohlgeformte Möpse glänzen blutig im satanischen Schein des Höllenfeuers, die gepeitschte Schönheit namens Bárbara Rey erfreut das feuchte Auge des Betrachters. Obwohl sie ihren Kopf verliert, kommt sie uns nicht abhanden, streift auch über 60 Jahre später als teuflische Leoparden-Frau durch den Dschungel. Tomunga berichtet den ungläubigen Ankömmlingen von diesen Damen. Am Tag sind sie als Leoparden unterwegs, in den Nächten erhalten sie ihre menschliche Gestalt zurück und gieren nach Blut. Wenn die Leoparden-Ladies dann tatsächlich im knappen Outfit durchs Szenario hüpfen, selbstverfreilich in Zeitlupe, geht dem geneigten Fan das Herz gleich sperrangelweit auf (am Tag laufen teils Geparden durchs Bild, was solls ...). Von solch heißen Bestien würde ich mich zu gern anknabbern lassen (obwohl sie vermutlich kein Gammelfleisch akzeptieren). Was genau sind die Leoparden-Damen denn nun? Sexy-Voodoo-Vampire, tagsüber als Raubkatzen getarnt. Praktisch, schließlich fallen im Busch rumstehende Särge nur unangenehm auf. Eventuell stolpert gar ein Elefant über die Kiste, von der stickigen Luft darin ganz abgesehen. Da katzt man sich tagsüber lieber durch sein untotes Leben, oder nicht?

Wie man es von Eurostreifen der sechziger und siebziger Jahre gewöhnt ist, erfreut die Damenriege die entzündeten Augen des Lüstlings. Blondchen María Kosty dürfte dem Fan spanischer Genrefilme ein Begriff sein, man mag ihr die Zickenrolle nicht wirklich anlasten. Loreta Tovar musste sich bereits mit der bösen Lorelei plagen, Kali Hansa arbeitete mehrfach mit Jess Franco zusammen. Die Männergarde kann mit Simón Andreu punkten, der noch heute gut im Geschäft ist, ich schätze ihn z. B. für seine Darbietungen in den Gialli von Luciano Ercoli. Auch Jack Taylor übt seinen Job noch immer aus, hier wirkt er wie eine magere Kopie von Franco Nero (vermutlich mit "Vorsatz", immerhin war Herr Nero damals sehr populär). Die Mannschaft leistet gute Arbeit, die Eingeborenen dienen lediglich als Bösewichter und Schießscheiben. Heute würde sofort die Keule geschwungen, Abwesenheit "politischer Korrektheit" an den Pranger gestellt.

Im Dschungel geht es hier und da recht sexy zu. Wenn gepeitscht wird -ich komme einfach nicht von diesem Thema los- dann bitte auf nackte Haut. Herr de Ossorio weiß was sich gehört, lässt Herrn Andreu und Frau Hansa ein sehr eindringliches Räppelchen vor der Kamera vollführen, freie Sicht auf Nippel und Bäckcken inklusive. Um eine weitere Hauptattraktion ist es gut bestellt, Metzeleien sind blutig und stilsicher ausgeführt, sorgen für beste Stimmung. Ab und an rollt ein Köpfchen, roter Saft tritt hervor, sehr angenehm und in angemessener Dosierung, überdies wird uns ein kleines Gesichtsbad in Fotochemikalien geboten. Bitte nicht falsch verstehen, der Film ist keinesfalls eine Sex- und Splatterorgie! Ruppig-knuffige fügen sich vortrefflich ins Gesamtbild ein, die -wie bereits geschrieben- richtige Dosierung macht den Reiz aus. Überhaupt bringt der Streifen jede Menge prächtige Atmosphäre ins Haus. Dass der Dschungel eher nach Stadtwald aussieht, stört den freudig erregten Blapschauer zu keiner Sekunde. Wer sich an de Ossorios reitenden Leichen und seiner Lorelei erfreuen kann, wird sich auch mit dieser Prachtsause sehr schnell und innig anfreunden! Gleiches dürfte für Freunde der wundervollen Werke von und mit Paul Naschy gelten. Spanische Horrorfilme der siebziger Jahre, stellen ein schöne Ergänzung zu den Perlen aus Italien und England dar. Man muß sie einfach alle lieben, ich möchte keines dieser Schätzchen missen!

Inzwischen hat "Woodoo - Inferno des Grauens" auch den deutschen Markt auf DVD erreicht. Motion Picture bietet den Flick in ansprechender Verfassung, offenbar basiert die Veröffentlichung auf der vergriffenen Scheibe von BCI (USA). Interessant die im Bonusmaterial zu sehenden Alternativszenen für das damlige Spanien. Nackedeis wollte das Regime nicht auf der Leinwand sehen, ergo musste üblicherweise eine "züchtige" Variante gedreht werden. Auf der DVD werden dem Zuschauer spanischer Originalton und deutsche Synchronisation angeboten, deutsche Untertitel liegen zusätzlich vor. Eine tolle Veröffentlichung, für jeden Fan europäischer Horrorfilme unverzichtbar! Meine US-DVD freut sich über Gesellschaft, die deutsche Synchro geht als solide durch, zählt aber nicht zu den Höhepunkten einheimischer Schöpfungen. Fans und irre Sammler greifen trotz US-Scheibe zu! ... und wer die Ausgabe von BCI verpasst hat, darf sich sowieso riesig über den gelungenen Silberling aus dem Hause Motion Picture freuen!

Klar, ein kleiner Schatz wie "La noche de los brujos" sprengt die Punkteskala, stellt deren Sinn komplett in Frage. Im Vergleich mit zahlreichen Genre-Brüdern und Schwestern, muß ich für de Ossorios Erguss dicke 7/10 (gut) ziehen. Tatsächlich möchte ich für diesen wundervollen und herzallerliebsten Streifen 10/10 Knuffigkeitspunkte auspacken, mich voller Demut im Staub wälzen, den Beteiligten die Füße küssen (zumindest den Damen), um Nachschub flehen ...! Lieber Herr de Ossorio, vielleicht sehen Sie mich von ihrem Kessel aus, ich werde Ihnen irgendwann Gesellschaft in der Hölle der Sünder leisten. Bis dahin vergehen hoffentlich noch ein paar Jahre, mein Dank und meine Verehrung wird Ihnen bereits jetzt zu Teil!

Merke:

Wer sich mit Leoparden-Damen anlegt, dessen Kopf sich Richtung Sarg bewegt!

Merke ferner:

Mach in Bumbasa keine wilde Nummer am Fluß, sonst ist mit dir und deiner Dame bald Schluss!


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"Keine Angst! Es wird schon nichts sein."

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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 144 - Der Fall Weidau (Deutschland 1986)

Familienglück und Lebensgerüste

Klaus Weidau ist tot! Morgens findet man den jungen Mann leblos in seinem Bett, offenbar wurde er mit Blausäure vergiftet. Derrick und Klein erleben Familie Weidau als äussert harmonisches Konstrukt, mehrere Generationen leben glücklich unter einem Dach, angestelltes Personal steht den Weidaus sehr nahe. Auch in der Nacht wird das Haus nie abgesperrt, vermutlich konnte sich der Mörder ohne Schwierigkeiten unbemerkt Zutritt verschaffen. Sämtliche Familienmitglieder berichten vom letzten Abend mit Klaus, wie üblich ein Abend angeregter Gespräche im warmherzigen Rahmen. Ein Tatmotiv ist nicht erkennbar, allerdings scheint auch Selbstmord unwahrscheinlich. Weitere Ermittlungen verlaufen ohne greifbare Ergebnisse, plötzlich ist im Hause Weidau ein weiterer Todesfall zu beklagen ...

"Der Fall Weidau" prasentiert uns einige bekannte Gesichter. In Erinnernung bleiben vor allem Friedrich von Thun als amtierendes Familenoberhaupt, Inge Birkmann als kantige Großmutter, "Dauergast" Ekkehardt Belle diesmal nicht als tragisch trübe Tasse, er gibt den braven Sohn aus gutem Haus. Sympathisch Ernst-Fritz Fürbringer als klappriger Gatte der kernigen Inge Birkmann, während Manfred Seipold in der Rolle des Verwalters eher glitschig anmutet. Ich verzichte auf Aufzählung des gesamtes Ensembles, überwiegend gehen Darsteller und Charaktere in der Atmosphäre dieser Folge auf.

Was steckt hinter der nahezu unglaublichen Harmonie, was brodelt im herrschaftlichen Gemäuer der Weidaus vor sich hin? Autor Herbert Reinecker baut nicht auf sexuelle Perversionen und daraus resultierende Rachegelüste, die tatsächliche Auflösung mag ungewöhnlich geraten, scheint gleichwohl durchaus nachvollziehbar und trifft schmerzhaft ins Herz. Tatsächlich ins Herz? Ja, obschon die überdimensional angelegte Eintracht im familiären Elfenbeinturm teils künstlich erscheint, lässt mich Reineckers "geschickt überhöhte Realität" keineswegs unberührt zurück. Zerbricht das "gut-großbürgerliche" Glück an der eigenen Herrlichkeit? Freilich drängt das Drehbuch den Titelhelden ebenfalls ins philosophisch eingefärbte Horn zu tröten, Horst Tappert bewegt sich gewohnt souverän auf dem -teils gefährlich- rutschigen Parkett. Nebenbei sorgt Fritz Weppers "Pseudo-Schimanski-Jacke" für Schmunzler, Harry muß noch in das Kleidungsstück reinwachsen. Alfred Weidenmanns Regie bleibt nahe am Geschehen, gleiches gilt für die Kameraarbeit um das Team von Michael Georg. Hans Hammerschmid steuert melancholische Musik bei, sein Beitrag drängt sich nie in den Vordergrund, untermalt das Geschehen "stimmungsvoll-unaufdringlich".

7/10 (gut)

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Der Clan der Killer (Italien, Spanien 1973, Originaltitel: Ricco)

Sog der Rache

Ricco (Christopher Mitchum) kommt nach zwei Jahren aus dem Knast. Sein Vater (Luis Induni) war ein mächtiger Gangsterboss, der jedoch im Auftrag des machtgierigen Don Vito (Arthur Kennedy) getötet wurde. Damit nicht genug, Riccos ehemalige Freundin Rosa (Malisa Longo) lebt nun unter der Fuchtel des neuen Unterweltherrschers. Irgendwann trifft Ricco auf eine hübsche und pfiffige Blondine (Barbara Bouchet), mit deren Hilfe er sich in Don Vitos Anwesen einschleicht um Rosa zu treffen. Zwar kann der junge Mann unerkannt flüchten, doch Don Vito ist nun gewarnt und schäumt vor Wut. Bald nimmt ein Albtraum aus unbändigen Rachegelüsten und roher Gewalt seinen Lauf ...

Der italienische Polizei- und Gangster-Film hatte seine große Zeit in den siebziger Jahren. In diesem -von Tulio Demicheli inszenierten- Genrebeitrag, konzentriert sich das Geschehen auf Vorfälle im Milieu der Ganoven, Polizei findet nur als unbedeutende Randnotiz statt. Sämtliche Schauplätze sind stilsicher gewählt und ansprechend fotographiert, der Plot baut auf übliche Rachemotive. Immerhin verleihen unbewältigte Konflikte zwischen Sohn und Vater der Story etwas Tiefe und zusätzliche Tragik, Schwester und Schwager tauchen als (zunächst) möglicher Ausweg auf. Hier und da erlaubt sich der Streifen extreme Gewaltausbrüche, baut auf blutige Schauwerte rüder Gangart. Mir gefällt die deutsche Synchronisation, welche durchaus krude Momente beinhaltet, vor allem dem etwas hölzernen Christopher Mitchum zu mehr Profil verhilft. Nach und nach ziehen Tempo und Härte an, agieren die Antagonisten mit zunehmender Rücksichtslosigkeit, treiben unaufhaltsam auf ein gnadenloses Finale zu.

Christopher Mitchum war bereits 1972 in einem europäischen Rachethriller zu sehen, spielte die Hauptrolle in "Summertime Killer". Stets mutet Mitchums Spiel seltsam bemüht an, er bekommt jedoch immer rechtzeitig die Kurve, hält sich ohne große Schauspielkunst über Wasser und den Zuschauer bei Laune. Ich erwähnte bereits die ansprechende Synchronisation für den deutschsprachigen Raum, Mitchum wird allerdings auch von seinen großartig aufspielenden Kollegen getragen. Barbara Bouchet, eine der attraktivsten Erscheinungen in prächtigen Genrekino der goldenen Siebziger, ist viel mehr als hübsche Dekoration, liefert eine beeindruckende Vorstellung ab. Kokett dreht sie arglosen Passanten Falschgeld an, bringt die Säfte schwerer Jungs in Wallung (die Herren erhalten ein kühles Bad gratis). Wäre ich nicht längst ein begeisterter Verehrer, spätestens jetzt hätte Barbara Bouchet mein Herz erobert. Malisa Longo hat eine weniger dankbare Rolle erwischt, sie bleibt (fast vollständig) auf das Klischee der wehrlosen Gespielin beschränkt, füllt die Schablone immerhin ansprechend aus. Arthur Kennedy wird mir immer als reaktionärer Bulle in Erinnerung bleiben, den er übelst gelaunt in "Das Leichenhaus der lebenden Toten" (1974) vom Stapel ließ. Auch Obergangster Don Vito zeichnet der Amerikaner als echtes Herzchen, unliebsame Gestalten enden im Säurebad, werden bei Bedarf zuvor geprügelt und/oder verstümmelt. Eduardo Fajardo fällt ebenso positiv auf, spielt überzeugend einen undurchsichtigen Unterboss. Filmfreunde werden weitere geschätzte Gesichter erkennen, z. B. den in zahllosen Werken anzutreffenden Luis Induni.

Knapp 90 Minuten gute Unterhaltung! Sicher kein Spitzenwerk des Genres, Platzhirsch Lenzi und sein Team Merli & Milian haben mehr zu bieten, aber für jeden Fan eine klare Pflichtveranstaltung. Mir liegt seit ein paar Monaten die DVD aus den USA vor, veröffentlicht von Dark Sky Films unter dem Titel "Ricco the Mean Machine", trotzdem konnte ich mich der Scheibe von Motion Picture nicht entziehen. Es lohnt sich, gern unterstreiche ich erneut die Qualität der deutschen Synchro (fehlende Stellen liegen in englischer Sprache vor, auf Wunsch sind deutsche Untertitel zuschaltbar), die Bildqualität geht in Ordnung. Im Bonusbereich gibt es u. a. eine Bildergalerie und ein alternatives Ende zu sehen, Trailer zu weiteren Perlen machen Lust auf mehr. Klarer Kaufzwang für Genrefans!

Dicke 7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"... aber wir wollen unseren Frieden. Wir wollen keine Blutrache."

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DVD: Synapse Films (USA)



Wandering Ginza Butterfly (Japan 1971, Originaltitel: Ginchô wataridori)

Meiko glüht vor

Nach drei Jahren kommt Nami (Meiko Kaji) aus dem Gefängnis frei, die Witwe ihres Opfers setzte sich für die vorzeitige Entlassung der jungen Frau ein. In Ginza -dem pulsierenden Vergnügungsviertel Tokios- findet sie Beschäftigung als Hostess in einem Club. Nachdem ihre Vergangenheit durch einen unglücklichen Zufall ans Tageslicht kommt, steht die Betreiberin des Clubs trotzdem zu ihrer neuen Mitarbeiterin, endlich scheint Nami einen Schlußstrich unter die Ereignisse der letzten Jahre ziehen zu können. Unangehmerweise lechzt der lokale Gangsterboss nach dem Etablissement, konfrontiert die Inhaberin mit unerfüllbaren Forderungen. Nami hat einen waghalsigen Rettungsplan in der Hinterhand ...

Wer sich ein wenig mit dem japanischen Exploitationfilm beschäftigt, der wird geradezu zwangsläufig auf Meiko Kaji treffen. Legendär die vierteilige "Sasori" Reihe (1972/73) und die beiden "Lady Snowblood" Streifen (1973/74). Zuvor entstand "Wandering Ginza Butterfly" (in dessen Fortsetzung Meiko an der Seite von Sonny Chiba zu bewundern ist). Regisseur Kazuhiko Yamaguchi erzählt uns die Geschichte einer jungen Frau, berichtet in stilvollen Bildern von ihrer Stärke und Loyalität, von Mut, Demut und Liebe. Garniert mit Humor und Melancholie, freilich nicht ohne Gewaltausbrüche. Vermutlich wird der interessierte Betrachter die bereits genannten Werke zum Vergleich heranziehen. Auf den ersten Blick kann "Wandering Ginza Butterfly" sich nicht mit der überschäumenden Schönheit und Gnadenlosigkeit von "Lady Snowblood" messen, präsentiert sich nicht so bösartig und hart wie "Sasori". Ja, "Schauwerte" springen den Zuschauer weniger offensiv an. Gleichwohl sind sie reichhaltig vorhanden, verlangen allerdings mehr Aufmerksamtkeit und Aufgeschlossenheit. Geschickt ziehen Drehbuch und Regie die Schrauben an. Das "sportliche Duell" zwischen Meiko und einem Schergen des Oberganoven ist großartig inszeniert, darauf folgt ein kurzer Einschub aus Trauer und Regen, schließlich entlädt sich aufgestauter Zorn im rasanten Finale.

Stundenlang könnte ich mich in Lobpreisungen ergehen, ohne Atempause von Meiko Kaji schwärmen. Ihre edle Schönheit, ihre Zartheit, die Unbeugsamkeit und Zielstrebigkeit ihrer Filmcharaktere. Es mutet unfair an, denn das gesamte Ensemble leistet gute Arbeit, Meiko überstrahlt jedoch alle anderen Damen und Herren vor der Kamera, bleibt stets Mittelpunkt in diesem rastlosen Großstadt-Kosmos. Es gibt keine bessere Freundin und keine gnadenlosere Gegnerin als Nami! Ergo verzichte ich darauf mit den Namen anderer Darsteller um mich zu werfen, obwohl mein schlechtes Gewissen hier und da an meinen Eingeweiden nagt. Keine Sorge, im zweiten Teil taucht Sonny Chiba auf, den ich mit Sicherheit nicht zu namenlosen Randnotiz degradieren werde. Übrigens verwöhnt uns der Score mit Meikos Gesang, was will man mehr???

Einsteiger beschaffen sich zunächst "Lady Snowblood" und/oder "Sasori", Süchtlinge freuen sich über die tolle DVD aus dem Hause Synapse Films. Die Scheibe zeigt den Streifen in schöner Qualität, bietet ein Interview mit dem Regisseur an, ferner sind Trailer, Postergalerie und Infos über Meiko Kaji an Bord, hinzu kommt ein Audiokommentar. Per Wendecover lässt sich der Spieltrieb des Käufers befriedigen. Ganz dicke Empfehlung!

7,5/10 (gut bis sehr gut)


Lieblingszitat:

"Did anyone tell you it was going to be easy?"


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Ultrakurz:

• Deadlock (Deutschland 1970) - Roland Klick hetzt Mario Adorf, Anthony Dawson und Marquard Bohm aufeinander, die Wüste bebt! Ganz großes Kino! Großartiger Film auf sehr guter DVD (Filmgalerie 451/Red Line Edition).

8,5/10 (sehr gut bis überragend)


• Revenant - Sie kommen in der Nacht (USA 1998) - Vampir-Sause zwischen Humor und Gewalt, Casper Van Dien erstaunlich gut, Rod Steiger grandios, Udo Kier in einer Nebenrolle. Ansprechende TV-Produktion, die DVD von filmArt ist nicht sensationell, geht aber durchaus in Ordnung.

6/10 (obere Mittelklasse)


• ...die keine Gnade kennen (USA 1977) - Verfilmung der "Operation Entebbe" mit üppigem Staraufgebot. Charles Bronson, Martin Balsam, Horst Buchholz, Jack Warden, Eddie Constantine und weitere bekannte Gesichter. Grandios Yaphet Kotto als Idi Amin! Kaum zu glauben, aber "Raid on Entebbe" ist tatsächlich eine TV-Produktion! Auf der DVD von Ascot Elite ist der Film ungekürzt und in ansprechender Qualität enthalten.

7/10 (gut)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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DVD: Code Red (USA)



Slithis (USA 1978, Originaltitel: Spawn of the Slithis)

Monsterhunger

An der kalifornischen Küste werden verstümmelte Hundekadaver gefunden. Wayne Connors (Alan Blanchard) zeigt Interesse an den seltsamen Vorfällen, während ihn sein Job als Lehrer zunehmend anödet. Wenig später verlieren Menschen auf grausame Weise ihr Leben. Wayne stellt auf eigene Faust Ermittlungen an, findet schwach radioaktiven Schlamm und einen verstörten Augenzeugen. Entsteigt nachts ein Monster den Fluten des Pazifik? Freilich zeigt der zuständige Gesetzeshüter wenig Begeisterung für Waynes Theorie, doch die erschreckende Wahrheit soll weitere Opfer fordern ...

"Slithis" bedient sich bei den Monsterfilmen der fünfziger Jahre, jeder Monsterfan erinnert sich gern an "Schrecken vom Amazonas" (Creature from the Black Lagoon, 1954) von Altmeister Jack Arnold. Angenehmerweise streift "Slithis" jeglichen Muff der biederen Fünfziger ab, kann nie das Jahrzehnt seiner Schöpfung leugnen, die goldenen und wilden siebziger Jahre! Gleich zu Beginn nimmt mich die seltsam trostlose Stimmung der runtergekommenen Küstensiedlung gefangen, in der vorzugsweise abgerissene Gestalten in dunkeln Ecken abhängen. Suff bietet keinen zuverlässigen Schutz vor Monsterzugriffen, Alkohol ist folglich kein Ausweg, Vietnam keine gültige Ausrede. An Humor mangelt nicht, so wurde der Gattin des Helden der klangvolle Vorname "Jeff" verpasst, Besuche auf dem Polizeirevier fühlen sich nach Freakshow an, immer wieder sorgen schräge Dialoge für Schmunzler. Rund 86 Minuten Spieldauer kommen nicht ohne Füllmaterial aus, welches jedoch keine Langweile verbreitet, vielmehr für weitere Lacher beschert. So schleppt ein schäbiger Kerl eine junge Göre ab, man fühlt sich ins Vorspiel eines Softpornos versetzt. Zur Handlung trägt das ungleiche Paar nichts bei, dient lediglich als Futter fürs Monsterchen. Zuvor taucht Irgendwann ein entstellter Wissenschaftler auf und flüstert bedeutungsschwangere Dialoge, nur um ohne weitere Beteiligung in der Versenkung zu verschwinden. In all diesem Geschwurbel dürfen Erklärungsversuche für die Entstehung und den Antrieb des Geschöpfs nicht fehlen, Stephen Traxler haut uns völlig abstruse Theorien um die Ohren, mein Sofa bebte vor Freude!

Alan Blanchard gefällt in der Rolle des neugierigen Lehrers, der wenig Lust verspürt als Etap­pen­schweinpädagoge auf den Ruhestand zu hoffen. Judy Motulsky gibt die hübsche Gattin, darf hier und da die Umtriebe ihres Angetrauten hinterfragen. J.C. Claire sorgt für den unvermeidbaren Wissenschaftler, Dr. John gehört zu den freundlichen Vertretern seiner Zunft. Mello Alexandria schließt sich als mutiger Fischer den Monsterjägern an, John Hatfield bleibt als versoffener Tagedieb in Erinnerung. Fraglos ist das Ungeheuer der wahre Star dieser Sause, geifert im ansprechend gestalteten Monster Suit durchs Szenario.

Mir gefällt die dreiste Sorglosigkeit der Macher! Bei Bedarf wird der Stoff per sinnfreier Füllmasse gestreckt, überdies plagt sich die Story nicht mit dem Bremsklotz namens Logik, herrlich, Radioaktivität macht alles möglich. Unfug und Schmuddel halten den Stoff zusammen, stellenweise großartig, oft wundervoll schräg und zu jeder Sekunde liebenswert. Nüchtern betrachtet macht "Slithis" wenig richtig, unterhält aber auf allen Ebenen vorzüglich. Zumindest wenn der Zuschauer den Siebzigern zugeneigt ist, Monster und haltlosen Schabernack ins Herz geschlossen hat. Lob verdient auch die DVD von Code Red, das Label präsentiert den Flick in stimmungsvoller Verfassung, im Bonusbereich sind diverse Trailer zu finden. Momentan ist die Scheibe im Labelshop wieder erhältlich, schaut bei *** The link is only visible for members, go to login. *** rein, es lohnt sich.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"... these cards don't give you the right to break into a private residence."

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 26.06.2013 12:13 
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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 145 - Schonzeit für Mörder? (Deutschland 1986)

Trümmerfeld des toten Tyrannen

Dr. Arnold Bothe wird schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Zufälligerweise befindet sich Derrick dort gerade zu einer Untersuchung, Stephan plagt die Wirbelsäule. Flugs eilt er zum Sterbenden, kann jedoch lediglich einen Blick in dessen aufgerissene Augen werfen. Bei ihren Ermittlungen treffen Stephan und Harry auf ein merkwürdiges Familiengefüge und die schrullige Haushälterin des Opfers. Offenbar waren alle nahe Verwandten von Dr. Bothe abhängig, der seine Überlegenheit gern und rücksichtslos auslebte. Verdächtig vor allem die junge Ehefrau des Getöteten und dessen Sohn, Helene Bothe (Lena Stolze) und Eberhard Bothe (Christoph Waltz) haben seit einiger Zeit ein Verhältnis ...

Lena Stolze überzeugt mit ihrer Darstellung der zerbrechlichen Witwe, Christoph Waltz mutet zunehmend psychotisch an, überspannt den Bogen jedoch nicht, so gerät Eberhard Bothe nicht zur Karikatur. Horst Bollmann gibt den Bruder des Toten nicht minder überzeugend, lässt sich ausführlich über die Stärke seines Herren aus, suhlt sich in eigener Schwäche. Sein Sohn wird von Volker Lechtenbrink zum Besten gegeben, Ralf Bothe ist ein mittelprächtiger Pianist, neigt zu philoposhischen Anwandlungen mit zynischer Schlagseite. Lechtenbrinks Vorstellung lässt mich nicht los, ist seine Darbietung großartig oder dilettantisch? Ab und zu taucht Hilde Volk als überforderte Haushälterin auf, versteckt sich hinter ihrem kratzbürstigen Schutzwall. Zu Beginn hat Horst Naumann herrliche Szenen mit Horst Tappert. Unser Stephan lässt sich nur widerwillig untersuchen, zeigt sich als ungeduldiger Patient, bewahrt dennoch die Contenance, unverschämter Stumpfsinn ist bekanntlich nicht seine Sache.

Was macht die Herrschaft eines unangreifbaren Familienoberhaupts mit seinen Schäfchen? Sie suchen sich Nischen zur Flucht, geben sich mit der eigenen Mittelprächtigkeit zufrieden, wagen es nicht aufzubegehren. Schlimmer noch, sie werden eventuell zu unkontrollierten Angstbeißern, vielleicht nur für einen kurzen Moment, fraglos mit fatalen Folgen. Nicht immer ist der Tod das Ende, auch nach seinem gewaltsamen Ableben wirkt die Kraft des Toten, treibt einen seiner Schützlinge in den Wahn. Ja, es ist eine oft gedroschene Phrase, aber einmal mehr ist Blut ist dicker als Wasser, bitter und gnadenlos schlägt das Finale zu. Kein Befreiungsschlag möglich, zu mächtig hängt der Schatten des Alleinherrschers über allen Angehörigen. Kurz blickt die Kamera in die Augen des Opfers, Derrick und den Zuschauer lässt dieser Blick nicht los. Was ist dort zu sehen? Finale Erkenntnis des Schreckens? Klarheit den Bogen überspannt zu haben? Tobender Höllensog? Eberhard Schoener unterlegt die Geschehen mit stimmungsvoller Klangmalerei, hier und da scheint eine Nähe zu Angelo Badalamenti zu bestehen.

7/10 (gut)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 27.06.2013 23:18 
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BD+DVD Combo: Shout! Factory (USA)



Death Valley (USA 1982, Originaltitel: Death Valley)

Geschlitze im Tal des Todes

Billy (Peter Billingsley) leidet unter der Trennung seiner Eltern. In seiner Heimatstadt New York verabschiedet sich der kleine Junge tränenreich vom geliebten Vater (Edward Herrmann), fliegt wenig später mit seiner Mutter Sally (Catherine Hicks) in den Südwesten der USA. Während eines gemeinsamen Urlaubs soll Billy sich an Mike (Paul Le Mat) gewöhnen, Jugendliebe und neuer Lebensgefährte der Mutter. Für den kleinen Jungen keine leichte Aufgabe, ebenso eine Herausforderung für Mike und Sally. Beim Spaziergang durch die Wüste entdeckt Billy ein Wohnmobil, offenbar sind die Reisenden nicht anwesend, heimlich lässt der Eindringling eine goldene Kette samt Änhänger verschwinden. Kurz zuvor wurden drei junge Leute grausam im Camper abgeschlachtet, doch Mike, Sally und Billy verlassen den Ort ohne Kenntnis dieser fürchterlichen Vorfälle. Nach kurzer Rast geht die Reise weiter, man trifft auf eine gesicherte Unfallstelle, das zuvor von Billy betretene Wohnmobil liegt nun ausgebrannt neben der Landstrasse. Schon nagt das schlechte Gewissen an Billy, voller Reue übergibt er dem Sheriff (Wilford Brimley) die entwendete Kette, inklusive Mitteilung einer wichtigen Beobachtung. Während sich die Urlauber dem Vergnügen hingeben wollen, bringen weitere Ermittlungen nicht nur den Sheriff in akute Lebensgefahr ...

"Death Valley" reitet zwar auf der "Früh-Achtziger-Slasherwelle" mit, präsentiert aber in mancherlei Hinsicht durchaus eigenständig und erfrischend. Hier wird kein Campus zum Spielplatz des Killers, kein Maskenmann jagt bekiffte Teenies durch den finsteren Wald. Zu Beginn mutet der Streifen nach Scheidungsdrama an. Rührselige Szenen stellen uns Billy vor, ein kluger Junge, dennoch hilflos und traurig über das Zerwürfnis der Eltern. Diesen Faden nimmt man immer wieder auf, Billy lässt den neuen Mann an Mutters Seite gern auflaufen, Mike bemüht sich recht geduldig um die Zuneigung des Kindes. Meist bleibt die Kamera recht nah an den Darstellern, die weitläufige Landschaft dient lediglich als unaufdringliches Umfeld. Spannung und Härte bewegen sich in gemäßigten Bahnen, das durchweg gut aufgelegte Ensemble trägt den Film ohne wüste Exzesse durch kurzweilige 88 Minuten. Regisseur Dick Richards hat keine allzu umfassende Filmographie vorzuweisen, inszeniert gleichwohl mit entspannter Routine, kann sich ohne Ausnahme auf seine Mitstreiter vor und hinter der Kamera verlassen.

Kinder in Filmen, manchmal ein schwieriges Thema. "Death Valley" stellt zu allem Überfluß einen kleinen Jungen mit Hang zur Klugscheißerei in den Mittelpunkt, bringt überdies das Thema Scheidung ins Spiel. Keine allzu guten Vorzeichen für einen gelungenen Filmabend? Gern gebe ich Entwarnung, schnell gewöhnt man sich nicht nur an Billy, nach und nach wächst einem der kleine Bursche sogar ein wenig ans Herz. Peter Billingsley spielt erstaunlich gut, bringt die Trauer über den Verlust des bisherigen Umfelds überzeugend rüber, bereits erwähnte Besserwisserei mag ich Billy kaum anlasten, unter Druck mutiert er nicht zum Superboy, insgesamt angenehm, lobenswert und irgendwie putzig. Catherine Hicks ist jedem Horrorfan bekannt, sie wurde einige Jahre später von Chucky drangsaliert, war dort erneut als besorgte Mutter eines kleinen Jungen zu sehen. Sally gefällt mir gut, sie meistert den schwierigen Spagat zwischen Sohn und Lover erstaunlich, baut beiden Seiten immer wieder goldene Brücken. Paul Le Mat kommt folglich nicht als fieser Stiefvateranwärter daher, Mike ist der freundliche Durchschittstyp für den mittelgroßen Hunger. Als Bösewicht(e) bekommen wir es mit Stephen McHattie zu tun, einem vielbeschäftigter Schauspieler mit markanten Gesichtszügen, im Finale darf er für einige Minuten auf die Pauke hauen, zuvor sorgt er für leichte Gruselschauer. Positiv fällt auch Wilford Brimley auf, er gibt den knuffigen Sheriff, bricht das Klischee vom faulen und widerlichen Dorfbullen auf. Ihr wollt den hässlichsten Babysitter aller Zeiten sehen, obendrein verfressen, aufgedunsen und grenzdebil? Mary Steelsmith dürfte vermutlich unschlagbar sein, herrlich! Damit sind die wichtigsten Akteure genannt, freut euch auf ein sympathisches Trüppchen.

"Death Valley" ist kein Überflieger, bietet dem Genrefan jedoch gute und erfrischende Unterhaltung. Wer sich mit Slashern sonst schwer tut, darf in diesem Fall gern einen Blick riskieren. Zusammenfassend ein kurzweilig erzählter, ansprechend photographierter und überdurchschnittlich gut besetzer Streifen, der auf seinem standfesten Gerüst mit geschätzten Schablonen spielt, dabei teils erstaunlich weit über den Tellerrand blickt. Kleine Jungs mit Brille und seltsamer Frisur ... müssen nicht zwangsläufig nervige Kackbratzen sein. Wieder was gelernt, vielen Dank dafür!

Mir liegt die BD+DVD Combo aus den USA vor, beide Scheiben kommen mit Regionalcode daher. Auf Blu-ray erstrahlt "Death Valley" in sehr schöner Qualität, im Bonusbereich ist eine kleine Auswahl von Trailern zu finden. Ferner befindet sich ein Audiokommentar mit Regisseur Dick Richards an Bord, gute Veröffentlichung eines guten Films. Bisher liegt das Werk in Deutschland lediglich auf einem gekürzten Tape vor. Vielleicht kümmert sich irgendwann ein einheimisches Label um den Flick, mir ist leider nichts davon bekannt, ergo empfehle ich die importierte Version, geeignete Abspielgerätschaften vorausgesetzt.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Behind the sofa, quick."

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 17.07.2013 10:55 
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DVD: Subkultur Entertainment



Die Entfesselten (Frankreich, Italien 1975, Originaltitel: L'agression)

Rache, Wahnsinn und sonstige Irrtümer?

Paul Varlin (Jean-Louis Trintignant) ist mit Gattin Hélène (Michèle Grellier) und Tochter Patty (Delphine Boffy) auf dem Weg in den Urlaub. Auf einer Autobahnraststätte kommt es zu einem kleinen Zwischenfall mit drei Motorradfahrern. Wenig später entdeckt der Familienvater die Biker im Rückspiegel, es folgt eine gefährliche Auseinandersetzung bei hohem Tempo. Schließlich landet die Familie mit ihrem PKW auf einem Feld abseits der Autobahn, Paul liefert sich eine wüste Prügelei mit den erneut auftauchenden Typen und wird bewusstlos geschlagen. Kaum ist der Geprügelte wieder halbwegs auf den Beinen, erblickt er ein Bild des Grauens, Hélène und Patty leben nicht mehr! Zur Beerdigung ihrer Schwester reist Sarah (Catherine Deneuve) an, gelangweilte Ehefrau und kantiger Witwer kommen sich körperlich nahe. Derweil gehen die polizeilichen Ermittlungen nur schleppend vorwärts, Paul wird zunehmend von Rachegelüsten ergriffen ...

Regisseur Gérard Pirès präsentiert uns ein Werk abseits üblicher Rachethriller und/oder Bikermovies. Protagonist Paul Varlin erhebt sich nicht als aufrechter Bürger über den mit Abschaum gefüllten Sumpf, vielmehr bekommen wir es mit einem aufbrausenden Hasardeur zu tun, klare Grenzen zwischen Gut und Böse lösen sich auf. Unerbittlich dreht sich die Spirale, fieser Twist inklusive, die blutige Abrechnung scheint nicht mehr aufhaltbar, glücklicherweise sind Franzosen oft für Überraschungen gut. Auf den ersten Blick mag das Finale zu brav angelegt sein, doch diese gegen aufgebaute Erwartungshaltungen gebürstete Marschrichtung, soll sich letztlich als mutig und konsequent erweisen. Ich möchte nicht zu viel verraten, wende mich daher umgehend den zentralen Charakteren zu.

Jean-Louis Trintignant bricht das Klischee des präzisen Selbstjustizlers auf. Nein, ein wortkarger und zielstrebiger Racheengel ist Paul Varlin keineswegs, vielleicht eine Art Gegenentwurf. Varlin pöbelt mit Vorliebe, verliert schnell die Beherrschung, vögelt nach dem gewaltsamen Tod seiner Gattin deren Schwester. Mit Trintignant hat man die Hauptrolle grandios besetzt, hier wird kein strahlender Held oder höschenbefeuchtender Sexgott benötigt. Catherine Deneuve gibt die frustrierte Hausfrau auf der Suche nach Abenteuern, der gewaltsame Tod von Schwester und Nichte schrumpft zur Nebensache. Auf der Suche nach Liebe, Lust und Aufmerksamkeit, vordergründig symbolisiert ein Wechsel der Frisur Veränderung, den Willen zum Glück und den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Deneuve und Trintignant prallen aufeinander, ineinander, bleiben gemeinsam einsam, Antworten gibt das Finale nicht, an Fingerzeigen mangelt es jedoch keineswegs. In der wichtigsten Nebenrolle sehen wir Claude Brasseur als André Ducatel. Jener Ducatel arbeitet als Kellner, bringt eine herrlich schmierig-schleimige Aura ins Spiel, Brasseur ist für mich der wahre Star des Streifens, daran ändern auch die starken Vorstellungen von Trintignant und Deneuve nichts. André Ducatel verdient den Preis "Schmierlappen des Monats", für Freunde schräger Schweinepriester eine wahre Wonne. Philippe Brigaud gefällt als Gesetzeshüter, während Franco Fabrizi eine weitere Schippe Lustmolch ins Spiel bringt.

Harsche Dialoge sind kein Problem, gar erwünscht? Dann freut euch auf ein kleines Feuerwerk rüder Sprüche und Beschimpfungen, die wilden Siebziger in Bestform! "Die Entfesselten" hat noch mehr zu bieten, so nötigt mir die jederzeit stimmungsvolle Kameraarbeit Respekt ab. Auf das unerwartete Ende habe ich bereits hingewiesen, lasst euch überraschen! Rache mag oft Blutwurst sein, diesmal kommt sie in Form von Schweinskopfsülze mit doppelter Portion Gelee aus der Hüfte. Auf besondere Weise schmackhaft, die Saat geht in Mund, Magen, Herz und Hirn auf, ergo schlucke ich altes Luder allzu gern.

Subkultur Entertainment bietet "L'agression" in schöner Qualität an, auf Wunsch mit dem alternativen Ende der deutschen Kinofassung. Obendrauf gibt es eine Bildergalerie, hinzu kommt ein Booklet mit Anmerkungen von Marcus Stiglegger. Fast hätte ich das Wendecover für Spielkinder unterschlagen. Tolle Veröffentlichung eines prächtigen Films, vielen Dank dafür! Kaufzwang, ist doch klar!

Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut). Sammelwürdigkeit der DVD: 10/10!


Lieblingszitat:

"Die Frau ist bezaubernd. Die Frau ist göttlich. Die Frau ist ein Mirakel. Sie liebt den Schwanz! Das sind die nackten Tatsachen, mein Lieber!"

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 19.07.2013 11:07 
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• Dracula braucht frisches Blut (Großbritannien 1973) - Erneut treffen Dracula (Christopher Lee) und Professor Van Helsing (Peter Cushing) aufeinander. Doch diesmal will der Blutsauger mehr als den Lebenssaft junger Damen, bedroht die Existenz der gesamten Menschheit ...

Ich liebe dieses Spätwerk aus dem Hause Hammer abgöttisch, ergo war meine Freude über eine offizielle Veröffentlichung riesig. Unfassbarerweise ist die deutsche DVD eine bodenlose Frechheit. Ich bin kein Qualitätsfanatiker, aber was hier abgeliefert wurde, unglaublich!

Klar, erneut ziehe feiste 9/10 (überragend) für den Streifen, die DVD kann ich leider nicht empfehlen. Bleibt die Hoffung auf eine britische Auswertung in angemessener Verfassung.



• Serial Mom (USA 1993) - John Waters nimmt die kleinbürgerliche Idylle des braven Durchschnittsbürgers aufs Korn, der schwarze Humor dieser Prachtsause treibt mir Lachtränen über die Wangen. Kathleen Turner war nie besser!

Endlich eine brauchbare Scheibe, zwar bietet die BD von Universal keinerlei Boni, macht aber mit schöner Qualität Freude. Das Bildformat der Kinofassung wird auf einschlägigen Webseiten mit 1,66:1 angegeben, auf der Blu-ray befindet sich der Film jedoch im Format 1,85:1. Allerdings halte ich die Angabe 1,66:1 für fragwürdig, da es sich um ein hauptsächlich in Europa verwendetes Seitenverhältnis handelt. Ich halte nicht viel von nachträglich "angepassten" Auswertungen, hier scheint jedoch tatsächlich das korrekte Bildformat zum Einsatz zu kommen, ich kann die Scheibe mit gutem Gewissen empfehlen.

9/10 (überragend)

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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 146 - Die Rolle seines Lebens (Deutschland 1986)

Stephan auf dem Spielplatz der Schablonen und Kulissen

Martin Theimer (Franz Boehm) war einst ein erfolgreicher Schauspieler, doch Alkoholsucht sorgte für das vorzeitige Ende seiner Karriere. Inzwischen ist Theimer trocken, will erneut im Filmgeschäft Fuß fassen. Mehr noch, eine neue Produktion steht kurz vor Drehbeginn, vermutlich die große Chance auf ein Comeback, scheint der Hauptcharakter doch wie für Theimer auf den Leib geschneidert. Leider hat man die Hauptrolle bereits vergeben, obschon Regisseur Robby Bracht (Peter Bongartz) mit seinem Star Mischa Kranz (Karl-Heinz Vosgerau) nicht allzu glücklich ist. Theimer bittet den Kon­kur­rent um Überlassung der Rolle, dieser nimmt die Anfrage des Kollegen jedoch nicht ernst. Wenig später wird Mischa Kranz tot aufgefunden ...

Stolz verkündet die Straßenbahn ihre Fahrtrichtung, einmal mehr führt uns die Krimireihe nach Grünwald. Diesmal nicht hinter die dicken Wände herrschaftlicher Villen, es zieht uns in den Ortsteil Geiselgasteig, in die Kulissen der Bavaria Filmstadt. Dort treffen wir auf schablonenhafte Charaktere, überraschendes wird nicht geboten, gleichwohl überwiegend solides Schauspiel. Franz Boehm trägt stets eine Spur zu dick auf, so soll wohl keinem Zuschauer die Tragik des großen Künstlers entgehen. Letztlich mehr Schein als sein, daher durchaus nicht ohne unterschwellige Schlitzohrigkeit angelegt, gar nicht so dumm, lieber Herr Reinecker. Sonja Sutter sehen wir als loyale und überfürsorgliche Gattin, Roswitha Schreiner taucht als verstörtes Töchterlein auf. Ja, eine vom Leben gebeutelte Familie, präsentiert per Holzhammer. Peter Bongartz gibt sich als Regisseur sensibler als Erich Hallhuber, der in die Form des glatten Produzenten gepresst wurde. Karl-Heinz Vosgerau darf vor seinem Serientod den Filmstar geben, freilich mit dem Hang zur großen Geste ohne Inhalt, garniert mit Arroganz. Heini Göbel taucht als freundlicher Fahrer auf, Pierre Franckh sehen wir an Roswitha Schreiners Seite, erwartungsgemäß neurotisch anmutend. Bemerkenswert Edwin Noël, er bricht als Journalist Helmut Bossner die Klischees auf, zeigt Herz und Hirn.

Horst Tappert überstrahlt alle Mitwirkenden um Längen. Humorvoll begegnet Stephan Derrick dem schönen Schein der Filmwelt, löst den Kriminalfall nebenbei, sanfter Druck und etwas Geduld reichen völlig aus. Einige herrliche Dialoge sorgen für Schmunzler, ich möchte nichts verraten, überzeugt euch selbst. Harry taucht lediglich als Randnotiz auf, der Stephan macht das schon, auch ohne Wadenbeißer in der Hinterhand. Mittelprächtiger Kriminalfall, Charaktere in abgegriffene Raster gestopft, dazu typischer Duvall Sound in die Suppe gerührt, unaufgeregt von Alfred Weidenmann inszeniert. So bleibt lediglich gepflegte Langeweile? Nein, denn diese Schablonen besitzen Unterhaltungswert, vor allem hält ein souveräner Horst Tappert alles zusammen, meine Verehrung ist ihm auf ewig sicher.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 25.07.2013 10:18 
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• Massenmord in San Francisco (USA 1973) - In einem Bus wird ein fürchterliches Blutbad angerichtet, Sergeant Jake Martin (Walter Matthau) übernimmt die Ermittlungen ...

Stuart Rosenbergs Inszenierung pendelt zunächst zwischen reißerisch und nüchtern, entschliesst sich für die ruhigere Marschrichtung, gewürzt mit teils bissigem Humor und ständig übel gestimmten Protagonisten. Neben Walther Matthau steigen u. a. Bruce Dern und Louis Gossett Jr. ins Geschehen ein. Hanse Sound kommt mit einer soliden BD aus der Kiste, kein Vergleich zum unfassbaren "Dracula braucht frisches Blut" Desaster. Empfohlen für Freunde des Polizeifilms.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)



• The Grey - Unter Wölfen (USA 2012) - Liam Neeson -und ein paar andere Gestalten- überleben den Absturz ihres Fliegers, müssen sich irgendwo in Alaska mit zornigen Wölfen plagen. Ein Kampf auf Leben und Tod nimmt unbarmherzig seinen Lauf ...

Neeson und seine Mitstreiter füllen routiniert ihre Schablonen aus, eingebettet in packende Momente und prächtige Landschaft. Mir gefallen die teils körnigen Bilder sehr gut, so hebt sich der Streifen von glatten Hochglanzprodukten ab. Kein Überflieger, aber solide Unterhaltung, die BD gibt es zum kleinen Preis.

6/10 (obere Mittelklasse)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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DVD: New Entertainment World (Kleine Hartbox, Cover A)



Die Mühle der versteinerten Frauen (Italien, Frankreich 1960, Originaltitel: Il mulino delle donne di pietra)

Massenmord statt Mehl? Tod in Technicolor!

Hans van Harnim (Pierre Brice) soll Aufzeichnungen über eine ungewöhnliche Mühle anfertigen. In diesem alten Bauwerk befinden sich zahlreiche Statuen, die Ausstellung zieht immer wieder zahlreiche Besucher in die Mühle. Zwar begrüßt Mühleneigentümer Professor Gregorius Wahl (Herbert A.E. Böhme) den Neuankömmling nicht allzu herzlich, aber immerhin kann Hans sich sofort an die Arbeit machen. Liselotte (Dany Carrel) hofft auf baldige Vermählung mit ihrem Hans, ergo passt die wunderschöne Tochter Professor Wahls nicht in ihren Plan, denn offenbar zeigt sich Hans zunehmend von Elfie (Scilla Gabel) fasziniert. Tatsächlich kommen sich Hans und Elfie näher, drohendes Unheil nimmt den jungen Mann gefangen, er stürzt in einen Taumel zwischen Realität und Wahn. Welche Rolle spielt der eifersüchtige Dr. Bolem (Wolfgang Preiss), der unverhohlen um Elfies Zuneigung buhlt? Wer kann der Mühle ihr schreckliches Geheimnis entreißen, dem tödlichen Treiben endgültig Einhalt gebieten ...???

Regisseur Giorgio Ferroni beeindruckte mich nachhaltig mit dem meisterlichen Gruselstreifen "La notte dei diavoli" (Night of the devils, 1972). Zu Beginn der sechziger Jahre inszenierte er mit "Die Mühle der versteinerten Frauen" einen ebenfalls bemerkenswerten Film, von Pier Ludovico Pavoni wunderschön fotographiert. Langsam dreht sich die Spirale auf, nimmt der ruhige Erzählfluss mich mehr und mehr gefangen. In der zweiten Hälfte ziehen Tempo und Spannung deutlich an, überdies entfaltet sich die herrliche Gothic Horror Atmosphäre nun vollständig. Prächtige Ausstattung und Kulissen sorgen für Begeisterung, darüber soll aber nicht das starke Ensemble vergessen werden!

Freilich denkt beim Namen Pierre Brice jeder Leser sofort an dessen Paraderolle Winnetou, oft wird der Franzose auf seine Darbietungen im Karl May Kosmos reduziert. Schade, denn hier stellt er durchaus eindrucksvoll unter Beweis, dass er auch abseits der Pseudo-Prärie zu überzeugen vermag. Brice zeigt uns Hans van Harnim als sympathischen Jungspund, meistert auch schwierige Momente ohne Fehl und Tadel. Herbert A.E. Böhme übertreibt bei seiner Darstellung des Professor Wahl hemmungslos, seine Auftritte verleihen dem Treiben einen Hauch Theaterbühne. Wolfgang Preiss gibt den kantig-kühlen Gehilfen, heissblütig beim Anblick der von ihm verehrten Elfie. Pünktlich zum Finale bricht der Mad Scientist hervor, remember Dr. Mabuse? Großartig die Auseinandersetzung zwischen Wahl und Bolem, gezeichnet von gegenseitiger Verachtung, Zorn und blankem Hass! Gothic Horror, da dürfen schöne Frauen nicht fehlen! Welche Dame setzt sich hier in der Disziplin Schönste der Schönen durch? Ich bin noch unentschlossen, tendiere zu Liana Orfei (in einer Nebenrolle zu sehen). Beeindruckend Scilla Gabel, viel mehr als lediglich hübsches Beiwerk, sie zeigt uns Elfie nicht nur als leidendes Schätzchen, packt mich vor allem mit erschreckend psychotischen und kaltherzigen Auswüchsen. Für Dany Carrel bleibt dementgegen nur der Part des braven Liebchens, obschon gefesselt zu reizvollen Einblicken gezwungen.

Vielleicht kommt "Die Mühle der versteinerten Frauen" auf den ersten Blick etwas unscheinbar daher. Lässt man sich allerdings wirklich auf den Film ein, winkt ein prächtiges Gothic Grusel Erlebnis als prächtige Belohnung. Stilsicher gewählte Kulissen/Ausstattung, grandiose Kameraarbeit, punktgenaue Inszenierung und ein starkes Ensemble, wohlige Gruselschauer runden das feurige Finale ab. Ein Film für Einsteiger oder Fortgeschrittene? Ein Werk für aufmerksame Einsteiger und erfahrene Genießer!

NEW präsentiert uns eine brauchbare DVD, diverse Sprachoptionen und eine überschaubare Dosis Bonusmaterial stehen zur Verfügung. Ursprünglich wurden drei unterschiedliche Motive ausgeliefert, verteilt auf zwei kleine und eine große Hartbox. Wer sich nach einer anderen Ausgabe umschauen möchte, sollte auf dem internationalen Markt Alternativen (ohne deutsche Synchronisation) finden.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Hier sind die Damen schon öfter in Ohnmacht gefallen. Das kenne ich."

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 01.08.2013 11:15 
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DVD: Motion Picture (kleine Hartbox #6)



Der Mann auf dem Dach (Schweden 1976, Originaltitel: Mannen på taket)

Grauer Alltag?

Mord im Krankenhaus! Nyman, ein älterer Polizist, wird auf bestialische Art getötet, das Krankenzimmer gleicht einem Schlachthaus. Kommissar Martin Beck (Carl-Gustaf Lindstedt) übernimmt die Ermittlungen, allem Anschein nach war das Mordopfer im Kreis der Kollegen alles andere als unumstritten. Während Beck und seine Mitarbeiter dem Täter auf die Spur kommen, bahnt sich in Stockholm bereits die nächste Katastrophe an ...

Längst haben Kriminalfilme aus Skandinavien den Markt überflutet, oft sind deutsche TV-Sender an der Produktion beteiligt. Lange vor dieser Welle entstand Bo Widerbergs "Der Mann auf dem Dach", Widerberg zeichnet für Regie und Drehbuch verantwortlich. Während zum Auftakt noch mit bedeutungsschwangeren Elementen gearbeitet wird, wir sehen die Sil­hou­et­te einer Person, hören eine Uhr ticken, betrachten schmucklose Opening credits, baut der Film später auf einen nüchternen -fast dokumentarisch anmutenden- Stil. Zuvor gipfeln die ersten Minuten jedoch in einer harschen Gewaltszene, deren Spannungsaufbau und Entladung jedem Horrorstreifen bestens zu Gesicht stehen würde. Nach knapp fünf Minuten stürzen wir in den Feierabend des Protagonisten, Beck versucht sich am Bau eines Schiffsmodells. Auffällig der nahezu vollständige Verzicht auf Bilder von Landschaften und/oder Städten zur Erzeugung von Atmosphäre, stets bleibt die Kamera nah an den Akteuren, irgendwo zwischen pseudo-dokumentarisch und sanft-voyeuristisch. Mutig und konsequent, fraglos eine gute Entscheidung, noch hat der harte Alltag Beck und dessen Umfeld nicht vollständig ausgebrannt, jedoch tiefe Spuren hinterlassen, bleibt unauslöschbar eingebrannt.

Carl-Gustaf Lindstedt verhilft Beck nicht nur zu einem Gesicht mit Charakter, er beherrscht feine Zwischentöne und legt den Ermittler nie als Übermensch an. Sehr gut gefällt mir Håkan Serner als Einar Rönn, hinter der müden Fassade steckt ein cleverer Ermittler mit Humor, Lindstedt und Serner haben gemeinsam großartige Szenen. Sven Wollter und Thomas Hellberg hinterlassen auf der Zielgeraden ihre Duftmarken. Wollter eilt Beck zu Hilfe, begibt sich als Lennart Kollberg in Lebensgefahr. Hellberg sehen wir als vorlauten Polizisten Gunvald Larsson, der unter Druck zunehmend präzise und klug agiert. Gewissermaßen Gegenpol zu Einsatzleiter Malm (Torgny Anderberg), welcher in erster Linie Disziplin einfordert, mit der brenzligen Situation immer weniger klarkommt, schliesslich als Häufchen Elend durchs Bild stolpert.

Bo Widerberg bleibt dem gewählten Stil treu. Das Finale ersteckt sich über rund 45 Minuten, Schusswechsel verkommen nie zum inhaltlosen Selbstzweck, sogar der dramatische Absturz eines Hubschraubers passt perfekt ins Bild. Beck will das Ruder per Einzelaktion übernehmen, landet hart und schmerzhaft auf dem Boden der Realität, hoch über den Bürgersteigen der Stadt. Sogar in den letzten Sekunden widersetzt sich Widerberg einem einfachen und eindeutigen Ausweg, lässt Gunvald Larsson den Anker der Vernunft werfen, stösst damit vermutlich die Erwartungshaltung vieler Zuschauer in den Abgrund. Seit Jahrzehnten bereichern Filme mein Leben, erfüllen meine kleine Welt mit Liebe, Lust und Leidenschaft. Wie gut es sich anfühlt, auch nach so vielen Jahren immer wieder neue Perlen zu entdecken, bisher unentdeckte Schätze zu heben. Nachdem ich in der vergangenen Nacht die Gerätschaften in den Schlaf versetzt hatte, ließen mich die Gedanken an das vorherige Filmerlebnis nicht los.

Großes Lob verdient die DVD aus dem Hause Motion Picture. "Der Mann auf dem Dach" wird in grandioser Qualität angeboten, der Ton liegt in deutscher und schwedischer Sprache vor, deutsche Untertitel auf Wunsch zuschaltbar, im Bonusbereich sind prächtige Trailer zu anderen Titel des Labels zu bewundern. Hier gibt es nicht nur eine klare Kaufempfehlung, hier herrscht unvermeidbarer Kaufzwang!

Zunächst ziehe ich dicke 8,5/10 (sehr gut bis überragend)! Die Scheibe wird mit Sicherheit bald erneut im Player landen, ich freue ich darauf!


Lieblingszitat:

"Unsere Neuen haben vor ihm große Angst gehabt."

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 02.08.2013 09:53 
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• Extreme Justice (USA 1993) - Eine kleine Spezialeinheit der Polizei geht mit fragwürdigen Methoden gegen Gesetzesbrecher vor, inoffiziell von den Oberen der Stadt gewünscht und toleriert. Jeff Powers (Lou Diamond Phillips) gilt als schwieriger Bulle, daher hält ihn Dan Vaughn (Scott Glenn) für die perfekte Ergänzung der Einheit. Bald kann Jeff die menschenverachtende Vorgehensweise seiner neuen Kollegen nicht mehr ertragen ...

Hach, ich mag Lou Diamond Phillips. Zwar irgendwie immer eine Fehlbesetzung, aber ein echter Typ. Scott Glenn gewohnt zuverlässig, Yaphet Kotto mal wieder herrlich irre. Insgesamt eine sehr erfreuliche Veröffentlichung aus dem Hause filmArt, vielen Dank!

6,5/10



• Messias des Bösen (USA 1973) - Arletty (Marianna Hill) begibt sich auf die Suche nach ihrem Vater. Offenbar hat dieser in einem kleinen Nest residiert, ist nun jedoch nicht mehr auffindbar. Was geht in der kleinen Ortschaft vor, welch erschreckende Wahrheit lauert auf die junge Frau ...???

Teils liebenswert schrulliger und kantiger Horrorflick, die Sause hat sich einen tiefen Atemzug späte Sechziger gegönnt. Post-psychedelischer Stoff für aufgeschlossene Freunde etwas abseitiger Horrorunterhaltung.

6/10



• Bruce Lee - Der Unbesiegte (Taiwan 1981) - Eastern von der Stange mit Bruce Lee Clone Bruce Li. Freilich mit reichlich Fratzengeballer, dazu eine Hintergrundgeschichte im Filmgeschäft, inklusive schleimiger und schmieriger Typen, Versicherungsbetrug und Freundschaft.

Bruce Li ist in der Hauptrolle zu sehen, wird überdies als Regisseur und Produzent angegeben. Bruceploitation für Nimmersatte, die deutsche Synchronisation hat einige Brüller zu bieten, kann die Form aber nicht über die gesamte Spieldauer halten. Die DVD von Motion Picture gefällt mit stimmungsvoller Qualität, als Bonus befindet sich die stark gekürzte Videofassung an Bord.

6,5/10

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 07.08.2013 12:04 
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BD: Ascot Elite



Ein Teufelskerl (Australien, Neuseeland, USA 1981, Originaltitel: Race for the Yankee Zephyr)

Action & Abenteuer im familienfreundlichen Gewand

Barney (Ken Wahl) und Gibbie (Donald Pleasence) jagen Wild per Hubschrauber. Ihr Erfolg bleibt überschaubar, Barneys Helikopter gleicht einem Schrotthaufen, Gibbie schaut gern sehr tief in die Flasche. Zufällig entdeckt der alte Suffkopp eines Tages das Wrack der Yankee Zephyr, in den Wirren des 2. Weltkriegs war die Transportmaschine verschwunden. Zu seiner Freunde stößt Gibbie auf Alkohol, vor allem befinden sich jede Menge Orden, Geld und Gold an Bord des Flugzeugs. Leider streikt Barneys Hubschrauber, mit viel Überredungskunst kann Gibbie Töchterlein Sally (Lesley Ann Warren) zur Finanzspritze bewegen. Freilich bleibt der sensationelle Fund nicht lange Geheimnis des Trios, bald heften sich Ganove Theo Brown (George Peppard) und seine freundlichen Mitarbeiter an die Fersen unserer Helden ...

David Hemmings machte sich nicht nur als Schauspieler einen Namen ("Blow Up" (1966), "Profondo rosso" (1975)), er war überdies als Regisseur und Produzent aktiv. Mit "Ein Teufelskerl" präsentiert er uns einen kurzweiligen Mix aus Abenteuer, Action und Humor. Auf wüste Gewaltausbrüche oder schlüpfrige Momente wird verzichtet, diese Marschrichtung verhilft dem Streifen zu einer moderaten Altersfreigabe. Ich möchte von "familienfreundlich" sprechen, ausnahmsweise fungiert die Bezeichnung nicht als abschreckender Stempel. Nicht nur George Peppard weckt Erinnerungen an die TV-Serie "A-Team" (1983-87), auch hier wird viel (und überwiegend folgenlos) geballert, herrlich übertrieben und nach kreativen Lösungen gesucht. Gedreht wurde inmitten der prächtigen Landschaft Neuseelands, Vincent Monton fängt schöne Bilder ein, degradiert die Schauspieler jedoch nie zu Statisten.

In den achtziger Jahren hatte Ken Wahl stattliche Bekanntheit erlangt, aus der ganz großen Karriere wurde dennoch nichts. Als Barney kommt er unverbraucht und gut gelaunt daher, Mangel an Durchblick und Können wird durch Mut und Glück kompensiert. Donald Pleasence sehe ich immer gern, nicht nur -aber auch- wegen seiner unvergessenen Darbietung des Dr. Sam Loomis, ewiger Gegenspieler von Maskenmann Michael Myers (Halloween (1978) und diverse Fortsetzungen). Diesmal gibt Pleasence keinen Neurotiker am Rande des Wahnsinns, Gilbert "Gibbie" Carson ist ein liebenswerter und schrulliger Bursche, bei Bedarf durchaus mit Schlitzohrigkeit und Durchhaltevermögen ausgestattet. So liefert sich Gibbie mit allen wichtigen Figuren kleine und grössere Auseinandersetzungen, greift im Suff zur Kettensäge, treibt Obergauner Brown zur Weißglut. George Peppard verbinden vermutlich viele Zuschauer mit seiner Paraderolle Hannibal, dem Kopf des "A-Team", tatsächlich mutet Theo Brown wie eine Art böse Ausgabe dieses Charakters an, debiles Grinsen inklusive. Ständig drangsaliert er seine Schergen, oft von wenig Erfolg gekrönt, indessen ist Rückzug keine Option. Lesley Ann Warren fällt durch ausdrucksstarke Augen auf, zunächst widerspenstig und zickig, erliegt sie nach und dem Charme ihres Begleiters und Helden Barney, angenehmerweise bleiben uns allzu schmalzige Momente erspart. In Nebenrollen ballern, prügeln und pöbeln sich kantige Herren durchs Szenario, sorgen dank zunehmender Überforderung für einige Lacher.

Freut euch auf humorige Dialoge, unblutige Action in toller Abenteuerkulisse, liebenswerte Charaktere und ans Herz gewachsene Schauspieler. Fast hätte ich nicht auf die sehr sehenswerten Hubschrauberszenen hingewiesen, die Stuntpiloten leisten erstklassige Arbeit! Für den stimmungsvollen Soundtrack sorgte der australische Komponist Brian May.

Erst seit wenigen Wochen ist "Ein Teufelskerl" in Deutschland auf DVD und BD erhältlich, Ascot Elite veröffentlichte die ungekürzte Fassung, mir liegt die BD vor. Sieht man von den ersten rund neun Minuten ab (bis zum Ende der Opening credits), bietet die Scheibe den Film in schöner Qualität an. Für die ehemals entfallenen Szenen liegt keine deutsche Synchronisation vor, an diesen Stellen wird auf den englischen Originalton umgeschaltet, leider hat Ascot keine Untertitel anfertigen lassen. Daher drängt sich der Originalton auf, keine schlechte Option, doch die deutsche Fassung möchte ich als durchaus hörenswert bezeichnen, ergo ist die im Detail lieblose Auswertung ein wenig ärgerlich. Zugegben, der geringe Preis mag karge Ausstattung rechtfertigen, ich würde allerdings gern ein paar Taler mehr ausgeben, wenn ich dafür eine sorgfältiger erstellte Scheibe in den Händen halten darf.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Sie scheinen ein Mann unendlicher Wohltätigkeit zu sein!"

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 08.08.2013 11:47 
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• Emanuelle in America (Italien 1977) - Erneut begibt sich Journalistin und Fotografin Emanuelle (Laura Gemser) auf Reisen, entlarvt mutig und konsequent Doppelmoral und Perversion in Reihen der "Oberschicht". Ein Blick -nicht nur- in die Gemächer von Adel, Geldadel und Politik ...

Joe D'Amato setzt Laura Gemser -einmal mehr- gekonnt in Szene, schenkt dem Zuschauer zahlreiche sinnliche Momente. Für die unvermeidbare Dosis Schmuddel sorgt das Umfeld, hier und da verpasst D'Amato uns schmerzhafte Tiefschläge. Freut euch auf den prächtigen Mix aus "Gemser-Ästhetik", Knuffelschmuddel und abgründiger Fiesheit, sanft mit Humor und Träumereien abgeschmeckt. Zum Ausklang gibt es eine Prise "Post-Hippie-Love-and-Peace-Atmosphäre" zu bestaunen, der tatsächliche Schlußpunkt lässt die sanfte Blase zerplatzen. Ja, ich fahre total auf die Kombination D'Amato & Gemser ab, obschon der Vorgänger "Emanuelle in Bangkok" (Italien 1976, Originaltitel: Emanuelle nera: Orient reportage) mich noch intensiver zu packen und begeistern vermag.

In Deutschland wurde "Emanuelle in America" im Kino und auf Tape zunächst unter dem Titel "Black Emanuelle - Stunden wilder Lust" gezeigt, später ebenfalls als "Black Emanuelle in America" angeboten. Mir liegt eine DVD aus Italien vor, diese enthält die Integralfassung, inklusive kurzer HC-Einschübe (an denen Frau Gemser freilich nicht beteiligt war). Auf der Scheibe befindet sich u. a. die deutsche Synchronisation, jedoch in recht bescheidener Qualität. Weiterhin enthält das Set eine zweite DVD, ich werde mir das Bonusmaterial in den nächsten Tagen anschauen.

7/10 (gut)

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
PostPosted: 09.08.2013 14:17 
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DVD: explosive media



Prime Cut - Die Professionals (USA 1972, Originaltitel: Prime Cut)

Würstchen aus Kansas

In Chicago werden die Gangsterbosse zunehmend ärgerlich! Mary Ann (Gene Hackman) schuldet dem Syndikat bereits eine halbe Million Dollar, denkt jedoch nicht daran einen einzigen Cent zu berappen. Mehr noch, er sendet den letzten Geldeintreiber per Post zurück, verarbeitet zu Mettgut und in Würstchenpelle gepresst. Nun baut man auf die Dienste von Nick Devlin (Lee Marvin), mit ein paar Helferlein macht er sich auf den Weg nach Kansas. Dort betreibt Mary Ann einen Schlachthof, verkauft überdies junge Mädchen und Drogen. Nick befreit Poppy (Sissy Spacek) aus den Fängen seines Gegenspielers, kein geeignetes Mittel zur Entspannung der Gesamtsituation. Weder Platzhirsch noch Inkassobeauftragter können nachgeben, offenbar vermag nur noch der Griff zur groben Kelle für Klärung sorgen ...

Beim Stichwort "New Hollywood" wird vermutlich kaum der Name Michael Ritchie fallen. In den sechziger Jahren war der Regisseur für TV-Produktionen aktiv, sein kerniger Gangsterthriller "Prime Cut" fand leider kaum Beachtung. Immerhin konnte Ritchie später diverse Erfolge verbuchen, als Beispiele möchte ich "Die Bären sind los" (1976) und "Fletch - Der Troublemaker" (1985) anführen. "Prime Cut" ist kein Werk feiner Zwischentöne, zielstrebig schreitet der Plot vorwärts, alle relevanten Charaktere sind klar umrissen, Tiefgang oder Überraschungen stehen nicht auf der Speisekarte. Gewaltdarstellungen geraten nie allzu ausufernd, Stärke des Streifens ist die stets bedrohliche und aufgeladene Atmosphäre. Hier und da bleibt Raum für prächtige Bilder, in dieser Hinsicht punkten vor allem atemlose Momente im Kornfeld, in der ein fetter Hinterwäldler Marvin und Spacek per Mähdrescher ans Fell will, Alfred Hitchcock lässt grüßen. Später hauen sich die Gegenspieler inmitten malerischer Sonnenblumenfelder heißes Blei um die Ohren, wohl eine Verneigung vor dem "Sunflower State" Kansas.

Lee Marvin und Gene Hackman prallen mit aller Wucht aufeinander. Marvin zeigt uns Nick Devlin als Ganoven mit Anstand, ohne Zögerlichkeit befreit er gewissermaßen Jungfrau Poppy aus den Krallen teuflischer Bestien. Sissy Spacek dankt es ihrem Retter mit Aufmerksamkeit und Zuneigung. Allerdings bewegt sich die Beziehnung zwischen Poppy und Nick überwiegend auf einer "Vater-Tochter-Ebene", obschon der ältere Herr die Bewunderung sichtlich genießt, sich an der erfrischenden Unverdorbenheit seines Schützlings labt. Zurück zum Duell Marvin vs. Hackman. Während Nick noch immer ein großes Herz im Leib trägt, kommt Hackman als Mary Ann -was für ein Name für einen knallharten Schwerverbrecher- wie das bellende Konzentrat des Bösen daher. Unbequeme Gauner zu beseitigen mag in seinen Kreisen normal sein, hemmungsloser Menschenhandel und Drogenvertrieb sind ein anderer Sport, Sport für den Nick keinerlei Toleranz aufbringt. Folglich bieten Originalton und deutsche Synchronisation etliche Grobheiten auf, vor allem Mary Ann erweist sich Freund harscher Worte. Marvin, Hackman und Spacek spielen großartig, ich möchte einige Nebendarsteller dennoch kurz würdigen. Im Angebot habe ich Gregory Walcott, er stellt Wennie dar, Mary Anns Bruder. Weenie gibt sich nicht minder menschenverachtend, indes fehlt ihm der abgebrühte Verstand seines Bruders, dient er als Metzergeselle des Grauens dem Unheil. Angel Tompkins fällt der Part ruchloses Flittchen zu, typische Gangsterbraut, freilich war sie vor Mary Ann mit Nick Devlin zusammen, würde den Hengst gern erneut wechseln. Janit Baldwin sehen wir als Violet, Poppys beste Freundin muß als Spielplatz für Wennies Perversionen herhalten. Lee Marvins Begleiter bleiben unscheinbar, der Chef schultert das Unternehmen sowieso.

Starkes Ensemble, stimmungsvolles (und stilsicher eingefangenes) Umfeld, gut dosierte Mischung aus rohen Dialogen, Spannung, Action und Gewalt. Mich hat die gradlinige Marschrichtung nicht gestört, Michael Ritchie inszeniert punktgenau, seine Darsteller füllen ihre Schablonen mit Leben auf, geben Klischees neue Kraft.

explosive media präsentiert "Prime Cut" auf einer guten DVD, ungekürzt und in ansprechender Qualität. Im Bonusbereich findet der Filmfreund Trailer und Bildergalerie. Wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann das etwas einfallslos gestaltete Cover. Leider ziert das Motiv nicht nur den Schuber, sondern auch Cover und Wendecover der DVD-Hülle. Ferner liegt ein Booklet mit Anmerkungen von Markus Tschiedert bei. Tschiedert schreibt kurzweilig und gehaltvoll, ich möchte daher mit einem Zitat schließen: "Dennoch ist "Prime Cut" ein knallharter Gangsterfilm mit einem stets sarkastischen Unterton, ein Zeugnis seiner Zeit, als in Hollywood für kurze Zeit eine kreative Kraft und Euphorie herrschte."

7,5/10 (gut bis sehr gut) Klarer Kauftipp!


Lieblingszitat:

"Weißt Du was Chicago ist? Chicago ist 'ne alte kranke Sau! Sie vegetiert nur noch so vor sich hin und erstickt im eigenen Mist!"

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 Post subject: Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.
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• Geschichten aus der Gruft (Großbritannien, USA 1972) - Zu "Tales from the Crypt" habe ich bereits einen kleinen Beitrag geschrieben, damals nach Sichtung der DVD aus Großbritannien. Inzwischen wurde der Film von Anolis für den deutschsprachigen Markt ausgewertet, das Set enthält eine DVD und eine BD. Zu beachten ist die unterschiedliche Ausstattung der beiligenden Scheiben, bei mir war vergangene Nacht die BD im Player, mit deren Qualität ich durchaus zufrieden bin. Fans haben nun offiziellen Zugriff auf die deutschen Fassungen (TV-Synchro nur auf DVD), diverse Extras -inklusive Booklet- sorgen für zusätzliche Freude. Empfehlung!

An meiner Begeisterung für Cushing, Collins und Co. hat sich nichts geändert, erneut ziehe ich dicke 8/10 (sehr gut)!



• Auf den Schwingen des Todes (USA 1986) - Mickey Rourke als IRA-Terrorist der austeigen will, Bob Hoskins möchte das verlorene Schäfchen retten, Liam Neeson soll den alten Kameraden auf Kurs bringen, Alan Bates gibt den schmierigen Ganoven. Starkes Ensemble, der vorhersehbare Plot hat mich bei diesem Streifen noch nie gestört. Mehr Drama als Thriller oder gar Action, erwartet bitte keine atemlose Spannung oder wüstes Geballer. Koch Media hält den Streifen auf DVD und BD bereit. Ich habe zur BD gegriffen, solide Qualität zum fairen Preis.

8/10 (sehr gut)

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